25. S inng. Gaumrers 11 renrhe ft Nljemannia Gießzen 29. Juli 1887. — — —n— I. Sind wir vereint zur guten Stunde, ein ſtarker deut— ſcher Männerchor, ſo dringt aus jedem frohen Munde die Seele zum Gebet hervor; denn wir ſind hier in ernſten Dingen mit hehrem, heiligem Gefühl;:, d'rum ſoll die volle Bruſt erklingen ein volles, helles Saitenſpiel.,: 2. Wem ſoll der erſte Dank erſchallen? Dem Gott, der groß und wunderbar aus langer Schande Nacht uns Allen in Flammenglanz erſchienen war; der unſ'rer Feinde Trotz zerblitzet, der unſ're Kraft uns ſchön erneut, und auf den Sternen waltend ſitzet von. Ewigkeit zu Ewigkeit. 3. Wem ſoll der zweite Wunſch ertönen? Des Vater⸗ landes Herrlichkeit! Verderben Allen, die es höhnen! Glück dem, der mit ihm fällt und ſteht! Es geh', durch Tugenden bewundert, geliebt durch Redlichkeit und Recht, ſtolz von Jahrhundert zu Jahrhundert, an Kraft und Ehren ungeſchwächt. 4. Das Dritte, deutſcher Männer Weide, am hellſten ſoll's geklungen ſein! Die Freiheit heißet deutſche Freude, die Freiheit führt den deutſchen Reih'n; für ſie zu leben und zu ſterben, das flammt durch jede deutſche Bruſt; für ſie um hohen Tod zu werben, iſt deutſche Ehre, deutſche Luſt. 5. Das Vierte— hebt zur hehren Weihe die Hände und die Herzen hoch!— Es lebe alte deutſche Treue, es lebe deutſcher Glaube hoch! Mit dieſen wollen wir beſtehen, ſie ſind des Bundes Schild und Hort; fürwahr, es muß die Welt vergehen, vergeht das feſte Männerwort! 6. Rückt dichter in der heil'gen Runde, und klingt den letzten Jubelklang! Von Herz zu Herz, von Mund zu Munde erbrauſe freudig der Geſang! Das Wort, das unſern Bund geſchürzet, das Heil, das uns kein Teufel raubt, und kein Tyrannentrug uns kürzet, das ſei gehalten und geglaubt! Schwört's bei dieſer blanken Wehre, ſchwört's ihr Brüder allzumal: Fleckenrein ſei unſ're Ehre, wie ein Schild von lichtem Stahl! Was wir ſchwören, ſei gehalten treulich bis zur letzten Ruh!:;: Hört's ihr Jungen, hört's ihr Alten, Gott im Himmel hör's auch Du!:; 2. Freiheit, duft'ge Himmelsblume, Morgenſtern nach banger Nacht! Treu vor deinem Heiligthume ſteh'n wir alle auf der Wacht. Was erſtritten unſ're Ahnen, halten wir in ſtarker Hut.*³B Freiheit ſchreibt auf eure Fahnen, für die Freiheit unſer Blut!:, 3. Deutſches Land, du Land der Ehre, ſtolze Braut mit freier Stirn! Deinen Fuß benetzen Meere, deinen Scheitel krönt der Firn. Laß um deine Huld uns werben, ſchirmen dich mit unſ'rer Hand.:,: Dein im Leben, dein im Sterben, ruhmgekröntes Vaterland.:: 4. Schwenkt der Schläger blanke Klingen, hebt die Becher, ſtoßet an! Unſer Streben, unſer Ringen, aller Welt ſei's kund gethan. Laßt das Burſchenbanner wallen, haltet's hoch mit ſtarker Hand.:: Brauſend laßt den Ruf erſchallen: Freiheit, Ehre, Vaterland!:, III. Alemannia's hehrem Rufe folgten wir, und freudig ſteht die kräft'ge Männerreihe geſchaaret um ihr heiliges Panier, aus heit'rer Bruſt entquillt das Lied der Weihe; wir ſingen nicht von Reichthum, eitler Pracht, dem Vater⸗ lande tönen unfre Lieder,:; der Väter Tugend huld'gen ſtets wir, traute Brüder, ſie gründet unſers Bundes Ruhm und Macht.;: 2. Die deutſche Treu' erkoren wir als Hort, der Ahnen Sitte woll'n wir immer leben, als Freunde wahr und treu dem Manneswort, ſo woll'n das Glück hienieden wir er⸗ ſtreben! Und wenn des Schickſals Stürme toſend weh'n, wir werden in der Brandung nicht zerſchellen, zum ſchwer⸗ ſten Ringen wird uns ſtets die Treue ſtählen, und ſiegreich wir trotz Trug und Liſt beſtehn! 5 3. Die Ehre wahren wir als höchſtes Gut, iſt mühſam gleich ihr enger Pfad zu wandeln, das Recht gedeihet nur in ihrer Hut, drum leite ſie allein der Brüder Handeln! Wir bieten ſie um Perlen nicht, um Geld, und drücket uns auch bitt'res Elend nieder, dem Recht, der Ehr' und Treue ſchallen unſre Lieder: des Laſters Hohn ſei unſers Strebens Sold. 4. Gegrüßt ſeid theure Farben blau⸗roth⸗gold! erkor'nes Banner ächter deutſcher Sitte, o möchtet ihr auf ewig freu⸗ dig blüh'n, zum Sternenzelt entſenden wir die Bitte. Laßt kreiſen nun den ſchäumenden Pokal in trauter Runde, meine theuren Brüder, uns ruft der Luſt und Freude holde Göttin wieder: ſie herrſche bei dem hehren Bundesmahl. IV. Stoßt an! Gießen ſoll leben! Hurrah hoch! Die Philiſter ſind uns gewogen meiſt, ſie ahnen im Burſchen, was Freiheit heißt.: Frei, frei, frei iſt der Burſch!„ 2. Stoßt an! Alemannia lebe! Hurrah hoch! Der die Sterne lenket am Himmelszelt, der iſt's, der unſere Fahne hält. Frei ꝛc. 3. Stoßt an! Vaterland lebe! Hurrah hoch! Seid der Väter heiligem Brauche treu, doch denkt der Nachwelt auch dabei! Frei ꝛc. 4. Stoßt an! Kaiſer ſoll leben! Hurrah hoch! Er verſprach zu ſchützen das alte Recht, d'rum wollen wir ihn auch lieben recht. Frei ꝛc. 5. Stoßt an! Frauenlieb' lebe! Hurrah hoch! Wer des Weibes weiblichen Sinn nicht ehrt, der hält auch Frei⸗ heit und Freund nicht werth. Frei ꝛc. 6. Stoßt an! Männerkraft lebe! Hurrah hoch! Wer nicht ſingen, nicht trinken und lieben kann, den ſieht der Burſch voll Mitleid an. Frei ꝛc. 7. Stoßt an! Freies Wort lebe! Hurrah hoch! Wer die Wahrheit kennet und ſaget ſie nicht, der bleibt fürwahr ein erbärmlicher Wicht. Frei ꝛc. 6 8. Stoßt an! Kühne That lebe! Hurrah hoch! Wer die Folgen ängſtlich zuvor erwägt, der beugt ſich, wo die Gewalt ſich regt. Frei ꝛc. 9. Stoßt an! Burſchenwohl lebe! Hurrah hoch! Bis die Welt vergehet am jüngſten Tag, ſeid treu, ihr Burſchen, und ſinget uns nach::;„Frei, frei, frei iſt der Burſch!“:; V. Auf, ſchwärmt und trinkt, geliebte Brüder! wir ſind uns alle herzlich freund; ſind eines großen Bundes Glieder, im Leben wie im Tod vereint; und trotz der Zeiten Sturm und Graus, wir halten treu und redlich aus! 2. Ich bring' dem blau⸗roth⸗goldnen Bande, das unſre Herzen ſanft umzog, dem theuren deutſchen Vaterlande aus voller Bruſt ein donnernd Hoch! Wir ſchwuren ja, ihm treu zu ſein und Kraft und Leben ihm zu weihn. 3. So laßt uns unſern Schwur erneuen, den kein Ver⸗ hängniß je geſchwächt, und Herz und Hand dem Freunde weihen für Freiheit, Liebe, Kraft und Recht! Ja, Deutſch⸗ land ſoll gedeihn und blühn und hoch in Kraft und Liebe glühn! 4. Hört, wackre Brüder, hört, ich weihe— Verrätherei ſei ſchwer gerächt!— dem großen Bunde ew'ge Treue für Freiheit, Liebe, Kraft und Recht! In Kraft und Liebe will ich glühn und für das Recht den Schläger ziehn! 5. So iſt der Bund aufs neu' beſchworen, das Glück ſoll freudig ihn umwehn! So haltet feſt, was wir erkoren, der Brüder Freiheit ſoll beſtehn! Es lebe Lieb' und Vaterland und hoch das blau⸗roth⸗goldne Band! VI. O alte Burſchenherrlichkeit, wohin biſt du verſchwun⸗ den? Nie kehrſt du wieder, goldne Zeit, ſo froh, ſo unge⸗ bunden! Vergebens ſpähe ich umher, ich finde deine Spur nicht mehr. O jerum, jerum, jerum! o quae mutatio rerum! —— 7 2. Den Burſchenhut bedeckt der Staub, es ſank der Flaus in Trümmer, der Schläger ward des Roſtes Raub, erblichen iſt ſein Schimmer, verklungen der Commersgeſang, verhallt Rapier⸗ unb Sporenklang. O jerum, jerum, elc. 3. Wo ſind ſie, die vom breiten Stein nicht wankten und nicht wichen, die ohne Moos bei Scherz und Wein den Herr'n der Erde glichen? Sie zogen mit geſenktem Blick in das Philiſterland zurück. 4. Da ſchreibt mit finſterm Amtsgeſicht der Eine Rela⸗ tionen, der And're ſeufzt bei'm Unterricht, und der macht Recenſionen, der ſchilt die ſünd'ge Seele aus, und der flickt ihr verfall'nes Haus. 5. Allein das rechte Burſchenherz kann nimmermehr erkal⸗ ten; im Ernſte wird, wie hier im Scherz, der rechte Sinn ſtets walten; die alte Schale nur iſt fern, geblieben iſt uns doch der Kern, und den laßt feſt uns halten! 6. Drum, Freunde! reichet euch die Hand, damit es ſich erneue der alten Freundſchaft heil'ges Band, das alte Band der Treue. Klingt an und hebt die Gläſer hoch, die alten Burſchen leben noch, noch lebt die alte Treue! VII. Alles ſchweige! Jeder neige ernſten Tönen nun ſein Ohr! Hört, ich ſing' das Lied der Lieder! Hört es, meine deutſchen Brüder,:, hall' es:, wieder, froher Chor! 2. Dentſchlands Söhne, laut ertöne euer Vaterlands⸗ geſang!— Vaterland, du Land des Ruhmes, weih' zu deines Heiligthumes:, Hütern: uns und unſer Schwert! 3. Hab' und Leben dir zu geben, ſind wir alleſammt bereit,— ſterben gern zu jeder Stunde, achten nicht der Todeswunde,:, wenn das:“ Vaterland gebeut. 4. Wer's nicht fühlet, ſelbſt nicht zielet ſtets nach deutſcher Männer Werth,— ſoll nicht unſern Bund entehren, nicht bei dieſem Schläger ſchwören, nicht;;; entweih'n das deutſche Schwert. 5. Lied der Lieder, hall' es wieder: groß und deutſch ſei unſer Muth!— Seht hier den geweihten Degen, thut, wie brave Burſche pflegen, und durchbohrt den freien Hut! 6. Seht ihn blinken in der Linken, dieſen Schläger, nie entweiht!— Ich durchbohr' den Hut und ſchwöre, halten will ich ſtets auf Ehre,: ſtets ein:,: braver Burſche ſein. 7. Nimm den Becher, wackrer Zecher, vaterländ'ſchen Trankes voll!— Nimm den Schläger in die Linke, bohr' ihn durch den Hut und trinke:,: auf des:, Vaterlandes Wohl! 8. Komm, du blanker Weihedegen, freier Männer freie Wehr! Bringt ihn feſtlich mir entgegen von durchbohrten Hüten ſchwer. Laßt uns feſtlich ihn entlaſten; jeder Scheitel ſei bedeckt, und dann laßt ihn unbefleckt bis zur nächſten Feier raſten! 9. Auf ihr Feſtgenoſſen, achtet unſ're Sitte, heilig, ſchön! Ganz mit Herz und Seele trachtet, ſtets als Män⸗ ner zu beſteh'n.— Froh zum Feſt, ihr trauten Brüder; Jeder ſei der Väter werth! Keiner taſte je an's Schwert, der nicht edel iſt und bieder! 10. So nimm ihn hin, dein Haupt will ich bedecken und d'rauf den Schläger ſtrecken: es leb' auch dieſer Bruder hoch! Ein Hundsfott, wer ihn ſchimpfen ſoll! So lange wir ihn kennen, woll'n wir ihn Bruder nennen; es leb' auch dieſer Bruder hoch! 11. Ruhe von der Burſchenfeier, blanker Weihedegen, nun! Jeder trachte, wack'rer Freier um das Vaterland zu ſein! Jedem Heil, der ſich bemühte, ganz der Väter werth zu ſein! Keiner taſte je an's Schwert, der nicht edel iſt und bieder! — Fidulitas. J. Mein Lebenslauf iſt Lieb' und Luſt und lauter Lieder⸗ klang; ein frohes Lied aus heitrer Bruſt macht froh den Lebensgang. Man geht bergaus, man geht bergein, heut' g'rad und morgen krumm; durch Sorgen wird's nicht anders ſein: was kümmr' ich mich darum!:,: Heida! juchhe! drum kümmr' ich mich nichts drum.:; 2. Das Leben wird, der Traube gleich, gekeltert und ge⸗ 7 preßt; ſo gibt es Moſt, wird freudenreich, und feiert man⸗ 3 ches Feſt. Drum zag' ich nicht, engt mir die Bruſt des 4 Schickſals Unmuth ein: bald brauſ' ich auf in Lieb' und 1 Luſt und werde reiner Wein! Heida, ꝛc. 3. Die Zeit iſt ſchlecht, mit Sorgen trägt ſich ſchon das junge Blut; doch wo ein Herz voll Freude ſchlägt, da iſt die Zeit noch gut. Herein, herein, du lieber Gaſt, du Freude, . komm' zum Mahl! würß uns, was du beſcheeret haſt, kre⸗ 3 denze den Pokal! Heida, ꝛc. 4. Weg, Grillen, wie's in Zukunft geht, und wer den Scepter führt! das Glück auf einer Kugel ſteht und wunder⸗ u bar regiert. Die Krone nehme Bacchus hin, nur der ſoll b h König ſein! Und Freude ſei die Königin, die Reſidenz am 1 Rhein! Heida, ꝛc. 5. Bei'm großen Faß zu Heidelberg, da ſitze der Senat, und auf dem Schloß Johannisberg der Hochwohlweiſe Rath! Der Herrn Miniſter Regiment ſoll bei'm Burgunderwein, der Kriegsrath und das Parlament ſoll bei'm Champagner ſein! Heida, ꝛc. 6. So ſind die Rollen ausgetheilt, und Alles wohl be⸗ ſtellt; ſo wird die kranke Zeit geheilt, und jung die alte Welt. Der Traube Saft kühlt heiße Glut, drum leb' das neue Reich, ein Zechersmuth, ein wahrer Muth: der Wein macht Alles gleich. Heida, ꝛc. 10 II. Weg mit den Grillen und Sorgen, Brüder, es lacht ja der Morgen uns in der Jugend ſo ſchön! Laßt uns die Becher bekränzen, laßt bei Geſängen und Tänzen uns durch die Pilgerwelt gehn, bis uns Cypreſſen umwehn! 2. Flüchtig verrinnen die Jahre; ſchnell von der Wiege zur Bahre trägt uns der Fittig der Zeit. Noch ſind die Tage der Roſen; ſchmeichelnde Lüftchen umkoſen Buſen und Wangen uns heut: Brüder, genießet die Zeit! 3. Fröhlich zu wallen durch's Leben, trinken vom Safte der Reben, heißt uns der Wille des Herrn. Auf denn, ihr fröhlichen Zecher, ſingt ſeine Güte bei'’m Becher! Fröhliche ſieht er ſo gern; preiſet den gütigen Herrn! 4. Sehet in Oſten und Weſten keltert man Trauben zu Feſten; Gott gab zur Freude den Wein! Gott ſchuf die Mädchen zur Liebe, pflanzte die ſeligſten Triebe tief in den Buſen uns ein: liebet und trinket den Wein! 5. Dräut euch ein Wölkchen von Sorgen, ſcheucht es durch Hoffnung bis morgen! Hoffuung macht Alles uns leicht. Hoffnung, du ſollſt uns im Leben liebend und tröſtend umſchweben, und wenn Freund Hein uns beſchleicht, mache den Abſchied uns leicht! III. Im Krug zum grünen Kranze, da kehrt' ich durſtig ein; da ſaß ein Wand'rer drinnen, drinnen am Tiſch bei kühlem Wein! 2. Ein Glas ward eingegoſſen, das wurde nimmer leer; ſein Haupt ruht auf dem:, Bündel,: als wär's ihm viel zu ſchwer! 3. Ich thät mich zu ihm ſetzen, ich ſah ihm in's Geſicht, das ſchien mir gar befreundet, und dennoch kannt' ich’s nicht. 4. Da ſah auch mir in's Auge der fremde Wanders⸗ mann und füllte meinen Becher und ſah mich wieder an. 11 5. Hei! was die Becher klangen, wie brannte Hand in Hand:„Es lebe die Liebſte deine, Herzbruder, im Vater⸗ land! IV. Keinen Tropfen im Becher mehr und der Beutel ſchlaff und leer, lechzend Herz und Zunge.— Angethan hat's mir dein Wein, deiner Aeuglein heller Schein, Linden⸗ wirthin, du junge! Lindenwirthin, du junge! 2. Und die Wirthin lacht und ſpricht:„In der Linde giebt es nicht Kreid' und Kerbholz, leider haſt du keinen Heller mehr, gieb zum Pfand dein Ränzel her, aber trinke weiter, aber trinke weiter!“ 3. Tauſcht der Burſch ſein Ränzel ein gegen einen Krug voll Wein, thät zum Gehn ſich wenden. Spricht die Wir⸗ thin: huna d haſt ja Mantel, Stab und Hut; trink und laſſ' dich pfänden, trink und laſſ' dich pfänden!“ 4. Da vertrank der Wanderknab Mantel, Hut und Wan⸗ derſtab, ſprach betrübt:„Ich ſcheide. Fahre wohl, du kühler Trank, Lindenwirthin jung und ſchlank, ſchönſte Augenweide, ſchönſte Augenweide!“ 5. Spricht zu ihm das ſchöne Weib:„Haſt ja noch ein Herz im Leib, laſſ' es mir zum Pfande!“ Was geſchah, ich thu's euch kund: Auf der Wirthin rothem Mund heiß ein andrer brannte, heiß ein andrer brannte. 6. Der dies neue Lied erdacht, ſang's in einer Sommer⸗ nacht luſtig in die Winde. Vor ihm ſtund ein volles Glas, neben ihm Frau Wirthin ſaß unter der blühenden Linde, unter der blühenden Linde. V. Wohlauf, die Luft geht friſch und rein, wer lange ſitzt, muß roſten, den allerſonnigſten Sonnenſchein läßt uns der Himmel koſten. Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid der fahrenden Scholaren, ich will zu guter Sommerzeit in's Land der Franken fahren! Valleri, vallera, valleri, vallera, in's Land der Franken fahren! 2. Der Wald ſteht grün, die Jagd geht gut, ſchwer iſt das Korn gerathen, ſie können auf des Maines Fluth die Schiffe kaum verladen. Bald hebt ſich auch das Herbſten an, die Kelter harrt des Weines: der Winzer Schutzherr Kilian beſcheert uns etwas Feines. Valleri ꝛc. 3. Wallfahrer ziehen durch das Thal mit fliegenden Standarten, hell grüßt ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten. Wie gerue wär' ich mitgewallt— ihr Pfarr' wollt' mich nicht haben! So muß ich ſeitwärts durch den Wald als räudig Schäflein traben. Valleri ꝛc. 4. Zum heil'gen Veit von Staffelſtein komm' ich empor⸗ geſtiegen, und ſeh' die Lande um den Main zu meinen Füßen liegen: Vom Bamberg bis zum Grabfeldgau um⸗ rahmen Berg und Hügel die breite, ſtromdurchglänzte Au— ich wollt', mir wüchſen Flügel! Valleri ꝛc. 5. Einſiedelmann iſt nicht zu Haus, edent es Zeit zu mähen; ich ſeh' ihn an der Halde draus bei einer Schnitt'⸗ rin ſtehen. Verfahrner Schüler Stoßgebet heißt: Herr, gieb uns zu trinken! Doch wer bei ſchöner Schnitt'rin ſteht, dem mag man lange winken. Valleri ꝛc. 6. Einſiedel, das war mißgethan, daß du dich hubſt von hinnen! Es liegt, ich ſeh's dem Keller an, ein guter Jahr⸗ gang drinnen. Hoiho! die Pforten brech' ich ein und trinke, was ich finde. Du heil'ger Veit von Staffelſtein, verzeih' mir Durſt und Sünde! Valleri ꝛc. VI. Das Jahr iſt gut, braun Bier iſt gerathen, d'rum wünſch' ich mir nichts, als dreitauſend Dukaten, damit ich kann ſchütten braun Bier in mein Loch; und je mehr ich davon trinke, deſto beſſer ſchmeckt's noch, deſto beſſer ſchmeckt’s noch. 2. Seh' ich ein braun Bier, o welch' ein Vergnügen! da thu' ich vor Freuden die Mütze abziegen, betracht' das Gewächſe, o große Allmacht! das aus einem Traur'gen „:; einen Luſtigen macht.:B 3. Wenn Einer vor Schulden nicht kann bleiben zu Hauſe, ſo geht er in's Wirthshaus und ſetzt ſich zum Schmauſe; er ſetzt ſich zum Braunen und thut, was er kann,— und wer ihn da fordert, der kommt übel an. 4. Unſer Herrgott muß endlich wohl ſelber d'rüber lachen, was die Menſchen für närriſche Sachen thun machen; planiren, plattiren, plattiren, planiren; und am Ende, da thun ſie noch gar appelliren. 5. Bei der erſten Halben, da iſt's mäuschenſtille, weil Keiner mit einer was anfangen wille; die zweite iſt kritiſch, die dritte muß ziegen, bei der vierten giebt's Schläg', daß die Haar' davon fliegen. 6. Wenn ich einſt ſterbe, ſo laßt mich begraben, nicht unter den Kirchhof, nicht über den Schragen; hinunter in'n Keller, wohl unter das Faß! lieg' gar nicht gern trocken, lieg' allweil gern naß. — 7. Auf meinem Graͤbſteine, da könnt ihr einſt leſen, was ich für ein närriſcher Kauz bin geweſen, beſtändig betrunken, zuweilen ein Narr, doch ein ehrlicher Kerl, und das Letzte iſt wahr! VII. Wir ſind nicht mehr am erſten Glas; drum denken wir gern an dies und das, was rauſchet und was brauſet. So denken wir an den wilden Wald, darin die Stürme ſauſen; wir hören, wie das Jagdhorn ſchallt, die Roſſ' und Hunde brauſen, und wie der Hirſch durchs Waſſer ſetzt, die Fluten rauſchen und wallen, und wie der Jäger ruft und hetzt, die Schüſſe ſchmetternd fallen, die Schüſſe ſchmetternd fallen. Wir ſind nicht mehr ꝛc. 2. So denken wir an das wilde Meer und hören die Wogen brauſen; die Donner rollen drüber her, die Wirbel⸗ winde ſauſen. Hal! wie das Schifflein ſchwankt und dröhnt, wie Maſt und Stange ſplittern, und wie der Nothſchuß dumpf ertönt, die Schiffer fluchen und zittern! Wir ſind nicht mehr ꝛc. 14 3. So denken wir an die wilde Schlacht, da fechten die deutſchen Männer; das Schwert erklirrt, die Lanze kracht, es ſchnauben die muthigen Renner. Mit Trommelwirbel, Trompetenſchall, ſo zieht das Heer zum Sturme, hinſtürzet vom Kanonenknall die Mauer ſammt dem Thurme. Wir ſind nicht mehr ꝛc. 4. So denken wir an den jüngſten Tag und hören Po⸗ ſaunen ſchallen; die Gräber ſpringen vom Donnerſchlag, die Sterne vom Himmel fallen. Es brauſt die offne Höllen⸗ kluft mit wildem Flammenmeere, und oben in der goldnen Luft, da jauchzen die ſeligen Chöre. Wir ſind nicht mehr ꝛc. 5. Und nach dem Wald und der wilden Jagd, nach Sturm und Wellenſchlage, und nach der deutſchen Männer Schlacht und nach dem jüngſten Tage: ſo denken wir an uns ſelber noch, an unſer ſtürmiſch Singen, an unſer Ju⸗ beln und Lebehoch, an unſer Becherklingen. Wir ſind nicht mehr ꝛc. VIII. Wenn wir durch die Straßen ziehen, recht wie Burſch' in Saus und Braus, ſchauen Augen, blau und graue, ſchwarz und braun aus manchem Haus; und ich laß die Blicke ſchweifen nach den Fenſtern hin und her, faſt als wollt' ich Eine ſuchen, die mir die Allerliebſte wär'. 2. Und doch weiß ich, daß die Eine wohnt viel Meilen weit von mir, und doch kann ich's Schau'n nicht laſſen nach den ſchmucken Mädchen hier. Liebchen, woll' dich nicht betrüben, wenn dir Eins die Kunde bringt, und daß dich's nicht überraſche, dieſes Lied ein Wandrer ſingt. 3. Liebchen, nicht um Goldeslohne hör' ich auf, dir treu zu ſein; nicht um eine Königskrone; ewig, ewig bleib' ich dein! Doch das Schau'n nach hübſchen Mädchen, die ſo freundlich nach mir ſehn, nach den Braunen, nach den Blonden, wirſt du mir doch zugeſtehn. — die cht, bel, zet Po⸗ die len⸗ nen nach nner an Ju⸗ rſch aue, die als eilen aſſen nicht ichs dir leib' die den —— 15 X. Das war der Herr von Rodenſtein, der ſprach: Daß Gott mir helf', giebt's nirgend mehr'nen Tropfen Wein des Nachts um halber zwölf? Raus da! Raus da aus dem Haus da! Herr Wirth, daß Gott mir helſ', giebt's nir⸗ gend mehr'nen Tropfen Wein des Nachts um halber zwölf, des Nachts um halber zwölf? 2. Er ritt landauf, landab im Trab, kein Wirth ließ ihn ins Haus; todkrank noch ſeufzt vom Gaul herab er in die Nacht hinaus: Raus da! Raus da aus dem Haus dal! ec. 3. Und als mit Spieß und Jägersrock ſie ihn ins Grab gethan, hub ſelbſt die alte Lumpenglock' betrübt zu läuten an: Raus da! Raus da aus dem Haus dal! ꝛc. 4. Doch wem der letzte Schoppen fehlt, den duld't kein Erdreich nicht, drum tobt er jetzt, von Durſt gequält, als Geiſt umher und ſpricht: Raus da! Raus da aus dem Haus da! ꝛc. 5. Und alles, was im Odenwald ſeit doch nicht geſtillt, das folgt ihm bald, es ſchallt klafft und ſtampft und brüllt: Raus da! Haus dal! ꝛc. 6. Das Lied ſingt man, wenn's au m Wirth zur Lehr'; wer zu genau die Hern den ſtraft das wilde Heer: Raus da! Raus da, au Haus da! Rumdiridi Freijagd! Heidirido Freinacht! Ha knecht hervor, öffne das Thor! Raus, raus, raus! Raus, raus, raus—— XI. Alnd wenn ſich der Schwarm verlaufen hat um mitter⸗ nächtige Stunde, dann findet unter den Edleren ſtatt eine würdige Tafelrunde,:,: es ſind, Fihun ob Raum und Zeit, die Ritter von der Gemüthlichkeit.: 16 2. Und wie der Zapfen vom Faſſe ſpringt, ſo ſpringt der Deckel vom Herzen, und was ſich drinnen bewegt, das klingt in luſtigen Liedern und Scherzen.:, Es ſind dem freien Worte geweiht die Ritter von der Gemüthlichkeit.;: 3. Wenn Einem trocken die Kehle ward, und er durſtig lechzt nach dem Naſſen, ſo iſt es dieſer Ritter Art, daß ſie ihn nicht ſterben laſſen.„ Es ſind dem Wohle der Men⸗ ſchen geweiht die Ritter von der Gemüthlichkeit.:: 4. Und wenn ſich etliche Thoren gar in traurigem Irr⸗ thum bekannten zu jener beklagenswerthen Schaar, der Secte der Flagellanten—:; denen ſetzen zurecht deu Kopf bei Zeit die Ritter von der Gemüthlichkeit.,: 5. Drum lebe hoch das freie Wort, daß friſch von den Lippen es rinne! Drum lebe, wem nicht die Kehle ver⸗ dorrt, und wer nicht verachtet die Minne! Drum leben, erhaben ob Raum und Zeit, die Ritter von der Gemüth⸗ lichkeit.: — Blue — Cyan Green vellow Hed Magenta — WWite Grey 1 GSrèey 2 Sreys Grey 4 1 zum (25. Stiftungs-Cummers Borschenschaft Memangia Gießen am 29. Juli 1887. . ——— N. — 4 8 5 3 4 5 6 7 8 9 10 Black