„ 4 2 ſerſaſ 2 A OOOAOAAR Gießener Wingolf MR⁴ 1 sa 2eeeeeneeneeneiede eieneeeeee ee ene 3 8 — A A 3 — A —— A A S A — 8 — A 8 A₰ —— A E — A A S A A A A A — A A — A 8 XE Vommerslieder 8 e AAAAA SAò AEARRRNRN 29. Nov. 979 15 R1 12. UNI1382 2 ½. R d. 23 1 g7 Feſtlieder zum 75. Stiftungsfeſt Offizieller Teil: 1. 1. Willkommen hier im treuen Bruderbund! Zur ſchönen Stunde grüßen wir uns wieder; was drinnen lebt, ertönt von Freundesmund, es dringen laut zur höhe unſre Lieder. Rein zwingend Band, das außenher ſich zieht, kein Schwur der Zunge iſt's, was uns getrieben; doch treues Glauben, treues Ringen, treues Lieben heißt unſer Bund, heißt unſer ſchönes Lied. 2. Mit Mut gekämpft, aus voller Bruſt geliebt! Es quillt die Kraft aus reichem Born von oben; es iſt ein Gott, der Sieg dem Wollen gibt, der treulich hilft dem ernſtlichen Geloben; es iſt ein Freund, des Nam' auch unſer iſt, er hält den Arm uns allen liebend offen; es iſt ein Troſt, es iſt ein Glaube, iſt ein hoffen, das hier uns hält und drüben nicht vergißt. 3. In Gottes hut geſtrebt nach heil'gem Licht, die Bahn der Wahrheit feſt im Aug' behalten! Der Sklavengeiſt, der hebt den Schleier nicht, nur freier Sinn darf ſchaun in Gottes Walten. Doch ſicherlich, wenn dich die Feſſel drückt, iſt der Cyrann in eigner Bruſt zu finden, und heil'ge Scheu, beſcheid'ne Demut läßt ergründen, was ſtolzer Mut, was Erdenſinn entrückt. 4. Gewahrt, geübt der Jugend heil'ge Rraft! O wenn das herz uns kälter je geſchlagen, zu Gott gefleht, der neues Feuer ſchafft! Das Werk gelingt, das warme herzen wagen. Wenn lahmer Sinn vor ſchwerem Werk erbebt, ſo ſtehen wir mit Jugendmut zuſammen, und in der Liebe, in der Freundſchaft hellen Flammen der Mut ſich ſtählt, das Herz ſich neu belebt. 1 5. Wohlan, wohlan, ihr Freunde warm und treu! Ein heil'ger Gott gab uns den heil'gen Glauben, gab uns die Jugend heilig, ſchön und frei, und was er gab, ſoll keiner je uns rauben. Auch dieſe Stunde, die ſich froh erneut, ſoll unſerm Geiſt ein heilig Feuer geben, mit treuem Sinn dem treuen Bruderbund zu leben— dafür ertönt des Liedes Ruf auch heut. 2. 1. Kuf, ſchwärmt und trinkt, geliebte Brüder! wir ſind uns alle herzlich freund, ſind eines großen Bundes Glieder, im Leben wie im Tod vereint; und trotz der Seiten Sturm und Graus, wir halten treu und redlich aus, und trotz der Zeiten Sturm und Graus, wir halten treu und redlich aus. 2. Ich bring' dem ſchwarz⸗weiß⸗goldnen Bande, das unſre herzen ſanft umzog, dem teuren deutſchen Vaterlande aus voller Bruſt ein donnernd hoch!:,: Wir ſchwuren ja, ihm treu zu ſein und KRraft und Leben ihm zu weihn.: 3. So laßt uns unſern Schwur erneuen, den kein Verhängnis je geſchwächt, und herz und hand dem Freunde weihen für Freiheit, Liebe, Kraft und Recht!:, Ja, Deutſchland, ſoll ge⸗ deihn und blühn und hoch in Rraft und Liebe glühn! ,: 4. hört, wackre Brüder, hört, ich weihe— Verräterei ſei ſchwer gerächt— dem großen Bunde ew'ge Creue für Freiheit, Liebe, Kraft und Recht!:,: In Kraft und Liebe will ich glühn und für das Recht den Schläger ziehn.;;: 5. So iſt der Bund aufs neu beſchworen, das Glück ſoll freudig ihn umwehn! So haltet feſt, was wir erkoren, der Brüder Freiheit ſoll beſtehn!:: Es lebe Lieb und Daterland und hoch das ſchwarz⸗weiß⸗goldne Band!:; 3. 1. Mag alles wanken und ſinken, halt feſt, mein deut⸗ ſches Volk, zur Rechten gleich und Linken! Halt feſt, mein deutſches Volk, halt feſt, mein deutſches Dok! 2. Wenn treulos alle weichen, von eitlem Schein betört — wir ſtehen feſt wie Eichen,:,: von Lügen ungeſtört.,: 2 3. Wir ſtehen feſt in Treuen, ein ein'ges deutſches Volk, dem Seind geſtellt gleich Leuen—:, halt feſt, mein deutſches Volk!:, 4. Trotz aller Feindestücke halt feſt, mein Bruderbund; vom Recht weich' nie zurücke,:,: halt feſt, mein Bruderbund!:; 5. Nur Gott dir ſtets vor Kugen, nur Gott im herzen treu, und Glieder die nichts taugen,:,: verworfen ſonder Scheu!:, 6. So ſtets nur ſtark entſchloſſen, halt feſt, mein Bruder⸗ bund! So halte dich umſchloſſen,:,: halt feſt, mein Bruderbund!:;: 7. Wenn matt die Kraft dir ſinket, die Loſung Schwarz⸗ Weiß⸗Gold! 3u neuem Kampf dir winket:, die Loſung Schwarz⸗Weiß⸗Gold!:,: 8. Geſtritten ſonder Sorgen, gebaut mit feſter hand, dann leuchtet noch dein Morgen:,: aus düſterm Feuersbrand.:;: 9. Dann geht noch auf die Sonne, die Loſung Schwarz⸗ Weiß⸗Gold! Dann in der Siegeswonne:, hoch lebe Schwarz⸗ Weiß⸗Gold!:,: 4.) 1. Und hörſt du das mächtige Klingen von der Oſtſee bis über den Rhein, das Lied mit den ſauſenden Schwingen? Tief dringt es durch Mark und durch Bein, tief dringt es durch Mark und durch Bein. Was brauchen wir weiter zu fragen! Die klopfenden Pulſe, ſie ſagen: es iſt das Lied vom deutſchen Vaterland, vom deutſchen Vaterland, es iſt das Lied vom deutſchen Vaterland! 2. Ob Meer auch und alpige halden vielmarkig zerteilen die Flur, ihre Banner viel Fürſten entfalten, ein Deutſchland an herzen iſt's nur, ein Deutſchland an herzen iſt's nur! Wohin ſich der Sinn uns auch wende, Millionen, ſie ſchlingen die hände zum großen Bund dem ein'gen Vaterland, dem ein'gen Vaterland, zum großen Bund dem ein'gen Vaterland. *) Mit Bewilligung der Originalverleger, Herren Gebrüder hug in Leipzig. 3 z. Von Saaten die Täler ſich regen, von Reben die Bergwand erglüht. Ein Gut iſt's, das alle wir pflegen, das ewig dem Geiſte erblüht, das ewig dem Geiſte erblüht: die Freiheit in ſonniger Weihe! Rein Deutſchland, es ſei denn das freie! Hoch, hoch das freie deutſche Yaterland, das deutſche Daterland, hoch, hoch, hoch das freie deutſche Yaterland! 4. Nur vorwärts, nur vorwärts, ihr Brüder! Dem Rampf wird die Palme doch ſein; in die Werſtatt des Geiſtes hernieder entſenkt ſich vom himmel der Schein, entſenkt ſich vom himmel der Schein. ha, wie ſich der Lichtſtrom ver⸗ breitet, und die Glocke der Sukunft, ſie läutet zum Frühlings⸗ feſt des künft'gen Vaterlands, des künft'gen Vaterlands, zum Frühlingsfeſt des künft'gen VYaterlands! 5. 1. Stoßt an, trinkt aus, ihr Brüder treu an dieſer Tafel⸗ runde!:, Stoßt an, trinkt aus! Den Becher weih' ich unſrem Wingolfsbunde!;;: 2. Der Glaub iſt unſer Vaterland, für das wir wollen ſtreiten;:: die Liebe unſer Burſchenband, das niemand ſoll zerſchneiden.,: 3. Die Wiſſenſchaft ſo hoch und wert ſoll uns das Streiten lehren,:,: damit wir mit des Geiſtes Schwert fürs Vaterland uns wehren.:;: 4. Die Freiheit iſt das Schlachtpanier, das wir zum Siege tragen,:,: drum laſſen wir— eh' ſtürben wir— in Feſſeln nie uns ſchlagen.: 5. Stoßt an, trinkt aus, ihr Brüder treu an dieſer Tafel⸗ runde!:,: Stoßt an, trinkt aus! Den Becher weih' ich unſrem Wingolfsbunde.: 6. 1. Geſänge ſchallen, Becher helle klingen, die Freude thront im Feſtesſaal. Wer ſollte denn auch hier nicht Lieder ſingen mit trauten Brüdern allzumal?:, Schallet, Geſänge, aus fröh⸗ licher Bruſt! Schlage die Flügel, o himmliſche Luſt.:;: 4 2. Die herzen flammen, und die Augen glühen, Begeiſterung die Schwingen regt, die Wangen hell im Jugendmute blühen, der ſtürmend auf zum himmel trägt.,: Heierlich ſchalle der Jubelgeſang ſchwärmender Brüder beim Becherklang.:;: 3. Wir wiſſen's wohl, warum die herzen flammen, warum die Augen feurig glühn: Ein hoher Geiſt vereint uns hier zuſammen; er lebt in uns, wir fühlen ihn.: Feierlich ſchalle der Jubelgeſang ſchwärmender Brüder beim Becherklang.:; 4. Wir fühlen ihn; denn wer von uns, ihr Brüder, will gläubig nicht, wer fromm nicht ſein? Wer deutſch nicht, wer nicht keuſch und treu und bieder, nicht frei und friſch wie deutſcher Wein?: Feierlich ſchalle der Jubelgeſang ſchwär⸗ mender Brüder beim Becherklang.:“ 5. Der Blitzſtrahl, der dies Feuer angezündet, fiel nicht herab auf uns allein: am himmel hats der Wiederſchein ver⸗ kündet, er ſchlug auch andre Orten ein.:“ Feierlich ſchalle der Jubelgeſang ſchwärmender Brüder beim Becherklang.:“ 6. Laßt uns hinüber und herüber reichen die hände durch das deutſche Land und feſt ſie ſchlagen ein zum Bruderzeichen, uns einend mit lebend'gem Band.; Feierlich ſchalle der Jubelgeſang ſchwärmender Brüder beim Becherklang.:“ 7. Wenn ſo mit Jünglingsmut wir uns umſchlingen, und Segen Gott dazu verleiht, dann muß die heil'ge Sache wohl gelingen, da ſingen wir in herrlichkeit:: Feierlich ſchalle der Jubelgeſang ſchwärmender Brüder beim Becherklang.,: 7. 1. O alte Burſchenherrlichkeit, wohin bist du verſchwunden! Nie kehrſt du wieder, gold’ne Zeit, ſo froh, ſo ungebunden! Vergebens ſpähe ich umher, ich finde deine Spur nicht mehr. O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum! 2. Den Burſchenhut bedeckt der Staub, es ſank der Flaus in Trümmer, der Schläger ward des Roſtes Raub, erblichen iſt ſein Schimmer, verklungen der Kommersgeſang, verhallt Rapier⸗ und Sporenklang. O jerum uſw. 3. Wo ſind ſie, die vom breiten Stein nicht wankten und nicht wichen, die ohne Moos bei Scherz und Wein den herrn der Erde glichen? Sie zogen mit geſenktem Blick in das philiſterland zurück. O jerum uſw. 4. Da ſchreibt mit finſterm Amtsgeſicht der eine Relationen, der andre ſeufzt beim Unterricht, und der macht Rezenſionen, der ſchilt die ſünd'ge Seele aus, und der flickt ihr verfallnes haus. O jerum uſw. 5. Allein das rechte Burſchenherz kann nimmermehr er⸗ kalten; im Ernſte wird, wie hier im Scherz, der rechte Sinn ſtets walten; die alte Schale nur iſt fern, geblieben iſt uns doch der Rern,:, und den laßt feſt uns halten!:; 6. Drum Freunde, reichet euch die hand, damit es ſich erneue, der alten Freundſchaft heil ges Band, das alte Band der Treue. Klingt an und hebt die Gläſer hoch, die alten Burſchen leben noch,:,: noch lebt die alte Treue!:; 8. 1. Wohl ſah ich die Schlöſſer an Saale und Rhein, ge⸗ waltig im Wetter und Sonnenſchein, doch euch hab' ich nimmer vergeſſen, euch felſige hügel, euch höhen im Wald, euch ernſte Gemäuer ſo mooſig und alt, ihr Burgen im Lande zu heſſen, ihr Burgen im Lande zu heſſen. 2. Viel Ritter, die ſtiegen hinunter zum Rhein, tournierten und ſchnappten und zechten den Wein und führten gewaltige Fehden, und jeglicher raubte und raufte und trank, manch wackerer herre vom Röſſelein ſank,:,: die hallen der hel zu betreten.:;: 3. Auch Ritter und Rnappen aus heſſiſchem Land, ſie ſchwangen die humpen in kräftiger hand; wer mochte mit ihnen ſich meſſen? Blind hießen die helden im blutigen Streit, denn blindlings hieben im eiſernen Kleid:, die Rämpen im Lande zu heſſen. ,: 4. Die Burgen, ſie fielen, die Ritter, ſie ruhn von trutzigem Kämpfen, von rühmlichem Tun, die Fehden, ſie wurden ver⸗ geſſen. Die Bürger, ſie regten die redliche hand, und häuschen und Städtchen und Gäßchen entſtand:,: im lieblichen Lande zu heſſen.:,: 6 5. Und die für den Glauben, den reinen gekämpft, im Streiten und Leiden die Lüge gedämpft, wer möchte die Männer vergeſſen? Großmütig und weiſe, beſtändig, gerecht, ſo heißen, ſo hüten das heilige Recht:,: die herrſcher im Lande zu heſſen:,: 6. Der Löwe bewachet, gewaltig und ſtark, die Ehre der Väter, die heimiſche Mark, die kattiſche Recken beſeſſen. Rotweiß iſt das Banner in tapferer hand, dem folgen ſie ſiegend ins ferneſte Land,:, die Männer vom Lande zu heſſen:“ 7. Manch Mühlenrad plätſchert im friedlichen Grund, und droben, da wirbelt aus feurigem Schlund der Rauch durch die rußigen Eſſen. Und RKunſtwerk ſchreitet und Wiſſenſchaft fort, und Weisheit zu pflegen, ein würdiger Ort:, fehlt nimmer im Lande zu heſſen.;: 8. Drin ſchafft der Philiſter, drin ſingt der Student; und wer an dem Sang ſeine Freude nicht fänd', bei uns hätt' er nimmer geſeſſen, hätt' nimmer in unſerer Mitte gezecht, wär' nicht wie die Burſchen ſo fröhlich und echt,:,: die Burſchen im Lande zu hHeſſen.:;: 9. Wer wehrt es uns, luſtige Brüder zu ſein, zu minnen ein Mägdelein ſauber und fein? Beim henker, er wäre ver⸗ meſſen! Der weiß es, der ihnen ins kugelein ſchaut: gar minniglich ſind und ſo treu und ſo traut:,: die Mädchen im Lande zu heſſen.,: 10. Drum Wandersmann, hurtig hinauf zu den höhn, wo zwiſchen den Buchen die Mauern ſtehn, wo trotzige Ritter geſeſſen! Drum grüß' mir im Städtchen die Burſchen ſo frei, es leben die Mädchen, ſo ſchmuck und ſo treu:,: allzeiten im Lande zu heſſen!:,: 9. Landes⸗Dater. Erſte Weiſe. 1. Alles ſchweige! Jeder neige ernſten Cönen nun ſein Ohr!*) hört, ich ſing' das Lied der Lieder! hört es, meine deutſchen Brüder, hall' es, hall' es wieder, froher Chor! *) Beide Ceile einer jeden Strophe werden zuerſt von den Prä⸗ ſides allein, dann von allen geſungen.. 2. Deutſchlands Söhne, laut ertöne euer Vaterlandsge⸗ ſang!— Vaterland, du Land des Ruhmes, weih' zu deines heiligtumes hütern, hütern uns und unſer Schwert. 3. Hab' und Leben dir zu geben, ſind wir alleſamt bereit, ſterben gern zu jeder Stunde, achten nicht des Codes Wunde, wenn das, wenn das Vaterland gebeut. 4. Wer's nicht fühlet, ſelbſt nicht zielet ſtets nach deutſcher männer Wert, ſoll nicht unſern Bund entehren, nicht bei die⸗ ſem Schläger ſchwören, nicht ent-, nicht entweihn das deutſche Schwert. 5. Lied der Lieder, hall es wieder: groß und deutſch ſei unſer Mut!— Seht hier den geweihten Degen!(Die Präſides heben und ſenken die Schläger.) Cut, wie brave Burſchen pflegen, und durchbohrt, durchbohrt den freien hut! 6.(präſides): Nimm den Becher, wackrer Zecher, vater⸗ länd'ſchen Trankes voll! (Alle wiederholen): Nimm den Becher ꝛc. (präſides): Nimm den Schläger in die Linke, bohr ihn durch den hut und trinke auf des, auf des Daterlandes Wohl! (Alle wiederholen): Nimm den Schläger ꝛc. 7.(Einzelne): Seht ihn blinken in der Linken, dieſen Schläger, nie entweiht! (Klle): Wir ſehen ihn blinken ꝛc. (Einzelne): Ich durchbohr' den hut und ſchwöre: halten will ich ſtets auf Ehre, ſtets ein, ſtets ein braver Burſche ſein. (Klle): Du durchbohrſt ꝛc. 5weite Weiſe. 8. Romm, du blanker Weihedegen, freier Männer freie Wehr! Bringt ihn feſtlich mir entgegen, von durchbohrten hüten ſchwer. Laßt*) uns feſtlich ihn entlaſten, jeder Scheitel ſei bedeckt! Und dann laßt ihn unbefleckt bis zur nächſten Feier raſten! 9. Auf, ihr Seſtgenoſſen, achtet unſre Sitte heilig, ſchön! Ganz mit herz und Seele trachtet ſtets als Männer zu beſtehn.— Froh zum Feſt, ihr trauten Brüder, jeder ſei der Väter wert! Reiner taſte je ans Schwert, der nicht edel iſt und bieder. —) hier wechſeln die Präſides die Schläger. 8 Dritte Weiſe. 10.(präſides): So nimm ihn hin, dein haupt will ich be⸗ decken und drauf den Schläger ſtrecken! Es leb auch dieſer Bruder hoch! Ein hundsfott, wer ihn ſchimpfen ſoll. (Alles): So lange wir ihn kennen, woll'n wir ihn Bruder nennen! es leb' auch dieſer Bruder hoch, es leb' auch dieſer Bruder hoch. Dierte Weiſe. (Weiſe wie Vers 8). 11. Ruhe von der Burſchenfeier, blanker Weihedegen, nun! Jeder trachte, wack'rer Freier um das Vaterland zu ſein! Jedem heil, der ſich bemühte, ganz zu ſein der Väter wert! Reiner taſte je ans Schwert der nicht edel iſt und bieder. 10. 1. Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus! Post jucundam juventutem, post molestam senectutem nos habebit humus. 2. Ubi sunt, qui ante nos in mundo fuere? Vadite ad superos, transite ad inferos, ubi? Jam fuere! 3. Vita nostra brevis est, brevi finietur, venit mors velociter, rapit nos atrociter, nemini parcetur. 4. Vivat academia, vivant professores, vivat membrum quodlibet, vivant membra quaelibet, semper sint in flore! 5. Vivant omnes virgines faciles, formosae; vivant et mulieres tenerae, amabiles, bonae, laboriosae! 6. Vivat et respublica et qui illam regit, vivat nostra civitas, maecenatum caritas, quae nos hic protegit! 7. Pereat tristitia, pereant osores, pereat diabolus, quivis antiburschius atque irrisores! Inoffizieller Teil: 1. 1. Vom Gleiberg ſchaut ins Lahnrevier der herr der ſtolzen Deſte:„Dies heſſenvolk ich lob' es mir, verſpricht es doch das Beſte. Doch tief noch ſteckt's in Sumpf und Wald, auf Bildung kann's nicht denken: man ſoll ihm, mein' ich, möglichſt bald'ne hohe Schule ſchenken.“ 2. Doch anders im Familienrat alsbald ward es be⸗ ſchloſſen, ſolch ungeſtüme Sortſchrittstat hätt' allgemein ver⸗ droſſen. Mit Wiſſenſchaft verſehn die Welt der Kirche würd'ge Diener: ein Kloſter baut von eurem Geld für fromme Kuguſtiner! 3. Geſagt, getan: Das Kloſter ſtand, den Stiftern macht es Ehre, verſorgte mit Uultur das Land und mancher guten Lehre. Indes der Mönche Bildungswerk ſollt kurzen Ruhm genießen, denn zwiſchen Glei⸗ und Schiffenberg entſtand das muntre Gießen. 4. Die Muſenſtadt, da war ſie ja, man brauchte nur zu wollen! Das Gute lag auch hier ſo nah für jeden Einſichts⸗ vollen: recht mitten drin im Weltverkehr, bequem im luft'gen Cale, und lieblich floß die Lahn daher, wie Neckar, Main und Saale. 5. Talab noch mancher Tropfen rann— gut Ding will Weile haben!— Dann brach die höh're Bildung an für heſſens muntre Unaben. In Deutſchlands ſtolzen hochſchulchor trat ſpät die Gießner Schweſter; ſelbſt Marburg, leider, war ihr vor um dritthalb Schock Semeſter. 6. Das wäre denn die Urgeſchicht' der hohen Schul' zu Gießen! Was weiter folgt, wer hört es nicht mit Jubelſchall geprieſen: wie Ludwigs treue Liebesmüh' ſie Marburg ſchuf zum Trutze, wie wohl gehegt ſie ſpät und früh in ſeines Hauſes Schutze. 10 7. Auch ſonſt wohl hat man allerhand gehört und auch geleſen, was Wunder ſie dem heſſenland drei Säkula geweſen. Wohlan den alten, echten Sinn ſie feſt und treu bewahre, dem Vaterland zum Vollgewinn noch viele hundert Jahre! 2. 1. Ein altes Städtchen lieget traut im grünen heſſenland, auf Roſt und pfählen aufgebaut an Lahn⸗ uud Wieſeckſtrand; dort ſchenkt des Wiſſens reiches Maß Profeſſor und Dekan und mancher Spund der ſpringt vom Faß zu Gießen an der Lahn. 2. Wer nie von Gleibergs Mauerwerk geſchaut ins weite Land, vom Staufenberg im Sonnenglanz des Fluſſes Silberband, wem holder Maitrank nie gelacht von Schiffenbergs ltan, der kennt nicht deiner Gegend Pracht mein Gießen an der Lahn. 3. Und Abends an der Pulvermühl' ſtill fließt die Lahn einher, da rud're ich auf leichtem Kiel flußauf mein Lieb zum Wehr. Die letzte Sonne färbt die Flut, im Schilfe ruht der Rahn; wie ſchmeckt ein heimlich Küßchen gut zu Gießen an der Lahn. 4. So lebt dein Bild o Muſenſtadt in unſerem herzen fort. Als freien Wiſſens freie Stadt und frohen Treibens hort. Drum wer zu Gießen Burſch geweſt, der ſtoße mit mir an; Es leb das alte feuchte Reſt, mein Gießen an der Lahn. 5. 1. Student ſein, wenn die Veilchen blühen, das erſte Lied die Lerche ſingt, der Maienſonne junges Glühen triebweckend in die Erde dringt.. Student ſein, wenn die weißen Schleier vom blauen himmel grüßend wehn: Das iſt des Lebens ſchönſte Feier! herr, laß ſie nie zu Ende gehn! 2. Student ſein, wenn die humpen kreiſen in lieberſchloß'nem Freundesbund, von alter Treue bei den Weiſen der Väter jauchzt der junge Mund,— Student ſein, wenn die herzen freier auf der Begeiſtrung höhen ſtehn: Das iſt des Lebens ſchönſte Feier! herr, laß ſie nie zu Ende gehn! 11 3. Student ſein, wenn zwei Kugen locken, ein ſüßer Mund verſchwiegen küßt, daß jählings alle Pulſe ſtocken, als ob im Rauſch man ſterben müßt!— Student ſein in der Liebe Morgen, wenn jeder Wunſch ein frommes Flehn: Das iſt das Leben ohne Sorgen! herr, laß es nie zu Ende gehn. 4. Student ſein, wenn es gilt, das Leben dem Vaterlande treu zu weihn, wenn unſer aller erſtes Streben dann heißt: im KRampf ein Mann zu ſein,— Student ſein, wenn zum höchſten Lohne der Tod für deutſche Erde winkt, das iſt des Lebens ſchönſte Krone, die heller als ein Demant blinkt! 5. Student ſein, wenn die Veilchen blühen, das erſte Lied die Lerche ſingt, der Maienſonne junges Glühen triebweckend in die Erde dringt,— Student ſein, wenn die weißen Schleier, vom blauen himmel grüßend wehn: Das iſt des Lebens ſchönſte Feier! herr, laß ſie nie zu Ende gehn! 4.) 1. Und wieder ſprach der Rodenſtein:„Pelzkappenſchwere⸗ not! hans Breuning, Stabstrompeter mein, biſt untreu oder tot? Lebſt noch? Lebſt noch und hebſt noch? Man gy'ſpürt dich nirgend mehr. Schon naht die durſt'ge Maiweinzeit, du mußt mir wieder her!“ 2. Er ritt, bis er gen Darmſtadt kam, kein Sahnden war geglückt; da lacht' er als am ſchwarzen Lamm durchs Fenſter er geblickt:„Er lebt noch! lebt noch und hebt noch, doch frag' mich keiner: wie? Wie kommt mein alter Flügel⸗ mann in ſolche Rompagnie?“ 3. In Züchten ſaß die Stammgaſtſchar nach Rang und Würden dort, Dünnbier ihr Despertrünklein war, es klang kein lautes Wort.„Sacht ſtets! Sacht und bedacht ſtets iſt Lebens hochgenuß!“ So flüſtert ein Kanzleimann juſt zum Rreisamtsſyndikus. 4. In dieſer Schöppleinſchlürfer Reih' ſaß auch ein ſtilles Gaſt, und als es acht Uhr war vorbei, nahm's Stock und *) Mit gütiger Erlaubnis der Verlagsanſtalt von Breit⸗ kopf& härtel in Leipzig. 12 hut mit haſt.„Uicht jetzt! Kicht jetzt.... gut' Nacht jetzt! Einſt war ich nicht ſo brav, doch ehrbar wandeln iſt das beſt', ich geh' ins Bett und ſchlaf.“ 5. Der Rodenſtein in grimmem 3orn hub grau'nhaft ſich empor; dreimal ſtieß er ins Jägerhorn und blies mit Macht den Chor:„'raus da!'raus aus dem haus da!'raus mit dem Deſerteur! Das lahme, zahme Gaſt da drin gehört zum wilden hHeer!“ 6. Da faßt das Gaſt ein Schreck und Graus, erſt ſank es tief ins Unie, dann ſtürzt es einen Maßkrug aus, ſchlug 's Fenſter ein und ſchrie:„'naus da!'naus aus dem haus da! O horn und Sporn und Sorn! O Rodenſtein! O Maienwein! Noch bin ich nicht verlor'n. 5. 1. Mit der Fiedel auf dem Nacken, mit dem Käppel in der hand ziehn wir Prager Muſikanten durch das weite Chriſtenland. Unſer Schutzpatron im himmel heißt der heil'ge Nepomuk, ſteht mit ſeinem Stern und Kränzel mitten auf der Prager Bruck. Als ich da vorbeigegangen, hab' ich Reverenz gemacht, ein Gebet ihm aus dem Kopfe recht bedächtig dar⸗ gebracht. 2.'s ſteht alſo in keinem Büchel, wie man's auf dem herzen hat: Wanderſchaft mit leerem Beutel und ein Schätzel in der Stadt! Wenn das Mädel ſingen könnte, wär's gezogen mit hinaus; doch es hat'ne heiſ're Kehle, darum ließ ich es zu haus. Ei, da gab es naſſe Augen,'s war mir ſelbſt nicht einerlei, ſprach ich:'s iſt ja nicht für ewig, ſchönſtes Mannerl, laß mich frei! 3. Und ich ſchlüpft aus ihren Krmen, aus der Kammer, aus dem haus, konnt nicht wieder rückwärts ſchauen, bis ich war zur Stadt hinaus. Und da hab' ich's Lied geſungen, hab' die SFiedel zugeſpielt, bis ich's in den Morgenlüften um die Bruſt mir leicht gefühlt. Manches Vöglein hat's vernommen, flög nur eins an Liebchens Ohr, ſäng ihr, wenn ſie weinen wollte, dieſes friſche Liedel vor! 13 4. Wenn ich aus der Fremde komme, ſpiel' ich auf aus anderm Ton, abends unter ihrem Fenſter, Schätzel, Schätzel, ſchläfſt du ſchon? hoch geſchwenkt den vollen Beutel, ach, da gibt's'ne Muſika!'s Fenſter klirrt, es rauſcht der Laden, heilige Cäcilia! All ihr Prager Muſikanten, auf, heraus mit Horn und Baß, ſpielt mir auf den hochzeitsreigen, morgen leeren wir ein Faß. 6.“) 1. Studentenherz, was macht dich trüb? was ſoll dein banges Sagen? Fragſt, wo die luſt'ge Freiheit blieb, von der die Lieder ſagen? Studentenherz ergib dich drin, ſie iſt ver⸗ ſchwunden und dahin. 2. lich, nein, nicht darum dieſer Schmerz, nicht darum Gram und Sagen! Mein herz iſt eben auch ein herz, und menſchlich will es ſchlagen.::; Daß ich ſo fern bin meinem Lieb, ſo gar zu fern, das macht mich trüb.:;: 3. Du armes herz, du dau'rſt mich ſehr, das iſt ein bittres Leiden, ſo weit weg ohne Wiederkehr von ſeiner Liebſten ſcheiden.:,: Doch friſche Jugend, friſcher Mut; Studentenblut iſt luſtig Blut.,: 4. lich, Luſt und Jubel mag ich nicht, woran ſollt' ich mich weiden? Ihr weicher Mund, ihr hold Geſicht, das waren meine Freuden.:, Und mag ich noch ſo ferne ſein, ſchlägt doch mein herz nur ihr allein. ,: 5. Nun denn wohlan, ſo wag' es drauf, du gehſt auf ſchnellen Füßen. Nimm Stab und Ränzel, mach dich auf, kehr heim zu deiner Süßen!:,: In ihrem Urm, an ihrer Bruſt, Studentenherz, o welche Luſt!:;: 7. 1. ls ich ſchlummernd lag heut Nacht, lockten ſüße Träume, ſchimmernd in der Jugend Pracht, mich in ferne Räume. Kraſſes Füchslein ſaß ich ſchlank in der Rneipe wieder, und *) Mit gütig erteilter Erlaubnis der Verlagsanſtalt von Breit⸗ kopf& Härtel in Leipzig. 14 in vollem Chore klang laut das Lied der Lieder: Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus! post jucundum juventutem, post molestam senectutem:, nos habebit humus.:;: 2. Tabakswolkenduft umkreiſt bläulich Rheinweinbecher; deſto heller flammt der Geiſt in dem haupt der Zecher. Füchs⸗ lein fühlt im Weltenrund ſich der Schöpfung Krone; und er ſingt mit keckem Mund und mit keckem Cone: Ubi sunt qui ante nos in mundo fuere? Vadite ad superos, transite ad inferos,:: ., ubi iam fuere.: 3. Jäh erwacht ich.— Glockenklar tönt mir's in den Ohren: heut ſind's runde ſiebzig Jahr, ſeit du wardſt geboren. heut ſchon liegen hinter dir der Semeſter hundert!— hell rieb ich die Augen mir, ſummte ſtill verwundert: Vita nostra brevis est, brevi finietur, venit mors velociter, rapit nos nemini parcetur.:; atrociter:;: 4. Schnell vom Lager ſprang ich auf, rief: Mir hat das Leben viel in ſeinem kurzen Lauf, Leid und Luſt gegeben. Sei vergeſſen, was gedrückt mich mit Sorg' und plage; heut ein Hoch dem, was beglückt meine jungen Tage: Vivat academia, vivant professores, vivat membrum quodlibet, vivant membra quaelibet,:, semper sint in flore!:; 5. Goldne Burſchenzeit entflog ſchnell— daß Gott erbarme! — Ledern zog Philiſtertum mich in dürre Arme. Doch philiſtern lernt' ich nicht, hoch, auf goldnen Schwingen, trug mich Lieb' zum himmelslicht, jubelnd durft' ich ſingen: Vivant omnes virgines, faciles, formosae! vivant et mulieres, tenerae, amabiles,:,: bonae, laboriosae.:; 6. Weib und Rinder an der hand, freut ich mich des Lebens; nützlich ſein dem Daterland, ward das Ziel des Strebens. Konnte ſich's zum Paradies auch nicht ganz geſtalten, Treue die ich ihm erwies, hat's mir doch gehalten. Vivat et respu- blica et qui illam regit! Vivat nostra civitas, maecenatum caritas,:,: quae nos hic protegit:“; 7. Im lateiniſchen Liede ſang heut ich alter Knabe meines Lebens ganzen Gang von der Wieg' zum Grabe; komme, 15 wann du willſt, Freund hein, mich zur Ruh' zu bringen; doch, wie einſt als Füchſelein, will der Greis noch ſingen: Pereat tristitia, pereant osores, pereat diabolus, quivis anti- burschius,:,: atque irrisores!:;,: 8. 1. Der Sang iſt verſchollen, der Wein iſt verraucht, ſtumm irr' ich und träumend umher. Es taumeln die häuſer vom Sturme umhaucht, es taumeln die Wellen ins Meer, es taumeln die häuſer vom Sturme umhaucht, es taumeln die Wellen ins Meer. 2. Die Wolken, ſie tanzen, manch Sternlein fällt, hat tief in den Wolken gezecht;:,: ich ſteh' wie ein Fels, wie die Angel der Welt, wie ein Kaiſer in Freiheit und Recht.:; 3. Und die Straßen durchirr' ich, die Plätze ſo ſchnell, ich klopfe von haus zu haus;: bin ein fahrender Schüler, ein wüſter Geſell, wer ſchützt mich vor Wetter und Graus?:; 4. Ein Mägdlein winkt mir vom hohen Altan, hell flackert im Winde ihr haar.:, Ich ſchlag' in die Saiten und ſchwing' mich hinan, wie licht iſt ihr Kug' und wie klar!: 5. Und ſie küßt mich und drückt mich und lachet ſo hell; nie hab' ich die Dirne geſchaut.:,: Bin ein fahrender Schüler, ein wüſter Geſell, was lacht ſie und küßt mich ſo traut!:;: 9. 1. Kus Feuer iſt der Geiſt geſchaffen, drum ſchenkt mir ſüßes Feuer ein! Die Luſt der Lieder und der Waffen, die Luſt der Liebe ſchenkt mir ein, der Trauben ſüßes Sonnenblut, das Wunder glaubt und Wunder tut, der Trauben ſüßes Sonnenblut, das Wunder glaubt und Wunder tut. 2. Was ſoll ich mit dem Seuge machen, dem Waſſer ohne Saft und Rraft? Gemacht für Fröſche, Kröten, Drachen und für die ganze Würmerſchaft?:,: Für Menſchen muß es friſcher ſein; drum bringet Wein und ſchenket Wein!: 16 3. O Wonneſaft der edlen Reben! o Gegengift für jede Pein! Wie matt und wäſſ'rig fließt das Leben, wie ohne Stern und Sonnenſchein,:,: wenn du, der einzig leuchten kann, nicht zündeſt deine Lichter an!;,: 4. Es wäre Glauben, Lieben, hHoffen und alle herzens- herrlichkeit im naſſen Jammer längſt erſoffen, und alles Leben hieße Leid,:,; wärſt du nicht in der Waſſersnot, des Mutes Sporn, der Sorge Cod.:; 5. Drum dreimal Ruf und Klang gegeben! Ihr frohen Brüder, ſtoßet an: Dem friſchen, kühnen Wind im Leben, der Schiff und Segel treiben kann!:,: Ruft Wein, klingt Wein und aber Wein! und trinket aus und ſchenket ein!:,: 6. Hus Feuer iſt der Geiſt geſchaffen, drum ſchenkt mir ſüßes Feuer ein! Die Luſt der Lieder und der Waffen, die Luſt der Liebe ſchenkt mir ein,:: der Trauben ſüßes Sonnen⸗ blut, das Wunder glaubt und Wunder tut!:; 10. 1. Ein frohes herz voll Lieb und Luſt, an Liedern reich und Sangesluſt, wie pocht es unterm dünnen Flaus. Sing ſang, kling klang, es zog ein Burſch hinaus. Sing ſang, kling klang, es zog ein Burſch hinaus. 2. Ihr alten Gaſſen grad' und krumm, ich zieh' nicht mehr in euch herum, nicht tönt mein Lied in Saus und Braus. Sing ſang uſw. 3. Und wo ein herz voll Liebe heiß, ich es gar bald zu finden weiß, mein herz iſt weit, ein offenes haus. Sing ſang üſw. 4. Feinsliebchen, ſcheide ich von hier, dies letzte Liedchen ſing' ich dir, leb' wohl und denk im ſtillen haus: Sing ſang uſw. 5. Und kommt der letzte Kugenblick, ich hab' geliebt, das war mein Glück, doch jetzt iſt's aus,'s iſt alles aus. Sing ſang uſw. 17 11. Heil dir, Gießen an der Lahn! 1. Gießen, deine Muſenſöhne ſingen dir ein Jubellied! daß es uns die Sukunft ſchöne, bleibt dein Bild uns im Gemüt. Sünden, die wir nie bereuten, trauen uns dir ewig an, Gießen, Stadt der Jugendfreuden, ſchönes Gießen an der Lahn. 2. Deine häuſer, deine Rneipen ſind das heim der Poeſie und zum Salamanderreiben fehlt's an Stammquartieren nie. Fragt ihr mich nach alten Gaſſen? Geht nur hin und ſeht euch um! Selbſt die allerneuſten Straßen ſchienen wir biswei⸗ len krumm. 3. Zu des Gleibergs ſatter Grüne lockte uns der Maien⸗ tag! und des Staufenbergs Ruine ſah manch frohes Sechgelag. Wo der Mönch ſtatt vor dem Liebchen vor dem Kreuz ſich einſt verbeugt, Schiffenberg, dein Söllerſtübchen fand ich manch⸗ mal gar zu feucht. 4. Selbſt die Lahn, des Rheines Schweſter, iſt umhaucht vom Burſchengeiſt; nimmer dulden wir Geläſter, wenn uns wer den Reckar preiſt. Durch das Wehr der alten Mühle zog der Fuchs den Kahn hindurch, und im Bowlenvorgefühle rudert er zur Badenburg. 5. Deine Mädchen, ſchönes Gießen, ſcheinen zwar von außen kalt, doch ein andres Lied von dieſen rauſcht der Philo⸗ ſophenwald. Selig in des Klubſaals Tiefen ſchwang der Fuchs ſein Mädel rum, nur die alten Inaktiven tranken lieber einen um. 6. Uch wie mußt das Blatt ſich wenden, wo herr Goethe ſcheltend ſpricht:„Dieſe Gießener Studenten raufen, doch ſtu⸗ dieren nicht.“ Säh er heut Student und Spießer, nimmer wahrlich ſpräch er hHohn, denn ein echter, rechter„Gießer“ liebt den flotten Muſenſohn. 7. Alſo dichtet ein Philiſter, nimmt ſein ſchwarz⸗weiß⸗ goldnes Band, Praxis, Weib und Kind vergißt er, fährt hinauf ins heſſenland, ſetzt ſich nieder zu den Jungen, ſtimmt den Jubelkantus an, und im Jubel iſt's verklungen:„heil dir, Gießen an der Lahn.“ 18 12. 1. heraus, heraus die Rlingen, laßt Roß und Klepper ſpringen! Der Morgen graut heran, das Tagewerk hebt an. heraus, heraus die Klingen, laßt Roß und Klepper ſpringen! der Morgen graut heran, das Tagewerk hebt an. Tralalala la la la la, tralalala la laà la. 2. Wir fahren durch die Felder, durch heide, Moor und Wälder, durch Wieſe, Trift und Au', ſo weit der himmel blau, Wir ſchütteln ab die Sorgen; was kümmert uns das Morgen? Im Rücken laßt den CTod, das andre walte Gott. Tralala uſw. 3. Wir riegeln keine Pforte, wir ruhn an keinem Orte, wir ſammeln keinen Lohn; wie's kömmt, ſo fleugt's davon. Wir feilſchen nicht ums Leben, wer's nimmt, dem iſt's gegeben, wir ſcharren keinen ein, das Grab iſt allgemein. Tralala uſw. 4. Wir ſparen nicht für Erben; was bleibt, es mag verderben, und kommt's an ſeinen herrn, wer's find't, behalt' es gern. Für Vaterland und Ehre erheben wir die Wehre, für hermanns Erb' und Gut verſpritzen wir das Blut. Tralala uſw. 5. Und keine Wehre raſtet, bevor das Land entlaſtet vom Staub der Cyrannei, bis Erd' und Erbe frei. Der Teufel ſoll verſinken, die Mannlichkeit ſoll blinken, das deutſche Reich beſtehn, bis Erd' und All vergehn. Tralala uſw. 75 jähriges Stiftungsfeſt. Lieder für die Ernſte Feier auf dem Gleiberg. 1 Morgenglanz der Ewighkeit, Licht vom unerſchöpften Lichte, Schick uns dieſe Morgenzeit deine Strahlen zu Geſichte Und vertreib durch deine Macht unſre Nacht. Deiner Güte Morgentau fall auf unſer matt Gewiſſen; Laß die dürre Lebensau lauter ſüßen Troſt genießen Und erquick uns, deine Schar, immerdar. Gib, daß deiner liebe Glut unſre kalten Werke töte Und erweck uns herz und Mut bei erſtandner Morgenröte, Daß wir, eh wir gar vergehn, recht aufſtehn. Chriſtian Anorr von Roſenroth. 2 herz und herz vereint zuſammen, ſucht in Gottes herzen Ruh; Laſſet eure Liebesflammen lodern auf den heiland zu! Er das haupt, wir ſeine Glieder, Er das Licht und wir der Schein, Er der Meiſter, wir die Brüder, er iſt unſer, wir ſind ſein. Legt es unter euch, ihr Glieder, auf ſo treues Lieben an, Daß ein jeder für die Brüder auch das Leben laſſen kann. So hat uns der herr geliebet, So vergoß er dort ſein Blut; Denkt doch, wie es ihn betrübet, wenn ihr euch ſelbſt Eintrag tut. O du treuſter Freund, vereine deine dir geweihte Schar, Daß ſie es ſo herzlich meine, wies dein letzter Wille war, Und daß, wie du eins mit ihnen, Alſo ſie auch eines ſein, Sich in wahrer Liebe dienen und einander gern erfreun. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf. Kindt⸗Gießen 3 Ein feſte Burg iſt unſer Gott, ein gute Wehr und Waffen; Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt böſe Feind, mit Ernſt ers jetzt meint; Groß Macht und viel Liſt ſein grauſam Rüſtung iſt; Auf Erd iſt nicht ſeins Gleichen. Mit unſrer Macht iſt nichts getan, wir ſind gar bald verloren; Es ſtreit für uns der rechte Mann, den Gott ſelbſt hat erkoren. Fragſt du, wer der iſt; er heißt Jeſus Chriſt, Der herr Zebaoth, und iſt kein andrer Gott; Das Feld muß er behalten. Und wenn die welt voll Teufel wär und wollt uns gar verſchlingen, So fürchten wir uns nicht ſo ſehr, es ſoll uns doch gelingen. Der Fürſt dieſer Welt, wie ſaur er ſich ſtellt, Tut er uns doch nicht; das macht, er iſt gericht, Ein Wörtlein kann ihn fällen. Das Wort, ſie ſollen laſſen ſtan und kein dank dazu haben; Er iſt bei uns wohl auf dem Plan mit ſeinem Geiſt und Gaben. Uehmen ſie den Leib, Gut, Ehr, Rind und Weib: Laß fahren dahin, ſie habens kein Gewinn; Das Reich muß uns doch bleiben. Luther. Zum 75⸗jährigen Stiftungsfeſt des Gießener Wingolfs. Mel.: Sind wir vereint zur guten Stunde. 1 Wie ſich in lichten Feuergluten Erhebt des Tages Königin Kusſendend ihres Segens Sluten Weit über die Gefilde hin, So ſtieg auch uns in lichten Flammen Ein ſonnbeglänzter Tag empor, Uns führend wie ein Volk zuſammen Kuf zu der Freude goldnem Cor. 2 Wie einer Mutter herz für Rinder Stets bleibt der Erde traut'ſter Ort, So biſt, mein Wingolf, du nicht minder Uns, deinen Söhnen, Mutterhort Die ſich in deinen Reih'n gefunden Eh'dem in jugendfroher Zeit, Gleich Brüdern ſiehſt du ſie verbunden In Glück und Rot auf Ewigheit. 3 Euch drum, die ihr mit hohem Sinne Das ſtolze haus uns einſt gebaut 3u heil und köſtlichem Gewinne, Zu einer Schutzburg ſtark und traut, Die ihr mit frommen Geiſtes Wehen Erfüllt das Freundſchaftsheiligtum, Auf die von Dank durchloht wir ſehen, Euch, Wingolfsvätern, Preis und Ruhm! 4 Die Waffen, die ihr uns bereitet, Als Rüſtzeug auf des Lebens Gang, Sie haben ſieghaft uns begleitet Durch der Jahrzehnte Sturm und Drang, Kuf Liebe ſteht das haus gegründet, Die Brudertreu' iſt ſeine Welt, n wahrer Freiheit Glut entzündet, Von lautrer Freude iſt's erhellt. 5 Wohlan denn laßt die herzen lohen Allzeit in hehrer reiner Glut, Laßt heben uns den ſonnenfrohen Den friſchen, frommen, freien Mut, „Ar Svôc dνa!“ Segen erweiſe Du, herrlich' Wort, auch dieſer Zeit, Du Einer, Alles uns verleihte, Was not uns zur Glückſeligkeit. Feſtlieder zum? 5.stiftungsfeſt — V Colour& Grey Control Chart Blue Cyan Green vellow Hed Magenta SGrey 3— Grey 4 Black quillt die Rraft aus reichem Born von oben; es iſt ein Gott, der Sieg dem Wollen gibt, der treulich hilft dem ernſtlichen Geloben; es iſt ein Freund, des Nam' auch unſer iſt, er hält den Arm uns allen liebend offen; es iſt ein Troſt, es iſt ein Glaube, iſt ein hoffen, das hier uns hält und drüben nicht vergißt. 3. In Gottes hut geſtrebt nach heil'gem Licht, die Bahn der Wahrheit feſt im Kug' behalten! Der Sklavengeiſt, der hebt den Schleier nicht, nur freier Sinn darf ſchaun in Gottes Walten. Doch ſicherlich, wenn dich die Feſſel drückt, iſt der 1 Cyrann in eigner Bruſt zu finden, und heil'ge Scheu, beſcheid'ne Demut läßt ergründen, was ſtolzer Mut, was Erdenſinn entrückt. .— rI—.— Sesd