f [I2. 280 M2 Uberreicht vom Verfasser Sonderabdruck aus:„Verhandl. der Deutschen Zoolog. Gesellschaft“, 1938 90. Seite 18— 33 A Akademische Verlagsgesellschaft m. b. H., Leipzig 56 5 (229) — 3 b. Herr Prof. W. J. ScHMIDp: Einiges aus der Geschichte der Zoologie in Gießen(1 Abb.). Sehr verehrte Mitglieder und Gäste! Es ist ein schöner Brauch unserer Gesellschaft, daß auf der Jahresversammlung der örtliche Fachvertreter über die Ent- wicklung der Zoologie an seinem Institut berichtet. Solches hat in Gießen für die Zeit bis 1902 JoHl. WIi H. SPENGEE getan auf der 12. Tagung, die hier vom 20. bis 22. März jenes Jahres statt- fand. so daß ich mich für diesen Abschnitt kürzer fassen kann. Obwohl bereits in dem ersten Jahrzehnt des vorigen Jahr- hunderts gleich anderen naturwissenschaftlichen Sammlungen auch ein»Zoologisches Kabinet« hier bestand, so erscheint unser Fach selbständig im Rahmen der philosophischen Fakultät erst mit der Berufung CAaRL VoGAs zu außerordentlichen Professor der Zoologie im Jahre 1846. Vorher war die Tierkunde von dem Mediziner I. B. WiIBRAND mitvertreten worden, der auch Ana- tomie, Physiologie, Botanik, von 1844 bis zu seinem Tode im Jahre 1846 aber die Naturgeschichte allein lehrte; ihm war auch das Zoologische Kabinet unterstellt, dessen Bestände er durch Ankäufe zu mehren suchte. CARL VoGr, in Gießen 1817 als das älteste von 9 Geschwistern geboren,— sein Vater war hier Professor der Medizin— hatte neerMe an der Heimatuniversität und dann in Bern(wohin der Vater 1835 berufen wurde) Medizin studiert, hauptsächlich Ana- tomie be Physiologie, und sich darauf bei L. AGassiz in Neu- chatel zusammen mit EDUARD DESoR, der aus der französischen Kolonie Friedrichsdorf bei Homburg stammte, mit zoologischen (auch palaeontologischen) Studien vor allem über Anatomie und Entwicklungsgeschichte von Fischen und Amphibien beschäftigt. Da VoGr, an der damaligen Zeit gemessen, in Neuchaàtel unter günstigen Verhältnissen gearbeitet hatte— standen doch ein Zeichner und andere Hilfskräfte zur Verfügung— so nimmt es nicht Wunder, daß er sich über den Stand der Zoologie, den er bei der Berufung hier antraf, in seinem bekannten Buche»Aus meinem Lebend recht abfällig geäußert hat. Gab es doch hier weder Mikroskop noch Skalpell, weder Glasgeräte noch Chemikalien; und das Zoologische Kabinet, das vor allem gestopfte Bälge von Säugetieren und Vôgeln enthielt, die auswärts montiert werden mußten, befand sich in schlechtem Zustand. Ansprachen. 19 Es ist noch heute von Interesse, den Bericht zu lesen, in dem CaRr VoGor der hessischen Regierung diese trostlosen Verhältnisse schildert und die Aufgaben und Ziele der Zoolo- gie an einer Universität entwickelt: Die Sammlung soll dem Zwecke des Unterrichts dienen, daher nicht nach systemati- scher Vollständigkeit streben, wohl aber Typen der wichtigen Tiergruppen aufweisen; die einheimische Tierwelt jedoch soll reichlich vertreten sein, vor allem— im Hinblick auf den Unterricht der Mediziner und Forstleute— die Parasiten und Schädlinge mitsamt ihrem ökologischen Milieu. Die Vor- lesungen— Vodr hatte etwa 20 Hörer— müssen an Hand von Objekten gehalten werden und daher soll das Kabinet in Ver- bindung mit dem Hörsaal sein. Solche Aufgaben erfordern technische Hilfskräfte; daß der Präparator zugleich die patho- logische und mineralogische Sammlung betreut und der Zoolo- gie nur für wenige Stunden in der Woche zur Verfügung steht, erscheint unhaltbar; auch ein Gehilfe für die Verrichtung der einfacheren Arbeiten ist erforderlich. Die Regierung richtete VoGdr einen Hörsaal beim Zoologi- schen Kabinet in der auf dem Brandplatz gelegenen yalten AnatomieKl ein, für den er freilich Tische und Stühle zunächst leihen mußte; sie erhöhte weiter die Haushaltssumme für die Zoologie und stellte auch Mittel zum Ankauf von Sammlungs- gegenständen bereit. VoGr, der durch seine eigenen Studien ein lebhaftes Interesse für die Tierwelt vergangener Erdepochen hatte, regte auch an, die palaeontologische Sammlung, die da- mals mit der mineralogischen vereint war, dem Leiter des Zoologischen Kabinets zu unterstellen; und im Entwurf eines darauf bezüglichen Schreibens unter dem 27. Juli 1847 von VoGrs Hand fand ich den Satz, man könne doch die fossilen Tiere nicht deshalb unter die Steine rechnen, weil sie vor einigen tausend Jahren gelebt hätten. Von einem so kraftvollen und kenntnisreichen Manne wie C. Vodg, einem begabten und begeisterten Lehrer, wie seine volks- tümlichen Schriften erkennen lassen, der gewillt war, der Zoologie an der Universität Gießen die gebührende Stellung zu erkämpfen, hätte man für die Enfaltung unseres Faches großes erwarten können. Aber seine hiesige Tätigkeit fand ein jähes Ende, da er, 1 Diese wurde in den Jahren 1700- 1720 zusammen mit einem Tanzsaal und Fruchtboden erbaut. 2* 20 Ansprachen. an der politischen Erhebung der Jahre 1848/49 führend beteiligt, von der Hessischen Regierung aus dem Amte entlassen wurde. Er ging dann nach der Schweiz und wurde 1852 Professor der Geologie und später auch der Zoologie in Genf. Dort entstanden seine philosophischen und deszendenztheoretischen Streitschriften, die ihn weithin als»Materialisten« bekannt machen sollten, und dort ist er 1895 gestorben. Nachfolger Voors wurde 1850 RUDOLE LEUCKART. Er war 1822 in Helmstädt geboren, hatte in Göttingen seit 1842 Medizin studiert, vor allem als Schüler des Zootomen und Physiologen RüUDOLE WAGNER, sich dort 1845 den medizinischen Doktorgrad erworben und 1847 für Zoologie habilitiert. Den 28jährigen also erreichte der Ruf nach Gießen als außerordentlicher Professor der Zoologie; 1855 wurde er zum Ordinarius ernannt. Segensreich hat LEockART in Gießen 19 Jahre und von 1869 ab noch 29 in Leipzig gewirkt, wo er 1898 starb. Bald nach seiner Berufung hatte LEukARr von der Regierung die Anstellung eines eigenen Konservatorsz und die Beschaffung von Instrumenten erlangt. Seinem Fleiß verdankte die Sammlung eine große Anzahl von Spirituspräparaten aller Gruppen des Tierreiches; die meisten von diesen sind freilich schon vor Jahren der zerstörenden Wirkung der Zeit zum Opfer gefallen. Wohl als erster in Deutschland hat LEuckAkr hier zoologische Übungen abgehalten. All' diesen Bestrebungen LEuckaARrs kam die UÜbersiedlung des Zoologischen Institutes, wie das Kabinet von jetzt ab heißt, aus dem alten Gebäude auf dem Brandplatz in das yneue Anatomiegebäude«(Bahnhofstr. 84) zugute. Zwar waren hierfür schon 1835 Mittel in dem Universitätshaushalt eingesetzt und der Bau 1845 begonnen worden, aber das Vorhaben wurde erst unter dem Anatomen und Physiologen THEODOR WILHELM BISCHOFF zu Ende geführt. In diesem Gebäude fanden Anatomie und pathologische Anatomie 1849, Physiologie und Zoologie 1851 Unterkunft. Die Zoologie erhielt im ersten Stock zwei große Sammlungsräume(in den Flügeln) und ferner drei Zimmer, zu denen später(bei Lopwids Berufung) noch ein weiteres kam. Die Zimmer dienten als Arbeitsräume für Direktor, Konservator und Studierende. Als 1890 Pathologie und Physiologie eigene 2 GIESEE; spätere Präparatoren: ZINSER, SrADELMANXN, seit 1908 HUGO SCHMIDT. Ansprachen. 241 Institute bezogen, stand der Zoologie der 1. Stock ganz zur Ver- fügung zugleich mit dem hier befindlichen Hörsaal, den sie bis dahin mit der Physiologie teilte. Im Erdgeschoß verblieb das Anatomische Institut und so ist es noch heute. Mit RUDOLF LEUCKART, der somit als Begründer des hiesigen Zoologischen Institutes gelten kann, hatte Gießen einen Lehrer von Gottes Gnaden, einen Forscher, der Weltruhm erringen sollte, nächst LIEBIG den bedeutendsten Naturwissenschaftler seiner Universität erhalten. In den 19 Jahren seiner hiesigen Tätigkeit veröffentlichte LEUCKART etwa 100 Arbeiten. Ich erinnere zunächst an die»Blasenbandwürmer und ihre Entwicklung«(1856), in deren Vorwort der Verfasser mit Recht den Anspruch erhebt: Unsere heutige Helminthologie ist dazu berufen, in der Geschichte der Gesundheitspflege ein Rolle zu spielen, wie sie bisher noch keinem anderen Zweige unserer Zoologie zuteil geworden ist«; aber zugleich betont er, daß seine Absicht zunächst eine rein wissenschaftliche war, und, wenn es gelang, die Naturgeschichte der Bandwürmer vollständiger zu erforschen als vorher, so wird, fährt er fort,»das gewiß auch so für die Praxis nicht verloren seinç. 1852 erscheint von C. BERGMANN, Professor der Physiologie in Göttingen, und R. LEUckARr die»Anatomisch-physiologische Übersicht des Thierreichs«; hier werden Morphologie und Ent- wicklungsgeschichte mit physiologischem Geiste erfüllt. Dieses Buch reicht in seinen Anfängen noch in die Göttinger Zeiten zurück, da LEUokARr mit BERGMANN zusammen war; LEUCKARTS Anteil sind vor allem die Abschnitte über die Wirbellosen. Noch heute fesselt das Werk den Leser: staunend erwägt er den Um- fang und die Sicherheit der Kenntnisse des jungen LEUCKkART, das Vorstoßen zu den allgemeinsten und letzten Fragen, die schlichte, jedem Gebildeten verständliche, fast plaudernde und doch kunstvolle Art der Darstellung. Bei manchem tüchtigen Zoologen hätte solche Leistung die Kraft eines ganzen Lebens beansprucht; bei BEROMANN und LEUCKART erscheint sie wie ein glücklicher Wurf. LEUCKARTS zahlreiche Gießener Untersuchungen über die Fortpflanzung der Insekten(Parthenogenese, Pädogenese, Ge- nerationswechsel), die bei den Bienen auch wertvolle Einsichten 22 Ansprachen. für die Praxis des Züchters lieferten, kann ich nur andeutend er- wähnen. Aber zu all dem schreibt LEockaARy hier in Gießen auch noch den ersten Band seines Fundamentalwerkes über die tieri- schen Parasiten des Menschen(1863). Das Zoologische Institut besitzt eine aus Elfenbeingips her- gestellte kleine Plakette LEUCkARTS(Relief-Brustbild) aus dem Jahre 1856, auf der als Künstler W. DiCKORE zeichnets. Ich habe Abb. 1. RUDOIF LEUCKART-Plakette im Besitz des Zoologischen Instituts Gießen. davon eine photographische Aufnahme herstellen lassen(Abb. 1) und bitte die Mitglieder und Gäste, eine Kopie als Erinnerung an unser Gießener Beisammensein entgegenzunehmen. Als Nachfolger LEockARrs wurde 1869 ANTON FRIEDRICH ScHuNEIDER hierher berufen. 1831 in Zeitz geboren, hatte er in Bonn bei TRoscHEL und dann in Berlin studiert und dort 1854 den Doktorgrad erworben auf Grund einer von JoHl. MörLER angeregten Arbeit»Beiträge zur Naturgeschichte der Infusorien. Diesen seinen Lehrer und dessen Assistenten W. ScHMIDT hatte 3 Dieses Bildnis LEüöckARTS(Durchmesser der Plakette— ohne Rahmen— 10 cm) ist anscheinend bisher weiteren Kreisen unbekannt geblieben. Ansprachen. 23 ScHNEIDER 1855 studienhalber nach Norwegen begleitet; bei der Rückkehr von Christansand ereignete sich der verhängnisvolle Schiffbruch auf der Nordsee, der ScHNEIDER und JoHANNES MörLER stundenlangem Kampf mit den Wogen preisgab, bis sie schließlich gerettet wurden, während der dritte Reisegenosse versank.— SoHNEIDER habilierte sich 1855 in Berlin für Zoologie und war zugleich Kustos am Zoologischen Museum; in Gießen blieb er bis 1881; dann übernahm er den Lehrstuhl in Breslau; dort starb er 1890. ScHNEIDER hat insgesamt etwa 50 Arbeiten über Systematik, Anatomie, Entwicklungsgeschichte und Histologie von Wirbel- losen und Wirbeltieren veröffentlicht; vor allem bekannt ge- worden ist er durch seine noch aus der Berliner Zeit stammende Monographie der Nematoden. In Gießen verfaßte er u. a. die „Beiträge zur Anatomie und Entwicklungsgeschichte der Wirbel- tiere« und hier sah er als erster 1873 am Ei von Mesostomum ehren- bergii die Hauptstadien der Mitose. An ScHNEIDERS Namen also knüpft sich die»erste vollgültige Entdeckung der Kern- metamorphose« bei der indirekten Zellteilung, um mich der Worte W. FLEMMINGS zu bedienen. ScHNEIDERS Vortrag wird im Nach- ruf von G. LiMPRICHT als fesselnd, ja hinreißend bezeichnet; schriftlicher Darlegung war er eher abhold. Nach ScHNEIDER folgte auf dem Gießener Lehrstuhl für Zoologie HuUBERT LoDwIG, der 1852 in Trier geboren, seit 1871 in Würzburg zuerst Medizin, dann unter C. SEMPER Zoologie studiert hatte und dort 1874 zum Doktor phil. promoviert wurde auf Grund einer Arbeit über die Eibildung im Tierreich. 1875 habi- litierte sich LopwiG bei EHLERS in Göttingen für Zoologie und 1878 wurde er Direktor der Städtischen Sammlungen für Natur- geschichte und Ethnographie in Bremen. Von dort siedelte er 29jährig nach Gießen über, wo er von 1881 bis 1887 blieb, um dann die Leitung des Zoologischen Institutes in Bonn zu übernehmen, bis zu seinem Tode im Jahre 1913. Lopwids Name ist in unserer Wissenschaft für alle Zeit ver- knüpft mit der Erforschung der Morphologie und Systematik der Stachelhäuter. Dieser Tiergruppe war er durch seinen Lehrer SEMPER nahegekommen und ihr blieb er sein Leben lang treu— mit einer Art Starrsinn, wie SpENGEL im Nachruf auf den Freund sagt. In diesem Rahmen hat Lupwic Hervorragendes geleistet: zäh in der Arbeit und ein begnadeter Beobachter, von einem aus- 24 Ansprachen. geprägten Sinn für Orduung, temperamentvoll und doch in Geste und Wort gemessen, so erschien LoDWIG seiner Um- gebung. Von seinen Arbeiten fällt in die Gießener Zeit u. a. die meisterhafte Untersuchung der Entwicklung der sterina gibbosa. Nur ein Mann, dessen Unverdrossenheit und Ausdauer vor dem Umfang keiner Arbeit zurückschreckte, konnte es übernehmen, JoHANN LEUNIS'»Synopsis der Thierkunde«, einen systematischen Überblick des ganzen Reiches der Zoologie, der bis zur Bestimmung jeder genannten Form führt, in kurzer Zeit neu herauszugeben(1883- 1886)— das letzte Mal, daß ein systematisches Werk solchen Umfangs von einem Verfasser bewältigt wurde. Als im Herbst 1887 Lupwic nach Bonn ging, berief die Re- gierung JoHANN WILHELM SPENGEI auf den Gießener Lehrstuhl, der Lopwios Nachfolger in Bremen gewesen war. SPENGELS persönlichkeit sollte dem Gießener Institut für 3 ½ Jahrzehnte das Gepräge geben. 1852 in Hamburg geboren, hatte SPENGEI an der Universität Berlin sich der Medizin, vor allem im Kreise VIRCHOWS der Anthropologie zugewandt, dann bei CLAUs in Göttingen Zoologie studiert, und dort medizinisches Vorexamen und 22jährig das Doktorexamen bestanden. Die Dissertation betraf einen rezenten menschlichen Schädel, der Eigentümlich- keiten des Neanderthalers trug. Dann siedelte SeENGEIL nach Würzburg über, um KoELLIKER, SACHS und SEMPER zu hören. Der letzte hatte kurz vorher die Entstehung der segmentalen Nierenkanälchen der Selachier durch Ausstülpung aus dem Pe- ritonealepithel entdeckt und bald darauf hatte GoFrrE das gleiche in der Entwicklung eines Amphibiums, der Unke, nachgewiesen. SPENGEL zeigte nun 1876, daß die bewimperten Ausstülpungs- trichter in der Niere der erwachsenen Amphibien bestehen bleiben und er baute solche Beobachtung zu einer umfassenden Untersuchung dieses Organes aus. Damit war er lebenslang für die Wirbeltiermorphologie gewonnen in einer Zeit, da die meisten Zoologen sich den Wirbellosen zuwandten und die Vertebraten den Vertretern der Anatomie überließen; SPENGELS Schüler VERSIUYS und RAUITHER haben solche Forschungsrichtung in glücklicher Weise fortgesetzt, dieser für die Fische, jener für die Reptilien. 1877-1878 war SPENGEIL Bibliothekar an der Zoologi- schen Station Neapel und in diesen Jahren schon keimen seine Studien über die Enteropneusten; 1879 habilitiert er sich in Göttingen.* Ansprachen. 25 Der junge Forscher, der soeben erst auf dem Gebiet der Wirbel- tiere einen so erfolgreichen Schritt getan hatte, bewährte sich als- bald mit gleicher Meisterschaft in einer Arbeit über»Die Geruchs- organe und das Nervensystem der Mollusken«(1881). Hier löst SPENGEIL das Rätsel der Chiastoneurie, zu dem bereits vox IHERING wertvolle Beiträge geliefert hatte: er entwickelt im ganzen die heute allgemein anerkannte Vorstellung, daß bei den Prosobranchiern die ursprünglich nach hinten in der Mantelhöhle gelegenen Organe (Kieme, After, Genital- und Nierenöffnungen) durch eine(in embryo- naler Zeit erfolgende) Drehung über die rechte Seite nach vorn zu liegen kommen, so daß die betreffenden Organe der rechten Seite auf die linke und die der linken auf die rechte verlagert werden, und zugleich die Visceralschleife eine Uberkreuzung erhält. Daß ein Mann, der auf so verschiedenen Gebieten die Zoologie durch eigene Forschung bereichert hatte, der in seiner Gießener Zeit neben zahlreichen kleineren seine umfassenden Arbeiten über die Enteropneusten und Gephyreen schuf, der die Entwick- lung des Darwinismus von seiner Jugend an mit höõchster Anteil- nahme verfolgte, der die»Zoologischen Jahrbücher« begründete und später die»Ergebnisse und Fortschritte der Zoologie«,— daß ein solcher Mann ein kenntnisreicher Lehrer war, versteht sich von selbst. Aber seine Vorlesungen boten mehr als einen klaren und mit pädagogischer Sorgfalt gewählten Tatsachenbereicht; sie ließen, wie BEoHEk in seinem wundervollen Nachruf auf SPENGEL des Näheren schildert, die volle, begeisterte Hingabe an die Wissen- schaft erkennen. Unter SPENGEES Leitung enstanden wertvolle Dissertationen und eine nicht geringe Zahl von Forschern hat er der Zoologie zugeführt 4. Für das Institut sehr wesentlich war, daß 4 Dozenten am Zoologischen Institut der Universität Gießen: ADALBERT SEITZ......... W.-S. 1890/91 bis W.⸗S. 1892/93; FrRDINAND SCHMIDT........ W. S. 1894/95„ S.-S. 1895; ERaNZ voM WaGNEER....... S.-S. 1896„„ S.-S. 1906; JuETUS GROSs............W.⸗S. 1903/04„ S.. 1908; NMax HaRTMANN........... S.-S. 1904„ W. S. 190 /08; Max RaUHIEE........... S.-S. 1906„„ W.-S. 1907/08 und W.-S. 1914/15„ W.⸗S. 1918/19; Jan VERSEVVS........... W.-S. 1907/08„ S.-S. 1916 (a. O. Prof. ab W.⸗-S. 1911/12); REINHARD DEMOILAIL.........W.-S. 1908/09„ S.-S. 1914 SIEGFTRIED BECHEE......... S.-S. 1909„„ S.⸗-S. 19143 HüUrEEHT EREHARND......... W.-S. 1914/15„ W.⸗-S. 1927/28; (a. O. Prof. ab S.-S. 1922); EENST MERKEBRR......... W.-S. 1924/25„ W.⸗S. 1937/38; (a. O. Prof. ab S.-S. 1929); Worr EMMIO ANKEIT....... ab S.-S. 1931. (a. O. Prof. ab S.-S. 1937). 26 Ansprachen. SPENGEL die Anstellung zunächst eines, dann noch eines zweiten Assistenten erreichtes. Unserer Gesellschaft war SPENGEL auf das innigste ver- bunden; er gehörte ihr seit der Gründung an und von 1891 bis 1900 war er Schriftführer; auch später besuchte er regelmäßig die Ver- sammlungen, allen Teilnehmern wohl vertraut. Der unglückliche Ausgang des Krieges hat SPENGEL auf das Tiefste bedrückt, ja wohl seine Schaffensfreude gebrochen. Das letzte, was er veröffentlichte—abgesehen von einer posthumen Arbeit über Planctosphaera pelagica, die erst 1932 erschien—, ist sein Nachruf auf HoBERT LUDwIG 1914. SPENGEL starb am 13. April 1921. Der Nachfolger SPENGELS, ERNST SIEGFRIED BEOHER, steht den meisten von uns noch in lebendiger Erinnerung. 1884 in Rem- scheid geboren, war er in Bonn auf Grund einer von LupWIG geleiteten Arbeit über Rhabdomolgus zum Dr. phil. promoviert worden. In dieser Untersuchung erwies er sich sogleich als einen Morphologen von Rang, der in der Organisation von Fhabdomolgus die ursprünglichen Züge von den durch Rückbildung erlangten, nur scheinbar primitiven zu scheiden verstand. 1908 kam BEOHER 5 Assistenten am Zoologischen Institut der Universität Gießen: wGUeT CER.......... 8. S. 807 bis S.-S. 1894: THEOD. MoORTENSEN.........W.⸗S. 1894/95; Prnb. SOMMIDTT..........S. S. 1895; KaRIL. CaMILILO ScCHNEIDER.. W.⸗-S. 1895/96; EnaMz VON WaGNIR.........S.-S. 1896„ W.⸗-S. 1898/99; IWILHIEILMN DaAUDII..........S. S. 1899„ W.-S. 1900/01; AL TEAI..... S.-S. 130„„ W.-S. 1901/02; JTUS GROES....... S. S. 1901„ S.-S. 1906; NI HanWNN......... S.⸗S. 1902„ S.-S. 1905; AX RAGTIIN........ W. S. 1905/06„ S.-S. 19072; W.-S. 1914/15„ W.-S. 1918/19; RoOBERT NICOLAI STREIEEFE.. W.-S. 1906/07„ S.-S. 1908; JaN VEHSLUVS...........W. ⸗S. 190 /08„ S.-S. 1908; RerRdanp DEMOLIA......... W. S. 1908/09 ⸗, S.-S. 1914; SIEGFRIED BECHER.........W.⸗-S. 1908/09„ S.-S. 1914; WaLDEMAR VON SCHUCKMANN.. S.-S. 1909(für BEoHER); HUEREET HRMARD......... W. S. 1914/15„ W.-S. 1919/20; FRIEDRICH EGGERS.........W.-S. 1918/19„ W.-S. 1921/22; AIIIIUE L.00„W. S. 920„ S.-S. 1923; NRrI DrUTLNEN......... W.⸗S. 1921/22„ W.-S. 1925/26; ERNEGI MERRKER......... S. S. 1922„ W.-S. 1937/38; IHa NS(CILEERHNI........... S.-S. 1926 WoIF EMMO ANKEIL 2ab S.-S. 1926/27; EHWIN WHSSEI.........ab S. S. 1938. s Seit 1926 besteht an der Universität Gießen ein planmäßiger Lehr- für Forstzoologie und Schädlingsbekämpfung, der mit der zoologischen Abteilung des Forstinstitutes verknüpft ist. Diese Stelle hatte bis 1936 M. DINGLER inne, seitdem wird sie vertretungsweise von E. MERKER versehen. 3 ng Ansprachen. 27 zu SPENGEL als Assistent und habilierte sich noch im gleichen Jahre mit einer Abhandlung über die Stammesgeschichte der Holothurien; diese überrascht ebensosehr durch die Beherrschung des ausgedehnten Schrifttums wie durch die umsichtige Erwägung der gesamten Organisation zur Erklärung der Phylogenie. So wertvoll uns diese und andere morphologische Arbeiten BECHERS über die Stachelhäuter sind, seine Eigenart tritt erst in den Studien über die Optik der Echinodermenskelettstücke zutage: Ermittelung der Lage der optischen Achse in zahlreichen Skeletteilen, Deutung der gelegentlich vorkommenden optischen Störungen, Versuch einer Erklärung der geregelten Beziehung zwischen der Lage der optischen Achse und der Konfiguration des Skelettstückes, Verwertung dieses Zusammenhangs zur morpholo- gischen Analyse des Skelettes— das sind die Hauptpunkte. Bedenkt man, daß BEoHER zugleich ein neues und elegantes Verfahren zur Bestimmung der Lage der optischen Achse in größeren Skelett- stücken ersann, daß er zeigte, wie solche Skelettstücke als»Zer- streuungspolarisatoren dienen können, daß er den bis dahin fast unbeachtet gebliebenen Astigmatismus des Tubusanalysators, der eine beträchtliche Bildverschlechterung im Polarisationsmikroskop nach sich zieht, erkannte und alsbald den prinzipiellen Weg zu seiner Beseitigung wies, so formt sich ein Bild von dem Reichtum seiner Gaben. Mit derselben Leichtigkeit und tiefeindringenden Gründlichkeit meisterte BEcHER auch die entwicklungsphy- siologischen Probleme, die ihm bei der Analyse der Be- ziehungen zwischen Form und Lage von Anker und Anker- platten der Synaptiden entgegentraten; und so sehen wir den- selben Forscher, der in den subtilsten optischen Gedankengängen zuhause war, auch in der Front der Entwicklungsmechaniker. Inzwischen hatte BEcHER einen Ruf als Ordinarius nach Rostock erhalten, wo er von 1914 bis 1921 blieb. Neben der Vol- lendung der optischen Arbeiten fesselt ihn hier das Problem licht-(und balsam-)echter Kernfärbungen. Als brauchbar erwiesen sich insbesondere die Oxyanthrachinone und Naphtho- chinone, die BEcHER in geeignete Lösung zu bringen verstand. Alsbald mit dem nôtigen chemischen Rüstzeug gewappnet, gibt er eine Erklärung des Färbevorganges mit diesen Stoffen: Der Farbstoff liefert mit dem Metall der Beize(z. B. Aluminium) eine lösliche Verbindung égelöster Farblack«), die, nach Ionisierung basisch wirkend, sich chemisch adsorptiv an die sauren Nukleo- proteide kettet(1921). 28 Ansprachen. 1921 nach Gießen berufen, nimmt BEoHER ein drittes Arbeits- gebiet in Angriff, dessen voller Ausbau freilich ihm nicht beschieden war: Auf unserer Versammlung im Jahre 1923 führte er die scheu- chende Wirkung des ultravioletten Lichtes auf die Daphniden in eindrucksvollen Versuchen vor und erläuterte den Einfluß der Wellenlänge des Lichtes auf die Augenbewegung dieser Tiere. Solcher Blick über BEcHERS wertvollste Leistungen läßt er- messen, welchen Antrieb er unserer Zoologie noch hätte erteilen können. Was er als Lehrer und Mensch seinen Schülern war, hat E. MERKER in pietätvollem Nachruf geschildert und auch, wie BEOHERS Geschick sich vollendete: Mehr und mehr trat das Leiden hervor, das nur scheinbar in der Jugend überwunden, seinen allzu frühen Tod herbeiführte. Der Ruf nach Breslau 1925 erreichte den Schwerkranken und dort ist BEoHER im Januar 1926 verloschen. Wie uns als Letztes von SPENGEES Hand der Nachruf auf den Vorgänger Lopwic verblieb, so ist BEoHERS vorletzte Veröffentli- chung das Lebensbild von SPENGELE, zugleich ein ergreifendes Denkmal seiner selbst. BCHERS Gesundheitszustand hat es mit sich gebracht, daß seine Pläne für die Neugestaltung des Gießener Institutes in den Anfängen stecken blieben. Als ich 1926 die Leitung übernahm, fand ich die Dinge im wesentlichen so, wie SPENGEL sie 1902 in unseren Verhandlungen geschildert hat. Der im bahnwärts ge- legenen Flügel befindliche Saal enthielt die vergleichend ana- tomische Sammlung, der straßenwärts gelegene die systema- tisch-zoologische; in diesem waren aber schon zu SPENGELS Zeiten Vorkehrungen getroffen worden, um an den Fenstern der einen Längsseite Arbeitsplätze für Praktikanten zu schaffen. Im Einvernehmen mit dem Ministerium ließ ich die vergleichend- anatomische Sammlung völlig ausräumen— nur zwei Walskelette an der Decke künden noch die ehemalige Verwendung des Raumes — und die Gegenstände auf dem Speicher unterbringen, der schon früher beträchtliche ältere Teile der Sammlung, vor allem gestopfte Säuger und Vögel, hatte aufnehmen müssen. In dem entleerten Saal, der nur Oberlichtfenster besaß, wurden die zugehörigen unteren Fensterabschnitte ausgebrochen, Gas-, Wasser- und elek- trische Leitungen verstärkt, und so ein Laboratorium für die ganztägige Arbeit der Studierenden geschaffen, das an den zwei Längsseiten 12 Fensterplätze enthält. Die ehemals an den Wänden stehenden Schränke mit verglasten Türen dienen jetzt, in der Mitte des Raumes zusammengestellt, zum Aufheben von Instru- Ansprachen. 29 menten, Glassachen, Chemikalien und anderen Bedürfnissen des Laboratoriums. Vom Ende dieses Saales wurden ferner ein Zimmer für den 2. Assistenten und eine Dunkelkammer ab- getrennt. Damit konnte ich auch dem 1. Assistenten ein eigenes schönes Zimmer zuweisen, und zwar den straßenwärts gelegenen Raum, der bei meiner Ankunft als Laboratorium diente. Der Raum vor dem jetzigen Laboratorium wurde Arbeitszimmer des Hilfsassistenten, den die Regierung mir seit 1927 bewilligte. Das»chemische Zimmer«, das BEoHER eingerichtet hatte, mußte ich fallen lassen, um auch für den damals noch hier anwesen- den Kollegen ERHARD einen Raum zu schaffen; heute gehört er dem Gehilfen, der vorher mit dem Präparator zusammen hauste, was mancherlei Störungen der beiderseitigen Arbeiten nach sich zog. Aus dem Saal der systematisch-zoologischen Sammlung wurden die Mittelschränke(Schautische) entfernt; sie enthielten vor allem die Conchylien, die jetzt größtenteils in Schränken auf dem Korridor untergebracht sind. Damit konnte in der Längs- achse dieses Saales eine Tischreihe aufgestellt werden, und so ver- fügen wir jetzt auch über einen recht brauchbaren Kurssaal für die Anfänger, der 60 und mehr Teilnehmer faßt. In diesem Raume finden auch die Demonstrationen zur Hauptvorlesung statt. Die im Kurssaal verbliebenen Wandschränke enthalten jetzt die Unterrichtssammlung, die zum Teil aus den Beständen der vergleichend-anatomischen und systematischen Sammlung zusammengestellt wurde, in den letzten Jahren aber auch manches neue Präparat erhalten hat. Damit wurde ein Plan verwirklicht, den SPENGEL schon 1902 angedeutet hat. Freilich ist der Raum in den Glasschränken so beengt, daß die Objekte magaziniert stehen, also ihre Betrachtung nur nach Herausnehmen möxlich ist. Von der systematischen Sammlung wurden die einheimischen Vögel und Mollusken neu aufgestellt und— wie ein Teil der Ske- lette— in Schränken auf dem Korridor untergebracht. Die eben- dort befindliche Sammlung von Vogeleiern hatte schon zu BEoHERs Zeiten eine Neuordnung erfahren. Es ist meine Absicht, im Laufe der Jahre eine einigermaßen vollständige Sammlung der einheimi- schen Tierwelt herzurichten. Für die Zoologischen Ubungen der Anfänger(Studierende des höheren Lehramts, der Medizin und Veterinär-Medizin) wurde von den Objekten, die in Dauerpräparaten untersucht werden müssen, eine Sammlung guter und an Zahl ausreichender mikro- 30 Ansprachen. skopischer Präparate geschaffen(insgesamt über 4000 Stück). In den Vergleichend-histologischen UÜbungen erhält jeder Teilnehmer etwa 180 Dauerpräparate als Geschenk. Weiter ent- standen gegen 130 Wandtafeln übereinstimmend in Format, Zeichenart und Farbengebung, welche die in den genannten Kursen benutzten Objekte darstellen. Wir haben eine Anzahl dieser Tafeln und auch einige neue Sammlungspräparate im Kurssaal ausgestellt, damit die Besucher eine ungefähre Vorstellung von Art und Umfang dieser Arbeiten gewinnen. Sehr bescheiden war bei meinem Dienstantritt die Aus- rüstung des Institutes mit optischen Instrumenten. Im Einvernehmen mit der Regierung wurden die älteren Mikroskope und Lupen an Hessische Schulen abgegeben, gegen bescheidenes Entgelt, und dann haben uns die Optischen Werke E. LEIrz in dem benachbarten Wetzlar, deren unablässige Hilfe uns zu größtem Dank verpflichtet, durch mehrfache Schenkungen eine vorzügliche Ausrüstung gespendet. Verfügen wir doch jetzt nicht nur über eine stattliche Anzahl guter Mikroskope mit etwa 30 Immersionen, sondern auch über mancherlei Spezial- einrichtungen, wie Polarisationsmikroskope, Ultropak, Dunkelfeld- kondensoren usw. Der Hörsaal, der bereits zu SPENGEES Zeiten durch Ver- setzung der Rückwand undspäter der Stirnwand vergrößert wurde, und jetzt etwa 120 Sitzplätze bietet, erfuhr wesentliche Ver- änderungen. Eine moderne Deckenbeleuchtung, die für die Zwecke der Projektion beliebig abgestuft werden kann, wurde eingerichtet. Ein Ventilator, der auf dem Speicher steht, und unter Verwendung eines nicht mehr benutzten Kamines an den Hörsaal angeschlossen ist, sorgt für Lufterneuerung, was besonders angenehm empfunden wird, wenn bei geschlossenen Vorhängen Lichtbilder u. dgl. vor- geführt werden. In dem an die Stirnwand des Hôrsaals stoßenden Raum, der bei meinem Dienstantritt das gemeinsame Zimmer für die beiden Assistenten war, wurde die von den Optischen Werken E. LEITz geschenkte wertvolle Apparatur für diaskopische, episkopische und mikroskopische Projektion aufgestellt. Die Bilder erscheinen in durchfallendem Licht auf einem paraf- finierten Schirm, der sich in einem Ausbruch der Zwischenwand der beiden Räume hinter der Tafel befindet. Im übrigen enthält der Projektionsraum noch die große photographische Ka- mera und dient auch als Vorbereitungszimmer für die Vor- lesungen. Ansprachen. 31 Umfangreich und vielseitig ist unsere Bücherei, der die SPENGEESche Privatbibliothek schon zu BEoHERs Zeiten als Ge- schenk des Herrn Dr. LErrz einverleibt wurde. Die Neuordnung der Bücherei, insbesondere die Katalogisierung der etwa 17000 Ein- zelschriften, die das Institut jetzt insgesamt besitzt, lief über etwa 5 Jahre hinweg. Die Zeitschriften, welche SPENGEL Z. T. im Austausch gegen die ihm als Herausgeber zustehenden Stücke der Zoologischen Jahrbücher erhielt, konnten freilich in dem bis- herigen Umfange nicht weiter bezogen werden. Beansprucht doch die Bibliothek etwa den dritten Teil des Haushaltgeldes, ein Opfer, das öfter auch anderen Fächern zugute kommt. Die Bücherei befindet sich in 3 verschiedenen Räumen: die Zeitschriften in einem Zimmer neben dem Hörsaal(das BEoHERS Laboratorium war), die Werke über allgemeine Zoologie in einem Abschnitt des Korridors und die über spezielle Zoologie im Zimmer des Hilfsassistenten. Die Arbeitsrichtungen, die zur Zeit im Gießener Institut gepflegt werden, sind den Fachgenossen bekannt. Polarisations- optische Erforschung des submikrospkopischen Baues der tieri- schen Gewebe, Einwirkungen des Lichtes auf den Tierkörper, Morphologie und Ökologie der Mollusken sind die Hauptgebiete. Herr E. KESSEI hat auf meine Veranlassung eine Liste der 233 Ver- öffentlichungen zusammengestellt, die aus dem Institut hervor- gegangen sind, seitdem es unter meiner Leitung steht; ich bitte auch diese Druckschrift als eine Erinnerung an die Gießener Tagung entgegenzunehmen. Wenn ich bisher die guten Seiten unseres Institutes heraus- gestellt habe, so darf ich doch nicht verschweigen, daß manches andere sehr im argen liegt. Vor allem drückt uns Raumnot, über die schon SPENGEL geklagt hat, und die wohl verständlich ist, wenn man erwägt, daß dem Institut heute nicht mehr Räume zur Verfügung stehen als vor 48 Jahren. Alles ist jetzt vollgepfropft: wir haben kein Zimmer, in dem eine Versuchsanordnung ungestört aufgestellt werden könnte, von Abstellräumen ganz zu schweigen. Auch sind wir in der Haltung von Tieren in unerträglicher Weise beschränkt. Zwar befindet sich im Garten ein mit doppeltem Glasdach versehenes Tierhäuschen, das hauptsächlich als Aquarium dienen sollte, und an dessen Außenwände Käfige zur Haltung anderer Tiere angeschlossen sind. Aber diese Anlage ⸗ Sonderdruck aus Ber. Oberhess. Ges. Natur- u. Heilk. zu Gießen 18(1938), naturwiss. Abt., S. 159- 175. 32²2 Ansprachen. leidet nicht nur sehr unter dem Einfluß der Witterung, sondern ist auch beengt und nur mangelhaft heizbar. Mehrere Jahre hin- durch haben wir ein recht schönes Seewasseraquarium dort unter- halten; die Kosten hierfür wurden aber so groß, daß diese für Unterricht und Forschung wertvolle Einrichtung, deren Ausbau Herr Kollege ANKEIL viel Liebe und Zeit geopfert hat, stillgelegt werden mußte. In den Institutsräumen selbst können wir nur kleinere Aquarien und Terrarien aufstellen. Dauernde Haltung von Säugern und Vögeln läßt sich aus leicht verständlichen Grün- den nur in Räumen durchführen, die solchen Zwecken allein dienen. Sehr betrüblich ist auch, daß dem Institut eine Ausrüstung für Unterricht und Forschung in vergleichender Physiologie, die doch heute in unserem Fache eine sehr wesentliche Rolle spielt, ganz fehlt. Hierfür ist nicht nur der Raummangel verantwortlich zu machen, sondern auch der bescheidene Etat, der in den laufenden Kosten für Heizung, Beleuchtung, Laboratorium und Bibliothek aufgeht, so daß es bisher unmõglich war, aus ihm allmählich einen Grundstock für die vergleichende Physiologie zu schaffen. Ich hoffe zuversichtlich, daß in absehbarer Zeit die genannten Mängel beseitigt werden: Der Neubau einer Anatomie ist bewilligt, und damit wird auch die Frage aufgeworfen, was mit dem Zoolo- gischen Institut geschieht. Die beste Lösung wäre ein Neubau; denn in einem alten Gebäude wird sich niemals ein allen An- sprüchen genügendes Institut herrichten lassen. Da aber bisher ein Käufer für das Gebäude Bahnhofstr. 84 sich nicht finden ließ, so muß die Zoologie wohl zunächst in diesem Hause bleiben. Würde nach dem Auszug des Anatomischen Institutes das Gebäude Bahnhofstr. 84 der Zoologie ganz zur Verfügung gestellt, so wäre wenigstens die Raumnot beseitigt und es könnten eine Verteilung von Unterricht und Forschung auf die beiden Stockwerke durch- geführt, die Sammlung richtig aufgestellt, die Bücherei geschlossen untergebracht, Räume für Versuchsanordnungen, insbesondere vergleichend physiologischer Art und für Tierhaltung eingerichtet werden. Freilich bleiben auch dann die schweren Mängel be- stehen, die von der Lage des Gebäudes herrühren und also nur durch einen Neubau des Zoologischen Institutes an anderer Stelle beseitigt werden können: nämlich vom Bahnkörper her wird das Haus mit Ruß überschüttet, der selbst durch die ge- schlossenen Doppelfenster eindringt, Instrumente und Sammlungs- gegenstände schädigt und mancherlei Untersuchungen erschwert, 98 Geschäftliches. 33 und von allen Seiten her macht sich der Lärm lebhaften Ver- kehrs unerfreulich bemerkbar. Zu der Bereitstellung des ganzen Gebäudes Bahnhofstr. 84 müßte freilich auch noch eine einmalige oder eine auf mehrere Jahre verteilte finanzielle Beihilfe kommen, um die freigewordenen Räume für die Zwecke des Zoologischen Institutes einzurichten und die noch fehlenden Teile der Ausrüstung zu beschaffen. Auch eine Erhöhung des Etats wird sich nicht umgehen lassen. Ich hielt es für meine Pflicht, die hier genannten Möglichkeiten, den Zustand des Zoologischen Institutes zu bessern, nachdrücklich zu betonen, und ich hoffe, zu gegebener Zeit keine Fehlbitte zu tun, da die Regierung stets der Universität Gießen eine verständnis- volle Pflege angedeihen ließ. Jedenfalls werden die Mitglieder des Gießener Zoologischen Institutes auch weiterhin ihre Kraft bis zum Außersten einsetzen und versuchen, sich seiner ruhmvollen Geschichte würdig zu erweisen. Printed in Germany Großbuchdruckerei Paul Dünnhaupt, Köthen(Anhalt) * A Akademische Verlagsgesellschaft m. b. H., Leipzig Uberreicht vom Verfasser Sonderabdruck aus:„Verhandl. der Deutschen Zoolog. Gesellschaft“, 1938 Seite 18— 33 — COolour& Grey Control Chart 33 1 Blue Cyan Green vellow Hed Magenta Wite Grey ¹ Srey 2(C(. Black