rar(2u¹) DER GIESSENER WINGOLF KOMMERS-LIEDER ZUR FEIER DES 60. STIFTUNGS-FESTES 22.— 24. JULI 1912: Sechzigſtes Stiftungs-Feſt des Gießener Wingolf 1. 1. Sind wir vereint zur guten Stunde, wir ſtarker deutſcher Männerchor, ſo dringt aus jedem frohen Munde die Seele zum Gebet hervor: Denn wir ſind hier in ernſten Dingen, mit hehrem, heiligem Gefühl; drum muß die volle Bruſt erklingen, ein volles, helles Saitenſpiel. 2. Wem ſoll der erſte Dank erſchallend Dem Gott, der groß und wunderbar aus langer Schande Nacht uns allen in Flammen aufgegangen war, der unſrer Feinde Trotz zerblitzet, der unſre Kraft uns ſchön erneut, und auf den Sternen waltend ſitzet von Ewigkeit zu Swigkeit. 3. Wem ſoll der zweite Wunſch ertönend Des Vaterlandes Majeſtät! Verderben allen, die es höhnen! heil dem der mit ihm fällt und ſteht! Es geh' durch Tugenden bewundert, ge— liebt durch Redlichkeit und Recht, ſtolz von Jahrhundert zu Jahr⸗ hundert, an Rraft und Ehren ungeſchwächt! 4. Das Dritte, deutſcher Männer Weide, am hellſten ſoll's geklungen ſein! Die Freiheit heißet deutſche Freude, die Freiheit führt den deutſchen Reihn; für ſie zu leben und zu ſterben, das flammt durch jede deutſche Bruſt, für ſie den großen Tod zu werben, iſt deutſche Ehre, deutſche Luſt. 1 5. Das Vierte— hebt zur hehren Weihe die Hände und die Herzen hoch!— Es lebe alte deutſche Treue, es lebe deutſcher Glaube hoch! Mit dieſem wollen wir beſtehen, ſie ſind des Bundes Schild und Hort: fürwahr es muß die Welt vergehen, vergeht das feſte Männerwort. 6. Rückt dichter in der heil'gen Runde und klingt den letzten Jubelklang! von Herz zu Herz, von Mund zu Munde erbrauſe freudig der Geſang: das Wort, das unſern Bund geſchürzet, das Heil, das uns kein Teufel raubt und kein Tyrannentrug uns kürzet— das ſei gehalten und geglaubt! 2. 1. Heil dir im Siegerkranz, Herrſcher des Vaterlands! Heil, Maiſer, Dir! Fühl in des Thrones Glanz die hohe Wonne ganz, Liebling des Volks zu ſein! heil, Kaiſer, Dir! 2. Micht Roß, nicht Reiſige ſichern die ſteile höh, wo Fürſten ſtehn: Liebe des Vaterlands, Liebe des freien Manns gründen des Herrſchers Thron wie Fels im Meer. 3. Heilige Flamme glüh', glüh' und verlöſche nie fürs Vater⸗ land! Wir alle ſtehen dann, mutig für einen Mann, kämpfen und bluten gern für Thron und Reich! 4. Handel und Wiſſenſchaft heben mit Mut und Kraft ihr Haupt empor. Krieger⸗ und Heldentat finden ihr Lorbeerblatt treu aufgehoben dort, an Deinem Thron! 5. Sei, Kaiſer Wilhelm, hier lang' Deines Volkes Fier, der Menſchheit Stolz! Fühl' in des Thrones Glanz die hohe Wonne ganz, Liebling des Volks zu ſein! Heil, Kaiſer, Dir! 3. 1. Es ſteht auf feſtem Grunde ein feſtes Haus gebaut, das weitum in die Runde nach allen Landen ſchaut. Es hält auf ſeinen Zinnen das Areuz getreulich Wacht; drum wohnt ſich's traulich drinnen, ob's draußen ſtürmt und kracht. 2 2. Und wenn am Strahl der Sonne ſein Banner ſich ent⸗ rollt, ſo grüßen wir mit Wonne ſein Schwarz und Weiß und Gold. Denn nur auf ernſtem Grunde kann hell die Reinheit blühn und nur mit ihr im Bunde die Freude golden glühn. 3. O Haus ſo lieb und teuer, wo Hand in Hand ſich ſchlingt, wo friſch das heil'ge Feuer von Herz zu Herzen dringt, wo ſtets noch ſonder Reue die Luſt in Jubel flog, du Haus der Brudertreue, o Wingolf lebe hoch. 4. Wer trat in deinen Frieden und fand nicht Lieb und Glückd Wer iſt hinausgeſchieden und ſehnt ſich nicht zurück? So kommt von Süd und Norden, kommt her von Oſt und Weſt! Heut iſt's gegründet worden, heut feiern wir ſein Feſt. 5. Meu ſei das Wort beteuert, dem dieſer Bau entſtammt; hell ſei die Glut erneuert, die uns in ihm entflammt! Und ſind wir längſt gegangen vielleicht zur Gruft hinein, mögſt du noch blühend prangen, o Wingolf hehr und rein! 4. 1. Stoßt an: Gießen ſoll leben! hurra hoch! Die Philiſter ſind uns gewogen meiſt, ſie ahnen im Burſchen, was Freiheit heißt. Frei, frei, frei iſt der Burſch! 2. Stoßt an: Vaterland lebe! Hurra hoch! Seid der Väter heiligem Brauche treu, doch denkt der Nachwelt auch dabei. Frei, frei, frei iſt der Burſch! 3. Stoßt an: Landesfürſt lebe! Hurra hoch! Er verſprach zu ſchützen das heilige Recht, drum wollen wir ihn auch lieben recht. Frei, frei, frei iſt der Burſch! 4. Stoßt an: Frauenlieb' lebe! Hurra hoch! Wer des Weibes weiblichen Sinn nicht ehrt, der hält auch Freiheit und Freund nicht wert. Frei, frei, frei iſt der Burſch! 5. Stoßt an: Männerkraft lebe! Hurra hoch! Wer nicht ſingen, trinken und lieben kann, den ſieht der Burſch voll Mitleid an. Frei, frei, frei iſt der Burſch! 5 1 6. Stoßt an: Freies Wort lebe! Hurra hoch! Wer die Wahrheit kennet und ſaget ſie nicht, der bleibet fürwahr ein erbärmlicher Wicht. Frei, frei, frei iſt der Burſch! 7. Stoßt an: Hühne Tat lebe! Hurra hoch! Wer die Folgen ängſtlich zuvor erwägt, der beugt ſich, wo die Gewalt ſich regt. Frei, frei, frei iſt der Burſch! 8. Stoßt an: Burſchenwohl lebe! Hurra hoch! Bis die wWelt vergehet am jüngſten Tag, ſeid treu, ihr Burſchen, und ſinget uns nach: Frei, frei, frei iſt der Burſch! .Stoßt an: Schwarz⸗Weiß⸗Gold lebe! Hurra hoch! Der die Sterne lenket am Himmelszelt, der iſt's, der unſere Fahne hält. Frei, frei, frei iſt der Burſch! 1. Vom Gleiberg ſchaut ins Lahnrevier der Herr der ſtolzen Veſte:„Dies heſſenvolk, ich lob es mir, verſpricht es doch das Beſte. Doch tief noch ſteckts in Sumpf und Wald, auf Bildung kanns nicht denken: man ſollt ihm, mein ich möglichſt bald,'ne hohe Schule ſchenken.“ 2. Doch anders im Familienrat alsbald ward es beſchloſſen; ſolch ungeſtüme Fortſchrittstat hat allgemein verdroſſen.„Mit Wiſſenſchaft verſeh'n die Welt der Kirche würd'ge Diener: ein Kloſter baut von eurem Geld für fromme Auguſtiner!“ 3. Geſagt, getan: das Kloſter ſtand, den Stiftern macht es Ehre, verſorgte mit Kultur das Land und mancher guten Lehre. Indes der Mönche Bildungswerk ſollt kurzen Ruhm genießen, denn zwiſchen Glei⸗ und Schiffenberg erwuchs das muntre Gießen. 4. Die Muſenſtadt, da war ſie ja, man brauchte nur zu wollen! Das Gute lag auch hier ſo nah für jeden Einſichts⸗ vollen: recht mitten drin im Weltverkehr, bequem im luft'gen Tale, und lieblich floß die Lahn daher, wie Neckar, Main und Saale. 4 5. Talab noch mancher Tropfen rann— gut Ding will Weile haben!— dann brach die höhre Bildung an für Heſſens wackre Unaben. In Deutſchlands ſtolzen Hochſchulchor trat ſpät die Gieß'ner Schweſter; ſelbſt Marburg, leider, war ihr vor um dritthalb Schock Semeſter. 6. Das wäre denn die Urgeſchicht' der hohen Schul' zu Gießen! Was weiter folgt, wer hört es nicht mit Jubelſchall geprieſen: wie Cudwigs treue Liebesmüh ſie Marburg ſchuf zum Trutze, wie wohlgehegt ſie ſpät und früh in ſeines Hauſes Schutze. 7. Auch ſonſt wohl hat man allerhand gehört und auch geleſen, was Wunder ſie dem Heſſenland drei Saecula geweſen. Wohlan, den alten ächten Sinn ſie feſt und treu bewahre, dem Vaterland zum Vollgewinn noch viele hundert Jahre! 6. 1. Wer's redlich meint und frei von Lug, der nehm ſein Glas zur Hand und trinke einen friſchen Zug: Hoch, hoch mein Vaterland! Das iſt ein Trunk der ſich noch trinkt, ein Wort, das in die Seele klingt::,: Hoch, hoch mein Vaterland. 2. Und wenn ſich der und jener biegt, dem's Vaterland getraut; und wenn ſich der und jener ſchmiegt, auf den mein Herz gebaut; und nennt man's Torheit ſelbſt und Wahn— ich ſtimm' mein freies Lied noch an:,: Hoch, hoch mein Vaterland. 3. Und haben wir kein Vaterland— wir haben Araft im Arm, und haben wir kein Vaterland, uns ſchlägt das hHerz noch warm; will's Gott, iſt das in gutem Stand, das ſchafft ſich wohl ein Vaterland::; Hoch, hoch mein Vaterland. 4. Sin freies Herz und Mannesmut, dem ſteht die Mette nicht, und dünkt euch eure Wehre gut,— auch Eiſen ſpringt und bricht; und tragen viele gern ihr Joch— es wird doch end⸗ lich beſſer noch::: Mut, Mut mein Vaterland.;: 5 5. Wo meiner Väter frommes Blut gewirkt mit treuer Hand, wo ihre heil'ge hülle ruht, da iſt mein Vaterland; und ihre Gräber rufen zu: Sohn, ſchütz' der Väter heil'ge Ruh, Sohn ſchütz' dein Vaterland!,: 6. Ja hoch mein Vaterland! So klingt's und klingt's ins Herz hinein, und bückt euch rechts und bückt euch links: ich will noch redlich ſein. Und lauert Büttel, Unecht und Wicht, ich trink und ruf' euch ins Geſicht::,: Hoch, hoch mein Vaterland.“ 7. Wer's redlich meint und frei von Lug, der nehm' ſein Glas zur Hand und tue einen friſchen Zug: Hoch, hoch mein Vaterland! Doch fällſt du, Jugend letzte Wehr, dann trink' ich keinen Tropfen mehr und ſuch' ein Grab in ſeinem Sand, in ſeinem Sand. Landes-Vater. Erſte Weiſe. 1. Alles ſchweige! Jeder neige ernſten Tönen nun ſein Ohr!*) Hört, ich ſing' das Lied der Lieder! hört es, meine deutſchen Brüder, hall' es, hall' es wieder, froher Chor! 2. Deutſchlands Söhne, laut ertöne euer Vaterlandsgeſang! Vaterland, du Land des Ruhmes, weih' zu deines heiligtumes Hütern, hütern uns und unſer Schwert. 3. Landesvater, Schutz und Rater: Kaiſer Wilhelm lebe hoch! Herz und Hand dir, Herr, zu weihen, ſammeln wir uns hier in Reihen, ſegnen dich auf Deutſchlands Thron. 4. Hab' und Leben dir zu geben, ſind wir alleſamt bereit, ſterben gern zu jeder Stunde, achten nicht des Todes Wunde, wenn das, wenn das Vaterland gebeut. *) Beide Ceile einer jeden Strophe werden zuerſt von den Präſides allein, dann von allen geſungen. 5. Wer's nicht fühlet, ſelbſt nicht zielet ſtets nach deutſcher Männer Wert, ſoll nicht unſern Bund entehren, nicht bei dieſem Schläger ſchwören, nicht ent-, nicht entweihn das deutſche Schwert. 6. Lied der Lieder, hall es wieder: groß und deutſch ſei unſer Mut!— Seht hier den geweihten Degen!(ie Präſides heben und ſenken die Schläger.) Tut, wie brave Burſchen pflegen, und durchbohrt, durchbohrt den freien Hut! 7.(präſides): Nimm den Becher, wackrer Zecher, vater⸗ länd'ſchen Trankes voll! (Alle wiederholen): Nimm den Becher ꝛc. präſides): Nimm den Schläger in die Linke, bohr ihn durch den hut und trinke auf des, auf des Vaterlandes Wohl! (Alle wiederholen): Nimm den Schläger ꝛc. 8.(Einzelne): Seht ihn blinken in der Linken, dieſen Schläger, nie entweiht! (Alle): Wir ſehen ihn blinken ꝛc. (Einzelne): Ich durchbohr' den Hut und ſchwöre: Halten will ich ſtets auf Ehre, ſtets ein, ſtets ein braver Burſche ſein. (Alle): Du durchbohrſt ꝛc. Zweite Weiſe. 9. Komm, du blanker Weihedegen, freier Männer freie Wehr! Bringt ihn feſtlich mir entgegen, von durchbohrten hüten ſchwer. Laßt') uns feſtlich ihn entlaſten, jeder Scheitel ſei bedeckt! Und dann laßt ihn unbefleckt bis zur nächſten Feier raſten! 10. Auf, ihr Feſtgenoſſen, achtet unſre Sitte heilig, ſchön! Ganz mit Herz und Seele trachtet ſtets als Männer zu beſtehn.— Froh zum Feſt, ihr trauten Brüder, jeder ſei der Väter wert! Keiner taſte je ans Schwert, der nicht edel ſei und bieder. *) Hier wechſeln die Präſides die Schläger. 7 Dritte Weiſe. 1I.(Präſides:) So nimm ihn hin, dein Haupt will ich bedecken und drauf den Schläger ſtrecken! Es leb auch dieſer Bruder hoch! Ein hundsfott, wer ihn ſchimpfen ſoll. (Alles) So lange wir ihn kennen, woll'n wir ihn Bruder nennen! Es leb' auch dieſer Bruder hoch, es leb'auch dieſer Bruder hoch. Vierte Weiſe. (Weiſe wie Vers 0). 12. Ruhe von der Burſchenfeier, blanker Weihedegen, nun! Jeder trachte, wack'rer Freier um das Vaterland zu ſein! Jedem Heil, der ſich bemühte, ganz zu ſein der Väter wert! Keiner taſte je ans Schwert der nicht edel iſt und bieder! Fünfte Weiſe. 1. So lag einſt in der Friedenshalle das deutſche Helden⸗ ſchwert geſtreckt, als noch vom Kriegstrompetenſchalle der Deutſche nur zum Streit geweckt, als Freiheit nur und Vaterland zum Schwerte rief die tapfere Hand. 2. Da galt noch in der Väter hütte der Freundſchaft und der Menſchheit Pflicht. Ja, Läſtrer alter deutſcher Sitte, ſo rauh wie eure war ſie nicht, mit Waffen hat ſie nie geſpielt, in Freundes⸗ blut ſich nie gekühlt. 3. Sich feindlich mit dem Freunde ſchlagen, das tut kein wackrer, deutſcher Mann, hat nie in jenen deutſchen Tagen ein tapfrer Heldenſohn getan: Für Vaterland und eignen Herd und Unſchuld blitzt das deutſche Schwert. 4. Wohlan, ihr deutſchen Blutes Erben, wohlan!— Ge⸗ lobt mit Mund und hHand, den Degen nimmermehr zu färben, als für's gekränkte DVaterland! Wer anders tut, der fliehe fort und weile nicht an deutſchem Ort! 1. Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus! Post jucundam juventutem, post molestam senectutem nos habebit humus. 8 2. Ubi sunt, qui ante nos in mundo fuere? Vadite ad superos, transite ad inferos, ubi? Jam fuere! 3. Vita nostra brevis est, brevi finietur, venit mors velociter, rapit nos atrociter, nemini parcetur. 4. Vivat academia, vivant professores, vivat membrum, quodlibet, vivant membra quaelibet, semper sint in flore! 5. Vivant omnes virgines faciles, formosae; vivant et mulieres tenerae, amabiles, bonae, laboriosae! 6. Vivat et respulica et qui illam regit, vivat nostra civitas, maecenatum caritas, quae nos hic protegit! 7. Pereat tristia, pereant osores, pereat diabolus, quivis antiburschius atque irrisores! 8. 1. Im Winterrefektorium zu Maulbronn in dem Kloſter, da geht was um den Tiſch herum, klingt nicht wie Paternoſter; die Martinsgans hat wohlgetan, Eilfinger blinkt im Kruge, nun hebt die naſſe Andacht an, und alles ſingt die Fuge: A. V. K. L. W. H. Complete pocula! 2. Der Abt Johannes Entenfuß kam unwirſch hergewatſchelt: „Was wird ſo ſpät als Feſttagsſchluß bei Geigenſchall gefratſchelt d Laßt ab, ihr ſtört den Doktor Fauſt im Gartenturm dahinten: wenn ſolch ein Singſang zu ihm brauſt, kann er kein Gold nicht finden: A. V. K. L. W. II. Cavete scandalai⸗ 3. Derweilen bracht' der Zellerar, Herr Godefrit von Niefern, den Sankt Martinuszuſpitz dar vom Reller mit den Küfern. Der rief:„Herr Abbas, was ihr ſagt, ſoll man in Züchten ehren, doch wenn kein andrer Schmerz euch plagt, ſo mögt Ihr uns nicht wehren: A. V. K. L. W. H. Der Fauſt ſitzt ſelbſt ſchon da!“ 4. Der Fauſt ſaß rückwärts an der Wand und trank ver gnügt im Dunkeln; nun ließ der blaſſe Nekromant ſein Glas am Licht karfunkeln und ſprach:„Ich brüt' ſchon Tag um Tag am ſchwarzen Zauberbuche und merk' erſt heut' ich bin ein Marr, daß ich das Gold dort ſuche: A. V. K. L. W. H. Das echte Gold iſt da!“ 9 5.„Mit Hermes Trismegiſtos' Liſt wird keiner elaborieret, die Sonne iſt der Alchymiſt, der's flüſſig deſtillieret: Wenn's durch die Adern glüht und rollt mit des Silfingers Wonnen, dann habt ihr Gold, habt echtes Gold und ehrlich ſelbſt gewonnen. A. V. K. L. W. H. Haec vera practica!“ 6. Da lacht der Abt:„Mit ſolcher Lehr' zwingt ihr auch mich zum Kruge, denn All Voll, Keiner Leer, Wein her iſt eine feuchte Fuge. Als Fauſti Goldſpruch laß ich ſie jetzt in den Kreuzgang malen, man kennt die ganze Melodie ſchon an den Initialen: A. V. K. L. W. H. Sit vino gloria!“ 9. 1. Auf den Bergen die Burgen, im Tale die Saale, die Mädchen im Städchen, einſt alles wie heut. Ihr werten Ge⸗ fährten, wo ſeit ihr zur Zeit mir, ihr Lieben geblieben? Ach alle zerſtreut, ach alle zerſtreut! 2. Die einen, ſie weinen; die andern, ſie wandern; die dritten noch mitten im Wechſel der Zeit, auch viele am iele, zu den Toten entboten, verdorben, geſtorben in Luſt und in Leid. 3. Ich alleine der eine, ſchau' wieder hernieder zur Saale im Tale, doch traurig und ſtumm. Eine Linde im Winde, die wiegt ſich und biegt ſich, rauſcht ſchaurig und traurig; ich weiß wohl warum. 10. 1. Die lichten Sterne funkeln hernieder, kalt und ſtumm; von Waffen klirrt's im Dunkeln, der Tod ſchleicht draußen um. Schweb' hoch hinauf, mein Geigenklang! Durchbrich die Macht mit klarem Sang! Du weißt den Spuk von dannen zu bannen. 2. Wohl finſter iſt die Stunde, doch hell ſind Mut und Schwert, in meines Herzens Grunde ſteht aller Freuden herd. — Lebensluſt, wie reich du blühſt! O heldenblut, wie kühn du glühſt! Wie gleicht der Sonn' im Scheiden ihr beiden. 10 4. Ich denke hoher Ehren, ſturmluſt'ger Jugendzeit, da wir mit ſcharfen Speeren hin jauchzten in den Streit. Hei Schild⸗ gekrach im Sachſenkrieg. Auf unſern Bannern ſaß der Sieg, als wir die erſten Narben erwarben. 4. Mein grünes Heimatleben, wie tauchſt du mir empor! Des Schwarzwalds Wipfel wehen herüber an mein Ohr; ſo ſäuſelt's in der Rebenflur, ſo brauſt der Rhein, darauf ich fuhr meinem Lieb zu zweien im Maien. 5. O Minne, wunderſüße, du Roſenhag in Bluſt, ich grüße dich, ich grüße dich heut aus tiefſter Bruſt! Du roter Mund, gedenk' ich dein, es macht mich ſtark wie firner Wein, das ſollen Hennenwunden bekunden. 6. Ihr Kön'ge ſonder Zagen ſchlaft ſanft, ich halte Wacht; ein Glanz aus alten Tagen erleuchtet mir die Nacht. Und kommt die Früh' im blut'gen Kleid: Gott grüß dich, grimmer Schwerterſtreit! Dann magſt du, Tod, zum Reigen uns geigen! 11. 1. Im Kloſterdorf da drunten, im tiefen Waldestal, hatt' ich ein Wirtshaus funden, das ſchien mir gut zumal. Und horch, aus grüner Laube ſcholl luſt'ger Burſchenſang, flugs tät ich hin mich ſetzen:,: zum frohen Becherklang:,: 2. Und Lied auf Lied ertönte; der eine ſang vom Rhein, vom Vaterland der andre, vom Liebchen alle fein. Und als ihr Lied verklungen, da ſchauten ins Geſicht, die Zecher mir und fragten: Herr Bruder ſingt Ihr nicht d 3. Des lacht' ich: Hei, ich ſinge im Wald von Wanderluſt; dräut Not dem Vaterlande, tönt's ihm aus voller Bruſt; und von dem Lieb das Liedchen— was gilts ihr lacht mich aus 5 Erſt muß mein Lieb ich finden, dann Lieb und Gruß und Strauß. 4. Doch eines kann ich ſingen: Von Freunden treu wie Gold! Und unter allen Freunden von einem lieb und hold! Ha wenn ſich Freunde ſchauten bis tief ins hHerz hinein: es ruhen Perlen drunten und manch ein Edelſtein. 11 5. Ich ſang's, ſang's bis zu Ende; ſie ſchwiegen lange noch, bis hell mein Glas erklungen:„Der Freundeslieb' ein hoch!“ Und wie drauf in den Bergen das Jauchzen wiederklang hallt fern in Freundesherzen, ich weiß es, mein Geſang. 12. 1. Der Sang iſt verſchollen der Wein iſt verraucht, ſtumm irr' ich und träumend umher. Es taumeln die Häuſer vom Sturme umſauſt, es taumeln die Wellen ins Meer. ,; 2. Die Wolken, ſie tanzen' manch Sternlein fällt, hat tief in den Wolken gezecht, ich ſteh' wie ein Fels, wie die Angel der Welt, wie ein Kaiſer in Freiheit und Recht. 3. Und die Straßen durchirr' ich die Plätze ſo ſchnell, ich klopfe von Hauſe zu Haus; bin ein fahrender Schüler, ein wüſter Geſell, wer ſchützt mich vor Wetter und Graus d 4. Ein Mägdlein winkt mir vom hohen Altan, hell flattert im Winde ihr Haar. Ich ſchlag' in die Saiten und ſchwing' mich hinan, wie licht iſt ihr Aug und wie klar! 5. Und ſie küßt mich und drückt mich und lachet ſo hell; nie hab ich die Dirne geſchaut. Bin ein fahrender Schüler, ein wüſter Geſell, was lacht ſie und küßt mich ſo traut d! Colour& Grey Control Chart e Blue Cyan Green vellow Hed Magenta White Grey 1 Grey 2 CGrey 3 Grey 4 Black Sechzigſtes Stiftungs-Feſt des Gießener Wingolf 1. 1. Sind wir vereint zur guten Stunde, wir ſtarker deutſcher Männerchor, ſo dringt aus jedem frohen Munde die Seele zum Gebet hervor: Denn wir ſind hier in ernſten Dingen, mit hehrem, heiligem Gefühl; drum muß die volle Bruſt erklingen, ein volles, helles Saitenſpiel. 2. Wem ſoll der erſte Dank erſchallend Dem Gott, der groß und wunderbar aus langer Schande Macht uns allen in Flammen aufgegangen war, der unſrer Feinde Trotz zerblitzet, der unſre Mraft uns ſchön erneut, und auf den Sternen waltend ſitzet von Ewigkeit zu Swigkeit. 3. Wem ſoll der zweite Wunſch ertönend Des Vaterlandes Majeſtät! Verderben allen, die es höhnen! Heil dem der mit ihm fällt und ſteht! Es geh' durch Tugenden bewundert, ge⸗ liebt durch Redlichkeit und Recht, ſtolz von Jahrhundert zu Jahr⸗ hundert, an Rraft und Ehren ungeſchwächt! 4. Das Dritte, deutſcher Männer Weide, am hellſten ſoll's geklungen ſein! Die Freiheit heißet deutſche Freude, die Freiheit führt den deutſchen Reihn; für ſie zu leben und zu ſterben, das flammt durch jede deutſche Bruſt, für ſie den großen Tod zu werben, iſt deutſche Ehre, deutſche Luſt.