EAEA ffizieller Teil. 1. 1. Willkommen hier im treuen Bruderbund! Zur ſchönen Stunde grüßen wir uns wieder; was drinnen lebt, ertönt von Freundesmund, es dringen laut zur Höhe unſre Lieder. RKein zwingend Band, das außenher ſich zieht, kein Schwur der Sunge iſt's was uns getrieben; doch treues Glauben, treues Ringen, treues Lieben heißt unſer Bund, heißt unſer ſchönes Lied. 2. Mit Mut gekämpft, aus voller Bruſt geliebt! Es quillt die Kraft aus reichem Born von oben; iſt es ein Gott, der Sies dem Wollen gibt, der treulich hilft dem ernſtlichen Geloben; es iſt ein Freund, des Nam' auch unſer iſt, er hält den Arm uns allen liebend offen; es iſt ein Troſt, es iſt ein Glaube, iſt ein Hoffen, das hier uns hält und drüben nicht vergißt. 3. In Gottes hut geſtrebt nach heil'gem Licht, die Bahn der Wahrheit feſt im Aug' behalten! Der Sklavengeiſt, der hebt den Schleier nicht, nur freier Sinn darf ſchaun in Gottes Walten. Doch ſicherlich, wenn dich die Feſſel drückt, iſt der Tyrann in eigner Bruſt zu finden, und heil'ge Scheu, beſcheidne Demut läßt ergründen, was ſtolzer Mut, was Erdenſinn entrückt. 43. Gewahrt, geübt der Jugend heil'ge Mraft! O wenn das Herz uns kälter je geſchlagen, zu Gott gefleht, der neues Feuer ſchafft! Das Werk gelingt, das warme Herzen wagen. Wenn lahmer Sinn vor ſchwerem Werk erbebt, ſo ſtehen wir mit Jugendmut zuſammen, und in der Liebe, in der Freundſchaft hellen Flammen der Mut ſich ſtält, das Herz ſich neu belebt. 2 5. Wohlan, wohlan, ihr Freunde warm und treu! Ein heil'ger Gott gab uns den heil'gen Glauben, gab uns die Jugend heilig, ſchön und frei und was er gab, ſoll keiner je uns rauben. Auch dieſe Stunde, die ſich froh erneut, ſoll unſerm Geiſt ein heilig Feuer geben, mit treuem Sinn dem treuen Bruderbund zu leben— dafür ertönt des Liedes Ruf auch heut. 2. 1. Stoßt an: Gießen ſoll leben, hurra hoch! Die Philiſter ſind uns gewogen meiſt, ſie ahnen im Burſchen, was Freiheit heißt. Frei iſt der Burſch! 2. Stoßt an: Vaterland lebe, hurra hoch! Seid der Väter heiligem Brauche treu, doch denkt der Nachwelt auch dabei. Frei iſt der Burſch! Stoßt an! Landesfürſt lebe, hurra hoch! Er verſprach zu ſchützen das heilige Recht, drum wollen wir ihn auch lieben recht. Frei iſt der Burſch! 4. Stoßt an: Frauenlieb lebe, hurra hoch! Wer des Weibes weiblichen Sinn nicht ehrt, der hält auch Freiheit und Freund nicht wert. Frei iſt der Burſch! 5. Stoßt an: Männerkraft lebe, hurra hoch! Wer nicht ſingen, trinken und lieben kann, den ſieht der Burſch voll Mitleid an. Frei iſt der Burſch! 6. Stoßt an: Freies Wort lebe, hurra hoch! Wer die Wahrheit kennet und ſaget ſie nicht, der bleibet fürwahr ein erbärmlicher Wicht. Frei iſt der Burſch! 7. Stoßt an: Kühne Tat lebe, hurra hoch! Wer die Folgen ängſtlich zuvor erwägt, der beugt ſich, wo die Gewalt ſich regt. Frei iſt der Burſch! ———y 1 1 ⸗ 1 ——— — 1 1 1 3 8. Stoßt an: Burſchenwohl lebe, hurra hoch! Bis die Welt vergehet am jüngſten Tag, ſeid treu, ihr Burſchen und ſinget uns nach: Frei iſt der Burſch! 9. Stoßt an: Schwarz⸗Weiß⸗Gold lebe, hurra hoch: Der die Sterne lenket am himmelszelt, der iſt's, der unſere Jahne hält. Frei iſt der Burſch! IS 3. 1. Mag alles wanken und ſinken, halt feſt, mein deutſches Volk, zur Rechten und zur Linken!:, Halt feſt mein deutſches Volk:,: 2. Wenn treulos alle weichen von eitlem Schein betört— wir ſtehen feſt wie Eichen, von Lügen ungeſtört. 3. Wir ſtehen feſt in Treuen, ein einges Deutſches Volk, dem Feind geſtellt gleich den Leuen— halt feſt mein deutſches Volk! 4. Trotz aller Feindestücke halt feſt, mein Bruderbund; vom Recht weich nie zurücke, halt feſt mein Bruderbund! 5. Nur Gott dir ſtets vor Augen, nur Gott im Herzen treu, und Glieder, die nichts taugen verworfen ſonder Scheu! 6. So ſtark nur ſtets entſchloſſen, halt feſt, mein Bruderbund! So halte dich umſchloſſen, halt feſt, mein Bruderbund! 7. Wenn matt die Kraft dir ſinket, die Loſung Schwarz⸗Weiß⸗ Gold! Su neuem Kampf dir winket die Loſung Schwarz⸗Weiß⸗Gold! 8. Geſtritten ſonder Sorgen, gebaut mit feſter hand, dann leuchtet noch dein Morgen aus düſtern Feuers Brand. 9. Dann geht noch auf die Sonne, die LCoſung Schwarz⸗Weiß⸗ Gold! Dann in der Siegeswonne hoch lebe Schwarz⸗Weiß⸗Gold! H 4 4. 1. Und hörſt du das mächtige Klingen von der Oſtſee bis über den Rhein, das Lied mit den ſauſenden Schwingen d Tief dringt es durch Mark und durch Bein, tief dringt es durch Mark und durch Bein. Was brauchen wir weiter zu fragen! Die klopfenden Pulſe, ſie ſagen: Es iſt das Lied vom deutſchen Vaterland, vom deutſchen Vaterland, es iſt das Lied vom deutſchen Vaterland! 2. Ob Meer auch und alpige Halden vielmarkig zerteilen die Flur, ihr Banner viel Fürſten entfalten, ein Deutſchland an Herzen iſt's nur, ein Deutſchland an herzen iſt's nur! Wohin ſich der Sinn uns auch wende, Millionen, ſie ſchlingen die hände zum großen Bund, dem ein'’gen Vaterland, dem ein'gen Vaterland, zum großen Bund, dem ein'gen Vaterland. 3. Von Saaten die Täler ſich regen, von Reben die Berg⸗ wand erglüht. Sin Gut iſt's das alle wir pflegen, das ewig dem Geiſte erblüht: die Freiheit in ſonniger Weihe! Kein Deutſchland, es ſei denn das freie! Hoch, hoch das freie deutſche Vaterland, das deutſche Vaterland, hoch, hoch das freie deutſche Vaterland. 4. Mur vorwärts, nur vorwärts, ihr Brüder! Dem Kampf wird die Palme doch ſein; in die Werkſtatt des Geiſtes hernieder entſenkt ſich vom himmel der Schein, entſenkt ſich vom Himmel der Schein. Ha, wie ſich der Lichtſtrom verbreitet, und die Glocke der Zukunft, ſie läutet zum Frühlingsfeſt des künft'gen Vaterlands, des künft'gen Vaterlands, zum Frühlingsfeſt des künft'gen Vaterlands! 5. 1. Wo Mut und Kraft in deutſcher Seele flammen, fehlt nie das blanke Schwert beim Becherklang. Wir ſtehen feſt und halten treu zuſammen und rufens laut im feurigen Geſang: Ob Fels und Eiche ſplittern, wir werden nicht erzittern! Den Jüng⸗ ling reißt es fort mit Sturmeswehn, fürs Vaterland in Kampf und Tod zu gehn. —--ᷓ 2. Weiß wie die Unſchuld ſei der Brüder Zeichen, rein wie das Gold der Geiſt, der uns durchglüht, und daß wir nie, im Tode ſelbſt nicht weichen, ſei ſchwarz das Band, das unſre Bruſt umzieht. Ob Fels ꝛc. 3. Wir wiſſen noch den treuen Stahl zu ſchwingen, die Stirn iſt frei und ſtark der Arm im Streit! Wir dauern aus und wollen mutig ringen, wenn es der Ruf des Vaterlands gebeut. Ob Fels ꝛc. 4. So ſchwört es laut bei unſerm deutſchen Schwerte: Dem Bunde treu im Leben und im Tod! Auf, Brüder auf und ſchirmt die Vatererde und ruft hinaus ins blut'ge Morgenrot: Ob Fels ꝛc. 5. Und du, mein Liebchen, das in ſüßen Stunden den Freund beſeelt mit manchem Blick und Wort, dir ſchlägt mein Herz noch über Grab und Wunden, denn ewig dauert treue Liebe fort. Ob Fels ꝛc. 6. Trennt das Geſchick des großen Bundes Glieder, ſo reichet euch die treue Bruderhand! Noch einmal ſchwörts, ihr meine deutſchen Brüder: Dem Bunde treu und treu dem Vater⸗ land! Ob Fels ꝛc. 6. 1. Brauſe, du Freiheitsſang, brauſe wie Wogendrang aus Felſenbruſt, aus Felſenbruſt! Feig bebt der Anechte Schwarm; uns ſchlägt das herz ſo warm, uns zuckt der Jünglingsarm voll Tatenluſt. 2. Gott Vater, dir zum Ruhm flammt deutſches Rittertum in uns aufs neu; neu wird das alte Band, wachſend wie Feuers Brand: Gott, Freiheit, Vaterland, altdeutſche Treu. 3. Stolz, keuſch und heilig ſei, gläubig und deutſch und frei Hermanns Geſchlecht. Zwingherrſchaft, Zwingherrnwitz tilgt Gottes Racheblitz; euch ſei der herrſcherſitz, Freiheit und Recht! 6 4. Freiheit, in uns erwacht iſt deine Geiſternacht; Heil dieſer Stund! Glühend für Wiſſenſchaft, blühend in Jugendkraft ſei Deutſchlands Jüngerſchaft ein Bruderbund! 5. Schalle, du Liederklang! Schalle, du Hochgeſang aus deutſcher Bruſt! Ein Herz, ein Leben ganz, ſtehn wir, ein Sternen⸗ kranz um einer Sonne Glanz voll hHimmelsluſt. S 7. Landes-Vater. Erſte Weiſe. 1. Alles ſchweige! Jeder neige ernſten Tönen nun ſein Ohr!*) Hört, ich ſing' das Lied der Lieder! hört es, meine deutſchen Brüder, hall' es, hall' es wieder, froher Chor! 2. Deutſchlands Söhne, laut ertöne euer Vaterlandsgeſang!— Vaterland, du Land des Ruhmes, weih' zu deines Heiligtumes hütern, Hütern uus und unſer Schwert. 3. Landesvater, Schutz und Rater: Kaiſer Wilhelm lebe hoch! Herz und Hand dir, Herr, zu weihen, ſammeln wir uns hier in Reihen, ſegnen dich auf Deutſchlands Thron. 4. Hab' und Leben dir zu geben, ſind wir alleſamt bereit, ſterben gern zu jeder Stunde, achten nicht des Todes Wunde, wenn das, wenn das Vaterland gebeut. 5. Wer's nicht fühlet, ſelbſt nicht zielet ſtets nach deutſcher Männer Wer,, ſoll nicht unſern Bund entehren, nicht bei dieſem Schläger ſchwören, nicht ent-, nicht entweihn das deutſche Schwert. *) Beide Teile einer jeden Strophe werden zuerſt von den Präſides allein, dann von allen geſungen. ————OO;—;—-—— 5 6. Tied der Lieder, hall es wieder: groß und deutſch ſei unſer Mut!— Seht hier den geweihten Degen!(ie Präſides heben und ſenken die Schläger.) Tut, wie brave Burſchen pflegen, und durchbohrt, durchbohrt den freien hut! 7.(Präſides): Nimm den Becher, wackrer Zecher, vater⸗ länd'ſchen Trunkes voll! (Alle wiederholen): Nimm den Becher ꝛc. Gräſides): Nimm den Schläger in die Linke, bohr ihn durch den Hut und trinke auf des, auf des Vaterlandes Wohl! (Alle wiederholen): Nimm den Schläger ꝛc. 8.(Einzelne): Seht ihn blinken in der Linken, dieſen Schläger, nie entweiht! (Alle): Wir ſehen ihn blinken ꝛc. (Einzelne): Ich durchbohr' den hut und ſchwöre: Halten will ich ſtets auf Ehre, ſtets ein, ſtets ein braver Burſche ſein. (Alle): Du durchbohrſt ꝛc. Sweite Weiſe. 9. Komm, du blanker Weihedegen, freier Männer freie Wehr! Bringt ihn feſtlich mir entgegen, von durchbohrten hüten ſchwer. Laßt') uns feſtlich ihn entlaſten, jeder Scheitel ſei bedeckt! Und dann laßt ihn unbefleckt bis zur nächſten Feier raſten! 10. Auf, ihr Feſtgenoſſen, achtet unſre Sitte heilig, ſchön! Ganz mit hHerz und Seele trachtet ſtets als Männer zu beſtehn.— Froh zum Feſt, ihr trauten Brüder, jeder ſei der Väter wert! Keiner taſte je ans Schwert, der nicht edel ſei und bieder. Dritte Weiſe. 11.(Präſides:) So nimm ihn hin, dein Haupt will ich bedecken und drauf den Schläger ſtrecken! Es leb auch dieſes Bruder hoch! Ein hHundsfott, wer ihn ſchimpfen ſoll. (Alles) So lange wir ihn kennen, woll'n wir ihn Bruder nennen! es leb' auch dieſer Bruder hoch, es leb auch dieſer Bruder hoch. *) Hier wechſeln die Präſides die Schläger. 8 Vierte Weiſe. (Weiſe wie Vers 0). 12. Ruhe von der Burſchenfeier, blanker Weihedegen, nun! Jeder trachte, wack'rer Freier um das Vaterland zu ſein! Jedem Heil, der ſich bemühte, ganz zu ſein der Väter wert! KUeiner taſte je ans Schwert der nicht edel iſt und bieder! Fünfte Weiſe. 1. So lag einſt in der Friedenshalle das deutſche Helden⸗ ſchwert geſtreckt, als noch vom Ariegstrompetenſchalle der Deutſche nur zum Streit geweckt, als Freiheit nur und Vaterland zum Schwerte rief die tapfere Hand. 2. Da galt noch in der Väter Hütte der Freundſchaft und der Menſchheit Pflicht. Ja, Läſtrer alter deutſcher Sitte, ſo rauh wie eure war ſie nicht, mit Waffen hat ſie nie geſpielt, in Freundes⸗ blut ſich nie gekühlt. 3. Sich feindlich mit dem Freunde ſchlagen, das tut kein wackrer, deutſcher Mann, hat nie in jenen deutſchen Tagen ein tapfrer Heldenſohn getan: Für Vaterland und eignen Herd und Unſchuld blitzt das deutſche Schwert. 4. Wohlan, ihr deutſchen Blutes Erben, wohlan!— Ge⸗ lobt mit Mund und hHand, den Degen nimmermehr zu färben, als für's gekränkte Vaterland! Wer anders tut, der fliehe fort und weile nicht an deutſchem Ort! 8. 1. Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus! Post jucundam juventutem, post molestam senectutem nos habebit humus. 2. Ubi sunt, qui ante nos in mundo fuere? Vadite ad superos, transite ad inferos, ubi? Jam fuere! 9 3. Vita nostra brevis est, brevi finietur, venit mors velociter, rapit nos atrociter, nemini parcetur. Jd. Vivat academia, vivant professores, vivat membrum, quodlibet, vivant membra quaelibet, semper sint in flore! 5. Vivant omnes virgines faciles, formosae; vivant et mulieres tenerae, amabiles, bonae, laboriosae! 6. Vivat et respulica et qui illam regit, vivat nostra civitas, maecenatum caritas, quae nos hic protegit! 7. Pereat tristia, pereant osores, pereat diabolus, quivis antiburschius atque irrisores! EAEl Jnoffizieller Teil. I. 1. Wohl ſah ich die Schlöſſer an Saale und Rhein, gewaltig in Wetter und Sonnenſchein, doch euch hab ich nimmer vergeſſen, euch felſige hügel, euch höhen im Wald, euch alte Gemäuer, ſo mooſig und alt,:,: ihr Burgen im Lande zu heſſen.:⸗: 2. Viel Ritter, die ſtiegen hinunter zum Rhein, tournierten und ſchnappten und zechten den Wein und führten gewaltige Fehden, und jeglicher raubte und raufte und trank, manch' wackerer Herre vom Böſſelein ſank, die Hallen der Hel zu betreten. 3. Auch Ritter und Knappen aus heſſiſchem Land, ſie ſchwangen die humpen in kräftiger Hand; wer mochte mit ihnen ſich meſſen? Blind hießen die Helden im blutigen Streit, denn blindlings hieben im eiſernen Kleid die Kempen im Lande zu heſſen. 4. Die Burgen, ſie fielen, die Ritter, ſie ruhn von trutzigem Kämpfen, von rühmlichem Tun, die Fehden, ſie wurden vergeſſen. Die Bürger, ſie regten die redliche Hand, und Häuschen und Städtchen und Gäßchen erſtand im lieblichen Lande zu Heſſen. 5. Und die für den Glauben, den reinen, gekämpft, im Streiten und Leiden die Lüge gedämpft, wer möchte die Männer vergeſſen? Großmütig und weiſe, beſtändig gerecht, ſo heißen, ſo hüten das heilige Recht die Herrſcher im Lande zu Heſſen. ——õõD— 11 — 6. Der Löwe bewachet, gewaltig und ſtark, die Ehre der Väter, die heimiſche Mark, die chattiſche Recken beſeſſen. Rot⸗ weiß iſt das Banner in tapferer hHand, dem folgen ſie ſiegend ins fernſte Land, die Männer vom Lande zu Heſſen. 7. Manch Mühlenrad plätſchert im friedlichen Grund und droben, da wirbelt aus feurigem Schlund der Rauch durch die rußigen Eſſen. Und Kunſtwerk ſchreitet und Wiſſenſchaft fort, und Weisheit zu pflegen, ein würdiger Ort fehlt nimmer im Lande zu heſſen. 8. Drin ſchafft der Philiſter, drin ſingt der Student, und wer an dem Sang ſeine Freude nicht fänd', bei uns hätt' er ninmer geſeſſen, hätt' nimmer in unſerer Mitte gezecht, wär nicht wie die Burſchen ſo fröhlich und echt, die Burſchen im Lande zu Heſſen. 9. Wer wehrt es uns, luſtige Brüder zu ſein, zu minnen ein Mägdelein, ſauber und feind Beim Henker, er wäre vermeſſen! Der weiß es, der ihnen ins Aeugelein ſchaut: Gar minniglich ſind und ſo treu und ſo traut die Mädchen im Lande zu heſſen. 10. Drum, Wandersmann, hurtig hinauf zu den Höhn, wo zwiſchen den Buchen die Mauern ſtehen wo trotzige Ritter geſeſſen! Drum grüß' mir im Städtchen die Burſchen ſo frei, es leben die Mädchen, ſo ſchmuck und ſo treu, allzeiten im Lande zu Heſſen. 2. . Ich bin ein Student und ein leichter Geſell, hab Freud' an der Lieb und am Wandern! Ich ſchaue in Aeugelein, dunkel und hell und flattre von Einer zur Andern. Hab ich mit vielen ge⸗ ſcherzt und gelacht, am beſten gefällt mir die Eine. Sie iſt mein Gedanke bei Tag und bei Macht, nur ſag ich nicht, welche ich meine. 2. Und kehr' ich zur Ferienzeit froh mich von hier, wie eilt's mich, wie treibt's mich zur Holden, wie war ich im Geiſte ſo ſchnell dann bei ihr, wie träg' hab' die Bein' ich geſcholten! Mich drückte nicht Ränzel, es zog niich mit Macht, wie flogen ſo pfeilſchnell die Beine! Sie iſt mein Gedanke ꝛc. 12 3. Und winkt mir im Leben ein freundlicher Stern, ſprach man wohl zum Studio„Willkommen!“ Dann hab' ich zuweilen auch öfter und gern ein naſchendes Küßchen genommen. Doch immer wohl hab' ich beim Küſſen gedacht: Am herzigſten iſt nur die Eine! Sie iſt mein Gedanke ꝛc. 4. Hab ich im Examen beſtanden mit Ehr', darf frei mir dann wählen und küren, dann nenne ſie keiner Studentenbraut mehr, ſonſt möcht' er den Zorn wohl verſpüren. Dann halt' ich mein Liebchen in traulicher Macht, bis daß der Altar uns vereine. Sie iſt mein Gedanke bei Tag und bei Macht, dann ſag' ich auch, welche ich meine. 3. 1. Oalte Burſchenherrlichkeit! wohin biſt du verſchwunden d Nie kehrſt du wieder, gold'ne Zeit, ſo froh und ungebunden! Vergebens ſpähe ich umher, ich finde deine Spur nicht mehr. O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum! 2. Den Burſchenhut bedeckt der Staub, es ſank der Flaus in Trümmer, der Schläger ward des Roſtes Raub, erblichen iſt ſein Schimmer, verklungen der Kommersgeſang, verhallt Rapier⸗ und Sporenklang. O jerum etc. 3. Wo ſind ſie, die vom breiten Stein nicht wankten und nicht wichen, die ohne Moos bei Scherz und Wein den Herrn der Erde glichen d Sie zogen mit geſenktem Blick in das Philiſter⸗ land zurück. O jerum etc. 4. Da ſchreibt mit finſterm Amtsgeſicht der eine Relationen, der andre ſeufzt beim Unterricht, und der macht Renzenſionen; der ſchilt die ſünd'ge Seele aus und der flickt ihr verfallnes haus. O jerum etc. 13 5. Allein das rechte Burſchenherz kann nimmermehr er⸗ kalten; im Ernſte wird, wie hier im Scherz, der rechte Sinn ſtets walten; die alte Schale iſt nur fern, geblieben iſt uns doch der Kern, und den laßt feſt uns halten. 6. Drum, Freunde, reichet euch die Hand, damit es ſich erneue, der alten Freundſchaft heil'ges Band, das alte Band der Treue. Klingt an und hebt die Gläſer hoch, die alten Burſchen leben noch, noch lebt die alte Treue!— I 4. 1. Das war der Graf von Rüdesheim, mit Gütern reich beglückt, der hat des Winzers holder Maid zu tief ins Aug' ge⸗ blickt. Doch als er ihr die Lieb geſtand, lacht ſie ihm ins Geſicht. Der Graf ritt tief gekränkt nach Haus und mied des Tages Licht. Und er ſaß und vergaß in ſeiner Burg am Rhein ſeinen Schmerz, denn das Herz tröſtet Rüdesheimer Wein. 2. Wohl ſieben Jahre ſaß er ſo geſchieden von der Welt und gab für Rüdesheimer Wein hin all ſein Gut und Geld. Wohl vierzig Güter gab er hin für edles Rebenblut, und als das letzte Jahr verging, ging auch das letzte Gut. Und er ſaß und vergaß in ſeiner Burg am Rhein ſeinen Schmerz, denn das Herz tröſtet Rüdesheimer Wein. 3. Doch als das letzte Gut vertan, ging es dem Grafen ſchlecht; ein andrer Herr bezog das Schloß, da ward der Graf ein Rnecht. Die ganze Woche plagt er ſich im Wirtshaus vor der Burg; was in der Woche er verdient, bracht er am Sonn⸗ tag durch. Und dann ſaß und vergaß er im Kellerloch am Rhein ſeinen Schmerz, denn das herz tröſtet Rüdesheimer Wein. 14 4. Und die Euch dieſes Lied erdacht, die waren ſelber dort; zu Fuß kam man den Berg herab, die Gelder waren fort. Man haderte mit dem Geſchick und härmte ſich gar ſehr; da hörte man vom edlen Graf die wunderſame Mär. Und man ſaß und vergaß vor ſeiner Burg am Khein allen Schmerz, denn das Herz tröſtet Rüdesheimer Wein. 5. 1. Und wenn ſich der Schwarm verlaufen hat, um die mitter⸗ nächtige Stunde, dann findet unter den Edleren ſtatt eine würdige Tafelrunde. Es ſind erhaben ob Raum und Seit die Ritter von der Gemütlichkeit. 2. Und wie der Zapfen vom Faſſe ſpringt, ſo ſpringt der Deckel vom Herzen, und was ſich drinnen bewegt, das klingt in luſtigen Liedern und Scherzen. Es ſind dem freien Wort ge⸗ weiht die Ritter von der Gemütlichkeit. 3. Wenn einem trocken die Kehle ward und er durſtig lechzt nach dem Maſſen, ſo iſt es dieſer Ritter Art, daß ſie ihn nicht ſterben laſſen. Es ſind dem Wohle der Menſchen geweiht die Ritter von der Gemütlichkeit. 4. Und wenn ſich etliche Toren gar in traurigem Irrtum bekannten, zu jener beklagenswerten Schar der Sekte der Flagel⸗ lanten, denen ſetzen zurecht den Kopf bei Zeit die Ritter von der Gemütlichkeit. 5. Drum lebe hoch das freie Wort, daß friſch von den Lippen es rinne! Drum lebe, wem nicht die Kehle verdorrt und wer nicht verachtet die Minne; drum leben, erhaben ob Raum und Zeit, die Ritter von der Gemütlichkeit. ————— ——— 15 6. JJ. Ade zur guten Macht, jetzt iſt der Schluß gemacht, daß ich muß ſcheiden.: Im Sommer wächſt der Ulee, im Winter ſchneits den Schnee, da komm ich wieder.:; 2. Es trauern Berg und Tal, wo ich viel tauſendmal bin drübergangen. Das hat deine Schönheit gemacht, die mich zum Lieben gebracht mit großem Verlangen. 3. Das Brünnlein rinnt und rauſcht wohl dort am Holderſtrauch, wo wir geſeſſen. Wie manchen Glockenſchlag da Herz an herzen lag, das haſt vergeſſen. 4. Die Mädchen in der Welt ſind falſcher als das Geld mit ihrem Lieben. Ade zur guten Macht, jetzt iſt der Schluß gemacht, daß ich muß ſcheiden. I 7. 1. Nein Lebenslauf iſt Lieb und Luſt und lauter Lieder⸗ klang, ein friſcher Mut in heitrer Bruſt macht froh den Lebens⸗ gang; man geht bergaus, man geht bergein, heut grad und morgen krumm, durch Sorgen wirds nicht anders ſein, drum kümm'r ich mich nichts drum! ,: Heidi, heida, juchhe!— drum kümm'r ich mich nichts drum!:,: 2. Die Zeit iſt ſchlecht, mit Sorgen trägt ſich ſchon das junge Blut; doch wo ein herz für Freude ſchlägt, da iſt die Zeit noch gut. herein, herein, du lieber Gaſt, du, Freude, komm zum Mahl! Würz' uns was du beſcheret haſt, kredenze den Pokal! heidi ꝛc. 16 3. Weg Grillen, wie's in Zukunft geht und wer das Szepter führt! Das Glück auf einer Kugel ſteht und wunderbar regiert. Die Krone nehme Bacchus hin, nur er ſoll König ſein. Die Freude ſei die Königin, die Reſidenz am Rhein! heidi ꝛc. Beim großen Faß zu Heidelberg da ſitze der Senat, und auf dem Schloß Johannisberg der hochwohlweiſe Rat! Der Herrn Miniſter Regiment ſoll beim Burgunderwein, der Kriegsrat und das Parlament ſoll beim Champagner ſein. Heidi ꝛc. 3. So ſind die Vollen ausgeteilt und alles wohl beſtellt; ſo wird die kranke Zeit geheilt und jung die alte Welt. Der Traube Saft kühlt heiße Glut, drum hoch das neue Reich! Ein Zechersmut ein wahrer Mut; der Wein macht alles gleich! Heidi ꝛc. S 8. „Drüb'n in den Bergen drin da wohnt mei Sennerin, holdridiado, holdridiado, a Dirndel hübſch und gut, a G'ſicht wie Milch und Blut, holdridiado, holdrio! 2. Und wenn i frühaufſteh und zu meim Schatzerl geh, holdridiado, holdridiado, da ſchauts zum Fenſter raus:„Ei, grüß dich Gott, mei Klaus! Holdridiado, holdrio. 3. Wo bleibſt denn gar ſo lang, mir war ſcho angſt und bang, holdridiado, holdridiado. J hab ſcho glaubt ganz gewiß, daß du mer geſtorbe biſt. Holdridiado, holdrio. 4. So geh doch her zu mir und ſetz dich her zu mir, holdridiado, holdridiado, und mach die Tür fein zu, der Wind läßt gar kei Ruh. Holdridiado, holdrio. 17 5. Da bin i glei bei der Hand und häng mein Stutzen an die Wand, holdridiado, holdridiado, und ſetz mich hin zu ihr und mach ihr Gſpaßerl für. Holdridiado, holdrio. 6. Doch wenns halt Macht will wern, da ſiehts mi gar net gern, holdridiado, holdridiado. Jetzt b'hüt di Gott mei Bu, und geh der Heimat zu. Holdridiado, holdrio. 9. 1. Burſchen heraus! Laßt es ſchallen von haus zu haus! Wenn der Lerche Silberſchlag grüßt des Maien erſten Tag, dann heraus, und fragt nicht viel, friſch mit TLied und Lautenſpiel! Burſchen, heraus! 2. Burſchen, heraus! Laßt es ſchallen von Haus zu Haus! Ruft um hHilfe die Poeſei gegen Zopf und Philiſterei, dann heraus bei Tag und Macht, bis ſie wieder freigemacht! Burſchen, heraus! 3. Burſchen, heraus! Laßt es ſchallen von haus zu Haus! Wenn es gilt fürs Vaterland, treu die Klingen dann zur Hand, und heraus mit mut'gem Sang, wär es auch zum letzten Gang! Burſchen, heraus! I 10. 1. Friſch blickt' auch ich als junger Burſch ins Leben, keck hab' ich mir geſteckt das höchſte Hiel; kein Mädchenherz konnt lang mir widerſtreben, und doch war's eine nur, die mir gefiel.: Da war ich jung;, ſo recht von herzen froh, ein übermüt'ger Studio. 18 2. Ein Studio, kraftgeſtählt, noch klar die Augen, noch ungetrübt vom Bücherſtaub und hell, ſtudierte, was mir gerade ſchien zu taugen, den Freunden war ich ein gut Sechgeſell. Moch war ich jung, ſo recht von Herzen froh, ein übermüt'ger Studio. 3. Jüngſt trieb es mächtig mich, nach Haus zu wandern; die Sehnſucht eilt voraus dem gücht'gen Fuß. Ich ſah mein Lieb am Arme eines andern, ſie wandte ſcheu ſich ab bei meinem Gruß. Das ſchnitt ins Herz! Trüb wurde mir's und ſchwer, war nicht der frohe Studio mehr. 4. Sah, daß ſo viel Semeſter ſchon von dannen und doch war mirs im Kopf noch wirr und kraus. Jetzt gilt's den Sinn in ſcharfe Zucht zu ſpannen, da ſchlägt er manchmal um ſo toller aus. Der alte Bund, der Freunde Rund' ſich ſtark gelichtet hat, der Studio heißt Herr Kandidat. . Hab ich mal ausgereckt die ſteifen Glieder, hör' wieder Schläger dröhnen, hellen Sang, ſchau ich dem Freund ins Aug', klingt alles wieder, was einſt ſo froh dem jungen Burſchen klang: Werd' wieder jung! Stets will ich bleiben ſo, im Herzen nur ein Studio! I 1I. 1. Studentenherz was macht Dich trüb, was ſoll dein banges Zagend Fragſt wo die goldne Freiheit blieb, von der die Lieder ſagend; Studentenherz ergib dich drin, ſie iſt verſchwunden iſt dahin„: 2. Ach nein, nicht darum dieſer Schmerz, nicht darum Gram und Zagen! Mein Herz iſt eben auch ein Herz, und menſchlich will es ſchlagen.:,: Daß 1) ſ fern bin meinem Lieb, ja gar ſo fern das macht 8 trüb: —— 3. Du armes Herz du dauerſt mich ſehr, das iſt ein bittres Leiden, ſo weit weg ohne Wiederkehr von ſeiner Liebſten ſcheiden.,: Doch friſche Jugend, friſcher Mut; Studentenblut iſt luſtig Blut:;: 4. Ach, Luſt und Jubel mag ich nicht, woran ſollt ich mich weiden? Ihr weicher Mund ihr hold Geſicht, das waren meine Freuden.:,: Und mag ich noch ſo ferne ſein, ſchlägt doch mein Herz nur ihr allein.:, 5. Mun denn wohlan, ſo wag' es drauf, du gehſt auf ſchnellen Füßen. Nimm Stab und Ränzel mach dich auf, kehr heim zu deiner Süßen!:, In ihrem Arm, an ihrer Bruſt, Studentenherz o welche Luſt. ,: IS 12. 1. Gedenke, o wie weit, wie weit liegt bald die goldne Burſchenzeit!:,: Zerſtiebt iſt dann der Freunde Schar, die wie mit Erz verkettet war. 2. Vergebens ſchaueſt Du zurück: ein kurzer Traum war Burſchenglück.:,; Vergebens ſpäheſt Du umher: einmal ein Burſch und nimmermehr. ,: 3. Drum halte Burſch die Stunde feſt: für dein Lebtag biſt ſelig g'weſt.:,: Gedenke, o wie weit, wie weit liegt bald die goldne Burſchenzeit. ,: ———C—/O.,—ʒ—ʒ-ʒ—ʒ———Qʒ —————— EAM Solour rey Control Chart Sis Blue Hed Grey 4 vellow Grey 3 Green Grey 2 Cyan Grey 1¹ Magenta 8 Black— -nBn 5—,=S Stunde grüßen wir uns wieder; was drinnen lebt, ertönt von Freundesmund, es dringen laut zur Höhe unſre Lieder. Kein zwingend Band, das außenher ſich zieht, kein Schwur der Zunge iſt's was uns getrieben; doch treues Glauben, treues Ringen, treues Lieben heißt unſer Bund, heißt unſer ſchönes Lied. —---——— 2. Mit Mut gekämpft, aus voller Bruſt geliebt! Es quillt die Kraft aus reichem Born von oben; iſt es ein Gott, der Sieg dem Wollen gibt, der treulich hilft dem ernſtlichen Geloben; es iſt ein Freund, des Nam' auch unſer iſt, er hält den Arm uns allen liebend offen; es iſt ein Troſt, es iſt ein Glaube, iſt ein Hoffen, das hier uns hält und drüben nicht vergißt. 3. In Gottes hut geſtrebt nach heil'gem Licht, die Bahn der Wahrheit feſt im Aug' behalten! Der Sklavengeiſt, der hebt den Schleier nicht, nur freier Sinn darf ſchaun in Gottes Walten. Doch ſicherlich, wenn dich die Feſſel drückt, iſt der Tyrann in eigner Bruſt zu finden, und heil'ge Scheu, beſcheidne Demut läßt ergründen, was ſtolzer Mut, was Erdenſinn entrückt. 4. Gewahrt, geübt der Jugend heil'ge Kraft! O wenn das Herz uns kälter je geſchlagen, zu Gott gefleht, der neues Feuer ſchafft! Das Werk gelingt, das warme Herzen wagen. Wenn — CT— A- —-—E CA ſtahan mit Mʒ˖ʒ˖˖˖˖˖ß mMir 0hern 1 2 3 4 5 6 5 8 9 10 11 12 13 f