Abbildungen von oben nach unten: Das Hauptvorleſungsgebäude, das Gießener Studentenhaus und die Univerſitäts⸗Bibliothek Das Studium an der Ludwigs⸗Univerſität Gießen an der Lahn 1 12 Phyſiologiſches Inſtitut Heilſtätte Scltersberg Veterinärklinik 177 990 In Abiturt das vo führun Univer einen U in das Gieß dafür e Fakultã medizin Die den ält Profeſſe Namen bekannt. hat eine mit nei Zwiſchen gut und ſozialisn Das der Stu ſchen Le häuſer, verkürzen den, und und wal In Gi Auskun Univer Studen Studen derun Städt. Das Studium in Gießen an der Ludwigsuniverſität. Abiturienten die Frage nach einem Studium auf. Dieſe Fragen will das vorliegende Heft mithelfen zu beantworten, indem es eine Ein⸗ führung in die verſchiedenſten Studienfächer, die an der Ludwigs⸗ Univerſität ſtudiert werden können, bringt. Auch die Studenten, die einen Wechſel der Hochſchule ſich überlegen, werden gerne einen Blick in das Gießener Studiumsheft werfen. Gießen iſt wohl eine der kleinſten Univerſitäten im Reich, aber dafür eine der wenigen Volluniverſitäten, denn außer den üblichen Fakultäten einer Univerſität kann man in Gießen noch Veterinär⸗ medizin, Landwirtſchaft, Forſtwiſſenſchaft und Sport ſtudieren. Die im Jahre 1607 gegründete Ludwigs⸗Univerſität gehört zu den älteſten im Reiche und iſt durch die Lehrtätigkeit berühmter Profeſſoren, wie Juſtus von Liebig, Röntgen, um nur einige Namen zu nennen, weit über die Grenzen Deutſchlands im Ausland bekannt. Die über 35ojährige Geſchichte der„alma mater ludoviciana“ hat eine Tradition aufzuweiſen, die nicht nur gepflegt, ſondern ſtets ſozialismus zu einem kameradſchaftlichen entwickelt. Das modern eingerichtete Studentenhaus hilft die Lebenshaltung der Studierenden verbilligen und iſt zum Mittelpunkt des ſtudenti⸗ ſchen Lebens geworden. Stadttheater mit eigener Oper, Lichtſpiel⸗ häuſer, Vortragsabende und Konzerte helfen mit, die Freizeit zu verkürzen. Außerdem kann jede Sportart in Gießen ausgeübt wer⸗ den, und zu Spaziergängen und Wanderungen lockt die burgen⸗ In Gießen ſtudiert zu haben, hat noch niemanden gereut. Auskunfr erteilen: Univerſitätsſekretariat, Bismarckſtraße 22. Studentenführung, Leihgeſterner Weg 10. Studentenwerk, Leihgeſterner Weg z0(in Stipendien⸗ und För⸗ derungsfragen!). Stãdt. Verkehrsamt, Bergſtraße 20(Werbeſchriften!). Das Studium der Medizin in Gießen. Es gibt wohl nur wenige Berufe, die ſo unmittelbar in national⸗ ſozialiſtiſchem Sinne für das deutſche Volk ſich einſetzen können wie den des Arztes. All die vielen Probleme, die ſich der National⸗ ſozialismus zu löſen vorgenommen hat und ſchon gelöſt hat— die Raſſengeſetze, das Geſetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchſes, Eheberatung, Geburtenerhöhung uſw.—, fordern ein verantwor⸗ tungsbewußtes Arzttum. Nicht umſonſt ſpricht der Veichsärzte⸗ führer immer wieder von dem alten Hausarzt, wie wir ihn vor vielen Jahrzehnten hatten und der uns heute wieder Vorbild iſt; denn bei ihm iſt die deutſche Familie und damit die Keimzelle des deutſchen Volkes tatſächlich am beſten aufgehoben. Zur Weiterfüh⸗ rung und immer vollkommeneren Löſung all dieſer Aufgaben brauchen wir einſatzbereiten und fähigen Ärztenachwuchs. Wir dürfen unſer auf der Hochſchule erworbenes Wiſſen nicht eng⸗ ſtirnig und egoiſtiſch dazu verwenden, um— uns immer feſt an die Gebührenordnungen haltend— möglichſt ſchnell ein bequemes und ſicheres Auskommen zu erwerben; dann iſt es mit dem An⸗ ſehen des Arztberufs bald zu Ende. Nein, wir dürfen im deutſchen Volke nicht nur die Kranken heilen, wir müſſen ihm, und das iſt ebenſo wichtig, Betreuer und Führer ſeiner Geſundheit werden. Nur wenn das Volk geſund und widerſtandsfähig bleibt, kann das tauſendjährige Dritte Reich, von dem der Führer ſo oft ſpricht, ver⸗ wirklicht werden. Unter dieſem Geſichtspunkt ſind auch all die oben erwähnten Maßnahmen zu verſtehen. Dieſes große Ziel zu erreichen, wollen auch wir jungen Medizinſtudenten mithelfen; und uns in fleißigem Studium die erforderlichen Grundlagen erwerben.— nun zum Gang des Studiums: die Prüfungsordnung verlangt 11 Semeſter; davon mindeſtens 5 vorkliniſche und 5 kliniſche, es iſt ratſam, das noch zur Verfügung ſtehende 1½. Semeſter als kliniſches zu belegen. Als erſtes Examen legt der Mediziner das Vorphyſikum ab; hier werden die rein naturwiſſenſchaftlichen FJächer geprüft. Dieſe Prüfung findet nach dem 2. Semeſter ſtatt; nach weiteren 5 Semeſtern folgt das Phyſikum mit den mediziniſchen Fächern Anatomie und Phyſiologie. Das Phyſikum kann ſowohl am Ende des 5. Semeſters, als auch am Anfang des 6. abgelegt werden, das z. kliniſche Semeſter iſt alſo ein Sommerſemeſter. Während des kliniſchen Studiums wirken ſich die Vorteile einer kleinen Univerſität, wie Gießen, ſo recht aus. Vielleicht empfindet es der einzelne zuerſt als unangenehm, wenn er beim Praktizieren in den Kliniken ſo oft„drankommt“, aber ſehr ſchnell ſieht er dann auch ein, daß man gerade dadurch viel lernen kann. Denn ebenſo wichtig wie die Aneignung theoretiſchen Wiſſens iſt für den Medi⸗ zinſtudenten, daß er frühzeitig lernt mit kranken Menſchen umzugehen und ſie richtig zu behandeln. Zudem ſind an den Kliniken und Inſtituten, die alle gut eingerichtet ſind, hervorragende Lehrkräfte tätig. Die Abſchlußprüfung, das mediziniſche Staatsexamen, iſt, wie auch die beiden Vorprüfungen, eine Reichsprüfung. Sie dauert in Gießen etwa s— z0 Wochen. Die einzelnen Prüfungsfächer ſind: Pathologiſche Anatomie und allgemeine Pathologie . Topographiſche Anatomie . Pathologiſche Phyſiologie Pharmakologie . Innere Medizin . Chirurgie . Geburtshilfe und Frauenheilkunde . Augenheilkunde . Ohren⸗, Hals⸗ und Naſenkrankheiten . Kinderheilkunde . Haut⸗ und Geſchlechtskrankheiten . Nervenheilkunde 15. Hygiene 14. Gerichtliche Medizin 15. Raſſenhygiene und Bevölkerungspolitik 16. Orthopädie. Sofort nach vollſtändig beſtandenem Staatsexamen tritt der RKan⸗ didat in das praktiſche Jahr ein, nach deſſen Ablauf ihm die ärztliche Approbation erteilt wird. ——— „—S SãS S PE A* Das veterinärmediziniſche Studium. In Gießen iſt das Studium der Tiermedizin bereits ſeit Einfüh⸗ rung ſolchen Unterrichts vor mehr als einem Jahrhundert an der Univerſität gepflegt worden, woraus ſich die engen Verbindungen zwiſchen Veterinärmedizin und Naturwiſſenſchaften wie Medizin in unterrichtlichen und ſtudentiſchen Beziehungen ergeben. Werden doch die naturwiſſenſchaftlichen Jächer mit Naturwiſſenſchaftlern und 3 Medizinern, Tierzucht⸗, Tierernährungs⸗, Beurteilungs⸗ und Land⸗ wirtſchaftslehre mit Studierenden der Landwirtſchaft, Phyſiologie, Pharmakologie und Toxikologie zuſammen mit ſolchen der Medizin gehört. Dadurch wird der Geſichtskreis der Studierenden über das rein Fachliche hinaus erweitert und es werden für Studium und Beruf nahe perſönliche Bekanntſchaften geknüpft, die ſehr weſentlich für ſpäteres wechſelſeitiges Verſtändnis im Berufsleben und für nutzbringende Zuſammenarbeit ſind. Vorbedingung zur Immatrikulation als Studierender der Vete⸗ rinärmedizin und zu den Prüfungen iſt ſeit 1903 das Feugnis der Reife eines Gymnaſiums, eines Realgymnaſiums, einer Oberreal⸗ ſchule oder einer anderen dieſen gleichgeſtellten, innerhalb des Deutſchen Reiches gelegenen Anſtalt. Reifezeugniſſe entſprechender Schulen außerhalb des Deutſchen Reiches bedürfen der Anerkennung des Reichsminiſters des Innern. Ausnahmsweiſe darf diejenige Studienzeit ganz oder teilweiſe angerechnet werden, die einem dem tierärztlichen verwandten Univerſitätsſtudium oder gleichwertigen Hochſchulſtudium gewidmet oder an einer ausländiſchen Univerſität oder Hochſchule zurückgelegt iſt, wofür die Genehmigung des Reichsminiſters des Innern erforderlich iſt. Geſuche um Anerken⸗ nung oder Anrechnung ſind unter Vorlage der Reifezeugniſſe bzw. Studienbelege bei dem Vorſitzenden des Ausſchuſſes für die tier⸗ ärztliche Vorprüfung nach Rückſprache mit dieſem zu Beginn des Studiums einzureichen.— Inhaber des Reifezeugniſſes einer Ober⸗ realſchule oder einer anderen dieſer gleichgeſtellten Schule haben vor der Meldung zum naturwiſſenſchaftlichen Abſchnitt der Vorprüfung nachzuweiſen, daß ſie in der lateiniſchen Sprache Kenntniſſe be⸗ ſitzen, die für die Verſetzung nach Oberſekunda eines Realgymna⸗ ſiums erforderlich ſind. Als Nachweis hierfür dient entweder ein mindeſtens genügendes Urteil im Lateiniſchen im Reifezeugnis einer Oberrealſchule oder einer anderen dieſer gleichgeſtellten Anſtalt mit wahlfreiem Lateinunterricht oder ein auf Grund einer Prüfung ausgeſtelltes Feugnis des Leiters eines Gymnaſiums oder Real⸗ gymnaſiums innerhalb des Deutſchen Reiches. An der Univerſität Gießen werden zweiſemeſtrige Kurſe zur Vorbereitung auf das Latinum abgehalten, und es kann in Gießen die Prüfung in Latein an der Univerſität vor dem Kursleiter in Anweſenheit des Vor⸗ ſitzenden der wiſſenſchaftlichen Prüfungsbehörde für das höhere Lehramt abgelegt werden, an welchen die Prüfungsmeldung zu richten iſt. Das veterinärmediziniſche Studium dauert 9 Semeſter; davon ſind 4 vorkliniſche und 5 kliniſche. In das Studium der Tiermedizin einführende Vorleſungen finden am Anfang jedes Semeſters ſtatt. Das Studium kann ſowohl im Sommer⸗ wie im Winterſemeſter begonnen werden. Um den Studierenden den Aufbau des veterinär⸗ mediziniſchen Studiums zu erleichtern, gibt ihnen die Veterinär⸗ mediziniſche Fakultät am Beginn jedes Semeſters einen Studien— plan empfehlend zur Hand. Bei richtig durchgeführtem Studien⸗ gange kann nach dem 3. Semeſter der naturwiſſenſchaftliche Abſchnitt (Botanik, Zoologie, Phyſik, Chemie), nach dem 4. Semeſter der anatomiſch⸗phyſiologiſche Abſchnitt(Anatomie, Gewebelehre, Ent⸗ wicklungslehre, Phyſiologie) der tierärztlichen Vorprüfung abgelegt werden. Das danach folgende fünfſemeſtrige kliniſche Studium um⸗ faßt die in der tierärztlichen Prüfung nachzuweiſenden Gebiete der angewandten Anatomie, angewandten Phyſiologie, allgemeinen Pathologie, pathologiſchen Anatomie und pathologiſchen Gewebe⸗ lehre, inneren Medizin, Chirurgie, Huf⸗, Klauen⸗ und Beſchlags⸗ kunde, Pharmakologie einſchließlich Toxikologie und Pharmazie, der Geburtskunde, allgemeinen Seuchenlehre und Mikrobiologie, Ge⸗ ſundheitspflege, ſpeziellen Seuchenlehre, Veterinärpolizei, der Fleiſch⸗ beſchau und Kunde der ſonſtigen von Tieren ſtammenden Lebens⸗ mittel, Milchkunde und Milchwirtſchaft, Tierzucht, der allgemeinen Landwirtſchaftslehre, Fütterungslehre, gerichtlichen Tiermedizin u. a. Nach beſtandener tierärztlicher Prüfung hat der Kandidat ſich drei Monate lang an einem beſonders hierfür beſtimmten Schlachthof (auch Gießen) des Deutſchen Keiches zur Ausübung der Schlacht— vieh⸗ und Fleiſchbeſchau zu ſeiner Vervollkommnung und praktiſchen Fortbildung zu widmen. Die Prüfungsordnung für Tierärzte iſt eine reichsrechtliche; mithin gelten die gleichen Vorbedin⸗ gungen und Prüfungsbeſtimmungen im ganzen Deutſchen Reiche. Die Beſtallung als Tierarzt wird für das Deutſche Veich erteilt. Für die verſchiedenartigen Studiengebiete ſtehen die entſprechenden gut ausgeſtatteten Inſtitute der verſchiedenen Fakultäten zur Ver⸗ fügung; ebenſo das nahegelegene Verſuchsgut der Univerſität. Den ſpeziellen Unterrichtsgebieten der Tiermedizin dienen die gut ein⸗ gerichteten, einer größeren Zahl von Studierenden Arbeitsplätze gebenden Inſtitute und Kliniken der Veterinärmediziniſchen Fakultät, die reichlich Unterſuchungsmaterial und Patienten beſitzen wegen der günſtigen landwirtſchaftlichen Lage Gießens. Unterricht in der praktiſchen Fleiſchbeſchau findet im Städtiſchen Schlachthof ſtatt. Der Unterricht in der praktiſchen Veterinärpolizei obliegt dem hie⸗ ſigen Kreispeterinärrat, der auch die Leitung über den alle vierzehn 5 Tage ſtattfindenden Gießener Viehmarkt hat, der einer der größten im Reiche iſt. An der Univerſität Gießen beſteht das Promotionsrecht für Veterinärmedizin bereits ſeit 1852, und es iſt der Grad des Doktor medicinae veterinariae(Dr. med. vet.) nur an Tierärzte verliehen worden, welche als Vorbedingung zum Studium der Veterinãr⸗ medizin das Reifezeugnis beſaßen. In der Regel fertigen die Tier⸗ ärzte im Anſchluß an die tierärztliche Prüfung ihre Diſſertation an, um vor dem Übergang in das Berufsleben den Doktorgrad zu erwerben. Die Aufgaben der Tierärzte liegen beſonders auf dem Gebiete der Tiermedizin, Hygiene und Volkswirtſchaft. Es gilt, in Zuſammen⸗ arbeit mit den Tierbeſitzern und verſchiedenen Gewerben die großen nationalökonomiſchen Werte der Tierbeſtände und der von Tieren ſtammenden Erzeugniſſe durch Krankheits⸗ und Seuchenvorbeuge, Krankenheilung und Seuchenbekämpfung dem deutſchen Volke zu erhalten und zu mehren. Im Dienſte der Volksgeſundheit ſteht der Tierarzt hauptſächlich durch die Kontrolle der animaliſchen Nah⸗ rungsmittel(beſonders Fleiſch und Milch), wodurch zugleich dieſe volkswirtſchaftlichen Werte geſteigert werden ſollen. In der Be⸗ handlung der kranken Tiere und im Tierſchutz iſt er der berufene Helfer und Rechtswalter des ſtummen Tieres. Die Arbeitsgebiete für den Tierarzt ſind ſehr vielſeitige. Etwa 70% der Tierärzte ſind in der Praxis tätig, die durch Ausübung der Fleiſchunterſuchung ein gewiſſes Firum haben können. Etwa 30% ſind beamtete Tier⸗ ärzte, und zwar als ſtädtiſcher Beamter(Gemeindetierarzt für Fleiſchhygiene, zum Teil auch Milchhygiene und Marktkontrolle), als Schlachthoftierarzt, Schlachthofdirektor(Stadtveterinärrat oder Oberveterinärrat), als Tierarzt in der Auslandsfleiſchbeſchau, als ſtaatlicher Veterinärbeamter(hat das Beſtehen der Prüfung für VYeterinärräte zur Vorausſetzung), als Veterinärrat uſw., als Vete⸗ rinäroffizier in der Wehrmacht, als Beamter an Inſtituten der Univerſitäten und Hochſchulen, des Reichsnährſtandes, an Serum⸗ und pharmazeutiſchen Werken, als Geſtütsbeamter, als Tierzucht⸗ leiter; ferner bietet ſich Mitwirkung in bäuerlichen Werkſchulen, in der Tierzucht, im Tierſchutz, bei Tierverſicherungen, in der Fleiſch⸗ induſtrie, in verſchiedenen anderen Gewerben, in Pferde⸗ und Hunde⸗ ſport uſw. Die vor einigen Semeſtern ausgeſprochenen Warnungen vor der Wahl des tierärztlichen Studiums wegen Berufsüberfüllung gelten als überholt und nicht mehr berechtigt, ja, es fehlt infolge tierärzt⸗ 6 licher Neuorganiſationen ſchon jetzt an Nachwuchs. Die Reichs⸗ tierärztekammer hat durch den Keichstierärzteführer, Miniſterial⸗ dirigenten Dr. Weber, unter dem 21. Dezember 1936 durch Rundſchreiben und Bekanntgabe in den Tageszeitungen unter Hin⸗ weis auf die guten Ausſichten im veterinärmediziniſchen Beruf das Studium der Tiermedizin empfohlen, da zurzeit ein empfindlicher Mangel an Tierärzten beſteht. Die Lage der Univerſitätsſtadt Gießen mitten in gutem landwirt⸗ ſchaftlichem Gebiet iſt für die tierärztliche Ausbildung als beſonders günſtig anzuſehen. Denn der Studierende hat in dieſer einzigen kleineren Univerſitätsſtadt mit veterinärmediziniſcher Fakultät wäh⸗ rend ſeines ganzen Studiums ohne Feitverluſt Gelegenheit, ſich mit den Aufgaben des Bauern in kleineren und größeren landwirtſchaft⸗ lichen Betrieben vertraut zu machen und die bäuerlichen Verhältniſſe der tierärztlichen Landpraxis kennenzulernen. Wie bei anderen Studien, ſo gilt auch für das veterinärmedizi⸗ niſche Studium, daß die kleinere Univerſität eine perſönliche Bekannt⸗ ſchaft der Studierenden untereinander wie dieſer mit ihren Dozenten aufs beſte gewährleiſtet, was ſtets ein wertvoller Vorteil für den Studierenden während der ganzen Studienzeit, in den Prüfungen wie beim Anfertigen einer Doktorarbeit iſt, aber auch von den Do⸗ zenten ſehr erwünſcht iſt, die immer gern an allen Belangen ihrer Studierenden warmen Anteil nehmen. Veranſtaltungen der Stu⸗ dentenſchaft, der Veterinärmediziniſchen FJachſchaft wie der Fakultät fördern das Zuſammenwirken in der Arbeitsgemeinſchaft bei ernſter Arbeit wie bei frohen Wanderungen in Gießens ſchöne, wald⸗ und burgenreiche Umgebung. Außer den nachbarlichen Beziehungen zum mediziniſchen und landwirtſchaftlichen Studium kommt dem vete⸗ rinärmediziniſchen Studium in Gießen auch die Vermehrung der Garniſon durch Fuweiſung von Patienten und Unterſuchungs⸗ material zugute. Auch das Univerſitäts⸗Reitinſtitut nutzen die Studierenden der Veterinärmedizin mit Vorteil. So wird ein Tierarzt, der ſein Studium an der Univerſität Gießen durchgeführt hat, das nicht zu bereuen haben und in ſeinem verantwortungsvollen, vielſeitigen Beruf gut ausgerüſtet, ſeinen Mann ſtellen. Fur weiteren ſchriftlichen oder mündlichen Studien⸗ und Berufs⸗ beratung iſt der Vorſitzende des Ausſchuſſes für die tierärztliche Vorprüfung ſtets gern bereit. Das Studium der Landwirtſchaft. Im dritten Jahr der nationalſozialiſtiſchen Aufbauarbeit iſt der Ausbildungsgang des Diplomlandwirts durch die zuſtändigen Stel⸗ len, Reichsminiſterium für Wiſſenſchaft, Erziehung und Volks⸗ bildung und dem Reichsnährſtand, in ſeinem wiſſenſchaftlichen und praktiſchen Teil grundſätzlich neu geſtaltet worden. Die Idee von Blut und Boden hat dem Werdegang des Diplomlandwirts einen neuen Inhalt und eine neue Fielſetzung gegeben. An die Spitze einer gediegenen, praktiſchen Ausbildung, der Aneignung eines hohen Maßes von fachlich⸗praktiſchem Können, einer breiten allgemeinen Wiſſensgrundlage iſt die Pflicht eines bedingungs⸗ loſen Einſatzes für die geſamtpolitiſchen und wirtſchaftspolitiſchen Aufgaben des Reichsnährſtandes getreten. Dieſe politiſche Ziel⸗ ſetzung der Berufsausbildung erfordert Menſchen, die ſelbſt mit beiden Füßen im Bauerntum ſtehen. Der Diplomlandwirt muß her⸗ zens⸗ und blutmäßig dem Bauer verbunden ſein, muß denken und fühlen, wie der Bauer denkt und fühlt. Die praktiſche Lehrzeit er⸗ fordert ernſte bäuerliche Menſchen mit geſundem Körper, die allen Anſtrengungen eines wenigſtens vierzehnſtündigen Arbeitstages ge⸗ wachſen ſind. Praxis von der Pike auf iſt notwendig. Die Kunſt der Menſchenbehandlung, die vielen, täglich durchzudenkenden Einzel⸗ heiten erfordern gefeſtigte Menſchen mit klarem Kopf. Die ſeltene Gabe, in jungen Jahren ſowohl Vorgeſetzter als auch Untergebener ſein zu können, verlangt Charakter, kameradſchaftliches Empfinden und Haltung. Die täglich ſchwere Pflichterfüllung zwingt den jungen Menſchen, auf vieles zu verzichten, was in anderen akade⸗ miſchen Berufen in dieſen Jahren an Annehmlichkeiten zur Ver⸗ fügung ſteht. Das Studium der Landwirtſchaft ſoll nur der er⸗ greifen, den es aus eigenem innerem Empfinden heraus dazu treibt. Die Neuformung der Landwirtſchaft als eines politiſch und wirtſchaftlich tragenden Arbeitszweiges im Volke hat dazu ge⸗ führt, daß auch ihr Studium an den Univerſitäten in der Breite und Tiefe der von ihr umſchloſſenen Einzelgebiete gegenüber früher einen grundſätzlichen Wandel erfahren hat. Dementſprechend werden an den Studierenden der Landwirtſchaft heute beträchtlich höhere Anforderungen geſtellt, da er eben als Student keine privatwirt⸗ ſchaftliche Tätigkeit ausübt, ſondern Pflichten von hohem Ernſt für die Geſamtheit übernimmt. So ſind nach einer mehrjährigen prak⸗ tiſchen Durchbildung gründliche Kenntniſſe in Biologie, Vererbungs⸗ 8 lehre und Fuchtgeſetzen, in Wirtſchafts⸗ und Finanzwiſſenſchaften, in Landwirtſchafts⸗ und Volkspolitik, Betriebslehre, Bauerngeſchichte und Bauernrecht, in Acker⸗ und Pflanzenbau, in Tierzucht, Boden⸗ kunde, Pflanzen⸗ und Tierernährungslehre, in Werkſtoff⸗ und Maſchinenkunde als unerläßliche Vorausſetzungen für die verſchieden⸗ ſten Fweige unſerer Berufsausübung zu erwerben. Weltanſchau⸗ liche Verbundenheit mit dem Bauerntum, bäuerliches Empfinden ſind Vorbedingungen zur Mitarbeit an der politiſchen Sendung des Bauerntums; Wiſſen und Können auf landwirtſchaftlich⸗techniſchem Gebiet Vorbedingung zur Mitarbeit an den wirtſchaftlichen Auf⸗ gaben der Landwirtſchaft. Dauer der Ausbildung bis zur Diplomprüfung: 6 Jahre bis zum Schulbeſuch 4„ HGHrundſchule „ Höhere Schule „ Arcbeitsdienſt 2„ Woehrdienſt 2„ landwirtſchaftliche Lehrzeit(als Abſchluß landwirtſchaft⸗ liche Werkprüfung) 5„ landwirtſchaftliches Studium bis zur Diplomprüfung 26 ½ Jahre. 9 1½ Berufe des Diplomlandwirts: 1. Unterricht und Beratung: Landwirtſchaftliches Schulweſen und Siedlerberater. 2. Forſchung. 3. Verwaltung: Reichsnährſtand, Finanzverwaltung, Reichsmini⸗ ſterien und Länderregierungen, Reichsanſtalt für Arbeitsvermitt⸗ lung, Landeskulturbehörden. . Praxis: Bauern, Gutsbeamte, Verſchiedenes. . Sachverſtändige: in Induſtrie und ſonſtiger Privatwirtſchaft. . Tierzucht. . Pflanzenzucht. . Sonſtige Berufe. S P Das Studium der Forſtwiſſenſchaft. Das Forſtinſtitut in Gießen wurde im Jahre 1849 gegründet und kann daher für ſich in Anſpruch nehmen, daß es das älteſte Forſt⸗ inſtitut der Welt iſt. Unter den forſtlichen Lehrern des Inſtituts brauchen nur die Namen Hundeshagen, Heyer, Heß, Wimmenauer, Schwappach, Lorey, Stötzer und Borgmann erwähnt zu werden, um zu zeigen, daß die großen Lehrer, die zum Aufbau oder Ausbau unſeres forſtlichen Wiſſens maßgebend beigetragen haben, einmal in Gießen tätig geweſen ſind. Das Studium der Forſtwiſſenſchaft iſt durch Verfügung des Reichsforſtmeiſters und des Reichs⸗ und Preußiſchen Miniſteriums für Wiſſenſchaft, Erziehung und Volksbildung mit dem Beginn des Winterſemeſters 1937/58 neu geordnet. Danach ſoll der Student der Forſtwiſſenſchaft ſich zunächſt in den erſten drei Semeſtern auf einer der ſechs deutſchen Hochſchulen mit forſtlichem Studiengang in weltanſchaulich verbundenem Kameradſchaftsleben die grund⸗ legenden Kenntniſſe unſeres völkiſchen und raſſiſchen Rechts⸗, Staats⸗ und Wirtſchaftslebens aneignen. Daneben ſoll er mit dem Studium der allgemeinen naturwiſſenſchaftlichen Grundfächer be⸗ ginnen. Das Studium beginnt mit Kückſicht auf den Abſchluß des aktiven Wehrdienſtes grundſätzlich im Winterſemeſter. Nach dem dreiſemeſtrigen Studium der Grundwiſſenſchaften wird die Vor⸗ prüfung abgelegt. Darauf folgt die praktiſche Lehrzeit. Dieſe beginnt im März und endigt im Oktober. Auch ausländiſche Studenten können auf Antrag zur Ableiſtung der Lehrzeit zugelaſſen werden. Sodann beginnt mit dem Winterſemeſter das Studium der Fachwiſſenſchaften, das mindeſtens vier Semeſter dauern ſoll, und das mit der Hochſchul⸗ ſchlußprüfung abſchließt. Vom 4. Semeſter ab ſoll der Student in allmählichem Übergang über die engeren naturwiſſenſchaftlichen Grundfächer zu den eigentlichen Fachwiſſenſchaften vordringen und mit reger eigener Mitarbeit in Seminaren und wiſſenſchaftlicher Tätigkeit das Studium vollenden. Das Studium auf der Univerſität Gießen ermöglicht es dem Studierenden der Forſtwiſſenſchaft, ſeiner Neigung entſprechend auch Vorleſungen in den Geiſteswiſſenſchaften und anderen Fächern zu hören, was durchaus erwünſcht iſt, denn gerade der Studierende der Forſtwiſſenſchaft muß mehr als ein Angehöriger anderer Be⸗ rufe darauf bedacht ſein, in ſeiner Hochſchulzeit nach unvergäng⸗ 10 lichen Werten an allgemeiner Bildung zu ſchürfen, um für ſein ſpäteres Leben, das er ja meiſtens fern von geiſtiger Anregung bietenden Plätzen zu verbringen hat, durch eigene Weiterbildung mit dem geiſtigen Leben ſeines Volkes in Verbindung bleiben zu können. Der neue Studienplan iſt ſo geordnet, daß an allen deutſchen forſtlichen Hochſchulen die gleichen Vorleſungen für die einzelnen ſieben Studienſemeſter gleichzeitig gehalten werden. Hierdurch ſoll den Studenten ein Wechſel der Hochſchule erleichtert werden. Dabei iſt zu berückſichtigen, daß die erſten drei Semeſter nach den Anord⸗ nungen der Reichsſtudentenführung möglichſt an der gleichen Hoch⸗ ſchule verbracht werden ſollen, um die Kameradſchaftserziehung zu ermöglichen. Für den Wechſel der Hochſchule ſtehen alſo in der Hauptſache das 4. und 5. Semeſter zur Verfügung. Die letzten zwei Semeſter werden zweckmäßigerweiſe dort verbracht, wo der Studierende ſein Abſchlußerxamen abzulegen gedenkt. Dieſes kann nur an einer Hochſchule des Landes abgelegt werden, in welchem der Anwärter ſpäter Anſtellung finden will. Während des Vor⸗ und Jachſtudiums ſoll der Student außer den eigentlichen Prüfungsfächern noch ein Wahlprüfungsfach hören und eine Prüfung darin ablegen. Die Wahlprüfungsfächer werden von der Hochſchule beſtimmt. Studierende der Forſtwiſſenſchaft, die zur Laufbahn des höheren Forſtdienſtes nicht zugelaſſen ſind, können die Vor⸗ und Fachprüfung zuſammen mit den Staatsanwärtern in Gießen ablegen. Stu⸗ dierende, die die Vor⸗ und Fachprüfung beſtanden haben und zur Laufbahn des höheren Forſtdienſtes nicht zugelaſſen ſind, können auf Grund der abgelegten Prüfungen die Bezeichnung„Diplom⸗ forſtwirt“ führen. Nach Semeſtern geordnet, ſind folgende Fächer zu hören: Die Prüfungsfächer ſind mit*, die Wahlprüfungsfächer mit** bezeichnet. Die nicht beſonders bezeichneten Fächer werden nicht ge⸗ prüft, ſind aber zu hören. 1. Semeſter(Winterſemeſter): Einführung in die Forſtwiſſenſchaft Deutſches Recht *Volk und Staat „Volk und Wirrtſchaft »Anorganiſche Chemie »Geologie I: Allgemeine Grundlagen »Allgemeine Botanik II- „Meteorologie(ausgewählte Kapitel) »Mathematik(ausgewählte Kapitel). 2. Semeſter(Sommerſemeſter): Volk und Kaſſe »Volkswirtſchaftslehre »Organiſche Chemie(ausgewählte Kapitel) „Geologie II: Erdgeſchichte, Mineralogie, Petrographie für Forſtleute »Bodenkunde I: Theoretiſche Grundlagen „Sypſtematiſche Botanik für Forſtleute(olzarten und Stand⸗ ortspflanzen) „Foologie für Forſtleute. 3. Semeſter(Winterſemeſter): »Volkswirtſchaftspolitik „Finanzwiſſenſchaft »Bodenkunde II: Praktiſche Anwendung »Bau und Leben der Waldbäume. Weitere Wahlprüfungsfächer für die Vorprüfung: Volkskunde, Wirtſchaftsgeſchichte, Statiſtik, Geographie, Phrſik, Sprachen. 4. Semeſter(Winterſeme ſſter): Waldbau I: Grundlagen(einſchl. Pflanzenſoziologie) „Pathologie der Forſtpflanzen; Forſtſchutz gegen Pilze „Forſtentomologie; Forſtſchutz gegen Inſekten „Forſtliche Vermeſſungslehre Holzmeßlehre „Horſtbenutzung I: Holzkunde(einſchließlich mechaniſche und chemiſche Technologie des Holzes) „HForſtpolitik einſchl. Forſtwirtſchaftsgeographie. 5. Semeſter(Sommerſemeſter): *Waldbau II: Technik *Fuwachslehre „Forſtbenutzung II: Technik der Holzernte und ⸗bringung; Arbeitslehre „Wegebau, Fördertechnik Holzmarktkunde „Rechtskunde für Forſtleute I: Bürgerliches Recht. 6. Semeſter(Winterſemeſter): »Forſtſchutz im allgemeinen, Vogelſchutz „Horſteinrichtung I: Theorie „Forſtliche Betriebswirtſchaftslehre, Waldwertſchätzung „Forſtbenutzung III: Holzverwertung und ⸗verwendung ein⸗ ſchließlich Nebennutzung „Rechtskunde für Forſtleute II: Strafrecht »Rechtskunde für Forſtleute III: Verwaltungs⸗, Beamten⸗, Arbeits⸗ und Verſicherungsrecht »Jagdkunde, Jagdwirtſchaft „*„§iſchereiwirtſchaft I: Grundlagen ** Naturſchutz. 7. Semeſter(Sommerſemeſter): **Kegionale Standortslehre „HForſteinrichtung II: Verfahren *Horſtgeſchichte „Horſtverwaltungslehre »Jagdrecht „»Fiſchereiwirtſchaft II: Bewirtſchaftung der Fiſchwaſſer **Landwirtſchaftslehre. Weitere Wahlprüfungsfächer der Hochſchul⸗Schlußprüfung können vom Prüfungsausſchuß zugelaſſen werden. Praktiſche Übungen und Lehrausflüge in die Umgebung von Gießen finden an den Mittwochnachmittagen und an den Sams⸗ tagen ganztägig ſtatt. Dieſe praktiſchen Ubungen im Wald ſind für die Studierenden aller Semeſter beſtimmt. Im Sommerſemeſter findet außerdem jeweils eine achttägige Lehrwanderung unter Be⸗ teiligung ſämtlicher Dozenten der Forſtwiſſenſchaftlichen Fakultät ſtatt, die den Zweck hat, die Studierenden einmal in ein größeres Waldgebiet mit beſonderen forſtlichen Verhältniſſen einzuführen. Im übrigen iſt für die Ausbildung der höheren Staatsforſt⸗ beamten in Deutſchland die Verordnung des Reichsforſtmeiſters maßgebend. Den Kameradſchaften an der Univerſität obliegt die politiſche und menſchliche Erziehung des jungen Studenten. Die Fachſchaft, das iſt der Fuſammenſchluß aller Studierenden einer Fachrichtung, will ihre Mitglieder in fachlich⸗politiſcher Selbſterziehung zu national⸗ ſozialiſtiſcher Wiſſenſchafts⸗ und Berufsauffaſſung erziehen. Fachſchaftsabende mit Referaten von Forſtleuten aus der Praxis, Beſichtigungen von forſtlich intereſſanten Betrieben und Ausſtel⸗ 13 lungen, gemeinſame Jagdausübung, und nicht zuletzt die Pflege der Geſelligkeit haben die Aufgabe, die jungen Leute mit gleichen beruflichen Intereſſen einander näherzubringen und ſich gegenſeitig Anregungen zu geben. Schon durch den Ausbildungsgang bei uns Forſtleuten iſt ein enger Konnex mit der Dozentenſchaft gewährleiſtet, der durch die Fuſammenarbeit innerhalb der Fachſchaft noch vertieft werden ſoll, damit das altbekannte gute Verhältnis zwiſchen Profeſſor und Student auch weiterhin vorbildlich für die Univerſität bleibt. Das Studium der Chemie. Die Kenntnis der wichtigſten Geſetze und Tatſachen der Chemie (ebenſo wie der Phyſik) iſt die Vorausſetzung für jedes Studium naturwiſſenſchaftlicher Richtung, d. h. alſo auch für das Studium der Medizin und der Veterinärmedizin, der Landwirtſchaft und der Forſtwiſſenſchaft. Darum iſt in den Studienplänen aller dieſer Fächer für die erſten beiden Semeſter die Vorleſung über anorga⸗ niſche und organiſche Experimentalchemie aufgenommen. Dieſe Vorleſung vermittelt noch keine chemiſchen Spezialkenntniſſe, ſon⸗ dern nur die Grundzüge und ſoll(in gleicher Weiſe wie die Vor⸗ leſung über Experimentalphyſik) die Studierenden in die Methoden exakten naturwiſſenſchaftlichen Denkens einführen. Das in der all⸗ gemeinen Vorleſung Gehörte wird in Übungen, die der Eigenart der einzelnen Jächer beſonders angepaßt ſind, noch vertieft. Die vornehmſte Aufgabe eines chemiſchen Hochſchulinſtituts iſt die Ausbildung des chemiſchen Nachwuchſes. Auch der junge Che⸗ miker erhält in den beiden Vorleſungen über Experimentalchemie die erſte Einführung in ſein Fachgebiet. Vom zweiten Semeſter ab hört er chemiſche Spezialvorleſungen, zunächſt über qualitative Analyſe, an die ſich vom dritten Semeſter ab die Vorleſungen über ſpezielle anorganiſche Chemie, Maßanalpſe, ſpezielle organiſche Chemie, Chemie der Farbſtoffe und chemiſche Technologie(mit Lehrausflügen) anſchließen. Das Hauptgewicht des Chemieſtudiums liegt in der praktiſchen Arbeit im Laboratorium, die am beſten ſchon im erſten Semeſter aufgenommen wird. Sie beginnt nicht mehr, wie früher, mit der analptiſchen Ausbildung, ſondern mit einem halbtägigen Einführungskurs, in dem der Student die Erkenntnis der in der anorganiſchen Anfängervorleſung behandelten Grund⸗ 14 geſetze und ⸗tatſachen durch eigene Verſuche erarbeitet. Im Anſchluß daran lernt er die Reaktionen der wichtigſten Elemente kennen mit dem beſonderen Fiel ihrer Anwendung für analytiſche Zwecke. Während die qualitative Ausbildung den Blick für chemiſche Vor⸗ gänge ſchärfen und die Fähigkeit zum Beobachten entwickeln ſoll, wird der Student in dem daran anſchließenden gewichts⸗, maß⸗ und gasanalytiſchen Praktikum zum exakten quantitativen Arbeiten er⸗ zogen. Die anorganiſche Ausbildung wird abgeſchloſſen durch eine kurze präparative Tätigkeit. In der darauffolgenden erſten Ver⸗ bandsprüfung, die aus einem praktiſchen und einem mündlichen Teil beſteht, hat der Studierende nachzuweiſen, daß er in den bis dahin behandelten Gebieten genügend bewandert iſt. Da ein tieferes Verſtändnis der Chemie ohne gründliche phyſika⸗ liſche Kenntniſſe unmöglich iſt, muß der Chemieſtudent ſich in Vor⸗ leſungen und Übungen auch eingehend mit Phyſik und phyſikaliſcher Chemie befaſſen; auch die Beſchäftigung mit Mineralogie und den Grundlagen der Mathematik iſt erforderlich(Näheres vergleiche den angeſchloſſenen Studienplan). Nach der erſten Verbandsprüfung erwirbt ſich der junge Chemiker im organiſch⸗präparativen Praktikum eine gründliche Kenntnis der präparativen Arbeitsmethoden ſowie der chemiſchen Apparatekunde und lernt die wichtigſten Körperklaſſen(Kunſt⸗ und Naturprodukte) der organiſchen Chemie aus unmittelbarer Anſchauung kennen. Mit der Erlernung der quantitativen Analyſe organiſcher Subſtanzen nach makro⸗ und mikroanalytiſchen Methoden ſchließt die organiſch⸗ chemiſche Ausbildung ab. In der darauffolgenden zweiten Verbandsprüfung muß der Stu⸗ dierende darüber Rechenſchaft ablegen, daß er den erforderlichen Überblick über die einzelnen Teilgebiete der Chemie einſchließlich der phyſikaliſchen Chemie beſitzt und in der Lage iſt, eine ſelbſtändige wiſſenſchaftliche Arbeit(Doktorarbeit) in Angriff zu nehmen, um dann mit der Promotion zum Doktor der Naturwiſſenſchaften ſein Studium zum Abſchluß zu bringen. Während er bis dahin durch Arbeiten mit bekannten Stoffen nach gegebenen Vorſchriften eine ausreichende§ertigkeit in der Experimen⸗ tierkunſt erworben hat, wird er in der Doktorarbeit vor ein Problem geſtellt, das er auf neuen Wegen ſeiner experimentellen und theore⸗ tiſchen Löſung entgegenführen ſoll. Das Thema der Arbeit wird im allgemeinen von einem Dozenten der Chemie oder der phyſika⸗ liſchen Chemie gegeben und liegt in der wiſſenſchaftlichen Arbeits⸗ richtung des Inſtituts. Die Ausführung der Doktorarbeit, unter der 15 Leitung des betr. Dozenten, iſt ein ganz weſentlicher Teil der Ge⸗ ſamtausbildung des Chemikers, denn hier ſoll er ſich darin üben, das früher praktiſch und theoretiſch Erlernte ſchöpferiſch anzuwen⸗ den. Nur dann iſt er in der Lage, techniſche und wiſſenſchaftliche probleme, die ſpäter an ihn herantreten, zu meiſtern. Das Ergebnis der Doktorarbeit iſt zugleich ein Beitrag zu den aus dem Inſtitut hervorgehenden wiſſenſchaftlichen Unterſuchungen. Dieſe Verbindung zwiſchen Lehre und Forſchung ſtellt eine der wert⸗ vollſten Uberlieferungen der deutſchen Univerſitäten dar und hat ſich bei der Ausbildung der jungen Chemiker aufs beſte bewährt. Die chemiſche Ausbildung des Kandidaten für das höhere Lehramt iſt der des Chemikers grundſätzlich gleich, nur wird die analptiſche und organiſch⸗präparative Ausbildung weſentlich eingeſchränkt. Da⸗ mit auch er in ſeiner Ausbildung einmal bis an die Front der For⸗ ſchung kommt, erhält er als Prüfungsaufgabe die experimentelle Bearbeitung eines kleineren wiſſenſchaftlichen Problems. Die baulichen und apparativen Einrichtungen des Gießener Che⸗ miſchen Inſtituts ſind im Laufe der letzten Jahre gründlich erneuert worden und genügen allen Anforderungen. Der größte Teil der benötigten Chemikalien wird den Studierenden unentgeltlich über⸗ laſſen; koſtſpieligere Laboratoriumsgeräte werden vom Inſtitut oder aus dem Glaslager der Chemiſchen Fachſchaft leihweiſe zur Ver⸗ fügung geſtellt. Für diejenigen Studierenden, die mit einer ſelb⸗ ſtändigen wiſſenſchaftlichen Arbeit beſchäftigt ſind, iſt das Labora⸗ torium auch während eines Teiles der Ferien geöffnet. Das Chemieſtudium an einer ſog. kleinen Univerſität, wie Gießen, bietet gegenüber dem an einer überfüllten großen Hochſchule ſeine ganz beſonderen Vorzüge. Nur im kleineren Kreis bilden ſich die feſtgefügten Arbeitsgemeinſchaften, in denen einer für den anderen eintritt und einer vom anderen lernt; auch die kameradſchaftliche Verbundenheit zwiſchen Dozent und Student iſt nirgends ſo eng wie hier. Das Studium des Chemikers dauert zwar verhältnismäßig lange, etwa zehn Semeſter; nach beſtandener Doktorprüfung iſt der junge Chemiker aber auch mit ſeiner Ausbildung vollkommen fertig, er kann— ohne vorher noch Praktikanten⸗, Volontärjahre oder der⸗ gleichen abzuleiſten— unmittelbar eine Anſtellung in der Induſtrie finden. Der Bedarf an tüchtigen jungen Chemikern iſt in unſerem Vaterlande, das ſich ſeine Kohſtofffreiheit erkämpfen muß, heute weſentlich größer als früher. 16 Studienplan für Chemiker. Der Studienplan enthält nur die wichtigſten Vorleſungen und übungen und die ungefähre Feitfolge. Die Beſchäftigung mit an⸗ deren naturwiſſenſchaftlichen ſowie mit kulturwiſſenſchaftlichen Jächern zur Vertiefung der Allgemeinbildung wird empfohlen. 1. Semeſter: Experimentalchemie I Experimentalphyſik 1 Grundlagen der Mathematik für Chemiker mineralogie I(mit UÜbungen) Chemiſches Praktikum, halbtägig. .Semeſter: Experimentalchemie II Experimentalphyſik II Phyſikaliſches Praktikum Qualitative Analyſe Chemiſches Praktikum, ganztägig mineralogie II(mit Übungen). .Semeſter: Spezielle anorganiſche Chemie Maßanalpſe Phyſikaliſche Chemie 1 Chemiſche Technologie I(anorganiſche Stoffe) Chemiſches Praktikum, ganztägig Gasanalptiſches Praktikum Phyſikaliſches Praktikum. 4. Semeſter: Spezielle organiſche Chemie I Chemiſche Technologie II(organiſche Stoffe) Phyſikaliſche Chemie II Chemiſches Praktikum, ganztägig. 5. Semeſter: Phyſikaliſche Chemie III Spezielle organiſche Chemie II Chemiſche Technologie III(Fwiſchenprodukte) Seminar für organiſche Chemie Chemiſches Kolloquium Chemiſches Praktikum, halbtägig Phyſikaliſch⸗chemiſches Praktikum. 6. Semeſter: Spezielle organiſche Chemie III Organiſche Farbſtoffe Seminar für organiſche Chemie Chemiſches Kolloquium Chemiſches Praktikum, ganztägig. 91 12 17 7. Semeſter: Chemiſches Kolloquium Chemiſches Praktikum, ganztägig ab Färbereipraktikum. s. Semeſter: Chemiſches Praktikum, ganztägig Chemiſches Kolloquium. Die Phyſikaliſche Chemie im Ausbildungsplan des Chemikers. Die Probleme, vor die heute die chemiſche Induſtrie geſtellt iſt, haben einen ſtark phyſikaliſch⸗chemiſchen Einſchlag. Kenntnis der phyſikaliſch⸗chemiſchen Grundlagen iſt daher für den modernen In⸗ duſtriechemiker unbedingt erforderlich. An den Univerſitäten und ZHochſchulen wird dieſer Erkenntnis bei der Ausbildung des Chemi⸗ kers Rechnung getragen. Die Hauptvorleſung über Phyſikaliſche Chemie, die ſich mit drei Wochenſtunden über vier Semeſter erſtreckt, iſt vom dritten Semeſter an zu hören. Es wird dabei vorausgeſetzt, daß in den beiden An⸗ fangsſemeſtern die grundlegenden Experimentalvorleſungen in Phyſik und Chemie belegt worden ſind, die die Grundlage für das Verſtänd⸗ nis der Phyſikaliſchen Chemie bilden. Nach Anhören der Haupt⸗ vorleſung und Erledigung des anorganiſch⸗analptiſchen Praktikums wird das(ganztägige) phyſikaliſch⸗chemiſche Praktikum beſucht. Dieſes iſt in den letzten Jahren weſentlich ausgebaut worden und enthält Aufgaben aus allen Gebieten der Phyſikaliſchen Chemie: Thermo⸗ dynamik, Elektrochemie, Kinetik und Optik. Für die Fortbildung und Vertiefung der Kenntniſſe iſt ein phyſikaliſch⸗chemiſches Semi⸗ nar eingerichtet, in dem Teilgebiete der Phyſikaliſchen Chemie, meiſt im Anſchluß an die Vorleſung des vorhergehenden Semeſters, ein⸗ gehender durchgeſprochen werden. Nach Erledigung des Praktikums kann die Prüfung in pbrſikaliſcher Chemie für das zweite Ver⸗ bandsexamen abgelegt werden. Den Abſchluß des chemiſchen Studiums bildet die Promotion, die in gleicher Weiſe in Phyſikaliſcher Chemie wie in Chemie erfolgen kann. Das hieſige Pbhpſikaliſch⸗chemiſche Inſtitut iſt eines der am längſten beſtehenden dieſer Art in Deutſchland, es wurde im Jahre 19oo unter Profeſſor Elbs eingeweiht. Inzwiſchen iſt es mehrmals, beſonders in den letzten zwei Jahren, den Erforderniſſen der Seit 18 entſprechend überholt und neu ausgeſtattet worden. Daher ſind für die Promotion in Phyſikaliſcher Chemie die beſten Arbeitsmöglich⸗ keiten vorhanden. Die Arbeitsrichtung des Inſtitutes erſtreckt ſich im weſentlichen auf die Erforſchung von chemiſchen Reaktionen zwiſchen feſten Stoffen, der Korroſion und der Katalyſe von Gas⸗ reaktionen, ſowie Kolloidchemie, ſpeziell des Kautſchuks. Die Pro⸗ motionsarbeit nimmt gewöhnlich 3—4 Semeſter in Anſpruch. Im Intereſſe der Abkürzung des Studiums iſt für Doktoranden wäh⸗ rend eines großen Teiles der Ferien das Arbeiten im Inſtitut geſtattet. Das Studium der Phyſik. Die phyſikaliſchen Vorleſungen und Praktika vereinigen diejenigen, die das höhere Lehramt zum Fiel haben, und die reinen Phyſiker, die in einen freien Beruf gehen wollen. Für beide Gruppen(für das höhere Lehramt Phyſik im Hauptfach vorausgeſetzt) geſtaltet ſich das Studium ziemlich gleichartig nach dem nachfolgenden Plan. Nur wird ſich der reine Phyſiker in den ſpäteren Semeſtern faſt ausſchließlich auf die Politik konzentrieren, wie es die praktiſche Arbeit im Phyſikaliſchen Inſtitut ſowieſo mit ſich bringt. Den Abſchluß ſeines Studiums bildet die Promotion. Die Doktorarbeit beanſprucht in der KRegel etwa vier Semeſter. Als Nebenfächer kom⸗ men für ihn, neben der Mathematik, Chemie, phyſikaliſche Chemie, Mineralogie oder verwandte Gebiete in Frage. Das Gießener Phyſikaliſche Inſtitut iſt beſtens ausgeſtattet mit Mitteln zur Behandlung moderner phyſikaliſcher Fragen, alſo be⸗ ſonders auf dem Gebiet der Atom⸗ und Kernphyſik, wie Atom⸗ umwandlung und künſtliche Radioaktivität. Daneben beſitzt Gießen noch ein ſelbſtändiges Inſtitut für Theoretiſche Phyſik. Der Rahmen der kleinen Univerſität ermöglicht eine enge Fühlung zwiſchen Lehrer und Schüler, die ſich außerordentlich fruchtbringend auf das Studium auswirkt. Die reinen Phyſiker ſowie diejenigen, die als Lehramtskandidaten das Hauptgewicht auf die Phyſik legen, ſind zuſammengeſchloſſen in der Fachabteilung Phyſik. Hier finden ſie einerſeits kamerad⸗ ſchaftlichen Anſchluß an alle, die in ihrer Ausbildung denſelben Weg gehen, und haben ferner die Möglichkeit, durch Teilnahme an Exkur⸗ ſionen zur Beſichtigung induſtrieller Anlagen einen Blick in die Praxis zu werfen. 2.- 19 In der Lehramtsprüfung werden an Kenntniſſen vorausgeſetzt: 1. Für die Prüfung im Hauptfach müſſen gründliche Kennt⸗ niſſe der Experimentalphyſik unter Bevorzugung eines Gebietes nachgewieſen werden. Beherrſchung der wichtigſten Meßmethoden wird verlangt. Der Nachweis ausreichender praktiſcher Geſchicklich⸗ keit muß erbracht ſein. In der Theoretiſchen Phyſik werden gefordert: Kenntnis der theo⸗ retiſchen Formulierung der Grundgeſetze der Mechanik, Elektrizitäts⸗ lehre, Wärmelehre und Atomtheorie; einfache Anwendungen. Ferner eingehendere Kenntniſſe auf einem größeren Teilgebiet, das der Kandidat wählen kann, etwa Elektrodynamik mit Optik, oder Wärme mit Wärmeſtrahlung bzw. Kinetiſcher Gastheorie, oder Atomtheorie mit Wellenmechanik uſw. 2. In Phyſik als Nebenfach wird Kenntnis der Theoretiſchen Phyſik nicht verlangt. Die Dozenten ſind ſelbſtverſtändlich bereit, die Studenten in allen Studienfragen zu beraten. Das Studium der Botanik. In Gießen werden alle botaniſchen Hauptvorleſungen in jedem Jahre regelmäßig gehalten: im Sommer Einführung in die All⸗ gemeine Botanik(3 Std.); Morphologie und Spſtematik der höhe⸗ ren Pflanzen werden in Form einer Vorleſung(2 Std.) oder in Beſtimmungsübungen gelehrt; dazu kommen die mikroſkopiſchen Ubungen für Anfänger— der erſte Teil behandelt Zelle und Gewebe der Pflanzen, der zweite Teil die Kryptogamen und die Fortpflan⸗ zungsorgane der Phanerogamen(je 4 Std.); der zweite Teil der praktiſchen Ubungen wird nur im Winterſemeſter abgehalten, der erſte im Winter und im Sommer. Uber Phyſiologie(4 Std.), Mor⸗ phologie und Syſtematik der Kryptogamen(3 Std.), über Ent⸗ wicklungsmechanik(2 Std.) und Zellenlehre(2 Std.) werden Spezialvorleſungen gehalten. Für Fortgeſchrittene ſind ein ganz⸗ tägiges„Botaniſches Laboratorium“ berechnet und die in dieſem täglich gegebene Anleitung zu Übungen in Zellen⸗ und Gewebelehre (W.⸗S.) und Morphologie der Blütenpflanzen nebſt Beſtimmungs⸗ übungen(S.⸗S.); phyſiologiſche Ubungen werden mit wechſelndem Programm in beiden Semeſtern abgehalten; im W.⸗S. wird ferner eine Anleitung zur Kultur und Beobachtung der Mikroorganismen 20 gegeben. Diejenigen, welche beide Kurſe mit Erfolg erledigt haben oder auf anderen Univerſitäten auf ähnliche Weiſe vorgebildet ſind, finden im Botaniſchen Laboratorium Gelegenheit, eigene For⸗ ſchungen in Angriff zu nehmen(Fragen der Allgemeinen Botanik, insbeſondere der Zellenlehre) und eine Diſſertation vorzubereiten. Von den Unterrichtsmitteln, welche in Gießen dem Botaniker zur Verfügung ſtehen, verdienen der Botaniſche Garten(Biologiſche Gruppen, Abteilungen für Arzneipflanzen, Kulturpflanzen uſw., ein reichhaltiges Alpinum, pflanzenpathologiſche Abteilungen u. a. neben einem umfaſſenden„Syſtem“) und die für Fragen der Allge⸗ meinen Botanik, insbeſondere der Zellenlehre, reichhaltig zuſammen⸗ geſetzte Inſtitutsbibliothek beſondere Erwähnung. Botanik für Forſt⸗ und Landwirte. Forſt⸗ und Landwirte, die an der Univerſität Gießen ſtudieren, haben ſich vor Eintritt in die eigentlichen Fachſemeſter insbeſondere dem Studium der Botanik zu widmen. In den forſtlichen und landwirtſchaftlichen Vorprüfungen werden Allgemeine Botanik(Bau und Leben der Pflanzen) und Spezielle Botanik(Naturgeſchichte und Verwandtſchaftslehre der einzelnen Gewächſe) verlangt. Die hier⸗ für in Betracht kommenden Vorleſungen, Übungen und mikroſkopi⸗ ſchen Kurſe werden in der Botaniſchen Abteilung des Forſtinſtituts (Braugaſſe 7, II) abgehalten. Stundenzahl und Stoffauswahl ſind den beſonderen Bedürfniſſen der Forſt⸗ und Landwirte angepaßt. Die Ausbildung beginnt im Winterſemeſter mit einer Haupt⸗ vorleſung über Allgemeine Botanik ſowie einem botaniſch⸗mikro⸗ ſkopiſchen Praktikum über den Bau der höheren Pflanzen. Das Praktikum iſt getrennt für Forſt⸗ und Landwirte. Im Sommer folgen ſpezielle Vorleſungen über die wichtigſten Gruppen der niederen und höheren Gewächſe, wobei die Kulturpflanzen Deutſch⸗ lands und deren Schädlinge aus dem Reich der Pilze im Vorder⸗ grund ſtehen. Das mikroſkopiſche Sommerpraktikum hat die land⸗ und forſtwirtſchaftlich wichtigen Kryptogamen zum Gegenſtand. übungen im Beſtimmen einheimiſcher Blütenpflanzen, unter denen die Ackerunkräuter, Wieſenpflanzen und Bodenpflanzen des Waldes beſonders berückſichtigt werden, oder Ubungen über Waldbäume ſchließen ſich an. Etwa alle drei Semeſter kehrt eine Vorleſung über die ökologiſche Pflanzengeographie Europas wieder. In jedem Se⸗ 21 meſter, gewöhnlich ſamstags, werden botaniſche Lehrwanderungen veranſtaltet, die ſich im Winter vornehmlich auf die niedere Pflanzenwelt des Waldes beziehen, im Sommer dagegen mehr die Blütenpflanzen mit ihren Krankheiten berückſichtigen. Die Botaniſche Abteilung im Forſtinſtitut iſt mit zahlreichen Hilfsmitteln(Mikroſkopen, Mikrotomen und anderen Apparaten), einer reichhaltigen Fachbibliothek, vielſeitigen botaniſchen Samm⸗ lungen uſw. verſehen. Es können daher auch ſolchen Studierenden, die in Botanik zu promovieren gedenken und hierfür ſich eingehen⸗ deren Studien und Forſchungsarbeiten widmen wollen, Arbeits⸗ plätze(halb⸗ oder ganztägig) zur Verfügung geſtellt werden. Mit der Abteilung iſt ferner ein botaniſcher Lehr⸗ und Verſuchsgarten verbunden, deſſen Benutzung nach beſonderer Erlaubnis den Stu⸗ dierenden der Forſt⸗ und Landwirtſchaft wie auch denen der Natur⸗ wiſſenſchaften offenſteht. Das Studium der Zoologie. Die Foologie gehört für den Studierenden der Medizin, Veterinärmedizin, Land⸗ und Forſtwirtſchaft zu den vorbereitenden Fächern: ſie ſoll ihm— zuſammen mit der Botanik— die allgemein⸗biologiſche Grundlage ſchaffen, deren er für ſeine Jachwiſſenſchaft bedarf. Das geſchieht in der über zwei Semeſter ſich erſtreckenden Hauptvorleſung(iim W.⸗S.) und in praktiſchen übungen(im S.⸗S., für Landwirte im W.⸗S.). Einer weit gründlicheren Ausbildung in Zoologie bedarf der Studierende des höheren Lehramtes, der ſpäter bio⸗ logiſchen Unterricht erteilen will. Hierzu dienen außer der oben⸗ genannten noch weitere Spezialvorleſungen, ferner zoologiſche Epkurſionen, Anfängerkurſe und ſelbſtändige Arbeit im Labora⸗ torium. Über die Einzelheiten und die beſte Art der Verteilung der Studien auf die einzelnen Semeſter wird mündlich oder brieflich vom Foologiſchen Inſtitut Auskunft erteilt; über die Kombination mit anderen Fächern gibt Aufſchluß die Prüfungsordnung für das höhere Lehramt. Schließlich läßt ſich ZFoologie auch noch als Fachſtudium in enge⸗ rem Sinne betreiben mit dem Ziel einer Laufbahn an Hochſchulen, Muſeen, biologiſchen und gewiſſen mediziniſchen Forſchungsinſti⸗ tuten, Foologiſchen Gärten u. dgl. Angeſichts des Überangebotes 22 von Anwärtern kann dieſe ſtets ungewiſſe Laufbahn ſelbſt Begabten nur dann empfohlen werden, wenn ſie die nötigen Mitttl beſitzen, ſich über eine Reihe von Jahren ſelbſt zu erhalten. Das Zoologiſche Inſtitut(Bahnhofſtraße 84, I. Stock) iſt für Unterricht und Forſchung nach verſchiedenen Richtungen hin gut ausgeſtattet. Das Studium der Angewandten Zoologie. Wer ſich der praktiſchen Zoologie(forſtliche, landwirtſchaftliche Foologie, Laufbahn des Pflanzenarztes, Induſtriezoologe) widmen will, findet die Möglichkeit zum Jachſtudium an der Abteilung für Forſtzoologie und Schädlingsbekämpfung(Braugaſſe 7, II. Stock). Fwei über Winter⸗ und Sommerſemeſter reichende, alſo ganz⸗ jährige Vorleſungen werden regelmäßig gehalten:„SForſtzoologie“ und„Einführung in die Entomologie(nſektenkunde)“; ferner im Winterſemeſter Beſtimmungsübungen an forſtlichen und landwirt⸗ ſchaftlichen Inſekten, im Sommerſemeſter ein entomologiſch⸗mikro⸗ ſkopiſches Praktikum. Fu halb⸗ und ganztägigen Arbeiten, beſon⸗ ders auf dem Gebiete der wirtſchaftlichen Entomologie, iſt für Vor⸗ geſchrittene das ganze Jahr hindurch Gelegenheit gegeben. Während des Sommerſemeſters finden Lehrausflüge für Forſt⸗ und Land⸗ wirte ſtatt. Die Abteilung beſitzt neben ihren anderen Lehrmitteln eine um⸗ fangreiche Sammlung(Schau⸗, Lehr⸗ und ſyſtematiſche Samm⸗ lung), die den Unterricht in Vorleſung und Praktikum ergänzt. Folgender Studienplan für Studierende der Biologie wird empfohlen: Botanik: . Einführung in die allgemeine Botanik. Phanerogamen(Porleſung und zweiſtündige Übung). Kryptogamen(Vorleſung und vierſtündige Übung). . Felle und Gewebe(Vorleſung und vierſtündige Übung). . Angewandte Botanik(Vorleſung). . Botaniſches Laboratorium. . Paläobotanik: Foſſile Pflanzen. . Botaniſche Lehrausflüge. „ P A Zoologie: Vorleſung: . Allgemeine FZoologie(W.⸗S.) 5 Stunden. . Entwicklungsgeſchichte(W.⸗S.) 1 Stunde. . Abſtammungs⸗ und Vererbungslehre(W.⸗S.) 2 Stunden. . Marine⸗ und Süßwaſſerbiologie(S.⸗S.) 2—5 Stunden. . Inſekten(S.⸗S.) 1 Stunde. .Tieriſche Paraſiten(W.⸗S.) 1 Stunde. .Tiergeographie(W.⸗S.) 1 Stunde. . Bau und Verrichtungen des menſchlichen Körpers(W.⸗S.) 1 Stunde. 9. Angewandte Zoologie. 10. Paläozoologie(luſ. Wirbeltiere) 1— 2 Stunden. Ubung: 1. Foologiſche Übungen für Anfänger(S.⸗S.) 4 Stunden. 2. Vgl. hiſtol. Ubungen(W.⸗S.) 4 Stunden. 3. Übungen im Beſtimmen einheimiſcher Wirbeltiere und Wir⸗ belloſer, 2—5 Stunden. .Tierphyſiologiſches Praktikum(W.⸗S.) 3 Stunden. . Zoologiſches Laboratorium(S.⸗S. und W.⸗S.). . Zoologiſche Lehrausflüge. 2SPAEg α Das Studium der Geologie. Die Geologie, als Wiſſenſchaft vom Bau der Erdrinde, iſt mehr als die meiſten anderen Wiſſenſchaften land⸗ und bodengebunden, Die Arbeit des Geologen ſoll ſich in erſter Linie draußen im Ge⸗ lände und nicht in der Studierſtube entfalten. Wer alſo nicht nur Luſt und Liebe zur Wiſſenſchaft, ſondern auch Neigung und Fähig⸗ keit zur körperlich anſtrengenden Geländearbeit, zum Wandern durch Wald und Flur beſitzt, der iſt als Geologe geeignet. Das wiſſenſchaftliche Hauptziel der Geologie iſt die Er⸗ forſchung der Geſchichte der Erde und des Lebens. Die Geoologie iſt die einzige Naturwiſſenſchaft mit ausgeſprochen geſchichtlichen Zielen; ſie liefert den anderen Naturwiſſenſchaf⸗ ten die Grundlagen geſchichtlicher Betrachtungsweiſe, und ſie erhält dadurch eine wichtige Mittelſtellung zwiſchen den anderen Natur⸗ wiſſenſchaften. Fugleich iſt die Geologie durch ihre geſchichtlichen Fiele auch mit der Geſchichte i. e. S., d. h. mit der Geſchichte des Menſchen, insbeſondere mit der Vor⸗ und Urgeſchichte in enge Be⸗ 24 ziehung geſetzt. Die Methoden der vor⸗ und urgeſchichtlichen For⸗ ſchung ſind im weſentlichen geologiſche Methoden. Neben dem auf geſchichtlichem Gebiet liegenden wiſſenſchaftlichen Fiel hat die Geologie wichtige praktiſche Aufgaben zu er⸗ füllen. Die planmäßige Durchforſchung der Erdrinde, ihrer Lage⸗ rungsverhältniſſe und Geſteinsbeſchaffenheit ergibt wichtige Grund⸗ lagen für die Durchführung techniſcher und wirtſchaftlicher Maß⸗ nahmen. Bergbau und ſonſtige Rohſtoffgewinnung, Waſſerver⸗ ſorgung, Straßenbau und andere techniſche Aufgaben, land⸗ und forſtwirtſchaftliche Bodennutzung und Bodenverbeſſerung, militä⸗ riſche Maßnahmen verſchiedener Art, und dergleichen mehr erfordern an zahlreichen Stellen die praktiſche Mitarbeit des Geologen. Im neuen Vierjahresplan des Führers ſind dem deutſchen Geologen ganz beſonders wichtige Aufgaben geſtellt worden. Das Studium der Geologie als Hauptfach erfordert gründliche Vorkenntniſſe in den anderen Naturwiſſenſchaften, vor allem auf dem Gebiet der Mineralogie, der Zoologie und der Chemie (insbeſondere der anorganiſchen Chemie); für manche Teilgebiete der Geologie und Paläontologie ſind auch Kenntniſſe in Phyſik, Geo⸗ graphie und Botanik ſehr erwünſcht. Seine Fachausbildung erhält der Geologe nur zum kleineren Teil in den Vorleſungen; er muß ſich durch ſelbſtändiges Durcharbeiten der geologiſchen und paläonto⸗ logiſchen Lehrſammlungen die unentbehrlichen Formen⸗ und Geſteins⸗ kenntniſſe aneignen; der weitaus wichtigſte Teil der Ausbildung ſind jedoch die Lehrausflüge und Geländeübungen ſowie die ſelb⸗ ſtändige Geländearbeit. Je mehr Zeit darauf verwandt werden kann und je vielſeitiger die geologiſche Umgebung des Hochſchul⸗ ortes iſt, deſto beſſer wird die Ausbildung. Eine kleine, in geolo⸗ giſch wechſelvoller Umgebung gelegene Univerſitätsſtadt wie Gießen bietet für die Ausbildung in Geologie beſonders günſtige Bedingun⸗ gen. Ein zeitweiliger Wechſel des Studienortes iſt empfehlenswert. Als Ausbildungszeit können acht Semeſter ausreichen; die erſte Hälfte der Studienzeit dient im weſentlichen der allgemeinen natur⸗ wiſſenſchaftlichen Ausbildung, doch ſoll gleichzeitig auch die Fach⸗ ausbildung durch Teilnahme an Lehrausflügen und Vorleſungen gefördert werden. Die ſpäteren Semeſter dienen der Ergänzung der Fachausbildung und der Ausarbeitung der Doktordiſſertation, die in der Regel eine Geländearbeit ſein wird und daher mindeſtens einen Sommer beanſprucht. Das Studium findet ſeinen Abſchluß mit der Promotion; als Ergänzung kann bei der Preußiſchen Geo⸗ logiſchen Landesanſtalt(bzw. bei der zukünftigen Veichsanſtalt) 25 eine Staatsprüfung abgelegt werden. Die Tätigkeit als Hochſchul⸗ aſſiſtent nach Abſchluß des Studiums dient der Vervollſtändigung der Fachausbildung. Der gut ausgebildete Jachgeologe kann als Staatsbeamter wie auch in der Privatwirtſchaft Verwendung finden. Staatliche Stel⸗ lungen gibt es außer an den Hochſchulen bei den geologiſchen Lan⸗ desanſtalten(bzw. bei der zukünftigen geologiſchen Reichsanſtalt). In der Privatinduſtrie haben vor allem die Erdölgeſellſchaften des In- und Auslandes ſtets einen erheblichen Bedarf an Fachgeologen; auch andere Fweige der Rohſtoffinduſtrie und der Technik beſchäf⸗ tigen Geologen. Wer über gute wiſſenſchaftliche Fähigkeiten und eine gründliche Fachausbildung verfügt, der wird bei der jetzt vor⸗ auszuſehenden Entwicklung damit rechnen können, daß er ohne große Schwierigkeiten ein Unterkommen findet. Als Nebenfach und Ergänzungsſtudium kommt die Geologie und Paläontologie für zahlreiche Zweige der Naturwiſſen⸗ ſchaften in Frage. Insbeſondere ſollte kein Biologe und kein Geograph es verſäumen, ſich einige Kenntniſſe auf dem Gebiet der Geologie und Paläontologie anzueignen; dies ergibt ſich aus dem, was oben über die Beziehungen der Geologie zu den anderen Naturwiſſenſchaften geſagt wurde. Zwar wird die Geologie im Lehrplan der höheren Schulen bisher kaum berückſichtigt; aber die für viele Lehrfächer(Biologie, Urgeſchichte, Geographie) von der jetzigen Feit geforderte geſchichtliche Betrachtungsweiſe läßt ſich ohne geologiſche bzw. paläontologiſche Kenntniſſe nicht durchführen. Es iſt damit zu rechnen, daß die Lehrpläne in Zukunft dementſpre⸗ chend umgeſtaltet werden, und dies muß auch bei der Ausbildung der Lehrkräfte berückſichtigt werden. Auch für den Chemiker, ſowohl für den Chemielehrer an den Höheren Schulen wie auch für den Fachchemiker an den Hochſchulen und in der Induſtrie, iſt eine Unterrichtung über die geologiſchen Grundlagen der deutſchen Rohſtoffverſorgung vorteilhaft. Für den Forſt⸗ und Landwirt iſt die Beſchäftigung mit Geologie im Studienplan vorgeſehen. Wer ſich mit dem ausſichts⸗ reichen Gebiet der praktiſchen oder wiſſenſchaftlichen Boden⸗ kunde beſchäftigen will, kann eine eingehende geologiſche Aus⸗ bildung keineswegs entbehren. Schließlich ſei noch erwähnt, daß auch derjenige, der die Vor⸗ und Urgeſchichte als Hauptfach gewählt hat, notwendiger⸗ weiſe über geologiſche Arbeitsmethoden und über die Grenzgebiete zwiſchen Erdgeſchichte und Urgeſchichte gut unterrichtet ſein muß. 26 ——. Es iſt unmöglich, hier eine erſchöpfende Einzelanweiſung für das Studium der Geologie als Haupt⸗ oder Nebenfach zu geben. Die Dozenten und Aſſiſtenten des Geologiſchen Inſtituts ſtehen den Studierenden jederzeit gern zur Beratung über Einzelfragen zur Verfügung. Das Studium der Geographie. Es liegt im Weſen der Geographie, daß ſie ſich ſowohl in den Rahmen einer mehr naturwiſſenſchaftlich als auch den einer mehr geiſteswiſſenſchaftlich ausgerichteten Fächergruppe einordnen läßt, ohne als iſoliertes völlig beziehungsloſes Wiſſensgebiet in der jeweiligen Fächergruppe zu ſtehen. Der Student, den Veranlagung und beſondere Neigung zum Erd⸗ kundeſtudium führen, muß— um überhaupt ſpäter zur Prüfung für das höhere Lehramt zugelaſſen zu werden— noch zwei weitere Fächer wählen. Die Wahl dieſer Nebenfächer bleibt ſeinem eigenen Ermeſſen überlaſſen, doch möge er ſich dabei von folgenden Er⸗ wägungen leiten laſſen: Die heutige Geographie ruht auf natur⸗ wiſſenſchaftlicher Grundlage. Dies kommt ſchon in der Art der Hilfswiſſenſchaften zum Ausdruck. Mathematik, anorganiſche Chemie, Phyſik und Geologie ſind die Grundlagen, um Probleme der mathematiſchen Geographie, der Klimatologie, Morphologie und Hydrogeographie richtig beſchreiben und erklären zu können. Bota⸗ niſche und zoologiſche Kenntniſſe verhelfen zu einem beſſeren Ver⸗ ſtändnis der Pflanzen⸗ und Tiergeographie. In der Anthropo⸗ geographie rücken erſtmalig in Völkerkunde, Geſchichte und Volks⸗ wirtſchaft geiſteswiſſenſchaftliche Methoden in den Vordergrund. Die Aufzählung dieſer Hilfswiſſenſchaften geſchah nicht aus dem Grunde, um den Studenten vor dem Umfang dieſer Wiſſenſchaften erſchrecken zu laſſen, ſondern nur, um ihn darauf aufmerkſam zu machen, mit welcher Vorſicht er die zwei übrigen Fächer aus— zuwählen hat, will er in ſeine Fächerzuſammenſtellung eine ein⸗ heitliche Note bringen und ſich ſelbſt das Studium erleichtern. Mit naturwiſſenſchaftlichen Jächern läßt ſich Geographie immer noch am vorteilhafteſten verbinden. Aus dem Gebiet der Kultur⸗ wiſſenſchaften ſind Geſchichte und Deutſch die Fächer, die ſich am beſten mit Geographie vereinigen laſſen. Selbſtverſtändlich berück⸗ ſichtigt der Dozent das beſondere Intereſſe des Studenten, ſo wie es aus der Art der Fuſammenſtellung ſeiner Fächer zu erſehen iſt. 27 uͤber den allgemeinen Umfang des Wiſſens, das man bei der Prüfung von einem Haupt⸗ bzw. Nebenfächler verlangt, unter⸗ richtet die im Leſeſaal der Univerſitätsbibliothek einzuſehende„Prü⸗ fungsordnung für das höhere Lehramt““. Für die neu zum Stu⸗ dium kommenden Kameraden gelten die Beſtimmungen vom 16. Juli 1937. Nach dieſer Neuordnung fällt das zweite Hauptfach weg. Dadurch wird es möglich, das eine noch bleibende Hauptfach wiſſen⸗ ſchaftlich gründlicher zu bearbeiten. Für den Geographen wirkt ſich dies ſo aus, daß er ſtatt der bisher geforderten Teilnahme an mindeſtens zwei Hauptſeminaren jetzt drei von ihnen beſucht haben muß. Fur möglichen Ausgeſtaltung des Geographieſtudiums an der Univerſität Gießen ſeien folgende Hinweiſe gegeben. Von den Vor⸗ leſungen ſind unbedingt zu hören: eine Hauptvorleſung über all⸗ gemeine Geographie, die ſich über zwei Semeſter erſtreckt, und aus dem Gebiet der Länderkunde die Hauptvorleſungen über Deutſch⸗ land und die verſchiedenen Erdteile. Kleinere Vorleſungen, wie Wirtſchaft und Raum, Siedlungs⸗ und Verkehrsgeographie, poli⸗ tiſche Geographie uſw., gelten der Behandlung ſpezieller geo⸗ graphiſcher Probleme. In den Seminaren wird der Student zum ſelbſtändigen wiſſenſchaftlichen Arbeiten angeleitet. Bei den Übun⸗ gen werden Proſeminare und Hauptſeminare unterſchieden. Die Proſeminare bringen in der Regel im Sommerſemeſter kleinere einführende Arbeiten über anthropogeographiſche Fragen, während im Winterſemeſter in derſelben Art die Phyſiſche Geographie be⸗ handelt wird. Der erfolgreiche Beſuch beider Proſeminare iſt Vor⸗ bedingung zur Aufnahme ins Hauptſeminar. Außerdem muß vor dem Eintritt ins Hauptſeminar eine einführende geologiſche Haupt⸗ vorleſung gehört werden. Eine ſolche, die beſonders geographiſchen Anſprüchen Rechnung trägt, wird in jedem Sommerſemeſter vom Geologiſchen Inſtitut veranſtaltet. Unverbindlich, aber zu empfehlen iſt das Hören einer Vorleſung über Petrographie und Mineralogie im entſprechenden Inſtitut und die Teilnahme an einer meteorolo⸗ giſchen Vorleſung im phyſikaliſchen Inſtitut. Wer ſich beſonders für den wirtſchaftsgeographiſchen Zweig der Erdkunde intereſſiert, ſei ſchließlich noch angehalten, ſich in den Vorleſungsankündigungen des Wirtſchaftswiſſenſchaftlichen Inſtitutes nach entſprechenden Vor⸗ leſungen umzuſehen. In den Hauptſeminaren, von denen der Hauptfächler mindeſtens drei beſucht haben muß, erhält der Student Gelegenheit, erſtens in einer ſchriftlichen Arbeit bzw. einem Vortrage ſich ſelbſtändig in 28 und durch eine beſtimmte geographiſche Aufgabenſtellung zu arbeiten und zweitens in den die Referate ſeiner Kommilitonen beſchließenden Diskuſſionen den Stand ſeiner geographiſchen Allgemeinausbildung unter Beweis zu ſtellen. Neben dem mehr theoretiſchen Unterricht in Vorleſung und Se⸗ minar hat der Geographieſtudent auf den ſommerlichen Exkurſionen reiche Möglichkeiten, unmittelbar aus eigener Anſchauung die Wirk⸗ ſamkeit der verſchiedenſten geographiſchen Faktoren kennen und er⸗ kennen zu lernen. Dieſem Fwecke dienen die alle zwei Wochen ſtatt⸗ findenden Ausflüge in die geologiſch und morphologiſch ſo außer⸗ ordentlich ergiebige nähere und weitere Umgebung Gießens. An⸗ ſchließend an das Sommerſemeſter findet dann eine große 4tägige Wanderung ſtatt, die den Studenten die Natur, Eigenart und Be⸗ deutung deutſcher Grenzlandſchaften erleben laſſen ſoll. In manchen Sommern werden dann noch topographiſche Übungen in der Nähe Gießens durchgeführt. Die Vorleſungen und Ubungen werden im Geographiſchen Inſtitut, Brandplatz 4, gehalten. Hier ſtehen dem Studierenden für ſeine Arbeit ein Seminarraum mit einer Jachbibliothek von rund 4000 Bänden und ein großer Feichenſaal zur Verfügung. Die Bücher können dem Studenten im Einvernehmen mit dem Aſſiſtenten auch ausgeliehen werden. Selbſtverſtändlich ſind auch im Seminarraum die neueſten Nummern der wichtigſten in⸗ und ausländiſchen geo⸗ graphiſchen Feitſchriften zu finden, deren gebundene ältere Jahr⸗ gänge ebenfalls vorliegen. Außerdem befindet ſich hier eine Bücherei für heſſiſche Landesforſchung und geographiſche Raumforſchung für das Heimatgebiet. Eine nicht unbenützt zu laſſende Gelegenheit, völkerkundliches Wiſſen auf anſchauliche Weiſe zu beleben, bietet ſich in dem Muſeum für Völkerkunde, das eine nicht unanſehnliche Sammlung ethnographiſcher Gegenſtände aus allen Erdteilen enthält. Die „Geſellſchaft für Erd⸗ und Völkerkunde“, die in Gießen ſeit 1896 beſteht, läßt im Winter in öffentlichen Vorträgen bekannte Geo⸗ graphen und Forſchungsreiſende über moderne geographiſche Pro⸗ bleme oder die Ergebniſſe ihrer Reiſen berichten. So bieten ſich an der Univerſität Gießen umfaſſende Möglichkeiten, das Geographie⸗ ſtudium nach allen Richtungen zu betreiben und zu vertiefen. Fum Schluß ſei noch auf die geographiſche Fachſchaft hingewie⸗ ſen, die es ſich zur Aufgabe macht, die Rommilitonen in geſelliger Form näherzubringen und in der äußeren Geſtaltung ihres Stu⸗ diums zu beraten. 29 Das Studium der Mathematik an der Univerſität Gießen. Ein genauer Plan, der alle Vorleſungen, Ubungen und Seminare des Mathematikſtudiums für die einzelnen Semeſter feſtlegt, kann nicht gegeben werden. Selbſtverſtändlich gibt es einen beſtimmten Kreis von Einführungsvorleſungen mit zugehörigen Übungen, deren Beſuch für jeden Anfänger unerläßlich iſt: Differential⸗ und Integralrechnung, analptiſche Geometrie, praktiſche Analyſis, Algebra, Determinanten und aus der angewandten Mathematik darſtellende Geometrie. Auf eine tätige und ſelbſtändige Arbeit in der Ubungen iſt beſonderer Wert zu legen. Aber über dieſes elementare Küſtzeug hinaus beſteht für den einzelnen weitgehende Freiheit, ſich nach eigener Neigung und Fertigkeit an der Fülle des Dargebotenen weiterzubilden. Es iſt dringend erwünſcht, daß ſich der Student im Laufe ſeines Studiums immer wieder von einem der Dozenten oder dem Aſſiſtenten darüber beraten läßt, wie er ſein Studium im Zinblick auf den von ihm erſtrebten Beruf am zweckmäßigſten geſtaltet. Was von dem Studierenden erwartet wird, läßt ſich ſomit hier nur im Umriß angeben. Der Hauptfächler muß neben der Ver⸗ folgung ſeiner beſonderen Neigungen einen guten Geſamtüberblick bekommen, muß ſich in Übungen und Seminaren weiterſchulen, insbeſondere im Hinblick auf die Anwendungen. Beſondere Vor⸗ leſungen über Wehrmathematik, mathematiſche Erbtheorie, Ver⸗ ſicherungsmathematik, Statik, Feſtigkeitslehre, Geodäſie, Wahr⸗ ſcheinlichkeits⸗ und Ausgleichsrechnung geben ihm neben den ſtark auf Anwendungen gerichteten Übungen zu den Vorleſungen der reinen Mathematik immer wieder Gelegenheit, ſich nach den ver⸗ ſchiedenſten Seiten hin auszubilden, und er hat damit die Möglich⸗ keit, ſich aus der Fülle der heute dem mathematiſch Geſchulten offenſtehenden Berufsmöglichkeiten auf den ſeinen Fähigkeiten und Neigungen entſprechenden Beruf vorzubereiten. Es iſt nur zu wünſchen, daß der Mathematikſtudierende mehr als bisher die Augen für dieſe Möglichkeiten offenhält. Von dem Rebenfächler wird neben dem Beſuch der obengenann⸗ ten Einführungsvorleſungen und der tätigen Beteiligungen an den daran anſchließenden Ubungen der Beſuch mindeſtens einer höheren Vorleſung gefordert. Es ſei noch darauf hingewieſen, daß die in 30 den Vorleſungsverzeichniſſen angekündigten Vorleſungen nach der Schwierigkeit des Sachgebietes geordnet ſind. Vom dritten Semeſter an ſtehen jedem Studierenden der Mathe⸗ matik die Arbeitsräume des Mathematiſchen Seminars mit einer umfangreichen und wertvollen Bibliothek(umfaßt zurzeit 2600 Bände) zur Verfügung. Zwecks Aufnahme und Aushändigung von Mitgliedskarte und Schlüſſel wendet ſich der Student an die Direktion des Seminars. Das Studium der Kulturwiſſenſchaften. Wenn wir vom Studium der Kulturwiſſenſchaften an der Uni⸗ verſität Gießen ſprechen, ſo wollen wir zuerſt von der Univerſitäts⸗ ſtadt ſprechen. Denn ſie liegt auf einem alten Kulturboden, der wohl nicht zu dem ſteilen Gipfel einer einzigartigen Leiſtung aufſteigt, wie er den genießenden Beſchauer erhebt, der aber voller Schätze, und keiner geringen, ſteckt, die dem forſchenden Betrachter Nutzen und Freude zugleich gewähren. Um Gießen— direkt vor den Aus⸗ falltoren des Limes— hat das Mittelalter einen Kranz von Burgen und Klöſtern geſchlungen, Sitze eines reichen und kampfluſtigen Adels, auf denen im Frühmittelalter für das Reich Entſcheidendes geſchah, und die im 17. Jahrhundert noch von Bedeutung blieben. Staufenberg, Badenburg, Schiffenberg, Arnsburg, Münzenberg, Hohenſolms, Vetzberg und Gleiberg bilden dieſen Kranz, von denen keine weiter als einen Tagesmarſch, viele nur einen Nachmittags⸗ ſpaziergang von der Stadt entfernt ſind. Gießen liegt an der Lahn, und von hier ab beginnt ſie in reizvollen Windungen ſich zum Khein zu wenden, geſchmückt und überragt von Orten, deren Namen guten Klang haben, wie Wetzlar mit dem ragenden Dom und dem Lottehaus, wie Braunfels, Weilburg uſw. Aber laſſen wir die Täler, Berge und Wälder, und ſprechen wir von Gießen ſelbſt. Es war Feſtung bis ins 19. Jahrhundert. Aber wo früher eine der wichtigſten Baſteien drohte, ſteht heute das Stadttheater. Es hat Schauſpiel⸗ und Opernenſemble mit ganzjährigen Verträgen und arbeitet im Sommer zu einem großen Teil in Bad⸗Nauheim, im Winter nur in Gießen. Überhaupt hat Gießen ein kulturelles Leben von Rang. In den Vortragsreihen des Goethebundes ſprechen an⸗ erkannte Dichter und zeitnahe Schriftſteller, bekannt ſind die Ver⸗ anſtaltungen des Konzertvereins, und ſo gibt es vieles, viel mehr, als man bei der Größe der rührigen Stadt erwartet. 31 Eng wie die Stadt iſt auch die Hochſchule mit der Landſchaft verbunden. Früh wurde hier Volkskunde betrieben, und die Arbeit am Südheſſiſchen Wörterbuch hat einen gleich guten Ruf wie die Heſſiſchen Blätter für Volkskunde. Die Ausgrabungen auf dem Gleiberg ſind eine hervorragende Leiſtung des Vorgeſchichtlers der Univerſität. So werden dem Studenten hier Arbeitsgebiete nahe⸗ gebracht, die mit Recht im Vordergrund unſerer heutigen Arbeit ſtehen. Gießen iſt eine kleine Univerſität, und es iſt ſchön, daß es ſo iſt. Hier iſt eine wahrhafte und ſchöne Zuſammenarbeit von Dozenten und Studenten Wirklichkeit geworden. Hier kennt ſich jeder, und es entſteht eine echte Gemeinſchaft in Arbeit und Freude. maſſenbetriebe gibt es nicht, in perſönlicher Fühlung findet jeder einzelne Rat und Hilfe. Das Berufsziel der meiſten unſerer Kameraden iſt das Lehramt. Und ſie darauf vorzubereiten, iſt nicht nur Aufgabe des darin be⸗ währten pädagogiſchen Inſtitutes, ſondern auch der Fachſchaft. Neben dem RBW kK. und ſeinen Arbeitsgemeinſchaften, neben Be⸗ rufsberatung und fröhlichen Feiern legt ſie gerade auf praktiſchen Lehrdienſt an Höheren Schulen beſonderen Wert. Dieſe Arbeit wird den immer noch beſtehenden Riß zwiſchen Schule und Hochſchule endgültig überbrücken und für die Fachſchaftskameraden von wirk⸗ lichem Wert ſein, auch wenn ſie von einer HfL. zu uns kommen. Im WMittelpunkt unſeres Studiums ſteht die Seminararbeit, für die erſten Semeſter einführend in Proſeminaren, ſpäter in den Haupt⸗ und Oberſeminaren. Hier hat der Student Gelegenheil, nicht nur ſeine Aufnahmefähigkeit, ſondern auch ſein Können zu beweiſen. Die Seminarbüchereien enthalten die weſentlichen Hilfs⸗ mittel, für ſpeziellere Arbeiten gewährt ſie die ausgezeichnete Uni⸗ verſitätsbibliothek. Die Namen unſerer Dozenten waren und ſind Namen von ausgezeichnetem Klang im Reich und darüber hinaus. Es wird gut bei uns gearbeitet, und es wird etwas geleiſtet, aber es wird auch gern gefeiert, und jeder, der hier ſtudiert hat, denkt gern an das„alte Neſt“ an der Lahn zurück. Das Studium der Rechtswiſſenſchaft. Der Studiengang für das Studium der Rechtswiſſenſchaft wird für das ganze Reich durch eine einheitliche Studienordnung be⸗ ſtimmt. Dieſe ſieht eine Reihe von Hauptvorleſungen und beſonders wichtigen Vorleſungen vor, deren Beſuch zu einem ordnungs⸗ 32 mäßigen Studium gehört. Dieſe Vorleſungen werden im ganzen Reich im ſelben Semeſter gleichzeitig geleſen. Dadurch iſt es dem Studenten der Rechtswiſſenſchaft ermöglicht, die Univerſität für ſein Studium frei auszuwählen. Nirgends braucht er zu befürchten, daß die für ihn erforderlichen Vorleſungen vielleicht gerade nicht gehalten werden. Im einzelnen ſieht die Studienordnung folgende Vorleſungen für die einzelnen Semeſter vor: Erſtes Semeſter(Winter): *. Deutſches Recht(Einführung in die Rechtswiſſenſchaft), ** Volk und Staat(Allgemeine Staatslehre, Politik), Vorgeſchichte, ** Germaniſche Rechtsgeſchichte(bis etwa 14. Jahrh.), Sippenforſchung, *„Familie(Recht der natürlichen Perſonen, Familienrecht außer Familiengüterrecht, Grundgedanken des Erbrechts), *„ Deutſches Wirtſchaftsleben(Einführung in das wirtſchaftliche und ſoziale Verſtändnis der Gegenwart). 5weites Semeſter(Sommer): Volk und Kaſſe(nicht rechtswiſſenſchaftliche Vorleſung), *„ Bauer(Bedeutung des Bauerntums für Raſſe und Volk, Auf⸗ bau des Reichsnährſtandes und Erbhofrecht), Volkskunde, Politiſche Geſchichte, „Verfaſſungsgeſchichte der Neuzeit(Entwicklung des ſog. öffent⸗ lichen Rechtes vom Ausgang des Mittelalters bis zur Gegen⸗ wart), ** Vertrag und Unrecht(vertragliche und deliktiſche Haftung, Vertragslehren des Allgemeinen Teils des BGB., allgemeiner Teil des Schuldrechts, Geſchäftsführung, ungerechtfertigte Be⸗ reicherung, unerlaubte Handlung), *Volkswirtſchaftslehre(Allgemeine Volkswirtſchaftslehre, Theo⸗ retiſche Nationalökonomie). Drittes Semeſter(Winter): ** Verfaſſung(Staatsrecht), *„ Verbrechen und Strafe(Strafrecht), * Boden(nicht erbhofgebundene Liegenſchaften in obligatoriſcher, dinglicher und verfahrensmäßiger Beziehung), 3 33 „»Ware und Geld(obligatoriſches und dingliches Fahrnisrecht), „»Volkswirtſchaftspolitik(ſpezielle Volkswirtſchaftslehre bzw. praktiſche Nationalökonomie). Diertes Semeſter(Sommer): „„Derwaltung(Perwaltungsrecht), „Strafverfahren(Strafprozeß, Grundzüge des Strafvollzuges), „Familienerbe(eheliches Güterrecht und Erbrecht), „Geiſtiges Schaffen(Urheber⸗, Erfinder⸗ und Verlagsrecht), „Handel und Gewerbe(Lehre vom Kaufmann, Grundgedanken 1 der Gewerbeordnung, unlauterer Wettbewerb), „Geſellſchaften(Pereine und Geſellſchaften des BGB. und 56GB. ſamt Rebengeſetzen), „Betriebswirtſchaft. Fünftes Semeſter(Winter): „Antike Rechtsgeſchichte(römiſche Rechtsgeſchichte, Grundzüge des römiſchen Privat⸗ und Prozeßrechts), *»Rechtsſtreit(Fivilprozeß), »Wertpapiere, **Arbeiter(Arbeitsrecht), »Unternehmer(Wirtſchaftsrecht, ſtändiſcher Aufbau), ** Völkerrecht, »Finanzrecht(Steuerrecht), „Finanzwiſſenſchaft. Sechſtes Semeſter(Sommer): „Privatrechtsgeſchichte der Neuzeit(Deutſches und römiſches Privatrecht ſeit dem ausgehenden Mittelalter), „Vollſtreckung(wangsvollſtreckung, Konkurs), *Kirchenrecht, »Anwendung fremden Rechts(Internationales Privatrecht), „Rechts⸗ und Staatsphiloſophie. Die mit einem Stern(*) verſehenen Vorleſungen ſind Hauptvor⸗ leſungen, die mit zwei Sternen(**) ausgezeichneten werden dadurch als beſonders wichtig bezeichnet. Auch an der Univerſität Gießen werden dieſe Vorleſungen regel⸗ mäßig abgehalten. Daneben ermöglichen zahlreiche weitere Vor⸗ leſungen dem Studierenden, ſein Wiſſen auf allgemeinen Gebieten wie auf Sondergebieten zu vertiefen. Insbeſondere die zahlreich abgehaltenen Seminare aus Einzelgebieten der Rechtswiſſenſchaft 34 fördern die ſelbſtändige Arbeit des Rechtsſtudenten. Die geringe Anzahl der Teilnehmer gewährleiſtet gerade in Gießen jedem Rechts⸗ ſtudenten die Möglichkeit der Beteiligung an anregender wiſſen⸗ ſchaftlicher Ausſprache. Beſonderer Pflege erfreuen ſich in Gießen einzelne Sondergebiete, wie z. B. die rechtliche Volkskunde, zu deren Studium ein Inſtitut errichtet wird. Das Verſicherungsrecht kann im Seminar für Verſicherungswiſſenſchaft im engſten Fu⸗ ſammenhang mit allen dieſes Gebiet berührenden wirtſchaftswiſſen⸗ ſchaftlichen Fragen ſtudiert werden. Neben der Univerſitätsbibliothek ſtellt das„Juriſtiſche Seminar“ den Rechtsſtudenten die für das Studium erforderlichen Hilfsmittel zur Verfügung. Das Seminar wurde im vergangenen Sommer erneut vergrößert und bietet nun⸗ mehr in drei großen KRäumen ruhige Arbeitsplätze. Die Hand⸗ bibliothek des Seminars enthält nicht nur Sammelwerke, Lehr⸗ bücher, Entſcheidungsſammlungen und Kommentare, ſondern auch zahlreiche Einzelſchriften und eine größere Diſſertationsſammlung. Die Gebiete, auf denen ſich die Rechtserneuerung beſonders aus⸗ wirkt, wie Arbeits⸗ und Bauernrecht, werden beſonders gepflegt. So findet der Rechtsſtudent in Gießen auch ausreichend Schrift⸗ tum zur Anfertigung der Examensarbeiten. Das Referendarexamen wird vor dem Juſtizprüfungsamt beim Oberlandesgericht Darmſtadt abgelegt. Es kann dort nicht nur von allen denjenigen Studierenden abgelegt werden, die in Heſſen ihren Wohnſitz haben, ſondern von allen, die in Gießen ein Semeſter ſtudiert haben. Anderſeits hindert das Studium in Gießen keinen Rechtsſtudenten, das Referendarexamen ſpäter an demjenigen Ober⸗ landesgericht abzulegen, in deſſen Bezirk er ſeinen Wohnſitz hat. Fur Ablegung des Referendarexamens iſt ein Studium von ſechs Semeſtern erforderlich. Doch wird den Studierenden in den Richt⸗ linien der Reichsjuſtizminiſteriums empfohlen, ſieben oder acht Se⸗ meſter zu ſtudieren, um den ganzen umfangreichen Stoff wirklich zu durchdringen. Während des Studiums ſoll der Rechtsſtudent (in den Univerſitätsferien) ſechs bis acht Wochen bei einem Amts⸗ gericht beſchäftigt werden, damit er einen Einblick in die Praxis erhält. Wer in Gießen ſtudiert, kann dieſe praktiſche Zeit an dem Gießener Amtsgericht verbringen. Die Einführung in die Praxis an einem mittelgroßen, wie dem Gießener Amtsgericht, iſt beſonders lehrreich. Die Fulaſſung zum Doktorexamen ſetzt das Beſtehen der Keferen⸗ darexamens voraus. Ferner iſt ein Studium von insgeſamt acht Se⸗ meſtern erforderlich, wovon zwei Semeſter in Gießen zurückgelegt 3- 35 ſein müſſen. Von dem Erfordernis des achten Semeſters kann aber auf beſonderen Antrag abgeſehen werden. Das Studium der Rechtswiſſenſchaft in Gießen iſt beſonders an⸗ regend, weil der Studierende hier von Beginn des Studiums an engſte Fühlung mit ſeinen Lehrern bekommt. Die im Verhältnis zu Großſtadtuniverſitäten geringe Studentenzahl ermöglicht es den Dozenten, die einzelnen Studierenden näher kennenzulernen und zu fördern. Das Studium geſtaltet ſich ſo beſonders intenſiv und erfolgreich. Gleichzeitig ergibt ſich ein beſonders enges kamerad⸗ ſchaftliches Verhältnis zwiſchen den einzelnen Studierenden. Das ſtudentiſche Leben in Gießen bietet zahlreiche Gelegenheiten, den kameradſchaftlichen Fuſammenhalt der Juriſtiſchen Fachſchaft zu pflegen. Das Studium der Wirtſchaftswiſſenſchaft an der Univerſität Gießen. Die deutſche Wirtſchaftswiſſenſchaft iſt ihrem Weſen nach eine politiſche Wiſſenſchaft. Die Wandlungen, die ſie im Laufe ihrer Entwicklungsgeſchichte durchmachen mußte, haben bis in das heutige Feitgeſchehen Spuren hinterlaſſen, die wir reſtlos abtun müſſen. Denn die individualiſtiſche Betrachtungsweiſe der Volkswirtſchafts⸗ lehre hat für uns keine Geltung mehr. Der dem völkiſchen Gedanken zugrunde liegende Satz:„Gemeinnutz vor Eigennutz“ und die For⸗ derung„Recht auf Arbeit“, wie ſie von Bernhard Köhler prokla⸗ miert wird, haben unſerer Wirtſchaftsgeſtaltung ein anderes Ziel und damit einen anderen Inhalt gegeben. So muß ſich auch die Ausbildung des Wirtſchaftsſtudenten, der künftig Wirtſchaftsführer ſein ſoll, von Grund auf ändern. Die politiſch⸗wiſſenſchaftliche Erziehung des heutigen Studenten ſoll dahin gehen, daß er Geſtalter und Wahrer des deutſchen Wirt⸗ ſchaftslebens wird. Er muß die Wirtſchaft von der Geſamtwirt⸗ ſchaft bis in die betriebliche Einzelzelle kennen. Er muß mit Theorie und Praxis vertraut ſein und ſie beide zu wirklich nutzbringender Arbeit verbinden können. In den erſten beiden Semeſtern wird der Student in die völki⸗ ſchen Grundlagen der Wiſſenſchaft eingeführt, während die drei folgenden Semeſter ausſchließlich dem Fachſtudium vorbehalten ſind. HZier bilden die Vorleſungen über theoretiſche und praktiſche Volks⸗ 36 wirtſchaftslehre, Betriebswirtſchaft, Finanzwirtſchaft, Statiſtik uſw. das Gerippe des Studiums. Die Arbeit des ſechſten Semeſters iſt mit einigen Seminaren der Vorbereitung des Examens gewidmet. Fur beſſeren Durchdringung des wiſſenſchaftlichen Stoffes wird empfohlen, zu einem Mindeſtſtudium von ſechs Semeſtern noch ein ſiebentes oder achtes Semeſter zuzulegen. Dem Inſtitut für Wirtſchaftswiſſenſchaft mit ſeinen Arbeits⸗ und Übungsräumen iſt noch ein verſicherungstechniſches und ein ſoziologiſches Seminar angegliedert, ſo daß den Studenten aus⸗ reichendes Material zur wiſſenſchaftlichen Arbeit zur Verfügung ſteht. Das Wirtſchaftspraktikantenamt, das am Inſtitut beſteht, vermittelt den Kameraden vor dem Studium und während der Ferien Praktikantenſtellen, ſo daß das halbjährige Wirtſchaftsprakti⸗ kum, das in der neuen Prüfungsordnung vom 24. März 1937 verlangt wird, auch im Sinne derſelben abgeleiſtet werden kann. Ferner beſteht am Inſtitut die Reichsarbeitsgemeinſchaft für Raum⸗ forſchung. Die Art und Bedeutung dieſer Arbeitsgemeinſchaft dürfte im weiteſten bekannt ſein. Die Studenten haben dort die Gelegenheit, ihre theoretiſchen Erkenntniſſe, die ſie erworben haben, praktiſch zu verwerten. Das entſpricht ganz dem Ziel der Wirt⸗ ſchaftswiſſenſchaft: durch Tatſachenforſchung und Schulung von Geiſt und Charakter, Volk und Staat zu dienen. In dieſem Sinne ſteht auch die ſtudentiſche Arbeit, die innerhalb unſerer Fachſchaft geleiſtet wird. Sie iſt wiſſenſchaftlich gehalten und dient der Erkenntnis: Volk— Volkswirtſchaft. Unter der wiſſenſchaftlichen Leitung unſerer Dozenten werden Außenſeminare abgehalten, die die Erforſchung unſeres Kaumes betreiben. Dieſe Arbeit wurde in den letzten beiden Semeſtern ſo geſtaltet, daß die Betrachtungen auf den Großraum Deutſch⸗ſterreich erweitert wurden. Eine Öſterreichfahrt im Sommerſemeſter 1957 gab der wiſſenſchaftlichen Arbeit die praktiſche Untermauerung. So bietet das Studium der Wirtſchaftswiſſenſchaft an unſerer Univerſität die Gewähr für eine zweckmäßige Ausbildung der Studenten im Hinblick auf das große Ziel: die Steigerung aller völkiſchen Kräfte zur höchſten Leiſtung. Anleitung zum Studium der Theologie. Es iſt für das akademiſche Studium beſonders wichtig, daß der Student von vornherein einen klaren Einblick in den Gang des Studiums und in die zweckmäßige Auswahl der Vorleſungen ge⸗ 37 winnt. Er wird dadurch vor Mißgriffen und Feitvergeudung bewahrt. Die Fakultät gibt daher folgende Geſichtspunkte zur Beachtung. 1. Grundlage des theologiſchen Studiums iſt die Kenntnis des Alten und Neuen Teſtaments. Eine rechte theologiſche Ausbildung iſt darum ohne gründliches Studium der Heiligen Schrift und der damit verbundenen wiſſenſchaftlichen Fragen überhaupt nicht zu er⸗ reichen. Ebenſo iſt die Beſchäftigung mit der Geſchichte der Kirche und ihrer Lehre für das Verſtändnis der theologiſchen und kirchlichen Gegenwartsaufgaben unentbehrlich. Darum bildet fleißiger Beſuch der exegetiſchen und der hiſtoriſchen Vorleſungen die notwendige Vorausſetzung für eine fruchtbare Beſchäftigung mit den Aufgaben der ſyſtematiſchen und der praktiſchen Theologie. Es muß alſo in den erſten Semeſtern mit den Vorleſungen aus dem Gebiet der exe⸗ getiſchen und hiſtoriſchen Theologie begonnen werden. Den mittle⸗ ren und den letzten Semeſtern iſt das Studium der Syſtematik und Praktik vorbehalten. 2. Wer die verlangte Reife in den klaſſiſchen Sprachen oder im Hebräiſchen nicht beſitzt, muß alles aufbieten, um ſie ſo bald als möglich zu erwerben. Der Nachprüfung im Griechiſchen und Latei⸗ niſchen müſſen noch mindeſtens ſechs, der im Hebräiſchen mindeſtens vier Studienſemeſter folgen. Die akademiſchen Ferien müſſen zur Vertiefung des Studiums mitbenützt werden. Sie bieten die beſte Gelegenheit, wichtige größere Werke und aktuelle Schriften zu ſtudieren, aber auch durch näheres Eindringen in Einzelfragen die eigene Handhabung wiſſenſchaftlicher Methode zu üben. Dazu geben beſonders die Themata für Ferien⸗ arbeiten Anregung, die regelmäßig am Ende jedes Semeſters am Schwarzen Brett der Fakultät angeſchlagen werden. VYerfehlt iſt es, durch unrichtige Verteilung der Arbeit die mittle⸗ ren Semeſter zu ſtark mit Vorleſungen zu belaſten; darunter leidet die Gründlichkeit des Studiums. Sehr zu wünſchen iſt, daß auch das letzte Semeſter vor dem Examen noch an der Univerſität zu⸗ gebracht und beſonders die Teilnahme an den Seminarübungen bis zuletzt fortgeſetzt wird. Mancher Mißerfolg erklärt ſich aus der falſchen Gepflogenheit, das letzte Semeſter lediglich zum mechaniſchen Einlernen zu benutzen. 5. Den Unterſchied zwiſchen Schule und akademiſchem Studium muß man von vornherein ſcharf ins Auge faſſen. Das Ziel des Studiums iſt nicht bloß ein beſtimmtes Wiſſen, ſondern auch ſelb⸗ ſtändiges Verſtehen und eigenes Urteil. Darum darf man ſich nicht mit der Aufnahme des gehörten Stoffes begnügen, ſondern muß ihn 38 perſönlich bearbeiten und zu eigener Stellungnahme vordringen. Wir warnen alſo davor, nur nach Kollegheften zu arbeiten, empfeh⸗ len vielmehr nachdrücklich, immer auch Bücher, und zwar nicht nur Lehrbücher, ſondern auch Einzeldarſtellungen zu Kate zu ziehen. Solche eigene Arbeit iſt durch nichts zu erſetzen; ſie iſt auch für das Examen wichtiger als bloße Einprägung und Wiederholung eines innerlich nur unvollkommen angeeigneten Stoffs. 4. Um eine gründliche Kenntnis des Alten und Neuen Teſtaments zu gewinnen, muß jeder Student im Laufe ſeiner Studienzeit die Hauptbücher des Alten und das ganze Neue Teſta⸗ ment im Urtext geleſen haben und mit beiden Teſtamenten völlig vertraut geworden ſein. Bibelkunde iſt erſtes Erfordernis des Stu⸗ diums. Die Lektüre mag zum Teil kurſoriſch ſein, d. h. ſich auf die Hilfe von Grammatik und Lexikon beſchränken, zum anderen Teil muß ſie ſich mit gründlichen exegetiſchen Studien verbinden, zu denen Vorleſungen und gute Kommentare anleiten. Im allgemeinen empfiehlt es ſich, von leichteren exegetiſchen Vor⸗ leſungen wie Geneſis oder erſtem Korintherbrief, Apoſtelgeſchichte und katholiſchen Briefen zu ſchwierigeren wie Jeſaja, Pſalmen und Kleine Propheten oder den Evangelien, Römerbrief und Hebräer⸗ brief fortzuſchreiten. Hand in Hand mit der bibliſchen Exegeſe geht das Studium der⸗ jenigen Jächer, in denen der Stoff in zuſammenhängender, ſyſtema⸗ tiſcher Form dargeboten wird. Dazu gehören die Einleitung in das Alte und das Neue Teſtament, alt⸗ und neuteſtamentliche Theologie, Geſchichte Iſraels, neuteſtamentliche Zeitgeſchichte. 5. Die Kirchen⸗ und Dogmengeſchichte geht der Ge⸗ ſchichte des Chriſtus im Leben und Denken der Menſchen, Völker und Kulturen nach, um ſo zur tieferen Erfaſſung des Weſens und der Aufgabe der heutigen Theologie und Kirche anzuleiten. Neben den Vorleſungen über allgemeine Kirchengeſchichte und ein⸗ zelne Teilgebiete, die im erſten Studienſemeſter mit Kirchen⸗ geſchichte Teil I(Alte Kirche) oder auch Teil III(KReformation) be⸗ gonnen werden können, ſoll ein Quellenſtudium für dieſes oder jenes frei zu wählende Spezialgebiet(z. B. Auguſtin, Germanen⸗ miſſion, Scholaſtik, Myſtik, reformatoriſche Theologie, Idealismus, Kierkegaard u. ä.) hergehen. Beſonders iſt die Lektüre einiger Luther⸗ ſchriften und einer guten Lutherbiographie unerläßlich. Fur Er⸗ gänzung des kirchengeſchichtlichen Studiums können kunſt⸗, litera⸗ tur⸗ und profangeſchichtliche Vorleſungen, namentlich in den erſten Semeſtern, gehört werden. 39 6. Die ſyſtematiſche Theologie als die zuſammenhän⸗ gende Darſtellung der chriſtlichen Lehre gliedert ſich in Dogmatik und Ethik. Aufbauend auf der exegetiſchen und hiſtoriſchen Theo⸗ logie erarbeitet ſie unter Beachtung weltanſchaulicher Fragen den Gehalt chriſtlicher Verkündigung. Ihr Studium ſoll durch das der Philoſophie und Pſychologie ergänzt werden. Ob bei dem Hören der Vorleſungen mit Dogmatik oder Ethik begonnen wird, iſt ohne Bedeutung. 7. Die praktiſche Theologie iſt die Wiſſenſchaft vom praktiſchen Handeln der Kirche. Sie vermittelt die notwendige Kenntnis des kirchlichen Lebens in Geſchichte und Gegenwart. Vom richtigen Verſtändnis des kirchlichen Auftrages aus verhilft ſie zur rechten Einſtellung gegenüber den Aufgaben der Kirche, der Gemeinden, des geiſtlichen Amtes und der freien kirchlichen Organiſationen. Daneben führt ſie, mit Kückſicht auf den nahen Fuſammenhang zwiſchen Kirche und Erziehungsweſen, nicht bloß in die Fragen des Keligionsunterrichtes, ſondern auch in die Ge⸗ ſchichte der allgemeinen Pädagogik ein. Das Inſtitut für evangeliſche Jugendkunde und evangeliſche Erziehungswiſſenſchaft dient in beſonderer Weiſe dieſen Studien. s. Die theologiſchen Proſeminare und Seminare ſollen zu ſelb⸗ ſtändiger wiſſenſchaftlicher Arbeit und zur Aneignung wiſſen⸗ ſchaftlicher Methode anleiten. In den Seminarräumen befindet ſich eine Handbibliothek, die den Seminarbenutzern innerhalb der Seminarräume zur Verfügung ſteht. Der Beſuch eines Pro⸗ ſeminars und Hauptſeminars ſowie die Anfertigung einer wiſſen⸗ ſchaftlichen Arbeit ſoll für jedes der fünf Hauptfächer bei der Examensmeldung nachgewieſen werden. 9. Ausdrücklich ſei auch auf die Übungen des Repetenten ver⸗ wieſen, der die Studenten bei der Verarbeitung des in den Vor⸗ leſungen gebotenen Stoffes unterſtützen ſoll. Das Studium dauert— beſtandene Sprachprüfungen voraus⸗ geſetzt— ſechs Semeſter. In dieſer Feit wird der Student min⸗ deſtens(d. h. es handelt ſich im folgenden nicht um eine Vorſchrift, ſondern um einen Vorſchlag, der bis an die Grenze des Möglichen die wirtſchaftliche Lage der Studenten berückſichtigt) nachſtehende Vorleſungen und Seminare beſuchen: Etwa je drei exeg. Vorleſungen über Schriften des Alten und Neuen Teſtamentes, je drei der ſog. ſyſtematiſchen atl. und ntl. Vorleſungen, vier Vorleſungen über Kirchengeſchichte(einſchließ⸗ lich Dogmengeſch. I), vier über Syſtematik(einſchließlich Dogmen⸗ 40 geſch. II), fünf über Praktiſche Theologie(einſchließlich Pädagogik und Symbolik). Mindeſtens je ein Proſeminar und Hauptſeminar aller fünf Fächer, eine Übung im Inſtitut für evangeliſche Jugendkunde. Ferner werden die Repetitorien nachdrücklich empfohlen. Der Student muß ſich über die Gebiete, welche in den von ihm beſuchten Vorleſungen und Seminaren(bzw. Übungen) nicht be⸗ handelt wurden, durch eigene Arbeit mit Hilfe der Literatur die nötigen Kenntniſſe verſchaffen. Auskunft darüber erteilt neben den Dozenten der Vepetent. Der Sport und das Studium der Leibesübungen an der Univerſität Gießen. Die körperliche Ausbildung an den deutſchen Hochſchulen iſt durch die Hochſchulſportordnung vom 30. Oktober 1934 einheitlich für das ganze Reich geregelt. Das Schwergewicht der Ausbildung er⸗ ſtreckt ſich danach beſonders auf die erſten drei Semeſter, in denen jeder der Deutſchen Studentenſchaft angehörende Studentlin) zur Teilnahme an den Leibesübungen verpflichtet iſt. Nach einem wohl⸗ durchdachten Plan wird jedem Studierenden eine ausreichende Grundſchulung in folgenden Übungszweigen vermittelt. Studenten Studentinnen 1. Semeſter: Hallenturnen Hallenturnen Boxen Rettungsſchwimmen. Geländelauf Gymnaſtik und Tanz 2. Semeſter: Leichtathletik Geländelauf Kleinkaliberſchießen Leichtathletik 3. Semeſter: Fußball Kleinkaliberſchießen Rettungsſchwimmen Handball Während dieſer erſten drei Semeſter können durch regelmäßige Teilnahme an den Übungsſtunden und durch günſtig ausfallende Abſchlußprüfungen in den einzelnen Übungszweigen, die am Ende eines jeden Semeſters abzulegen ſind, insgeſamt 200 Punkte erwor⸗ ben werden. Mit welchem Nachdruck der heutige Staat von den vorwiegend geiſtig arbeitenden Studierenden eine gründliche kör⸗ perliche Durchbildung verlangt, geht aus der Tatſache hervor, daß die Berechtigung zum weiteren Studium vom vierten Semeſter ab nur dann erteilt wird, wenn in der dreiſemeſtrigen Grundausbildung mindeſtens 150 Punkte erreicht worden ſind. 371 Nach Beendigung dieſer körperlichen Grundſchulung kann jeder Studierende nach Veranlagung und Neigung eine beliebige Sport⸗ art betreiben. Der vielſeitige Übungsbetrieb, Sportfeſte, Werbe⸗ veranſtaltungen, Wettkämpfe und Wettſpiele, ſowie Reichsſport⸗ abzeichen⸗ und SA.⸗Sportabzeichenausbildung tragen in weitem Maße den ſportlichen Intereſſen der Studierenden Rechnung. Die Ausbildung zum Turn- und Sportlehrerlin) iſt durch die Hochſchulſportordnung, Abſchnitt IV, vom 24. April 1935 für alle deutſchen Hochſchulen nach einem einheitlichen Plan feſtgelegt worden. Die praktiſche Auosbildung erſtreckt ſich auf folgende Gebiete: A. Für männliche Teilnehmer: Hallenturnen, Schwimmen, Borxen, Fußball, Leichtathletik, Sommerſpiele, Rudern, Tennis, Wandern, Skilauf, Gelände⸗ ſport und Segelfliegen. B. Sür weibliche Teilnehmer: Hallenturnen, Schwimmen, Gymnaſtik und Tanz, Handball, Leichtathletik, Sommerſpiele, Rudern, Tennis, Wandern, Ski⸗ lauf, Segelfliegen und Teilnahme an einem Führerinnenlager des BDmM. Die theoretiſche Ausbildung erfolgt in Vorleſungen und Ubungen und erfaßt folgende Gebiete: Philoſophiſch⸗hiſtoriſch⸗politiſche Einführung in das Studium der körperlichen Erziehung. Grundlagen des Schulturnunterrichtes. Grundzüge der Theorie der körperlichen Erziehung. Eine weltanſchauliche Vorleſung. Anatomiſch⸗phyſiologiſche Einführung in das Studium der kör⸗ perlichen Erziehung. Angewandte Biologie. Sport⸗ und ſchulhygieniſches Praktikum. Hinzu kommt eine methodiſch⸗praktiſche Schulung mit Lehr⸗ übungen im Schulturnunterricht. Im Hinblick auf die großen Anforderungen, die in jeder Weiſe gerade an die zukünftigen Lehrer(innen) der körperlichen Erziehung geſtellt werden, kann eine Ausbildung zum Turn⸗ und Sport⸗ lehrerlin) nur ſolchen Studierenden empfohlen werden, die ſowohl in körperlicher als auch moraliſcher und geiſtiger Beziehung beſon⸗ ders gute Vorausſetzungen mitbringen. Eine genügende Teilnahme an den Vorleſungen und wiſſenſchaft⸗ lichen Ubungen wird jedem Studierenden zur Pflicht gemacht. Mit Kückſicht auf die Erlangung einer ausreichenden Fertigkeit 42² in den einzelnen Sportzweigen und aus geſundheitlichen Gründen iſt der regelmäßige Beſuch der Übungsſtunden unerläßlich. Bei öfterem Fehlen ohne ausreichende Entſchuldigung wird die Beſchei⸗ nigung der Teilnahme nicht gegeben. Sämtliche Übungseinrichtungen des Inſtituts für Leibesübungen ſind vom Univerſitätsgebäude aus bequem zu erreichen. Der in ſeinen Anlagen vorbildliche Univerſitätsſportplatz befindet ſich in unmittelbarer Nähe eines Waldes. Dem Kudern iſt ein ſehr gutes Betätigungsfeld auf der reich⸗ lich breiten und ſogar für Regatten geeigneten Lahn gegeben. Die Möglichkeit zum Unterſtellen von Paddelbooten iſt durch zwei Paddelboothäuſer gegeben. Im Schwimmen ſtehen ſowohl ein Freibad(Lahn) als auch ein Hallenbad(Städtiſches Volksbad) zur Verfügung. Vier muſtergültige Tennisplätze geben reichlich Gelegenheit zu einem umfangreichen Tennisſpielbetrieb. Zum Schießen ſtehen die vortrefflichen Anlagen des Gießener Schützenvereins in unmittelbarer Nähe des Univerſitätsſportplatzes zur Verfügung. Da in der nächſten Zeit mit der Errichtung einer eigenen Uni⸗ verſitätshalle gerechnet werden kann, iſt ein vorbildlicher UÜbungs⸗ betrieb in Gießen in jeder Weiſe gewährleiſtet. Für die wiſſenſchaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Leibesübungen iſt eine reichhaltige Seminarbibliothek vorhanden. Das Inſtitut für Leibesübungen der Univerſität Gießen bietet auf Grund der ihm zur Verfügung ſtehenden Einrichtungen Gewähr für eine reichhaltige ſportliche Betätigungsmöglichkeit ſowie für eine gründliche Ausbildung zum Lehrer(in) der körperlichen Er⸗ ziehung. Schule zur Ausbildung Techniſcher Aſſiſtentinnen in Gießen. Im Herbſt 1930 wurde die Schule zur Ausbildung Techniſcher Aſſiſtentinnen an mediziniſchen Inſtituten der Univerſität Gießen eröffnet. Die Schule bezweckt eine gründliche Ausbildung der in Kliniken und Inſtituten ſo überaus wichtigen Hilfskräfte. Es machte ſich bei der wachſenden Kompliziertheit unſerer geſamten ärztlichen, ſei es chemiſchen, phyſikaliſchen, hiſtologiſchen oder bak⸗ teriologiſchen Unterſuchungsmethoden die Notwendigkeit geltend, 433 beſonders geſchulte Hilfskräfte zur Verfügung zu haben. Früher war es ſo, daß der Arzt, ſowohl der praktiſch tätige als auch der Wiſſenſchaftler, ſich ſeine Hilfskräfte ſelbſt herangebildet hat; dies war natürlich mit großen Zeitopfern verknüpft und auf die Dauer bei der wachſenden Beſchäftigung nicht mehr durchzuführen. So machte ſich der Wunſch geltend, Hilfskräfte mit einer feſten Vor⸗ bildung zu gewinnen und dieſe Vorbildung möglichſt auf alle Unterſuchungsmethoden auszudehnen, um einen gewiſſen feſten Grundſtock zu haben. Durch miniſteriellen Erlaß wurde die Aus⸗ bildung in den einzelnen Ländern des Reiches geregelt und eine ſtaatliche Prüfung eingeführt. Jetzt iſt es ſo, daß Techniſche Aſſi⸗ ſtentinnen ohne ſtaatliche Anerkennung, die ſie nach einer beſtimm⸗ ten Zeit praktiſcher Tätigkeit nach erfolgreich beſtandenem Staats⸗ examen erwerben, nicht mehr angeſtellt werden. Der Beruf einer Techniſchen Aſſiſtentin iſt ein ausgeſprochener Frauenberuf. Die Ausführung der komplizierten Arbeiten ſetzt pein⸗ liche Sorgfalt, Genauigkeit, Aufmerkſamkeit und Ordnungsliebe voraus. Die Tätigkeit iſt ſehr verantwortungsvoll und im all⸗ gemeinen ſehr intereſſant. Die Techniſche Aſſiſtentin hat eine ſoziale Aufgabe. Die Ausſicht, zu wirtſchaftlich befriedigender Tätigkeit zu gelangen, iſt augenblicklich ſehr günſtig, es ſind zurzeit ſehr viele freie Stellen überall im Reich vorhanden. Die Gießener Schule ſteht unter der Leitung von Herrn Pro⸗ feſſor Dr. Hildebrandt, Direktor des Pharmakologiſchen Inſtituts. In den beiden zurzeit laufenden Kurſen befinden ſich 50 Schüle⸗ rinnen, von denen 20 im März die Schule verlaſſen werden, und zwar 18 als Laboratoriumsaſſiſtentinnen, 6 als Röntgenaſſiſten⸗ tinnen und 2 als Laboratoriums⸗ und Röntgenaſſiſtentinnen. Neue Schülerinnen werden jeweils im Oktober jedes Jahres aufgenommen. Der Unterricht wird von Univerſitätsdozenten in den Räumen der Univerſitätsinſtitute und Kliniken erteilt und iſt theoretiſch und praktiſch. FJür Laboratoriums⸗ und auch für die Röntgenaſſiſten⸗ tinnen umfaßt er im erſten Semeſter die Fächer Chemie, Phyſik, Anatomie und Phyſiologie, wozu dann im zweiten und dritten Semeſter für die Laboratoriumsaſſiſtentinnen Bakteriologie und mikroſkopiſch⸗anatomiſche Technik ſowie kliniſche Chemie und Mikro⸗ ſkopie hinzukommt und für die Röntgenaſſiſtentinnen gründliche Ausbildung in der Technik der Röntgenaufnahmen und ⸗therapie, Strahlenkunde und photographiſchen Technik. Als Wahlfächer, die aber faſt von allen Schülerinnen gerne auch erlernt wurden, kom⸗ men Zeichnen und Photographie, beides ſowohl makroſkopiſch wie 44⁴ mikroſkopiſch, in Frage. Ferner haben die Schülerinnen Gelegen⸗ heit, an einem freien Nachmittag in der Woche an einem Sport⸗ kurſus teilzunehmen. Die Ausbildung an der Schule ſchließt für Laboratoriums⸗ oder Röntgenaſſiſtentinnen nach drei Semeſtern, für Techniſche Aſſiſtentinnen für Laboratoriums-⸗ und Röntgen⸗ technik nach fünf Semeſtern. Anhang. Organiſation der Gießener Studentenführung. Studentenführer: cand. med. vet. Albert Frank Wiſſenſchaft: Med.⸗Praktikant Arnold Crone Wirtſchafts⸗ und Sozialfragen: Ref. Heinz⸗Jürgen Adam ;. Hauptſtellen Kultur: cand. phil. Erwin Ohlemutz des Studentenbundes .; d tabteil Preſſe und Propaganda: Hans Fritz Schuſter uder Kuatalteiſnhtn Organiſation und Perſonalfragen: cand. med. vet. Albert in Werlonen, und ealunion. Frank Studentinnen: cand. med. Margret Meidt Kaſſe und Verwaltung: cand. med. vet. Wilh. Lindemeier Hauptſtellen des Studentiſcher Einſatz: stud. chem. Eugen Berg Studentenbundes. Amt für körperl. Ertüchtigung: cand. phil. Karl Haibach Auslandsarbeit: cand. phil. Ernſt Mahr Bandhabteilungen Kaſſe und Verwaltung: cand. med. vet. Wilhelm Linde⸗ Studentenſchaft. meier Geſchäftsſtelle: Leihgeſterner Weg 16.— Fernruf: 3100. Sprechſtunden täglich von 9— 13 und 15— 18 Uhr. NS.-Studentenkampfhilfe Gießen (Alt⸗Zerrenbund der deutſchen Studenten). Gauverbandsleiter Heſſen⸗Naſſau der NS.⸗Studentenkampfhilfe: Gauamtsleiter Dipl.⸗Volkswirt Heyſe, Frankfurt a. M., Gutleutſtr. 8— 12. Ortsverbandsleiter Gießen der NS.⸗Studentenkampfhilfe: Kreisleiter Dr. Hildebrandt, Gießen. Hochſchulringführer Gießen der NS.⸗Studentenkampfhilfe: Prof. Dr. A. W. Fiſcher, Gießen, Frankfurter Straße 50. Amtsleiter der Gießener Studentenſchaft für die NS.⸗Studentenkampfhilfe: Dr. K. O. Herrmann, Gießen, Leihgeſterner Weg 16. Geſchäftsſtelle der NS.⸗Studentenkampfhilfe Gießen: Gießen, Leihgeſterner Weg 16, Studentenhaus, Fernruf 3100. 45 Studentenwerk Gießen. Angeſchloſſen an das Reichsſtudentenwerk(öffentl. rechtl. Anſtalt) in Berlin. Vorſtand: Profeſſor Dr. jur. Otto Eger, Gießen, Wilhelmſtr. 24, Vorſitzender. Referendar Heinz⸗Jürgen Adam, Gießen, Kaiſerallee 16, Leiter. Geſchäftsführung: Direktor Friedrich Grebe, Diplomvolkswirt, Leiter des Studentenhauſes, Gießen, Schubertſtr. 16. Geſchäftsräume: Gießener Studentenhaus, Gießen, Leihgeſterner Weg 16, Fernſprecher 4233. Dienſtſtunden: Montag bis Freitag 9—15 Uhr. Bankverbindung: Commerz⸗ und Privat⸗Bank, Filiale Gießen. Poſtſcheckkonto: Frankfurt a. M. 686 46. Zweck und Tätigkeit des Studentenwerks verbunden mit dem Wirtſchafts⸗ und Sozialamt der Studentenführung liegen in der wirtſchaftlichen Betreuung der Studentenſchaft. Das Studentenwerk hat insbeſondere die Aufgabe, jeder volksdeutſchen Be⸗ gabung ohne Rückſicht auf Herkommen und wirtſchaftliche Kraft den Zugang zur deutſchen Hochſchule zu ermöglichen. Sein Ziel iſt die Ausleſe der Tüch⸗ tigſten im Sinne nationalſozialiſtiſcher Forderungen. Die Arbeit des Studentenwerks, das im Dienſte der Studentenſchaft ſteht, i*ſt, abgeſehen von dem reinen Wirtſchaftsdienſt, in mehrere Abteilungen gegliedert. Eingerichtet ſind folgende Abteilungen: 1. Kameradſchaftsförderung: Leiter: Joſeph Marr, cand. med. vet. 2. Hochſchulförderung, Freitiſche: aer... Sdedenasrgeledendetten: Leiter: Walter Carlé, dipl. agr. 3. Darlehnsförderung: Komm. Leiter: Walter Carlé, dipl. agr. 4. Gebührenerlaß: Leiter: Kurt Groß, med. vet. 5. Geſundheitsdienſt: Leiter: Ernſt Stuhl, cand. med. 6. Verbilligter Bücherbezug: Leiter: Karl Hamel, cand. agr. 7. Beratungsdienſt: Leiter: Heinz⸗Jürgen Adam, Referendar. Die innere Verwaltung des Wirtſchaftskörpers ſowie die Leitung der Betriebe wird von der Geſchäftsführung durchgeführt. Das Studentenwerk beſitzt und unterhält ein Studentenhaus. Darin ſind neben den Geſchäftsräumen des Studentenwerks, der Studentenſchaft und des NSDStB., Arbeits⸗ und Geſell⸗ ſchaftsräumen, der Speiſungs- und Reſtaurantbetrieb untergebracht. Das Haus verfügt weiterhin über ein⸗ und zweibettige Wohnräume für Studierende, die mit Zentralheizung und fließendem Waſſer ausgeſtattet ſind. Im Kollegienge⸗ bäude wird eine Frühſtücksſtube unterhalten. Billige Ausbildung für alle Kraft⸗ fahrzeuge vermittelt ein Fahrſchulunternehmen. lÜber alles Nähere wird durch Anſchläge an den Schwarzen Brettern des Studentenwerks im Studentenhauſe und im Kollegiengebäude ſowie auch im Hauptgeſchäftszimmer des Wirtſchaftskörpers Auskunft erteilt. Die bekannt⸗ gegebenen Sprechſtunden des Vorſtandes, der Geſchäftsführung und der Abtei- lungsleiter ſind unbedingt einzuhalten. 46 Vorſchriften über Immatrikulation, Fortſetzung der Studien und Exmatrikulation. Immatrikulationen können nur noch während der Immatrikulationsfriſt beantragt und vorgenommen werden. Dies hat im Univerſitätsſekretariat, Bismarckſtr. 22, Zimmer 14, 2. Stock, von 9— 12 Uhr zu geſchehen. Außerhalb der angegebenen Zeiten dürfen weder Neuaufnahmen noch Rückmeldungen zum Studium(ſiehe unten!) entgegengenommen werden. Zur Immatrikulation ſind vorzulegen: a) Geburtsſchein mit Ahnennachweis bzw. Ahnenpaß(bei Verheirateten auch für den Ehepartner), b) Reifezeugnis, c) Zeugniſſe über praktiſche Tätigkeiten, d) polizeiliches Führungszeugnis, e) bei Zugehörigkeit zur NSOAP. oder NS.⸗Verbänden: Nachweis der gegenwärtigen oder früheren Mitgliedſchaften. Studierende SA., SS. und HJ.⸗Angehörige haben bei ihrer Immatriku⸗ lation eine Beſcheinigung des für ſie zuſtändigen Standartenführers bezw. Bannführung des Hochſchulortes vorzulegen, aus der hervorgeht, daß ſie ſich ordnungsmäßig bei ihrer Einheit zur Dienſtleiſtung Rearlder haben. 1) Beſcheinigungen über abgeleiſteten Arbeits⸗ oder Landdienſt, Landhilfe oder ſtudentiſchen Ausgleichsdienſt, g) ein Meldebogen, der beim Sekretariat erhältlich iſt, h) die Abgangszeugniſſe bereits beſuchter Hochſchulen, i) 2 Paßbilder(nicht zuläſſig in irgendeiner Uniform der Partei oder ihrer Unterorganiſationen). Stammhochſchule. Alle Studenten und jede Studentin, die ſich erſtmalig an einer deutſchen Univerſität, Techniſchen Hochſchule, Landwirtſchaft⸗ lichen Hochſchule, Handelshochſchule, Tierärztlichen Hochſchule einſchreiben laſſen, ſind verpflichtet, in den erſten drei Studienſemeſtern an dieſer Hoch⸗ ſchule(Stammhochſchule) zu verbleiben. Die Geſuche von Ausländern um Zulaſſung zum Univerſitätsſtudium ſind rechtzeitig unmittelbar an die Univerſität zu richten. Beizulegen iſt eine beglaubigte Überſetzung des Schulabgangszeugniſſes. Alle näheren Auskünfte erteilt der Vorſitzende der Akademiſchen Auslandſtelle der Univerſi⸗ tät Gießen, e. V., Ludwigſtr. 19, II(Fernruf 2484). Die Sprechſtunden des ſtudentiſchen Leiters der„Akademiſchen Auslandſtelle“ ſind aus den Anſchlä⸗ gen erſichtlich. Friſteinhaltung. Iſt innerhalb der angegebenen Friſt eine perſönliche Beantragung der Immatrikulation oder Studien⸗Rückmeldung nicht möglich, ſo muß ſie auf ſchriftlichem Wege unter Angabe des Hinderungsgrundes recht⸗ zeitig vorgenommen werden. Verſpätet eingehende Anträge oder Meldungen können mit Rückſicht auf einen geordneten Geſchäftsverkehr unter keinen Um⸗ ſtänden Berückſichtigung, ſondern erſt zur Meldefriſt des nächſten Semeſters Erledigung finden. Gebühren und Kolleggelder. Aufnahmegebühr: a) bei erſtmaliger Einſchreibung 25,— NM., b) bei wiederholter Einſchreibung 15,— NM. 47 Die bei der Abſtempelung der Ausweiskarte zu entrichtenden Beiträge für Krankenkaſſe, Unfallverſicherung, Beitrag zur Studentenſchaft, Sportamt, Stu⸗ dentenhilfe uſw. betragen zuſammen 29,10 RM. Allgemeine Studiengebühr 85,— NM. Die von prüfungsreifen Stu⸗ dierenden— d. h. von Kandidaten, die die vorgeſchriebene Studienzeit voll zurläckgelegt haben, alſo prüfungsreif ſind und noch Semeſter zuſetzen wollen— zu entrichtende allgemeine Studiengebühr beträgt 30,— NM. Das Vorleſungshonorar beträgt für die Semeſterwochenſtunde 3,— RM., für Ubungen uſw. 4,— RM. Ganztägige Praktika werden als 16, halbtägige als 8 Wochenſtunden berechnet. Die Inſtitutsgebühren betragen bei llbungen, die nach Wochenſtunden an⸗ gezeigt ſind, 2,— RM. für jede Wochenſtunde; bei llbungen, die als ganz⸗ oder halbtägige angeſetzt ſind, werden ſie vom Inſtitutsleiter beſonders feſtgeſetzt. Wer an der Univerſität als Hörer ſtudiert, ſowie Hoſpitantinnen haben die allgemeine Studiengebühr, das Kolleghonorar und außerdem eine Ein⸗ ſchreibegebühr von 15,— RNM. zu zahlen. Gaſthörer haben neben dem für die betreffenden Vorleſungen zu zahlenden Kolleggeld lediglich eine Einſchreibegebühr von 3,60 RM. zu entrichten. Bei verſpäteter Zahlung der Gebühren(Studiengebühren, Unter⸗ richtsgelder pp.) iſt eine Zuſchlagsgebühr von s8.— RM.— unabhängig von der Höhe des Reſtbetrages— zu zahlen. Bei Nichtzahlung ordnet der Rektor die Streichung des Studierenden an. Entrichtung des ⸗Kolleggeldes. Das Kolleggeld iſt während der feſtgeſetzten Zeit(vgl. Terminkalender) vorm. 9— 12 Uhr auf der Univerſitätsquäſtur, Bismarckſtraße 22, Zimmer 1, zu entrichten. Auch diejenigen, die ein Geſuch um Gebührenermäßigung einreichen, haben ſich an die Termine zu halten. Eingezahlte Beträge werden bei etwaiger Ermäßigung entſprechend zurückvergütet. Studierende, die Kolleggeld und Gebühren vor Beginn des Semeſters ent⸗ richten wollen, werden gebeten, das Poſtſcheckkonto der Univerſitätskaſſe, Frank⸗ furt a. M. Nr. 12608 oder das Konto bei der Commerz⸗ und Privatbank, Filiale Gießen, zu benützen. Die Quäſtur gibt während der Ferien auf An⸗ frage auch ſchriftlichen Beſcheid über die Höhe der Honorare. Geſuche um Gebührenermäßigung können nur von würdigen und be⸗ dürftigen deutſchen und gleichgeſtellten Studierenden in der von der Univerſität angegebenen Zeit bei dem Studentenwerk, e. V., Leihgeſterner Weg 16, vorm. 9—12 Uhr, eingereicht werden. Nach dieſem Zeitpunkt einge⸗ reichten Geſuchen oder ſolchen mit unvollſtändigen Un⸗ terlagen kann nicht nähergetreten werden. Burg Gleiberg und die Lahn g g bei Gießen Stadttheater Altes Schloß und Heidenturm (jetzt Oberheſſiſches Muſeum) GIESSEN die alte Univerſitätsſtadt an der Lahn! GIESSEN die Arbeitsſtätte von Juſtus v. Liebig! GIESSEN die Garniſonſtadt und Gartenſtadt! GIESSEN der Ausgangspunkt zum Vogelsberg, zum Lahntal und in die Wetterau! Auskunft: Städtiſches Verkehrsamt Gießen, Bergſtr. Nr. 20 Herausgegeben im Auftrage der Stadt Gießen.— Zuſammengeſtellt von Hans Fritz Schuſter, Gießen.— Bilder von Winterhoff(7) und Bürck(2).— Nachdruck verboten.— Druck: C. F. Winterſche Buchdruckerei, Darmſtadt. K8 Solour& Grey Controſ Chart eed lue Qyan Green vellow Hed Magenta Grey! Grey 2 Sreys S„ Black an der Lahn