—₰ —————— A4 88 25. Jun 9 T 12 884 605 5 S Corps-Zeitung der 8 Hassia zu Gießen (susp. 28. Oktober 1935) Sonderabdruck aus Nr. 113 Sommersemester 1935. Gedenkrede unsres A. H. Provinzialdirektor Dr. jur. Wilhnelm Wehner II. bei der Gefallenenehrung in der Großen Aula der Ludoviciana anläßlich des 120. Stiftungsfestes, 9. Juni 1935. Herr Kanzler! Meine hochgeehrten Gäste! Verehrte Corpsschwestern! Liebe Corpsbrüder! Kreuze im Osten, Kreuze im Westen, Von unserem Volke die Allerbesten, Ruhen im fernen Land! Wir grüßen Euch, Ihr zwei Millionen deutscher Brüder, die Ihr an allen Fronten des großen Krieges Blut und Leben für das Vaterland dahingegeben habt. Wir grüßen Euch, Ihr vielen hundert politischen Soldaten des Dritten Reiches, die Ihr im Kampf um ein neues Deutsch- land, das Ihr nicht mehr schauen durftet, freudig in den Tod gegangen seid. Wir grüßen in Sonderheit heute am 120. Gedenktage der Gründung unseres Corps Euch 33 liebe, treue Corpsbrüder, die Ihr durch die Tat bewiesen habt, daß Hassias Söhne für die ldeale ihres Corps nicht nur zu leben, sondern auch für das Vaterland zu sterben verstanden haben, 33 frohe, frische, lebens- starke Hessen, vom Jüngling, kaum der Schulbank entwachsen, bis zum gereiften Manne, aber alle durchglüht von dem heiligen Treugelöbnis, das uns so oft mit ihnen auf feierlichen Kommersen in der Stunde des Landesvaters auf den Lippen brannte: Sterben gern zu jeder Stunde, Achten nicht der Todeswunde, Wenn's das Vaterland gebeut! lch sehe sie im Geiste alle in langer, langer Reihe an mir vorüberziehen, das schwarz-weiß-rote Band unter dem feldgrauen Rock, an ihrer Spitze einen unserer Allerbesten, unseren lieben, unvergeßlichen Alex Bopp, der als Erster aus unseren Reihen schon am 14. August 1914 seine heiße Liebe zu Volk und Vater- land mit dem Herzblute besiegelte. Schneidig, wie er im Leben war, so ist er auch in den Tod gegangen. Als Rittmeister der Reserve und Ordonnanzoffizier der 5. Kavallerie-Division stieß er, in frischem, fröhlichem Reitergeiste seiner Truppe weit vor— auseilend, überraschend mit französischer Infanterie zusammen. — 1— Bis zum letzten Augenblick stehend aus seiner Pistole feuernd, brach er, von zahlreichen Schüssen tödlich getroffen, zusammen. Il est tombé en brave“,„er ist als tapferer Soldat gefallen“, So meldeten die Franzosen, die Zeugen des Kampfes gewesen waren, als sie seine Leiche in das Pfarrhaus des nächsten Ortes brachten. Ja, tapfere Soldaten waren sie Alle bis zum letzten Atem- zuge, mochte sie nun der Tod auf dem Schlachtfeld, im Feld- lazarett oder in der Heimat ereilt haben.„Seine Majestät der Kaiser hat's befohlen, Hurra“, waren die letzten Worte, mit denen unser schwerverwundeter lieber Corpsbruder Otto Fischer, der Jüngste unter unseren Gefallenen, im Oktober 1914 entseelt in die Kissen zurücksank. Ein erschütterndes Beispiel stillen Helden- tums gab unser treuer Corpsbruder Walter Beckmann, den als Sanitätsgefreiten noch am 4. November 1918, wenige Tage vor dem unseligen Waffenstillstand als Letzten unserer Toten, das bittere Soldatenschicksal traf, als ihm bei dem Versuch, einem schwerverwundeten Kameraden zu helfen, ein Granatsplitter sein treues Hessenherz zerriß. Von vielen unserer Toten wissen wir nicht, wie sie auf dem Schlachtfeld der Tod ereilt hat. Von manchen kennen wir noch nicht einmal die Stelle, an der sie zur letzten Ruhe gebettet sind. Vor allem gilt das von jenen fünf treuen Aktiven und In-— aktiven, die in der 9O. Kompagnie unseres alten lieben Gießener Kaiser Wilhelm-Regiments am 30. Oktober 1914, dem blutigen Tage von Le Quesnoy ihr junges Leben ließen. Aber das eine können wir mit aller Bestimmtheit sagen, daß sie auch in der Stunde des Todes ihren ganzen Mann ge— standen haben, und diese stolze Zuversicht schöpfen wir aus dem ewigen Quell des ldealismus Deutschen Corpsstudententums. Wir fühlen uns frei von jeglicher Ueberheblichkeit gegenüber anderen Korporationen, die auf anderen Wegen und mit anderen Mitteln, wie wir, ihre Angehörigen erziehen. Aber wir dürfen doch in aller Bescheidenheit auch in dieser Feierstunde feststellen, dabs nun schon seit fast 1 ½ Jahrhunderten die deutschen Corps die ihnen anvertraute Jugend in harter Zucht und fester Disziplin zu vornehmer, ritterlicher Lebensauffassung, zur Bhrenhaftigkeit und tiefen Vaterlandsliebe, zum Mannesmut und Charakterstärke — 5— und nicht zuletzt zur Waffenfreude und zur Maffenehre erzogen haben. Seit zwei Jahrtausenden deutscher Geschichte ist allein die Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes für sein Schicksal be— stimmend gewesen. Die deutschen Corps stellen daher mit den anderen waffenstudentischen Verbänden bewubzt neben der gei- stigen Schulung die Mensur in den Mittelpunkt ihrer Erziehungs-— arbeit, nicht aus Freude am Raufhandel, sondern aus der tief- innerlichen Erkenntnis heraus, daß die Mensur ein erprobtes vortreffliches Mittel ist, den jungen Mann zu einer unerschrockenen, tapferen und kraftvollen PFührerpersönlichkeit zu formen und ihn dadurch fähig zu machen, dereinst auf der großen Mensur des Lebens, auf der eine gar scharfe Klinge geschlagen wird, mit Ehren zu bestehen. Denn nicht der musisch-schwärmende, sondern der heroisch-soldatisch geprägte Mann trägt die Aufgaben der Geschichte. So haben die deutschen Corps, für die von Anfang an das Führer- und das Leistungsprinzip gegolten haben, in bewußzter Führerauswahl ausgezeichnete Männer hervorgebracht, die das Schicksal des Reiches entscheidend beeinflußt haben. Gar oft hat der große und geniale Baumeister des Zweiten Reiches, Otto von Bismarck, in seinen Reden zum Ausdruck gebracht, wieviel er bei der Formung seiner gigantischen Gesamtpersönlichkeit seinem Corps zu verdanken hatte, und mit besonderem Stolz dürfen wir betonen, daß auch der Heros des Dritten Reiches, Horst Wessel, deutscher Corpsstudent gewesen ist. Die deutschen Corps dürfen aber auch für sich in Anspruch nehmen, daß sie an ihrem Teile dazu beigetragen haben, die aka- demische Jugend auf Deutschlands hohen Schulen im Geiste rest-— loser Hingabe und letzter Opferwilligkeit für das Vaterland zu erziehen, der allein sie zu den Taten von Langemarck befähigte. Es ist derselbe Geist, der einst vor 2400 Jahren die kleine Schar der Spartaner unter ihrem tapferen König Leonidas beseelte, als sie den Paß von Thermopylä gegen eine tausendfache Uebermacht verteidigten und den stürmenden Persern den Weg erst frei gaben, als auch der Letzte unter ihnen mutig kämpfend sein Leben ge- lassen hatte. Mit tiefer Erschütterung lesen wir noch heute die in die Felswand der Thermopylen eingemeiselten, ewig denk- würdigen Worte, die über der Eingangspforte jeder deutschen Knabenerziehungsanstalt stehen sollten: „Wanderer kommst Du nach Sparta, So melde dorten, Du habest uns hier liegen gesehen, Wie das Gesetz es befahl“. Ja, wie das Gesetz es befahl, so lagen auch unsere gefallenen lieben Corpsbrüder auf blutiger Walstatt dahingestreckt, Einer für Alle, Alle für Einen, wie der Wahlspruch unseres Corps es von ihnen forderte. Uns Ueberlebenden aber, besonders die wir Schulter an Schulter mit ihnen gekämpft und geblutet haben, erwächst die neilige Pflicht, ihnen bis an das Ende unserer Tage aus tiefstem Herzen zu danken für das Opfer ihres Lebens. Ihr Gedächtnis wird nicht verlöschen, solange noch die schwarz-weiß-rote Fahne vom hohen Turm unseres Corpshauses weit hinüber grüßt über die altehrwürdige Mater Ludoviciana und junge und alte Hessen sich noch an den ldealen ihres Corps begeistern. All das Blut aber, das geflossen ist, und all das furchtbare Leid, das gelitten wurde, schreibt die Namen derer, die es traf, nicht nur für alle Zeiten in das Buch der Deutschen Geschichte, sondern es verpflichtet über die heutige Generation hinaus alle Deutschen bis in die fernsten Geschlechter, das Vermächtnis unserer Toten zu wahren und zu hüten. Wir geloben in dieser Feierstunde, uns der Gefallenen würdig zu erweisen und alle unsere Kräfte einzusetzen für Volk und Vaterland, damit uns wieder erstehe ein Deutschland der Ehre und der Würde, ein Deutschland der Kraft und der sozialen Gerechtigkeit, ein Deutsch- land der Stärke und der Freiheit. Uéeber Gräber vorwärts, Deutschland muß leben, wenn wir auch sterben müssen, Deutsch- land stirbt nicht! Noch einmal lassen wir die gefallenen Corpsbrüder an uns vorüberziehen, so, wie ihre Namen auf der Helden-Gedenktafel unseres Corpshauses in Sandstein gemeiselt, für alle Zeiten ver— zeichnet stehen. Es starben als treue Hessen für das Vaterland: Alexander Bopp Karl Klein Arnold Tamm Emil Brandt Ludwig Hoffmann Heinrich Hoffmann Franz Leibfried Ernst Goertz Otto Fischer Walter Block Ernst Eichenauer Friedrich Gensch Fritz Conrad Schälicke Hans Buff Philipp Schick Robert Koehler Karl Kempff Wilhelm Thiele Hans Herzberger Otto Müller Karl Emden Karl Kipper Karl Stein Wilhelm Martini Philipp Kessel Hermann Raab 8 Waldemar kKöhne Erwin Platz Kurt Buro Ludwig Frantz Ludwig Spielmann Hans Reuter Walter Beckmann. Mit unseren toten Helden gedenken wir all der lieben von uns gegangenen Corpsbrüder, die seit der Gründung des Corps das schwarz grün-rote, das grün-weiß-rote und das schwarz- weiß-rote Band ihrer lieben Hassia mit Stolz und in Ehren ge— tragen haben. In unser Gedenken schließen wir mit den Opfern der Deut-— schen Preiheitsbewegung die zwei Millionen deutscher Kameraden des Weltkrieges, die schon lange der grüne Rasen deckt, und nicht zuletzt neigen wir uns in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor Deutschlands größtem Heldensohne, dem Generalfeldmarschall des Großen Krieges, dessen sterbliche Hülle wir im Sommer vorigen Jahres an der Stätte seines höchsten Ruhmes in die ost-— preußische Erde gebettet haben. Sie Alle lebten und starben für des Vaterlandes Ehre und Preiheit. In stolzer Trauer senken wir vor ihnen unsere Pahnen. Wir schmücken ihre Stirn mit dem unverwelklichen Lorbeer nieverlöschender Liebe, Treue und Dankbarkeit und wir grüßen sie mit dem deutschesten aller Lieder, das uns so oft draußsen im Felde tief an's Herz griff, wenn wir, mitten in Feindesland, zur 3 nächtlichen Stunde wiederum einen lieben, treuen Kameraden in die kühle Erde senkten: „lch hatt' einen Kameraden Einen bessern findst Du nit.“ Deutsche Volksgenossen! Glaubt mir, die Besten unseres Volkes sind nicht gestorben, damit die Lebendigen tot seien, sondern damit die Toten lebendig würden! Wenn wir uns eben in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor unseren toten Helden geneigt haben, so erheben wir wieder stolz das Haupt, den Blick geradeaus in die Zukunft gerichtet, gefestigt und geheiligt in dieser Weihestunde durch die Gewiß- heit: Nicht umsonst ist das Opfer der Millionen dargebracht worden. Der unbekannte deutsche Soldat und Kamerad unserer gefallenen Felden. Adolf Hitler, hat das Opfer zum Segen ge- wandt; es ist Urgrund und Fundament geworden, auf dem der stolze Bau des neuen Reiches sich erhebt. Adolf Hitler hat den deutschen Frontsoldaten wieder zu Ehren gebracht. Das ist kein Zufall, sondern im Wesen des Nationalsozialismus auf's tiefste begründet. Die Wurzeln der nationalsozialistischen deutschen Freiheitsbewegung ruhen in den Schützengräben des Weltkrieges, das hat der Führer vom Be- ginn seiner Bewegung an und auch später immer wieder mit aller Deutlichkeit betont. Der Nationalsozialismus baut bewußt auf dem Frontsozialismus auf, jenem wundervollen Kamerad-— schaftsgeist, wie wir ihn in unzähligen Schlachten und Gefechten immer wieder kennengelernt haben und wie er uns besonders in kritischen Augenblicken der Schlacht die Volksgemeinschaft so herrlich erleben ließ. So steht im Mittelpunkt der nationalsozialistischen Aufbau- arbeit der heroische Mensch, von dem täglich und in jeder Stunde Mannesmut, Opferwille und restlose Einsatzbereitschaft gefordert wird. Es braucht nicht Wunder zu nehmen, daß diese neue männliche Lehre, die der Führer gegenüber dem knochen- erweichenden Pazifismus der Novemberdemokratie predigte, auf die waffenstudentischen Verbände eine besondere Anziehungs- — 090— kraft ausübte. Auch die deutschen Corps sind stolz darauf, daß aus ihren Reihen dem Führer in großer Zahl begeisterte An- nänger zuströmten, daß sie schon lange vor der Machtergreifung nationalsozialistisches Ideengut gepflegt haben und heute zu den treuesten Gefolgsleuten des Führers gehören. Die Aufgaben der deutschen Corps sind deshalb heute mehr denn je von dem Herzschlag der großen Entwicklungen bestimmt, die, durch den Willen des Führers gemeistert, unserer Zeit das Gepräge geben. Inmitten einer gärenden Welt ringt das junge national— sozialistische Deutschland um Selbsterhaltung und Weltgeltung. Es will die verschütteten Quellen völkischer Kraft wieder zum Strömen bringen, es will dem niedergebrochenen und jahrelang gefesselten deutschen Volkskörper wieder neuen Lebenswillen geben, es will im deutschen Lebensraume diejenige neue deutsche Lebensform schaffen, die in dem Herzland Europas den Blutkreis- lauf am besten regelt. Wir Alte wissen sehr genau, daß diese Ziele heute noch keineswegs erreicht sind, und daß es noch auf Jahre und auf Jahrzehnte hinaus der unablässigen treuen Mitarbeit eines jeden Volksgenossen bedarf, um aus dem deutschen Volke jenes Ideal— bild zu formen, wie es dem Führer vorschwebt. Aber Unerhörtes ist doch schon erreicht worden seit jenem denkwürdigen 30. Januar 1933, als das alte Deutschland der besten Tradition sich mit der jungen. stürmisch vorwärtsdrängenden deutschen Freiheitsbewegung vermählte und der greise Reichs- präsident und Generalfeldmarschall des großen Krieges die po— litisene Macht in die Hand des jungen Führers legte. Ein un- beschreiblich herrliches Wunder hat sich seitdem in deutschen Landen vollzogen. Auf politischem wie auf wirtschaftlichem Ge- biet ist das Unglaubliche erreicht, das unmõglich Erscheinende möglich gemacht worden! Politisch ist der Jahrtausende alte Traum unserer Väter er— füllt, das Wunschbild eines Freiherrn vom Stein und eines Otto von Bismarck endlich verwirklicht worden. Aus dem jammervoll zerrissenen Parteienstaat ist ein einiges deutsches Volk, aus dem Umbruch der Nation der deutsche Einheitsstaat erwachsen. Der Arbeiter ist wieder an den Staat herangeführt worden, die Main— — 10— linie ist für alle Zeiten beseitigt, es gibt in Deutschland nur noch eine einzige Partei und diese Partei ist Deutschland. Wirtschaftlich ist es gelungen, die Zahl der Arbeitslosen auf einen Bruchteil des ursprünglichen Höchstbestandes herabzu- drücken und dem deutschen Bauernstande wieder eine neue Lebensmöglichkeit zu geben, die es ihm gestattet, seine histo- rische Aufgabe zu erfüllen, die ewige Bluterneuerungsquelle des deutschen Volkes zu bleiben und auf deutschem Heimatboden die Volksernährung sicherzustellen, die den Grund- und Eck-— pfeiler der nationalen Verteidigung bildet. Drei Ereignisse aus jüngster Zeit sind es, die jedem wahr-— haft echten Deutschen das Herz höher schlagen ließen. Am 13. Januar ds. Js. hat die deutsche Saar wieder zur Allmutter Deutschland zurückgefunden. Durch eine überwältigende Abstimmung hat die Saarbevölkerung bewiesen, dab die Bande des Blutes stärker sind als alle Lockungen und Drohungen einer ganzen Welt. Mit herzlicher Freude begrülsen auch wir Hessen heute die Brüder und Schwestern der Saar im Verband des großen deutschen Vaterlandes, Vor wenigen Wochen fanden die Wahlen zu den Betriebs- vertrauensräten statt. Das überaus günstige Ergebnis dieser Wahlen hat gezeigt, daß auch im Verhältnis zwischen Betriebs- führer und Gefolgschaft der Grundgedanke der Volksgemeinschaft immermehr in dem Herzen des deutschen Arbeiters Aufnahme gefunden hat und daß der von Marxismus und Kommunismus gepredigte unselige Klassenkampfgedanke in Deutschland für immer der Vergangenheit angehört. Das Wesen eines jeden Staates, der wahrhaft Anspruch auf Souveränität erhebt, ist Macht nach Innen und nach Aufzen. Nach Innen zeigt sich diese Macht in der unbedingten Staatsautorität gegenüber jedem einzelnen Volksgenossen, nach Außen hin in der Fähigkeit und dem festen, unerschütterlichen Entschluß, den heiligen Boden des Vaterlandes gegen jeden Angriff, komme er, von wem er wolle, bis zum letzten Atemzug zu verteidigen. An diesen beiden Voraussetzungen hat es im Weimarer Zwischen- reich leider vollkommen gefehlt. Mit überschäumender Begeisterung hat deshalb das ganze deutsche Volk, haben insbesondere wir alten Prontsoldaten und 11— däâs ganze deutsche Waffenstudententum am 156. März ds. Js. die überwältigende Nachricht vernommen, daß der Führer und Kanzler die Wehrpflicht eingeführt und damit dem deutschen Volke aus eigner Kraft die Wehrhoheit wiedergegeben hat, die die ganze Welt uns für immer glaubte versagen zu können. Wir wissen, daß unsere deutsche Wehrmacht nach dem Willen des Führers ein W9erkzeug des Friedens sein soll, und dabß sie dazu berufen ist, in Erfüllung ihrer deutschen Aufgabe Europa vor dem Chaos zu bewahren. Wir wissen aber auch, daß der Gedanke„nie wieder Krieg“ nur in einer feigen Knechtesseele wohnt, und daß es das höchste Recht, zugleich aber auch die vornehmste Pflicht eines jeden deutschen Mannes ist, mit der Waffe in der Hand jederzeit für Ehre und Preiheit seines Volkes bis zur Selbstaufopferung einzutreten. Wir hier in unserem lieben alten Gießen, in dem ja die Wiedererstarkung der Wehrmacht tagtäglich in so sinnfälliger Weise in die Erscheinung tritt, wissen die Wiederwehrhaftmachung des deutschen Volkes besonders zu schätzen. Gerade die Gene- ration, der ich angehõre, gedenkt in dieser Stunde bewegten Herzens der himmelhochjauchzenden glückseligen Zeit, in der wir hier als junge Hessenfüchse des Kaisers bunten Rock trugen, nichtahnend, daß aus dem fröhlichen Waffenspiele für uns einst blutiger Ernst werden solle. Wir Alten Hessen erinnern uns aber auch heute der Tat- sache, daßs in der Vorkriegszeit ein besonders herzliches Verhältnis zwischen dem Offizierkorps des einstigen„Kaiser Wilhelm'— Regiments und unserem Corps bestanden hat, da viele unserer Aktiven, Inaktiven und Alten Herren in dem Regiment ihrer Dienstpflicht genügten, hier ihre Uebungen ableisteten und später als Reserveoffiziere dem Regiment angehôrten. Das gemeinsame blutige Erlebnis des Weltkrieges hat diese Bande noch fester ge- knüpft; gar viele unserer Corpsbrüder sind in dem Regiment gefallen und viele der Ueberlebenden haben in ihm oder seinen Kriegsformationen gekämpft und geblutet. Ich mõchte von Herzen wünschen, daß dieses schöne Verhältnis zwischen Wehrmacht und Corps auch gegenüber allen Truppenteilen Platz greife, die heute oder in Zukunft in Gießen in Garnison stehen. 12 Möge der Tag nicht mehr fern sein, an dem das alte, stolze 116. Regiment, das auch in dem Großen Kriege wieder neuen, blutigen Lorbeer um seine alten ruhmgekrönten Fahnen flechten durfte, in Gießen seine ruhmreiche Wiederauferstehung feiert. Was eine starke Armee für Deutschland bedeutet, das haben wir gerade in den Jahren nach dem Kriege erfahren, in denen wir sie entbehren mußten. Wie wäre heute die militärische Lage Deutschlands inmitten seiner bis an die Zähne bewaffneten haß- erfüllten Nachbarn, wenn ihm nicht in letzter Stunde ein Mann erstanden wäre, der, selbst Soldat vom Scheitel bis zur Sohle, in aller Stille wieder die Armee aufbaute und sich anschickt, allen Hindernissen zum Trotz dem deutschen Volke wieder den Weg in eine neue Zukunft zu bahnen? Wir wissen, daß die deutsche Schicksalsfrage nicht in den Sternen gelöst wird, sondern nur durch eine aus der Tiefe des ganzen Volkes kommende, gigantische Tat. Drum geloben wir auch in dieser Weihestunde, daß wir, ein jeglicher auf dem Posten, auf den das Schicksal ihn gestellt hat, mit allen unseren Kräften mitarbeiten wollen an dem großen Werke der Erneue- rung unseres Volkes. Wir wollen nicht nörgeln und kritisieren, sondern uns als wahre Nationalsozialisten in Erkenntnis der großen Linie, die der Führer vorgezeichnet hat, einreihen in die breite Front derer, die auf ihre Fahne das eine Wort geschrieben haben:„Deutschland!“ Drum, Tritt gefaßt, deutsches Volk, die Fahnen hoch, die Reihen fest geschlossen! Nimm mutig Dein Schicksal in Deine Hand und trete im festen Gottvertrauen den Vormarsch an in eine schönere, bessere Zukunft unter Führung des gottgesandten Mannes, um den die ganze Welt uns beneidet! Dem ewigen Deutschland, seinem großen Führer und Kanzler Adolf Hitler ein dreifaches Sieg Heil! vellow Hed Magenta Grey 3 Grey 4 Black der Hassia zu Gießen (susp. 28. Oktober 1935) Sonderabdruck aus Nr. 113 Sommersemester 1935. Gedenkrede unsres A. H. Provinzialdirektor Dr. jur. Wilhelm Wehner II. 1 bei der Gefallenenehrung in der Großen Aula der Ludoviciana V anläßlich des 120. Stiftungsfestes, 9. Juni 1935. 2. — III7TIT7TNN7IINETTI1ATII1IITIGI- 0.