Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. Von Erich Opitz. Sonderabdruch aus„Zeitschrift für Geburtshülfe und Goyndkologie“. Bd. LXXVII. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. Von Erich Opitz. Die großen kriegerischen Ereignisse des Jahres 1813 ver- hinderten mit die rechtzeitige Eröffnung der fast völlig fertiggestellten Frauenklinik, so daß dieselbe erst am 15. November 1814 ihrer Be- stimmung zugeführt werden konnte. Und jetzt feierte am 15. November 1914 dieselbe Klinik ihr hundertjähriges Jubiläum im Zeichen des ungeheuren Völkerringens, dessen Zeugen wir alle sind. Als eine Festgabe zur geplanten Jahrhundertfeier sollten die vorliegenden Arbeiten erscheinen. Die Stillegung so vieler wissenschaftlicher Zeitschriften hat nun das Erscheinen der Festschrift fast um ein Jahr verzögert— sicherlich nicht zum Vorteil mancher Arbeit, die aktuellere Fragen behandelt. Mögen gleichwohl die folgenden Blätter Zeugnis ablegen von Ge- schaffenem und Erstrebtem, Zeugnis vor allem, daß wir alle bestrebt sind, den von meinen Vorgängern begründeten Ruf der Gießener Frauenklinik sowohl als einer Zuflucht der Gebärenden, als Heilstätte kranker Frauen, als Lehranstalt für Studenten und Hebammen, wie endlich als einer Stätte wissenschaftlicher Arbeit zu erhalten und womöglich zu mehren. Hinter der Zeughauskaserne, mitten im botanischen Garten, stand einst die alte Entbindungsanstalt, bekannt unter dem Namen des„Accoucheurhauses“, den der Volksmund in„Engagierhaus“ umgewandelt hatte. Das Gebäude steht, nur wenig verändert, noch heute und dient als physiologisches Institut. Die einstige Abge- schiedenheit freilich ist mit der Durchführung der Senkenbergstraße durch den botanischen Garten geschwunden, so daß das alte Gebäude heute dicht an der Straße liegt. Erich Opitz. Selten wohl hat ein Institut eine so langwierige Baugeschichte, reich an Beschwerlichkeiten, hinter sich. Denn die ersten Bemühungen zur Errichtung einer Entbindungsanstalt gehen bis in das Jahr 1772 zurück, in welchem der Extraordinarius E. W. Nebel ¹) beim Mini- sterium die Errichtung einer Hebammenlebranstalt beantragte und sich gleichzeitig erbot, diese Wissenschaft,„welche er ehemals in Straßburg cultivieret“, zu dozieren ²). Die darüber befragte Fakultät stand dem Vorschlag Nebels an sich sympathisch gegenüber, weniger einer Uebernahme des dafür vorgesehenen Lehrauftrages durch seine Person, wie aus dem Fakultätsbericht vom August des- selben Jahres hervorgeht. Im September(30. September 1772) wurden auch die Studenten im Sinne des Vorschlages des Prof. Nebel beim Rektor vorstellig. Indessen standen der tatsächlichen Errichtung eines Accoucheur- hauses große Schwierigkeiten, hauptsächlich materieller Art, im Wege, ferner Kompetenastreitigkeiten in der Frage der Erhaltung des ge- planten Institutes, endlich gewisse konkurrierende Bestrebungen zur Reorganisation des Hebammenwesens in Darmstadt, wo bereits eine kleine, zur Ausbildung von Hebammen bestimmte Entbindungsanstalt unter Dr. v. Siebold errichtet war, die aus der Staatskasse er- halten werden mußte. So kam der Gedanke an die Gießener Heb- ammenlehranstalt im Streit der Meinungen nicht vorwärts und schlief schließlich ganz ein— wenigstens wissen wir nichts Sicheres über den weiteren Gang von Verhandlungen in dieser Frage. Dieselbe kam erst wieder in Fluß, als am 15. Juli 1790 der Landgraf Lud- wig X. bei seinem Regierungsantritt 10 000 fl. unmittelbar zu dem Zwecke der Errichtung eines„Landeshebammeninstitutes“ in Gießen stiftete. Von der Fakultät wurde ein Entwurf abverlangt, und bereits im April 1791 erfahren wir, daß wegen der Erwerbung eines besonderen Hauses für das neue Institut verhandelt wird. Trotzdem vergingen noch 20 Jahre, ehe der Bau vollendet ward. Bezüglich des Unterrichtes in dieser Zeit erfahren wir, daß im Jahre 1799 der Physikus Schwabe Hebammenunterricht erteilt und 1805 der Privatdozent Dr. Fr. Th. Schulz zum außerordentlichen Professor für Geburtshilfe ernannt wird, sowie eine Antrittsvorlesung ¹) Cf. Aufzeichnungen desselben in Ploch, Hessische Chronik 1913, Heft 3; ferner Fakultätsakten 1772. ²) E. W. Nebel war ein Schüler von Fried und las in Gießen außer Chirurgie auch theoretische Geburtshilfe. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 3 „de instrumentorum obstetriciorum“ hält. Hauptursache der Ver- zögerung waren auch jetzt einesteils die Schwierigkeit der Beschaf- fung eines geeigneten Gebäudes, anderseits Mangel an genügendem Kapital, um ein neues Gebäude zu errichten. Das Jahr 1807 kann als ein Wendepunkt in dieser Angelegen- heit angesehen werden. Als die Festungswälle der Stadt nieder- gelegt wurden, wurde ein Stück derselben der Universität zur Er- richtung der Frauenklinik und des botanischen Gartens überlassen. An Kapital stand die Summe von 18 502 fl., auf die inzwischen das Stiftungskapital angewachsen war, zur Verfügung. Es wurden nun die am 27. April 1807 eingereichten Pläne von Prof. Balser, des verdienten späteren Medizinalreferenten bei der Regierung in Darm- stadt, nach Einholung verschiedener anderer Gutachten genehmigt 18. Oktober 1808) und das Frübjahr 1909 als Baubeginn festgesetzt. Was neuerlich den Beginn des Baues verzögerte, ist aus den Akten nicht feststellbar. Wir wissen nur, daß infolge dieser Ver- zögerung im Zucht- und Stockhaus„zu Zeiten“ Uebungen in der Geburtshilfe vorgenommen wurden, unter Leitung des bereits er- nannten Direktors des Entbindungsinstitutes Prof. Schulz. Als dann endlich im März 1811 der Bau wirklich beginnen sollte, war die Generalkasse nicht imstande, die bei ihr angelegten Gelder auszu- zahlen. Da sprang aber, um neue Verzögerung zu verhüten, die Universität ein und stellte aus ihrem eigenen Vermögen 18 500 fl. zur Verfügung. Nun ging es flott voran und Anfang November 1813 war das Haus bis auf die Zwischenwände im ersten Stock und einige andere Lücken des inneren Ausbaues fertig. Wir sind in der großen Zeit der Befreiungskriege, deren Schatten auch über die neue Anstalt fällt. Kaum war das Haus einigermaßen fertig, da wurde es nach der Völkerschlacht bei Leipzig als preußisch-russisches Kriegslazarett in Anspruch genommen, in dem leider alsbald(Ende November 1813) der Typhus contagiosus ausbrach, der viele Opfer forderte. Unter den Opfern dieser Seuche befand sich auch der jugend- liche Direktor des Entbindungsinstitutes, Ludwig Leonhard Hegar, ein Verwandter des berühmten Alfred Hegar. Hegar war 1789 in Darmstadt geboren und bereits am 21. De- zember 1811 nach Ablegung einer Prüfung vor dem Collegium medicum zum Professor der Chirurgie und Geburtshilfe sowie zum Direktor der Entbindungsanstalt ernannt worden, mit der gleichzeitigen Erlaubnis, zu- 4 Erich Opitz. nöchst zu seiner weiteren Ausbildung auf Reisen zu gehen. 1812 wurde er außerdem Medizinalrat und Mitglied des Regierungskollegs im Fürsten- tum Hessen und hielt im August desselben Jahres seine Antrittsrede-. Als die Anstalt Kriegslazarett wurde, erwarb sich Hegar um die Organi- sation des Lazarettwesens große Verdienste, fiel aber am 12. Februar 1814 selbst als Opfer der Kriegsseuche, so daß es ihm nicht mehr vergönnt war, die Entbindungsanstalt selbst zu leiten ¹). Trotz mehrfacher Bitten wurde das Gebäude der Entbindungs- hau erst im Oktober 1814 als Kriegslazarett geräumt und am November 1814 durch Aufnahme der ersten Schwan- geren eröffnet, ehe noch der innere Ausbau ganz vollendet war. Ihr Direktor war nach Hegars frühem Tode der ebenfalls noch jugendliche Ferdinand August Maria Franz Ritgen geworden Ritgen war 1787 in Wulfen in Westfalen geboren, studierte in Münster, promovierte mit 19 Jahren in Gießen, wurde mit 21 Jahren Pbysikus in Stadthagen, habilitierte sich 1814 für Geburtshilfe in Gießen und wurde gleich nach Hegars Tode zu dessen Nachfolger als Professor der Chirurgie und Geburtshilfe ernannt. Außerdem erhielt er das Re- ferat in Medizinalangelegenheiten bei der Provinzialregierung und später auch das im Baufach, sowie die Funktion eines Stadtarmenarates. 1837 gab Ritgen die Professur für Chirurgie auf, übernahm aber gleich- zeitig die Professur für medizinische Polizei und Seelenheilkunde ²). 1839 wurde Ritgen in den erblichen Adelstand erhoben. Trotz seiner umfassenden Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten blieb er seiner geburtshilflichen Tätigkeit bis zu seinem im Jahre 1867 erfolgten Tode treu. Ritgen widmete sich mit großem Eifer der weiteren Aus- gestaltung der Entbindungsanstalt sowohl in Hinsicht auf Lehrmittel und Unterricht, der eigentlich erst von ihm organisiert wurde, wie auch in Hinsicht auf die Vergrößerung und zweckmäßige Ausstattung der Klinik. Seine organisatorische Begabung war jedenfalls gan⸗ glänzend. Ende 1815 wurde er auf seinen Antrag auch Direktor der Sammlung chirurgischer und geburtshilflicher Instrumente und Ban- ¹) Quellen: Haupt, Hessische Biographien, Gießen.— Hessische Chronik 1913, Heft 3, Aufzeichnungen aus dem Tagebuch von Prof. Nebel.— Ritgen, Jahrbücher der Entbindungsanstalt, Gießen 1820.— Ferner hand- schriftliche Notizen, die freundlichst von Prof. Walther nach seinen persön- lichen Nachforschungen zur Verfügung gestellt wurden. 2) Cf. darüber näheres R. Sommer, Deutsche med. Wochenschr. 1907, Nr. 37. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 5 dagen, die bisher von den Professoren Balser und Schmidt beauf- sichtigt war; im Januar des nächsten Jahres wurden verschiedene wichtige Nebengebäude und eine Direktorwohnung genehmigt. Nach diesen mehr äußerlichen Veränderungen ging Ritgen an die Ausgestaltung des Unterrichts, worüber in seinen Berichten und Jahrbüchern der Entbindungsanstalt ¹) Ausführliches mitgeteilt ist. Hier sei davon nur erwähnt, daß in dem Gebäude ein Entbindungs- und ein Wöchnerinnenzimmer, ein Untersuchungszimmer, ein Sprech- zimmer, ein Hörsaal, drei größere und vier kleinere Räume für gesunde Schwangere, zwei kleine Zimmer für kranke Schwangere und zwei Säle für die Hebammenschülerinnen sich befanden. Alles übrige fällt auf die übrigens sehr spärlichen Nebenräume für die Oberhebamme, Wärterinnen, Küche. Im ganzen verfügte die Klinik über 44 Betten. Mehr als dürftig mutet uns heute der geburtshilfliche Apparat an, der bestand aus Geburtsbett, Wage mit Meßtisch, Beckenphantom von Pappe, 1 1 1 1 Kinderphantom, 1 großen und 1 kleinen Spritze, 1 Katheter und 1 Schere, wozu noch mehrere Geburtsstühle der bekannten, damals gebräuchlichen Form und schließlich ein sogenannter„Touchierschrank“ kamen. Letzterer war dazu bestimmt, bei der Untersuchung der Schwangeren den Anstand zu wahren und die Schwangere mit Ausnahme des Genitales dem Aublick der Studenten zu entziehen. Die Schwangeren traten aus einem Nebenzimmer hinter einen Vorhang und wurden im Stehen untersucht. In Ritgens eigenem Besitz kam dazu noch eine Zange sowie Leib- und Kopfzirkel. Zunächst wendete sich Ritgen der Ausgestaltung des Heb- ammenunterrichtes zu, der bis dahin— wie übrigens auch der Unter- richt für die Studenten— ein rein theoretischer war und von den Physicis erteilt wurde. Immerhin dauerte es noch bis 1816, ehe Ritgen seinen Vorschlägen für den Ausbau der Klinik die nötigen Mittel gesichert hatte und der erste Hebammenkmursus in der neuen ¹) Ritgen, Jahrbücher der Entbindungsanstalt zu Gießen. Gießen 1820. 6 Erich Opitz. Anstalt eröffnet werden konnte(Dauer 2 Monate), in dem die Heb- ammenschülerinnen der Provinz Oberhessen ausgebildet wurden ¹). Von 1825 ab wurden jährlich zwei Kurse abgehalten, 1842 ihre Dauer auf 3 Monate, 1864 auf 4 Monate verlängert²), wie das in Mainz von Anfang an üblich war. In Gießen aber hatte diese Beschränkung ihre großen Vorteile, da alternierend mit den Heb- ammen die Studenten unterrichtet werden mußten. Ritgens un- sterbliches Verdienst ist es zweifellos, mit dem bloß theoretischen Unterricht sowohl für Hebammen als für Studenten aufgeräumt zu haben, wie er denn in seinen genau ausgearbeiteten Unterrichts- plänen ³) auf die praktische Beobachtung von Geburten, Ausarbeitung genauer Geburtsberichte, Schwangerenuntersuchung usw., kurz auf großen Wert legte. Ebenso g1 Lernen auf Grund eigener Beobachtung? sammelte Ritgen Präparate und Becken, die er später(1836) der Frauenklinik schenkte. Ich möchte auf die Verdienste Ritgens um den Ausbau des Hebammenunterrichtes um so weniger eingehen, als diese Seite seiner Tätigkeit bereits von Prof. Walther¹⁴) gewürdigt wurde. Man kann sich von Ritgens Arbettslast eine Vorstellung machen, wenn man erfährt, daß der ganze Unterricht neben seinen vielen sonstigen Aufgaben von ihm allein bewältigt werden mußte, bis ihm endlich (1821) ein Assistent bewilligt wurde. Daneben oblag ihm die Direktion der chirurgischen Klinik, von der Ritgen erst am Februar 1836 Lneneu freilich gleichzeitig eine andere Pro- fessur dafür eintauschend(cf. oben), wonach er sich um die Errich- tung einer Tnneeneeden und den Unterricht in der Psychiatrie große Verdienste erwarb). Der jährliche Etat der Klinik betrug 1839 3000 fl., die nicht aus dem Venternegehen Fiskus, Vlrn aus der Staatskasse stammten. Ueber die Zahl der Entbindungen und die Unterrichtsfrequenz liegen eigene Angaben Ritgens vor, die ich den Akten der medi- zinischen Fakultät entnehme. Für die Provinzen Starkenburg und Rheinhessen bestand bereits seit dem Jahre 1806 eine Ausbildungsanstalt in Mainz, in der die Kurse 4 Monate dauerten. ²) Amtsblatt vom 16. Dezember 1864 3³) Cf. Jahrbücher der Entbindungsanstalt S. 12 f. 4) H. Walther, Gyn. Rundschau 1914, Heft 21. 35) Cf. näheres bei R. Sommer l. c. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 7 Die Zahl der Hebammenschülerinnen betrug pro Kursus im Durchschnitt nur 20, schwankte in den Jahren 1850— 1863 von 9 bis 40. Im ganzen hatte Ritgen bis 1858 die stattliche Zahl von 1412 Hebammen ausgebildet. Später wurde die Zahl der Teil- nehmerinnen auf 30 beschränkt, um einer Ueberfüllung des Landes mit Hebammen vorzubeugen. Auch die Geburtenzahl zeigt ein erfreuliches Wachstum, wohl der beste Beweis für die Wertschätzung, der sich die neue Anstalt g, erfreute. Sie betrug im Jahre 1Sa 2 181.5ä 47 1819). 10oH4, schwankte dann von 120— 130, erreichte 1835.... 168 und 1842 3 197 als Maximum, während die Durchschnittszahl seit 1840: 150— 160 Geburten im Jahre betrug. Man versteht gut, daß bei diesem für die doppelten Unterrichtserfordernisse noch recht kleinen Material und der großen Arbeitslast, die sonst auf v. Ritgens Schultern lag, er im Jahre 1861 beantragte, den Hebammenunterricht ganz nach Mainz zu verlegen und das Gießener Material lediglich dem Unterricht der Studenten vorzubehalten. Von sonstigen Daten aus dem Leben der jungen Klinik seien noch kurz hervorgehoben eine Blatternepidemie 1840, der auch mehrere Schwangere zum Opfer fielen, die Einführung der Gas- beleuchtung(1856) und ein Brand(1859), der aber ohne schwerere Folgen blieb. Es ist hier nicht der Ort, auf eine Würdigung der wissen- schaftlichen Arbeit des ganz außergewöhnlich vielseitigen v. Ritgen mich weiter einzulassen. In der Geschichte der Gießener Frauen- klinik wird er, als ihr erster Direktor und als Mann voll unermüd- licher Tatkraft sowohl im Ausbau der Einrichtungen derselben wie als Organisator des geburtshilflichen Unterrichts unserer Universität fortleben. Als Ritgen am 14. April 1867 starb, entstanden fast begreif- liche Schwierigkeiten, diese Lücke zu füllen. Schließlich wurde das Ministerium derselben in der Weise Herr, daß man das Ordinariat für Geburtshilfe vorläufig unbesetzt ließ und zwei Extraordinarien mit je 600 fl. Gehalt anstellte: Erich Opitz. 1. den von der Fakultät gar nicht vorgeschlagenen Birnbaum als Leiter der Entbindungsanstalt sowie Lehrer für praktische Geburts- hilfe, geburtshilfliche Klinik für Studenten, Hebammenunterricht und v in Geburtshilfe; 1 Examinator bei der praktischen Vorprüfung 5 2. den tertio loco(neben Dohrn und Schultze) vorgeschla- genen F. A. Kehrer, der bereits seit 1851 Assistenzarzt bei der akademischen geburtshilflichen Klinik war, für theoretische Geburts- hilfe und als Examinator in der medizinischen Schlußprüfung. Unter Birnbaum erfuhr die Klinik wie der Unterricht eine wichtige Erweiterung. 1869 wurde der Hörsaal der Anstalt als gynäkologische Abteilung eingerichtet, ein neuer Hörsaal für 20 Per- sonen durch Umbau der Holzlege der Direktorwohnung gewonnen. Freilich war das alles nur Notbehelf; erst im Jahre 1871 wurde eine richtige gynäkologische Abteilung eingerichtet ¹). Trotz dieser Vervollkommnung litt der geburtshilflich-gynäko- logische Unterricht natürlich unter der oben erwähnten Zweiteilung unter verschiedene Lehrer, zumal dem Vertreter der theoretischen Geburtshilfe(Kehrer) das Material der Entbindungsanstalt nicht zu Gebote stand. Wie lebhaft die dadurch hervorgerufenen Miß- geht aus einem Fakultätsbericht stände zum Teil empfunden wurden, g vom 6. April 1872 hervor, in dem es wörtlich heißt:„Wir müssen schon oft von älteren Studirenden hören, daß ihnen die Mittel zu einem ausreichenden klinischen Unterricht in der Geburtshilfe hien nicht geboten gewesen seien und sie deshalb andere Lehranstalten hätten aufsuchen müssen.“ So war es entschieden zu begrüßen, als diese Zweiteilung auf- gegeben wurde. Ein Ruf Kehrers nach Zürich brachte den Stein ins Rollen. Senat und Fakultät beantragten daraufhin, Kehrer das Ordinariat zu übertragen, und schon am 27. April 1872 erfolgte seine Ernennung zum Ordinarius für Geburtshilfe und Direktor der Entbindungsanstalt mit der Verpflichtung, geburtshilfliche Klinik zu halten und Hebammenunterricht zu erteilen.— Der Extraordinarius Prof. Birnbaum, ein vielbeschäftigter und beliebter Konsiliarius, trat ganz in die Praxis zurück, in welcher er noch 22 Jahre segens- reich wirkte, bis ihn 1894 ein Erysipel wegraffte. . Ueber die weitere Geschichte der Frauenklinik können wir uns 1 34, 129. Berichte der oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 9 kurz fassen, zumal die Verdienste der weiteren Klinikdirektoren heute wohl noch allgemein bekannt sind. Der erst vor kurzem verstorbene F. A. Kehrer folgte 1881 einem Rufe nach Heidelberg, wo er bis zu seinem Rücktritt(infolge eines Augenleidens) lehrte, sein Nachfolger in Gießen wurde Ahl- feld, der indes bereits 1883 einem Rufe nach Marburg Folge leistete. Unter Ahlfeld wurde insofern eine wichtige Neuerung ein- geführt, als 1881 eine Anstaltsküche errichtet wurde, während bis dahin ein Gastwirt zu einem mäßigen Preis die Verpflegung der Kranken und Schwangeren, sowie Wöchnerinnen besorgt hatte- gewiß kein idealer Zustand. Ebenso wurde im Juli desselben Jahres die gynäkologische Klinik durch Hinzunahme der Direktor- wohnung erweitert und im Juli 1882 ein zweiter Assistent bewilligt. Ahlfelds Nachfolger Kaltenbach wurde am 24. März 1883 ernannt. Diese Ernennung bedeutet in doppelter Hinsicht einen Wendepunkt in der Geschichte der Gießener Frauenklinik. Zunächst wurden unter Kaltenbach im Juli 1884 in den von Hebammen- kursen freien Monaten 3monatliche Kurse zur Ausbildung von Kranken- und Wochenpflegerinnen eingeführt; vor allem aber kommt mit ihm zum ersten Male ein Mann, der auch die operative Gynäko- logie betrieb. Kaltenbachs Verdienste um die operative Frauen- heilkunde sind so bekannt, daß es keines weiteren Hinweises bedarf. Jeder kennt noch sein mit seinem Lehrer A. Hegar herausgegebenes grundlegendes Werk über gynäkologische Operationen, welches lange Zeit überhaupt das einzige blieb. Daß dabei das alte Haus nicht nur bald zu klein wurde, sondern vor allem für eine operative Tätig- keit völlig unzulänglich eingerichtet war, ist leicht einzusehen. So war es denn auch Kaltenbach, der bei der Regierung den Neu- bau einer Klinik durchsetzte, der schließlich 1886 nach seinen Plänen genehmigt wurde. Im August 1887 wurde mit dem Bau begonnen, Kaltenbach indes folgte noch im selben Jahre einem Ruf nach Halle. Auch sein Nachfolger Hofmeier sah nicht die Vollendung des Baues, da er bereits 1888 nach Würzburg übersiedelte. Erst unter dessen Nachfolger Löhlein(1888— 1901) wurde die neue Klinik am Seltersberg(28. Juli 1890) eröffnet. Damit vollzog sich gleichzeitig der Uebergang in die Verwaltung der Universität, während bis da- hin die Entbindungsanstalt unter der Verwaltung der Provinzial- direktion der Provinz Oberhessen gestanden hatte. 10 Erich Opitz- Man erinnert sich, daß gerade in den letzten 20 Jahren unter den immer größeren Anforderungen an technische Hilfsmittel, an Asepsis und allgemeine Bauhygiene auch im Krankenhausbau grund- legende Aenderungen notwendig wurden. Bereits Löhlein hatte, trotzdem er eine neue Klinik übernahm, über viele Mängel derselben zu klagen, unter denen neben viel überflüssigem Prunk- und Stuck- werk, einem ganz zwecklos palastartigen Treppenhaus vor allem die ungünstige Lage vieler Krankenzimmer wie der Mangel an wichtigen Nebenräumen sich bemerkbar machten. Noch schwerer wurden diese Mängel natürlich von seinem jugendlichen Nachfolger Pfannenstiel(1902— 1906) empfunden, der aber eine Aenderung erst durchsetzen konnte, als er 1904 einen Ruf nach Freiburg als Nachfolger Hegars abgelehnt hatte. Da erst wurde der westliche Flügelbau bewilligt, durch den die Klinik in den Besitz eines modernen aseptischen und septischen Operations- saales, Kreißsaales, Sterilisierraums, einiger Nebenräume kam und eine dringend nötige Vermehrung der Krankenbetten erfuhr. Pfannenstiel hat freilich die Fertigstellung dieses Flügels nicht mehr erlebt, da er im Herbst 1906 einem Rufe nach Kiel folgte. Erst unter v. Franqués Direktion wurde dieser Ausbau fertig- gestellt, der frühere Operationssaal als Laboratorium freigemacht, womit in vieler Hinsicht der Betrieb erleichtert wurde. Seit v. Franqués Weggang und Uebernahme der Klinik durch mich haben sich noch weitere Aenderungen als notwendig erwiesen. Ich führe an die Einrichtung von Liegehallen an der Süd- seite des Hauptgebäudes, Einrichtung je eines septischen Operations- und Entbindungsraumes, eines Untersuchungszimmers für die operative Station, Waschräume für die Hausschwangeren, eines Zimmers als Wohnung für die Praktikanten. Letzteres erwies sich dadurch als notwendig, daß die Studenten nicht mehr zu den ein- zelnen Entbindungen gerufen werden, sondern für je 8 Tage in der Klinik wohnen müssen, um bei allen Entbindungen in dieser Zeit ständig zugegen sein zu können. Von mancherlei weiteren Anschaffungen wird weiter unten noch die Rede sein. Ueber die Bewegung der Krankenbelegung und des Personals gibt die beigefügte Tabelle Auskunft, die die Zeit seit Belegung des Neubaues der Frauenklinik im Oktober 1890 umfaßt. . 44.3Aacanstalt 24 rauenklinik einst und jetzt. itäts- Inivers ener U rieß 81 Die 66 †1 8616 166 4108 241d0 n b uuA. UOA u1 ien „97/„& 8918 89⁰⁶ 6 †r 88— SEba S 3.,2. 2.8= —==: S S: S 5 2S2 S5 2. 5== 3:3 = 2 35 2 2 05 97sSun Sogd.¹n ⁴ uouuen — L- 5 17 f 7 p GEe ₰ 1 110& A 1u9 1000 3- 89519SdoS 95 541 1p 1I.I186 0S an5e 51 ugleü⸗ 34210 V 8 5 UeuUine. Uouula. Pun u28 SuIIINOA/ unei 28 95 d u uos⁸οφ 58 †8 Uemuuin H ds Sunplig suV a. ueudDeuu 36,818 411 quSsn V 8161 6161 1161 0161 606 8 6 III sid 0681 X uu sSunu 5 pI61 2aEI Ig 51d 0681 49401R10 uroà⁴ uasuussunpurqau m e-SquasäoAlu op ueesnV pun uouuuune odn s 5 1*** 2³ 1.7⸗* 4 12 Erich Opitz. Frequenz der Frauenklinik. Gynäkologisch Kranke Hausschwangere Ord. RNechmungs- und zahlende Schwangere(unentgeltlich) Nr. jahr Anzahl. VWoer— ger 5- Anzahl der Verpflegungs- Anzahl der Verpflegungs Kranken tage Schwangeren tage 1 1903 921 12 122 410 19 346 2 1904 1049 12 884 364 18 063 3 1905 1072 13 728 349 18 583 4 1906 1095 13 444 337 19 176 5 1907 1078 12 068 346 19 786 6 1908 1040 11 466 384 19 199 7 1909 1207 21 522 396 16 595 Anbau 8 1910 1229 19 923 318 14 7432 9 1911 1120 19 211 342 15 742 10 1912 1386 21 579 284 11 804 11 1913 5. 6.¹ 1383 21 676 223 10 826 Zur Erläuterung der Tabelle ist wenig hinzuzufügen. Man sieht die ständig fortschreitende Entwicklung der Anstalt, die auch durch den Wechsel in der Leitung keine Einbuße erlitten hat. Mit besonderer Freude hat es mich erfüllt, daß es in den f letzten Jahren möglich geworden ist, trotz großer Erhöhung des Kredits die Einnahmen so zu steigern, daß der tatsächlich vom Staate geleistete Zuschuß nicht einmal mehr 4000 M. betrug. während wenige Jahre vorher die nötigen Zuschüsse sich zwischen 25 000 und 40 000 M. bewegten. So zeigt die Anstalt unter allen Direktoren eine rasche Auf- wärtsentwicklung, die Klinik bewahrt die alte Anziehungskraft. Meinen Vorgängern, insbesondere den letzten, die den inneren Aus- 9. bau der Klinik sich angelegen sein ließen, gebührt dafür in erster Linie Verdienst und Dank. Für den gegenwärtigen Direktor ist eine Freude und keine schwere Aufgabe, auf so fest gefügten Grund- lagen weiterzubauen. Im Laufe der 100 Jahre, die seit der Gründung der Klinik verflossen sind, haben sich die Aufgaben des Leiters der Klinik sehr stark verändert. Während es früher noch möglich war, daß der Leiter selbst die Behandlung und Versorgung der Kranken im Für die Zeit vom 1. April 1913 bis Ende Januar 1914. Die Gießener Universitäts Frauenklinik einst und jetzt. 12 wesentlichen übernahm und auch die Verwaltungsgeschäfte erledigte, ist das bei der Fülle der Aufgaben des heutigen Tages auch nicht mehr im entferntesten möglich. Selbst in einem so gut abgegrenzten Sonderfach, wie es das der Geburtshilfe und Frauenheilkunde ist, ist, abgesehen von der großen Zahl der zu behandelnden Kranken und der Geburtsfälle, die ein Vielfaches der früheren beträgt, die Fülle des zu bewältigenden Stoffes zu groß geworden, als daß der einzelne alles selbst erledigen könnte. Ganz abgesehen von einer großen Zahl von Hilfswissenschaften wie Bakteriologie, Serologie, Histologie, Strahlentechnik sind Ausflüge und Anlehnung an die Nachbargebiete, besonders mancher Teile der inneren Medizin und der Chirurgie mit ihren verschiedenen therapeutischen Maßnahmen wie Hydrotherapie, Diätetik unbedingt erforderlich. Auch muß der Gynäkologe in manchen Zweigen der Darmerkrankungen und ganz besonders auf dem Gebiete der Urologie gut bewandert sein. Selbst anscheinend so fernliegende Gebiete wie physikalische und physio- logische Chemie müssen zur Hilfe herangezogen werden, soll nicht die wissenschaftliche Leistung einer Klinik ins Hintertreffen geraten. Es ist nicht mehr möglich, sich in alter Weise auf die Geburts- hilfe, auf konservative und operative Behandlung zu beschränken. Nimmt man noch hinzu, daß eine Beteiligung an den Aufgaben der Universität und der Fakultät, eine ausgedehnte Gutachtertätigkeit und eine mehr oder weniger ausgedehnte Privatpraxis neben den laufenden Verwaltungsgeschäften viel Zeit in Anspruch nehmen, so läßt sich leicht ersehen, daß von einem wissenschaftlichen Arbeiten keine Rede sein könnte, wenn nicht zahlreichere Hilfskräfte als früher zur Verfügung ständen. Es ist leicht ersichtlich, daß die Erfüllung so zahlreicher Auf- gaben hohe geldliche Aufwendungen für einmalige Anschaffungen und laufende Kosten erfordert. In einem verhältnismäßig kleinen Staate wie Hessen ist es nicht immer leicht, diese Anforderungen in Einklang mit den vorhandenen Mitteln zu bringen. Ich habe mich bemüht, durch Vermehrung der Einnahmen und Sparsamkeit die Finanzen des Staates zu entlasten. Trotzdem ist nicht zu verkennen, daß eine ständige Belastung der Finanzen auch bei Deckung durch Einnahmen ihre großen Bedenken hat. Wenn es trotzdem gelungen ist, alle gerechten Anforderungen, die an eine Stätte der Wissenschaft, der Lehre und der Heilkunst gestellt werden können, zu erfüllen, so ist das dem verständnis- 14 Erich Opitz. vollen und hilfsbereiten Entgegenkommen des Ministeriums und dem vertrauensvollen Verhältnis dieser hohen Behörde zur Landes- universität zu verdanken. Auch an dieser Stelle dem hohen Mini- sterium ehrerbietigst dafür zu danken, daß es allezeit bereit war, innerhalb der gegebenen Grenzen alle nötigen Forderungen zu be- willigen, ist mir ein Bedürfnis und eine Freude. Die Aufgabe des Leiters einer Klinik muß sich heute im wesentlichen darauf beschränken, die Aufsicht über die Behandlung der Kranken zu führen und die wissenschaftliche Arbeit der ihm unterstehenden ärztlichen und anderen Hilfskräfte auf ein bestimmtes Ziel und auf die Erledigung gemeinsamer Aufgaben zu richten. Ich empfinde es manchmal bitter, daß eine eingehende Beschäftigung mit den einzelnen Kranken unmöxglich geworden ist und daß man sich darauf beschränken muß, nur bestimmte Fälle, die besonderes wissenschaftliches Interesse bieten, selbst genauer zu verfolgen. Eine derartige Leitung läßt sich aber nur durchführen, wenn die Hilfs- kräfte auch willig sind, sich dem gegebenen Rahmen einzufügen und die erteilten Aufgaben gewissenhaft zu erfüllen. Ich bin in der erfreulichen Lage feststellen zu können, daß das ürztliche Personal der Klinik diesen Forderungen in vollstem Maße gerecht wird. Auch an dieser Stelle möchte ich den Herren meinen Dank für ihre tatkräftige, oft aufopfernde Hilfstätigkeit öffentlich aussprechen. Es wäre aber unrecht, wollte ich nicht auch mit herzlichem Dank der Schwesternschaft gedenken, die dem Alice- Frauenverein angehört. Die Schwestern stehen unter der Leitung einer bewährten Oberschwester. Ich kann nur sagen, daß sie sich in unermüdlicher Arbeit für das Wohl der Kranken, in Arbeitswillig- keit und Pflichttreue schlechterdings nicht übertreffen lassen. Ich wende mich nun zu einem Rechenschaftsbericht über die Arbeit, die in der Klinik während meiner Leitung geleistet worden ist. Ich muß mich dabei im allgemeinen auf die Zeit vom 1. April 1912 bis 30. Juni 1914, also im ganzen 26 Monate beschränken, weil es nicht möglich war, auch die nachfolgende Zeit in den statisti- schen Angaben zu berücksichtigen. Was die wissenschaftliche Arbeit der Klinik betrifft, so lege ich als Zeugnis dafür am Schluß dieser Abhandlung ein Verzeichnis der in der genannten Zeit aus der Klinik hervorgegangenen Arbeiten vor, das ergänzt wird durch die in dieser Festschrift weiter erscheinen- den Beiträge. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 15 Die Einteilung der Klinik ist folgende: Für den Lehrbetrieb besitzen wir einen Hörsaal mit kleinem Vorbereitungszimmer im Erdgeschoß. Außerdem ein Phantomzimmer im Unterstock des Anbaues. Einige Räume für die Sammlung anatomischer Präparate und von Becken befinden sich daneben. Ein großer Raum für die Bücherei, der zugleich die Schränke mit der Sammlung geburtshilflicher Instrumente enthält, befindet sich im zweiten Obergeschoß. Für den Klinikbetrieb haben wir eine geburtshilfliche Abteilung, bestehend aus den Entbindungsräumen, der Schwangeren-, der Wochen- und Kinderstation, die voneinander getrennt gehalten sind. Der geburtshilflichen Abteilung stehen drei Entbindungszimmer zur Verfügung: ein Saal mit drei, je nach Bedarf auch mehr ge- burtshilflichen Betten für die Entbindungen in der III. Klasse, ein Entbindungszimmer für die Gebärenden der I. und II. Klasse und schließlich ein kleineres Zimmer für infizierte Fälle, das vollständig von den übrigen getrennt ist. Zwischen den beiden zuerst genannten Entbindungsräumen befindet sich der Vorbereitungsraum, in dem die Schwangeren vor der Geburt im Stehen in einer Wanne abgewaschen und wenn nötig sonst vorbereitet werden. Die zweite Abteilung ist die gynäkologische. Sie umfaßt folgende Unterabteilungen. Die operative Station, zu der ein großer aseptischer Operationssaal mit einem anstoßenden Sterilisierraum, auf der an- deren Seite ein Vorbereitungsraum gehören. Ein zweiter, septischer, Operationsraum ist durch das Vorbereitungszimmer von dem asep- tischen Operationssaal getrennt. Zu dieser Station gehört ferner ein besonderes Untersuchungszimmer, in dem die etwa nötige Weiterbehandlung der Kranken, die Untersuchungen einschließlich Cystoskopie und Rektoskopie vorgenommen werden. Die aseptisch-konservative Station, in der neben den eigentlich gynäkologischen Kranken, die einer länger dauernden nichtoperativen Behandlung bedürfen, auch die leider sehr zahl- reichen nichtfieberhaften Aborte Aufnahme finden. Dieser konservativen Station soll eine hydrotherapeutische Einrichtung angegliedert werden, die im Prinzip bewilligt ist, aber vorläufig nicht eingerichtet werden konnte, da die dafür bestimmte Waschküche noch nicht vollständig entbehrt werden kann. Vorläufig stehen dieser Station zur Verfügung: 1. ein Bergonié- 16 Erich Opitz. stuhl, 2. ein Diathermieapparat, 3. eine künstliche Höhensonne und selbstverständlich auch alle die kleineren Einrichtungen, die zur Heiß- luftbehandlung, Fangopackungen, großen Vaginalspülungen usw. nötig sind, wie sie sich für die konservative Behandlung längst als unentbehrlich erwiesen haben. Die dritte Station ist die septische Station, auf die alle unreinen Fälle, wie fieberhafte Aborte, Kindbettfieber, jauchende Karzinome und alle anderen fieberhaften Krankheitsfälle überwiesen werden. Sie ist vorläufig noch zusammen mit der konservativen Station in den Zimmern des Hauptgebäudes untergebracht, jedoch wird für diese Kranke zurzeit eine Baracke im Garten der Klinik ganz getrennt von dem Hauptgebäude errichtet, die zur Aufnahme von 16 Kranken ausreicht. Sie soll bis zum Oktober dieses Jahres fertiggestellt sein ¹). Getrennt von diesen Stationen ist die Privatstation, die über 6 geburtshilfliche und 19 gynäkologische Betten verfügt. Die größte Zahl der Betten ist in Einzelzimmern untergebracht. Die Kranken der II. Klasse aber liegen in Zimmern mit je 2 und 3 Betten zusammen. Septische Kranke, die auf die Privatstation gehören, werden in Zukunft in Einzelzimmern in der septischen Baracke untergebracht, während zurzeit eine Absonderung nur dadurch mög- lich ist, daß derartige Kranke stets in Einzelzimmern liegen. Außer diesen Abteilungen für beständige Kranke besteht noch wie üblich eine poliklinische Sprechstunde, für die ein größeres Wartezimmer und ein Untersuchungszimmer zur Verfügung stehen. Vorläufig muß dieses poliklinische Untersuchungszimmer an Nachmittagen auch zu Untersuchungszwecken für die septische und konservative Station benutzt werden, was in Zukunft abgeändert werden soll. Der Klinik angegliedert ist eine geburtshilfliche Poli- klinik, die aber nur einen sehr bescheidenen Umfang hat. Ferner besteht eine Abteilung für Strahlenbehandlung. Diese bedarf einer besonderen Darstellung. Die Klinik besitzt selbst einen guten Röntgenapparat; zwei weitere Röntgenapparate aber sowie 200 Milligramm Radium zu Bestrahlungszwecken sind von dem Hessischen Landesverein für Krebsforschung beschafft worden. 1) Diese Baracke ist inzwischen vollendet, so daß also eine völlige räum- liche Trennung der septischen Fälle jetzt möglich ist. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 17 Für Röntgen- und Radiumbehandlung sind vorläufig drei Räume der Frauenklinik bereitgestellt. Diese in einem Flügel gegen die andere Klinik abgegrenzte Abteilung führt vorläufig den Namen„Hessische Strahlenheilstätte“ und steht nicht nur den Kranken der Frauen- klinik, sondern auch denen anderer Kliniken zur Verfügung. Die Kranken werden von den Kliniken der Strahlenheilstätte zur Be- handlung überwiesen, können aber auch nach den Wünschen der behandelnden Aerzte von diesen selbst in der Strahlenheilstätte be- handelt werden. Die räumliche Vereinigung der Strahlenheilstätte mit der Frauenklinik ist äußerlichen Umständen zuzuschreiben, in- dem nämlich der Leiter der Klinik zugleich Vorsitzender des Hessi- schen Landesvereins für Krebsforschung und Vorstand der Hessischen Strahlenheilstätte ist. Es wird von der weiteren Entwicklung ab- hängen, ob diese räumliche Vereinigung erhalten bleibt oder auf- gehoben wird. Bei der beträchtlichen Inanspruchnahme der Strahlen- heilstätte, die eine weitere Zunahme erwarten läßt, dürfte es in Kürze notwendig sein, zu einer Trennung zu schreiten. Zu wissenschaftlichen Untersuchungen steht ein großes La- boratorium mit einem Nebenraum zur Verfügung. Es sind alle Einrichtungen vorhanden, um histologische, serologische und bakterio- logische Untersuchungen einfacher Art, wie sie für den Klinik- betrieb notwendig sind, auszuführen. Auch sind wir in den Besitz eines Polarimeters gelangt, der es ermöglicht, die Abderhalden- schen Untersuchungen auf eine breitere Grundlage zu stellen, während es bisher nur möglich war, das Dialysierverfahren anzuwenden. Die Wohnräume für Assistenten, Schwestern, Hebammen und die Schülerinnen sowie für die Hausschwangeren sind zum größten Teile im Obergeschoß gelegen, zum Teil zwischen den Kranken- zimmern im Hauptbau verteilt. Als Direktorwohnung dient ein be- sonderes Wohnhaus auf dem gleichen Grundstück wie die Klinik im eigenen Garten. Die Verteilung der Hilfskräfte ist folgende: Der Oberarzt der Klinik ist zugleich Assistenzarzt für die Privatstation und hat die gynäkologische Poliklinik zu besorgen. Je ein Assistenzarzt ist vorhanden für die aseptisch-operative, für die konservative, für die septische Station und für das Laboratorium, sowie für die geburtshilfliche Station. Außerdem werden regelmäßig in der Klinik Medizinalpraktikanten beschäftigt, die auf der geburts- hilflichen, operativen und der septischen Station den Assistenzarzt 9 18 Erich Opitz. zu unterstützen haben. Mit Ausnahme des Oberarztes wechseln die Herren in regelmäßigem Turnus alle halbe Jahre, so daß der Durch- gang durch sämtliche Abteilungen der Klinik mindestens 2 ½ Jahre erfordert. Der Assistenzarzt für die konservative Station ist zurzeit, da eine solche noch nicht getrennt geführt werden kann, als Röntgen- assistent beschäftigt. Von weiteren Hilfskräften steht zur Verfügung: eine Laborantin, die im Laboratorium die histologischen Arbeiten, Urinuntersuchungen, Anfertigung von Photogrammen usw. besorgt. Auf der Röntgenstation ist eine Assistentin und eine Schülerin beschäftigt. Die Kranken- und Wochenpflege versehen 1 Ober- schwester und 15 Schwestern, die dem hessischen Alice-Frauenverein vom Roten Kreuz angehören. Sie werden unterstützt durch die je- weils in der Klinik unterrichteten Hebammenschülerinnen und Wochenpflegeschülerinnen, die allerdings hauptsächlich auf der Wochen- und Kinderstation und nur aushilfsweise auf der gynäko- logischen Abteilung beschäftigt werden. Für den Kreißsaal sind zwei Hebammen angestellt, die ab- wechselnd 24 Stunden Dienst und 24 Stunden frei haben. Für die Wäsche ist eine besondere Wäschebeschließerin an- gestellt, welche die Wäsche für die Waschanstalt vorzubereiten und die Ausbesserung zu besorgen hat. Sie führt zugleich die Aufsicht über die Hausschwangeren. Von unterem Dienstpersonal sind vorhanden: ein Pförtner, ein Laboratoriumsdiener, vier Dienstmädchen, von denen eines für die Assistenten- und das Praktikantenzimmer, die drei anderen für die Privatstation zu sorgen haben. Die Reinigung der Klinik wird im wesentlichen durch die Hausschwangeren unter Leitung der Wäschebeschließerin besorgt. Die umfangreichen Verwaltungsgeschäfte werden von einem besonders angestellten Verwalter besorgt, der zugleich für die medi- zinische und für die Hautklinik tätig ist und dem eine Reihe von Hilfskräften zur Verfügung steht. Die Einrichtungen der Klinik gleichen wohl im wesentlichen denen der übrigen größeren Frauenkliniken. Nur in einem Punkte dürfte sie wohl von den meisten anderen Kliniken abweichen und das ist die Einrichtung einer besonderen Station für die Neugeborenen, auf der drei Schwestern und verschiedene Hilfs- Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 19 kräfte tätig sind. Durch verschiedene Arbeiten von Jaschke und mir ist auf die große Bedeutung einer besonders sorgfältigen Be- handlung der Neugeborenen hingewiesen worden. Eine strenge Durchführung der Asepsis ist nur möglich, wenn die Neugeborenen nicht in dem gleichen Zimmer wie die Mütter untergebracht werden. Wir haben auch hier wie in Düsseldorf trotz mancher räumlichen Schwierigkeiten diese Einrichtung durchgeführt und können nach den Ergebnissen, die für die Neugeborenen dabei erzielt werden, diese Einrichtung nur empfehlen. Ohne sie ist eine genaue Kon- trolle der Neugeborenen überhaupt nicht möglich. Freilich erfordert diese Einrichtung viel Mühe und ein gewissenhaftes und ziemlich zahlreiches Personal, indessen machen sich diese Aufwendungen durch das viel bessere Gedeihen der Kinder bezahlt. Der kurzen statistischen Aufzählung der in der Klinik erle- digten geburtshilflichen und gynäkologischen Fälle möchte ich einige Bemerkungen über die Grundsätze, die für die Behandlung der Gebärenden und Wöchnerinnen sowie der gynäko- logischen Kranken für uns maßgebend sind, vorausschicken. Wir treiben in der Klinik mit großer Sorgfalt die Noninfek- tion, d. h. wir schützen unsere Finger nach Möglichkeit vor jeder Berührung mit Infektionsstoffen. Wir benutzen deshalb zu allen gynäkologischen Untersuchungen, Verbandswechsel usw. sterile Gummihandschuhe, die trocken angezogen werden. Das erfordert zwar einen erheblichen Aufwand, aber wir haben dafür auch die Sicherheit, daß unsere Hände mit infektiösem Material überhaupt nicht in Berührung kommen und sind deshalb unserer Asepsis viel sicherer als es durch noch so gute Desinfektionsmethoden möglich ist. Der sehr beträchtliche Gummihandschuhverbrauch wird dadurch einigermaßen in Schranken gehalten, daß nur für Operationen neue und unbenutzte Gummihandschuhe gebraucht werden, während zu Untersuchungen und Verbandwechsel nur geflickte Handschuhe be- nutzt werden. Die Schwestern, welche die Behandlung der Gummi- handschuhe besorgen, haben eine große Fertigkeit im Flicken der Handschuhe erlangt und vermögen es, selbst abgerissene Finger und große andere Verletzungen der Handschuhe so zu beseitigen, daß in der Mehrzahl der Fälle ein vielfacher Gebrauch der Hand- schuhe möglich ist. Was die geburtshilfliche Abteilung betrifft, so müssen die Schwangeren, wie das wohl überall üblich ist, sobald sie nicht durch 20 Erich Opitz. Krankheitserscheinungen daran gehindert werden, einen Teil der Wäsche und die grobe Hausarbeit verrichten. Ihr Gesundheitszu- stand wird dauernd überwacht. Alle 8 Tage wird der Urin auf etwa vorhandenes Eiweiß untersucht. Die Vorbereitung für die Entbindung besteht in der Verab- reichung eines Klysmas und einer Abwaschung im Stehen. Das Baden der Kreißenden haben wir auf Grund der Unter- suchungen der letzten Zeit, die das Eindringen von Badewasser in die Scheide zweifelsfrei erwiesen haben, aufgegeben. Da die Wochen- bettmorbidität trotz aller Asepsis immer noch, wie es auch überall bei sorgfältiger Messung der Fall ist, einiges zu wünschen übrig läßt, haben wir versuchsweise nach den ersten 1000 Geburten, bei denen keine Spülungen vorgenommen sind, bei den nächsten 1000 Ge- burten Scheidenspülungen eingeführt und zwar werden diese vor jeder Entbindung, sowie die Kreißende gelagert ist, mit 1 prozentigem Lysolwasser aus sterilisiertem Irrigator ausgeführt. Da unser ge- burtshilfliches Material sehr ausgiebig zu Unterrichtszwecken benutzt werden muß, so sind natürlich innere Untersuchungen nicht zu ver- meiden. Sie werden von den Hebammenschülerinnen mit bloßer Hand nach kräftiger Desinfektion ausgeführt. Für die Studenten und Assistenten sind Gummihandschuhe vorgeschrieben. Bei Ent- bindungen, die nicht zu Unterrichtszwecken dienen, wird nach Mög- lichkeit von ihneren Untersuchungen abgesehen und eine etwa nötig werdende Austastung vom Mastdarm aus vorgenommen. Die Desinfektionsmethode, die für geburtshilfliche und gynäkologische Station gleichermaßen gilt, ist die Heißwasseralkohol- desinfektion nach Ahlfeld. Nur setzen wir dem Alkohol noch 3% Azeton nach dem Vorschlag von v. Herff zu. Die Hebammen- schülerinnen, die nach der hessischen Dienstanweisung für Hebammen sich mit Sublimat desinfizieren müssen, führen nach der Heißwasser- desinfektion noch eine Waschung mit Sublimat aus, lediglich um sich an die später für sie gültigen Vorschriften zu gewöhnen. Die Geburtsleitung ist nach Möglichkeit konservativ. Auf einige Ein- zelheiten habe ich später noch einzugehen. Für das Wochenbett gelten weiter die Vorschriften, wie ich sie schon mehrfach in Veröffentlichungen vertreten habe. Was zu- nächst die eigentliche Wocheupflege betrifft, So wird diese auch nach streng aseptischen Vorschriften durchgeführt. Jede Wöchnerin er- hält sterile Vorlagen, die von den Schwestern bzw. von den Schüle- Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 21 rinnen nur mit einer besonderen Pinzette entfernt und auch nur mit einer anderen Pinzette aus dem Kessel entnommen und direkt vor- gelegt werden dürfen. Die äußeren Genitalien werden nicht abge- waschen, sondern während des Wochenbettes nur abgespült. Ein gleiches gilt für die Reinigung nach der Stuhlentleerung. Jede Wöchnerin erhält unmittelbar nach Verlegung auf das Wochenzimmer, d. h. 2 Stunden nach der Geburt, eine fest an der Vorderseite zu schnallende Leibbinde, die durch einen Steg festgehalten wird. Dieser Steg ist hinten an der Wochenbinde befestigt und wird zwischen den Beinen der Wöchnerin durchgeführt und an der Leibbinde mit Nadeln befestigt, so daß er zugleich die Vorlage fixiert. Sämtliche Wöch- nerinnen verlassen, wenn keine Gegenanzeigen bestehen, am Tage nach der Entbindung das Bett zum ersten Male. Sie erhalten die Erlaubnis, im Zimmer auf und ab zu gehen und sich auf einen Stuhl zu setzen, dürfen aber in den ersten Tagen nur kurze Zeit das Bett verlassen. Allmählich wird diese Zeit verlängert. Besondere Sorgfalt wird der Händepflege der Wöchnerinnen im Interesse der Kinder gewidmet. Vor jedem Anlegen müssen sich die Wöchnerinnen die Nägel reinigen und die Hände gründlich mit Wasser, Seife und Bürste waschen. Ferner werden die Brüste und die Umgebung der Brustwarzen von den Schwestern gereinigt. Dann erst wird das Kind zum Anlegen gereicht. Nach dem Anlegen werden sofort die Brustwarzen gewaschen, wo die Brustwarzen Neigung zum Wund- werden zeigen, mit Alkohol, und dann wird ein steriles Läppchen mit einer einfachen Bor-Lanolinsalbe auf die Warzen aufgelegt. Das Anlegen der Kinder findet, abgesehen von den Fällen, wo es sich um schwächliche Kinder mit geringer Saugfähigkeit handelt, in 4stündigen Pausen täglich 5mal und zwar um 6, 10, 2, 6 und 10 Uhr statt. Nachts werden die Kinder nicht angelegt. Nur zum Anlegen werden die Kinder ihren Müttern in die Zimmer gebracht, im übrigen befinden sie sich in dem Saal für die Kinder, der zeit- weise über 40 Neugeborenen zum Aufenthalt dient. Das Stillen der Kinder wird in regelmäßiger Weise durch die Jaschkesche Saug- pumpe unterstützt und zwar in der Weise, daß in allen Fällen, in denen die Milchmenge zu wünschen übrig läßt, die Brüste mittels der Pumpe völlig entleert werden. Wie in den erwähnten Arbeiten von Jaschke beschrieben, lassen sich auf diese Weise schneller reichlichere Milchmengen erzielen, als wenn das Saugen den Kindern allein überlassen wird. Die Temperaturmessung der Wöchnerinnen 22 Erich Opitz. erfolgt rektal 2mal täglich, morgens zwischen 7 und 8 Uhr, abends zwischen 4 und 5 Uhr, im Bedarfsfalle häufiger. Bei sämtlichen Kindern wird die jedesmalige Trankmenge, ferner täglich 1mal die Gewichts- zunahme und 2mal die Temperatur durch Rektalmessung bestimmt. Diese Angaben werden in Form von Kurven auf besonderen Bogen aufgezeichnet. Zahl und Beschaffenheit der Stuhlentleerung wird be- sonders vermerkt. Für den Fall, daß die Muttermilch nicht ausreicht, wird auch durch besondere Zeichnung die Menge und Art der zu- gefütterten Milch angegeben. Wir haben auf diese Weise eine sehr genaue Uebersicht über das Gedeihen unserer Kinder. Soviel über die Wochenpflege im allgemeinen. Ich komme nun zu der Bewegung der Station. Geburten. I. Hinterhauptslage....... 784 II. 2. 3906 I. Vorderhauptslage..... 10 II. 2 6 Stirnſage.. 1 Gesichtslaee...... 6 Steibjaogc.. 31 Rnielage... 1 Fußlage.. 20 Querlage.... 35 Nicht zu registrieren..... 653 1359 Komplikationen und operative Eingriffe. A) Bei der Mutter: Enges Becken. 74 Myom.— 3 Kystom, Derdidcyste 1 Uterus septus 1 Eklampsie....... 16 Atonia uteri 1 B) Der Frucht: Lwillinge........... 21 Placenta praevia.. 29 Vorliegen und Vorfall der Nabelsohnür. 2 Mißbildungen Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 23 Operative Eingriffe: Dammnaht(inkomplett)..... 205 „(Kkomplett)...... 5 Gervwixnanntk..... 8 Gorpusamputation........ 5 Wendung auf Fuß...... 65 LExUraltion 95 Manuelle Placentarlösung..... 34 Uterustamponade........ 13 ZLange........ 103 NolbenMrgsoho. 1 Metreuryse......... 27 Hebosteotomie........ 2 Vaginaler Kaiserschnitt...... 2 Sectio abdominalis....... 42 Perfonation......... 18 Zu diesen statistischen Ausführungen habe ich folgendes zu bemerken: Die Operationsfrequenz erscheint außerordentlich groß, ins- besondere dann, wenn meine oben aufgestellte Behauptung berück- sichtigt wird, daß wir möglichst abwartende Geburtshilfe betreiben. Indessen ist dabei zu berücksichtigen, daß die Zahl der Normal- entbindungen immer mehr zurückgeht, wogegen die Zahl der patho- logischen Fälle wächst. Das beruht darauf, daß Hausschwangere sich immer weniger zur Aufnahme melden, während verheiratete Frauen und besonders solche, bei denen bereits bei früheren Ent- bindungen oder im Beginn der Geburt Störungen sich gezeigt haben, in steigender Zahl in die Klinik eingewiesen werden. Es ist natür- lich, daß unter den wegen Geburtsstörungen in die Klinik ein- gewiesenen Frauen sehr viele sich befinden, die einer operativen Beendigung der Geburt bedürfen. Wenn wir daher unter im ganzen 1359 Geburten 103 Zangen zu verzeichnen haben, so ist das nicht auf laxe Anzeigestellung, sondern in der Hauptsache auf die genannten Umstände zurückzu- führen. Freilich ist hier und da eine Zange zu Unterrichtszwecken gemacht worden, die sich bei strengster Anzeigestellung vielleicht hätten vermeiden lassen, und es mag auch bei dem häufigen Wechsel der Assistenten der eine oder andere in seiner Anzeigestellung etwas 24 Erich Opitz. freigebiger gewesen sein. Auch spielt die große Anzahl der Privat- patientinnen eine gewisse Rolle dabei, weil bei diesen sehr viel häufiger als bei arbeitenden Frauen die Kräfte vor Beendigung der Geburt erlahmen. Ich möchte dabei bemerken, daß wir die bekannte Leopoldsche Aeußerung, die Zange sei die blutigste geburtshilf- liche Operation, nach unseren Erfahrungen durchaus nicht unter- schreiben können. Freilich sind unsere Zangen sämtlich keine so- genannten hohen Zangen, über die ich eigene größere Erfahrungen überhaupt nicht besitze. Die Mehrzahl der Zangenentbindungen be- zieht sich auf Fälle mit in der Beckenmitte, noch häufiger auf solche mit in dem Beckenausgang stehenden Kopf. In diesen Fällen wird — richtige Zangenanlegung vorausgesetzt— eine Gefährdung der Mutter durch stärkere Blutung, mit anderen Worten große Einrisse, nicht herbeigeführt. Wir benutzen hier in der Klinik ausschließlich das von mir angegebene Zangenmodell, das sich in 10 jähriger An- wendung ausgezeichnet bewährt hat. Die Vorzüge der Zange liegen darin, daß die Löffel an den kindlichen Kopf sehr gut passen, weil ihre Krümmung von Kindschädeln mit Hilfe von Umrißzeichnungen gewonnen worden ist. So kommt es auch, daß die Dammrisse bei den Zangenentbindungen verhältnismäßig nicht häufig sind, selbst nicht bei Erstgebärenden, worüber die Dissertation von Kloß nähere Auskunft gibt. Dieses Verhalten ist dadurch zu erklären, daß die Zangenlöffel nicht wie bei dem meist üblichen Nägeleschen Zangen- modell weit vom Kopf abstehen, sondern sich diesem fast voll- kommen genau anschließen. So wird eine starke Dehnung der hin- teren Scheidenwand, welche eine der Hauptursachen der Dammrisse bei Zangenentbindungen ist, fast vollständig vermieden. Daß trotz- dem die Zahl der Dammrisse nicht gering ist, 205 auf 1359 Geburten und dazu noch 5 komplette Dammrisse, findet seine Erklärung in der Tatsache, daß der Dammschutz vielfach von Hebammenschülerinnen und Studenten geleistet wird, die noch nicht über die genügende Erfahrung und Geschicklichkeit verfügen. Bezüglich der Versorgung der Dammrisse möchte ich erwähnen, daß wir grundsätzlich, schon aus didaktischen Gründen, jeden Dammriß durch die Naht schließen, obwohl nach meiner im Wöchnerinnenasyl zu Düsseldorf gesammelten Erfahrung durchaus nicht jeder Dammriß zweiten Grades der Naht bedarf, um tadellos zu heilen. Ich habe dort die Beobachtung machen können, daß Wöchnerinnen mit Dammrissen, die ich häufig erst mehrere Stunden Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 25 bis zu 24 Stunden nach der Entbindung sah, eine gute Verklebung der Dammwunde, und zwar genau den natürlichen Verhältnissen entsprechend, zeigten. Es sind das solche Einrisse, die bei Spontan- entbindungen entstanden waren und ausschließlich das Dammgewebe, nicht aber auch Fasern der Musculi puborectales betrafen. In der ersten Zeit habe ich diese Verklebungen immer getrennt und an ihre Stelle eine Naht gesetzt. Nachdem ich mich aber mehrfach überzeugt hatte, daß die Verklebungen durchaus in einer den natür- lichen Verhältnissen entsprechenden Weise zustande gekommen waren, habe ich später eine ganze Reihe derartiger Risse ungenäht gelassen. Ich habe mich bei der Entlassung der Wöchnerinnen überzeugen können, daß eine tadellose Verheilung zustande gekommen war. Die Technik der Dammnaht, wie wir sie üben, ist viel- leicht nicht ohne Interesse. Wir legen, wenn die Puborektales an dem Dammriß beteiligt sind, diese Muskel einigermaßen frei und vernähen die Risse isoliert mit Katgut. Sind die Muskelränder nicht sicht- und fühlbar, so wird ohne Mitfassen der Haut das Gewebe den natürlichen Verhältnissen entsprechend zusammengezogen. Dieses Nähen ist für die Frauen fast vollständig schmerzlos, so daß wir von einer Narkose zum Zweck der Dammnaht in letzter Zeit stets Abstand nehmen konnten. Die Haut wird darüber mit v. Herff- schen Klammern vereinigt, die bis zum 6. Tage liegen bleiben. Wir haben mit dieser Methode des Dammverschlusses ganz ausgezeichnete Erfolge erzielt. Von seltenen Ausnahmen abgesehen, heilt die Wunde primär und zwar so, daß man eine Narbe nur bei allergenauester Betrachtung später entdecken kann. Auch bei den kompletten Damm- rissen, von denen sich fünf ereignet haben, hat sich diese anatomische Nahtmethode ganz ausgezeichnet bewährt. Es wird erst mit feinen Katgutnähten der Riß im Darm vereinigt, dann durch besondere Naht der durchrissene Sphinkter zusammengezogen. Nun erst wird wie beim Dammriß zweiten Grades die Dammwunde subkutan ge- näht und die Haut mit Klammern verschlossen. Während im all- gemeinen die Dammrisse dritten Grades bei frischer Naht sehr ge- ringe Neigung zur Heilung zeigen, sind von den fünf kompletten Dammrissen bei uns drei primär geheilt. Ueber die übrigen Operationen gibt die Tabelle genügend Aus- kunft. Nur möchte ich bezüglich der manuellen Placentalösung, die 24 mal vorgenommen werden mußte, bemerken, daß sie nur auf allerstrengste Anzeige hin geschieht. Es ist unerläßliche Vorschrift, 26 Erich Opitz. wenn der Credésche Handgriff ohne Narkose nicht Erfolg hat, ihn erst noch einmal in Narkose zu wiederholen, ehe die Ausräumung der Placenta mit der Hand vorgenommen wird. Wenn trotz ein- wandsfreier Geburtsleitung und dieser Vorschrift 34 manuelle Placenta- lösungen notwendig wurden, so ist das nur ein Zeichen für die Art unseres Materials, das viele Frauen enthält, die wegen Blutungen in der Nachgeburtszeit bei vorangegangenen Entbindungen die Hilfe der Klinik in Anspruch nehmen. Bei den Perforationen handelt es sich ausschließlich um abgestorbene Kinder. Die Perforation des lebenden Kindes wird bei uns niemals ausgeführt. Wir sind heute in der Lage, mit Hilfe des suprasymphysären Kaiserschnittes oder auch vielleicht mit der Beckenspaltung diesen Eingriff vollständig zu ver- meiden. Den Fällen von Placenta praevia möchte ich noch einige Worte widmen. Es sind bei uns im ganzen 29 Fälle in der Be- richtszeit beobachtet worden mit zwei Todesfällen der Mütter an Verblutung, die mit Metreuryse und nachfolgender Wendung be- handelt worden sind. Im übrigen war die Behandlung folgende: Zwei Geburten sind spontan ohne jeden Eingriff erledigt wor- den, von diesen war das eine Kind bei Einlieferung der Frau bereits abgestorben, das andere Kind ist lebend geboren worden. In einem weiteren Fall ist nur die Steißlagenextraktion bei totem Kind aus- geführt worden. In 2 Fällen genügte die Blasensprengung. Das eine Kind wurde lebend, das andere tot, beide spontan geboren. Die größte Anzahl von Fällen, und zwar 17, ist mit Metreuryse und Wendung behandelt worden. Unter diesen waren 3 Füälle von Placenta praevia centralis. Zwei von diesen Müttern erlagen der starken Blutung. Zwei der Kinder waren schon vor der Ent- bindung abgestorben. Fünf Kinder sind tot und neun lebend ge- boren worden. Eines der letzteren stellte sich nach Ausstoßung des Metreurynters mit dem Kopf ein, wurde schnell ins Becken getrieben und dann mit der Zange entwickelt. Dreimal haben wir die kombinierte Wendung nach Braxton-Hicks angewendet, und zwar einmal bei vorher schon abgestorbenem Kinde, zweimal starb das Kind im Laufe der Geburt ab. Ein Kind konnte bei vollständig erweitertem Muttermund durch Wendung und Extraktion lebend ge- boren werden. Dreimal schließlich haben wir den cervikalen Kaiser- schnitt angewandt, einmal bei Placenta praevia centralis und zweimal Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 27 — bei Placenta praevia lateralis. Diese Kinder sind lebend geboren worden und auch die Mütter sind gesund nach Hause gegangen. Das Bild der Behandlung ist also recht bunt. Ich möchte deshalb die Gelegenheit nehmen, die Stellung, die wir vorläufig zu dem Problem der Behandlung der Placenta praevia einnehmen, kurz zu skizzieren. Im allgemeinen scheint mir bei starker Blutung und bei für zwei Finger durchgängigem Muttermund das Verfahren der Me- treuryse mit nachfolgender Wendung und Extraktion das Verfahren der Wahl zu sein. Voraussetzung ist dabei aber, daß die Kinder lebend sind, denn bei abgestorbenem Kinde oder unreifer Frucht leistet das viel leichtere Verfahren der Wendung nach Braxton- Hicks für die Mutter, die dann ja allein in Frage kommt, minde- stens das gleiche. Wenn trotzdem zweimal in der Berichtszeit bei abgestorbenem Kinde die Metreuryse angewandt ist, so ist das nach meiner Auffassung ein Fehler, der in meiner Abwesenheit von jungen Assistenten begangen worden ist. Soll das Verfahren der Metreuryse aber seine Zwecke erfüllen, so ist Bedingung, daß die Geburt sorgfältig beobachtet und daß sofort nach der Ausstoßung des Metreurynters die Wendung mit Extraktion vorgenommen wird. Geschieht das nicht, so kann gelegentlich eine gefährliche Blutung auftreten. Wird diese Vorschrift beobachtet, so dürfte für die Mütter die Wendung nach Braxton-Hicks und die Metreuryse die gleich günstige Aussicht auf Heilung bieten. Für die Kinder ist aber das Verfahren der Metreuryse auch nach unseren Erfahrungen ganz wesentlich besser, wie aus den oben angeführten Zahlen hervorgeht: 9 lebende gegen 6 abgestorbene Kinder, so daß man also wohl von diesem Verfahren Gebrauch machen soll. Die Blasensprengung wenden wir dann an, wenn der vorliegende Placentalappen nicht groß ist und der Kopf vorliegt, oder zur Zeit, zu der die Kranken ein unsere Behandlung treten, die Erweiterung schon so weit ge- diehen ist, daß man mit Sicherheit eine Kompression der Placenta durch den vorliegenden Kopf erwarten darf. Die Eihäute müssen dann aber gründlich zerrissen werden, damit ein Zerren am vor- liegenden Placentalappen auch mit Sicherheit vermieden wird. Was unsere Stellung zum Kaiserschnitt anbetrifft, so stehe ich diesem Verfahren zurzeit noch etwas abwartend gegenüber. Es ist sicher, daß mit diesem Verfahren lebende Kinder fast ausnahms- los lebend erhalten werden können, und die Gefahr für die Erich Opitz. 00 Mutter dürfte kaum höher zu veranschlagen sein als bei der Me- treuryse oder der Wendung nach Braxton-Hicks. Wenn ich trotzdem die Sectio caesarea noch nicht als Verfahren der Wahl bei uns bezeichne, so liegt das daran, daß schließlich trotz aller günstigen Prognose der operative Eingriff doch recht groß ist und immerhin für sämtliche Beteiligten ein gewisses Wagnis bedeutet, das— frei- lich vielleicht nur scheinbar— bei der Entbindung auf natür- lichem Wege nicht so groß ist. Für unbedingt angezeigt halte ich aber die Sectio caesarea in allen Fällen, wo die Erweiterung des Muttermundes noch nicht genügt, um die Metreuryse oder die Wen- dung nach Braxton-Hicks ausführen zu können, und wo bereits vorher stärkere Blutungen bestanden haben. Ferner würde ich stets, wenn man nach dem Tastbestand das Vorliegen eines sehr dicken Placentalappens annehmen kann, und weiter in Fällen, bei denen man das Gefühl einer Ausladung des Uterus unmittelbar über der Cervix hat, den Kaiserschnitt ausführen. Es sind das wohl Fälle, bei denen die Placenta sich in das seitliche Cervixgewebe tief ein- gesenkt hat nach Art der von Ahlfeld und Aschoff in dieser Zeitschrift beschriebenen Beobachtung. Man hat bei der Sectio caesarea die Möglichkeit, die Placenta schnell zu entfernen und den gedehnten Isthmus fest zu tamponieren, ehe eine allzu große Aus- ziehung dieses Abschnittes mit ihren gefährlichen Folgen eingetreten ist. Im Falle die Frauen als aseptisch zu betrachten sind, scheint mir der klassische Kaiserschnitt besser als der cervikale. In allen Fällen aber, wo wir an der Asepsis der höheren Geburtswege zweifeln, dürfte der cervikale Kaiserschnitt, trotzdem wir bei ihm häufig die Placentastelle treffen, das lebenssicherere Verfahren dar- stellen. Die weitere Erfahrung wird zeigen, ob wir allmählich die Metreuryse mit nachfolgender Wendung und Extraktion durch den Kaiserschnitt ersetzen werden ¹). Einen besonderen Fall von Ausladung des unteren Uterin- segmentes möchte ich noch erwähnen. Es handelt sich um eine 28jährige Zweitgebärende, die im 7. Monat der Schwangerschaft mit recht erheblichen Blutungen zu uns kam und bei der eine deutliche Ausladung des unteren Uterussegmentes bei für den Finger undurchgängigem Cervikalkanal sich fand. Wir haben die ¹) Anmerkung bei der Korrektur: An diesem Punkte sind wir nach weiteren Erfahrungen 1915 angelangt. Cf. auch die in diesem Hefte folgende Arbeit von Jaschke, die noch bis zum heutigen Tage ergänzt werden konnte. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 29 Frau, weil wir erst Verdacht auf Placenta praevia hatten, längere Zeit zur Beobachtung in die Klinik aufgenommen, um möglichst die Reife des Fötus abwarten zu können. Es traten aber spontan vorzeitig Wehen ein, die uns zum Eingreifen veranlaßten. Es wurde die Sectio caesarea cervicalis vorgenommen in der bei uns üblichen Weise. Der Verlauf war zunächst glatt, indessen trat nach 14 Tagen von einer Thrombose in der Nähe der Wunde eine Lungenembolie auf, die aber trotz sehr umfäng- lichen Lungeninfarktes zunächst in Heilung ausging. Als die Patientin sich vollständig erholt hatte und bereits mehrere Tage außer Bett war, überraschte sie an dem Tage, an dem sie entlassen werden sollte, auf dem Abort eine neue Lungenembolie. Ich habe bei dieser Frau noch die Trendelenburgsche Operation versucht in der von Krönig an- gegebenen Modifikation, leider trat während der Operation der Exitus ein. Ich habe die Operation noch zu Ende geführt und aus beiden Lungenästen große Emboli herausgeholt, indessen konnte das die Frau nicht mehr retten. Bemerkenswert ist bei dem genannten Fall, daß die Frau eine sehr schlechte Herztätigkeit hatte. Schon vor der Operation war der Puls an- dauernd sehr hoch und stets leicht erregbar, schon beim bloßen Gespräch schnellte er von der Frequenz von 110— 120 auf 150— 160 empor. Auch klagte die Frau ständig über Herzbeschwerden. Es ist höchst wahr- scheinlich, daß bei einer derartig mangelhaften Herztätigkeit auch die Zirkulation im Becken so schlecht war, daß sie zur Bildung von aus- gedehnten Thromben im Gebiete der Operationswunde Veranlassung ge- geben hat. Eklampsien haben wir im ganzen 16 beobachtet mit 3 Todes- fällen. Der eine Fall(Journal-Nr. 74, 1913) betrifft eine Frau, die mit ausgebreitetem Oedem und ikterischer Verfärbung zu uns in die Klinik kam. Einige Tage nach Ausstoßung der Frucht trat unter zunehmendem Icterus der Tod ein, ohne daß während des ganzen Klinikaufenthaltes das Bewußtsein klar geworden war. Nach dem Sektionsbefund ist der Fall als Eklampsie ohne Krämpfe gedeutet worden. Eine andere Frau kam, nachdem trotz Stroganoffverfahren und Entbindung die Urinsekretion nicht in Gang kommen wollte(Journal- Nr. 599/1913), während der Vornahme einer Nierendekapsulation ad exitum. Ueber den dritten Todesfall kann ich, da leider das Kranken- blatt verloren gegangen ist, nähere Angaben nicht machen. Die geringe Zahl der Eklampsien, die bei uns vorkommen, 30 Erich Opitz. macht es unmöglich, statistische Feststellungen von einigem Wert für die Beurteilung des geeigneten Behandlungsverfahrens zu machen. Wir befolgen grundsätzlich das, was Engelmann die Therapie der mittleren Linie genannt hat, d. h. wir nehmen zunächst bei Eklampsien den Aderlaß vor und führen die Behand- lung nach Stroganoff durch. Nur ersetzen wir nach v. Herff das Chloralhydrat durch das für das Herz unschädliche Dormiol. Außerdem aber legen wir Wert darauf, die Entbindung, wo sie be- reits im Gange ist, zu beschleunigen und zu beenden. Sehr zweck- mäßig ist dazu die einfache Blasensprengung nach Wehenbeginn. Nach den Erfahrungen, die ich in Düsseldorf gemacht habe, wo wir zwei mittels Sectio caesarea entbundene Eklamptische verloren haben, weil die Wunden schlecht heilten, nehme ich jetzt von größeren Eingriffen, wie vaginalem oder klassischem Kaiserschnitt, Abstand. Wohl aber beendigen wir die Entbindung, sobald das ohne größeren Eingriff möglich ist. Nicht unwichtig scheint mir auch eine Entleerung des Darmes zu sein, denn nach manchen Beobachtungen bin ich geneigt, anzu- nehmen, daß abnorme Zersetzungsvorgänge im Darm auch eine gewisse Rolle, vielleicht sogar eine sehr wichtige Rolle bei der Ent- stehung der Eklampsie spielen. Auch die Bekämpfung der von Zweifel nachgewiesenen Säureüberladung des Blutes, die vielleicht auf die gleiche Ursache zurückzuführen ist, scheint mir in manchen Fällen nützlich zu sein. Mehr als symptomatisches Mittel betrachten wir in Fällen, wo die Anurie nicht weichen will, die Entkapselung der Niere, die sich mir in Düsseldorf in manchen Fällen wirk- sam erwiesen hat. Hier in Gießen sahen wir aber nur zweimal uns zu diesem Eingriff veranlaßt. Eine der beiden Frauen kam, wie schon erwähnt, in tabula ad exitum. Zu den Eklampsien gehören eng die Nephropathien der Schwangerschaft, von denen wir eine große Anzahl zu beobachten Gelegenheit hatten. Zwei davon sind ad exitum gekommen, darunter eine Frau(Journal-Nr. 275/1913), die gleichzeitig einen schweren Herzfehler hatte. Bei dieser Frau wurde wegen sehr starker Oedeme und zunehmender Verschlechterung des Zustandes die Einleitung der Geburt vorgenommen. Es handelte sich um Zwillinge, die in Querlage sich befanden. Die Früh- geburt konnte die Frau nicht mehr retten, sie ging kurz nach der Ent- bindung zugrunde. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 31 Bei einem zweiten Fall handelte es sich um eine Frau mit engem Becken, bei der dieser Geburtskomplikation wegen die Sectio caesarea vorgenommen wurde(Journal-Nr. 655/1913). Die Frau kam wegen ihres engen Beckens zur Entbindung zu uns. Es wurde die suprasymphysäre Entbindung in der üblichen Weise vor- genommen. Die Operation verlief ohne besonders starke Blutung, jedoch trat kurz nach der Entbindung der Exitus ein. Die Autopsie deckte eine schwer erkrankte Niere auf(große weiße Niere), zahlreiche Nekrosen in Leber und Pankreas. Von der Nierenerkrankung war uns bei der Vor- nahme der Operation nichts bekannt, da die Frau mit Wehen herein- gekommen war. Die Operation dürfte mit dem Todesfall gar nichts zu tun haben. Ueber die Erkrankungen im Wochenbett möchte ich mich hier nicht verbreiten. Unsere Morbiditätsstatistik wird in einiger Zeit ausführlich veröffentlicht werden, sobald wir die Möglichkeit haben, Vergleichszahlen zwischen Gespülten und Nichtgespülten in genügender Höhe zu geben. Heute möchte ich nur erwähnen, daß ein Todesfall an Infektion, die in der Klinik entstanden wäre, unter den sämtlichen Geburten nicht vorgekommen ist. Im ganzen haben sich aber unter den 1359 Geburten 13 Todesfälle ereignet, über die ich im folgenden kurz berichten möchte. Wie bereits erwähnt, sind 2 Todesfälle an Verblutung bei Placenta praevia, 3 Todesfälle wegen Eklampsie und 2 wegen Nephritis in der Schwangerschaft vorgekommen. Die übrigen Todesfälle sind folgende: Ein sehr merkwürdiger Fall, der bereits früber von Stephan ver- öffentlicht worden ist: eine intraperitoneale Blutung aus einem geplatzten Varix im Ligamentum latum. Ein zweiter Todesfall betrifft eine Frau, die augenscheinlich nach kriminell eingeleiteter Frühgeburt mit hohem Fieber eingeliefert wurde und nach Metreuryse entbunden wurde. Sie ging an Sepsis zugrunde. Eine Frau ist am 12. Tage des Wochenbettes(Journal-Nr. 71/1913) nach spontaner Geburt bei allgemein verengtem Becken mäßigen Grades, der eine schwere Atonie folgte, an einer lobulären Pneumonie zugrunde gegangen. Ein Todesfall bei einer Herzkranken wird in einer folgenden Arbeit, von Jaschke gewürdigt. Ein weiterer Todesfall betraf eine Frau mit perniciöser Anämie (Journal-Nr. 233/1912). Es handelte sich um eine 37jährige Acht- gebärende, die in sehr elendem Zustand bei uns Aufnahme fand. Die 32 Erich Opitz. sichtbaren Schleimhäute waren kaum gefärbt, die Hautfarbe intensiv gelb, die Sklerae etwas ikterisch, starke Oedeme am ganzen Körper. Herzgrenzen links wegen der Mamma nicht zu bestimmen, rechts ein Querfinger vom rechten Sternalrand entfernt, an der Herzspitze leichtes systolisches Geräusch. Gallenblase und Leber nicht empfindlich. Uterus drei Querfinger oberbalb des Nabels, Rücken rechts, Kopf ins Becken eingetreten. Blutuntersuchung: Hämoglobingehalt von 18%, Erythrozyten 1 100 000, Leukozyten 7600, Urin klar, frei von Eiweiß, im Sediment Epithelien und granulierte Zylinder, Gallenfarbstoff, Diazo negativ. Am Tage nach der Aufnahme wurde die Blase gesprengt, Wehen traten bald alle 4—5 Minuten auf. Schon 1 Stunde später er- folgte die Geburt eines lebenden Kindes von 2550 g Gewicht. Die Pla- centa löst sich schnell von selbst, der Blutverlust dabei betrug höchstens 150 cem. Wegen der schweren Anämie erhielt die Patientin 20 ccm de- fibriniertes Blut intraglutäal. Dasselbe Verfahren wurde am nächsten Tage wiederholt. Eine Besserung war nicht festzustellen. Am 4. Tage des Wochenbettes wurde die Patientin somnolent und am 5. erfolgte der Exitus. Die Autopsie wurde verweigert. Das Kind erhielt Kuhmilch- verdünnung und wurde am 19. Tage mit 2450 g Gewicht bei gutem Zu- nehmen entlassen. Diese sämtlichen Todesfälle dürften der Klinik nicht zur Last fallen. Von dem 13.— Journal-Nr. 663/1913— läßt sich das leider nicht behaupten. Bei einer Querlage mit Armvorfall und lebendem Kinde entstand schon durch das Eingehen mit der Hand in den Uterus eine Ruptur. Die schleunigst vorgenommene Laparotomie konnte die Frau nicht mehr retten. Unter den geburtshilflichen Operationen fehlt vollständig die Einleitung der künstlichen Frühgeburt wegen engen Beckens. Die Frühgeburt ist überhaupt nur 3mal künstlich eingeleitet worden, jedoch nur wegen schwerer Erkrankung der Mutter in der Schwanger- schaft, nicht wegen engen Beckens. Für dieses scheint uns grund- sätzlich die Frühgeburt nicht das geeignete Verfahren zu sein. Wir haben im ganzen 74 Geburten bei engem Becken beobachtet. Ein gewisser Teil der engen Becken dürfte jedoch der Beobachtung ent- gangen sein, weil bei Frauen, die während der Geburt eingeliefert wurden, nicht regelmäßig bei der Entlassung die Conjugata vera gemessen worden ist. Solche Frauen, bei denen unter unwesent- Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 33 lichen Störungen durch das enge Becken die Geburt zu Ende ge- gangen ist, sind also sicher zum Teil der Beobachtung entgangen. Erst in letzter Zeit ist regelmäßig die Untersuchung des Beckens bei der Entlassung der Wöchnerinnen vorgenommen worden. 37mal gab das enge Becken die Veranlassung zur Ausführung des Kaiser- schnittes, 2mal zur Ausführung der Hebosteotomie. Grundsätzlich verfahren wir beim engen Becken so, daß im Geburtsbeginn ohne weiteres der Kaiserschnitt vorgenommen wird, wenn es sich um Frauen handelt, bei denen die Conjugata vera weniger als 7 ½ cm mißt oder wo der Verlauf früherer Geburten oder eine erhebliche Größe oder Härte des Kindschädels von vornherein eine Spontan- geburt ausschließen. In den übrigen Fällen warten wir den Ge- burtsverlauf ab und greifen ein, wenn es sich zeigt, daß die Wehen eine Spontangeburt nicht zustande kommen lassen oder daß eine Ge- fährdung des Kindes eintritt. Im allgemeinen wird der cervikale Kaiserschnitt ausgeführt nach der von mir mehrfach beschriebenen Methode mit breiter Eröffnung der Bauchhöhle. Zu den zuletzt ver- öffentlichten 50 Fällen, die zum Teil noch aus der Düsseldorfer Zeit stammen, sind noch weitere 8 cervikale Kaiserschnitte wegen engen Beckens hinzugekommen, so daß wir jetzt über eine ununter- brochene Reihe von 58 cervikalen Kaiserschnitten bis zum 1. Juni verfügen ¹). Unter diesen ist nur ein einziger Todesfall vorgekommen, den ich oben schon erwähnt habe, mit schwerer Nierenerkrankung, die kurz nach der Operation den Exitus herbeiführte. Dieser Todes- fall kann natürlich der Operation nicht zur Last gelegt werden. Ich glaube, auch bei allerstrengster Kritik, deren ich mich befleibßige, darf man diesen Todesfall nicht als einen wegen des Kaiser- schnittes erfolgten ansehen, so daß wir jetzt tatsächlich über eine ununterbrochene Reihe von 57 cervikalen Kaiserschnitten wegen engen Beckens verfügen, bei denen ein Todesfall nicht vorgekommen ist, trotzdem eine ganze Reihe infizierter oder infektionsverdächtiger Fälle sich darunter befanden. Auch unter den in jüngster Zeit operierten Fällen ist kein Todesfall zu beklagen. Wenn die bakterio- logische Untersuchung des Fruchtwassers und die Infektion der Bauchwunde das Vorhandensein von infektionstüchtigen Keimen erwies, sind trotzdem keine peritonitischen Symptome aufgetreten. ¹) Seitdem hat sich die Zahl der cervikalen Kaiserschnitte ohne Todes- fall auf 67 gesteigert. Erich Opitz. Außerdem sind noch 5 klassische Kaiserschnitte ausgeführt worden, und zwar bei solchen Fällen, bei denen wir der aseptischen Beschaffenheit der Geburtswege sicher waren. Weil das nur aus- nahmsweise der Fall ist, bleibt nach wie vor bei uns die cervikale Methode vorherrschend. Außer dem engen Becken gab die Anzeige zum Kaiserschnitt 3mal Placenta praevia, wie oben erwähnt, 1mal ein Ovarialtumor, der das Becken verlegte, und 1mal ein Herzfehler. Einer von den Kaiserschnitten erkrankte im Wochenbett noch an Eklampsie. Von Besonderheiten möchte ich noch erwähnen, daß wir ein- mal gleichzeitig mit dem Kaiserschnitt die Enukleation eines apfel- großen subserösen Myoms vorgenommen haben. Ein weiterer Fall ist besonders bemerkenswert. Es handelte sich um eine Erstgebärende mit engem Becken, bei der in üblicher Weise der cervikale Kaiserschnitt vorgenommen war. Trotzdem wir wie immer vor Beginn der Operation bei Einleitung der Narkose, ferner bei Eröffnung der Bauchhöhle und schließlich ein drittes Mal nach Entfernung des Kindes je 1 ccm Sekakornin intramuskulär gegeben hatten, blieb der Uterus vollständig schlaff. Selbst die Injektion von Adrenalin in die Muskulatur brachte nur in der allernächsten Umgebung der Einstichstelle eine geringe Kontraktion der Muskulatur zustande. Trotz längeren Ab- wartens und Massierens des Uterus ließ sich auch nicht die geringste Zusammenziehung des Uterus erreichen— er blieb ein schlaffer Sack, aus dem es sofort blutete, wenn die Kompression des Uterus nachließ. Ich habe mich deshalb schweren Herzens entschließen müssen, um die Frau nicht verbluten zu lassen, den Uterus zu entfernen. Merkwürdig war, daß der Uterus sofort, nachdem er aus dem Körper herausgenommen war, sich fest zusammenzog und verkleinerte. Diese Beobachtung war mir um so schmerzlicher, als es sich um eine noch junge Frau handelte. Indessen glaubte ich es nicht verantworten zu können, den vollständig schlaffen und selbst auf Adrenalin nicht reagierenden Uterus in der Bauchhöhle zurückzulassen, nachdem die Frau bereits 1 ½— 2 Liter Blut verloren hatte und recht anämisch geworden war. Der Verlauf war ganz glatt, die Mutter ist gesund mit gesundem Kind entlassen worden. Gegenüber den Kaiserschnitten treten die Beckenspaltungen bei uns sehr stark zurück. Wir haben deren nur zwei ausgeführt bei augenscheinlich besonders günstig dafür gelegenen Fällen, und zwar in Form der Hebosteotomie. Auch in Zukunft wird jedenfalls dieses Verfahren zur Beseitigung des im engen Becken gelegenen Geburts- Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 35 hindernisses nach unseren günstigen primären und späteren Erfolgen keine Veranlassung, unsere Methode des Kaiserschnittes zu verlassen oder sie durch die Beckenspaltung zu ersetzen. Der vielfach der Beckenspaltung nachgerühmte Vorteil, daß die Frauen einen ge- ringeren Eingriff durchzumachen hätten und sich nicht als operiert fühlten, scheint mir nicht ausschlaggebend. Wenigstens ist mir bei unseren Fällen aufgefallen, wie wenig die mit Kaiserschnitt operierten Frauen über Wundschmerzen nach der Operation klagen. Freilich hat auch in manchen Fällen die Beckenspaltung ihre Vorzüge. Es handelt sich da aber um besonders dafür geeignete Fälle, so daß ihr Gebiet nach meiner Auffassung immerhin gegenüber dem Kaiser- schnitt begrenzt bleiben wird. Ich werde jedenfalls in Zukunft dann die Symphysiotomie ausführen, die mir doch zweckmäßiger zu sein scheint als die Durchsägung des knöchernen Beckens und nach den Berichten von Zweifel und Frank wenigstens in der Hand dieser beiden Autoren Ausgezeichnetes geleistet hat. Nur vermag ich nicht einzusehen, weshalb in unserer heutigen Zeit durchaus diese Operationen subkutan ausgeführt werden müssen. Alles Arbeiten im Dunkeln hat seine Nachteile und nach den uns heute zur Ver- fügung stehenden Methoden zur Wundbehandlung finde ich keinen Grund, weshalb man auf den großen Vorzug, bei der Operation zu sehen, verzichten soll. Nach meiner Ueberzeugung bestehen die Gefahren eines etwas größeren Hautschnittes nur in der Einbildung. Die beiden Hebosteotomien sind nach der Döderleinschen Me- thode ausgeführt worden. Störungen der Wundheilung haben sich nicht ergeben. Noch ein Wort zur Thrombosenfrage. Wir haben mehr- fach Thrombosen erlebt. Ihre Zahl ist in der Dissertation von Linden für die Zeit bis zum 1. April 1914 ausgerechnet worden. Map sieht daraus, daß trotz des Frühaufstehens der Wöchnerinnen Thrombosen sich nicht vermeiden lassen. Im übrigen möchte ich bezüglich der Thrombosen doch anregen, daß man eine strengere Scheidung zwischen den Thrombosen in oberflächlich gelegenen varikösen Venen und tiefen Thrombosen macht. Die ersteren lassen sich auf keine Weise vermeiden, es sei denn, daß man eine be- sondere Behandlung der Krampfadern schon vor der Geburt systema- tisch durchführt. Diese Thrombosen sind meiner Meinung nach ein sicherer Beweis für die Aschoffsche Anschauung über die Entstehung der Thrombosen, denn hier kann zweifellos von Infek- 36 Erich Opitz. tionen keine Rede sein. Ihre Bedeutung ist jedenfalls sehr gering und Embolien dürften nur in seltenen Ausnahmefällen von ihnen ausgehen. Denn wenn in den erweiterten Stellen der Venen sich Thromben bilden, so folgen stromabwärts wieder engere Stellen der Venenlichtung, welche es zusammen mit der stark verbuchteten Ge- stalt der Erweiterung fast unmöglich erscheinen lassen, daß diese Thromben sich loslösen und in die Lungen geworfen werden. Ich halte deshalb diese Thrombosen im allgemeinen für eine recht unbedenkliche Erkrankung. Nur dann sind sie als ernst anzusehen, wenn sie sich in die tiefer gelegenen Venen fortsetzen, wie ich es z. B. einmal von einer Thrombose der Saphena gesehen habe, die zu einer Thrombose der Femoralis führte. Im ganzen ist die Zahl der Thrombosen recht gering und eine Embolie bei einem geburts- hilflichen Fall ist nicht vorgekommen mit Ausnahme des obener- wähnten Falles von Sectio caesarea bei schlechtem Herzen und Blutung bei Ausladung des Uterus. Als Uebergang zu den gynäkologischen Fällen möchte ich die Fälle bezeichnen, bei denen wir aus allgemeinen Gründen neben der Unterbrechung der Schwangerschaft die Anzeige auf dauernde Sterilisierung der Frau gestellt haben. Genaueres darüber ist in der Dissertation von Samuel enthalten. Hier möchte ich nur erwähnen, daß wir in der Berichtszeit wegen Herafehler 2mal und wegen Lungentuberkulose 9mal diese Operation ausgeführt haben. Diese Frage ist praktisch so wichtig, daß ich sie hier kurz be- sprechen möchte. Unser Standpunkt bei den Fällen von Tuberkulose ist etwa folgender: Die Lungentuberkulose an sich ist für uns nicht ohne weiteres die Anzeige zur Unterbrechung der Schwangerschaft. Aus dem Grunde, weil neuere Beobachtungen, denen auch ich persönlich einige Fälle hinzufügen könnte, doch gezeigt haben, daß vielfach der gefürchtete schlechte Einfluß einer bestehenden Schwangerschaft auf die Tuberkulose nicht eintritt. Wenn es gelingt, die Frauen unter günstige Verhältnisse zu bringen, ist es, solange es sich nicht um aktive frische Lungenprozesse handelt, durchaus nicht ausge- schlossen, daß in der Schwangerschaft nicht nur keine Verschlechte- rung, sondern sogar eine weitere Besserung der Lungenerkrankung eintritt. Wir betrachten deshalb jeden einzelnen Fall für sich und lassen uns von unseren internistischen Kollegen, die sich unseren Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 37 Wünschen mit großer Freundlichkeit und Bereitwilligkeit gewidmet haben, eine genaue Begutachtung des Falles geben. Bei inaktiven Prozessen von nicht zu großer Ausdehnung wird zunächst abge- wartet und der Einfluß der Schwangerschaft auf die Tuberkulose beobachtet. Handelt es sich jedoch um aktive Prozesse oder Frauen, die fiebern, oder bei denen die Beobachtung eine Verschlechterung des Zustandes trotz Fehlens aktiver Prozesse ersichtlich macht, so wird die Schwangerschaft in den ersten 6 Monaten der Schwanger- schaft unterbrochen. Die Art des Vorgehens wird abhängig gemacht von der Ausdehnung des Befundes. Ist nach dem Urteil der Inter- nisten eine Heilung stark gefährdet durch das etwaige Auftreten neuer Schwangerschaften und erscheint es aussichtslos, daß der tuberkulöse Prozeß in mehr oder weniger kurzer Zeit zur Aus- heilung zu bringen ist, so nehmen wir gleichzeitig die Sterilisie- rung vor. Wir haben dazu, um gleichzeitig die Menstruation auszu- schalten, im allgemeinen die supravaginale Amputation des Uterus per laparotomiam gewählt und nur 2mal dieselbe Operation nach Rieck auf vaginalem Wege ausgeführt. Das vaginale Vorgehen scheint uns nicht den geringsten Vorzug vor dem abdominalen zu verdienen. Im Gegenteil. Der Zweck des Verfahrens ist, den augen- scheinlich schädlichen Einfluß der Rückbildungsvorgänge im Wochen- bett auf den tuberkulösen Prozeß und die spätere Menstruation aus- zuschalten. Dagegen erhalten wir den Frauen die Ovarien. Die Operation wird im Skopolamin-Dämmerschlaf und in Lumbalanästhesie ausgeführt. Allmählich haben wir die Technik dabei so vereinfacht, daß die Operation in kurzer Zeit zu erledigen ist. Die letzte Operation der Art hat vom ersten Schnitt bis zur Anlegung der letzten Hautklammer nur 14 Minuten in Anspruch genommen, trotz- dem sorgfältigste Blutstillung und Peritonealisierung des Wund- gebietes durchgeführt werden. Die Operation ist kurz folgende: Längsschnitt nach Lennander. Vorziehen des Uterus. An- setzen zweier Quetschklemmen zwischen Ovarien und Uterus. Jeder- seits Anlegen je einer Unterbindung in der Quetschfurche und Durchtrennung des Unterbundenen. Durchtrennung des Peritoneums oberhalb der Blase. Abschieben der Blase bis an die Cervix. Isolierte Unterstechung der uterinen Gefäße beiderseits. Absetzen des Uterus etwa in der Mitte der Cervix. Versorgen des Cervix- stumpfes durch 3— 4 Knopfnähte, fortlaufende Naht des Peri- 38 Erich Opitz. toneums unter Bedeckung sämtlicher Stümpfe. Schichtnaht der Bauchdecken. Wir haben auf diese Weise 10 Frauen operiert und können mit dem Erfolg recht zufrieden sein. Keine ist der Operation zum Opfer gefallen. Wir haben bereits in der Klinik bei einigen Fällen eine Besserung des Lungenbefundes feststellen können. Andere sind allmählich besser geworden. Einige Frauen sind später ihrer Lungen- erkrankung erlegen. Genaueres ist in der genannten Dissertation von Samuel enthalten. Ganz ähnlich verhalten wir uns bei schweren Heræfehlern. Grundlegend für unseren Standpunkt sind die bekannten, in mehreren Arbeiten niedergelegten Untersuchungen von Jaschke über die Be- deutung der Herzfehler bei Geburt und Wochenbett. Wo aber, besonders bei Frauen im höheren Alter über 40 Jahren, Dekompen- sation und vor allen Dingen Myocarddegeneration vorliegen, scheint es uns, sobald eine zweckmäßige Herzbehandlung bei Bettruhe keine Besserung erkennen läßt, angebracht, die Operation vorzu- nehmen, und zwar genau in der gleichen Weise wie bei Lungen- tuberkulose. Wir haben in der Weise einen Fall behandelt. Im anderen Falle handelte es sich um eine Schwangerschaft, die schon bis zum 6. Monat vorgeschritten war. Wir haben hier wegen der komplizierenden Nephritis den vaginalen Kaiserschnitt gemacht. Auch dieser Eingriff wurde gut vertragen und die Frau zur weiteren Be- handlung des Herzens in die medizinische Klinik verlegt, aus der sie nach wesentlicher Besserung des Herzens nach Hause entlassen werden konnte. Die Uteruswunde war gut verheilt. Ich wende mich jetzt zu der gynäkologischen Abteilung. Auf den sämtlichen Stationen zusammen wurden in der Be- richtszeit 2060 Kranke aufgenommen. Ueber die Diagnose gibt die beifolgende Tabelle Auskunft, auf die ich hiermit verweise. Tabelle A. Uebersicht über die Aufnahmen vom 1. April 1912 bis 1. Juni 1914. 2060 gynäkologische Aufnahmen, davon 987 operiert. I. Vulva und Vagina. Ruptura perinei inveterata...... 24 Descensus vaginae.... 1 Uebertrag:· 135 Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 39 Uebertrag: 135 5 ämatome der Labien..... 2 Vulroragihitss 110 Adenitis Bartholini 7 Eingewachsenes Pessar. 5 Kolpitis. 2 Carcinoma vulvae 3 3 vaginae 2 Fistula vesico-vaginalis. 1 „ recto-vaginalis 4 „ perineo-vaginalis 1 „ vagino-ureterica 2 „ recto-perinenlis 1 Leucoplacia vulvae 1 Kraurosis vulvae 2 Zusammen: 178 II. Uterus. Meno-Metrofrhagien. 1!178 Eiypoplasia ute...... 3 DysmenofrhodCe...... 59 Wrosio portionis 1413 Hypertrophia portionis..... 2 Gervispolh 227 Garcinoms cervieis. 29 „ Korposss 11 MMyomatosis utert.. 120 Sarcomn iiteri 4 Uterus myomatosus gravidus...... 2 Prolapsus uteri 49 Retroflexio uteri mobilis....... 128 2„ LCrafhaha 22 .„ Srard 12 Endomefritis 9 2 post partum...... 23 PBlacentarpolyhh 9 Abortus 2233 Uebertrag: 943 Erich Opitz. Uebertrag: Subinvolutio uteri... Gravidität mit schwerer Allgemeinerkrankung Perforation des Uterus...... PBlasenmole...... Chorionepitheliom.......... Inversio uteri non puerperalis Zusammen: III. Adnexe. Ovarialkystome. Sonstige Ovarialtumoren(außer Ca.) Carcinoma ovarii.. Dermoide.. Salpingitis.... Pyosalbinx.... Entzündliche Anextumoren 4 Tubargravidität Zusammen: IV. Beckenbindegewebe. Paramekritis aclthe......... 7 chronica.. 1 Inoperable, das Bindegewebe mit ergreifende Tumoren. Pfählungsverletzung. Periproktitischer Abszeß Zusammen: V. Harnorgane. Urethralgonorrhöe, akute....... Oystitis.... Pyelitis Nephrose.......... Tuberculosis renum Tumoren der Blase 5„ Niere Uebertrag: — 00— — d ☛ ð 9 ½ Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. Uebertrag: 114 8 Ren mebilis.. 3 TPuberculosis vesicaꝗdqa 2 Paranephritischer Abszeß..... 1 Nephrolithiasſss 2 Zusammen: 122 VI. Darm und peritoneum. Noduli haemorrhoidales. 1 Fissura ani. 1 Ileus 2 Sarcoma recti. 1 Carcinoma intestini(inkl. recti). 8 5 ventriculi. 5 Fistula intestino-uterina 1 Appendicitis acuta 3 7 Pericolitis adhaesiva chronica.....138 Beritonitis cutehe 2 Wnteroptos 111 Bauchhernieen 10 DOllglasaee,, 5 Zusammen: 192 VII. Sonstiges. Cholecystitis chronica 4 Milzeyste 1 Spondylitis. 3 Carcinoma mammae. 2 Mastitis. 3 3 Bauchdeckenabszeß 1 Scheidenstumpfpolyp. 1 Varicen des Lig. latum 1 Sarcoimna pelvis 4 Nymphomanie. 2 Hyperemesis gravidarum...... 18 Schwangerschaftsdermatosen 1 Lungentuberkulose bei Gravidität.... 24 Uebertrag: 65 Erich Opitz. Uebertrag: 65 Lungentuberkulose......... 1 Miliartuberkulose. 3 Genitaltuberkulose 49 Hysterie. 6 Neurasthenie 7 Lues 6 Anämie 4 Diabetes. 2 Furunculosis 1 Sterilität 38 Puerperalfieber 19 Thrombosen 5 Embolie. 1 Spätblutung im Puerperium 6 Zur Begutachtung aufgenommen 24 Gravidität und dekompensierter Herzfehler 4 8 Zusammen: 245 Gesamtsumme: 2060 Von diesen 2060 Fällen wurden 987 Frauen operiert, wobei aber Abrasionen, Einlegung von Laminariastiften, Probeexzisionen nicht mit angeführt sind. Ueber die Art der Operationen gibt die beifolgende Tabelle Auskunft. Tabelle B. Operationen: Ventrifixur......... 159 Ovariotomte....... 70 Appendektomnie.... 175 Ureterocystanast..... 1 Vaginale Totalexstirpation..... 40 Abdominale Totalexstirpation.... 153 Diszlsslon........... 38 Sphinkternaht.... 15 Interpositio uteri... 12 ELaparotomia probatoria...... 18 Freund-Wertheim. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 43 Supravaginale Amputation..... 28 Salpingeltoiniſoe 3868 Salpingoophorektomie.....a 44 Resectio vesiec. urin.. 1 Tevatorplasti: 11409 Mit Transplantation von Fascie... 2 Lösung von Verwachsungen.... 136 Amputatie vuluiosoes 2 Bauchdeckenplastik 2 Hysterotomia abdom. 1 Netztransplantation..... 1 Vaginofixur. 4 Kolporrhaphia ant. et pest. 8 Trerniotomnioo 11 Hesectio recchct 4 Sasio Ieheththtnt 1 Sectio caesarea vagin. 1 Portioamputation. 2 Ligamentraffung... 10 Vaginale Amfutation des Corpus üter 1 Excochleatio carcin. et sarcom. 5 Nephrektomie 9 Enucleatio myomat. 1 Bauchdrainage— 5 Kolpohysterotomia ant.. 1 Fehlingsches Röhrchen. 6 Glutäalplastik 1 Anus praeternatur. 2 Splenektomie 1 Mißbildungen. 5 Resectio intestin. ten. 2 Cholecystektomie. 1 Enteroanastomose. 1 Es handelt sich um 1214 Eingriffe, die sich aber auf 987 Frauen verteilen, so daß also bei zahlreichen Frauen mehrere Arten von Eingriffen vorgenommen wurden. Auch für die gynäkologische Station ist es vielleicht gestattet, einiges Grundsätzliche, das für die Behandlung der Kranken maßgebend ist, vorauszuschicken. 44 Erich Opitz. Wir huldigen im allgemeinen sehr konservativen Grundsätzen, d. h. Operationen werden nur da ausgeführt, wo sich Gleiches durch konservative Maßnahmen nicht er-— reichen läßt. Bezüglich der Adnexerkrankungen gilt als Grund- satz, daß zunächst eine konservative Behandlung sich als erfolglos erwiesen haben muß, ehe wir an operative Eingriffe herangehen. Seit Aufnahme des Röntgenverfahrens ist für Myome und Uterusblutungen die Röntgenbehandlung das vorherrschende Ver- fahren gewesen, ohne daß es doch die operativen Eingriffe gänzlich verdrängen konnte. Vielfach hat der Zwang für die Frauen, schnell wiederhergestellt zu sein, und die Weigerung der Krankenkassen, die Kosten des Röntgenverfahrens zu tragen, uns zu Operationen gezwungen, die wir sonst unterlassen hätten. Ich möchte aber nicht verfehlen, hervorzuheben, dass die operative Behandlung der Myome und der Metropathien doch bei uns so günstige Erfolge er- geben hat, daß ich nicht die Frauen zu einer Strahlenbehandlung zu überreden versuche, sondern ihnen nach möglichst objektiver Darstellung der Sachlage die Wahl des einzuschlagenden Verfahrens überlasse. Viele entschließen sich danach selbst zur Operation. Seit wir im Besitze von Radium sind und seit wir in der intensiven Röntgenbestrahlung ein vorzügliches Mittel besitzen, Karzinome zum Verschwinden zu bringen, wird diese Erkrankung mit alleiniger Ausnahme der Ovarialkarzinome nicht mehr operativ behandelt. In dieser Beziehung nähere ich mich den bekannten Anschauungen von Krönig, worin ich noch bestärkt werde durch die schlechten Erfahrungen, die wir mit Radikaloperationen bei Uteruskarzinom gemacht haben, von denen noch weiter unten die Rede sein wird. Was die Operationen selbst betrifft, so ist der Standpunkt der Klinik derjenige geblieben, den ich schon mehrfach— zuerst auf der Dresdener Versammlung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und später noch in einzelnen Arbeiten— vertreten habe. Wir suchen etwas zum Besten unserer Kranken zu treiben, was ich die Hygiene der Operation nennen möchte. Dazu gehört einmal eine sorgfältige Asepsis. Unser Verfahren ist mög- lichst einfach. Was die subjektive Asepsis betrifft, so benutzen wir' auch bei Genitaloperationen die gleiche Methode der Desinfektion, wie sie bei der geburtshilflichen Abteilung erwähnt wurde. Wir hüllen ferner zur Operation den Kopf in einen Gazeschleier mit Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 45 einem dichten Einsatz vor Nase und Mund, so daß nur die Augen frei bleiben. Wir ziehen sterile Mäntel an, mit langen Aermeln, die bis zu den Handgelenken reichen und dort besonders befestigt werden. Die Hände werden mit Gummihandschuhen, die trocken angezogen werden, bedeckt. Die Handschuhe reichen über den untersten Teil der sterilen Mantelärmel hinauf. Die Kranken werden vor der Operation durch Baden und Rasieren vorbereitet. Der Leib wird, wenn Laparotomie vorgenommen werden soll, mit einem sterilen Tuch bedeckt. Vor der Operation wird das Tuch entfernt, die Haut mit einem Jodanstrich versehen und dann die Frauen bis auf das Operationsgebiet mit sterilen Tüchern abgedeckt. Bei vaginalen Operationen wird eine Scheidenspülung mit Lysoform- wasser und 60% Alkohol vorausgeschickt und dann die Vulva ebenfalls mit Jod angestrichen. Die Instrumente werden in kochendem Sodawasser sterilisiert, die Bauchtücher usw. in strömendem Dampf. Als Nahtmaterial benutzen wir ausschließlich Katgut mit Ausnahme von Nähten am Darm und zur Befestigung der Ligg. rot. bei Ventri- fixuren. In die Bauchhöhle eingelegte Kompressen werden mit warmer Kochsalzlösung getränkt. Die Hände werden mit sterilem Wasser abgespült. Bei Laparotomien werden die Frauen sofort nach Eröffnung des Abdomens in starke Beckenhochlagerung ge- bracht und die Därme mit feuchten Stopftüchern, von denen jedes von einem Band versehen ist, an das eine Klemme befestigt wird, nach oben zurückgehalten und während des ganzen Verlaufs der Operation mit möglichster Sorgfalt darauf geachtet, daß die Luft von den nicht gerade für die Operation in Betracht kommenden Organen durch feuchte Kompressen vollständig abgeschlossen wird. Auf eine Heizung des Operationstisches verzichte ich grundsätzlich, da wir doch trotz größter Vorsicht in Düsseldorf mehrfach Ver- brennungen dabei erlebt haben. Nach vielfachen Untersuchungen und vor allen Dingen auf Grund unserer Erfahrungen halte ich unsere Asepsis für einwandfrei; indessen ist dies für das Gelingen einer Operation nur eine, freilich wichtige, Voraussetzung, aber längst nicht die einzige Vorbedingung. Ich habe schon in Dresden ausgeführt und bin je länger je mehr zu der Ansicht gelangt, daß eine weitere Verfeinerung der Asepsis, die ja vielleicht noch mög- lich sein könnte, nicht den geringsten Einfluß auf den Verlauf unserer Operationen hat. Die Asepsis der Operation sollte jetzt zu einer selbstverständlichen Sache geworden sein, auf die einzu- 46 Erich Opitz. gehen sich heute vollständig erübrigt. Statistiken mancher Opera- teure, z. B. von Zweifel, zeigen ja auch, daß noch so ausge- dehnte Schutzmaßregeln an den Operationserfolgen nichts ändern können. Ja es scheint fast, als wenn eine ausgedehnte Verwendung von Gummi wieder Schädigungen im Gefolge hätte. Viel wichtiger erscheinen mir zwei andere Gesichtspunkte. Erstens einmal der, die Kranken zur Operation in der Weise vor- zubereiten, daß sie sich möglichst auf der Höhe des für sie erreich- baren Kräftezustandes und der Gesundheit befinden. Zweitens eine Verfeinerung der Technik in dem Sinne, daß grobe Verletzungen und Schädigungen der Gewebe nach Möglichkeit vermieden werden, daß man nur scharf geschnittene Wunden setzt, Massenligaturen vermeidet und eine Schädigung aller Organe, die nicht unmittelbar mit der Operation zu tun haben, peinlichst vermeidet. Auch die Nachbehandlung der Operierten ist von großer Bedeutung. Was den ersten Punkt betrifft, so scheint mir die Pflege des Darmes von großer Wichtigkeit. Ich bin von dem starken Ab- führen mit Rizinus, ausgenommen die Fälle von totalem Dammriss, vollständig abgekommen. Ein starkes Abführen ist untrennbar verbunden mit Reizungen im Darm, unter deren Einfluß die Bakterien- flora in ungünstigem Sinne eine Veränderung erfährt. Da der Dünndarm sowieso im allgemeinen keinen die Operation störenden Inhalt zu bergen pflegt, kommt es auch hauptsächlich auf die Ent- leerung des Dickdarmes vor der Operation an. Diese läßt sich mit Reinigungsklysmen ebenso ausreichend erzielen, wie mit starken Abführmitteln, ohne doch deren Schädlichkeiten zu besitzen. Die Kranken werden also lediglich am Tage und am Morgen vor der Operation mit Klysmen behandelt. Wo wegen chronischer Ver- stopfung eine gründlichere Darmentleerung mit Abführmitteln von oben nötig ist, wird zZwischen dem Abführtag und dem Operations- tag mindestens noch 1 Tag eingeschaltet, in dem der Darm LZeit hat, sich zu beruhigen. Da es nach meiner Meinung, für die ich freilich Beweise zunächst nicht erbringen kann, für den günstigen Verlauf der Operation sehr wesentlich auf die Beschaffenheit des Darminhaltes ankommt, so suche ich durch Verabreichung geeig- neter Nahrungsmittel, wozu am besten die Yoghurtmilch verwendbar ist, die Bakterienflora und damit die Zersetzungsvorgänge im Darm in günstigem Sinne zu beeinflussen. Wichtig erscheint es mir auch, daß die Patienten nicht ausgehungert zur Operation kommen. Sie Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 47 erhalten deshalb, wenn nicht, wie bei Operationen, die den Darm voraussichtlich beteiligen, eine gewisse Hungerkur notwendig ist, ausreichendes Essen am Tage vor der Operation, nur wird auf schlackenarme Beschaffenheit der Kost geachtet. Die hervorragendste Wichtigkeit für die Operationsprognose besitzt aber das Herz. Es wird deshalb vor jeder Operation die Kranke mit möglichster Genauigkeit auf den Zustand ihres Herzens untersucht und auch noch eine Funktionsprüfung vorgenommen, so daß wir ein möglichst sicheres Urteil über die Leistungsfähigkeit des Herzens gewinnen. Handelt es sich um junge, kräftige Menschen mit gutem Herzen, so ist eine Vorbehandlung des Herzens nicht, notwendig. Sind jedoch irgendwelche Zweifel an der Leistungs- fähigkeit des Herzens möglich oder durch den Befund begründet, so schicken wir bei eingreifender Operation eine Digitaliskur voraus, entweder mit Pillen aus Pulv. fol. digitalis oder mit Digipuratum, und zwar so, daß die Kranken bis zum Operationstag 1 g wirksamer Digitalis erhalten haben. Natürlich erfordert auch der Zustand der Lunge und der Niere eine genaue Feststellung. Bei Lungenerkrankungen und insbesondere Tuberkulose wird an Stelle der Inhalationsnarkose Lumbalanästhesie mit Tropakokain benutzt. Akute Katarrhe geben, wenn keine Indicatio vitalis vorliegt, eine Gegenanzeige gegen Operation oder werden vorher zur Heilung gebracht. Die Nierenerkrankung ist für die Operationsprognose bedenklich nach manchen Erfahrungen, die wir gesammelt haben. Wenn irgend möglich, vermeiden wir im Falle von Albuminurie die Operation. Ebenso werden nur dringliche Fälle operiert, wenn ein Diabetes nachzuweisen ist. Für die Schmerzausschaltung benutzen wir im allgemeinen den Dämmerschlaf mit Skopolamin-Pantopon und nachfolgender Aethernarkose. Bei kurzen Eingriffen machen wir auch von Chlor- àthyl Gebrauch, meistens aber benutzen wir auch dazu den Aether und zwar als Aetherrausch. Am Abend vor der Operation erhalten die Patienten ein Schlafmittel, gewöhnlich Veronal-Natrium. Nur wo wegen Lungen- oder schweren Herzerkrankungen eine Gegenanzeige gegen diese Art der Narkose besteht, benutzen wir die Lumbal- anästhesie mit Tropakokain. Im großen ganzen scheint uns die einfache Art der Inhalationsnarkose, mit der wir nur gute Erfah- rungen gemacht haben, als das beste Verfahren, zumal Störungen 48 Erich Opitz. durch Bronchitis oder Pneumonie, wenn Skopolamin vor der Inhalation des Aethers gegeben wurde, so gut wie gar nicht vor- kommen. Was nun die Operationstechnik anbetrifft, so befleißigen wir uns, die oben angeführten Grundsätze durchzuführen. Außerdem aber legen wir Wert darauf, die Eingriffe nach Möglichkeit abzu- kürzen. Aber nicht etwa in der Weise, daß die wichtigsten Schnitte und Unterbindungen hastig angelegt werden, im Gegenteil. Wohl aber läßt sich durch sorgfältige Ueberlegung der einzelnen Hand- griffe und durch Einübung des Operateurs und der Assistenten aufeinander sehr viel Zeit sparen. So ist es uns gelungen, die Operationszeiten stark herabzudrücken. Zum Beispiel genügt für eine supravaginale Amputation, wenn keine Komplikationen vorhanden sind, bequem die Zeit von 15— 20 Minuten. Für Totalexstirpation des myomatösen Uterus brauchen wir in einfachen Fällen nicht mehr als 15— 25 Minuten, für den Kaiserschnitt 25 35 Minuten, eine Levatorplastik dauert 7—15 Minuten und so fort. Ich glaube, daß bis zu einem gewissen Grade auch davon der Erfolg abhängt. Wenigstens sehen wir, wie an der Hand der Todesfälle noch näher zu erörtern sein wird, daß Todesfälle sich ausschließlich, aseptische Verhältnisse vorausgesetzt, bei solchen Operationen ereignet haben, die einen erheblichen Zeitaufwand benötigten oder wo es sich um dekrepide Individuen handelte oder wo schließlich Infektionsquellen in den Frauen selbst gelegen waren. Hier mögen noch einige kurze Bemerkungen über Tampo- nade und Drainage bei gynäkologischen Operationen Platz finden. Unter Voraussetzung sorgfältigster Blutstillung kommen wir selten in die Lage, tamponieren zu müssen; nur wo aus gelösten Adhäsionen oder etwa aus tiefen Venengeflechten wie bei der Karzinomoperation eine exakte Blutstillung nicht möglich ist, wird von der einfachen Gazetamponade Gebrauch gemacht, die stets zur Scheide hinausgeleitet wird. Die Drainage beschränkt sich auf Abszesse irgendwelchen Sitzes. Dagegen verwerfen wir die intraabdominelle Drainage nach irgendwelchen unsauberen Operationen(mit Ausnahme der diffusen Peritonitis) völlig. Wir huldigen hier denselben Grundsätzen, wie sie in der Bummschen und Krönigschen Klinik üblich sind, und legen in allen unsauberen Fällen nur Wert darauf, das Operations- gebiet gegen die übrige Bauchhöhle abzukammern, zu welchem Zweck Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 49 wir Flexur und Netz, nach Bedarf auch andere Darmteile heran- ziehen, um durch Fixierung derselben oberhalb des Operations- gebietes einen sicheren Abschluß zu erzwingen. Zur Hygiene der Operation gehört auch eine zweckmäßige Nachbehandlung. Auch hier bin ich je länger je mehr ein überzeugter Anhänger des Frühaufstehens geworden. Besonders bei anämischen Kranken, wenn nicht Gegenanzeigen bestehen, suchen wir die Frauen möglichst zeitig außer Bett zu bringen. Durchschnittlich geschieht das bereits am Tage nach der Operation. Als Gegenanzeigen betrachten wir Krankheiten, bei denen auch sonst Bettruhe erforderlich ist, so vor allen Dingen Heræzfehler und Nierenerkrankungen, bei denen ja bekanntlich Bettruhe ein wichtiges Heilmittel darstellt. Ebensowenig lasse ich, von Ausnahmefällen abgesehen, Frauen, bei denen eine plastische Operation am Damm vorgenommen ist, vor dem 12.—14. Tage außer Bett. In allen diesen Fällen, besonders aber, wenn es sich um ältere Frauen handelt, muß an Stelle des zeitigen Aufstehens durch Atemgymnastik, durch aktive Bewegungen und durch Massieren der Blutumlauf angeregt werden. Im allgemeinen ist es uns dadurch auch gelungen, die Gefahr der Thrombosen zu vermeiden. Immerhin haben wir doch eine ganze Anzahl von Thrombosen beobachtet und leider auch einige Todesfälle an Embolien zu beklagen gehabt, über die noch unten zu sprechen sein wird. Eine Zusammenstellung der in der Berichtszeit beobachteten Thrombosen und Embolien nach gynäkologischen Operationen ist in der Dissertation von Linden enthalten. Zur Erleichterung der ersten unangenehmen Tage nach der Operation verabreichen wir den Frauen am Nachmittag nach der Operation ein Wasserklysma, um den Durst zu beseitigen. Sie erhalten ferner in den beiden ersten Nächten, wenn sie es sich selbst nicht ausdrücklich verbitten, Morphium oder Pantopon. Zur Anregung der Darmbewegung machen wir schon vom 2. Tage an von Pituitrin Gebrauch, das zugleich auch anregend auf die Herztätigkeit wirkt und vor allen Dingen die Blasenentleerung günstig beeinflußt. Wenn nicht besondere Gegenanzeigen vor- liegen, wird am Morgen des 3. Tages nüchtern Rizinus gegeben in einer Emulsion von Mandelmilch, was fast regelmäßig den ge- wünschten Erfolg herbeiführt. Gelegentlich werden auch andere Mittel, z. B. Peristaltin, Einläufe, angewandt. Weiterer Ausbau der Nachbehandlung dürfte noch möglich sein. Erich Opitz. Was nun die Erfolge unserer Operationen betrifft, so möchte ich zunächst die Todesfälle, die sich ereignet haben, besprechen. Im ganzen sind auf der gynäkologischen Abteilung 54 Frauen ad exitum gekommen, von diesen entfallen 15 auf nicht operierte Frauen, und zwar auf solche, die wegen Sepsis puerperalis oder anderer schwerer Erkrankungen eingeliefert worden sind. Auf die 987 Operierten entfallen im ganzen 39 Todeställe, davon sind 10 nicht als Folgen der Operation anzusprechen, und zwar handelt es sich um folgende Fälle: Journal-Nr. 381/1913. Außerhalb der Klinik manuelle Placentar- lösung, Zurückbleiben von Placentaresten, Fieber. Vaginale Totalexstirpa- tion wegen starker Blutung mit septischen Erscheinungen. Exitus 2 Stunden p. op. an Anämie. Journal-Nr. 483/1913. Ovarialkarzinom mit ausgebreiteten peri- tonealen Metastasen, nur einfaches Ablassen des Ascites. Tod an Maras- mus 3 Wochen später. Journal-Nr. 234/1913. Appendicitischer Abszeß in der Schwanger- schaft, in der chirurgischen Klinik operiert, 3 Tage später wegen Be- ginn der Wehentätigkeit verlegt. Bei abgestorbenem Kinde Sectio cae- sarea und Totalexstirpation. Exitus nach 3 Tagen an Sepsis. Operations- wunde frei. Retrocökaler Abszeß, von dem nach Urteil des Pathologen die Sepsis ausgegangen war. Journal-Nr. 454/1913. Inoperables Sarkom mit Darmyverschluß. Nach 6 Wochen Exitus an Kachexie. Operationsgebiet vollständig frei. Journal-Nr. 302/1913. Ausgedehnte Tuberkulose des Peritoneums. Lediglich Ablassen des Ascites. Exitus nach 10 Tagen an Kachexie. Journal-Nr. 281/1913. Aufnahme wegen ausgedehnter eitriger Peritonitis. Inzision und Drainage. Exitus. Journal-Nr. 698/1913. Appendicitis im Puerperium. Am 4. Tage nach Beginn des Anfalles mit Peritonitis eingeliefert. Abtragen des Wurmes. Exitus. Journal-Nr. 755/1912. Verjauchtes Hämatom bei Extrauterin- gravidität, Peritonitis. Enterostomie. Exitus an der LPeritonitis. Journal-Nr. 576/1912. Einlieferung wegen eitriger Peritonitis. Laparotomie, Drainage. Exitus. Journal-Nr. 513/1912. Mit ganz den gleichen Verhältnissen. In allen diesen Fällen kann wohl keine Rede von einem ur- sächlichen Zusammenhang zwischen Operationen und Todesfall sein. Es bleiben also übrig 29 Todesfälle auf 977 Operationen. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 51 Unter diesen 29 Operationen treffen 15 auf Operationen wegen Karzinoms, und zwar 9 nach Radikaloperation des Uteruskarzinoms, 1 nach Exstirpation eines Rektumkarzinoms, 1 bei Nierenkarzinom, 1 bei Vulvakarzinom, 2 pei Ovarialkarzinom, und 2 wegen Becken- sarkoms. Ziehen wir auch diese Fälle ab, die noch besonders zu besprechen sind, so bleiben auf 901 Operationen anderer Art, noch 13 Todesfälle übrig. Von diesen Todesfällen entfallen 3 auf Prolapsoperationen, 1 auf Myomoperation, 6 auf Operation wegen Tuberkulose, 3 auf sehr ausgedehnte Operationen, die ich noch unten im einzelnen anführen möchte. 4 Todesfälle sind auf Embolien zurückzuführen, und zwar einer nach Radikaloperation wegen einer chronischen Adnexerkrankung, 1 nach Myom-, 1 nach Prolapsoperation und 1, wie schon erwähnt, nach Sectio caesarea bei gleichzeitiger Herzerkrankung. Es läßt sich feststellen, daß ein Todesfall an bei der Operation erfolgter Infektion bei vorher aseptischen Verhältnissen überbaupt nicht vorgekommen ist und daß sämtliche Todesfälle, die sich sonst ereignet haben, entweder eintraten nach ganz ungewöhn- lich ausgedehnten Operationen oder bei Frauen mit Herz- und Nierenerkrankungen. Also ist tatsächlich mit Ausnahme von 4 Todesfällen an Embolie nicht ein einziger Todes- fall unter dem ganzen großen operativen Material vorgekommen, der ohne weiteres der Operation zur Last gelegt werden könnte. Um eine Kritik dieser Behauptung zu ermöglichen, füge ich an den entsprechenden Stellen die ausführlichen Krankengeschichten und Sektionsberichte, soweit wir sie erhalten konnten, bei. Ich glaube, auch eine sehr kritische Betrachtung wird die Richtigkeit, der oben angeführten Behauptung erweisen. Ich möchte diesen zweifellos sehr günstigen Erfolg, der unsere Operationsergebnisse in eine Reihe mit den allerbesten anderwärts erzielten stellt, im wesentlichen den oben geschilderten Maßnahmen zuschreiben, die in ihrer Gesamtheit es ermöglichen, daß man, sobald man gesunde und nicht durch Alter zu hochgradig geschwächte Patientinnen vor sich hat, von fast vollständiger Lebens- sicherheit selbst recht großer Eingriffe sprechen darf. Ich füge hier zunächst die Krankengeschichten von den wegen besonders schwieriger oder langdauernder Operationen erfolgter Todesfälle im Auszug bei. Es sind dies die Fälle: 10‿ Erich Opitz. Gr Journal-Nr. 676/1912. Anämische Frau mit schwer verwachsenen entzündlichen Adnextumoren. Abdominale Radikaloperation von 1 Stunde 37 Minuten Dauer, wobei es aus der tiefen Uterinvene, die in schwartigem Gewebe unterbunden werden muß, zu einer stärkeren Blutung kommt.— Nach der Operation fast 2 Tage dauernde Anurie bei frei durchgängigen Ureteren, dann Einsetzen mittlerer Harnsekretion; am 5. Tag post op. Exitus unter dem Bild der Wrämie. Obduktion ergibt schwerste doppel- seitige Nephritis, schlaffes Herz, trotz2dem der Harn ante op. bei der gewöhnlichen Kochprobe eiweißfrei befunden war. Journal-Nr. 692/1912. Hämatometra im rudimentären Nebenhorn eines Uterus unicornis, intraligamentärer Tumor des Wolffschen(?) Ganges. Zahlreiche derbe Verwachsungen. Sehr schwierige Radikaloperation von 2 ½ Stunden Dauer. Exitus infolge des Operationsshocks 2 Stunden nach beendigter Operation. Keine Obduktion. Journal-Nr. 133/1913. Pseudointraligamentäres Ovarialkystom. Nach glatter Operation paralytischer Ileus, Exitus am 4. Tage nach der Opera- tion trotz Relaparotomie. lch möchte dann noch kurz einige Gruppen von Operationen besprechen, die besonderer Beachtung wert zu sein scheinen, zu- nächst die Myome und Metropathien. In der Berichtszeit sind in der Klinik operiert worden: 82 Myome durch abdominale Totalexstirpation, 9 durch supravaginale Amputation. Ferner wurden vorgenommen 10 vaginale Totalexstirpa- tionen wegen Metropathia haemorrhagica, 4 wegen Myom und schließ- lich 11 abdominale Totalexstirpationen wegen starker Uterusblu- tungen. Es sind also 102 abdominale Radikaloperationen und 14 vaginale Totaloperationen wegen Myom oder starker Uterusblutungen ohne anatomische Grundlage vorgenommen worden. Unter diesen hat sich ein einziger Todesfall ereignet, und zwar betrifft dieser die Patientin Rodewald, Journal-Nr. 7311, 1912. Diese war eine sehr stark ausgeblutete Patientin mit geradezu farb- losen Schleimhäuten, bei der ohne besondere Komplikation ein mittel- großes Myom durch Totalexstirpation entfernt worden war. Bis zum 11. Tage war der Verlauf vollkommen glatt. Die Patientin hatte bereits das Bett verlassen. Erst am 11. Tage trat eine Schmerzhaftigkeit in der rechten Wade auf und Schwellung des Unterschenkels, aus der wir eine Thrombose diagnostizierten und sofort Bettruhe und Lagerung des Beines auf eine Schiene verordneten. 36 Stunden später erfolgte beim Frühstück während lebhaften Plauderns der Patientin ganz unerwartet eine tödliche Lungenembolie. Ich persönlich bin der Ueberzeugung, daß dieser Todes- Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 53 fall und diese Embolie tatsächlich nichts mit der Operation zu tun hatten. Ich habe öfters Gelegenheit gehabt zu sehen, daß bei stark ausgebluteten patientinnen Thrombosen sehr ausgedehnter Art und Embolien auch ohne operative Eingriffe zustande kommen. Ein Gleiches möchte ich bei dieser Patientin annehmen, da sie bereits am 11. Tage nach der Operation sich befand und bis dahin sich vollkommen wohl befunden hat, als die Throm- bose die ersten Symptome machte. Immerhin möchte ich diesen Todes- fall nicht abziehen. Wir haben also unter 102 abdominalen Radikaloperationen wegen Myoms einen Todesfall zu beklagen. Rechne ich die Fälle aus meiner Düsseldorfer Tätigkeit hinzu, so sind davon bereits die ersten 50 mit abdominaler Totalexstirpation früher veröffentlicht worden. Ich habe noch später 35 abdominale Totalexstirpationen in Düsseldorf gemacht ohne Todesfall und seit Abschluß der Arbeit seit dem 1. Juni 1914 sind bis zum 15. Juli 1915 noch weitere 42 Myome radikal operiert worden, so daß ich jetzt im ganzen über eine un- unterbrochene Reihe von 229 abdominalen Radikaloperationen wegen Uterusmyoms verfüge mit einem einzigen Todesfall, der noch dazu — wie oben ausgeführt— wohl kaum der Operation zur Last fallen dürfte. Unter diesen Myomen haben sich nur 2mal außer dem Todesfall Thrombosen gefunden, so daß also auch der Prozent- satz von Thrombosen nach Myomoperationen gegenüber anderen Operationsstatistiken als sehr günstig bezeichnet werden darf. Uebrigens möchte ich noch auf eines aufmerksam machen. In der „Operativen Gynäkologie“ von Döderlein und Krönig ist eine Statistik von mir aufgenommen über 50 abdominale Totalexstirpationen wegen Myoms mit einem Todesfall. Diese Angabe ist nicht richtig. Dieser eine Todesfall betrifft, wie ich in der erwähnten Veröffentlichung besonders betonte, eine Frau, die mit 40 Fieber wegen verjauchten Myoms operiert werden mußte. Es geht doch nicht an, einen Fall, bei dem man noch wegen bereits bestehender Sepsis einen Versuch zur Rettung macht, in eine Reihe zu stellen mit aseptischen Myomoperationen. Ich möchte also feststellen, daß ich über eine ununterbrochene Beihe von meinen Assistenten und mir operierter Myome von 229 Fällen mit einem einzigen Todesfall verfüge. Ich möchte noch ausdrücklich betonen, daß unter diesen Fällen überhaupt keine Auswahl betreffend der Schwere des Falles getroffen worden ist. Wir haben wohl im letzten Jahre eine größere Reihe von Myom- patienten bestrahlt und dadurch zur Heilung gebracht, aber vorher 54 Erich Opitz. ist überhaupt keine Auswahl getroffen worden, sondern sämtliche Patienten, wie sie kamen, sind operiert worden, viele freilich erst nach längerer Vorbereitung. Auch in der Zeit, wo wir gleichzeitig Bestrahlungen ausgeführt haben, sind durchaus nicht die schweren Fälle der Bestrahlung überwiesen und die leichteren operiert worden. sondern es mußten oft gerade besonders ausgeblutete Frauen aus sozialen Anzeigen der Operation unterworfen werden. Unter den Myomen befindet sich eine ganze Anzahl besonders schwieriger Fälle. Das größte hat ein Gewicht von 18 kg und war durch massenhafte, von fingerdicken Venen durchzogene Ver- wachsungen mit der Umgebung, Darm, Leber, Magen, Netz, Vor- derbauchwand, verbunden, so daß es sich um einen kolossalen Ein- griff bei einer schwer ausgebluteten und recht heruntergekommenen Kranken handelte. Was unsere Operationsmethode betrifft, so bevor- zugen wir die Totalexstirpation. Diese wird ganz typisch bei uns in folgender Weise ausgeführt: Längsschnitt nach Lennander, Vorziehen des Tumors, Abbinden der Ligg. inf. pelv. und rott., Durchtrennen des Blasenperitoneums und Abschieben der Blase bis herab auf die vordere Scheidenwand, Unter- stechung der uterinen Gefäße jederseits im Stamm und Abtrennen des Unterbindungsstumpfes vom Uterus, Unterstechung der Ligg. sacro-ut., Abschneiden des Uterus von der Scheide mit der Schere ringsherum mög- lichst dicht an der Portio, wenn nötig Vervollständigung der Blutstillung, Einführen eines Tupfers in die Scheide, Knopfnaht zur Vereinigung der Scheidenwunde, Sicherung der Ligaturstümpfe an den Ligamenten, fort- laufende Naht des Peritoneums über dem Wundgebiet im Becken. Wenn möglich, Zwischenlagerung des Netzes zwischen Operationsgebiet und Därme. Wie bei jeder abdominalen Operation wird, wenn nicht besondere Gegenanzeigen vorliegen, die Besichtigung des Darmes, insbesondere des Cöcums und Processus vermiformis und auf der anderen Seite des S Ro manum vorgenommen; Entfernung des etwa erkrankten Wurmfortsatzes, Lösung von Verwachsungen, wenn Schmerzen von diesen ausgegangen sind und sorgfältige Bedeckung etwa entstehender peritonealer Ver- letzungen.— Bezüglich des Wurmfortsatzes möchte ich bemerken, daß ich auf Grund unserer Untersuchungen, über die ich in dieser Zeitschrift und auf dem Chirurgenkongreß in Berlin 1914 berichtet habe, in den Fällen, wo nicht augenscheinliche Erkrankungen des Wurmfortsatzes vor- liegen und wo nicht am Cöcum operative Maßnahmen nötig erscheinen, ebenso auch bei Frauen jenseits des 45. Lebensjahres auf Abtragung des Wurmfortsatzes meist verzichte. Die in den erwähnten Veröffentlichungen Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetat. 55 niedergelegten Untersuchungen haben uns den Schluß aufgedrängt, daß die Entfernung des Wurmfortsatzes früher häufig überflüssigerweise er- folgt ist. Diese Operation dauert durchschnittlich 20— 30 Minuten. Unter Umstünden verlängert sich die Dauer etwas, wenn noch andere Eingriffe hinzukommen. So wird durch intraligamentäre Entwicklung der Myome oder Verwachsungen oder anderweitige Erkrankungen der Eingriff sich schwieriger gestalten. Das oben angegebene Schema verfolgen wir wenn möglich in ganz gleicher Weise bei jedem Fall und lassen uns nur durch besondere Verhältnisse zu Abwandlungen je nach Bedarf veranlassen. Unsere Anzeigestellung hat sich seit Aufnahme der Strahlenbehandlung in der Weise verschoben, daß wir früher, wo überhaupt eine Anzeige zur Behandlung der Myome bestand, diese typische Operation vorgeschlagen haben. Heute lasse ich den Patienten selbst die Wahl zwischen operativem und nichtoperativem Vorgehen. Anzeige zur Ablehnung der Bestrahlung geben uns die Fälle von submukösem Myom und von Verdacht auf Corpuskarzinom oder sarkomatöse Entartung. Ebenso werden Frauen mit gestieltem subserösem Myom, bei denen eine einfache Abtragung des Tumors aussichtsvoll erscheint, nicht bestrahlt, sondern operiert. Ueber die Ergebnisse der Strahlenbehandlung wird weiter unten im Zusammen- hang berichtet. Die Zahl der Fälle verteilt sich ungefähr in gleicher Weise auf Operation und Strahlenbehandlung. Vielfach spielen natürlich auch soziale Anzeigen eine Rolle. Da die Behandlung mit großen Strahlenmengen ziemlich teuer ist und die Kranken- kassen meistens die Bezahlung der entstehenden Kosten ablehnen, müssen auch manche Frauen operiert werden, denen- wir eher zur Strahlenbehandlung geraten hätten. Uebrigens haben wir doch auch in bezug auf das Uebersehen von Corpuskarzinom gelegentlich be- denkliche Erfahrungen gemacht. Erst kürzlich wurde eine Frau, bei der nach langen Verhandlungen die Kasse die Bestrahlung ab- gelehnt hatte, wegen eines ungefähr kindskopfgroßen Myoms operiert. Das Operationspräparat zeigte aber, daß das vermeintliche Myom ein ganz ungewöhnlich großes, die Wand stark zerstörendes Karzinom des Corpus uteri war. Unsere Erfahrungen mit Radikaloperationen wegen entzünd- licher Adnexerkrankungen sind hier in Gießen verhältnismäüßig gering. Ich habe meine Düsseldorfer und Gießener Erfahrungen pis zur Mitte 1913 in der Dissertation von Kornmesser zusammen- 56 Erich Opitz. stellen lassen, und dabei hat sich auf 111 Operationen nur 1 Todes- fall und zwar an Embolie ergeben. Hier handelt es sich um eine Kranke, die am 6. Tage nach der Operation, als sie schon außer Bett war, nach bis dahin völlig glattem Verlauf beim Zubettgehen von einer Lungenembolie überrascht wurde und in wenigen Minuten eine Leiche war. Dagegen sind unsere Erfahrungen mit der Operation tuber- kulöser Adnextumoren ausgesprochen schlecht. Unter 10 radikalen abdominalen Operationen wegen Genitaltuberkulose, von denen allerdings 4 erst am Operationspräparat diagnostiziert wurden, haben sich 3 Todesfälle ereignet und zwar betrifft der eine eine 57jährige, außerordentlich fettreiche Frau, bei der eine sekundäre Infektion der tuberkulösen Adnexe zustande gekommen war(Journal-Nr. 563, 1913). Die Symptome, unter denen der Exitus eingetreten war, machen eine eitrige Peritonitis wabrscheinlich. Sektion wurde leider nicht gestattet. Der Verlauf machte es wahrscheinlich, daß die doppelte Sicherung der Bauchhöhle hier ausnahmsweise nicht ausgereicht hat, das Aufsteigen der Infektion aus dem Becken zu verhüten. Der 2. Fall, Journal-Nr. 133, 1913, war eine ungewöhnlich schwere Operation, von der oben berichtet worden ist. Der 3. Fall, Journal-Nr. 676, 1912, ist auch oben angeführt. Es kommen von Todesfällen bei Tuberkulose hinzu: 2 Probe- laparotomien, die bereits oben erwähnt wurden. Es wurde lediglich eine Eröffnung des Abdomens ohne irgendwelche weitere Eingriffe vorgenommen. Man sieht also, daß die Genitaltuberkulose, wenigstens in fortgeschrittenen Fällen, eine recht schlechte Prognose für die Radikaloperation gibt. Wir sehen deshalb nach Möglichkeit von einer Operation bei Genitaltuberkulose ab und suchen durch kon- servative Mittel eine Heilung zu erreichen. Ueber unsere Er- fahrungen mit Tuberkulin Rosenbach hat Lindig in einer der folgenden Arbeiten näher berichtet. Auch die Behandlung mit Röntgenstrahlen und mit der künstlichen Höhensonne gibt zu guten Hoffnungen Berechtigung. Ich wende mich zu der Betrachtung der Prolapsoperationen. In der Berichtszeit haben wir 151 Prolapse operiert. Ueber diese Fälle wird noch genauer in einer Dissertation berichtet werden. Ich habe unsere operativen Grundsätze in einer demnächst er- Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 57 scheinenden Arbeit im Ergänzungsband 1914 der Eulenburgischen Realenzyklopädie zusammengestellt. Unter den 151 PFällen sind 3 Todesfälle zu beklagen gewesen. Der 1. betrifft Frau Oe., Journal-Nr. 291, 1912, eine 78jährige Frau, die mit einem inkarzerierten, jauchenden Prolaps zu uns kam. Erst nach Heraussägung des Ringes und längeren Spülungen wurde die Operation vorgenommen. Indessen vermochten bei der dekrepiden Prau die Nähte in dem offenbar trotz längerer Vorbehandlung noch nicht genügend aseptischen Gewebe nicht zu halten, und so ging die Frau an Sekundärinfektion unter den äußeren Anzeichen einer Hirnembolie zugrunde. Sektion verweigert. Der 2. Fall betrifft eine ältere Frau, Journal-Nr. 57, 1914, mit schwerer Myocarditis, die wenige Tage nach der Operation unter den Erscheinungen des plötzlichen Herztodes zugrunde ing. Auch hier wurde die Sektion verweigert. Der 3. Fall, Journal-Nr. 266, 1914, betrifft ebenfalls eine alte Frau, bei der nach der Operation laut Ausweis des Sektions- 8ω befundes eine starke Nachblutung ins Gewebe stattgefunden hat. Die eigentliche Todesursache la Muskelerkrankung des Herzens, die ebenfalls vom Obduzenten fest- g aber auch hier in einer schweren gestellt worden ist. Wir hätten also bei den Prolapsoperationen eine Mortalität von 2%. Indessen sind nur gestorben 2 Frauen mit außerordentlich schwerer Herzerkrankung und eine Frau in sehr hohem Alter mit gänzlich verwahrlostem Prolaps mit starken Eiterungen aus der Scheide. Natürlich dürfen diese Fälle nicht einfach abgezogen werden, aber ich glaube, es ist doch wohl der Schluß gestattet, daß man unsere Methode der Prolapsoperation als eine bei im übrigen gesunden Frauen gefahrlose Operation hinstellen kann. Ich muß das besonders betonen im Hinblick auf die pessimistische Aeußerung in bezug auf große Levatorplastiken, die sich in der „Operativen Gynäkologie“ von D öderlein und Krönig und auch in manchen anderen Aeußerungen erfahrener Operateure findet. Auch wir haben, ehe sich bei uns die Levatorplastik zur typischen Operation entwickelt hat, die Erfahrung gemacht, daß große hintere Kolporrhaphien und Dammplastik zu den gefährlichsten Operationen gehören. Während wir schon damals bei Laparotomien mit Aus- nahme der Karzinome fast ausnahmslos gute Erfahrungen hatten, haben wir verhältnismäßig zahlreiche Todesfälle an Embolien und Erich Opitz. Blutungen bei den eingreifenden Dammoperationen erlebt. Seit wir eine möglichst einfache und typische Levatorplastik ausführen, hat das aufgehört, wie unsere eben angeführte Operationsstatistik beweist. Bezüglich unserer Auffassung der Aetiologie der Prolapse verweise ich auf die oben angeführte Arbeit von mir und Jaschke. Hier möchte ich bloß kurz erwähnen, daß zu jeder Prolapsoperation bei uns eine zu einem sehr einfachen Eingriff ausgestaltete Levator- plastik gehört, die häufig nur 5— 10 Minuten zur Ausführung er- fordert und trotzdem, wie unsere Dauererfolge beweisen, soweit von solchen bis jetzt gesprochen werden kann, ausgezeichnete funktionelle Resultate ergibt. Wir beseitigen ferner regelmäßig eine vorhandene Retroflexio uteri, in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle durch Ventrifixur nach D oléris-Schauta oder Langes. Nur in den Fällen, wo eine sehr große Cystocele vorhanden ist, wird diese durch Inter- position des UÜterus zwischen Blase und Scheide nach Schauta oder in neuerer Zeit vielfach nach Stöckel mit Aufklappen des Uterus und Exzision der Schleimhaut beseitigt. Schwierigkeiten für diese Operation entstehen bloß in den Fällen, wo die Levatoren ent- weder ganz atrophisch oder so vollständig zerrissen sind, daß sie für eine Plastik nicht mehr verwendbar erscheinen. In einem der- artigen Falle habe ich die von Halban und Tandler angeführte Glutaeusplastik ausgeführt. Die Operation hat aber den großen Nachteil, daß dabei das Rectum von seinen Hautverbindungen vollständig abgelöst wird und starke Nei- gung zeigt, sich in die Tiefe zurückzuziehen, wodurch in diesem Falle ein Durchschneiden der Naht und eine nachträgliche, freilich nur oberfläch- liche Infektion der Wunde zustande kam. Immerhin führte dies zu einer recht langwierigen Eiterung in dem Fett des Gesäßes, indessen heilten doch zunächst die gestielten Muskellappen aus den Glutäen gut ein. Diese wurden jedoch später atrophisch, so daß trotz des großen Eingriffs ein sehr günstiges dauerndes Ergebnis für die Frauen nicht zu er- hoffen ist. In 2 weiteren Fällen habe ich durch Transplantation von Stücken aus der Fascia lata, in dem einen Falle in Form von zwei schmalen Streifen, im anderen Falle in Form eines großen, ca. 10 cm breiten Lappens, eine Verstärkung der atrophischen Musculi pubo- rectales herbeizuführen versucht. —O⏑OP—Mö. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 59 In diesen Fällen trat glatte Heilung ein, indessen scheinen, wie bei einer etwa nach ½ Jahr stattgefundenen Nachuntersuchung sich zeigte, die Fascienstreifen der Resorption anheimzufallen. Im zweiten Falle heilte die Fascie nicht an. Offenbar weil es nicht möglich ist, so große breite Lappen überall mit lebendem Gewebe in feste Berührung zu bringen. Nach diesen wenig ermutigenden Erfolgen bin ich zu einer Modifikation der Freundschen plastischen Verwertung des Uterus übergegangen. Ich habe bei ungenügender Beschaffenheit der Puborectales bisber in 2 Fällen den Uterus aus einer Oeffnung im hinteren Scheidengewölbe herausgezogen, dann in etwa 2 cm Entfernung von dem Schnitt im Douglas, aus dem der Uterus herausgeleitet wird, durch einen um- gekehrten T-Schnitt die Scheide von der Unterlage abgelöst, die Levator- reste freipräpariert und den Fundus uteri mit diesen durch Nähte verbunden, dann über dem unteren Teil des UÜterus die Scheide wieder zusammengenäht und den Damm unter vollständiger Versenkung des Cterus wieder geschlossen. Die Heilung ist ganz glatt erfolgt. Ueber den Dauererfolg vermag ich nichts auszusagen, da die Zeit zu kurz ist. Mir scheint jedoch nach den von Klein erst jüngst veröffentlichten günstigen Erfolgen der ursprünglich Freundschen Operation die Aus- sicht dieses im modernen Sinne abgeänderten Verfahrens für den Dauer- erfolg recht gut zu sein. Von allen Fällen, in denen wir es mit leistungsfähigen Leva- toren zu tun gehabt haben, ist zu berichten, daß sie zu einer dauernden Wiederherstellung annähernd normaler Verhältnisse ge- führt haben und alle Frauen, die wir nachuntersuchen konnten, be- richten auch über ein günstiges Befinden. Ich muß mich mit den vorstehenden Ausführungen über die Prolapsoperation an dieser Stelle begnügen, weil eine eingehende Schilderung zu weit führen würde. Jedenfalls aber glaube ich be- haupten zu dürfen, daß eine Levatorplastik, die stets ohne Eröffnung der Fascienscheide der Levatoren durchgeführt wird, wo überhaupt funktionsfähige Puborectales noch vorhanden sind, eine sehr wirksame und zugleich, soweit es sich nicht um herzkranke oder dekrepide Menschen handelt, ungefährliche Operation ist. Auch die Blutungs- gefahr ist minimal, wenn man in der richtigen Schicht bleibt. Mit wenigen Worten möchte ich noch auf die Karzinom- operationen, wenigstens Uteruskarzinomoperationen eingehen. Wir haben in der Berichtszeit 16mal typische Freund-Wertheimsche 60 Erich Opitz. Operationen ausgeführt und in weiteren 9 Fällen nicht ganz so radikale abdominale Totalexstirpationen wegen Corpus- und in einem Falle wegen Cervixkarzinom. 3mal haben wir wegen sehr wenig umfänglicher Karzinome der Portio die vaginale Totalexstirpation ausgeführt. Die Sterblichkeit bei unseren Radikaloperationen wegen Collumkarzinom ist ganz ungewöhnlich hoch. Wir haben 9 Todes- fälle auf 16 wirklich radikal durchgeführte Operationen. Das ist geradezu erschreckend und wenn auch sicher bis zu einem gewissen Grade die Kleinheit der Zahlen eine Rolle dabei spielt, so glaube ich doch, daß sie nicht als rein zufällig anzusehen ist. Es liegt vielmehr an dem wirklich radikalen Vorgehen, das einen ganz ungeheuerlichen Eingriff bedeutet, mit naturgemäß schlechten Er- folgen. Wir bemühen uns nämlich, in unserem Sinne wirklich radikal zu operieren, d. h. es wird nicht einfach der Ureter freigelegt und dann eine Totalexstirpation mit mehr oder weniger ausgiebigem Ausräumen des parametranen Gewebes ausgeführt, sondern wir haben uns in jedem einzelnen Falle bemüht, das ganze Becken- bindegewebe mit heraus zu präparieren. Unsere Operation fängt, wie das Franz einmal ausgedrückt hat, erst an, wo die anderen aufhören, d. h. wir holen das Parametrium und das Parakolpium des obersten Scheidendrittels wirklich vollständig heraus, so daß am Schluß der Operation ein anatomisches Präparat übrigbleibt, das außer Nerven, Ureter und Darm nichts mehr vom Beckeninhalt aufweist. Es entsteht dadurch eine besonders nach hinten ungeheuer große Höhle, die vollständig zu decken nicht möglich ist. Immer bleiben Buchten übrig, in denen sich Wundsekret ansammeln kann, das natürlich bei der Beschaffenheit der Karzinome für Infektionen außerordentlich günstige Verhältnisse schafft. Ich habe einer ganzen Reihe von bekannten Operateuren zugesehen bei den entsprechenden Operationen und muß sagen, daß wir weitaus gründlicher vor- gegangen sind. Das mag vielleicht zu weit gegangen sein. Jeden- falls haben wir angesichts der Häufigkeit der Rezidive im Binde- gewebe bei unseren Frauen nach Möglichkeit alles Entfernbare entfernt, um sie so vor Rezidiven zu schützen. Dafür haben wir leider die sehr große Sterblichkeit in Kauf nehmen müssen. Ich hatte deshalb auch, bevor ich in den Besitz von Radium kam, bereits vor, überhaupt derartige Operationen nicht mehr vorzu- nehmen, sondern mich bei einigermaßen fortgeschrittenem Karzinom Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 61 mit dem Ausbrennen des Karzinomkraters und einer Nachbehandlung mit Jodcholin und Kalomel, über das ich an anderer Stelle berichtet habe, zu begnügen. Die Möglichkeit, durch Strahlenbehandlung, sowohl Radium- wie Röntgenstrahlen, bessere Erfolge zu erzielen, mit geringerer Gefahr für die Patienten, hat mich der Notwendig- keit enthoben, das Verfahren anzuwenden. Wir operieren jetzt, wie schon erwähnt, zunächst keine Karzinome mehr, sondern wollen erst abwarten, wie sich die Dauerheilung der Karzinome nach der Strahlenbehandlung gestaltet. Wenn die Strahlenbehandlung das halten sollte, was sie vorläufig zu versprechen scheint, so werden wir auch die sehr gründlichen aber mörderischen Operationen auf- geben können. Selbst wenn unsere Hoffnung trügen sollte, werde ich in Zukunft derartig eingreifende Operationen, wie sie unsere Art der radikalen Operation ist, nicht mehr ausführen, sondern mich mit einfachen Radikaloperationen, entsprechend der Wert- heimschen Methode, begnügen und in manchen Fällen wohl auch die vaginale Totalexstirpation, mit möglichster Ausräumung des Parametriums, also in der Form, wie sie Schauta gelehrt hat, anwenden. Ueber unsere Strahlenbehandlung wird weiter unten von Behne und mir berichtet. Auf unsere Stellungnahme bezüglich der Verlagerungen des Uterus an dieser Stelle näher einzugehen, erübrigt sich, da Seitz in nächster Zeit über unsere Anzeigestellung und Erfolge ausführ- lich berichtet. Nur einige besondere Fälle seien noch erwähnt. Im Anfang meiner Gießener Tätigkeit haben wir kurz nach einander 3mal das Aufplatzen der Bauchwunde gesehen. Sämtliche Frauen sind qurch die Sekundärnaht völlig wiederhergestellt worden. Offenbar ist unsere Methode der Bauchnaht nicht schuld gewesen, sondern scheinbar die Beschaffenheit des Katguts, das wohl in dieser LZeit zu lange in der Jodlösung gelegen hatte und deshalb brüchig geworden war. Bei allen 3 Frauen waren übrigens besondere Anstrengungen der Bauchpresse durch häufiges Erbrechen oder Hustenreiz als nähere Ursache anzuschuldigen. Da wir aber Gleiches bei späteren Operationen noch oft genug erlebt haben, ohne daß es zum Aufplatzen der Bauchwunde gekommen wäre, ist anzu- nehmen, daß die Beschaffenheit des Nahtmaterials die Ursache dieses Aufplatzens gewesen ist. Ueber diese Fälle ist im einzelnen in der Dissertation von Sundheim berichtet worden. Erich Opitz. Von Mißbildungen des Uterus haben wir 6 erlebt, die zum Teil operativ behandelt worden sind. Die Fälle sind in der Disser- tation von Pantel, Gießen, 1914 genau beschrieben worden. 3mal haben wir nun Transplantationen ausgeführt in der Weise, daß nach Entfernung entzündlich erkrankter Adnexe der Uterus erhalten und ein möglichst gesundes Stück vom Ovarium zwischen Fascie und Muskel in der vorderen Bauchwand eingeheilt wurde. Von einer der so behandelten Frauen liegen weiter zurück- liegende Nachrichten über längere Zeit vor. Die Menstruation stellte sich nach einer Pause von 10 Wochen wieder ein und blieb über 1 Jahr bestehen, um dann allmählich wieder nachzulassen und schließlich zu verschwinden. Die anfänglich aufgetretenen Ausfalls- erscheinungen verschwanden mit Eintritt der Menstruation; nach erneutem Erlöschen der Menstruation traten auch sie wieder er- neut auf. Ueber einen Fall von Einpflanzung des Ureters in die Harn- blase möchte ich seiner praktischen Wichtigkeit wegen besonders berichten. Bei einer wegen Prolaps ausgeführten Levatorplastik mit Interposition des Uterus nach Stöckel wurde der Ureter ge- faßt und es entstand eine Ureterscheidenfistel. Da vaginal an die Fistel nicht heranzukommen war und auch die Hoffnung auf spon- tanes Ausheilen derselben sich nach längerer Beobachtung als illu- sorisch erwies, wurde beschlossen, die linke Cystanastomose auszu- führen. Der erhoffte Erfolg wurde leider nicht erzielt. Zunächst schien der Verlauf günstig zu sein, indessen stellte sich bald hohes Fieber ein und nach etwa 3wöchigem Krankenlager kam die Frau ad exitum. Sektionsbefund: eitrige gangränöse Blasen- und Nieren- beckenentzündung. Die nach der Methode von Franz ausgeführte Ureterocystanastomose hatte gehalten. Trotzdem war von der Ein- pflanzungsstelle aus, wie die Sektion einwandfrei erkennen ließ, die tödliche Peritonitis ausgegangen. Ich habe bereits einen ähnlichen Fall vor längeren Jahren erlebt und auf dem Gynäkologenkongreß in Kiel darüber berichtet. Ich habe für mich die Lehre daraus ge- zogen, in Zukunft niemals mehr bei solchen länger bestehenden Ureterscheidenfisteln den Ureter auf peritonealem Wege in die Blase einzupflanzen. Es gibt keine Möglichkeit, die Nichtinfektiosität des Urins, bzw. das normale Verhalten von Harnleiter und Nierenbecken mit Sicherheit nachzuweisen, und es wäre in solchen Fällen ent- schieden das Richtige, die Ureterfistel durch Entfernung der Niere Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 63. zu beseitigen, statt die Einpflanzung des Ureters vorzunehmen. Bei frischen Fällen ist das selbstverständlich anders. Ich habe bei der Operation eines gangränösen Myoms den Ureter durchschnitten und sofort in die Blase wieder eingepflanzt. Trotzdem hier durchaus nicht aseptische Wundverhältnisse vorlagen und auch längere Zeit ein Gazedocht in der Nachbarschaft der Einpflanzungsstelle gelegen hat, ist die Einheilung in diesem Falle ganz glatt erfolgt. Meine Warnung vor Einpflanzung des Harnleiters in die Blase bezieht sich nur auf lang bestehende Harnleiterscheidenfisteln, die keine Gewähr für aseptische Verhältnisse bieten und demgemäß für die Frauen sehr gefährlich sind. Des weiteren möchte ich kurz 2 Fälle erwähnen, die mir sehr lehrreich zu sein scheinen. Ich habe sie bereits in einem kurzen Aufsatz im Zentralblatt erwähnt, anläßlich einer Veröffent- lichung von Riek über die„Ungefährlichkeit des Intratuerin- stiftes“. Bei der einen Frau entwickelte sich nach längerem Tragen des Intrauterinstiftes ein links neben dem Uterus gelegener Tumor, der nach Form und Konsistenz in jeder Beziehung einem subserösen Myom der linken Uteruskante von etwa Kindskopfgröße glich. Nach längerem Bestand bildete sich aber dieser Tumor vollständig zurück, so daß keine Spur mehr von ihm nachzuweisen war. Sprach dieser Fall schon dafür, daß hier nicht unbedenkliche Störungen qurch den intrauterinen Stift hervorgerufen worden waren, so zeigte uns ein zweiter, daß selbst tödliche Infektionen durch ihn verursacht werden können. Es handelte sich um eine junge Frau, die wegen Sterilität und Dysmenorrhöe bei uns operiert worden war. Journal- Nr. 576, 1912. Sie sollte zur dauernden Erweiterung des inneren Muttermundes ein Fehlingsches Röhrchen über die Zeit der nächsten Menstruation hinweg tragen. Diese Frau kam, nachdem die Menstruation beschwerdefrei verlaufen war, mit einem schweren Krankheitsbild wieder zur Aufnahme. Ziemlich hohes Fieber, mehr aufgetriebener als schmerzhafter Leib, jedoch keine weiteren sicheren Zeichen von Peritonitis, so daß wir, zumal Erbrechen fehlte und die Zunge feucht war, zunächst an eine entzündliche Affektion im Becken mit geringer Beteiligung des Bauchfelles dachten. Der weitere Verlauf zeigte aber, daß in der Tat eine Peritonitis vor- handen war und als wir auf Grund der gesicherten Diagnose durch Laparotomie und Offenhalten der Wunden für dauernde Ableitung 64 Erich Opitz. des Sekretes sorgen wollten, konnte trotz Kochsalzwasserinjektion und Adrenalin der tödliche Ausgang nicht mehr aufgehalten werden. Es sind die beiden ersten Fälle von Schädigung, die ich durch die Anwendung des Fehlingschen Intrauteringlasröhrchens gesehen habe. Sie zeigen uns aber an, daß unter gewissen Umständen sehr erhebliche Gefahren damit verbunden sein können. Wir werden also von diesem Instrument in Zukunft keinen Gebrauch mehr machen und können nur lebhaft davor warnen. Im vorstehenden, leider schon recht umfangreich gewordenen Bericht, der trotzdem die uns bei der operativen Tätigkeit entgegen- getretenen Fragen nur teilweise streift, habe ich versucht, ein Bild über die Leistung der Klinik in therapeutischer Hinsicht zu geben. Wir haben uns auch bemüht, die wissenschaftliche Durchforschung unseres Materials nicht zu vernachlässigen; wieweit das mit Erfolg geschehen ist, darüber mögen andere urteilen. Ich füge am Schlusse eine Liste der seit Ostern 1912 aus der Klinik hervorgegangenen Arbeiten und Dissertationen bei. Ein weiterer Teil ist in den nachfolgenden Blättern veröffentlicht. Ich darf noch kurz erwähnen, in welcher Richtung sich der größte Teil unserer Untersuchungen zurzeit bewegt. Das zurzeit für den Gynäkologen wichtigste Thema dürfte die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Genitalleiden und Störungen des vegetativen Nervensystems sein, denen wir durch Bearbeitung geeigneter Fälle nachzugehen suchen. Diese Arbeiten sind noch längst nicht abgeschlossen. Ein zweites Arbeitsgebiet ist die Untersuchung der Schwangerschaftstoxikosen, die durch breit angelegte Untersuchungen, über die schon Publikationen von Jaschke und anderen Zeugnis ablegen, gefördert werden sollen. Ein drittes Thema ist die durch die Abderhaldenschen Forschungen angeregte Untersuchung der fermentativen Vorgänge bei Schwangerschaft und allgemeinen Erkrankungen. Schließlich suchen wir die Strahlenbehandlung zu fördern und dieser Therapie durch biologische Untersuchungen eine breitere Grundlage für die therapeutische Anwendung zu geben. Daneben laufen natürlich die durch die ständigen klinischen Untersuchungen bedingten bakteriologischen, chemischen und physiologischen Unter- suchungen, deren Ergebnisse von Zeit zu Zeit eine Bekanntgabe lohnen. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 65 Verzeichnis der aus der Gießener Frauenklinik 1912- 1914 hervorgegangenen Arbeiten. A. Arbeiten des Direktors und der Assistenten. Erich Opitz. 1.(Gemeinsam mit Menge): Handbuch der Frauenheilkunde. Wiesbaden 1913. 2.(Gemeinsam mit vielen Mitarbeitern): Deutsche Frauenheilkunde. Wiesbaden, J. F. Bergmann. 3. Randbemerkungen über Unterstützung und Ersatz der Strahlenbehandlung bösartiger Geschwülste. Strahlentherapie Bd. 3. 4. Kombination der Strahlenbehandlung des Karzinoms mit Cholineinspritzung. Ebenda. 5. Einiges über die Beziehungen von Entzündungen des Dickdarms zu den weiblichen Geschlechtsteilen und zu funktionellen Neurosen. Zeitschr. f. Geb. u. Gyn. Bd. 73. 6. Ueber Leberveränderungen in der Schwangerschaft. Ebenda. 7. Ueber die Wirkung von Radiumemanation auf Uterusblutungen. Zentralbl. f. Gyn. 1913, Nr. 22. 8. Neue Beiträge zur Pyelitis gravidarum. Verhandl. des XV. Kongresses der Deutschen Ges. f. Gyn. S. 170. 9. Kann die Milch der eigenen Mutter dem Säugling schädlich sein? Ebenda S. 475. 10. Ueber den Kaiserschnitt. Med. Klinik 1914, Nr. 6. 11. Behandlung der Prolapse. Eulenburgs Realenzyklopädie 1914. 12. Ueber die Behandlung der weiblichen Unfruchtbarkeit. Therapie der Gegen- wart 1914, Januar, Februar. 13. Ueber die Gefahren des Intrauterinstiftes. Zentralbl. f. Gyn. 1914, Nr. 32. Außerdem zahlreiche Vorträge in der Medizinischen Gesellschaft in Gießen. Rud. Th. Jaschke. 14. Die Behandlung des Aborts. Med. Klinik 1912, Nr. 25. 15. Neuere Erfahrungen in der Pflege und Ernährung des Neugeborenen. Berl. Klinik Heft 292. 16. Ziele und Erfolge der Säuglingsfürsorge an Gebäranstalten. Reichsmedizinal- anzeiger 1913, Nr. 1. 17. Ueber die Verwendung des Narkophins in der Geburtshilfe. Münch. med. Wochenschr. 1913, Nr. 2. 18. Erkrankungen der Vulva(im Handbuch der Frauenheilkunde von Menge- Opit z). Wiesbaden 1913. 19. Erkrankungen der Vagina. Ebenda 1913. 20. Der klimakterische Symptomenkomplex in seinen Beziehungen zur Gesamt- medizin. Ergebnisse der Geb. u. Gyn. 1913, Bd. 5. 5 34. . Kaulen, F., Teratom des Ovariums, 1913. Erich Opitz. Zur Wertung und Behandlung der Retroflexio uteri und ihrer häufigsten Komplikationen. Wiener klin. Rundschau 1913, Nr. 38. Klinisch-anatomische Beiträge zur Aetiologie des Genitalprolapses. Zeit- schrift f. Geb. u. Gyn. Bd. 74 Heft 2. Neue Beiträge zur Physiologie und Technik der natürlichen Ernährung des 8 F g Neugeborenen. Ebenda. Untersuchungen über die Funktion der Nieren in der Schwangerschaft. Zeitschr. f. gyn. Urologie 1913, Bd. 4. Beziehungen zwischen Venenerkrankungen und weiblichem Genitale. Zentral- platt für die Grenzgebiete der Medizin und Chirurgie Bd. 17. .Die prognostische Bedeutung von Erkrankungen der Nieren in der Schwan- gerschaft, besonders herzkranker Frauen. Arch. f. Gyn. Bd. 101. Die Zahl der Mahlzeiten beim Neugeborenen. Zeitschr. f. Geb. u. Gyn. 1914, Bd. 75. „Zur Diagnose und Therapie der Nierentuberkulose bei Frauen. Zeitschr. f. gyn. Urologie 1914, Bd. 5. . Physiologie und Pathologie der Geburt. Liepmanns Handbuch der Frauenheilkunde Bd. 3; Leipzig 1914. . Kurt Koch. .(Gemeinsam mit W. Klein): Zur Therapie der weiblichen Hämophilie. Gyn. Rundschau 1912, Heft 16. .Behandlung der Blutungen bei entzündlichen Adnexerkrankungen. Münch. med. Wochenschr. 1912, Nr. 46. 32. Kritische Betrachtung zur Frage unserer modernen Wehenmittel, mit be- sonderer Berücksichtigung des E Imidoazolyläthylamins. Zentralbl. f. Gyn. 1913, Nr. 26. Paul Lindig. 3. Zur Substratfrage bei der Anwendung des Abderhaldenschen Dialysierver- fahrens. Münch. med. Wochenschr. 1914, Nr. 30. Ueber Anwendungsmöglichkeiten des Noviforms in der Gynäkologie. Gyn. Rundschau 1914, Heft 19. .Zur Pathologie der Brustdrüsensekretion. Zeitschr. f. Geb. u. Gyn. Bd. 76. B. Dissertationen. .Bittner, Artur, Ueber Schwangerschaftsveränderungen an der Leber und anderen Organen, 1913. . Böhle, Wertung und Behandlung der Retroflexio uteri, 1914. . Deusch, Stillfähigkeit der Mütter, 1914. .Eunicke, Fr., Einfluß des Fiebers der Mutter auf das Gedeiben der Kinder, 1914. 50. 51. Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 67 Kloß, Prognose und Häufigkeit der Dammrisse mit Berücksichtigung der Therapie, 1914. Kornmesser, Ernst, Operative Therapie der entzündlichen Adnex- erkrankungen, 1913. Linden, Thrombose und Embolie nach gynäkologischen Operationen, 1914. Maroldt, Nierenfunktion in der Schwangerschaft, 1914. 5. Moos, Erwin, Ueber ein Fibrom des Beckens, 1913. Pantel, Ueber Uterusmißbildungen, 1914. Samuel, Anzeigen zur operativen Sterilisierung während der Schwanger- schaft. Schmitz, W., Untersuchungen zur Pathogenese und Klinik des Icterus neonatorum, 1913. Schütt, Ueber die Temperaturverhältnisse bei Neugeborenen, 1913. Sundheim, Platzen der Bauchnaht nach Laparotomien, 1914. Trepper, Amandus, Ueber die Gewichtsabnahme der Neugeborenen, 1913. Von den Dissertationen ist ein Teil infolge des Kriegsausbruches im g g8 Drucke verzögert worden. — vv⸗V—Z a l———*— Cyan Green vellow Hed Magenta Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black NE Eeeeeee eerrcrII IIII 71010IIBII deS ungeneùuren Vofkerrigens, dessen Zeugen wir alle sind. Als eine Festgabe zur geplanten Jahrhundertfeier sollten die vorliegenden Arbeiten erscheinen. Die Stillegung so vieler wissenschaftlicher Zeitschriften hat nun das Erscheinen der Festschrift fast um ein Jahr verzögert— sicherlich nicht zum Vorteil mancher Arbeit, die aktuellere Fragen behandelt. Mögen gleichwohl die folgenden Blätter Zeugnis ablegen von Ge- schaffenem und Erstrebtem, Zeugnis vor allem, daß wir alle bestrebt sind, den von meinen Vorgängern begründeten Ruf der Gießener Frauenklinik sowohl als einer Zuflucht der Gebärenden, als Heilstätte kranker Frauen, als Lehranstalt für Studenten und Hebammen, wie endlich als einer Stätte wissenschaftlicher Arbeit zu erhalten und womöglich zu mehren. TLLIrEeTAAm— b zeͤeereſeefʒ˖/···ſaFFßſſt 11' N 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 2 + 9 6 8 4 p 1 1 5 eennuon, oo uan das alte Gepaude heute dicht an der Straße liegt.