4 Die katholisch-theologischen Fakultäten zu Tübingen und Gießen(1830—1850). Von Studienrat Dr. St. Lösch, Horb a. N. Für den katholischen deutschen Süden bis zur Mainlinie steht um 1830 Tübingen im Mittelpunkt des theologischen Studiums. Hier finden sich Zuhörer Dreys, Hirschers und Möhlers aus Baden, Hohenzollern, Hessen-Nassau und der Deutschschweiz in steigender Zahl ein ¹). 1829/30 tritt aber die Regierung des Großherzogtums Hessen wie die von Hessen-Nassau dem Plan der Neugründung je einer eigenen oder einer gemeinsamen katholisch-theologischen Fakultät endgültig nahe. Man entscheidet sich zuletzt für eine ge- sonderte Fakultätengründung. Für jene wird Gießen, für diese Marburg ausersehen. Der einen sollte nur eine kurze Lebensdauer beschieden sein, für die zweite ein kurzer Anfang(19. Mai 1831) sogar mit einem schnellen Ende (31. Juli 1833) zusammenfallen. Die Geschichte des Auf- und Abbaues beider Fakultäten ist uns heute auf Grund der Akten durch Fr. Vigener, Die katholisch-theologische Fakultät in Gießen und ihr Ende: Mitteilg. des oberhess. Geschichtsvereins N. F. XXIV(1922) 28— 96; ders., Ketteler, Ein deutsches Bischofsleben des 19. Jahrhunderts. 1924, 179 bis 181 und C. Mirbt, Die katholisch-theologische Fakultät 1) Die Besucherzahl an der kath.-theol. Fakultät Tübingen wächst Wintersemester 1817 bis Sommersemester 1826 von 1„Ausländer“ (= Nichtwürttemberger) auf 21, um Wi 1828 auf 46, So 1829: 52, Wi 1829: 58 zu steigen, dann nach einem kurzen Rückgang auf durchschnittlich 34— 45, So 1833 nochmals auf 55 heraufzugehen; vgl. K. Klüpfel, Geschichte und Beschreibung der Universität Tübingen. 1849 Anhang:„Tabellarische Uebersicht der Studierenden von 1811 bis 1840.“ 160 Lösch, zu Marburg. Ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Kirche in Kurhessen und Nassau(1906) aufgeschlossen. Die Einzelheiten werden im folgenden als bekannt vorausgesetzt. Hier beschäftigt uns vorwiegend die bisher noch nicht be- handelte innere Gestaltung der Gießener Fakultät, soweit von einer solchen in Rücksicht auf die kurze Spanne ihrer Lebensdauer gesprochen werden kann. Am 29. Juli 1830 wurde durch Ludwig II. von Hessen die Stiftungsurkunde der Gießener Fakultät, deren Errichtung noch sein Vater Ludwig I. angeordnet hatte, vollzogen ¹). Das Mainzer bischöfliche Seminar war damit nicht förmlich aufgehoben. Das dortige Domkapitel hatte hierin nicht ein- gewilligt. Die im Mainzer Seminar studierenden Theologie- kandidatan blieben größtenteils dort. Aber es sollten von nun an die Geistlichen jener„katholischen Landeskirche“ gleich den übrigen„Staatsdienern“ nur noch an der Uni- versität Gießen herangebildet werden. So war die Mainzer theologische Lehranstalt, an der ein Liebermann, Räßs und Klee tätig gewesen, mit friedlicher Gewalt dem Zustand eines sicheren Aussterbens übergeben. Derjenige, der sie durch seine Zeitschrift„Katholik“ in kaum einem Jahr- zehnt innerhalb der ganzen katholischen Welt bekannt ge- macht hatte, wirkte nicht mehr dort. Aber seine Erregung machte sich kurz vor Eröffnung der geplanten Fakultät in dem Ausrufe Luft:„In Mainz geht es nicht gut! Man will mit Höllengewalt eine Fakultät im verworfenen Gießen er- richten. Wie bin ich so froh, daß ich aus der Konfusion heraus bin, ich wäre mit zugrunde gegangen“ ²)! Die Stim- 1) Wortlaut der Stiftungsurkunde bei Ant. Lutterbeck, Ge- schichte der kath.-theol. Fakultät zu Gießen. Eine allen Theologen Deutschlands gewidmete Denkschrift 1860, 25 ff. 2) Räß an Subregens Benkert-Würzburg: Molsheim, den 16. Mai 1830; Alex. Schnütgen, Briefe von Andreas Räsch an Franz Georg Benkert: Hist. Jahrb. 40(1920) 169. mu Die kat ng der M. wichnet der möchte poc Verlust t hinwe „Erhebe sich, und g gern wir absolvieren.“ Doch hatte rechtigung e späteren Kan zeinen der Gießener Fa gabe, zunäch fr die Besti damit für di Theologe J. April 1830 Riffel*) f 1) Justin T. 1. W., 1823 ao. versität Gieb kollegiums, 1 Oberstudienre sität Gießen, Deutschkatho Versammlung destag, gest. über Lindes! 2) Kaspar Diakon, Oster 1830 Universi am Klerikalse der Gießener Bredlau ahgeg ernannt; 183. Verweser in( Theclog.Qu olischen Sen. Die Sgesetzt. nicht be- soweit ne ihrer ssen die richtung logenl). förmlich dicht ein- neologie- lten von skirche“ ler Uni- Mainzer Räß und Zustand der sie m Jahr- annt ge⸗ Erregung kultät in Man will eßen er- onfusion je Stim- ck, Ge- heologen n 16. Mai an Fran⸗ Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 161 mung der Mainzer nach erfolgter Fakultätsgründung kenn- zeichnet der„Katholik“ 1830, Bd. 38, Oktober, 75— 79, möchte jedoch die frühere Universitätsstadt Mainz über den Verlust hinwegtrösten mit der anspornenden Versicherung: „Erhebe sich die Gießener Fakultät zu dem Rufe der Tübinger und gern wird jeder hessische Theolog seine Studien dort absolvieren.“ Doch hatte die Gießener Neugründung ihre Daseinsbe- rechtigung erst zu erweisen. Es war für den Ministerialrat, späteren Kanzler der Universität Gießen, Justin von Linde 4), „einen der Haupturheber und kräftigsten Förderer“ der Gießener Fakultät(Lutterbeck 25. 46), keine leichte Auf- gabe, zunächst die Grundlagen hiefür zu schaffen. Hier sollte für die Bestimmung des neu zu bildenden Lehrkörpers und damit für die Formung des geistigen Habitus der Tübinger Theologe J. A. Möhler entscheidend werden. Zu Anfang April 1830 empfiehlt er seinem früheren Zuhörer, Kaspar Riffel*), für eine Gießener Professur„sich in Darmstadt 1) Justin Timotheus Balthasar v. Linde, geb. 1797 zu Brilon 1. W., 1823 ao. und 1824 ord. Prof. der Rechtswissenschaft an der Uni- versität Gießen, 1826 zugleich Mitglied des Kirchen- und Schul- kollegiums, 1829 Ministerialrat in Darmstadt, 1832 Direktor des Oberstudienrats, 30. Nov. 1833 bis 11. Dez. 1847 Kanzler der Univer- sität Gießen, 1835 Staatsrat, 1847 wegen der Kämpfe mit dem Deutschkatholizismus zurückgetreten, 1848 Mitglied der National- Versammlung zu Frankfurt, 1850/56 Bevollmächtigter am Bun- destag, gest. 1870. Die zerstreut liegende zahlreiche Literatur über Lindes kulturpolitische Tätigkeit bei Vigener, Fakultät 331. 2) Kaspar Riffel, geb. 1807 zu Büdesheim bei Bingen, 1829 Diakon, Ostern 1829 Studienaufenthalt Universität Tübingen(Möhler), 1830 Universität Bonn(Klee, Windischmann), Nov. 1830 Repetent am Klerikalseminar Mainz, 18. Dez. 1830 ordiniert, durch Antrag der Gießener Fakultät vom 28. Juni 1831 zum Nachfolger des nach Breslau abgegangenen Exegeten J. J. Müller empfohlen, aber nicht ernannt; 1831 Kaplan in Bingen, 1834 zum Prof. und Stadtpfarr- verweser in Gießen ernannt, vor Antritt der Lehrtätigkeit Studien- Theolog. Quartalschrift 1927. Heft I/II. 11 162 Lösch, bei Linde zu präsentieren und ihm auch seine hiesigen (Tübinger) Zeugnisse vorzulegen“, da zwei andere von Möh- lers Schülern, der zuerst berufene Dursch und kurz her- nach Wocher, beide aus Württemberg stammend, abge- lehnt haben ¹). Bei dem jugendlichen Alter der drei Kandi- daten konnte von einer ausgiebigeren wissenschaftlichen Be- tätigung keine Rede sein, am wenigsten bei Riffel, dessen Theologiestudium noch nicht einmal abgeschlossen war. Immerhin hatte Wocher’), geb. zu Neutrauchburg 1803, mit dem ersten Preis der Tübinger katholisch-theologischen Fakultät ausgezeichnet(1824), nach seiner Ordination(1826) alsbald in akademischer Lehrtätigkeit sich zu bewähren Ge- legenheit gefunden, indem er nach anfänglich ausschließ- licher Verwendung als Repetent(seit 24. Juli 1827) im Wilhelmstift Tübingen am 15. Okt. 1828 zugleich als Privat- dozent und mit Ernennung zum Lic. theol. als„erster Hilfs- lehrer des erkrankten Dr. Joh. Seb. v. Drey“ für Apologetik und Enzyklopädie der Theologie angewiesen worden war. Seine ersten Schriften nahmen unter dem Einfluß der durch reise nach Frankreich, 1835/41 Prof. der KG. und Stadtpfarrer in Gießzen, 1841 seines Amtes entsetzt, 1851 Prof. der KG an der durch Bischof Ketteler wieder errichteten Lehranstalt-Klerikalseminar Mainz, gest. 1856. Wichtige anderwärts fehlende Lebensdaten s. v. Riffel in: Allg. Realenzyklop. für das kath. Deutschland hsg. von W. Binder VIII(1848) 844— 846; vgl. ferner H. Brück, Die ober- rheinische Kirchenprovinz 1868, 152. 285; ders., Geschichte der kath. Kirche in Deutschland im 19. Jahrhundert II(1889) 423 ff.; 473 f.; Lutterbeck sff.; 63 ff.; Vigener, Fakultät 38; L. von Pastor, Der Mainzer Domdekan Joh. Bapt. von Heinrich(1816—1891) 1925, 8 ff. 1) Möhler an Räß: Tübingen, den 25. April 1830; B. Wörner- P. B. Gams, Joh. Ad. Möhler. Ein Lebensbild 1866, 112. Die Abreise Riffels von Tübingen fällt spätestens um Mitte April 1830. 2) Meinr. Ott, Festrede zur Feier des 50jährigen Jubiläums des Gymnasiums Ehingen 1875, 34 ff.; St. Neher, Personal-Kata- log der seit 1813 ordinierten und in der Seelsorge verwendeten Geistlichen des Bistums Rottenburg 1878, 40; ² 1885, 27; ³ 1894, 22. Die Kü Möhler auf trologie die dzer in der li bis Hefele u wart gleich des hl. Igna Tübingen 10 und Polycan mentar ver 1830,621— 1830; vgl. Abhandlung Petrus und Korinth“ in sie doch un 1) J. A. M Aus dessen von F. X. Re Patrum apos ders., Das So und erklärt, corum ed. p (1881); 12(L reiche Unte Ignatianisch von Funk: T. Neubearbeitu ter kirchen- von G. Krüge 2) Von Al. ſolgend Ed. Tobingue(18 die Namensze TlJahrgän IO. 1830, 6 lischen Väter jeden Wweike hiesigen von Möh- kurz her- nd, abge- ei Kandi- lichen Be- el, dessen Ssen war. durg 1803, ologischen ion(1826) ähren Ge- usschließ- 1827) im ls Privat- zer Hilfs- pologetik rden war. der durch tpfarrer in n der durch ikalseminar asdaten S. v. d hsg. von „Die ober- te der kath. ff., 473 f.; n Pastor, 1 1925, 8 ff. Wörner- 112. Die April 1830. Jubiläums sonal-Kata- erwendeten . 31894, 22. Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 163 Möhler auf neue wissenschaftliche Grundlage gestellten Pa- trologie die nachapostolische Zeit zum Ziel, ein Gegenstand, der in der Tübinger katholischen Theologenschule von Möhler bis Hefele und Funk und über diese hinaus bis zur Gegen- wart gleichsam Schulthema geblieben ist ¹):„Die Briefe des hl. Ignatius von Antiochien neu übersetzt und erklärt, Tübingen 1829; die Briefe der apostolischen Väter Clemens und Polycarpus neu übersetzt und mit Einleitung und Kom- mentar versehen, ebenda 1830“. War auch seine in ThO. 1830, 621— 648(4. Quartalheft, ausgegeben nach dem 29. Juni 1830; vgl. ebenda S. 618) zur Veröffentlichung gelangende Abhandlung ²).„Die letzten Reisen und Schicksale der Apostel Petrus und Paulus nach Clemens von Rom und Dionys von Korinth“ im Frühjahr 1830 noch nicht erschienen, so lag sie doch um die Zeit, als Möhler seine Empfehlung für 1) J. A. Möhler, Patrologie oder christliche Literärgeschichte. Aus dessen hinterlassenen Handschriften mit Ergänzungen hrsg. von F. X. Reithmayr I.(einz.) Bd. Regensburg 1840; K. J. Hefele Patrum apostolicorum opera. Tubing. 1839; ² 1842; 1847; 4 1855; ders., Das Sendschreiben des Apostels Barnabas aufs neue übersetzt und erklärt, Tübingen 1840; F. X. Funk, Opera patrum apostoli- corum ed. post Hefelianam quartam quinta, Tubing. I.(1878), II. (1881); L²(1901); IIs(1913) emend. Fr. Diekamp; über Funks zahl- reiche Untersuchungen zu Didache, Barnabasbrief, Hermas und den Ignatianischen Briefen s. A. Koch, Zur Erinnerung an Franz Xaver von Funk: ThO. 1908, 118 ff.; K. Bihlmeyer, Die Apostol. Väter, Neubearbeitung der Funkschen Textausgabe[sSummlung ausgewühl- ter kirchen- und dogmengeschichtlicher Quellenschriften hrsg. von G. Krüger, II. Reihe: H. 1] 1924. 2) Von Al. Knöpfler, Joh. Ad. Möhler 1896, 1453 und ihm folgend Ed. Vermeil, J. A. Möhler et l'école catholique de Tubingue(1815— 1840), Paris 1913, 483 wird die Untersuchung— die Namenszeichnung der Mitarbeiter und Rezensenten fehlt in den ThO.-Jahrgüngen 1819/31— Möhler zugeschrieben. Die Bemerkung ThO. 1830, 627¹, wo der Verfasser auf seine Ausgabe der Aposto- lischen Väter Klemens und Polykarp selbst sich beruft, beseitigt jeden Zweifel an Wochers Verfasserschaft. 11* 164 Lösch, Wocher angebracht haben wird, annähernd abgeschlossen vor, während die Schrift über die Apostolischen Väter eben im Erscheinen begriffen war ¹). Der andere Württemberger, Joh. Georg Martin Dursch), geb. 1800 zu Deggingen, hatte an literarischen Veröffent- lichungen bis 1830 nichts aufzuweisen. Im Juli 1823 war ihm der Preis der Palmschen Stiftung an der Universität Tübingen und schon 1821 eine öffentliche Belobung für Lösung der Preisaufgabe der philosophischen Fakultät da- selbst zuerkannt worden. Nach seiner Ordination(24. Sept. 1825) kam er zu Studienzwecken(Arabisch und Sanskrit) für fast 3 Jahre nach Paris, von wo aus er auch London 1) Möhler an Döllinger: Tübingen, den 17. April 1830; J. Fried- rich, J. A. Möhler der Symboliker 1894, 21 las in der Urschrift„Möser“ statt Wocher. Zur Richtigstellung vgl. J. Schmid. Register der ThO. 1895, 191; Bihlmeyer, ThOQ. 1919, 180 und Lauchert ebenda 502. Eine Anzeige zu Wochers Apostol. Väter von J. M. Göschl in: (Aschaffbg.) Kath. Kztg. 1830, Litbl. 9, 65 ff. Die Ausgabe wird dort gelobt als„mit großer Präzision gegeben und mit sehr guten Anerkennungen geschmückt“., Die Ignat. Briefe rec.: Katholik. 1829, Bd. 34, 373 ff.: Die Apostol. Väter ebenda 1831, Bd. 40, 254 ff. Wochers spätere Arbeiten bewegen sich ThO. 1834, 613 ff. und in mehreren Gymnasialprogrammen auf dem Gebiete der hebräischen Poesie und der neueren Philologie. Am 13. Okt. 1830 wurde Wocher definitiv Prof. am Gymnasium Ehingen, zugleich 1834/49 Vorstand des Konviktes Ehingen und seit 1845 Rektor des dortigen Gym- nasiums, gest. 1852. 2) Neher 471f.; ³17 f.; Fr. Eser, Aus meinem Leben(1798— 1872), hrsg. von P. Beck 1907, 342 f. Durschs erste Veröffentlichung, ein Handbuch für Religionsunterricht an Gymnasien, erschien in 3 Teilen 1832/34; 1842 folgte„Allgemeiner Commentar für die Psalmen“. Später(seit 1842 Dekan und Pfarrer in Wurmlingen, 1850 Stadt- pfarrer in Rottweil und 1858 Dekan für Rottweil und tit. Kirchen- rat, gest. 1881) wandte er sich kunstgeschichtlichen und pädagogi- schen Forschungen zu; vgl. J. B. Sägmüller in: Lexikon der Pädagogik, hrsg. von E. Roloff I(1913) 920 f.; ein kurzer Nachruf auf Dursch in: Lit. Rdsch. 1881, 186— 188. Tübingen im Berbst Pbingen b war er dor bezeichneter Vörmer· Durschs, ü st, Stand al ab, Woche Einladung theologiscl dem mit e J. Chr. Mu verstehen Marburger als der Gi läßtt einen Für Möhle seine bis! Zöllbats entgegeng bedeuten, die dama Niederrhe innerlich bahn abg Die Pr. 1) Woe bei Mirbt Y Die Lölibatsstu sebrift IIl chlossen ter eben rsch, eröffent- 99 23 war iversität ung für ltät da- 24. dept. Sanskrit) London J. Fried- t„Möser“ der ThO. Henda 502. göschl in: gabe wird gehr guten Katholik. 40, 254 ff. ff. und in ebräischen de Wocher 9 Vorstand gen Gym- 98—- 1872), hung, ein n 3 Teilen Psalmen“. 850 Stadt- Kirchen- padagogi: xikon der er Nachruf Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 165 besuchte. Herbst 1828 zum Repetenten am Wilhelmstift Tübingen ernannt, trat er seine Stelle nicht an, weil noch im Herbst 1828 zum Professoratsverweser am Gymnasium Ehingen bestellt. Seit 1829 definitiv Professor geworden, war er dort bis 1842 tätig. Möhler nennt ihn in dem oben bezeichneten Brief an Räß„einen geschickten Orientalisten“ (Wörner-Gams 112). Hinter der Berufung Wochers und Durschs, über deren Verhandlungen nichts Näheres bekannt ist, stand aller Wahrscheinlichkeit nach Möhler. Beide lehnten ab, Wocher abermals, als ihm kaum ein Jahr später eine Einladung an die ebenfalls neuzuerrichtende katholisch- theologische Fakultät zu Marburg zugegangen war, wie er dem mit den einleitenden Verhandlungen beauftragten Prof. J. Chr. Multer-Marburg durch Brief vom 14. April 1831 zu verstehen gab, aus persönlichen Gründen, obwohl er der Marburger Fakultät ein erfreulicheres Prognostikon stellte als der Gießener und der Hoffnung Ausdruck gab:„Alles läßt einen günstigen Bestand der neuen Fakultät hoffen“ 4). Für Möhler, der im„Katholik“ 1828, Bd. 30,1 ff.; 257 ff. seine bis heute unübertroffen gebliebene Verteidigung des Zölibats den Nachbetern eines rationalistischen Zeitalters entgegengeworfen hatte, mußte es die schwerste Enttäuschung bedeuten, daß beide Schüler, seit Nov. 1830/ Febr. 1831 in die damals durch ganz Süd- und Mitteldeutschland bis zum Niederrhein gehende Antizölibatsbewegung ²) verwickelt, ihm innerlich entfremdet und von der ihnen zugedachten Lauf- bahn abgedrängt wurden. Die Professur, mit der Dursch hatte betraut werden 1) Wochers Brief, allerdings nur in Kürzung, veröffentlicht bei Mirbt, Marburger Fakultät 224 ². 2) Die Einzelheiten für Württemberg bei F. Hammer, Der Zölibatssturm in Württemberg im J. 1831: Rottenburger Monats- schrift III(1919/20) 111 ff. 166 Lösch, sollen, erhielt unter dem 12. Juni 1830 Joh. Jos. Müller1). Seit 16. Januar 1829 Privatdozent in Bonn und Herbst 1829 schon für Freiburg als Ordinarius in Aussicht genommen, folgte dieser am 30. April 1831 einem Rufe nach Breslau. Damit war für den Lehrstuhl des Alten und Neuen Testa- ments an der erst ein Semester alten Fakultät zu Gießen schon eine neue Besetzung notwendig geworden. Wieder fiel die Wahl auf einen jungen Tübinger und wiederum ohne Ergebnis: Joh. Ad. Braun, geb. 1804 zu Nagelsberg, ordiniert 28. Sept. 1829, seit 29. Okt. 1829 Präzeptoratsverweser an der Lateinschule Neckarsulm, 27. Okt. 1830 zum Repe- tenten am Wilhelmstift Tübingen ernannt, jedoch dort nicht angetreten; Februar 1830 provisorisch Oberlehrer an der Lateinschule Rottenburg, 1836/45 Professor am Gymnasium Ellwangen, 1845/52 Dekan und Stadtpfarrer in Riedlingen, gest. 1852(Neher 484). Worin Brauns wissenschaftliche Be- fähigung sich zuvor bekundet hatte, ist nicht festzustellen ²). Durch Antrag vom 28. Juni 1831 wurde er zusammen mit dem schon genannten Kaspar Riffel für die erledigte exe- getische Lehrstelle von der Gießener Fakultät empfohlen, für Braun ohne Erfolg, für Riffel erst spüter mit Berufung, jedoch nicht für Exegese, sondern für KG. Was aber für 1) Ausführlich über Müllers Leben und Schriften bei H. Schrörs, Geschichte der kath.-theol. Fakultät zu Bonn(1818— 1831) 1922, 253 ff.; vgl. Alb. Lausche r, Die kath.-theol. Fakultät der rheini- schen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn(1818— 1918) 1920,20; J. Nikel, Die kath.-theol. Fakultät zu Breslau: Festschrift zur Feier des 100 jährigen Bestehens der Universität Breslau hrsg. von G. Kaufmann II(1911) 121 ff. 2) Neher 484 gibt nur den unbestimmten Hinweis auf„mehrere Gymnasialprogramme“ Brauns, so daß Rückschlüsse auf seine etwaigen um 1830 beginnenden Vorarbeiten nicht möglich sind. F. X. Leonhard, Geschichte der höheren Lehranstalt in Ellwangen II (1862) 32 beschränkt sich auf die Angabe der Lehrer aus den Jahren 1817/20. Die katt Gießen richt gekommen: erging eine 4. haltend geant Rufe dorthin Pntschliebung Damals Repet Wrilbelmstift len ersten ka Fakultät Tüt ten in der wie auch se lichungen sic Wegen— f ausersehen. (Brief an Pro bei Mirbt 22 Marburger P Man muß hessischen K Tübingen zu ersichtlich, w katholische ahres Bestel nicht, mit stein, Preul Möhler balq Münster und auch ohne d — 1) Briefe B bei Mirbt? ) Neher und Ktadtpkar gingen, gest. 1 ler!). 8t 1829 nommen, Breslau. 2 Testa. Gießen Wieder lederum elsberg, kerweser 1 Repe- ort nicht an der nnasium dlingen, che Be- tellen ²). nen mit te exe- pfohlen, rufung, ber für hrörs, 31) 1922, er rheini- 1920,20; hrift zur Arsg. von mehrere if seine d. F. X. angen II aus den Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 167 Gießen nicht gelang, wäre beinahe für Marburg zustande- gekommen: durch Vermittlung von Prof. Multer-Marburg erging eine Anfrage an Braun und er, der anfänglich zurück- haltend geantwortet hatte, zeigte großes Verlangen, einem Rufe dorthin zu folgen ¹). Vielleicht war Braun in seiner Entschließung bestärkt worden durch Joseph Halder 2) lamals Repetent(seit 28. Okt. 1828 bis 22. Febr. 1832) am Wilhelmstift Tübingen und allem nach— 1826 hatte dieser den ersten katechetischen Preis der katholisch-theologischen Fakultät Tübingen erhalten und 1829/31 mehrere Predig- ien in der Augsburger Predigtbibliothek herausgegeben, wie auch seine zahlreichen späteren(1834/48) Veröffent- lichungen sich durchgehends auf homiletischem Gebiete be- wegen— für Moral- und Pastoraltheologie zu Marburg ausersehen. Auch Halder hatte in eben denselben Tagen (Brief an Prof. Multer-Marburg vom 13. Mai 1831 in Kürzung bei Mirbt 224 ²) seine Bereitschaft zur Uebernahme einer Marburger Professur ausgesprochen. Man muß die Ausdauer bewundern, mit der die beiden hessischen Kultministerien ihre Pläne, junge Lehrkräfte aus Tübingen zu gewinnen, verfolgten. Nicht weniger aber wird ersichtlich, welches wissenschaftliche Ansehen die schwäbische katholische Theologenschule in den kaum 1 ½ Jahrzehnten Ihres Bestehens sich weithin erworben hatte. Wütsten wir nicht, mit welch unbeirrbarer Energie Freiherr von Alten- stein, Preußens Kultminister, in den Jahren 1828/34 um Möhler pald für Bonn, bald für Breslau, dann wieder für Münster und noch einmal 1837 für Bonn geworben hat, auch ohne dieses wäre es genug, zu sehen, wie die Schar 1) Briefe Brauns an Multer vom 12. Mai 1831 und 14. Juli 1831 bei Mirbt 224²(Wortlaut fehlend). 2) Neher 477. Seit 6. April 1836 ist Halder Konviktsdirektor und Stadtpfarrer in Tübingen, 1838/50 Stadtpfarrer in Munder- kingen, gest. 1850. 168 Lösch, der jungen Tübinger aus dem still abseits gelegenen Adler- horst zum Fluge in die Ferne oder, in der Sprache von damals gesprochen, ins„Ausland“ gelockt wurde. Einer wenigstens war inzwischen von Tübingen in Gießen angekommen: Franz Anton Staudenmaier1).„Den beiden Elementen der Gießener Fakultät, dem Josephinismus in dem Kirchenhistoriker(seit 29. Mai 1830) J. N. Locherer und dem Hermesianismus in dem schon genannten Exegeten J. J. Müller, war sonach ein drittes heterogenes beige- sellt— die Tübinger Richtung“ ²). Die Vorgeschichte von Staudenmaiers Berufung liegt im Dunkeln(Lauchert 110). Aber Möhler, der wiederholt— so für eine Berufung durch Döllingers Vermittlung im Frühjahr 1830 und wiederum für eine solche, diesmal nach Würzburg gedachte, im Februar 1835 ³)— zugunsten seines Schülers eingetreten ist, wird auch bei Gießen entscheidend mitgewirkt haben. Am 12. August 1830 wurde Staudenmaier als ord. Prof. der Theo- logie angestellt und am 27. Nov. 1830 anläßlich der feier- lichen Eröffnung der neuen Fakultät zum Dr. theol. promo- viert. Der junge Tübinger, 1800 zu Donzdorf geboren und 1) Friedr. Lauchert, Franz Anton Staudenmaier(1800— 1856) in seinem Leben und Wirken dargestellt 1901, 68. 118 ff. 2) Vgl. den anonymen Aufsatz:„Zwölf Jahre einer theologischen Fakultät“ in:„Katholik“ 1863 I, 540— 560. Von einem Zeitgenossen 1843 niedergeschrieben, wurden die einer süddeutschen Zeitschrift im gleichen Jahre angebotenen Ausführungen von dieser nicht aufgenommen und kamen erst nach der Auflösung der Gießener Fakultät im„Katholik“ zur Veröffentlichung. Ueber Locherer vgl. Möhler selbst KG. III 60:„Er ist eine Reminiszenz einer bereits ver- schollenen Bildung des 18. und des Anfangs unseres Jahrhunderts“. Locherers KG. 1/2(1824/25) rec. von Möhler: ThQ. 1825, 99 ff.; 665 ff., KG. 3(1826): ThO. 1826, 726 ff.; KG. 4(1827): ThO. 1828, 328 ff. 3) Möhler an Döllinger: Tübingen, 20. Februar 1830 und 26. Februar 1835; Friedrich, Möhler 18 f.; 43 f. Die k am 15. de Wülhelmsti der Tübing Veröffentlic zurch eine ertolgte U Herbst 182 derer Rück Fürsten au 1 Die v aufgabe:, circa episcc usque temp später Dom Horb; vgl. meinem Leb Tübingen). geteilt, daß preis(den 2) Die AM Einleitung Angriff ein Nr. 31, 8. mit„F.ö)? vergebens Fetzer sonstigen! aufnahme und Rom s 172. 446 ff. maiers sich erkennen, o dem die Ge lieber ins I indem beide Stolischen, gemacht.“ Dällinger„ ein Adler- che von n Gieben ).„Den hinismus ſcherer Exegeten s beige- chte von eert 110). ng durch viederum Februar st, wird Am 12. er Theo- ier feier- ¹. promo- voren und 800— 1856) oologischen eitgenossen Leitschrift eser nicht Gießener cherer vgl. Hereits ver- hunderts“. 25, 99 ff.; ThO. 1828, 1830 und Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 169 am 15. Sept. 1827 ordiniert, 21. Okt. 1828 Repetent am Wilhelmstift Tübingen, 1829(Frühjahr?) zum Lic. theol. der Tübinger Fakultät befördert, war bereits durch mehrere Veröffentlichungen in der ThQ und im„Katholik“ sowie durch seine größere Schrift, eine unter Möhlers Leitung erfolgte Umarbeitung einer Tübinger Preisaufgabe ¹) vom Herbst 1824:„Geschichte der Bischofswahlen mit beson- derer Rücksicht der Rechte und des Einflusses geistlicher Fürsten auf dieselben“(Tübingen 1830), hervorgetreten*). 1) Die von der juristischen Fakultät Tübingen gestellte Preis- aufgabe:„Quid auctoritatis quidque iuris fuerit principibus christianis circa episcoporum electionem a Constantino Magno ad hodierna usque tempora?“ fand 3 Bearbeitungen(Staudenmaier; L. Lang, später Dompräbendar in Rottenburg; B. Holl, später Dekan in Horb; vgl. zu Lauchert 47 ergänzend L. Lang, Erinnerungen aus meinem Leben I, 52(Manuskript in der Bibliothek des Wilhelmstifts Tübingen). Dieser Preis der sog. Speyerschen Stiftung wurde so geteilt, daß Staudenmaier den ersten(größeren), Lang einen Neben- preis(den kleineren Teil) erhielt. 2) Die Ausgabe der„Geschichte der Bischofswahlen“ fällt vor die Einleitung der Verhandlungen zur Gießener Berufung, wie aus dem Angriff eines Anonymus in der Zeitschrift„Hesperus“ Jahrg. 1830, Nr. 31, S. 202(Brief aus Tübingen vom 21. Febr. 1830, gezeichnet mit„F.*) zu ersehen ist. Der unbekannte, auch von Lauchert 100 ¹ vergebens gesuchte, Verfasser jenes Kampfartikels ist Dr. jur. Fetzer aus Reutlingen, ein in der Antizölibatsbewegung und sonstigen Polemik sehr tätiger Publizist, der mit wörtlicher Wieder- aufnahme seines Hesperus-Artikels in seiner Schrift„Teutschland und Rom seit der Reformation Luthers“, Frankfurt a. M. II(1830) 172. 446 ff. gegen den„Ultramontanismus“ Möhlers und Stauden- maiers sich ereifert:„Wir möchten wünschen, die Italiener möchten erkennen, daß Staudenmaier und sein ideenreicher Lehrer Möhler, dem die Geschichte der Bischofswahlen zugeeignet ist, je eher je lieber ins heilige Cardinalskollegium gezogen zu werden verdienten, indem beide sich um den Einheitspunkt der alleinseligmachenden, apo- stolischen, römischen Kirche auf ausgezeichnete Weise verdient gemacht.“ Damit erklärt sich Möhlers Andeutung im Brief an Döllinger vom 20. Febr. 1830 bei Friedrich, Möhler 21. 170 Lösch, Seine Vorlesungen in Gießseen stehen ganz unter dem Einfluß Dreys und Möhlers, wie schon die Ankündigungen der Se- mester 1831/35(„Dogmatik in Verbindung mit Dogmen- geschichte, Enzyklopädie der theologischen Wissenschaften, Symbolik unter Zugrundelegung des Handbuchs von Dr. Möhler und mit Rücksicht auf die neuesten dahin ein- schlagenden Schriften“) erkennen lassen. Seine frühest ge- druckte Abhandlung aus der Tübinger Zeit ¹)„Der Prag- matismus der Geistesgaben“: Th0. 1828, 389— 402. 608— 640, für sich schon eine kleine Schrift darstellend, erschien in Buchform während seiner Gießener Zeit unter dem erwei- terten Titel:„Der Pragmatismus der Geistesgaben oder das Wirken des göttlichen Geistes im Menschen und in der Menschheit(Tübingen 1835). Seine sonstige reiche literarische Tätigkeit während seiner Gießener Jahre(1830/37) ist von Lauchert 131— 286 ausführlich behandelt. Der Schwerpunkt der Staudenmaierschen Theologie liegt in der Auseinander- setzung mit der Philosophie Hegels ²) und der protestantischen Dogmatik religionsphilosophischer Richtung in Schleier- W ſn Rahehert hhe 525 ist nachzutragen Staudenmaiers frühester Hinweis auf seine T hO.-Untersuchung in„Die protestanti- sche Dogmatik in ihrer geschichtlichen Entwicklung“: Religiöse Zeitschrift für das kath. Deutschland, hrsg. von J. Sengler 1833 I, 137 1:„Ich verweise auf meine Abhandlung über den Pragmatismus der Geistesgaben ThO. 1828˙; ferner ebenda I 692 zu Lauchert 1031: „Vergleiche die ThO., in der ich mich über diesen Punkt(scl. Lehre vom göttlichen Ebenbilde im Menschen) 1830, 208— 218 aus-⸗ gesprochen habe“. 2) Ph. Fun k, Die katholische Tübinger Schule in:„Der Schwä- bische Bund“, hrsg. von H. Ehrler-H. Missenharter-G. Schmückle I (1919) 302:„Kein katholischer Theologe jener Zeit hat sich in dem Grade wie Staudenmaier mit der deutschen Spekulation aus- einandergesetzt, vor allem mit Hegel, dann mit Schelling, Günther und Baader“. Gams 132 berichtet,„daß Möhler einst dem Dr. Staudenmaier sagen ließ, er möge sich nicht zu sehr in die Hegelsche Philosophie vertiefen“. Die kath her und 1 ist mac tigen voll Stellmg, 4ls penden Bedeu Jusammenhal H unge Tabulte Ilit dem Hi Nam die He „Jahrbücher! von Dr. Kuhr Jahrg. 1834. zus. 4 Heften Heft. Möhle programmat sophie verbir naissance:( wie Mack Veitschrift mi die Th0. 183 dienten. Joh. Er. I dierender de bis 1830, un Fakultät für dargelegte! Jakobischen 1) Auch au III(1868) 11 2) Lutter Wv. von Kuhn: am 8. Maij 188 Rottenburg 18 Sophie chrét. auk Schanz zu m Einfuug en der Se. ogmen- nschaften, Von Dr. ahin ein- ühest ge- er Prag- 08— 60, schien in am erwei- oder das d in der terarische ) ist von werpunkt einander- antischen Schleier- denmaiers rotestanti- Religiöse er 1833 5 gmatismus chert 103¹. unkt(scl. -218 aus- mückle I sich in tion aus- Günther dem Dr. legelsche Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 171 macher und Twesten. Was aber hier uns vor allem beschäf- tigen soll, ist nicht so sehr Staudenmaiers zeitgeschichtliche Stellung, als das Wieviel einer theologiegeschichtlich blei- benden Bedeutung. Diese kann nur gewürdigt werden im Zusammenhalt mit der literarischen Gründung, zu der die unge Fakultät in Gießen sich entschloß. Mit dem Hinzutritt eines weiteren Tübingers, J. E. Kuhn, kam die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift zustande: „Jahrbücher für Theologie und christliche Philosophie, hrsg. von Dr. Kuhn, Dr. Locherer, Dr. Lüft und Dr. Staudenmaier“, Jahrg. 1834, Bd. I—III in zus. 6 Heften; 1835 IV-V in zus. 4 Heften; 1836 VI in zus. 2 Heften; 1837 VII in 1(einz.) Heft. Möhler gab der Zeitschrift(= GJ.) gleichsam ein programmatisches Geleite mit einer Geschichte und Philo- sophie verbindenden Rezension ¹) über Mittelalter und Re- naissance: GJ. 1834 I, 173— 187. Auch andere Tübinger wie Mack und Hefele arbeiteten gelegentlich an der Zeitschrift mit, während umgekehrt Staudenmaier und Kuhn die ThQ. 1832/37 mit Abhandlungen oder Rezensionen be- dienten. Joh. Ev. Kuhn²), geb. 1806 zu Wäschenbeuren, Stu- dierender der Theologie an der Universität Tübingen 1826 bis 1830, unter vier Bewerbern Preis der philosophischen Fakmultät für Lösung der Preisaufgabe„Eine aus den Quellen dargelegte Entwicklung der inneren Geschichte der F. H. Jakobischen Philosophie und ihres Verhältnisses zu den 1) Auch aufgenommen in Möhlers KG., hrsg. von P. B. Gams, III(1868) 11— 24. 2) Lutterbeck 37; P. Schanz, Zur Erinnerung an Joh. Ev. von Kuhn: ThO. 1887, 531— 598; ders., Gedächtnisrede auf den am 8. Mai 1887 im Herrn entschlafenen Joh. Evang. von Kuhn. Rottenburg 1887, 5; Ph. Godet, J. E. Kuhn: Annales de philo- sophie chrét. 78(1907), avril, 26 ff.; mai, 163 ff. geht vor allem auf Schanz zurück. 172 Lösch, andern gleichzeitigen Systemen deutscher Philosophie“(1829 pis 1830); 1830 Dr. phil. der Universität Tübingen; 14. Sept. 1831 ordiniert, Herbst 1831 Studienreise nach München und öffentliche philosophische Disputation daselbst mit Schelling¹); 4. Juni 1832 an der theologischen Fakultät Gießen an Stelle des am 30. April 1831 nach Breslau berufenen Prof. J. J. Muller mit exegetischen Vorlesungen beauftragt, 1832 Dr. theol. der Universität Gießen, 9. Nov. 1832 ord. Prof. der Theologie daselbst ²), 4. Januar 1837 zum Prof. der neutest. Exegese an der Universität Pübingen ernannt, 1839 an Stelle Dreys für Dogmatik, 1856 Ruf nach Freiburg abgelehnt, 14. Nov. 1882 in Ruhestand getreten, gest. 1887. Kuhns Mitarbeit gab der neuen Zeitschrift ihre eigent- liche Prägung. Schon in den beiden ersten exegetischen Untersuchungen(„Ueber Apg. 5, 36— 37“˙: Gd. 1834 I, 3— 34; „Ueber Matth. 23, 35“: ebenda 339— 372), die noch ganz in der philologischen Behandlungsweise seines Lehrers Feil- moser durchgeführt werden, zeigt sich das Bestreben Kuhns, liber die grammatisch-historische Auslegung hinauszuge- langen, um zum neutest. Lehrbegriff vorzudringen. Ganz gelingt dies noch nicht, doch bei der zweiten der genannten Untersuchungen schon sicherer und klarer; und seine aus- 1) Schelling glaubte spüter, sowohl Drey als Kuhn weitgehender Untlehnungen aus seiner Philosophie der Offenbarung bezichtigen zu sollen; Brief Schellings an seinen Sohn Fritz: Berlin, 18. Mai 1844(Jahr nicht ganz sicher feststehend); vgl. O. Braun, Briefe Schellings an seine Söhne Fritz und Hermann: Hochland IX(1911/12) 322. Der Tatbestand war freilich ein ganz anderer. 2) Die Würzburger Zeitschrift„Allg. Religions- und Kirchen- freund. Kirchenhist. Bemerker“, hrsg. von Fra. G. Benkert, Jahrgang 1833, April, Nr. 12, S. 171 f. lüßst sich aus Mainz melden:„Die schon seit Ostern 1831 vakante Lehrstelle der Exegese an der in Gießhen neu gegründeten kath. Lehranstalt ist dem Priester Herrn Dr. philos. Kuhn aus Wüschenbeuren im Königreich Württemberg durch Dekret vom Nov. ds. Js. übertragen worden. In ihm hat Die ka fuhrlichen! scher Prege 325—- 974 Röm.: 1835 den das wacl dber den hi gich eine sole wie Kuhn's aukgabe eir doch das! reine Dars welchen es werden, da sind. Aber ihres Proze die Fakultut Nach absolv wird— kau lesungen übd wie gemelde nachher wu Theologie t bekanutlicl- auszugeben zu berechti Lehrer wie wirken und Mystizismus trauten hoc möge.“ Hi⸗ baw. die b gaben bei! Spitze der gebllebene Kowmentar einer theoh 6(1829 14. dept. hen und elling!); an Stelle of. J. J. 832 Dr. rof. der neutest. an Stelle ogelehnt, eigent- getischen „3— 34; ganz in ers Peil- a Kuhns, auszuge- n. Ganz enannten eine aus- tgehender ezichtigen 2, 18. Mai n, Briefe (1911/12) Kirchen- Jahrgang en:„Die an der in ter Herrn rttemberg ihm hat Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 173 führlichen Referate über die Neuerscheinungen protestanti- scher Exegese zu den paulinischen Briefen(Gal.: 1835 II, 325— 374; 1835 IV, 402— 405; Eph.: 1835 IV, 362— 401; Röm.: 1835 IV, 320— 341; V, 344— 348. 381— 446) bekun- den das wachsende Bestreben einer Selbstrechenschaft gegen- über den bisherigen Erklärungsmethoden, wie schon Möhler sich eine solche Th. 1830, 698 ff. und 1831, 508 gegeben oder wie Kuhn selbst GJ. 1834, II 372 die gedachte Gegenwarts- aufgabe einer neutest. Exegese umschreibt:„Offenbar ist doch das höchste Ziel der Auslegung das Objektive, die reine Darstellung eines Subjektiven, und die Hüllen, unter welchen es verborgen liegt, können nicht a priori gelüftet werden, da sie selbst zunächst a posteriori oder empirisch sind. Aber ebenso offenbar strebt die Auslegung am Ende ihres Prozesses und als Resultat desselben ein System, die die Fakultät den zweiten Lehrer aus der Tübinger Schule erhalten. Nach absolvierten Studien auf einer Reise begriffen— wie erzühlt wird— kam derselbe um Ostern v. J. nach Gießen, kündigte Vor- lesungen über das Evangelium Johannis an und erhielt darauf, wie gemeldet, nach einigen Monaten die erledigte Stelle. Bald nachher wurde Kuhn von der kath-theol. Fakultät zum Dr. der Tueologie taxfrei ernannt. Wie verlautet, beabsichtigt derselbe, das bekanntlich schon vielfach bearbeitete Evangelium Johannis her- auszugeben. Wir wünschen ebensosehr als Herr Kuhn zur Erwartung zu berechtigen scheint, daß er sowohl in seinen Leistungen als Lehrer wie als Schriftsteller zum wahren Wohle der Kirche künftig wirken und namentlich nicht weniger von dem verderblichen Mystizismus als von unkatholischen Doktrinen in dem ihm anver- trauten hochwichtigen Fache stets vollkommen frei sich bewahren möge.“ Hienach sind die bezüglichen Daten oben eingeordnet bzw. die bei Lutterbeck gegebenen richtiggestellt sowie die An- gaben bei Schanz ergänzt. Die obige gegen Kuhn sich richtende Spitze der Mainzer Zuschrift war mitbestimmt durch die erfolglos gebliebene Bewerbung des Mainzers Heinrich Klee, der 1829 einen Kommentar zum Joh.-Evgl. veröffentlicht hatte; vgl.„Zwölf Jahre einer theol. Fakultät“:„Katholik“ 1863 I, 543. 174 Lösch, biblische Theologie, an“. Die Entwicklung der paulinischen Lehre von der lotis hat bis heute kein treffenderes Argu- ment gegenüber der modernen Autosoteriologie kantianischen Ursprungs hervorgebracht als jene exegetisch-spekulative, unter sichtlichem Einfluß von Möhlers Symbolik geformte Darlegung Kuhns in GJ. 1834 II, 352—361. So vorbereitet tritt Kuhn sofort nach Erscheinen von D. Fr. Strauß„Leben Jesu“(2 Bd. 1835) in eine Auseinander- setzung mit ihm: GJ. 1836 VI, 33— 91:„Von dem schrift- stellerischen Charakter der Evangelien im Verhältnis zu der apostolischen Predigt und den apostolischen Briefen“, eine mit dialektischer Kunst durchgeführte Untersuchung, her- vorgegangen, wie Kuhn in seiner Selbstanzeige zu seinem „Leben Jesu“ I.(einz.) Bd.(1838): Th. 1838, 569 bemerkt, aus Gießener Vorlesungen vom Sommer 1836 und Winter 1836/37. Die drei petrinischen Lehrvorträge Apg. 2, 14 bis 36. 3, 12— 26. 10, 40— 43 und in Uebereinstimmung hie- mit das paulinische Bekenntnis Apg. 13, 16— 41 bilden die Grundlage für das historische, zeugnismäßig festgelegte Tatsachenbild vom Gekreuzigten und Auferstandenen. Hier liegt„der Kern der apostolischen Predigt“, eine„gedrängte Geschichte Jesu des Nazareners“, und„diese sich gleich- bleibende Weise des apostolischen Kerygma entwickelt sich nach der Notwendigkeit des in ihr liegenden Entwicklungs- gesetzes ganz von selbst“(S. 42). Die historische Zeugnis- kraft für die Auferstehung Jesu wird in einer ebenso schla- genden Kombination von Apg. 1, 16— 22 mit 1. Kor. 15, 14; ferner von Apg. 2. 32. 3, 15. 4, 20. 5, 32. 10, 37 fl. mit Apg. 22, 15. 26, 16 f.; Gal. 1, 12— 16 und Joh. 21, 24; 1. Joh. 1, 1 ff. aufgezeigt und von da die Linie Johannes— Matthäus— Markus— Lukas gezogen. Schon GJ. 1835 IV, 287— 306:„Die Bekehrung des Apostels Paulus nach ihrem inneren Zusammenhang mit seinem Lehrtypus“ liegt die Die 5 Vorbereitu besonderen Jesu ruhte wisser altte matik vond rerarbeitet Paulus zu kennen“( mußte Ssic ist nicht mit Chris entwickelt sich nach rorträgen, stellt:„Ge 67. 1835 grundgeles umsicherte eine gerac Einzelfall erstehung Herder il von der! lichen Le Die Nacht beiden S spüren. Kuhn k Aphandlun gerichteten — !) Wie etya im S L. Sebmidt linischen es Argu. anischen k ulative, geformte mvon D. inander- schrift- s zu der n“, eine ag, her- seinem bemerkt, Winter 6. 2, 14 ung hie- ilden die stgelegte een. Hier gedrängte gleich- kelt sich cklungs- Leugnis- 0 schla- 15, 14; 7ff. mit 21, 24; nannes— 835 IV, ch ihrem Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 175 Vorbereitung hiefür:„Insofern das Urevangelium auf den besonderen Umständen der Lehre, des Lebens und Todes Jesu ruhte und schon vor Paulus mittelst Erklärung ge- wisser alttest. Stellen zu einer Art gleichstimmiger Dog- matik von den unmittelbaren Jüngern Jesu und ihren Schülern verarbeitet und so gleichsam historisch schon vorlag 1¹), ehe Paulus zum Christentum übertrat, mußte er diese aner- kennen“(S. 294).„Das christliche Bewußtsein bei Paulus mußzte sich wie mit einem Schlage aufdrängen“; denn„es ist nicht daran zu denken, weder daß er es im Umgang mit Christo sich erworben noch allmählich aus sich selber entwickelt haben sollte“(S. 304). Von hier aus begreift sich nach Kuhn der historische Charakter von Pauli Lehr- vorträgen, wie ihn seine gleichzeitige Untersuchung heraus- stellt:„Genetische Entwicklung des paulinischen Lehrtypus“: GJ. 1835 V, 3— 39. Man sieht, wie die bei Drey und Möhler grundgelegte Idee des von festen dogmatischen Schranken umsicherten Gemeindebewufßtseins durch ihren Schüler Kuhn eine geradezu klassische Anwendung auf den dogmatischen Einzelfall der urchristlichen Lehrverkündigung von der Auf- erstehung Jesu findet und wie andererseits die seit Lessing- Herder in der neutest. Exegese heraufwirkende Betonung von der Zweckbestimmung des einzelnen urchrist- lichen Lehrvortrages oder Berichtes sich geltend macht. Die Nachwirkung hievon ist in der Exegese von Kuhns beiden Schülern, Aberle und Schanz, deutlich zu spüren. Kuhn kann den vorausgegangenen drei genannten größeren Abhandlungen mit nochmaliger schärfster gegen Strauß gerichteter Frontstellung in GJ. 1837 VII, 1— 50:„Her- 1) Wie das folgende zeigt, ist diese Ausführung Kuhns nicht etwa im Sinn der heutigen formgeschichtlichen Kritik(Dibelius, K. L. Schmidt, Bultmann) gemeint. 176 Lösch, weneutik ¹) und Kritik in ihrer Anwendung auf die evan- gelische Geschichte“ die abschließend normierende Formu- lierung geben:„Es ist ein durchaus vergeblicher Versuch, das historische Christentum in ein ideelles aufzulösen. Der historische Charakter des Urchristentums beruht auf der historischen Wahrheit der evangelischen Geschichte und das Christentum ist ohne diese nichts. Denn das Argument: Das Christentum ist eine historische Religion, folglich darf sein Grundelement nicht mythisch gefaßt werden, hat die strengste Konsequenz“(S. 33).„Die Sache der Verteidiger und Bestreiter des historischen Charakters der evangelischen Geschichte soll und muß ihre nächste, wissenschaftlich einzig sichere und ganz durchgreifende Erledigung finden von dem gewichtigsten oder eigentlich einzig gewichtigen Einwurf aus, daß nämlich zwei Evangelien durch Augenzeugen(Mat- thaus und Johannes) abgefaßt sind.“ Das Markus-Evangelium aber wachse aus petrinischem Kerygma und Matthäus-Be- richten bezw. lukanischem Quellgut; letzteres wiederum entnehme seine„Stoffe aus Paulus, der zwar in den ver- schiedensten Lehrpunkten von seinen Gegnern angegriffen, dem aber niemals Unkenntnis des Lebens Jesu vorgeworfen wird. Vor dem wissenschaftlichen Tribunal der gegenwärtigen Zeit ist somit die Straußsche Sache eine entschieden ver- lorene“(S. 37— 42). Es war nicht schwer, von dogmatischen Gesichtspunkten aus gegen Kuhns„Leben Jesu“(1838), das seine eben be- zeichneten vier größeren Untersuchungen der GJ. 1835/37 zusammenfassend ausbaut und auch zeitlich den Abschluß seiner Gießener schriftstellerischen Tätigkeit bildet, einzu- wenden ²), daß in seiner Beweisführung die beiden Spitzen 1) GJ. 1835 V, 393 äußzert Kuhn„das Vorhaben zu den Grund- linien einer biblischen Hermeneutik in etlichen Jahren“. 2) Vgl. Katholik 1839, Bd. 71, 66 ff., wo von gewissen neologi- schen und heterodoxen Meinungen und Beweisen gesprochen wird; Die k der Evange fahrt, vich ceschichtli Standpunk keinen an- um mit g gang des digkeit in sollte in d werden; schädlich VII, 3). haben die wie der! einer sein Straffheit Lebendig! digung al Die Art: 1836 VI, hiegegen S genannte? Rückblick 549:„Von in die Pxeg Schrifterkl und adopt mehr verste Männer m wenn sie? werden, w mitteilen, Anstrengu keit in Gi sehends ve Theol. ie evan- Formu- Versuch, sen.. Der auf der hte und gument: lich darf hat die rteidiger gelischen eh einzig von dem Einwurf en(Mat- ingelium läus-Be- viederum len ver- egriffen, geworfen wärtigen den ver- punkten eben be- 1835/37 bschluß einzu- Spitzen n Grund- neologi- hen wird; Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 177 der Evangelienberichte, Kindheitsgeschichte und Himmel- fahrt, nicht oder kaum zur Geltung kommen. Aber zeit- geschichtlich gesehen, gab es gegenüber dem kritischen Standpunkt der kritischen Schule eines Baur und Strauß keinen andern Weg als die Begegnung auf gleichem Boden, um mit gleichen Waffen zu schlagen.„Dem Entwicklungs- gang des einmal erschütterten Glaubens, der die Notwen- digkeit in sich trägt, zum absoluten Unglauben vorzudringen, sollte in der Wissenschaft nie auf äußerliche Weise begegnet werden; alle äußerlichen Bewältigungsmittel könnten nur schädlich wirken, wie sie gewiß erfolglos blieben“(GJ. 1837 VII, 3). Höhepunkt und Ende der Strauß-Renan-Periode haben diesem prophetischen Wort Kuhns nach der negativen wie der positiven Seite hin recht gegeben. Kaum mehr in einer seiner späteren Schriften aber begegnet eine solche Straffheit des Aufbaus, zwingende Kraft der Beweisführung, Lebendigkeit des Stils und persönlichste Note der Vertei- digung als in diesen seinen Auseinandersetzungen mit Strauf. Die Art vollends, wie er— um noch einmal kurz zu GJ. 1836 VI, 60 ff. zurückzukehren— die Voraussetzung des hiegegen Kuhn selbst ThO. 1839, 6 ff.; 1842, 489 ff. Die schon genannte anonyme Stimme aus dem Jahre 1843 äußert sich in dem Rückblick:„Zwölf Jahre einer theol. Fakultät“:„Katholik“ 1863 l, 549:„Von rein philosophischen Studien weggerufen und plötzlich in die Exegese geworfen, wandte sich Kuhn vorzüglich protestantischen Schrifterklärern zu... Er nahm dadurch manche Meinungen an und adoptierte manche Erklärungen, zu denen er sich jetzt nicht mehr verstehen wird... Aber das ist das Erfreuliche, wenn geistreiche Männer mit Ernst der Wahrheit nachforschen, daß dieselben, wenn sie auch anfangs irren, allmühlich auf das Rechte geführt werden, welches sie dann mit um so mehr Eifer und Erfolg anderen mitteilen, als sie selbst zur Erwerbung desselben große Mühe und Anstrengung gehabt haben.“ Staudenmaiers und Kuhns Wirksam- keit in Gießzen habe sich„in Bezug auf kirchliche Gesinnung zu sehends verbessert“. Tneol. Quartalschrift 1927. Heft I/II. 12 178 Lösch, hegelianischen Kontrastes zwischen Idee und Erscheinung und das hievon getragene Strauß'sche urchristliche Geschichts- bild aufspaltet, dann den von Strauß konstruierten„Fort- gang des traditionellen Bewegungsprozesses“ als„ärgsten notorischen Frevel eines auf gedankenloser Assertion be- ruhenden und mit ihr einer vollständigen Haltlosigkeit an- heimfallenden Buches“ zerteilt, Stufe für Stufe zerlegt und in ein Nichts zerreißt, zwingt zur Erkenntnis, daß Kuhns Fassung der neutest. Lehrbegriffe undihrer Fortpflanzung von einem pragmatistisch- modernistischen Glaubens- und Traditions- begriff toto coelo verschieden ist¹), ganz abgesehen davon, daß ihm von vornherein das Johannes- Evangelium als historische Quelle eines erstklassigen Augen- zeugen feststeht, während der Modernismus dem 4. Evan- gelium nur symbolischen Charakter zusprach. In der exegetischen Fundierung, philosophischen Zer- gliederung und dialektischen Scharfsicht reicht keiner der zeitgenössischen Strauß-Gegner und, was erstere angeht, auch nicht der gewiegte Freiburger Exeget L. Hug(Zeitschr. für die Geistlichkeit des Erzbistums Freiburg V[1835] 1 ff.) an Kuhn heran. Er ist nach philosophischer Feinfühligkeit, historischem Sinn und Festigkeit in biblischer Theologie der echte Tübinger oder neben Drey und Möhler der echteste, hinter dem ein Staudenmaier mit seiner zerfließenden, allzu 1) Für Drey und Möhler habe ich gegen Vermeils(451 ff.) These dies schon ThôQ. 1917/18, 138 ff. ausführlich nachgewiesen. Die obigen Belegstellen aus Kuhns Gießener Zeit können jene Dar- stellung nur erhärten. Die jüngste Veröffentlichung von A. Fonck, Möhler et l'école catholique de Tubingue: Revue des sciences reli- gieuses publ. sous la direction des prof. de la faculté de théol. cathol. Université de Strasbourg 6(1926) 250— 266 bedeutet eine bloße Wiederholung der Vermeilschen Behauptungen, die jeglicher neuen Gesichtspunkte und Beweise entbehrt. Die sehr in p derscher sicherheit Vertraut Hier lieg der währ oder die! keine the Kuhn, de schritt u rend Ste einer bi Ziele ka schieden Tübingen lichen wi gekestigte Kuh n) in Tübin 1) Fgl. teten Gie sophische erweiterte Philosoph dament o Schmic und seine nen Wert genössiscl 9) Geg anes spekulatiy 3) Tho des Leber 49 ,Ge eine im heinung chichts- „Fort- ärgsten ion be- keit an- egt und Kuhns lihrer tisch- tions- d, ganz hannes- Augen- Evan- in Ler- ner der nt, auch Leitschr. 35] 1ff.) ligkeit, heologie echteste, en, allzu f.) These 2n. Die ine Dar- vonck, ces reli- e théol. atet eine jeglicher Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 179 sehr in philosophische Reflexion bald Hegelscher bald Baa- derscher Färbung sich ergehenden Darstellung an Treff- sicherheit und Schlagkraft zurücksteht, dessen biblische Vertrautheit und exegetische Einzelkenntnis er nie erreicht. Hier liegt auch der Grund dafür, daß einem Staudenmaier, der während seiner Gießener Jahre seine Hauptwerke schuf oder die Fundamente für seine spätere Dogmatik dort legte, keine theologische Fernwirkung beschieden war wie einem Kuhn, der exegetisch begann, dogmengeschichtlich weiter- schritt und als Dogmatiker sein Lebenswerk beschloß, wäh- rend Staudenmaier philosophisch-dogmatisch beginnend mit einer biblischen Fundierung seiner Dogmatik nicht zum Ziele kam. Beachtenswert bleibt jedoch bei allen Unter- schieden dieses, daß wie auf ein gegebenes Zeichen die Tübinger katholische Schule aus ihrem dogmatisch-kirch- lichen wie aus ihrem historisch-exegetisch und philosophisch gefestigten Standpunkt geschlossen gegen Strauß sich erhob: Kuhn¹) und Staudenmaierꝰ*) in Gießen, Macks) in Tübingen, Möhler¹) in München und selbst ein auf 1) Vgl. Kuhns Grundgedanken zu seinen gegen Strauß gerich- teten Gießener Aufsätzen schon ThO. 1832, 433 1. Von der philo- sophischen Seite her war er durch seine zu einer eigenen Schrift erweiterten oben genannte Preisarbeit gerüstet: Jakobi und die Philosophie seiner Zeit. Ein Versuch, das wissenschaftliche Fun- dament der Philosophie historisch zu erörtern, Mainz 1834; F. A. Schmid, F. H. Jakobi. Eine Darstellung seiner Persönlichkeit und seiner Philosophie als Beitrag zu einer Geschichte des moder- nen Wertproblems, Heidelberg 1908, 31 ff.; 322 ffl. hat unter den zeit- genössischen Kritikern Jakobis die Arbeit von Kuhn ganz übersehen. 2) Gegen die„mythische Theologie“ in seinem Aufsatz:„Die religiösen Interessen der Zeit“: Zeitschrift für Philosophie und spekulative Theologie, hrsg. von J. H. Fichte I(1837) 54 ff. 3) ThQ. 1837, 35 ff.:„Bericht über die kritische Bearbeitung des Lebens Jesu von Dr. Strauss“ und schon 1836, 198 ff.; 220 ff. 4)„Gedanken nach der Lektüre des Lebens Jesu von Str auß“ eine im Mai 1837 flüchtig zu Papier gebrachte Gedankenreihe, 12* 180 Lösch, dem theologischen Kampffeld weniger geübter junger Tü- binger, J. B. Hafen ¹). Wie ein Rückblick auf die Ernte seiner eigensten ganzen Zeit mutet es an, wenn Drey in seiner„Apologie des Christentums“ I(1838) 108 f.; I2 (1844) XXf. die Strauß'sche Konstruktion als Destruktions- theologie für abgetan erklären konnte. Durch die Tübinger katholische Schule ist die deutsche katho- lische Theologie von 1830— 50 vor den Hypo- thesen der Tübinger kritischen Schule bewahrt geblieben, nicht zuletzt gemäß dem Ge- setze geistigen Lebens, daß von anderem Standpunkte auch immer bei aller Gegensätzlichkeit neue Gesichtspunkte ge- lernt werden; von Freiburg bis Luzern und von München bis Münster und darüber hinaus hat die neutest. Exegese der nächstfolgenden Jahrzehnte aus der Tübinger Apologetik ihre Waffen sich geholt. Hätten die Tübinger in der ersten Hälfte ihres ersten Jahrhunderts nichts geleistet, als im Verein mit ihrer Gießener Jungmannschaft den Hegelianis- mus in Bibelkritik und dogmengeschichtlicher Konstruktion entscheidend zu schlagen, für ein ganzes Jahrhundert wäre es genug gewesen! Schon 1837 verließen die beiden Tübinger die Stätte ihres ersten kurzen akademischen Wirkens: im Frühjahr dieses Jahres ging Kuhn als Vertreter der neutest. Exegese nach Tübingen, Staudenmaier folgte im Herbste einem Rufe nach durch Klemens Brentano aus Möhlers Hand erbeten, dann im Möhlerschen Freundeskreis in Zirkulation gesetzt, mit lebhaftem Interesse aufgenommen und kurz vor Möhlers Tod unter dem Titel: „Erinnerung an Möhler“: Hist.-pol. Blätter 1838, Bd. 1, 141 ff. veröffentlicht. 1)„Bericht über das Leben Jesu kritisch bearbeitet von Strauß oder ausführliche Anzeige der für und gegen das Werk erschienenen Schriften“: Allg. Kirchenztg. für Deutschland und die Schweiz, hrsg. von J. Fischer IV(1837) Nr. I ff. Die Preiburg. den Tübin und Pasto gegangen 28. April worden W Jahres 18 geschienen Kuhn das werden“* Gestalten Tübinger Denn der zuvor PrR mentlich Forschung bis 1836, vortrug. Karl Jose für Dog 1) Uebe verbreitet der kath. 21889, 59. Sailer und gie morale de la rest 2) Vig 3) Seine 1837 sind und in d ablehnend auf seine in Ruhest 4) Vgl. uger Tü- lie Erute Drey in 08 f. l ruktions- übinger katho- H y P o- Schule dem Ge- kte auch nkte ge- München Exegese dologetik er ersten als im gelianis- truktion Lert wäre itte ihres r dieses ese nach ufe nach dann im lebhaftem iem Titel: 1, 141 fl. on Strauß rhienenen Schwein, Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 181 Freiburg. Da auch der an wissenschaftlicher Regsamkeit den Tübingern am ehesten vergleichbare Prof. der Moral und Pastoral, Joh. Lü fti), aus der Mainzer Schule hervor- gegangen und seit 30. Nov. 1830 in Gießzen tätig, schon am 28. April 1835 als Oberschulrat nach Darmstadt berufen worden war, gingen die Gießener Jahrbücher zu Anfang des Jahres 1837 mit dem Bd. VII, 1.(einz.) Heft ein. Es hatte geschienen, als sollte„mit den Schwaben Staudenmaier und Kuhn das katholisch-theologische Gießeen ein zweites Tübingen werden“ ²), und nun waren nicht bloß die beiden führenden Gestalten verschwunden, auch der reine metallene Klang der Tübinger Theologie wurde zunächst dort nicht mehr gehört. Denn der an die Stelle von Kuhn tretende M. Löhnis), zuvor Professor in Aschaffenburg, war vor allem alttesta- mentlich geschult und überhaupt nicht von der sichtenden Forschungsart eines Herbst oder Welte, von denen der erstere bis 1836, der andere seit 1838 alttest. Exegese in Tübingen vortrug. Der Nachfolger Staudenmaiers aber wurde nicht Karl Josef Hefele, der, als ao. Prof. der KG. in Tübingen für Dogmatik nach Gießen berufen, ablehnte ⁴), sondern 1) Ueber seine Abhandlungen zur Moraltheologie und sein viel- verbreitetes Lehrbuch der Liturgik vgl. K. Werner, Geschichte der kath. Theologie seit dem Trienter Konzil bis zur Gegenwart 21889, 595. Die Verbindungslinien von Lüfts Moraltheologie zu Sailer und zur Romantik ausführlich bei J. Diebolt, La théolo- gie morale catholique en Allemagne au temps du philosophisme et de la restauration(1750— 1850), Strasbourg 1926, 312 ff. 2) Vigener, Ketteler 180. 3) Seine„Grundzüge der bibl. Hermeneutik und Kritik“, Gießen 1837 sind weitgehend abhängig von der protestantischen Exegese und in den Prinzipienfragen wenig selbständig; vgl. die scharf ablehnende Kritik: Katholik 1840, Bd. 75, 291 ff. Mit Rücksicht auf seine geschwächte Gesundheit wurde Löhnis 1853 zu Gießen in Ruhestand gesetzt, wo er 1855 starb. 4) Vgl. unten S. 189 1¹. 182 Lösch, Leopold Schmid). Als echter Tübinger kann dieser nicht mehr angesprochen werden. Er ist in der KG. zu wenig Quellenforscher, in der Exegese zu sehr noch Kind der alle- gorischen Interpretationsperiode, in der Dogmatik zu ver- schwommen philosophierend und des dogmengeschichtlichen und teilweise auch des theologiegeschichtlichen Spürsinns entbehrend. Zwar hatte er(geb. 1808 als Sohn eines in Zürich lebenden, aus dem oberschwäbischen Städtchen Scheer stammenden Württembergers) Herbst 1827 bis Frühjahr 1830 in Tübingen mit dem Studium der Theologie verbracht, und seine Anhänglichkeit an seine einstigen Tübinger Lehrer und seine Abhängigkeit von manchen ihrer Ideen geht durch alle seine späteren Schriften; auch verband ihn engste Freund- schaft mit J. Sengler, einem Badener, der, 1824/27 in Tübingen Studierender der Theologie, mit dem wissen- schaftlichen Preis und dem 2. homiletischen Preis der ka- tholisch-theologischen Fakultät ausgezeichnet wurde. Aber der Uebergang an die Universität München trieb beide in die Bahnen von Baader, Schelling und Görres. Die von Sengler zu München ins Leben gerufene„Kirchenzeitung für das katholische Deutschland“ ist von diesem und Schmid nebst Staudenmaier fast ausschließlich bedient und zehrt in den drei Jahrgängen ihres kurzen Bestehens ganz von Nach- 1) Lutterbeck 42 f.; Leopold Schmids Leben und Denken. Nach seinen hinterlassenen Papieren hrsg. von B. Schröder und Fr. Schwarz mit einer Vorrede von Fr. Nippold 1870; ²1909. Die übrige Literatur bei G. Krüger, L. Schmid in: Hessische Bio- graphien, hrsg. von H. Haupt I(1918) 85 ff.; Vigener, Ketteler 180. In seiner nachgelassenen Schrift„Ueber die religiöse Aufgabe der Deutschen“ hrsg. von A. B. Lutterbeck in: Bilder aus der Geschichte der kath. Reformbewegung des 18. und 19. Jahrhunderts, hrsg. von J. Rieks I(1875) kennzeichnet Schmid S. 208 f. noch- mals kurz seine Stellung zur Theologie Möhlers, Hirschers und Staudenmaiers. Die! schriften lers1). Vor au Limbaun testamentl matik, Do zum Biscl stätigt, al Fakultät daselbst! Fäden mi und wen- Richtung diesbezüg für die k 1) Sengl burg, wohi für eine P. ersehen, W theologiscl ernannte Sommer Fakultät: Freiburg unter den über die zügen zu im Verhäl Tübinger In„Kirehe handelt 8. lich die T G. und; vgl. die N (1d7o) 295 ferner J. 67 f.,; 146 er nicht wenig er alle- u ver- tlichen ürsinns nes in Scheer ar 1830 bracht, Lehrer durch reund- 324/27 b vissen- er ka- Aber eide in ie von zeitung Schmid eehrt in Nach- Denken. ler und 909. Die he Bio- Eetteler Aufgabe aus der underts, . noch- ers und Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 183 schriften Tübinger Vorlesungen Dreys, Hirschers und Möh- lers ¹1). Von 1831 bis 1839 als Professor am Priesterseminar zu Limburg trug Schmid KG., Patristik, alt- und neu- testamentliche Exegese vor; 1839 wurde er Prof. der Dog- matik, Dogmengeschichte und Symbolik in Gießen, 1849 zum Bischof von Mainz gewählt, aber von Rom nicht be- stätigt, am 16. Febr. 1850 aus der katholisch-theologischen Fakmultät Gießzen in die dortige philosophische versetzt, starb daselbst 1869. Schmid war es, der die seit 1837 abgerissenen Fäden mit Tübingen wieder verknüpfen wollte und sollte, und wenn es ihm nicht, wie beabsichtigt, in doppelter Richtung gelang, so durfte er doch einen Erfolg seiner diesbezüglichen Bemühungen noch verzeichnen, kurz bevor für die kurzlebige Fakultät das jähe Ende kam. 1) Sengler setzte die Herausgabe der Zeitschrift auch in Mar- burg, wohin er 1831 berufen wurde, fort. Obwohl Laie, wurde er für eine Professur der neuzuerrichtenden Fakultät Marburg aus- ersehen, wartete dort aber vergebens auf die Besetzung der übrigen theologischen Lehrstellen. Er war und blieb der einzige dorthin ernannte Professor der neuen Fakultät und wurde, als diese im Sommer 1833 wieder aufgehoben wurde, in die philosophische Fakultät zu Marburg versetzt, 1842/78 Professor der Philosophie in Freiburg i. Br., gest. 1878. Seine Tübinger Preisaufgabe erschien unter dem Titel: Würdigung der Schrift von Dr. David Schulz über die Lehre vom hl. Abendmahl nebst aphoristischen Grund- zügen zu einer spekulativen Darstellung der kath. Abendmahlslehre im Verhältnis zu den protest. Abendmahlstheorien. Eine von der Tübinger kath.-theol. Fakultät gekrönte Preisschrift, Mainz 1830. In„Kirchenztg.“ II(1831) 134 ff.:„Ueber Priestererziehung“ be- handelt Schmid(vgl. ebenda 811 und III.(1832) 73 ff.; 95) ausführ- lich die Tübinger Fakultät in ihrer Bedeutung für die Idee der KG. und Stellung zu den andern theol. Disziplinen. Zu Sengler vgl. die Nekrologe: Zeitschr. f. Phil. und philos. Kritik N. F. 74 (1879) 295 ff.; 75(1879) 85 ff.; Philos. Monatshefte XV(1879) 128 ff.; ferner J. Koch: ThO. 1916, 447; Mirbt, Marburger Fakultät 67 ff.; 143 ff. 184 Lösch, Am 11. Juni 1843 starb der Prof. der Moral und Pastoral, Chr. Kindhäußer, seit 1837 Repetent, April 1838 ao. und am 12. April 1842 ord. Professor in Gießen,„ohne etwas Geschriebenes veröffentlicht zu haben“(Lutterbeck 41). Die Fakultät bedurfte einer Stärkung durch einen Mann von literarischem Ruf oder wenigstens von wissenschaftlichem Geist, zumal da der Kirchenhistoriker Riffel nach unerquick- lichem Zwischenfall und über zwei Jahre sich hinziehenden Verhandlungen am 19. Nov. 1841 plötzlich in Ruhestand versetzt worden war. Schmid lenkte den Blick der Fakultät nach Württemberg und sein Augenmerk richtete sich auf einen hervorragend begabten jungen Theologen aus der Tübinger Schule: Anton Oehler. Bevor wir die bisher unbekannten Verhandlungen über Oehlers Berufung näher verfolgen, ist es notwendig, etwas weiter auszuholen. Oehler:¹), geb. am 9. Januar 1810 in Weilderstadt, 1831 bis 1835 Studierender der Theologie im Wilhelmstift Tü- bingen, 21. Sept. 1836 ordiniert, erhielt„sofort eine gnä- digste Unterstützung von der Kgl. württbg. Regierung für eine wissenschaftliche Reise behufs weiterer Ausbildung für das Lehrfach“. Diese führte ihn Herbst 1836 bis Okt. 1837 mit seinem ein Jahr vor ihm ordinierten Freunde, F. X. Allgayer’*²), dem bekannten späteren Lexikologen, an die Universitäten— wie ersichtlich ganz nach dem Vorgang von Möhlers akademischer Studienreise durch Deutschland 1) Oehlers Lebenslauf, von ihm selbst verfaßt, sowie die übrigen im folgenden verwerteten, bisher unveröffentlichten Aktenstücke stammen aus Oehlers Nachlaß, für dessen Ueberlassung der Oehler nächstverwandten Familie Friedrich Steimer, Kaufmann in Horb, auch an dieser Stelle besonderer Dank wiederholt sein soll. Die Angaben bei Neher 66 sind nicht vollständig. 2) Franz Xaver Allgayer, geb. 1810 zu Faßmacherhof bei Aulendorf, studierte 1830/34 an der Universität Tübingen Theolo- gie und Philologie, erhielt 1832 den Preis der philosophischen Fakultät, Die ke Uerhst 182 Hualle, Berli jen Preis d Als Repetel er diese se Quartalheft) logmatische Geburt aus johanneisch der Staatsp. Versehung 24. Dez. 18 professor al er die 2. th prüdikat vo Gymnasium dienrat in tholisch-the Annahme de versammlur kapitular in und dem l der Fraukf als dritter der jedoch d zuflel, 1834 niert, 22. N 1836 wissens zeptoratsvers 1852 Rektor Kochertürn, Schichtliehen 186872: Di ler Gegenwan leit; vgl. au Pastoral, bao. und e etwas 41). Die inn von ktlichem erquick- ehenden nhestand Pakultät sich auf aus der 2 bisher g näher n. dt, 1831 tift Tü- ne gnä- ung für lung für kt. 1837 2 T. J. übrigen tenstücke ung der :mann in sein soll. rhof bei Theolo- Pakultät, Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 185 (Herbst 1822 bis Frübjahr 1823)— Würaburg, Leipzig, Halle, Berlin, Prag, Wien und München. 1835 erhielt er den Preis der katholisch-theologischen Fakultät Tübingen. Als Repetent am Wilhelmstift(seit 6. März 1838) brachte er diese seine Preisarbeit teilweise in der Th. 1838(4. Quartalheft) 599— 626 zur Veröffentlichung:„Exegetisch- dogmatische Studien I.(einz.) Teil: Der Glaube und die Geburt aus Gott in ihrer Einheit dargestellt nach dem johanneischen Lehrbegriff.“ Im Juli 1838 nach Ablegung der Staatsprüfung für das höhere Lehramt„für tüchtig zur Versehung von Professorenstellen erklärt“, wurde er am 24. Dez. 1838 Professariatsverweser und am 19. Juli 1839 Professor am Lyzeum zu Ravensburg;„Herbst 1840 erstand er die 2. theol. Dienstprüfung mit dem Zeugnisse I. Klasse: Prädikat vorzüglich-fähig“; 23. Nov. 1842 Professor am Gymnasium Rottweil, 5. März 1845 Oberkirchen- und Stu- dienrat in Stuttgart, 31. Okt. 1845 Dr. theol. h. c. der ka- tholisch-theologischen Fakultät Tübingen, 9. Mai 1848 zur Annahme der Wahl als Ersatzmann für die Deutsche National- versammlung zu Frankfurt beurlaubt, 17. Okt. 1848 Dom- kapitular in Rottenburg, 1850 mit Freiherrn von Ketteler und dem Breslauer Domherrn und gleichfalls Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, Heinrich Förster, als dritter auf der Liste der Kandidaten für den Bischof- der jedoch durch Los dem evangel. Theologiestudierenden C. H. Jäger zufiel, 1834 den Preis der kath.-theol. Fakultät, 4. Nov. 1835 ordi- niert, 22. Nov. 1835 Professoratsverweser in Rottweil, 27. Sept. 1836 wissenschaftliche Reise durch Deutschland, 28. Okt. 1837 Prä- zeptoratsverweser in Gmünd, 14. Nov. 1838 Professor und seit 1852 Rektor am Gymnasium Ehingen, 28. Okt. 1858 Pfarrer in Kochertürn, gest. 1885; Neher ³ 60 f. Seine zahlreichen sprachge- schichtlichen Arbeiten(1841/75) und seine Artikelreihe in ThO. 1868/72:„Die altchristliche Latinität und die profane Philosophie der Gegenwart“ behandelten vor allem die Bedeutung der klassischen Zeit; vgl. auch Lit. Rundschau 1876, Nr. 7. 186 Lösch, stuhl von Mainz vorgeschlagen; 1851/55 vom Rotten- burger Domkapitel gewähltes Mitglied der Kammer der Ab- geordneten zu Stuttgart, 15. Dez. 1852 zugleich General- vikar, 24. Sept. 1866 Domdekan, nach dem Tod von Bischof Lipp¹) 8. Mai 1869 bis 28. Dez. 1869 Kapitularvikar und seit 29. Dez. 1869 unter Bischof Karl Joseph v. Hefele aber- mals Generalvikar, gest. 20. Juli 1879. Zweimal schon vor Einleitung der Gießener Verhand- lungen durch Professor Schmid war der Name Oehler von entscheidenden akademischen Entschließungen berührt worden. Wenige Tage bevor der Kölner Erzbischof Geißel in der letzten Phase des hermesianischen Streites am 12. Mürz 1842 „den Knoten zerhieb“ ²), hatte Räß, seit 1825 schon an den Geschicken der theologischen Fakultät Bonn und des dor- tigen Konviktes interessiert, unter dem 26. Februar 1843 für eine Neugliederung der Bonner Fakultät Geißels Auf- merksamkeit auf drei Württemberger gelenkt: Mattes), 1) Vgl. Gedächtnisrede auf den am 3. Mai 1869 im Herrn ent- schlafenen Hochwürdigsten Herrn Bischof von Rottenburg Joseph von Lipp gehalten bei Hochdessen Beisetzung den 7. Mai 1869 von Domdekan Dr. von Oehler, Rottenburg 1869. 2) O. Pfülf, Kardinal von Geissel I(1895) 123: Alex. Schnüt- gen, Das Elsaß und die Erneuerung des kath. Lebens in Deutsch- land von 1814—1848: Strassbg. Beiträge zur neueren Geschichte hrsg. von M. Spahn VI(1913) 125; über die Jahre des Zerfalls des Hermesianismus(1840/43) ausführlich bei H. Schrörs, Ein ver- gessener Führer aus der rheinischen Geistesgeschichte des 19. Jahr- hunderts: Johann Wilhelm Joseph Braun(1801— 1863) 1925, 354 ff. 3) Wenzeslaus Mattes, geb. 1815 zu Renquishausen, Studierender der Theologie an der Universität Tübingen 1835/39, erbielt 1839 den Preis der Speyerschen Stiftung, ordiniert 1840, 1843 Studien- reise an mehrere Universitäten Deutschlands, 22. Okt. 1844 Repe- tent am Wilhelmstift in Tübingen, seit 15. Dez. 1846 Prof. und seit 1854 Regens am Priesterseminar Hildesheim; Mitarbeiter an ThO.(1844/59) und Mitherausgeber der Hildesheimer„Theolog. Monatschrift“(1850/51), 1860 nach Württemberg zurückgekehrt Die k Oehler u noch beifüg Vernehmen Jogen; er is Ueber Oehl fähigung, zeigt sich 8 pesonders h bare schwi unterrichte. weiter verf Oehler wol wurden kut F. X Di Seminar zu für Dogma lehrer Kon und Pfarrer Weingarten, standes der 1886; Nehei ThO. 1845, 1) Georg „Theologie ii kath.-theol. zu Stuttgart wegen Nich versetzt, 180 kurt, 1859 8 beim, gest. ²) Vgl. 0 burg und di k. d. Geschie Andreas Ràl (1925/26), 8 Rotten. der Ab- Geueral- Bischof kar und ele aber- Terhand- hler von tworden. 1 in der ärz 1842 n an den des dor- nar 1843 els Auf- attesh, Lerrn ent- g Joseph 1 1869 von Schnüt⸗ a Deutsch- teschichte erfalls des Ein ver- 5 19. Jahr- 925, 354 fl. adierender bielt 1839 3 Studien 344 Repè- Prof. und rbeiter an „Theolog. jekgekehrt Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 187 Oehler und Kautzer). Betreffend Oehler konnte Räß noch beifügen:„Oehler, etwa 33 Jahre alt, ist sicherem Vernehmen nach der tüchtigste unter den dortigen Theo- logen; er ist Professor am Oberen Gymnasium in Rottweil.“ Ueber Oehlers wissenschaftliche Leistungen und Lehrbe- fähigung, Alter und Ort seiner dermaligen Lehrtätigkeit zeigt sich somit Räß, der auch in anderer Beziehung und besonders hinsichtlich der Tübinger Fakultät über unmittel- bare schwäbische Quellennachrichten verfügt ²), genauest unterrichtet. Erzbischof Geißel scheint Räß' Anregung nicht weiter verfolgt zu haben. Die beiden Lehraufträge, für die Oehler wohl am ehesten hätte in Betracht kommen können, wurden kurz hernach anders vergeben: Ostern 1843 erhielt F. X. Dieringer, bisher Professor am hischöflichen Seminar zu Speyer, einen Ruf nach Bonn als Ordinarius für Dogmatik, und Herbst 1844 trat der Kölner Religions- lehrer Konrad Martin als Extraordinarius für Moral und und Pfarrer in Böttingen. 1866 Stadt- und Garnisonspfarrer in Weingarten, 1868 Landtagsabgeordneter, später Mitglied des Vor- standes der philosophischen Sektion der Görresgesellschaft, gest. 1886; Neher ³78; dazu Leopold Schmids Beziehungen zu Mattes: ThOQ. 1845, 605 und Schröder-Schwarz 53. 1) Georg Kautzer, geb. 1807 zu Neresheim, Studierender der Theologie in Tübingen 1827/31, 1831 erster homiletischer Preis der kath.-theol. Fakultät, 12. April 1837 Kaplan an St. Eberhardskirche zu Stuttgart, 20. März 1844 Dekan und Stadtpfarrer in Biberach, wegen Nichteinsegnung gemischter Ehen 1846 nach Lauchheim versetzt, 1848/49 Abgeordneter der Nationalversammlung zu Frank- furt, 1859 Stadtpfarrer in Riedlingen, 1866 Stadtpfarrer in Mergent- heim, gest. 1875; Neher ³ 46. 2) Vgl. O. Wiltberger, A. Räßz, Domherr des Bistums Straß- burg und die Politik des Kabinetts Thiers i. J. 1839: Zeitschrift f. d. Geschichte des Oberrheins 1913, 25 ff.; L. Pfleger, Bischof Andreas Räß und Johann Baptist von Hirscher: Hochland XXIII (1925/26), September, 654 ff. 188 Lösch, Pastoral in die Bonner Fakmultät ein ¹). Noch früher als der Plan einer etwaigen Berufung nach Bonn, aber zeitlich und sachlich weit bestimmter faßbar läßt sich der eigene Wunsch der Tübinger Fakultät, Oehler zu gewinnen, festlegen. Pro- fessor Kuhn wendet sich in dieser Angelegenheit im Früh- jahr 1840 an Oehler. Der bisher unbekannte, auch für die Geschichte der Tübinger Fakultät(1839/41) wichtige Brief folgt hier im ungekürzten Wortlaut: Prof. J. E. Kuhn-Tübingen an Prof. Ant. Oehler-Ravensburg. Tübingen, den 10. Mai 1840. Mein lieber Freund! Die katholisch-theologische Fakultät wird demnächst ihre Vor- schläge zur Wiederbesetzung der durch den Abgang des Prof. Dr. Mack ²) erledigten Stelle beim akademischen Senate einreichen Ich habe Grund zu glauben, daß die Fakultät unter andern auch Ihren Namen für diese Stelle nennen und ein besonderes Gewicht auf Ihre Berufung legen wird, und teile Ihnen confidentiell den Plan mit, nach welchem Ihre Berufung beantragt und durchgesetzt werden könnte, in der Voraussetzung, daß Sie die Intention der Fakultät im Ganzen nicht mißbilligen, dagegen im Einzelnen Wünsche aus- 1) Lauscher, Bonner Fakultät 31. 2) Martin Joseph Mack, geb. 1805 zu Neuhaus bei Mergentheim, Studierender der Theologie an der Universität Tübingen 1823/27, 1824 Anteil am Preis der Palmschen Stiftung nebst öffentlicher Belobung, 1827 ausgezeichnete öffentliche Belobung für Preisauf- gabe der kath.-theolog. Fakultät, 1828 erster homiletischer Preis, 17. Sept. 1828 ordiniert, 28. Sept. 1829 Repetent am Wilhelmstift, 11. Okt. 1831 Hilfslehrer an Stelle des am 20. Juli 1831 gestorbenen Prof. Feilmoser für neutest. Exegese, 1832 ao. und Herbst 1835 ord. Prof. der neutest. Exegese, 1839/40 Rektor der Universität Tübingen, wegen seines Votums über die gemischten Ehen seines Lehramtes entsetzt unter Vorbehalt des Titels und Ranges eines ord. Prof. der Universität, 13. Febr. 1840 Pfarrer in Ziegelbach bei Waldsee, 1845/68 Mitglied der Kammer der Abgeordneten, 1867/76 Dekan für Waldsee, gest. 1885; Neher 40 f.; ³ 28 f. Ueber Macks Tübinger Zeit vgl. auch R. v. Mohl, Lebenserinnerungen(1799— 1875) 1(1902) 204. Die ka nprechen hä und für die N Professor lewnächst Or. Irtraordinarii pultät vorrüch die nach jene in diesem Aut bewerkstelligt desselben dur recht und dem väre, so bleil vorzuschlagen aus der Uni- Wohnung we entgehende K für jetzt More 1) Karl Jo burg, Ostern München Pri- der Universit Prof. der ger Hefele: ThO. im Herbst 1 letzten Zeit gefaßt worde 2) Benedi der Theolog der kath.-the „Ueber den7¹ leben der ka 18825 Repeter professors H. test. Vorlesu und 4. Nov. tt Tübingen des„Preibur 18; Neher er als der itlich und 2 Wunsch gen. Pro. im Früh. h für die ige Brie avensburg. Lai 1840. ihre Vor- s Prof. Dr. einreichen dern auch es Gewicht U den Plan etzt werden er Fakultät nsche aus- rgentheim, en 1823/27 öffentlicher r Preisauf- cher Preis ilhelmstift gestorbenen t 1835 or. Tübingen, Lehramtes ord. Prof. ei Waldsee 76 Dekzn Tübinger 1799- 1875) Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 189 zusprechen haben, welche vorher zu erfahren für uns von Interesse und für Sie von Wichtigkeit sein könnte. Professor Hefele¹) wird, wie ich nicht mehr zweifeln kann, demnächst Ordinarius und Professor Welte:) soll als wirklicher Extraordinarius(was er bis jetzt nicht ist) und Mitglied der Fa- kultät vorrücken. Nun ist noch eine ordentliche Lehrstelle vacant, die nach jenem Plane Ihnen übertragen werden könnte. Da aber in diesem Augenblick die Ernennung Weltes zum Ordinarius nicht bewerkstelligt werden kann und andererseits eine Zurücksetzung desselben durch Beförderung eines Jüngeren zum Ordinarius unge- recht und den Wünschen wie dem Interesse der Fakultät zuwider wäre, so bleibt nur übrig, Sie zum wirklichen Extraordinarius vorzuschlagen. Ihr gegenwärtiger Gehalt von 1000 fl. müßte Ihnen aus der Universitätskasse und als Entschädigung für Ihre freie Wohnung weitere 200 fl. aus der Konviktskasse unter dem Titel für entgehende Kollegiengelder zugewiesen werden. Ihr Lehrfach wäre für jetzt Moral und eine Hälfte der neutest. Exegese. Später könnten 1) Karl Joseph Hefele, später(1869/93) Bischof von Rotten- burg, Ostern 1836 zufolge des Abgangs Möhlers an die Universität München Privatdozent für KG. und deren Hilfswissenschaften an der Universität Tübingen, 8. Sept. 1837 ao. und 12. Aug. 1840 ord. Prof. der genannten Fächer; vgl. F. X. Funk, Karl Josef von Hefele: ThO. 1894, 1 ff. Seine Beförderung zum ao. Prof. erfolgte im Herbst 1837, wie Funk ebenda S. 2 bemerkt,„da er in der letzten Zeit für den Lehrstuhl der Dogmatik in Gießen ins Auge gefaßt worden war.“ 2) Benedikt Welte, geb. 1805 zu Ratzenried, Studierender der Theologie an der Universität Tübingen 1828/32, 1832 Preis der kath.-theol. Fakultät(veröffentlicht in Th0. 1836, 371 ff.; 566 ff.: „Ueber den Zusammenhang zwischen den Lehren und dem disziplinaren Leben der katholischen Kirche“), ordiniert 14. August 1833, 29. Sept. 1835 Repetent am Wilhelmstift Tübingen, nach dem Tode des Professors Herbst(gest. 31. Juli 1836) für Winter 1836/37 mit alt- test. Vorlesungen beauftragt, 1837 Hilfslehrer, 22. Januar 1838 ao. und 4. Nov. 1840 ord. Prof. der alttest. Exegese an der Universi- tät Tübingen 1857 Domkapitular in Rottenburg, Mitherausgeber des„Freiburger Kirchenlexikons von Wetzer und Welte“, gest. 1885; Neher ³ 53. 190 Lösch, Sie entweder Moral und Pastoral, wie früher Hirscher ¹), oder die ganze neutest. Exegese, wie Feilmoser ²), übernehmen, je nachdem es sich mit der 5. Lehrstelle gestalten wird. Privatdozent Grafs) nämlich bleibt vor der Hand, was er ist, und behält seine Lehr- fächer, Pastoral und die andere Hälfte der neutest. Exegese. Ich brauche nur noch hinzuzufügen, daß die Fakultät ein Interesse hat, Ihre Beförderung zum Ordinarius, falls Sie jetzt in der be- merkten Eigenschaft bei ihr eintreten sollten, möglichst zu be- schleunigen, um sie in den Stand zu setzen, über das Gesagte sich vollkommen zu orientieren und Ihre Ansicht und etwaigen Wünsche auszusprechen. Nun überlegen Sie und erfreuen Sie mich bald mit einem Schreiben! Mit Verehrung und Liebe Ihr ergebenster Dr. Kuhn. 1) Johann Baptist Hirscher, geb. 1788 zu Alt-Ergarten, einem Weiler der Pfarrgemeinde Bodnegg bei Ravensburg, ordiniert 22. Sept. 1810, 29. Nov. 1810 Vikar in Röhlingen bei Ellwangen, 28. Sept. 1812 Repetent am Priesterseminar zu Ellwangen, 20. Juni 1816 Prof. der Philosophie am Lyzeum Ellwangen provisorisch, 16. Sept. 1817 definitiv Prof. am Gymnasium Rottweil, 22. Nov. 1817 Prof. der Moral- und Pastoraltheologie an der Üniversität Tübingen, 27. Sept. 1837 Prof. der Moral an der Universität Freiburg i. Br., 7. Okt. 1839 Domkapitular und Okt. 1850 Domdekan daselbst, gest. 5. Sept. 1865; vgl. Hub. Fr. Schiel, Johann Baptist von Hirscher. Eine Lichtgestalt aus dem deutschen Katholizismus des XIX. Jahrhunderts 1926, 24 ff. 1 2) Andreas Benedikt Feilmoser, geb. 1777 zu Hopfgarten (Tirol), 1796 Eintritt in das Benediktinerstift Fiecht, 1798 ins Benediktinerstift Villingen, 1800/06 Prof. für Exegese und Moral bezw. KG. daselbst, 1806 Prof. der alttest. und seit 1808 auch der neutest. Exegese an der Universität Innsbruck, 25. April 1820 an Stelle des nach Bonn berufenen Prof. Gratz zum Prof. der neutest. Exegese in Tübingen ernannt, gest. 20. Juli 1831; Nekrolog: ThO. 1831, 744 ff. von Möhler; Kl. XIII1, 348 ff. 3) Anton Graf, geb. 1811 zu Baldern, Studierender der Theo- logie an der Universität Tübingen 1830/34, 1834 Teil des Preises der Speyerschen Stiftung und 2. homiletischer Preis, 4. Nov. 1835 ordiniert, Ostern 1837 Repetent am Wilhelmstift in Tübingen, 17. Jan. Die ka Oehler ga gie lautete: rligiöse Ges menden Gie nst, liegt il jedoch Schlu stigen Gewe Prof. Antor Sie haben trauen beeh wieder auf schritten gla Lebensrichtu lich und mit mit derselber freuten. Wollte ich prüfung und ich mich gar ken nicht be bezeichnen, alles, was ic mit welcher scheidung m die Motive e Sie sehen mich rein in neten, sind i Jahre ein ste werden; inde lSas Prinata und Teilnahn tät in Lübin, und 28. März lesungen, 1. oder dis nachdem at Grafs eine Lehr ese. Interesse a der be. st zu be. sagte sich Wünsche nit einem Lbenster Luhn. Ergarten, ordiniert Ulwangen, , 20. Juni ovisorisch, 22. Nor. iniversität t Freiburg n daselbst, aptist von eismus des Iopfgarten 1798 ins und Moral auch der il 1820 an er neutest. llog: I20. der Theo- es Preiseé Nov. 185 2n, 17.Ja Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 191 Oehler gab über seine Entschließung umgehend Nachricht. Sie lautete ablehnend. Der Brief, der Oehlers ernste, tief religiöse Gesinnung kennzeichnet und zugleich für die kom- menden Gießener Verhandlungen von besonderer Bedeutung ist, liegt im Konzeptentwurf in Oehlers Nachlaß, wobei jedoch Schlußformel und Unterschrift entgegen seiner son- stigen Gewohnheit weggelassen sind. Prof. Anton Oehler-Ravensburg an Prof. J. E. Kuhn-Tübingen. Ravensburg, den 15. Mai 1840. Hochwürdiger, Hochgeehrtester Herr Professor! Sie haben mich durch Ihre verehrteste Zuschrift mit einem Ver- trauen beehrt, welches mich tief rührte, und haben mich zugleich wieder auf den Standpunkt zurückversetzt, den ich für immer über- schritten glaubte; denn von neuem soll ich mich über die künftige Lebensrichtung entscheiden. Ich habe den ehrenvollen Antrag reif- lich und mit Gott erwogen und gebe vor Ihnen meine Entscheidung mit derselben vertrauensvollen Offenheit, mit welcher Sie mich er- freuten. Wollte ich Ihnen bloß das Resultat der gewissenhaften Selbst- prüfung und den auf diese gebauten Entschluß mitteilen, so dürfte ich mich ganz kurz fassen: ich fühle mich zum akademischen Wir- ken nicht berufen und darf darum, ohne als Eindringling mich zu bezeichnen, einem äußeren Rufe keine Folge leisten— dies wäre alles, was ich auf Ihren Antrag zu erwidern hätte. Allein die Liebe, mit welcher Sie auf mich Bedacht nehmen, nötigt mich, obige Ent- scheidung mehr auseinanderzusetzen und mit Ihnen namentlich über die Motive ein vertrautes Wort zu reden. Sie sehen an der oben ausgesprochenen Entscheidung, daß ich mich rein innerlich bestimme. Die Aussichten, die Sie mir eröff- neten, sind immerhin sehr einladend. Wohl möchte für die ersten Jahre ein starker Aufwand geistiger Kraft und Ausdauer erfordert werden; indessen die Mühe wäre für den, welcher Beruf in sich 1838 Privatdozent und im Jan. 1841 ao. Prof. für Pastoraltheologie und Teilnahme an der neutest. Exegese an der kath.-theol. Fakul- tät in Tübingen, 23. Aug. 1843 zum Pfarrer in Steinberg ernannt und 28. März 1844 investiert, 1843/44 noch Fortsetzung der Vor- lesungen, 1. Mai 1861 Dekan für Wiblingen, gest. 1867; Neher ³ 61. 192 Lösch, fühlt, nicht so groß als die ist, welche mir meine 26 Lehrstunden und unausgesetzte Korrekturen verursachen; jedenfalls wäre sie erfreulicher und einladender, sofern ihr innerliche Bereicherung und das hebende Bewußtsein einer gesegneten Wirksamkeit zur Seite stünden. Die Nähe, in welche Sie mir die Promovierung als Ordinarius stellten, mußte mich gleichfalls zur Erklärung der Be- reitwilligkeit anregen, da ich in meiner jetzigen Stellung wohl viele Jahre verbleiben muß, ohne mich durch sie für etwas weiteres be- fähigen zu können. Ja die innere Sehnsucht nach tiefern theologischen Studien, die ich immer in mir empfinde und leider der vielen Be- rufsgeschäfte wegen nur wenig befriedigen kann, hätte mich mit Begeisterung dem Rufe folgen lassen, welcher mich ganz und un- geteilt der theologischen Wiss enschaft zurückgegeben hätte. Auch die Bedenken, gerade in dieser Zeit und unter diesen Verhältnissen in die Fakultät einzutreten, hätten mich nicht zurückschrecken können, da, in dem Falle meine Berufung wäre von der Fakultät beantragt worden, der Genehmigung der Regierung nur dann von mir Folge geleistet worden wäre, wenn die akademische Lehrfreiheit auf keine Weise beschränkt werden wollte ¹). Nach allen diesen Rücksichten hätte ich Ihrem Antrage freudig entgegenkommen müssen, wenn ich es nicht zu deutlich fühlte, daß ich eine akademische Lehrkanzel ohne Beruf nicht besteigen darf. 1) Im Dezember 1839 erschien„Ueber die Einsegnung der ge- mischten Ehen. Ein theologisches Votum von Martin Joseph Mack. „Diese, nach ihrer Bogenzahl der Censur unterworfene Abhandlung, welche zugleich in der Th. erscheinen sollte, kam in den Buch- handel, ohne zuvor der Censurbehörde vorgelegt worden zu sein. Als die Censurbehörde von dem Erscheinen der Schrift Kunde erhielt, legte sie ihr Veto ein und hinderte die weitere Ver- preitung derselben. Zugleich wurde Mack wegen des Inhalts der Schrift durch den Universitätskanzler als Regierungs-Commissär zur Verantwortung gezogen“; vgl. lanonym], Memorandum über die Entfernung des Prof. Dr. Mack von seinem kath.-theol. Lehr- amte an der königl. württ. Universität Tübingen von der recht- lichen Seite betrachtet. Ein Beitrag zur Erläuterung des württbg. Kirchenrechts, Schaffhausen 1840, 3 f. Unter dem 22. Februar 1840 wurde Mack auf die Pfarrei Ziegelbach versetzt. Die von Mack selbst veröffentlichten Aktenstücke in: Catholica. Mitteilungen aus der Geschichte der kath. Kirche in Württemberg, Augsburg 1840, 139 ff. Die ke Ieh erinnere fast drei Jab Diese meinte fizieren; ich Bewußtsein: und stark ist nehmungen, hat er sich der Mann se unpartelische Lehramt mi- festen Uebe besonders 8 meinen Reit als mühseli- auf solche“ bin und wir ohne Verme die Ehrsuch Gott sei Da den Momen hältnisse ve Diese I geblieben ihr damal an Oehler Staatsrat Plane bete Briefe vo Ravensburg Der orden theol. Fakul — 1) Kindh Theolog. rstunden wäre sie icherung keit zur rung als der Be. ohl viele teres be- ogischen Lelen Be. nich mit und un. te. Auch ältnissen cchrecken Fakultät lann von arfreiheit freudig hlte, dab gen darf. der ge- Mack-. nandlung, en Buch- m2u sein. r Schrift itere Ver- halts der dommissär dum über eol. Lehr- ler recht- württbg. Februar von Mack ungen aus 840, 139 f. Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 193 Ich erinnere mich hier einiger Gespräche, welche ich schon vor fast drei Jahren mit einigen Herrn über denselben Gegenstand hielt. Diese meinten, ich sollte mich für die Universitätslaufbahn quali- fizieren; ich hielt ihnen entgegen, was mir mein unbestochenes Bewußtsein sagte, dessen Sprache in dieser Beziehung so bestimmt und stark ist, daßs es sich nicht übertäuben läßt. Die häufigen Wahr- nehmungen, daß sich so mancher in einen Beruf einschleicht und, hat er sich darin festgesetzt, sich selbst betört, als ob er wirklich der Mann seines Amtes sei, forderten mich schon längst zu einer unparteiischen Prüfung in dieser Hinsicht auf, zumal das akademische Lehramt mir stets so hoch und ehrwürdig erschien, daß ich der festen Ueberzeugung bin, daß hier unredliche und unreine Motive besonders stark gestraft werden, wie ich denn auch vorzüglich auf meinen Reisen oft Gelegenheit hatte, Männer zu bedauern, welche als mühselige Kärrner sich und andern zur Last waren. Indem ich auf solche Weise das Maß meiner Geisteskraft auszumitteln bestrebt bin und wirklich die Linie genau zu kennen glaube, welche ich ohne Vermessenheit nicht überschreiten darf, könnte es nur noch die Ehrsucht sein, welche mich das Wagnis bestehen hieße. Doch— Gott sei Dank!— ich habe diese, wenn auch nicht ganz, doch in den Momenten überwunden, wo ihre Einsprache die richtigen Ver- hältnisse verkehren würde. [Oehler]. Diese Vorgänge werden auch in Gießen nicht unbekannt geblieben sein. Wenn die dortige theologische Fakultät bzw. ihr damaliger Führer, Leopold Schmid, zu einem Antrag an Oehler dennoch sich entschloß, so war ohne Zweifel Staatsrat v. Linde nicht weniger lebhaft an dem neuen Plane beteiligt. Briefe von Prof. L. Schmid-Gießen an Prof. Ant. Oehler- Ravensburg. 1. Gießen, den 23. Juli 1843. Hochwürdiger Herr Professor! Hochgeehrtester Herr! Der ordentliche Professor der Moral und Pastoral an hiesiger kath.- theol. Fakultät, Kindhäußer ¹), ist jüngst gestorben und die Fakultät 1) Kindhäuser, gest. am 11. Juni 1843; vgl. oben S. 184. Theolog. Quartalschrift 1927. Heft I/II. 13 194 Lösch, wünscht, daß Ew. Hochwürden an seine Stelle treten. Der Hoch- würdigste Herr Bischof von Mainz ¹) hat hiezu seine Genehmigung erteilt und mich nun beauftragt, wegen dieser Sache mich mit Ihnen zu benehmen. Die Fakultät steht zu dem Bischofe, der Regierung und Universität im angenehmsten Verhältnisse. Der Kanzler der Universität, der Geh. Staatsrat v. Linde, ist selbst Katholik, und ich darf sagen, so- weit mir ein Urteil darüber zusteht, ein aufrichtiger. Von einer Befeindung des Katholischen von Seite der Regierung habe ich noch nichts bemerken können und die gegen die Fakultät früher erschie- nenen, nun aber verklungenen Artikel sind teils aus böswilliger, teils aus unwissender Feder geflossen ²). Die in andern Ländern wegen der gemischten Ehen u. dgl. bestehenden Differenzen sind durch im Sinne der Kirche erlassene Landesherrliche Verfügungen im Großherzogtum Hessen unmöxglich gemacht). Wenn Sie nun geneigt sind, genannte Stelle zu übernehmen, so wollen Sie mich bald davon gefälligst in Kenntnis setzen; wo aber 1) Peter Leopold Kaiser, Bischof von Mainz(30. Juni 1835 bis 30. Dezember 1848). 2) Die infolge Riffels Absetzung einsetzende Polemik, an welche bei Schmids obiger Andeutung zunächst zu denken ist, hatte sich von August 1842 bis in den Anfang des J. 1843[Hist.-pol. Bl. 9(1842) 152 ff.; 380 ff.; 452 ff.; Leopold Schmid in: Augsb. Allg. Ztg. 20. Sept. und 14. Okt. 1842; Riffel in: Frankf. O. P. Zeitg. 1. Okt. 1842; Mainzer Kath. Kirchenztg. 23. Jan. 1843] hingezogen; vgl. Lutter- beck 65 ff.; Brück II, 426 ffl. Schon sogleich nach Eröffnung der Gießener Fakultät ein Angriff gegen diese in:(Aschaffbg.) Kath. Kirchenztg. 1831 Nr. 50, 30. Juni; hiegegen Staudenmaier: „Ueber die in der Aschaffbg. Kath. KZ. von einem Ungenannten ausgegangene Verunglimpfung des Herrn Bischofs(sc. Burg) von Mainz und der kath.-theol. Fakultät zu Gießen“ in: Senglers Kirchenzeitg. 1831, Nr. 138, 30. Aug. und Nr. 208, 30. Dez.; vgl. Lauchert 114 ff. 3)„In den beiden Diözesen Mainz und Limburg blieb es im ganzen ruhig, obschon es an kleinen Konflikten und Chikanen auch nicht fehlte. Die Pfarrer begnügten sich mit dem Versprechen der kath. Kindererziehung, wenn sie nicht schon durch das Staats- gesetz garantiert war, und segneten die Mischehen ein. Die Ordi- nariate waren mit diesem Verfahren einverstanden“; Brück, II, 414. Die k nicht, den E halten. Im Falle gütigst wisst wollen. Mit Lehramt beg Aus der 1 die württem würden nich sind. Letztes nach erstere befindlichen Ravensburg befördert w zu setzen, o 1) Der 1 würden Her über Stutt in Rayensk selbst höfl jeteigen Au fahren sein merkt, geit Tage, nachd hatte, ersch Nr. 62, Mitt Nachricht: Universität Der Hoch nehmigung mich mit Universitat rsität, der sagen, 8O. Von einer e ich noch eer erschie. oöswilliger, n Ländern enzen sind rfügungen ehmen, So 1; wo aber 1 1835 bis welche bei sich von 42) 152 fl. 20. Sept. Okt. 1842; Lutter- Eröffnung Aschaffbg) denmaier: genannten Burg) von Senglers Dez.; vol. ieb es in anen auch ersprechen as Staats- Die Ord. ck. II, 44l. Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 195 nicht, den Empfang dieses Schreibens noch einige Wochen geheim halten. Im Falle der Geneigtheit bitte ich Sie, mich die Bedingungen gütigst wissen zu lassen, unter denen Sie in hiesige Fakultät treten wollen. Mit dem Anfange des November d. J. sollten Sie Ihr neues Lehramt beginnen. Mit herzlichster Hochachtung Euer Hochwürden ergebenster Prof. Leopold Schmid. 2. Gießen, den 26. Juli 1843. Hochwürdiger Herr Professor! Hochgeehrtester Herr! Aus der mir soeben zugegangenen gedruckten Uebersicht über die württembergischen Lehranstalten ersehe ich, daß Euer Hoch- würden nicht mehr in Ravensburg, sondern in Rottweil angestellt sind. Letzten Sonntag habe ich ein an Sie gerichtetes Schreiben nach ersterem Orte, jedoch mit der auf der Rückseite des Briefes befindlichen Bitte gesandt, dieser möge, wenn Sie nicht mehr in Ravensburg sein sollten, an Ihren gegenwärtigen Aufenthaltsort befördert werden ¹). Ich bitte Sie nun, mich recht bald in Kenntnis zu setzen, ob genanntes Schreiben Ihnen zugekommen sei. Mit herzlicher Hochachtung Euer Hochwürden ergebenster Prof. Leopold Schmid. 1) Der Brief vom 23. Juli 1843 trägt die Anschrift:„Sr. Hoch- würden Herrn Prof. Oehler in Ravensburg, Königreich Württemberg, über Stuttgart. Sollte der Herr Professor Oehler nicht mehr in Ravensburg sein, so wird das Hochlöbliche Postamt da- selbst höflichst gebeten, demselben diesen Brief an dessen jetzigen Aufenthaltsort gütigst zu senden, welcher leicht zu er- fahren sein wird“. In Wirklichkeit war Oehler, wie oben S. 185 be- merkt, seit 23. Nov. 1842 Prof. am Gymnasium Rottweil. Wenige Tage, nachdem Schmids zweiter Brief Oehler in Rottweil erreicht hatte, erschien in:„Rottweiler Chronik für Stadt und Land“ 1843, Nr. 62, Mittwoch den 2. Aug. unter„Stadt- und Ländschau“ die Nachricht:„Hr. Prof. Oehler, am Gymnasium dahier, hat von der Universität Gießen vor wenigen Tagen einen sehr ehrenvollen 13* Lösch, 3. Gießen, den 13. August 1843. Hochwürdiger Herr Professor! Hochgeehrtester Herr! An Euer Hochwürden sandte ich vor 3 Wochen ein Schreiben nach Ravensburg mit der Bitte an die Postbehörde daselbst, sie wolle es Ihnen, wenn Sie nicht mehr dort seien, an Ihren gegen- wärtigen Aufenthaltsort befördern, und wenige Tage nachher, als ich in einem gedruckten Verzeichnis der Herren Professoren zu Rottweil auch Ihren geehrten Namen fand, ein Briefchen dahin, worin ich Sie zu bitten mir erlaubte, möglichst bald mir gütigst zu schreiben, ob Sie jenes Schreiben erhalten hätten. Da mir eine [zu] beschleunigende Besorgung der darin ausgesprochenen Sache anempfohlen ist, nehme ich mir die Freiheit, Sie um gefällige als- baldige Nachricht darüber zu bitten, ob Sie ersteres Schreiben er- halten, und im Bejahungsfall, wie Sie Sich in Beziehung auf dessen Inhalt entschlossen haben oder, wenn Sie noch keinen Entschluß desfalls fassen konnten, darüber, bis wann Sie einen solchen mit- teilen zu können glauben. Es entgeht Ihnen nicht, daß, wenn mir die Freude, einen Brief von Ihnen zu erhalten, bis nächsten Sonntag nicht zuteil geworden, dies bei den obwaltenden Umständen, so sehr mich auch eine verneinende Antwort von Ihnen schmerzlich be- rühren würde, als eine solche von mir angesehen und anderwärts das Nötige getan werden müßte. Mit herzlicher Hochachtung Euer Hochwürden gehorsamster Diener Leopold Schmid. Ruf auf einen Lehrstuhl der kath. Theologie erhalten, wird ihn aber dem Vernehmen nach ablehnen.“ Wie eine Bemerkung Oehlers in einem Brief an einen seiner Freunde vom 2. August 1843 ver- rät, hatte er in seinem Rottweiler Freundeskreis von der erfolgten Berufung Kenntnis gegeben. Die Veröffentlichung dieser vertraulichen Mitteilung durch einen seiner dortigen Freunde in der Rottweiler Chronik versetzte ihn in nicht geringe Erregung, Oehler deutet in dem eben genannten Schreiben vom 2. Aug. 1843 zugleich an, daß er an einen gewissen„Freund Karl bereits geschrieben, um ihn der Gießener Fakultät empfehlen zu können“. Dies ist niemand anderer als der in Schmids Schreiben an Oehler(= Nr. 4) vom 21. Aug. 1843 genannte Lichtenstein,; über ihn unten S. 197 ff. 80 sehr eehrten de Hochwürder die Bewegg ich Ihnen Lichten schon meh auch schor demische! möchte hie selben zu Lichtenstem eröffnende, zwar unül zweifle, st Stelle für auf, daß i demselben Herr in k Lichtenste solche Ste seines W. Die He reisen in Sie oder Freundlic In Kar eine gan —— 1) Neh aus Ed. V tation in t 1843. . Schreiben Albst, sie n gegen. Lher, als soren zu en dahin, r gütigst mir eine Len Sache Allige als. eiben er- uf dessen Intschluk hen mit- renn mir Sonntag n, so sehr zlich be⸗ aderwärts Diener ehmid. wird ihn g Oehlers 1843 ver- erfolgten traulichen aottweiler deutet in h an, das m ihn der ad anderer 2l. 42 fl. Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 197 4. Gießen, den 21. August 1843. Hochwürdiger Herr Professor! Hochgeehrtester Herr! So sehr die hiesige k.-th. Fakultät es bedauert, daß sie nach Ihrem geehrten Schreiben vom 11. d. M. die Hoffnung aufgeben muß, Euer Hochwürden unter ihre Mitglieder zu zählen, ebenso sehr weiß sie die Beweggründe Ihres Entschlusses zu ehren. Sehr verbunden bin ich Ihnen wegen Ihrer gütigen Mitteilung inbetreff des Herrn Lichtenstein. Sie bestätigt mir das viele Rühmliche, was ich schon mehrfach über denselben gehört habe. Dieses rief in mir auch schon früher die Ansicht hervor, dieser Herr sei für das aka- demische Leben und dieses für ihn geeignet, und den Wunsch, er möchte hier lehren. Die frühere oder spätere Verwirklichung des- selben zu ermöglichen, war ich bisher auch nicht untätig. Daß Herr Lichtenstein jetzt oder in der nächsten Zeit eine, hier sich etwa, eröffnende, ordentliche Professur übertragen werde, dem stehen zwar unübersteigliche Hindernisse im Wege und, wie ich nicht zweifle, strebt Herr Lichtenstein gerade eine solche akademische Stelle für jetzt noch nicht an. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, daß in nicht allzu ferner Zeit eine außerordentliche Professur demselben hier zuteil werden könne, in deren Besitz einmal dieser Herr in kurzer Zeit eine ordentliche erhalten dürfte. Würde Herr Lichtenstein mich in Kenntnis setzen, daß er geneigt sei, eine solche Stelle zu übernehmen, so könnte dies zur Verwirklichung seines Wunsches beitragen. Die Herrn Gelehrten Württembergs machen bisweilen Ferien- reisen in diese Gegend. Es würde mir viele Freude machen, wenn Sie oder ihre Freunde in diesem Falle bei mir zu wohnen die Freundlichkeit hätten. Mit vollkommenster Hochachtung Euer Hochwürden 4 gehorsamster Diener Leopold Schmid. In Karl Lichtenstein²) würde die Gießener Fakultät eine ganz hervorragende Lehrkraft erhalten haben. Lich- 1) Neher 516; ³75. Die Zitate im folgenden sind entnommen aus Ed. Vogt, Eine öffentliche akademische theologische Dispu- tation in Tübingen im Jahre 1838: Deutsches Volksblatt/Sonntags- 198 Lösch, tenstein, geb. 1816 zu Zeil, Studierender der Theologie an der Universität Tübingen 1834/38, war„einer der hervor- ragendsten, die je durch das Wilhelmstift gegangen sind. Er hatte mit urkräftigem Willen die Wissenschaft ergriffen und sich ihr, immer der erste seines Kurses, mit Ausdauer und Gründlichkeit bemächtigt. Von hoher kräftiger Statur, mit blühendem Gesicht und leuchtenden Augen, voll Lebens- mut und religiöser Kraft, ein stahlharter sittlicher Charakter, versprach er eine glänzende Zukunft und die Lehrer hatten an dem ausgezeichneten Studenten ihre helle Freude“. Am 6. November 1837 erhielt er den Preis der katholisch-theo- logischen Fakultät für die durch Professor Kuhn gestellte Preisaufgabe:„Darstellung des religiös-wissenschaftlichen Inhalts der sog. deuterokanonischen Bücher des Alten Bundes und Nachweisung ihres Verhältnisses sowohl zu den proto- kanonischen Schriften des Alten Bundes als zu den neu- testamentlichen.“ Es war ein schwieriges, auf katholischer Seite bisher kaum bearbeitetes Feld, das Lichtenstein hier betrat. Die Arbeit fand großes Lob seitens der Fakultät und Kuhn drängte sofort auf ihre Veröffentlichung. Hiezu kam es nicht; doch hat Lichtenstein Teile davon in der ThO. 1843, 349— 404:„Biblische Darstellung der Selbst- offenbarung Gottes“ und ThO. 1844, 537— 574:„Darstellung der biblischen Unsterblichkeitslehre mit besonderer Berück- sichtigung der deuterokanonischen Bücher“ verwertet. Die beilage Jahrgang 1923, Nr. 2, 20. Januar. Wie Herr Stadtpfarrer Alb. Vogt-Alpirsbach mir mitzuteilen die Freundlichkeit hatte, finden sich in dem Nachlaß seines Onkels, Regierungsdirektor Ed. Vogt(gest. 29. Mai 1923), keine Angaben darüber, aus welchen Briefen Lichten- steins bzw. sonstigen Quellen die kleine Abhandlung schöpfte. Aber auch ohne diese genaueren Belege verdient sie es, zumal bei der ausgebreiteten Einzelkenntnis Ed. Vogts in der Geschichte der theologischen Bildungsanstalten Württembergs und der Diözesan- geschichte überhaupt, der Vergessenheit entrissen zu werden. Die k Arbeiten ² reichen Lite und Judent für System Lebrbegrift problemstel eines Gunk Kurses zum an der öffe Joseph He der KG., f unterzieher „Geschicht lichen Der 1837), eine suchung, g die auf de putation w fessor von 4. Januar damalige! der Konvi 40 Thesex theses XL Kolloquiet ein Löglit 1837 mit, ihm kolgte 1) Pisc logie an de verweser in nasium II eingetreter Schriften ogie an hervor. e. sind. rgrifken usdauer Statur, Lebens- trakter, hatten e¹. Am h-theo- gestellte ktlichen Bundes proto- n neu- dlischer in hier akultät Hiezu in der Selbst- tellung Berück. et. Die tpfarrer e, finden gt(gest. Lichten- chöpfte. mal bei chte der iözesan- en. Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 199 Arbeiten zeigen gründliche Beherrschung der damaligen reichen Literatur über die Religionsphilosophie des Hellenismus und Judentums, bekunden den Zug des jungen Theologen für Systematisierung und klare Scheidung der urchristlichen Lehrbegriffe und führen an einigen Stellen nahe an die Problemstellungenderheutigen religionsgeschichtlichen Schule eines Gunkel und Bousset heran. Als Zögling des vierten Kurses zum Dr. phil. promoviert, beteiligte sich Lichtenstein an der öffentlichen akademischen Disputation, welcher Karl Joseph Hefele, obwohl Geit Herbst 1837) schon ao. Prof. der KG., für seine theologische Doktorpromotion sich zu unterziehen hatte. Als Promotionsarbeit war von Hefele „Geschichte der Einführung des Christentums im südwest- lichen Deutschland, besonders in Württemberg“(Tübingen 1837), eine auf Möhler fußende, heute noch wertvolle Unter- suchung, gewählt worden. Sie lag schon im Druck vor, als die auf den 14. November 1837 angesetzte öffentliche Dis- putation wegen Erkrankung des Seniors der Fakultät, Pro- fessor von Drey, verschoben werden mußte und erst am 4. Januar 1838 vor sich ging. Als Mitdefendent oder, wie die damalige Bezeichnung lautete,„Mitrespondent“ stand Hefele der Konviktor Lichtenstein zur Seite. Mit ihm stellte Hefele 40 Thesen zur Verteidigung— gedruckt: Ex hist. ecel. theses XL. Tubingae 1837— auf und besprach sie in mehreren Kolloquien. An der Disputation beteiligten sich als Opponenten ein Zögling des dritten Kurses, Alois Urban Piscalar:1), 1837 mit dem Preis der Speyerschen Stiftung ausgezeichnet; ihm folgte Repetent Anton Gra f²), der wenige Tage später 1) Piscalar, geb. 1817 zu Stimpfach, Studierender der Theo- logie an der Universität Tübingen 1835/39, 1841/44 Präzeptorats- verweser in Horb und Riedlingen, 11. März 1846 Prof. am Gym- nasium Ellwangen, 17. Okt. 1854 in den Jesuitenorden(Gorheim) eingetreten, später in Feldkirch, gest. 7. Nov. 1892. Leben und Schriften bei Neher ³78. 2) Ueber ihn s. oben S. 190 3. 200 Lösch, (17. Januar 1838) Privatdozent der katholisch-theologischen Fakultät Tübingen wurde, dann der Rektor der Universität, Scheurlen, Professor Mack, Kuhn, Welte. Von Lichtenstein „sagte man sich hernach, daß er Hefele, der seine Sache glanzvoll durchgefochten, ehrenvolle Assistenz geleistet habe“. Nach Verwendung(ordiniert 11. Sept. 1839) als Vikar in Weingarten und Stuttgart, wurde Lichtenstein 1842 Hof- meister der Söhne des Fürsten von Waldburg-Zeil. Hier also fand ihn Oehlers Anerbieten für eine Gießener Professur. Der Plan, dessen nächstmögliche Erfüllung Leopold Schmid in seinem Dankesschreiben an Oehler zurückgestellt hatte, kam auch später nicht zur Verwirklichung. 1848/56 war Lichtenstein Direktor des von ihm gegründeten wissenschaft- lichen Erziehungsinstituts zu Neutrauchburg bei Isny, dann auf Reisen in Italien, Frankreich und England; nach seiner Rückkehr erhielt er am 1. Juli 1858 die Pfarrei Merazhofen, 3. Dezember 1860 wurde er Stadtpfarrer in Weingarten, seit 12. Juli 1863 zugleich Dekan für Ravensburg und seit 1862 Abgeordneter des Bezirkes Gmünd, gest. 11. Jan. 1866. Wir kehren zu Oehler selbst zurück. Ein Entwurf zu dem Antwortschreiben, das Oehler, wie erwähnt, unter dem 11. Au- gust 1843 an Schmid abgehen ließ, ist in Oehlers Nach- laß nicht mehr vorhanden. Seine Erklärung wird ganz ähn- lich gelautet haben, wie der oben mitgeteilte Brief, der die Ablehnung der Tübinger Berufung von 1840 enthielt. Oehler verblieb zunächst noch im höheren Schuldienst. Kaum 1 ½ Jahre später wurde er(5. März 1845) in den katholischen Kirchenrat nach Stuttgart berufen ¹). 1) Am 31. Okt. 1845 ward Oehler zum Dr. theol. h. c. der kath.- theol. Fakultät Tübingen promoviert. Prof. Kuhn, damals Dekan der Fakultät, schreibt an Oehler: Tübingen, 31. Okt. 1845. Ew. Hochwürden habe ich im Auftrag der kath.-theol. Fakultät das anliegende Diplom zuzustellen die Ehre, womit dieselbe Ihnen Die Worübe derunterst — bei Verayli keit die W Wenn d dem kirchl ihr feierlic qaß Sie di nicht able der Sie fri stehen wer 1 Dankess kath.-theo. Ew. HoC Hochpreis Würde de- Kann ic Wirken ke sichtnahm fast den I treuem Fo den Empf, Die Güt Schreibens auch die; Sie geziem theol. Fak Auszeichnt Indem i Hochachtu zu zeichne Stuttgart gischen Fersität tenstein e Sache thabe“ kkar in 2 Hof. 1. Hier ofessur. Schmid t Latte, 56 war aschaft- F, dann Seiner ohofen, garten, nd seit 1. 1866. zu dem 11. Au- Nach- nz ähn- der die Oehler um 1 ½ llischen er kath.- 3 Dekan 345. akultät e Ihnen Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 201 Worüber Brück, Pfülf und auch Vigener in seiner Son- deruntersuchung: Die Mainzer Bischofswahl von 1849/50 bei Veraplassung der heute stattfindenden akademischen Festlich- keit die Würde eines Doktors der Theologie honoris causa erteilt. Wenn die Fakultät hiedurch der theologischen Wissenschaft und dem kirchlichen Geist und Ernst, die Euer Hochwürden auszeichnen, ihr feierliches Anerkenntnis geben wollte, so zweifle ich nicht, daß Sie die in dieser Absicht Ihnen erwiesene Aufmerksamkeit nicht ablehnen und in die Reihe der Doktoren dieser Fakultät, der Sie früher als Zuhörer angehört haben, einzutreten nicht an- stehen werden. Mit ausgezeichneter Hochachtung Euer Hochwürden ganz ergebener Dr. Kuhn, d. Z. Dekan. Dankesschreiben Oehlers an Prof. Kuhn-Tübingen, Dekan der kath.-theol. Fakultät(Oehler-Nachlaß: Konzept-Entwurk): Ew. Hochwürden! Die ganz ausgezeichnete Ehre, welche mir eine Hochpreisliche katholisch-theologische Fakultät durch Verleihung der Würde des Doktors der Theologie erwies, hat mich tief gerührt. Kann ich in meinem wissenschaftlichen Werte und beruflichen Wirken kaum etwas finden, was mir eine so wohlwollende Rück- sichtnahme erklärlich machen könnte, so muß ich darin nicht so fast den Preis für Geleistetes als vielmehr eine Ermunterung zu treuem Fortwirken in einer Sache erblicken, welcher wir uns durch den Empfang der heiligen Weihen zu eigen gegeben haben. Die Güte, womit Euer Hochwürden mittelst des sehr schätzbaren Schreibens vom 31. v. M. mir das Diplom übersandten, läßt mich auch die geneigte Gewährung der Bitte hoffen, mit welcher ich Sie geziemendst ersucht haben möchte, der Hochpreislichen kath.- theol. Fakultät meinen gehorsamsten Dank für die mir erwiesene Auszeichnung auszudrücken. Indem ich diesen Anlaß benütze, Ihnen meine ausgezeichnete Hochachtung und Verehrung zu bezeugen, habe ich die Ehre mich zu zeichnen Euer Hochwürden dankergebenster Dr. Anton Oehler, Oberkirchenrat. Stuttgart, 3. Nov. 1845. 202 Lösch, [Zeitschr. d. Savignystiftung f. Rechtsgeschichte 42, Kanonist. Abtlg. 11(1921) 358 ff.] keinen Aufschluß vermitteln, wird durch jene Gießener Berufung erst jetzt verständlich, wie es nämlich kam, daß Oehler zum Bischof von Mainz aus- ersehen werden konnte. Hier liegen nunmehr die Linien offen: Der Name Oehler war seit 1843 in Darmstadt wie in Mainz ein wohlbekannter und es bleibt bezeichnend, daß gerade die Mehrheit der alten Mitglieder des Mainzer Dom- kapitels aus der Zeit des Bischofs Kaiser bezw. Burg für Oehler eingetreten ist. Wenn Heinrich Karl Jaup, der zweite Nachfolger(seit Sommer 1848) des Märzministers Heinrich von Gagern, noch eigens unter dem 5. Februar 1850 über Oehler bei der württbg. Regierung Erkundigungen einzog, so bedeutete dies mehr nur eine formale Deckung gegen die Minderheitsgruppe im Mainzer Domkapitel unter Lennigs Führung, die sich gegen eine Bevorzugung des ihr „persönlich nicht und anderweitig nur sehr allgemein, in- soweit aber vorteilhaft“ bekannten Oehler hatte sichern wollen. Jaup konnte die Mitteilung der württbg. Regierung, Oehler sei„nicht halb, sondern ganz katholischer Priester, aber kein Ultramontaner“, schon unter dem 7. Februar 1850 entgegennehmen ¹). Zum Erfolg für Oehler führte diese kleine Zwischenaktion nicht mehr. Jaup war sich hierüber wohl schon am Tage, da er jene Anfrage hatte abgehen lassen, durchaus klar. Die Wahl fiel auf einen andern. Unter dem 15. März 1850 kam dem Mainzer Domkapitel das Breve über die Berufung des neuen Bischofs zu und am 20. Mai 1850 folgte die Präkonisation: am 25. Juli 1850 bestieg Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler den Mainzer Bischof- stuhl. Hätte den Rottenburger Domkapitular Oehler der Weg dorthin geführt, so wäre bei seiner vermittelnden Art, seiner 1) Vgl. Vigener, Bischofswahl 419 f. Die ka aus Tübinge letzt gemäß schaft die R eine andere über Verga dürfen: aue nach 1850 Schon ei Mainzer Le „unter dem Dokument: ein Schreib Todesbotscl waren gege theologisch Gießener I raschen un Fakultät? Sommer 12 Hörerschaf wicklung und braucl Ein letzt geleiten: I Fakultät a bach, spätw logie an preis der) 1) Lutt Fakultät 68 2) Nehe Jahrbuch, h Jahrg. 1910, 3) Vgl. E lssters bruar ungen ckung unter les ihr n, in- ichem erung. iester, 1850 kleine wokl lassen, er dem ee über 1 1850 ilhelm ischot- r Weg seiner Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 203 aus Tübingen überkommenen Geistesrichtung und nicht zu- letzt gemäß der mit Professor Kuhn ihn verbindenden Freund- schaft die Regelung der theologischen Verhältnisse zu Mainz eine andere geworden. Ohne in Prophetien aus Vergangenem über Vergangenes sich zu ergehen, wird man hinzufügen dürfen: auch die Geschichte der Gießener Fakultät hätte nach 1850 anders sich gestaltet. Schon ein Jahr nach Kettelers Amtsantritt sollte die Mainzer Lehranstalt(1. Mai 1851) neu auferstehen und „unter dem 8. Mai 1851 kam das erste und letzte amtliche Dokument in Sachen der theologischen Fakultät nach Gießen, ein Schreiben des Bischöflichen Ordinariats zu Mainz, die Todesbotschaft für die Fakultät enthaltend“ ¹). Die Rollen varen gegenüber 1830 vertauscht. Das Los, das damals der theologischen Lehranstalt in Mainz mit der Gründung der Gießener Fakultät zugedacht war, wurde jetzt dank dem raschen und unbeugsamen Handeln des neuen Bischofs der Fakultät zuteil. Kein Theologiestudierender erschien im Sommer 1851 mehr in Gießen. Die Lehrerschaft war ohne Hörerschaft. Es gab für die Fakultät keine weitere Ent- wicklung mehr, nicht einmal ein Leben mehr. Sie war tot und brauchte nur noch begraben zu werden. Ein letzter Tübinger sollte die Gießener Fakultät zu Grabe geleiten: Franz Anton Scharpff), 1850/51 Dekan der Pakultät and Rektor der Universität. Geboren 1809 zu Ans- bach, später in Ellwangen, 1828/32 Studierender der Theo- logie an der Universität Tübingen, erhielt er 1829 den preis der philosophischen und 1831 neben Hefele) den der 1) Lutterbeck 84; Pfülf, Ketteler I, 233 ff.; Vigener, Fakultät 68 ff. 2) Nehers 52; J. Zeller, Franz Anton Scharpff: Ellwanger Jahrbuch, hrsg. vom Geschichts- und Altertumsverein Ellwangen, Jahrg. 1910, 73 f. 3) Vgl. F. X. Funk, Karl Joseph von Hefele, ThO. 1894, 3. 204 Lösch, katholisch-theologischen Fakultät. Am 14. August 1833 or- diniert, wurde er 1834 Professoratsverweser am Gymnasium Ellwangen und 1835 Professor am Gymuasium Rottweil. Die auf Möhlers Veranlassung gestellte Preisaufgabe ¹) der katholisch-theologischen Fakultät vom Jahre 1831:„Es soll das Leben und das kirchliche und literarische Wirken des Kardinals und Bischofs Nikolaus von Cusa beschrieben werden“ arbeitete er während seiner Rottweiler Zeit noch weiter aus, um sie— Hefele hatte inzwischen Teile aus seiner Bearbeitung in den Gießener Jahrbüchern für Theo- logie und christl. Philosophie 1835 IV, 49— 108 unter dem Titel:„Blicke ins 15. Jahrhundert und seine Konzilien“ veröffentlicht— in ThO. 1837, 1— 35. 201— 258. 687— 765, schon ein Buch für sich, erscheinen zu lassen. Es bedurfte nur einer Erweiterung durch Sammlung von handschrift- lichem Material, das Scharpff auf einer Reise nach Cues (Herbst 1837) und einer solchen nach Brixen(Herbst 1842) bei- brachte, um eine selbständige Schrift daraus werden zu lassen. Sie erschien:„Der Cardinal und Bischof Nicolaus von Cusa. Erster(einz.) Teil: Das kirchliche Wirken. Ein Beitrag zur Geschichte der Reformation innerhalb der katholischen Kirche im 15. Jahrhundert“, Mainz 1843. Das Vorwort S. XIV ist 1) Die Vermutung von G. Wol f, Quellenkunde der deutschen Reformationsgeschichte I(1915) 276¹, daß die Preisaufgabe auf Antrieb Möhlers gestellt wurde, wird durch Scharpffs Vorwort zu Nicolaus v. Cusa I(1843) S. III zur Gewißheit erhoben. Zu Cusas zeitgeschichtlicher Stellung und Literatur über ihn vgl. Wolf eben- da 2764; Chr. Schmitt, Card. Nicolaus Cusanus: Festschrift des Koblenzer Realgymnasiums 1907; M. Bär, Bücherkunde zur Ge- schichte der Rheinlande I(1920) 460 f.; E. Vansteenb erghe, Le Cardinal Nicolas de Cues(1401— 1464). L'action. La pensée, Lille 1920; J. Lenz, Die docta ignorantia oder die mystische Gotteserkenntnis des Nicolaus Cusanus in ihren philosophischen Grundlagen[Abhandlungen zur Philosophie und Psychologie der Religion, hrsg. von G. Wunderle, H. 3] 1923. Die ke „Rottweil: Scharpfl 2 Vermittler keit wieden historische in seine le im Sommel 1852 Stad dingen, 1 zugleich b pfarrer d⸗ Uebersetzn eine weite von Cusa des 15. J. Schüler M gabung ei „Vorlesun Freiburg in allen Streben n. Urteils. I Bischof v Stimme sprechen, und Tat zu entspre der hl. Ki- den Akath 1) Wer einen„in Scharpfts lesungen I 33 or- nasium ttweil. 1) der :„E Virken rieben t noch le aus Theo- er dem Eilien“ — 765, edurfte chrift- 1 Cues 12) bei⸗ lassen. Cusa. rag zur Kirche XIV ist autschen abe auf wort zu u Ousas If eben- rift des ur Ge- rghe, pensée, zstische nischen gie der Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. 205 „Rottweil: März 1843“ datiert und am 13. Nov. 1843 wurde Scharpff zum Professor der KG. in Gießen ernannt. Als Vermittler seiner Berufung ist mit größter Wahrscheinlich- keit wiederum Professor Leopold Schmid anzunehmen. Das historische Thema seiner Jugendzeit begleitete Scharpff bis in seine letzten Tage. Nach seinem Abschied aus Gießen im Sommer 1852 nach Württemberg zurückgekehrt(26. Aug. 1852 Stadtpfarrer in Mengen, Mai 1861 Pfarrer in Nen- dingen, 11. März 1862 Domkapitular in Rottenburg und zugleich bis 15. Januar 1866 Stadtdekan, Dom- und Stadt- pfarrer daselbst, gest. 1879) ließ er 1862 eine deutsche Uebersetzung von Cusas wichtigsten Schriften und 1871 eine weitere Schrift über diesen unter dem Titel:„Nicolaus von Cusa als Reformator in Kirche, Reich und Philosophie des 15. Jahrhunderts“ folgen. Scharpff, ein begeisterter Schüler Möhlers, allerdings kein Historiker von der Be- gabung eines Hefele, aber ein fleißiger und, wie auch seine „Vorlesungen ¹) über die neueste Kirchengeschichte“(2 Hefte, Freiburg 1852) ersehen lassen, gründlicher Arbeiter, verrät in allen seinen Schriften eine warme Liebe zur Kirche, Streben nach strenger Sachlichkeit und Milde eines gereiften Urteils. In seinem Abschiedsbrief an den neuen Mainzer Bischof vom Oktober 1852 konnte er die„aus innerster Stimme seines Gewissens stammende Versicherung aus- sprechen, daß er sich stets bestrebt habe, durch Wort, Schrift und Tat dem Geiste und den Anordnungen der hl. Kirche zu entsprechen, und daß er vorzugsweise dahin trachtete, der hl. Kirche, ihrer Lehre und ihren Institutionen auch bei den Akatholiken die gebührende Achtung und Anerkennung 1) Werner, Geschichte der kath. Theologie 612 nennt sie einen„in die gefällige Form von Vorlesungen gekleiteten Abriß. Scharpffs Begeisterung für seinen Lehrer Möhler siehe in: Vor- lesungen II, 124 ff. 206 Lösch, zu verschaffen“ ¹). Die Bemerkung vermochte er dabei nicht zu unterdrücken, daß„die persönliche Seite der verfügten Aenderung des bisherigen theologischen Unterrichts ihn stets schmerzlich berührt habe“. Ein eigenartiges Geschick hatte so für zwei Jahrzehnte die Gießener Fakultät mit Tübingen verbunden. An ihrem Anfang schien es, als sollten dort die Disziplinen der KG. und der Exegese durch die Tübinger besetzt werden, wie die der Dogmatik kurz hernach in Staudenmaier einen Tübinger erhielt und 1837 dieselbe wiederum einem Tübinger, K. J. Hefele, zugedacht war. An ihrem Ende war nur mehr als Vertreter der KG. von Möblers Geist erfüllt ein Tü- binger unvermischter Art dort tätig. Was mit den Namen Staudenmaier, Kuhn und Scharpff für die Gießener Fakultät und für den durch sie herangebildeten Klerus sich ver- knüpfte, ist, an der Kürze ihrer Wirksamkeit daselbst ge- messen, nicht gering. In Scharpffs Abschiedsbrief an Bischof Ketteler zittert nach, was ihm seine Lehrtätigkeit in der Gießener Fakultät von 1843 bis 1851 gewesen und was er an ihrem Grabe mitbegraben hatte. Von Kuhn besitzen wir keine direkten Aeußerungen über seine Gießener Zeit. Wenn er in den Tagen, da der Plan der Gründung einer freien katholischen Universität ²) in Deutschland die Gemüter in 1) Scharpffs undatierter Brief an Bischof Ketteler im Auszug bei Pfülf, Ketteler I 243; Kettelers Antwort vom 19. Okt. 1852 ebenda 243 f. Scharpffs Anspielung auf seine Schriften dürfte, was Pfülf nicht erwähnt, vor allem auch aufseine apologestischen Schriften während der Gießener Zeit zielen:„Der Katholizismus und die Denkgläubigen mit Rücksicht auf zwei Schriften des Großherzogl. Hofgerichtsrats Dr. Kraft:„Der Staat und die Ultramontanen“ und „Eine andere Betrachtung der neuesten kirchlichen Ereignisse“, Tübingen 1845;„Der kath. Glaube nebst den Grundzügen einer Ge- schichte und Theorie der Offenbarung wissenschaftlich dargestellt, Gießen 1848; ² 1853. 2) Vgl. Gr. Richter, Der Plan der Gründung einer freien Die lebhaftest seinen B 1864, 60. das Verle unter Kat unterliege gerechtfe gewendet Glaubens in einer in der ih Bewegun- verneint an den seines Le Wie e knüpfung will es 8 dem Sch katholisch 1922, 44 fl für den P. Konstantiu 1) J. K 2) Haf philosophi lobung für theol. Fak Repetent einer Prof 1. Okt. 185 und seit 1 10. Juni 18 konsekriert 34 f.; vgl. 2ur Feier 207 Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. d nicht lebhaftester Spannung hielt, das Wort ergriff, mag man fügten seinen Blick auf 1850 zurückgewandt sehen, da er ThO. ts ibn 1864, 601 die Unterscheidung prägte:„Im Prinzip wird das Verlangen nach einer freien katholischen Universität zehnte unter Katholiken einer Beanstandung vernünftigerweise nicht ihrem unterliegen können. Aber das an und für sich vollkommen r KG. gerechtfertigte Prinzip kann auch anders aufgefaßt und an- 4, wie gewendet werden wollen. Man kann das Verhältnis des einen Glaubens und der kirchlichen Autorität zur Wissenschaft binger, in einer Weise bestimmen, wodurch die letztere nicht nur rmehr in der ihr eigenen und insofern selbständigen oder freien n Tü- Bewegung aufgehalten oder gehemmt, sondern geradezu Jamen verneint wird.“ Für Staudenmaier waren„die Erinnerungen kkultät an den Gießener Aufenthalt noch in dem letzten Abschnitte u ver- seines Lebens die teuersten und schönsten“ ¹). st ge— Wie eine von den Mainzern selbst gesuchte neue An- ischof knüpfung des einstigen Gießener— Tübinger geistigen Bandes u der will es scheinen, wenn sie im Jahre 1855 noch einen aus Nas er dem Schwabenlande riefen: Paul Leopold Haffner“), der en wir katholischen Universität zu Fulda im neunzehnten Jahrhundert Wenn 1922, 44 ff. Ebenda 46 die zahlreichen Aeußerungen gegen und freier für den Plan(Kuhn, Jörg; Heinrich v. Andlaw, Prof. Clemens, . Konstantin v. Schäzler). ter in 1) J. König, Staudenmaier: KL. XII', 1152. zug bei 2) Haffner, geboren 1829 zu Horb, erhielt 1851 den Preis der t. 1852 philosophischen Fakultät Tübingen und 1852 eine öffentliche Be- te, was lobung für die Lösung der homiletischen Preisaufgabe der kath.- briften theol. Fakultät daselbst, ordiniert 10. Aug. 1852, seit 10. Jan. 1854 ad die Repetent am Wilhelmstift Tübingen, 20. Juli 1855 zur Annahme erzogl. einer Professur am bischöflichen Seminar zu Mainz beurlaubt, 1¹ und 1. Okt. 1855 dorthin abgegangen, zuerst Professor der Philosophie nisse“, und seit 1864 zugleich der Apologetik, 1866 Domkapitular in Mainz, 10. Juni 1886 als Bischof von Mainz präkonisiert und 25. Juni 1886 konsekriert und inthronisiert, gest. 2. Nov. 1899; Neher, ¹(1909) 34 f.; vgl. Dr. P. L. Haffner, Bischof von Mainz. Eine Festschrift zur Feier der Konsekration und Inthronisation im hohen Dom zu er Ge- estellt, freien 208 Lösch, Die kath.-theol. Fakultäten zu Tübingen und Gießen. an philosophischer Begabung und wissenschaftlicher Reg- samkeit mit den früheren Tübingern wetteifernd im Verein mit dem Professor und späteren Domdekan J. B. Heinrich die Mainzer Schule schuf. Wieviel aber Heinrich, zuvor (1840/42) Privatdozent der Rechtswissenschaft in Gießen, dann der Theologie sich zuwendend, seinerseits aus Tübingen, wo er„drei Semester lang(1842/43) mit größtem Eifer theologische Vorlesungen gehört hatte“ ¹), für seine spätere staunenswerte dogmatische, philosophische und historische Vielseitigkeit von einem Drey, Kuhn und Hefele empfangen hat, ist nicht Gegenstand dieser Untersuchung. Nach 1860 bog die Mainzer Schule weit ab von der Richtung der Tübinger. Die Auseinandersetzungen Kuhns in ThO. 1862 bis 1864 sprechen eine andere Sprache als der Mainzer „Katholik“, die Versammlung katholischer Gelehrter zu München vom Jahre 1863 bot dazu den Widerhall und die Aufzeichnungen eines Miterlebenden von damals, Freiherrn Georg von Hertling“), geben ein Echo davon: im Zu- sammenhang der Entwicklung der katholischen Theologie Deutschlands seit 1850 gesehen, dies alles ein ferner Nach- klang zu der Teilgeschichte einer Verbindung zwischen Tübingen und Gießen. Mainz am 25. Juli 1886, Mainz 1886; Gedenkschrift bei seinem Tode: Bischof Haffner, sein Leben und Wirken, Mainz 1899; dazu Gedächt- nisrede auf Frz. X. v. Linsenmann, gehalten am 26. Sept. 1898 von Bischof P. L. Haffner, Rottenburg 1898, 5:„Als Repetent im Wilhelm- stifte hatte ich die Freude, beide(Linsenmann und Wilhelm Reiser) als liebe Schüler zu besitzen, was mir stets eine wertvolle Erinne- rung sein wird.“ 1 1) Ludwig von Pastor, Der Mainzer Domdekan Dr. Joh. Bapt. Heinrich(1816— 1891). Ein Lebensbild nach originalen Quellen und persönlichen Erinnerungen, Freiburg 1925, 8. 2) Erinnerungen aus meinem Leben 1(1919) 181 ff. Colour& Grey Coritror Chart Srey„Srey Srey Sreya oder einer gemeinsamen katholisch-theologischen Fakultät endgültig nahe. Man entscheidet sich zuletzt für eine ge- sonderte Fakultätengründung. Für jene wird Gießen, für diese Marburg ausersehen. Der einen sollte nur eine kurze Lebensdauer beschieden sein, für die zweite ein kurzer Anfang(19. Mai 1831) sogar mit einem schnellen Ende (31. Juli 1833) zusammenfallen. Die Geschichte des Auf- und Abbaues beider Fakultäten ist uns heute auf Grund der Akten durch Fr. Vigener, Die katholisch-theologische Fakultät in Gießen und ihr Ende: Mitteilg. des oberhess. Geschichtsvereins N. F. XXIV(1922) 28— 96; ders., Ketteler, Ein deutsches Bischofsleben des 19. Jahrhunderts. 1924, 179 bis 181 und C. Mirbt, Die katholisch-theologische Fakultät Tnnnn Cyan Green vellow Hed Magenta Black