Fünfundſechzigſtes Stiftungsfeſt der Gießener Burſchenſchaft Alemannia 22 4⸗25. JULI1O27 Fünfundſechzigſtes Stiftungsfeſt der Gießener Burſchenſchaft Alemannia 22 ⸗25. JULI1027 Kommerrslieder. Es wird gebeten, während des offiziellen Teiles des Kommerſes das Rauchen möglichſt einzuſchränken. Offizieller Teil. Bundeslied. 1. Sind wir vereint zur guten Stundo, wir ſtarker deutſcher Männerchor, ſo dringt aus jedem frohen Munde die Seele zum Gebet hervor; denn wir ſind hier in ernſten Dingen mit hehrem heiligen Gefühl;:,: Drum ſoll die volle Bruſt erklingen ein volles, helles Saitenſpiel. 2. Wem ſoll der erſte Dank erſchallen? Dem Gott, der groß und wunderbar aus langer Schande Nacht uns allen in Flammen aufgegangen war. Der unſrer Feinde Trotz zerblitzet, der unſre Kraft uns ſchön erneut:,: und auf den Sternen waltend ſitzet von Ewigkeit zu Ewigkeit. 3. Wem ſoll der zweite Wunſch ertönen? Des Vater⸗ landes Majeſtät! Verderben allen, die es höhnen! Glück dem, der mit ihm fällt und ſteht! Es geh, durch Tugenden bewundert, geliebt durch Redlichkeit und Recht, ſtolz von Jahrhundert zu Jahrhundert, an Kraft und Ehren ungeſchwächt. 4. Das dritte, deutſcher Männer Weide, am hellſten ſoll's geklungen ſein! Die Freiheit heißet deutſche Freude, die Frei⸗ heit führt den deutſchen Reihn; für ſie zu leben und zu ſterben, das flammt durch jede deutſche Bruſt; für ſie um großen Tod zu werben, iſt deutſche Ehre, deutſche Luſt. 5. Das vierte— hebt zur hehren Weihe die Hände und die Herzen hoch!— es lebe alte deutſche Treue, es lebe deutſcher Glaube hoch! Mit dieſen wollen wir beſtehen, ſie ſind des Bundes Schild und Hort; fürwahr, es muß die Welt ver⸗ gehen, vergeht das feſte Männerwort! 6. Rückt dichter in der heilgen Runde und klingt den letzten Jubelklang! Von Herz zu Herz, von Mund zu Munde erbrauſe freudig der Geſang! Das Wort, das unſern Bund geſchützet, das Heil, das uns kein Teufel raubt und kein Ty— rannentrug uns kürzet, das ſei gehalten und geglaubt! E. M. Arndt. 1815 Burſchen, heraus! 1. Burſchen, heraus! Laßt es ſchallen von Haus zu Haus! Wenn der Lerche Silberſchlag grüßt des Maien erſten Tag, dann heraus, und fragt nicht viel, friſch mit Lied und Lauten⸗ ſpiel! Burſchen, heraus! 2. Burſchen, heraus! Laßt es ſchallen von Haus zu Haus! Ruft um Hilf die Poeſei gegen Zopf und Philiſterei, dann heraus bei Tag und Nacht, bis ſie wieder frei gemacht! Bur⸗ ſchen heraus! 3. Burſchen heraus! Laßt es ſchallen von Haus zu Haus! Wenn es gilt fürs Vaterland, treu die Klingen dann zur Hand, und heraus mit mut'gem Sang, wär es auch zum letzten Gang! Burſchen, heraus! Der Freiheit Schlachtruf. 1. Der Gott, der Eiſen wachſen ließ, der wollte keine Knechte, drum gab er Säbel, Schwert und Spieß dem Mann in ſeine Rechte, drum gab er ihm den kühnen Mut, den Zorn der freien Rede, daß er beſtände bis aufs Blut, bis in den Tod die Fehde! 6 2. So wollen wir, was Gott gewollt, mit rechten Treuen halten, und nimmer im Tyrannenſold die Menſchenſchädel ſpalten; doch wer für Tand und Schande ſicht, den hauen wir zu Scherben, der ſoll im deutſchen Lande nicht mit deutſchen Männern erben. 3. O Deutſchland, heilges Vaterland! o deutſche Lieb und Treue! Du hohes Land! du ſchönes Land! wir ſchwören dir aufs neue: Dem Buben und dem Knecht die Achtl der ſpeiſe Krähn und Raben! So ziehn wir aus zur Hermannsſchlacht und wollen Rache haben. 4. Laßt brauſen, was nur brauſen kann, in hellen lichten Flammen! Ihr Deutſchen alle, Mann für Mann, zum heilgen Krieg zuſammen! und hebt die Herzen himmelan und himmelan die Hände, und rufet alle Mann für Mann:„Die Knecht ſchaft hat ein Endel“ 5. Laßt klingen, was nur klingen kann, die Trommeln und die Flöten! Wir wollen heute Mann für Mann mit Blut das Eiſen röten, mit Henkerblut, Franzoſenblut— o ſüßer Tag der Nache! Das klingt allen Deutſchen gut, das iſt die große Sache! 6. Laßt wehen, was nur wehen kann, Standarteu wehn und Fahnen! Wir wollen heut uns Mann für Mann zum Heldentode mahnen. Auf, fliege, ſtolzes Siegspanier, voran den kühnen Reihen! Wir ſiegen oder ſterben hier den ſüßen Tod der Freien. E. M. Arndt. Ehre, Freiheit, Vaterland. 1. Schwört bei dieſer blanken Wehre, ſchwört ihr Brüder, allzumal: Fleckenrein ſei unſre Ehre, wie ein Schild von lichtem Stahl. Was wir ſchwuren, ſei gehalten treulich bis zur letzten Nuh. Hört's, ihr Jungen, hört's, ihr Alten, Gott im Himmel, hör's auch dul!;“ 2. Freiheit, duftge Himmelsblume, Morgenſtern nach banger Nacht! Treu vor deinem Heiligtume ſtehn wir alle auf der Wacht. Was erſtritten unſre Ahnen, halten wir in ſtarker Hut! Freiheit ſchreibt auf eure Fahnen, für die Freiheit unſer Blut.:;. 3. Vaterland, du Land der Ehre, ſtolze Braut mit freier Stirn! deinen Fuß benetzen Meere, deinen Scheitel krönt der Firn, laß um deine Huld uns werben, ſchirmen dich von unſrer Hand; dein im Leben, dein im Streben, ruhmbekränztes Vater⸗ land! 4. Schwenkt der Schläger blanke Klingen, hebt die Becher, ſtoßet an! Anſer Streben, unſer Ningen, aller Welt ſei's kund⸗ getan. Laßt das Burſchenbanner wallen, haltet's hoch mit ſtarker Hand, brauſend laßt den Ruf erſchallen: Ehre, Freiheit, Vaterland! Rud. Baumbach. 1879 Am 26. November 1819. Geſungen bei Auflöſung der Burſchenſchaft zu Jena 1819. 1. Wir hatten gebauet ein ſtattliches Haus:, und drin auf Gott vertrauet trotz Wetter, Sturm und Graus.„: 2. Wir lebten ſo traulich, ſo innig, ſo frei,:: Dem Schlechten ward es graulich, wir lebten gar zu treu.“: 3. Sie lugten, ſie ſuchten nach Trug und Verrat, ver⸗ leumdeten, verfluchten die junge grüne Saat.„ 4. Was Gott in uns legte, die Welt hat's veracht't,:,: Die Einigkeit erregte bei Guten ſelbſt Verdacht!„“ 5. Man ſchalt es Verbrechen, man täuſchte ſich ſehr; „ Die Form kann man zerbrechen, die Liebe nimmermehr.“ 6. Die Form iſt zerbrochen, von außen herein,,: doch, was man drin gerochen, war eitel Dunſt und Schein.;: 7. Das Band iſt zerſchnitten, war Schwarz, Rot und Gold,;, und Gott hat es gelitten, wer weiß was er gewollt!:, 8 8. Das Haus mag zerfallen— was hat's denn für Not? „ Der Geiſt lebt in uns allen, und unſre Burg iſt Gott!:, Bundeslied. 1. Wo Mut und Kraft in deutſcher Seele flammen, fehlt nicht das blanke Schwert beim Becherklang; wir ſtehen feſt und halten treu zuſammen und rufen's laut in feurigem Ge— ſang: Ob Fels und Eiche ſplittern, wir werden nicht erzittern! „ Den Jüngling reißt es fort mit Sturmeswehn, fürs Vater⸗ land in Kampf und Tod zu gehn.“ 2. Not, wie die Liebe, ſei der Brüder Zeichen, rein wie das Gold, der Geiſt, der uns durchglüht, und daß wir ſelbſt im Tode nimmer weichen, ſei ſchwarz das Band, das unſre Bruſt umzieht! Ob Fels und Eiche ſplittern, wir werden nicht erzittern!:,: Den Jüngling reißt es fort mit Sturmeswehn, fürs Vaterland in Kampf und Tod zu gehn.“: 3. Wir wiſſen noch den treuen Stahl zu ſchwingen, die Stirn iſt frei und ſtark der Arm im Streit! Wir dauern aus und wollen mutig ringen, wenn es der Ruf des Vaterlands gebeut! Ob Fels und Eiche ſplittern, wir werden nicht erzittern! „ Den Jüngling reißt es fort mit Sturmeswehn, fürs Vater⸗ land in Kampf und Tod zu gehn,“ 4. So ſchwört es laut bei unſerm blanken Schwerte; dem Bunde treu im Leben und im Tod! Auf, Brüder, aufl und ſchirmt die Vatererde und ruft hinaus in blutges Morgenrot: Ob Fels und Eiche ſplittern, wir werden nicht erzittern!:,: Den Jüngling reißt es fort mit Sturmeswehn, fürs Vaterland in in Kampf und Tod zu gehn.“ 5. Trennt das Geſchick des großen Bundes Glieder, ſo reichet euch die treue Bruderhand! Noch einmal ſchwört's, ihr meine deutſchen Brüder: Dem Bunde treu und treu dem Vater⸗ land! Ob Fels und Eiche ſplittern, wir werden nicht erzittern! „ Den Jüngling reißt es fort mit Sturmeswehn, fürs Vater⸗ land in Kampf und Tod zu gehn.“ Hinckel 1815. 9 Drei Klänge ſind's. Singw.: Herbei, herbei, du trauter Sängerkreis. 1. Drei Klänge ſind's, ſie tönen hold und rein voll Harmonie durch unſer Burſchenleben, drei Klänge ſind's, die uns wie goldner Wein zu frohem Schlag das freie Herz erheben; ſie will ich preiſen noch mit grauem Haar, bis mich der Tod ins Dunkel zieht hernieder: Der Schläger Klang, der Gläſer Klang, den Klang der Lieder, ſie will ich preiſen nun und immerdar! 2. Des Schlägers Klang, er tönt ſo ſcharf und kühn, für Burſchenehre blitzet ſeine Klinge, beim Gläſerklang ſo froh die Herzen glühn, trägt ſie empor des Weines Geiſterſchwinge, der Lieder Klang hebt ſich zum Himmel auf. Im Preis des Edlen, Guten, Hohen, Schönen, der Freiheit Lied, der Liebe Lied es ſoll ertönen mit goldnem Schall durch unſren Lebenslauf. 3. Drei Klänge ſinds von ganz beſondrer Art; ſie dünken uns die herrlichſten von allen, darum, ihr Brüder, laſſet froh geſchart das Jubellied zu ihrem Ruhm erſchallen. Auf, nehmt das Glas mit goldnem Wein zur Hand und ruft es laut nach alter deutſcher Weiſe: Das Schwert zum Schutz, das Glas aufs Wohl, das Lied zum Preiſe fürs ſchöne große deutſche Vater⸗ land! Heinrich Seidel. Auf der Wanderung. 1. Zwiſchen Frankreich und dem Böhmerwald da wachſen unſre Reben. Grüß mein Lieb am grünen Rhein, grüß mir meinen kühlen Wein!: Nur in Deutſchland, nur in Deutſch⸗ land da will ich ewig leben. 12. Fern in fremden Landen war ich auch, bald bin ich heimgegangen, heiße Luft und Durſt dabei, Qual und Sorgen mancherlei. Nur nach Deutſchland tät mein Herz verlangen. 3. Iſt ein Land, es heißt Italia, blühn Orangen und Zitronen. Singe, ſprach die Römerin, und ich ſang zum Nor⸗ den hin: Nur in Deutſchland, da muß mein Schätzlein wohnen. 10 4. Als ich ſah die Alpen wieder glühn hell in der Morgen ſonne: Grüß mein Liebchen goldner Schein, grüß mir meinen grünen. Rhein! Nur in Deutſchland, da wohnt Freud und Wonne. Hoffmann von Fallersleben 1824. Landesvater. 18. Jahrhundert. 1. Alles ſchweige! Jeder neige ernſten Tönen nun ſein Ohr! Hört, ich ſing das Lied der Lieder! hört es, meine deutſchen Brüder!:, hall es:, wieder, froher Chor! 2. Deutſchlands Söhne, laut ertöne euer Vaterlandsge⸗ ſang! Vaterland! du Land des Nuhmes, weih zu deines Heilig⸗ tumes:, Hütern:, uns und unſer Schwert! 3. Hab und Leben dir zu geben, ſind wir alleſamt bereit, — ſterben gern zu jeder Stunde, achten nicht der Todeswunde, „ wenn das: Vaterland gebeut. 4. Wer's nicht fühlet, ſelbſt nicht zielet, ſtets nach deutſcher Männer Wert, ſoll nicht unſern Bund entehren, nicht bei dieſem Schläger ſchwören,:, nicht entweihn:, das deutſche Schwert. 5. Lied der Lieder, hall es wieder: groß und deutſch ſei unſer Mut! Seht hier den geweihten Degen, tut wie brave Burſchen pflegen,:,: und durchbohrt:, den freien Hut! 6. Nimm den Becher, wackrer Zecher, vaterläudſchen Tran⸗ kes voll! Nimm den Schläger in die Linke, bohr ihn durch den Hut und trinke:, auf des:, Vaterlandes Wohll! 7. Seht ihn blinken in der Linken, dieſen Schläger, nie entweiht! Ich durchbohr den Hut und ſchwöre, halten will ich ſtets auf Ehre,“, ſtets ein;,: braver Burſche ſein. 8. Komm, du blanker Weihedegen, freier Männer freie Wehr! Bringt ihn feſtlich mir entgegen von durchbohrten Hüten ſchwer. Laßt uns feſtlich ihn entlaſten; jeder Scheitel ſei bedeckt! And dann laßt ihn unbefleckt bis zur nächſten Feier raſten. 11 9. So nimm ihn hin, dein Haupt will ich bedecken und drauf den Schläger ſtrecken: es leb auch dieſer Bruder hoch! ein Hundsfott, wer ihn ſchimpfen ſoll! So lange wir ihn kennen, woll'n wir ihn Bruder nennen; es leb auch dieſer Bruder hoch! 10. Ruhe von der Burſchenfeier, blanker Weihedegen nun! Jeder trachte, wackrer Freier um das Vaterland zu ſein! Jedem Heil, der ſich bemühte, ganz zu ſein der Väter wert; keiner taſte je ans Schwert, der nicht deutſch iſt von Geblüte. Inoffizieller Teil. Trinklied. 1. Kommt, Brüder, trinket froh mit mir, ſeht wie die Becher ſchäumen! Bei vollen Gläſern wollen wir ein Stündlein ſchön verträumen! Das Auge flammt, die Wange glüht, in kühnern Tönen rauſcht das Lied, ſchon wirkt der Götterwein, ſchenkt ein! ſchenkt ein! Schon wirkt der Götterwein! Schenkt ein! 2. Doch was auch tief im Herzen wacht, das will ich jetzt begrüßen. Dem Liebchen ſei dies Glas gebracht, der Einzigen, der Süßen. Das höchſte Glück für Menſchenbruſt, das iſt der Liebe Götterluſt, ſie trägt auch himmelan! Stoßt an! 3. Ein Herz, in Kampf und Streit bewährt bei ſtrengem Schickſalswalten, ein freies Herz iſt Goldes wert, das müßt ihr feſt erhalten. Vergänglich iſt des Lebens Glück, drum pflückt in jedem Augenblick euch einen friſchen Strauß! Trinkt aus! Trinkt aus! Euch einen friſchen Strauß! Trinkt aus! 4. Jetzt ſind die Gläſer alle leer; füllt ſie noch einmal wieder! Es wogt im Herzen hoch und hehr— ja wir ſind alle Brüder, von einer Flamme angefacht— dem deutſchen Volke ſei's gebracht, auf daß es glücklich ſei und frei, und freil! Auf daß es glücklich ſei und frei! Theod. Körner. 12 Der Jugend heitrer Morgen. 1. Der Jugend heitrer Morgen iſt wolkenlos und hell, es ſchlafen noch die Sorgen, es ſpringt der Freuden Quell. Sei uns gegrüßt du junger Tag, und was er Gutes bringen mag! Die Welt voll Luſt und Hoffen ſteht offen. 2. Doch ernſter wird das Leben und ernſter wird der Sinn, und dunkle Schatten ſchweben um Roß und Reiter hin. Es weicht der goldnen Träume Pracht der Wirklichkeit, nun, Herz, hab acht, den Schatz aus Jugendjahren zu wahren. 3. Die argen Sorgen quälen, die Welt ſtrebt Tag für Tag, wie ſie aus freien Seelen Philiſter ſchaffen mag; allein es wahrt der rechte Mann des Ideales Talisman, wie auch die Wetter dräuen, in Treuen. 4. In Treuen laßt uns halten zuſammen Mann für Mann, daß uns Philiſterwalten nicht unterkriegen kann. Laßt nach des Tages Dienſt und Mühn der Freiheit Jugendfeuer glühn; es fehl ihr holder Schimmer uns nimmer! 5. And rauſcht in ſtetem Schwalle der Jahre Strom vorbei, die helle Loſung ſchalle: das Herz bleibt jung und frei! Das ſei der frohe Willkommgruß, das mag beim letzten Glas und Kuß, bei unſerm letzten Singen erklingen! Aura academica. 1. Freunde, trinkt in vollen Zügen muſenſtädtſchen Gerſten⸗ ſaft, allen Ganzen zu genügen, wächſt uns wieder Rieſenkraft. Nimmer weichen wir im Streite, ſtehet uns als Helfer da leicht beſchwingte, kampfbereite aura academica, leicht be⸗ ſchwingte, kampfbereite aura academica! 2. All zerſtreut in deutſchen Landen waren wir zur Ferien⸗ zeit, jener ſtak in Bücherbanden, dieſer trat die Straßen breit. Laufkur, Luftkur, Bäder, Wäſſer, Sommerſpritzen fern und nah;“ ſtärkten wohl, doch ſtärket beſſer aura academica.:,: 13 3. Aura iſt kein Moſchusdüftchen, wie's der Schwung im Sacktuch trägt; iſt kein ſäuſelnd Zephirlüftchen, das ſich koſend um dich legt. Aura iſt ein Wirbelwehen, frohſten Treibens anima, drin ſich Geiſt und Jugend drehen, aura academica. 4. Luft und Licht, des Lebens Sonnen, wirft ſie keck durchs Drahtgeſtell auf den ſchwarzen Weisheitsbronnen, jüngt am Brett den Wiſſensquell. Strömt der Boden Zauberſäfte, ſtehen Geiſter helfend da? Eine nur leiht Wunderkräfteraura academica. 5. Der Philiſter läßt ſich tragen in der Muſenſtadt Be⸗ reich, und ein Zauber ſonder Sagen ſtrahlt von Mädchen liebe⸗ bleich. Küßteſt du der Jungfrau Wangen, daß ein Wandel hier geſchah, daß ſie liebeglühend prangen, aura academica? 6. Freunde, trinkt in vollen Zügen muſenſtädtſchen Gerſten⸗ ſaft, denn ein gottgeſandtes Fügen gibt uns heute Wunder⸗ kraft: Jugendfrohſinn, Wiſſensſtreben, ſchönſte Minne tritt uns nah, alles nur durch dich gegeben, aura academica! Otto Kamp. Rückblick. 1. Friſch blickt auch ich als junger Burſch ins Leben, keck hatt' ich mir geſteckt das höchſte Ziel, kein Mädchenherz konnt lang mir widerſtehen, und doch wars eine nur die mir gefiel. „: Da war ich jung“ ſo recht von Herzen froh, ein übermüt⸗ ger Studio. 2. Ein Turner, kraftgeſtählt, noch klar die Augen, noch ungetrübt von Bücherſtaub u. hell, ſtudierte was mir gerade ſchien zu taugen, den Freunden war ich ein gut Jechgeſell. Noch war ich jung: ſo recht von Herzen froh, ein über⸗ mütger Studio. 3. Jüngſt trieb es mächtig mich nach Haus zu wandern; Die Sehnſucht eilt voraus dem flüchtgen Fuß: ich ſah mein Lieb am Arme eines andern, ſie wandte ſcheu ſich ab bei meinem Gruß. Das ſchnitt ins Herz, trüb wurde mirs u. ſchwer, war nicht der frohe Studio mehr. 14 4. Sah, daß ſo viel Semeſter ſchon von dannen u. doch war mirs im Kopf noch wirr und kraus, jetzt gilt's den Sinn in ſcharfe Zucht zu ſpannen, da ſchlägt er manchmal um ſo toller aus. Der alte Bund der Freunde Nund ſich ſtark ge— lichtet hat, der Studio heißt: Herr Kandidat. 5. Hab ich mal ausgereckt die ſteifen Glieder, hör wieder Schläger dröhnen, hellen Sang, ſchau ich dem Freund ins Aug, klingt alles wieder, was einſt ſo froh dem jungen Burſch er— klang. Werd wieder jung, ſtets will ich bleiben ſo, im Herzen nur ein Studio. H. Wunderlich 1881. Heiterer Lebenslauf. 1. Mein Lebenslauf iſt Lieb' und Luſt und lauter Lieder⸗ klang; ein frohes Lied aus heit'rer Bruſt macht froh den Le⸗ bensgang. Man geht bergaus, man geht bergein, heut' grad' und morgen krumm, durch Sorgen wird's nicht anders ſein; was kümmr' ich mich darum!:, Heidi, juchhe! Drum kümmr' ich mich nicht drum!:“ 2. Das Leben wird, der Traube gleich, gekeltert und gepreßt; ſo gibt es Moſt, wird freudenreich und feiert manches Feſt. D'rum zag' ich nicht, engt mir die Bruſt des Schickſals Anmut ein: Bald brauſ ich auf in Lieb' und Luſt und werde reiner Wein!;, Heidi, juchhe! uſw.;, 3. Die Zeit iſt ſchlecht, mit Sorgen trägt ſich ſchon das junge Blut; doch wo ein Herz voll Freude ſchlägt, da iſt die Zeit noch gut. Herein, herein, du lieber Gaſt, du Freude komm, zum Mahl! Würz' uns, was du beſcheret haſt, kredenze den Pokal! Heidi, juchhel uſw., 4. Weg, Grillen, wie's in Zukunft geht, und wer das Zepter führt! Das Glück auf einer Kugel ſteht und wunderbar regiert. Die Krone nehme Bacchus hin, nur der ſoll König ſein! And Freude ſei die Königin, die Reſidenz am Rhein! Heidi, juchhe! uſw., 15 5. Beim großen Faß zu Heidelberg, da ſitzet der Senat und auf dem Schloß Johannisberg der hochwohlweiſe Rat! Des Herrn Miniſter Negiment ſoll beim Burgunderwein, der Kriegsrat und das Parlament ſoll beim Champagner ſein! 6. So ſind die Rollen ausgeteilt und alles wohlbeſtellt; ſo wird die kranke Zeit geheilt und jung die alte Welt. Der Traube Saft kühlt heiße Glut, drum leb das neue Reich, ein Zechermut, ein wahrer Mut. Der Wein macht alles gleich. Rückblicke eines alten Burſchen. 1. O alte Burſchenherrlichkeit! wohin biſt du entſchwunden? Nie kehrſt du wieder, goldne Zeit, ſo froh und ungebunden. Vergebens ſpähe ich umher, ich finde deine Spur nicht mehr. O jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum. 2. Den Burſchenhut bedeckt der Staub, es ſank der Flaus in Trümmer. Der Schläger ward des Roſtes Raub, verblichen iſt ſein Schimmer. Verklungen der Kommersgeſang, verhallt Rapier⸗ und Sporenklang. O jerum etc. 3. Wo ſind ſie, die vom breiten Stein nicht wankten und nicht wichen, die ohne Spieß bei Scherz und Wein dem Herrn der Erde glichen? Sie zogen mit geſenktem Blick in das Philiſter⸗ land zurück. O jerum etc. 4. Da ſchreibt mit finſterm Amtsgeſicht der eine Relationen, der andre ſeufzt beim Anterricht, und der macht Recenſionen, der ſchilt die ſündge Seele aus und der flickt ihr verfallnes Haus. O jerum etc. 5. Allein das rechte Burſchenherz kann nimmermehr er⸗ kalten; im Ernſte wird, wie hier im Scherz, der rechte Sinn ſtets walten. Die alte Schale nur iſt fern, geblieben iſt uns doch der Kern, und den laßt fern uns halten. O jerum etc. 6. Drum, Freundel reichet euch die Hand, damit es ſich erneue, der alten Freundſchaft heilges Band, das alte Band der Treue. Klingt an und hebt die Gläſer hoch, die alten Burſchen leben noch, noch lebt die alte Treue. O jerum etc. Eugen Höfling. 1825. 16 Dem Burſchentum. 1. Wenn die Becher fröhlich kreiſen, wenn in vollen Sanges⸗ weiſen tönt ſo manches Helden Nuhm, ja, da muß man dich auch ſingen, muß auch dir die Becher ſchwingen, dir, du altes Burſchentum! 2. Fragt ihr, wo die Freiheit wohne? Auf Europas wei⸗ ter Zone habt ihr nimmer ſie geſehen; nur bei alter, treuer Sitte, in der Burſchen froher Mitte mag ihr Tempel noch beſtehn. 3. Froh u. frei, wie's unſre Alten einſt zu ihrer Zeit ge⸗ halten, leben wir, ſo lang es gilt. Freuen uns mit leerer Taſche, wenn uns nur aus voller Flaſche klar der braune Nek⸗ tar quillt. 4. Nicht in marmornen Trophäen kann die ſpäte Nach⸗ welt ſehen, was wir Brüder hier getan; doch zum Denkſtein unſern Siegen häufen wir aus leeren Krügen hohe Pyramiden an. 5. Mit dem Humpen in der Linken wollen wir dein Wohlſein trinken, altes, frohes Burſchentum; mit dem Hieber in der Rechten wollen wir dich kühn verfechten, freies, tapfres Burſchentum. Rückkehr des alten Studenten. 1. Reicht mir das alte Burſchenband und reicht die alte Klinge, daß ich zum Ritt gen Heidelberg mich jetzt aufs Röß⸗ lein ſchwinge. Heut fühl ich heiß Studentenblut durchs Herz noch einmal wallen, mir iſt, als hört ich Becherklang und Schlä⸗ gerklirren ſchallen, mir iſt, als hört ich Becherklang und Schläger⸗ klirren ſchallen. 2. Mir iſt, als ſäh ich jugendfriſch die alten Freunde wieder, als hörte ich von Lieb und Wein die alten frohen Lieder. And wie von jungem Liebestraum die alten Lieder tönen,; mir iſt, als ſäh ich wieder ſie, die ſchönſte aller Schönen.,: 17 3. Da ſtreut noch einmal auf die Welt der Frühling ſeine Blüten, wie damals als in Lieb und Luſt die jungen Herzen glühten. Füllt mir den Becher bis zum Nand, und hell ſei angeklungen, zu Ehr und Preis von Heidelberg, dem alten ewig jungen! Friedr. Perey Weber. 1886. Lebensluſt. 1. Weg mit den Grillen und Sorgen, Brüder, es lacht ja der Morgen uns in der Jugend ſo ſchön. Laßt uns die Becher bekränzen, laßt bei Geſängen und Tänzen uns durch die Pilger⸗ welt gehn, bis uns Cypreſſen umwehn! 2. Flüchtig verrinnen die Jahre; ſchnell von der Wiege zur Bahre trägt uns der Fittich der Zeit. Noch ſind die Tage der Roſen; ſchmeichelnde Lüftchen umkoſen Buſen und Wangen uns heut: Brüder, genießet die Zeit! 3. Fröhlich zu wallen durchs Leben, trinken vom Safte der Reben, heißt uns der Wille des Herrn. Auf denn, ihr fröhlichen Zecher, ſingt ſeine Güte beim Becher! Fröhliche ſieht er ſo gern. Preiſet den gütigen Herrn! 4. Sehet in Oſten und Weſten keltert man Trauben zu Feſten: Gott gab zur Freude den Wein! Gott ſchuf die Mädchen zur Liebe, pflanzte die ſeligſten Triebe tief in den Buſen uns ein. Liebet und trinket den Wein! 5. Dräut euch ein Wölkchen von Sorgen, ſcheucht es durch Hoffnung bis morgen! Hoffnung macht alles uns leicht. Hoff⸗ nung, du ſollſt uns im Leben liebend und tröſtend umſchweben, und wenn Freund Hein uns beſchleicht, mache den Abſchied uns leicht! A. Mahlmann. Der Prager Muſikant. 1. Mit der Fiedel auf dem Nacken, mit dem Käppel in der Hand ziehn wir Prager Muſtkanten durch das weite Chriſtenland. Anſer Schutzpatron im Himmel heißt der heilge Nepomuk, ſteht mit ſeinem Stern und Kränzel mitten auf der Prager Bruck. Als ich da vorbeigegangen, hab ich Reverenz gemacht, ein Gebet ihm aus dem Kopfe recht bedächtig dar⸗ gebracht. 18 2.'s ſteht alſo in keinem Büchel, wie man's auf dem Herzen hat: Wanderſchaft mit leerem Beutel und ein Schätzel in der Stadt! Wenn das Mädel ſingen könnte, wär's gezogen mit hinaus; doch es hat'ne heiße Kehle, darum ließ ich es zu Haus. Ei, da gab es naſſe Augen,'s war mir ſelbſt nicht einerlei, ſprach ich:'s iſt ja nicht für ewig, ſchönſtes Nannerl, laß mich frei! 3. And ich ſchlüpft aus ihren Armen, aus der Kammer, aus dem Haus, konnt nicht wieder rückwärts ſchauen, bis ich war zur Stadt hinaus. And da hab ich's Lied geſungen, hab die Fiedel zu geſpielt, bis ich's in den Morgenlüften um die Bruſt mir leicht gefühlt. Manches Vöglein hat's vernommen, flög nur eins an Liebchens Ohr, ſäng ihr, wenn ſie weinen wollte, dieſes friſche Liedel vor! 4. Wenn ich aus der Fremde kommo, ſpiel ich auf aus anderm Ton, abends unter ihrem Fenſter, Schätzel, Schätzel, ſchläfſt du ſchon? Hoch geſchwenkt den vollen Beutel, ach, da giebt's'ne Muſika!'s Fenſter klirrt, es rauſcht der Laden, heilige Cäcilia! All ihr Prager Muſtkanten, auf, heraus mit Horn und Baß, ſpielt mir auf den Hochzeitsreigen, morgen leeren wir ein Faß! Wilh. Müller. Heim. 1. Bin durch die Alpen gezogen, wo die Lawine rollt, ſah, wie in Meereswogen tauchte der Sonne Gold. Aber freudig tauſchte Alpen und Meeresſtrand:, für das tannendurchrauſchte nordiſche Heimatland.“ 2. Schlöſſer ſah ich und Türme ſchimmern und marmor⸗ weiß; dunkeler Pinien Schirme wiegten im Winde ſich leis. Aber ſchöner und beſſer,— lacht mich immerhin aus—, als die Marmorſchlöſſer dünkt mich mein Vaterhaus., 3. Mägdlein durfte ich koſen, ſchlank und liliengleich, Frauen wie volle Roſen, üppig und anmutreich; Lilien aber und Roſen werden von der beſiegt,;,; die mich als Knaben mit Koſen in den Schlaf gewiegt., Rud. Baumbach. 19 In jedem vollen Glaſe Wein. 1. In jedem vollen Glaſe Wein ſeh unten auf dem Grund „ Ich deine hellen Äugelein,:, und deinen ſüßen Mund.:“ 2. Da trink ich ſchnell und warte nicht und küſſe dich im Weine,:, Aufs neue zu ſchauen dein Angeſicht,:, ſchenk ſchnell ich wieder ein!,: 3. So füll und leer mein Gläschen ich und trinke immerzu. nennt man mich nächſtens liederlich, die Schuld mein Schatz, haſt du! Studentenlied. 1. Wir lugen hinaus in die ſonnige Welt, allzeit mit lachen⸗ den Augen; des fahrenden Volkes durſtigem Schlag mag Frohes und Freies nur taugen. Wir wandern und ſingen, und naht das Glück, ſo packen wir's hurtig beim Kragen,, und trinken den Wein und küſſen die Maid, und laſſen den Eulen das Klagen., 2. Die Schriften der Alten ſtudierten wir gut: ſie haben in's Schwarze getroffen; Anakreon und Horatius, die größten der Philoſophen. Drum Alter, laß ab von ſcheltendem Tun, und denke der Söhne der lieben,,: und denke der Zeit, wo du voreinſt, vielleicht es noch ärger getrieben.:,: 3. Ein Weilchen nur währt's, ſind Saus und Braus vom Strudel des Lebens verſchlungen. Die tobenden Wogen der Jugendluſt, die himmelan jauchzend geſprungen. Philiſter heißt man, und alles iſt aus, und die am tollſten gewettert,,: ſind ſtill und ſtumm, die Lieder vertönt, die Becher der Freude zer⸗ ſchmettet.,: 4. Drum heiſa, hallo und dreingehaut! Zum Teufel mit Kummer und Sorgen! Laßt kreiſen das Horn, bis Hahnenſchrei verkündet den kommenden Morgen! Zum Trübſalblaſen kommen wir noch, wallt Blondhaar ſilbern dem Greiſe:„ Es lebe die ſelige Jugendzeit, Holdlieb und die launige Weiſe. G. H. Bienert. 20 Alte Studenten. 1. Nun friſch auf den Tiſch einen neuen Pokal, es hat ſich verlaufen die lärmende Zahl. Vermeſſenen Wortes und prahlenden Schlucks betrinkt ſich der noch nicht geläuterte Fuchs. Beim goldenen Weine, beim ſchäumenden Bier, die richtigen Zecher ſind immer nur wir, wir alten Studenten mit ſicherem Ziel: wir trinken nie wenig und niemals zu viel, wir trinken nie wenig und niemals zu viel. 2. Wir preiſen den Weiſen Altgriechenlands gleich die Eudämonia und gründen ihr Reich, olympiſche Zecher, in heiterer Nuh, und Hebe bringt Roſen und Jugend dazu. Beim goldenen Wein, beim ſchäumenden Bier, die richtigen Zecher ſind immer nur wir, wir alten Studenten mit ſicherem Ziel:,: wir trinken nie wenig und niemals zu viel.,: 3. Die alten Geſtalten germaniſcher Zeit, die waren zum Aufbruch auch niemals bereit; wir einen als redliche Nach⸗ kommenſchaft, mit griechiſcher Schönheit, germaniſcher Kraft. Beim goldenen Weine ete. 4. Es wende zum Ende ſich immer die Nacht, wir haben noch niemals der Stunden gedacht. And führt uns der Morgen durchs offene Tor, da glänzen die Wolken, da teilt ſich der Flor. Beim goldenen Weine ete. Ed. Heyck. Rote Lippen und goldner Wein. 1. Im Arm ein friſches, roſges Kind, den Becher an dem Mundo, ſo trink geſchwind, ſo ſchlürf geſchwind den Wonnekelch der Stunde! Zu bald vergeht der Sonnenſchein, zu bald die Locken greiſen. Note Lippen und goldnen Wein wollen wir rühmen und preiſen! Note Lippen und goldner Wein ſollen immer geprieſen ſein! Goldner Wein und roter Mund machen ein krankes Herz geſund! 2. Noch ſind wir jung, die Freude ſoll uns nicht umſonſt begrüßen. Die Gläſer voll, die Becher voll! Schenk ein, den Wein, den ſüßen. Du ſchönes Kind, ſchenk ein, ſchenk ein und ſing uns luſtge Weiſen. Note Lippen und goldner Wein ſollen uſw. Rittershaus. 21 — Nun laß dein braunes Röckelein. 1. Nun laß dein braunes Nöckelein im Winde luſtig fliegen!:: Die Abenddämmrung bricht herein, da ſtellt der Junker Durſt ſich ein,:, im Reigen dich zu wiegen.,: 2.:, Sei mir gegrüßt, mein Zeitvertreib, jetzt geht es an ein Tanzen!: Es hat das wonnige luſtge Weib ein Dutzend Reiflein um den Leib,:, ja Reiflein um den Ranzen.“ 3.: O ſeht ſie an, da ſchwebt ſie her, empor aus tiefem Keller!:, Heil, Bayriſch Bier, du mein Begehr, ſei mir gegrüßt, dich lieb ich mehr als Wein,, als Muskateller. 4.:,: Das Fäßlein, das mir Freuden weckt, will ich von Her⸗ zen minnen.:, Hei, wie ſich's ſträubet ſchaumbedeckt, doch iſt's umſonſt, Hurra, da ſteckt:,: der Krahn im Fäßlein drinnen., 5.:, Fahr hin, fahr hin, mein Kränzelein, ich will es gerne ſpenden,:, dem Junker Durſt, dem liebſten mein, zu eigen gern und Willen ſein:,: den Schülern und Studenten. 6.: So grüß dich Gott, du wonnig Weib, und laß dein Röcklein fliegen!:; Wir aber laben uns den Leib und küſſen dich, du wonnig Weib,:“ in durſtig vollen Zügen., Die alten Deutſchen tranken ja auch! 1. Sitz ich in froher Zecherkreiſe und nehm das volle Glas zur Hand, trink ich nach alter deutſcher Weiſe und nippe nicht nur an dem Rand! Die Väter habens uns gelehrt, wie man die vollen Humpen leert! denn die alten Deutſchen tranken ja auch, ſie wohnten am Afer des Rheins und lagen auf der Bärenhaut und tranken immer noch eins! noch eins! noch eins! ſie wohnten am Afer des Rheins, noch eins! noch einsl ſie tranken immer noch eins. 2. Wer Bacchus und Gambrinus ehret, der lebt gar löblich in der Welt, dieweil uns die Geſchichte lehret, daß beide waren hochgeſtellt! Der eine wohl ein König war, der andere ein Gott ſogar! And die alten Deutſchen uſw. 22 3. So laſſet uns die Gläſer heben und ſtimmet fröhlich mit darein; laßt Bacchus und Gambrinus leben, ſie ſollen hoch geprieſen ſein! Doch auch der Väter ſei gedacht; auch ihnen ſei der Trunk gebracht! Denn die alten Deutſchen uſw. Rudolf Waldmann. Das war der Graf von Rüdesheim. 1. Das war der Graf von Rüdesheim, mit Gütern reich beglückt, der hat des Winzers holder Maid zu tief ins Aug geblickt. Doch als er ihr die Lieb geſtand, lacht ſie ihm ins Geſicht; der Graf ritt tief gekränkt nach Haus und mied des Tages Licht.:; And er ſaß und vergaß in ſeiner Burg am Rhein ſeinen Schmerz, denn das Herz tröſtet Rüdesheimer Wein.,: 2. Wohl ſieben Jahre ſaß er ſo geſchieden von der Welt und gab für Rüdesheimer Wein hin all ſein Gut und Geld; wohl vierzig Güter gab er hin für edles Rebenblut, und als das letzte Jahr verging, ging auch das letzte Gut. Alſo ſaß und vergaß er in der Burg am Rhein ſeinen Schmerz, denn das Herz tröſtet Rüdesheimer Wein. 3. Doch als das letzte Gut vertan, ging es dem Grafen ſchlecht; ein andrer Herr bezog das Schloß, da ward der Graf ein Knecht. Die ganze Woche plagt er ſich im Wirtshaus vor der Burg; was in der Woche er verdient, bracht er den Sonn⸗ tag durch. And dann ſaß und vergaß er im Kellerloch am Rhein ſeinen Schmerz uſw. 4. And die euch dieſes Lied erdacht, die waren ſelber dort; zu Fuß kam man den Berg herab, die Gelder waren fort. Man haderte mit dem Geſchick und härmte ſich gar ſehr; da hörte man vom edlen Graf die wunderſame Mär. And man ſaß und vergaß vor ſeiner Burg am Rhein allen Schmerz uſw. Bloch, Bender. Der Sang iſt verſchollen. 1. Der Sang iſt verſchollen, der Wein iſt verraucht, ſtumm irr' ich und träumend umher. Es taumeln die Häuſer, vom Sturme umhaucht, es taumeln die Wellen ins Meer, es taumeln die Häuſer, vom Sturme umhaucht, es taumeln die Wellen ins Meer. 23 2. Die Wolken, ſie tanzen, manch Sternlein fällt, hat tief in den Wolken gezecht;:, ich ſteh' wie ein Fels, wie die Angel der Welt, wie ein Kaiſer in Freiheit und Recht.„ 3. And die Straßen durchirr' ich, die Plätze ſo ſchnell, ich klopfe von Hauſe zu Haus; bin ein fahrender Schüler, ein wüſter Geſell, wer ſchützt mich vor Wetter und Graus? 4. Ein Mägdlein winkt mir wom hohen Altan, hell flackert im Winde ihr Haar. Ich ſchlag in die Saiten und ſchwing' mich hinan, wie licht iſt ihr Aug' und wie klar! 5. And ſie küßt mich und drückt mich und lachet ſo hell; nie hab ich die Dirne geſchaut. Bin ein fahrender Schüler, ein wüſter Geſell, was lacht ſie und küßt mich ſo traut?! Wenn die Schwalben heimwärts ziehen. 2. Wenn die Schwalben heimwärts ziehn, wenn die Roſen nicht mehr blühn, wenn der Nachtigall Geſang mit der Nachti⸗ gall verklang,, fragt das Herz in bangem Schmerz, ob ich dich auch wiederſeh? 2. Wenn die Schwäne ſüdlich ziehn, dorthin, wo Zitronen blühn, wenn das Abendrot verſinkt, durch die grünen Wälder blinkt,: fragt das Herz in bangem Schmerz:, ob ich dich auch wiederſeh? 3. Armes Herz, was klageſt du? O auch du gehſt einſt zur Ruh! Was auf Erden, muß vergehn! Gibt es wohl ein Wiederſehn?:,: fragt das Herz in bangem Schmerz,:,: glaub, daß ich dich wiederſeh. Karl Herloßſohn 1830. ſ Colour& Grey Control Chart Cyan Green vellow- Hed Magenta Black Grey 2 SGrey 3S Grey 4 vvrrarerernere