1 — 1 ——— ——* 2——— — Eine Szene aus dem Gießener Studentenleben im Jahre 1777. Beim Durchblättern der„Dillenburgiſchen Intelligenz⸗Machrichten“, die als erſte Zeitung in den naſſauoraniſchen Landen vom Jahre 1773 bis 1816 erſchienen ſind, finde ich in der Nummer vom 30. Auguſt 1777 folgende auf unſere Gießener Hochſchule bezügliche Nachricht, die mir als Streiflicht auf die Frühzeit der dortigen Korporations-Satisfaftions- und Disziplinverhältniſſe der Mitteilung wert erſcheint. Ich laſſe ſie im Wortlaute und in der Orthographie Tübingen verrufen war, kam der alten Seitungsnummer folgen: „Von den auf der benachbarten Akademie zu Gieſſen unlängſt von den Studenten erregten Tumult haben wir nunmehr von zuverläßiger Hand folgende Machricht erhalten: Sin Student namens Wittenburg, welcher zuvor ſchon von Göttingen, Halle und nach Gießen und richtete mit noch einem andern M. einen ſogenannten Pfälzer-Orden auf. Die Ordensleute ſonderten ſich von den Heſſen ab deren keiner zu einem Ordens⸗ bruder angenommen wurde. Ein Heſſe wurde von einem Pfälzer Ordensbruder beleidiget, ein anderer ſo gar von ſolchem mit einem Stock geſchlagen. Hier- auf geſchahen Ausforderung und Schlägerepen in der Stadt. Die Ordensbrüder und die Heſſen wurden gegeneinander ſo verbittet, daß noch Sechſe einander ausforderten in das freie Feld. Da lief alles auf. SEinige hatten Degen, andere Piſtolen, andere Jagd⸗ gewehre. Swiſchen Gieſſen und Heuchelheim gingen die händel mit Degenſchlagen an. Darüber kam es zu einem allgemeinen handgemenge, endlich gar zum Schieſſen. Einer, welcher unvorſichtig mit einer Flinte nach einem anderen ſchlug, ging die Flinte los und er wurde durch das dicke Bein geſchoſſen. Die beyden Pedellen kamen dazu, machten durch Ab⸗ nehmung und Losſchieſſung der Gewehre im Felde der Sache ein Ende. In der Stadt gab es abermal Lermen; 80 Grenadiers aber zogen zur Verſtärkung der Wache auf, und die Studenten giengen nach Hauß. Der Haupturheber und Ordensſtifter Wiitenberg wurde tags darauf cum infamia relegiert, der An⸗ führer der heſſen aber in das Univerſitätsgefängnis gebreicht, und hernach zu dreyjähriger Gefangenſchaft auf die Marburg verurtheilt; auf ſeiner Eltern An⸗ halten aber auf Pirmaſenz gebracht und als Grenadier daſelbſt angeſtellt. Der Mitgehülf des gedachten Wittenberg wurde nach geſchehener Unter⸗- ſuchung relegiert; Drey Heſſen erhielten auf ein ſelbes Jahr ein concilium abeundi, voran aber zween aus beſonderer Gnade des Herrn Landgrafen ſofort wieder angenommen wurden. Nun mehr iſt folgende Ordnung gemacht: Welcher Student muthwillig ſeine Collegia verſäumet, ſoll ſo viele Tage ins Carcer kommen als er weggeblieben iſt, und wenn er fortfährt die Collega zu verſäumen oder ſonſt ein liederliches Leben führt, relegiert werden. Wer ſich in der Stadt heimlich oder öffentlich ſchläget, ſoll auf 4 Wochen lang incarccriret und darauf relegiret werden; auch wer ſich vor der Stadt ſchläget oder gar mit Piſtolen duelliret, ſoll ein Jahr lag incarceriret und cum infamia relejiert werden. Dieſes iſt der wahre Verlauf der Sache, welcher in unſerer Gegend auf verſchiedene Art und mit Zuſätzen erzählet wird.“ Dillenburg. Becker. aeorkae aue 1 Ganudenee Bec-knkt a d muuee b, t A‿urt, at ℳ₰„.—. Ruree,“ krr,, es Tr 1n 1 Eine Szene aus dem Gießener Studentenleben im Jahre 1777. Colour& Grey Control Chart Der Haupturheber und DOrdensſtifter wurde tags darauf cum infamia relegiert, der An⸗ führer der heſſen aber in das Univerſitätsgefängnis gebracht, und hernach zu dreyjähriger Gefangenſchaft auf die Marhurg verurtheilt; auf ſeiner Eltern An⸗ Wittenberg gebracht und als oanes naſenz g ſtellt. Der Mitgehülf des urde nach geſchehener Unter⸗ Dom Rachricht erhalten: Ein Student namens Wittenburg, welcher zuvor ſchon von Göttingen, halle und Tübingen verrufen war, kam nach Gießen und richtete mit noch einem andern M. einen ſogenannten Pfälzer⸗Orden auf. Die Ordensleute ſonderten ſich von den heſſen ab deren keiner zu einem Ordens⸗ bruder angenommen wurde. Ein Heſſe wurde von einem Pfälzer Ordensbruder beleidiget, ein anderer ſo gar von ſolchem mit einem Stock geſchlagen. Hier⸗ auf geſchahen Ausforderung und Schlägereyen in der Stadt. Die Ordensbrüder und die Heſſen wurden gegeneinander ſo verbittet, daß noch Sechſe einander ausforderten in das freie Feld. Da lief alles auf. Sinige hatten Degen, andere Piſtolen, andere Jagd⸗ gewehre. Zwiſchen Gieſſen und hHeuchelheim gingen die Händel mit Degenſchlagen an. Darüber kam es zu einem allgemeinen handgemenge, endlich gar zum Schieſſen. Einer, welcher unvorſichtig mit einer Flinte nach einem anderen ſchlug, ging die Flinte los und or wurdo durch dac dicke Bein aeichofſen Mio Wn 1 3 3 3 6 7 8 ‿ 6 8 L Blue Cyan Green Vellow HRed Magenta mite Grey Grey? Grey 3 Grey 4„21, 9 V Dillenburg. e Heſſen erhielten auf ein i abeundi, voran aber zween es Herrn Landgrafen ſofort den. Nun mehr iſt folgende Helcher Student muthwillig t, ſoll ſo viele Tage ins XEe beggeblieben iſt, und wenn X zu verſäumen oder ſonſt ein relegiert werden. ———, — auch wer ſich vor der Stadt ſchläget oder gar mit Piſtolen duelliret, ſoll ein Jahr lag incarceriret und cum infamia relejiert werden. Dieſes iſt der wahre Verlauf der Sache, welcher in unſerer Gegend auf verſchiedene Art und mit Zuſätzen erzählet wird.“ Becker. 6 laourka A „ Keeed. Sec-kukt LQa o eune. U [iſnſſai 9 ue:Ts. Olothe Wer ſich er öffentlich ſchläget, ſoll auf 14 15 16 17 18 19 20