ArhlNualnLnllerea Das Kloſter ſeinen Gefallenen. ffuuumunlflluumndlrnffffälluamudnrffffmuundllmfffrnllummdlſerflumdh. = 7 ₰ — 6 4 4 — G — Wuul lhull e ul laul e lul ea ALuudl.rffffgnllludffnälluumdlrnflumdd Das Kloſter ſeinen Gefallenen. Denn ſchön iſt's für den Tapferen, im vorderſten Gliede zu fallen, Wenn er, den Seinen ein Hort, kämpft ſür den heimiſchen Herd; Nimmer im Dunkel erliſcht ſein Ruhm und geprieſener Name, Und der Begrabene lebt als ein Unſterblicher fort. Der 22. Januar 1921 war ein Tag ernſten Gedenkens für das Kloſter; es wurde der Ehrenſchrein enthüllt, den die Kloſter⸗ brüder dem Andenken ihrer im großen Weltkrieg Gefallenen geweiht haben. Wenn auch die Taten unſerer Toten, ihr Opfer⸗ tod, in unſere der Lebenden Herzen feſter als in Erz eingegraben ſind, ſo galt es doch für alle Zeiten die Bilder und Namen dieſer Helden feſtzuhalten. Sie ſollen den jetzigen und kommen⸗ den Kloſtergeſchlechtern zurufen:„Wie wir getreu dem Vater⸗ land das Leben hingegeben, ſeid treu auch ihr! Aus ſeiner Schmach wird einſt es ſich erheben.“ In ſchlichter, aber würdiger Form iſt der Ehrenſchrein nach dem künſtleriſchen Entwurf des Gießener Architekten Hans Meyer in dunklem Eichenholz ausgeführt. Die Stirn⸗ leiſte trägt in gotiſchen Lettern die kurze ſtolze Inſchrift: „Tapfer und treu.“ Ueber die Außenfüllungen der nach beiden Seiten ſich öffnenden, mit ſchweren Beſchlägen und erhaben geſchnitzten Randleiſten geſchnitzten Türflügel, die das Innere des Schreins verhüllen, ziehen ſich die Worte: Unſere Helden 1914— 1918 Ihre Innenſeiten enthalten links den Spruch: „Ihr gabt Euer Leben dem Vaterland.“, rechts: „Das Kloſter trauert um Euch.“ In die Rückwand eingelaſſen, alſo nur bei geöffnetem Schrein ſichtbar, ſind die Bilder der gefallenen Kloſterbrüder in zwei Reihen untereinander geordnet. Umrahmt iſt der Schrein unten und ſeitwärts von einer geſchnitzten Zierleiſte aus ſtiliſierten Lorbeerblättern, in der Mitte und am Sockel der beiden ſäulen⸗ förmig auslaufenden Seitenrahmen von eiſernen Kreuzen unter⸗ brochen. Von oben endlich ſchlingt ſich um den ganzen Schrein ſeitwärts herabfallend eine aus gepreßtem Eichenlaub gewundene Guirlande, in der Mitte durch ein Band in den alten Reichs⸗ farben ſchwarz-⸗weiß⸗rot zuſammengehalten. Am Tage des 49. Stiftungsfeſtes unſeres Kloſters wurde der Ehrenſchrein von A. H. Wiener der Aktivitas als ein treues Vermächtnis übergeben. A. H. Birnbaum widmete dann unſeren Toten tiefergreifende Worte treuen Gedankens und unauslöſch⸗ — 4— licher Dankbarkeit. Sie müſſen in dieſer Gedächtnisſchrift für alle Zeiten aufbewahrt ſein. Rede bei der Gedächtnisfeier für die im Kriege gefallenen und geſtorbenen Kloſterbrüder am 22. Januar 1 921. Liebe Kloſterbrüder! Die 2. Hälfte des Monats Januar 1921 läßt an 2 Tagen die Erinnerung an die Vergangenheit, die ja nie ſchläft, mit ganz beſonders ſchmerzlicher Eindringlichkeit in unſren Herzen erklingen. In den letzten Tagen hat ganz Deutſchland, trotz Entente und Beſetzung und vielleicht dort noch tiefer wie ſonſt wo, in Wehmut und doch im ſtolzen Bewußtſein deſſen, was unſer war, des Tages vor 50 Jahren gedacht, an dem unter dem Rauſchen der ſieggeſchmückten Fahnen aller deutſchen Stämme die Sehnſucht der Beſten erfüllt, dem neuge⸗ ſchmiedeten Reiche ſein Kaiſer gekürt wurde; im erinnerungs⸗ reichen Spiegelſaale des Verſailler Schloſſes, der ſchon nur 48 Jahre ſpäter desſelben Reiches tiefſte Schmach ſehen ſollte.„Eine Totenklage“ nannte ein Redner das Gedenken dieſes Tages, um mahnend fortzufahren:„doch kein jämmerliches Winſeln vor dem Auslande, kein Verzagen, ſondern ein Anfang zu neuem Aufſtieg!“, und weiter:„durch alle Klage ringe ſich, wie im Nibelungenring, das Heldenmotiv ſieghaft hindurch!“— In wenigen Tagen wiederum gedenken wir, gedenkt jeder Deutſche, dem nicht Parteifanatismus den letzten Reſt menſchlichen Mit⸗ gefühls geraubt hat, der Vergangenheit, wenn wir dem Manne unſren ſtillen Gruß ſenden, der nach einem, nur dem ſeines Volkes vergleichbaren Sturze aus ererbter, unerſchütterlich ſcheinender Höhe und ſtrahlendem Glanze fern in der Fremde, am Sterbelager ſeiner treuen Lebensgefährtin ſeinen 62. Geburtstag begeht. Zwiſchen dieſen beiden Tagen, von ihrer Stimmung getragen, begehen wir heute am Tage der 49. Wiederkehr unſrer Gründung, das Gedächtnis unſrer Toten. Vom Chrenſchreine, den wir vorhin enthüllt, grüßen uns ihre Bilder, geſchmückt mit den ſchwarz⸗weiß⸗roten Farben ihres, des alten Reiches, deſſen gigantiſchen Kampf ſie mikgekämpft, im Glauben an deſſen Größe und endlichen Sieg ſie ihr Leben dahingegeben haben. Und indem wir der Toten ſinnend gedenken, ſehen wir ſie wieder lebensvoll, ſo wie wir ſie im Leben gekannt haben, vor uns erſtehen; wie wir ſie aber ſo wieder leben glauben, fühlen wir mit neuer ſchmerzlicher Gewißheit— den Tod. Ein jeder faſt unter uns hat wohl dem einen oder mehreren beſonders nahe geſtanden, durch Bande des Blutes oder der Wahlverwandtſchaft mit ihm verbunden; er trauert um ihn be⸗ ſonders, ſein Verluſt hat auch ihn ein Stück ſeines Lebens gekoſtet und wird es immer bedeuten. Hat doch der Kloſterjahrgang 1914 bis zurück zum Kloſterjahrgang 1887 Opfer gebracht; nicht nur die blühende Jugend des Kriegsſommerſemeſters 1914, von deſſen 9 Aktiven 8 vor dem Feinde geſtanden und von deſſen Aktiven und Inaktiven wiederum 8 ihr junges Leben gelaſſen haben, iſt der akademiſchen Parole: Burſchen heraus! jubelnd gefolgt; nein, bis in den Gründerjahrgang 1872 zurück ſtanden Kloſterbrüder im Felde und mit Richard v. Hippel und Fritz Schiele haben noch die Jahrgänge 1887 und 1888 den Todeszoll ent⸗ richtet. 16 Alte Herren und 8 Aktive und Inaktive ſind die Blutzeugen des Kloſters dafür, daß auch die nicht⸗ farbentragende Korporation, die nicht durch Sport und Schule der Beſtimmungsmenſur zum Waffenhandwerk erzogen hat, im Ernſtfall ihre Pflicht zu tun weiß, wenn's um's Vater⸗ 4 land geht. Und ſo darf, ſo ſoll ſich auch„durch unſre Totenklage das Heldenmotiv ſieghaft durchringen“. Wir dürfen und wir wollen, angeſichts unſrer Toten, ſtolz feſtſtellen, daß, nicht gerechnet diejenigen, die erſt nach ihrer Heimkehr aus dem Kriege zu uns gekommen ſind und die ja, die Jüngſten vielleicht aus⸗ genommen, wohl alle den feldgrauen Rock getragen haben, und abgeſehen von den Kl. Br., die nur in der Heimat militäriſche Verwendung gefunden haben, rund 70 von damals gezählten etwa 180 Kl. Br. in der Front geſtanden haben, bis herauf zu unſrem verehrten, inzwiſchen leider auch dahingegangenen A. H. Geheimrat Will, der als über 60⸗jähriger ſich als Bataillons⸗ kommandeur im Anfang des Krieges im Oſten das E. K. geholt hat, und bis herauf zu unſrem lieben A. H. Direktor Albrecht Thaer, der Gottlob noch in voller Friſche unter uns lebt, der vom November 14 bis in's Jahr 17 hinein ſich an der Oſt⸗ und Weſtfront Verwundung, Krankheit und— das E. K. I. erworben und zuletzt noch als Beobachtungsoffizier im Flugzeug Dienſt getan hat. 2 ſeiner Söhne, liebe Kloſterbrüder, ſind ihm, ſind uns gefallen, und wir gedenken heute Abend mit beſondrem Stolze unſrer vielfachen Verknüpfung mit der Familie Thaer im Leben und im Tode und ſenden dem ſchwergetroffenen Vater, der ſo viel für ſein Vaterland getan und gegeben hat, unſra herzlichſten Grüße. Wir wollen, wir dürfen ſtolz darauf ſein und es im Gedächtnis der ſpäteren Kloſtergenerationen bewahren. Und unſre Toten werden es billigen, wenn wir am Tage ihres Gedächt⸗ niſſes, von ihnen ausgehend und zu ihnen zurückführend, auch der Lebenden gedacht haben. Ein Abbild des Vaterlandes im Kleinen hat das Kloſter an allen Fronten faſt ſeine Toten zu beklagen. Auch bei der Verteidigung unſrer uns ſo unritterlich entriſſenen Kolonien, einem ganz beſondren Ruhmesblatt unter den ſo zahlreichen des Krieges, hat einer unſrer hoffnungsvollſten, beliebteſten Kl. Br., unſer lieber Haberkorn, ſein junges Leben gelaſſen. Und wie ſchon die erſten Kämpfe des 4-jährigen Ringens im Auguſt 1914 das Kloſter in tiefe Trauer verſetzten— ſtarb doch ſchon am 25. Auguſt an ſeiner in dem verluſtreichen Gefecht unſres Gießener Regiments erhaltenen ſchweren Verwundung unſer lieber Ludwig Max Becker, der ſo hoffnungsfroh und freudig erſt wenige Tage zuvor den Abſchied, den die Alma mater ihren hinausziehenden Söhnen bereitete, mitgefeiert hatte ‚„ſo brachte uns noch der 3. November 1918, wenige Tage vor dem ſo gauenvollen Ende der Tragödie, das nicht mehr zu erleben ihm vergönnt war, den letzten ſchweren Verluſt durch den Tod unſres lieben Karl Wiener, des noch ſo jungen, ſo friſchen und ſo tapferen einzigen Sohnes unſres lieben A. H. Wiener, an ſchwerer, im Keim im Felde erworbener Krankheit, deren Anſturm der durch die Kriegsjahre und Strapazen geſchwächte Körper nicht mehr ertrug. 5 Kl. Br. entriſſen uns die wenigen Monate des 1. Kriegsjahres, je ebenſoviele die Jahre 1915 und 1917, 3: 1916, 6 ſchließlich das letzte Kriegsjahr 1918. Es kann nicht meine Aufgabe ſein, die Spuren jedes einzelnen unſrer lieben Toten in’'s Leben zurückzuverfolgen. Jeder unter uns, der einem unter ihnen naheſtand, weiß, was er ihm geweſen iſt, was mit ihm hier an Hoffnungen und Erwartungen, dort an bewährter Tüchtigkeit und reifem Manneskönnen, mit allen an Freundſchaft und Liebe und Glück dahingegangen iſt. Und da läßt ſich die ſchwere Frage nicht zurückdrängen, die, ſeit die Welt ſteht, millionenmal ſchon dem Himmel entgegen⸗ geſchleudert worden iſt und nie verſtummen wird: Warum?! 35ͤ— Trotz aller Opfer an Gut und Blut ſind wir, nein haben wir uns ſelbſt vom Herrenvolke der Erde zum Knecht unſrer Feinde, zum Spielball ihrer Launen erniedrigt, koſten wir faſt mit ſelbſtquäleriſchem Genießen das alte Wort vae vietis! bis zum letzten Tropfen aus, obwohl wir doch die invieti bis zum letzten Tage geweſen ſind und erſt, als wir ſelbſt die Waffen weggeworfen, uns wehrlos gemacht, vom ſtaunenden Feinde, der uns noch heute fürchtet, uns haben in Ketten ſchlagen laſſen! Und dennoch! „Kein Verzagen, ſondern ein Anfang zu neuem Aufſtiege!“, die Mahnung des 18. Januar ſoll auch die unſre heute ſein; auch„unſre Totenklage ſoll ſieghaft durchdrungen ſein vom Heldenmotiv“! Man hört häufig ausſprechen, hat’s wohl ſelbſt in einer Stunde tiefſten Ekels und der Verzweiflung einmal geſagt und auch gefühlt:„Glücklich die Toten, die den Jammer unſrer Tage nicht mehr zu ſehen brauchen, die dahingegangen ſind, als Deutſchland noch groß und geachtet war, im Vertrauen auf ſeinen endlichen Sieg“. Es wäre unendlich traurig, wollten wir damit unſere Gefühle für unſre Toten erſchöpfen; dann wären ſie in der Tat umſonſt gefallen, dann wäre das Warum berechtigt. Ja, ſie ſind glücklich, weil ſie für einen großen Gedanken, für's Vaterland gefallen ſind und ſeine Größe, ſeinen Sieg mit in ihr Grab genommen haben, wo ſie ſie hüten bis zu ihrer Wiedererweckung dereinſt. Sie haben ihr Leben, wenn’s auch jung verklungen iſt, erfüllt, gewonnen, nach dem Schiller⸗ wort: Und ſetzet Ihr nicht das Leben ein, nie wird Euch das Leben gewonnen ſein! Sie haben den fauſtiſchen höchſten Augen⸗ blick gefühlt, nach dem alles andre ſchaal iſt. Jeder, der in Not und Todesgefahr draußen geſtanden, hat ja wohl einen Schimmer wenigſtens des Hochgefühls einmal empfunden, den höchſte Pflicht⸗ erfüllung vor'm Feinde, das Losgelöſtſein von allen Beziehungen und Gewohnheilen des täglichen Lebens, ausgelöſt haben. Und wer im Leben dem Kriegshandwerk am fernſten ſtand, deſſen Leben und Ideale auf ganz andren Gebieten ſpielten, vielleicht noch mehr wie andre; die Totgeweihten wohl am tiefſten. Wir haben viele Zeugniſſe dafür; wie bezeichnend iſt die Stelle in dem Briefe von Otto Braun, dem Frühvollendeten, den er ſeinen Eltern nach ſchwerem Kampfe ſchrieb, in dem viele ſeiner Leute, in dem ſein beſter Freund gefallen, noch unter dem Eindruck von alle dem Grauen; er, der Aeſthet, der Schwärmer für die Antike, dem ein Vers von Homer oder Hölderlin, ein Bild, eine Blume Tränen der Rührung entlockten, ſagt etwa:„Ich verſichere Euch, daß da draußen in allem Schmutz und Schauder Dinge geſchehen, größer und leuchtender als viele Werke des Friedens“. Auch von einem Zeugniſſe eines der da droben will ich erzählen; ich habe es erſt einmal, am Tage der Konfirmation, meinem älteſten Jungen, deſſen Pate er war, erzählt. Es iſt ein Zeugnis voll männlicher Keuſchheit, deſſen Weichheit nur das Krankenlager dem ſonſt innerlich ſo Herben zu entlocken vermochte. Es war die Kompagnie in ſchwerem Kampfe; ſie ſtand unter ſchwerem Feuer und man wußte nicht, wo es her kam; da rief er Freiwillige zur Erkundung auf und eine helle Stimme antwortete ihm: „Wohin Sie uns führen, Herr Oberleutnant, da gehen wir alle mit!“ Er zieht mit ſeinen Freiwilligen los und wird gleich anfangs verwundet; ein Mann trägt ihn zurückz es iſt derſelbe, der den Ruf getan, ein— Fabrikarbeiter. Da hat er das Wort „Kameradſchaft“, ihm ſonſt„in ſeiner öden Kriegervereinsbedeu⸗ tung“ verhaßt, zum erſten Mal gefühlt. Und wie er dann verbunden vom Verbandsplatz zurückgeht, da fühlt er ein ſolches Hochgefühl in ſich aufſteigen, das Gefühl,„nicht nur vor andren, nein, vor ſich ſelbſt ſeinen Mann geſtanden zu haben“, daß er, der reife Mann, laut alle die Lieder ſingt, die deutſche Be⸗ geiſterung für Volk und Vaterland in Worte und Töne geſetzt haben, die Wacht am Rhein, Deutſchland über alles uſw., eines nach dem andren. So, ähnlich, haben ſie wohl alle einen Moment erlebt. Aber wir, die wir leben, wollen ihnen den Tod nicht neiden, ſondern uns dieſes Lebens als eines Geſchenkes, eines unverdienten, froh bewußt ſein; als einer Tatſache, die verpflichtet, die Aufgaben heiſcht von jedem von uns, von der Jugend zumal! Die Jungen und Jüngſten, denen dieſe Zeit, erſt ſo ungeheuer groß und jetzt ſo erbärmlich klein oft, ihr Leben prägt, ſie müſſen erkennen, daß ſie Aufgaben vor ſich haben, jede einzelne ausreichend, ein Menſchenleben auszufüllen. Und die Akademiker, die künftigen Führer des Volkes, des heute ſo irregeleiteten, vor Allem! Verſtehen wir unſre Aufgaben recht und verſuchen wir, ein jeder an ſeinem Platze, ſeine Pflicht zu tun, wie ſie unſre Toten getan haben! Und ſo will ich mit einem Worte an unſre Aktivi⸗ tas, an die kommenden Generationen ſchließen: Auf der Kneipe, der Stätte frohſter, ungebundenſter Jugendluſt, hängt nun der Ehrenſchrein mit den Bildern unſrer Toten, den wir in Eure Hut geben. Sie, die einſt ſelbſt hier froh geweſen, ſchauen nun im Bilde auf Euch herab. Ein memento mori? Nein, ein memento vivere! Nicht ſoll der Gedanken an Tod und Vergänglichkeit Euch den Frohſinn rauben; wollte Gott, es herrſchte erſt wieder mehr echter Frohſinn auf der Welt, ſie wäre beſſer! Die kommende Zeit, einſt von Schwärmern das Jahrhundert des Kindes, ein ſpieleriſches, geheißen, wird, wenn nicht alle Zeichen trügen, ein eiſernes werden; ſie braucht, allen Pazifiſten, Feminiſten und Träumern zum Trotze, deren hohle Träume die Weltgeſchichte wie eine Feder in die Luft blaſen wird, ein eiſernes Geſchlecht. Unſre Jugend muß noch einmal, ſollen wir nicht an jeder Zukunft, an jeder Gerechtigkeit des Weltgeſchehens verzweifeln, auf den Plan treten; wer weiß, wann! Sie muß das neue Deutſchland wieder ehr⸗ lich machen, es herauspauken vor dem Konvent der Weltgeſchichte! Und dazu ſoll ihr, iſt erſt einmal die Jugend, die ſelber dabei geweſen, in's Philiſterium gegangen und wächſt die Generation heran, an der moderne Erziehung ſich verſündigt, das Vorbild unſrer Toten ſtets vor Augen ſtehen. Die Bilder der Toten ſollen ihr ſagen, daß der alte Wahrſpruch unſrer alma mater: litteris armisque ad utrumque parati, mit dem ſchon einmal ein Kloſterbruder beim 25⸗ jährigen Gedenken der Tage von 70/71 namens der Studenten⸗ ſchaft den Toten Treue gelobt hat, kein leeres Wort für Kommers⸗ begeiſterung iſt, daß er verpflichtet: die litterae im Leben und zum Leben, die arma zum Kampfe und, muß es ſein, noch einmal zum Sterben! So, in dieſem Geiſte wollen wir unſrer Toten gedenken und ihr Gedächtnis heiligen. Und ſo können wir heute, nachher, morgen, nach alter Tradition, beim Klang der Becher und Lieder den Tag froh begehen, an dem unſer Bund vor 49 Jahren begründet. Unſre Toten werden unter uns leben! Unſere Toten, ſie ſollen unter uns leben. Das Gedächtnis an jeden einzelnen von ihnen ſollen die nachfolgenden Lebens⸗ beſchreibungen wachhalten. Das Kloſter glaubt zum 50 jährigen Stiſtungsfeſte keine würdigere Gabe ſeinen Angehörigen dar⸗ bringen zu können. Sie ſterben— aber uns erhebt Das Wort: Wer ſo ſtirbt, lebt. 1. Dr. Ludwig Max Becker. rec. 31. I. 03. Ludwig Max Becker wurde am 15. Dezember 1882 zu Friedberg in Heſſen als Sohn des praktiſchen Arztes Dr. K. Becker geboren. Er beſuchte das humaniſtiſche Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt, das er Oſtern 1901 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Das Studium der Rechtswiſſenſchaft führte ihn nach Genf, Berlin, München und im Herbſt 1902 nach Gießen. Hier wurde er wie ſein Bruder Georg im Kloͤſter aktiv, bei dem auch ſein älteſter Bruder Wilhelm als Gaſt verkehrte. Im Frühjahr 1904 beſtand er ſein Referendarexamen. Als Refe⸗ rendar erhielt er ſeine Ausbildung in Friedberg und Darmſtadt, wo er im Herbſt 1907 ſein Aſſeſſorexamen machte. Nach einer längeren Reiſe durch Frankreich kehrte er nach Friedberg zurück, wo er zunächſt als Regierungsaſſeſſor am Kreisamt und zu⸗ gleich als Hilfsarbeiter an der Handelskammer beſchäftigt war. Im Herbſt 1908 trat er in das J.⸗R. 116„Kaiſer Wilhelm“ ein, um ſeiner militäriſchen Dienſtpflicht zu genügen. Nach Beendigung des Dienſtjahres promovierte er im Herbſt 1909 auf Grund einer wiſſenſchaftlichen Unterſuchung über die Heim⸗ arbeit im weſtlichen Vogelsberg bei der rechts⸗ und ſtaats⸗ wiſſenſchaftlichen Fakultät in Würzburg zum Dr. iur. Ende des Jahres 1909 verließ er den Staatsdienſt, um bei der Japan⸗Export⸗Firma Itties u. Co. in Hamburg einzutreten. Vor Beginn des Krieges war er Prokuriſt dieſer Firma. Bei Kriegsausbruch kehrte er in die Heimat zurück, um von dort mit ſeinem Regiment auszuziehen. Begeiſtert und durch ſeine frohgemute Stimmung andere begeiſternd nahm er noch an dem Gottesdienſte und dem akademiſchen Umzug teil, mit dem die alma mater ihre Söhne ins Feld entließ. In dem erſten Gefecht des Regiments in den Kämpfen um Neufchateau am 22. Auguſt 1914 wurde er bei Anloy ſchwer verwundet. Erſt am andern Tage fand man ihn auf der Walſtatt und brachte ihn in ein Bauernhaus. Dort iſt er am 25. Auguſt geſtorben. Mit ſo vielen Kameraden, die bei Anloy gefallen ſind, iſt er dahingegangen in den Tagen höchſter nationaler Begeiſterung und Einigkeit. 2. Walther Falkenhagen. rec. 18. XI. 05(S. S. 06 Kloſterälteſter). Walther Karl Falkenhagen wurde am 5. Februar 1886 in Bingerbrück als Sohn unſeres Kloſterbruders Profeſſor Falken⸗ hagen geboren. Er beſuchte zunächſt die Realſchule in Michel— ſtedt i. O., ſodann das Ludwig-Georgs⸗Gymnaſium in Darm⸗ ſtadt, wo er Oſtern 1904 ſein Maturitätsexamen beſtand. Dann ———— ☛ widmete er ſich dem Studium der Rechtswiſſenſchaften in Hei— delberg, Berlin und Gießen. Sein Referendarexamen beſtand er 1909, um dann vom Herbſt 1909—1910 ſeiner einjährigen Dienſtpflicht in Darmſtadt beim Leibgarde⸗Inf.⸗Regt. Nr. 115 zu genügen. Nach dem i. J. 1913 beſtandenen Aſſeſſorexamen trat er als Juriſt bei der Süddeutſchen Eiſenbahn⸗Geſellſchaft ein. Der Ausbruch des Krieges rief ihn als Reſerveoffizier ſeines Regiments in das Landwehr⸗Regt. Nr. 116. Als Kompagnie⸗ offizier der 1. Kompagnie dieſes Regiments fiel er am 8. Sep⸗ tember 1914 bei Vitry⸗le Francois. Wer ihn gekannt hat, dem wird ſeine friſche, fröhliche Art unvergeßlich bleiben. 3. Fritz Schiele. rec. 25. III. 88. Wilhelm Friedrich Karl Anton Schiele wurde am 10. Auguſt 1870 in Hirzenhain in Oberheſſen geboren als Sohn des Inge nieurs Friedrich Schiele und ſeiner Ehefrau Amalie, geborenen Buderus. Nach dem Beſuch der Gymnaſien in Gießen und Büdingen diente er als Einjähriger beim Inf.⸗Regt. Kaiſer Wilhelm Nr. 116 in Gießen. Dann ſtudierte er Chemie in Gießen, Karlsruhe und Leipzig und war Aſſiſtent bei Oſtwald in Leipzig und bei Bunte in Karlsruhe. Die erſte praktiſche Tätigkeit übte Fritz Schiele auf dem Schlacken⸗Cement⸗Werk der Buderusſchen Eiſenwerke Lollar aus und hat ſich dort bei der Einrichtung rotierender Oefen für die Herſtellung von Cement verdient gemacht. Später war er vorübergehend Teil⸗ haber einer Porzellanfabrik in Orlamünde und Inhaber einer Lackfabrik in Friedrichshagen bei Berlin. Ferner war er zwei⸗ mal Mitarbeiter des Kgl. Materialprüfungsamtes Berlin⸗-Lich⸗ terfelde. Langjährige Verbindungen mit der Holzverkohlungs⸗ Induſtrie A.⸗G., Konſtanz, einer Tochter⸗Geſellſchaft der Frank⸗ furter Gold und Silberſcheideanſtalt, führten ihn nach Teslic in Bosnien, auf ein Werk der vorgenannten Aktien-Geſellſchaft. In dieſer Vertrauensſtellung hat er als Direktor ſegensreich gewirkt. Die dortigen für ſeine Familie erſchwerten Lebens⸗ bedingungen zwangen ihn aber ſchließlich zur Aufgabe der Stel⸗ lung. Nach ſeiner Rückkehr aus Bosnien iſt Fritz Schiele mit der Anwartſchaft auf den Poſten eines techniſchen Dixektors bei der Direktion der Stettiner Portland⸗Cementfabrik einge⸗ treten. Der Weltkrieg riß ihn aus ſeiner Tätigkeit heraus. Nach⸗ dem er Tilſit mit hatte entſetzen helfen und für ſein braves Verhalten als einer der Erſten zum E. K. eingegeben war, fiel er am 6. Oktober 1914 bei dem Sturm auf Schirwindt als Kompagnieführer des Landwehr⸗Infanterie⸗Regiments Nr. 48 (Küſtrin). Die Zeitſchrift„Cement“, das Organ des Vereins Deutſcher Portland⸗Cement⸗Fabriken, ſagt von ihm in dem ihm gewidmeten Nachruf:„Das gerade, offene Weſen des Verſtor— — 10— benen bildete einen Spiegel für die Lauterkeit ſeines Charakters, ein Eindruck, der durch ſeine männliche Erſcheinung noch erhöht wurde. Alles in allem ein echter deutſcher Mann, und als ſolcher iſt er auch getreu ſeiner Pflicht fürs Vaterland gefallen.“ Die Kloſterbrüder, die ihn gekannt haben, wiſſen, wie treffend dieſe Worte Fritz Schiele kennzeichnen. Fritz Schiele war ſeit 1901 mit Ottilie Buderus verheiratet. Der Ehe entſproſſen zwei Töchter. 4. Hans Kirſten. rec. 25. VII 1913(S. S. 1914 Kloſterälteſter). Hans Paul Kirſten wurde am 21. September 1891 zu Gotha als einziger Sohn des Rechtsanwalts und Notars Juſtizrat Kirſten geboren. Am Gymnaſium in Gotha beſtand er 1911 ſein Abiturientenexamen und wurde bei der Herzoglichen Ober⸗ förſterei Dietharz zwecks Eintritt in die Forſtlehre verpflichtet. Nachdem er vom Oktober 1911—1912 ſeiner Dienſtpflicht beim Thüringiſchen Inf.⸗Regt. Nr. 95 genügt hatte, bezog er zum Studium der Forſtwiſſenſchaft die Univerſität Gießen. Hier beſtand er am 1. Mai 1914 das forſtliche Vorexamen. Am 5. Auguſt 1914 rückte er mit der 9. Komp. des Inf.⸗Regts. Nr. 95 ins Feld., Bei Namur erhielt er mit ſeiner Kompagnie die Feuertaufe. Dann wurde das Regiment nach dem Oſten befördert und nahm an den ſchweren Kämpfen des Regiments bei Nordenburg und Großkarpowen am 10. und 11. September teil. Nachdem das Regiment nach Krakau befördert worden war, begann der Vormarſch nach Sandomierz. Am 10. Oktober 1914 fiel Hans Kirſten, der kurz vorher zum Offizier⸗Stellver⸗ treter befördert worden war, bei einem Nachtgefecht unmittel⸗ bar an der Weichſel in der Nähe von Nowe. Der Gefechtsbericht darüber lautet:„Durch das Eingreifen des Halbzugs Kirſten war eine Landung ſtärkerer ruſſiſcher Abteilungen im letzten Augenblick vermieden worden, denen es ein leichtes geweſen wäre, ungeſtört ihre Landungen fortzuſetzen, wenn ſie nicht auf dieſen Widerſtand geſtoßen wären. Der Führer bezahlte ſein energiſches Draufgehen mit dem Heldentod. Für das Ver⸗ halten ſeiner Abteilung zeugt der Erfolg.„Ehre dem An⸗ denken dieſes Helden,“ fügt der Oberſt des Regiments dem Bericht hinzu. Mit Hans Kirſten ging ein hoffnungsreiches junges Leben dahin. Sein Lehrer, der Forſtmeiſter Ausfeld zu Dietharz ſagt in einem Gedenkblatt, das er ſeinem Schüler gewidmet hat, über den letzten Abſchiedsgruß, den ihm Kirſten beim Aus⸗ zug 1914 ſandte:„Mit wortloſer Selbſtverſtändlichkeit der ſchwerſten Pflicht entgegen; auch in ſchwerer Stunde mit den Gedanken treuer Anhänglichkeit und Dankbarkeit bei denen, denen er ſein Herz einmal erſchloſſen hatte; den letzten Heimats⸗ gedanken aber, den letzten Gruß, für den über alles geliebten ————ä—— —,———.—— — 11— Wald— das iſt Hans Kirſten.“ Er nennt ihn einen lebhaften, für jede Weiſung unendlich dankbaren Schüler mit einer tief im Gemüt wurzelnden Neigung zum Wald und Wild; einen treuherzigen Menſchen, vornehm und doch voll natürlicher Lie⸗ benswürdigkeit, einen friſchen, lebensfrohen Geſellſchafter. Er betont neben dieſen heiteren Weſenszügen ſeine Pflichttreue, ſeinen Drang zu gründlichem Vorwärtsarbeiten.„Die polni⸗ ſche Heide birgt ſeinen jungen Heldenleib, ſein Andenken wahrt in Treue die Thüringer Waldheimat“, ſo ſchließt jenes Gedenk⸗ blatt. Auch im Kloſter war Kirſten bei Jung und Alt ſeines ſonnigen, liebenswürdigen, friſchen Weſens halber ganz beſon⸗ ders beliebt. 5. Dr. Wilhelm Frank. rec. 22. VI. 1912. Wilhelm Frank wurde zu Köln am 6. Dezember 1888 als Sohn unſeres Kloſterbruders Profeſſor Frank geboren. 1909 beſtand er am Kaiſer⸗Wilhelm⸗Gymnaſium zu Köln ſein Abi⸗ turientenexamen. Einer ſchon früh in ſeinem jugendlichen Herzen wachen Neigung zur Naturwiſſenſchaft folgend und ſeinen Vater als Vorbild ſtets vor Augen, widmete er ſich mit Begeiſterung dem Studium der Medizin in Bonn, Würzburg, München und Gießen, wo er ſein Staatsexamen Oſtern 1914 mit„Sehr gut“ beſtand. Kurz vor Kriegsausbruch promonierte er in Gießen zum Dr. med. Die Pflicht rief ihn nach Kriegsausbruch in die gefährlichſten Lagen. Er wurde in der vorderſten Linie mit der Funktion eines Bataillonsarztes des Regts. Nr. 88 betraut. Nie wurde er müde, die Leiden und Wunden ſeiner Kameraden zu heilen. In wehmütiger Stimmung feierte er mit ſeinem Stabsarzt und dem Sanitätsperſonal Weihnachten; draußen rollte im Argonnerwald der Kanonendonner und knatterte das Gewehrfeuer. Er ſollte das Weihnachtsfeſt nicht lange überleben. Am 21. Januar 1915 fiel er auf der Höhe 191 bei Maſſiges in der Champagne durch einen Volltreffer, der den Sanitätsunterſtand traf. 2 Sanitätsſoldaten waren ſofort tot, er ſtarb bei der Ueberführung ins Lazarett.„Sein Leben hinzugeben fürs Vaterland, das iſt des Schweißes der Edeln wert“, ſchrieb er in einem Briefe in die Heimat.„Der Weg, den ich zu gehen habe, iſt mir klar vorgezeichnet, ſelbſt wenn es der Weg des Todes iſt. Ich hadere mit meinem Schickſal nicht. Den Weg ſind die Beſten gegangen, ich bin nicht zu ſchlecht dazu“, heißt es in einem anderen. Im Grunde ſeines Herzens war er voll Güte und von anſpruchsloſer Beſcheiden⸗ heit, nie darauf aus, ſeine Perſon zur Geltung zu bringen. Sein Ideal war die ſtille Pflichterfüllung, die nicht nach Ehren und Anerkennung haſcht. 6. Dr. Fritz Thaer. rec. 4. XI. 05. Fritz Thaer wurde als vierter Sohn unſeres Kloſterbruders Albrecht Thaer I am 5. November 1887 in Berlin geboren. Nach dem Beſuch der Oberrealſchule in Halle a. S. und Ham- burg ſtudierte er Mathematik und war in Gießen ein ſehr eifriges Mitglied des Kloſters. 1911 promovierte er und machte das Staatsexamen, um darnach an der Oberrealſchule auf der Uhlenhorſt in Hamburg den Vorbereitungsdienſt anzutreten. Im Jahre 1912 erkrankte er ſchwer, konnte aber nach ſorgſamer Pflege nach einem halben Jahr die Arbeit wieder aufnehmen. Die letzte Zeit vor dem Kriege war er wiſſenſchaftlicher Hilfs⸗ lehrer an der Oberrealſchule zu Eimsbüttel in Hamburg; dort wurde er auch, während er im Felde ſtand, als Oberlehrer angeſtellt. Bei Kriegsausbruch ſuchte er vergeblich bei Tele⸗ graphentruppen, wo er ſeine phyſikaliſchen Kenntniſſe hätte ver⸗ werten können, anzukommen. Deshalb trat er bei der Infanterie ein und kam im November 1914 zum Landwehr⸗Inf.⸗Regt. 31 an die Angerappfront. Im Februar 1915 wurde er zum Gefreiten befördert. Nach kurzem Vormarſch während der Winterſchlacht in Maſuren wurde ſein Regiment an der oſt— preußiſchen Südgrenze neu eingeſetzt. Dort fiel er am 17. Februar 1915 bei einem nächtlichen Patrouillengefecht zwiſchen Kolno und Stawiski. 7. Fritz Flöring. rec. 23. V. 14. Fritz Flöring wurde am 21. Auguſt 1893 in Friedberg i. H. als Sohn des damaligen Profeſſors am Predigerſeminar ge⸗ boren. 1901 kam er auf das Ludwig-Georgs⸗Gymnaſium in Darmſtadt. Herbſt 1911 bezog er als ſtud. iur. die Uni⸗ verſität Leipzig; Oſtern 1914 kam er nach Gießen. Nur ein Semeſter konnte er ſich im Kloſter ſeiner Jugend freuen, da rief auch ihn der Krieg. Am 14. Auguſt 1914 trat er als Kriegsfreiwilliger bei der Infanterie ein und rückte mit dem Reſ.⸗Inf.⸗Regt. 221 am 11. Oktober 1914 ins Feld, zunächſt in die Gegend von Lille. Dann machte er die Kämpfe im Oſten um Lodz mit. Infolge einer Fußeiterung kam er Weichnachten 1914 ins Lazarett nach Bernburg, dann nach Darmſtadt. Am 16. März rückte er zum zweiten Male ins Feld und kam zum Reſ.⸗Inf.⸗Regt. 254 nach Nordpolen in die Gegend von Prasnyz, dann nach Suwalki, Sejny, Krasnovol. Hier erhielt er am 29. März 1915 einen Kopfſchuß, an dem er am 7. April 1915 im Lazarett zu Königsberg geſtorben iſt. N T 1 8. Carl Curſchmann. rec. 16. WI. 94. Carl Curſchmann wurde am 15. Dezember 1876 zu Gießen als Sohn des damaligen Gymnaſiallehrers Dr. Fritz Curſche⸗ mann geboren. Oſtern 1878 wurde ſein Vater nach Darmſtadt verſetzt; hier beſuchte Carl Curſchmann die Vorſchule und die unteren Klaſſen des Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſiums, dann war er ein Jahr auf dem Progymnaſium zu Friedberg und von Oſtern 1889 an Schüler des Gießener Gymnaſiums; hier machte er 1894 ſein Abiturientenexamen. Die Rechte ſtudierte er dar⸗ auf zunächſt 2 Semeſter in Gießen, dann ebenſo lange in Leipzig und ſchließlich wieder in Gießen. Vom 1. Oktober 1897 bis zum Oktober 1898 leiſtete er ſeiner einjährigen Militärpflicht Genüge beim Großh. Inf.⸗Regt. 116„Kaiſer Wilhelm“. Im Herbſt 1901 beſtand er in Darmſtadt ſein Staatsexamen und nahm nun zunächſt eine Stelle als Aſſiſtent der juriſtiſchen Fakultät der Univerſität Gießen an. Aber ſchon im Frühjahr 1902 gab er dieſe Stelle auf, um die Stelle eines Magiſtrats⸗ aſſeſſors, ſpäter des juriſtiſchen Beigeordneten, der Stadt Gie⸗ ßen zu übernehmen. Von dort ſiedelte er im Oktober 1907 als Beigeordneter nach Barmen über, im Sommer 1912 wurde er dort zum Erſten Beigeordneten gewählt. Dieſe Stelle bekleidete er, als der Krieg ihn zu den Fahnen rief. Beim Reſ.⸗Inf.⸗Regt. 236 trat er als Oberleutnant der Landwehr ein. Bei Poelcapelle am 21. Oktober 1914 verwundet, war er bis zur Heilung dieſer Verwundung in Barmen. An⸗ fang Februar 1915 kam er wieder als felddienſtfähig zu ſeinem Regiment nach Flandern. Hier wurde er bald Hauptmann. Mit ſeiner Kompagnie lag er in der Gegend von Rumbeke im Schützengraben. Hier traf ihn am 24. April 1915 beim Sturm auf St. Julien ein Granatſchuß am Knie. Als man ihn kurz darauf zurücktragen wollte, vollendete eine zweite Granate das Werk der erſten. Sein Burſche beſtattete ihn am 27. April auf dem Militärfriedhof an der Wegkreuzung Langemark⸗Poelcapelle. In der Blüte ſeiner Mannesjahre ging ein ſelten tüchtiger Menſch dahin. Sein Barmener Freund und Kollege Markull hat ihm Gedenkblätter gewidmet, die zeigen, welche Hochachtung, Liebe und Verehrung unſer Kloſterbruder überall beſaß. Es heißt darin:„Der Wille zu Tat und Macht und eine Ueberlegen⸗ heit, wie ſie allein ſchon ſolcher Wille verleiht, das ſprach aus ſeinen Augen bald mit der Güte und bald mit der Härte des Starken. Aller Adel und aller Reichtum ſeiner Seele lag in ihnen und alles Schöne fand in ihnen ſeinen Widerſchein.“ Und an anderer Stelle, wo Markull von ſeinem Wirken ſpricht: „Weit und tief reichten ſeine Kenntniſſe, und zumal die Wiſſen⸗ ſchaft ſeines Berufs war ihm ein vertrauter und meiſterlich gehandhabter Beſitz.— Am Leben ſelber mußte er ſich meſſen, auf Tat und Wirkung ſtand ſein Sinn gerichtet und mit der — 14— immer reicheren Entfaltung ſeiner Kräfte wuchs auch das Ver⸗ langen, ſie ungehemmt, zu eigenem Recht und eigener Pflicht, an verantwortlich leitender Stelle zu betätigen. Er fühlte ſich zum Führer und Herrn geboren, und er durfte es. Denn dem Wiſſen und Wollen geſellte ſich ein Können von ſeltener Stärke.“ Und weiter:„In Wort und Tat ein Eigener, der niemandem Macht über ſich ließ. So gewann er ſich die Herzen der Men⸗ ſchen, und Geltung und Einfluß, Vertrauen und Liebe fielen ihm zu, wohin er kam. Als Vorgeſetzter durfte er viel ver⸗ langen, weil er ſich ſelbſt nicht ſchonte und auch dem Letzten ſeiner Untergebenen das Gefühl der Kameradſchaft entgegen⸗ brachte, immer bereit, ſich ſeiner anzunehmen und für ihn ein⸗ zutreten. Mit aufrichtiger Anhänglichkeit haben es ihm die Beamten, mit freudiger Hingabe ſeine Soldaten gedankt.“ Dann an einer anderen Stelle:„Licht und Wärme gingen von ihm aus über viele.— Es iſt ein wehmütig lohnender Gang, ihm nachzugehen durch die lange Reihe derer, die ihm naheſtanden. Jeden nahm er in ſeiner Art, und ſo verſtand er es, mit allen umzugehen.— Kleinheit und Erbärmlichkeit, Selbſtſucht und alles Unedle waren ihm verhaßt, und hier gab's keine Nach⸗ ſicht auch für andere. Das aber war das Geheimnis ſeiner Macht über die Menſchen: Die Lauterkeit ſeines Wollens und Empfindens, die ſtrenge Zucht, und mit ihr die Herrſchaft über ſich ſelbſt.— Ein hohes Gut war ſeine Freundſchaft.“ Markull ſchließt ſeine Gedenkſchrift mit den Worten, die uns aus dem Herzen geſchrieben ſind:„In fremder Erde ruht, was an ihm ſterblich war. Wir aber tragen unſern Schmerz mit Stolz, denn er war unſer.“ 9. Richard Kern. rec. 19. XI. 1903. Forſtaſſeſſor Richard Kern wurde am 6. Dezember 1883 in Darmſtadt geboren. Nach Abſolvierung des Ludwig⸗Georgs⸗ Gymnaſiums genügte er ſeiner einjährigen Militärpflicht bei dem Leibgarde⸗Inf.⸗Regt. 115 in Darmſtadt. Vom Sommer⸗ ſemeſter 1903 an widmete er ſich dem Studium der Forſtwiſſen⸗ ſchaft zuerſt in München, dann in Gießen. Nach im Frühjahr 1906 beſtandenem Referendarexamen war er als Forſtreferendar auf den Oberförſtereien Alsfeld, Lampertheim und Ober⸗Ram⸗ ſtadt tätig. Am 16. November 1908 beſtand er das Staats⸗ examen und wurde zum Großh. Heſſ. Forſtaſſeſſor ernannt. Nach vorübergehender Tätigkeit auf verſchiedenen Oberförſtereien und auf der Fürſtlich Stolberg⸗Wernigerodeſchen Oberförſterei Bendawitz bei Colonnowka in Oberſchleſien trat Richard Kern am 1. November 1909 der Biltmore⸗Foreſt School Biltmore ——— sso u —————.— — 185— U. S. A. als perſönlicher Aſſiſtent des Direktors Dr. C. A. Schenk bei. Dieſe amerikaniſche Forſtlehranſtalt begleitete er auf ihren weit ausgedehnten Studienreiſen, die ihn durch die verſchiedenen forſtlich intereſſanten Gebiete Deutſchlands und zweimal nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika führ⸗ ten. Im Nov.. 1912 verließ er dieſe Stelle, um eine ſtaatliche Verwendung als Forſtaſſiſtent der Großh. Bade⸗ und Kurver⸗ waltung in Bad⸗Nauheim anzutreten, wo er bis zum Aus⸗ bruch des Krieges tätig war. Im September 1910 hatte er ſich mit der Schweſter unſeres Kloſterbruders Boſſelmann, Frl. Guſtel Boſſelmann, in Darmſtadt vermählt. Am 1. Auguſt 1914 trat Richard Kern als Leutnant d. L. I den Kriegsdienſt an. Nach kurzem Kommando in Butzbach und Gau⸗Biſchofsheim wurde er dem Reſ.⸗Inf.⸗Regt. 222 zugeteilt und rückte als Kompagnieführer mit ihm am 23. Oktober 1914 ins Feld. Bis Ende November kämpfte er in Nordfrankreich, dann wurde das Regiment nach dem Oſten abtransportiert und nahm an dem Vormarſch in Polen teil. Von Januar 1915 ſtand er mit dem Regiment in den Karpathen und hatte dort neben außerordentlich ſchweren und verluſtreichen Kämpfen bei furchtbarer Kälte und meterhohem Schnee die größten Stra⸗ pazen und Entbehrungen zu ertragen. Während der im Früh⸗ jahr 1915 einſetzenden großen Karpathen⸗Offenſive der Ruſſen wurde Richard Kern am 27. Mai, als er, inzwiſchen zum Ober⸗ leutnant befördert, das 3. Bataillon ſeines Regiments führte, bei Bania, ſüdlich Stryi, durch eine Schrapnellkugel am Kopfe verwundet. Am 31. Mai 1915 iſt er im Lazarett in Skole, wohin er kurz nach erfolgter Operation verbracht worden war, ſeiner Verwundung erlegen. Zunächſt auf dem Friedhof in Skole beigeſetzt, wurde er im Januar 1916 nach Darmſtadt überführt. Sein zweites Kind, ein Mädelchen, hat er nicht mehr ſehen ſollen. Sein Regimentskommandeur hat ihm fol⸗ genden Nachruf gewidmet:„Wir alle trauern tief um den Tod dieſes lieben Kameraden. Er war ein vortrefkflicher, umſich⸗ tiger Offizier, der ſich in den ſchwierigſten Lagen glänzend be⸗ währte und mit ſeiner Ruhe für ſeine Untergebenen ſtets ein glänzendes Vorbild war. Seine Vorgeſetzten ſchätzten ihn alle hoch, ſeine Untergebenen gingen mit ihm gegen jeden Feind und ſeine Kameraden ſahen ihn alle gern und beklagen tief den Verluſt des Beſten unter ihnen. Ich ſpeziell habe mit ihm den tüchtigſten Frontoffizier verloren, dem ich die ſchwierigſten Aufgaben anvertrauen konnte, er iſt mir unerſetzlich.“ Dieſem Urteil des Kommandeurs werden alle Kloſterbrüder, die Richard Kern gekannt haben und ihm nähergeſtanden haben, voll und ganz beiſtimmen. Er war der prächtigſten Menſchen einer, zuverläſſig und treu in ſeiner Arbeit wie in ſeiner Freund⸗ ſchaft. Ein Menſch, deſſen Seele fleckenlos war, eine anima randida. — 16— 10. Dr. Willi Thaer. rec. 28. XI. 1905. Willi Thaer wurd als dritter Sohn unſeres Kloſterbruders Albrecht Thaer Iham 24. September 1886 in Berlin geboren. Nach dem Beſuch der Oberrealſchule in Halle a. S. und Ham⸗ burg beſtand er Oſtern 1905 die Reifeprüfung. Er ſtudierte zunächſt in Gießen, dann in Göttingen und Breslau Land⸗ wirtſchaft. Eine kleine wiſſenſchaftliche Arbeit veröffentlichte er ſchon in Breslau; er kam dann als Aſſiſtent an das land⸗ wirtſchaftliche Inſtitut nach Göttingen, promovierte dort 1911 und beſtand ſein Staatsexamen. Vom Herbſt 1911 an diente er ſein Jahr beim Pionier⸗Bataillon Nr. 11 in Münden. Später ſtudierte er noch einige Monate am Kolonialinſtitut in Ham⸗ burg, um dann beim Kaliſyndikat in Berlin einzutreten. Als deſſen Vertreter ging er Anfang 1914 nach Chile. Nach Aus⸗ bruch des Krieges gelang es ihm, über Panama⸗ Newyork⸗ Chriſtiania nach Deutſchland zurückzukommen. Er trat als Vize⸗ feldwebel beim Pionier⸗Bataillon Nr. 11 ein und kam Anfang 1915 als Leutnant ins Feld an die Bzura⸗Front, vor Warſchau zur 2. Reſ.⸗Komp. Pion.⸗Batl. 11. Mit dieſer kam er im Früh⸗ jahr zum Beskidenkorps in die Karpathen. Dann wurde die Truppe gegen Serbien eingeſetzt. Bei einem mißlungenen Donauübergang blieb er unverletzt, wurde aber kurz darnach bei Semendria leicht verwundet. Noch unvollſtändig geheilt, ging er im Januar 1916 wieder hinaus zu ſeiner inzwiſchen in die Argonnen verlegten Kompagnie. Hier wurde er am 18. Februar 1916 beim Abſtecken eines Grabens zwiſchen Binar⸗ ville und la Harazee von einem Minenſplitter getroffen und ſtarb zwei Tage ſpäter an den Folgen der Verwundung, als zweites ſchweres Opfer der Familie Thaer, von der nun noch der Vater und der älteſte Sohn im Felde ſtanden. 11. Ludwig Schweisgut. vec. 31. X. 1909. Ludwig Schweisgut wurde am 7. Juni 1889 zu Fürth i. O. geboren. Nach Abſolvierung des Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſiums zu Darmſtadt beſtand er dort Oſtern 1907 die Reifeprüfung. Von April 1907 diente er ſein Jahr beim Leibgarde⸗Inf.⸗Regt. Nr. 115 in Darmſtadt ab. Dann ſtudierte er von 1908—1911 die Rechte in München, Kiel und Gießen, wo er 1911 ſein Reſerendarexamen beſtand. Als Referendar trat er dann ſeinen Vorbereitungsdienſt am Amtsgericht in Darmſtadt an. Hier war er bei Ausbruch des Krieges bei dem Rechtsanwalt Juſtizrat Bender beſchäftigt. Nach einigen Wochen läſtigen Wartens— er hatte keinen Geſtellungsbefehl, ſondern nur eine Paßnotiz— konnte er bei ſeinem Regiment eintreten und ZHurde dort ſofort Ofſizierſtellvertreter. Als ſolcher kam er Anfang Oktober ins Feld nach dem Weſten in die Gegend von Roye. Im Dezember 1914 wurde er zum Leutnant befördert. Im November 1915 kam ſein Regiment in die Gegend von Arras. Weihnachten 1915 wurde er Kompagnieführer der 5. Kompagnie. Januar 1916 kam er in die Gegend von Verdun, ſein Bataillon gehörte zum Sturmtrupp. Am 23. Februar fiel er dort beim Sturm auf Beaumont; ein Bauch⸗ und Kopfſchuß hatte ſeinem vielver⸗ ſprechenden jungen Lebens ſchnell ein Ziel geſetzt. Er war zu⸗ nächſt bei Beaumont beerdigt, von dort holte ihn nach drei Wochen ſein Feldwebel und brachte ihn auf den Friedhof nach Chaumont bei Damvillers. Im Februar 1917 wurde er nach der Heimat überführt und dort beigeſetzt. 12. Ludwig Gerhard. rec. 29. IV. 1913(Kloſterälteſter W. S. 13/14). Ludwig Gerhard wurde als Sohn des Gymnaſiallehrers Dr. Heinrich Gerhard, unſeres l. Kloſterbruders, am 27. Dezbr. 1892 in Darmſtadt geboren. Schon 1893 übernahm ſein Vater die Leitung der Realſchule in Michelſtadt, die dann auch Ludwig, als er herangewachſen war, abſolvierte. Daran ſchloß ſich der Beſuch der beiden Primen des Realgymnaſiums in Darmſtadt. Oſtern 1910 beſtand er die Reifeprüfung. Ludwig ging zuerſt nach Freiburg i. B., dann nach Gießen, um Nationalökonomie und die Rechte zu ſtudieren. Zu Anfang des Jahres 1915 ge⸗ lang es ihm, als Kriegsfreiwilliger beim Inf.⸗Regt. 116(„Kaiſer Wilhelm“) angenommen zu werden. Nach einem Vorbereitungs⸗ kurſus für Reſ.⸗Offz. in Döberitz erreichte er die Qualifikation und die Beförderung zum Vizefeldwebel. Am 6. Dezember 1915 rückte er ins Feld zum aktiven Regiment Nr. 116. Auch er machte wie ſein vorgenannter Kloſterbruder Schweisgut den Sturm auf Beaumont vor Verdun am 24. Februar 1916 mit. Am nächſten Tag beim Sturm auf Louvemont wurde er am linken Unterarm verwundet. Nach ſeiner Geneſung rückte er am 6. Juni zum zweitenmal ins Feld. Dieſes Mal fand er ſein Regiment in Stellung bei Cerny an der Aisne. Von dort ging es im September an die Somme, wo das Regiment am 13. d. M. bei Bouchavesnes in den Kampf eingriff. Hier erwarb ſich Ludwig Gerhard gleich in den erſten Tagen als Zugführer das E. K. II. Er ſollte es aber nicht mehr tragen, ſchon am 20. September fiel er bei einem Sturm auf die franzöſiſche Stellung bei Bouchavesnes, nachdem er kurz vor dem Sturm beim Einſehen des Gefechtsfeldes durch Granatſplitter im Ge⸗ ſicht und an den Händen verwundet worden war, ſich aber von ſeinen Kameraden nicht vom Sturm zurückhalten, ja nicht einmal richtig verbinden ließ. In der dem Kampftage folgenden Nacht wurde ſeine Leiche von den Franzoſen, vor deren Graben — 18— er in einer Entfernung von ca. 25 m lag, eingeholt. Sein freundliches, immer hilfsbereites Weſen, ſein liede rfrohes Spiel hatte ihn zu einem guten Kameraden gemacht, der ſeinen Freun den unvergeßlich bleiben wird. 13. Dr. Friedrich Fromme. rec. 3. III. 1896. Friedrich Emil Oskar Fromme wurde am 25. Juni 1878 als Sohn des jetzt in Gießen tätigen Geh. Hofrats Prof. Dr Fromme geboren. Seine Reifeprüfung beſtand er am Gymna ſium zu Gießen Oſtern 1896. Dann widmete er ſich dem Stu⸗ dium der Medizin in Gießen und Straßburg i. E. von 1896 bis 1901. Volontäraſſiſtent war er an der Mehiziaiſchen Klinik in Gießen und am pathologiſchen Inſtitut in i7 slau, dann Aſſiſtenzarzt an der Frauenklinik in Halle von 1903—1907, Oberarzt dieſer Klinik von 1907— 1910. 1906 lans er ſich an der Univerſität Halle habilitiert und erhielt 1909 den Pro ſeſſortitel. Seit 1910 war er ſtellvertretender Hirntur der Univerſitätsfrauenklinik an der Kgl. Charité in Berlin und Dozent der Berliner Univerſität. Seit 1911 war er verheiratet. Als der Krieg ausbrach, rückte er als Stabsarzt des Feldlazaretts 12 des 3. Korps aus. Als ſolcher machte er den Vormarſch im Weſten bis zur Marne mit und dann den Rückzug bis zur Aisne. Im Herbſt 1915 kam er mit ſeinem Feldlazarett nach Serbien; 1916 nach der Verdunfront, im September nach Un garn an die rumäniſche Front. Dort erkrankte er Mitte No vember an einer ſchweren Sepſis, der er am 22. Januar 1917 im Kriegslazarett in Kronſtadt erlag. Mit ihm iſt ein außer⸗ ordentlich tüchtiger und fleißiger Gelehrter dahingegangen. 14. Lothar von Saldern. Lothar von Saldern wurde am 17. September 1875 zu Lauban in Schleſien geboren. Nach Beſtehen der Reifeprüfung bezog er die Univerſität Gießen, um Forſtwiſſenſchaft zu ſtu dieren. Von da ging er auf die landwirtſchaftliche Hochſchule nach Berlin. Nachdem er dort ſein Diplomexamen gemacht hatte, war er auf verſchiedenen Gütern praktiſch tätig. Im Jahre 1911 ging er nach Amerika, wo er in der Nähe von Baltimore eine Farm pachtete. 1913 kehrte er nach Deutſcht land zurück und fand als Beamter bei der Hamburg⸗Amerika Linie Anſtellung. Troß eines ſchweren angeborenen Herzklap penfehlers und trotz des Abratens der Aerzte— er hatte des⸗ halb auch nicht dienen können trat er beim 3. Garde⸗-Ulanen Regt. in Potsdam als Kriegsfreiwilliger ein. Im Juli 1915 rückte er ins Feld und machte den Feldzug bei der Garde⸗Kav. Diviſion in Galizien und Polen mit. Bald wurde er zum Unter offizier und Vizewachtmeiſter befördert. Aber wegen Aſthma mußte er Januar 1916 zur Erſatzſchwadron nach Potsdam zurück kehren. Im April 1916 kam er zu einer Etanheninitidens⸗ kolonne nach dem Oſten. Dort wurde er im Juli 1916 zum Leutnant der Garde⸗Landwehr⸗Kavallerie befördert. Sein Herz⸗ leiden verſchlimmerte ſich indeſſen immer mehr, auch trat noch ſchwerer Rheumatismus hinzu, ſodaß er im Januar 1917 in das Lazarett nach Bialyſtock kam; von dort wurde er im März in das Städtiſche Krankenhaus nach Frankfurt a. O. über wieſen. Hier erlag er ſeinem ſchweren Leiden am 26. Ma 1917. In Arolſen(Waldeck) liegt er begraben. 15. Hugo Schmidt. rec. 29. IV. 1913. Hugo Schmidt, der Bruder von Kloſterbruder Franz Schmidt, wurde am 16. Februar 1895 in Dittelsheim, Kreis Worms, als Sohn des Pfarrers Joh. Schmidt geboren. Er beſuchte zunächſt von 1901— 1907 das Gymnaſium zu Worms, dann von 1907— 1913 das Neue Gymnaſium zu Darmſtadt, wo er Oſtern 1913 die Reifeprüfung beſtand. Er widmete ſich dem Studium der Forſtwiſſenſchaft in Gießen. Bei Kriegs⸗ ausbruch meldete er ſich im Reſ.⸗Inf.⸗Regt. Nr. 221 als Kriegs⸗ freiwilliger und kam im Oktober 1914 zunächſt nach Frankreich, dann nach dem Oſten ins Feld. Hier machte er die Karpathen⸗ kämpfe mit und rückte allmählich zum Vizefeldwebel auf. Auch eine Verw keirdnne⸗ trug er bei dieſen Kämpfen davon. Nach der Teilnahme an einem Offizierkurſus im Lockſtädter Lager wurde er bei ſeinem Regiment zum Leutnant der Reſ. befördert,. 1917 kam er mit ſeinem Regiment wieder nach Frankreich, bei Verdun machte er die ſchweren Abwehrſchlachten mit. Am 27. Juli 1917 verunglückte er tödlich wheond eines Kurſus in Carignan durch eine Handgranatenexploſion. 16. Karl Stahl. vec. 28. X 1911. Karl Stahl war geboren am 25. Okt. 1890 zu Sürahne i. Elſ. als Sohn des damaligen Hauptmanns und Diviſions⸗ adjutanten Karl Stahl. Nach dem Tode ſeines Vaters beſuchte er das Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium in Darmſtadt, an dem er 1908 die Reifeprüfung beſtand. Von Oktober 1908— 1909 ge⸗ nügte er ſeiner Militärpf licht bei dem Feldart.⸗Regt. Nr. 61 in Darmſtadt. Im Oktober 1909 begann er das Studium der Rechtswiſſenſchaft an der Univerſität Freiburg i. B., um es in Berlin und Gießen fortzuſetzen; hier beſtand er im Früh⸗ jahr 1913 die juriſtiſche Fakultätsprüfung. Seinen Vorberei⸗ tungsdienſt erledigte er bis Kriegsausbruch in Darmſtadt. Am 12. Aug. 1914 rückte er als Vizewachtmeiſter zum Militär ein und kam bereits am 19. September 1914 auf ſein ausdrück⸗ liches Geſuch hin an die Front, an der er, abgeſehen von einer kurzen Abkommandierung zu einer Meßplan-Abteilung nach ſeiner Verwundung in der Champagne-Schlacht 1916, bis zu ſeinem Heldentod ſtand, im Dezember 1914 zum Leutnant und Anfang 1917 zum Batterieführer befördert. Am 30. November 1917 fiel er bei einem Sturm auf Bourlon bei Cambrai. Ueber ſeinen Heldentod ſchreibt ein Kamerad:„Er wußte genau, daß es auf Leben und Tod ging.(Er hatte nämlich den ſchweren Auftrag bekommen, mit ſeiner Batterie über das offene Feld gegen den Feind vorzufahren zur moraliſchen Unterſtützung der Infanterie.) Trotz ſeines ſchweren Auftrages war er aber ſo unbekümmert, daß ich ihn bei Seite nahm und fragte, ob er ſich eigentlich klar ſei, was wir tun müßten. Da meinte er: „Gewiß. Ich glaube nicht, daß viel übrig bleibt und bin darauf geſaßt, daß ich daran glauben muß. Wenn wir aber— ob lebend oder tot— durch unſer Vorgehen die Infanterie vor⸗ reißen, zum Sieg ſind keine Opfer vergebens geweſen.“ Ein Augenzeuge des heldenhaften Verhaltens der Brigade, dem die Stoßbatterien beigegeben waren, ſprach ſchriftlich dem 21. Reſ.⸗ Feldart.⸗Regt. ſeine hohe Anerkennung für das ausgezeichnete Verhalten der Batterien und ihrer Führer aus.„Ich war Augenzeuge von dem muſtergültigen, glänzenden Verhalten der Batterie und ihres heldenhaften Führers,“ ſo ſchreibt jener Kommandeur. Nachdem Karl Stahl unter dem ſtärkſten Feuer ſeine Batterie in Stellung gebracht hatte, ging er noch weiter vor, um eine Beobachtungsſtelle zu ſuchen. Da traf ihn ein Granatſplitter und raffte den Tapferen hinweg. Am 20. Febr. 1918 wurde ſeine Leiche nach der Ueberführung auf dem alten Friedhof bei Darmſtadt beigeſetzt. Wer von den Kloſterbrüdern den Verſtorbenen kannte, der ſchätzte ihn hoch, und es gab manchen unter ihnen, der ihn liebte, ja verehrte. 17. Eduard Haberkorn. rec. 19. XI. 1903. Eduard Haberkorn wurde am 15. Januar 1884 zu Lorſch, Kreis Heppenheim, als zweiter Sohn des Oberförſters Eduard Haberkorn geboren. Vom 6. bis 11. Jahre beſuchte er die Realſchule in Alsfeld, wohin ſein Vater verſetzt worden war, dann von Oſtern 1895 an das Gymnaſium in Gießen, das er 1903 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Er widmete ſich dem Studium der Forſtwiſſenſchaft und beſuchte von Oſtern 1903 an die Univerſitäten München und Gießen. Im Frühjahr 1906 beſtand er das Referendarexamen und begann nun ſeinen Vorbereitungsdienſt bei der Abteilung für Forſt⸗ und Kommunal⸗ verwaltung bei dem Miniſterium der Finanzen in Darmſtadt. Dort genügte er auch ſeiner Militärpflicht bei dem 2. Großh. Heſſ. Feldart.⸗Regt. 61. Am 1. Oktober 1907 ſetzte er ſeinen Vorbereitungskurſus fort bei der Oberförſterei Mitteldick, ſpäter auf der Oberförſterei Romrod. 1903 beſtand er die Aſſeſſor⸗ prüfung; er erhielt unter 9 Referendaren die erſte Stelle. 1910 ging er nach Berlin an das Seminar für Negerſprachen; 1911 trat er dann in den Reichskolonialdienſt und reiſte am 5. Jan. 1911 zum erſten Male nach Deutſch⸗Oſtafrika aus. Dort war er im Forſtfach als Kolonialbeamter angeſtellt. Als engliſche Tücke den europäiſchen Krieg auch in die Kolonien nach Afrika trug, da trat er als Leutnant der Reſ. in die Schutztruppe für Deutſch⸗Oſtafrika über. Als ſolcher hat er den mit ſo unge wöhnlichen Schneid geführten Feldzug unter Lettow⸗Vorbeck mit⸗ gemacht und ſich dabei als Offizier der zweiten Batterie(Ge⸗ birgsbatterie) ſehr ausgezeichnet. Gewöhnlich wurden die bei den Geſchütze, aus denen die Batterie beſtand, einzeln verwendet, ſodaß Haberkorn meiſt ſelbſtändig handelte. Beſonders in den Geſechten bei Narungombe und Mihambia und den Rückzugs gefechten an der Kilwafront nahm das Geſchütz Haberkorn ruhm vollen Anteil. Am 6. Oktober wurde leider ſein Geſchütz durch⸗ Rohrkrepierer in tauſend Stücke zerſprengt, Haberkorn wurde dabei leicht verletzt. Am 15. November fiel er bei Chiwata, Bezirk Lindi, als Führer einer Kompagnie. Er hat mit dazu⸗ beitragen können, daß Lettow⸗Vorbeck und der Reſt ſeiner hel⸗ denhaften Kameraden unbeſiegt, mit dem Lorbeer unvergäng licher Taten geſchmückt, heimkehren konnten. Wer Haberkorn gekannt hat, der weiß, daß er für die ſchwierigſten Lagen der rechte Mann geweſen iſt. Große Arbeitskraft und Zielbewußt⸗ ſein zeichneten ihn aus, ein weites Feld der Tätigkeit mußte er vor ſich haben, deshalb trieb es ihn auch hinaus in die Kolonie, da war Neuland, nach dem ſein Tätigkeitsdrang verlangte. Das Schickſal hat ihn ebenſo wie ſeine beiden treuſten Kloſter freunde Curſchmann und Kern ein Opfer des Krieges werden laſſen. 18. Dr. Richard von Hippel. rec. 28. IV. 1882. Richard von Hippel war am 12. Juni 1869 zu Königsberg i. Pr. geboren worden. Seine Schulbildung erhielt er auf dem Gymnaſium in Gießen, das er Oſtern 1887 mit dem Reifezeugnis verließ. In Heidelberg beſtand er, nachdem er die Univerſitäten Gießen, Tübingen, Königsberg und Halle beſucht hatte, im Winter 1893/94 die Staats⸗ und Doktorprüfung mit der Note „ſehr gut“. Darauf war er 5 Jahre lang Aſſiſtent an den chirurgiſchen Kliniken in Gießen, Straßburg und Berlin; hier 3 ½ Jahre bei Exz. von Bergmann. Nach vorübergehender ſpezialärztlicher Tätigkeit trat R. v. Hippel ins aktive Sanitäts offizierkorps über und war 3 Jahre als Stabsarzt, ſpäter als Inhaber einer chirurgiſchen Privatklinik in Kaſſel tätig. Im Frühjahr 1907 folgte er einer Berufung als leitender Arzt der Kaiſerswerther Diakoniſſenanſtalten. Unbefriedigende Be⸗ ruſsſtellung und Unmöglichkeit einer ſorgfältigen Kindererzie⸗ hung veranlaßten November 1908 ſein Ausſcheiden aus dieſer 00 Stellung und 2 Niederlaſſung in Gießen. Von dort ſiedelte er nach Berlin über. Seine wiſſenſchaftlichen Arbeiten bewegten ſich hauptſächlich auf dem Gebiete der Chirurgie und haben Anerkennung und Beachtung in Fachkreiſen gefunden. Bei Beginn des Krieges ſtellte ſich R. von Hippel— er war ſeit 1899 verheiratet— freiwillig wieder zum Heeresdie nſt. Als Stabsarzt war er anfangs Chefarzt einer Reſ.⸗Sanitäts⸗ kompagni in Flandern, dann in Galizien. Im Mai 1915 wurde er Oberſtabsarzt und ein halbes Jahr ſpäter Chefarzt eines Feldlazaretts. In Flandern, Polen, Ser bien, am Narocz⸗See, am Stochod und in den Karpathen fand er viel Arbeit und war mit ganzer Seele Soldat und den Verwundeten ein Helfer Den letzten Urlaub verbrachte er mit ſeiner Familie in Th lirin⸗ gen, begeiſtert von der Frühlingsſchönheit Deutſchlands, felſen ſeſt überzeugt vom endlichen Siege des Vaterlandes. Im Au zaußt 1917 zog er ſich in Nowo Ailerun ef bei einer Operation, die dem betreffenden Feldwebel das Leben rettete, eine Infektion zu, die zu einer ſchweren Sepſis führte. Faſt 7 Monate mußte er unerhörte Qualen ertragen, bis ihn der Tod am 7. März 1918 in ſeiner Vaterſtadt Königsberg erlöſte. Er hatte in einem Lazarett in Wilna Felegen mit letzter Energie noch ſeinen heißen Wunſch erfüllt geſehen, daß er in die deutſche Heimat überführt wurde, um dort zu ſterben. Auf dem alten Militärfriedhof in Königsberg iſt er begraben. 19. Erich Lahr. rec. 10. XI. 1906. Erich Lahr war am 6. Auguſt 1886 zu Zwingenberg an der Bergſtraße als Sohn des Amtsgerichtsdirektors Geh. Ju ſtizrats Dr. Lahr geboren. Er beſuchte das Ludwig⸗Georgs Gymnaſium in Darmſtadt und beſtand dort Oſtern 1905 die Reifeprüfung. Das Studium der Rechtswiſſenſchaft führte ihn dann an die Univerſitäten Lauſanne, München und Gieſion⸗ Hier brach er ſein Studium ab, um als Beamter der Mitteldeutſchen Kreditbank in Berlin einzutreten. In dieſer Stellung blieb er bis zum Ausbruch des Krieges. Als Kriegsfreiwilliger zunächſt nicht angenommen, meldete er ſich ſofort beim Roten Kreuz und wurde nach kurzer Ausbildungszeit mit einer Sanitäts kolonne nach Flandern geſandt. Entſprechend ſeinem Wunſche, dem Vaterlande auch mit der Waffe zu dienen, meldete ſich Erich Lahr im Juli 1915 von neuem zum Heeresdienſt und wurde beim Inf.⸗Regt. Nr. 117 angenommen. Nach der Ausbildung rückte er im Juli 1916 als Vizefeldwebel und Offizier⸗Aspirant ins Feld nach Galizien. Dort wurde er dem Reſ.⸗Inf.⸗Regt. Nr. 223(48. Reſ.⸗Diviſion) zugeteilt. Nach den Kämpfen an der Strypa und Zlota Lypa wurde er im November 1916 zum Leut nant befördert. Als ſolcher führte er die 8. Kompagnie ſeines Regiments. Während ſeines erſten Urlaubs kam ſeine Diviſion nach dem Weſten in die Gegend von Verdun. Dort machte Erich Lahr als Ordonnanzoffizier beim Regimentsſtab die ſchweren Kämpfe um die Höhe 304 mit. Später wurde er nach Abſolvierung eines dreiwöchentlichen Kurſus in Saarburg Führer der neugebildeten Nachrichtenabteilung. Das Regiment lag zu dieſer Zeit im Ober⸗Elſaß. Von da kam es im April 1918 nach Flandern in die Gegend von Armentiere. Hier ſtarb Erich Lahr am 26. 4. 18 in Neuf⸗Berquin bei Merville bei einer feindlichen Beſchießung den Heldentod. Er fiel noch im frohen Glauben an den Sieg unſerer guten Sache. Sein be⸗ ſcheidenes, freundliches Weſen hatte ihn allen, die ihn kannten, lieb gemacht. 20. Ernſt Klump. rec. 12. VI. 1910. Ernſt Karl Hermann Klump war am 6. Juni 1892 als zweiter Sohn des Geh. Forſtrats Ernſt Klump zu Langen, Kreis Offenbach geboren. Nach Beſuch der Realſchule in Langen und der Oberrealſchule in Darmſtadt beſtand er Oſtern 1910 die Reiſeprüfung. Er bezog darauf die Univerſität Gießen, um ſich dem Studium der Forſtwiſſenſchaft zu widmen. Ein reger Sinn für Naturbeobachtung, für das Leben im Walde und den forſtlichen Beruf beſeelte ihn von Jugend auf. Frühjahr 1912 beſtand er die forſtliche Vorprüfung und im Frühjahr 1914 die Fakultätsprüfung, nachdem ihn ein Sommerſemeſter auch nach München geführt hatte. Seinen praktiſchen Kurſus leiſtete er bei der Oberförſterei Alsfeld ab. Der Weltkrieg riß ihn Mitte Oktober 1914 aus ſeinem geliebten Berufe. Bei der Erſatz Abt. des Feldart.⸗Regts. 61 in Darmſtadt trat er ein. Von dort kam er nach kurzer Zeit zur Erſ.⸗Abt. Reſ.⸗Feldart.⸗Rgt. Nr. 48 nach Jüterbog. Mitte Februar 1915 kam er zum Reſ.⸗ Feldart.⸗Regt. 48 nach dem Oſten ins Feld. Hier machte er in dem ſehr ſtrengen Nachwinter die Stellungskämpfe bei Czyzak in den Karpathen mit. Unter dem Einfluß von Kälte, Strapazen und Entbehrungen erkrankte er Anfang April ſchwer. Nach La— zarettbehandlung in Schleſien kehrte er an die galiziſche Front, zurück; dort nahm er teil an den vielen Kämpfen an der Zlota⸗ Lipa, Strypa und am Sereth. Im April 1917 kam ſein Regiment nach dem Weſten. Am 19. Juli 17 wurde er als Leutnant, da ihm ein kurzes Kommando zu einer Fliegerabteilung vor Verdun große Begeiſterung für Weſen und Aufgaben des Flieger dienſtes eingeflößt hatte, zum Armeeflugpark 5 und bald dar nach zwecks Ausbildung als Fliegerbeobachter nach Poſen, Stolp, Köln und Doblen bei Riga kommandiert. Vom 16. 3. bis 14. 5. 1918 nahm er dann als Fliegerbeobachter an den Stellungs⸗ kämpfen der Weſtfront teil. Am 14. Mai 1918 wurde er weſt lich Moronvillers im Luftkampf mit 2„Spadt“, die ihn beim Einſchießen ſchwerer Artillerie bei trübem Wetter überraſchten, 24 durch M. G. Schuß am rechten Unterſchenkel ſchwer verwundet, Nach Behandlung in verſchiedenen Lazaretten kam er ſchließlich in das Vereinslazarett Eliſabethenſtift nach Darmſtadt. Hier trat eine Blutvergiftung ein, der man anfangs keine Bedeutung beimaß vein Zuſtand verſchlimmerte ſich aber, und nach ſchwerem Leiden entſchlief er in der Nacht vom 29. Juli. Er hat Deutſchlands Schmach nicht mehr erleben brauchem,. 21. Carl Schliephake. rec. 2. V. 1912 Carl Schliephake, Sohn unſeres Kloſterbruders des Mini ſterialrates Carl Schliephake, war am 2. Juli 1893 in Darm⸗ ſtabt geboren, Er beſuchte zunächſt das alte Gymnaſium zu Darmſtadt, ſpäter dann nach Verſetzung ſeines Vaters als Kreis rat nach Erbach i. O. die Realſchule zu Michelſtadt; vom Frühjahr 1909 bis Oſtern 1912 bis zum Beſtehen der Reife prüſung das Realgymnaſium zu Darmſtadt. Nach anfänglichem kurzen Studium der Medizin wandte er ſich in Gießen, Berlin und Heidelberg dem Studium der Rechte zu. Beim Ausbruch des Weltkrieges trat er bei dem Feldart.⸗Regt. Nr. 61 in Darm ſtadt als Kriegsfreiwilliger ein. Oktober 1914 zum Gefreiten befördert, kam er zum Feldart⸗Regt. Nr. 104 ins Feld nach dem Weſten; hier nahm er an den Stellungskämpfen an der Ancre teil, Januar 1916 zum Leutnant d. R. befördert, machte er die Ende Juni 1916 beginnende Ancreſchlacht mit. Am 13. Sept. 1916 wurde er zu dem in Karlsruhe neu formierten Feldart⸗Regt. 283 verſetzt und rückte mit ihm Anfang Oktober wieder nach dem Weſten aus. Hier war das Regiment an den verſchiedenſten Stellen eingeſetzt. Carl Schliephake wurde im März 1917 zur Teilnahme an einem Batterieführerkurſus in Bigny-l’'Abbaye abhommandiert. Nach ſchweren Tagen in der Champagneſchlacht wurde er Juni 1917 Abjutant der 1. Abt. ſeines Regiments, Nachdem das Regiment dann an verſchiedenen tellen hinter der Front ausgebildet worden war, beſonders auch als Nahkampftruppe, wurde es im Frühjahr 1918 zur Teilnahme an der großen Weſtoffenſive in Richtung auf Noyon eingeſetzt; dabei verlor er auch ſein Pferd durch einen Bauch ſchuß. Vor Noyon wurde er wegen der vielen Verluſte der 2. Abt als Batterieführer der 5. Baktr. in dieſe verſetzt. 2 Geſchütze mit Protzen, Bedienung und Pferden ſeiner neuen Batterie waren nebſt allen Offizieren bei dem Vorgehen über Noyon hinaus gegen den Mt. Renault auf dem Platze geblieben. Unter den größten Gefahren und Schwierigkeiten holte er durch das bren⸗ nende, mit ſchwerem Feuer belegte und ſtark vergaſte Noyon vordringend die moch brauchbaren Geſchütze zurück und rettete ſo die Ehre der ihm nunmehr anvertrauten Batterie. Am b. April wurde er bei einer Baumbeobachtung leicht verwundet. Am 26. Mai nahm das Regiment an der neuen Offenſive durch den Ailettegrund auf den Chemin des Dames teil. Während dieſer Offenſive erhielt er wegen der erfolgreichen Führung ſeiner Batterie das E. K. I, während 18 Leute ſeiner Batterie mit dem E. K. II ausgezeichnet wurden. Später nahm das Regiment an dem Vorſtoß über die Marne teil und an den heftigen Kämpfen ſüdlich dieſes Fluſſes. Inzwiſchen hatte die Gegenoffenſive des Gegners eingeſetzt, die ſiegreichen deutſchen Heere mußten weichen. Auf dem Rückzuge fiel Carl Schliephake in der Gegend von Fere en Tardendis in der Batterieſtellung durch einen Granatſplitter im Rücken getroffen am 25. Juli 1918. Er wurde in der Nähe der Stellung begraben; ſein Grab blieb dann in Feindeshand. Sein Regimentskommandeur ſagt von ihm in dem ihm gewidmeten Nachruf:„Das Regiment verliert in ihm einen hervorragend tüchtigen Offizier. Seine perſönliche Friſche und Freudigkeit übertrug er auch auf ſeine Umgebung. Er bewährte ſich gleich hervorragend als Adjutant und Batterieführer und war ein allgemein beliebter Kamerad.“ Carl Schliephake war ein Menſch, der nie viel Aufhebens von ſich gemacht hat, ſondern ſeine Pflicht ſtill und vollauf ge⸗ tan hat. 22. Wilhelm Uſinger. rec. 5. V. 1914. Wilhelm Adolf Uſinger war als Sohn des damaligen Re⸗ gierungsaſſeſſors Dr. Carl Uſinger am 13. Januar 1892 in Mainz geboren. Nach dem Beſuch der Gymnaſien in Darmſtadt, Laubach und Gießen beſtand er im Auguſt 1912 die Reife⸗ prüfung. Von Oktober 1912 bis März 1913 genügte er ſeiner Militärpflicht bei dem Inf.⸗Regt. Nr. 116„Kaiſer Wilhelm“ in Gießen; im März 1913 mußte er wegen eines Fußleidens entlaſſen werden. Einer frühen Neigung folgend, wählte er das Studium des Maſchinenbaus und der Elektrotechnik und arbeitete zunächſt im Sommer 1913 praktiſch. Zweifel, ob der gewählte Beruf der rechte für ihn ſei, ließen ihn aber im Oktober in Gießen das Studium der Medizin ergreifen. Aber bald brach die Liebe zur Elektrotechnik wieder hervor; er ging deshalb im April 1914 auf die techniſche Hochſchule nach Darmſtadt. Nach Ausbruch des Krieges kam er nach kurzer Ausbildung ins Feld nach dem Weſten als Kraftfahrer zum Telegraphenamt beim Großen Hauptquartier. Im Juli 1915 wurde er nach dem Oſten zur Kolonne 1 der Etappen Sanitäts-⸗Kraftwagen⸗Abtei lung der 9. Armee verſetzt. Tauſende von Kilometern hat er hier unter oft ſchwierigen Verhältniſſen und während gefähr⸗ licher Nachtfahrten zurückgelegt. Im März 1916 wurde er zum Offizier⸗Ausbildungskurſus in die Heimat kommandiert. Aber ſein altes Fußübel verhinderte die Beendigung des Kurſus. Er kam als Kraftradfahrer wieder nach dem Oſten zur 8. Armee mit dem Standort Libau. Im Februar 1917 mußte er ſich 26 wegen ſeines Fußübels einer Operation unterziehen, die eine mehrmonatliche Lazarettbehandlung nötig machte. Wiederher⸗ geſtellt, nahm er nun im Juli 1917 an einem Offizie raspiranten⸗ kurſus in Beverloo in Belgien mit Erfolg teil. Er tat dann Dienſt zunächſt beim Armee Fußartillerie⸗Kraftzug⸗Park Nr. 9 Mülhauſen im Elſaß, ſpäter auf badiſchem Boden bis zur N Schweizer Grenze hin. Am 20. April 1918 wurde er zum Leutnant der Reſ. befördert. Als ſolcher kam er im Juni 1918 als Führer des Kraftzugparks der 11. Batterie Reſ. Fußart.⸗ Regts. Nr. 18 an die Weſtfront. Hier wurde er bei einer Be ſchießung ſeines Lncels in der Nähe von Arcis-le⸗Ponſart (Marne) am 7. Juli durch einen Granatſplitter ſo ſchwer ver⸗ wundet, daß er, ohne ſeit ſeiner Verwundung das volle Be⸗ ußtſein wiedererlangt zu haben, in Verviers im Kriegslazarett am 7. Auguſt 1918, genau einen Monat ſpäter, ſtarb. Nach Ueberführung in die Heimat wurde er am 28. Okt. 1918 in Mainz beigeſetzt. 23. Karl Wiener. rec. 25. IV. 1914. Karl Wiener war am 3. März 1896 als Sohn des da maligen Amts zrichters Karl Wiener, unſeres Kloſterbruders, ge⸗ boren. Seine Schulausbildung genoß er auf dem Gymnaſium zu Gießen, das er Oſtern 1914 nach abgelegter Reifeprüfung ver⸗ ließ, um ſich dem Studium der Rechtswiſſenſchaft zu widmen. Am 7. Auguſt 1914 trat er als Kriegsfreiwilliger beim Erſatz⸗ Bat. des Inf.⸗Regts. 116 ein und kam mit dem erſten Mann⸗ ſchaftserſatz im Oktober zu dieſem Regiment ins Feld. Hier erhielt er die Feuertaufe in dem ſchweren und verluſtreichen Gefecht bei Le Quesnoi. Inzwiſchen zum Gefreiten und Unter⸗ offizier befördert, kam er im Auguſt zum Offiziersausbildungs⸗ kurſus in das Lockſtädter Lager. Am 6. Nov. 1915 erfolgte ſeine Beförderung zum Leutnant d. R. Als ſolcher wurde er dem Inf.⸗Regt. Nr. 140 rugohatl bei dem er während des weiteren Kriegsverlaufes blieb, ſeit März 1917 als Kompagnie⸗ führer. Das Regiment gehörte zur 4. Diviſion, die als ſoge nannte Sturmdiviſion ſtets an beſonders gefährlichen Stellen eingeſetzt wurde. So war Karl Wiener an den meiſten ſchweren Kampfhandlungen an der Weſtfront beteiligt und erwarb ſich bei der Erſtürmung der Höh e 304 bei Verdun das E. K. II und am 21. An pril 1917 bei der Sppen gung und Exroberung eines fran⸗ zöſiſchen Blockhauſes in der hüi he von Berry au bac das E. K. I. Die Verleihung erfolgte laut ſ fehl für ſein ſchneidiges Vorgehen am 21. 4. Karl Wiener ſchreibt ſelbſt in einem Briefe vom 25. April darüber:„So ein orengung iſt eine tolle Sache, man wird rein verrückt, wenn einem beim Vorgehen die dicken Erdklumpen ſo auf den Kopf regnen. Meinen rechten Arm haben mir die Schollen auch gehörig verklopft, ein paar 27— Tage konnte ich nicht ſchreiben.“ Die Tat vom 21. 4. iſt im Heeresbericht vom 22. 4. 1917 beſonders erwähnt. Auch bei der Offenſive im Frühjahr 1918 kämpfte Karl Wiener in vorderſter Linie. Sein Regiment drang ſo weit vor, daß ſie wieder unzerſchoſſene Dörfer und grünende und blühende Bäume ſahen, ein Anblick, der ganz überraſchend wirkte, wie er in einem Briefe ſchrieb. Bis dahin unverwundet geblieben, traf ihn am 19. Auguſt 1918 bei Vieux Berquin eine engliſche Ma ſchinengewehrkugel. Die Engländer waren an dieſem Tage mit überlegenen Kräften links und rechts von ihm durchgebrochen. Trotzdem hielt er die Stellung noch 2 Stunden, bis auch die letzte Patrone verſchoſſen war. Auf dem Rückzuge aus dieſer Stellung erhielt er dann den Schuß durch den linken Ober⸗ ſchenkel. Die Heilung der Wunde dauerte ihm zu lange. Auf ſeinen Wunſch wurde er noch nicht völlig geheilt zum Regiment entlaſſen, dort aber, weil noch nicht dienſtfähig, auf 3 Wochen in die Heimat beurlaubt. Am 29. Oktober wollte er zu ſeiner Truppe zurückkehren, zwei Tage vorher erkrankte er aber an Grippe, die das junge, hoffnungsvolle Leben am 3. Nov. 1918 auslöſchte. Karl Wiener war ein tief angelegter, ernſt gerichteter Menſch von großer Willensſtärke und liebenswürdigem Weſen. An ſeiner inneren und geiſtigen Ausbildung arbeitete er auch während der langen Kriegsjahre, eifrig darauf bedacht, nicht dem Stumpf ſinn des Schützengrabens zu verfallen. Zeugnis dafür legen ab die im Versmaß des griechiſchen Textes verfaßten Ueber⸗ ſetzungen ſophokleiſcher Tragödien. Daneben beſchäftigte er ſich viel mit Kantiſcher Philoſophie. Mit den Angehörigen ſeiner Kompagnie verband dieſen vortrefflichen Menſchen enge Kame⸗ radſchaft; in ihren perſönlichen Nöten wandten ſie ſich gern an ihn, der ihr Zutrauen in hohem Maße beſaß. Das Regiment ſagt in dem Nachruf über ihn:„Tiefbetrübt verliert das Re giment in ihm einen Offizier von vornehmer Geſinnung, der bei jeder Gelegenheit unermüdlichen Dienſteifer und ſeltene Pflichttreue bewieſen, der durch tapferes Verhalten und ſein in allen, auch den ſchwerſten Lagen ſtets zuverſichtliches Be⸗ nehmen auf ſeine Untergebenen ſo beſonders belebend einzu wirken verſtand.“ Wir fühlen beſonders mit dem l. Vater, der ſeinen einzigen Sohn, der während 4 ½ Kriegsjahren alle ſchwe ren Gefahren überſtanden hatte, an einer tückiſchen Krankheit am Ausgang des Völkerringens verloren hat. Der 9. November 1918 aber iſt ihm erſpart geblieben. Streut Roſen auf ihr Grab und Lorbeer auch Und laßt das eine euch zu tiefſt durchſchauern: Deutſchland zu ſchirmen bis zum letzten Hauch Und gilt es Opfer unerhört Bei unſern Toten: ſchwört! (G. Falke). knhang. Zum Schluß ſoll nöoch zweier Kloſterbrüder gedacht werden, die, wenn ſie auch nicht im großen Weltkrieg gefallen ſind, doch wohl in ihm und durch ihn den Keim zu dem Leiden empfangen haben, dem ſie dann bald darauf erlegen ſind, und deren Gedächtnis mit dem Anteil des Kloſters an dem großen Geſchehen der Jahre 1914—1918 ſo eng verknüpft iſt, daß ſie in dieſer Gedächtnisſchrift nicht fehlen dürfen: Dr. Wilhelm Will und Dr. Albrecht Thaer, zwei Männer, die auch in der Kloſtergeſchichte als Gründer und Zeit ihres Lebens treue Mitglieder und Förderer einen Ehrenplatz einnehmen. 1. Dr. Wilhelm Will genannt„Willi Will“, wurde am 12. April 1854 in Gießen als Sohn des damaligen Profeſſors Heinrich Will, des Aſſi⸗ ſtenten, Mitarbeiters und ſpäteren Nachfolgers von Juſtus von Liebig, geboren. Eine herrliche Jugendzeit war ihm in Gießen beſchieden in der Stadt, die er die ſchönſte der Welt nannte. 1872 bezog er die Univerſität ſeiner Vaterſtadt, der er die ganzen Studentenzeit über treu blieb. Sein beſonderes Studium waren die Naturwiſſenſchaften in aller Vielſeitigkeit; ſein Vater war ſein Lehrer in der Chemie; außerdem hörte er Mathematik, Geſchichte und Philoſophie. Mit glänzend beſtan⸗ denem Staatsexamen,„das ihm zugleich den Doktorhut ein⸗ trug“, ſchloß im Herbſt 1876 ſein Univerſitätsſtudium ab. Schon beim Uebergang von der Schul⸗ zu der Studentenzeit hatte ſich Will mit einigen Freunden, zu demen ſein Vetter Adolph Winter, der Sohn des„Blumen-Hoffmanns“ Karl, Georg Körner, Karl Eickemeyer, Heinrich Gerhard und Albrecht Thaer gehörten, zu einer kleinen Kneipgeſellſchaft zuſammengeſchloſſen, aus der das Kloſter entſtand. So wurde Will Mitbegründer des Kloſters, dem er bis zuletzt die Treue gehalten hat; der noch heute im Kloſter übliche Pfiff ſtammt von ihm. 1873/74 diente er ſein Jahr als Einjähriger beim 116. Inſanterieregiment. 1876 wurde er zum Leutnant, 1892 zum Hauptmann und während des Krieges zum Major d. L. befördert. Durch die engen Be⸗ ziehungen ſeines Vaters mit Profeſſor A. W. Hofmann kam Will 1876 als Aſſiſtent in das für die damalige Zeit groß⸗ artige Univerſitäts-Laboratorium Hofmanns in Berlin. Dort traf er mit ſeinem Freund G. Körner zuſammen, der bereits Aſſiſtent war. Als Hofmanns Vorleſungsaſſiſtent durfte er am 23. Januar 1879 bei einer Privatvorleſung, die ſein Meiſter 29— über die Verdichtung von Gaſen dem alten Kaiſerpaar im Berliner Schloß hielt, dabei ſein, wobei er auch zu Tiſch be⸗ ſohlen wurde. 1880 erhielt Will die Leitung der analytiſchen Abteilung des Univerſitätslaboratoriums übertragen; in dieſer Stellung blieb er bis zum Jahre 1891. 1881 habilitierte er ſich als Privatdozent an der Berliner Univerſität; der Schwer⸗ punkt ſeiner Tätigkeit lag aber weniger auf dem Katheder als im Laboratorium, in dem er zahlreichen Chemikern die erſte praktiſche Ausbildung gegeben hat. In den Herbſtmonaten 1883 war es ihm vergönnt, mit einem Freund zuſammen eine Reiſe über Holland nach England zu machen, wohl verſehen mit Hofmannſchen Empfehlungen, die ihm alle Türen öffneten; denn Hofmann hatte 20 Jahre in England doziert und genoß dort höchſtes Anſehen. In England ſah Will viel Intereſſantes und Anregendes, das in ſein Fach ſchlug, und lernte bedeutende Perſönlichkeiten kennen. Er wurde zum Mitglied des Komitees der chem. Abteilung der Britiſch Aſſociation gemacht. 8 Jahre ſpäter war er wieder dort, dann als Vertreter der Deutſchen Chemiſchen Geſellſchaft bei einer Jubelfeier der Chemical So⸗ ciety of London. In ſeine Aſſiſtentenzeit fällt eine große Reihe wiſſenſchaftlicher Arbeiten. 1891 wurde Will an das Königl. Preuß. Kriegsminiſterium berufen mit dem Auftrag, ein Inſtitut für Unterſuchung von Sprengſtoffen zu errichten. Es erhielt ſpäter den Namen„Militärverſuchsamt“ und wurde für den Weltkrieg von großer Bedeutung. 8 Jahre blieb er in dieſer Tätigkeit, die nicht immer leicht war, da ſie Reibungsflächen mit allerlei Behörden bot. 1891 wurde Will zum außerordentl. Profeſſor an der Univerſität ernannt. Nach ſeiner Verheiratung im gleichen Jahre nahm Will ſeine Wohnung in der Grunewald⸗ Kolonie, wo er ſich in der Dunckerſtraße ein behagliches Land⸗ haus im Stil der heſſ. Bauernhäuſer inmitten hoher Kiefern errichten ließ. Der Garten hielt die Erinnerung an die Um⸗ gebung der geliebten Vaterſtadt wach, an den Schiffenberg, den Gleiberg uſw. Wie viele Kloſterbrüder wurden im Laufe der Jahre hier gaſtlich aufgenommen! In Jahre 1898 beſchloß eine große Anzahl der deutſchen Waffen⸗, Munitions⸗ und Sprengſtoff⸗Fabriken zur Förderung ihrer Intereſſen ein For⸗ ſchungsinſtitut zu errichten. Will übernahm die Einrichtung dieſes Inſtituts, das bei Neubabelsberg kurz vor Potsdam er⸗ richtet wurde. Zu dieſer„Zentralſtelle für wiſſenſchaftlich-tech⸗ niſche Unterſuchungen zu Neu⸗Babelsberg“ gehörte auch eine kleine Fabrik und ein Schießplatz bei Königswuſterhauſen, alles unter Wills Leitung. Dies Inſtitut wurde vorbildlich für ähn⸗ liche Anlagen im In- und Auslande. Wegen ſeiner Erfahrungen auf dem Sprengſtoffgebiet wurde Will von Staatsbehörden in zahlreiche Ehrenämter berufen; auch dem Kaiſerl. Patentamt hat er viel Zeit gewidmet. In Anerkennung für dieſe Tätig⸗ keit ernannte ihn 1904 der Handelsminiſter zum Geh. Regie⸗ rungsrat und die Techniſche Hochſchule in Charlottenburg ver⸗ lieh ihm 1914 die Würde eines Or. ing. hon. c. Auf ſeir zahlloſen Dienſtreiſen zu den angeſchloſſenen Fabriken nahnt 9 gern ſeinen Weg über ſeine Vaterſtadt Gießen. Als geborener Gießener wurde Ahn 1907 die Ehre zuteil, bei der Taufe des neuen Ueberſee⸗Dampfers des Norddeutſchen Lloyd„Gießen“ die Taufrede zu halten. Gießen. ſah ihn zum letzten Mal bei der feierlichen Enthüllung eines Marmorreliefs A. W. von Hofmanns an deſſen Eltennhaus, hier hielt Will in ordenge ſchmückt Majorsuniform im April 1918 ſeinem geliebten Lehrer die Gedächtnisrede. Als der Weltkrieg begann, wurde Will als Hauptmann d. L. am 1. Mobilmachungstage ins Heer ein⸗ berufen. Nach 14 Tagen kam er an die Oſtfront. Bei den berühmten Kämpfen um Tannenberg war auch das 12. Erſatz bataillon beteiligt, dem Will angehörte; er zeichnete ſich dabei ſo aus, daß ihm Ende Auguſt 1914 die Führung des Bataillons anvertraut wurde. Die Verfolgung des weichenden Feindes führte ihn mit ſeinem Bataillon am 19. Sept. bei Schirwindt über die Grenze. Es ſchloſſen ſich heftige, z. T. verluſtreiche Kämpfe im Okt. und Nov. an, bei denen das Bataillon mehrere Male höchſte Anerkennung des Kommand. Generals erntete. Will ſelbſt ſ chreibt in einem Brieſe von den Tagen, die er an der Front mtmthle⸗„daß es ihm ein unerſe zliches Glück ſei, hier mitgewirkt zu haben.“ Sein Frontdienſt fand am 23. Nov. 1914 ein Ende dadurch, oaß Will in das Kriegsminiſterium berufen wurde, um als Mitglied der Pulver⸗ und Sprengſtoff⸗ kommiſſion an den diesbezüglichen Beratungen im Kriegsmini⸗ ſterium und an den Sitzungen der Kriegs⸗Chemikalien⸗Geſell⸗ ſchaft teilzunehmen. Wie wenig hatte doch Deutſchland an Krieg gedacht, daß einer ſeinet erſten Sprengſtoff⸗Chemiker Monate lang an der Front ſtand! In der neuen Stellung, der er ſeine ganze Arbe itskraft widmete, leiſtete er Bedeutendes durch Be⸗ ſchaffung von Erſatzſtoffen und durch Sicherung der Munitions⸗ her lielſuug für die ungeübten Arbeiter und Arbeiterinnen. Ohne einen Tag der Erholung hat Will bis zum Ende des Krieges ausgehalten; aber der Krieg hatte doch ſehr an ſeinen Kräften gezehrt zumal der unglückliche Ausgang. Die Freude, ſeinen einzigen Sohn geſund aus dem Felde heimkehren zu ſehen und alsbald die Hochzeit ſeiner Liiczihen Iht r mit einem Sohn Huge Stinnes erleben zu dürfen, half ihm über die erſte ſchwere Zeit des Vaterlandes hinweg. Schon begann er ſein Inſtitut in Neubabel lsberg für die Friedensarbeit umzuſte llen, da ließen im Sommer 1919 ſeine Kräfte ſichtlich nach. Im Herbſt ſuchte er faſt widerwillig Erholung in Wildbad im Schwarzwald Den ohne Heilung Heimgekehrten ereilte am 30. Dez. 1919 der Tod. (Nach der Monographie von B. Lepſius und anderen Quellen.) 2. Dr. Albrecht Thaer. Albrecht Wilhelm Adolf Thaer wurde am 13. April 1855 auf dem väterlichen Gute Rüdersdorf geboren. Er ver⸗ lebte die Kinderjahre auf dem Lande und in Berlin, kam da⸗ durch, daß ſein Vater als Profeſſor für Landwirtſchaft an die Univerſität berufen wurde, nach Gießen. Aus der Primaner⸗ zeit auf dem Gießener Gymnaſium ſtammte ſeine Freundſchaft mit manchem der ſpäteren Kloſterbrüder, insbeſondere die mit Körber. Ein halbes Jahr nach dem Abiturium trat er im Herbſt 1873 als Einjähriger beim Inf.⸗Regt. 116 in Gießen ein; er iſt bis 1891 faſt jedes Jahr zu Uebungen dorthin zurückgekehrt. In der Blütezeit des Alten Kloſters war er eines der führenden Mitglieder, hat bis ins Alter ſich jener ſchönen Jahre gern er⸗ innert; ſie waren voll eifrigen Studiums, fröhlichen Studenten⸗ lebens und junger Liebe zu Emilie Fuhr, ſeiner ſpäteren Frau. 1878 promovierte er und beſtand die Lehramtsprüfung in Mathematik und Naturwiſſenſchaften, ging dann als Kandidat und Hilfslehrer nach Berlin, wurde 1880 am Friedrichsgymna⸗ ſium angeſtellt, heiratete im folgenden Jahr. Schon 1891 wurde er als Direktor an die Städtiſche Real⸗ ſchule in Halle a. S., die er dann zur Oberrealſchule ausbaute, berufen. 1896 kam er nach Hamburg, war dort Leiter der Oberrealſchule vor dem Holſtentor bis zum Herbſt 1920. Die Erziehung ſeiner Schüler für das Leben, die Ausbildung der zahlreichen Kandidaten, die ſeiner Anſtalt zugewieſen wurden, zu tüchtigen Lehrern nahm den Hauptteil ſeiner Arbeitskraft in Anſpruch; und er hing mit ganzer Seele an ſeinem Beruf), Seine Schule galt als Muſteranſtalt nicht nur für Hamburg; ſein Name war im Kreiſe der Fachgenoſſen bekannt durch manche Veröffentlichung, durch vielbenutzte Lehrbücher. Die letzten Jahre vor dem Kriege war er Vorſitzender des Vereins zur Förderung des mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts, Mit⸗ glied des Deutſchen Ausſchuſſes und der Internationalen Mathe⸗ matiſchen Unterrichtskommiſſion, hat auf Kongreſſen in Brüſſel, Cambridge und Paris Erfahrungen mit führenden Schulmän⸗ nern anderer Länder ausgetauſcht; er brachte manche freund⸗ liche Erinnerung aus der Fremde heim. Als der Krieg ausbrach, ſtellte er, der ſeit 18 Jahren keine Uebung mehr gemacht, und der im 60. Lebensjahre ſtand, ſich ſoſort zur Verfügung; er hat den Krieg in allen Phaſen durch lebt. Als mit den ſchönſten Tag ſeines Lebens rechnete er den von Meretſch im September 1915, an dem er zuerſt ein Bataillon im ſiegreichen Gefecht führte; und faſt gebrochen hat ihn die Nacht im Januar 1917, in der er vergeblich verſuchte, die aus der Stellung an der kurländiſchen Aa zurückflutenden Truppen zum Stehen zu bringen. Zweimal war er krank aus dem Felde heimgekehrt und wieder hinausgegangen; nach dem dritten Verſagen des Körpers glaubte er draußen nichts mehr nützen zu können, übernahm ein Jahr vor Kriegsende die Leitung ſeiner Schule wieder. Zwei Söhne waren auf fremder Erde gefallen; das Leid, das der Krieg über ſein Herz gebracht, raubte ihm auch die Lebense gefährtin.— Als das Jahr 1918 zu Ende ging, war er dank⸗ bar, daß ſeine Frau nicht zu ſehen brauchte, was er ſah. Und Und doch hielt er ſich offen für das wenige Gute, deſſen Mög— lichkeit er unter ſo vielem Unheil zu erblicken meinte. Er hat noch nach der Revolution unter Preisgabe alles Unweſentlichen, wie der eigenen Vorgeſetztenſtellung, im Dienſte des Hamburgi⸗ ſchen Schulweſens gearbeitet für die Zukunft des Vaterlandes. In die Stadt ſeiner Jugend kehrte er nur zurück, um ein halbes Jahr ſpäter, am 1. März 1921 in Gießen zu ſterben. LARauuuaulrfffmauuanl.fffaluũdllnfffuulnfffäluumdlmnffmn. our& Grey Control Chart Cyan Green vellow Hed Magenta Grey1 Grey 2 SGSrèey— Grey 4. Black 4— Col Blue Wyite V V ſeinen Gefallenen. = — —— faeffwnwn Rduan llauaudd..) 1 Wnnennnl TTINITIIINTNININNNNGN!“ 3 4 5 6 7 8 9 1o l 12 8 5 9 5 13 38 3 A 14 t 1⸗