N 564(³ 2) Rede bei der Feier des Stiftungstages des Geſangvereins dn Gte ſſein, gehalten den 19ten Februar 1921 von Ludwig Weyland, Stud. theol. Gedruckt mit Schröder'ſchen Schriften⸗ „Orpheus alte Zauberlieder machten „Wilde mild; durch Amphions Laut „Wurden Kadmus Mauern aufgebaut; „Mit Geſang gewann Tyrtäus Schlachten.“ Seume. t. Hochzuverehrende Anweſende! Künſte und Wiſſenſchaften erheben ein Volk, nicht Krieg allein gräbt es in die Zeittafeln und ſchützt ſeinen Namen vor Vergeſſenheit. Krieg befördert auch Rohheit, aber die Künſte des Friedens, ſie ſind es, die auf unſer Herz wir⸗ ken und uns den Werth geben, welchen ſich ein kriegsluſtiges Volk vergebens mit ſeinen Waffen zu erkämpfen ſucht. Nur vereint, Muth in Gefahren und ſtiller Sinn, den Muſen hold, dieſe bewirken Großes— Grie⸗ chen und Römer bezeugen es. Neben den Tempeln des Ares und der Bellona erbauten ſie auch dem Apollo Altäre. Und unſer deut⸗ ſches Volk— ſtreuete es gleich nicht Weihrauch in den Tempeln der Götter des Krieges, ſo be⸗ währte es doch im letzten Befreiungskampfe ſeine Tapferkeit, und an deutſcher Krieger Seite erklang Leier und Schwert. Auch die Tonkunſt ſollte beitragen unſer Volk zu ver⸗ herrlichen, um es gleich zu ſtellen mit andern Nationen Europens. Ueberall, von Norden bis zum Süden, ſchätzt man dieſe erhabne Kunſt, im ganzen Vaterlande erkennt man ihren 4 ihren Werth. Sie verdient es auch. Mag mancher ſie verkennen, mag auch mancher einen verachtenden Blick auf ſie werfen, nie werden ihr ſolche ihren Werth rauben, immer werden ihre harmoniſchen Töne unſer Inner⸗ ſtes ergreifen, immer wird doch die Muſik ihren Einfluß auf die Bildung unſres Herzeus äußern; mächtig zumal wirkt ſie auf den, der mit Gefühl auch muſikaliſchen Sinn ver⸗ bindet. Vorzüglich aber erhebt der Geſang Einzelner, oder Vereinter unſer Herz. Weſſen Gefühl wird nicht zum Höhern, zum Göttli⸗ chen geſteigert, wer wird nicht in religiöſe Begeiſterung verſetzt beym Anſtimmen des vielſtimmigen Chorals, oder eines Hymnus auf Gott, das Höchſte, was der Menſch be⸗ ſingen kann? Wer wird nicht zu hohen Tha⸗ ten entflammt bei dem Anhören eines brau⸗ ſenden Kriegsgeſanges? Weſſen Herz wird nicht mächtig ergriffen durch die ſaufte Melodie eines Minneliedes bei klagenden Accorden? Ja, Muſik bringt ſolches hervor, Geſang ruft ſolche Gefühle aus menſchlicher Bruſt! Wurde nicht öfters der trübe, zerſtörende Mißnuuth des alten Königes gezügelt, als der Hirtenknabe zur Harfe ſang? Und was be— wirkte nicht einſt Tyrtäus, als er die muth— loſen Spartaner zur Schlacht führte, durch das Entflammende ſeiner Kriegsgeſänge, was in unſern Tagen Körner's Leier für die gute Sache? So begleiteten bei unſern Vorfahren, den ₰ —̃—;X⅛y——— 5 den Germanen, die Barden ihre Genoſſen zur Schlacht. Durch Lieder und heilige Geſänge ermuthigten ſie ihre Streiter zum Kampfe, hierdurch begeiſtert ſtürzten dieſe dann für die Freyheit ihres heimiſchen Bodens in das Ge⸗ wühl der feindlichen Reihen, und ſchlugen ſo manche Hermannsſchlacht. Blickt in die Vorzeit, wie Geſang den rauhen Krieger bän⸗ digte, wie durch des Ritters Minnelied der freche Schmeichler verſtummte. Freilich wird die Tonkunſt zuweilen ge⸗ mißbraucht und artet in Tändeley aus, aber verliert ſie darum ihren Werth? Gewiß nicht. Erhabnes bleibt immer erhaben. Hohe und Niedrez ſchätzen dieſe edelſte der Künſte, ge⸗ het in die Höhen der Palläſte, beſuchet niedre Thäler, Alles fühlt die Zauberkraft derſelben. In ihrem vollen Gehalte— wer weiß es nicht?— faßte ſie unſer geliebter Fürſt auf, erweckte durch ſeine Begünſtigung allge⸗ meinere Theilnahme und ſeine gütige Für⸗ ſorge erſtreckte ſich auch auf unſern Muſenſitz, indem er uns für die Ausbildung in ſo man⸗ chem Zweige der Tonkunſt, Mittel verſchaffte. So erhob ſich unter ſeinem Schutze unſer Con⸗ cert, ſo blühte neben dieſem unſer Verein auf zur Uebung und Bildung im Geſange, der uns ſchon zwei Jahre hindurch Vergniigen und Aufheiterung gewährt, der ſich ſelbſt geſtehen darf, 6 darf, ſchon manche Fortſchritte gemacht zu haben. Freylich wird er noch manches zu wünſchen übrig laſſen; aber man darf nicht aus dem Auge verlieren, daß er muir eine Bildungsanſtalt für weniger im Geſange Ge⸗ übte, kein Verein erprobter Sängerinnen und Sänger ſey; und wer dabei noch die Verhältniſſe kennt, wer die Schwierigkeiten erwägt, welche ſeinem Aufblühen entgegen⸗ ſtanden, wird gütige Nachſicht dieſem Ver⸗ eine, und auch dem nicht verſagen, der Ge⸗ genwärtiges zu Ihnen zu reden, ſich die Ehre giebt. Gewiß mit ungetheilter, inniger Freude ſahen wir alle der heutigen Feier der Erinne⸗ rung an dem Schöpfungstag dieſes Vereins entgegen. Es iſt eine ſchöne Sitte,— und allgemein beachtet— Stiftungen gemeinnütz⸗ iger Anſtalten und Vereine durch jährlich wiederkehrende Feſte zu feiern, und ſie ſo in freudigem Andenken zu bewahren. Neuer Eifer wird dadurch erweckt, der vorhandene befördert, und zu frohem Sinne werden alle die geſtimmt, die herzlichen Antheil daran nehmen. Und eignet ſich nicht auch der Stif⸗ tungstag unſers Vereines zu einem ſolchen Feſie, verdient die Feier des Tages nicht jähr⸗ liche Wiederholung, der ſo manchen ſchönen Genuß in froher Ingend uns möglich machte? Düurfte — *½ terle gen, hen ihm unſe Leiſt eines Allo gen, Höh zens zu kom glie Ziel ſcho fortl len, dern Mit ſchre ſer deren den unſe Gan — 4 7 Dürfte ich es aber bei ſolcher Feier un⸗ terlaſſen, demjenigen einfachen Dank zu ſa⸗ gen, den wir alle als den Stifter unſers fro⸗ hen Kreiſes werth halten? Doch, ich weiß es, ihm war bisher bei ſeinen vielen Bemühungen unſer Bemühen und das Anerkennen ſeines Leiſtens Dank genug. Und Sie, theure Mitglieder des Ver⸗ eines, laſſen Sie uns mit neuem Eifer für's Allgemeine auch ſoviel an uns liegt, beitra⸗ gen, um wahre Erhebung des Gemüths zum Höheren, um freudige Stimmung des Her⸗ zens aus der Harmonie des Ganzen entſtehen zu ſehen. Reger Eifer, auf ſeine Vervoll⸗ kommnung hinzuarbeiten, muß jedes Mit⸗ glied beſeelen, zuſammen und nach Einem Ziele wollen wir dann Alle ſtreben und den ſchönſten Lohn werden wir in uns ſelbſt finden. Möge denn unſer Verein noch lange fortblühen, möge er nie den Zweck verfeh⸗ len, Edles, Erhabenes, Frendiges zu för— dern, möge er durch die Kräfte eines jeden Mitgliedes unterſtützt, immer weiter fort— ſchreiten, möge er unter den Bewohnern die⸗ ſer Stadt ſtets die gütige Aufnahme finden, deren er ſich bis jetzt erfreute. Dann wer— den wir unſer Ziel immer näher ſehen, durch unſer thätiges Mitwirken wird dann das Ganze immer mehr an Ausbildung gewinnen, innere 8 innere Freude wird unſer Streben begleiten, und wenn unſer Beruf und unſre Verhältniſſe uns ſchon lange aus dieſer Geſellſchaft ent— fernten, wird immer das Andenken daran freudige Gefühle in unſrer Bruſt zurück laſſen, ſtets wird mit frohen Erinnerungen der Ge⸗ danke begleitet ſeyn: Auch ich war einſt in dieſem harmoniſchen Kreiſe! Colour& Grey Control Ch⸗ Green vellow Hed ——,—— Grey 4 von Gedruckt mit Schröder'ſchen Schriften.