, 1,!o,de ku. Az. 1 Walanade- 13 396 248 Separatabdruck a. d. Verhandl. der Deutschen Zoologischen Gesellschaft 1902. Nach dieser Ansprache richtete Herr Prof. SpyxGEr die folgenden Begrüßungsworte an die Versammlung: Es ist mir eine außerordentliche Freude, Sie in so stattlicher Anzahl hier begrüßen zu können. In meinem und der mir zur Seite stehenden jüngeren Fachgenossen Namen heiße ich Sie in Gießen herzlichst willkommen. Als ich im vergangenen Jahre die Gesell- schaft hierher einlud, dachte ich nicht an die Möglichkeit einer so zahlreichen Betbeiligung; sonst würde ich vielleicht Bedenken getragen haben, die Einladung zu überbringen. Denn die Räumlichkeiten des Zoologischen Instituts sind zu klein. Daß ich Sie dennoch hier em- pfangen kann, verdanke ich dem liebenswürdigen Entgegenkommen meines Collegen und Freundes Herrn Prof. SrRAMI, der für die Ver- sammlung nicht nur dieses geräumige Auditorium, sondern auch die Arbeitssäle des Anatomischen Instituts zur Verfügung gestellt hat. Unter den obwaltenden Umständen wird der eigenthümliche Fall ein- treten, daß die Versammlung dem Zoologischen Institut nur einen einmaligen Besuch abstatten kann. Ich werde mir die Ehre erbitten, Sie auf einem Rundgang durch dasselbe führen zu dürfen, und für diesen kann es vielleicht von Interesse sein, wenn ich Ihnen jetzt einige Mittheilungen über die Vorgeschichte und Geschichte des Zoologischen Instituts der Universität Giessen und über dessen gegenwärtige Einrichtungen mache. Eine größere zoologische Sammlung scheint erst im Jahre 1825 in den Besitz der Universität Gießen gelangt zu sein. Damals ward um den Preis von 1955 fl. 54 Kr. die Sammlung des Medicinalraths WERNEKINK in Münster angekauft. Nach dem vorhandenen Ver- zeichnisse umfaßte sie 310 Spirituspräparate, 208 ausgestopfte Säuge- thiere und Vögel, 62 Kasten mit Insecten, ferner eine Anzahl Con- chylien und Corallen, sowie einige Schädel. Dieselbe bildet jedenfalls den Grundstock der Sammlung, welche dann durch gelegentliche An- käufe und Geschenke vermehrt ist; unter letzteren ist besonders eine umfangreiche Conchyliensammlung des Pfarrers Dr. ScRiBA zu Messel zu erwähnen, die noch jetzt einen der werthvollsten Bestandtheile der zoologischen Sammlung bildet.— Der Unterricht in der Zoologie lag 11 damals in den Händen des Professors J. B. WILBRAND, der in der medicinischen Facultät Anfangs die Fächer der Anatomie, Physiologie, Botanik und Zoologie, später, seit dem Frühjahr 1844, nur die »Naturgeschichte« vertrat. Nach seinem Tode im Jahre 1846 trat zu- nächst insofern ein wichtiger Umschwung ein, als ein ministerielles Decret vom 25. Mai desselben Jahres verfügte, daß»die Professuren über Botanik und Zoologie zukünftig, als zur philosophischen Facultät ge- hörig, betrachtet werden«. Zugleich aber wurde genehmigt, daß die Lehr- fächer der Botanik und Zoologie getrennt und jedes einem selbständigen Docenten übertragen werden sollte. So sah sich die philosophische Facultät zum ersten Mal in der Lage, Vorschläge für die Besetzung einer eigenen Zoologie-Professur zu machen. In einem ausgezeichneten Referat entwickelte ihr Berichterstatter, der Physiker BurF, die Ge- sichtspunkte, welche für die Wahl maßgebend sein müßten.»Die Zoologie ist nicht mehr, wie vor etwa 20— 30 Jahren, ein Namens- verzeichnis der Thiere, eine bloße Beschreibung von deren äußerer Gestalt, Form, Farbe etc., sie beschränkt sich nicht mehr auf die Geschichte des Aufenthaltes, der Lebensweise, Sitten, Instincte etc., so umfassend das Gebiet des hierzu nöthigen Wissens immerhin sein mag, so gründliche Studien, so ausgedehnte Erfahrungen auch dazu erfordert werden. Man hat inzwischen gelernt, daß die äußeren Gestalten der Thiere gewissen Gesetzen unterworfen sind, die sich in ihrer inneren Organisation weit entschiedener aussprechen, daß man folglich, um das Kußere eines Thieres richtig beurtheilen zu können, auch seinen inneren Bau kennen muß.— Die Zoologie war daher genöthigt, das so weite Gebiet der vergleichenden Anatomie in ihren Kreis zu ziehen. Aber auch dabei durfte sie nicht stehen bleiben; — die Gestalt eines Thieres wechselt nach den Entwicklungsstadien, die seine ganze Organisation durchmachen muß; in dem schwierigen Studium der Entwicklungsgeschichte erkennen wir also eine neue Abtheilung ihres so umfangreichen Gebietes. Kurz, die Zoologie ist heut zu Tage genöthigt, sich allen jenen Studien hinzugeben, die Jahrhunderte hindurch die Geister beschäftigten, um Einsicht in die verwickelten Formen der thierischen Organisation zu gewinnen und um die Gesetze zu ermitteln, die hier, mehr als bei irgend einem anderen Zweige der Naturwissenschaft, unter dem Scheine des Zu- falls, der Willkür, des Wunderbaren verborgen sind.«— Auf solcher Grundlage gelangt er zu dem Schluß:»Wir bedürfen eines Mannes, ausgerüstet mit dem Umfange an Kenntnissen, der erfordert wird, damit die Zoologie auch an unserer Universität zu einem kräftigen Hebel geschaffen werde, um in das Gesammtstudium der Natur- wissenschaften mit einzugreifen.« Die Facultät schlug daraufhin an 12 bes erster Stelle Dr. CARE Vocr in Bern vor, der darauf am 1. December der 1846 vom Großherzog mit einem jährlichen Gehalt von 800 fl. zum par außerordentlichen Professor ernannt wurde. ird Voor war indessen die Erfüllung seiner Aufgabe im höchsten 1E Grade erschwert. Er fand nichts vor als die Sammlung, die nach Ob seinen und seines Nachfolgers Berichten in einem geradezu kläglichen nic Zustande gewesen sein muß. Zunächst mußte er sich für seine Vor- ni lesungen einen Hörsaal verschaffen, der ihm im Sommer 1847 ein- J. geräumt wurde. Tische und Stühle für denselben mußte er sich von li dem Privatdocenten Apotheker Dr. MErrENHEIMER leihen. In Er- 2. mangelung eines Dieners, dessen Anstellung er beantragt, sah er 5 sich genöthigt, einen Tagelöhner zu beschäftigen und diesem den Lohn 8 für einige Monate vorzustrecken; erst im März 1848 wurden ihm die a ausgelegten 35 fl. 40 Kr. ersetzt. Der Etat betrug 360 fl. jährlich. Ein Arbeitsapparat fehlte gänzlich, sowohl Geräthschaften zur. Ergänzung und Instandhaltung der Sammlungen wie Mikroskope. i1 VoGor beantragte daher eine einmalige Bewilligung von 1500 fl. M und eine Erhöhung der jährlichen Dotation auf 800 fl. Alles, was h genehmigt wurde, war die Erhöhung der letzteren auf 500 fl. In 5 diese Zeit fielen aber auch zwei für die zoologische Sammlung sehr m bedeutsame Ereignisse, zunächst die Erwerbung der vergleichend- l anatomischen und zoologischen Sammlung des Obermedicinalrathes de .. 3 F voN FRORIEP in Weimar. Der größere und wichtigere vergleichend- anatomische Theil wurde zunächst Eigenthum der von Prof. BiscHoFF 4 verwalteten Anatomischen Anstalt, die zoologischen Objecte aber a wurden auf Antrag von Voor der zoologischen Sammlung zugewiesen, u die damit einen werthvollen Zuwachs erhielt. Ungleich wichtiger i noch war die Erbauung eines stattlichen Hauses für die anatomisch- 1 physiologische Anstalt und der Beschluß, in dieses auch die zoolo-— gische mit aufzunehmen. Es ist das Gebäude, in dem sich das Ana- tomische und das Zoologische Institut noch heute befinden. War 9 die Gegenwart für Voor auch recht trübe, so hatte er also doch eine 9 gute Aussicht in die Zukunft. Allein er sollte sich, wie bekannt, N der günstigeren Verhältnisse nicht mehr erfreuen. Es kamen die f Jahre 1848 und 1849, und Voor wurde in die politische Aufregung nicht nur mit hineingerissen, sondern ward einer ihrer Führer. Als 1 er als Mitglied der Reichsregentschaft von Stuttgart aus am 18. Juni 1 1849 den Aufruf an das deutsche Volk mit erlassen hatte, schritt fi die hessische Regierung zu seiner sofortigen Entfernung aus dem S Lehramt. In einem Schreiben vom 23. Juni gab sie der Universität d unter eingehender Darlegung ihrer Gründe davon Kenntnis. V 1 Die Universität that alsbald die nöthigen Schritte zur Wieder- 13 besetzung der erledigten Stelle. Nach längeren Verhandlungen in der philosophischen Facultät, welche 1) C. TH. v. SIEBOLD in Frei- burg, 2) FR. STEIN in Berlin und 3) R. LEuckARr in Göttingen auf ihre Liste setzte, neigte sich im Senat die Wage auf die Seite LEUCKARTS, indem sein Name unmittelbar hinter den v. SIEBOLD'S rückte. Ob Verhandlungen mit Letzterem ergebnislos verlaufen oder überhaupt nicht angeknüpft worden sind, habe ich aus den Acten nicht er- mitteln können, jedenfalls ging am 2. April 1850 der Universität die Nachricht von der vollzogenen Berufung LkuckARY' zu. Am 4. Mai hielt er seine Antrittsrede»über die wissenschaftliche Aufgabe der Zoologie«. Seine erste Aufgabe war die Fortsetzung der von seinem Vorgänger vergeblich unternommenen Bemühungen, die argen Miß- stünde zu beseitigen. Schon am 6. Juli richtet er an das Ministerium einen eingehenden Bericht, in dem zum ersten Mal die Bezeichnung „Zoologisches Institut« an Stelle der bisherigen»Zoologisches Cabinet« vorkommt. Er schildert in beweglichen Worten den»unbeschreiblich kläglichen« Zustand der Sammlung.»Ein Zoolog kann im hiesigen Museum Wunderthiere sehen, wie sie kaum in alten Märchenbüchern beschrieben sind. Affen mit Schafsköpfen und Ziegenleibern, Tauben mit dem Aussehen eines Habichts sind hier sehr gewöhnlich. Und mit solchen Präparaten soll man einen Schüler die Zweckmäßigkeit der Thierformen lehren! Als ob es bloß darauf ankäme, Farbe und Form der Haare und Federn zu demonstriren«. Er beantragt die Anstellung eines eigenen Conservators; der bisherige war zugleich an der pathologischen und der mineralogischen Sammlung angestellt und stand dem Zoologischen Institut nur in den Nachmittags- stunden der vier ersten Wochentage zur Verfügung— falls er nicht durch Hilfe bei den Sectionen in Anspruch genommen war! Ferner bittet er um Mittel für die Anschaffung der nothwendigsten Geräthe. Er ist aber so vorsichtig, sich mit der Forderung eines einmaligen Zuschusses von nur 600 fl. zu begnügen. Allein auch er erzielte damit zunächst keinen besseren Erfolg, und erst im Juli 1854 wurden 1000 fl. zur Deckung rückständiger Ausgaben und außer- ordentlicher Anschaffungen im Jahre 1853 bewilligt. Inzwischen war (im Jahre 1850) die Übersiedelung der Zoologischen Sammlung in das Anatomiegebäude bewerkstelligt. LEuckAkr hat während seines hiesigen Aufenthaltes dieselbe in einer außerordentlichen Weise ge- fördert. In allen Theilen derselben finden wir die Spuren seiner Wirksamkeit, und es ist zu einem großen Theile ihm zu verdanken, daß dieselbe namentlich an Spiritus-Präparaten aus allen Gebieten des Thierreichs reichhaltig ist. Unter LEuckART's Direction— gleich- zeitig mit seiner Beförderung zum ordentlichen Professor(Herbst 1855) ist auch die kostbare vongleichend anatomische Summlung, die besonders durch eine Fülle von Skeleten ausgezeichnet ist, vom Ana tomischon un das ⁷oologische Institut übergegunngen. Den Schwer punkt seiner Thätigkeit aber logte LnookAnp in den akademischen UInterricht und vor Allem in die von ihm, wenn ich nicht irre, zu orst, in Deutschland, jedenfalls aber mit einem nie zuvor errreichten Torfolg abgehaltenen praktischen UIbungen Schon in seinem vorhin erwühnten ersten Bericht un dio Regierung vom Jahre 1850 ist von der Veranstaltung eines zoologischen Praktikums dio Rede. Wie Sie Alle wissoen, kamen aus Deutschland und dem Auslunde, besonders nus Rußland, zahlreiche junge 7,0ologen, wie damals die Chemiker aller Lünder zu Lunme nach Giießen, um unter LudokAhp's Leitung hier zu arbeiten, und eine stuttliche Reihe der tüchtigsten und am gesehenstoen Forscher ist nus seinem Laboratorium hervorgegungen. LOOKARNS Selbst hat die meisten seiner arundlegoenden Arbeiten hier geschaffen. Wir durfen sugen, daß nächst Linme LuckKART am meisten dazu beigetrngen hat, unsere kleine Universitätsstadt auf dom guanzen lordrund bekunnt und angesechen zu machen. Daß er ihr unter solchen Umstäünden nicht dauernd erhalten bleiben würde, wWar vornussusehen Doch ist er volle 19 Jahre hier geblieben, um erst im Jahre 1869 einem Ruf nach Leipzig Folge zu leisten. inen würdigen Nachfolger für ihn zu finden, war nicht ganz leicht. LndekAXRr selber schlug an erster Stelle Srmx, der schon neben VoGor und später neben Lmuckanr selbst für das Amt ernstlich in erage gekommen war, und seinen Schüler CARI, OrAus vor, an „weiter CARI, SuRMph und ANwoN SonrNMIDNR, un dritter RNST LnnMRsS, mit dem größten Bednauern, von Audus WMISMANN wegen eines sohweren Augenleidens absehen au müsson. Pncultät und Senat nahmen unter Streichung der beiden ersten Candidaten den Vorschlag an, und die Regierung berief alsdann unter den ex aouo vorgeschlagenen SunRpnn und Souxmipun den Letzteren. Ohne im goringstoen die Ver- dienste Sondmpnn’s als Zoologe, die ich selber auf manchen Gebieten recht hoch einschätze, herabsetzen zu wollen, müssen wir gostehen, duaß er kein lmuokAnr war. Weder scheint ihm die(dube oigen go wesen zu sein, wie dieser durch Wort und Vorbild in hohem Maßse anregend und fördernd zu wirken, noch ist er wührend der Zeit seiner hiesigen Phütigkeit als Forscher Selbst hervorragend productiv gewesen, doch hat er das einzige größere Werk, das er aufzer seiner boreits vor seiner Berufung hierher verfaßten Monographio der No matoden veröffentlicht hat, seine Beitrüge zur vorgleichenden Ana tomie und hntwicklungsgeschichte der Wirbelthiere in Gießen verfaßt. Die Anzeichen, welche seine Wirksamkeit in der Sammlung hinter um mnen cht. ben h in an ENS, ines men an, enen Ver- eten hen, ge- labe 15 lassen hat, sind nicht durchweg erfreulicher Art. Im Jahre 1881 verließ er Gießen, um die Zoologie-Professur in Breslau zu über- nehmen. Sein Nachfolger wurde, wie Ihnen bekannt, HuBERT Lupwie, an dessen Stelle ich getreten bin, als dieser im Jahre 1887 nach Bonn berufen wurde. In Bezug auf die räumliche Ausdehnung des Zoologischen In- stituts hat dieses seit Lupwie's Abgang erhebliche Fortschritte ge- macht. Zu LEuckaRT's Zeit bestand dasselbe, abgesehen von den beiden großen Sammlungssälen und einem Theile des Corridors, den LEUOoKART im Jahre 1860 hinzugezogen hatte, aus 3 Zimmern. Die übrigen Räume des oberen Stockwerks hatte das Physiologische In- stitut inne, während in die des unteren Stocks sich das Anatomische und das Pathologisch-anatomische Institut theilten. Lupwi erlangte zunächst noch ein weiteres Zimmer, das er als Arbeitszimmer für sich in Gebrauch nahm, so daß die drei anderen als Laboratorium für Studirende und als Arbeitsräume des Conservators verfügbar wurden. Eine weitere Ausdehnung wurde erst möglich, als im Jahre 1890 das Pathologische und das Physiologische Institut in eigene Räume übersiedelten. Das Zoologische Institut gewann dadurch drei große Zimmer und den weiteren Vortheil, den kleineren Hör- saal, der bis dahin auch für die Physiologie-Vorlesungen gebraucht worden war, für sich allein zur Verfügung zu haben. Es nimmt seitdem das ganze obere Stockwerk des Anatomiegebäudes ein. Daß trotz alledem die Räumlichkeiten noch sehr beschränkt sind, davon werden Sie sich, meine Herren, bei dem Rundgang durchs Institut überzeugen. Namentlich die Räume für die Sammlungen sind ganz ungenügend. In den Sammlungen kommt deren Entstehung noch darin zu einem nicht zeitgemäßen Ausdruck, daß die systematisch-zoologische Samm- lung von der vergleichend-anatomischen räumlich getrennt ist: jede von ihnen nimmt einen der Flügel des Gebäudes ein. In der zoologischen sind die an den Seitenwänden angebrachten Schränke so überfüllt, daß die Durchführung einer strengen Ordnung unmöglich sein würde und thatsächlich bis jetzt nicht angestrebt worden ist. In der Mitte steht längs des Saales eine Doppelreihe von niedrigen Schränken mit Schubladen und darauf Pultkästen, in denen die Sammlung trockner Gegenstände aufgestellt ist, darunter die vorhin erwähnte ScRüBA'sche Conchyliensammlung. Im vergleichend-anatomischen Saal nehmen die Mitte dicht gedrängt und ebenfalls ohne systematische Ordnung die frei, nicht in Schränken, aufgestellten größeren Skelete ein, dem von der benachbarten Eisenbahn ausgehenden Staub und Ruß in einer Weise ausgesetzt, welche jede wirksame und dauernde Reinigung 16 und damit eine tadellose Erhaltung unmöglich macht. Kleinere Skelete stehen in einem Theil der Seitenschränke, während die übrigen die aus älterer Zeit stammenden und daher meistens den heutigen Anforderungen nicht mehr entsprechenden Spirituspräparate enthalten. Es ist meine Absicht, nach und nach diese beiden Samm- lungen zu einer einzigen zu verschmelzen, bezw. eine solche durch Auswahl der geeigneten Stücke daraus zusammenzustellen, die übrigen aber als Vorräthe für etwaige speciellere Untersuchungen aufzuheben. Einstweilen habe ich die wichtigsten im Unterricht verwendeten Ob- jecte, besonders die in neuerer Zeit angefertigten Präparate, aus beiden Sammlungen herausgenommen und auf einem neuerdings ab- getrennten Theil des Corridors zu einer Unterrichtssammlung ver- einigt. Leider hat deren Aufstellung bis zu unserer Versammlung nicht beendigt werden können; vielmehr ist das, was Sie sehen wer- den, nur eine vorläufige Zusammenstellung. Die übrigen Sammlungen bitte ich nicht als ein Museum, sondern nur als eine Art von Magazin betrachten zu wollen. Daß wir mit der unternommenen Neuordnung der Sammlungen noch nicht weiter gekommen sind, hat, abgesehen von der erst vor Kurzem erfolgten Bewilligung der dafür erforderlichen Schränke seinen Grund hauptsächlich in den erst neuerdings zweckentsprechend gewordenen Personalverhältnissen. LEuckARr hatte nach längeren Bemühungen die schon von seinem Vorgänger angestrebte Anstellung eines eigenen Conservators durchgesetzt. Diesem fiel es aber als dem einzigen Unterbeamten zu, auch im Laboratorium mitzuhelfen, und je mehr sich der zoologische Unterricht im modernen Sinne ent- wickelte, um so mehr wurden seine Kräfte nach dieser Richtung hin in Anspruch genommen, so daß für die eigentlichen Aufgaben eines Conservators und Präparators wenig Zeit blieb und auch die Aus- bildung des Beamten dafür leiden mußte. Der treffliche Mann, der vor zwei Jahren wegen Krankheit aus seinem Amte ausgeschieden ist, mußte unter LEuckARr, ScHNEIDER und Lupwic eben auch die Stelle eines Assistenten vertreten. Bald nach meinem Dienstantritt wurde mir ein Assistent bewilligt und als der alte Conservator ab- ging, genehmigte die Regierung die Anstellung eines Präparators und zugleich eines zweiten Assistenten. Damit darf ich hoffen, daß es mir gelingen wird, in Bezug auf die Reorganisation der Sammlung das mir gesteckte Ziel in nicht allzu ferner Zeit zu erreichen. Die Vermehrung des Personals hatte nun naturgemäß eine Steige- rung des Raumbedürfnisses zur Folge. Von den vorhandenen Zim- mern mußten 1 für den Director, je 1 für die beiden Assistenten, 1 für den seit einigen Jahren neben mir wirkenden außerordentlichen nere die den rate um- arch igen ben. Ob- Aus ab- Ver- lung Wer- ngen azin agen vor inke nend eren lung als Ufen, ent- hin eines Aus- „der jeden h die ntritt r ab- ators aß es nlung teige⸗ Zim- nten, ichen 17 Professor Dr. v. WAàGNER und 1 für den Präparator benutzt werden. So pleiben für das Laboratorium nur die 2 größten Zimmer, für je 4 Arbeitsplätze ganztägiger Praktikanten geeignet. Eines von diesen muß außerdem zur Abhaltung des Curses dienen, und da dort im Sommersemester auch ein vor einer Reihe von Jahren eingerichteter helminthologischer Curs für Studirende der Medicin und der Thier- heilkunde abgehalten wird, so wird dieses Zimmer im Sommer für die Zwecke des Praktikums ungeeignet, und je 2 Praktikanten müssen eventuell in den Sammlungssälen untergebracht werden, Wo Sie auch jetzt ihre Arbeitsplätze eingerichtet finden werden. Zwischen diesem Laboratoriumszimmer und dem Directorzimmer pefindet sich das Auditorium, ein Saal mit 40 Sitzplätzen. In den vergangenen Osterferien ist es mit Vorhängen zur Verdunkelung für Projectionszwecke und mit einer schönen elektrischen Beleuchtung versehen worden. Solche ist auch im Directorzimmer und in den Sammlungssälen angebracht worden. Endlich ist der von LEUckAXRT Zur Sammlung gezogene Corridor- theil zu anderen mir wichtiger erscheinenden Zwecken in Verwendung genommen worden. Zuerst stellte ich dort Aquarien und Terrarien auf, die dem Institut bis dahin ganz gefehlt hatten. Vor einigen Jahren konnten diese wieder beseitigt Werden, indem im Garten ein eigenes, nach Art eines Gewächshauses gebautes Thierhäuschen er- richtet wurde. Der dadurch wieder frei werdende Raum wurde für die Instituts-Bibliothek, die mit den Jahren herangewachsen vwar, verwendet. Zum Schluß erwähne ich, daß vor ein paar Jahren für den Diener des Instituts im Garten eine nette geräumige Wohnung erbaut worden ist. de Colour& Grey Control Chart d S Blue Cyan Green vello 1 W Hed Magenta White Grey 1 Grey 2— Grey 3 Grey 4 Black den XNE X .— M eite Docenten übertragen werden solfte. 80 san Sicif trre PrIreeeenneene Ben Facultät zum ersten Mal in der Lage, Vorschläge für die Besetzung ell- einer eigenen Zoologie-Professur zu machen. In einem ausgezeichneten 9 80 Referat entwickelte ihr Berichterstatter, der Physiker Burr, die Ge- gen sichtspunkte, welche für die Wahl maßgebend sein müßten.»Die des Zoologie ist nicht mehr, wie vor etwa 20— 30 Jahren, ein Namens- em- verzeichnis der Thiere, eine bloße Beschreibung von deren äußerer umen Gestalt, Form, Farbe etc., sie beschränkt sich nicht mehr auf die Ver- Geschichte des Aufenthaltes, der Lebensweise, Sitten, Instincte etc., die so umfassend das Gebiet des hierzu nöthigen Wissens immerhin sein hat. mag, so gründliche Studien, so ausgedehnte Erfahrungen auch dazu ein- erfordert werden. Man hat inzwischen gelernt, daß die äußeren inen Gestalten der Thiere gewissen Gesetzen unterworfen sind, die sich in tien, ihrer inneren Organisation weit entschiedener aussprechen, daß man- I für folglich, um das Kußere eines Thieres richtig beurtheilen zu können, jetet auch seinen inneren Bau kennen muß.— Die Zoologie war daher genöthigt, das so weite Gebiet der vergleichenden Anatomie in ihren Kreis zu ziehen. Aber auch dabei durfte sie nicht stehen bleiben; rsität— die Gestalt eines Thieres wechselt nach den Entwicklungsstadien, die seine ganze Organisation durchmachen muß; in dem schwierigen Studium der Entwicklungsgeschichte erkennen wir also eine neue 1825 Abtheilung ihres so umfangreichen Gebietes. Kurz, die Zoologie ist vard MhnnJſennnpunne7'rnn1nnunRO1Innn,1NN1nn1nnon raths Ver dem 1 2 3 4 8 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 er- uge⸗ 3 6 8 2 9 5 3 0I- nfalls IIINIIAIrIiLILuIIIILuIIIIILIIILIILINIIEILIIIINIIIIINNII — An-—j=eenese r u dnt OIIIuMI. E 9OceulII GIIICDN NVIdGIII1G8, eine ausgerüstet mit dem Umfange an Kenntnissen, der erfordert wird, essel damit die Zoologie auch an unserer Universität zu einem kräftigen qer Hebel geschaffen werde, um in das Gesammtstudium der Natur- wissenschaften mit einzugreifen.« Die Facultät schlug daraufhin an lag