2 8 2 S X Zur Todtenfeier 3 b des Großherzoglichen Univerſitäts⸗Gärtners 5 1 Johann Wernhard Weiß — am 30. November 1862. 2. Sam. 1, 26:„Es iſt mir leid um dich.“ Verklärter Freund! In dieſen Sommertagen Da zeigteſt Du mir eine Trauerbuche, Die Du auf Deinem Arm weit hergetragen Von eines Schloßparks gaſtlichem Beſuche Und da gepflanzet erſt vor wenig Jahren Wo Tauſend deiner Blumenkinder waren. Du ſprachſt, der Baum ſei Dir beſonders theuer Mit ſeinem ſchönen Wuchs hinauf zum Lichte, Mit ſeinen Zweigen, die ſich erdwärts neigen Von ſeines grünen Atlas⸗Laubs Gewichte. So blickteſt klaren Auges Du nach Oben Als ſei Dein Blick zu höherm Licht erhoben. Hatt'ſt eine Ahnung Du wohl von der Trauer, Die bald durch dieſe Gänge klagen werde, Sobald des erſten Schneees leichter Schauer Sein Leichentuch ausbreite auf der Erde; Hatt'ſt eine Ahnung Du wohl Deines Leidens, Wohl eine Ahnung Deines frühen Scheidens?— Ach, ſenkt ihr Palmen eure friſchen Kronen, Ihr Blüthen trauert in dem Blumenhauſe, Wo Tauſende vereint aus allen Zonen Hat ſeine Meiſterhand in grüner Clauſe, Denn ach, der Gärtner iſt zum Licht gegangen, Der Trauerbuche Zweige zitternd hangen. 4 Da ſtehſt Du, Vater, mit zerrißnem Herzen Und Alles mahnt Dich an des Sohnes Sterben! Da theilſt du, ganze Stadt, der Seinen Schmerzen, Die Wiſſenſchaft klagt um des Ruhmes Erben, Der in der Kraft und Fülle ſeiner Jahre So früh ſchon ruht heut auf der Todtenbahre. Und all' Ihr Freunde in dem Heſſenlande, Ihr Blumenfreunde jenſeits ſeiner Grenzen, Die Ihr vereint ihm wart durch Jugendbande Als Ihr die Muſenſtadt ſaht freundlich glänzen, Gedenkt der Blumen, die er Euch einſt reichte, Der ſelbſt gebrochen, ach ſo früh erbleichte. Seht Ihr nun je die Trauerbuche wieder, Die er als höhres Sinnbild uns erzogen, Dann ſenke ernſt ſich Euer Aug' erſt nieder Und hebe ſich dann zu des Himmels Bogen, Dann denket: Was im ew'gen Licht ſoll ſtehen Deß Staub muß erſt auf Erden untergehen. geſ der ſege dur mit nich ver und nich Ho zer nich erhe Hü Gei des en, A. Gebet und Segen am Grabe. (Geſprochen von Herrn Geheimen Kirchenrath Dr. Engel). Himmliſcher Vater! wenn wir um einen theu'ren Dahin⸗ geſchiedenen trauern, und am Grabe eines Edlen, der in der volleſten Kraft ſeines würdigen Lebens, und ſeines ſegensreichen Wirkens den Seinigen und der Menſchheit durch einen frühzeitigen Tod entriſſen wurde, unſ're Augen mit Thränen ſich füllen, dann, Unerforſchlicher, laß uns nicht verzagen, ſondern Deinen Rathſchluß in ſtiller Ergebung verehren, und unſer Vertrauen auf Dich, der Du im Leben und im Tode unſer Schickſal mit Weisheit und Liebe leiteſt, nicht verlieren; laß uns vielmehr durch die tröſtende Hoffnung, daß, wenn unſer irdiſches Haus, dieſe Hütte, zerbricht, wir einen Bau haben von Dir erbaut, ein Haus nicht mit Händen gemacht, das ewig iſt im Himmel, erhoben werden! Darum wünſchen wir Ruhe und Frieden der irdiſchen Hülle, und Heil und unvergängliches Weſen dem verklärten Geiſte in den Wohnungen des himmliſchen Vaters! Mit dieſem Wunſche ſegne ich dieſe Leiche ein im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes! Amen. — B. Predigt, gehalten von Herrn Univerſitätsprediger Prof. Dr. Heſſe. Herr unſer Gott, der du über Leben und Tod gebieteſt! erhebe jetzt unſre Herzen und Sinnen über das Zeitliche und Vergängliche, auf daß wir im Aufblick zu dir Beruhi⸗ gung und Tröſtung finden mögen. Amen. Verehrte Trauerverſammlung! Einſt, als die Nacht ſchon auf dem See Genezareth ruhte, an deſſen Geſtaden Kapernaum lag, die Stadt unſres Herrn und Erlöſers, da löſte ſich ein Schiff vom jenſeitigen Ufer und begann durch das Meer herüber zu ſteuern. Es waren die Jünger des Herrn, welche in ihre Heimath zurück⸗ kehren wollten; doch er ſelber war nicht bei ihnen. Als ſie aber gegen Morgen mit Wind und Wellen kämpften, da ſahen ſie ihn auf einmal neben dem Schiffe auf dem Meere ſchreiten; ſie ſahen ihn, ohne ihn zu erkennen. Vielmehr meinten ſie ein Geſpenſt zu erblicken, das ihnen Untergang und Verderben drohte, und ſie ſchrieen darum auf vor Angſt und Furcht; erſt an der Stimme erkannten ſie zu ihrer Be⸗ ruhigung den Herrn, als er zu ihnen ſprach:„Seid getroſt, ich bin es, fürchtet euch nicht!“ Meine Freunde! Wie einſt die Jünger, ſo treiben auch wir auf dem Meere, nämlich auf dem Meere des Lebens, wir treiben darauf, ſo lange wir dieſer Erde angehören; und Gott weiß es, wie es oft Nacht in uns und um uns iſt, wie oft wir ein Spiel der Winde und der Wellen werden! Doch verfolgen wir mit ziemlichem Gleich⸗ muthe unſren Lauf, bis plötzlich eine dunkle Schreckensgeſtalt neben uns erſcheint, welche uns nicht bloß Unheil drohet, ſſe. gebieteſt! Zeitliche Veruhi⸗ enezareth ztt unſres enſeitigen ern. Es th zurück⸗ Als ſie ften, da m Meere Vielmehr ntergang vor Angſt ihrer Be⸗ „Seid bben auch z Lebens, ngehüren; und um und der m Gleich⸗ ensgeftit drehet, — 5— ſondern Einen herausgreift aus unſrer Mitte, um ihn für immer von unſrer Seite zu nehmen. Dann kommt ein Auf⸗ ruhr in unſrer Aller Herzen; Wehmuth und Schmerz, Schrecken und Angſt, Unzufriedenheit und Trotz walten in ihnen und rauben uns unſren Frieden, bis wir die Stimme des Herrn vernehmen, der da ſpricht:„Seid getroſt, ich bin es, fürchtet euch nicht!“ bis wir erkennen, daß der Herr unſer Gott ſich unter uns geoffenbaret hat, daß ſein Werk der Verluſt iſt, den wir erlitten haben, und daß wir Alles, was er thut, als wohlgethan zu betrachten haben. Und die Stimme unſres Gottes können wir vernehmen, wenn wir unſer Ohr nur aufthun wollen, und wir ſollen auf ſie hören, weil wir ſie vernehmen können. Darum rufen wir auch heute uns das Wort in das Gedächtniß zurück: „Seid getroſt, ich bin es, fürchtet euch nicht!“ Wir ver⸗ künden es von dieſer Stätte, nachdem wir wieder einen von den Genoſſen auf unſerer Pilgerfahrt, den Univerſitäts⸗ Gärtner Wernhard Weiß, von unſrer Seite haben ver⸗ ſchwinden ſehen. Vor neun Wochen noch— da ſchmückte er uns unſern Tempel, wie es unſre feſtlich gehobene Stimmung begehrte, mit welcher wir dem Herrn der Aernte für ſeine reichen Gaben danken wollten; und jetzt iſt er ſelbſt ein Halm auf dem Aerntefelde unſres Gottes, welchen die Sichel des Schnitters, die Sichel des Todes getroffen hat! Doch Gott der Herr iſt's, der Solches an uns gethan hat! Das ſtellen wir heute uns um ſo lebendiger vor die Augen, prägen wir uns um ſo tiefer, je aufrichtiger wir gewiß Alle gewünſcht haben, den Entſchlafenen noch lange in unſrer Mitte zu ſehen, je gegründeter uns allezeit die Hoffnung erſchienen iſt, daß ſeine Thätigkeit noch viel Schönes und Erſprießliches unter uns ſchaffen werde, je näher es darum jetzt unſerm Herzen liegt, die göttliche Liebe und Weisheit zu verkennen, welche wir auch bei dieſem Trauerfalle verehren ſollen, obſchon ſie uns hier mehr als in vielen ähnlichen Fällen dunkel und ver⸗ borgen iſt. — 6— Ja, wir hätten ihn gern noch länger in unſrer Mitte gehabt, denn wir kannten die Vorzüge ſeines Geiſtes und Herzens. Wer von uns hätte nicht einmal Gelegenheit gehabt, ſich an der gediegenen Tüchtigkeit und Geſchicklichkeit zu er⸗ freuen, welche der Entſchlafene während ſeiner Lehrzeit zu Gießen und Marburg ſich erworben, und auf ſeinen Reiſen in Deutſchland und der Schweiz noch weiter ausgebildet hatte, indem er mit friſchem, hellem Sinn das Bemerkens⸗ und Nachahmenswerthe überall herauszufinden und ſich anzueignen wußte! War ſie doch ſo wohl bekannt, daß vor wenig Jah⸗ ren ein Ruf in die ferne Krim ihn uns entführt haben würde, wenn nicht die Liebe zu ſeiner Heimath ihn bei uns feſtge⸗ halten hätte! Wer hätte nicht wahrgenommen, wie die An⸗ ſtalt, welche nunmehr etwa 14 Jahr zunächſt ſeiner Obhut und Pflege anvertraut geweſen iſt, ſich von Jahr zu Jahr gehoben hat, wie die Verbindung des Nützlichen und Noth⸗ wendigen mit dem Schönen in ihr immer augenfälliger her⸗ vorgetreten iſt? Wer hätte nicht einmal gehört, wie er unter den Genoſſen ſeines Amtes und ſeiner Kunſt eine geach⸗ tete Stellung eingenommen, deſſenungeachtet aber nie ſelbſt⸗ zufrieden, niemals bei dem bereits Errungenen ſich beruhigend rüſtig weiter und immer weiter geſtrebt hat? Haben dieſe Vorzüge ſchon den Entſchlafenen uns lieb und werth gemacht, ſo haben ihn doch die Vorzüge ſeines Herzens uns faſt noch mehr empfohlen, ihm in dem Anden⸗ ken Vieler eine bleibende Stelle geſichert. Wir haben es, m. Fr., mit Zuverſicht ausſprechen hören, er habe in der ganzen Stadt wohl keinen Feind gehabt, darin ſeinen Pflege⸗ kindern, den Blumen und Pflanzen gleich, Haß nicht zeigend, Haß nicht leidend! Es iſt ein kühnes Wort, und doch mögen wir es glauben, wenn wir das Leben des Entſchlafenen über⸗ blicken und wahrnehmen, wie unbeſcholten und wacker er ſich in allen Verhältniſſen bewieſen hat. Fragen wir ſeinen nächſten Vorgeſetzten, er iſt voll Anerkennung für ſeine Gewiſſenhaftigkeit und ſeine nie nachlaſſende Willigkeit; fra⸗ klär er Mitte ſtes und gehabt, t zu er⸗ jrzeit zu n Keiſen det hatte, ens⸗ und zueignen nig Jah⸗ n würde, s feſtge⸗ die An⸗ r Obhut zu Jahr d Noth⸗ iger her⸗ wie er nie geach⸗ nie ſelbft⸗ ruhigend uns lic ge ſeines Anden⸗ aben es, e in der n Pflege⸗ 1 geigend ch mögen nen über⸗ er er ſt r ſeinen ür ſeine keit; fra⸗ — 2— gen wir alle Diejenigen, welche in irgend einer Weiſe ſeine Hilfe in Anſpruch genommen haben, ſie rühmen ſein freundliches Entgegenkommen; fragen wir ſeine Vater⸗ ſtadt, ſie freut ſich, in den freundlichen Anlagen, welche an ihren Thoren entſtehen und welche er mit kunſtſinnigem Gemüthe geordnet und vorgezeichnet hat, ein bleibendes Zeichen der Erinnerung an ihn zu haben und an ſein Verlangen, ſich ihr hilfreich zu erweiſen; fragen wir ſeine Gattin, die ihm jetzt einſam mit ihrem ſechsjährigen Söhnchen nachweint, ſie hat nur eine gerechte Klage wieder ihn, die Klage, daß er ſie jetzt verlaſſen hat; fragen wir die Geſchwiſter, die Aeltern, den armen Vater— doch was ſollen wir fragen? wir wiſſen ja alle, daß der Entſchlafene ihm ein lieber, guter Sohn geblieben iſt, obgleich er amtlich ſein Vorgeſetzter war, daß nur die Tüchtigkeit der Geſinnung auf beiden Seiten die Fortdauer eines ſeltenen und gewagten Verhältniſſes möglich gemacht hat! Gewiß m. Fr., iſt es darum nur natürlich und leicht er⸗ klärlich, daß wir uns mit dem Wunſche und mit der Hoff⸗ nung getragen haben, der Entſchlafene werde ſeine Wirkſamkeit noch lange unter uns fortſetzen, denen zum Frommen, welche in die Wunder und in die Geheimniſſe der Pflanzenwelt ein⸗ zudringen verſuchen, denen zur Freude, welche ein Herz und ein Verſtändniß haben für diejenigen Geſchöpfe unſres Gottes, welche am ſtillſten leben. Und warum hätten wir auf die Erfüllung unſres Wunſches nicht rechnen ſollen? ſtand doch der Entſchlafene, ehe ihn die tödtliche Krankheit ergriff, in der Fülle ſeiner Kraft und Geſundheit, fehlten ihm doch noch viele Jahre zu denen, welche menſchliches Vermuthen, menſch⸗ liche Berechnung ihm beſtimmte! Denn geboren am 9. Januar 1829 hätte er in wenig Wochen erſt ſein 34. Lebensjahr vollendet— wer hätte vor wenig Monden nicht noch geſagt, das ſei kaum die Hälfte ſeiner Tage? Doch das Wort der Klage und der vorwitzigen Frage nimmt der Herr aus unſerm Munde, indem er uns zuruft: 8 — 8— Ar Ich bin es, der Solches an euch thut! ich bin es, deſſen Weisheit und Liebe ihr ſo oft erfahren habt, daß ihr wohl an ſie glauben dürft, auch wo ihr meinen Rath und meine Wege nicht verſteht! ich bin es, der ſeinen Sohn zu euch in die Welt geſendet hat, auf daß ihr fortan nicht durch Furcht des Todes des Todes Knechte ſein, ſondern durch ſeine Erlöſung unvergängliches Leben gewinnen möget! ich bin es, der nicht ein Gott der Todten iſt, ſondern ein Gott der Lebendigen, vor dem es keinen Tod giebt, ſondern lauter Leben, der in dem Tode ſtets den Anfang eines neuen Lebens ſetzet! ich bin es, der euch alle zu ſich zieht aus lauter Liebe und Güte, und diejenigen, welche er aus ſeinem irdiſchen Reiche abruft, um ſich verſammelt im Reiche unvergänglicher Herrlichkeit. Ich bin es, darum ſeid getroſt und fürchtet euch nicht! Ja, Vater in dem Himmel! wir wollen getroſt ſein, und gieb du ſelber uns dazu die Kraft im Glauben an deinen geliebten Sohn, unſern Erlöſer; wir wollen getroſt ſein auch in Beziehung auf unſern entſchlafenen Bruder, der mit den Worten: Ich bin reiſefertig! den Weg zur himmliſchen Hei⸗ math angetreten hat, wollen glauben mit voller Zuverſicht, daß du ihn zwar für eine Weile unſern irdiſchen Augen entzogen, uns aber nicht für immer genommen haſt. Gieb uns deinen Geiſt, daß er uns unſträflich vor dir wandeln laſſe und ſo ſchon jetzt in dieſer Zeitlichkeit ewiges Leben in uns pflanze, auf daß wir einſt, wenn das letzte Sandkorn unſres Stundenglaſes auf Erden verronnen iſt, muthig dem Todesengel in's Angeſicht blicken, den du uns dann ſendeſt, um uns in dein ewiges Reich zu geleiten. Segne die Ent⸗ ſchlafenen, ſegne uns die noch Lebenden um deines Sohnes Jeſu Chriſti willen. Amen. Druck der Brühl'ſchen Univ.⸗Buch.⸗ und Steindruckerei(Fr. Chr. Pietſch) in Gießen. 2 A e A AM ,, af ei, a, uue C 7 A. 4, deſſen ihr wohl nd meine zu euch ht durch en durch gget! ich ein Gott m lauter en Lebens tter Liebe irdiſchen anglicher fürchtet ein, und deinen ſein auch mit den cheen Hei⸗ uverſicht, Augen „Gieb wandeln teben in andkorn hig dem ſendeſt, die Ent⸗ Sohnes ſietſch) Luhn —- — —— —— Großherzoglichen Univerſitäts⸗Gärtners ' I' 3 Byhen Verrhad Wii