——— ———— — 4—— —— —— 4 2 4 ⸗ 8 2 . 1 8 5 2„* * 5. 4—* 8„ 8 X 5 — 3* 3 8.— 4 1 8 4 Actenmaͤßige Darſtellung der im Großherzogthume Heſſen Jahren 1832 bis 1835 ſtattgehabten hochverrätheriſchen und ſonſtigen damit in Verbindung ſtehenden verbrecheriſchen Unternehmungen. 1 331 1?, 41. Unl.-Eib iothok (½4 2 — Darmſtadt, 1839. J. W. Heyer's Hofbuchhandlung, G. Jonghaus. ²◻,— Vorwort. Der durch richterliches, in Rechtskraft übergegan⸗ genes Erkenntniß beendigte, auf dem Titelblatte bezeichnete Criminalprozeß hat die Aufmerkſamkeit des geſammten deutſchen Vaterlandes in hohem Grade in Anſpruch genom⸗ men, theils durch ſeinen Gegenſtand und Umfang, theils durch die Stellung der Perſonen, welche in ihn verwickelt geweſen. Wenn ſchon hiernach eine gedrängte actenmäßige Dar⸗ ſtellung der Ergebniſſe der Unterſuchung nicht unangemeſſen erſcheint, ſo wird eine ſolche um ſo weniger einem Beden⸗ ken unterliegen, als von manchen Seiten ſich bemüht wor⸗ den iſt, incriminirte Perſonen als Märtyrer eines finſteren Verfolgungsgeiſtes hinzuſtellen, oder die Anſicht zu verbreiten, es handle ſich um Geringfügigkeiten, um ein Spielwerk einiger jungen Leute, das unter keinen Umſtänden ſchwere Folgen hatte haben können, und es ſey daher die Wichtig⸗ — W— keit, welche die Großherzogl. Staatsregierung der Sache beigelegt, die Energie, mit welcher die Gerichte vorgeſchritten, nicht gerechtfertigt. Das Großherzogl. Miniſterium des Innern und der Juſtiz hat daher beſchloſſen, die Unterſuchungs⸗Reſultate durch den Druck zu veröffentlichen, und dem Unterzeichneten, als dem bei Großherzogl. Hofgericht zu Gießen beſtellt ge⸗ Darſtellung den Acten getreu auszuarbeiten, welchen Auf— trag's er ſich pflichtmäßig entledigt hat. Dieſe Darſtellung wird ergeben, welch' namenloſes Un— heil über Viele gebracht worden wäre, wenn man das Frankfurter April⸗Attentat nicht in der Geburt erſtickt hätte, indem dann ohne Zweifel die Fahne der Empörung in Gießen, Butzbach ꝛc. wäre aufgepflanzt worden. Die ſtarke Hand der Geſetzlichkeit würde wohl alsbald wieder die Ueber⸗ macht behauptet haben; allein mittlerweile wären doch Leben und Eigenthum Vieler gefährdet geweſen. Dieſe Darſtellung liefert ferner den Beweis, wie kein Mittel geſcheut worden, das hätte zum Zwecke führen können, bis zum Meineid hinauf, und es hat die Großherzogl. Staatsregierung bei dem Beſchluſſe, die Ergebniſſe der Un⸗ terſuchung zu veröffentlichen, auch die Abſicht gehabt, die— jenigen einen klaren Blick in die Natur und das Weſen jenes Treibens werfen zu laſſen, welche etwa auch jetzt noch geneigt ſeyn möchten, ſolchem Streben ihre Achtung zu widmen und die Gerichte zu tadeln, welche es mit der Strafe des Zuchthauſes zu ahnden ſich verpflichtet erachtet haben. Endlich aber giebt dieſe Darſtellung die Gewißheit, daß keiner der Verurtheilten als Rädelsführer erſcheint, Sache hritten, und der keſultate chneten, ellt ge⸗ erartige n Auf— ſes Un⸗ in das hätte, ung in e ſtarke Veber⸗ ch Leben vie kein führen herzogl. der Un⸗ t, die⸗ Weſen ch jetzt Achtung mit der erachtet ewißheit⸗ 6 rſcheint/ daß keiner derſelben bei dem Frankfurter Attentate thätig ge⸗ weſen iſt(diejenigen Angeſchuldigten, welche unter ſolche Kategorieen fallen, haben ſich vor und während der Unterſuchung dem Arme der Gerechtigkeit entzogen),— und wenn es für angemeſſen gehalten worden, zur Offenkundig— keit zu bringen, was die implicirten Perſonen verſchuldet haben, ſo erfordert es auch die Gerechtigkeit, jenes beſon⸗ ders hervorzuheben. Gießen im März 1839. Schäffer, Hofgerichts⸗Rath die Einleitende Bemerkungen, die Veranlaſſung und den Gang der Unterſuchung ꝛc. betr. Nicht lange nach den bekannten Frankfurter Vorfällen vom 3. April 1833 ergaben ſich beſtimmte Anzeigen, daß Studirende zu Gießen den verbrecheriſchen politiſchen Beſtreb— ungen jener Zeit nicht fremd geblieben ſeyen. Es wurde hier— durch zuerſt eine polizeiliche und dann eine gerichtliche Unter— ſuchung veranlaßt, welche im Juli 1833 ihren Anfang nahm und im Frühjahr 1834 zum Schluſſe gekommen war. Auch gegen Apotheker Trapp von Friedberg war in Folge der An⸗ gaben auswärts proceſſirter Individuen die Unterſuchung aus— gedehnt worden; ebenſo erſchien damals ſchon Dr. Weidig (Rector in Butzbach, ſpäter Pfarrer in Obergleen) als nicht unbetheiligt bei dieſer Sache, ohne daß jedoch Gründe genug vorgelegen hätten, die förmliche gerichtliche Unterſuchung gegen denſelben zu erkennen. Während das Erkenntniß in jenen Sachen vorbereitet wurde, fanden vielfache Verſuche ſtatt, durch Ver⸗ breitung von Druckſchriften ſtaatsgefährlichen Inhalts das Volk aufzuwiegeln und den öffentlichen Frieden zu ſtören. Die Ein⸗ leitung einer neuen Unterſuchung war die Folge dieſer Umtriebe, welche bis zum Frühjahr 1835 fortdauerten und erſt mit der Verhaftung mehrer dabei betheiligt geweſener Perſonen(worun— ter die Pfarrer Weidig und Flick) aufhörten. Die Zahl der Angeſchuldigten nahm, als ein Theil der Verhafteten allmählig offene Geſtändniſſe ablegte, in eben dem Maße zu, als das ganze Getriebe und deſſen innerer und äußerer Zuſammenhang immer klarer wurde. Es war daher, ſollte das Ende der Un⸗ 1 terſuchung nicht in zu weite Ferne gerückt werden, eine Begrän— zung derſelben in ob- und ſubjectiver Beziehung um ſo noth— wendiger geworden, als auch die ſchon füͤr geſchloſſen angeſehene, ohne weſentliches Reſultat gebliebene, frühere Unterſuchung wie⸗ der aufgenommen werden mußte. So kam es, ganz abgeſehen von dem der Sache wenig förderlichen Verhalten einzelner An⸗ geſchuldigter, daß die Dauer der Geſammt⸗Unterſuchung (mit Unterbrechungen) einen Zeitraum von mehren Jahren umfaßte. Dieſelbe war übrigens, die fluͤchtig gewordenen Perſonen (an der Zahl ſechs und zwanzig, von welchen drei jetzt nicht mehr am Leben ſind) ungerechnet, gegen ſechszig Indi⸗ viduen gerichtet. Zwei von dieſen ſind während des Proceſſes geſtorben; die Unterſuchung gegen ſieben andere wurde zum Theil niedergeſchlagen, zum Theil ſoll ſie, nach Verfügung der höchſten Staatsbehörde, wenigſtens auf ſich beruhen bleiben; ſiebenzehn, welche vor und nach dem, dreißig Angeklagte umfaſſenden, Haupt⸗Erkenntniſſe vom—— 1838 abgeur⸗ theilt worden, waren nur geringerer, oder doch mit der Haupt— ſache in keiner nothwendigen Verbindung ſtehender Vergehen be⸗ ſchuldigt; gegen vier Inculpaten endlich iſt noch zu erkennen. —.— Da dieſe 183 grof Pre Ver Volz von Unt an The dura ſchri dae zum Sch „ e Vegraͤn⸗ ſo noth⸗ eſehene, zung wie⸗ abgeſehen elner An⸗ ſuchung Jahren Perſonen drei jetzt ig Indi⸗ Proceſſes zurde zum gung der leiben; ngeklagte 3 abgeur⸗ r Haupt⸗ gehen be⸗ erkennen. Darſtellung der unterſuchungs⸗Ergebniſſe. Erſter Abſchnit t. Das revolutionaire Treiben von 1832 an bis zum Frankfurter Attentate. Die ſtaatsfeindlichen Beſtrebungen, welche Gegenſtand dieſer Unterſuchung geworden ſind, beginnen mit dem Jahre 1832 und wurden veranlaßt und genährt durch die bekannten großen Zeit-Ereigniſſe, die Polen-Durchzüge, den damaligen Preß⸗Unfug und die an verſchiedenen Orten gehaltenen Volks⸗ Verſammlungen, von denen beſonders des ſ. g. Hambacher Volksfeſtes zu gedenken iſt. In jene Zeit fällt die Aufforderung von Dr. Wirth, dem Herausgeber der deutſchen Tribüne, zur Unterzeichnung von Geld⸗Beiträgen für die freie Preſſe, welche an nicht wenigen Orten, worunter beſonders Butzbach, lebhafte Theilnahme und zahlreiche Unterſtützung fand. Aus dem hier⸗ durch in's Leben gerufenen Preß⸗Verein gingen Zeit⸗ und Flug⸗ ſchriften von dem aufregendſten Inhalte hervor, und hier und da entſtandene Leſe⸗Geſellſchaften ſetzten ſich mehr oder weniger zum Zwecke, politiſche Lehren und Grundſätze, wie ſie jene Schriften enthielten,*) allgemeiner zu machen. *) So wird ſchon in Nr. 1 der deutſchen Tribüne der in ſpäteren Nummern dieſes Tagblatts näher und unzweideutig ausgeführte Satz aufgeſtellt:„Ohne vollſtändige Durchführung des conſtitutio⸗ nellen Prinzips und ohne politiſche Einheit kein Heil für Deutſch⸗ land.“(Vergl, hiermit S. 55 Not.*)). 1* Dieſer Zeitgeiſt wirkte namentlich auf einen Theil der Studenten zu Gießen, ſowie der jungen Bürger da⸗ ſelbſt und zu Butzbach, welche ſich von da an näher anein— ander anſchloſſen, nachtheilig ein und ließ, beſonders ſeit dem von einzelnen der in dieſe unterſuchung verwickelten Individuen beſuchten Hambacher Feſte, ernſte Folgen beſorgen. Ueber die damals zu Gießen herrſchende Stimmung äußert ſich Dr. Küch— ler dahin: „Ich muß ſagen, daß es mir ſchien, zu Gießen herrſche in dieſer Beziehung der Geiſt, welcher ſich in den rheinbaier— iſchen Blättern von Wirth und Siebenpfeifer ausſprach und der ſich in einer gewiſſen ſchroffen Entgegenſetzung gegen die Regierung kund that, wie ich ſolche in irgend einem anderen Blatte geleſen zu haben mich nicht erinnere.“ Bemerkenswerth iſt auch, was Kuͤfer Schneider unter Anderem darüber ſagt: „—— Die Leute aus gebildeten Ständen ſtanden uns ja voran; die erklärten uns, wir ſeyen unſeren Oberen keinen Gehorſam ſchuldig, indem die ihren Verpflichtungen auch nicht nachgekommen wären, die wollten uns geiſtig und kör— perlich zu Sclaven machen.“ Schon gleich nach dem Hambacher Feſte ſcheint man ſich der Hoffnung hingegeben zu haben, daß die gewaltſame Ver⸗ einigung der einzelnen deutſchen Staaten zu einem Ganzen unter einer republikaniſchen Regierungsform bei der herrſchenden Volks⸗ ſtimmung keine allzugroßen Schwierigkeiten finden werde. Solche Auſichten und Erwartungen wurden nicht nur bei jener Ver⸗ ſammlung ſelbſt ausgeſprochen, ſondern es bereiſten auch bald darauf, wie kaum zn bezweifeln iſt, Dr. v. Rauſchenplat aus Alfeld im Hannöveriſchen(in die Göttinger Unruhen vom Jahr 1831 ſchon verwickelt und ſpäter Theilnehmer an den Vorfällen zu Frankfurt am 3. April 1833) und Jacob Venedey von Cölln(gleich Erſterem als Flüchtling im Ausland) einen Theil Deutſchland's in der Abſicht, Anwerbungen fuüͤr die Revolutions⸗ Parthei zu machen, was Dr. Buff auch von dem Candidaten heil der ger da⸗ er anein⸗ ſeit dem ndividuen Ueber die dr. Küch⸗ herrſche geinbaier⸗ drach und gegen die n anderen der unter nden uns eren keinen ngen auch und kör⸗ man ſich ſame Ver⸗ anzen unter den Volks⸗ de. Solche jener Ver⸗ auch bald nplat aus vom Jaht 1 Vorfäͤllen hedey von einen The i Revolutiont⸗ Candidaten Friedrich Breidenſtein von Homburg verſichert. Als be— weiſend möchte außerdem ein an die Gruͤnder des Preß⸗- oder Vaterlands⸗Vereines gerichtetes unvollendetes Schreiben eines ſehr exaltirten vormaligen Heidelberger Studenten angeſehen werden, worin die Stelle vorkommt: „Der Dr. R.(Nauſchenplat) war hier und theilte Ihre Anſichten mit. 25— 30 junge Männer ſind unbedingt bereit, für ſich ſelbſtſtändig irgend ein Wagſtuck auszufuͤhren, ſobald der Befehl dazu von den Männern ihres Vertrauens kommt. Zum Handeln in größerer Maſſe— bei förmlichem Aus⸗ bruch— ſind aber wohl 200— 300 Theilnehmer und 30— 40 Anfänger und Signalangeber zu garantiren. Zu Handlungen, die Einer auf eigene Fauſt vollfüͤhren ſoll, dürfte auf 8 Män⸗ ner feſt zu bauen ſeyn.“ Derſelbe Heidelberger Student ſuchte auch frühzeitig ſchon den Studenten Gladbach, wie bieſer behauptet, zur Theilnahme an einer Revolution,„als dem einzigen Mittel, die Wünſche hinſichtlich einer größeren Ausdehnung der Volksrechte und der Verwirklichung der nationalen Einheit Deutſchland's in's Leben zu führen,“ zu beſtimmen, und der nun verſtorbene Student Eduard Scriba aus Schwickartshauſen im Großherzogthum Heſſen erneuerte ſpäter dieſen damals noch erfolglos gebliebenen Verſuch. Im Laufe des Sommers 1832 nahmen dieſe Beſtrebungen einen immer ernſtlicheren Character an. Es fand nicht nur bald nach Erlaß der Bundesbeſchlüſſe vom 28. Juni 1832 bei dem Weinhändler Hinkel zu Frankfurt a. M. eine Zuſammenkunft von Männern aus verſchiedenen Ländern ſtatt, bei welcher, allem Anſcheine nach, unter Anderem der Fortbeſtand des Preß⸗ verein's, der Verbote der Regierungen ungeachtet, und die Be⸗ lehrung des Volkes über ſeine Rechte, insbeſondere über das Recht der Verweigerung von nicht durch die Landſtände bewil— ligten Steuern mittelſt einer eigenen(von dem vormaligen Lieute⸗ nant Dr. W. Schulz damals auch wirklich verfaßten, den Titel: die Rechte des deutſchen Volkes und die Beſchlüſſe des — 6— Frankfurter Bundestags vom 28. Juni 1832— führenden, zur Aufregung der großen Maſſe ganz geeigneten und weitverbrei⸗ teten) Schrift beſchloſſen wurde,— ſondern es reiſten auch Ab⸗ geſandte der Revolutions⸗Parthei in Frankreich zu dieſer Zeit in Deutſchland umher, um(wie von Einem derſelben Apothe⸗ ker Trapp, im Allgemeinen in Uebereinſtimmung mit Dr. Ban ſa, welche Beide mit dieſem, unter der Firma eines Weinhändlers reiſenden, bald Marsquelle, bald Salins oder Strauß ſich nennenden, angeblich mit einem Empfehlungsſchreiben des bekannten Profeſſors Lelewel verſehenen und von einem poli⸗ tiſchen Verein zu Paris abgeſendeten Emiſſär verkehrten und ihn mit Geld unterſtützten, ausgeſagt hat) die Stimmung der Ge— müther in Deutſchland zu erforſchen und politiſche Vereine, welche ſich mit den franzöſiſchen in Verbindung ſetzen ſollten, zum Zwecke der Oppoſition gegen die Regierungen zu gründen, oder vielmehr um, wie Dr. Banſa ſich ausgedrückt hat, durch die anzuknüpfenden Verbindungen mit Gleichgeſinnten in Deutſch⸗ land im Falle eines nahe bezeichneten Krieges mit Frankreich einen Rückhalt zu gewinnen. Auch in Gießen hielt man den Ausbruch einer Revolution für ſo wenig zweifelhaft, und war ſo ſehr geneigt, deren Zwecke zu fördern, daß ſich auf Anregung des flüchtigen Candidaten Schuler und des ebenfalls im Ausland befindlichen damaligen Privat⸗Docenten Dr. Hundeshagen eine Anzahl Studenten, theils in des Erſteren Wohnung, theils an verſchiedenen Orten der Umgegend in der Abſicht mehrmals verſammelte, über ihre Thellnahme an der fuͤr nahe bevorſtehend gehaltenen Revolution und den bei Ausbruch derſelben zu befolgenden Plan ſich zu berathen und zu gemeinſamem Handeln ſich zu verpflichten.* *) Intereſſant iſt es, zu hören, was namentlich der Student G. Glad⸗ bach als Beſtimmungs⸗Grund ſeiner Theilnahme an dieſem Trei⸗ ben angiebt: „Ich theilte“— ſagt er nämlich—„die Anſicht und Hoffnung der ſ. g. conſtitutionellen Parthei, welche eine größere Ausdeh⸗ nung der politiſchen Rechte und der National⸗Einheit des deut⸗ Nich tief lich ner laſſ des richt rutſe einer ſelbe ſiche Au mu un, die den bun den keh dan den„ zur itverbrei⸗ auch Ab⸗ eſer Zeit Apothe⸗ Banſa, händlers Strauß iben des em poli⸗ und ihn der Ge⸗ Vereine, au ſollten, gründen, at, durch Deutſch⸗ eich einen evolution n Zwecke andidaten damaligen Studenten, ren Ortelt üͤber ihre zevolution n ſich zu lichten.*) 6. Glad⸗ jeſem Trei⸗ ad Hoffnung ere lusdeh⸗ ſ des deut⸗ Nicht unwahrſcheinlich iſt es, daß, wie auch verſichert wird, tiefer eingeweihte ältere Männer dieſe Umtriebe leiteten; nament⸗ lich ſoll nach der Angabe Betheiligter der als einer dieſer Mäu⸗ ner bezeichnete Advocat Follenius den Studenten haben ſagen laſſen: ſie möchten ihre Beſtrebungen zur größeren Ausbreitung des revolutionären Treibens hauptſächlich auf das Landvolk richten, wie er es ſelbſt ſchon thue, da die Bauern der Kern unſerer Nation ſeyen und, als die Einzigen, welche nichts bei einer Revolution zu verlieren hätten, auch am kräftigſten zu der⸗ ſelben mitwirken wuͤrden. Wirklich machten, glaubhafter Ver⸗ ſicherung nach, hierauf auch die Studenten Reck und Dittmar Ausfluͤge in die Ortſchaften des Buſecker Thales, um die Stim⸗ mung der Landleute zu erforſchen und dieſelben für ihre Beſtreb⸗ ungen empfänglich zu machen, ſowie auch um dieſelbe Zeit die Studenten Clemm, Noſenſtiel, Degeling und Reck zu dem nämlichen Zwecke nach Butzbach reiſten, um dort Anwer⸗ bungen fur ihre Parthei zu machen, und Einige derſelben auſſer— dem noch mit Leuten an andern Orten in gleicher Abſicht ver⸗ kehrten. Mit Marburger Studenten ſetzte man ſich übrigens damals ebenfalls in Verbindung. Gleichzeitig fanden zwiſchen Dr. Weidig, dem Advoca— ten Follenius und dem Advocaten Dr. Banſa mehre Zuſammenkünfte zu Groſenlinden und Langgöns ſtatt, in wel⸗ chen, wie Letztgenannter wörtlich ſagt,„der politiſche Zuſtand von Europa in Bezug auf Deutſchland beſprochen und auf die in nahe Ausſicht genommene Entſtehung eines allgemeinen Krie— ges die Hoffnung gebaut wurde, in dieſem und durch dieſen — Preßfreiheit, allgemeines Petitionsrecht, auch mittelſt Volks⸗ ſchen Volkes allmählig auf geſetzlichem Wege herbeizuführen trachtete. Nur die damals vom deutſchen Bundestag erlaſſenen Beſchlüſſe ſchienen mir das vorhin erwähnte Reſultat unmöglich zu machen und es wurde von dem Augenblicke an meine feſte Ueberzeugung, daß nur eine Revolution zu dem von mir ſehn⸗ lichſt gewünſchten Ziele führen könne, daß es ſogar die Pflicht jedes Deutſchen ſey, eine ſolche nach Kräften zu bewerkſtelligen oder wenigſtens daran Theil zu nehmen.“ 8 Verſammlung, Bürger⸗Bewaffnung, landſtändiſche Repraͤſenta⸗ tion in allen Bundesſtaaten und eine mehr demokratiſche Orga⸗ niſation des deutſchen Bundes, ſowie groͤßere Einheit zwiſchen den deutſchen Bundes⸗Staaten, namentlich durch völlig freien Verkehr, mit Gewalt zu erlangen.“ Endlich hatte Dr. Weidig noch im Laufe des Sommers 1832 mit den Doctoren Gärth, v. Rauſchenplat und Jucho(Erſterer Hauptleiter des revolutionären Unternehmens vom 3. April 1833) an einem Sonntag in der Wohnung des Pfarrers Flick zu Petterweil eine Unterredung über politiſche Gegenſtände, wie dieſer, ohne jedoch üͤber den Inhalt des Ge⸗ ſprächs etwas Näheres angeben zu koͤnnen, ausgeſagt hat. Es läßt ſich jedoch nach Allem, was vorliegt, kaum bezweifeln, daß dieſe Beſprechung auf die Verfolgung ſtrafbarer politiſcher Zwecke Bezug hatte.*) Soviel läßt ſich wenigſtens mit Gewiß⸗ heit behaupten, daß man es ſich zu Frankfurt, wohin allen Anzeigen nach auch der Sitz des Central⸗Comite's des Preß⸗ oder Vaterlands⸗Vereines damals verlegt worden war, beſonders angelegen ſeyn ließ, die revolutionären Intereſſen zu fördern und zu dem Ende uberall Verbindungen anzuknüpfen. Nament⸗ lich traten die Frankfurter, welche an der Spitze dieſer ver⸗ brecheriſchen Beſtrebungen ſtanden, um dieſe Zeit zu dem Lieutenant Koſeritz, dem Buchhändler Frankh und dem Studenten Hardegg, ſaͤmmtlich Würtembergern, welche in gleicher Weiſe, wie jene, thätig waren, in ein näheres Ver⸗ hältniß. Koſeritz war von der Vorausſetzung ausgegangen, daß es in Deutſchland zu einer Revolution komme, in der er das Mittel zur Vereinigung Deutſchland's in Ein Reich mit )Kurz vorher ſchon hatte Weidig mit Fr. Breidenſtein von Homburg eine Zuſammenkunft in dem Hauſe des Apothekers Trapp zu Friedberg, wobei, wie Trapp verſichert, Breiden⸗ ſtein allgeweine Eröffnungen über ein Revolutions⸗Project machte und mittheilte, daß ſein Bruder das Heſſen⸗Homburgiſche Militär dafür gewonnen habe, eine Mittheilung, deren Wahrheit Letzterer etwas ſpäter gegen Trapp beſtätigt haben ſoll. rep. dief gelo Fre rev⸗ und fähn Kof delte aud Fr 18. er Er ſchl ſurt fur der be Ge an um un V der hau viel daß epraͤſenta⸗ he Orga⸗ zwiſchen ig freien Sommers lat und nehmens nung des politiſche des Ge⸗ ſagt hat. ezweifeln, politiſcher it Gewiß⸗ hin allen es Preß⸗ beſonders u fördern Nament⸗ jeſer ver⸗ zu dem und dem welche in heres Ver⸗ gegangen, in der er Reich mit nſtein von Apothekers Breiden⸗ qject mache ſche Militäͤr heit Letterer republikaniſcher Regierungsform erblickte. Er ſuchte deshalb in dieſem Sinne beſonders auf das Militär einzuwirken und es gelang ihm auch, einigen Anhang unter demſelben zu gewinnen. Frankh und Hardegg waren hauptſächlich in Frankreich für revolutionäre Unternehmungen angeregt und begeiſtert worden, und als ſie nach ihrer Rückkehr in ihre Heimath ihre ſtaatsge⸗ fährlichen Pläne zu verwirklichen ſich bemühten, wurden ſie mit Koſeritz bekannt, mit welchem ſie nun gemeinſchaftlich han⸗ delten, wobei ſie aber die Nothwendigkeit einer Verbindung mit auswärtigen Gleichgeſinnten fühlten, was den Buchhändler Frankh zu verſchiedenen Reiſen, namentlich auch im Auguſt 1832 zu einer ſolchen nach Frankfurt, veranlaßte. Hier lernte er den Advocaten Dr. Gärth als einen Gleichgeſinnten kennen. Er verſtändigte ſich daher mit demſelben, vermittelte den An⸗ ſchluß der Revolutionäre Würtembergs an diejenigen zu Frank⸗ furt und trug dadurch, ſowie durch ſeine ſpäteren Bemühungen für das beabſichtigte revolutionäre Unternehmen, zu deſſen För⸗ derung, wenigſtens zur Beſchleunigung der Ausführung deſſel⸗ ben, weſentlich bei. Namentlich wohnte er zweien, auf dieſen Gegenſtand ſich beziehenden, Verſammlungen bei Dr. Gärth, an deren einer auch Weidig Theil genommen haben ſoll, bei und eröffnete nach ſeiner Rückkehr ſeinen Genoſſen zu Stutigart und Ludwigsburg: die Frankfurter ſeyen thätig geweſen, die Verbindungen mit Heſſen, wo ſich einige tüchtige Männer aus der Schule des Profeſſors W. Snell befänden und wo über⸗ haupt der Geiſt gut ſey, wären eingeleitet und es beſtänden viele Volks⸗Geſellſchaften. Er erklärte Alles fuͤr ſo vorbereitet, daß jetzt die Revolution jeden Tag losgehen könne. Im Januar 1833, nach der zweiten Verſammlung bei Dr. Gärth, machte Frankh eine Reiſe nach Oberheſſen, namentlich nach Friedberg, Butzbach, Gießen und Marburg, angeblich um den Dr. Weidig und den Profeſſor Jordan zur Lieferung von Aufſätzen für die von ihm herausgegebene, die Verbreitung ſeiner republikaniſchen Ideen bezweckende, Donau⸗ und Neckar⸗Zeitung zu beſtimmen. Er ſprach auch — 1f0— wirklich bei Beiden auf dieſer Reiſe an. Als er damals zu Weidig kam, ließ dieſer mehre junge Butzbacher zu ſich rufen, um ſie dem Frankh vorzuſtellen, damit Derſelbe, wie Einzelne vermuthen, ſich ſelbſt davon überzeuge, daß die Butzbacher ein kräftiger Schlag Menſchen und ihm zugethan ſeyen. Nach C. Zeuners Angabe äußerte Frankh damals: Schüler, Savoye und Geib(cheinbaieriſche Anwälte, welche die Leit— ung und Geſchäftsführung des Preß⸗Verein's zur Zeit deſſen Gründung übernommen hatten) hätten zwar recht gut verſtan⸗ den, die freiſinnige Stimmung in Deutſchland zu erhöhen, aber verſäumt, einen für Deutſchland nützlichen Gebrauch von dieſer Stimmung zu machen; man müſſe dieſelbe be⸗ nutzen und die Freiheit des Volkes dauernd ſicher ſtellen. Der— ſelbe Zeuner, ein Lieblingsſchüler Weidig's und einer ſeiner treueſten und begeiſtertſten Anhänger, ſagt auch, daß ſich Wei⸗ dig nach dieſem Frankh'ſchen Beſuche entſchieden fuͤr eine Revolution ausgeſprochen und zugleich bemüht habe, anch die Anſichten Anderer dahin zu lenken, indem ſich etwas Gutes auf anderem Wege nicht hoffen laſſe. Von jetzt an ließ es ſich Weidig, wie aus Allem her⸗ vorgeht, ernſtlichſt angelegen ſeyn, im Einverſtändniſſe mit den Frankfurtern fuͤr das Nevolutionsprojekt in ſeinem Kreiſe zu wirken. Es möchte daher nicht ungeeignet ſeyn, zur Charac⸗ teriſtik dieſes Mannes und zur umfaſſenden Würdigung ſeiner politiſchen Thätigkeit Einiges von demjenigen, was die Acten in dieſer Beziehung enthalten, hier einzuflechten. Dr. Friedrich Ludwig Weidig war eine Reihe von Jahren hindurch Lehrer an der Stadtſchule zu Butzbach, wo auch ſein Vater, Großherzogl. Oberförſter, wohnte. Er war mit einem nicht gewöhnlichen Verſtand begabt, gründlich wiſſeu⸗ ſchaftlich gebildet, hatte ein vorzügliches Lehrtalent und beſaß in einem hohen Grade die Gabe, die Gemüther ſich zu gewinnen und unwiderſtehlich an ſich zu feſſeln. Daneben wird ſein Pri— vatleben als tadellos geſchildert und ſeine Willenskraft, Ent⸗ ſchloſſenheit und Ausdauer gerühmt. Bei dieſen Eigenſchaften wuͤrde er dem Staate ausgezeichnete Dienſte zu leiſten im Stande gewe liche geha und aufg kam verw unter nung und d der! We ung geit Glü chü And ſey miſc Gra zu ſa ein men zu d ſchen kein der und den mmals zu ch rufen, Einzelne acher ein Nach ſchuͤler, die Leit⸗ it deſſen verſtan⸗ erhöhen, Gebrauch ſelbe be⸗ len. Der⸗ ner ſeiner ſch Wei⸗ fuͤr eine auch die as Gutes llem her⸗ mit den Kreiſe zu Charac⸗ ung ſeiner die Acten Reihe von bach, wo Er war lich wiſſeu⸗ und beſaß 1 gewinnen d ſein Pri⸗ fraft/ Ent⸗ geuſchaften , ude in Stande — 1— geweſen ſeyn, wenn er nicht frühzeitig ſchon einen unbezwing⸗ lichen Hang zu politiſcher Thätigkeit gezeigt und ſich für berufen gehalten hätte, zur Verwirklichung von politiſchen Wünſchen und Hoffnungen, wie ſie in den verſchiedenen Perioden jener aufgeregten Zeit laut wurden, nach Kräften beizutragen. So kam es, daß er ſchon im Jahre 1819 in eine Unterſuchung verwickelt wurde, weil er beſchuldigt war, politiſche Irrlehren unter ſeinen Schülern zu verbreiten, gegen die beſtehende Ord— nung anzukämpfen, die Achtung gegen das Staats⸗Oberhaupt und die Behörden bei Seite zu ſetzen und überhaupt im Sinne der Unzufriedenen damaliger Zeit zu wirken. Dieſe Unterſuchung lieferte indeſſen kein ſicheres Ergebniß, Weidig ſelbſt widerſprach beharrlich allen jenen Anſchuldig⸗ ungen und behauptete noch in ſeinen Verhören aus neueſter Zeit,„daß er ſtets überſpannte Ideen bei ſeinen Schulern mit Glück bekämpft, weil er das Kind nicht mit dem Bade ausge— ſchuttet, d. h. nicht eine vernünftig patriotiſche Richtung, wie Andere, mit dem Bannfluch belegt habe.“ Mag es nun auch ſeyn, daß ſein Streben Anfangs rein von unlauteren Bei⸗ miſchungen war, daß er ſich urſprünglich nur innerhalb der Gränzen des Geſetzes bewegte, nur für geſetzlich erlaubte Zwecke zu wirken ſich zur Aufgabe gemacht hatte, ſo ging er doch ſpäter unzweifelhaft viel weiter, indem er, vielſeitigen über— einſtimmenden Zeugniſſen nach, in ſeiner immer mehr zuneh⸗ menden politiſchen Exaltation nicht nur für die Vorbereitungen zu dem in der jüngſten Zeit beabſichtigten Angriff auf die deut— ſchen Negierungen und Verfaſſungen thätig war, ſondern auch kein Mittel verſchmähte, zum Ziele zu gelangen. Er war, wie der von ihm beſonders lieb gewonnene, in ſein ganzes Thun und Treiben eingeweihte Student Auguſt Becker ſagt,„von dem größten Eifer für die Umgeſtaltung Deutſchlands belebt und hatte ſich dieſelbe ganz und gar zum Hauptzweck ſeines Lebens gemacht.“*) Auf gleiche Weiſe ſpricht ſich Dr. Banſa *) Hiermit iſt zu verbinden, was derſelbe Becker an einem anderen Orte bemerkt:„Wenn Weidig überhaupt ausgezeichnete Fähig— — 12— aus, daß nämlich„W eidig's ganzes Streben politiſch und revolutionär geweſen ſey und daß er die Märtyrerkrone der Freiheit erſtrebenswerth gefunden habe.“ Den Grundſatz: der Zweck heiligt die Mittel! brachte er, obgleich er ihn ſonſt als irreligiss verdammte, doch zur Erreichung ſeiner politiſchen Zwecke in vollem Umfange zur Anwendung. Abgeſehen von den mannichfachen Intriguen, Täuſchungen und Verhöhnungen der Behörden, welche von ihm ausgingen und alle wohlberechnet waren, und dem heimlichen, auf die Vereitelung des Zweckes der in den Jahren 1833 und 1834 anhängig geweſenen Unter⸗ ſuchung gerichteten, Verkehr mit und zwiſchen Verhafteten, den er einleitete und vermittelte, lehrte er nach der Verſicherung ſeiner beiden vormaligen Schüler, Carl Braubach und Carl Zeuner, des Pharmaceuten Clemm, des Studenten A. Becker, des penſionirten Seminarlehrers Dr. Briel und Anderer, deren Angaben durch ſo manche Erſcheinungen, welche dieſe Unterſuchung dargeboten hat, unterſtützt werden, ſelbſt das Erlaubtſeyn eines falſchen Eidſchwurs in politiſchen Proceſſen, indem er den Satz aufgeſtellt haben ſoll, daß der dermalige öffentliche Rechtszuſtand überhaupt ein unrechtmäßiger ſey,*) daß man daher der beſtehenden Obrigkeit auch keinen Gehorſam ſchuldig und die Wahrheit zu ſagen nicht verbunden ſey, wenn das Intereſſe und die Wirkſamkeit der Volksfreunde dadurch gefährdet werden könnte, in welchem Falle ein falſcher Eid als ein Act der Nothwehr erſcheine,— und ein gezwungener Eid thue Gott leid. keiten beſaß, ſo waren es die, die dazu gehörten, der Leiter einer ausgebreiteten Verſchwörung zu ſeyn.“ *) In derſelben Weiſe ſprach ſich! Dr. Wirth in ſeiner Vertbeidig⸗ ungs⸗Rede vor den Aſſiſen zu Landau aus, indem er dort gerade⸗ zu erklärte: „die ſ. g. Souverainitäten ſämmtlicher deutſchen Fürſten ſind uſurpirt und es ſind ſowohl dieſe fürſtlichen Prärogative, als auch die deutſche Bundesacte und alle particulairen Conſtitu⸗ tionen der einzelnen Länder nichtig, ungültig, unverbindlich und rechtlich unwirkſam.“ daß ſey, anäͤm woh⸗ wir Ein⸗ nen, geeie wie erlau Wiͦ aus We tiſch und krone der ſatz: der ſonſt als politiſchen ſehen von öhnungen lberechnet 3 Zweckes en Unter⸗ teten, den erſicherung und Carl tudenten d. Briel heinungen, t werden, hwurs in tellt haben rhaupt ein Obrigkeit agen nicht ſamkeit der ſchem Falle ne,— und Leiter einer Vertbeidig⸗ dert gerade⸗ Fürſten ſind — als ren Conſtitu⸗ unmetbudl — 13— So ſagt Dr. Briel: Weidig habe gegen ihn behauptet, daß es Fälle geben könne, wo der Meineid nicht nur erlaubt ſey, ſondern ſogar von der Pflicht gefordert werde, ſobald er nämlich als Folge der Nothwehr erſcheine.„Sie werden doch wohl zugeben“— habe er namentlich geäußert—„daß, ſobald wir angegriffen werden und unſer Leben, Hab' und Gut, mit Einem Worte unſere Menſchenrechte nicht anders ſchützen kön⸗ nen, wir ſogar nach den Geſetzen das Recht haben, den An⸗ greifer zu tödten. Wenn uns alſo ſogar ein Mord erlaubt iſt, um wie viel mehr muß unter dieſen Umſtänden ein Meineid uns erlaubt ſeyn.“ Auf den von ihm gegen dieſe Lehre erhobeuen Widerſpruch, ſagt Dr. Briel weiter, habe W eidig mehrmals ausgerufen: Ein Doctor der Philoſophie mit ſolch' einem Alt⸗ Weiber⸗Gewiſſen! Hiermit übereinſtimmend iſt, was A. Becker als wörtliche Aeußerung Weidig's über dieſen Punkt anführt: „Wenn zwei Pflichten mit einander in Colliſion kommen, ſo muß ich diejenige erfuͤllen, welche die wichtigere iſt. Was kann nun heiliger ſeyn, als Freundes⸗Pflicht, und was profaner, als eine hohle Eidesformel, abgelegt in die Hände eines Rich⸗ ters, der ſelbſt nicht daran glaubt, oder wenigſtens nicht da⸗ nach handelt? Wenn wir von einem Räuber angefallen werden, ſo tragen wir kein Bedenken, unſer Geld durch einen falſchen Schwur aus ſeiner Hand zu retten, warum nicht einen Freund aus den Händen eines Nichters durch daſſelbe Mittel? In die⸗ ſem Gedanken liegt fuͤr mich ſo wenig Sundhaftes, daß ich ihn in mein Gebet einſchließen könnte.“ Daſſelbe beſtätigt auch Dr. Banſa, welcher wörtlich ſagt: „Er(Weidig) ſagte oſt, daß er dem die Treue nicht zu halten verpflichtet ſey, der ihm ſolche nicht halte, und be⸗ ſchönigte ſeine allerdings verwerflichen Grundſätze über den Eid dadurch, daß er im Intereſſe des Vaterlandes Alles für erlaubt hielt.“ Nach Carl Zeuner's Angabe ſoll Weidig deſſen —-— 14— Bruder Paul Wilhelm, bei welchem jene Lehre vom fal⸗ ſchen Eid keinen Eingang gefunden,„matt“ genannt und eben darum, weil er glaubte, daß derſelbe im Jahre 1833 zur Zeugnißablage wider ihn würde aufgefordert werden, zur Auswanderuug beſtimmt haben. C. Braubach endlich will von Weidig die Aeußerung vernommen haben, daß ohne ſolche Grundſätze das Reich der Wahrheit nicht verbreitet werden könne. Mehre Perſonen, welche in dieſer Unterſuchungsſache als Yitg Zeugen vernommen worden ſind, haben geſtändigermaßen falſch geſchworen. Sie klagen den Dr. Weidig als ihren Verführer an und begründen ihre Beſchuldigung gegen denſelben auf eine Weiſe, daß man ihnen zu glauben alle Urſache hat. Daß jene verdammungswürdigen Grundſätze bei ſo Vielen Eingang fanden, wird weniger befremden, wenn man berück⸗ ſichtigt, daß ſie mit beredtem Munde von einem Religions- und Volks⸗Lehrer, von einem Manne vorgetragen wurden, der im Kreiſe ſeines amtlichen Wirkens, namentlich bei der von ihm meiſt unterrichteten und gebildeten jüngeren Generation zu Butz⸗ bach, ein unbegränztes Vertrauen genoß. So ſagt Carl Braubach: „Hundert andere Menſchen würden es über mich nicht vermocht haben, mich dahin zu fuͤhren, daß ich die Heiligkeit des Eides mindeſtens bezweifelte, nur Dr. Weidig konnte es, ihm glaubte ich.“ und Carl Zeuner läßt ſich überhaupt über den Einfluß, welchen Weidig auf die jungen Butzbacher ausgeübt und wo⸗ durch er ihn namentlich zur Theilnahme an verbrecheriſchen politiſchen Beſtrebungen beſtimmt habe, folgendermaßen aus: „Vorzüglich aber und vor Allem die Anfeuerung und das Beiſpiel eines wegen ſeiner Privat⸗Tugenden allgemein ge— achteten und von mir beſonders geliebten Lehrers, der durch den eindringenden Vortrag ſeiner Freiheits⸗Lehren beſonders geeignet war, einen tiefen und bleibenden Eindruck auf ein jugendliches Gemüth hervorzubringen und daſſelbe für Hand⸗ ſeine ſoga Bec Nicht Aug ſeh, Hert gott jedo eine Noch des lan bur⸗ eine vom fal⸗ ſannt und ahre. 1833 t werden, Aeußerung Reich der sſache als ßen falſch Verfuͤhrer en auf eine i ſo Vielen aan berück⸗ gions⸗ und a, der im r von ihm in zu Butz⸗ mich nicht — Heiligkeit konnte es, t Einfluß⸗ t und wo⸗ recheriſchen zen aus: ng und das gemein ge⸗ „der durch a beſonders ruck auf ein fär Haud⸗ — 15— lungen fur die Freiheit zu begeiſtern, ſpornte auch mich zur Thätigkeit an.“ Nach des Pharmaceuten Clemm Angabe ſoll Weidig in ſeiner politiſchen Erhitzung bei einer beſtimmten Veranlaſſung*) ſogar den Verſuch gemacht haben, dieſem und dem Auguſt Becker die Ueberzeugung beizubringen, daß es nothwendig ſey, Richter, die partheiiſch handelten, aus dem Wege zu räumen. Auguſt Becker beſtätigt zwar,„daß Weidig über mehre Mitglieder des Hofgerichts auf's Aeußerſte aufgebracht geweſen— ſey, daß er ihnen die heftigſten Prädicate beigelegt und geäu⸗ zert habe, dieſelben hätten, ihrer Partheilichkeit wegen, nach göttlichen und menſchlichen Geſetzen den Tod verdient;“ er will ſedoch hierin die Abſicht Weidig's, ihn oder einen Anderen zu einem ſolchen Handeln zu beſtimmen, nicht erkannt haben. Zum Schluſſe dieſer kurzen Characteriſtik Weidig's möge noch die hierher gehörige, wie es ſcheint, treffende, Aeußerung des wegen Mitwirkung füͤr revolutionäre Unternehmungen zu langjähriger Haft verurtheilten Dr. med. Eichelberg von Mar⸗ burg, mit dem Weidig in ſpäterer Zeit viel verkehrte, hier rine Stelle finden. Er ſagt nämlich: „Was den Pfarrer Dr. Weidig anlangt, ſo glaube ich dieſen richtig beurtheilt zu haben, wenn ich von ihm ſage, daß ihn ein unruhiger Geiſt in dem Grade beherrſcht, daß er ihm wahrhaft zur anderen Natur geworden, ihn Mittel und Zwecke verwechſeln, bei der Wahl der Mittel ſelbſt keine ruhige Auswahl mehr treffen läßt und endlich an ihn ſo feſt gebannt iſt, daß es mir ſtets die feſte Ueberzeugung gewährt, er werde ihn ſelbſt dann nicht verlaſſen, wenn das, wonach er bis jetzt vielleicht ſtrebte, im vollſten Maße erreicht ſey, und dann gewiß gegen das errungene Werk eben ſo gut an⸗ *) Nämlich bei Gelegenheit des mißglückten Verſuchs, durch einen falſchen Unſchulds⸗Beweis die Entlaſſung des Apothekers Trapp aus der Haft zu bewirken(im März 1834). — 16— kämpfen, als gegen das, was er ſich bis jetzt als Object ſeines Ankaͤmpfens ausgeſucht.“ Dieſer, auf Alle, mit denen er in Berührung kam, ſo mächtigen Einfluß äußernde Mann nun fand ſich— um in der Erzählung der Begebenheiten fortzufahren— eines Tag's im Januar 1833 mit dem(wegen Theilnahme an jenem verbrecher⸗ iſchen Treiben im Februar 1833 in Unterſuchung und Haft genommenen, im Mai 1833 aber aus letzterer entſprungenen, in das Ausland geflüchteten und inzwiſchen verſtorbenen) Dr. med. Breidenſtein von Homburg, dem polniſchen Fähndrich Scylling(welcher allem Anſcheine nach blos des Revolutions⸗ Projectes wegen aus Frankreich, wo er mit den übrigen pol⸗ niſchen Flüchtlingen einen Zufluchts-Ort geſucht hatte, nach Deutſchland zurückgekehrt war und bei Dr. Breidenſtein gaſtliche Aufnahme gefunden hatte) und dem Apotheker Trapp von Friedberg*) bei Pfarrer Flick zu Petterweil zuſammen und unterredete ſich mit denſelben über das revolutionäre Vor⸗ haben, nachdem er, wie Flick verſichert, kurz vorher ſchon eine auf dieſen Gegenſtand bezügliche Beſprechung mit Dr. Brei⸗ denſtein allein, und zwar ebenfalls im Pfarrhauſe zu Petter⸗ weil, wo man nicht ohne Grund vor Entdeckung ſicher ſeyn zu können glaubte, gehabt hatte.**) Bei jener Gelegenheit, ſagt *) Wie viele Andere, ſo beſchuldigt auch Apotheker Trapp den Weidig zum Oefteren als ſeinen Verführer. So ſagt er ein⸗ mal wörtlich:„Die Polen-Durchzüge im Winter 185 S2 haben mich mit dem Pfarrer Dr. Weidig in nähere Berührung gebracht, mich mit ihm bekannt gemacht. Ich hatte ihn zwar ſchon früher gekannt, doch machten die Veranlaſſungen der Durchzüge der Polen⸗ Flüchtlinge ein näheres Verhältniß zu ihm rege. Ich kann ſagen, daß ich nur durch den Dr. Weidig in dieſe umtriebe verwickelt worden bin, die meine gegenwärtige unglückliche Lage hervorgerufen haben. Er war es, der meine erregbare Stimmung kannte und der dieſe benutzte, mich anzufeuern, um mich in dieſe Sache einzu⸗ laſſen.“ **) PfarrerFlick will übrigens nie vorher davon benachrichtigt worden ſeyn, daß und wann eine ſolche Zuſammenkunft bei ihm ſtattfinden werde. — als Object kam, ſo um in der Tag's im verbrecher⸗ und Haft ggenen, in Dr. med. ühndrich volutions⸗ rigen pol⸗ tte, nach gaſtliche Trapp zuſammen puäre Vor⸗ ſchon eine Dr. Brei⸗ zu Petter⸗ ger ſeyn zu nbeit, ſagt er Trapp ſagt er ein⸗ 132 52 baben ung gebracht, ſchon früher ge der Pelen⸗ H kann ſagen, ebe verwickelt bervorgerufen 5 kannte un Sache einzu⸗ gt worden ſeyn, ttfinden werde — 17— Flick, habe er zum erſtenmal etwas Beſtimmtes von dem Auf⸗ ruhr⸗Projecte erfahren, nämlich, daß in Frankfurt die Revolution ausbrechen, dort die Wachen geſtürmt werden ſollten und Breidenſtein mit dem Homburger Militär, welches er ganz auf ſeiner Seite zu haben behauptet, habe zur Hülfe kommen wollen. Gleichzeitig hätte es auch im Würtembergiſchen los— brechen und ſo ein allgemeiner Volksaufſtand herbeigeführt wer⸗ den ſollen, durch welchen man gänzlichen Sturz der deutſchen Regierungen habe bezwecken wollen.„Man hielt“— wie Flick wörtlich ſagt—„die beſtehenden Ver⸗ faſſungen Deutſchlands dem Volksgeiſt und der Freiheit nicht zureichend und träumte von einem verbeſſerten Zuſtand, ohne daß man darüber einig geworden wäre, was an die Stelle des Umgeſtürzten treten ſolle,“ indem namentlich Weidig und Trapp dieſes der freien Entſchließung des deutſchen Volkes hätten überlaſſen wiſſen wollen. Trapp beſtätigt im Allge⸗ meinen dieſe Angaben und fügt insbeſondere noch hinzu:„Es iſt auch nicht der geringſte Zweifel laut geworden, ob das Pro⸗ ject mit Erfolg auszufuühren ſey. Weidig und auch Flick waren der Meinung, es bedürfe nur eines Anfangs und der Aufſtand werde ganz allgemein werden.“ Einige Zeit nach dieſer Verhandlung empfing Pfarrer Flick von Bonames her einen, wahrſcheinlich von Dr. Gärth ge⸗ ſchriebenen, Brief, welchen er, dem an ihn gerichteten beſon⸗ deren Erſuchen gemäß, an Apotheker Trapp überbrachte. Bei dieſer Gelegenheit erfuhr er, daß der in ſeinem und des hinzu⸗ gekommenen Weidig Beiſeyn halblaut vorgeleſene Brief die auf das Revolutions⸗Project bezügliche Nachricht enthielt, daß in Würtemberg Alles vortrefflich ſtehe und namentlich das dortige Militär theilweiſe gewonnen ſey,— eine Nachricht, welche, nach Trapp's Angabe, die Anweſenden befriedigte. Bald darauf, allen Ermittelungen nach am 10. Februar 1833, fand bei Flick zwiſchen Dr. Gärth und Dr. Neuhof einerſeits und Dr. Weidig andererſeits eine weitere Zuſam⸗ menkunft ſtatt, bei welcher die Mittheilung gemacht wurde, daß 2 inzwiſchen minder guͤnſtige Nachrichten aus dem Würtemberg⸗ iſchen eingelaufen ſeyen. Weidig ſoll hier der Anſicht gewe— ſen ſeyn, daß das beabſichtigte Unternehmen unter den jetzigen Verhältuiſſen unzeitig und erfolglos wäre, wogegen die Frank⸗ furter, wie Flick angiebt, bei dem Projecte und deſſen Aus⸗ führbarkeit beharrt und an Weidig die Forderung geſtellt hätten, auch in Butzbach zu einem gleichzeitigen Aufſtand 3 10ſ 1 r„ Xr. Anſtalten zu treffen, was dieſer aber verweigert habe. Die Doctoren Gärth und Neuhof ſollen ſich damals beſtimmt dahin ausgeſprochen haben, daß in Frankfurt die Wachen ge⸗ ſturmt, die Bundestags⸗Geſandten auseinander geſprengt, die Bundeskaſſe weggenommen, das Geld unter das Volk vertheilt und ſo huͤlfreiche Hände für den Aufſtand gewonnen werden ſollten. Ihr Plan war, nach Flick, Deutſchland, oder wenig, ſtens einen Theil davon, in eine Föderativ-Republik umzuge— ſtalten, im Falle das Volk zu dieſer Verfaſſungs⸗Form einſtim⸗ men ſollte.— Ohne daß es zu einem Einverſtändniß gekommen wäre, trennte man ſich, nachdem die Frankfurter vorher erklärt hatten, vom Tage des Ausbruchs der Revolution dem Dr. Wei⸗ dig zeitig Kenntniß geben zu wollen. Weidig veranlaßte nun den Apotheker Trapp, wie dieſer verſichert hat, gemeinſchaftlich mit Dr. Gärth in das Würtembergiſche ſich zu begeben, um an Ort und Stelle ſelbſt über den Stand der Dinge Erkundigung einzuziehen. Zu dem Ende reiſte Trapp am 1. März von Friedberg ab und von Darmſtadt aus mit Dr. Gärth, mit welchem er ſich in Frank⸗ furt vorher beſprochen hatte, zuſammen nach Heilbronn, wo ſich Fr. Breidenſtein zu ihnen geſellte. Von Heilbronn be— gaben ſich die drei Genannten in das zwei Stunden davon entfernte Großgartach, und hier trafen ſie bei einem Gutsbe⸗ ſitzer den Lieutenant Koſeritz und den Gürtler Dorn von Ludwigsburg. Da ſie ſich indeſſen hier nicht ungeſtort mit einander be⸗ ſprechen konnten, gingen ſie etwas weiter nach dem Orte Schluchtern, wo dann, ſowie auf dem Hin- und Her⸗Wege, ube (w bat aus den K ſtän der tion den. Fre wi W ſſen Aus⸗ ig geſtellt Aufſtand p Die be lbe. Tie beſtimmt achen ge⸗ engt, die vertheilt n werden rwenig, umzuge⸗ einſtim⸗ gekommen her erklart Dr. Wei Ip p, wit ay in das ztelle ſelbſ . Zu dem b und voll h in Frank⸗ bronn, wo ilbronn bi⸗ uden davolt tem Gutsbt⸗ Dorn voſt nander be⸗ Onle — 19— uͤber das Revolutions-Project verhandelt wurde. Dr. Gaͤrth (welcher dem Apotheker Trapp ſchon zu Frankfurt geſagt batte, daß ſie in Großgartach noch manche namhafte Männer aus verſchiedenen Ländern finden würden, deren indeſſen, außer den Genannten, keine anweſend waren) machte nämlich, wie Koſeritz ausgeſagt und Trapp theilweiſe beſtätigt hat, um— ſtändliche Mittheilungen über die Stimmung in Frankfurt und der Umgegend, ſowie über die Mittel, welche der Revolu⸗ tions⸗Parthei überhaupt zum Losſchlagen bereits zu Gebote ſtün— den. Namentlich eröffnete er, daß eine Colonne Polen aus Frankreich nach Deutſchland kommen und zur Revolution mit— wirken werde, und daß eine Anzahl polniſcher Offiziere nach Warſchau zurückgeſchickt worden, um dort wieder einen Auf— ſtand zu erregen. Koſeritz verſicherte ſeinerſeits, daß er mehre Regimenter würtembergiſchen Militärs für die Revolution gewonnen habe. Es wurde nun verabredet, daß der Zeitpunkt der damals für wahrſcheinlich gehaltenen Verlegung der konig, lichen Reſidenz von Stuttgart nach Ludwigsburg auch derjenige des Ausbruchs der Revolution ſeyn, dieſelbe jedoch, auch wenn jenes Ereigniß nicht eintreten würde, jedenfalls noch im April zur Ausführung kommen und zwar gleichzeitig von den Frank⸗ furtern und von Koſeritz begounen werden ſolle. Zur fer⸗ neren Einwirkung auf das Militär erhielt dieſer damals von Gärth eine Summe Geldes und eine andere wurde ihm zuge— ſichert, die er ſpäter auch mittelſt eines Wechſels empfing. Von Großgartach kehrten Koſeritz, Dorn und Trapp in ihre Heimath zurück; Gärth reiſte aber nach Straßburg oder, wie Trapp gehört haben will, uͤber Mannheim und Carlsruhe nach Frankfurt, und Breidenſtein, in Auftrag Gärth's, nach Gießen, um die Studenten, wie geſagt wird, „zum Losſchlagen zu beſtellen.“ Einige Tage nach ſeiner Zurückkunft von Großgartach ſtattete Trapp dem Dr. Weidig über das dort Verhandelte Bericht ab und erhielt, wie er angiebt, von dieſem zugleich theilweiſe Vergutung ſeiner Reiſekoſten. Da es dem Weidig 2* — 20— hauptſaͤchlich darum gegolten haben ſoll, über die Theilnahme des wurtembergiſchen Militärs an der Revolution Gewißheit zu erlangen und Trapp ſich überzeugt haben wollte, daß Koſeritz wirklich einen großen Theil des Militärs für die Zwecke der Revolution gewonnen habe oder doch noch gewin⸗ nen werde, in dieſer Weiſe auch gegen Weidig ſich ausſprach, ſo befriedigte dieſen, wie Trapp ſagt, jene Nachricht voll⸗ kommen. Trapp will zwar bisweilen Zweifel an dem Ge⸗ lingen der Revolution, insbeſondere an der von einzelnen Orten der Provinz Oberheſſen erwarteten Mitwirkung für dieſelbe, geäußert haben, indeſſen wären, giebt er an, ſeine Bedenklich— keiten von Weidig zu beſeitigen geſucht worden. Meiſt von dieſem will er auch über den Revolutions⸗Plan im Allgemeinen erfahren haben: daß, ſobald der erſte Schlag in Frankfurt gelungen ſeyn werde,— woſelbſt die im Bundes⸗ Palais verwahrten Acten des deutſchen Bundestags ſammt der auf einige Millionen angegebenen Bundes⸗Kaſſe hätten weg⸗ genommen und die Geſandten fortgejagt werden ſollen— die zur Theilnahme an der Revolution entſchloſſenen Haufen aus Hanau und der Umgegend, aus der Provinz Oberheſſen und dem nahen Chur⸗ heſſen nach Frankfurt hin ſich hätten in Bewegung ſetzen und von da, unter gleichzeitigem Aufbruch auch des gewonnenen Naſſauer Mili⸗ tärs und der Revolutionäre in Rheinbaiern und Rheinpreußen, Darmſtadt überziehen und ſich der hier befindlichen bedeutenden Waffen⸗Vorräthe bemächtigen, die Haufen armiren, im Ein⸗ verſtändniß mit den in Mainz garniſonirenden Poſener Truppen und dem größten Theile der Mainzer Bürgerſchaft die Feſtung Mainz überwältigen ſollen, um hierdurch einen feſten Stütz⸗ punct zu erhalten, und daß hiernächſt diejenigen Männer, welche ſich durch ihre entſchiedene Oppoſition in den Stände⸗Kammern einzelner deutſcher Staaten ausgezeichnet hätten, in Frankfurt a. M. zuſammentreten und die proviſoriſche Regierung über die inſurgirten deutſchen Länder conſtituiren würden. eilnahme ſewißheit te, daß für die h gewin⸗ sſprach, ht voll⸗ dem Ge⸗ n Orten dieſelbe, edenklich⸗ ions⸗Plan e Schlag Bundes⸗ ammt der ten weg⸗ n— die s Hanau den Chur⸗ dvon da, uer Mili⸗ npreußen, deutenden im Ein⸗ Truppen⸗ e Feſtung ten Stütz⸗ er, welche Kammern Frankfurt g über die Auch andere Betheiligte geben übrigens an, daß von be⸗ abſichtigter Conſtituirung einer proviſoriſchen Regierung die Rede geweſen ſey. In der letzten Zeit vor Ausbruch der Revolution zu Frank⸗ furt wurden die gegenſeitigen Berührungen der Verbündeten in der Provinz Oberheſſen immer häufiger, der unmittelbare Ver⸗ kehr unter ihnen ſelbſt ſowohl, wie mit den Frankfurter Leitern des Unternehmens, immer lebendiger. Schon im December 1832 fand ſich Dr. Gärth in Mar⸗ burg ein, angeblich um die Bekanntſchaft des Profeſſors Jor⸗ dan zu machen, und kam damals auch mit dem vormaligen Apotheker Döring, welcher für einen der thätigſten und eif⸗ rigſten Beförderer des Revolutions⸗Projectes in Churheſſen, we⸗ nigſtens in Marburg und der Umgegend, galt und mit Wei⸗ dig in Verbindung ſtand, bei dem übrigens Profeſſor Jordan auf Miethe wohnte, zuſammen. Etwas ſpäter traf auch Buch⸗ händler Frankh, wie ſchon erwähnt, in Marburg ein und kam mit Döring ebenfalls in Berührung. Im Februar 1833 fand ſich ſodann der Pole Scylling in Butzbach ein, wo er einige Zeit verweilte und jungen Leuten daſelbſt allgemeine Er⸗ öffnungen über das beabſichtigte Unternehmen machte, und be⸗ gab ſich hierauf nach Gießen, wo er ſich bei einem hier da⸗ mals ſtudirenden, wegen Theilnahme an dem revolutionären Treiben ſteckbrieflich verfolgten Polen, Alexander Lubanski, aufhielt, der ihn namentlich mit Candidat Schuͤler bekannt machte und, wie Gladbach verſichert, auch zu Oberforſtrath Hundeshagen und deſſen Sohne, damals Privatdocenten an der Univerſität, geführt haben ſoll. Noch ſpäter traf auch Fried⸗ rich Breidenſtein von Homburg, welcher ebenfalls einige Zeit in Butzbach ſich aufgehalten und, gleich Scylling, mit Wei⸗ dig verkehrt hatte, zu Gießen ein und ſetzte ſich hier mit den bei dieſer Sache betheiligten Individuen, insbeſondere dem Can— didaten Schüler, in Benehmen. Um dieſelbe Zeit kamen die Doctoren Guſtav Bunſen und Köͤrner von Frankfurt, welche zu den Leitern des Unternehmens gehörten, nach Gießen, um 22— mit Schüler und Anderen über das fragliche Project ſich zu beſprechen. Erſterer, Dr. Bunſen, war bis Butzbach von Dr. Gärth begleitet worden, wo ſie bei Weidig abſtiegen und im Beiſeyn des Apothekers Trapp, den ſie von Friedberg mitgenommen hatten, über den ofterwähnten Gegenſtand und die Angelegenheit mit Koſeritz, wie Trapp ſich ausdrückt, ſich unterredeten, nach etwa einſtündigem Aufenthalt aber ſich wieder entfernten, indem Bunſen ſeine Reiſe nach Gießen fortſetzte, Gärth aber und Trapp nach Frankfurt und resp. Friedberg zurückkehrten. Eben jener Scylling, Candidat Schüler, der Pole Lubanski, der in dieſe Sache gleichfalls verwickelte vormalige Student der Forſtwiſſenſchaft Degeling von Braunſchweig und Dr. Hundeshagen machten dem Apotheker Döring um die damalige Zeit Beſuche,- welche ohne Zweifel auf das revolutionäre Vorhaben Bezug hatten. Während ſich ſo die Häupter der Revolutions-Parthei und die ihr angehörigen einflußreicheren Perſonen in Frankfurt und in der Provinz Oberheſſen näher aneinander anſchloſſen, ver— ſäumten dieſelben nicht, auf Andere möglichſt einzuwirken und, ſoviel an ihnen lag, eine kräftige Unterſtützung des verbrecher⸗ iſchen Projectes, ſobald der erſte Schlag in Frankfurt gelun⸗ gen ſeyn werde, vorzubereiten. Was zunächſt den Dr. Weidig betrifft, ſo hatte derſelbe zwar, nach Flick's Angabe, bei ſeiner letzten Zuſammenkunft im Pfarrhauſe zu Petterweil mit den Doctoren Gärth und Neuhof von Frankfurt das Vorhaben unter den damaligen Verhältniſſen für unausführbar erklärt und verweigert, zu einem gleichzeitigen Aufſtand in Butzbach Anſtalten zu treffen. Allen Anzeigen nach hatte er indeſſen bald wieder eine andere Anſicht gewonnen, wenn man ſeine ſpätere, mehrſeitig bezeugte, Thätig— keit füͤr das Unternehmen in Erwägung zieht. Apotheker Trapp will nämlich in Auftrag Weidig's den Salineninſpector Wilhelmi zu Nauheim und den Haupt— mann der dortigen Bürger⸗Garde, Wirth Salzmann, für das et ſich zu bach von tiegen und Friedberg ſtand und ausdrückt, aber ſich h Gießen und resp. der Pole vormalige aunſchweig . Doͤring 1 auf da arthei und nkfurt und ſſen, ver⸗ irken und, verbrecher⸗ urt gelun⸗ te derſelbe ummenkauft gärth und damaligen „zu einem ten. Alle ere Anſicht fe, Thätig⸗ Weidig's den Haupl⸗ Revolutions⸗Project zu gewinnen und dieſelben zu beſtimmen ge⸗ ſucht haben, die Bürger⸗Garde unter dem Vorwande der Dämpf⸗ ung etwa ausbrechender Unruhen mit in Friedberg anzukau⸗ fenden Gewehren zu bewaffnen, damit ſolche nach Umſtänden fur das Unternehmen geeignet verwendet werden könne. Außer⸗ dem reiſte Lubanski ganz kurz vor dem 3. April in dieſen Angelegenheiten von Frankfurt nach Marburg, und zwar mit Wiſſen und zum Theil unter Vermittlung Weidig's, wie Trapp ebenfalls angiebt, zu dem Weidig damals den Lu⸗ banski brachte und bei welcher Gelegenheit jener dem Apo— theker Trapp vom Tage des Ausbruchs der Revolution Kennt⸗ niß gab. Ferner iſt auf glaubwürdige Weiſe ausgeſagt worden, daß die Bewaffnung junger Butzbacher,*) insbeſondere die Fertigung von Patronen,**) nicht ohne Einwirkung Weidig's ſtattgefunden habe. Endlich erhielt Auguſt Becker, wie dieſer mit allen Ein⸗ zelnheiten angegeben hat, von Weidig, welchem er von An— dern als dazu tauglich empfohlen worden zu ſeyn ſcheint, gegen Ende März den mündlichen Auftrag, in das Hinterland ſich zu begeben, um dort zur Unterſtützung und Ausbreitung der Nevolution nach deren Gelingen zu Frankfurt zu wirken, wobei * *) Es reiſten am 3. April auch einige Butzbacher nach Frankfurt und Einer derſelben(C. Zeuner) ſagt unumwunden, daß er die Abſicht gehabt habe, an Ausführung des erſten Schlags Theil zu nehmen, und nur durch einen ſeiner Begleiter verhindert worden ſey, um die Zeit des erwarteten Ausbruchs ſich auf die Straße zu begeben, daß er jedoch bei dem Gelingen und Fortgang des Unter⸗ nehmens zu Frankfurt jedenfalls dort noch für daſſelbe thätig ge⸗ weſen ſeyn würde. Mit Fertigung von Patronen befaßten ſich die Gebrüder Zeuner, Johannes Grüninger und Wilhelm Braubach, die beiden Letztgenannten auf der Stube des Rectors Heß, welchen Weidig, nach vorherigen allgemeinen Eröffnungen über das R volutions⸗Project durch angeblich dringendes Zureden beſtimmt hatte, die Vornahme jenes Geſchäftes auf ſeiner Stube zu geſtatten. ** — e⸗ ihm Weidig empfahl, uͤber Marburg zu gehen und den Apo⸗ theker Döring von ſeiner Beſtimmung und ſeinem Aufenthalts⸗ Orte in Kenntniß zu ſetzen, damit ſich derſelbe im Stande be⸗ finde, ihm nach Umſtänden Verhaltungsbefehle zukommen zu laſſen. Als Becker— ſo ſagt derſelbe— dem Weidig vor— ſtellte, daß die Hinterlaͤnder ein zwar armes, aber ruhiges und friedliebendes, für ſolche Unternehmungen nicht geeignetes Volk ſepen, meinte Weidig: die Nachricht von einer allgemeinen Revolution müſſe unter allen Klaſſen eine ungeheure Bewegung hervorbringen. Becker behauptet auch, daß ihm Weidig, welchen er zu Gießen geſprochen, durch den in der Nähe be⸗ findlich geweſenen Candidaten Schüler 6—8 preußiſche Tha⸗ ler zur Beſtreitung ſeiner Reiſekoſten habe behändigen laſſen und ihm bei dieſer Gelegenheit in Bezug auf das Revolutions⸗ Project eröffnet habe: daß acht würtembergiſche Regimenter, ein großer Theil des naſſauiſchen Militärs, alle churheſſiſchen tieunde Barden und die Mehrzahl der deutſchen Univerſitäts⸗ Jugend gewonnen ſeyen und in allen bedeutenderen Städten Deutſch lands eine revolutionäre Parthei beſtehe, auf die man rechnen könne, ja daß man Verbindungen bis nach Ungarn angeknüpft habe, daß man übrigens über die einzuführende Regierungsform ſich noch nicht vereinigt hätte. Carl Zeuner will von ſeinem Bruder Paul Wilhelm und von Weidig faſt daſſelbe gehört haben, daß man nämlich bſcheige⸗ am 6. April den Aufſtand zu Frankfurt zu beginnen, der als Sig⸗ nal und zur Anfeuerung dienen ſolle zum Losbrechen anderer Verbindungen in Würtemberg und Heſſen, während die Polen in der Schweiz und zu Beſancon einen Einbruch in's ſüdliche Deutſchland machen würden.*)„Im Vertrauen auf den noch *) In der That waren die Polen zur Mitwirkung für die Revolution gewonnen; es geht dieſes daraus hervor, daß Koſeritz und Dorn gleichzeitig zwei durch Polen mit chemiſcher Dinte geſchriebene Briefe damals erhielten, worin ihnen das Aufbrechen von 300 Polen aus dem Depot zu Beſancon angekündigt wurde, daß außer⸗ den Apo⸗ aufenthalts⸗ Stande be⸗ ommen zu eidig vor⸗ uhiges und jetes Volk Ugemeinen Weidig, Nähe be⸗ iſche Tha⸗ igen laſſen tevolutions⸗ enter, aheſſiſchen nwverſitäts⸗ u Städten f die man ch Ungarn zuführende [Zeuner Weidig htige, am r als Sig⸗ en auderer die Polen s ſödliche j den noch devolution und Dorn und geſchriebene geſ zen von 300 e daß außel⸗ regen und freiheitsluſtigen Geiſt des deutſchen Volkes“— fährt Zeuner wörtlich fort—„hoffte man dieſe Bewegungen im ganzen conſtitutionellen Deutſchland auszudehnen, dadurch den Einfluß des Abſolutismus und der Ariſtokratie zu vernich⸗ ten und Deutſchland zu befähigen, durch einen freigewählten National⸗Congreß ſich eine ſeinem Geiſte, ſeinen Jutereſſen und ſeiner Freiheit entſprechende Verfaſſung zu geben.“ Auguſt Becker reiſte übrigens damals über Marburg, wo er ſich dem Apotheker Döring vorſtellte, wirklich in das Hinterland. Wenige Tage vor dem 3. April kam Dr. v. Rauſchen⸗ plat nach Butzbach zu Dr. Weidig und eröffnete demſelben, dem damals ein vormaliger polniſcher Oberlieutenant unter falſchem Namen nach Ludwigsburg kam und jenen Beiden eröffnete: es ſeyen auf unmittelbaren Befehl Lelewels gegen zwanzig polniſche Officiere zu Rorſchach und Rheineck angekommen, um, ſobald ſie von Deutſch— land hierzu Ordre erhielten, den Schwarzwald zu revolutioniren, — daß ſodann in den Oſterfeicrtagen 1833 in Frankreich wirklich 400— 500 Polen aufbrachen, und ſich zunächſt in die benachbarte Schweiz begaben, um von da nach Deutſchland zu dringen,— und daß endlich ein ehemaliger polniſcher Stabsofficier den An⸗ griff auf die Conſtabler⸗-Wache zu Frankfurt geleitet hat. Auch läßt ſich nicht ohne Grund behaupten, daß hiermit der Einfall in Verbindung geſtanden, welchen um dieſe Zeit mehre Banden polni⸗ ſcher Flüchtlinge von Gallizien aus in Ruſſiſch-Polen machten, um dieſes Land in Aufruhr zu bringen, wozu ſie von einem in Paris befindlichen Central⸗Comité der nach Frankreich geflüchteten Polen angewieſen worden ſeyn ſollen, wie dann auch ſchon im Jahr 1832 zwei polniſche Emiſſäre der franzöſiſchen Propaganda dem Lieutenant Koſeritz, wie dieſer angegeben, eröffnet haben ſollen, daß ſie beauftragt ſeyen, zum Zwecke eines gleichzeitigen Losſchlagens in Deutſchland mit einer in Frankreich bevorſtehenden Revolution Verbindungen anzuknüpfen, ſodann aber nach Ungarn, Gallizien und Siebenbürgen zu reiſen, um in Gemeinſchaft mit andern unter⸗ wegs befindlichen Emiſſären auch dort eine Revolution hervor⸗ zurufen. — 26— „daß es den 3. April, Abends, zu Frankfurt losgehen ſolle.“ Weidig will zwar wiederholt von dem gewaltthätigen Unter⸗— nehmen abgerathen und ſeine damalige Reiſe nach Frankfurt nur zu dem Ende unternommen haben, um den Dr. Gärth von„ſeinem unſinnigen Vorhaben,“ wie er ſelbſt ſich ausdrückt, abzubringen. Indeſſen muß man an der Wahrhaftigkeit dieſer Verſicherung, nach dem Bisherigen, mit Grund zweifeln und dieſer Zweifel wird durch Weidig's eigne Erklärung in einem ſeiner Verhöre ſehr verſtärkt, wenn er nämlich ſagt: „Ich war mit Dr. Gärth durch die bekannten Schriften uber Preßfreiheit bekannt geworden und habe denſelben mehr— mals geſprochen und meine Anſichten mit ihm über den offentlichen Zuſtand von Deutſchland ausgetauſcht. Wir ſtimmten in der Hauptſache mit einander überein, nämlich darin, daß der öffentliche Zuſtand von Deutſchland ein höchſt trauriger und unglücklicher ſey, während wir in der Anſicht über eine beſſere Zukunft von einander abwichen. Gärth betrachtete eine Revolution als die alleinige Rettung Deutſch⸗ lands und war für eine freie Preſſe nur in dieſer Beziehung thätig. Ich betrachtete eine Revolution nur als äußerſtes Heilmittel und erwartete eine wurdige Geſtaltung der öffent⸗ lichen Verhältniſſe in Deutſchland von der Entwickelung des oͤffentlichen Geiſtes und ſeiner Kraft. In jene Zeit fallen die Beſprechungen mit Gärth bei dem Pfarrer Flick, ebenſo die Nachricht, welche Dr. Gärth über den Zuſtand in Würtemberg, wo er Verbindungen angeknüpft hatte, durch Pfarrer Flick, mir und dem Apotheker Trapp mittheilte. Obgleich ich dieſer Mittheilung keineswegs vollen Glauben ſchenkte, weil in ſolchen Dingen Hoffnungen und Vorſpiegel⸗ ungen nur zu oft an die Stelle von Thatſachen treten, ſo war doch die Angabe, daß ein großer Theil des würtem⸗ bergiſchen Militärs für eine Aenderung des öffentlichen Zu⸗ ſtandes in Deutſchland geſtimmt ſey, allerdings für einen deutſchen Patrioten beachtungswerth, und mir namentlich in der Hinſicht, weil ſie die Ausſicht gab, daß der als n ſolle.“ u Unter⸗ Frankfurt Gärth mosdrückt, keit dieſer ifeln und in einem Schriften den mehr⸗ uber den ht. Wir , nämlich ein höchſt er Anſicht Gärth. ig Teutſch⸗ Beziehung aͤußerſtes der öffent⸗ kelung des zeit fallen e Fliä, den Zuſtand Hatte, durch mittheilte. en Glauben Vorſpiegel⸗ treten, ſo des wurtem⸗ . u⸗ autlichen Zu⸗ für einen 6 r namentlich daß del kriegskundig und tapfer bekannte König jenes Landes, durch das Militär und die öffentliche Stimme fortgeriſſen, ſich an die Spitze einer Bewegung ſtellen könne, welche die Einheit Deutſchlands, bewirkt durch ein gemeinſames Oberhaupt und einem aus Ober- und Unterhaus zuſammengeſetzten deutſchen Reichstag, erneuen könne.“— (Weidig fährt nun fort: daß ſich, da etwas Sicheres über den Grund oder Ungrund jener Verhältniſſe nicht in Er⸗ fahrung zu bringen geweſen wäre, über dieſen Zuſtand der Dinge bei einem Beſonnenen kein feſtes Urtheil habe bilden können, weshalb ihm die Nachricht, Dr. Gärth gedenke die Fahne einer deutſchen Revolution am 3. April aufzuſtecken, um ſo auffallender habe ſeyn müſſen. Darum und weil die Ueber⸗ zeugung des Dr. Gärth von einem auf dieſem Wege zu erring⸗ enden beſſeren Zuſtande Deutſchlands nicht auch die ſeinige geweſen wäre, habe er das Project zu vereiteln geſucht.) Bei Ausführung der Revolution hatte man, wie Aug. Becker bereits angegebenermaßen auch von Weidig gehört haben will, neben Mitwirkung der großen Maſſe, noch beſon⸗ ders auf die leicht erregbare, in Idealen ſchwärmende, ſtudirende Jugend, namentlich die Mitglieder der Burſchenſchafts-Verbindung, welche ſeit einem zu Michaelis 1831 in Frankfurt a. M.— nnd noch mehr ſeit dem letzten zu Weihnachten 1832 in Stutt⸗ zart gehaltenen Burſchentag“) revolutionäre Zwecke zu fördern ſich zur Aufgabe gemacht hatte, nicht ohne Grund gezählt. Albgeſandte der Revolutions⸗Parthei hatten zu dem Ende die ver⸗ ſchiedenen Univerſitäten bereiſt und die ſolchen Beſtrebungen ge— neigten Individuen in ihr Intereſſe zu ziehen geſucht, was ihnen auch mehr oder weniger gelungen war. Auch in Gießen war auf dieſe Weiſe eine Anzahl Studen— ren, welche meiſt ſchon im Jahre 1832 ihre Neigung für ein *) Einer Verſammlung von Deputirten der Burſchenſchaften, welche auf den einzelnen deutſchen Univerſitäten beſtanden und in einem allgemeinen Verband ſich befanden. — 28— zur Mitwir⸗ ſolches Unternehmen zu erkennen gegeben hatten, kung für die vorbereitete Revolution gewonnen worden.*) Can⸗ didat Schüler veranlaßte nämlich, gemeinſchaftlich mit Doctor Hundeshagen, eines Abends zu Anfang des Monats März eine Zuſammenkunft von etwa zwanzig Perſonen(worunter auch einige Nicht-Studenten) auf ſeiner Stube und eröffnete denſelben, daß die Bundesbeſchlüſſe von 1832 und diejenigen, welche noch weiter bevorſtünden, durch welche die Conſtitutionen in den ein⸗ zelnen deutſchen Bundesſtaaten aufgehoben werden ſollten,**) Keinem, welchem das Schickſal ſeines Volkes nicht gleichgültig ſey, eine andere Wahl ließen, als an einer, den Umſturz der beſtehenden Ordnung der Dinge bezweckenden, Revolution Theil zu nehmen, zu welcher ſchon in mehren Gegenden Deutſch— lands, namentlich in Churheſſen und Wurtemberg, Einleitungen getroffen worden und zu der auch ein Theil der Bevölkerung in den meiſten Städten Deutſchlands gewonnen ſey, ſo daß an einem glücklichen Erfolge nicht gezweifelt werden könne. Er ſchloß mit der Verſicherung, wie er zu den Anweſenden das Vertrauen hege, daß ſie zur Verwirklichung eines ſo ſchönen und edlen Zweckes mitwirken wuͤrden,— und richtete die Auf⸗ forderung an dieſelben, ſoviel wie möglich neue Theilneh⸗ mer unter ihren Freunden und Bekannten zu werben, wenn ſie ſolche fuͤr zuverläſſig genug hielten. Hierauf trat der ebenfalls anweſende Privatdocent Dr. Hu ndeshagen vor, und wieder⸗ holte das von Schuͤler Geſagte— mit kurzen und eindringli— chen Worten. Die Anweſenden ſollen zum Theil ausdrücklich ihren Entſchluß zur Theilnahme an einer Revolution erklärt haben, *) Die hier folgende Darſtellung gründet ſich auf die in der Haupt⸗ ſache übereinſtimmenden Geſtändniſſe faſt ſämmtlicher zur Unter⸗ ſuchung gezogenen Individuen, ſoweit dieſelben der einen oder anderen Verſammlung beigewohnt haben. **) Von dieſem Erſcheinen neuer Bundesbeſchlüſſe war jedoch nur als von einem Beförderungsmittel, nicht als von einer Be⸗ dingung der Revolution die Rede. nbeil rech Gl Nag welc wedoc Frie den i Verſi Erbf tion des wirk furt ſu ſe Seute der weſe Tinie don giehe Auf uyele Zebe Fdaß dl Miwir⸗ *) Can⸗ it Doctor ats März anter auch denſelben, elche noch den ein⸗ llten,**) eichgültig ſturz der ion Theil Deutſch⸗ nleitungen kerung in » daß an onne. Er ſenden das ſo ſchöͤnen te die Auf⸗ Theilneh⸗ „wenn ſie er ebenfall und wieder, d eindringli ausdrücklich klärt haben, in der Haupl⸗ r zur Unter⸗ odel r einen — 29— heils glaubte man doch, da ſie nicht widerſprachen, auf ſſe ſechnen zu können.— Etwa 10 bis 14 Tage ſpäter veranſtaltete Schüler auf Gladbach's und Dittmar's gemeinſchaftlichem Zimmer im Nagelſchmied Kunziſchen Hauſe eine weitere Verſammlung, in welcher zwar Dr. Hundeshagen gefehlt zu haben ſcheint, jedoch der von der Verſammlung in Großgartach kommende Friedrich Breidenſtein von Homburg auftrat, welcher den in gleicher Anzahl, wie früher, Zuſammengekommenen die Verſicherung gab, daß die von Schüler ihnen gemachten Eröffnungen über weit vorgerückte Anſtalten zu einer Revoln⸗ ton vollkommen gegründet und namentlich der größere Theil des würtembergiſchen Militärs dafür gewonnen ſey. Wenn es wirklich, fuhr er fort, zum Ausbruche komme, habe man Frank⸗ furt auserſehen, wo der erſte Schlag gefüͤhrt werden ſolle. Da— zu ſey eine gewiſſe Anzahl zum Aeußerſten entſchloſſener junger Leute nöthig, und er ſordere daher die Verſammelten auf, fünf oder ſechs zu dem Ende aus ihrer Mitte zu wählen. Die An⸗ weſenden gingen zwar hierauf nicht ein; es äußerten indeſſen Einige: es werde gewiß, wenn es ſoweit kommen ſollte, Keiner von ihnen feig genug ſeyn, einem ſolchen Auftrag ſich zu ent— zehen. Auch wurde dem Breidenſtein bemerkt, daß man uf mehr Leute, als die jetzt Verſammelten, rechnen köune, pelche zur Theilnahme an dem Unternehmen entſchloſſen ſeyen. — Außerdem machte Breidenſtein, wie Dr. Buff ange⸗ geben hat, Einzelnen noch vertrauliche Mittheilungen darüber, daß und welche angeſehenere Männer ſich für das Unternehmen erklärt hätten und demſelben förderlich wären,*) welche Mittel *) Eine hierher gehörige Aeußerung des in die Unterſuchung ebenfalls verwickelt geweſenen Acceſſiſten Bogen verdient noch erwähnt zu werden. Er ſagt nämlich wörtlich: „Es iſt überdieß merkwürdig, welche Namen dieſe Leute im Munde führten, die ſie als in das Project eingeweiht bezeichne⸗ ten. Ich glaube gewiß, daß darunter einige waren, die, wenn der Revolutions⸗Parthei zu Gebote ſtünden, welcher Plan bei der Ausfuͤhrung befolgt werden ſolle, und erzählte namentlich, daß von Frankfurt aus an alle deutſche Hochſchulen die Auf⸗ forderung zur Conſtituirung eines revolutionären Vereins er— gehen werde, wie dieſes Gladbach verſichert, der bei dieſer Gelegenheit hinzufuͤgt, daß ſie bei der großen Empfänglichkeit, welche die academiſche Jugend Deutſchlands damals fuͤr poli⸗ tiſche Ideen gezeigt gehabt, keinen Augenblick zweifelhaft gewe⸗ ſen wären, daß jener Aufruf an anderen Orten denſelben An⸗ klang finden werde, wie in Gießen. Nach ſolchen Eroͤffnungen Breidenſteins und hierüber in der Verſammlung ſowohl, als vor⸗ und nachher unter den einzelnen Betheiligten gepflogenen Geſprächen mußte denſelben klar werden, daß durch die Revolution wirklich der Umſturz der beſtehenden deutſchen Regierungen durch Waffengewalt be— zweckt werden ſolle. Wie weit ſich aber die Bewegung erſtrecken und was an die Stelle des Umgeſtürzten treten, ob eine Fö⸗ derativ⸗Republik geſchaffen, oder ein deutſcher Kaiſer eingeſetzt werden ſollte, darüber wurde nichts Beſtimmtes geäußert, und es blieb dieß, während jedem Einzelnen für ſeine Vorſtellungen und Gedanken freier Spielraum gelaſſen war, zu kuͤnftigen Entſchließungen um ſo mehr vorbehalten, als ſelbſt die Häup— ter der Revolutions⸗Parthei über dieſen Punkt noch nicht einig geweſen zu ſeyn ſcheinen. So erklärt ſich, was Acceſſiſt Bo— gen ſagt: man ihnen mit einem ſolchen Vorhaben gekommen wäre, unwil⸗ lige und zurückſtoßende Ablehnung ſgezeigt haben würden. So z. B. nannte Schüler(Candidat v. Darmſtadt) den in gans Deutſchland geachteten Grafen Benzel-Sternau als Eingeweihten in dieſes Unternehmen; auch ſprach er von Generalen, nament⸗ lich von einem in Churheſſen, deſſen Namen ich aber in dem Augenblicke nicht weiß, die für das Uunternehmen entſchloſſen wären.—— Ich läugne keineswegs, daß ich glaube, daß mancher höher geſtellte Mann in die Sache verwickelt war und hinter den Couliſſen wirkte.“ Plan bei amentlich, mdie Auf⸗ bereins er⸗ bei dieſer anglichkeit, füͤr poli⸗ haft gewe⸗ ſelben An⸗ d bierüber unter den e denſelben er Umſturz gewalt be— g erſtrecken b eine Fö⸗ er eingeſetz ußert, und orſtellungen künftigen die Häup⸗ nicht einig ecoſſiſt Bo⸗ Acceſſit Bo 2 wil⸗ wäre, unvil S0 würden. 5 den in gand Eingeweihlen nament⸗ dem alen, aber in en entſchloſſe er— daf n ube, h glau var un celt wo wickel — 31— „Was wirklich mit dem Revolutions⸗Projecte bezweckt wurde, das iſt wohl von uns jungen Leuten ſchwerlich mit Sicher— heit zu erfahren. Daß ein gewaltſamer Umſturz ſämmtlicher deutſcher Regierungen erfolgen ſolle, war kein Geheimniß und blieb auch mir nicht fremd, aber was aufgebaut werden ſollte, darüber wurde ſich nicht beſtimmt und nicht überein⸗ ſtimmend ausgelaſſen. Es hat da Jeder, und gewiß wir jungen Leute, ſich ſeinen eigenen Himmel gebaut.“ ind an einem anderen Orte äußert ſich derſelbe wörtlich dahin: „Der Zweck(der Nevolution) ſelbſt wurde uns nicht be— ſtimmt eröffnet. Es wurde nicht geſagt, daß die deutſchen Fürſten vom Throne geſtürzt werden ſollten, auch nicht, ob ein deutſches Kaiſerreich begründet werden ſolle, ebenſo nicht, ob Föderativ⸗Staaten mit republikaniſchen Formen ſollten ge— bildet werden; das Alles überließ man der Phantaſie der Einzelnen, und es wurde den conſpirirenden Studenten im— mer ſo vor Augen gefuhrt, daß, wenn die Revolution einmal da ſey, höhere Männer die Richtung angeben würden, was aus dem Staaten⸗Verhältniß werden ſolle.“— Auf beſonderen Vorhalt fährt Bogen fort: „Es bringt ſchon das Wort Revolution mit ſich, daß hier von einer Umgeſtaltung des Beſtehenden die Rede war, und es mußte Jedem klar ſeyn, daß das ganze Unternehmen gegen den derzeitigen Beſtand der deutſchen Regierungen ge⸗ richtet war. Es genügte den Meiſten von uns, daß eine ſolche Umgeſtaltung geſchehe, und es mögen Viele geweſen ſeyn, wie ich, die, ohne gerade ein Ideal zu verfolgen und von höheren Rückſichten geleitet zu werden, ſich zur Theil— nahme an jener Umgeſtaltung bereit erklärten.“ In gewiſſer Beziehung ſtimmt damit überein, was Guſtav Elemm ſagt: „Ich muß hier wiederholen, daß wir junge Leute hinſicht⸗ lich der Plane und derjenigen, die das Ganze leiteten, wenig unterrichtet wurden. Man eröffnete uns, daß eine Revolution ausbrechen werde, und wir ſollten uns zur Theilnahme be— — 32— reit halten, Waffen anſchaffen und andere Theilnehmer zu gewinnen ſuchen.“ Am beſtimmteſten drücken ſich über Grund und Zweck der projectirten Revolution Georg Gladbach, Dr. Buff und Dr. Küchler aus. Erſterer äußert ſich nämlich woͤrtlich dahin: „Wie ich ſchon früher bemerkt habe, war das von Notteck, Welker, Pfizer und Anderen ſo vielfach dargelegte politi⸗ ſche Glaubensbekenntniß auch das unſere. Die fuͤr eine Re⸗ publik Schwärmenden befanden ſich in der Minderzahl. Alu das erſtere knpfte ſich der Wunſch nach Verwirklichung der National⸗Einheit in einem größeren Umfange, als ſie in den Grundgeſetzen des deutſchen Bundes gegeben war, obwohl wir auch deſſen Erreichung auf geſetzlichem Wege fuͤr möglich hielten. Erſt jene Bundesbeſchlüſſe(vom Juni 1832) änder⸗ ten unſere Ueberzeugung dahin, daß Gewalt noch das ein⸗ zige Mittel ſey, um zu dem gehofften Zwecke zu gelangen, ja wir hielten dieß ſogar gerechtfertigt durch das Geſchehene. Von nun an wurde unſer Ziel ſehr viel weiter geſteckt und ging geradezu auf den Umſturz der beſtehenden deutſchen Regierungen und die darauf folgende Errichtung einer deut⸗ ſchen Republik. Es war dieß die Tendenz der Umtriebe des Jahres 1832 ſowohl, wie derjenigen im folgenden Jahr.“ 5 ſodann: „Ich erinnere mich zwar nicht, daß darüber in irgend einer der Verſammlungen ausdrücklich discutirt worden wäre, allein ſämmtliche Anweſenden hegten die Anſicht, daß durch die Nevolution die Vereinigung Deutſchlands in Einen Staat durch die Vertreibung der in Deutſchland herrſchenden Dy⸗ naſtieen bezweckt wurde.“ ferner: „Im Allgemeinen geht ſchon aus dem mit der Revolution überhaupt beabſichtigten Zwecke der Einheit Deutſchlands hervor, daß unſer Staat, wie die anderen, ſeine Selbſt⸗ — 33— nehmer zu ſtändigkeit verlieren und für die Zukunft nur als Theil des großen Ganzen berückſichtigt werden müſſe.“ Dr. Buff ſpricht ſich über dieſen Punkt folgendermaßen aus: Luff und„Als Plan und Zweck der damals projectirt geweſenen Revolution, wie ich denſelben aus den Mittheilungen Anderer und hauptſächlich des Dr. Breidenſtein, von dem ich faſt Zweck der Notteck, Alles, was ich über die Natur und den Zuſammenhaug des gte politi⸗ Unternehmens wußte, erfahren, geſchöpft habe, war die r eine M⸗ Umſtürzung aller beſtehenden Verfaſſungen in Deutſchland, zahl. An mithin auch der Regierungen, und die Abſetzung der Herrſcher ichung der bezweckt(ſoll wohl heißen: bezeichnet) geweſen.“ ſie in der Dr. Küchler endlich erklärt: „obwehl„Soll ich ſagen, was in Gießen die vorherrſchende Stim— ur möglich mung geweſen, ſo muß ich bemerken, daß in derſelben die 32) ander⸗ Abſicht gelegen habe, ganz Deutſchland zu einer Republik zu das ein⸗ machen.“ gelangen, ſodann 1 Geſchehene„Ich habe in den Verſammlungen(der hieſigen Studenten im März und Anfangs April 1833) mich überzeugt, daß nach der allgemeinen Annahme an kein Beſtehenbleiben irgend einer beſonderen Regierungsform gedacht würde.“— auſſerdem noch: „Meine Anſicht von der Sache war gleich von Anfang an beſtimmt die, daß das Unternehmen gegen die Verfaſſun⸗ gen— von welchen Staaten aber, hierüber war keine be⸗ in irgend ſtimmte Gränze geſetzt, ich muß es auf die conſtitutionellen orden wärk, deutſchen Staaten beziehen— gegen die Throne in der Art daß durch gerichtet war, um beide(Verfaſſungen und Throne) zu ſtür⸗ Finen Staat zen und mit Gewalt durchzuſetzen, was auf anderem Wege heden Dy nicht zu erreichen war. Zweifel über dieſen Zweck hat bei mir gar nicht beſtanden und ich bin auch gar nicht zweifel— haft darüber, daß bei allen Betheiligten ſich daſſelbe Bild Krvolutiot finden wird, wenn auch weniger ſcharf gezeichnet, als ich es 2 ſchlandꝛ hier in die Acten niederlege, weil Einem dieſe Idee weniger Den klar vorgeſchwebt hat.“— geſteckt und deutſchen einer deut⸗ ntriebe des Jahr.“ eine Selbſ 3 — 34— In die Zeit dieſer zweiten Verſammlung faͤllt auch die oben ſchon erwähnte Anweſenheit der Doctoren G. Bunſen und Körner zu Gießen, von denen der Erſtere mit dem damals daſelbſt anweſenden Friedrich Breidenſtein auf der Stube eines Betheiligten eine Unterredung hatte. Auſſerdem fanden noch zwei formlich beſtellte Verſamm⸗ lungen bei dem Studenten Wiener, welcher damals in dem Hinterhauſe des Hofkammerraths Hoffmann wohnte, ſtatt. Der erſten, Ende Mäaͤrz gehaltenen, wohnten Schüler und Dr. Hundeshagen bei, an der zweiten Anfangs April, nahm Letzterer allein als Leiter Antheil. In beiden wurde— nach⸗ dem über den Tag, an welchem in Frankfurt losgeſchlagen werden ſollte, inzwiſchen beſtimmte Nachricht nach Gießen ge— langt, auch bereits mehre Görtinger Studenten, Nochau, Alban und Holzinger, zum Zwecke der Theilnahme an dem Frankfurter Attentate daſelbſt eingetroffen waren und nach kur⸗ zem Aufenthalte mit dem gleichzeitig anweſenden Studenten Fedderſen von Heidelberg an den Ort ihrer Beſtimmung ſich begeben hatten— beſonders über die Art und Weiſe geſprochen, wie in Gießen und in der Umgegend für die Revolution gewirkt werden ſollte und die einem günſtigen Erfolge entgegenſtehenden Hinderniſſe zu beſeitigen ſeyen. Namentlich erklärte Dr. Hun⸗ deshagen: die Revolution ſey nun auf allen Punkten zum Ausbruche reif, ſobald die Nachricht von deren Gelingen in Frankfurt nach Gießen kommen würde, ſolle durch Geſchrei, Fenſter⸗Einwerfen, Ziehen der Sturmglocke ein Tumult erregt, hieraus Veranlaſſung zur Errichtung einer Bürgergarde, an⸗ geblich zum Zwecke der Daͤmpfung der Unruhen, in der That zur Bildung einer Streitkraft fur die Intereſſen der Revo— lution, genommen werden; die Verſammelten ſollten in die⸗ ſelbe eintreten und gemeinſam mit den Aufrührern der Um— gegend, namentlich dem Landvolke, das durch Emiſſäre zu bearbeiten beabſichtigt wurde, den Aufſtand allgemeiner machen, übrigens dem Ermeſſen älterer und erfahrener Leute, welche alsdann hervortreten würden, die weitere Leitung überlaſſen. auch die Bunſen n damals er Stube Verſamm⸗ in dem te, ſtatt. iler und ril, nahm — nach⸗ geſchlagen ießen ge⸗ Nochau, ean dem nach kur⸗ Studenten zmung ſich geſprochen, on gewirkt nſtehenden Dr. Hun⸗ nkten zum zelingen in Geſchrei zult erregt, arde, all⸗ der That der Revo⸗ ten in die⸗ n der Um⸗ Smiſſäre z ne elche eute, welch überlaſſen. machen, — Namentlich wäre von dieſen Männern ſein Vorſchlag zur Er⸗ richtung einer Bürgergarde und zum Eintritte der Anweſenden in dieſelbe gebilligt und fuͤr den, unter den Verhältniſſen zu Gießen allein ausführbaren erklärt worden. Es verlangten zwar Einige, daß man ihnen dieſe älteren Männer nenne; allein Dr. Hundeshagen verweigerte es, weil ſich dieſelben ihrer Familien wegen keiner unnöthigen Gefahr ausſetzen dürften. Er ſoll hierbei haben merken laſſen, daß ſie von dem Gießener Gemeinderathe entweder Mitglieder wären, oder doch großen Einfluß auf ihn hätten, und ſein Ehrenwort darauf gegeben haben, daß er die Wahrheit ſage, weshalb man, wie von ver⸗ ſchiedenen Seiten behauptet wird, nicht daran gezweifelt habe, Oberforſtrath Hundeshagen, Profeſſor Vogt und Advocat Follenius ſeyen es, welche die obere Leitung übernehmen würden. So ſagt G. Gladbach: „Die drei Männer, welche wir gewiſſermaßen als die Seele des revolutionären Unternehmens in Gießen betrach⸗ teten und an welche ſich fuͤr uns Alles knuͤpfte, ſind: der Profeſſor Hundeshagen, Vogt und Follenius.“ Daß ſolche ältere Männer wirklich bei der Sache betheiligt ſeyen, wurde von den Jüngeren ſo allgemein und feſt geglaubt, daß dieſe ſogar Mehre aus ihrer Mitte dazu beſtimmt haben ſollen, mit dieſen Aelteren in Communication zu treten, eine Maßregel, die indeſſen zu nichts Erheblichem fuͤhrte. Bemer⸗ kenswerth iſt aber doch immer eine Aeußerung des Advocaten Follenius, welche derſelbe, nach Angabe des Dr. Küchler, aus Veranlaſſung einer ſolchen Communication, gegen dieſen gethan haben ſoll: nämlich: daß er, ſobald es zum rechten Ausbruche komme, ſchon entſchieden wirken werde; dagegen daß er ſich in Berathungen mit Buben einlaſſe, dazu ſey er zu klug geworden.— Auch will Küchler erfahren haben, daß Fol⸗ lenius dieſer Sache wegen mit Dr. Hundeshagen in Ver⸗ bindung getreten ſey. 2 ℳ 65—* — 36— Angefuͤhrt verdient noch zu werden, was Küfer Faber ſagt: „Ich meine auch, Becker(Lud wig) waͤre es geweſen, der einmal gegen mich geäußert häͤtte: die Sachen ſtünden ſo, daß man, wenn es auch zur Unterſuchung käme, an die rechten Männer doch nicht kommen könne, und es an denen hängen bleibe, welche um dieſelben nicht viel wüßten.“ Soviel iſt immer gewiß, daß man auf die Mitwirkung des Gemeinderaths zu Gießen, von welchem namentlich Advocat Fol⸗ lenius Mitglied war und der, wie ſich ausgedrückt wurde, in demſelben unumſchränkt herrſche, viel rechnete.„Man betrach⸗ tete ihn“(den Gemeinderath)— ſagt Gladbach—„für ein Hauptbeförderungsmittel der Revolution. Von ihm ſollte die Conſtituirung der Bürgergarde ausgehen, für die Bewaffnung derſelben geſorgt werden. Dem Gemeinderath war die Nolle zugedacht, mit Zuziehung einiger anderen Männer eine provi⸗ ſoriſche Regierung für die Provinz Oberheſſen zu bilden.“ Nach den Angaben von Theilnehmern an dieſen Ver⸗ ſammlungen lag es auch im Plane der Verbündeten, der öffent⸗ lichen Kaſſen zu Gießen ſich zu bemächtigen, nach Umſtänden Contributionen zu erheben und die Gensdarmerie, ſowie das Militär⸗Commando entweder gütlich zu gewinnen, oder un⸗ ſchädlich zu machen, namentlich die Pferde und Waffen der erſteren wegzunehmen. Auch war davon die Rede, die Garniſon in Friedberg zu überwältigen und, wobei man auf die kräftige Mitwirkung der Butzbacher zählte, die als gute Schützen be⸗ kannt waren und von denen, wie bereits bemerkt worden, Mehre für jeden eintretenden Fall eine Quantität Patronen verfertigt hatten, die Chevaurlegers zu Butzbach in ihrer Caſerne zu überfallen, ihnen die Waffen zu nehmen und durch Anzünden von Heuhaufen vor den Pferdeſtällen ihnen den Gebrauch der Pferde unmöglich zu machen. Indeſſen gegen dieſen letzteren Vorſchlag erklärte ſich Dr. Hundeshagen, weil man den oberen Leitern des Unternehmens das desfalls Nöthige anzu— ordnen anheim geben müſſe, ſowie er auch in Bezug auf die Fried und, 0 2 Zwech angef den um n zu we Rathl man zelne wie Stüch 1 jungen bekamn deſſen ander hage richtet unzwe 4 A terlan Beck der d fand, Zeit dort f ſeiner Veſt Geſel zu al mar rſagt: weſen, ſtuünden an die n denen 44 ing des at Fol⸗ rde, in vetrach⸗ fuͤr ein Ulte die affnung Nolle provi⸗ 14 en Ver⸗ röoͤffent⸗ iſtänden vie das der un⸗ ffen der Harniſon kräſtige ten be⸗ worden, Patronelt Caſerne nzünden auch der letzteren man den ge anzu⸗ auf die — 337— Friedberger Garniſon bemerkte, daß man dieſe von Nauheim und Dorheim aus anzugreifen beabſichtige. Die Waffen, deren die Revolutionäre zur Erreichung ihrer Zwecke bedurften, hatten ſich Manche ſchon unter der Hand angeſchafft, Andere, die noch nicht damit verſehen waren, wur— den in einer der Verſammlungen bei Wiener aufgeſchrieben, um mit Musketen, die man vom Lande her erwartete, bewaffnet zu werden. Auch verließ man ſich darauf, daß ſich auf dem Rathhauſe oder Zeughauſe noch Waffen finden würden, deren man ſich bei Ausbruch der Revolution bemächtigen könne. Ein⸗ zelne Betheiligte hatten für Kugeln und Patronen geſorgt; wie verſichert wird, waren der letzteren ſogar mehre tauſend Stück gefertigt worden. An der erſten Verſammlung bei Wiener nahm auch ein junger Bürger von Gießen, Kufer Faber, durch einen mit ihm bekannten Studenten eingeladen, Antheil. Zum Theil auf deſſen Vorſchlag wurden in die letzte Verſammlung noch einige andere junge Bürger eingeführt, welche, von Dr. Hundes⸗ hagen über das Revolutions⸗Project im Allgemeinen unter⸗ richtet, ihren Entſchluß, an deſſen Ausführung Theil zu nehmen, unzweideutig erklärt haben ſollen. Zum Zweck der Revolutionirung der Bauern im ſ. g. Hin⸗ terlande war, wie oben ſchon angeführt worden, Auguſt Becker auf den Betrieb des Dr. Weidig, welcher zur Zeit der vorletzten Wiener'ſchen Verſammlung in Gießen ſich be⸗ ſand, dorthin abgegangen. Außerdem war E. Scriba längere Zeit ſchon vor jenen Zuſammenkünften im Vogelsberge und dort fuͤr das Unternehmen thätig, wie er ſelbſt gegen Mehre ſeiner Bekannten geäußert hat. Zur Unterſtützung dieſes Scriba in ſeinen revolutionären Beſtrebungen im Vogelsberg waren ebenfalls Mehre aus der Geſellſchaft beſtimmt worden, und es fanden auch Erbietungen zu ähnlicher Thätigkeit in anderen Landestheilen ſtatt. Endlich unternahmen noch die Studenten Schütz, Ditt⸗ mar und Gladbach Ende März 1833 eine Reiſe nach Als⸗ — 38— —. richt feld, und zwar, wie Letzterer ſagt, in der Abſicht, dort ſich zu fir erkundigen, ob man von der vorbereiteten Revolution daſelbſt ſa etwas wiſſe, und, wenn dieſes nicht der Fall ſey, durch den 8 dortigen Candidaten der Cameral⸗Wiſſenſchaften Wilhelm ba Schmitt, welcher in das Geheimniß zu ziehen wäre, zur Ver⸗ 6 breitung derſelben zu wirken. Den genannten Schmitt ge⸗ wannen ſie damals auch wirklich fuͤr das Revolutions⸗Project. ling Nach dieſen Vorbereitungen und Einleitungen erwartete man die Nachricht vom Ausbruche der Revolution zu Frank⸗ ten furt. Eine weitere Verſammlung hielt man nicht fuͤr nöthig; erka jedoch wurde beſtimmt, daß Nachrichten von Wichtigkeit, welche hat einlangen würden, auf der Stube einzelner Theilnehmer, nament⸗ ſäͤc lich derjenigen Gladbach's, zu erfragen und durch Faber W den bereits in die Sache eingeweihten Bürgern mitzutheilen ſeh ſeyen; auch ſolle man noch die im Leſeklub etwa ſich einfin⸗ hien denden Bürger zur Theilnahme an dem Unternehmen, wenn es in Frankfurt gelungen ſeyn werde, zu beſtimmen ſuchen. Man Ab rechnete ſo feſt darauf, daß die Revolution in Frankfurt Er⸗ lig folg habe, daß dieſelbe wenigſtens Veranlaſſung zu Unruhen the an anderen Orten und zu einem blutigen Kampfe geben werde, Ge daß Manche daran dachten, ihre Privat⸗Angelegenheiten vorher di in Ordnung zu bringen. In der Hoffnung eines ſicheren Ge⸗ lingens waren auch Candidat Schüler, ſowie die Studenten Scriba und Lubanski zur Theilnahme an dem Attentate ti nach Frankfurt abgereiſt und wirklich dabei thätig geweſen. 8 Am Morgen nach der letzten Verſammlung bei Wiener machte Bogen, in Auftrag des Dr. Hundeshagen und mit einer ſchriſtlichen Empfehlung deſſelben verſehen, eine in dieſer Verſammlung übernommene Neiſe nach Butzbach zu Weidig. Er wurde von Student Wilhelm Braubach zu demſelben gefuͤhrt, übergab die ſchriftliche Empfehlung und erwartete nähere Weiſung über ſeine fernere Beſtimmung. Weidig ſoll, nach Bogen's beſtimmter Angabe, demſelben beſtätigt haben, daß der Ausbruch der Revolution ganz nahe bevorſtehe und in Frankfurt beginnen werde, daß er ſelbſt aber noch nähere Nach⸗ daſelbſt urch den Lilhelm zur Ver⸗ nitt ge⸗ Project. erwartete u Frank⸗ nöthig; t, welche nament⸗ Faber zutheilen h einfin⸗ wenn es Man kfurt Er⸗ Unruhen ꝛ werde, Wiener und mit in dieſer geidig. demſelben 8 erw artele idig ſoll, e und in here Nalh⸗ igt haben, — 39— richten erwarte. Bogen's Weiterreiſe erklaͤrte Weidig nicht für nöthig. Auch gab derſelbe, ſey es nun, wie Bogen glaubt, aus Mißtrauen gegen ihn, oder überhaupt aus Vor⸗ ſicht, dieſem keinen Brief oder Rückauftrag an Hundes⸗ hagen mit. Am Abend des 4. April gelangte die Nachricht vom Miß⸗ lingen des Unternehmens zu Frankfurt nach Gießen. Noch immer hofften indeſſen Einzelne auf günſtigere Nachrich⸗ ten aus dem Würtembergiſchen, und erſt als dieſe ausblieben, erkannten ſie, wie ſehr ſie ſich in ihren Erwartungen getäuſcht hatten. Koſeritz hatte es aus verſchiedenen Gründen, haupt— ſächlich wohl im Gefühle ſeiner Unmacht, nicht gewagt, in Wurtemberg eine revolutionäre Bewegung zu veranlaſſen, ſo ſehr er auch noch kurz vor dem 3. April von Dr. Gaͤrth hierzu angefeuert worden war.*) Der Vollſtändigkeit wegen möge hier am Schluſſe des erſten Abſchnittes dieſer Darſtellung eine kurze Erzählung der dama— ligen Vorfälle in Frankfurt ſelbſt, theils auf actenmäßige Mit⸗ theilungen auswaͤrtiger Behörden, theils auf auſſergerichtliche Geſtändniſſe des Candidaten Schuler und des vormaligen Stu⸗ denten Scriba ſich gründend, eine Stelle finden. Nachdem die zur Theilnahme an dem beabſichtigten revolu⸗ tionären Unternehmen entſchloſſenen Studenten kurz vor dem *) So ſchrieb Gärth nicht lange vor dem 3. April an Koſeritz: „Lieber Koſeritz! nur losgeſchlagen! Kein Blut geſchont! Die Polen brechen auf aus Beſangon; ich habe ſie beſtellt; ſie werden durch die Schweiz in Deutſchland einfallen.“ und am Abende des 3. April ſelbſt wurde ihm von einem Frem⸗ den, welcher ihm mündlich noch eröſſnete, daß die Revolution in Frankfurt eben zum Ausbruch komme, ein ofſenes Zettelchen von Gärth des Inhalts: „Lieber Koſeritz! Wort gehalten! losgeſchlagen unter jeder Bedingung!“ überreicht. Attentate in Frankfurt eingelangt waren, wo ſie in verſchiedenen Gaſthöfen einkehrten, wurden ſie von den D. D. Guſtav Bunſen und Körner, an welche ſie ſich zunächſt wendeten, eingeladen, am 2. April, Nachmittags, in dem ohnweit Frank⸗ furt gelegenen churheſſiſchen Orte Bockenheim zuſammenzukommen, um über die Ausführung des Vorhabens nähere Verabredung zu treffen. Demgemäß fanden ſich um die beſtimmte Zeit gegen 30 Perſonen, worunter die Doctoren G. Bunſen, Körner, Berchelmann und v. Rauſchenplat, zu Bockenheim ein. Dr. Bunſen eröͤffnete die Verſammlung mit einer Rede, in welcher er den Anweſenden bekannt machte, daß an dem Abende des folgenden Tags zwiſchen 9 und 10 Uhr die Revolution mit Erſtürmung der Haupt⸗ und Conſtabler-Wache beginnen ſolle, um einen feſten Punct zu haben und die Soldaten ſich vom Halſe zu ſchaffen. Sie, die Studenten, ſeyen dazu be⸗ ſtimmt, die Hauptwache zu überfallen, während die andere Wache von Frankfurtern werde genommen werden. Für alles Uebrige ſey geſorgt; ſie duͤrften nur anfangen. Von dem gluͤck— lichen Ausgange des erſten Schlags hänge die Theilnahme vie⸗ ler anderen Leute ab. Die Bürgerſchaft und das Militär ſeyen für eine Revolution, 2000 Handwerksburſche für dieſelbe gewon⸗ nen, und auf das Sturmläuten würden auch die Sachſenhäuſer und die Bauern in die Stadt kommen. Gleichzeitig werde der Aufſtand auch an anderen Orten Deutſchlands beginnen. In den beiden Heſſen ſey hierzu Alles vorbereitet und ein Theil des Militärs gewonnen; ebenſo in Würtemberg.— Was nach unternommenem Angriff auf die Wachen und nach Gelingen des Unternehmens weiter habe geſchehen ſollen, daruͤber ſcheinen die Studenten in Ungewißheit gelaſſen worden zu ſeyn; nament⸗ lich ſagt Einer, man habe ſie als blinde Werkzeuge gebraucht. — Indeſſen wurde ihnen auf verſchiedentlich erhobene Zweifel und Bedenken die wiederholte und feſte Zuſicherung gegeben, daß ſie nach gelungenem Sturm auf die Hauptwache auf thätige Hülfe der Buͤrger rechnen könnten und daß ſich jedenfalls die Bauern der Thore der Stadt bemächtigen würden. man durch ßen, lichen ten. den Wac ſelbe anla deuif ſche wär Nach Abthe inzwi geeil blieb bald nahn man iedenen Zuſtav ndeten, Frank⸗ ommen, bredung t gegen erner, im ein. de, in Abende volution eginnen ten ſich azu be⸗ andere ir alles n glück⸗ me vie⸗ r ſeyen gewon⸗ nhäuſer erde der en. In öheil des s nach zelingen ſcheinen nament⸗ braucht. zweifel gegeben, ſthätige falls die — 41— Am 3. April, Abends, verſammelten ſich, der zu Bocken⸗ heim getroffenen Verabredung gemäß, die am Tage zuvor dort zuſammengekommenen Perſonen in der Wohnung des Dr. Gu— ſtav Bunſen im ſ. g. Münzhofe, verſahen ſich hier mit Waf— fen und zogen dann in drei Abtheilungen, unter Anfuhrung der D. D. Bunſen, Körner und Berchelmann und unter dem Obercommando des Dr. v. Nauſchenplat, gegen die Haupt— wache. Sie eröffneten den Angriff mit Hurrah⸗Geſchrei, ſchnit⸗ ten die Wachmannſchaft von ihren Gewehren ab, nachdem einem Schildwache ſtehenden Soldaten durch einen Schuß ein Arm zerſchmettert worden war, gaben durch die eingeſchlagenen Fen— ſter der Wachtſtube und deren Thüre eine Salve, tödteten und verwundeten dadurch mehre Soldaten und nöthigten die Wach⸗ mannſchaft, ſich zu ergeben. Auch ſuchten ſie dieſelbe, ſelbſt durch Geldanerbietungen, zu beſtimmen, ſich ihnen anzuſchlie— ßen, ſowie ſie auch die auf der Hauptwache in Haft befind— lichen Perſonen befreiten und für ſich zu gewinnen ſich bemüh— ten. Mehre der Aufrührer rafften die in der Vorhalle hängen⸗ den Soldaten⸗Gewehre zuſammen und boten ſie der um die Wache verſammelten Volksmenge an, wobei ſie Reden an die⸗ ſelbe hielten, um ſie zur Theilnahme an dem Aufſtande zu ver— anlaſſen. Namentlich ſoll gerufen worden ſeyn: Nieder mit dem deutſchen Bunde! es lebe die deutſche Freiheit!— Dr. v. Nau— ſchenplat bemühte ſich vergebens, als Zeichen für die aus⸗ wärtigen Theilnehmer des Complottes eine Rakete anzuzünden. Nachdem derſelbe hierauf mit einer eigens hierzu commandirten Abtheilung der Aufrührer nach der Conſtabler⸗Wache, welche inzwiſchen von einer anderen Abtheilung war geſtürmt worden, geeilt war, herrſchte unter den bei der Hauptwache Zurückge⸗ bliebenen große Verwirrung und es ergriffen dieſelben auch als— bald die Flucht, als das Militär anrückte. An dem gleichzeitigen Angriff auf die Conſtabler-Wache nahmen die Advocaten Gärth und Neuhof, mehre Polen, — namentlich ein Major, welcher dieſe ganze Abtheilung com— mandirt haben ſoll und ſich, wie es ſcheint, ſpäter nach Mar— burg zu Apotheker Döring fluͤchtete, indem ſich bei dieſem wenigſteus ein bei dem Attentate betheiligter polniſcher Stabs⸗ officier längere Zeit aufgehalten hat— einige Leute aus dem Handwerker⸗Stande, fremde, wie einheimiſche, endlich der Can— didat Schüler von Darmſtadt und die gleichfalls ſchon mehr genannten Studenten Scriba und Lubanski Antheil. Schü⸗ ler und Scriba haben ſich über die Vorgänge zu Frankfurt, ſoweit ſie ſelbſt dabei betheiligt waren, gegen mehre ihrer Be⸗ kannten zu verſchiedenen Zeiten ziemlich übereinſtimmend geäu⸗ ßert. Ihrer Erzählung nach waren ſie Anfangs April nach Frankfurt gekommen. Schüler,— der vor ſeinem Weggang von Gießen zweien ſeiner Bekannten, welche nicht in das Pro— ject eingeweiht waren, nach deren Angaben allgemeine Eröff⸗ nungen von einer bevorſtehenden Revolution gemacht und nament⸗ lich geäußert haben ſoll, daß er und noch eine Anzahl Anderer einen Plan vorhätten, der, wenn er gelänge, ihnen einen Namen in der Geſchichte machen könne— will bei ſeiner An⸗ kunft zu Frankfurt zunäͤchſt zu Dr. Gärth gegangen ſeyn und mit dieſem zu Dr. Körner ſich begeben haben, wo er mehre große ſchwarz-⸗roth-goldne Fahnen und eine Anzahl Männer verſammelt gefunden habe, von denen die Mehrzahl Frankfurter und die Minderzahl Auswärtige geweſen ſeyen. Man habe ſich— ſoll er jenen ſeinen Bekannten mitgetheilt haben— hier beſchäftigt, Patronen, ſowohl für Gewehre, als fuͤr Kanonen, zu fertigen; auch Donnerſchläge, Naketen und Fackeln ſeyen bereit geweſen. Als er von hier weggegangen, ſey er noch unſchlüſſig geweſen, ob er in Frankfurt bleiben oder an dem Ausbruche der Revolution in Gießen Theil nehme ſolle. In dieſer Unentſchloſſenheit habe er Scriba und Lubanski auf der Straße getroffen und hierdurch ſey er beſtimmt worden, ebenfalls in Frankfurt zu verweilen und für die Revolution dort thätig zu ſeyn. In einem Wirthshauſe, wohin er ſich mit jenen Beiden begeben und wo ſich eine Menge fremder Studenten be⸗ ſunden habe, ſey nun von dem auch dahin gekommenen Dr. Gärth die Beſtimmung getroffen worden, daß man ſich nah Vo nen ma der nich Erd an nac in ei dieſem Stabs⸗ aus dem der Can⸗ hon mehr l. Schü⸗ Frankfurt, ihrer Be⸗ und geäu⸗ vril nach Teggang das Pro⸗ e Eröff⸗ nament⸗ Anderer n einen iner An⸗ ſeyn und er mehre Männer ankfurter tan habe -— hier Kanonen, keln ſeyen er noch au dem olle. Ju nski auf worden, ution dort mit jenen denten be⸗ kommenen man ſch Abends gegen 9 Uhr in einem abgelegenen Wirthshaus ver⸗ ſammle, von wo aus die zum Angriffe auf die Conſtabler⸗Wache entſchloſſenen Perſonen— denen er, mit Scriba und Lu⸗ banski, ſich zugeſellt habe— ihren Plan ausführen ſollten. Um die verabredete Zeit ſey man hier, 18 Mann ſtark, zuſam⸗ mengekommen, habe ſich mit Musketen, Patronen und ſchwarz— roth⸗goldnen Scherpen verſehen und wäre dann 10 Minuten vor halb zehn Uhr aufgebrochen, und zwar den polniſchen Major an ihrer Spitze. Bis Schlag halb zehn Uhr hätten ſie in einer engen, auf die Zeile fuͤhrenden Straße gehalten, dann aber ſeyen ſie im Laufſchritte auf das Wachthaus losgeſtürmt. Der Wache⸗ poſten ſey von Lubanski niedergeſtoßen, die übrige Mann⸗ ſchaft entwaffnet worden; darauf habe man die Gefangenen be⸗ freit, von denen Einer aus Verſehen mit dem Bajonett zuſam⸗ mengeſtochen worden ſey. Die hier begangenen Gewalthätig— keiten und Grauſamkeiten— erzählte Schüler ſeinen Bekaunten weiter— hätten ihn erſchüttert. Er habe deshalb das Volk auf der Straße angeredet und mit den Worten:„auf! auf! der Morgen der deutſchen Freiheit bricht jetzt an! zu den Waffen! heute bricht's an allen Enden Deutſchlands los!“ zur Theil⸗ nahme zu beſtimmen geſucht; jedoch vergeblich.*) Auch der Verſuch, das Zeughaus gewaltſam zu eröffnen und die Kano⸗ nen herauszuziehen, ſey nicht geglückt.— Während dem habe man vernommen, daß das Militär im Anzuge ſey, und, durch den Kugelregen erſchreckt, die Flucht ergriffen. Da Scriba nicht mehr habe entrinnen können, ſo habe ſich derſelbe zur Erde geworfen und das Militär ſey nun, ihn füͤr todt haltend, an ihm vorbeigezogen.— Scriba hat, mehrſeitigen Angaben nach, dieſes Letztere ſelbſt öfter erzählt und beigefügt, daß er, in den Straßen Frankfurts umherirrend, auf einige Kaufmanns⸗ diener geſtoßen ſey, welchen er ſich offenbart habe und von deren Einem er aufgenommen und den anderen Tag in dem *) Scriba will nach ſeiner Erzählung gegen C. Zeuner und C. Kuhl das Volk in gleicher Weiſe angeredet haben. — 41— Anzuge eines Kaufmanns glücklich zum Thore hinaus gebracht worden ſey.— Auf ähnliche Weiſe will auch Schüler ſeine Flucht be— werkſtelligt haben. Während dieſer Vorfälle an den Wachen wurde fortwäh⸗ rend, Anfangs von mehren Aufrührern ſelbſt, dann aber von der unter lebensgefährlichen Drohungen hierzu genöthigten Thür⸗ mers⸗Frau, die Sturmglocke auf dem Thurme der Domkirche geläutet. Gleichzeitig hatte ſich in der Nähe von Bonames ein Trupp von 40 bis 60 Menſchen verſammelt, welche hier mit Waffen verſehen wurden und, unter Anführung mehrer Perſonen, eine Trommel und eine Fahne bei ſich führend, zuerſt einen Angriff auf die churheſſiſche Zollſtätte Preungeshain machten, die Fen⸗ ſtern des Zollgebäudes zerſchlugen, die Papiere des Zoll⸗Erhe⸗ bers vernichteten, ſodann nach Frankfurt zu zogen; bald aber, nachdem ſie von dem Mißlingen des Revolutions⸗Verſuches Kenntniß erlangt hatten, den Rückweg nach Bonames wieder einſchlugen und hier auseinander gingen. Der Kampf in Frankfurt war zwar von kurzer Dauer, aber doch blutig genug. Es wurden nämlich an der Haupt⸗ wache zwei— an der Conſtabler⸗Wache, wo das Militär bei dem Vorrücken beſonders lebhaften Widerſtand fand, ſieben Perſonen theils getödtet, theils ſo ſchwer verwundet, daß ſie bald darauf an ihren Wunden ſtarben. Außerdem ſind an der Hauptwache zwölf— und an der Conſtabler⸗Wache ebenfalls zwölf Perſonen verwundet, jedoch wieder geheilt worden. Unter den Getödteten ꝛc. befinden ſich ſechs Soldaten, zwei Aufruͤhrer und ein Unbetheiligter; unter den Verwun⸗ deten vierzehen Soldaten, zwei Aufrührer und acht Unbe⸗ theiligte. ſo ho noch ande weiſt eine von und Verſt In telun ſpäte Tra ebenfe zu ſe Gele lich bracht ht be⸗ rtwaͤh⸗ er von Thur⸗ kirche rrupp Jaffen eine ngriff Fen⸗ Erhe⸗ aber, ſuches wieder Dauer, daupt⸗ ar bei ieben daß ſie an der enfalls daten, erwun⸗ Unbe⸗ Iweiter Abſchnitt. Das revolutionaire Treiben nach dem Frankfurter Attentate bis zum Jahr 1835. Obogleich dieſer revolutionäre Verſuch völlig mißglückt war, ſo hatten doch die Feinde der öffentlichen Ruhe und Ordnung noch immer nicht die Hoffnung aufgegeben, ihre Pläne zu einer anderen Zeit zu verwirklichen. Man ließ es ſich jetzt vorzugs— weiſe angelegen ſeyn, das Volk durch aufregende Schriften für eine Revolution erſt gehörig vorzubereiten, die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit einer ſolchen recht lebendig zu machen und auf dieſe Weiſe für den Fall einer Wiederholung jenes Verſuches des gewünſchten Erfolges möglichſt ſich zu verſichern. In der Art ſoll ſich namentlich Dr. Weidig, allen Ermit⸗ telungen nach der Leiter oder doch eine Hauptſtütze auch dieſer ſpäteren Umtriebe, gegen den vormaligen Gehülfen in der Drapp'ſchen Apotheke, E. Fröhlich von Ellwangen, welcher ebenfalls ein Anhänger jenes Mannes war und denſelben öfter zu ſehen und über dergleichen Gegenſtände ſprechen zu hören Gelegenheit hatte, geäußert haben. Unter Anderem ſagt näm⸗ lich Fröhlich in dieſer Hinſicht von Weidig: „— Namentlich behauptete er auch, daß, wenn ja ein entſcheidender Schlag geſchehen ſollte, dieſe Leute(das Land⸗ volk) die geeignetſte Maſſe wären, um den Sachen den ge⸗ hörigen Nachdruck zu geben, und dieſes Volk müſſe man immer und immer belehren, in welchem Zuſtande es lebe und in welchem es leben könnte, um es auf ſolche Weiſe geneigt zu machen, gegen ſeine Regierungen aufzuſtehen.“*) *) Bemerkenswerth iſt, was Fröhlich noch hinzufügt:„Er(Wei⸗ dig) ſagte übrigens öfter, er ſey vor der Hand durchaus nicht dafür, in Deutſchland ein republikaniſches Princip einzuführen, Dieſe Anſicht ſoll auch der, der Theilnahme an den ver⸗ brecheriſchen Beſtrebungen der ſpäteren Zeit bezüchtigte, damalige Student Georg Büchner von Darmſtadt,*) von Auguſt Becker als ein überaus talentvoller Mann und entſchiedener heftiger Republikaner bezeichnet, ganz getheilt haben. In den politiſchen Geſprächen zwiſchen ihm und ſeinen Freunden zeigte derſelbe nämlich, wie Becker wörtlich ſagt: „die Thorheit der letzten revolutionären Unternehmungen, bei welchen man im Vertrauen auf eine geiſtig und phyſiſch ohnmächtige liberale Parthei durchaus keine Rückſicht auf das Volk genommen habe, welches doch die meiſte Urſache habe, eine Veränderung ſeiner Verhältniſſe zu wünſchen, und allein die Macht habe, dieſelbe zu bewirken. Solle je wieder— habe er fortgefahren— etwas Aehnliches geſchehen, ſo müſſe man ſich der Theilnahme des Volkes verſichern und, wenn dieſe nicht zu erlangen ſey, die ganze Sache aufgeben. Es ſey rühmlicher, in den gegenwärtigen Verhäͤltniſſen fortzu⸗ leben, als eine Parthei zu unterſtützen, die bei ihren liberalen Bemühungen nur ihre eigenen egoiſtiſchen Zwecke im Auge habe und dazu nicht einmal Verſtand genug, ſie durchzu⸗ ſetzen.“ Demgemäß wurden Schriften verſchiedener Art, alle jedoch ſondern mehr für die Monarchie, woraus dann ſpäter, wenn das deutſche Volk dafür empfänglich wäre, eine deutſche Republik ent⸗ ſtehen ſollte.“ Auf gleiche Weiſe deutet eine ſchon früher erſchie⸗ nene, den Titel:„Deutſchlands Wiedergeburt, oder die Mittel und Wege ein freies deutſches Reich wie⸗ der aufzurichten“ führende Schrift den Entwickelungsgang und letzten Zweck dieſes Treibens an, indem es nämlich darin heißt:„Das conſti tutionelle Syſtem iſt nur ein Uebergang zur demokratiſchen Republik.— Thron und Bürgerthum können nicht friedlich nebeneinander beſtehen;— wir verlangen die Errichtung einer conſtitutionellen Demokratie, und dieſe mit allen ihren Folgen, nämlich eine Selbſtregierung des Volkes.“ *) Er iſt als Flüchtling im Ausland geſtorben. von d Begier Hoffm morali abgeſa entwie führen zu Me L „Leuc ſen J befaßt vorzü löſung einer nicht; Becke die nu den die die he ſelbe Ton! Großl zur N ſendete A noch die J weis: luſior berg i Unterſ hinſich fieiren n ver⸗ malige uguſt iedener dJu den zeigte ungen, habe, allein müſſe wenn Es fortzu⸗ beralen Auge urchzu⸗ jedoch venn das blik ent⸗ erſchie⸗ der die ch w je⸗ ungsgang ich darin ur ein — Thron tehen;— mokratie, erung des von demſelben Grund⸗Character, darauf nämlich berechnet, die Begierden und Leidenſchaften der großen Maſſe aufzuregen, die Hoffnung, ihren Zuſtand zu verbeſſern, zu erwecken und alle moraliſche Scheu vor der beſtehenden Gewalt zu vernichten, abgeſaßt, Anfangs zu Frankfurt(wo eine, gleiche Thätigkeit entwickelnde und den Namen„Union“ oder„Männerbund“ führende Verbindung, neu entſtanden war) und Offenbach, ſpäter zu Marburg gedruckt und im ganzen Lande verbreitet. Die erſte dieſer Flugſchriften erſchien unter dem Titel „Leuchter und Beleuchter für Heſſen, oder der Heſ⸗ ſen Nothwehr“ vom Jahr 1834 an in fuͤnf Nummern und befaßte ſich neben manchen Perſönlichkeiten, die ſie enthielt, vorzüglich mit landſtändiſchen Intereſſen, insbeſondere der Auf⸗ löſung des Landtags von 1833, wie desjenigen von 1834, in einer Weiſe, daß die aufreizende Tendenz des Verfaſſers nicht zu verkennen iſt. Dieſe Blätter, ſoll Weidig nach A. Becker's Angaben geäußert haben, ſeyen für die Schwachen, die nur an ſolchen Speiſen Gefallen fänden. Gleichzeitig wur⸗ den zwei von Pfarrer Flick verfaßte Flugſchriften,„an die heſſiſchen Wahlmänner Februar 1834“ und„an die heſſiſchen Stände Ende April 1834“, welchen der⸗ ſelbe Zweck, wie der erſtgenannten Schrift, unterliegt, deren Ton und Faſſung aber noch weit rückſichtsloſer iſt, im ganzen Großherzogthume verbreitet, indem man ſie theils hier und da zur Nachtzeit auswarf, theils unter Couverte mit der Poſt ver— ſendete. Außerdem hatte man ſchon im Jahr 1833 den auch ſpäter noch fortgeſetzten Verſuch gemacht, durch Drohbriefe auf die Juſtiz einzuwirken, durch Herbeiſchaffung falſcher Be⸗ weismittel und planmäßig eingeleitete und unterhaltene Col⸗ luſionen mit den während der erſten Unterſuchung zu Fried⸗ berg in Haft befindlich geweſenen Individuen den Zweck der Unterſuchung zu vereiteln, durch falſche Denunciationen hinſichtlich einzelner Gegenſtände derſelben die Behörde zu myſti⸗ ficiren und Beamte mittelſt anonymer oder mit falſchen — 48— Unterſchriften verſehener Schreiben zu verhöhnen,— in welcher Richtung beſonders einige junge Butzbacher, unter Anleitung Weidig's, damals thätig waren.*) Von allen im Jahr 1834 erſchienenen und verbreiteten Flug⸗ ſchriften war indeſſen eine, welche geradezu zum Umſturz des Beſtehenden aufforderte, der gemeinverſtändlich und ganz ſeinem Zwecke entſprechend geſchriebene ſ. g. heſſiſche Landbote, die bei weitem gefährlichſte und ſtrafbarſte.**) *¼) So ließ Weidig, um nur Eins zu erwähnen, durch einen ſei— ner vormaligen Schüler unter dem Namen Scriba's einen Brief an ein Mitglied des Hofgerichts zu Gießen ſchreiben und in die Hände der Unterſuchungs⸗Behörde gelangen, worin eine Dankſag⸗ ung Scriba's dafür enthalten war, daß ihm mehre Mitglieder dieſes Collegs zu ſeiner glücklich bewerkſtelligten Flucht angeblich Vorſchub geleiſtet,— eine Manipulation, von der man hoffte, daß ſie den Ausſchluß jener Richter von der Berathung und Beſchluß⸗ nahme in dieſer Unterſuchungsſache zur Folge haben würde. **½) Sie führt das Motto:„Friede den Hütten, Krieg den Palläſten!“ Nur zwei Sätze, welche ſie ſchon hinlänglich characteriſiren werden, mögen hier eine Stelle finden: „Der Herr, der den Stecken des fremden Treibers Napoleon zerbrochen hat, wird auch die Götzenbilder unſerer einheimiſchen Tyrannen zerbrechen durch die Hände des Volkes.— Gott wird euch Kraft geben, ihre Füße zu zerſchmeißen.“— „Doch das Reich der Finſterniß naht ſich zum Ende. Ueber ein Kleines, und Deutſchland, das jetzt die Fürſten ſchinden, wird als ein Freiſtaat, mit einer vom Volk gewählten Obrig⸗ keit, wieder auferſtehn.“ Zur umfaſſenden Beurtheilung der Richtung und Tendenz jener Schrift wird es dienen, wenn die Anſichten, von welchen der Ur⸗ heber derſelben(Bü⸗ chner) bei ihrer Abfaſſung ausging, mit ſei⸗ nen eigenen Worten, wie ſie A. Becker wiedergegeben hat, hier detaillirt werden.„Die Verſuche“— ſoll er ſich nämlich ausge— ſprochen haben—„welche man bis jetzt gemacht hat, um die Ver⸗ hältniße Deutſchlands umzuſtoßen, beruhen auf einer durchaus kna⸗ benhaften Berechnung, indem man, wenn es wirklich zu einem Kampf, auf den man ſich doch gefaßt machen müßte, gekommen wäre, den deutſchen Regierungen und ihren zahlreichen Armeen D genann glied ei die ſich laſſung det un das Er chen, Orten Vereine laſſenen mit, langte geſinnt und la lichkeit Einwei deuten, chelhaf bach u Leute in ihre nen,— „ unter en Flug— turz des z ſeinem dbote, itglieder angeblich ffte, daß Beſchluß⸗ Uäſten!“ nwerden, Napoleon eimiſchen Hott wird ee. Ueber ſchinden, n Obrig⸗ enz jener n der ur⸗ „ mit ſei⸗ hat, hier ich ausge⸗ die Ver⸗ chaus kna⸗ zu einem gekommal in Armeel 49— Der Grundlage nach rührte dieſe Schrift von dem ſchon genannten vormaligen Studenten Büchner her, welcher Mit⸗ glied einer meiſt aus Studenten beſtehenden Geſellſchaft war, die ſich bald nach der im Frühjahr 1834 ſtattgefundenen Frei⸗ laſſung der damaligen politiſchen Gefangenen zu Gießen gebil⸗ det und nach A. Becker's Angabe zum Zwecke geſetzt hatte, das Erſcheinen von aufregenden Flugſchriften möglich zu ma— chen, dieſelben zu verbreiten und Gleichgeſinnte an anderen Orten zu ähnlichen mit einander in Verbindung zu bringenden Vereinen zu beſtimmen. Mehre der kaum aus der Haft ent⸗ laſſenen Individuen wirkten zur Gründung dieſer Geſellſchaft mit, indem die in dem Gefängniß verſchiedentlich an ſie ge— langte Aufforderung, ſtandhaft zu ſeyn, die ihnen von Gleich⸗ geſinnten zu Theil gewordene Anerkennung ihrer durch Haft und langwierige Unterſuchung erprobten Ausdauer und Anhäng⸗ lichkeit an die vermeintlich gute Sache, die Ausſicht auf tiefere Einweihung in die Umtriebe und unmittelbaren Verkehr mit be⸗ deutenderen Männern, die ihnen eröffnet wurde, der ſchmei⸗ chelhafte Empfang endlich, welcher den Freigelaſſenen zu Butz— bach und Gießen bereitet wurde, die Exaltation der jungen Leute noch vermehrte, und dieſelben, wie G. Clemm ſagt, in ihren böſen Vorſätzen beſtärkte. nichts hätte entgegenſtellen können, als eine Handvoll undiscipli⸗ nirter Liberalen. Soll jemals die Revolution auf eine durchgrei⸗ fende Art ausgeführt werden, ſo kann und darf das blos durch die große Maſſe des Volks geſchehen, durch deren Ueberzahl und Ge⸗ wicht die Soldaten gleichſam erdrückt werden müſſen. Es han⸗ delt ſich alſo darum, dieſe große Maſſe zu gewinnen, was vor der Hand nur durch Flugſchriften geſchehen kann. Die früheren Flugſchriften, welche zu dieſem Zwecke erſchienen ſind, entſprachen demſelben nicht; es war darin die Rede von dem Wiener Congreß, Preßfreiheit, Bundestags⸗Ordonnanzen, lauter Dinge, um welche ſich die Bauern nicht kümmern,—— welche an keiner Seite mehr zugänglich ſind, als gerade am Geldſack. Dieß muß man be⸗ nutzen.“ u. ſ. w. 4 — 56— um die Zeit der Gründung jenes Vereins nun hatte Büchner nach ſeinen oben angedeuteten Grundſätzen die ſchon bezeichnete Flugſchrift abgefaßt und dieſelbe in Begleitung des A. Becker, der das Büchner'ſche Manuſcript in's Reine geſchrieben hatte, nach Butzbach zu Dr. Weidig gebracht, welcher ſie zwar in dieſer ihrer urſprünglichen Geſtalt nicht bil— ligte, ihr jedoch, wie Becker angiebt, einen gewiſſen Grad von Beifall nicht verſagte, indem er meinte, daß ſie, wenn ſie verändert werde, vortreffliche Dienſte thun müſſe. Dieſe Ver⸗ änderung nahm, wie glaubhaft verſichert wird, Weidig vor; er ſoll der Schrift den Vorbericht gegeben, meiſt die Bibel⸗ ſtellen beigefuͤgt, einzelne Aeußerungen und Sätze modificirt, durch einen paſſenden Schluß abgerundet und ihr den Namen „heſſiſcher Landbote“ beigelegt haben. Auch Carl Zeu⸗ ner beſtätigt das Angegebene inſofern, als er von Weidig gehoͤrt zu haben verſichert: der Landbote ſey noch ſchlimmer projectirt geweſen, er habe ihn etwas milder abgefaßt; wenn die Schrift etwas taugen ſolle, müſſe ſie gänzlich umgearbeitet werden, was er zu thun beabſichtige. Die Studenten Büchner und Schutz— welcher Letztere ebenfalls Mitglied der vorerwähnten Geſellſchaft war— brach⸗ ten das eine Zeit lang zu Butzbach aufbewahrte Manuſcript zum Landboten nach ſeiner Umgeſtaltung durch Weidig(wie es ſcheint, im Juni 1834) nach Offenbach in die Preller'ſche Druckerei, von wo Ende Juli die gedruckten Erxemplare durch Schütz und Minnigerode, denen ſich auf ihren Wunſch noch C. Zeuner von Butzbach zugeſellte, abgeholt wurden. Ein Theil der Schriften war von Zeuner und Minnigerode nach Butzbach und resp. Gießen mitgenommen worden, mit einem anderen Theile derſelben hatte ſich Schütz nach Darm⸗ ſtadt begeben. Als indeſſen Minnigerode mit dem noch bei ihm gefundenen Pack Flugſchriften zu Gießen bei dem Ein⸗ gange in die Stadt auf friſcher That ertappt und verhaftet wordeln welchen zu Rö Flücht Sorge zu Bu daß ſei ſchwore S ner Id Tage Großh in ihr hierdur Verhaf dieſes dadurch in Bu ſuchun eine Rodell befind Stadt zeit th zu den precht hier un welche beitrã⸗ Weyn den gl — ) L hatte e ſchon ug des BNeine bracht, cht bil⸗ Grad enn ſie ſe Ver⸗ g vor; Bibel⸗ dificirt, Namen Zeu⸗ eidig limmer wenn arbeitet Letztere brach⸗ pt zum wie es er'ſche durch Wunſch vurden. gerode. u, mit Darm⸗ ſoch bei m Ein— erhafte worden war,*) ſuchte Schütz ſein Heil auf der Fluͤcht, auf welcher er namentlich bei dem practiſchen Arzte Dr. Schmall zu Rödelheim, der, gleich Pfarrer Flick, mehre politiſche Flüchtlinge bei ſich aufnahm uud für deren Weiterbeförderung Sorge trug, eine Zeit lang verborgen gehalten wurde und auch zu Butzbach vielfache Unterſtützung fand, die ſogar ſoweit ging, daß ſeinetwegen falſche Ausſagen vor Gericht abgelegt und be⸗ ſchworen wurden. Sämmtliche Exemplare des Landboten hatten nach ei⸗ ner Idee Weidig's, wie behauptet wird, entweder an Einem Tage oder doch möglichſt gleichzeitig an mehren Orten des Großherzogthums verbreitet werden ſollen, damit die Behörden in ihren Nachforſchungen nach den Thätern irre geführt und hierdurch die Gefahr vor Entdeckung vermindert werde. Die Verhaftung Minnigerode's hatte indeſſen die Ausführung dieſes Planes vereitelt. Ein großer Theil der Landboten fiel dadurch in die Hände der Behörden, ein anderer Theil ſcheint in Butzbach aus Beſorgniß vor einer bevorſtehenden Unter⸗ ſuchung vernichtet worden zu ſeyn. Außerdem gelangte aber eine kleinere Quantität von Exemplaren dieſer Schrift von Rödelheim aus nach Butzbach und wurde mit den daſelbſt noch befindlich geweſenen Landboten durch junge Leute aus dieſer Stadt dort, ſowie in den nächſtgelegenen Ortſchaften zur Nacht— zeit theilweiſe ausgeworfen; der Ueberreſt wurde nach Gießen zu dem ſchon im Jahr 1835 verſtorbenen Candidaten Wey— precht gebracht, der ſie, übereinſtimmenden Angaben nach, hier und in der Umgegend durch junge Bürger verbreiten ließ, welche er zu gewinnen gewußt und zu regelmäßigen Geld⸗ beiträgen für den Druck von Flugſchriften ꝛc. beſtimmt hatte. Weyprecht's Thätigkeit war mehr eine ſelbſtſtändige und von den gleichen Beſtrebungen Anderer unabhängige, und eine Auf⸗ *) Vor dem Schluſſe der Unterſuchung befiel den Studenten Min— nigerode eine Krankheit, von der er nooch nicht geneſen iſt, weshalb auch bis jetzt kein urtheil gegen ihn gefällt werden konnte. 4* forderung, der Buͤchner'ſchen Geſellſchaft beizutreten, ſoll von ihm abgelehnt worden ſeyn. Jener Verein junger Bürger beſtand übrigens bis in das Jahr 1835 hinein nnd von ihm beſonders ging auch, wie allen Vorliegenheiten nach nicht zu bezweifeln iſt, die Verbreitung der zweiten Auflage des Landboten aus, ſoweit eine ſolche in Gießen und den be⸗ nachbarten Orten ſtattgefunden hat. Aus Veranlaſſung der Verhaftung des Studenten Min⸗ nigerode und der gleichzeitigen Flucht des Studenten Schutz wurden zu Anfang Auguſts 1834 die Papiere dieſes Letzteren unterſucht, wobei Urkunden aufgefunden wurden, welche von der Exiſtenz einer ſtaatsgefährlichen burſchenſchaftlichen Verbin⸗ dung auf der Univerſität Gießen zeugten, die neben dem bereits erwähnten Vereine ſelbſtſtändig ihre Zwecke verfolgte. Clemm ſtellt dieſe Studenten-Verbindung als eine Vorbereitungsſchule für diejenigen dar, deren Aufnahme in„einen für Deutſchland zu conſtituirenden allgemeinen Verein“ ſpäter habe erfolgen ſollen. In der Conſtitution dieſer Verbindung heißt es, und zwar in der Einleitung unter Anderem: „Wenn das Vaterland durch die freche Gewalt des Des⸗ potismus niedergetreten, ſeiner Ehre, ſeiner Freiheit, ſeiner Kraft beraubt, verlaſſen von der großen Maſſe ſeiner Söhne, die theils aus Mangel an Bildung, theils aus Feigheit und Egoismus taub iſt für die Klagen, die Seufzer und den Racheruf deſſelben,— wenn ſo das Vaterland nahe iſt dem fuͤrchterlichſten Untergang, dann iſt die erſte, die heiligſte Pflicht eines Jeden, dem ein Herz fuͤr das Land ſeiner Väter in ſeinem Buſen ſchlägt, mitzuwirken für die Rettung deſſelben, der mahnende Ruf ergeht dann an jeden Tüchtigen, feſt ſich anzuſchließen an Gleichgeſinnte, um mit vereinten Kräften zu zerreißen die Bande, die das theuere Vaterland drücken. Dieſem Nufe folgten wir. Wir gründeten die Bur⸗ ſchenſchaft, eine Verbindung zum Heile, zur Rettung des Vaterlandes.— Burſch Verbind T 2 geſtiftet hebets⸗ aufgel 8 Beſtre waͤrtig geregel wüken, größer geben, ſächlich A. Be ſchrifte ſeyn.“ Juli! kunft und( werden T bei je Veſchl ſtimme jecte, gefähr deren eigene „ſoll von Bürger von ihm nicht zu age des h den be⸗ en Min⸗ u Schüuͤtz etzteren helche von n Verbin⸗ im bereits Clemm ungsſchule eutſchland erfolgen es, und des Des⸗ eit, ſeiner ſſe ſeiner heils aus ie Seufzer Vaterland die erſte, für das itzuwirken geht dann chgeſiunt e, die das die Bur⸗ ettung des 5 —— Die Burſchenſchaft— kann daher nur ſolche Principien aufſtellen, die auch die wahre Grundlage eines freien, gluͤcklichen Zuſtandes deſſelben ſind. Ihre Principien ſind daher: Freiheit und Gleichheit des deutſchen Volkes, wahre Einheit des Vaterlandes!“ Im§. 1 der Conſtitution wird ſodann geſagt, daß die Burſchenſchaft als politiſche Verbindung und als Studenten⸗ Verbindung handle. Dieſe nicht lange vor der Flucht des Studenten Schütz geſtiftete Verbindung hatte ſich nach dem Weggang ihres Ur⸗— hebers, ohne eine beſondere Thätigkeit entwickelt zu haben, aufgelößt. Im Sommer 1834 ſuchte man dieſen mehr vereinzelten Beſtrebungen durch Anknuͤpfung von Verbindungen mit Aus⸗ wärtigen, namentlich mit Marburgern und Naſſauern, durch geregelteres und mehr in einander eingreifendes Zuſammen⸗ wirken, ſowie durch Anſchaffung einer eigenen Druckerpreſſe eine größere Ausdehnung und eine erfolgreichere Wirkſamkeit zu geben, wofuͤr Weidig wiederum allen Anzeigen nach haupt— ſächlich thätig war.„Schwerlich wuͤrde“— ſagt namentlich A. Becker—„eine einzige der in Frage ſtehenden Flug— ſchriften ohne ſeine Aufmunterung und ſein Zureden erſchienen ſeyn.“ Insbeſondere fand aus Veranlaſſung Weidig's im Juli 1834 auf der Badenburg bei Gießen eine Zuſammen⸗ kunft zwiſchen dieſem und mehren Perſonen von Marburg und Gießen ſtatt, bei welcher im Allgemeinen beſprochen werden ſollte,„was unter den jetzigen Verhältniſſen zu thun ſey.“ Wenn auch die Ausſagen der Betheiligten über die bei jener Zuſammenkunft gepflogene Berathung und gefaßten Beſchlüſſe in weſentlichen Puncten nicht mit einander überein⸗ ſtimmen, ſo läßt ſich doch kaum bezweifeln, daß von dem Pro— jecte, Schriften von mehr oder weniger aufreizendem, ſtaats⸗ gefährlichem Inhalte zu verfaſſen und zu verbreiten, und fuͤr deren ungehinderten Druck auf Koſten der Geſellſchaft eine eigene Preſſe anzuſchaffen, die Rede war. — 54— Wirklich bemühten ſich nicht nur bald darauf mehre junge Butzbacher für den Ankauf einer Preſſe,— welcher indeſſen unter⸗ blieb, weil die Geldmittel nicht ganz zureichten, und weil man inzwiſchen auch in der Perſon des Factors der El⸗ wert'ſchen Officin zu Marburg einen Mann ausfindig ge— macht hatte, der den Druck ſolcher Flugſchriften zu übernehmen bereit war— ſondern es erſchienen auch ſpäter wieder mehre Schriften von gleichem Inhalte, wie die fruͤheren. Die erſte derſelben hatte in der Auflöſung des Landtags von 1834 ihre Veranlaſſung und wurde als fünftes Blatt des„Leuchters und Beleuchters für Heſſen“ in 3— 400 Exemplaren zu Marburg gedruckt. Ueber den Verfaſſer derſelben finden ſich verſchiedene Angaben in den Acten. Durch Marburger Studenten wurde ein Theil dieſer Schrift zum Zweck deren Verbreitung nach Gießen gebracht; ein anderer Theil gelangte durch Aug. Becker, der, wie er ſagt, in Auf⸗ trag des damals als Pfarrer nach Obergleen verſetzten und dort ſchon wohnhaften Dr. Weidig ſelbſt in Marburg war, in die Hände dieſes Mannes. Exemplare der fraglichen Flug⸗ ſchrift, durch welche man beſonders auf die Wahlen zum Land⸗ tag von 1835 einwirken zu können glaubte, wurden von Gießen, wie von Obergleen aus, in möglichſt weitem Umfange ver— breitet. Die zweite Schrift, welche gleich der erſten, durch Ver— mittelung des Dr. Eichelberg und Anderer zu Marburg ge— deuckt wurde, war eine, angeblich von Weidig revidirte, neue Auflage des heſſiſchen Landboten. A. Becker ver⸗ ſichert, daß Weidig Bauern geſprochen haben wolle, auf welche der Landbote einen ungewöhnlichen Eindruck gemacht habe, was dann wohl auch Beſtimmungs-Grund zur Veran— ſtaltung dieſer neuen Auflage geweſen ſeyn mag. Factor Rühle beſorgte den Druck auch dieſer Schrift in 400 Exem⸗ plaren. Einen Theil davon nahm A. Becker in Marburg ſelbſt in Empfang und lieferte ihn an Dr. W eidig zu Ober⸗ gleen hauſ 5ten zuerſt den z dann welche junger theils in un 6ch g Exem Qual verſic Botſc Sie e und ähnlie ſage d worde nach und hatte ſamn Maͤnn von derſel er do — 2We 2 te junge n unter⸗ nd weil der El— dig ge⸗ * rnehmen r mehre andtags Blatt in 3— Verfaſſer . Durch ift zum anderer in Auf⸗ ten und r- war, n Flug⸗ n Land⸗ Gießen, ge ver⸗ rch Ver⸗ Surg ge⸗ ‚neue er ver⸗ le, auf gemacht Veral⸗ Fackor ) Exem⸗ Marburg Ober⸗ u O gleen ab, einen anderen Theil brachte Student von Stock⸗ hauſen von Marburg, gleichzeitig mit einer Quantität des 5ten Blattes des ſ. g. Leuchters, nach Gießen, wo dieſelben zuerſt bei dem Studenten Sartorius, zu dem Guſtav Clemm den zunächſt an ihn addreſſirten von Stockhauſen führte, dann bei dem Candidaten Weyprecht niedergelegt wurden, welcher ſie theils durch die oben ſchon erwähnte Geſellſchaft junger Bürger in der Umgegend von Gießen verbreiten ließ, theils an junge Butzbacher abgab, welche auf dieſelbe Weiſe in und um Butzbach damit verfuhren. Auch Weidig ließ ſich allen Anzeigen nach angelegen ſeyn, die ihm zugekommenen Exemplare ſowohl ſelbſt, als durch Andere, denen er ganze Quantitäten davon mittheilte, möglichſt in Umlauf zu bringen. Außerdem hatte auch Dr. Eichelberg, wie glaubhaft verſichert wird, eine Schrift entworfen, welche er als„zweite Botſchaft des heſſiſchen Landboten“ zum Drucke beſtimmt hatte. Sie erhielt jedoch die Billigung der übrigen Betheiligten nicht und blieb deshalb ungedruckt.— Auch Andere noch ſollen ähnliche erſolgloſe Verſuche gemacht haben. Die Koſten des Druckes jener Schriften ſind, nach Aus— ſage des Aug. Becker, zum Theil von dem Geld beſtritten worden, welches derſelbe gelegentlich einer im October 1834 nach Hoͤchſt am Main unternommenen Reiſe geſammelt hatte und das durch Beiträge Anderer vermehrt worden war. Es hatte nämlich, ohne Zweifel im Sinne der Badenburger Ver⸗ ſammlung, um jene Zeit zu Höchſt*) eine Zuſammenkunft von Männern aus dortiger Gegend, die ſich für die Verbreitung von Flugſchriften intereſſirten, ſtattfinden ſollen und es war zu derſelben auch Weidig eingeladen worden, wenigſtens hatte er doch hiervon zeitig Kenntniß erlangt. Verhindert, an dieſer *) Nach A. Becker's Angabe eröffnete ihm Weidig: man wolle ſich in der Höchſter Verſammlung über das, was von den Patrioten in den jetzigen Verhältniſſen zu thun ſey, ſowie über etwaige Anſchaffung und Aufſtellung einer geheimen Preſſe beſprechen,. — 36— Zuſammenkunft perſönlich Theil zu nehmen, hatte er den Aug. Becker, durch ein Empfehlungs-Billet hierzu von ihm legitimirt, beauftragt, ihn dort zu vertreten und dabei zugleich den Ver⸗ ſuch zu machen, ob ſich die Anweſenden beſtimmen laſſen würden, zur Beſtreitung der Druckkoſten von Flugſchriften, namentlich eines von Weidig in Predigtform bearbeiteten und von Becker in's Reine geſchriebenen, populär gehaltenen und den ſeither geſchilderten Zwecken ebenfalls dienlich erachteten Auszugs aus der Schrift von Abbé Lamennais: paroles d'un croyant(Worte eines Gläubigen)*) etwas beizu⸗ *) Ueber dieſe Schrift wird in der allgemeinen Zeitung von 1834 Nr. 250 unter Anderem geſagt:„Die ganze Lehre dieſes Buches läßt ſich auf die Worte bringen: Was heute beſteht, iſt des Satans; ſtehet auf, werft nieder, ſchlagt todt, bis alles auf der Erde gleich gemacht iſt. Um dieſe Lehre eindringlich zu machen, unter⸗ gräbt dies Buch alle Grundlagen der Geſellſchaft, ſtellt jede Ge⸗ walt als verbrecheriſch und jeden Widerſtand gegen dieſelbe nicht nur als erlaubt, ſondern als geboten dar, es erfindet eine Religion des Teufels, nennt ſie Chriſtenthum, und will dadurch in dem Herzen den Thron des wahren Chriſtenthums umſtoßen, welches Frjeden und Ordnung lehrt und folglich alle Bedingungen zu bei⸗ den ſtützt. Es heuchelt die evangeliſche Sprache nach, prangt, wie ſie, in koloſſaler Einfachheit, bedient ſich, wie ſie, allverſtändlicher Bilder, mißbraucht die heiligen Formeln, um alle Begriffe von Recht und Pflicht umzukehren, ſchwachen Bedrängten den letzten Troſt im Elende, den letzten Schild gegen das Laſter zu nehmen, um den Umſturz des Beſitzes, Mord und Todtſchlag zu predigen und die allgemeine Auflöſung, den Krieg Aller gegen Alle, herbei⸗ zuführen. Wenn der Satan aus der Hölle ſtiege, was könnte er anderes thun? Mit dieſem Buche in der Hand müßte er erſcheinen.“ Aehnlich äußert ſich das Berliner politiſche Wochenblatt, worin es namentlich heißt: Lamennais's neueſtes Buch iſt ein Werk der Anarchie, und für die Anarchie geſchrieben; ſeine eigentliche Bedeutung wird und kann es daher auch nur in anarchiſchen Zu— ſtänden gewinnen. Einſtweilen bleibt es ein merkwürdiger Ver⸗ ſuch des Geiſtes der Revolution, ſich zur Religion zu geſtalten und als ſolche poſitiv in die Stelle des Chriſtenthums zu treten. Eite ſoll. geft unte zug Tha von ſetzu ſ. g. lutio Fra⸗ jung Bitt jung daß dam hört tions eren und Mar einen voli den Aug. legitimirt, den Ver⸗ en laſſen gſchriſten, teten und enen und rachteten paroles as beizu⸗ 1834 Nr. uches läßt Satans; der Erde a, unter⸗ jede Ge⸗ ſelbe nicht geligion ch in dem , welches n zu bei⸗ angt, wie ſtändlicher egriffe von den letzten zu nehmen, b predigen e, herbei⸗ könnte er rſcheinen.“ gtt, worin t ein Werk eigentliche — 357— ſteuern. Zu Hoͤchſt traf indeſſen Becker zu wenige Intereſ⸗ ſenten an, ſo daß in der Hauptſache nichts verhandelt werden konnte. Dagegen erhielt derſelbe bei dieſer Gelegenheit nach Vorbringen des Weidig'ſchen Anliegens eine Summe Geldes, welche er, mit einigen zu Gießen angeblich geſammelten Tha⸗ lern vermehrt, an Pfarrer Weidig ablieferte, der ihn anwies, die ganze Summe von etwa 40— 50 fl. zur Beſtreitung der Druckkoſten von Flugſchriften dem Dr. Eichelberg zu uͤber⸗ bringen, was auch geſchah. Der vorerwähnte Auszug der Schrift des Abbé Lamen⸗ nais war übrigens wirklich bereits in die Hände des Dr. Eichelberg, welcher auch dieſe Schrift zum Drucke befördern ſollte, gelangt, und es ſcheint der Druck nur darum nicht ſtatt⸗ gefunden haben, weil inzwiſchen die Verhaftung Eichelberg's, unter deſſen in Beſchlag genommenen Papieren auch jener Aus⸗ zug ſich befand, erfolgte. Die letzte auf die Verbreitung von Flugſchriften bezügliche Thäͤtigkeit der Uebelgeſinnten äußerte ſich auf eine Anregung von Frankfurt aus. Es war nämlich ein Manuſcript zur Fort⸗ ſetzung des ſchon fruͤher in verſchiedenen Lieferungen erſchienenen ſ. g. Bauern⸗Converſationslexikon's, welches eine revo⸗ lutionäre Tendenz hatte und höchſt wahrſcheinlich aus dem Frankfurter Männerbund hervorgegangen war, durch einen jungen Menſchen aus Bonames dem Pfarrer Flick mit der Bitte überbracht worden, es zur Weiterbeſorgung an einen jungen Butzbacher abzugeben und demſelben bemerklich zu machen, daß man deſſen baldigen Abdruck(zu Marburg) wünſche, damit, wie Flick auf desfallſige Erkundigung in Näherem ge⸗ hört haben will, aus dem Forterſcheinen des Bauern⸗Converſa⸗ tionslexicons der Verdacht von einem der Autorſchaft der früh⸗ eren Lieferungen bezuchtigten und damals ſchon in Unterſuchung und Haft ſich befindenden Frankfurter abgewendet werde. Dieſes Manuſcript gelangte hierauf nach Gießen und von da durch einen Studenten nach Marburg zu Dr. Eichelberg, der es völlig umarbeitete und dann drucken ließ. Sämmtliche Druck⸗ Exemplare, über dreihundert, wurden aber noch vor ihrer Aus⸗ gabe bei Eichelberg's Verhaftung in Beſchlag genommen. Wie ſchon erwähnt, hatte dieſes Getriebe— zu welchem noch das gegen Ende des Jahres 1834 gefaßte, vielfach unter— ſtützte Project, die damals in Friedberg gefangen ge⸗ haltenen politiſchen Verbrecher, insbeſondere den Studenten Minnigerode, mittelſt beſtochener Soldaten und nachgemachter Schlüſſel zu den Gefängnißthüren zu be⸗ freien, gehört— auch dadurch keine Unterbrechung erlit— ten, daß Pfarrer Weidig ſeinem früheren Wirkungskreiſe entrückt worden war. Theils ſein Niemüdewerden,*) theils die Anhänglichkeit der Butzbacher an ihn und ſeine politiſchen Grund⸗ ſätze, welche für jene wahre Glaubensartikel bildeten, ließen in dem gemeinſamen Wirken keine Störung eintreten, wozu noch kam, daß er nicht ſelten von Butzbachern und Anderen Beſuche erhielt und bei ſolchen Gelegenheiten wohl, wie dieſes wenig— ſtens C. Zeuner ſagt, Einzelnen empfahl,„ſich der Sache der Verbreitung von Schriften anzunehmen und beſonders dahin zu wirken, daß ſich der freiſinnige Geiſt der Butzbacher nicht herabſtimme.“ Außerdem hatte ſich Weidig, von ſeiner fort⸗ währenden Verbindung mit Marburgern abgeſehen, neuen An⸗ hang in der Umgegend von Obergleen zu verſchaffen gewußt und es ſcheint namentlich, daß er auf junge Leute zu Alsfeld und Lauterbach nachtheilig eingewirkt, ja ſelbſt mit Perſonen aus entfernteren Orten für die oft erwähnten Zwecke ſich in Benehmen geſetzt und die Aufſtellung einer Druckerpreſſe in einer der benachbarten Städte möglich zu machen geſucht habe. Gerüchte von ſeiner bevorſtehenden Verhaftung ließen ihn im April 1835 den Entſchluß faſſen, ſein Vaterland zu ver⸗ laſſen und ſich in die Schweiz zu fluͤchten, wo ihm früher ſchon *) In Weidig's Augen ſey es, ſagt A. Becker, ſchon Verrath geweſen, die patriotiſchen Hoffnungen aufzugeben, weshalb er auch den Advokaten Follenius, ſeiner Auswanderung nach Amerika wegen, einen Vaterlands-Verräther genannt habe, dem man alles Böſe wünſchen müſſe. eine ſcho ſeine ſtand keit, folg tung vern jähri wier ſtand träg der lan In D 1 mitge — 59— ihrer Aus⸗ eine Anſtellung angeboten worden ſeyn ſoll. Er änderte aber, ommen. ſchon auf der Flucht, ſeinen Entſchluß wieder und kehrte an uwelchem ſeinen Wohnort zurück, indem er im Vertrauen auf ſeinen Ver⸗ jaach unter⸗ ſtand und Scharfſinn, in Verein mit Ausdauer und Beharrlich⸗ ugen ge— keit, wohl der Hoffnung ſich hingegeben haben mag, jeden Er⸗— dere den folg der ihm drohenden Unterſuchung vereiteln zu können. Soldaten Bald darauf erfolgte ſeine und mehrer Complicen Verhaf— n zu be— tung und damit begann eine, wegen Menge der in dieſelbe zung erli⸗ verwickelten Individuen, ihrer Perſönlichkeit und ihres mehr⸗ fungskreſee jährigen der Strafjuſtiz anheimgefallenen Treibens ſehr lang⸗ theils die wierige Unterſuchung, auf deren Umfänglichkeit ſchon der Um— en Grund⸗ ſtand allein ſchließen läßt, daß die erſtatteten gerichtlichen Vor— ließen ii träge faſt neunhundert Bogen füllen und die Aburtheilung wozu noch der Sache Großherzogl. Hofgericht zu Gießen fünf Wochen en Beſuche lang unausgeſetzt beſchäftigte. ſes wenig⸗ der Sache nders dahin acher nict In einem Anhange zu dieſer Darſtellung wird ſeiner fort⸗ D das gefällte Haupturtheil ſeinem ganzen Inhalte nach— neuen An⸗ ſodann der Vollſtändigkeit und des Zuſammenhangs wegen en gewußt I) das Begnadigungs-Reſcript, in Folge deſſen alle Condem⸗ Alsfeld naten, welche noch Strafe zu verbüßen hatten, auf wei— t Perſonen tere Verfolgung des Rechtsweges verzichtet haben, icke ſich i mitgetheilt. iſe in einer abi. geßen ihn ud zu vei⸗ früher ſchol pon Verrath zbalb er auh nach Ametikt im man alle Anhang. Zu Nr. H. G. 18,021. I. d urth i I. In Unterſuchungs⸗Sachen gegen die Theilnehmer an den in den Jahren 1832— 1835 8 in der Provinz Oberheſſen, ſtattgefundenen hochverrätheriſchen' Beſtrebungen und anderen damit in Verbindung ſtehenden Ver⸗ 5) 3 brechen wird auf amtspflichtiges Verhör, von einem Theile der i * Angeklagten geführte förmliche Vertheidigung und erſtattete 1 3 ſchriftliche Vorträge hiermit zu Recht erkannt, daß: 1) der Großherzogliche Pfarrer Heinrich Chriſtian 1 Flick von Petterweil wegen Theilnahme an dem Verbrechen zu des Hochverrathes, wegen Abfaſſung mehrer, eine aufwieg⸗ d 6 leriſche Tendenz verfolgender, als Pasquill und resp. T Schmähſchrift im engeren Sinne ſich characteriſirenden, zum b Theil auch eine Majeſtäts-Beleidigung enthaltenden, zur 1 Verbreitung beſtimmten und, ſoweit deren Druck erfolgt iſt, v wirklich verbreiteten Flugſchriften,*) ſodann wegen Mit⸗ ſ wirkung fuͤr den Druck einer anderen Flugſchrift von gleich d” verbrecheriſchem Inhalte, endlich wegen Unterſtützung des S Projekts, die gegen Ende des Jahres 1834 zu Friedberg uü in Haft befindlich geweſenen, des Hochverraths angeklagten, u Individuen zu befreien, in eine Zuchthausſtrafe von acht Jahren, 3 wovon jedoch der vom 1. Auguſt 1836 an laufende Deten⸗ at tions-Arreſt in Abzug zu bringen, 3 hc — Dd *) Nach einem Collegial-Beſchluſſe ſollte die Namhaftmachung der ein⸗ 3 1 zelnen Flugſchriften im Urtheile unterbleiben. nchen 2— 1835 euden Ver⸗ Theile der erſtattete Chriſtian Verbrechen eaufwieg⸗ und resp. nden, zum nden, zuͤr erfolgt iſ, egen Mit⸗ voll gleich ltung des Friedberg ngeklagtel, ende Detel hung der i heriſchen — 61— 2) der Student der Rechtswiſſenſchaft Georg Glad⸗ bach von Darmſtadt, wegen Theilnahme an einem hoch⸗ verrätheriſchen Complotte, das mit dem Frankfurter Atten⸗ tate vom 3. April 1833 in Zuſammenhang ſtand, in eine Zuchthausſtrafe von acht Jahren und ſechs Monaten, wovon eine zweijäͤhrige Unterſuchungshaft und die nach dem Schluſſe der Sache vom 1. April d. J. an ferner zu be⸗ rechnende als bereits verbüßter Straftheil abzuziehen, 3) der Hofgerichts⸗Secretariats⸗Acceſſiſt Ludwig Bogen von Michelſtadt, wegen gleichen Verbrechens in eine Zuchthausſtrafe von acht Jahren, wovon neun Monate der Unterſuchungshaft und außerdem die vom 1. Februar d. J. an laufende abzurechnen, 4) der Dr. med. und practicirende Arzt Ludwig Buff von Battenberg, wegen des nämlichen Verbrechens in eine Zuchthausſtrafe von acht Jahren, unter gleichmäßigem Abzug einer neunmonatlichen und der vom 1. Februar d. J. an noch weiter zu berechnenden Unter⸗ ſuchungshaft, 5) der geweſene Candidat der Cameralwiſſen⸗ ſchaften, nunmehrige Handlungsgehülfe Wilhelm Schmitt von Gießen wegen deſſelben Verbrechens in eine Zuchthausſtrafe von acht Jahren, unter Abrechnung der noch fortdauernden Unterſuchungshaft vom 1. Februar d. J. an, 6) der vormalige Student der Chemie, jetzige Phar⸗ maceut Guſtav Clemm von Lich wegen gleichen Ver⸗ brechens, ſodann wegen Theilnahme an ſpäteren hochver⸗ rätheriſchen Unternehmungen und anderen damit connexen verbrecheriſchen Beſtrebungen, zu welchen letzteren namentlich ſeine Mitwirkung für den Druck einer aufwiegleriſchen ꝛc. und resp. die Verbreitung einer ebenfalls aufregenden, auch Schmähungen und Verleumdungen einzelner Staats⸗Behörden und Beamten enthaltenden Flugſchrift, und ſeine Bemüh⸗ ungen für das ſchon gedachte Befreiungs⸗Project gehören, in eine Zuchthausſtrafe von zehn Jahren zu verurtheilen, von der weiteren Anſchuldigung jedoch, an einer, ſtrafbare politiſche Zwecke verfolgenden, Studenten⸗ Verbindung auf hieſiger Univerſität Theil genommen zu haben, freizuſprechen, 7) der Dr. med. und practicirende Arzt Heinrich Küchler von Darmſtadt, wegen Theilnahme an dem frag⸗ lichen Complotte in eine Zuchthausſtrafe von acht Jahren, — 62— wovon jedoch ein ſechsmonatlicher Detentions-Arreſt und weiter derjenige vom 1. März d. J. an als bereits ver⸗ büßter Straftheil in Abzug zu bringen, 8) der Kufermeiſter Georg Melchior Faber von Gießen wegen deſſelben Verbrechens in eine Zuchthausſtrafe von acht Jahren, unter Abrechnung eines zehnmonatlichen und des außerdem vom 1. Februar d. J. an noch weiter laufenden Unter⸗ ſuchungs⸗Arreſtes, zu verurtheilen, hinſichtlich der an⸗ geſchuldigten Theilnahme an ſpäteren hochverrätheriſchen Unternehmungen aber von der Inſtanz zu abſolviren, 9) der Küfermeiſter David Schneider von Gießen wegen gleichen Verbrechens und ſpäter fortgeſetzter hochverräther⸗ b iſcher Beſtrebungen, in Betracht jedoch in erſterer Beziehung ihm zur Seite ſtehender beſonderer Milderungs-Gründe, in eine Zuchthausſtrafe von acht Jahren zu verurtheilen, davon aber ſechs Monate des von ihm erlittenen Detentions⸗Arreſtes, ſowie ferner die Dauer deſ⸗ ſelben vom 1. März d. J. an bis zum 21. Auguſt, als dem Tage der Entlaſſung des Inquiſiten aus der Haft, abzurechnen, 10) der Schloſſermeiſter Philipp Hirſchfeld von Gießen hinſichtlich der Anſchuldigung, an einem fuͤr hochver⸗ rätheriſch von ihm erkannten Complotte Theil genommen und für hochverrätheriſche Beſtrebungen in ſpäterer Zeit noch mitgewirkt zu haben, von der Inſtanz zu abſol— G viren, jedoch wegen Theilnahme an einem Complotte zum Aufruhr und wegen Unterſtützung des Projects, die Fried⸗ berger Gefangenen zu befreien, in eine Zuchthausſtrafe von zwei Jahren, wovon ſieben Monate als durch des Inquiſiten Unter⸗ ſuchungs⸗Haft bereits verbüßt anzuſehen, zu verurtheilen, 11) der Bäckergeſelle Heinrich Kämmerer von Gießen wegen Theilnahme an dem mehrerwähnten Complotte zum Hochverrath, in Betracht jedoch beſonders mildernder Umſtände, in eine Zuchtshausſtrafe von fünf Jahren zu verurtheilen, hinſichtlich der angeſchuldigten Mitwir⸗ kung füͤr ſpätere hochverrätheriſche Unternehmungen aber von der Inſtanz zu abſolviren, von jener Strafe übrigens ſechs Monate der Unterſuchungshaft als bereits verbüßt in Abzug zu bringen, 12) der Student der Theologie Auguſt Becker von Hochweiſel wegen Einlaſſung in das fragliche Hochverraths⸗ Complott und wegen fortgeſetzter Mitwirkung für hochver⸗ rätheriſche und andere hiermit in Verbindung ſtehende, ver⸗ brech name Verb mühl denk⸗ in zut ſucht laufe dageg ſtraff Verb haben 13) der von plote In in Verl die 2 furten ſpre 14) der mer in 9 ſeyn wiſſen wie Jahr vire 15) der meh von ben⸗ Soch in zu v terſu⸗ 16) der ſchaf „deſſel ¹) der 8 der Vutz erreſt un brecheriſche Beſtrebungen, in welcher letzteren Beziehung reits ver namentlich ſeiner Thätigkeit für den Druck und resp. die Verbreitung aufwiegleriſcher ꝛc. Schriften, ſowie ſeiner Be— on Gießen mühungen für das ſchon berührte Befreiungs-Project zu ge— denken iſt, in eine Zuchthausſtrafe von neun Jahren, außerden zu verurtheilen, davon aber anderthalb Jahre der Unter⸗ en Unter⸗ ſuchungshaft und die vom 1. Mai d. J. an noch ferner der an⸗ laufende Detentions-Zeit in Abrechnung zu bringen, daß theriſchen dagegen Inquiſit von der weiteren Anſchuldigung, an einer, viren, ſtrafbare politiſche Zwecke verfolgenden, Burſchenſchafts⸗ en wegen Verbindung auf hieſiger Univerſität Theil genommen zu erratder⸗ haben, gänzlich freizuſprechen ſey, Beziehung 13) der Student der Rechtswiſſenſchaft Auguſt Gros unde, von Steinheim bezüglich der Anſchuldigung, an jenem Com— plotte zum Hochverrath Theil genommen zu haben, von der z von ihm Inſtanz zu abſolviren, hinſichtlich der weiteren aber, Dauer deſ⸗ in eine ſtrafbare politiſche Zwecke verfolgende Studenten⸗ guſt, al Verbindung auf hieſiger Univerſität ſich eingelaſſen und für die Beſchluͤſſe des zu Michaelis 1831 gehaltenen Frank⸗ furter Burſchentags mitgewirkt zu haben, gänzlich freizu⸗ on Gießen ſprechen, 119 der Student der Rechtswiſſenſchaft Peter Schlem⸗ der Haft, ) er⸗„. Hecde mer von Mainz von der Anſchuldigung, Theilnehmer des gen Zei in Rede ſtehenden hochverrätheriſchen Complottes geweſen zu abfol ſeyn, völlig freizuſprechen, wegen bezüchtigter Mit⸗ wiſſenſchaft um ſolches und Nichtanzeige deſſelben aber, ſo⸗ e d wie wegen Theilnahme an hochverrätheriſchem Treiben im die Friede Jahr 1832 koſtenfrei von der Inſtanz zu abſol⸗ viren, „[15) der vormalige Student der Pharmacie, nun⸗ ten Unter⸗ mehrige Wirthſchaftsgehülfe Joſeph Gottſchalk rtheilen,“ von Mainz von der angeſchuldigten Theilnahme an demſel⸗ en Gießen ben hochverrätheriſchen Complotte völlig freizuſprechen, lotte zum jedoch wegen Wiſſenſchaft von demſelben und Nichtanzeige lotte zum umſtände, in eine einfache Feſtungsſtrafe von drei Monaten ae zu verurtheilen, dieſe jedoch als durch des Angeklagten Un— n Mitwir⸗ terſuchungshaft verbüßt anzuſehen, maber vol 16) der Chirurg Carl Keller von Gießen wegen Wiſſen⸗ e übrigent ſchaft von jenem Hochverraths⸗Complotte und Nichtanzeige verbüßt deſſelben koſtenfrei von der Inſtanz zu abſolviren, 17) der Küfergeſelle Ludwig Keller hinſichtlich deſſelben ecker vol⸗ Verbrechens ebenfalls nur zeitig freizuſprechen, chverrate⸗ 18) der Spritzenmacher und Guͤrtler Carl Zeuner von ir dach Butzbach wegen Theilnahme an dem Verbrechen des Hoch⸗ ver⸗ ende/ — 61— verrathes ſowohl im Frühjahr 1833, als in ſpäterer Zeit, ſodann wegen anderer, hiermit in Zuſammenhang ſtehenden verbrecheriſchen Handlungen, namentlich ſeiner Mitwirkung fur Verbreitung einer aufwiegleriſchen ꝛc. Flugſchrift und eines, Schmähungen und Drohungen gegen die höchſten Staatsbeamten enthaltenden Spottgedichtes, in eine Zuchthausſtrafe von neun Jahren, wovon jedoch anderthalb Jahre des Unterſuchungs-Arreſtes und der nach dem Schluſſe der Sache noch fortdauernde, vom 1. April d. J. an zu berechnende, als bereits verbüß⸗ ter Straftheil in Abzug kommen, zu verurtheilen, 19) der Seifenſieder Friedrich Lebrecht Arndt von Butzbach, hinſichtlich der angeſchuldigten Theilnahme an dem hochverrätheriſchen Unternehmen des Frühjahrs 1833 von der Inſtanz zu abſolviren, wegen Mitwiſſen⸗ ſchaft um ſolches aber in eine, durch die von ihm ausge⸗ ſtandene Unterſuchungshaft indeſſen als verbüßt zu be⸗ trachtende Correctionshausſtrafe von vier Monaten zu verurtheilen, 20) der Gerber Johannes Grüninger, Ludwig's Sohn, in der Färbgaſſe zu Butzbach, wegen geringeren Grads von Theilnahme an dem Verbrechen des Hochverraths in eine Zuchthansſtrafe von drei Jahren und ſechs Monaten, 21) der Gerber Wilhelm Grüninger in der Färbgaſſe zu Butzbach wegen gleichen Verbrechens in eine Zuchtshausſtrafe von drei Jahren und ſechs Monaten, 22) der Großherzogl. Rector Wilhelm Heß zu Butzbach wegen ſecundärer Beihuͤlfe zum Verbrechen des Hochver⸗ rathes in eine einfache Feſtungsſtrafe von einem Jahr, 23) der Strumpfweber Carl Braubach von Butzbach wegen Wiſſenſchaft von dem Hochverraths⸗Projecte von 1833 und unterlaſſener Anzeige deſſelben, ſodann wegen Theil⸗ nahme an ſpäteren hochverrätheriſchen Unternehmungen durch Verbreitung einer revolutionären Flugſchrift, ferner wegen Mitwirkung für ſonſtige verbrecheriſche Beſtrebungen, na⸗ mentlich wegen Verbreitung mehrer Flugſchriften aufregenden Inhaltes und des ſchon gedachten Spottgedichtes, wegen ſeiner Bemühungen, die Flucht des wegen Betheiligung bei dem Frankfurter Attentate ſteckbrieflich verfolgten Metzger⸗ burſchen Balthaſar Schäfer von Ginheim möglich zu machen, wegen Unterſtützung des mehrerwähnten Befreiungs⸗ terer Jü, J ſtehenda Mitwirkunn ſchrift un ie höchſte ge⸗Arreſte tdauernde, s verbüß len, rudt von nahme an 8 1833 Mitwiſſen ihm ausge⸗ äßt zu bo 9's Sohn, ten Grads arbs watdd und ſechs arbgaſſe zu und ſecht zu Butzbach 3 Hochver⸗ hr, „ Bußbach ⁴ e von W egen Thei 3 4 sungen durc kerner wege 1 ungen, n⸗ aufregenden 5/. heiligung m en Metzen möglich 4 Befreiull Projects und wegen Beihülfe zu mehren myſtificirenden, Schmäh⸗ und Droh⸗Briefen, in eine Zuchthausſtrafe von drei Jahren, und außerdem wegen Meineids in eine ſolche von einem Jahr, im Ganzen alſo in eine Zuchthausſtrafe von vier Jahren, unter Abrechnung jedoch eines ſechsmonatlichen Unterſuchungs⸗ Arreſtes, 24) der Handlungsgehülfe Karl Flach von Butzbach wegen in hochverrätheriſcher Abſicht vorgenommener Ver⸗ breitung einer Flugſchrift von hochverrätheriſchem Inhalte und ſonſtiger hiermit zuſammenhängender Verbrechen, namentlich wegen Verfälſchung eines fuͤr den Fluͤchtling Balthaſar Schä⸗ fer von Ginheim beſtimmten Wanderbuchs, Abfaſſung einer, an Großherzogl. Miniſterium des Innern und der Juſtiz gerichteten, als eine geheime Denunciation ſich ankündigen⸗ den, falſchen Anzeige, Veranlaſſung eines in Folge hiervon erſchienenen und von ihm ſelbſt in Geſellſchaft mit abgeſun⸗ genen Spottgedichtes, Begünſtigung der Flucht des wegen Verbreitung einer hochverraͤtheriſchen Schrift fluͤchtig gewor⸗ denen Studenten Schütz von Mainz, Theilnahme an den Vorbereitungen zur Befreiung der Friedberger Gefangenen und Mitwirkung füͤr den Druck einer zur Verbreitung be⸗ ſtimmten aufwiegleriſchen ꝛc. Schrift in eine Zuchthausſtrafe von zwei Jahren, wovon jedoch ein Jahr und vier Monate ſeiner Unterſuch⸗ ungshaft als bereits verbuͤßter Straftheil in Abzug kommen, 25) der Färber und Leimſieder Valentin Kalbfleiſch von Butzbach, wegen Theilnahme an Verbreitung einer revolutionären Flugſchrift in hochverrätheriſcher Abſicht und Mitwirkung für das Befreiungs-Project in eine Zuchthaus⸗ ſtrafe von anderthalb Jahren, ſodann wegen Meineids in eine ſolche von einem Jahr, im Ganzen alſo— in eine Zuchthausſtrafe von zwei Jahren und ſechs Monaten zu verurtheilen, hiervon jedoch ein Jahr und vier Monate der Unterſuchungshaft als bereits verbüßt in Abzug zu bringen, b 26) der Inſtrumentenmacher und Schreinergeſelle Georg Marguth von Butzbach von der angeſckuldigten Wiſſenſchaft um das hochverrätheriſche Unternehmen von 1833 und Betheiligung bei Verbreitung einer revolutionären Flugſchrift zeitig freizuſprechen, jedoch wegen Beil ulfe zur Fluchtbeförderung des Metzgerburſchen Schäfer durch Herbeiſchaffung eines zu dieſem Zwecke zu verfälſchenden Wanderbuchs, ſowie wegen Meineids 5 — 66— in eine Zuchthausſtrafe von einem Jahr und zwei Monaten,.. unter Abrechnung eines zweimonatlichen Detentions⸗Arreſtes, 27) der Student der Medicin Theodor Sartorius von Lauterbach wegen ſeiner, eine hochverrätheriſche Abſicht bekundenden, Mitwirkung für Verbreitung der mehrgedachten, eine hochverrätheriſche Tendenz verfolgenden, Flugſchrift und wegen ſeiner Thätigkeit für den Druck einer aufwiegleri⸗ ſchen ꝛc. Schrift in eine einfache Feſtungsſtrafe von einem Jahr und vier Monaten, welche jedoch als durch des Angeklagten Unterſuchungshaft bereits völlig verbuüßt zu betrachten, zu verurtheilen, von der weiteren Anſchuldigung indeſſen, an einer, ſtrafbare politiſche Zwecke verfolgenden, Burſchenſchafts ⸗Verbindung auf hieſiger Univerſität Theil genommen zu haben, gänz— lich freizuſprechen, 28) der Doctor der Mediein und practicirende Arzt Karl Auguſt Ludwig Schmall zu Rödelheim hinſichtlich der Anſchuldigung, eine der von Pfarrer Flick verfaßten sub. 1. charakteriſirten Flugſchriften verbreitet und für Ver⸗ breitung der mehrberuhrten hochverrätheriſchen Schrift in hochverrätheriſcher Abſicht mitgewirkt zu haben, von der Inſtanz zu abſolviren, dagegen wegen Verbreitung dieſer letzteren von ihm wenigſtens als aufwiegleriſch er⸗ kannten Schrift, ſodann wegen Unterſtützung der Flucht mehrer politiſcher Verbrecher und der Mitwirkung fuüͤr das oftgedachte Befreiungs⸗Project in eine einfache Feſtungsſtrafe von einem Jahr und vier Monaten, wovon zehn Monate der Unterſuchungshaft als bereits ver⸗ büßter Straftheil in Abzug zu bringen, zu verurtheilen, 7 29) der Buchhändler Valentin Meidinger von Frankfurt wegen Vermittluug des Drucks einer der von Pfarrer Flick abgefaßten Schriften und Theilnahme an deren Verbreitung in eine einfache Feſtungsſtrafe von acht Monaten zu verurtheilen, hinſichtlich der weiteren Anſchuldigung aber, auch fuͤr Verbreitung der oftbezeichneten hochverrätheriſchen Flugſchrift thätig geweſen zu ſeyn, von der Inſtanz zu abſolviren, endlich 30) der Großherzogl. Hofgerichts⸗Advocat Dr. Banſa zu Gießen bezuͤglich der Anſchuldigung, im Jahr 1832 hoch⸗ verrätheriſche Zwecke verfolgt und von dem im April 1833 zu Frankfurt zur Ausfuͤhrung gekommenen hochverraͤtheriſchen Unternehmen Wiſſenſchaft gehabt zu haben, von der In⸗ ſtand kung weger Fran zur zu be als b vie zu vem So 3 d zwii Arreſtes, rtorius Abſich dachten, grift und wiegler⸗ dr und ingshaft in, von ſtrafbare rbindung gänz⸗ de Arzt inſichtlich verfaßten füͤr Ver⸗ hrift in een, von rbreitung riſch ei⸗ r Fluch fur das hr und reits ver⸗ theilen, Frankfurt rer Flick Lreitung ten huldigung theriſchen ſtanz 30 Banſa 332 hoch⸗ vril 1833 theriſche der In⸗ — 62— ſtanz zu abſolviren, von dem Vorwurf einer Mitwir⸗ kung fur letzteres aber gänzlich freizuſprechen, dagegen wegen Geldſpenden zur Unterſtützung der Flucht von bei dem Frankfurter Attentate betheiligt geweſenen Individuen und zur Beförderung des Projectes, die Friedberger Gefangenen zu befreien, in eine, durch die Unterſuchungshaft übrigens als bereits verbüßt zu betrachtende, vierwöchige bürgerliche Arreſtſtrafe zu verurtheilen ſey. Soviel hiernächſt den Koſtenpunct betrifft, ſo wird er⸗ kannt, daß 1) ein jeder der im Urtheil aufgeführten Inquiſi⸗ ten, mit Ausnahme des Studenten Schlemmer und des Chirurgen Keller, welche gänzlich— und des Küfers Faber, ſowie des Bäckers Kämmerer, die von Bezahlung eines Fünftel's der Koſten ihrer Unterſuchung frei ſind, a) die Koſten, welche durch die ſpeciell gegen ihn gefuͤhrte gerichtliche Unterſuchung erwachſen und, ſoweit nicht durch auſſerhalb des Gerichtsſitzes nothwendig gewordene Vor⸗ nahme von Gerichtshandlungen ein beſonderer Aufwand veranlaßt worden iſt, nach Vorſchrift der Stempel⸗ und Tax⸗Ordnung vom 27. Auguſt 1822 zu berechnen ſind, wohin auch die Copialgebühren für die, füͤr eines jeden einzelnen Inquiſiten Unterſuchungsſache aus conneren Acten gefertigten Extracte, und die, nach Maßgabe des zweiten Abſchnittes jener Tax⸗Ordnung unter lit. A. XIV und C. XI. in Anſatz zu bringenden Koſten für die der Bundescentralbehörde zu Frankfurt a. M. im Intereſſe der ſämmtlichen anhängigen Unterſuchungen mitgetheilten Ab⸗ ſchriften der Verhörprotocolle, ſodann die vorläufig notirten hofgerichtlichen Stempeltaxen und die Urtheilskoſten gehören, b) die durch ſeine Ablieferung in das Arreſthaus etwa ent⸗ ſtandenen, ſowie ¹) die durch ſeine Unterhaltung während der Unterſuchungs⸗ haft veranlaßten, endlich d) die Defenſionalkoſten zu tragen habe, daß ſodann 2) von den durch die allgemeine Leitung des Unterſuchungs⸗ proceſſes und die im Intereſſe der Geſammtheit uothwen⸗ dig gewordenen objectiven Ermittlungen entſtandenen Koſten, ferner von denjenigen, welche durch Anſtellung beſonderer Gefangenwärter und die über das gewöhnliche Bedürfniß hinaus zur Bewachung der in Haft gebrachten Angeklag⸗ ten erforderlich gewordene Vermehrung der Militär⸗Mann⸗ ſchaft veranlaßt worden ſind, resp. im Falle der Detention 5* — 68— der Gefangenen im hieſigen neuerbauten Arreſthaus noth⸗ wendig hätten aufgewendet werden müſſen, folgende Inqui⸗ ſiten die nach Maßgabe der Größe ihrer Verſchuldung und der hierauf im Allgemeinen ſich gründenden mehr oder weniger langen Dauer ihrer Unterſuchung und Haft nach— ſtehend berechneten Koſten-Antheile zu bezahlen verbunden ſeyen, und zwar a) von den Koſten des erſten Abſchnittes der Unterſuchung 4) vom Sommer 1833 an bis zum Frühjahr 1835 nach Ausſcheidung von 1 /%⅜h derſelben, ſoweit ſolche nämlich auf Individuen fallen, die entweder gänzlich freigeſprochen oder flüchtig geworden, oder aus beſonderen Gründen Koſten zu bezahlen nicht verpflichtet, oder endlich während der Unterſuchung oder doch vor Aburtheilung der Sache ver⸗ ſtorben ſind, in welch' letzterer Beziehung dem Fiskus die etwaige Geltendmachung ſeiner Schadenserſatz-Anſprüche im beſonderen Verfahren vorbehalten bleibt,— Student Gladbach und Pharmaceut Clemm ein Jeder N, die Kufer Faber, Schneider und Keller ein Jeder o und Student Gros mit Karl Zeuner zuſammen 0, von den Koſten des zweiten Abſchnittes der Unterſuchung von Frühjahr 1835 bis zu Ende des Jahres 1837— nach gleichfallſiger Ausſcheidung von ¼ derſelben, welche zum Theil auf denſelben Gründen, wie die sub a erfolgte, zum Theil aber auch darauf beruht, daß jene Koſten auch für ſolche Individuen, welche wegen Mitverwicklung in dieſe Sache bei Großherzogl. Hofgericht der Provinz Star⸗ kenburg in Unterſuchung ſtanden oder der Militärgerichts⸗ barkeit unterworfen waren, aufgewendet worden ſind— Friedrich Arndt... 7 . 326 Dr. Banſa.. 4 1 2/326 Aug. Becker..... 2 7326 Aeceſſiſt Bogen 1... 18/3% C. Braubach.... 12726 Dr. Buff—.... V326 G. Clemm—.... 20/36 M. Faber..... 1 ⁄S 26 Pfarrer Flick... 1. 20% 6 C. Flach. lIirD Ber. Ie t. 113½ 26 G. Gladbach. 4... 18/3,6 J. Gottſchalk..... 1½26 Al. Gros..... 8/326 W. Grüninger.... 8/326 Joh. Grüninger D 3) Pf. Dr un Baͤ ner wel jede der , Da 4 a noth⸗ e Inqu⸗ er ic uldung mehr oder S Haft nach⸗ verbunden kterſuchung 1835 nach he namlich geſprochen Gründen d wahrend Sache ver⸗ Kiskus dis elt u 3) Ph. Hirſchfeld.... 12 326 B. Kalbfleiſch 3... 373,6 H. Kaͤmmerer. 3.. 1 126 L. Keller. 3— 2. 13 6 5. 3 Küchler.. 3— 37326 G. Margulh..... VYzeo V. Meidinger.. 3.. V³26 Th. Sartorius—.—— 5326 Dr. Schmall. 3 4— 6/326 W. Schmi 12 E. Jennket.... 207 . Zeuner.. 3.. 2326 Rector Heß... 3. V326* Daß eudlich Pfarrer Flick, Student Gladbach, Pharmacent Clemm, Dr. Buff, A. Becker, Acceſſiſt Bogen, die Kufer Faber und Schneider, die beiden Gruninger, Schloſſer Hirſchfeld, Bäcker Kämmerer, Dr. Küchler, W. Schmitt und C. Zeu⸗ ner fuͤr die unter 1 a und 2 näher bezeichneten Koſten, in welche ſie verurtheilt worden, ſol dariſch haftbar ſeyen, ſo jedoch, daß bezüglich Flick's, Clemm's, Becker's, Schnei— der's und Zeuner's nur die Hälfte der Unterſuchungs⸗ koſten, als ſoweit dieſelben nämlich durch ihre Betheiligung bei dem hochverrätheriſchen Unternehmen von 1833 veran⸗ laßt worden, hier in Anſatz zu bringen, wogegen jene bezüglich der ihnen wegen ihrer Verwicklung auch in die ſpäteren verbrecheriſchen Unternehmungen zur Laſt fallenden anderen Hälfte der Koſten ſowohl unter ſich, als mit C. Braubach, V. Kalbfleiſch, C. Flach, Dr. Schmall, Student Sartorius und Buchhändler Meidinger für ſammt⸗ verbindlich zu erklären ſeyen. Die durch die Unterſuchung gegen die Theilnehmer an einer geheimen burſchenſchaftlichen Verbindung erwachſenen Koſten anlangend, ſo werden die im Hegenwärtigen Urtheil von der Theilnahme an einer ſolchen Verbindung, als einer verbrecheriſche Zwecke verfolgenden, freigeſprochenen Indi— viduen, nämlich G. Clemm, A. Gros, Aug. Becker und Th. Sartorius, ein Jeder in ⅛; der betreffenden Koſten, unter ſolidariſcher Haftbarkeit unter ſich ſowohl, als mit den in dem desfalls erlaſſenen Urtheil vom 9. December 1836 Das Erkenntniß über 1 2 der Unterſuchungs koſten hat ausgeſetzt werden müßen, weil noch gegen mehre Inculpaten abzuurtheilen iſt. — 70— genannten Mitgliedern der vormaligen Burſchenſchaft hier⸗ durch verurtheilt. V. N. W. Deſſen zur Urkunde iſt dieſes Urtheil nach Verordnung Großherzoglich Heſſiſchen Hofgerichts ausgefertigt und mit dem größeren Gerichts-Inſiegel verſehen worden. So geſchehen Gießen am—Nevember 1838. 8. December Groſtherzogl. Heſſiſches Hofgericht der Provinz Oberheſſen. vüt. Krug. Großhzl. Hofgerichts⸗Secretär. 3 Nr.! Beti Die Unt Untern Min 9 nebwer vinz O. Ihrer Königle über de geſuche Auftrag S weder ten St zur St rordnung mit dem II. 3. Nr. D. 21,448 von 1838. Darmſtadt am 7. Januar 1839. Betreffend: Die Unterſuchung gegen die Theilnehmer an den hochverrätheriſchen Unternehmungen in der Provinz Oberheſſen. Das Großherzoglich Heſſiſche Miniſterium des Innern und der Juſtiz an das Großherzogliche Hofgericht der Provinz Oberheſſen. Nachdem Sie das, in der unterſuchung gegen die Theil⸗ nehmer an den hochverrätheriſchen Unternehmungen in der Pro⸗ vinz Oberheſſen gefällte urtheil nebſt ſämmtlichen Vorträgen Ihrer Referenten uns eingeſendet hatten, haben wir Seiner Königlichen Hoheit, dem Großherzog, ausführlichen Bericht uber den Gegenſtand, ſowie über die eingekommenen Gnaden⸗ geſuche erſtattet, und eröffnen Ihnen nunmehr in allerhöchſtem Auftrage Folgendes: Seine Königliche Hoheit, der Großherzog, vermögen weder in der Art, noch in der Größe der von Ihnen erkann⸗ ten Strafen den mindeſten Grund zur Strafverwandlung oder zur Strafminderung, im Wege der Gnade zu finden. 72— Auch die erfreuliche Erſcheinung, daß das freventliche Streben, ein biederes Volk gegen ſeinen angeſtammten Füͤrſten und deſſen Behörden aufzuwiegeln, machtlos an der alten heſſi— ſchen Treue ſcheiterte, eine Erſcheinung, welche dieſes Volk noch höher in der Liebe ſeines Fürſten ſtellt, entſchuldigt jene nicht, die an Fürſt und Volk ſich vergangen haben. Allein es iſt von Seiner Königlichen Hoheit in landes— väterliche Erwägung gezogen worden, welch' hoher Grad von Verführung in der Mitte lag, und daß gerade diejenigen Per⸗ ſonen, welche die Unerfahrenheit, Characterſchwäche oder Eitel⸗ keit der auserſehenen Werkzeuge zu mißbrauchen verſtanden, und die weit ſtrafbarer erſcheinen, als viele der Verurtheilten, dem Arm der Gerechtigkeit, ehe er ſie erreichen konnte, ſich ent— zogen haben. Nicht minder iſt Seiner Koniglichen Hoheit die Offenheit und die Vollſtändigkeit, mit der, obwohl zum Theil nach man— cher Zögerung, die Bekenntniſſe erfolgt ſind, nicht entgangen, ſowie die an den Tag gelegte Reue. Seine Königliche Hoheit wollen nicht glauben, daß zu den vielen und ſchweren Ver— gehen auch noch das verächtliche der Heuchelei hinzugefügt wor⸗ den ſey, wollen vielmehr in den vielfältigen Verſicherungen innerer Zerknirſchung und bitterer Reue, welche die Unter— ſuchungs⸗Acten enthalten, die Bürgſchaft moraliſcher Beſſerung erblicken. In Berückſichtigung dieſer Verhältniſſe haben Seine Kö⸗ nigliche Hoheit, der Großherzog, geruht, den Verurtheilten die ihnen zuerkannten Freiheitsſtrafen, ſoweit ſie dieſelbe nach dem Erkenntniß noch zu verbüßen haben würden, aus allerhöchſter Gnade zu erlaſſen.(Rückſichtlich des Carl Zeuner von Butzbach erlaſſen wir unterm heutigen beſondere Verfügung an Sie). Wir beauftragen Sie nunmehr, dieſe allerhöchſte Ent⸗ ſchließung, ſowie die gegenwärtige Verfuͤgung den Betreffenden zu eröffnen. Diejenigen, welche Ihr Urtheil haben in Rechts⸗ kraft übergehen laſſen und noch detinirt werden, ſind ſofort in Freiheit zu ſetzen, diejenigen aber, welche Rechtsmittel ange⸗ zeigt haben, ſind zu bedeuten, daß ihnen die Fortſetzung derſel⸗ ben unbenommen ſey, was, wie ſich von ſelbſt verſtehe, die Folge habe, daß rückſichtlich ihrer die Begnadigung als nicht geſchehen betrachtet und dem Recht ſein Lauf gelaſſen werde. Dem Pfarrer Flick und dem Schulrector Heß iſt insbe⸗ ſondere zu bemerken, daß in Gemäßheit der allerhöchſten Inten⸗ tion Seiner Königlichen Hoheit, des Großherzogs, dieſer Be⸗ gnadigung nicht die Deutung gegeben werden darf, als ſollten ſie in die, von ihnen bis zu ihrer Suspenſion bekleideten Aem⸗ ter wieder eingeſetzt werden; und ſaͤmmtlichen Begnadigten iſt bekannt polizeiwen ſung gebe verhängt den Beſte — 73— ventlihe bekannt zu machen, daß ihr künftiges Verhalten von Staats⸗ Fürſten polizeiwegen genau überwacht, und, wenn ſie dazu Veranlaſ⸗ en heſſt(ſung geben ſollten, Stellung unter Polizei-Aufſicht gegen ſie 8 Volk verhängt werden wird, welche Beſtimmungen einen integriren⸗ igt jene(den Beſtandtheil der Großherzoglichen Begnadigung bilden. landes⸗ 3 du Thil. ad von. n, und Prin„. ff=—— öfenheit ch man⸗ Actenmaͤßige Darſtellung Colour& Grey Control Chart 1 Blue Cyan Green vellow Hed Magenta White Grey ¹ Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black S 7 hochverrätheriſchen und ſonſtigen damit in Verbindung ſtehenden verbrecheriſchen Unternehmungen. MNRuNnnmWnunn- Wnn b b Darmſtadt, 1839. J. W. Heyer's Hofbuchhandlung, G. Jonghaus.