UB GlESSEN Malahananina — 14 165 851 A 56 S0(„ feſtrede zur Säenlarfeier des Geburtsfeſtes SE87TTER S am 10. November 1859 im Namen der Ludwigs⸗Univerſität gehalten von Dr. Guſtan Baur, ord. Profeſſor der Theologie. Gießen 1859. Druck der G. D. Brühl'ſchen Univerſitäts⸗Buchdruckerei und lith. Anſtalt. Die ernſten F ſeine Gra findet, in Himmel ein vatert ſchlechter ſterbenden in dieſen Wir hab Tages nennen der Rei⸗ wenn de ſeiner S Allen ve mit er impfängl inden er Erdenleb ungergeß Rector magnifice und Cancellarie magnifice! Verehrte Collegen! Theure Commilitonen! Hochzuverehrende Anweſende! Die Stunde, welche uns hier verſammelt hat, iſt eine geweihte Stunde der tiefſten freudig ernſten Feſtesſtimmung, einer Stimmung, die jetzt im geſammten deutſchen Vaterlande, ja über ſeine Gränzen hinaus, ſo weit nur die deutſche Zunge klingt, überall den lauteſten Widerhall findet, in welcher auch unſere Stadt in feſtliches Gewand ſich gekleidet hat und auf welche der Himmel ſelbſt mit heiterem Wohlgefallen herabzuſchauen ſcheint. Gewiß, kaum irgend einmal iſt ein vaterländiſches Feſt mit ſo allgemeiner Theilnahme aller Stämme und Bekenntniſſe, aller Ge⸗ ſchlechter und Alter und Stände begangen worden, und das Wort, welches der Dichter dem ſterbenden Attinghauſen in den Mund legt: Hochwachten ſtellet aus auf euren Bergen, Daß ſich der Bund zum Bunde raſch verſammle— Seid einig— einig— einig! in dieſem Falle wenigſtens iſt dieſer ernſte Weck⸗ und Mahnruf in glänzende Erfüllung gegangen. Wir haben uns, und ganz Deutſchland hat ſich vereinigt zur hundertjährigen Feier des Tages, an welchem durch Gottes Gnade uns unſer Schiller geſchenkt wurde. Wir nennen ihn unſer mit Stolz, und ſo lange das deutſche Volk noch nicht ausgeſtrichen iſt aus der Reihe der Nationen, wird unter ſeinen Beſten er in vorderſter Reihe genannt werden. Denn wenn dem Dichter überhaupt die vielſeitigſte Theilnahme ſchon dadurch gewiß iſt, daß zum Stoffe ſeiner Schöpfungen Alles beiträgt, was nur das menſchliche Herz bewegt, und daß er in einer Allen verſtändlichen Sprache redet, ſo hat gerade er durch die ſelbſt verläugnende Hingebung, wo⸗ mit er ſeinem von Gott ihm vorgezeichneten Berufe ſich widmete und darin ſich verzehrte, alle empfängliche Herzen an ſich geriſſen; er hat alle Verhältniſſe unſeres Lebens verklärt und geadelt, indem er ſie hineinzog in den geweihten Kreis ſeiner göttlichen Kunſt, ſodaß was uns jetzt im Erdenleben in Luſt und Leid das wechſelnde Verhängniß bringt in einem ſeiner bedeutenden und unvergeßlich eindrucksvollen Worte ſeinen reineren, ſeinen verſöhnenden Widerklang findet; und 1* was endlich mehr ſagen will, als dieſes Alles: die Eigenſchaften, auf deren vollkommenſten Aus⸗ bildung Schiller's Größe beruht, ſind recht eigentlich Eigenſchaften des deutſchen Geiſtes. Wir dürfen darum in dieſen Schillerfeſten, die jetzt in mancherlei Geſtalten über das ganze Vaterland hin die Herzen erfüllen und bewegen, als die eigentliche Seele doch ein Beſinnen des deutſchen Volkes auf ſein eignes beſſeres Selbſt erkennen; wir dürfen in der Ueberzeugung, welche gerade durch die feſtliche Begeiſterung dieſer Dage in wahrhaft erhebender Weiſe beſtätigt wird, daß Schiller's Gedächtniß, daß Schiller's Geiſt in unſerem Volke noch lebt, einigen Troſt ſinden für das mancherlei Untröſtliche, was in unſerem Vaterlande noch allerwärts ſich finden mag, und zu⸗ gleich eine Bürgſchaft dafür, daß doch der innerſte Kern in unſerem Volke noch geſund iſt, und daß von dieſem geſunden Kern aus die ſchaffende Lebenskraft die abſterbenden oder in's Kraut wuchernden Beſtandtheile noch durchdringen und zu einem lebendigen und kräftigen Ganzen wieder vereinigen werde. Wenn aber ſo das geſammte Vaterland von einem gehobenen Gefühle bewegt iſt, da werden die deutſchen Hochſchulen am wenigſten gleichgültig zurückbleiben, ſondern zeigen, daß ſie nicht ge⸗ ſonnen ſind, ihren hohen Beruf zu verſäumen, in dieſer Zeit die Einheit des deutſchen Geiſtes und des deutſchen Lebens am unmittelbarſten zu vertreten und zu pflegen. Zumal an einem Feſte, wie das heutige, wird die ernſte Wiſſenſchaft ſich gern zu der heiteren Schweſter geſellen, wenn dieſe mit leuchtenden Blicken den Kranz unverwelklicher Ehren auf dem Haupte ihres Lieblings erneut; ſie wird ſich erinnern, daß der Menſch nicht bloß durch das Morgenthor des Schönen in der Er⸗ kenntniß Land eindrang, ſondern daß auch die Schätze, die der Denker aufgehäufet, wieder beſtimmt ſind, zum Kunſtwerk geadelt, das Gepräge höchſter Vollendung zu empfangen. Die Lehrer und Leiter der Univerſitäten werden der friſchen akademiſchen Jugend die Begeiſterung für unſeren Dichter nicht allein überlaſſen, ſondern zeigen, daß das Feuer einer ſolchen Begeiſterung trotz der Stürme und der Kälte des wirklichen Lebens auch im Herzen des Mannes noch vorhält, daß ihre ſtille Glut auch das Herz des Greiſes noch erwärmt. Sie werden es ſich nicht nehmen laſſen, ſich mit der akademiſchen Jugend, die Fackel der Wiſſenſchaft in der Hand, unter die Fahne Schiller's zu ſtellen, damit auch durch dieſe Feier das Band, welches Lehrer und Lernende ver⸗ bindet, feſter geknüpft werde und wir unter jenem Feldzeichen zum Kampfe gegen Trägheit und Gemeinheit, gegen Feigheit und Unwahrheit, gegen Citelkeit und Selbſtſucht, zum Kampfe um die höchſten Güter des Lebens kräftig uns ſammeln. In dieſem Sinne hat die Alma Ludoviciana ihre Räume, welche vor zehn Jahren bei der Säcularfeier des Geburtstages von Göthe, zum erſten Male einem feſtlichen Zwecke dienten, auch dieſer Feſtverſammlung geöffnet, zugleich auch, um die Gelegenheit zu bieten, welche ſich bei unſeren örtlichen Verhältniſſen ſonſt nicht leicht findet, in ernſter Sammlung, wie ſie des Gegenſtandes unſeres Feſtes würdig iſt, ein eingehenderes Wort zu vernehmen, welches die Bedeutung des Tages zu deuten verſucht. Wie ſehr nun derjenige, welcher durch das Vertrauefk des akademiſchen Senates berufen iſt, dieſes Wort jetzt zu reden, Ihre Nachſicht, verehrteſte Anweſende, in Anſpruch nehmen muß, zumal da der Gegenſtand, um welchen es ſich handelt, zwar keineswegs ſeinem lebendigſten Intereſſe, aber doch dem Kreiſe ſeiner beſonderen Fachwiſſenſchaft ferner liegt, wie lebhaft er die Männer zurück⸗ und an ihre wiſ darauf! braucht auf wel rechnen gerade weder ü keine S Vaterla nennt, die am auch we deſſen) iſt I und K daß er aus ei beſchrä was il Theil nicht b. weil ſie worden der Leh ſchöne prieß, von de vergaß und in der ei Götte durchd Gemü⸗ und de und ni theil e ſeine ſe enſten Aus⸗ eſſes. Wir e Vaterland es deutſchen elche gerade witd, daß ſt finden für ag, und zu⸗ nd iſt, und in's Kraut anzen wieder , da werden ſie nicht ge⸗ Geiſtes und m Feſte, wie wenn dieſe ings erneut; in der Er⸗ der beſtimmt Lehrer und für unſeren ng trotz der lt, daß ihre hmen laſſen, die Fahne eernende ver⸗ Trägheit und umpfe un die Ludoviciana Göthe, zum zugleich auch, t nicht leicht tingehenderts es berufen iſt, n muß zumal aber Juteriſt/ lännet zurüc⸗ 5 und an dieſe Stelle wünſcht, die ihren Beruf, über den Gegenſtand unſeres Feſtes zu reden, durch ihre wiſſenſchaftlichen Leiſtungen vor ganz Deutſchland beglaubigt haben; in wie hohem Grade er darauf rechnen muß, daß die Willigkeit der Hörer die Mängel des Redners ergänzen werde— das braucht er nicht zu verſichern, und er findet ſeinen beſten Troſt darin, daß er auf dieſe Ergänzung, auf welche er rechnen muß, bei einer Stimmung, wie die dieſer Verſammlung, auch am ſicherſten rechnen kann. Darüber aber möchte doch wohl ein vorläuſiges Wort noch am Orte ſein, daß gerade einem Theologen der Auftrag geworden iſt, bei Schiller's Gedächtnißfeier zu reden. Nun, verehrte Collegen, daß Sie dieſen Auftrag ertheilt haben, beweiſt, daß Sie jene Theologie weder überhaupt wünſchenswerth finden, noch jetzt hier zu vernehmen fürchten, die in ihrem Chriſtenthum keine Stelle findet für Schiller und Göthe und eine große Zahl der Männer, auf welche das. Vaterland mit gerechtem Stolze blickt, für jene großen Wunderleute Gottes, wie ſie unſer Luther nennt, den ich hier nennen darf, nicht bloß weil es unwürdig wäre, wenn ein proteſtantiſcher Theologe die am heutigen Tage von ſelbſt ſich aufdrängende Erinnerung an ihn zurückweiſen wollte, ſondern auch weil er unſer iſt, wie Schiller, im allgemeinſten Sinne des Wortes, als ein deutſcher Mann, deſſen Name mit der Geſchichte des deutſchen Geiſtes und der deutſchen Sprache unzertrennlich verflochten iſt. Ich kenne nun ſehr wohl die verſchiedenen einſeitig ſcharfen Ausfälle Schiller's gegen Chriſtenthum und Kirche; aber ich weiß auch daß die Kirche, wenn ſie, uneingedenk der Lehre ihres Stifters, daß er nicht gekommen ſey, die Welt zu richten, ſondern die Welt ſelig zu machen, das Evangelium aus einer lebendigen, ſelig machenden Kraft Gottes in ein neues Geſetz verwandelt, von deſſen beſchränkter Starrheit aus ſie den verwerfenden Richterſpruch raſch zur Hand hat gegen Alles, was ihren ſtricten Normen ſich nicht fügen will— ich weiß, daß dann die Kirche einen großen Theil der Schuld ſich ſelbſt beizumeſſen hat, wenn manche gerade unter den geiſtig Angeregteren nicht bloß ihr entfremdet werden, ſondern auch die göttliche Kraft des Chriſtenthums ſelbſt verkennen, weil ſie von denen, welche ſie hätten verkünden und vertreten ſollen, vielmehr verhüllt und entſtellt worden iſt. Aus einem ſolchen natürlichen Rückſchlag gegen eine großentheils in äußerlichen Formen der Lehre und des Cultus erſtarrten Kirche erklärt es ſich, wenn Schiller, überſehend, daß das ſchöne Wort„Menſchheit“ erſt auf dem Boden des Chriſtenthums erwachſen iſt, Rouſſeau als den prieß, der aus Chriſten wieder Menſchen mache; wenn er gegenüber einer Kirche, in welcher er von dem ihre Sendung beglaubigenden Wehen des göttlichen Geiſtes nichts mehr verſpüren konnte, vergaß, daß das heidniſche Pantheon im glücklichſten Falle doch nur in unvollkommenen Ahnungen und in Schöpfungen der Phantaſie die wahre Verſöhnung des Menſchen mit Gott vorbildete, welche der eingeborene Sohn vom Vater auf das Vollkommenſte verwirklichte, und wenn er darum die Götter Griechenlands zurückbeſchwor, damit ſie die entgötterte Welt mit neuem göttlichem Leben durchdrängen. Aber ſolche vereinzelte Ausbrüche drücken keineswegs die Grundſtimmung ſeines Gemüthes aus. Vielmehr wohnte in der innerſten Tiefe ſeiner Seele allezeit ein ernſter, frommer und dem Weſen nach durch und durch chriſtlicher Sinn, wenn er auch häufig zurückgedrängt wurde und nicht immer in den üblichen Formen ſich ausdrückte. Es war dieſer Sinn das heilige Erb⸗ theil eines Familienlebens, von welchem vor Kurzen mit Recht geſagt worden iſt, daß es durch ſeine ſittliche Würde und wahrhaft chriſtliche Tugend die ächte Wiege des Genius geworden ſei. 6 Insbeſondere war jene Geſinnung die Mitgabe treuer und frommer Mutterliebe, deren zarte Sorge als ſchützender und ſegnender Engel auch den Morgen ſeines Lebens bewacht hatte; wenn auch dieſer mütterliche Einfluß minder glänzend hervortrat, als bei Göthe, und darum minder gekannt iſt, ſo iſt er doch auch bei Schiller nicht minder bedeutend für die ganze Richtung ſeines Geiſtes geworden. Es wundert uns nicht, wenn wir erfahren, daß unter ſolchen Einwirkungen der empfäng⸗ liche Knabe entſchloſſen war, dem geiſtlichen Stande ſich zu widmen, und daß er nur durch den nicht zu umgehenden Befehl ſeines Landesherrn gezwungen wurde, dieſem Entſchluſſe zu entſagen. Aber die durch nichts zu verwiſchenden, wie durch nichts zu erſetzenden Eindrücke jener Einwirkungen begleiteten ihn durch ſein ganzes Leben, und wenn ſie, wie es in der Weiſe der ächten Frömmig⸗ keit iſt, nicht an die Oeffetlichkeit laut ſich hervordrängten, ſo finden ſie doch namentlich in ſeinen Mittheilungen an Eltern und Geſchwiſter fortwährend einen wahrhaft rührenden Ausdruck. Dieſe Eindrücke überdauerten die Sturm⸗ und Drangperiode der Karlsſchule; ſie bewirkten, daß er in der Zeit, da er im Suchen nach einer feſten Stellung äußerlich ruhelos hin- und herge⸗ worfen wurde, doch die innere Stätigkeit ſeines Gemüthes nie verlor und trotz aller äußeren Be⸗ drängniß niemals ſich ſelbſt wegwarf, und ebenſo, daß er nachher, wo er eine ſichere und behag⸗ liche Exiſtenz endlich gefunden hatte und bereits der Stolz ſeines Volkes geworden war, doch auch niemals ſich ſelbſt überhob, vielmehr an ſich immer den ſtrengſten Beurtheiler ſeiner Leiſtungen hatte; und ſie verließen ihn auch auf ſeinem frühen Sterbebette nicht mit dem Troſte, der dem nicht entgehen kann, welcher inmitten des zeitlichen Lebens ſchon im ewigen zu leben gewohnt war. Leſen wir ſelbſt in jenem erſten Producte, in welchem der wild gährende junge Moſt am unge⸗ ſtümſten die alten Schläuche durchbricht, jene gewaltige Scene, worin der verzweiſelnde Sünder ſo gerne überzeugt ſein möchte, daß das Donnerwort„Ewigkeit“ ein leerer Schall iſt, und doch nicht aufhören kann, davor zu zittern: wir werden nicht zweifelhaft darüber ſein können, daß der Dichter hier nicht auf der Seite des Materialiſten und Atheiſten ſteht, ſondern auf der Seite des ernſten Bußpredigers, dem ſein Pietät den Namen eines verehrten Lehrers ſeiner Jugend, Moſer, beigelegt hat, und wir werden geſtehen müſſen, nur, wer an ſich ſelbſt die Gewalt des Wortes erfahren hat, das wie ein Feuer iſt und wie ein Hammer, der Felſen zerſchmeißt, kann ſo mit Prophetenſtärke dem hartgeſottenen Sünder die Donner des Gerichtes in die Seele rufen und die eherne Wage ihm vorhalten mit dem zerſchmetternden Richterſpruch:„Du biſt gewogen und zu leicht erfunden!“ Nachdem aber im gereiften Mannesalter ſein raſtloſer Geiſt zur inneren Ruhe und Klarheit ſich durchgekämpft hatte, da begleitete er in dem unvergleichlichen Liede von der Glocke mit ſanfteren, von keinem Mißton getrübten Accorden das wechſelvolle Spiel des Lebens, um in allen Verhältniſſen den Sinn von den Vergänglichen hinweg auf die ewigen und ernſten Dinge hinzuweiſen. Größeres Gewicht jedoch, als auf ſolche einzelne Kundgebungen ſeiner Gedichte, iſt, wenn es ſich um das Verhältniß Schiller's zum Chriſtenthum handelt, auf die ganz perſönliche Richtung des Mannes zu legen. Einer der größten Theologen dieſes Jahrhunderts hat auf eine feine und treffende Weiſe die ausgebildeteren Religionen in zwei Claſſen geſchieden, in teleologiſche oder ethiſche und in äſthetiſche Religionen. Ethiſche Religionen ſind ihm diejenigen, in welche alle fronmen Ern an der eigne ſt; dagegen der endlichen wohl geordn ſchtspunkte wird. Wiß lichung gefü geburt und Strebens ſe dung dar. den Mannig Idee zu erk daß das S⸗ dieſer Eigen gehn, daß d zugsweiſe d vor Allem ihm aber z zur eihiſchen zuſchreiben, bar feinen und in dem dütfen wir ttum näher ſiehet zurüc Pfug einme Hand müßt geſe was! Ziele!“— genug geth wenn der! wer ſein ſichlich zu wige Lebe ſehrte. A hünliche; viderſtelia de genial rte Sorge venn auch er gekannt les Geiſtes empfäng⸗ durch den entſagen. nwirkungen Frömmig⸗ nentlich in Ausdruck. riten, daß und herge⸗ uͤßeren Be⸗ und behag⸗ doch auch Leiſtungen , der dem vohnt war. am unge⸗ Sünder ſo doch nicht daß der Seite des „Moſer, es Wortes ann ſo mit jen und die nen und zu neren Ruhe der Glocke ens, um in nſten Dinge näſt, went Nichtung des e feine und logiſche oder welche alle 7 frommen Erregungen als auf ihr letztes Ziel auf einen ſittlichen Zweck hinweiſen, welcher, ſei es an der eignen Perſönlichkeit, ſei es in der Außenwelt, durch freie Selbſtthätigkeit zu verwirklichen iſt; dagegen finden die äſthetiſchen Religionen ihre Befriedigung darin, daß ſie die Geſammtheit der endlichen Dinge in ihrem jedesmaligen factiſchen Beſtande als ein durch göttliches Walten wohl geordnetes Ganze anſchauen, ſo daß auch die freie That des Einzelnen nur unter dem Ge⸗ ſichtspunkte eines jener Geſammtheit durch höhere Ordnung eingefügten Beſtandtheiles betrachtet wird. Während die äſthetiſche Religion im Griechenthum geſchichtlich ihre vollkommenſte Verwirk⸗ lichung gefunden hat, ſo ſtellt dagegen das Chriſtenthum mit ſeinem Gebote der ſittlichen Wieder⸗ geburt und Heiligung, mit ſeiner Idee des Reiches Gottes, welche es als höchſtes Ziel des Strebens ſeinen Bekennern vorhält, den Charakter der ethiſchen Religion in ſeiner höchſten Vollen⸗ dung dar. Wo nun in einer Individualität die Anlage und Neigung vorwiegt, in der vorliegen⸗ den Mannigfaltigkeit der Natur und des menſchlichen Lebens ſelbſt unmittelbar auch die allgemeine Idee zu erkennen und des ſo von ſelbſt ſich darbietenden Schönen ſich zu freuen, im Vertrauen, daß das Schöne gewiß auch das Gute ſein werde, da werden wir eine natürliche Verwandtſchaft dieſer Eigenthümlichkeit mit der äſthetiſchen Religion anerkennen müſſen: es wird uns nicht ent⸗ gehn, daß dieſer Richtung Göthe's Naturell angehörte. Wo dagegen die ganze Perſönlichkeit vor⸗ zugsweiſe darauf gerichtet iſt, nach den Forderungen der Idee die Wirklichkeit erſt zu geſtalten und vor Allem das Gute zu ſchaffen, weil dieſes zwar in dem Schönen ſeine höchſte Vollendung ſucht, ihm aber zugleich zur unerläßlichen Vorausſetzung dient, da liegt eine natürliche Prädispoſition zur ethiſchen Religion vor; und wir werden nicht fehl gehen, wenn wir dieſe unſerem Schiller zuſchreiben, und obwohl Göthe bei ſeinem der ganzen Welt der Erſcheinungen erſchloſſenen wunder⸗ bar feinen Sinn auch das ſpecifiſch Chriſtliche, wie es in den Erfahrungen des frommen Gemüthes und in dem äußeren Leben ſich offenbart, mit lebendigerer Wahrheit dichteriſch dargeſtellt hat, ſo dürfen wir darum doch Schiller als dem innerſten Weſen ſeiner Perſönlichkeit nach dem Chriſten⸗ thum näherſtehend betrachten. Wenn Chriſtus ſpricht:„Wer ſeine Hand an den Pflug leget und ſiehet zurück, der iſt nicht geſchickt zum Reich Gottes!“— ſo hat unſer Dichter, nachdem er ſeinen Pflug einmal angeſetzt hatte an das von Gott ihm angewieſene Arbeitsfeld, niemals wieder die Hand müßig ruhen laſſen, noch feig und träge zurückgeſehen. Wenn der Apoſtel ſagt:„Ich ver⸗ geſſe was dahinten iſt und ſtrecke mich nach dem, was da vorn iſt und jage nach dem vorgeſteckten Ziele!“— ſo gebührt auch unſerm Dichter der Ruhm, daß er in ſeinem Berufe ſich niemals genug gethan hat, ſondern unabläſſig dem Ziele höherer Vollkommenheit entgegenſtrebte. Und wenn der Heiland das große Wort ausſpricht:„Wer ſein Leben findet, der wird es verlieren, und wer ſein Leben verlieret um meinetwillen, der wird es finden,“— ſo hat unſer Schiller ſich that⸗ ſächlich zu ihm bekannt, indem er nur ſo viel gelebt zu haben glaubte, als er für das wahre, und ewige Leben gewirkt hatte, und im Ringen nach dieſem wahren Leben ſein irdiſches Leben ver⸗ zehrte. Auf dieſem ſittlichen Ernſte, auf dieſer unerſchütterlichen ethiſchen Energie beruhte die eigen⸗ thümliche Würde, welche, zumal in den ſpäteren Jahren, Schiller's Perſönlichkeit mit einem un⸗ widerſtehlichen Zauber umgab, der nur auf kleine, eitle Seelen abſtoßend wirkte, wie denn z. B. der genial liederliche Friedrich Schlegel den„bleiern moraliſchen“ Schiller, wie er ihn nannte, im 8 höchſten Grade beſchwerlich fand. Allerdings wollen wir uns nicht verhehlen, daß eine ſo geſteigerte Selbſtthätigkeit leicht in ſtolze Selbſtgerechtigkeit übergeht. Schiller aber wurde von dieſem Abwege dadurch bewahrt, daß er ſich eben als einen Dichter von Gottes Gnaden wußte, der, wie er es in ſeiner tiefen und klaren Weiſe wiederholt darſtellt, in den ſeligſten Momenten begeiſterten Schaffens erfahren hatte, daß auch dem Dichter jede beſte und vollkommenſte Gabe von Gott zukommt, ohne beſondere Mühe und ohne eignes Verdienſt; und was er aus der Tiefe und Fülle ſeines poctiſchen Gemüthes über den geheimnißvollen Verkehr des menſchlichen Geiſtes mit der Gottheit geoffenbart hat, das hat weſentlich dazu beigetragen, die eben ſo ſelbſtzufriedene, als dürre und trockne Moral und die ebenſo plumpe, als beſchränkte Aufklärerei, wie ſie in jener Zeit populär war, in ſchuldigen Mißeredit zu bringen. Nach dieſem Allen aber vergibt meiner Ueber⸗ zeugung nach die Theologie ihrer Würde nichts, wenn ſie anſtatt mäkelnd an großen Männern kleine Gebrechen aufzuſtöbern, lieber im großen Sinne ihres Herrn und Meiſters unter dem ſchein⸗ baren Wider ihn das tiefer liegende Für ihn aufſucht, und wenn ſie, nachdem ſo viel, und ohne Zweifel mit vollem Recht, gegen den überhandnehmenden Materialismus geſprochen worden iſt, nun auch mit Freuden von dem idealen Zuge Act nimmt, der unſerem Volke eingeboren iſt und der bei dieſen Schillerfeſten doch offenbar die eigentlich veranlaſſende und bewegende Macht bildet; denn wenn je Einer, ſo iſt er ein rechter Ritter vom Geiſte geweſen, der, abermals übereinſtimmend mit dem Worte des Herrn:„Der Geiſt iſt es, der da lebendig machet, das Fleiſch iſt kein nütze“, ſein Leben daran ſetzte, dem Geiſte und ſeiner lebendigen Kraft die plumpe Schwere des Stoffes zu unterwerfen. 3 Ich würde auch in der eigenthümlichen Stellung des Theologen zu den eben berührten Fragen die Entſchuldigung für deren ſo ausführliche Erörterung nicht finden können, wenn ich nicht glaubte, damit zugleich auch ſchon den Punkt bezeichnet zu haben, in welchem die Eigenthüm⸗ lichkeit Schiller's ſich concentriert und von welchem aus ſein Leben und Wirken am beſten verſtanden werden kann. Es iſt nicht wohl möglich, von Schiller zu reden, ohne zugleich auch Göthe's zu gedenken, und ich habe vorhin bereits dieſe Thatſache durch mein eignes Beiſpiel illuſtrieren müſſen. In der That dient auch die Vergleichung beider trefflich dazu, uns einen jeden in ſeinem eigen⸗ thümlichen Weſen verſtehen zu lehren, weil die Größe eines jeden mit auf Eigenſchaften beruht, welche dem andern fehlen; ſie ſtehen nebeneinander wie die Heroen der griechiſchen Vorzeit, von welchen Göthe im 2. Theile des Fauſt den Centauren Chiron rühmen läßt: Im hehren Argonautenkreiſe War jeder brav nach ſeiner eignen Weiſe, Und mit der Kraft, die ihn beſeelte, Konnt' er genügen, wo's dem andern fehlte. Daß nun mit dem bequemen Unterſchied von ſubjectiv und objectiv hier nicht durchzukommen iſt, dürfte jetzt wohl allgemein anertannt ſein. Denn allerdings war Göthe der objektivere Dichter, inſofern er ſeine Dichtungen in vollkommener Fertigkeit von ſich ablöſte und ſie gleichſam in der objectiven Selbſtſtändigkeit eines eignen individuellen Lebens hinſtellte; aber er war höchſt ſubjectiv, inſofern er zum Gegenſtande ſeiner Darſtellung nichts wählte, als wovon er ſich zufällig perſönlich angere gelegt niema ſeines ſonder und i unter gemã darin wieg Aus bezei deſſe Mitt der trau weit latit ſtille ſein Geſ imn We Han hier Abh⸗ des die d mit tine ſo rde von wußte, Nomenten ſte Gabe der Tiefe Geiſtes dene, als ener Zeit er Ueber⸗ Männern m ſchein⸗ e Zweifel nun auch d der bei et; denn iſtimmend iſt kein were des berührten wenn ich genthüm⸗ derſtanden öthe's zu n müſſen. em eigen⸗ n beruht, zeit, von zukommen e Dichter, un in der ſubjectid, verſönlich 9 angeregt fühlte, und Geſtalten, in welche der Dichter die eigne Subjectivität ſo vollſtändig hinein⸗ gelegt hat, wie in Werther, in Taſſo, in Fauſt, hat der für ſo äußerſt ſubjectiv geltende Schiller niemals geſchaffen. Vielmehr war ſeine Richtung eine durchaus objective, inſofern er die Wahl ſeines Gegenſtandes niemals von einer augenblicklichen ſubjectiven Stimmung abhängig machte, ſondern ihn mit Bewußtſein und Abſicht dem Geſammtgebiete des menſchlichen Lebens entnahm, und inſofern er ſeine ſubjective Neigung den ewig gültigen Geſetzen, welche über dem Leben walten, unterwarf; und nur darin tritt ſeine Subjectivität hervor, daß er jenen Stoff dieſen Geſetzen gemäß, welche ſein Gemüth erfüllten, frei geſtaltete. Es liegt alſo der Unterſchied vielmehr eben darin, daß bei Göthe die äſthetiſche Empfänglichkeit, bei Schiller die ethiſche Selbſtthätigkeit vor⸗ wiegt. Man kann Göthe's künſtleriſches Schaffen nicht beſſer charakteriſieren als mit ſeinem eigenen Ausſpruch:„Wer das Beſondere lebendig auffaßt, erhält das Allgemeine mit.“ Schiller dagegen bezeichnet die Richtung ſeines eigenen Geiſtes vortrefflich in den bekannten Diſtichen auf Columbus: „Steu're muthiger Segler! Es mag der Witz dich verhöhnen, Und der Schiffer am Steu'r ſenken die läſſige Hand; Immer, immer nach Weſt, dort muß die Küſte ſich zeigen, Liegt ſie doch deutlich und liegt ſchimmernd vor deinem Verſtand, Traue dem leitenden Gott, und folge dem ſchweigenden Weltmeer, Wär ſie noch nicht, ſie ſtieg jetzt aus den Fluthen empor: Mit dem Genius ſteht die Natur in ewigem Bunde, Was der eine verſpricht, leiſtet die andre gewiß!“ Dort der offene Sinn, welcher den mannigfaltigſten Eindrücken empfänglich ſich hingibt und deſſen genialem Blicke, bald hier bald dort, in der Wirklichkeit ſelbſt der verbindende und belebende Mittelpunkt ſich offenbart, durch welchen das Einzelne zur allgemeinen Weihe geführt wird; hier der ſchaffende Genius, welcher von dem allgemeinen Gedanken ausgeht, aber deſſen Wahrheit zu⸗ traut, daß die entſprechende Wirklichkeit ſich finden und ihm fügen werde. Es bedarf keiner weiteren Ausführung, wie es aus dieſem Grundunterſchiede ſich erklärt, daß bei Göthe die contemp⸗ lative, bei Schiller die ſpeculative Form der Gedankenbildung vorwiegt; daß Göthe es liebte, ſtiller Betrachtung der Natur ſich hinzugeben, um ihr Geheimniß ihr abzulauſchen, während Schiller ſein Intereſſe ausſchließlich der freien That und dem bewegten Leben des Menſchen und ſeiner Geſchichte zuwandte, um in der Weltgeſchichte das Weltgericht nachzuweiſen; daß an Göthe immer das herrliche klare und feurige Auge beſonders bewundert wurde, in welchem die Welt ihren vollkommenſten Spiegel fand, an Schiller aber die prächtige gedankenvolle Stirn. Handelt es ſich aber um eine vergleichende Werthſchätzung beider Dichter, ſo ſcheint mir hierfür Schiller ſelbſt die treffendſte Formel gefunden zu haben. Denn wenn er in ſeiner Abhandlung über„naive und ſentimentaliſche Dichtung“ auseinanderſetzt, daß die Größe des naiven Dichters in der Vollendung beſtehe, womit er eine beſchränktere Aufgabe löſt, die des ſentimentalen dagegen darin, daß er die Aufgabe ſich höher ſtellt und ihrer Löſung mit aller Kraft nachſtrebt: ſo gilt dieß auch vollſtändig von ſeinem Verhältniſſe zu Göthe. Die Art, wie Göthe die Eindrücke aufnimmt und ſie gleichſam von ſelbſt zu einem poetiſchen 2 10 Ganzen ſich verbinden läßt, welches fremdartige und ſtörende Elemente durch ſeine innere Kraft ausſcheidet, hat zur Folge, daß ſeine meiſten Gedichte, und namentlich die kleineren lyriſchen, uns durch die unübertreffliche Abrundung und Vollendung entzücken, worin ſie in lebendigſter Indivi⸗ dualität uns entgegentreten. Dagegen laſſen die Verſuche Schillers, ſeinen oft überreichen und ſpröden Stoff durch die Macht des Gedankens zu bewältigen, zuweilen ein gewiſſes Gefühl der Unbefriedigung zurück; aber ſie entſchädigen durch die großartige Anlage, durch den erhabenen Schwung der Gedanken, durch das überwältigende ſittliche Pathos, wodurch auch uns das Herz erweitert und erhoben wird, Eigenſchaften wodurch Schiller, Göthe's eigenthümliche Begabung ergänzend, dieſem in voller Ebenbürtigkeit an die Seite tritt. Wir dürfen wohl ſagen, daß in der zarten Empfänglichkeit Göthe's, in dem feinen Sinn für die vollendete Beherrſchung des Stoffes durch die ſchöne Form ein weiblicher Charakterzug ſich offenbart, während wir an Schiller die kräftige Selbſtthätigkeit des Mannes bewundern, der mit dem feindlichen Leben ringt, um es der Macht des Gedankens und Willens zu unterwerfen; wenigſtens würde die Entgegnung, daß doch die Frauen in der Regel Schiller mehr lieben, während die Männer mehr zu Göthe ſich hinge⸗ zogen fühlen, nicht gegen unſern Satz ſprechen, ſondern dafür. Verſuchen wir nun von dem gegebenen Standpunkte aus, einen allgemeinen Ueberblick zu gewinnen über den Lebensgang Schillers und ſeine verſchiedenen Perioden, mit welchen die Perioden ſeiner geiſtigen und künſtleriſchen Entwicklung durchaus parallel gehen. Unſere beiden größten Dichter ſind durch die waltende Vorſehung gerade in ſolche äußere Lebensverhältniſſe verſetzt worden, wie ſie zur Entfaltung der eigenthümlichen Begabung, welche der Geber aller guten und vollkommenen Gabe einem jeden in die Seele gelegt hatte, am günſtigſten waren. Die lebendige Empfänglichkeit Göthes war von einem reichen und behaglichen Leben umgeben, in welchem ihm kaum andere Sorgen erwuchſen, als die, welche er ſelbſt für den ſchlimmſten Fall ſich erbeten hat, die Sorgen der Liebe, die denn auch in der That das Herz des Knaben ſchon erſchütterten, und, im Laufe ſeines Lebens in wechſelnden Geſtalten immer und immer wiederkehrend, noch das Herz des Greiſes in jene Aufregung verſetzten, die er mit jugendlicher Glut in der wunderbaren Karlsbader Elegie ausgedrückt hat. An einer beſchränkten und ärmlichen Umgebung wäre ſein Genius aus Mangel an Nahrung im Keime verwelkt, und vielleicht hätte ſeine ſittliche Kraft nicht aus⸗ gereicht, die eigenthümlichen Gefahren gerade einer ſolchen Umgebung zu überwinden. Es iſt ergrei⸗ fend, wenn Schiller im Jahre 1789, nicht lange nach ſeiner erſten näheren perſönlichen Begeg⸗ nung mit Göthe, an ſeinen Freund Körner ſchreibt:„Dieſer Menſch, dieſer Göthe, iſt mir einmal im Wege, und er erinnert mich ſo oft, daß das Schickſal mich hart behandelt hat. Wie leicht ward ſein Genie vom Schickſal getragen und wie muß ich bis auf dieſe Minute noch kämpfen!“ Wir finden die Bitterkeit, die in dieſen Worten unläugbar ſich ausſpricht, vollkommen erklärlich; aber berechtigt iſt ſie im Grunde doch nicht. Schiller's ſelbſtthätige Kraft bedurfte eines Wider⸗ ſtandes, der ſie herausforderte, eines ſpröden Stoffes, an dem ſie ſich übte; und an reichlichſter Gelegen⸗ heit zu dieſer Uebung hat es ihm allerdings nicht gefehlt. Die Umgebung, in welche er ſich ge⸗ ſtellt ſah, als ſein Genius zu ſelbſtändigen Schaffen reifte, war von der Art, daß eer ihr, daß er dem durchnſie ihm repräſentierten Treiben der Geſellſchaft nur mit zerſtörender Feindſeligkeit ent⸗ gegentreten lo ft das Chal Periodt, welc der fünfundzw niſſen einer! dienſt dieſes berechtigſten, teineswegs d Blick für die es uns in d ſtellt eben nu und mit ſoi verzertt zeigt tritt, für wel Boden zu fir fbrig, als Jahre ſpäter den Ausdruc Schiller glei ergrifen hat herrſcht ſoe bald geht, lyriſche Gn Confliete vor Mittelpunkt, Handeln, al umgekehrt ire ſeine Dram legt, ſonden Wilen, au bühne, ſein offenbart ſ Stoff die des geſelſ Geſetze, n Scſeze zug pülſiert une dicter ih benlt s, unere Kraft riſchen, uns ſter Indivi⸗ rreichen und Gefühl der en erhabenen ns das Herz e Begabung daß in der des Stoffes an Schiller ringt, um es ng, daß doch he ſich hinge⸗ Ueberblick zu die Perioden iden größten tniſſe verſetz er guten und Die lebendige welchem ihm erbeten hat, tterten, und, ſch das Herz wunderbaren g wäre ſein aft nicht aus⸗ Es itt ergrei⸗ lichen Begeg⸗ ſt mir einmal t. Wi leicht och käwpfen! ꝛen erklärlich; eines Wider⸗ chſter Gelegen⸗ che et ſich ge⸗ er ihr/ daß er oſeligkei ent⸗ 11 gegentreten konnte. Daß ſein Ideal dem wirkichen Leben entſchieden feindlich entgentritt, das eben iſt das Charakteriſtiſche der erſten Periode ſeiner künſtleriſchen Entwicklung. Es iſt die Periode, welche durch die Räuber, Fiesko und Kabale und Liebe bezeichnet iſt, und die der fünfundzwanzigjährige Jüngling bereits hinter ſich hatte. Das Bild, welches in dieſen Erzeug⸗ niſſen einer ungeheuren, aber ungebändigten poetiſchen Kraft entworfen iſt von dem Gamaſchen⸗ dienſt dieſes tintenkleckſenden Seculums, von der Kabale dieſer verſumpften Welt, welche die berechtigſten, weil natürlichſten, Gefühle des Herzens zerſtört oder vergiftet— dieſes Bild iſt keineswegs durchaus unwahr, ja wir finden darin einen ſo kräftigen Realismus, einen ſo ſcharfen Blick für die faulen Flecke der damaligen Geſellſchaft und eine ſo treffende Satyre darüber, wie es uns in den vollendeteren Schöpfungen der ſpäteren Zeit kaum wieder begegnet. Aber das Bild ſtellt eben nur die Schattenſeiten dar und iſt ohne alle vermittelnde Tinten mit ſo grellen Farben und mit ſo übertreibenden Zügen gemalt, daß es nicht ſelten einen Gegenſtand zur Caricatur verzerrt zeigt. Und ihm gegenüber ſteht nun ein Ideal, das in Formen und mit Anſprüchen auf⸗ tritt, für welche weder in den böhmiſchen Wäldern, noch irgend ſonſt wo in der weiten Welt ein Boden zu finden wäre. Dem Dichter blieb bei einer ſolchen Anſchauung und Stimmung nichts tbrig, als mit jenem verhaltenen Ingrimm in ſich ſelbſt ſich zurückzuziehen, welchem er wenige Jahre ſpäter in ſeiner Reſignation, einem Nachklang aus den Stimmungen dieſer erſten Zeit, den Ausdruck gegeben hat. Ehe wir übrigens dieſe Periode verlaſſen, iſt hervorzuheben, wie Schiller gleich in ihr ſeinen eigentlichen Beruf mit Sicherheit gefunden und auf das Eifrigſte ergriffen hat, den Beruf, vorzugsweiſe dramatiſcher Dichter zu ſein. In Göthe's Dichtung herrſcht ſo entſchieden die lyriſche Richtung vor, daß er ſelbſt in ſeinen Dramen zum Lyriker wird: bald geht, wie in Iphigenia und Taſſo, durch das Ganze, bei höchſt einfacher Handlung, eine lyriſche Grundſtimmung durchz bald, wenn er eine reichere Handlung und große geſchichtliche Confliete vor uns entfaltet, wie in Götz und Egmont, ſtellt er wenigſtens einen Helden in den Mittelpunkt, welcher nicht ſowohl durch ſeine wirkliche geſchichtliche Bedeutung und durch ſein Handeln, als durch die Stimmung und Haltung ſeines Gemüthes unſer Intereſſe erregt. Gerade umgekehrt tritt auch aus den lyriſchen Gedichten Schiller's ein dramatiſches Pathos uns entgegen, und ſeine Dramen ſind ihm nicht bloß eine Form, in welcher er eine poetiſche Anſchauung auseinander⸗ legt, ſondern ſie ſind verfaßt, zwar nicht in der ſtörenden Abſicht, aber doch mit dem beſtimmten Villen, auf das Volk zu wirken; daher von Anfang an ſein praktiſches Verhältniß zur Schau⸗ bühne, ſein unverdroſſenes Bemühen, ſeine Stücke auch wirklich aufführbar zu machen. Ueberall offenbart ſich die energiſch nach außen wirkende Selbſtthätigkeit des Dichters: er nimmt zu ſeinem Stoff die großen Ereigniſſe und Confliete der Weltgeſchichte, die allgemein aufregenden Widerſprüche des geſellſchaftlichen Lebens, und er geſtaltet dieſen Stoff nicht bloß unter der Herrſchaft der ewigen Geſetze, welche ſein Gemüth erfüllen, zu einem poetiſchen Kunſtwerk, ſondern er verkündigt dieſe Geſetze zugleich wie ein Prophet, er will für ſie Propaganda machen, und aus allen ſeinen Schöpfungen pulſiert uns der warme Herzſchlag des Dichters entgegen. Das Volkhat ſich gegen die von dem Dichter ihm geſchenkte Rückſicht nicht undankbar erwieſena auf den eben angedeuteten Eigenſchaften beruht es, daß Schiller bei weitem unſer vopulärſter Dichter wurde, bei dem allein eine Feſtfeier, wie 2* 12 die genwärtige, denkbar iſt. Die Geſtalten, welche er⸗ geſchaffen, die hohen Gedanken, welche er in ſeinen klangvollen und treffenden Worten ausgedrückt, machen ſich mit einer edlen Zudringlich⸗ keit geltend: es giebt keinen Dichter, von welchem ſo viel Schlagworte, ſo viel„ ſchöne Stellen“ im Munde des Volkes curſierten, und es wird uns ſchwer zu denken, daß dieſe Stauffacher und Melchthal zum größten Theile Schöpfungen ſeiner Phantaſie ſind, daß dieſe uns ſo lebendig vor der Seele ſtehenden Perſonen, vom Marquis Poſa bis zum Hofmarſchall von Kalb, niemals gelebt haben ſollten! Aus dem Sturm und Drang dieſer erſten Periode ſehnte ſich Schiller nach einer ſicheren, ruhigen Stellung. Die Baſis für eine ſolche glaubte er ſich durch Gründung einer periodiſchen Schrift zu ſchaffen, welche er ſeit dem Jahr 1784 unter dem Namen der Rheiniſchen Thalia herausgab. In der Ankündigung wendet er ſich an das Publikum:„Alle meine Verbindungen ſind nunmehr aufgelöſt. Das Publikum iſt mir jetzt Alles, mein Studium, mein Souverän, mein Vertrauter. Ihm allein gehöre ich jetzt an. Vor dieſem und keinem andern Tribunal werde ich mich ſtellen... und gern geſtehe ich, daß bei Herausgabe dieſer Thalia meine vorzügliche Abſicht war, zwiſchen dem Publikum und mir ein Band der Freundſchaft zu knüpfen.“ Schiller war nicht an die richtige Adreſſe gerathen. Dieſes Publikum hat zwar viele Köpfe, aber kein Herz, und viel Anſprüche, aber wenig Neigung, dem Dichter, der ihm ſein Beſtes bietet, auch nur mit dem ſpärlichen Almoſen der jährlichen Beiſteuer für eine Zeitſchrift zu lohnen. Von anderer Seite kam ihm die geſuchte Freundſchaft und brachte ihm das volle Herz und eine volle Hand entgegen. Auch das iſt bezeichnend für Schiller's Eigenthümlichkeit, daß ihm die ſelbſtverläugnende Begeiſterung, womit er ganz für die Sache wirkte, in manchen Herzen ſolche opferbereite Freundſchaft erweckte. Schon drei Jahre vorher hatte der Flüchtling im Hauſe einer edlen Dame, der Frau von Wollzogen, deren Söhne ſeine Studiengenoſſen auf der Karlsſchule geweſen waren, ein Aſyl gefunden. Als er im Jahr 1792 nach ſchwerer Krankheit der Erholung bedurfte, baten es ſich zwei edle Männer, der Erbprinz von Holſtein⸗Auguſtenburg und ein Graf von Schimmelmann, in der zarteſten Weiſe 1 als eine Gunſt aus, ihn ohne alle Bedingungen auf drei Jahre mit einem Jahrgehalte von tauſend Thalern unterſtützen zu dürfen. Auch das jetzt ſich bildende Verhältniß Schiller's zu Körner und ſeinem Kreiſe, dem der Dichter perſönlich völlig unbekannt war, war lediglich durch die Achtung der Freunde vor ſeiner geiſtigen Bedeutung und ſeinem ſittlichen Ernſte begründet worden. In dieſem Kreiſe endlich fand er eine geiſtige Heimath und jubelnd trat er mit ſeinem Hymnus an die Freude in ihn ein. In dem aus der Verbindung mit Körner hervorgegangenen Briefwechſel, ſo wie in dem Briefwechſel Schiller's mit Wilhelm v. Humholdt und mit Göthe, ſind uns die unſchätzbaren Denkmale dreier Freundesbündniſſe erhalten von einer Innigkeit und zugleich von einer Würde und einem männlichen Ernſte, wie ſie nicht ſchöner gedacht werden können. Wem etwa, wie es wohl geſchieht, das erſte Intereſſe für die Schiller'ſche Poeſie mit den Jünglingsjahren geſchwun⸗ den wäre, der mache ſich mit dieſen Briefen und mit Schiller's leider zu wenig bekannten proſaiſchen Schriften bekannt, um Schiller den Mann kennen und achten und lieben zu lernen, und um dann, beſſer vorbereitet, zu ſeinen Dichtungen zurückzukehren und eine unerſchöpfliche Quelle des erhebendſten Genuſſes in ihnen zu finden. Für die Entwicklung des Dichters aber war es von hühſter Beder eer Eharakter dung, der m des Freundes luaß gegeben Carlos ſich! ſeine Jealt Leben ſtanden beider hatte neben, oder als in dem Poſa das J Leben einzuf Alba und 1 nicht aufzuft bilden die g von allen ſe am Schluſſe lichkeit mit bereits die; Großartigkei zeichneten E gen, die wi nun an eine des Menſche iſ diſer Ge bädagogiſche die Herſtellu ren Geſet Doch Anfang ri Daß er au nicht beſon Verhäͤltniß eignen Wo Wirken ga doch eine! di Bezie innigſte B 1 welche er Zudringlich⸗ ne Stellen“ uffacher und lebendig vor jemals gelebt iner ſicheren, rperiodiſchen en Thalia Verbindungen zuveran, mein al werde ich gliche Abſicht ler war nicht n Herz, und nur mit dem er Seite kam and entgegen. Begeiſterung, chaft erweckte. n Wollzogen, funden. Als edle Männer, rteſten Weiſe von tauſend Körner und te Achtung der dieſem Kreiſe die Freude cl, ſo wie in e unſchätbaren einer Würde etwa, wit 8s bren geſchwun⸗ nten proſaiſchen ernen, und um che Ouelle des er wat i5 8 13 höchſter Bedeutung, daß ihm in Körner zum erſtenmale ein Mann näher trat von nicht geringe⸗ rer Charakterſtärke und von entſchiedener Ueberlegenheit der geſelligen und wiſſenſchaftlichen Bil⸗ dung, der mit ſeiner eben ſo eingehenden und unbeſtechlichen, als theilnehmenden Kritik die Arbeiten des Freundes von jetzt an begleitete. Durch hiſtoriſche Studien, zu welchen bereits Fiesko An⸗ laß gegeben hatte, und welche jetzt in ausgedehnterem Maße an die Beſchäftigung mit Don Carlos ſich knüpften, lernte Schiller das wirkliche Leben gründlicher kennen, und zugleich verloren ſeine Ideale im Umgange mit dem beſonnenen Freund ihre wilde Ueberſchwänglichkeit. Ideal und Leben ſtanden ſich jetzt bei Schiller nicht mehr feindſelig gegenüber; aber zur vollendeten Ineinsbildung beider hatte er es noch nicht gebracht. Das Ideal ſteht ihm in dieſer ſeiner zweiten Periode neben, oder über dem Leben. Nirgends tritt dieſes Verhältniß mit ſolcher Beſtimmtheit hervor, als in dem bedeutendſten Werk aus dieſer Zeit, in Don Karlos. Hier vertritt der Marquis Poſa das Ideal und geht unter an dem mißlungenen, oder beſſer ungeſchickten, Verſuche, es in das Leben einzuführen, und ihm gegenüber wird durch die Repräſentanten der Wirklichkeit, durch die Alba und Domingo, eine ſo gemeine Wirklichkeit vertreten, daß allerdings das Fäſerchen in ihnen nicht aufzufinden iſt, woran die Idee ſie faſſen könnte. Nur König Philipp und die Königin bilden die geſunderen Geſtalten der ſpäteren Dramen Schiller's vor, ja dieſe Königin iſt vielleicht von allen ſeinen Frauenbildern das gelungenſte. Auch in den Göttern Griechenlands, die am Schluſſe dieſer Periode ſtehen, ſpricht ſich noch die Verzweiflung aus, die gegenwärtige Wirk⸗ lichkeit mit dem Ideal zu verſöhnen; dagegen vertreten die wenig ſpäter entſtandenen Künſtler bereits die Forderung, die Wirklichkeit nach der Idee zu geſtalten. In dieſem ſchönen, durch Großartigkeit der Anlage und des Ganges, wie durch glänzende Detailmalerei gleich ausge⸗ zeichneten Gedichte tritt uns zum erſtenmale in voller Kraft und Klarheit eine Vorſtellung entge⸗ gen, die wieder ſo ganz bezeichnend iſt für die ethiſche Grundrichtung ſeines Geiſtes und die von nun an eine ſeiner Lieblingsvorſtellungen bleibt, die Vorſtellung von der Kunſt als der Erzieherin des Menſchen. In den Briefen über die äſthetiſche Erziehung des Menſchen iſt dieſer Gedanke gründlich und beredt ausgeführt, und es bildet dieſe Schrift eine Fundgrube pädagogiſcher Weisheit, namentlich wenn man in vielen Fällen der Kunſt, von welcher Schiller die Herſtellung der als Ziel aller Erziehung mit Recht geforderten Harmonie zwiſchen dem äuße⸗ ren Geſetz und zwiſchen der Neigung erwartet, vielmehr eine lebendige Religioſität ſubſtituiert. Doch gehören dieſe Briefe bereits der letzten Entwicklungsperiode Schiller's an, als deren Anfang wir ſeine im Jahre 1789 erfolgte Berufung an die Univerſität Jena betrachten dürfen. Daß er auch in dieſem ganz beſonderen Sinne der Unſere geweſen iſt, habe ich am Eingange nicht beſonders betonen wollen; denn man kann nicht ſagen, daß Schiller ſelbſt auf dieß Verhältniß einen großen Werth gelegt hat, und die akademiſche Muſe iſt ihm niemals, um mit ſeinen eignen Worten zu reden, weder die hohe, die himmliſche Göttin geweſen, der ſein begeiſtertſtes Wirken galt, noch auch nur die tüchtige Kuh, die ihn mit Butter verſorgt. Aber er hatte jetzt doch eine beſtimmte Stellung in der Geſellſchaft und eine engere Beziehung zu ihr gewonnen, und dieſe Beziehung wurde noch verſtärkt durch die Gründung eines dem Dichter der Frauenwürde die innigſte Befriedigung gewährenden, reinen, ſchönen, wahrhaft muſterhaften Familienlebens, von welchem 14 ſehen kann; und andererſeits gab ihm der neue Beruf Antrieb zu eingehenderer Beſchäftigung mit ſeinen hiſtoriſchen und philoſophiſchen Studien, in welchen letzteren er, als durch eine ſeinem Geiſte homogene Kraft, namentlich durch die begriffliche Klarheit und den ſittlichen Ernſt Kant's gefördert wurde. Schiller blieb zwar auch bei dieſen Studien Dichter; aber ohne Frage erwuchs doch den genannten Wiſſenſchaften aus ſeinen Leiſtungen weſentliche Förderung, und ins⸗ beſondere haben ſeine hiſtoriſchen Schriften trotz unläugbarer Mängel doch der Geſchichtſchreibung nicht bloß dadurch genützt, daß er mit der genialen Unmittelbarkeit ſeiner Anſchauung aus einzel⸗ nen Zügen meiſt ein gerade das eigenthümliche Weſen bedeutender geſchichtlicher Perſönlichkeiten treffendes Bild darſtellt, ſondern er hat namentlich auch den Begriff der hiſtoriſchen Kunſt und die daraus folgenden Forderungen zu klarerem Bewußtſeyn gebracht, wie eine Vergleichung der nach ihm entſtandenen Geſchichtswerke mit denjenigen, welche vor ihm in Deutſchland geſchrieben werden durften, ſchlagend beweiſt. Von ſelbſtſtändigen dichteriſchen Werken aber erſchien in den fünf erſten Jahren ſeines Jenenſer Aufenthaltes nicht ein einziges. Er hatte jetzt einen ſo hohen Begriff von der Aufgabe der Kunſt gewonnen, daß er ſich ſelbſt noch nicht für ſtark genug hielt, um ihm zu genügen. Genau„auf unſres Lebensweges Mitte“, wie Dante das fünf und man auf die ungefähr gleichzeitig von Göthe eingegangene Verbindung nur mit Wehmuth hinüber⸗ — drre vicht Prrigden ſeyn, e T beheriſchu Begeiſterun noch ds por. Pon zun Jahn von Neſ dreißigſte Jahr bezeichnet, trat auch Schiller hervor aus der einſamen Werkſtätte ernſter Denk⸗ arbeit, und aus der verwirrenden Mannigfaltigkeit der Ereigniſſe des Menſchenlebens, und ſchickte ſich an, reich an Ideen und reich an realem Stoff, mit erneuter ſelbſtbewußter Kraft die ſonni⸗ gen Höhen der Poeſie zu erſteigen. Und wie der große Florentiner als Führer den Virgil zur Seite hatte, ſo hatte auch Schiller jetzt den größten deutſchen Dichter neben ihm zum Geleits⸗ manne gewonnen. Die Gründung der Zeitſchrift Horen war im Sommer des Jahres 1794 Anlaß geworden zu dieſer für die deutſche Literatur Epoche machenden Freundſchaft. Anſtatt jener bitteren Aeußerung Schiller's über Göthe leſen wir jetzt das herrliche, die ganze Größe ſeines Sinnes wundervoll ausdrückende Wort:„Wie lebhaft hab' ich erfahren, daß das Vortreffliche eine Macht iſt, daß es auf ſelbſtſüchtige Gemüther nur als Macht wirken kann, und daß es dem Vortrefflichen gegenüber keine Freiheit gibt, als die Liebe!“ Und dafür gibt ihm Göthe, der ſich früher durch das geniale Ungeſtüm Schiller's gleichfalls abgeſtoßen gefühlt hatte, ſpäter das— Zeugniß:„Schiller war immer im abſoluten Beſitz ſeiner großen Natur.... Nichts geniert ihn, nichts engt ihn ein, nichts zieht den Flug ſeiner Gedanken herab;z was in ihm von großen An⸗ ſichten lebt, geht immer frei heraus ohne Rückſichten und Bedenken. Das war ein rechter Menſch, ſo ſollte man auch ſein! Schillern war eben eine Chriſtustendenz eingeboren: er berührte nichts Gemeines, ohne es zu veredeln.“ Es iſt eine Wonne, dieß herrliche Dioskurenpaar Hand in Hand in wechſelſeitiger Anregung und Förderung wandeln zu ſehen! Und neben dem Dichter Göthe hatte Schiller den Denker Humboldt zur Seite. Der Eine ſchärft ſeine Beobachtung für das Einzelne und ſchließt ihm den Sinn auf für die Wunder der Natur im Kleinen, wie im Großen; der Andere belebt in ihm die Macht der überwältigenden Gedanken und ſchärſt ſeinen Sinn für reine Formen durch die ewigen Werke des claſſiſchen Alterthums. Er ſelbſt aber vereint mit ſchöpferiſcher Kraft dieſe Elemente. Ideal und Leben ſtehen nicht mehr feindlich gegen einan⸗ richtende, wetteiſerte das ganze ganged mes, und ganzen W reine Gol glänzendſt Hinſterben mächtiger ihn aufhe 60) Ungefähr erſte Nop demſelben Jena und tüſſten E daß es g werde: und de Schiler ſtellte a Yaterlan Aber au laſſen; ſeinem ben dure durch d iim wie 2 15 ath hinüber. der nicht mehr getrennt neben einander:die wechſelſeitige„Durchdyingung beidex bezeichnet die äftigung mit Perigdender⸗ elaſſi ſchen ⸗Vollendung ſeiner Kunſt. Die Zeit des⸗ höchſten geiſtigen durch ein Schaffens iſt zugleich eine Zeit fortwährenden leiblichen Leidens. Aber er hat keine Zeit krank zu lichen Ernſt ſeyn, er muß ja die Aufgabe ſeines Lebens erſüllen!— und mit mehr als⸗ ſokratiſcher Selbſt⸗ ohne Frage beherrſchung zwingt die eiſerne Kraft ſeines Willens, zwingt vielmehr die göttliche Kraft ſeiner ng, und ins. Begeiſterung den ſiechen Körper zu ſtets willigem Dienſt.. Im Schlußjahre des Jahrhunderts tritt noch das erſte ſeiner elaſſiſchen Werke, und wohl das größte von allen, der Wallenſtein, her⸗ cbr. por. Von da an liſt jedes ſeiner Lebensjahre durch ein neues Meiſterwerk bezeichnet: bis eſänlihkeiten zum Jahre. 1804 erſcheinen Maria Stuart, die Jungſrau von Hrluans, die Braut dunſt und die von Meſſina und Wilhelm Tell. Daneben ſcärſt der alte heilige Ingrimm und der ver⸗ ung der nah naichtende Spott gegen alles Gemeine und Mittelmäßige und Unwahe die Pfeile ſeiner Kenien, wetteifert er mit Göthe in ſeinen herrlichen Balladen, ſaßt er in dem perklärenden Spiegel der Poeſie das ganze menſchliche Leben zu jenen unyergleichlichen Geſängen, zuſammen, wie der Spazier⸗ gang, wie das Lied von der Glocke. Er ſteht auf der Höhe ſeiner Kunſt und ſeines Ruh⸗ mes, und was mehr ſagen will rder ſelbſt ſteht da, nach den vorausgegangenen Kämpfen in ſeinem ganzen Weſen gehoben und verklärt, gereinigt von den Schlacken, welche in früheren Jahren das reine Gold ſeines Weſens und Strebens umhüllten. Da etrifft ihn, wie einen Helden mitten im d geſchrieben r erſchien in jett einen ſo ir ſtark genug das fünf und enh dend glänzendſten Siegeslauf, der Pfeil des Todes. Sein Gebet, daß ihn Gott vor einem langſamen 1 65 ſtian Sinſterben bewahren möge, iſt ihm erhört worden; ſaſt bis zum letzten Athemzuge arbeitete ſein df bi ſenmſ mächtiger Geiſt.— Wo iſt der Chriſt, der ſich ſo rein dünkt, daß er den erſten Stein gegen, m Virgil zur ihn aufheben darf?— 1 1 2 zum Gelets⸗ Schiller ſtarb am 9. Mai 1805, in einer gar traurigen Zeit für unſer deutſches Vaterland. Jahres 1mt Ungefähr ein halbes Jahr vorher war an jenem ſo verhängnißvoll gewordenen 2. December der Aaſtatt jenet erſte Napoleon von dem Papſte als Kaiſer geſalbt worden; ein halbes Jahr nachher wurde genau an rüße ſeinas demſelben Tage Oeſterreich bei Auſterlitz niedergeworfen. Wieder nicht ein volles Jahr ſpäter traf bei Vomnifliche Jena und Auerſtädt Preußen die Reihe. Es begann für Deutſchland die Zeit der Schmach und der daß es dem tiefſten Erniedrigung. Aber, wie es ſcheint, hat unſer Volk mit ſeinem Lieblingsdichter das gemein, Göthe, dn daß es gedrückt und bedrängt werden muß, damit ſeine Kraft geweckt und im Widerſtand⸗ geübt—— e, ſpäter das werde: es beſann ſich in der Stunde der Noth auf ſein beſſeres Selbſt und ſammelts ſeine Kraft, s geniet ihn, und der Geiſt ſeines Dichters wurde nach deſſen Tode erſt recht lebendig. Merkwürdigerweiſe hatte in großen An⸗ Schiller im Leben den paterländiſchen Angelegenheiten äußerſt wenig Theilnahme gezeigt, ja er rechter Nenſch, ſtellte ausdrücklich das nationale Intereſſe dem kosmopolitiſchen nach: das öffentliche Leben des verührte nichs Vaterlandes war eben von der Art, daß es einen Dichter am wenigſten zur Theilnahme einlud. npaar Hand in Aber auch hier hatte ihn der vorahnende Sinn und der prophetiſche Blick des Genius nicht ver⸗ n dem dihtet laſſen: er hatte in der Zeit ſeines Lebens die geiſtigen Waffen zugerüſtet, deren ſein Volk nach zeobachung fün ſeinem Tode bedurfte. Die Stimmung ſeines Wallenſtein, ſeiner Jungfrau, ſeines Tell iſt geho⸗ ſinen, wie im ben durch die Begeiſterung für deutſches Weſen, für Vaterland, für Unabhängigkeit und Freiheit, ſchärt ſeinm durch die Gedanken, welche nachher das deutſche Volk begeiſterten. Vor Allem aber hatte er bſt aber vereint ihm wieder in's Herz geſungen den Glauben an das Weltgericht, welches in der Weltgeſchichte inan⸗ —⸗-—-—“ ee ach wolhwe ten; den Eoige un viderſtct welche Na fün welche Kraft des gieng ſm Einigkeit mit einen jange Br en Sthl ſeinem G. für ſie gn nicht da wann das nicht an⸗ nachjagtge Die gen Zeit⸗ ſe weite und innen Todten, und ſeinen Schule di gend mam ſund, die jezt at und feſte uns derb Bundesge wäre dan ſich mothwendig vollziehen muß zudas unerſchütterliche Vertrauen auf den endlichen Sieg des Rech⸗ ten; den Glauben⸗ daß der Geiſt es iſt, der lebendig macht, und daß der Kraft eines auf das Wöttl: he gerichteten ernſten mäunlichen Willens keine irdiſche Macht auf die Dauer zu 2 Ewige und widerſtehtn vemag. Auch Schiller w ar einer von jenen gefährlichen deutſchen Ibeplogen, gegen welche Napoteun ehhen kulkinetmäßſgen Widerwillen hatte; aus gutem Grunde, venn die Idee, für welche ſie ſtritke war de Stärkere, der über ihn tommen, und mit. der unwiderſtehlichen Kraft des Ge ſeine, auf 335 iſch gehaute Macht in Trümmer ſchlagen ſollte. Damals gieng in höherem Sinne in Grfüllung das eauhetiſche Geſicht des alten Attinghauſen von der Einigkeit des deutſchen Volkes und von⸗ den flammenden Hochwachten auf den Bergen, die wie mit einem Heiligenſchein ganz Deuiſchland⸗ umgaben.„Unter den Erſten und Edelſten, welche die junge Bruſt dem FFeinde en. Segemwaben, um der hen eine Gaſſe zu machen, war der Sohn von Schillens Freund, Theodor. Körner, in deſſen begeiſterten Liedern unſer Dichter Geiſt von ſeinem Geiſt erkaunz haben würde.n Hatte er doch ſelslt in ſeinem Reiterlied den Grundton für ſie angegeben, ug ihren, Grundtert⸗ in den Schlußwoneß disſes Liedes: und fetzet ihr nicht das ehem ein nie würd euch das Leben gewonnen ſetne Man ge⸗ wann das Leben und Freihelt und Vaterland, weil man pas Keben einſetzten weit man die Hand nicht an den Pflug La und Sihcha, ſeman dem enen vazgeſfcen Sul aſ hislos nachjagte. 3 9 5 Die Aehnlichkeit Sancer Perhälaniſe der Gegelwar mit det eben angedentegen der damgli⸗ gen Zeit liegt ſo nahe, daß es ehen ſo unmäüglich iſt, die Analogie zuxügzupeiſen, als unnöthig, ſie weiter auszuführen. Mögen nur uns die Ereigniſſe in jedem Falle gerüſtet ſinden, außzerlich und innerlicht! Mögen daxum dieſe ſchönen Feſte nicht bloß Erinnerungsfeſte ſeyn an einen großen Todten, ſondern zum Geburtsfeſte ſeines Geiſtes in unſerem Volke werden, ſeines hohen Sinnes und ſeiner ſittlichen Kraft le Mögen Väter und Mütter und die Lehrer des Volkes in Haus und Schule dieſe⸗ Geſtunung pflegen in dem eranwachſ ſenden Geſchtechte, und moͤge die feuxige Ju⸗ gend, mögen vor Allem die Jünger der Wiſſenſchaft, die zur Ritterſchaft des Geiſtes berufen ſind, die heilige Flamme rein und treu bewahren! Möge das Geſühl nationaler Einheit, welches jetzt i. der Schillerfeier uns Alle durchdringt⸗ nie wieder verlyren⸗ gehen, ſondern immer feſter und feſter Ale peutſchen Stämme, alle deutſchen Herzen perbinden! Dann wird auch Der mit uns verbunden. Eyn, den in jener großen Zeit ein vaterländiſchen. Dichter als den erſten unſerer Bundesgenoſſen prießes. Per Herr der Hennſchäaren wird mit t ſeinam Velie ſeun Und wer wäre hanſ wider Aue — A Ss Soo( fFeſtrede zur ́—◻ 488 M DS⸗, Coſoùur& Grey Sontrol Cfiart 33es ſtes Blue Cyan Green vellow- Hed Magenta Black White Grey 1 Grey 2 Grey 3S Grey 4 im Namen der Ludwigs⸗nUniverſität gehalten b von Dr. Guſtan Baur, C REESS; UIST. DTMDK Gießen 1859. Druck der G. D. Brühl'ſchen Univerſitäts⸗Buchdruckerei und lith. Anſtalt.