ſ. Sr. Re Ueber die Bemerkungen in Bezug auf orientaliſche Sprachen. —. Semitiſche Sprachen und Literatur. Vor der Einführung des neuen Studienplanes für die Groß⸗ herzoglich Heſſiſche Landesuniverſität zu Gießen wurden von allen Candidaten des Gymnaſiallehramtes auch Kenntniſſe in der hebräi⸗ ſchen Sprache gefordert und die mündliche Prüfung dehnte ſich auch über dieſen Zweig des Wiſſens aus. Der Zweck dieſer Vor⸗ ſchrift, die ebenfalls in andern Staaten, wie Preußen, Sachſen, Hannover u. ſ. w., beſteht, konnte nur der ſeyn, den künftigen Gymnaſiallehrer zum hebräiſchen Unterricht in den oberen Klaſſen der Gymnaſien zu befähigen, damit die Abiturienten ſchon gleich im erſten Semeſter Exegeſe des Alten Teſtaments hören können; denn als Sprache ſteht das Hebräiſche mit dem Griechiſchen und Lateiniſchen in keiner Verwandtſchaft, gehört vielmehr zu einem ganz anderen Sprachſtamme, dem ſemitiſchen nämlich, der von dem indogermaniſchen, welchem die ſogenannten claſſiſchen und ger⸗ maniſchen Sprachen angehören, ſeinem Baue und ſeiner Ent⸗ wickelung nach ganz verſchieden iſt. Die Erfahrung hat aber gelehrt, daß die meiſten Philologen ſich nur dürftige Kenntniſſe in derſelben verſchafften, um der Forderung des Examens Genüge i zu können, theils aus wahrer Abneigung gegen die hebräiſche Sprache ſelbſt, theils aber auch, weil ſie glauben mochten, man leiſte — 23 wiſſe leicht Hebräiſch genug, um die Gymnaſiaſten darin unter⸗ richten zu können. Die natürliche Folge davon war, daß der eigentliche Zweck jener Vorſchrift großentheils nicht erreicht wurde, indem die Theologen bei ihrem Abgange von dem Gymnaſium entweder gar keine oder nur ſehr dürftige Kenntniſſe der hebräiſchen Sprache mitbringen. Dieſes hatte dann weiter zur Folge, daß diejenigen Abiturienten, welche eine oberflächliche Kenntniß der hebräiſchen Formenlehre ſich auf dem Gymnaſium erworben hat⸗ ten, einen weiteren akademiſchen Vortrag über hebräiſche Gram⸗ matik für überflüſſig hielten und ſo unfähig blieben, die Sprache des Alten Teſtaments gründlich zu verſtehen und die Exegeſe des⸗ ſelben mit Nutzen zu hören. Es lag deshalb im eigenen In⸗ tereſſe der Prüfungs⸗Commiſſion, bei der Abfaſſung des neuen Studienplanes gerade auf dieſen Zweig des Wiſſens ihr Augen⸗ merk zu richten und dem gerügten Mißſtande kräftig entgegen zu wirken. Das Geeignetſte war wohl, dafür zu ſorgen, daß künftig⸗ hin nur ſolchen Candidaten des Gymnaſiallehramtes der hebräiſche Unterricht auf Gymnaſien übertragen werde, welche die hebräiſche Sprache gründlich ſtudirt haben und eine geſchärfte ſchriftliche und mündliche Prüfung darin beſtehen können. Dieſer Zweck wird um ſo gewiſſer erreicht, wenn nur diejenigen dieſem Sprachſtudium ſich widmen, welche dazu Beruf haben, denn nur von ſolchen läßt ſich erwarten, daß ſie ſich eine gründliche Kenntniß der hebräiſchen Sprache erwerben werden. Es mußte deshalb im neuen Studienplan jedem frei geſtellt bleiben, Hebräiſch zu ſtudi⸗ ren, ſolchen aber, die das Hebräiſche künftig auf Gymnaſien lehren wollen, neben demſelben auch noch ein ſyriſcher und arabiſcher Curſus vorgeſchrieben werden. Die hebräiſche Sprache ſteht nämlich zu den beiden aramäiſchen Dialekten, dem Chaldäiſchen und Syriſchen und zu der arabiſchen Sprache in einem ſo nahen Verwandtſchaftsverhältniſſe, daß eine zur Erklärung der andern ſowohl in lexikaliſcher als grammatiſcher Hinſicht beiträgt und eine gründliche Kenntniß der hebräiſchen Sprache ſomit das Stu⸗ dium dieſer verſchwiſterten Sprachen bedingt. Von den aramäi⸗ ſchen Dialekten genügt es nur einen zu kennen, weil beide eigentlich 24 nur als verſchiedene Mundarten anzuſehen ſind, die ſich weniger im grammatiſchen Bau als in Ausſprache und Wortvorrath unterſcheiden. Die im Studienplan gewählte ſyriſche Sprache hat dabei noch den Vorzug, daß ihre Literatur viel mannigfaltiger iſt und allgemeineres Intereſſe darbietet, als die der Chaldäiſchen. Dieſer ganze ſprachliche Curſus iſt nun im Studienplane ſo ver⸗ theilt worden, daß im erſten Semeſter hebräiſche Grammatik, im zweiten Exegeſe des Alten Teſtaments, im vierten ſyriſche und arabiſche Grammatik und im fünften Exegeſe ſyriſcher und ara⸗ biſcher Schriftſteller gehört werden ſollen, wozu dann im ſechſten noch eine Vorleſung über orientaliſche Literaturgeſchichte kommt. Hören wir nun, was Hr. Geh. Rath Schleiermacher S. 52 dagegen einwendet:„Bei der beabſichtigten Ausſchließung der „Theologen von den Gymnaſiallehrerſtellen mußte der Studien⸗ „plan Vorkehrung für den auf den Gymnaſien zu ertheilenden „Unterricht in der hebräiſchen Sprache treffen.“— Theologen ſind auch nach dem neuen Studienplan keineswegs von den Gym⸗ naſiallehrerſtellen ausgeſchloſſen, wenn ſie den Nachweis ihrer be⸗ züglichen Befähigung zu geben vermögen, eine Bedingung, die die Staatsregierung zu fordern berechtigt iſt, da ſie auch an alle übrige Beamtungen dieſelbe Anforderung ſtellt*). Dazu kommt noch, daß man den Theologen als ſolchen keineswegs eine gründ⸗ liche Kenntniß der hebräiſchen Sprache zuſchreiben kann, indem die Erfahrung lehrt, daß gerade die wenigſten unter ihnen ſich einem gründlichen Studium dieſer Sprache widmen. Uebrigens war das Hebräiſche von jeher ein Gegenſtand der mündlichen Prüfung für die Candidaten des Gymnaſiallehramtes, wie oben bemerkt wurde, und der neue Studienplan hat weiter nichts ge⸗ than, als das Studium desſelben auch auf die verwandte ſyriſche und arabiſche Sprache ausgedehnt und es nur ſolchen vorgeſchrieben, die am Gymnaſium den hebräiſchen Unterricht übernehmen wollen. *) Siehe von Linde'’s Erwiederung auf die Bemerkungen des Hrn. Geh. Raths Dr. Schleiermacher über den Studienplan für die Großh. Heſſiſche Landesuniverſität S. 39. 25 „Es ſollen deßhalb, fährt der Hr. Verf. fort, diejenigen, „welche denſelben in der Zukunft zu übernehmen geneigt ſind, „neben dem übrigen philologiſchen Curſus einen beſondern machen, „der in hebräiſcher Grammatik im erſten Semeſter, in Eregeſe des „Alten Teſtaments im zweiten, in ſyriſcher und arabiſcher Gram⸗ „matik im vierten, in Exegeſe ſyriſcher und arabiſcher Schrift⸗ „ſteller im fünften und in orientaliſcher Literaturgeſchichte im ſechsten „Semeſter beſteht. Wir haben oben geſehen, daß die evangeliſchen „Theologen keines Univerſitätsunterrichts in der hebräiſchen Gram⸗ „matik bedürfen, die katholiſchen Theologen dagegen einen ein⸗ „jährigen Curſus in derſelben erhalten; die Fachlehrer an Gym⸗ „naſien bekommen einen Vortrag in einem Semeſter, wonach alſo „ein einjähriger und ein halbjähriger Vortrag über die hebräiſche „Grammatik Statt finden müſſen.“— Daß die evangeliſchen Theologen keines Univerſitätsunterrichts in der hebräiſchen Gram⸗ matik bedürfen, iſt im Studienplan nicht ausgeſprochen; es heißt darin nur, daß die hebräiſche Grammatik nicht zu den drei Vor⸗ leſungen gerechnet werden ſoll, welche der evangeliſche Theolog ſich aus dem Gebiete der Philoſophie im engeren Sinne, oder der Geſchichte, der ältern und neuern Sprachen, der Mathematik, Phyſik oder der Naturgeſchichte frei wählen darf. Auch ſagt der Studienplan der katholiſch⸗theologiſchen Fakultät nicht, daß der Theolog einen einjährigen Curſus in der hebräiſchen Gramma⸗ tik machen ſoll, denn die im erſten und zweiten Semeſter vorge⸗ ſchriebenen zwei Vorleſungen über hebräiſche Sprache faſſen Grammatik und Uebungen im Interpretiren in ſich, welche letztere namentlich zur gründlichen Erlernung einer Sprache gehören und ſich als halbjährige Vorleſung an die hebräiſche Grammatik an⸗ ſchließen ſollen. „Nach Verſchiedenheit der Confeſſion, heißt es dann S. 53, „werden die künftigen Fachlehrer im zweiten Semeſter irgend ein „exegetiſches Colleg bei einem der evangeliſch⸗ oder katholiſch⸗theo⸗ „logiſchen Profeſſoren hören.“— Unter der im zweiten Semeſter vorgeſchriebenen Exegeſe des Alten Teſtamentes kann nichts weniger als ein exegetiſches Colleg bei einem der evangeliſch⸗ oder katholiſch⸗ 26 theologiſchen Profeſſoren verſtanden werden, da in einem ſolchen das Alte Teſtament nicht ſowohl ſprachlich als theologiſch erklärt wird, der Philolog aber es weder mit der katholiſchen noch evan⸗ geliſchen Theologie zu thun hat, ſondern nur mit der hebräiſchen Sprache als ſolcher. Es iſt vielmehr hier unter Exegeſe des Alten Teſtaments nur ein ſprachliches, in den Bereich der philo⸗ ſophiſchen Fakultät gehöriges Colleg zu verſtehen, worin der künf⸗ tige Fachlehrer im Interpretiren des Alten Teſtaments geübt wird und ſeine im vorhergehenden Semeſter erworbenen Kenntniſſe der hebräiſchen Grammatik anzuwenden und zu erweitern Gelegen⸗ heit hat. „An jedem Gymnaſium im Großherzogthum, ſagt der Hr. „Verf. weiter, iſt eine Stelle mit einem der hebräiſchen Sprache „kundigen Lehrer zu beſetzen; ſind dieſe wenigen Stellen zufällig „alle mit jüngeren Lehrern beſetzt, ſo dauert es wahrſcheinlich „eine ziemliche Zeit, ehe eine ſolche Stelle wieder eröffnet wird „und bis dahin möchte wohl das in einem einzigen Eregeticum „mit dem vorausgegangenen Sprachunterricht Erlernte ſo ziemlich „verflogen ſeyn. Dann entſteht die Frage, wie viel von den ohne⸗ „hin überlaſteten Philologen ſich einem Studium, das ihnen keine „Ausſicht auf beſonderen Vortheil gewährt, unterziehen werden.“ — Im Studienplan iſt keineswegs ausgeſprochen, daß demjenigen Lehrer, welcher den hebräiſchen Unterricht am Gymnaſium erthei⸗ len ſoll, jeder andere Unterricht verwehrt werde; es ſoll vielmehr, uach der gewöhnlichen Praxis auf Gymnaſien, jeder Lehrer neben ſeinem ſpeciellen Fache auch noch andere nebenbei übernehmen, und unter ſolchen Umſtänden kann die Anſtellung eines hebräiſchen Fachlehrers auch dann Statt finden, wenn zufällig das Hebräiſche von einem andern Lehrer noch vorgetragen wird. Uebrigens muß ſich jeder Aspirant zum Staatsdienſte das Abwarten einer Anſtellung gefallen laſſen und die Erfahrung lehrt noch täglich, daß gerade diejenigen Staatsämter, welche am ſtärkſten beſetzt ſind, mithin wenig Ausſicht zu einer baldigen Anſtellung geben, die meiſten Aspiranten haben. Auch wird die Beſorgniß des Hrn. Verfaſſers, die in zwei Semeſtern erworbenen Kenntniſſe der 27 hebräiſchen Sprache möchten in einer ſolchen Wartezeit wieder verloren gehen, in nichts gemindert werden, wenn ſtatt eines Exegeticums deren vier oder fünf vorgeſchrieben wären. Will doch der Hr. Verf. ſelbſt, daß man nicht viele exegetiſche Vorleſungen beſuchen, ſondern dafür täglich ein Paar Stunden auf das Leſen in der Urſprache verwenden ſolle, und ſagt er nicht an derſelben Stelle S. 23 und 24, daß ein Jahr zur Ueberwindung der ſprachlichen Schwierigkeiten hinreiche. Auf die Möglichkeit, daß das Erlernte wieder vergeſſen wird, kann ſich kein Studienplan einlaſſen; er hat nur die Disciplinen, welche gehört werden müſſen, ſo wie ihre möglichſt zweckmäßige Aufeinanderfolge zu be⸗ ſtimmen. Wem die Wiſſenſchaft am Herzen liegt, der wird ſeine Kenntniſſe auch durch den Beſuch nicht vorgeſchriebener Vorleſungen und durch anhaltendes Privatſtudium zu bereichern ſuchen und ſelbſt nach vollendeter Studienzeit die Hände nicht müßig in den Schooß legen, ſondern dahin ſtreben, daß das einmal Erlernte in friſchem Gedächtniß bleibe und durch fortgeſetztes Studium zu immer größerer Klarheit gelange. Diejenigen hingegen, welche beim Studium weder Talent noch Fleiß und Eifer zeigen, kann weder der beſte und reichhaltigſte Studienplan, noch eine fortge⸗ ſetzte Ueberwachung bis zur einſtigen Anſtellung zu tüchtigen Lehrern machen. Ueber den neben dem Hebräiſchen noch vorgeſchriebenen ſyri⸗ ſchen und arabiſchen Curſus ſagt der Hr. Verf. S. 53 Folgen⸗ des:„Zur Vervollſtändigung ihrer Kenntniſſe erhalten ſie einen „Vortrag über ſyriſche und arabiſche Grammatik gerade in dem „Semeſter, in welchem ſie mit andern Disciplinen am meiſten in An⸗ „ſpruch genommen werden. Allerdings kann man die Anfangsgründe „des Syriſchen und Arabiſchen in einem halben Jahre vortragen; „der Zuhörer muß aber dann nothwendig im Stande ſeyn, dieſem „Lehrgegenſtande ſehr vielen Privatfleiß zu widmen; und ſoll auch „dieſes geſchehen können, ſo würden wir es doch für weit vor⸗ „theilhafter anſehen, wenn die beiden Sprachen nicht in demſelben „Semeſter vereinigt würden. In dem folgenden ſoll nun die „Eregeſe ſyriſcher und arabiſcher Schriftſteller wieder einen Vortrag 28 „bilden, neben welchem der Beſuch des Seminars und die Vor⸗ „leſungen über römiſche Alterthümer, Metrik, Ariſtophanes, römiſche „Dramatiker, Rechtsgeſchichte und Aeſthetik gelegt ſind. Zu den „mangelhaften Kenntniſſen im Hebräiſchen werden hiernach gleich „mangelhafte im Syriſchen und Arabiſchen kommen, die mit jenen „zugleich wieder vergeſſen werden, und das einfache Bedürfniß „hebräiſchen Sprachunterrichts an den Gymnaſien wird dadurch „ſchwerlich befriedigt werden können.“— Aus dieſen Worten geht nicht klar hervor, daß der Hr. Verf. der Anſicht iſt, ein ſyriſcher und arabiſcher Curſus ſey zur gründlichen Erlernung der hebräiſchen Sprache nöthig. Allein eine andere bei der Kritik des Studienplanes der evangeliſch⸗theologiſchen Fakultät S. 24 vorkommende Aeußerung über die Nothwendigkeit des Studiums der mit dem Hebräiſchen nahe verwandten ſyriſchen und arabiſchen Sprache als Hülfsmittel bei dem Studium des Alten Teſtaments läßt darüber gar keinen Zweifel. Wenn demnach der Hr. Verf. ebenfalls einen ſyriſchen und arabiſchen Curſus für nöthig hält, ſo bleibt uns nur noch auf die andern Einwendungen zu ant⸗ worten übrig. Der vorgeſchriebene Curſus der ſyriſchen und arabiſchen Sprache iſt im Studienplan nicht auf zwei, ſondern auf vier Vorträge beſchränkt, von denen je zwei in ein Semeſter fallen, nämlich ſyriſche und arabiſche Grammatik in das vierte, und Exegeſe ſyriſcher und arabiſcher Schriftſteller in das fünfte Semeſter*). Da der Studirende ſchon zwei Vorleſungen über hebräiſche Sprache im erſten und zweiten Semeſter gehört hat, und im dritten Semeſter zur Vervollſtändigung ſeiner hebräiſchen Kenntniſſe noch ein exegetiſches Colleg über das Alte Teſtament beſuchen kann, ſo wird es ihm nach einer ſolchen Vorbereitung gewiß nicht ſchwer fallen, im darauf folgenden vierten Semeſter *) Der Kürze wegen ſteht im Studienplane:... 6) Syriſche und ara⸗ biſche Grammatik, ſtatt 6) Spriſche Grammatik. 7) Arabiſche Gram⸗ matik; und weiter unten:... 8) Exegeſe ſpriſcher und arabiſcher Schriftſteller, ſtatt 8) Exegeſe ſpriſcher Schriftſteller. 9) Exegeſe arabiſcher Schriftſteller. 29 die Grammatik der mit dem Hebräiſchen ſo nahe verwandten ſyriſchen und arabiſchen Sprache mit Nutzen zu hören. Durch die im fünften Semeſter ſich anſchließenden Uebungen im Inter⸗ pretiren ſyriſcher und arabiſcher Schriftſteller wird er dann ſelbſt bei mäßigem Privatfleiß, wie meine nun ſchon ſeit zehn Jahren als Profeſſor der orientaliſchen Sprachen gemachte Erfahrung lehrt, diejenigen Kenntniſſe in der ſyriſchen und arabiſchen Sprache ſich verſchaffen können, welche zur gründlichen und klaren Einſicht in den grammatiſchen Bau der hebräiſchen Sprache erforderlich ſind. Dieß kann auch nur der Zweck eines hinzutretenden ſyri⸗ ſchen und arabiſchen Curſus ſeyn, nicht aber die Heranbildung zu einem vollkommenen Kenner dieſer beiden Sprachen. Ein Haupthinderniß bei dem Studium der mit dem Hebräiſchen ver⸗ wandten ſyriſchen und arabiſchen Sprache ſcheint aber dem Hrn. Verf. das gleichzeitige Zuſammentreffen desſelben mit den vielen andern philologiſchen Disciplinen zu ſeyn. Allein es verſteht ſich ja von ſelbſt, daß man an denjenigen, deſſen Hauptfach die hebräiſche Sprache iſt, nicht die Anforderungen ſtellen kann, die ein Philolog von Fach zu erfüllen hat, und dieſer Geſichtspunkt iſt bei der Prüfung der Gymnaſiallehramtscandidaten bisher auch immer im Auge behalten worden. Sanskrit⸗Grammatik und Exegeſe fällt für ihn ohnehin weg, und was die Vorträge über griechiſche und lateiniſche Schriftſteller betrifft, ſo ſagt ja der Studienplan ausdrücklich:„es kann nicht erwartet werden, daß über ſämmt⸗ liche genannte Schriftſteller Vorträge gehört werden; die wichti⸗ „geren werden in der Hauptabtheilung II namhaft gemacht und für „manche tritt das philologiſche Seminar ergänzend ein.“ Eben ſo iſt die im Studienplane angegebene Reihenfolge der Vorleſungen nicht zur bindenden Vorſchrift gemacht, wie es in dem Vor⸗ wort zu demſelben ausdrücklich heißt, ſondern nur als die in den meiſten Fällen zweckmäßige empfohlen worden, und es ſteht dem⸗ nach jedem frei, den ſyriſchen und arabiſchen Curſus in verſchie⸗ denen Semeſtern zu machen. Der neue Studienplan hat endlich zur Vervollſtändigung des hebräiſchen Curſus dem Fachlehrer noch einen Vortrag über orien⸗ 30 taliſche Literaturgeſchichte vorgeſchrieben.„Aber was ſoll nun „dieſer, ſagt der Hr. Verf. S. 54, ſo kümmerlich mit den ent⸗ „ſprechenden Sprachkenntniſſen ausgerüſtet, der ſich nur ein Paar „Abſchnitte in einer Chreſtomathie hat vorerklären laſſen, mit einer „orientaliſchen Literaturgeſchichte machen, mit der Kenntniß der „ſyriſchen Kirchenſchriftſteller und Geſchichtſchreiber, die faſt alle „nur handſchriftlich in wenigen großen Bibliotheken vorhanden „ſind, mit der Kenntniß der arabiſchen Schriftſteller, bei denen „großentheils der nämliche Fall Statt findet und die alle einer „Zeit angehören, mit der ſich der künftige Gymnaſiallehrer dem „Studienplan nach ſo gut wie nicht zu beſchäftigen hat.“— Auf dieſe Frage des Hrn. Verf. iſt ſehr leicht zu antworten. Wer eine todte oder lebende Sprache ſtudirt, fühlt ſicherlich auch das Bedürfniß, ſich mit den wiſſenſchaftlichen und künſtleriſchen Lei⸗ ſtungen des Volkes, dem die Sprache angehört, bekannt zu machen, mag die Literatur arm oder reich, gedruckt oder nur handſchriftlich vorhanden ſeyn, mag er die literariſchen Produkte benutzen und veröffentlichen wollen, oder ſich damit begnügen, nur mangelhafte Kenntniſſe in der bezüglichen Sprache erworben zu haben. Wie dem Philolog die Kenntniß der griechiſchen und römiſchen, ſo iſt dem künftigen hebräiſchen Lehrer die der orientaliſchen Literatur⸗ geſchichte unentbehrlich. Sprache und Literatur ſind ja ſo weſent⸗ lich miteinander verbunden, daß die Literatur die Sprache und dieſe wieder die Literatur bedingt. II. Sanskrit. „In den für den Gymnaſiallehrer beſtimmten Cyclus, ſagt „Herr Geh. Rath Schleiermacher S. 51, iſt auch durch den „Studienplan ein für ſie großentheils neuer Unterrichtsgegenſtand „eingeführt worden, der nämlich der Sanskrit⸗Grammatik und „Sanskrit⸗Exegeſe, die in das dritte und vierte Semeſter gelegt „ſind.“— Großentheils neu iſt dieſer Unterrichtsgegenſtand nur — — 31 inſofern, als er im neuen Studienplane zuerſt vorgeſchrieben wird, denn die Philologie Studirenden der Ludoviciana haben ſchon vor vielen Jahren, theils aus ganz freien Stücken, theils ange⸗ regt durch die Vorträge ihrer Lehrer, das Sanskrit nebenbei ſtu⸗ dirt und es auch darin, wie die mündliche Prüfung ergab, ſo weit gebracht, daß ſie im Ueberſetzen und Erklären eine ziemliche Fertigkeit beſaßen. Auch im Auslande ſtudiren faſt alle Philolo⸗ gen Sanskrit, wenn es ihnen gleich nicht vorgeſchrieben iſt, und wir haben gerade den Gymnaſiallehrern ſehr viele ſchätzbare ſprach⸗ vergleichende Unterſuchungen über die Lautlehre, das Declinations⸗ und Conjugationsſyſtem u. dgl. zu verdanken. Das Studium des Sanskrit iſt auch durchaus nicht ſo abſchreckend und ſo viele Zeit erfordernd als Herr Geh. Rath Schleiermacher es dar⸗ ſtellt, indem er ſagt:„Das Studium der Sanskrit⸗Grammatik „iſt zu Folge der bei uns üblichen, im Vergleich zu denen der „Indiſchen Grammatiker ſehr erleichterten Methoden in einem „weit kürzeren Zeitraum möglich geworden, als dieß für die ein⸗ „gebornen Hindus der Fall iſt, deren Sprachen unmittelbar von „dem Sanskrit abſtammen, wovon ſie den Wörterſchatz neben „mehr oder weniger fremden Beimiſchungen beibehalten haben, „ſo ungefähr wie das Italiäniſche und Spaniſche von dem La⸗ „teiniſchen. Demungeachtet werden bei den Hindus zwei bis „ſechs Jahre, und im Fall Panini's Grammatik ſtudirt wird, „ſogar zehn bis zwölf Jahre auf den grammatiſchen Curſus „des Sanskrit verwandt. So ſehr nun dieß bei uns vereinfacht „ſeyn mag, ſo muß ſich doch das Gedächtniß eine ſehr große „Maſſe von Formen, wobei eine Menge irregulärer ſind, einprä⸗ „gen, dann einige Wortkenntniß bei dem Ueberſetzen erwerben, „ſich einigermaßen in dasſelbe einüben, was einen immerhin „nicht ganz unbedeutenden Zeitaufwand erfordert.“— Die Sanskrit⸗Grammatik hat allerdings eine große Maſſe von Formen, wobei eine Menge irregulärer ſind, allein die re⸗ gulären Formen ſind, wenn man einmal mit den Wohl⸗ lautsregeln bekannt geworden iſt, gar nicht ſchwer zu bilden und prägen ſich dem Gedächtniß um ſo leichter ein, weil 32 eine jede grammatiſche Form genau analyſirt und auf ihre Grund⸗ beſtandtheile zurückgeführt werden kann. Dieß iſt der große Vorzug des wahrhaft bewunderungswürdig organiſchen Baues der Sanskritſprache. Die irregulären Formen aber, die jedoch ver⸗ hältnißmäßig nicht ſo ſehr bedeutend ſind, erſchweren das Stu⸗ dium des Sanskrit keineswegs, denn theils kommen dergleichen bei der gewöhnlichen Lectüre gerade nicht ſo viele vor, theils ſind die grammatiſchen und lexikaliſchen Hülfsmittel des Sanskrit von den Europäern ſo methodiſch und zweckmäßig bearbeitet worden, daß das Auffinden ſolcher Formen dem Anfänger nicht ſchwer werden kann. Hat doch auch die griechiſche Sprache eine große Menge irregulärer Formen, deren Erlernung nicht geringeren Schwierigkeiten unterliegt und dennoch wird dieſelbe ſogar auf Gymnaſien gelehrt. Wird das Sanskrit nach der richtigen Me⸗ thode vorgetragen, ſo iſt das Erlernen dieſer Sprache nicht ſo ſchwierig, als man wohl glauben möchte. Beim Elementarun⸗ terricht verdient die analytiſche Methode nicht allein den Vorzug, ſondern ſie iſt ſogar abſolut nothwendig. Zuerſt trage man dem Schüler die Prinzipien der Grammatik recht kurz aber klar und gründlich vor, gehe dann ſogleich zum Ueberſetzen leichter Stücke über und laſſe den Schüler ſelbſt ſich üben, den Text vermittelſt eines Wörterbuchs und der Grammatik, jedoch wo möglich ohne Beihülfe einer Ueberſetzung, Wort für Wort nach den Regeln der Flexion, Etymologie, Compoſition und Syntax zu erklären. Nach⸗ dem er ſo einige Bücher oder Abſchnitte aus denſelben, bei deren Wahl man vom Leichten zum Schwierigen übergehen muß, ge⸗ leſen hat, wird er im Stande ſeyn, ohne Hülfe eines Lehrers die Sanskrit⸗Werke zu ſtudiren und ſeine Kenntniſſe in dieſer Sprache zu vervollkommenen*). Nach dieſer Methode habe ich das Sans⸗ krit in Berlin und Bonn ſtudirt und nach derſelben Methode lehre ich daſſelbe nun ſchon ſeit zehn Jahren an hieſiger Uni⸗ verſität und zwar mit dem Erfolge, daß meine Schüler ſchon *) Siehe A. WV. de Schlegel Reéflexions sur l'étude des langues asia- liques. Bonn 1832. S. 159— 161. 33 zu Ende des erſten Semeſters Epiſoden aus dem Mahaàbharata überſetzen und erklären können. „Auf die Frage, ſagt der H. Verf. zuletzt, was der künftige „Gymnaſiallehrer mit dieſem Studium machen ſoll, wiſſen wir „freilich nichts zu antworten. Soll es ihn zu Sprachforſchungen „befähigen, ſo möchten die wenigſten ſo weit Beruf dazu fühlen, „um dem gegenüber, was hier ſchon geleiſtet iſt, noch etwas „Tüchtiges zu leiſten, keiner aber in ſeiner Stellung wahren „Vortheil davon ziehen können, indem es als ein Unglück ange⸗ „ſehen werden müßte, wenn Gymnaſiallehrer ihren Schülern „etwa die Ergebniſſe etymologiſcher Unterſuchungen vortrügen, da „ohnehin alle Lehrer gewöhnlich nur zu ſehr geneigt ſind, dem, „womit ſie ſich vorzugsweiſe beſchäftigen, in ihrem Unterricht eine „beſondere Rückſicht zu ſchenken. Für dieſen Unterricht iſt aber „das Sanskrit ſo unnöthig wie das Angelſächſiſche für den Leh⸗ „rer des Engliſchen; bei der Hinneigung eines Theiles unſerer „Philologen zu grammatiſchen Subtilitäten iſt es dagegen recht „gemacht, dieſem Hang eine neue Stütze zu geben, zumal der „ganze philologiſche Cyelus im Studienplan eine offenbar ſehr „beſchränkte Tendenz zeigt, wenn gleich der Beſuch von Vorle⸗ „ſungen über eine ziemliche Anzahl von anderartigen Gegenſtän⸗ „den verlangt wird.“— H. Geh. Rath Schleiermacher faßt hier ſo wie bei ſeiner ganzen Kritik des Studienplanes für Philo⸗ logen den Gymnaſiallehramtscandidaten offenbar in einer ſehr niedrigen Stellung auf, in der man von demſelben nur das ver⸗ langt, was er zur Erreichung unmittelbar praktiſcher Zwecke be darf, während die Gegenwart, wie in den übrigen Wiſſenſchaften, ſo auch in der Betreibung der Philologie auf Gymnaſien, den be ſchränkten Geſichtskreis der Vergangenheit immer mehr zu entfer nen ſucht und namentlich das Studium der Sprachen vom com⸗ parativen Standpunkt aus als unabweisbar erkannt hat. Die Univerſität, als höchſte Bildungsanſtalt, kann ſich doch keines wegs mit einer dem bloßen praktiſchen Bedürfniß entſprechenden Bildung begnügen; ſie hat einen viel höheren Zweck im Auge und muß vielmehr dahin ſtreben, ihrem Zögling eine möglichſt 2 34 vollkommene, den Anforderungen der Zeit entſprechende wiſſen⸗ ſchaftliche Bildung zu geben. Es hat aber gerade das Studium des Sanskrit in den letzten Jahrzehnden auf die Erklärung des grammatiſchen Baues der griechiſchen und lateiniſchen Sprache einen ſo bedeutenden Einfluß ausgeübt, daß ein jeder, der auf eine gründliche Kenntniß der ſogenannten altelaſſiſchen Sprachen Anſpruch machen will, gleichſam genöthigt wird, auch Sanskrit zu ſtudiren. Die Aehnlichkeit zwiſchen dem Sanskrit und dem Griechiſchen und Lateiniſchen liegt, wie Fr. Schlegel ſagt, nicht blos in einer großen Anzahl von Wurzeln, die ſie mit ihnen ge— mein hat, ſondern ſie erſtreckt ſich bis auf die innerſte Struktur und Grammatik. Nicht allein dieſe Aehnlichkeit haben ſowohl Orientaliſten, als altelaſſiſche Philologen, worunter namentlich mehrere Gymnaſiallehrer ſich befinden, in vielen ſprachvergleichen⸗ den Schriften nachgewieſen, ſondern ſie haben auch verſucht, den grammatiſchen Bau der griechiſchen und lateiniſchen Sprache durch gründliche ſprachvergleichende Unterſuchungen immer mehr aufzuhellen und das Studium deſſelben gleichſam ganz zu reor⸗ ganiſiren*). Kann wohl unter ſolchen Verhältniſſen das ſprach⸗ Dahin gehören: Fr. Schlegel über die Sprache und Weisheit der Indier; Bopp über das Conjugationsſyſtem der Sanskritſprache; Desſelben vergleichende Grammatik des Sanskrit, Zend, Griechi⸗ ſchen, Lateiniſchen, Litthauiſchen, Gothiſchen und Deutſchen; Jo⸗ hannſen die Lehre der lateiniſchen Wortbildung nach Analogie der vollkommneren Bildungsgeſetze des Sanskrit; Pott etymologiſche Forſchungen auf dem Gebiete der indo⸗germaniſchen Sprachen; Schmidtii commentatio de pronomine graeco et latino;* Hartung über die Bildung der Caſus, ihre Bildung und Bedeutung in der griechiſchen und lateiniſchen Sprache;*Wüllner die Bedeutung der ſprachlichen Caſus und Modi;*Ag. Benary die römiſche Laut⸗ lehre ſprachvergleichend dargeſtellt;*Reimnitz das Syſtem der grie⸗ chiſchen Declination;* Landvoigt Perſonenformen und Tempus⸗ formen der griechiſchen und lateiniſchen Sprache; Kuhn de conju- gatione in Mi, linguae sanscritae ratione habita;* Kühner aus⸗ führliche Grammatik der griechiſchen Sprache u. a.— Die hier mit einem“ bezeichneten Schriften ſind von Gymnaſiallehrern verfaßt. 35 vergleichende Studium des Sanskrit von ſolchen, die ſich der alt claſſiſchen Philologie widmen, vernachläſſigt werden? Muß nicht vielmehr diejenige Behörde, welche die wiſſenſchaftliche Bildung der Philologen leitet und überwacht, die Aufmerkſamkeit ihrer Zöglinge nach dem Studium der verwandten Sprachen hinlenken, worin nach dem einſtimmigen Zeugniſſe der Bopp, Grimm, Schlegel, Humboldt und aller des Sanskrit Kundigen die griechiſche und lateiniſche Grammatik und ſomit auch die alt claſſiſche Philologie ihre letzte Begründung finden? Man wende hier nicht mit dem H. Verf. ein, daß wohl die wenigſten zu Sprachforſchungen ſo weit Beruf fühlen möchten, um dem gegen über, was hier ſchon geleiſtet iſt, noch etwas Tüchtiges zu leiſten; denn wenn auch unter ſehr vielen nur wenige, wie dieß gewöhn lich der Fall iſt, ſich auszeichnen, ſo ſind doch Alle in den Stand geſetzt, dem Gange der Sprachforſchungen zu folgen und ſo we nigſtens mit der Zeit fortſchreiten zu können. Auch fürchte man nicht mit dem H. Verf., die des Sanskrit kundigen Gymnaſial lehrer möchten die Ergebniſſe etymologiſcher Unterſuchungen ihren Schülern vortragen und ſo den Zweck des Gymnaſialunterrichts verfehlen; denn die Zweige des philologiſchen Wiſſens ſind gar mannigfaltig und können ihre Beſtimmung und Abgrenzung kei neswegs durch den Gymnaſialunterricht ſondern durch die Wiſ ſenſchaft ſelbſt erhalten. Wollte man alles das, was der künf tige Gymnaſiallehrer bei ſeinem Unterricht, entweder nicht ge brauchen oder falſch anwenden könnte, aus dem Gebiete der Phi lologie herausnehmen, ſo würde dadurch der Philologie alle wiſ⸗ ſenſchaftliche Begründung genommen werden. Hat der Philolog eine gründliche wiſſenſchaftliche Bildung erhalten, ſo iſt auch nur ein tüchtiger Unterricht von ihm zu erwarten; während hingegen eine oberflächliche und beſchränkte Bildung zur Folge hat, daß der Lehrer, indem er ſich den Schein eines wiſſenſchaftlich Gebil deten geben will, allerlei Fremdartiges, das er nicht zu faſſen und zu würdigen vermag, in ſeinen Unterricht hinüberzieht. Sehr richtig und wahr bemerkt Herr Geh. Staatsrath von Linde in ſeiner Erwiederung S. 42:„Nur wer ſeiner Wiſſenſchaft in 36 „jeder Hinſicht Meiſter iſt und in ihr über der bloßen Schüler⸗ „ſphäre ſteht, kann wahren Beruf haben, in ihr belehrend auf⸗ „zutreten und die Bürgſchaft geben, daß ſeine Bemühungen nicht „hinter den weſentlichen Erwartungen zurückbleiben werden.“ Dr. J. A. Vullers. Colour& Grey Control Chart Blue Cyan Green vellow Hed Magenta Wnite Grey 1 Grey 2 Grey— Grey 4 Black matik für überflüſſig hielten und ſo unfahig blieben, die Sprache des Alten Teſtaments gründlich zu verſtehen und die Exegeſe des⸗ ſelben mit Nutzen zu hören. Es lag deshalb im eigenen In⸗ tereſſe der Prüfungs⸗Commiſſion, bei der Abfaſſung des neuen Studienplanes gerade auf dieſen Zweig des Wiſſens ihr Augen⸗ merk zu richten und dem gerügten Mißſtande kräftig entgegen zu wirken. Das Geeignetſte war wohl, dafür zu ſorgen, daß künftig⸗ hin nur ſolchen Candidaten des Gymnaſiallehramtes der hebräiſche Unterricht auf Gymnaſien übertragen werde, welche die hebräiſche Sprache gründlich ſtudirt haben und eine geſchärfte ſchriftliche und mündliche Prüfung darin beſtehen können. Dieſer Zweck wird r oionaon dieſem Sracuitudium 6 8 6 9 Curſus vorgeſchrieben werden. Die hebräiſche Sprache ſteht nämlich zu den beiden aramäiſchen Dialekten, dem Chaldäiſchen und Syriſchen und zu der arabiſchen Sprache in einem ſo nahen Verwandtſchaftsverhältniſſe, daß eine zur Erklärung der andern ſowohl in lexikaliſcher als grammatiſcher Hinſicht beiträgt und eine gründliche Kenntniß der hebräiſchen Sprache ſomit das Stu⸗ dium dieſer verſchwiſterten Sprachen bedingt. Von den aramãi⸗ ſchen Dialekten genügt es nur einen zu kennen, weil beide eigentlich 583G