1, 7 6 9 ch 7 Aus dem Archiv der Univerſität Gießen. Aus dem Archiv der Aniverſität Gießen. J. Zur Geſchichte der alten Marburg⸗Gießener Aniverſitäts⸗Stipendien. Von Oberbibliothekar Dr. H. Haupt. Noch vor der definitiven Gründung der Univerſität Marburg hatte Landgraf Philipp der Großmüthige in der Homberger Kirchen⸗ ordnung vom 20. October 1526 den Gedanken ausgeſprochen, für die Unterſtützung dürftiger Studirenden an der künftigen Hochſchule ſeines Landes Veranſtaltungen zu treffen. ¹) Der Plan wurde durch den Freiheitsbrief des Landgrafen vom 31. Auguſt 1529 verwirk⸗ licht, in welchem der Landgraf erklärt, daß er etliche Studenten in Marburg unterhalten und dieſelben mit jährlichen Stipendien ad studia ziehen und kaufen laſſen wolle, um ſo zum Beſten des Landes gelehrte, geſchickte und gottesfürchtige Leute, Prediger und Amtleute zu pflanzen und aufzuziehen.²) Die Mittel für die Be⸗ gründung der Stipendiatenanſtalt, über deren Einrichtung jener Freiheitsbrief eingehende Beſtimmungen trifft, hatten die in den Dörfern, Flecken und Städten der Landgrafſchaft vorhandenen kirch⸗ lichen Lehen, Altarſtiftungen und ſonſtigen geiſtlichen Beneficien von größerer Bedeutung, welche die Durchführung der Reformation ver⸗ fügbar gemacht hatte, zu liefern. Dieſe Beiträge bereit zu ſtellen, ¹) Schmincke, Monim. Hass., II, 588 ff., darnach Br. Hildebrand, Ur⸗ kundenſammlung über die Verfaſſung und Verwaltung der Univerſität Marburg unter Philipp dem Großmühtigen(1848), S. 2. Ueber das Stipendienweſen an den Univerſitäten Marburg und Gießen überhaupt vgl. Ch. Fr. Ayrmann, De rei stipendiariae in Giessensi academia ortu... et statu praesenti. Programma. Giessae. 1745; Mich. Conrad Curtius, Geſchichte des Stipendiatenweſens zu Marburg. Programm. Marburg 1781; Carl Wilh. Robert, Nachricht von dem Unterricht, den die auf der hieſigen Univerſität ſtudirenden Theologen und beſonders die Stipendiaten empfangen. Marburg. 1772. M. Baumgart, Die Stipendien und Stiftungen an allen Univerſitäten des deutſchen Reichs(1885) S. 326 ff. Ein Verzeichniß der bis auf die jüngſte Zeit gegründeten Gießener Stipendienſtift⸗ ungen enthält das Heſſiſche Kirchenblatt Jahrg. II.(1892) Nr. 25 S. 223 f. ²) Hildebrand a. a. O. S. 12 f. Mittheilungen des Oberheſſiſchen Geſchichtsvereins IV. 114 Aus dem Archiv hatte der Landgraf in einem am 11. März 1529 erlaſſenen Aus⸗ ſchreiben die in Frage kommenden Dörfer, Flecken und Städte auf⸗ gefordert¹); es wird hier zugleich der weitere gemeinnützige Zweck der Stiftung betont, durch ſie zu ermöglichen, daß„der gemeine Mann ſeine Kinder deſto getroſter zum Studium halten möge“. Die Adreſſaten erhalten den Auftrag, auf die Beneficien und geiſt— lichen Lehen, die bei ihnen erledigt ſind, aus ihren Bürgerskindern je zwei geeignete Studenten dem Rektor zu Marburg zu präſen— tiren; werden ſie zugelaſſen, ſo ſollen die beiden Stipendiaten jähr— lich mit zuſammen 30 Gulden aus dem Ertrage jener Lehen unter— halten werden. Ueber den unmittelbaren Erfolg dieſes Ausſchreibens ſind wir nicht unterrichtet; wir wiſſen nur, daß 1533 im Minoritenkloſter fünf Stuben für die Stipendiaten zurechtgemacht wurden und daß die Geſammtzahl der Marburger Stipendiaten, die durch eine Ver— ordnung vom 7. Juni 1537 auf das Studium der Theologie be— ſchränkt worden waren, im Jahre 1539 auf 137 geſtiegen war. ²) Im gleichen Jahre erließ Landgraf Philipp eine neue Stipendien⸗ Ordnung(18. Mai 1539), welche den für jeden Stipendiaten auf— zubringenden Beitrag auf 20 Gulden feſtſetzte und unter Anderem beſtimmte, daß jene Zahl von 137 Stipendiaten künftig nicht über— ſchritten werden dürfe; ergänzende Beſtimmungen, namentlich rück— ſichtlich der Auswahl der Stipendiaten, wurden durch eine Verord— nung des Landgrafen vom 19. Februar 1542 getroffen. ³) Eine neue ausführliche Studienordnung für die Stipendiaten, bei deren Ausarbeitung auch Philipp Melanchthon beigezogen worden war und deren Beſtimmungen uns in dem Stipendiaten-Convict den eigentlichen Pflanzgarten für die heſſiſche Geiſtlichkeit erkennen laſſen, wurde am 20. Mai 1546 veröffentlicht, ohne daß jedoch dieſelbe an der Beitragspflicht der einzelnen Ortſchaften Weſentliches geändert hätte. ¹) Und doch war es mit der Einlieferung der einzelnen Be⸗ träge in dieſer Zeit herzlich ſchlecht beſtellt: wir erfahren aus einem landgräflichen Ausſchreiben vom 14. März 1545, daß verſchiedene ¹) J. G. Eſtor, Marburgiſche Beyträge zur Gelehrſamkeit I(1749) S. 192 ff Sammlung heſſ. Landesordnungen I, 56. ²) Curtius a. a. O. S. 4. Eſtor S. 414. Hildebrand S. 28 ff. 30 ff. 3) Hildebrand S. 30 ff. 39 ff. 4) Ebenda S. 42 ff. der Univerſität Gießen. 115 beitragspflichtige Orte weder Stipendiaten noch Gelder nach Mar— burg geſchickt, Andere ihre Beiträge nur langſam geſandt, Andere dieſelben„den Kindern zu ihren Handen geſtellt, welche alsdann die chriſtliche Handreichung in üppige Kleidung, an Wein oder andere Mißbräuche wenden und übel anlegen“. Der Landgraf er— hebt unwillige Klage darüber, daß„zu einem ſolchen gottſeligen Werk ſo ſchimpflich und gar mit keinem Eifer noch Ernſt gethan werden will“ und daß eine Anzahl Stipendiaten dem Propſte ſogar das gering bemeſſene Koſtgeld von 15 Gulden ſchuldig geblieben ſei.—) Die unmittelbar folgenden Wirren des ſchmalkaldiſchen Krieges und die mehrjährige Gefangenſchaft des Landgrafen waren nicht dazu angethan, in den eingeriſſenen Mißſtänden Wandel zu ſchaffen, wenn auch die landgräflichen Statthalter in einer Verordnung vom 12. Juli 1551 die Einhaltung der Beſtimmungen der Stipendiaten⸗ Ordnung eingeſchärft hatten.2) So zog denn Landgraf Philipp gelegentlich ſeines Aufenthaltes in Marburg im Jahre 1557 eine gründliche Neuordnung des Stipendiatenweſens in Erwägung. Damit die einzelnen Beiträge„wieder ganghaftig gemacht und in eine beſtändige Richtigkeit gebracht würden“ und damit man wiſſe, „wie viel man von einem jeden Ort her, ohne allen Abgang oder Verweigerung zu gewarten habe“, wurden mit allen beitragspflich— tigen Ortſchaften und ſonſtigen Inhabern geiſtlicher Lehen im Laufe der nächſten Jahre Verhandlungen gepflogen, deren Ergebniß war, daß dieſelben zur künftigen regelmäßigen Zahlung feſt beſtimmter Beiträge ſich urkundlich verpflichteten. Ein Exemplar dieſer zu Ende 1559 und zu Anfang 1560 ausgeſtellten Verſchreibungen wurden dem landgräflichen Archive, Duplicate der Univerſität Mar⸗ burg übergeben. Nachdem ſo die finanzielle Grundlage der Sti⸗ pendiaten⸗Anſtalt geſichert war, erließ der Landgraf am 15. Februar 1560 für dieſelbe eine neue Verwaltungs⸗ und Studien⸗Ordnung. Deren hauptſächlichſte Neuerung war die Scheidung der Stipen⸗ diaten in 50 Minores und 10 Maiores, von denen die Erſteren ihre Tauglichkeit für die Aufnahme wenigſtens in die erſte Claſſe des Pädagogiums nachzuweiſen hatten und alsdann durchſchnitt— lich ſieben Jahre lang ein Stipendium von 20 Gulden bezogen, ¹) Hildebrand S. 31 ſ. Sammlung fürſtl. heſſ. Landesordn. I, 143 f. ²) Sammlung S. 153 f. 8* 116 Aus dem Archiv während die Maiores aus den durch ihre Lebensführung und ihre Kenntniſſe ſich hervorthuenden Magiſtern der Theologie zu wählen waren und fünf Jahre lang im Genuſſe eines Stipendiums von 40 Gulden ſein ſollten; für beſonders würdige und auf fremde Univerſitäten verſchickte Stipendiaten ſtanden außerdem noch kleine Zuſchüſſe zur Verfügung. Für je einen Juriſten und Medieiner waren endlich Stipendien von jährlich 100 Gulden in Ausſicht ge⸗ nommen, weil„dieſe beiden Studia juris und medicinae in frem— den Nationen, als in Frankreich und Italien, am beſten ſeien“. ¹) Auf die nach mancher Richtung recht intereſſante Marburger Stipendiaten-Ordnung von 1560 näher einzugehen, müſſen wir uns hier verſagen, wie wir auch die Entwicklung des Marburg— Gießener Stipendienweſens in der Folgezeit hier nur in aller Kürze berühren. Die Stiftung des Pädagogiums und der Univerſität zu Gießen in den Jahren 1605 und 1607 hatte zur Folge, daß die von den heſſen-darmſtädtiſchen Orten bisher in den Marburger Stipendiaten⸗Kaſten gezahlten Beträge fortan der Gießener Univer⸗ ſität zufloſſen; außerdem wußte der Stifter der Gießener Univer⸗ ſität, Landgraf Ludwig V., wie unſere Quellen erkennen laſſen, eine Anzahl ſeiner Flecken und Städte zur Stiftung neuer Beiträge zu beſtimmen.²) Nachdem Marburg 1623 in den Beſitz von Heſſen⸗ Darmſtadt gekommen und die Gießener Univerſität 1625 nach Mar⸗ burg verlegt worden war, wurden auch die heſſen⸗darmſtädtiſchen Stipendien-Stiftungen wieder auf die Univerſität Marburg über⸗ tragen, während die Beiträge der niederheſſiſchen Orte in dieſer Zeit der kurzlebigen heſſen-kaſſeliſchen Univerſität Kaſſel(1633—1648) zugute kamen. Landgraf Georg II. von Heſſen⸗Darmſtadt war in dieſer Zeit mit Erfolg bemüht, bei einzelnen Kirchenverwaltun⸗ gen die Erhöhung ihrer ſtiftungsmäßigen Beiträge durchzuſetzen. ꝛ) Der Rückfall Marburgs an Heſſen-Kaſſel, die Zurückverlegung der heſſen⸗darmſtädtiſchen Univerſität-nach Gießen(1650) und der heſſen⸗ kaſſeliſchen Univerſität nach Marburg(1652) hatte alsdann eine ¹) Hildebrand S. 63 ff. Sammlung I, 179 ff. ²) Vgl. die im Folgenden mitgetheilten Regeſten Nr. 21— 24. Vgl. die Beſtimmungen der Verträge vom 24. September und 14. Decem⸗ ber 1627, abgedruckt in„Standhafte Wiederlegung der Geſchichts⸗Erzehlung in anmaslichen Sachen der Univerſität Marburg“. 1727. Beilagen S. 10 ff. Vgl. unſere Regeſten Nr. 21—24. 3 der Univerſität Gießen. 117 abermalige Vertheilung der Stipendien-Stiftungen zur Folge, für welche die territoriale Zugehörigkeit der beitragspflichtigen Orte maßgebend war ¹); bei dieſer Gelegenheit ſind wohl auch die Ur— kunden über die bis 1650 geſtifteten Stipendien zwiſchen den beiden Univerſitäten Marburg und Gießen entſprechend vertheilt worden. Im Anhang theile ich den allerdings lückenhaften Beſtand der im Beſitze der Univerſität Gießen befindlichen Urkunden, welche die älteren, vorſtehend beſprochenen, Stipendien der Univerſität be⸗ trefften— des Zuſammenhangs wegen iſt noch eine Stiftungs— urkunde des Jahres 1725 beigefügt— in Regeſtenform mit. ²) Die Verſchreibungen bieten um deswillen ein beſonderes Intereſſe, weil dieſelben die rechtliche Grundlage einer Anzahl von ſogenann— ten Tiſchſtipendien unſerer Univerſität und der noch bis heute von einzelnen heſſiſchen Orten zu der Stipendiaten-Kaſſe geleiſteten Bei— träge bilden. Eine wunderliche Erſcheinung iſt es allerdings, daß der Satz von 20— 30 Gulden, der 1559 als hinreichend für den jährlichen Unterhalt eines Studenten galt, im Laufe von 3 ½ Jahr⸗ hunderten auf der gleichen Höhe ſtehen blieb, ſo daß noch heute eine Reihe von zum Theil recht bedeutenden Städten des Landes ſich mit der Univerſität für die Präſentation ihrer Stipendiaten durch die Einzahlung von— genau 34 Mk. 29 Pf., bezw. 51 Mk. 43 Pf., abfindet. Einzelne Beiträge ſcheinen im Laufe der Jahre erheblich reducirt, die Abführung anderer ganz ins Stocken gekommen zu ſein. K²) Bezüglich der Ausführung jener älteren Stiftungen beſteht daher im Ganzen das ſcharfe Urtheil des großen Landgrafen noch heute zu Recht,„daß zu ſolchem Werke gar mit keinem Eifer noch Ernſt gethan werden wolle“. Um ſo weniger darf allerdings einer Reihe von zum Theil glänzenden Stipendien-Stiftungen, die in neuerer Zeit für unſere Hochſchule begründet wurden, in dieſem Zuſam— menhang vergeſſen werden. ¹) Vertrag vom 19. Februar 1650(am eben angef. Ort, Beilagen S. 24 ff.). ²) Erſtmals hat auf dieſelben O. Buchner im 4. Jahresbericht unſeres Ver⸗ eins S. 63 ſſ. aufmerkſam gemacht und ihren Inhalt in Kürze mitgetheilt. ²) Vgl. die folgenden Anmerkungen. Aus dem Archiv Anhang.) 1. 1559, den 1. Tag Wolffmonats ²). Irſtatt. Pfarrer, Bür⸗ germeiſter und Kaſtenmeiſter zu Ixſtadt[Igſtadt bei Hoch⸗ heim a. Main] erklären auf Begehren des Landgrafen Philipp von Heſſen, der eine Reformation und Ordnung der geiſt⸗ lichen[Lehen] oder Stipendien zur Unterhaltung und Auf⸗ erziehung gelehrter Leute in allen Fakultäten, ſonderlich aber in der Theologie, ins Werk zu richten bedacht iſt und mit den Ausſtellern deßhalb hat handeln laſſen, daß ſie aus dem Kaſten ihres Heimathsorts künftig jährlich die Summe von 20 Gulden in 2 jährlichen Zielen den Einnehmern zu Mar⸗ burg entrichten wollen. Der Keller Johann Bleychenbach zu Epſtein ſiegelt. ¹) Es iſt ſchon oben bemerkt worden, daß der Beſtand der Urkunden über die 1650 der Univerſität Gießen zugefallenen Marburg⸗Gießener Stipendien nicht vollſtändig iſt. Anderſeits beſinden ſich unter unſeren Urkunden 3 Stücke(Nr. 16, 19, 20 a), welche wohl nur aus Verſehen der Gießener Univerſität zugewieſen wurden, da die bezüglichen Stipendien aller Wahrſcheinlichkeit nach ſchon 1650 in den Beſitz der Marburger Univerſität übergingen. Die laut Nr. 1, 9 und 25 unſerer Regeſten geſtifteten Stipendien ſind, infolge des Uebergangs der betreffenden Ortſchaften an Naſſau, der Univerſität verloren gegangen. Zur Ergänzung fügen wir aus der von Ayrmann(a. a. O. S. 7) mitgetheilten Liſte der 1559/60 ge⸗ ſtifteten Stipendien die ſämmtlichen in unſerer Urkundenſammlung fehlenden Ort⸗ ſchaften und deren jährliche Beiträge bei: Biedenkopf 20 Gulden(nach 1866 von der Univerſität aufgegeben), Borken 20, Kaſſel 100, Dauernheim SOber⸗ heſſen) 60, Eſchwege 60, Grebenſtein 40, Großen⸗Linden 25, Gudensberg 40, Homberg 40, Hofgeismar 40, Immenhauſen 20, Kirchhain 20, Lichtenau 24, Mar⸗ burg 40, Melſungen 20, Neuenkirchen 20, Nidda 40, Niedenſtein 20, Rauſchen⸗ berg 40, Rothenberg(wohl verleſen aus Rothenburg und nicht das ſtarkenburgiſche Rothenberg) 40, Sanct Goar 40, Sontra 20, Spangenberg 20, Treyſa 40, Wald⸗ kappel 48, Wetter 40, Wolfhagen 40, Witzenhauſen 20, Ziegenhain 40, Zieren⸗ berg 20, Zwingenberg(Prov. Starkenburg) 20 Gulden.— Eine Unterſuchung über die Veränderungen, Erweiterungen und Verminderungen, welche die alten Stipendienſtiftungen im Laufe der Jahrhunderte erfahren haben, liegt mir hier ferne. Doch wird es von Intereſſe ſein, die gegenwärtig von den betreffenden Orten nach Gießen gezahlten Beiträge hier zu verzeichnen. Der Betrag von 34 Mk. 29 Pf.(= 20 Gulden) kommt ein von Darmſtadt, Stockſtadt, Zwingenberg, der Betrag von 51 Mk. 43 Pf.(= 30 Gulden) von Arheilgen, Bauſchheim, Berkach, der Univerſität Gießen. 119 2. 1559 Dec. 3. Arheilgenn. Desgleichen, Arheilgenn[Ar⸗ heilgen, Prov. Starkenburgl, 60 Gulden. Siegel abge⸗ fallen. 3. 1559 Novemb. 24. o. O. ſwohl Pfungſtadt]. Desgleichen, Pungſtadt[Pfungſtadt, Prov. Starkenburg), 40 Gulden. Das Gericht zu Pfungſtadt ſiegelt. 4. 1559 Novemb. 25. Wolffskelen. Desgleichen, Wolffskelen [Wolfskehlen, Prov. Starkenburg], 20 Gulden. Der Schultheiß Uriel Weiß ſiegelt. 5. 1559 Nov. 6. Berſtat. Desgleichen, Berſtat[Berſtadt, Prov. Oberheſſen], 40 Gulden aus den dortigen Altarſtiftun⸗ gen beatae virginis und crucis. Der Schultheiß Hans Moſer ſiegelt. 6. 1559 Oct. 12. Marpurgk. Desgleichen, Schotten, 50 Gulden. 7. 1559 Novemb. 29. Biebesheim. Desgleichen, Biebes⸗ heim[Prov. Starkenburg], 20 Gulden. Der größere Theil des Siegels abgefallen. 8. 1559 November 25. Großen⸗Geraw. Desgleichen, Großen⸗ Geraw[Groß⸗Gerau, Prov. Starkenburg], 20 Gulden. Der Schultheiß Tilman Allemench(?) ſiegelt. 9. 1559 Nicolai tagk[6. Dezember]. o. O. Desgleichen, O ber⸗ liederbach lbei Höchſt am Main)], 10 Gulden. Kellner Johann Bleichenbach zu Epſtein ſiegelt. 10. 1560 Januar 8. o. O. Desgleichen, Alsfeld, 60 Gulden. Siegel abgefallen. 11. 1559 Dec. 6. Darmſtat. Desgleichen, Darmſtat, 20 Gulden. Biebesheim, Dornheim, Groß⸗Gerau, Wolfskehlen, Grünberg, Lang⸗Göns. Großen⸗ Linden ſteuert 42 Mk. 86 Pf., Oberwiddersheim 8 Mk. 57 Pf. bei. Größere Be⸗ träge kommen ein von Pfungſtadt(102 Mk. 86 Pf.), Alsfeld(59 Mk. 43 Pf.), Berſtadt(142 Mk. 29 Pf.), Dauernheim(92 Mk. 57 Pf.), Echzell(85 Mk. 71 Pf.), Nidda(51 Mk. 43 Pf.+ 68 Mk 57 Pf.), Schotten(137 Mk. 14 Pf.). Die von dieſen Gemeinden präſentirten Stipendiaten beziehen für jeden Tag des Semeſters 60 Pfennige, welchen Betrag zum größten Theile die Univerſität aufzubringen hat. — Sänmtliche Urkunden(mit Ausnahme der auf Papier geſchriebenen Nr. 21. und 25 ſind Pergament⸗Originalien mit angehängten, jetzt allerdings zum Theil verlorenen, Siegeln. ²) Wolfmonat iſt nach Grotefend, Zeitrechnung des deutſchen Mittelalters I, 210 die Bezeichnung für die Monate November, December, Januar, beſonders für den mittleren. 120 125 13. 14. 15. 16. 17. Aus dem Archiv 1559 Novemb. 25. Berckach. Desgleichen, Berkach(Prov. Starkenburg], 20 Gulden, Siegel abgefallen. Der Land⸗ ſchreiber Johann Senſſenſchmid zu Dornberg ſiegelt. 1559 Octob. 12. o. O. Desgleichen, Langgens(Lang⸗ göns, Prov. Oberheſſen], 20 Gulden. Der Centgraf zu Hüt⸗ tenberg, Friedrich Naurat, ſiegelt. 1559 Oct. 12 Marpurg. Pfarrer, Bürgermeiſter und Kaſten⸗ meiſter zu Gießen ſtiften für den Marburger Stipendiaten⸗ kaſten auf Verlangen des Landgrafen Philipp aus den Ein⸗ künften ihres Kaſtens zu Gießen 40 Gulden, desgleichen aus den Gefällen der Pfarre zu Wiſſig, ſobald dieſelbe der Pfarre zu Gießen incorporirt iſt, 20 Gulden; ſie erklären ferner, daß, wenn gewiſſe ausſtändige Renten und Zinſen des Kaſtens zu Gießen wieder in Gang gebracht und die ihm entfremdeten Güter wieder herbeigebracht würden, daß ſie alsdann über die feſtgeſetzten 60 Gulden hinaus ſich noch weiter zugunſten jenes chriſtlichen Werkes angreifen wollen. ¹) 1559 Nov. 7. o. O. Desgleichen[Ober⸗Widdersheim (Prov. Oberheſſen], ſtiftet 20 Gulden aus der Fundation des Altars beatae virginis zu[Ober/Widdersheim. Die Stadt Nidda ſiegelt. 1559 Oct. 12. Marpurgk. Desgleichen, Frankenbergk [Frankenberg a. d. Eder], 40 Gulden aus dem gemeinen Almoſenkaſten. Siegel abgefallen. 1559 Oct. 12. Marpurgk. Desgleichen, Gronebergk,[Grün⸗ berg, Prov. Oberheſſen], 40 Gulden, aus ihren Beneficien und Altarien, nemlich einem Altar Joannis Baptistae genannt, einem Altar Catharinae, einem Altar crucis und einem Altar Mariae virginis im Salve⸗Chor genannt. 1559 Nov. 6. Echtzell. Desgleichen Echtzell[Echzell, Prov. Oberheſſen], 80 Gulden aus den Altarien beatae ¹) Die Stadt Gießen iſt im Verzeichniß der gegenwärtig für die Stipendien⸗ kaſſe beitragenden Gemeinden— von der jüngſten großen Stiftung iſt hierbei natürlich abgeſehen— nicht vertreten. Welche Gründe die Einſtellung der Zahl⸗ ungen veranlaßten, würde ſich aus den alten Univerſitäts⸗Akten vielleicht entnehmen laſſen. Die Urkunde iſt im Wortlaut mitgetheilt von O. Buchner im 4. Jahres⸗ 3 bericht unſeres Vereins S. 63 f. 19. 20 a. 22. der Univerſität Gießen. 121 virginis, crucis und Nicolai. Der Schultheiß Philips Rorich ſiegelt. 1559 Dec. 28. o. O. Desgleichen, Johann Milchling von Schonſtadt, als Inhaber der Vogtei Schonſtadt[Schön⸗ ſtadt, bei Marburg)], 20 Gulden. Präſentirt zugleich einen Stipendiaten, der gleich den künftig zu Präſentirenden mit Koſt und Lager nicht ſo ſtricte gehalten werden ſoll. 1560 Januar 1. Marpurgk. Desgleichen, Stam Rotz⸗ man, Burgmann zu Alsfeld, ſtiftet von wegen des beneficii altaris sanctae Annae zu Alsfeld, 16 Gulden. 1581 Oct. 3. Gemunden an der Wohra. Pfarrer, Bürger⸗ meiſter und Kaſtenmeiſter der Stadt Gemünden an der Wohra bei Frankenberg an der Eder] hatten 1559 für den Stipendienkaſten der Univerſität Marburg aus den Altarien s. Petri und s. crucis einen jährlichen Beitrag von 10 Gul⸗ den, ferner zugeſagt, daß, wenn das Beneficium s. Catha- rinae und Weymars Gut wieder an die Kirche zu Gemün⸗ den gebracht ſei, abermals 10 Gulden jährlich nach Marburg entrichtet werden würden. Nachdem letztere Bedingung erfüllt iſt, verſprechen Pfarrer, Bürgermeiſter und Kaſtenmeiſter hin⸗ fort jährlich 20 Gulden nach Marburg einzuliefern, behalten ſich jedoch die Präſentation eines Stipendiaten vor. Siegel abgefallen. 1629 Juli 28. Schotten. Auf Betreiben der von Landgraf Georg von Heſſen zur Viſitation der Kirchen und zur Regu— lirung der Stipendien entſandten Commiſſarien erklären Pfar⸗ rer, Bürgermeiſter und Rath zu Schotten, daß ſie außer den 65 Gulden, die bisher von Schotten zu dem Marburger Stipendiaten-Kaſten alljährlich abgeführt wurden, künftig noch weitere vierzig Gulden, in deren lebenslänglichem Genuſſe ſich zur Zeit die Wittwe des Schottener Pfarrers Valentin Pfort befindet, jenem Kaſten alljährlich zuwenden werden, ſich aber die Präſentirung von 2 Stipendiaten vorbehalten. 1629 November 24. Schotten. Pfarrer, Bürgermeiſter und ſämmtliche Vorſteher des Kaſtenbaues zu Schotten erklären, daß, nachdem 1559 auf Begehren des Landgrafen Philipp von Heſſen Schotten einen jährlichen Beitrag zu dem Mar⸗ burger Stipendiaten⸗Kaſten geſtiftet und nachdem man außer⸗ 23. Aus dem Archiv der Univerſität Gießen. dem 1605 und 1606 bei Aufrichtung des neuen Gymnaſii zu Gießen nochmals ein Stipendium von jährlich 10 Gulden be— willigt hatte, daß jetzt bei Reſtauration der Marburger Univer⸗ ſität die letztgenannte Stiftung rechtsgiltig bleiben und dieſer Univerſität zufließen ſolle. 1629 ohne Angabe des Tages und des Ortes. Pfarrer, Zentgraf, Kaſtenmeiſter und genannte Kirchenälteſten und Ge⸗ richtsperſonen zu Pfungſtadt erklären, daß, nachdem unter Landgraf Philipp vierzig Gulden und 1605 bei der Trenn⸗ ung der hohen Schulen weitere zwanzig Gulden von Pfung— ſtadt für den Stipendiaten-Kaſten geſtiftet worden ſind, ſie künftig jährlich 60 Gulden in 2 Zielen nach Darmſtadt für den Marburger Stipendien-Kaſten einliefern werden. Das Siegel des Gerichts zu Pfungſtadt iſt abgeſchnitten. 1631 Februar 4. Echtzell. Pfarrer, Collector und Bürger⸗ meiſter zu Echzell erklären, daß ſie nach geſchehener Reſtauration der Univerſität Marburg deren Stipendienkaſten ſowohl den aus einer älteren Stiftung herrührenden Beitrag von jährlich 60 Gulden, als die in den Jahren 1605 und 1611 für die Univerſität Gießen geſtifteten 40 Gulden künftig in je 2 Jahresraten zugehen laſſen wollen, ſich dagegen die Präſentation von wenigſtens 2 Stipendiaten vorbehalten. Der Schultheiß Hans Georg Mackenrod zu Echzell ſiegelt. 1725 April 10. o. O. Pfarrer, Kaſtenmeiſter und Vorſteher der ſämmtlichen Kirchen in der Herrſchaft Epſtein ſtiften ein jährliches Stipendium von 45 Gulden an die Univerſität Gießen mit Vorbehalt der Präſentation eines Stipendiaten. .Beigeheftet: die Confirmation dieſer Stiftung ſeitens des Fürſtlich Heſſiſchen Conſiſtorii in Darmſtadt, dat. 4. April 1727. Auszüge aus den in den Sitzungen gehaltenen Vorträgen. 123 Auszüge aus den in den Sitzungen gehaltenen Vorträgen. 1) Die Ciſtercienſer in Oberheſſen. Vortrag von Herrn cand. hist. C. Ebel.(28. Januar 1892.) Der Ciſtercienſerorden verdankt ſeine Entſtehung der am Ende des XI. Jahrhunderts bei den Benedictinern eingeriſſenen Sitten⸗ verderbniß. Der Abt Robert von St. Michel Tonnére hatte im Jahre 1098 mit zwanzig Gefährten in dem ſtillen Waldthal von Citeaux(bei Dijon, Departement Côte d'or, Lat.: Cistercium) ein Kloſter gegründet, um dort nach der ſtrengen Regel Benedicts ein Leben der Armuth und Entſagung zu führen. Durch Bernhard von Chatillon, den nachmaligen Abt von Clairvaux, wurde die Blüthe der neuen Congregation begründet; Tochterklöſter wurden in großer Anzahl beſiedelt und ſo war mit einem Schlage ein Orden ent— ſtanden, der ſich nach ſeinem Stammkloſter der Ciſtercienſerorden nannte und ſich bald über alle Culturländer des Abendlandes ver⸗ breitete. Eine vorzügliche Verfaſſung ſorgte für dauernde innere Feſtigkeit. Männer wie Bernhard von Clairvaux, Otto von Freiſingen, Cäſarius von Heiſterbach legen durch ihre Zugehörigkeit zum Orden auch von deſſen geiſtiger Tüchtigkeit beredtes Zeugniß ab. Seinen Einzug in Oberheſſen hielt der Ciſtercienſerorden im Jahre 1174, als Cuno von Münzenberg das von ſeinem Vater Conrad von Hagen und Arnsburg und deſſen Gattin Ludgardis 1151 geſtiftete Benedictinerkloſter Altenburg(ehemaliges Römercaſtell, eine Viertelſtunde ſüdweſtlich von Arnsburg) aufhob und an deſſen Stelle in ſeinem Schloſſe Arnsburg ein Ciſtercienſerkloſter einrichtete. Der Abt von Eberbach im Rheingau entſandte den Convent mit Ruthard an der Spitze. Der Convent vermochte ſich jedoch nicht auf die Dauer in Arnsburg zu halten, vielleicht weil die Wohnungs⸗ verhältniſſe ungünſtige waren und der Zuwachs an Conventualen zu wünſchen übrig ließ. Er ging nach Eberbach zurück, um erſt 1197 wieder in Arnsburg unter ſeinem Abt Mengot, dem bald der that⸗ kräftige Meffrid folgte, aufzutreten. Meffrid legte den Grund zu 124 Auszüge aus den in den Sitzungen dem Glanze des Kloſters, deſſen Beſitzungen ſich bald derartig ver⸗ mehrten, daß ſie von der Lahn und Ohm zum Main und zur Kinzig, vom Vogelsberg zum Taunus reichten. Im Jahre 1219 kam Arnsburg unter den Schutz der Burg Friedberg, der es in An— erkennung des Schutzverhältniſſes alljährlich ein Paar Stiefel und ein Stück graues Tuch liefern mußte. Vier Jahre ſpäter übertrug Papſt Honorius III. dem Fürſtabt von Hersfeld den geiſtlichen Schutz über das Kloſter(d. h. der Fürſtabt hatte mit ſeiner kirchlichen Ge⸗ walt für das Kloſter einzutreten; eine Aufſicht über dasſelbe ſtand ihm nicht zu). 1313 wurde Arnsburg ſtark von der Peſt heimge⸗ ſucht, ſo daß die Mönche in dem benachbarten Wald hauſen mußten. 1314 wurden in der Naſſauer Fehde des Landgrafen Otto von Heſſen viele Kloſtergüter durch Ritter Heinrich von Calsmunt aus Rache für vermeintlich erlittenes Unrecht in empfindlicher Weiſe ver⸗ wüſtet. Dies Alles ſcheint nur gering gegen das, was das Kloſter in dem erbitterten- Kampfe zwiſchen den Landgrafen von Heſſen und dem Mainzer erzbiſchöflichen Stuhle in der erſten Hälfte des XV. Jahrhunderts erleiden ſollte. Die Truppen beider Parteien zogen beſtändig durch ſeine Güter, ihre traurigen Spuren überall zurücklaſſend. Der Kolnhäuſer Hof wurde beſonders geſchädigt. Als Johann von Naſſau auf den erzbiſchöflichen Stuhl gelangt war, forderte er vom Kloſter Arnsburg Subſidien, die ihm jedoch auf Grund der verbrieften Abgabefreiheit desſelben verweigert wurden. Die Folge war Verhängung von Bann und Interdict, die Beſetzung und Verwüſtung der Kloſtergüter durch Mainziſche Truppen. Da trat der Erzbiſchof von Trier, Werner von Falckenſtein, aus jenem Geſchlecht, das die Stifter des Kloſters beerbt hatte, für die be⸗ drängten Mönche ein; er ſchickte 800 Bewaffnete zum Schutz in das Kloſter, das die Verpflegung ſeiner Beſchützer kaum zu erſchwingen vermochte. Im weiteren Verlauf des heſſiſch⸗mainziſchen Krieges litt die Abtei viel von ritterlichen Räubern und Strauchdieben; es wurden ihr mehrere Höfe verbrannt, Vieh weggetrieben und die Ernte von ganzen Strichen durch Feuer vernichtet. Die Schulden, in die der Convent durch die ſchweren Zeiten geſtürzt wurde, konn⸗ ten im XVI. Jahrhundert abgetragen werden und die Abtei blühte zuſehends wieder auf. Der dreißigjährige Krieg brachte wieder arge Verwüſtungen und theilweiſe Zerſtörung von Kloſtergebäuden; der Abt mußte 1632 bis nach Clairvaux flüchten, nach ſeiner Rückkehr gehaltenen Vorträgen. 125 aber noch eine Zeit lang verborgen bleiben. Nach dem Kriege wurde das Kloſter in Prozeſſe mit dem Hauſe Solms verwickelt, das die Landeshoheit über dasſelbe beanſpruchte. Der Entſcheid fiel zu Gunſten des Kloſters. Der ſiebenjährige Krieg hatte gleichfalls Raub und Brand im Gefolge. Aufgehoben wurde das Kloſter durch den Reichshauptdeputationsſchluß im Jahre 1803. Die drei übrigen Ciſtercienſerklöſter in Oberheſſen ſind Nonnen⸗ klöſter. Die erſte Stiftung von dieſen iſt Marienborn, ſüdyveſtlich von Büdingen. Urſprünglich eine freie Congregation einiger Jungfrauen zur Führung eines gottgefälligen Lebens im Haag(Houc) bei Büdingen, wurde es 1250 von Ludwig von Yſenburg und ſeiner Gattin Heil⸗ wigis von Büdingen zu einem Kloſter erhoben und dem Ciſtercienſer⸗ orden übergeben. Wegen Waſſermangels ſiedelte der neue Convent jedoch noch vor 1274 nach Niedernhauſen über und nannte ſein Kloſter erſt von jetzt ab Marienborn. Durch reiche ihm dargebrachte Güter⸗ ſchenkungen emporgeblüht, konnte der Convent der einreißenden Sit⸗ tenverderbniß nicht entgehen, ſo daß ſich Erzbiſchof Diether von Mainz genöthigt ſah, 1460 eine Reformation des Kloſters vorzu— nehmen. Seit dieſer Zeit hob ſich ſein Glanz von neuem. Neu⸗ bauten wurden vorgenommen und mit koſtbaren Holzſchnitzereien ver⸗ ſehen, löſte ſich der Convent ſchon 1559 auf. Faſt gleichzeitig mit Marienborn entſtand das Kloſter Engel— thal bei Altenſtadt, das 1268 von den Brüdern Conrad, Ruprecht und Herden von Büches und Ruprecht von Carben, Burggraf von Friedberg gegründet wurde. Obgleich mit Güterſchenkungen gerade nicht überſchüttet, erwarb Engelthal doch mit der Zeit einen recht anſehnlichen Beſitz. Es wurde 1302 von Kaiſer Albrecht, 1345 von Kaiſer Ludwig in den Schutz des Reiches genommen. In einen Subſidienſtreit mit Mainz, ähnlich wie Kloſter Arnsburg verwickelt, wurde es von Erzbiſchof Heinrich mit dem Bann belegt, auf Ver— wendung des Abts von Arnsburg aber einige Monate ſpäter wieder von demſelben erlöſt. Mit dem Ende des XV. Jahrhunderts ſcheint eine Verarmung des Kloſters begonnen zu haben, denn die Güter⸗ verkäufe mehren ſich von da ab und 1417 verſetzte der Convent ſogar eine Bibel für 63 Gulden. Im Jahre 1521 ſtellte ſich Engel⸗ thal unter den Schutz der Burg Friedberg, ein Schritt, der 1580 wiederholt wurde. Um dieſe Zeit kam der für das Räuberweſen der damaligen Zeit ſehr bezeichnende Fall vor, daß ein Nachkomme 126 Auszüge aus den in den Sitzungen der Stifter des Kloſters Engelthal, der Ritter Werner Philipp von Büches, mit Spießgeſellen in eben dieſes Kloſter einbrach, die Abtiſſin mißhandelte und eine bedeutende Summe Geld raubte. Im dreißig— jährigen Kriege 1632 wurde Engelthal von den Schweden beſetzt. 1803 erfolgte ſeine Aufhebung. Das vierte und letzte Ciſtercienſerkloſter in Oberheſſen, Marien⸗ ſchloß, iſt aus einer Klauſe entſtanden. Es wird 1337 in ein Nonnenkloſter O. C. durch Johann von Veldersheim, genannt von Rockenberg, umgewandelt. Seine Geſchichte entwickelt ſich ganz ähnlich wie die der übrigen Ciſtercienſerklöſter in unſerer Gegend. Auch in Marienſchloß war wie in Marienborn ein Verfall der Kloſterzucht gegen Ende des XV. Jahrhunderts eingetreten, muß aber hier viel ſchlimmer geweſen ſein, denn die Nonnen wurden 1466 wegen Verſchwendung und Ausſchweifung ausgetrieben und andere an ihre Stelle geſetzt. Kaiſer Max J. ſtellte das Kloſter 1516 unter den Schutz des Reiches. 1643 wurde es von den Schweden und 1645 von den Kaiſerlichen geplündert und ſeine Inſaſſen ver⸗ jagt. Auch dieſes fiel dem Reichshauptdeputationsſchluß zum Opfer. Die Lebensweiſe in den Klöſtern war eine ſtreng geregelte. An der Spitze ſtand der Abt bezw. die Aebtiſſin. Letztere hatte als Beiſtand einen Propſt, der aus dem Convent von Arnsburg ernannt wurde. Dieſes Kloſter hatte außerdem die Aufſicht und die Viſita— tion der Nonnenconvente. Die bemerkenswertheſten Aemter ſind ferner der Prior, der Kellermeiſter, der Burſarius, der Novizen⸗ meiſter, der Pförtner u. ſ. f. In der Beſorgung der Küche wechſel⸗ ten die Mönche allwöchenilich, ebenſo bei verſchiedenen anderen Be⸗ ſchäftigungen. In den Nonnenklöſtern herrſcht genau dieſelbe Aemter⸗ vertheilung. Die Kloſtertracht war eine weißgraue Kutte mit ſchwarzem Scapulier. In die Klöſter wurden außerdem ſog. Con⸗ verſen, Laienbrüder, aufgenommen; in den Frauenklöſtern waren beide Geſchlechter unter den Converſen vertreten. Die Eintheilung des Tags fand nach gottesdienſtlichen Acten ſtatt, von denen die wichtigſten Mette, Prim, Meſſe und Completorium ſind. Dazwiſchen fanden die Mahlzeiten, die Abhaltung des Capitels und die Ver⸗ richtung der täglichen Arbeit ſtatt. Letztere beſtand in der älteren Zeit hauptſächlich in Feldarbeit, ſpäter wurde dieſe jedoch ganz den Converſen und Leibeigenen überlaſſen. Der Beſitz der Klöſter kam durch Schenkungen, Kauf und Tauſch zuſammen, ſowohl an Immo⸗ gehaltenen Vorträgen. 126 bilien, als auch an Renten und Gefällen. Gebaut wurde vor allen Dingen Getreide, dann aber auch Obſt und Wein. Viehzucht, be⸗ ſonders Schafzucht, wurde gleichfalls betrieben. Was ein Kloſter an liegendem Gut nicht ſelbſt bebaute oder benutzte, verpachtete es vor⸗ zugsweiſe nach Landſiedelrecht(kündbare Pacht auf unbeſtimmte Zeit), ferner auf Zeit und ſeltener nach Erbrecht. Die öconomiſche Leitung des Geſammtbeſitzes lag in der Hand des Kellermeiſters, der dem Abt jeden Monat Rechnung ablegen mußte. Waren die Ciſtercienſerklöſter für unſere Gegend in wirthſchaft⸗ licher Beziehung von Bedeutung, ſo übten ſie auch durch ihre Kunſt⸗ erzeugniſſe— z. B. die Kirche zu Arnsburg, erbaut im ſog. Ueber⸗ gangsſtil auf der Schneide des XII. und XIII. Jahrhunderts, ſowie die obenerwähnten Holzſchnitzereien zu Marienborn— auf den Kunſtgeſchmack unſerer Vorfahren ganz gewiß großen Einfluß aus, ebenſo wie durch die Erziehung, die junge adlige Damen in den Nonnenklöſtern genoſſen, ein gewiſſer Grad höherer Bildung in die Adelsfamilien der Gegend gebracht wurde. 2) Ein im 19. Jahrhundert ausgegangenes Dorf im Vogelsberg. Vortrag von Herrn Drogiſten Otto Schaaf.(25. Februar 1892.) Abgekürzter Auszug. Zwiſchen Büdingen und Gedern etwa 10 Minuten in nordöſt⸗ licher Richtung von Wenings, liegt das kleine Gehöft Wernings, Eigentum des Grafen von Laubach, bewohnt von Revierförſter Fran⸗ ziscus. Die Gebäude verraten ein hohes Alter, auch ſind knappe Ueberreſte einer Kapelle vorhanden. 1285, 21. Oktober, übergab der Krieger Eckehardus aus Felsberg Wernings den frommen Brüdern des ſog. Johannishauſes in Grebenau. 1351, 7. Juni, errichtete Hermann Herr von Lyesberg zu Wernings die Marienkapelle. 1356, 12. März, Dither Probſt und das Konvent des Kloſters auf dem Petersberg bei Fulda verkaufen an Heinrich von Iſenburg ihr Dorf Wernichis(Wernings) für 50 Pf. hell. Fft. Wehr. D.(= ca. Mk. 1200). 1482, 30. November, Graf Ludewig von Yſenburg⸗Büdingen präſen⸗ tiert den Johannes Nithard zu der Marienkapelle in Werns(nahe bei Wennings gelegen) ꝛc. Ende der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts bekamen die Dorf⸗ bewohner von Wernings Luſt nach Nordamerika auszuwandern. Ver⸗ gebliche Verſuche wurden in den Jahren 1840 und 1841 gemacht. Von 128 Auszüge aus den in den Sitzungen 1841 an ging das Dorf für die Summe von fl. 110,000 in Beſitz des Grafen von Laubach über. Die Bewohner ſtellten jede Arbeit ein und tröſteten ſich vorläufig mit dem Gedanken, auswandern zu wollen. Durch Unthätigkeit mißmutig geworden, ſahen ſich die Bauern großen Verlegenheiten ausgeſetzt und in der Verzweiflung riefen ſie die Hilfe der Regierung an. Von dieſer wurde das Kreisamt Büdin⸗ gen mit der Auswanderungsangelegenheit betraut. Graf Laubach hatte nach Abzug der geleiſteten Stückzahlungen, von denen die Bauern einſtweilen lebten, noch 55,681 fl. 31 kr. zu zahlen und 14 fl. 49 ¾ kr. waren noch in der Gemeindekaſſe. Hier⸗ von bekamen 10 Einwohner je 1476 fl. und der geringſte Anteil war 106 fl. 12 kr. Für neu zu erwerbenden Beſitz war der untere Theil von Illinois vorgeſehen, wozu die Fahrt über New⸗Orleans genommen werden mußte. In Illinois koſtete Kongreßland 1 Acre ca. 1 ½ Doll.(ſpan. Thaler), nach unſeren heutigen Werten l heſſ. Morgen ca. 3 Mk. 90 Pf. Nachdem die Werningſer nochmals durch Namensunterſchrift ihre Auswanderung erklärten, wurden ſie am 30. Auguſt 1842 aus dem heſſiſchen Unterthanen⸗Verband entlaſſen. Der Großh. Heſſiſche Konſul J. F. Sauer zu Bremen wurde vom Heſſiſchen Miniſterium beauftragt, für die Auswanderung die nötige Hilfe zu leiſten. Es war vorgeſchrieben, die Auszahlung der Gelder erſt bei Eingang des Schiffes in See vorzunehmen. Als Geldſorte wurden 5 Francs⸗ und 20 Francs⸗Stücke gewählt, da ſolche in Amerika mit Gewinn zu begeben waren. Die Summe von 26,600 fl. durch Wechſel nach Bremen zahl⸗ bar in 5 Francs⸗Stücke zu überweiſen, war nicht möglich, da 8205 Stück 5 Francs zur Auszahlung kamen. Es wurde daher die Geld⸗ ſumme in genannter Münzſorte in Fäſſer verpackt von Ph. Nic. Schmidt, Frankfurt a. M., durch die Poſt nach Bremen geſchickt. Die Sendung hatte ein Gewicht von 636 ½ Pfund. Trotz des hohen Portos wurde doch nach Abzug desſelben durch den Cours der 5 Francs⸗-Stücke ein Gewinn von ca. 300 fl. erzielt(1842 koſteten von Frankfurt nach Bremen 25,000 fl.= 236 fl. Porto = 403 Mk. 56 Pf., heute koſtet die gleiche Summe in gleichem Gewicht 42,750 Mk. 59 Mk. 75 Pf.(eine Porto⸗Differenz von 343 Mk. 81 Pf.). 22 Aus dem Archiv der Univerſität Gießen. 113 Colour& Grey Control Chart Blue Cyan Green vellow Hed 1 Magenta Wuyite Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black feunens Luneen en 5— den Freiheitsbrief des Landgrafen vom 31. Auguſt 1529 verwirk⸗ licht, in welchem der Landgraf erklärt, daß er etliche Studenten in Marburg unterhalten und dieſelben mit jährlichen Stipendien ad studia ziehen und kaufen laſſen wolle, um ſo zum Beſten des Landes gelehrte, geſchickte und gottesfürchtige Leute, Prediger und Amtleute zu pflanzen und aufzuziehen.²) Die Mittel für die Be⸗ gründung der Stipendiatenanſtalt, über deren Einrichtung jener Freiheitsbrief eingehende Beſtimmungen trifft, hatten die in den Dörfern, Flecken und Städten der Landgrafſchaft vorhandenen kirch⸗ lichen Lehen, Altarſtiftungen und ſonſtigen geiſtlichen Beneficien von größerer Bedeutung, welche die Durchführung der Reformation ver⸗ ſügbar gemacht hatte, zu liefern. Dieſe Beiträge bereit zu ſtellen, 4) Schminde, Monim. Hass., II, 588 ff., darnach Br. Hildebrand, Ur⸗ kundenſammlung über die Verfaſſung und Verwaltung der Univerſität Marburg unter Philipp dem Großmühtigen(1848), S. 2. Ueber das Stipendienweſen an den Univerſitäten Marburg und Gießen überhaupt vgl. Ch. Fr. Ayrmann, De rei ²) Hildebrand a. 3.. G. 12 f. Mittheilungen des Oberheſſiſchen Geſchichtsvereins IV.