Landes⸗Univerſitaͤt Gießen. Einige Worte fuͤr ihre Erhaltung und vervollkommnete Einrichtung. Den verehrlichen Kammern der Stände des Großherzogthums Heſſen und ſeinen Mitbürgern gewidmet vom Abgeordneten G. F. Heyer. —* —— 7 Ai. ⁸ n H 8&. Unw.-) A Blullothek Giessen.) —. — ————— ☛ A Kam ken, d unter kam; auf d den Berie geni Lerich ner, mer k ſten Deba⸗ gegen desin rung ſchien ziſche begr mache beſtu Anfr men zu d Stac bald zu C mein ſich tertt Wag tut Aa Vorwort an die Nichtmitglieder der verehrlichen Kammer muß ich zur rechtfertigenden Erläuterung bemer⸗ ken, daß meine Motion Nr. 1 des Nachfolgenden, bereits unterm 20 Juli 1820 von mir eingereicht wurde. Sie kam jedoch damals nicht in Berathung, ſondern, weil ſie auf den Finanz⸗Etat bezuͤglich war, wurde ſie an den erſten Ausſchuß verwieſen, um bey Gelegenheit der Berichte daruͤber, begutachtet zu werden. In dieſen Ta⸗ gen iſt das nun geſchehen. Der Herr College Floret war Berichterſtater, und der Herr College Balſer hat, als Red⸗ ner, daruͤber umſtaͤndlich geſprochen. Die zweyte Kam⸗ mer beſchloß hierauf, die ganze Angelegenheit an den er⸗ ſten Ausſchuß zuruͤckzuweiſen. Da ſich inzwiſchen aus den Debatten in der Kammer einige beſorgliche Aeuſſerungen gegen das unterſtuͤtzte Fortbeſtehen dieſes Lan⸗ desinſtituts in Gießen, ergaben, mir auch die Schilde⸗ rung der Gebrechen deſſelben hoͤchſt uͤbertrieben er⸗ ſchienen, ſo glaube ich es um ſo mehr in meinen landſtaͤn⸗ diſchen Pflichten liegend und als Mitbuͤrger dieſer Stadt begruͤndet zu finden, einige Worte fuͤr ſie bekannt zu machen, als ich mich mit beſorglichen Anfragen gleichſam beſtuͤrmt ſehe. Selbſt aus dem Auslande ſind mir ſchon Anfragen uͤber die Verlegung der Univerſitaͤt zugekom⸗ men. Werden daher dieſe wenigen Worte, Nr. 2, auch zu deren Beantwortung dienen, wird unſere verehrte Staatsregierung geruhen, den Ungrund dieſes Geruͤchts baldigſt auszuſprechen, dann werden meine Mitbuͤrger zu Gießen ſich einsweilen beruhigt finden, und ich glaube meiner Pflicht Genuͤge geleiſtet zu haben. Es handelt ſich hier von Rettung einer Stadt mit 7000 braven Un⸗ terthanen, von gaͤnzlicher Verarmung, es liegt in der Wagſchale, ein mehrere Jahrhunderte beſtehendes Inſti⸗ tut zu verbeſſern, zu vervollkommnen, oder ein Neues zu ſchaffen, man erwaͤge reiflich, es iſt hochſt wichtig— welcher Beſchluß die geeignetſte Beachtung verdiene! Um dieſe wenigen Worte nicht zu vergroͤßern, habe ſch den Ausſchußbericht ſowohl als die Rede des Herrn Colle⸗ gen Balſer, hier weggelaſſen, da beyde den Mitgliedern der zweyten Kammer bekannt ſind, auch demnaͤchſt in den Verhandlungen ſelbſt gedruckt erſcheinen. Darmſtadt den 15ten Febr. 1821. G. F. Heyer⸗ No. 1. Dem unterzeichneten Abgeordneten des 4ten Wahl⸗ bezirks der Provinz Oberheſſen ſey es erlaubt, die Auf⸗ merkſamkeit der Kammer auch auf die Landes⸗Uni⸗ verſität Gießen zu lenken. Dieſes Inſtitut, ein Gemeingut und Kleinod des Staats, lebt und wirkt nun ſchon ruhmvoll in drei Jahrhunderten unter ſeinen Schweſtern. Alle vielfachen Stürme und Gefahren, die es ſeit dieſer langen Reihe von Jahren bedroht haben, vermochten nicht, es in ſeiner ehrenvollen Wirkſamkeit zu hindern. Wenn indeſſen in der neueren Zeit, Bedürfnis und Nacheifer, Deutſchlands Regierungen veranlaßte, den Inſtituten ihrer Uniyerſitäten verbeſſerte und erweiterte Einrichtungen zu geben, ſo liegen auch die rühmlichen Beweiſe vor Augen, mit welcher patriotiſchen Bereit⸗ willigkeit namentlich die Stände von Baiern, Wirtem⸗ berg und Baden, die Mittel dazu bewilligten. Was unſer allverehrter Großherzog, mit ſehr be⸗ ſchränkten Mitteln, auch für das Fortbeſtehen unſerer oberſten Landes⸗Bildungs⸗Anſtalt gethan, hat zum Theil des Herrn Staatsminiſters Erzellenz, in der Darſtel⸗ lung der Lage des Großherzogthums, angedeutet. Man⸗ ches iſt noch zu thun, um dieſes National⸗Inſtitut ſo zu vervollkommnen, daß es ſeinen Schweſtern nicht nachſtehe, und unſern Söhnen zeitgemäße, genü⸗ — ge ˖n — 5— gende Gelegenheit darbiete, ihre höhere t wiſſenſchaftliche Bildung zu erlangen. Ich gebe mich gerne der freudigen, von keinem Privatintereſſe geleiteten Hoffnung hin, die verehrlichen Mitglieder der Kammer werden der Staatsregierung gerne die nöthigen Mittel votiren, um ſie in den Stand Wahl⸗ zu ſetzen, zu ergänzen und zu erweitern, wo es Noth die Auf⸗ thut. Ich erlaube mir zu dem Ende folgende Andeu⸗ ⸗Uni⸗ tungen von Mängeln und Wünſchen, die vor der Hand zu beachten ſeyn möchten: nod des 1) Die Gebäude der Uniyerſität bedürſen noth⸗ in drei wendig einer Ausbeſſerung und Erwei⸗ elfachen terung, zur Aufbewahrung der ihr angehö⸗ Reihe renden Sammlungen für Wiſſenſchaft und Kunſt. es in 2) Beruſung mehrerer tüchtiger, gelehrter Män⸗ ner, zur Ergänzung von zu ſchwach beſetzten is und Fächern der verſchiedenen Fakultäten. e, den 3) Vermehrung des Fonds der Univerſitäts⸗ veiterte bibliothek, der leider bisher pr. Jahr nicht mlichen viel über einige hundert Gulden ausmachte, und Bereit⸗ folglich nicht hinreichend war, um auch nur gren⸗ ein Fach der Viſſenſchaften zu umfaſſen! gen. Mit den bedeutenden Doubletten der öffent⸗ chr he⸗ lichen Bibliothek und ſonſtigen Sammlungen unſerr der Reſidenz, könnten auch ſchon erhebliche nTheil Lücken ausgefüllt werden. darſtel⸗ 4) Erweiterung und Vervollkonnnnung des bota⸗ Nan⸗ niſchen Gartens, wofür bisher ein ganz tut ſo unzureichender Fonds ausgeſetzt war. nicht 5) Daſſelbe gilt von dem Klinikum des verehrten 7 Herrn Profeſſors Balſer. genu⸗ — 6— 6) Desgleichen vom philologiſchen Seminar. 5 7) Auch vom chemiſchen und phyſiſchen Laboratorium. 1 6 8) Fehlt der Uniperſität ein homiletiſches In⸗ ſtitut für den praktiſchen Prediger⸗ ſtand. Ein ſolches dürfte mit geringen Mit⸗ alg teln einzurichten, aber für das Beginnen wie ſc die Ausübung der wichtigen Wirkſamkeit des 1üſſt Geiſtlichen auf das Volkswohl, durch Beiſpiel und Lehre, von höchſter Wichtigkeit ſeyn. Uühn 9) Das ganze Großherzogthum Heſſen entbehrt ein neir praktiſches Forſt⸗Lehr⸗Inſtitut, und die Ang jungen Leute, die ſich bisher dieſem wichtigen V iche Staatsdienſte widmen wollten, mußten koſtſpie⸗ Kn lige ausländiſche Inſtitute beſuchen. Ein ein⸗. ziger, tüchtiger, geprüfter Forſtmann, lian den man vielleicht von einer andern Stelle nur Sn nach Gießen zu verſetzen brauchte, würde ſih hinreichen, um den practiſchen Lehrer dieſer meh Wiſſenſchaft zu bilden, während die jungen derſ Leute jede ſonſtige Gelegenheit vorfinden, um dine ſich die theoretiſchen Hülfskenntniſſe zu ver⸗ ſchaffen. Darmſtadt den 20. July 1320. ſitä G. F. Heyer. nich Zuf non No. 2. beſe In dieſer, ſchon in der erſten Periode unſers Beyſam⸗ de menſeyns in der zweyten Kammer eingegebenen Motion, die Verbeſſerung des Zuſtandes unſerer Landes⸗Univerſi⸗ ſey tät Gießen betreffend, habe ich nur angedeutet, wo es ver einer Nachhülfe bedarf, wo einige bisher fehlende In⸗ atorium, des In⸗ ediger⸗ gen Mit⸗ nnen wie keit des Beiſpiel n. behrt ein und die wichtigen koſtſpie⸗ ein ein⸗ mann, ſtelle nur e, würde er dieſer jungen en, um zu ver⸗ 20. e. Beyſam⸗ Motion, Univerſ⸗ we es ende In⸗ — 27— ſtitute, mit höchſt unerheblichen Koſten neu geſchaffen, und Andere mit nicht übermäſigem Aufwande vervoll⸗ kommnet werden könnten. Der erſte Ausſchuß hat in ſeinem Berichte die allgemeine Noth des Landes vorgeſchützt, die einen er⸗ ſchöpfenden Zuſchuß aus der Staatskaſſe für unzu⸗ läſſig erſcheinen laſſe. Der Herr College Balſer hat als Redner, und als Lehrer auf dieſer Univerſität, ihre Bedürfniſſe kennend, meine Motion im Ganzen unterſtützt. Sein Antrag ging dahin, der Staatsregierung einftweilen einen jühr⸗ lichen weiteren Zuſchuß von fl. 10,000— für dieſe Finanzperiode zu verwilligen. Hat dieſer, bey einem Budjet von beinahe 6 Mil⸗ lionen Gulden und einer Bevölkerung von 650,000 Seelen, gewiß unbedeutende Zuſchuß, für das Fortbe⸗ ſtehen der höchſten Bildungs⸗Anſtalt des Landes, bey mehreren verehrlichen Milgliedern dieſer Kammer, Wi⸗ derſpruch gefunden, ſo muß das wohl mindeſtens auf einem Mißverſtändniß beruhen. Glänzend, im Vergleiche mit den größeren Univer⸗ ſitäten Deutſchlands, haben wir zwar ihren Zuſtand nicht ſchildern können, aber auch in ſo kläglichem Zuſtande befindet ſie ſich keineswegs, als, wie ich ver⸗ nommen habe, mehrere Mitglieder dieſer Kammer, ins⸗ beſondere der Provinz Rheinheſſen, aus der Schilderung des Herrn Collegen Balſer gefolgert haben. So ſchlimm, meine Herrn, ſtehet es nun, Dank ſey es unſerer Staatsregierung, um die Landes⸗Uni⸗ verſität nicht! Ich lebe und ſchaffe, wenn gleich nur als literari⸗ ſcher Kaufmann, doch nicht ganz ohne Ehre und Mitwir⸗ kungen auf den äußeren Ruf dieſer Hochſchule, 37 Jahre. Noch vor 16 Jahren war dieſe, jetzt eine Beyölke⸗ rung von cirka 7000 Seelen enthaltende Hauptſtadt der Provinz Oberheſſen nach alter Art und Weiſe be⸗ feſtigt, mit hohen Wällen und ſumpfigen Gräben um⸗ geben. Seitdem aber wurden dieſe geſamten Feſtungs⸗ merkmale zerſtört, in freundliche Gärten und Bau— plätze verwandelt, und wer dieſe ſonſt in Wahrheit, in ihrem Inneren höchſt beengte unfreundliche Stadt ſeit jener Zeit nicht geſehen hat und jetzt wieder ſiehet, wird nicht ohne Ueberraſchung bekennen müſſen, daß auch in der Hinſicht, dieſer Muſenſitz angenehmer und ge⸗ ſünder geworden iſt. Wahr iſt es, daß ehedem die Bewohner der Stadt, ſo in Wall und Gräben eingeengt, obendrein mit einem wenig aufmunternden Baumeiſter verſehen, auf neue Bauten und Verſchönerungen nicht reflektirten, weil ſie es auch gleichſam nicht konnten. Und ſo iſt es auch wahr, daß es für die zunehmende Bevölkerung, an Familien-Wohnungen ſowohl als an eleganteren Studenten⸗Logis mangelte. Allein, das alles iſt verſchwunden und wird gänz— lich ſchwinden, wenn die Bewohner der Stadt nicht mehr zu befürchten haben, nach dem von mehreren Bewohnern von Darmſtadt geheg⸗ ten Wunſche, die Univerſität von Gießen weg und in die Reſidenz verlegt zu ſehen, und zwar zu einer Zeit verlegt zu ſehen, wo ſie in ihrem Fortbeſitze das einzige Mittel zu ih⸗ rer ferneren Erhaltung erkennen. — und! Voh kann ſey ſ durch werden auf 7 und mäß daß d verſite bedin doch Jahre glänzt aufal G chen unipe lere Mitwid⸗ 7 Jahre. Vevölke⸗ dauptſtadt Weiſe be⸗ üben um⸗ Feſtungs⸗ nd Bau⸗ rheit, in tadt ſeit het, wird daß auch und ge⸗ er Stadt, nit einem auf neue en, weil nd ſo iſt volkerung, eganteren wird gän⸗ at nicht em von⸗ t geheg⸗ Gießen ſehen, en, wo lzu ih⸗ — 9— Wenn ſich ferner durch Vereinfachung der Staats⸗ und Provinzial⸗Organiſation, nur zu viel leere Wohnungen auch dort ergeben werden, ſo kann von dieſe n Mängeln keine Rede mehr ſeyn. Man hat früher behauptet, die Lage der Stadz ſey ſumpfig, ungeſund, und dem Uebel könne nur durch eine zweckmäßige Entwäſſerungs⸗Anſtalt begegnet werden. Aber auch dieſem Uebel iſt durch eine, die Stadt auf 70,000 fl. koſtende Aufopferung begegnet worden, und der College Balſer wird keine unverhältniß⸗ mäßige Mortalität in der Stadt angeben können. Mit haltbaren Gründen läßt ſich nicht darthun, daß die Reputation oder der wahre Gehalt einer Uni⸗ verſität nur durch die Anzahl der Studenten bedingt werde. Wäre das ſonſt der Fall, dann hätte doch z. B. Helmſtädt, das bekanntlich noch vor wenig Jahren unter den erſten deutſchen Bildungs⸗Anſtalten glänzte, jedoch nur höchſtens 150 Studenten zählte, auffallend das Gegentheil bewieſen. Aber auch in der Studentenzahl, mit man⸗ chen mangelhaften Inſtituten, gehört unſere Landes⸗ univerſität nicht in die letzte, ſondern in die mitt⸗ lere Klaſſe ihrer Feutſchen Schweſtern. Vor einigen Jahren betrug der Numerus der Studirenden zu Gießen über 300, und ſelbſt jetzt, wo der Landtag drei der geachtetſten Lehrer entfernt hält, fehlen der Anzahl von 300 nicht Viele, wor— unter ein volles Drittheil Ausländer, beſonders aus dem Naſſauiſchen, begriffen iſt.— Die Univerſitätsgebäude werden noch Jahrhunderte ihrem Einſturze trotzen, jedoch bedürfen ſie einer Aus⸗ beſſerung und Erweiterung. Aber ſehr über⸗ trieben iſt es, wenn man die Koſten auf mehrere 2⁰0000 fl. anſchlägt. Da hinreichende Bauplätze vor⸗ handen ſind, ſo würde man mit einer Summe von 40 bis 50000 fl. ſehr viel thun köͤnnen, und das muß ja nicht auf einmal oder ſehr eilig geſchehen! Wenn meh⸗ rere Collegen, aus dem geringen Fonds für die Uni⸗ verſitäts⸗Bibliothek, gefolgert haben, daß dort faſt gar keine Bibliothek vorhanden ſey, ſo iſt dieſer Schluß nicht minder irrig. Die eigentliche Univerſitäts⸗Bibliothek umfaßt im⸗ mer eine ſehr werthvolle Sammlung von 24 bis 27000 Bänden, darunter viele ſchätzbare Werke von Manu⸗ ſcripten, Incunabeln, Patriſtikern und Philologen, aus denen der Uniyerſität früher zugebrachten Bibliotheken vom Kanzler Pfaff, May ac. Einer rühmlichen Erwähnung außerdem verdient die in der neueren Zeit geſchehene Schenkung des hoch⸗ herzigen, als Gelehrten und Menſchen gleich verehrungs⸗ würdigen Freyherrn von Senkenberg. Dem Patriotismus dieſes Mannes verdankt die Univerſität außer dem Vermächtniß ſeines bedeutenden Hauſes und mehrerer ſonſtiger Legaten, ſeine ganze Bibliothek von, cirka 12 bis 14000 Bänden, Ge⸗ ſchichte, Staatsrecht, Staatswiſſenſchaft, deutſches Privatrecht, ſchätzbare Manuſcripte und Kunſtwerke enthaltend. Nächſt dieſer nun bald geordneten und dem allge⸗ meinen Gebrauche überwieſenen Bibliothek, iſt noch eine zi geogtayl rorhand elen A lis auf D ven, alhlährli Tale W ſcherte Biliot von 70 Uaiver, Unier 3 Erlang und G und we des an Auslä S laſſun Uniyer tingen ten Uu ſes, n mehru ren, ſ Jahrhunderte einer Aus⸗ er ſehr über⸗ auf mehrere auplätze vor⸗ e von 40 bis uß ja nicht Wenn meh⸗ füͤr die Uni⸗ at faſt gar ſo iſt dieſer umfaßt im⸗ bis 27000 von Manu⸗ lologen, aus Bihliotheken em verdient ng des hoch verehrungs⸗ zerdankt die bedeutenden ine ganze inden, Ge⸗ deutſches Kunſtverke dem allge⸗ iſt noch eine ziemlich vollſtändig bkonomiſch⸗ kameraliſtiſch⸗ und geographiſche Bibliothek von mehreren 1000 Bänden vorhanden, welche bisher unter der Leitung und ſpeci⸗ ellen Aufſicht des Geh. R. R. und Profeſſors Crome bis auf die neueſte Zeit unterhalten worden iſt. Durch außerordentliche Zuflüſſe, bey Promotio⸗ nen, Inſcriptionen u. ſ. w. mag immer bisher doch alljährlich die Summe von 6 bis 700 fl. für neue Werke verwandt worden ſeyn, Wird man nun die, der Univerſität ſchon zuge⸗ ſicherten Doubletten der Darmſtädter öffentlichen Bibliothek einperleiben, ſo kann ſie leicht einen Schatz von 70 bis 30000 Bänden enthalten, den viele deutſche Univerſitäten n icht beſitzen. Mir iſt es nicht entgangen, daß auch unter dem Univerſitäts⸗Beſuche eine Mode exiſtirt. Ich erinnere mich, daß es zur Mode gehörte, Erlangen, Marburg, Würzburg, Jena, Heidelberg und Göttingen zu beſuchen. Aber auch Gießen wurde und wird noch, ſeiner gehaltvollen Lehrer ſowohl, als des angenehmen und wohlſeilen Aufenthalts halber, von Ausländern beſucht. Oft ſehr geringfügige Urſachen mußten die Veran⸗ laſſung dazu hergeben, daß der Zug ſich einer andern Univerſität zuwandte. Jetzt iſt's wieder Mede nach Göt⸗ tingen zu wandern, und ohne daß dieſer ſonſt ſo berühm⸗ ten Univerſität, ſeit der bekannten Poriode ihres Verru⸗ fes, weſentliche Erweiterungen ihrer Inſtitute oder Ver⸗ mehrung des Lehrer⸗Perſonals zu Theil geworden wä⸗ ren, ſehen wir jetzt aus dem Großherzogthum Heſſen auf 40 Jünglinge dort und 20 auf andern Univerſitäten ſtudiren, und mindeſtens die Summe von 40,00o fl. baaren Geldes pr. Jahr, der Cirkulation des Inlandes entziehen! Es liegt ſchon begreiflich in den erſten Wünſchen des ſich ſelbſt überlaſſenen Jünglings, ſeinen Ausflug auf die Univerſität von der elterlichen Controle ſo weit als möglich zu verlegen. Sehr häufig ſind Eltern und Vormünder nur zu nachgiebig, und müſſen die koſtba⸗ ren akademiſchen Wander⸗Jahre ihrer Söhne oder Mün⸗ del mit empfindlichen Nachwehen büßen. So ſprach ich kürzlich einen Schulmeiſter, der ſeinen Sohn nach Göttingen ſchicken wollte, weil er es, der vielen Schul⸗ kameraden halber, die dort wären, wünſche, man aber auch dort mehr und beſſer lernen könnte! Den Mann wird es, wie ich ſicher weiß, ſein Hab und Guth koſten, den Sohn einige Jahre in Göttingen zu erhalten, und dann kehrt dieſer zurück und hat vielleicht nur das ſchöne Univerſitätsgebäude oder deſſen Schätze äußerlich geſehen. Ich getraue mir dreiſt zu behaupten, daß man weder in der geringeren Tüchtigkeit der Lehrer, noch in dem Vermiſſen einer europäiſchen Bibliothek zu Gießen, einen Grund findet, eine fremde Uniyerſität zu ſuchen, aber es iſt Mode! Daß ich jedoch hiermit einem unbedingten Univer⸗ ſitäts⸗Zwang nicht das Wort reden will, vielmehr es ſehr billige, wenn es die Vermogensumſtände den El⸗ tern erlauben, ihre Söhne mehrere höhere Bildungs⸗ anſtalten beſuchen zu laſſen, muß ich hier ausdrücklich bemerken. Will man aber die Eltern nicht in unnöthige Sargen ¹ dunge⸗An zu beſuch gleichſam Unte ſerer Lan blick nicht kationen Werlin, Freyburg, ſolche abe⸗ Grof mnehr der Jünglinge Der Student loße B. thlänzende net, ihn; genden el ſitheint es iir unſern Mürdigu Natargen ni kultiyi wir Geleg ſprüchen; den, deren tin unſer maf zerſt ti edehei Univerſitäten n 40,00o fl. des Inlandes ten Wünſchen inen Ausflug trole ſo weit Eltern und a die koſtba⸗ ee oder Mun⸗ So ſprach n Sohn nach vielen Schul⸗ e, man aber r weiß, ſein 2 Jahre in dieſer zurück ſitätégebäude , daß man rer, noch in k zu Gießen, zu ſuchen, gten Univer⸗ vielmehr do nde den E⸗ Bildungö⸗ ausdrickich n unnöth ir — 13— Sorgen über das Gute der inländiſchen oberſten Bil⸗ dungs⸗Anſtalt verſetzen, und Ausländer abhalten, ſolche zu beſuchen, dann darf man deren Mängel nicht gleichſam ſchauerlich übertreiben! Unter den 24 verdienſtvollen Profeſſoren auf un⸗ ſerer Landes⸗Univerſität, befinden ſich in dem Augen⸗ blick nicht weniger als 13, welche ſehr ehrenvolle Vo⸗ kationen auf andere Univerſitäten, namentlich nach Berlin, Heidelberg, Bonn, Göttingen, Tübingen, Freyburg, Leipzig, Landshut und Frankfurt aufzuweiſen, ſolche aber in patriotiſchem Sinne abgelehnt haben! Große, öffentliche Bibliotheken dienen bekanntlich mehr den Lehrern als den angehenden ſtudirenden Fünglingen. Der des Lernens halber die Uniyerſität beſuchende Student muß nicht in Palläſten wohnen. Theater, zroße Bibliotheken, Muſeen, Bildergallerieen, das klänzende Geräuſch einer großen Stadt, ſind wenig geeig⸗ jet t; ihn zum wiſſenſchaftlichen, auch wahre Bürger⸗Tu⸗ zenden ehrenden, Staatsdiener zu bilden. Ueberhaupt ſheint es mir unſere Pflicht und an der Zeit zu ſeyn, ir unſern Sohnen mehr wahren bürgerlichen Biederſinn, Vürdigung der Rechtlichkeit, Sinn für häuslichen⸗ und ſaturgenuß und Beſchränkung ihrer Luxus⸗Bedürfniſſe, zu kultiviren. Wir ſorgen nicht gut für ſie, wenn wir Gelegenheit ſuchen, wo ſie piel zu früh mit An⸗ ſprüchen und vermeintlichen Bedürfniſſen bekannt wer⸗ den, deren Nichtbefriedigung, wie es noch in den Zei⸗ ten unſers Wohlſtandes möglich war, ſo ſichtbar aif Zerſtörung des Familienglücks einwirken, daß Zu⸗ ſiedenheit mit ſeiner Lage, und wahre Würdigung der — 14— dielfachen häuslichen Freuden, die uns zu Gebot ſtehen, ſchon anfangen zu den Seltenheiten zu gehören. Klagen über beſondere Unſittlichkeit der Stu⸗ direnden in Gießen, Burſchen-Ton, Unfleiß, Erſchwe⸗ rung ihres Zutritts in Familien⸗Cirkel, ſind, in ſo ferne man dergleichen Deſiderien nur auf dieſe Uni⸗ verſität anwenden wollte, eben ſo wenig gegründet. Wird die Staatsregierung dafür ſorgen, daß, nach dem Beyſpiele anderer Univerſitäten, an die Stelle des bis⸗ herigen Disciplinar⸗Gerichts, aus Profeſſoren combinirt, ein eigener tüchtiger Univerſitäts⸗Amtmann beſtellt wird, dann iſt auch in der akademiſchen Polizey einem we⸗ ſentlichen Mangel abgeholfen. Sorge man dann nur mehr dafür, daß die Jüng⸗ linge gute Sitten mit ächtwiſſenſchaftlichem Sinne von den Schulen und von Hauſe mitbringen, laſſe man ſie nicht in dem Alter des Knaben die Uniper⸗ ſität beſuchen und als angehende Jünglinge wieder verlaſſen, ſo werden ſie ſich in dieſer wenig geräuſch⸗ vollen ländlichen Stadt, ſehr wohl befinden, überall Zutritt in gute Familien⸗Cirkel haben, und die Eltern, hinſichtlich der bemerkenswerthen Wohlfeilheit in Gie⸗ ßen, viel weniger Geld koſten.— An honetten ſonſtigen Gelegenheiten zu Erholun⸗ gen, fehlt es den Studirenden in Gießen nicht. Sie ſind unter Beachtung der geſetzlichen und Anſtands⸗ Vorſchriften, mit Bereitwilligkeit in das Caſino⸗ in die allgemeine und Leſegeſellſchaft, ſo wie in das wöe chentliche Liebhaber⸗Concert aufgenommen. — — V Snczirg Entzůcke Den im geſel Harmonn rühmlich vereint f hätte vie de Land ausgeſore Aeußeru ſo hoffe tegierung Inſtit Ich hof heit au wohner nißpolle keine F und der ſich du bot ſiehen, en. t der Stu⸗ Erſchwe⸗ ind, in ſo jeſe Uni⸗ gegründet. „ nach dem lle des bis⸗ combinirt, heſtellt wird, einem we⸗ 3 die Jüng⸗ hem Sinne ngen, laſſe die Univer⸗ nge wieder g geräuſch⸗ en, überall die Eltern, het in Gie⸗ zu Echolun⸗ nicht. Sie 5 do⸗ d Anſtande Caſino, in in das wbe Patrioten, mit großen Geldſummen unterzeichnet, um der alten Schweſterſtadt, durch Entziehung ihrer leinzigen Nahrungsquelle, und des einzi⸗ — 15— Wie wunderſchön die ländliche Umgebungen und Spaziergänge der Stadt ſind, davon wird Jeder mit Entzücken reden, dem ſie bekannt geworden. Den gehaltvollen, herzlichen, freundſchaftlichen Ton im geſelligen Leben der Stadt, die ſeltene kollegialiſche Harmonie unter den Profeſſoren, wird man, in gleich⸗ rühmlicher Auszeichnung, nur höchſt ſelten, wie dort, vereint finden. Ein verehrtes Mitglied dieſer Kammer hätte vielleicht den jüngſt ausgeſprochenen Vorſchlag, die Landes⸗Univerſität in die Reſidenz zu verlegen, nicht ausgeſprochen, wenn ihm bekannt geweſen wäre, daß es ſo ganz troſtlos um das Inſtitut in Gießen nicht ausſiehet. Da jedoch deßen und anderer Collegen beſorgliche Aeußerungen wahre Beſtürzung daſelbſt erregt haben, ſo hoffe ich mit Zuverſicht, die Kammern wie die Staats⸗ regierung werden dem auch konſtitutionellen Inſtitut, ſein ferneres Fortbeſtehen in Gießen ſichern⸗ Ich hoffe ferner, daß es bald und mit Beſtimmt⸗ heit auch oͤffentlich ausgeſprochen werde, um die Be⸗ wohner dieſer Stadt, deren Wohlſtand in den perhäng⸗ nißvollen Kriegsjahren ſo unausſprechlich gelitten, die keine Fabricken keinen Handel hat, der Verzweiflung und dem gänzlichen Verarmen zu entziehen, dem ſie ſich durch eine Verlegung der Univerſität rettungslos preiß gegeben ſehen würde. Wie ich höre, haben ſich bereits Darm ſtädter gen Landes⸗Inſtituts in der Proyinz Ober⸗ heſſen, auf dem jedoch bisher der beyweitem größte Theil der Staatsdiener des Großherzogthums und viele Mitglieder dieſer verehrlichen Kammer genuͤgend ihre wiſſenſchaftliche Bildung erlangten, den Ruin zu be⸗ ſchleunigen! Leider entbehrten meine beſorgten Mitbürger zu Gießen die bedeutenden Vergünſtigungen zur Vermeh⸗ rung ihres Wohlſtandes, welche den Reſidenz⸗Bewöh⸗ nern zu Gebot ſtanden, um ſie mit Reichthum und Nahrungsquellen aller Art zu beglücken. Sehen ſie ſich ſo, da ihnen noch die Nachwehen eines neuen Kirchenbaues, eines koſtbaren Kaſernenbaues und des Aufwandes für die Entwäſſerung aufliegen, vielleicht außer Stande, Geldſummen zu bieten oder aufzubringen, um ihre fernere Eriſtenz zu ſichern, ſo bleibt ihnen nichts übrig, als ihr Schickſal dem Schutz der höchſten Staatsregierung und dem Beyſtande der Kammern vertrauensvoll hinzugeben. Mein Antrag gehet alſo dahin, die Kammer möge der Staatsregierung einsweilen für dieſe Finanzperiode einen Zuſchuß von jährlichen fl. 10,000— bewilligen, und es ihrer Weisheit überlaſſen, ſolche für die Lan⸗ des⸗Univerſität Gießen zu verwenden. Darmſtadt am 15,. Februar 1821. , 5. 8. 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