Un.-tabl. Giessen — 7 8 . WiEEEiEEEmEEmmmmEEiEEEEEEEEEnn IIIIIEmninmn 11 UEE Montag Gießener Anzeiger General-Kuzeiger w8 Er u Amts⸗ und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. A 8 N Neehe ee IIIIIIIIHHIIIHHIAAENHEIIIHEEEIEEEHIEIHIIIHIHIEIEEIEMMUIHMUIII IIIHEHIlimmnulHillin o Einweihlung 4 11 Enthüllung der 5 des nenen Wliniken. 1 NLiebig⸗Denkmals. Iiiitilliii amlliIIIllIInê ˖i i i u 5 9 C 2— 4 . 4 1 — Gilt es doch, heute eine Doppelfeier zu be⸗ † in Erg ſwohl in München als auch in Gießen, alſo an den beiden Stätten gehen, wie ſie ſelbſt in dieſer feſtesfrohen von Kebigs Wirkſamkeit, aufzuſtellen.“ Dieſer Vorſchlag begegnete zuerſt Seit zu den Seltenheiten gehört: heute ſoll mannmfachen äſthetiſchen Bedenken, die aber ſchwanden, als der erſte Kenner der mächtige Bau, der ſtolz auf unſere Stadt antiker Uunſt, Ernſt Curtius, in einem durch Präcedenzfälle begründeten von ſeiner Höhe herniederſchaut, dem Dienſte Gutahtan ſich für den Antrag ausgeſprochen hatte. So wurden denn von der der Wiſſenſchaft übergeben werden— heutevorhandmen Summe 25 000 Mark abgezweigt, welche man als vollkommen ſoll die Hülle fallen von dem Denkmal, das ausrächend für einen zweiten Abguß des zu ſchaffenden Monuments erachtete. Dankbarkeit, Liebe und Verehrung dem Die Aüsführung des letzteren wurde der bewährten Uunſt Michael Was⸗ größten Bürger Gießens geſetzt haben. Beide müllers anvertraut, dem es aber verſagt war, das Werk, dem er einige CTheile der Feier tragen einen vorwiegend Iahre ſeines Lebens gewidmet hatte, vollendet zu ſehen. Er ſtarb bevor er reichen ſich Stadt und Univerſttet Madenhen Charakter, aber hohen Sinnes die letzt Hand daran legen konnte. Seinem Freund und Schüler Wilhelm Feſtes deron Badeut niverſität die Hand zum gemeinſamen Begehen eines Rümann iſt es gelungen, das Bild im Geiſte des Meiſters zu vollenden, wie 3 w5, deiſen 1 e 5 unS noch weit in kommende Geſchlechter hinreichen wird. wir's heute in der Iſarſtadt bewundern. Bis dahin war auch der Stadtvor⸗ längſt nicht ſeit Rahnenerrant n Ttraht wurde, ein würdiger Erſatz der ſtand zu Gießen mit der Aufſtellung der Reproduktion dieſes Denkmals einver⸗ 5 dic der Munifice d ipreehen 114 a emiſchen Klinik, heute iſt es vollendet ſtanden und es wurde ein„Lokal⸗Comité“ gebildet, welches unter dem Vorſitze Adeuid doreim fic 5 er heſſiſchen Nammer, von heute ab reiht ſich räumlich des Pofeſſors Will den Plan zur Ausführung bringen ſollte. Allein bald de me zzinſche. Faku tät den größten Inſtituten Deutſchlands würdig an, wie machten ſich hiergegen ſchwerwiegende Bedenken geltend. Wagmüllers Werk ihn de ſ is llchon Whlse lhengfir zur Seite geſtanden hat. Mit freu— ſtellt Lebig in langem Calare als alternden Mann aus den Jahren ſeiner f Gl Inntheen riſhie ie ürgerſchafl, die ja ſtets an den Geſchicken der Hoch⸗ Münchener Thätigkeit dar, die Gießener aber wünſchten ihren Liebig, wie ſie dner Thellen ditdeil enanteſ hat, Anh dieſen neuen Aufſchwung, der ihn gekannt, in der Vollkraft ſeiner Jahre und ohne den bei uns nicht üblichen Geht dieſer erſte werſtie uin 4 er Stadt, eur zum Ruhme gereichen kann. Calar zu beſitzen. Man ſetzte ſich mit dem General⸗Comité in Verbindung an, ſo ruiht die Vehentun aülige Feier zunächſt nur beſchränktere Kreiſe und veranſtaltete mit deſſen Huſtimmung eine Machſammlung, durch welche die loHer Ezodanfe Ju un Eraef en ſchon weiter... Mittl zur Errichtung eines neuen unſerer Stadt würdigen Denkmals für Liebis Ruchnt begründete eldhe Lee 45 ein Denkmal an der Stätte, wo er ſeinen beſchafft wurden. Der Meiſterhand Fritz Schapers in Berlin wurde die Forſchers auf nlent d Drutf miſhte unmittelbar nach dem Code des großen Ausführung dieſes neuen Monuments übertragen und von dieſem in ſo herr⸗ Frales zu dieſem Zwecke Dentſche chemiſche Geſellſchaft zu Berlin den Beſchluß licher Weiſe vollendet, daß das Werk nach dem Ausſpruche A. W. v. Hof⸗ ſich n Ardantyen an Ausſchuß lehei veranſtalten. Gleichzeitig aber hatte manns ſich in jeder Beziehung dem Göthe⸗Denkmal im Berliner Thiergarten nens in der vapriſchen Han 8 t et, der die Errichtung eines Liebigsmonu⸗ würdig an die Seite zu ſtellen vermag.—— 4 Antrag der Mänchener rie iſtadt ui ſeine Fahne geſchrieben hatte. Auf Doch auch hiermit waren alle Hinderniſſe, die ſich der Aufſtellung eines unliebſanten Zerſpiitlerun Re ſich eiden Ausſchüſſe dahin, daß, um einer Liebig⸗Standbildes in unſerer Stadt entgegenſtellten, noch nicht hinweggeräumt. Anſtrebung Weich Verſ d.den wükafte erzuhengen und um der Sache durch Eine Hauptfrage war noch ungelöſt— die Platzfrage. Das Gießener Lokal⸗ Gelteral⸗Conité“ eedfſchi Srde Die 3 nif 5 zu ſchaden, ein„internationales Comté hatte als den geeignetſten Platz den Raum vor dem neuen Umiverſi⸗ Liebigs demn onton Denk uen 5, mefches 8 Errichtung eines, dem Andenken tätsgbäude auserſehen, indem es von der richtigen Anſicht ausging, daß ein Aufruf erlaſſen, der niehn all e del 3 ſe be In dieſem Sinne wurde ein Mam, deſſen Wirken der Univerſität gewidmet war, auch im Stein räumlich den bigeiſtettſten Wiederhall fe in dnt ſch and, ſondern in der ganzen Welt mit der Univerſität verbunden ſein müſſe. Dem Auge des erfahrenen Künſtlers von 140 000 Mark zuſa d ſan.⸗ lach wenigen Jahren war die Summe konne aber der Mangel an einem architektoniſch würdigen Hintergrunde ſeines WMonements denken dſanunnene Jehrchl⸗ ſo daß man an die Ausführung des Werkes nicht verborgen bleiben, ebenſowenig wie auch der Umſtand, daß die Summe am zweckmäßigſt. E⸗ de ulnt die Frage auf, wie die vorhandene Erſchaffung von Anpflanzungen zur Herſtellung einer zweckentſprechenden Um⸗ fah fur eine Aufſtellumn veene 3 werde. Da auch die Mehrzahl der Geber gebung des ungenügenden Raumes wegen ein verfehlter Gedanke ſein müſſe. der Vorſchlag Anrachi 85 Er⸗ mals in Gießen ausgeſprochen hatte, wurde Endlich gab man dem Drängen Schapers nach und wählte die ſchönſte der uſtref 10 Jalle bi, ie Erzeugung eines Kunſtwerkes erſten Ranges an⸗ neuen ſtädtiſchen Anlagen, die Oſtanlage. Hier erhebt ſich heute das Monu⸗ zuſtreben, und, f ieſes gelungen wäre, die Reproduktion dieſes Munſtwerkes ment in leuchtendem weißen Marmor mit den grünen Bäumen des botaniſchen. =S LUEEEEEEmmmmmmmmmmmmmmmmm!m!m!m!E!EEEEEEEE FE 7 111IIIIII. lin—Aeuuumss-“ — — Gartens im hintergrunde einen herrlichen Contraſt bildend. da, der große Forſcher, kühn ſchweift ſein Blick über Häuſer und Wieſen hinweg nach ſeinem einſtigen Verſuchsfeld, der Liebigshöhe, als ob er noch einmal die Gedanken erprobe, die vor längſt vergangener Zeit ſein Innerſtes bewegt und zu ſeinen Füßen ſchmiegen ſich die Geſtalten der Wiſſenſchaft und der Agricultur. empor zu dem ernſten Antlitz und entblößen in Demuth, Liebe und Bewunderung unſer Haupt vor dem großen Geiſt, der einſt das Urbild dieſes Marmors beſeelte. Fürwahr, der Mann da oben, der die Herzen aller, die ihn, wenn ach nur in ſeinen Werken kennen, höher ſchlagen läßt, hat das Wort wahr gemackt.„Die* »er Feſtſchmuck, in welchem die Stadt Gießen die Gäſte, in erſter Linie Seine Königliche Hoheit den Großherzog, empfangen wollte, war, ſo weit derſelbe am Sams⸗ tag nicht fertig geſtellt werden konnte, theils noch am geſtrigen Tage, theils heute früh vollendet worden. Die ſtädtiſchen Gebäude, Bürger⸗ meiſterei, altes Rathhaus, Schul⸗ häuſer, Kirchthurm ꝛc., ſämmtlich mit Tannenguirlanden, Kränzen und Fahnen geſchmackvoll herausgeputzt und vielen Privatgebäuden ſind neben dem faſt alle Häuſer zierenden Fahnen⸗ ſchmuck ein mehr oder minder reiches grünes Feſtkleid angelegt worden. Prachtvoll in Entwurf wie Aus⸗ führung nimmt ſich der am Selters⸗ thor aufgeſtellte Ehrenbogen aus, zu dem von der Wieſeckbrücke aus hohe, durch Guirlanden verbun— dene Flaggenmaſten den Zugang be⸗ zeichnen. Ein Schauſtück von Decorations⸗ kunſt iſt die an der Oſtanlage vor dem Denkmal aufgeſtellte Feſt⸗ tribüne. Ueberragt von Flaggen⸗ ſtangen, flankirt von herrlichen Baum— und Pflanzengruppen, bietet dieſelbe Raum für einige hundert Feſttheil⸗ nehmer. Vor der Tribüne, gegenüber dem vor dem Denkmale aufgeſtellten Rednerpult, befindet ſich die für Se. Königl. Hoheit den Großherzog, Se. Großh. Hoheit den Prinzen Heinrich, das Staatsminiſterium, die Ehrengäſte ꝛc. beſtimmte Eſtrade. Neben dem Denkmal, in der Richtung nach der Wieſenſtraße zu, befindet ſich die Sängerbühne, der auf der andern Seite des Denkmals beſindliche Platz iſt für die Studirenden u. ſ. w. beſtimmt. In beſaees halle des Banhofs. Die Umgebung der der Einweih⸗ ung harrenden Kliniken zeigt ebenfalls den herrlichſten Baumſchmuck, die mit Guirlanden decorirten Eingänge zu den verſchiedenen Gebäuden ſind mit Kübelpflanzen geſchmackvoll um⸗ geben, an den Fagaden der Hauptgebäude wehen Flaggen in heſſiſchen und deutſchen Farben, während über der medicini⸗ ſchen und gynäkologiſchen Klinik mit dem Sanitätskreuz ge⸗ ſchmückte weiße Fahnen im Winde flattern. Als die Stunde des Eintreffens Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs heranrückte, füllten ſich auch die Straßen mit einer feſtlich gekleideten Menge, zwiſchen welcher ſich die an der Spalierbildung betheiligten Schulkinder, die anderen Lehr⸗ anſtalten, die Vereine mit ihren Fahnen, Feuerwehr u. ſ. w. nach ihren Aufſtellungsplätzen an der Frankfurter Straße be⸗ wegten. Die Erſten, welche Se. Königl. Hoheit, nachdem derſelbe den Perron verlaſſen und unter den Klängen des Präſentir⸗ marſches die Front der vom 116. Infanterie⸗Regiment ge⸗ ſtellten Ehren⸗Compagnie abgeſchritten hatte, mit Hurrah be⸗ grüßten, waren die auf der Bahnhofſtraße aufgeſtellten Krieger⸗Vereine des Bezirks Gießen. Der Prüſident des Gießener Krieger⸗Vereins, Herr Poſtſecretär Mayer, überreichte, nachdem das Hurrah verklungen, Sr. Königl. Hoheit den Front⸗Rapport, nach welchem 21 Vereine mit 926 Mann und 16 Fahnen in Parade ſtanden. Se. Königl. Hoheit ſchritt die lange Front der Kriegervereine nur theil⸗ weiſe ab, fuhr aber, von jedem einzelnen Verein nochmals mit Hurrah begrüßt, langſam an den Vereinen vorüber, wiederholt den ihn begleitenden Präſidenten ſeine Zufrieden⸗ heit über das zahlreiche Erſcheinen der Kriegervereine aus⸗ drückend. Jubelnd begrüßt von dem Publicum, fuhren Se. Königl. Hoheit hierauf nach den neuen Kliniken. Um 10 Uhr betraten Se. Königl. Hoheit und Se. Großh. Hoheit Prinz Heinrich die mediciniſche Klinik, von Sr. Magnificenz dem Rector und Herrn Prof. Riegel unter den Klängen der Nationalhymne in das feſtlich geſchmückte Auditorium geleitet. In demſelben hatte ſich bereits die ſtattliche Feſtverſammlung eingefunden. Anweſend waren Ihre Excellenzen die Staats⸗ miniſter Finger und Weber, eine Anzahl Herren des Mini⸗ ſteriums des Innern und der Juſtiz, die Fürſten v. Solms, v. Lich, Graf Laubach. Die Nachbaruniverſität Marburg war durch den Curator Geheimrath v. Steinmetz und Geheimrath Mannkopf vertreten. Wir bemerkten außer dem zahlreich vertretenen Lehrkörper den Provinzialdirector Frhr. v. Gagern, den Bürgermeiſter nebſt Stadtverordneten, die Baumeiſter unter Führung des Oberbauraths v. Welzien, die Geiſtlich⸗ keit der Stadt, die früheren Directoren der neuen Inſtitute, die practiſchen Aerzte der Stadt, die Aſſiſtenten der neuen chmee prungt auch die Empfangs⸗ Hoch aufgerichtet ſieht er † Wir aber ſchauen V antreten zu können. Anſtalt, Vertretunen der Studentenſchaft, ſowie die bei dem Bau beſchäftigt gebeſenen Handwerker. Nachdem der Großherzog, von lebhaftem Hurrah, das er mit freundlichen Gruß erwiderte, begrüßt, Platz genom— men, übergab der Oberbaurath v. Welzien den Schlüſſel zu den neuen Inſtituen Sr. Königl. Hoheit, welchen derſelbe Sr. Excellenz dem Miniſter Finger einhändigte. Derſelbe gab in einer Anſpache eine Geſchichte des Baues von ihren erſten Anfängen ud ſprach Allen, die an dem Werke Theil genommen, den africhtigen Dank der Regierung aus und übergab den Sclüſſel dem Rector Prof. Dr. Philippi. Se. Magnificenz mpfing denſelben und hielt eine kurze An⸗ ſprache, die wir i Folgendem wiedergeben: Euere Königiche Hoheit wollen Allergnädigſt geſtatten, daß ich im Name der Univerſität den ehrfurchtsvollen Dank ausſpreche für da Geſchenk dieſer großartigen Inſtitute und dafür, daß Eſſere Kdrigliche Hoheit geruhten, dieſelben ihrer Beſtimmung zu üſergeben. Euerer Königlichen Hoheit landes⸗ väterlicher Huld ind Fürſorge verdanken wir ſie. Es ſind die ſchönſten Geläude weit und breit, die ſchönſten vielleicht im ganzen Lande Sie zeigen uns, wie bei allen Fortſchritten der Cultur die Menſchheit in ihrer Unvollkommenheit und Schwäche immer abhängiger wird von ärztlicher Hilfe und Kunſt; ſie zeigenuns aber auch, wie dieſe Cultur alle ihre Mittel zuſammenaßt, um jenes Abhängigkeitsverhältniß milder und freundlicher zu geſtalten. Darum ſind dieſe glänzenden Stätten wiſſenſchüftlichen Lernens hier errichtet. Keine Facul⸗ tät bedarf ſo koſbarer Apparate, wie die mediciniſche. Aber nicht nur für die eine Facultät iſt dieſer Tag bedeutungs⸗ voll. Wir wollten ein Univerſitätsfeſt feiern und zeigen, daß wir Alle zuſammengchören. Wir wollten es aber nicht ohne unſern Landesherrn feiern, und unvergeſſen ſein wird unter uns die Stunde, als Euere Königliche Hoheit bei Allerhöchſt Ihrem letzten Hierſin unſeren Bitten nachgaben und ver⸗ ſprachen, wiederzubbmmen. Euere Königliche Hoheit ſind wiedergekommen un haben damit dieſem Tage und dieſem Feſte erſt ſeine volle Bedeutung gegeben. Euere Königliche Hoheit n as Alles unſeren ehrfurchtsvollen Dank ntJegen ee Keaigliche Hoheit haben oft erfahren, daß Landeskinder noch weitere Wünſche haben, daß insbe⸗ ſondere akademiſche Landeskinder nicht leicht zu befriedigen ſind. So wollen denn Euere Königliche Hoheit Allergnädigſt geſtatten, daß ich nit unſerem Danke den Ausdruck der Hoff⸗ nung verbinde, Guerer Königlichen Hoheit landesväterliche Huld werde uns auch hinfort nicht fehlen. Der Herr Kector übergab hierauf dem Director der Klinik die Schlüſel. Es folgt daauf die Rede des Directors der medieini⸗ ſchen Klinik, Hern Prof. Riegel. Der Vortragende leitet dieſelbe mit dem dinweis auf die hohe Bedeutung des heuti⸗ gen Tages ein. die Eröffnung dreier neuer im Dienſte der Wiſſenſchaft und ſer leidenden Menſchheit ſtehender Lehranſtal⸗ ten ſei nicht nur ür den engeren Kreis der Hochſchule, ſon⸗ dern auch für ugſere Stadt und unſer Land von hervor⸗ ragender Wichtigkit. Mit ehrfurchtsvollem Danke anerkennt er, daß in Würdgung derſelben Se. Königl. Hoheit der Großherzog durch Seine Anweſenheit bei der Eröffnungsfeier dem Feſte eine bſſonders hohe Weihe verliehen. Er ſpricht Ihm, ſowie allen Erſchienenen für ihr Kommen den Dank der Univerſität aut.— Ein Abſchnitt, wie der heutige for⸗ dert auf, einen Rickblick auf vergangene Zeiten zu werfen. In großen Zügen ſiebt der Redner nun einen Ueberblick über die Geſchichte des Unterrichts in der inneren Medicin, welche gleichzeitig die Gechichte der geſammten kliniſchen Medicin iſt. Die erſten Anſänge eines ſolchen fallen in das Ende des 16. Jahrhunderts. Bis dahin war die kliniſche Erziehung der Jünger der wſſeenſchaftlichen Heilkunde rein theoretiſch und dogmatiſch geweſen und beſtand hauptſächlich in der Inter⸗ pretation der alten mediciniſchen Klaſſiker und der von ihnen aufgeſtellten Lehrſätze. Erſt im Jahre 1578 wurden zum erſten Mal auf eine Anregung der deutſchen Studenten in Padua von den Profeſſoren Bottoni und Oddo Vorleſungen am Krankenbette ge⸗ halten und durch Seetionen der verſtorbenen Kranken ergänzt. Doch bereits nach dem Tode dieſer Lehrer fiel man in die bisherige Unterrichtsneiſe zurück, beſonders weil die Profeſſo⸗ ren ſelbſt in der nauen Methode eine Gefährdung des Be⸗ ſuches der theoretiſchen Vorleſungen ſahen. Der Vortragende characteriſirt die Art derſelben durch die Wiedergabe eines Heidelberger Lectionstataloges aus dieſer Zeit. Erſt in dem Anfang des 17. Jahrhunderts erfolgte ein neuer Anſtoß und zwar von Holland aus, wo van Heurne und Schrevelius am Krankenbett die neue Art des Unterrichts wieder einführten. Dies Mal mit mehr Erfolg. Zwar von den directen Nach⸗ folgern dieſer Forſcher verlaſſen, wurde ſie von Sylvius doch wieder aufgenommen und von Boerhave zu einem Glanz weitergeführt, der den Weltruhm und Einfluß der Leydener Schule auf die Entwickelung der kliniſchen Medicin begründete. Boerhave's Schüler ſind die hervorragenden Aerzte des 18. Jahrhunderts: van Swieten, der in Wien, und Haller, Stätte, die ein guter Menſch betrat, iſt eingeweiht. für ewige Zeiten würde ſein Geiſt bei uns fortleben, morner Körper daran mahnte. Ja, dieſe Stätte hat er geweiht; auch ohne daß uns ſein mar⸗ Aber ſo ſind wir ſtolz, ihm ein Denkmal errichten zu dürfen, würdig ſeiner, würdig unſer, da ja auch er der Unſerige war. Und nun begehen wir das Freudenfeſt, unſeres allverehrten Großherzogs, unter den Auſpicien Sr. Königl. Hoheit den Beſitz der beiden Denkmäler der Wiſſenſchaft Möge er dieſen ſein gütiges Wohlwollen bewahren, möge auch der Himmel ſeinen Segen dazu geben, daß ſie noch in fernen Zeiten beſtehen der Stadt zur Fierde, dem Lande zur Ehre, der ganzen Menſchheit zum Wohle! der in Göttingen zum erſten Mal eine Klinik errichtete. Dieſem Beiſpiel folgten die Univerſitäten in Prag, Erlangen, Jena, Tübingen, Würzburg, Leipzig u. ſ. w. Gleichzeitig mit dieſem Umſchwung und zum Theil wohl auch ſelbſt ihn miterzeugend gingen damals die gewaltigen Gährungen und Entdeckungen in allen Gebieten der Naturwiſſenſchaften einher. Dieſen gegenüber konnten eben die alten Unterſuchungs⸗ methoden nicht mehr Stand halten; der Studirende verlangte eine naturwiſſenſchaftliche Ausbildung, das Studium reeller Objecte. So entſtanden die anatomiſchen Theater, die Unter⸗ richts⸗Laboratorien, die kliniſchen Unterſuchungen am Kranken⸗ bett. Seitdem iſt der Unterricht in der kliniſchen Mediein im Weſentlichen der gleiche geblieben, die Fortſchritte der mediciniſchen Wiſſenſchaften aber ſo große geworden, daß eine Arbeitstheilung nothwendig wurde. Während früher ein Ein⸗ ziger die ganze Heilkunde in ſich begreifen und lehren konnte, mußte nun die Zahl der Lehrſtühle bedeutend zunehmen. Zu— mal in den letzten Jahrzehnten ſind die Unterſuchungsmetho⸗ den in ungeahnter Fülle vermehrt und damit wieder auch eine Reihe neuer Probleme vor den Forſcher geſtellt worden. So ſehen wir heut die Arbeitsgemächer unſerer ärztlichen Lehrer in umfangreiche, mit allen Hilfsmitteln der Chemie und Phyſik ausgeſtattete Laboratorien verwandelt, die ihnen nicht nur zu eigenen Forſchungszwecken dienen, ſondern einen weſentlichen Beſtandtheil des Unterrichts darſtellen. Denn der Studirende muß werkthätig Theil haben an allen Errungenſchaften. Wenn auch durch den umfangreichen Ausbau der einzelnen Fächer für den Forſcher die Nothwendigkeit einer Einſchränkung auf ſein eigenes Gebiet und die Gefahr, einſeitig zu werden, nicht immer zu vermeiden iſt, ſo droht dadurch der Heilkunde an ſich kein Nachtheil; denn alle Specialiſirung findet ihr natürliches Correctiv in der Einheitlichkeit des allen gemeinſchaftlichen Objectes, des erkrankten menſchlichen Orga⸗ nismus! Nicht die Krankheit, der Kranke ſelbſt iſt das Subſtrat des ärztlichen Forſchens und Handelns, nicht techniſche Fertigkeiten bilden das Weſen der ärztlichen Leiſtung, ſondern die richtige Erkenntniß des Wie und Warum der Erſchein⸗ ungen. Nicht darauf kommt es an, wie viel Kranke der junge Amt, der bald Plbſtthätig ſein ſall, geſehen hat, ionz dern wie er ſie geſehen und ob er nach wiſſenſchaftliche Methode zu unterſuchen, zu beobachten und zu denken gelernt hat. Darum iſt der Ort des ärztlichen Unterrichtes, die Klinik, nicht ohne Weiteres dem Krankenhauſe gleichzuſetzen, das nur Heilzwecke verfolgt. Sie muß alle Mittel zum Unterrichten haben. Die ſpeciellen Verhältniſſe in Gießen entſprachen dieſer Forderung von Anfang an in ſehr wenig genügender Weiſe. Die hieſige Hochſchule war eine der letzten, welche kliniſche Lehranſtalten erhielt. Die erſte, die hier— im Jahre 1814— errichtet wurde, war die geburtshilfliche. Für die innere Medicin und Chirurgie waren nur einige Betten in dem ſo⸗ genannten ſtädtiſchen Hoſpital, einem ſelbſt damals beſchei⸗ denſten Anſprüchen nicht genügenden Hauſe untergebracht. Erſt im Jahre 1831 erhielt die Univerſität ein Krankenhaus, inſoferne ihr die eine Hälfte der frei gewordenen Kaſerne zur Verfügung geſtellt wurde. Das Directorium erhielt Prof. Balſer, der zugleich Vertreter der inneren Mediein und der Augen⸗ heilkunde war. Für die Chirurgie, welche zunächſt mit der Geburtshilfe vereinigt blieb, wurde erſt im Jahre 1837 eine Klinik errichtet und zum Director Profeſſor Wernher beſtellt. Nach Balſers Tode wurden die Augenkranken zum Theil der inneren, zum Theil der chirurgiſchen Klinik überwieſen. Der Nachfolger Balſers wurde Prof. Vogel, welchem Prof. Seitz, der Amtsvorgänger des jetzigen Directors, folgte. Der Vor⸗ tragende erkennt dankbar an, daß die Staatsregierung ſo⸗ gleich alle von ihm geplanten Verbeſſerungen ſoweit als mög⸗ lich durchführte, die Bibliothek aus dem Krankenhaus ent⸗ fernte und ein Laboratorium für die Klinik errichtete. In⸗ deſſen konnten dieſe Veränderungen den Neubau einer Klinik nicht entbehrlich machen und ebenſo war ein ſolcher für das pathologiſche Inſtitut und die geburtshilflich⸗gynäkologiſche Klinik ein unabweisbares, ſchon für den Nicht⸗Fachmann augenfälliges Bedürfniß. Nach langen Vorarbeiten wurde im Auguſt 1887 der Grund zu den Bauten gelegt, die heute, nach genau 3 Jahren, vollendet daſtehen.— Es iſt ſelbſt⸗ verſtändlich, daß dieſelben mit allen den Hilfsmitteln und Einrichtungen verſehen ſind, welche die moderne Heilkunde und Hygiene für das Wohl der Kranken verlangt. In gleicher Weiſe iſt jedoch den beiden anderen Zielen der Klinik Rech⸗ nung getragen, eine Lehranſtalt zu ſein und eine Stätte zu bilden, an welcher der Lehrer weiter forſchen und der Schüler an der Forſchuug Theil nehmen kann. Der Heilzweck der Klinik iſt ihr edelſtes Endziel und darf nie aus den Augen verloren werden. Aber die Frucht der Heilung wächſt auf dem Baume der Erkenntniß. Nur wenn dem Jünger der Medicin die Möglichkeit gewährt iſt, in allen diagnoſtiſchen Methoden ausgebildet zu werden und auf den verſchiedenen Wegen in der Erforſchung der krankhaften Störungen ſelbſt⸗ thätig mitzuarbeiten, vermag er tief genug in das Weſen der Erkrankungen einzudringen, um dieſelben nach Kräften be⸗ ₰ 8 veiht; mar⸗ en zu Hoheit ſchaft auch tadt G h le! chtete. ungen, Zeitig ſt ihn n und inher. ungs⸗ langte reeller Unter⸗ anken⸗ ediein te der 3 eine 1 Ein⸗ onnte, .Zu⸗ netho⸗ auch orden. lichen hemie ihnen ndern tellen. allen usbau einer ſſeitig ch der ſirung allen Orga⸗ t das niſche ndern ſchein⸗ tke der ſon Kicher elernt , die ſetzen, zum dieſer Weiſe. iniſche 14— innere m ſo⸗ eſchei⸗ dracht. thaus, ie zur galſer, ugen⸗ it der Feine eſtellt. il der Der Seitz, Vor⸗ ig ſo⸗ mög⸗ 3 ent⸗ In⸗ Klinik r das ogiſche hmann wurde heute, ſelbſt⸗ n und lkunde leicher Rech⸗ tte zu ſhüler ck der Augen t auf r der tiſchen denen ſelbſt⸗ in der n be— ſigen Geſangnereinen beſtehende kämpfen zu können. Darum ſind die Räume der Klinik welche der Ausführung der einzelnen Forſchungsmethoden dienen, die eigentlichen Arbeits⸗ und Unterrichtsräume, den Heilzwecken ebenſo förderlich wie die Krankenräume ſelbſt. Aller Orten werden in dieſem Sinne Anſtalten errichtet zur Löſung der Aufgaben, welche die Heilkunde an uns ſtellt. „Daß aber auch wir“, ſo fährt Redner fort,„an dieſem Wettkampfe, der dem höchſten Gute, dem Wohle der Menſch— heit, gilt, uns betheiligen können, dieſem Zwecke dienen dieſe neuen Heimſtätten der Wiſſenſchaft, deren Entſtehung dem ein⸗ müthigen Zuſammenwirken von Staat und Stadt, von Kunſt und Wiſſenſchaft zu danken iſt. So geſtatten Sie mir denn zum Schluſſe, im Namen unſerer Alma mater, im Namen derer, die mich heute zu ihrem Munde gemacht, all Denen unſeren Dank zu ſagen, die zum Gelingen dieſes Werkes bei⸗ trugen. In erſter Linie ſei unſer ehrfurchtsvollſter Dank unſerem erhabenen Landesfürſten gebracht. Se. Kgl. Hoheit hat allezeit Seinen hohen Schutz und Schirm der Wiſſen⸗ ſchaft zu Theil werden laſſen; Seiner nie ermüdenden landes⸗ väterlichen Huld iſt das Gelingen dieſes Werkes in erſter Reihe zu danken. Auſrichtigſter Dank ſei der hohen Staats⸗ regierung geſagt, deren unabläſſigem Bemühen für das Wohl unſerer Hochſchule wir auch dieſe neuen Stätten der Wiſſen⸗ ſchaft zu danken haben; nicht minder gebietet die Pflicht der Dankbarkeit, des warmen Intereſſes zu gedenken, welches ſich die Erbauung dieſer Inſtitute von Seiten der Landſtände zu erfreuen hatte. Auch den ſtädtiſchen Behörden, deren groß⸗ müthigem Entgegenkommen dieſe ſchönen, großen Bauplätze zu verdanken ſind, ſei unſer herzlichſter Dank geſagt. Und nun zum Schluß unſeren wärmſten Dank den Meiſtern des Baufachs, deren unermüdlicher Ausdauer und Kunſt es gelungen iſt, das ſtolze Werk heute vollendet hinzuſtellen. Allen ſei herzlichſter Dank geſagt. Mögen dieſe neuen ſchönen Inſtitute die Früchte bringen, die wir erhoffen; mögen ſie beitragen zum Ruhme deutſcher Geiſtesarbeit und unſerem Vaterlande und unſerer Hochſchule zur Ehre gereichen.“ Hierauf brachte der Rector ein Hoch auf Se. Königliche Hoheit aus, in das die Verſammelten dreimal begeiſtert ein— ſtimmten. Auf Aufforderung des Directors Prof. Riegel begab ſich der Großherzog mit Gefolge darauf zu einem Früh⸗ ſtück in den feſtlich geſchmückten Reconvalescenten⸗Saal, wäh⸗ rend die übrigen Gäſte in einem Pavillon bei einem reich ausgeſtatteten Frühtrunk bewirthet wurden. Nach Beendigung der Feier in den Kliniken erfolgte zwiſchen der ſpalierbildenden feſtlich gekleideten Schuljugend und die Vereine hindurch die Fahrt nach dem alten Rathhauſe zur Beſichtigung der Sammlung des Oberheſſiſchen Ge⸗ ſchichtsvereins, nachdem Se. Königl. Hoheit an der Ehrenpforte am Seltersweg die Begrüßung durch eine Anzahl Ehrenfräulein entgegen zunehmen geruht. Punkt 12 Uhr fuhren Se. Königl. Hoheit durch die Schulſtraße und Neue⸗Bäue nach der Oſtanlage. Hier hatte ſich um das verhüllte Denkmal, wie auf der Tribüne ein zahlreiches Publikum verſammelt. Nach Ankunft des Groß⸗ herzogs und des zahlreichen Gefolges trug der aus den hie⸗ „Die Ehre Gottes in der Natur“ vor. Nachdem die letzte Strophe des Geſanges verklungen, fiel die von vier Flaggen⸗ ſtangen gehaltene Hülle des Denkmals. Mit einem ſchön gearbeiteten Geländer umgeben, erhebt ſich über einige Stufen, auf hohem Sockel die Geſtalt Liebigs in der bürgerlichen Tracht ſeiner Zeit. Ihm zu Füßen ſitzen, in Ueberlebensgröße Minerva und Ceres. Das ganz aus Marmor hergeſtellte Denkmal macht, umgeben von der herrlichen Oſtanlage und überragt von denalten Bäumen des botaniſchen Gartens, einen herrlichen Eindruck. Nachdem die Hülle ge— fallen, trat der Vorſitzende der Executiv⸗Commiſſion, Geh. Regierungsrath Prof. Dr. A. W. v. Hofmann, an den Rednerpult und ergriff das Wort zu folgender Anſprache: Königliche Hoheiten! Magnificenz! Hochgeehrter Herr Bürgermeiſter! Hochanſehnliche Feſtverſammlung! Die Hülle hat ſich geſenkt; Aller Augen haften an dem herrlichen Kunſtwerk, welches uns der heutige Tag beſcheert. In dem leuchtenden Marmor erblicken Einige von uns die theueren Züge des geliebten Vaters, Andere das Bild des ſelbſtloſen Freundes, des begeiſternden Lehrers,— wir Alle, die wir hier verſammelt ſind, ein Denkmal, würdig des großen Forſchers, welcher den Namen dieſer lieben Stadt bis an die entfernteſten Grenzen der bewohnten Erde ge⸗ tragen hat. Schon ſind nahezu vier Jahrzehende entſchwunden, ſeit die Wirkſamkeit Liebigs an hieſiger Univerſität durch ſeine Ueberſiedelung nach München zum Abſchluſſe gelangte. Es liegt daher in der Natur der Dinge, daß es nur Wenigen der hier Vereinten vergönnt geweſen iſt, den edlen Mann von Angeſicht zu Angeſicht zu ſchauen; immerhin erblicken wir zu unſerer Freude im Kreiſe der an der heutigen Feier Theilnehmenden neben verehrten Gliedern der Familie Liebig Lehrer der hieſigen Hochſchule, welche noch gleich⸗ zeitig mit ihm des Lehramts walteten, hochangeſehene Bürger dieſer Stadt, welche ihm nahe ſtanden, zahlreiche Schüler, welche ſich rühmen dürfen, dem edlen Meiſter zu Füßen ge⸗ ſeſſen zu haben, ſie Alle bezeugen jubelnd, wie glücklich — wie über die kühnſten Erwartungen hinaus glücklich— die Meiſterhand unſeres Schaper es verſtanden hat, dem Marmor Leben einzuhauchen und das naturgetreue Bild des Herrlichen aus demſelben zu erwecken. Ja, wie er hier vor uns ſteht, ſo erſchien er Denen, welche ſich in der Werkſtätte der chemiſchen Forſchung um ihn ſchaarten, welche im Hör⸗ ſaale an ſeinen Lippen hingen, welche ihm auf dem Markte des Lebens begegneten. Dies iſt die hochgewölbte Stirn, in welche unabläſſige Gedankenarbeit eben die erſten Furchen eingezogen hat; dies der kühne Blick, welcher die Natur der Dinge zu ergründen ſtrebte; dies der feingeſchnittene Mund, Chor das Beethovenſche, 1 —— die Ergebniſſe der Forſchung in beredten Worten verkündend; dies endlich die vornehme Haltung des Mannes, welche die Freunde bezauberte und die Unberufenen fern hielt. Liebig iſt während der ſchönſten und wichtigſten Zeit ſeines Lebens Bewohner dieſer Stadt geweſen. Mit 21 Jahren Profeſſor an der Univerſität Gießen, hat er ſich nahezu drei Jahrzehende lang unabläſſig deren Dienſte gewidmet. Die Aufgabe, welche ſich der Schöpfer dieſes Standbildes geſtellt hatte, war, den Liebig jener Periode, den Lehrer, den Forſcher in der Vollkraſt der Jahre zur Anſchauung zu bringen, und dieſe Aufgabe hat er— es wird mit ſeltener Einſtimmigkeit anerkannt— in bewundernswerther Weiſe gelöſt. Mit nicht geringem Intereſſe erfahren wir, daß Liebig der hieſigen Hochſchule als Profeſſor bereits in einem Alter angehört hat, in welchem Viele erſt die Univerſität als Stu⸗ dirende beziehen, und es erſcheint am heutigen Tage und an dieſer Stelle wohl angezeigt, daß wir nach den Lebensbe⸗ dingungen des Knaben und Jünglings fragen, aus denen ſich eine ſolche Frühreife entfalten konnte. Juſtus Liebig ward am 13. Mai 1803 in Darm⸗ ſtadt geboren. Sein Vater Georg Liebig beſaß eine wenig umfangreiche Materialienhandlung und pflegte manche der von ihm verkauften Farbſtoffe, Firniſſe und Lacke ſelber zu bereiten. In dem kleinen Laboratorium, welches dieſen Zwecken diente, hat der Knabe ſeine erſten chemiſchen Träume geträumt. Er kannte kein größeres Vergnügen, als ſeinem Vater bei der Arbeit zuzuſehen und ihm gelegentlich zu helfen. Daß dieſe chemiſchen Liebhabereien ohne Einfluß auf die Schularbeiten geblieben wären, kann nicht behauptet werden. Der jugendliche Kopf iſt mit chemiſchen Gedanken ganz und gar erfüllt; ſtatt die Metamorphoſen des Ovid vorzu⸗ bereiten, werden, ſoweit die Darmſtädter Bibliothek ſeinen Wiſſensdurſt befriedigen kann, die Metamorphoſen der chemiſchen Verbindungen ſtudirt; aber mehr noch: chemiſche Präparate, und gelegentlich nicht ganz ungefährliche, finden ihren Weg in die Schulmappe des Gymnaſiaſten. Eine knatternde Flamme, die in unglücklicher Stunde aus dieſer Mappe emporſchlägt und die ganze Klaſſe, Lehrer wie Schüler, in Schrecken verſetzt, bringt die Vymnaſiallaufbahn des eifri⸗ gen Experimentators zu einem plitzlichen, vielleicht nicht ganz freiwilligen Abſchluſſe. Unſer junger Freund tritt nun in Heppenheim als Lehr⸗ ling in eine Apotheke, allein auch ſeine pharmazeutiſche Lauf— bahn endigt mit einem Knalleffect, und wir finden ihn als— dann, Chemie und Phyſik ſtudirend, nach einander auf den Univerſitäten Bonn und Erlangen. Dort gibt ihm Profeſſor Kaſtner, der den Jüngling liebgewonnen hatte, den Rath, ſeine Studien in Paris fortzuſetzen. Allein wer ſollte den Aufwand einer ſo koſtſpieligen Studienzeit be— ſtreiten? Der Vater konnte es nij dem beſten Willen nicht; ſeine Mittel waren durch den Aufenthalt des Sohnes in Bonn und Erlangen nahezu erſchöpft, überdies hatte er für die Erziehung noch ſieben jüngerir Geſchwiſter zu ſorgen. Angeſichts dieſer Schwierigkeit gab es nur einen Weg: näm⸗ lich die Hutfe des Landesfurſten zu ervirten. Es iſt be⸗ kannt, mit welchem Erfolge der 19jährige Jüngling dieſen Weg betreten hat. Dieſe Bitte und deren huldvolle Ge⸗ währung durch den glorreichen Ahnherrn des Fürſten, unter deſſen Auſpicien wir heute verſammelt ſind, bilden den Aus⸗ gangspunkt für die Ruhmeslaufbahn, welche bis zu den Stufen dieſes Denkmals emporgeführt hat. Mit lebhafter Theilnahme verſetzen wir uns in die ſorgenvollen Tage zu⸗ rück, in denen die nächſte Zukunft dunkel vor den Blicken des jungen Mannes lag; wir fragen nach den Verhältniſſen, unter denen er kühn und glücklich in die neue Laufbahn ein⸗ lenkte, nach den Schwierigkeiten, welche ſich ihm entgegen⸗ ſtellten, nach den Freunden und Cönnern, welche ihm halſen, ſie zu überwinden. Aber weit mehr als ein halbes Jahr⸗ hundert iſt ſeit jener Zeit enteilt, und es dürfte unter den Lebenden kaum mehr Einer ſein, deſſen Zeugniß wir anrufen könnten. Unter dieſen Umſtänden ſind wir Hrn. Finger, dem hochgebietenden Miniſterpräſidenten dieſes Landes, deſſen Anweſenheit an der Seite ſeines erlauchten Fürſten unſer heutiges Feſt verherrlicht, zu beſonderem Danke dafür ver⸗ pflichtet, daß ſich auf ſeinen Wink die heſſiſchen Staatsarchive geöffnet haben und eine reiche Sammlung von Urkunden, zahlreiche Briefe von Liebig, aber auch von anderen be⸗ rühmten Gelehrten, von Alexander von Humboldt, Oerſted, Cuvier ans Licht getreten ſind, welche erwünſch⸗ ten Einblick in jene Zeit geſtatten. Das Geſuch, welches der junge Liebig an Se. Kgl. Hoheit den Großherzog Ludwig I. richtete, datirt vom 10. April des Jahres 1822 und ſtützt ſich auf ein ausführ⸗ liches Begleitſchreiben des Profeſſors Kaſtner in Erlangen an dieſelbe Adreſſe. Bemerkenswerth iſt die Klarheit, mit welcher der Bittſteller beſcheidentlich, doch in knappſter Form ſein Geſuch motivirt, und der Ton zuverſichtlicher Ueber⸗ zeugung, welchen Kaſtner in ſeinem Empfehlungsſchreiben an den Großherzog anſchlägt. Es iſt bekannt, wie lebhaſt dieſer hochherzige Fürſt ſich für Kunſt und Viſſenſchaft intereſſirte und wie eifrig er zumal beſtrebt war, in ſeinen Landen die Gewerbthätigkeit zu heben. Die Antwort erfolgte denn auch in dem ge⸗ wünſchten Sinne, und ſchon nach wenigen Monaten begegnen wir unſerem Freunde in der Seineſtadt als wiſſensdurſtigem Hörer in den berühmten Vorleſungen von Gay⸗Luſſac und Dulong. Durch den Einfluß Alexander v. Hum⸗ boldts, den er das Glück hat, in Paris kennen zu lernen, gelingt es ihm, mit den Koryphäen der Viſſenſchaft in per⸗ ſönlichen Verkehr zu treten, ja der berühmteſte Chemiker der Zeit, Gay⸗Luſſac, verſchmähte es nicht, ſich mit dem deutſchen Studenten zu vereinigen, um eine von letzterem be⸗ gonnene Arbeit über das Knallſilber zu vollenden. Merk— würdig genug, dieſelbe exploſive Subſtanz, welche einſt aus der Schulmappe des Darmſtädter Gymnaſiaſten außblitzte, iſt nunmehr Gegenſtand einer Unterſuchung geworden, welche alsbald die Augen der wiſſenſchaftlichen Welt auf den jungen Forſcher vereinte. Schon nach anderthalb Jahren iſt der als wißbegieriger Schüler in die Fremde Gewanderte als Meiſter der Forſchung in die Heimath zurückgekehrt. Im Bewußtſein dieſer Meiſterſchaft hat er, kaum wieder auf vaterländiſchem Boden, den Muth, ſich um eine außer⸗ ordentliche Profeſſur an der Univerſität Gießen zu bewerben. Ein ſolches Anſinnen war Denen, welche dem Unterrichts⸗ weſen in Heſſen damals vorſtanden, noch nicht vorgekommen? Wie? ein junger Menſch, kaum zwanzig Jahre alt, der kein Maturitätsexamen gemacht, der auf der„Landesuniverſität“ weder ſtudirt, noch promovirt hat, glaubt ſo ohne Weiteres außerordentlicher Profeſſor werden zu können! Unerhört! Allein dieſe Bedenken ſchwanden in Folge eines Schreibens, welches Alexander von Humboldt an Se. Kgl. Hoheit den Großherzog richtete. Die Wärme, mit welcher ſich der Großmeiſter der Forſchung in dieſem Briefe über die Leiſtungen ſeines jungen Freundes ausſpricht, ja gewiſſer⸗ maßen Bürgſchaft für ſeine Zukunft übernimmt, mußte auch den Aengſtlichſten überzeugen, daß man hier einer ganz un⸗ gewöhnlich begabten frühreifen Natur gegenüber ſtehe. Die Folge war, daß Liebig zum außerordentlichen Profeſſor der Chemie an hieſiger Hochſchule ernannt wurde. Der Erlaß datirt vom 26. Mai 1824. Liebig iſt nicht lange außerordentlicher Profeſſor ge⸗ blieben. Schon nach wenig mehr als Jahresfriſt ſtarben die beiden ordentlichen Profeſſoren, von denen bislang Vor⸗ leſungen über Chemie und verwandte Fächer gehalten worden waren, und die Staatsbehörde, welche ſich kaum von dem Schrecken erholt hatte, einen einundzwanzigjährigen. Extra⸗ ordinarius ernannt zu haben, ſtand nun der noch heikleren Frage gegenüber, ob man dem Zweiundzwanzigjährigen mit dem Ordinariat belehnen ſolle. Um Anhaltspunkte für die Entſcheidung dieſer wichtigen Frage zu gewinnen, ließ ſich der Herr Miniſter ein Gutachten der combinirten philo⸗ ſophiſchen und mediciniſchen Facultäten erſtatten, und es iſt gewiß ein beredtes Zeugniß für die Dienſte, welche der junge Außerordentliche der Univerſität bereits geleiſtet hatte: die Ernennung zum Ordinarius wurde von beiden Facultäten nahezu einſtimmig befürwortet. Kur der Profeſſor des Hebräiſchen war entſchieden dagegen. Was ſolche Uebereinſtimmung zweier Facultäten zu be⸗ deuten hat, wird Jeder auch nur einer Facultät Angehörige gern bezeugen! Auf den Bericht der hieſigen Univerſität erfolgte denn auch unmittelbar die Beſtallung. Das Decret iſt vom 9. December 1825, alſo nur 18 Monate jünger als das der Ernennung zum außerordentlichen Profeſſor. Und nun beginnt für den Forſcher, deſſen Andenken wir feiern, eine Reihe arbeitsvoller, aber auch fruchtreicher Jahre. Entdeckung reiht ſich an Entdeckung, wie Perle an Perle auf einer Schnur. Alle Länder Europas, ja der entlegene Weſten jenſeits des atlantiſchen Oceans, ſenden lernbegierige Schüler, die er in die neu aufblühende Wiſſenſchaft einführt. Aber dem Günſtlinge des Geſchicks, dem die Quelle der inneren Befriedigung ſo reichlich ſprudelt, fehlen natürlich duu. zaßl⸗ 3 reiche Kundgevungen—der aͤußerrtchen Anerrennung Schon hat ihn der Fürſt des Landes in den heſſiſchen Frei⸗ herrnſtand erhoben, auch die Regierung iſt eifrig bemüht, ihm nach Kräften entgegenzukommen. Die Räume des Laboratoriums reichen für den ſtets wachſenden Schülerkreis bereits nicht mehr aus. Liebigs brennender Wunſch iſt, ſein Inſtitut vergrößert zu ſehen. Der Erfüllung desſelben ſtellen ſich zunächſt Schwierigkeiten in den Weg, aber ſie werden überwunden und im Laufe von drei Sommermonaten des Jahres 1839 entſteht der Ver⸗ bindungsbau zwiſchen dem urſprünglichen Laboratorium und der Klinik, den Bedürfniſſen der damaligen Forſchung in jeder Beziehung genügend, welcher, obwohl den Anforderungen der heutigen Wiſſenſchaft nicht mehr entſprechend, lange Jahre hindurch allen neu begründeten Laboratorien als Muſter ge⸗ dient hat. Wiederholt wird ihm die verführeriſche Aufforde⸗ rung, ſeinen Wirkungskreis an hieſiger Hochſchule mit groß⸗ artigen Stellungen an hauptſtädtiſchen Univerſitäten zu ver⸗ tauſchen. Von Dankbarkeit für ſein heſſiſches Vaterland erfüllt, widerſteht er den verlockendſten Anerbietungen. Wenn er gleichwohl, ſchon auf der Schwelle des Alters, noch einem Rufe nach München gefolgt iſt, ſo waren es nicht ſowohl die Vor⸗ theile der ueuen Stellung, welche ihn beſtimmten, als viel⸗ mehr das Gefühl, daß ſeine Geſundheit der anſtrengenden Lehrthätigkeit, welche er während eines Vierteljahrhunderts geübt hatte, nicht mehr gewachſen war. Ueberdies konnte er die von ihm gegründete Schule der bewährten Hand eines Mannes anvertrauen, den wir Alle kennen, den wir Alle lieben und der heute glücklich iſt, ſeinem Lehrer, ſeinem Amts⸗ vorgänger dieſes Standbild errichten zu helfen. Verehrte Feſtgenoſſen! In flüchtigen Umriſſen hab' ich verſucht, Ihnen den Lebensgang des Mannes zu ſchildern, zu deſſen Standbild wir emporblicken; etwas eingehender durft' ich, der Feier des Tages entſprechend, bei den Bezieh⸗ ungen verweilen, in denen er während dreier Jahrzehende zu der Stadt und der Univerſität Gießen geſtanden hat. Von dem köſtlichen Inhalte dieſes Lebens iſt bisher kaum die Rede geweſen, und doch iſt es ganz eigentlich die Lebensarbeit des Mannes, welche uns zu dem heutigen Feſte vereinigt hat. Wo aber fände ich den Anfang, wo das Ende, unternähme ich es, in den wenigen Augenblicken, die mir vergönnt ſind, Ihnen den Umfang dieſer ſich über ein halbes Jahrhundert erſtreckenden, allſeitig verzweigten Arbeit auch nur anzudeuten? Ich müßte Sie bitten, mich durch das ganze unermeßliche Reich der chemiſchen Erſcheinungen zu begleiten, denn in allen Theilen desſelben hat er unvergängliche Wahrzeichen ſeiner bahnbrechenden Wirkſamkeit zurückgelaſſen. Allein, wie verlockend es erſcheine, dieſe Wirkſamkeit im Einzelnen zu verfolgen, ich muß mich begnügen, der größten Errungenſchaft zu gedenken, welche Liebig der Welt hinter⸗ laſſen hat. — Verehrte Feſtgenoſſen! Neben der Statue der fackel⸗ ragenden Minerva hat die ſinnige Hand des Künſtlers das Bild der ährenbekränzten Ceres an dem Sockel des Denkmals aufgeſtellt; er will uns daran erinnern, daß es der große Forſcher geweſen iſt, welcher, einer der Erſten, die Leuchte der Wiſſenſchaft in die geheimnißvolle Werkſtatt des Pflanzen⸗ lebens hineingetragen hat.— Nahezu zwanzig Jahre waren verfloſſen, ſeit Liebig den hieſigen Lehrſtuhl der Chemie eingenommen; er hatte ſich während dieſer ganzen Zeit eingehend mit den Körpern be⸗ ſchäſtigt, welche dem Organismus der Pflanze entſtammen. Es konnte nicht ausbleiben, daß ſich im Laufe dieſer Unter⸗ ſuchungen ſein Auge wieder und wieder dem Organismus ſelber zulenken mußte, in welchem dieſe Körper gebildet werden. Das Studium des Lebensproceſſes der Pflanze war die Aufgabe, welche ſich naturgemäß an die Erforſchung der in dieſem Proceſſe erzeugten Verbindungen anſchloß. Auch ſehen wir gegen die Mitte des Jahrhunderts hin ſeine ganze Kraft dieſer Aufgabe gewidmet. Die Ergebniſſe ſeiner Stu— dien ſind indeſſen ſchon ſo vollſtändig in das Bewußtſein der heutigen Generation eingedrungen, daß es nicht leicht iſt, ſich in die Zeit zurück zu verſetzen, in welcher Liebig das Leben der Pflanze vom chemiſchen Geſichtspunkte aus zu betrachten begann. Es wird in der That ſtets eine denkwürdige Epi⸗ ſode in der Geſchichte der menſchlichen Erkenntniß bleiben, daß eine Wiſſenſchaft, welche zu den jüngſten zählt,— daß die Chemie berufen war, der älteſten aller menſchlichen Ge⸗ werbthätigkeiten, dem Ackerbau, den Schlüſſel zum Verſtändniß tauſendjähriger Erfahrung zu liefern, und daß ihm dieſer Schlüſſel von einer Hand gereicht wurde, welche niemals eine Pflugſchaar geſührt, welche nie geſäet und geerntet hatte. Daß die Fruchtbarkeit des Ackers durch Zufuhr von Dünger erhöht werde, war unzweiſelhaft feſtgeſtellt. Ueber die Art und Weiſe aber, wie der Dünger ſeine Wirkung aus— übt, hatten ſich die ſeltſamſten Vorſtellungen ausgebildet. In⸗ dem Liebig ſcharf die Nahrung unterſchied, welche die Pflanze der Atmoſphäre und welche ſie dem Boden entnimmt, ge⸗ langte er zu der Ueberzeugung, daß es Zweck der Düngung ſei, dem Boden die in den Ernten entführten Mineralbeſtand⸗ theile zu erſetzen. War dieſe Auffaſſung die richtige, ſo mußte dieſer Erſatz auch auf andere Weiſe als durch anima⸗ liſchen Dünger bewerkſtelligt werden können. Die Richtigkeit dieſer Schlußfolgerung war aber noch durch den Verſuch zu erhärten. Und nun verlaſſen unſere Blicke einen Augenblick das neuenthüllte Standbild und ſuchen den öſtlichen Horizont der Stadt. Dort, am Saume des Philoſophenwaldes, zog ſich damals ein ſandiges Gelände hin, welches nur ſtellen⸗ weiſe den kümmerlichſten Pflanzenwuchs zeigte. Ein geeig⸗ neterer Boden, um die neue Theorie auf die Probe zu ſtellen, hätte nicht gefunden werden können. Liebig zögerte keinen Augenblick. Er erſuchte den Magiſtrat der Stadt Gießen um käufliche Ueberlaſſung jener Strecke Landes, und ſchon nach kurzer Zeit war ein Kauf zu Stande gekommen, welcher große Aehnlichkeit mit einer Schenkung hatte. Und nun be⸗ gannen die denkwürdigen Verſuche, welche jene Sandwüſte durch ausſchließliche Anwendung von auf chemiſchem Wege hereintem Dünger ſchon in wenigen Sommern in einen blühenden Garten verwandelten. Die neue Theorie der Dünger hatte die Feuerprobe beſtanden. Der von ſo glän⸗ zendem Erfolge gekrönte Anbau der Liebigshöhe— dieſer Name iſt dem Verſuchsfeld bis auf den heutigen Tag ver⸗ blieben— hat eine Veränderung in der Landwirthſchaft her⸗ vorgerufen, welche einer Umwälzung gleichkommt. Die Grund⸗ lage einer neuen Induſtrie, der Induſtrie der Mineraldünger, war gegeben, welche ſich ſchnell über die ganze civiliſirte Erde verbreitet und zumal in unſerem Vaterlande einen bewunderns⸗ werthen Aufſchwung genommen hat. Die Landwirthſchaft, nicht länger mehr ein nach ererbten, aber unverſtandenen Regeln geübtes Erfahrungsgewerbe, war für alle Zeiten auf der geſunden Baſis wiſſenſchaftlicher Erkenntniß begründet. BVerehrte Feſtgenoſſen! Ich bin bemüht geweſen, ſoweit es die Kürze der Zeit und die Schranke des Könnens ge⸗ ſtattet, Sie an die Wirkſamkeit des großen Mannes, den wir feiern, zu erinnern, an die Hingebung, welche er den Auf⸗ gaben der hieſigen Hochſchule gewidmet hat, an die Siege, welche er auf dem Felde der Forſchung errungen, an die Arbeit, welche er im Dienſte der Menſchheit vollbracht hat. Wer aber die Erfolge des Lehrers hat rühmen hören, wer dem Fluge des Forſchers gefolgt iſt, wer ſich der Wohl⸗ thaten erfreut, die der Eroberer unſerem Geſchlechte ge⸗ wonnen, der trägt auch wohl Verlangen, den Mann in ſei⸗ nem Verkehr mit den Menſchen kennen zu lernen, um einen Einblick in ſeinen Character zu erhalten. Die edle Einfachheit des Mannes, ſeine unverbrüchliche Treue, ſeine opferfreudige Hilfsbereitſchaft ſpiegeln ſich am ſchönſten in der Liebe und Verehrung, mit welcher ſeine Freunde zu ihm emporblickten. Sie fühlten ſich glücklich, in dieſem großen Herzen Anker geworfen zu haben. Der jüngſt veröffentlichte Briefwechſel von Liebig und Wöhler lehrt uns einen Freundſchaftsbund kennen, wie er enger und ſelbſtloſer zwiſchen zwei dasſelbe Feld Beſtellenden icht gedacht werden kann und es gereicht uns deshalb zur beſonderen Freude, daß es uns vergönnt iſt, Zeuge zu ſein, wie ſich die Standbilder der im Leben jeder Zeit Geeinten an Lahn und Leine faſt gleichzeitig erheben. d Daß Liebig mit vielen Zeitgenoſſen in freundſchaft— lichem Verkehr ſtand, braucht kaum geſagt zu werden. Er hatte das ſeltene Glück, daß er nur aufzutreten brauchte, um ſich alsbald von zahlreichen Bewunderern und Verehrern um⸗ geben zu ſehen. Ich muß der Verſuchung widerſtehen, im Kreiſe der ausgezeichneten Männer, die ſich ſeiner Zuneigung rühmen durften, Umſchau zu halten, allein ich will es mir doch nicht verſagen, zwei Freunde zu nennen, welche ſeinem Herzen beſonders nahe ſtanden, und mit denen er während der Gießener Periode Tag für Tag verkehrte. Heinrich Buff und Hermann Kopp, Beide jahrelang Zierden der hieſigen Univerſität, von denen der Eine dem Freunde ſchon nach kurzer Friſt in den Tod gefolgt iſt, während wir glück⸗ lich ſind, den Anderen, noch immer das Banner der Wiſſen⸗ b ſchaft hochhaltend, bei der heutigen Feier in unſerer Mitte zu erblicken. 3 Und das edle Gemüth Liebigs, welches ſich, einzelnen Bevorzugten gegenüber, in der ſelbſtloſen Hingabe treuer Freundſchaft offenbarte, gelangte im Verkehr mit der Welt als opferwillige Nächſtenliebe zum Ausdruck. Wie vielen Trauernden er ein Tröſter geweſen iſt, wie viele Verzagende er ermuthigt, wie vielen Nothleidenden er Hülfe gebracht hat, die Welt hat nichts davon erfahren, allein die Erinnerung daran iſt in dankbare Herzen eingeſchrieben. Daß das Hinſcheiden eines Mannes, in welchem Geiſt und Gemüth ſo wunderbar geſellt waren, in viele Herzen eine tiefe Lücke ſchlug, wer könnte daran zweifeln? Seit Alexander v. Humboldt war in Deutſchland kein Forſcher zu Grabe getragen worden, um den die Trauer allgemeiner geweſen wäre. Und bei keinem— auch bei Humboldt nicht— hat ſich ſofort bei den Zeitgenoſſen in ähnlichem Maße das Verlangen kundgegeben, die Erinnerung an den Vollendeten in weithin ſichtbarem Bilde für die Nachwelt feſtzuhalten. Zunächſt allerdings entbrennt noch edler Wettſtreit zwiſchen drei Städten um den Beſitz des zu errichtenden Denkmals. Darmſtadt, Liebigs Geburtsorrt, glaubt in erſter Linie das Denkmal beanſpruchen zu dürfen; für Gießen, die Wiege ſeines Ruhmes, erheben ſich im Chor die Stimmen der Schüler ind Freunde aus jüngeren Jahren, doch auch die kunſtpflegende Iſarſtadt, wo ſich am Lebens— abend noch ein reicher Kranz von Freunden um ihn geſam— melt hatte, macht mit Nachdruck ihre Rechte geltend. Nicht ohne Beſorgniß ſieht der Vorſtand der Deutſchen chemiſchen Geſellſchaft, welcher zuerſt für den Gedanken, dem Dahin⸗ geſchiedenen ein Standbild zu errichten, eingetreten war, wie ſich die Kräfte zu zerſplittern drohen. Vor Allem gilt es— das fühlt ein Jeder— die Denkmalbewegung einheitlich zu geſtalten. In dieſem Sinne entſchließen ſich denn auch die das Denkmal für Gießen Erſtrebenden, opfermuthig zurück⸗ zutreten und München den Vorrang zu überlaſſen, ſie geben jedoch ihren Lieblingswunſh nicht auf, ſondern hoffen mit Zuverſicht, daß es ihnen vergönnt ſein werde, ein Standbild des Meiſters auch in der Lahnſtadt zu errichten. Und dieſe Hoffnung iſt nicht getäuſch worden. Wohl iſt es nicht leicht, auch für dieſes zweite Deikmal noch die nöthigen Mittel zu gewinnen, indeſſen Liebigs Freunde laſſen den Muth nicht ſinken; ihre Ausdauer, ilre Anſtrengungen wachſen mit den Schwierigkeiten, welche ſich ihnen in den Weg ſtellen. Allein die Arbeit iſt auch eine gaeegnete! Während für die Verwirk⸗ lichung des erſten Standblddes nicht weniger als ein volles Jahrzehend erforderlich nar, iſt es uns vergönnt geweſen, das zweite Denkmal in nicht mehr als ſieben Jahren zu Stande zu bringen, aber mehr noch— die verehrte Ver⸗ ſammlung wird es nicht mit geringem Intereſſe vernehmen — Dank weiſer Sparſimkeit und trefflicher Verwaltung konnten auf das Gießener Denkmal ſchließlich mehr Mittel verwendet werden, als ſur das Münchener Denkmal zur Ver⸗ fügung ſtanden. 1 Auch im Uevrigen meeden die erfolgreichen Anſtrengungen. für das hieſige Liebig Denkmal bei allen Betheiligten in dankbarer Erinnerung förtleben. Als wir vor ſieben Jahren das Marmorſtandbild in München enthüllten, war die geho⸗ bene Stimmung des Tages leider⸗ keine ungetrübte, wußten wir doch, daß die Hand, welche den Meißel geſührt hatte, bereits im Tode erſtarrt war, und daß es der Hingabe eines überlebenden Freundes bedurft hatte, um das Denkmal zu vollenden. Glücklicher als in München dürfen wir uns heute unbeirrt dem Gefühle der Freude hingeben, mit welchem uns der Anblick des unvergleichlichen Kunſtwerkes erfüllt. Auch wollen wir nicht ſäumen, dem Schöpfer desſelben, den wir in der Blüthe der Jahre und in der Fülle fröhlicher Schaffenskraft in unſerer Mitte begrüßen, zu dem herrlichen Gelingen ſeines Werkes Glück zu wünſchen und ihm für die Liebe, welche er der ihm anvertrauten Aufgabe gewidmet hat, unſern herzlichen Dank auszuſprechen. Aber wenn wir uns in erſter Linie dem Künſtler ver⸗ pflichtet fühlen, ſo wollen wir doch nicht unterlaſſen, uns dankerfüllt aller Derer za erinnern, die ſich, in welcher Weiſe immer, an dem Zuſtandekommen des Denkmals betheiligt haben. Die Mitglieder der Executiv⸗Commiſſion denken hier⸗ bei zunächſt an das Local⸗Comité in Gießen, deſſen that⸗ kräftiges Mitwirken ihnen ihre Aufgabe ſo weſentlich erleich⸗ tert hat, und ſie ſind ſich dabei ſchmerzlich bewußt, daß es nicht wenigen, die freudig mit uns in die Arbeit eingetreten ſind, verſagt geblieben iſt, das Werk im Glanze der Voll⸗ endung zu ſchauen. Auch dem hohen Magiſtrat der Stadt Gießen fühlen wir uns im höchſten Grade verbunden für die köſtliche Stätte, welche er inmitten der neuerblühenden Oſtanlage für das Liebig⸗Denkmal auserſehen hat. Dieſen Magiſtrat nun bitte ich als Vertreter der Deutſchen chemiſchen Geſellſchaft und im Namen der Schüler und Freunde Liebigs, von dem Denk⸗ mal Beſitz zu ergreifen. Dem dankbaren Sohne ſeiner theuren Vaterſtadt bleibt nunmehr noch die Aufgabe, deren Erfüllung er ſeit Jahren erſehnt hat und die heute wie ein goldener Sonnenſtrahl in den Spätabend ſeines Lebens hineinfällt, die Aufgabe nämlich, dem hochverehrten Herrn Bürgermeiſter von Gießen die Urkunde einzuhändigen, durch welche das Denkmal in den Beſitz der Stadt übergeht. In Ihrer Hut, unter dem Schutze der hohen Stadtbehörde, wiſſen wir es ſicher geborgen. Möge das Denkmal bis zu den entfernteſten Enkel⸗ geſchlechtern hinab den Ruhm des großen Forſchers, des hochherzigen Lehrers, des edlen Mannes weithin verkünden und möge ſich in dem Herzen der Jugend, welche wiſſens⸗ durſtig dieſer Stätte naht, das heilige Feuer der Wiſſenſchaft, die Begeiſterung für die ewigen Ziele der Menſchheit bei dem Anblick des Liebig⸗Denkmals für und für aufs Neu' entzünden. Wir theilen hier den Wortlaut der über das Denkmal ausgeſtellten Urkunde mit: Schenkungs⸗Urkunde. An den wohllöblichen Stadtvorſtand von Gießen! Die unterzeichneten Bevollmächtigten für die Aufſtellung der Statue Liebig's an den beiden Stätten ſeiner Wirk⸗ ſamkeit ſind eifrig bemüht geweſen, dem ihnen gewordenen Auftrage im Sinue ihrer Auftraggeber gerecht zu werden. Nachdem es ihnen vor nunmehr ſieben Jahren vergönnt geweſen iſt, die von Wagmüller ausgeführte Statue Liebig's in München zur Aufſtellung zu bringen, haben ſie heute, am Tage der Enthüllung des für Gießen ge⸗ ſchaffenen Denkmals, die Ehre, der Behörde dieſer Stadt im Namen der Schüler und Freunde des großen Forſchers das aus Schaper's ſchöpferiſchem Geiſte hervorgegangene Kunſtwerk kraft dieſer Schenkungsurkunde als unveräußer⸗ liches Eigenthum zu übergeben. Indem die Bevollmächtigten die Sorge für die Erhaltung des herrlichen Werkes vertrauensvoll in die Hände des Stadt⸗ vorſtandes von Gießen legen, geben ſie ſich der frohen Hoff⸗ nung hin, daß unter ſeinem Schutze das Denkmal eine lange Reihe von Geſchlechtern daran erinnern möge, wie Liebig ruhmvoll ſein Leben der Wohlfahrt der Meuſchheit gewidmet hat, und wie ſich ſeine Zeitgenoſſen des von ihm Vollbrachten in dankbarer Anerkennung bewußt geweſen ſind. Dieſer Urkunde iſt ein Schrift beigegeben, welche über die Entſtehung des Denkmals berichtet. Gießen, am 28. Juli 1890. Die Zevollmächtigten für die Errichtung der Denkmäler giebig's an den Stätten ſeiner Wirkſamkeit München und Gießen: A. W. v. Hofmann, Vorſitzender. C. Scheibler, J. Volhard, Schatzmeiſter. Schriftführer. M. Carrière. A. Kekulé. H. Kopp. H. Will. Herr Bürgermeiſter Gnauth übernahm hierauf das Denkmal mit folgender Anſprache: Freudig bewegt, dankerfüllt betrete ich dieſe Stelle, um Namens der Stadt Gießen und ihrer Vertretung das herr⸗ liche Denkmal zu übernehmen, das zum ewigen Gedächtniß Juſtus v. Liebigs in der Stadt ſeiner Mannesthätigkeit der dankbare Sinn treuer Schüler und Verehrer ihm er⸗ richtet, das gottbegnadete Künſtlerhand uns geſchaffen. Freudig bewegt dürfen an dieſem Tage Stadt und Uni⸗ verſität Gießen ſich ſagen:„Ja, er war unſer!“; in Jahr— zehnten reicher wiſſenſchaftlicher Arbeit, befruchtender prac⸗ tiſcher Anregung hat Liebig ſeine Lehre, den unauslöſchlichen Ruhm ſeines Namens von dieſer Stadt hinausgetragen in alle Lande, lange und redlich hat die Anhänglichkeit des treuen Sohnes unſeres Heſſenlandes, angekämpft gegen das auch in der Wechſelbeziehung der Hochſchulen wirkende Geſetz der Anziehungskraft des Größeren und ein allzeit treues An⸗ gedenken hat Liebig dieſer erſten Stätte ſeiner Lebensarbeit, hat aber auch Gießen ſolcher Zierde der Univerſität bewahrt. — Reben der frendigen Erinerung an dieſen Mann und dieſes Mannes Wirken erfüllt uns Angehörige der Stadt Gießen in dieſem Augenblick vor Allem aber das Gefühl tiefer Dankbarkeit gegen alle Diejenigen, welche es ermöglicht haben, ſolche Erinnerung nunmehr auch bei uns im Bilde zu pflegen, welche München und Gießen je mit einem eigenen Denkmal ſelbſtändiger künſtleriſcher Erfindung, großer Anlage geſchmückt. Liebigs Schülern und Verehrern, dem internationalen Generalcomité und der Executivcommiſſion gebührt unſer erſter Dank; wohl haben Alter und Krankheit klaffende, ſchmerzliche Lücken geriſſen in die Reihen derer, die zum Träger ſolcher Denkmalsidee ſich gemacht, aber die ver⸗ bliebenen Glücklicheren haben darum nur mit gedoppelter Liebe und Ausdauer für den Gedanken dieſes Denkmals ge⸗ wirkt, und ich kann mir nicht verſagen, hier ganz beſonders des Vorſtandes der Deutſchen chemiſchen Geſellſchaft, des Vorſitzenden der Executivcommiſſion zu gedenken, der auch heute wieder mit zündenden Worten das Gedächtniß Juſtus v. Liebigs in uns erneuert: mit Genugthuung darf ich er⸗ wähnen, daß es uns vergönnt war, das Band der Ab⸗ ſtammung, das Hrn. Prof. v. Hofmann mit unſerer Stadt verknüpft, neu zu feſtigen, indem wir ihm, dem Sohne unſeres verdienten Ehrenbürgers, geſtern den eigenen Ehren⸗ bürgerbrief überreichen durften.*) Doch wo wären all' die Pläne für die Errichtung ſolchen Denkmals geblieben, wenn nicht Geiſt und Hand eines Schaper ſie in die Wirklichkeit überſetzt, dem Marmor Leben eingehaucht und ſo das prächtige Bildwerk vor unſer Auge geſtellt hätte, deſſen Schönheit uns Alle mit geheim⸗ *) Das Herrn Geh. Reg.⸗Rath Prof. Dr. v. Hofmann geſtern Vormittag überreichte prachtvoll ausgeſtattete Ehrendiplom hat folgenden Wortlaut: Wir, Bürgermeiſter und Stadtverordnetenverſammlung der Provinzial⸗Hauptſtadt Gießen, haben durch einſtimmigen Beſchluß dem Herrn Geh. Reg.⸗Rath Prof. Dr. Aug. Wilhelm v. Hofmann zu Berlin in dankbarer Anerkennung der hervorragenden Verdienſte, welche um die Errichtung eines Denkmals für Juſtus von Liebig in Gießen der große Gelehrte, der treue Sohn unſerer Stadt ſich erworben, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Gießen verliehen und ertheilen ihm darüber gegenwärtige Urkunde. So geſchehen Gießen, am 28. Juli 1890. Zürgermeiſter und Stadtverordnetenverſammlung. (Folgen die Namen.) nißvo ſchönt lunge unſer welch wiede treuer Schur Mam herrſe alten vollen Inſcht Lieb 9 Künſtl nieder der W chemiſt bindun der Gr ſelben, er ſich A. W 1 Feſtn von d hatten der El nomme Fürſt Solms Rector v. Rof Steinn Frhr. Prof. Geh. 9 Oberſt Geheim meiſter D Lehrkör die Ge heſſiſche N Bürger — P Kliniken zurück u ſelbſt z uns ver und Ho zu geni Un ſam zur — was Ge Fachgen Zeugniß der Wiſ Lehrer, einen H 920— 1 Mrexe rede eiardeeerxx. — nißvollem Zauber umfängt: wohl weiß ich, daß des Künſtlers ſchönſter Lohn die eigene innere Befriedigung über das ge⸗ lungene Werk, ausſprechen aber darf ich daneben doch auch unſer Aller begeiſterten Dank für ſeine Schöpfung. Herzlichen Dank auch den Gliedern der Familie Liebig, welche wir hier begrüßen dürfen; die in dieſem Standbild wiedergefunden die in glücklicher Erinnerung bewahrten, ge⸗ treuen Züge ihres großen Anverwandten.— Und ſo übernehme ich denn dies Denkmal in Eigenthum, Schutz und Fürſorge unſerer Stadt; möge der Geiſt ſolchen Mannes, möge ſolche Ehrung der Wiſſenſchaft immerdar herrſchen in unſerem Gießen! Dir aber, großer Liebig, bringe ich den erſten Gruß der alten Heimath! Hierauf legte Herr Bürgermeiſter Gnauth einen pracht⸗ vollen Kranz an den Stufen des Denkmals nieder mit der Inſchrift auf der Schleife:„Die Stadt Gießen ihrem Liebigl«. Während des Mendelsſohn'’ſchen„Feſtgeſanges an die Künſtler“ wurden noch Kränze am Fuße des Denkmals niedergelegt: von der hieſigen Univerſität, von der Akademie der Wiſſenſchaften und der Univerſität München, der deutſchen chemiſchen Geſellſchaft, den hieſigen Studentencorps und Ver⸗ bindungen, ſowie von einem Enkel Liebigs. Nach Beendigung der Feier beſichtigte Se. Kgl. Hoheit der Großherzog das Denkmal und ließ ſich den Verfertiger des⸗ ſelben, Prof. Schaper aus Berlin, vorſtellen, mit welchem er ſich, ebenſo wie mit dem Geheimen Reg.⸗Rath Profeſſor A. W. v. Hofmann, längere Zeit unterhielt. Um 2 Uhr fand das von der Stadt Gießen gegebene Feſtmahl im Saale des Geſellſchaftsvereins ſtatt. Gekrönt von der Ehrentafel Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs, hatten im Saale ſechs Tafelreihen Aufſtellung gefunden. An der Ehrentafel hatten außer Sr. Königl. Hoheit Platz ge⸗ nommen Se. Großh. Hoheit Prinz Heinrich, Se. Durchlaucht Fürſt zu Solms⸗Hohenſolms⸗Lich, Se. Erlaucht Graf zu Solms Laubach, Staatsminiſter Finger, Prof. Dr. Carrière, Rector Prof. Dr. Herrmann, Geh. Staatsrath Dr. Knorr v. Roſenroth, Präſident Dr. Goldmann, Geh. Regierungsrath Steinmetz, Geh. Staatsrath Hallwachs, Provinzialdirector Frhr. v. Gagern, Prof. Dr. Riegel, Bürgermeiſter Gnauth, Prof. Schaper, Geh. Regierungsrath Prof. Dr. v. Hofmann, Geh. Regierungsrath Prof. Dr. Scheibler, General⸗Adjutant Oberſt Werner, Rector Prof. Dr. Philippi, Oberſt Rogge, Geheimrath Dr. Jaup, Geheimrath Dr. Draudt, Oberbürger⸗ meiſter Ohly, Director Prof. Landsberg. Die übrigen Geladenen, ca. 180, repräſentirten die Lehrkörper der Univerſität, die Studentenſchaft, das Militär, die Geiſtlichkeit, die ſtädtiſchen und ſtaatlichen Beamten, die heſſiſchen Städte, die Vereine, Corporationen u. ſ. w. Nachdem der fünfte Gang ſervirt war, erhob ſich Herr Bürgermeiſter Gnauth zu folgendem Toaſt: Allergnädigſter Großherzog! Hochverehrte Feſtgenoſſen! — Enthuüllung des Liebig⸗Denkmals: Einweihung der neuen Kliniken! Zwei Feiern, ſcheinbar verſchieden; die eine führt zurück unſer Gedächtniß in längſt verfloſſene Zeiten, deren Glanz ſelbſt zu erſchauen und zu durchleben nur den Aelteſten unter uns vergönnt war; die andere leitet vorwärts unſer Denken und Hoffen in kommende Jahre, denen beſchieden ſein wird, zu genießen die Frucht des heutigen Tages. Und doch, wie Vieles iſt Beiden gemeinſam! Gemein⸗ ſam zunächſt die enge Beziehung zu unſerer Univerſität und — was wäre Gießen ohne dieſe zu unſerer Stadt. Gemeinſam die freudige Theilnahme weiter Kreiſe von Fachgenoſſen, die hieher gekommen, um durch ihr Erſcheinen Zeugniß abzulegen von der Dankbarkeit ergrauter Vertreter der Wiſſenfchaft gegen ihren längſt dahingegangenen großen Gemeinſam das Wohlwollen nd die Fürſorge einer hohen Staatsregierung; gemeinſam or Allem aber die Huld unſeres Herrſcherhauſes! Ludwig der I., der große Ahn unſeres allergnädigſten Landesherrn, hat mit ſeinem ſcharfen Blick frühzeitig die Be⸗ deutung des jungen Liebig erkannt ud im Heimathland dem Gelehrten eine Stätte reich geſegnetn Wirkens bereitet, ſo zu ſeinem Theile entdeckeriſch thätig unter dem Nachwuchs der Wiſſenſchaft, wie dies bis heut der Eigenart kleinerer Univerſitäten entſpricht, ihrem Wiren aber auch den Reiz jugendlicher Friſche hinzuſügt,— ud gleiche Herrſcherhuld hat ſeitdem in all' den Jahrzehuter gewaltet über unſerer Univerſität, ſie hat in erneutem verſärktem Ausfluß ſich be⸗ thätigt in der reichen Förderung, pelche gerade in dieſen Jahren durch Errichtung neuer Lehrkerzeln, Aufführung wich⸗ tiger Neubauten alle Zweige der Hchſchule, ganz beſonders die medieiniſche Facultät, erfahren drften. Unſere Stadt aber und ihre Vrtretung ſind gar wohl ſich bewußt der engen Wechſelbeziehmg zwiſchen der Blüthe der Landesuniverſität und dem Gedihen Gießens: was in langen Jahren unermüdlicher landeserrlicher Fürſorge, was in der Theilnahme Eurer Kgl. Hohet an der heutigen Feier als beſonderer Erweis Allerhöchſter Gnade uns zu Theil ge— worden, das anerkennt dankbaren Hetzns, als ihr geſchenkt, unſere Stadt, und ich bin ſicher, de getreue Dolmetſch der Gedanken und Gefühle eines Jeden in dieſem Saale, wie unſerer ganzen Bürgerſchaft zu ſein wenn ich Sie, hochver⸗ ehrte Feſtgenoſſen, einlade, zum Auddruck dieſer unſerer Ge⸗ ſinnung heute mit gedoppelter Freide einzuſtimmen in den Ruf ehrerbietiger, getreuer Huldigung: Seine Königliche Hoheit Ludwig der IV., Großherzog von Heſſen und bei Rhein, er lebe hoch, hoch, hoch! Se. Magnificenz Rector Profeſſor Dr. Philippi hielt hierauf nachfolgende Anſprache: Geſtatten Euere Königliche Hoheit Allergnädigſt, daß ich unſer Aller aufrichtiger Verehrang und herzlichen Wünſchen für Allerhöchſt Ihr Erlauchtes Haus ehrfurchtsvollen Aus⸗ druck leihe. Ein hohes Mitglied des Großherzoglichen Hauſes haben wir heute die Freude unter uns zu ſehen, während Seine Königliche Hoheit der Erbgroßherzog, unſer künftiger akademiſcher Mitbürger, leider dieſem Feſte fern bleiben mußte, zurückgehalten durch die Pflchten des ohnehin ſchon ſo kurzen Sommerſemeſters. So giebt der erſte Student Heſſens ſchon jetzt uns ein leuchtendes Beiſpiel akademiſchen Fleißes, während wir Anderen uns heute durch Feſte auf die Ferien vorbereiten. Wir hoffen und wünſchen, daß der Sohn unſeres Landesherrn, wenn er nächſten Winter ſeine Studien hier vollendet, auch unſere beſcheidenen Freuden theilen möge. Euerer Königlichen Hoheit aber ſagen wir für dieſen Beweis Allerhöchſten Vertrauens unſeren Dank und bitten, nun dieſen Dank ausdrücken zu dürfen in dem Wunſche: Seine Königliche Hoheit der Erbgroßherzog und das ganze Großherzog buche Haus leben hoch! Auf dieſe Anſprache ermiderte Se. Kgl. Hoheit der Großherzog folgendes: 5 —— ¼ Meine Heveuu Ich ſage Ihnen herzle Dalk r die freundl. Art und Weiſe, mit der Sie meine Gefundhen usgebracht und ge⸗ trunken haben. Es iſt mie eine große Freude geweſen, dem heutigen Feſte beiwohnen zu önnen, welches ein ſchönes Zeugniß geweſen iſt von der Eintracht zwiſchen der Univerſität und Stadt und von der Wechſelwrikung zwiſchen Lehren und Leben, denn wie die Enthüllung des Liebig⸗Denkmals unſerem größten Gelehrten gegolten hat, mit dem Dank unſeres Landes und die Klinik außer der Schule der Jugend, zu gleicher Zeit auch zum Beſten der Kranken und Leidenden aus Stadt und Land iſt, ſo iſt unſer heutiges Feſt ein Verbrüde⸗ rungsfeſt zwiſchen Stadt und Univerſität, und ich erlaube mir daher Sie aufzufordern, auf das Wohl Beider zu trinken. Lehrer, Zeugniß aber auch von der neidloſen Mitfreude der„Die Stadt Gießen und die Ludoviciana leben, blühen Hund gedeihen, hoch!“ einen Hochſchule an der Entwicklung der anderen! Nachdem die Tafel aufgehoben, erfolgte gegen 6 Uhr die Abreiſe Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs. Die bei der Enthüllungsfeier des Liebig⸗Denkmals von den vereinigten Männergeſangvereinen geſungenen Lieder, unter Direction des Großh. Muſikdirectors Felchner gingen ſehr gut und machten ſowohl dem Dirigenten wie auch den Ver⸗ einen alle Ehre. Schließlich ſei noch den zur Zeit bekannten Aus⸗ zeichnungen gedacht, die Se. Königl. Hoheit der Groß⸗ herzog zu verleihen geruhte: Herr Prof. Dr. Riegel wurde zum Geheimen Medieinalrath, Herr Bürgermeiſter Gnauth zum Oberbürgermeiſter ernannt. Nachſtehend theilen wir den Inhalt der Speiſenkarte wie des Feſt⸗Programms zum Feſtmahle im Saale des Geſellſchaftsvereins mit. 28. Juli 1890. Festmahl aus Anlaß der Enthüllung des Liebig⸗Denkmals und der Einweihung der neuen Aliniken zu Gießen. 55 Mochkturkle⸗Zuppe. Keres Oloroſo. Kheinſalm, 4 ue Bolländ. Saurr, neue Rarkoffel. Aindſtrintr⸗ Ochſenlenden Bordeauy Modor. mit friſchen Gemüſen garnirk. Wiloͤ⸗Paſtete. Rüdeaheimer Vinkerhäuſer KRiesling. Pr dn— l⸗7— 5 Kranzöſ. Geftügel⸗Braten. Cſmmragner. Gehochkes Obſt, Rüm. Balak. V Gofrorenes. Nachtiſch. V Käſe und Butter. Muſiß⸗Programm ausgeführt beim Hestmuhl um 28. Juli 1890 von der Kapelle des 2. Großh Heſſ. Iufanterie⸗Regiments(Großherzog) r. 116. unker Teitung des Großiz. Muſthdirerkors C. Nrauße. * . Ludwig⸗Marſch E. v. Büri. 1—, 2. Ouverture z. Op.„Oberon“... C. M. v. Weber. 3. Chor der Friedensboten(Rienzi)... Wagner. 4. Potpourri aus Millöckers„Betteiſtudent“ Krauße. 5. Die beiden Finken! Solo für zwei Piccoloflöten. Kling. (Hautboiſten Chriſtel und Haupt.) 6. Ouverture z. Op.„Mignon”... Thomas. 7. Roſen aus dem Süden! Walzer.. Strauß. 8. Fantaſie, a. d. Op.„Carmen“. Bizet. 9. Taube, Wachtel u. Nachtigall! Solo für Trompete(Hautboiſt v. d. Heyde.) Herfurth. 10. Finale a. d. Op.„Aida“.. Verdi. 11. Czardas. Gungl. . Hiſtoriſche Märſche, nach authentiſ Quellen zuſammengeſetzt von. chen .. Emil Kaiſer. Redaction: A. Scheyda.— Druck und Verlag der Brühl'ſchen Druckerei(Fr. Chr. Pietſch) in Gießen