——ͤqqq—.—— 2 A— rlet Akademiſche I Erinnerungen, V V Kulturgeſckichtliche Heiträge und Erörterungen Dr. jur. Ernſt Klein. r. Hess. 0UUN Biblothek Giessen- MNarburg 1890. Druck und Verlag von Oscar Ehrhardt, Univerſitäts⸗Buchhändler. Akademiſche Erinnerungen. ( Akademiſche Erinnerungen, Kulturgeſchickäliche Heitrüge und Crorterungen Dr. jur. Ernſt Klein. Narburg 1890. Druck und Verlag von Oscar Ehrhardt, Univerſitäts⸗Buchhändler. 8 (1. V des C behand reichen in G einer der S Urſach nach N. und ſo gabe d wohnhe Comm (PN. mit äl und ä Vorwort. Zum 50 jährigen Jubiläum des Corps Teutonia in Gießen (1. VI. 89) war ein Album gedruckt worden, worin mit der Geſchichte des Corps auch die früheren Verbindungs⸗Verhältniſſe in Gießen behandelt waren. Es erſchien nicht im Buchhandel und war zahl⸗ reichen früheren Studenten, namentlich auch den Mitgliedern früher in Gießen beſtandener und aufgelöſter Verbindungen, nicht zugänglich. Vielfache Aufforderungen: meine Arbeit der älteren Corpsgeſchichte und Darlegung der früheren Verbindungs⸗Verhältniſſe in Gießen, nebſt einer(im Album nur kurz berührten) Darlegung der Verfolgungen der Studenten⸗Verbindungen auf den deutſchen Hochſchulen und ihrer Urſachen, ſowie auch den Auszug der Heidelberger Studentenſchaft nach Neuſtadt a. d. Hardt(17.—25. Juli 1848) weiteren akademiſchen und ſonſtigen Kreiſen zugänglich zu machen, veranlaßten die Heraus gabe des Nachſtehenden, nebſt Erörterungen über ſchädliche moderne Ge⸗ wohnheiten und Gebräuche der Corps. Daſſelbeerſcheint ohne alle und jede Communikation mit dem Corps Teutonia in Gießen, welchem ich als (F. M. F. M. X. X.)* angehöre, nach vielfacher Rückſprache mit älteren, gleiche Anſchauungen theilenden Freunden und Corpsbrüdern und älteren, früheren Mitgliedern anderer Corps. Darmſtadt, Anfang Mai 1890. Dr. jur. Ernſt Klein. Hofgerichtsrath i. P. Die Verfolgung den deutſchen H 2 Aeltere Verbindu Fakultäten, Bum Burſchenſchaften, 4 Die frühelen Ve⸗ ¹ Stiſtung(1. VI. à Der Carcerſturm Die Art und W 1 Auszug der G 9. Auguſt 1848 Auszug der He (17.-25. Juli 4 Duelle und Sch — l. Cinige Erönen liche moderne Inhaltsangabe. Seite 1. Die Verfolgungen und Unterdrückungen der Studenten⸗ Verbindungen auf den deutſchen Hochſchulen nach den Freiheitskriegen; ihre Urſachen.. 1 2, Aeltere Verbindungs⸗Verh ltniſſe auf den deutſchen Hochſchulen, Nationen, Fakultäten, Burſen, Profeſſoren Burſchen, Orden, Landsmannſchaften, Burſchenſchaften, moderne Verbindungen.. 5 3. Die früheren Verbindungen in Gießen, ſeit 1821. 8 4. Stiſtung(1. VI. 39) und älterer Geſchichte des Corps Teutonia in Gießen 12 5. Der Carcerſturm am 25. Juli 1839 in Gießen 1 Die Art und Weiſe des Fechtens und Paukens der früheren Perioden 28 6. 7. Auszug der Gießener Studentenſchaft auf den Staufenberg(7. bis 9. Auguſt 1848)........32 8. Auszug der Heidelberger Suudentenſchaft nach Neuſtadt a. d. Hardt (17. 25. Juli 1848).............. 41 9 Duelle und Schlägermenſuren.............. 47 10. Einige Erörterungen über modernes Fechten und Pauken und über ſchäd⸗ liche moderne Gebräuche und Gewohnheiten der Corps...... 49 Die Thatſ beſondere ſeit Verbindung iſt als eine ſ zu rechtfertige Verfolger ſin Studenten ve handlungen g widerfahrenen Werfen n vor den Freihe lagen Oeſterrei Fürſten, deren Laune Napole s in wahrer ſtände waren ſich in dem) mittlalterlch dem deutſchen und Standes gekommenen! Napoleon klu häuerlichen B vorragenden allgemeine abgeworfen w ſicherung ei bben dieſes känne, dieſe Jürſten gelten Klein, Die Thatſache, daß die Studenten auf den deutſchen Hochſchulen, ins⸗ beſondere ſeit 1817 mehr und mehr ſtrengſtens überwacht, ihre Verbindungen verfolgt und möglichſt unterdrückt wurden, iſt als eine ſtaatliche Nothwendigkeit aus dem Verhalten der Studenten zu rechtfertigen verſucht worden. Nichts ungerechtfertigter als das; die Verfolger ſind zu bewußten Zwecken gegen das Volk und die deutſchen Studenten vorgegangen und haben auch mehrmals Einzelne zu That⸗ handlungen gedrängt, welche durchaus nicht zu billigen, aber aus den widerfahrenen Täuſchungen und ſyſtematiſchen Verfolgungen zu erklären ſind. Werfen wir zunächſt einen kurzen Blick auf die öffentlichen Zuſtände vor den Freiheitskriegen: die Allgewalt Napolons hatte nach den Nieder⸗ lagen Oeſterreichs und Preußens jeden Widerſtand beſeitigt und die deutſchen Fürſten, deren Heere zumeiſt vernichtet waren, hingen von der Gnade und Laune Napoleons ab. Nur Eins konnte noch retten: das Volk, wenn es in wahrer Begeiſterung ſich erhob. Aber die ſtaatsrechtlichen Zu⸗ ſtände waren jämmerlich und— während in der Nacht des 4. Auguſt 1789 ſich in dem Nachbarlande eine politiſche Wiedergeburt durch Abſchaffung mittelalterlicher Vorrechte und Mißbräuche vollzogen hatte— laſteten auf dem deutſchen Volke Verfaſſungsloſigkeit, feudaler Druck, Vorrechte, Rechts⸗ und Standesungleichheit. Zudem waren die Bewohner der zu Frankreich gekommenen deutſchen Länder und der Rheinbundſtaaten in Folge der von Napoleon klug beſeitigten zahlreichen Mißſtände und bürgerlichen und bäuerlichen Beſchränkungen, zur Erhebung wenig geneigt. Die von her⸗ vorragenden deutſchen Männern angefachte Ueberzeugung, daß ohne allgemeinen Aufſtand des Volkes das Joch des Eroberers nicht abgeworfen werden könnte und daß nur durch die beſtimmte Zu⸗ ſicherung einer Beſeitigung der traurigen politiſchen Zuſtände eben dieſes Volk zur begeiſterten Hülfe veranlaßt werden könne, dieſe Erkenntniß machte ſich ſchließlich auch unter den deutſchen Fürſten geltend. Es ergingen die bekannten mündlichen und ſchriftlichen Klein, Studenten⸗Verbindungen. 1 2 Verheißungen: allgemeine freie Verfaſſung für die Staats⸗ bürger, Befreiung von feudalen Zuſtänden, Gleichheit der Rechte und Pflichten, Verheißung einer repräſentativen Reichsverfaſſung und Provinzialverfaſſung, Freiheit in Schrift und Wort. Die Proklamation von Kaliſch(25. März 1813) forderte die Deutſchen auf ꝛc.:„dem Wunſche des Volkes begegnend für die Wiederkehr eines ehrwürdigen Reichs in zeitgemäßer Geſtaltung, damit Deutſchland verjüngt und lebenskräftig, in Einheit gehalten unter Europas Völkern ſtehe“ ꝛc. Und die Begeiſterung von Alt und Jung brachte die ſchwerſten Opfer an Gut und Blut und ſiegte. Wie wurde dem Volke vergolten? Der Wiener Congreß(im Frieden von Paris 30. Mai 1814 beſtimmt) 1. November bis 9. Juni 1815 hatte keine Volksabgeordnete, er war ein Monarchen⸗Congreß, der weſentlich erbittert territoriale und Entſchädigungs⸗ anſprüche, Thronrechte geltend zu machen ſuchte(wovon insbeſondere J. L. Klüber, Ueberſicht der diplomatiſchen Verhandlungen des Wiener Congreſſes 1816, bezeichnende Bilder entrollt). Eine Erfüllung der Verheißungen an das Volk erfolgte nicht; das Reſultat des Congreſſes war für das Volk im höchſten Grad unbefriedigend. Die Rückkehr Napoleons von Elba ſtörte die Streitigkeiten des Congreſſes; Beſtürzung, nochmals galt es für das Volk ſchwerſte Opfer zu bringen; abermals ergingen die Verheißungen und abermals ſiegte die Be— geiſterung und„rettete den Fürſten die Throne“. Die deutſchen Studenten, insbeſondere durch E. M. Arndt, F. L. Jahn, Th. Körner ꝛc. zum größten Opfermuthe angefacht, waren mit die Erſten geweſen, welche in den Kampf und zahlreich in den Tod gezogen, in der ſicheren Erwartung auf Erringen des von den Fürſten heilig, mit ihrem Ehrenworte, verſprochenen einigen, freien Vaterlandes. Welchen Grad von tiefſter Erbitterung mußte es mit Nothwendigkeit bei ihnen erregen, als alle dieſe berechtigten Hoffnungen des deutſchen Volkes, der Studenten nicht erfüllt, vielmehr gröblichſt getäuſcht wurden. Allen Opfern des Volkes gegenüber opferten die Fürſten— nachdem der Sieg errungen war,„der Mohr ſeine Schuldigkeit gethan“— von ihren abſoluten Machtbefugniſſen Nichts. Keine Einheit, keine Reichsverfaſſung, keine Vertretung des Volkes, keine freiheitlichen Formen und Einrichtungen, nicht einmal ein Bundesgericht; ſtatt Allem: der bekannte Bundestag, weſentlich eine Polizeieinrichtung Oeſterreichs und Preußens mit Rußlands Gnaden. Officiöſe Schriften(z. B. von Th. A. Schmalz und K. A. v. Kampts) verſtiegen ſich, allen begeiſterten, freiwilligen Opfern gegen⸗ über, zur Leiſtung: die Thaten des Volks, der Studenten, ſeien nur Folgen des der derabwürdigun Hinſicht namen Stourdza err riiten in hohe Liſeverein“, e Follenius! dückt, beſtand der allgemeine Andenken an 18. Oktober! abgehalten. Programms, Coder der C politiſche Ver Weimar öſte Am 18 allgemeinen freiheitliche E breiteten ſich, hiſtoriſchen) entgegenſetzten abſoluten Me Volke, dieſes dines Einzel der Jenenſer von K. Fo⸗ ruſſſiſchen E. theidiger der („Beel⸗ und Dieſe unter erwieſenerma für eine ſo anſtaltete gehört der Wuſcheſchaf *) Mém de Anſchuddig zuf diperſen Staats⸗ chheit der entativen reiheit in März 1813) gegnend für heſtaltung, Einheit e ſchwerſten vergolten? beſtimmt) er war ein ſchädigungs⸗ insbeſondere des Wiener illung der deſultat des ggend. Die Congreſſes; zu bringen; egte die Be⸗ M. Arndt, acht, waren in den Tod f den Fürſten Vaterlandes. endigkeit bei ſchen Volkes, rden. Allen m der Sieg von ihren verfaſſung, nrichtungen, Bundestag, it Rußlands und K. A. pfern gegen⸗ i, ſeien nur 3 Folgen des den Fürſten ſchuldigen Gehorſams geweſen. Dieſes und arge Herabwürdigungen und Schmähungen der deutſchen Studenten, in welcher Hinſicht namentlich das Pamphlet eines ruſſiſchen Reptils Alex. von Stourdza erwähnt wird:„mémoire sur l'état actuel de l'Allemagne“*), reizten in hohem Maße auf. In Gießen war bereits 1814 ein politiſcher „Leſeverein“, eine Verbindung der„Schwarzen“, hauptſächlich durch Karl Follenius(Follen), gegründet worden; 1815 mit Unterſuchung unter⸗ drückt, beſtand ſie heimlich fort. In Jena erfolgte 1815 die Gründung der allgemeinen Burſchenſchaft und wurde, gelegentlich der Feier zum Andenken an die Leipziger Völkerſchlacht und die Reformation, am 18. Oktober 1817 auf der Wartburg eine burſchenſchaftliche Verſammlung abgehalten. Einzelne Theilnehmer verbrannten, außerhalb des Feſt⸗ Programms, auf dem Wartenberg mißliebige Schriften(„. Kampts „Codex der Gendarmerie, Berlin 1815“, Schmalz„Berichtigung ꝛc. über politiſche Vereine, Berlin 1815“, Kotzebue ꝛc.). Deshalb erſchienen in Weimar öſterreichiſche und preußiſche Commiſſäre zur Unterſuchung. Am 18. Oktober 1818 fand auf der Wartburg die Gründung der allgemeinen deutſchen Burſchenſchaft ſtatt. Die Ideen für eine einheitliche, freiheitliche Entwicklung des Vaterlandes mit Vertretung des Volkes ver breiteten ſich, indem ſie dem Glauben an die Autorität eines lediglich hiſtoriſchen Rechts das Vernunftrecht, die Berechtigungen des Volkes entgegenſetzten und legale Erfüllung der Verheißungen verlangten. Die abſoluten Mächte empfanden aber, im Bewußtſein ihrer Verſchuldung am Volke, dieſes mit größtem Ingrimm und benutzten die Thathandlung eines Einzelnen für ihre bewußten Zwecke. Am 23. März 1819 hatte der Jenenſer Burſchenſchafter K. L. Sand aus Wunſiedel, ein Anhänger von K. Follen, in der Burſchenſchaft für ſich ohne Bedeutung, den ruſſiſchen Emmiſſär und eifrigen Verfechter des Abſolutismus und Ver— theidiger der v. Stourdza'ſchen Schmähſchrift, Staatsrath v. Kotzebue („Beel⸗ und Kotzebue“ nannte ihn K. Follen) in Mannheim ermordet. Dieſe unter allen Umſtänden verwerfliche That eines Fanatikers, der erwieſenermaßen iſolirt ohne Mitwiſſer gehandelt hatte, war das Signal für eine ſofort in ganz Deutſchland mit Schrecken ver⸗ anſtaltete Hetze gegen jeden nicht abſolutiſtiſchen Gedanken. Es gehört der Geſchichte an, wie unerhörte Verfolgungen, namentlich der Burſchenſchaft, welcher im Allgemeinen ohne Weiteres die Sand'ſche That *) Mémoire sur P'état actuel de Allemagne. Dieſe für die Prüfung der Anſchuldigungen gegen die deutſchen Studenten intereſſante Schrift war leider auf diverſen Bibliotheken nicht vorhanden. 1* 4 an die Rockſchöße gehängt wurde, der Turner und aller Verbindungen auf den deutſchen Hochſchulen mit Criminal-Unterſuchungen(Central⸗ Unterſuchungs⸗Commiſſion in Mainz) zahlreichſte Relegationen und Ein⸗ kerkerungen ſtattfanden. Und doch war das Reſultat ſämmtlicher Unterſuchungen ein voll⸗ ſtändig negatives. Nirgends ergab ſich die inſinuirte allgemeine Ver— ſchwörung auf Mord ꝛc. Eine Fürſten- und Grafen⸗Conferenz Oeſterreich⸗ Fürſt Metternich; Preußen⸗Graf Bernſtorf; Bayern⸗Graf Rechberg; Sachſen⸗Graf Schulenburg; Hannover⸗Graf Münſter; Württemberg⸗ Graf Winzingerode; Mecklenburg⸗Freiherr von Pleſſen; Baden⸗ v. Berſtett; Naſſau-⸗v. Marſchall] hatte in Karlsbad, vom 6. bis 31. Auguſt 1819, die härteſten, den Leiſtungen der deutſchen Studenten in den Freiheitskriegen gegenüber undankbarſten, Maßregeln gegen die Univerſitäten, gegen die Studenten, gegen die Preſſe(Cenſur) berathen, welche durch den deutſchen Bund am 20. September 1819(erneuert 16. Auguſt 1824) zum Beſchluß erhoben wurden. Ueberwachung der Univerſitäten, der Profeſſoren und Studenten, größte Strenge insbeſondere gegen die alte deutſche Burſchenſchaft und Turner, Entfernung von der Lehrthätigkeit und Ver⸗ folgung deutſcher Männer wie Arndt, Karl Welcker, Jahn ec. Wie ein Blitzſtrahl fuhr in dieſes Treiben die franzöſiſche Juli⸗ Erhebung von 1830, welche in Deutſchland den Anſtoß zu liberalen Be⸗ wegungen gab. Die„heilige Allianz“ löſte ſich auf. In Hambach in der Pfalz fand am 27. Mai 1832 die große Volksverſammlung ſtatt, am 28. im Schießhauſe bei Neuſtadt a. H.(Advokat Siebenpfeifer, Dr. Wirth u. ſ. w.) Einſchreiten des Bundes; auf Antrag von Oeſter⸗ reich und Preußen: Bundesbeſchluß vom 28. Juni, 5. und 9. Auguſt 1832: Ueberwachung der Regierungen mit landſtändiſchen Ver⸗ faſſungen, Maßregeln„gegen Eingriffe der ſtändiſchen Kammern“ und„wegen der Grenzen der freien Aeußerungen in denſelben“, Aufhebung des badiſchen Preßgeſetzes, Ver⸗ bot von Volksverſammlungen und Volksfeſten ohne Ge⸗ nehmigung, ſtrenges Verbot des öffentlichen Tragens von Abzeichen, Bändern und Fahnen u. ſ. w. Heimliche Ver⸗ bindungen auf gewaltſame Aenderung dieſer politiſchen Zuſtände erfolgten gegenüber dieſem Druck. In Gießen hatte ſich im Frühjahr 1832 ein politiſcher Verein gebildet, an deſſen Spitze der Privatdocent Dr. Karl Hundeshagen(ſpäter Profeſſor in Bonn) und Candidat Ernſt Schüler (ſpäter in Biel in der Schweiz) ſtand, von welchem weſentlich, mit Vor⸗ verſammlung in Groß⸗Gartach bei Heilbronn(3. März 1833), das ſo⸗ genannte Fre Hexbeiführung haupt abenteu ungen für ein Vorwand abg beſondere ſtre bindungen Conferenzen die Weröffentt verſitäten ein unterdrückt u eingeſetzt, all 13. Oktober keiner verbo wareu über! ſchrift hatte Wie auch und Coburg Preußen, de kleinen Stau regelungen u zunn Schade geltend. En nach und di bader Iwan Betradh Verbindu deutſchen ſcheinungen politiſchen denten zeig nach Natie rrachten ſind hernusgeid Anfang des Adl, welch gegen die bindungen n(Central n und Ein⸗ n ein voll⸗ meine Ver⸗ Oeſterreich⸗ Rechberg; rürttemberg⸗ n; Baden⸗ vom 6. bis Studenten gegen die r) berathen, 9(erneuert rwachung en, größte ſchenſchaft und Ver⸗ Jahn ꝛc. ſiſche Juli⸗ beralen Be⸗ Hambach in ung ſtatt, enpfeifer, von Oeſter⸗ uguſt 1832: chen Ver⸗ ndiſchen ßerungen Ver⸗ etzes, ohne Ge⸗ ens von G lliche Ver⸗ erfolgten 1832 ein Dr. Karl ſt Schüler * Vor⸗ 5, mit D 3), das ſo⸗ 90), genannte Frankfurter Attentat vom 3. April 1833, zunächſt zur Herbeiführung eines allgemeinen Volksaufſtandes, ausging. Dieſes über⸗ haupt abenteuerliche, thörichte Unternehmen hatte die nachtheiligſten Wirk⸗ ungen für eine conſtitutionelle Entwicklung Deutſchlands, indem es den Vorwand abgab, gegen den Liberalismus überhaupt vorzugehen und ins beſondere ſtrenge Verfolgungen und Unterdrückung aller Ver bindungen auf den Univerſitäten brachte. Durch die Miniſter— Conferenzen in Wien 1833— 34 wurde unter Anderem die Cenſur auf die Veröffentlichung der ſtändiſchen Verhandlungen ausgedehnt, die Uni verſitäten einer noch ſtrengeren Controle unterworfen, alle Verbindungen unterdrückt und eine Central⸗Unterſuchungs⸗Commiſſion in Frankſurt a. M. eingeſetzt, alle liberalen Zeitungen unterdrückt. Ein Bundesbeſchluß vom 13. Oktober 1834 führte beſondere Matrikel ein: Reversunterzeichnung, keiner verbotenen oder unerlaubten Verbindung anzugehören— erlaubt wareu überhaupt keine Verbindungen.— Eine Verweigerung der Unter⸗ ſchrift hatte die ſofortige Verweiſung von allen Univerſitäten zur Folge. Wie auch ſchon zur Zeit des Wiener Congreſſes insbeſondere Weimar und Coburg gegen die reaktionären Beſtrebungen von Oeſterreich und Preußen, damals erfolglos, ſich bemüht hatten, empfanden mehrere der kleinen Staaten, namentlich Süddeutſchlands, die fortwährenden Maß⸗ regelungen und zahlreichen Relegationen wegen Verbindungsangehörigkeit ꝛc. zum Schaden ihrer Univerſitäten ſehr drückend und machten Vorſtellungen geltend. Endlich, mit der Zeit, ließen die ſchroffen Maßregelungen etwas nach und die Ereigniſſe von 1848 beſeitigten die ungerechte brutale Karls⸗ bader Zwangsjacke für die ſtudentiſche Jugend und die Univerſitäten. Betrachtet man nach dieſem hiſtoriſchen Blick etwas näher die Verbindungen, wie ſie nach den Freiheitskriegen auf den deutſchen Hochſchulen beſtanden, ſo bieten ſich betrübende Er⸗ ſcheinungen. Es war naturgemäß, daß die unfertigen, unzulänglichen politiſchen und Cultur-Zuſtände ſich im Geiſte und Verhalten der Stu— denten zeigten. Aus den von ſelbſt gegebenen früheſten Vereinigungen nach Nationen, welche als die erſten Verbindungen der Studenten zu erachten ſind, hatten ſich mit der Zeit Verbindungen nach Fakultäten herausgebildet; ebenſo die ſog.„Burſen“(Studenten⸗Penſionen), die zu Anfang des 17. Jahrhunderts weſentlich in Folge ihres cyniſchen Treibens wieder verſchwanden. In dieſem 17. Jahrhundert machten ſich auf ver— ſchiedenen Hochſchulen durch ein übermüthiges ſtutzerhaftes und doch rohes Treiben die ſog.„Profeſſoren⸗Burſchen“(Studenten, viele vom Adel, welche bei Profeſſoren wohnten und von ihnen protegirt wurden) gegen die„Bürgerburſchen“ mit Raufen und Trinken geltend, Gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts kamen, aus Studenten verſchiedener deutſcher Länder und Fakultäten zuſammengeſetzt, die Studenten⸗Orden auf, zuerſt in Jena durch die Moſellaner Lands⸗ mannſchaft entſtanden. Der bekannte Magiſter der Philoſophie ꝛc. F. C. Lauckhard„Leben und Schickſale, Halle 1792“ nennt beſonders Jena, Göttingen, Halle, Erlangen, Frankfurt, Gießen, Marburg und bezeichnet das Weſen der Orden(Amieiſten, Inviolabiliſten, Heſſen⸗Orden, Despera⸗ tiſten, Renomiſten⸗Orden u. ſ. w.) als ein Gewebe von Kindereien, Abſurditäten und Wind. Dieſe„Ordensbrüder“ mit abſonderlichen, ge⸗ heimen Gebräuchen ſuchten die auf den Hochſchulen beſtehenden Lands⸗ mannſchaften und übrigen Studenten zu dominiren, unterlagen aber ſchließlich und waren im erſten Decennium unſeres Jahrhunderts wieder verſchwunden. Das Gebahren und Treiben der Orden und Landsmannſchaften hatte im Laufe des vorigen Jahrhunderts vielfach Verbote und beſondere Verordnungen gegen ſie veranlaßt. Die Schriften von Laukhard— Student in Gießen von 1775 bis 1778— entwerfen von dem Leben und Treiben der Studenten, namentlich der Landsmannſchaften, in Jena und Gießen, Göttingen c. ſpeziell die übelſten Bilder. Nach den Freiheitskriegen beſtanden weſentlich und maßgebend die Landsmannſchaften. Alle vorliegenden Schriften über die Univerſitäts⸗ Verhältniſſe damaliger Zeiten ſtimmen darin überein, daß bei den Lands⸗ mannſchaften, die unter ſich ſtets in Fehde lagen, immer noch ein überaus roher, wüſter Ton, Renommiren, unmäßiges Trinken und Liüderlichkeit vorherrſchte. Die Mitglieder pflegten mit Hieber in„Stürmern“(großen Federhüten) oder in römiſchen Helmen mit Federn umher zu ſteigen. Der Druck, welchen dieſe, ohne beſondere Ziele und abgeſehen vom Freund⸗ ſchafts-Verhältniß, ohne Ideale herrſchenden Landsmannſchaften auf die übrigen Studenten ausübten, veranlaßte eine wohlthätige Aenderung. Nachdem bereits Fichte gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die be⸗ treffenden Ideen verfochten, gründete eine Anzahl von Studenten, welche meiſt die Freiheitskriege mitgemacht und welche höhere Ziele für Einheit und Freiheit des Volkes im Auge hatten, am 12. Juli 1815 in Jena die deutſche Burſchenſchaft. Die Namen: K. H. Scheidler aus Gotha; H. A. Riemann, theol. aus Ratzeburg; K. Horn, theol. aus Neuſtrelitz; Dortu aus Berlin; W. Kaffenberger, jur. aus Frank⸗ furt; R. Weſſelhöft, L. Rödiger, v. Binzer und Andere ſind mit der Gründung der Burſchenſchaft insbeſondere hervorragend verknüpft. Es war eine denkwürdige That, welche in ihrem Wollen und ihrer Bedeutung für die Studentenſchaft, in ihrem Weiterwirken im bürger⸗ lichen Leben, mannſchaften an, traten al Am 2S8. Oktc Buſhenſc und zahlreiche derſelben verſ Germanen— Erzwingen de zur Herbeifüh ſittlicher, wiſſ — Arminen Jugend erzie bei den, ſeit als„Jugend zur Trennu Germanen! in Arminen 1832 in Je wieder Trenn Rahmen dieſ Vurſchenſchaf ſchluß der B. Unter den v Burſchenſchaf Keil die( Jena 1883, ſchaft, 2. A Ueber Arends i ſchaft, Leip, nennt auße Convent) e eignen Waſ (1862 Cobu Kartellverha Convent Giſ Goslar) Hocſſchulen mannſchaften Studenten ngeſetzt, die laner Lands⸗ hie ꝛc. F. C. onders Jena, d bezeichnet 1, Despera Kindereien, der 4 derlich en, ge⸗ nden Lands rlagen aber derts wieder annſchaften. und beſondere aukhard— n dem Leben „ en, in Jena⸗ ßgebend die Univerſitäts den Lands⸗ ein überaus Lüderlichkeit rn“(großen — Dor ſteigen. Der vom Freund⸗ ten auf die Aenderung. derts die be⸗ denten, welche für Einheit 315 in Jena heidler aus —, theol. au5 aus Frank⸗ re ſind mit verknüpft. len und ihrer im bürger⸗ lichen Leben, voll anerkannt werden muß. Die Turner und einige Lands⸗ mannſchaften(Vandalen, Thüringer, Frankonen) ſchloſſen ſich in Jena an, traten aber 1820 und reſp. 1821 wieder aus und bildeten Corps. Am 28. Oktober 1818 entſtand in Jena die Allgemeine deutſche Burſchenſchaft, welche ſich über die deutſchen Hochſchulen ausdehnte und zahlreiche Mitglieder hatte. Bereits zu Anfang 1819 waren unter derſelben verſchiedene Richtungen hervorgetreten, indem eine Anzahl— Germanen— praktiſch⸗politiſche Zwecke, nöthigenfalls mit gewaltſamem Erzwingen der verſprochenen und vorenthaltenen Freiheiten,„Vorbereitung zur Herbeiführung eines frei und gerecht geordneten Staatslebens, mittelſt ſittlicher, wiſſenſchaftlicher und körperlicher Ausbildung“, ein anderer Theil Arminen— theoretiſch-politiſche Zwecke, betreffende Erziehung der Jugend erzielten. Die Streitigkeiten beider Richtungen und Haß führte bei den, ſeit der Unterdrückung von 1819 im Geheimen zum Theil als„Jugendbund“— fortbeſtandenen Burſchenſchaften 1827(in Erlangen) zur Trennung in zwei Burſchenſchaften. Während in Gießen nur die Germanen heimlich beſtanden, theilten ſich in Jena die Burſchenſchaften in Arminen und überwiegend in Germanen. Eine Vereinigung, 6. Januar 1832 in Jena, war ohne Beſtand; bereits am 13. Juli 1832 erfolgte wieder Trennung in Germanen und Arminen. Näheres liegt nicht im Rahmen dieſer Zeilen und ſoll nur bemerkt werden, daß die heutige Burſchenſchaft kein einheitliches Ganzes bildet: nur ein Kartell⸗Zuſammen ſchluß der Burſchenſchaften auf den deutſchen Hochſchulen hat ſtattgefunden. Unter den vorhandenen Schriften geben über Gründung und Weſen der Burſchenſchaft insbeſondere ſpecielle Auskunft: Richard und Robert Keil„die Gründung der deutſchen Burſchenſchaft in Jena, 2. Auflage, Jena 1883“ und Ulrich Rudolf Schmid„das Weſen der Burſchen⸗ ſchaft, 2. Auflage, Jena 1890.“ Ueber die heutigen Verbindungen daſelbſt giebt Dr. B. G. Arends in ſeinem Hand⸗ und Lehrbuch für Deutſchlands Studenten ſchaft, Leipzig⸗Reudnitz 1890, intereſſante nähere Mittheilungen. Arends nennt außer dem Verbande der Corps K.⸗S.⸗C.(Köſener⸗Senioren Convent) eine größere Anzahl andere Verbindungen: A. mit Farben, eignen Waffen und dem Principe unbedingter Satisfaktion:„L. C.“ (1862 Coburg), Landsmannſchaften;„V. C.“(1872, Vertreter⸗Convent), Kartellverband akademiſcher Turnvereine.„D. C.“(1874, Deputirten⸗ Convent Eiſenach), Burſchenſchaften.„C. C.“( 1882, Chargirten⸗Convent, Goslar).„W. S. C.“(1884, Weinheimer Senioren⸗Convent), techniſche Hochſchulen.„R. S. C.“(1884, Nudolſtadter Senioren⸗Convent von Lands mannſchaften der thierärztlichen Hochſchulen).„Freie Verbindungen.“ 8 B. ohne Farben, eigne Waffen, unbedingte Satisfaktion, eine Anzahl derartiger Verbindungen auf den deutſchen Hochſchulen. C. ohne Farben, ohne eigne Waffe, unbedingte Satisfaktion, desgleichen. D. Verbindungen mit bedingter Satisfaktion„A. D. B.“(1883, allgemeiner deutſcher Burſchen⸗ bund, Eiſenach), ferner„freie Verbindungen und Vereine.“ E. Verbände ohne Stellung zur Satisfaktionsfrage:„A. T. B.“(1883, akademiſcher Turn⸗Bund)„Kyffhäuſer⸗Verband“(1881), ſowie eine Anzahl Kartell⸗ Verbände: landwirthſchaftlich, muſikaliſch, theologiſch, klaſſiſch⸗philologiſch, akademiſch hiſtoriſch, neuphilologiſch, germaniſtiſch, akademiſch⸗mathematiſch, naturwiſſenſchaftlich ꝛc. F. Verbindungen mit dem Princip der Menſur⸗ verwerfung: Wingolfsbund, Schwarzburgbund, Kartellverband der katho⸗ liſchen Studentenvereine, ohne Farben; freie Verbindungen und Vereine. Hieraus iſt jedenfalls zu entnehmen, daß es an zahlreichen Kartell-⸗Ver⸗ bänden aller Art und Richtungen auf den deutſchen Hochſchulen nicht fehlt! Die früheren Verbindungen auf der Aniverſität Gießen. Die Feſtſchrift zum 50 jährigen Jubiläum unſerer Teutonia iſt die erſte Schrift, in welcher Gelegenheit gegeben iſt, der— ſeither noch nicht öffentlich behandelten— verſchiedenartigen, früheren Verbindungen in Gießen zu gedenken und ſoll dieſes nicht unterlaſſen werden. Einmal iſt es, insbeſondere für akademiſche Kreiſe, hiſtoriſch intereſſant, die Ent⸗ ſtehungen und Unterdrückungen der Verbindungen und deren Kämpfe gegen letztere wenigſtens überſichtlich zu betrachten, zum Andern ergiebt ſich daraus: woher unſer Corpsname Teutonia und unſere Farben: dunkelgrün⸗roth⸗gold, entnommen wurden. (Eine kurze, unbedenkliche Beifügung von Namen zu den betreffenden Verbindungen wurde im Intereſſe der Präciſirung und von Reminiscenzen nicht ausgeſchloſſen): Ueber die früheſten landsm. Verbindungen nach den Befreiungskriegen ſind zuverläſſige Fakta nicht gegeben; im Jahre 1821 (Statuten von dieſem Jahre) wurde eine Haſſia, ſchwarz⸗grün-roth, gegründet, welches alte Corps der Heſſen ſich 1828 auflöſte. In Folge burſchenſchaftlicher und damit zuſammenhängender allgemeiner Verbindungs⸗ Unterſuchungen wurden damals von Mitgliedern der Burſchenſchaft und der Haſſia gegen 40 Studenten relegirt.(Mitglieder der alten Haſſia waren insbeſondere: 2 Brüder Engelbach(Advokat und Pfarrer), Rumpf(Arzt in Gießen), Lyncker(Pfarrer, Wallau), v. Dallwigk(Miniſter), 2 Brüder v. Dewall, F. v. Bechtold(Geh. St.⸗R.), Hensler(Advokat), Georgi(Hofg⸗ R.) ꝛc.) Am 22. November 29 entſtand eine neue Haſſia, grün⸗ſchwarz⸗ roth.(Mitglieder insbeſondere: Hill(Oberamtsrichter, Seligenſtadt), Hill (Forſtmann), 6 Vornemann 2 Vrüder Schn Rentamtmann, Eigenbrodt! Prinz(Au), Neben de blau⸗weiß⸗roth (Staatsanwalt) (Advokat Anwal ſellgrün⸗weiß⸗ Aus Mit ſſchwarz⸗roth derſelben dur Burſchenſchah und zwar: und 32.(. Präſident u. in Offenbach) kommenden, 1832 ſich bei (Migglieder in dinger(Oecc Müller⸗Me von Darmiad Heinrich Fe Heinrich Kü (Arg); Lang Teutonia, Bruderliehe. (Pfarrer); B, Kammer( Darmſtadt); Einnehmer, (Kreisarz); N Sätelduel ge Guſtav v. 3 berger; due Namen ab⸗ gemeiner Ran mania als. urgia, mit eine Anzahl ohne Farben, Verbindungen ſcher Burſchen⸗ E. Verbände akademiſcher nzahl Kartell⸗ uhianwic mathematiſch, der Menſur⸗ nd der katho⸗ und Vereine. Kartell⸗Ver n nicht fehlt! Gießtn. ttonia iſt die r noch nicht dindungen in Einmal iſt ant, die Ent⸗ eren Kämpfe dern ergiebt ſere Farben: en betreffenden Reminiscenzen ngen nach den m Jahre 1821 grün⸗loth, t. In Folge Verbindungs⸗ chenſchaft und n Haſſia waren. umpf(Arzt in 2 Brüder v. georgi(boſg⸗ rün⸗ſchwar 4 ſtadt), Hill genſla 9 (Forſtmann), E. v. Klipſtein(Oberförſter), Schloſſer(Kreisarzt, Alsfeld), Bornemann(Sberamtsrichter, Alsfeld), A. Kraus(Advokat, Darmſtadt), 2 Brüder Schmitt(Kreisrath und Arzt), Menges(Landrichter), L. Lyn cker (Rentamtmann, Gießen, ſeit 31 Corpsburſche, ſeit 33 Ehrenmitglied des Corps), Eigenbrodt(Kammerrath), Dietrich Kratz, Ph. Siebert(Staatsanwalt), Prinz(Arzt), Prinz(U.⸗Sekr.), Degen, Müller, Seipp, Knorr ec.) Neben der Haſſia beſtand eine landsm. Verbindung Rhenania, blau⸗weiß⸗roth.(Mitglieder von 33— 35: A. Bandel(Worms*), Steinem (Staatsanwalt), Wolf(„rother W.“), Dörr II., Itzſtein, Ph. Wittmann (Advokat Anwalt), Metternich(rother M.) ꝛc.), ſowie eine Starkenburgia, hellgrün⸗weiß⸗roth, welche 1832 Mangels neuer Mitgl lieder aufgelöſt wurde. Aus Mitgliedern der ſeit 1817 in Gießen beſtandenen Burſchenſchaft (ſchwarz⸗roth⸗gold, ſog.„Schwarze“) entwickelten ſich infolge Auflöſung derſelben durch ſchärfſte Verfolgungen, ſodaß ſchließlich in Gießen die Burſchenſchaft verſchwand, eine Anzahl landsmannſchaftlicher Verbindungen und zwar: 1) eine Vandalia, blau⸗weiß⸗gold, beſtand nur kurz: 1831 und 32.(Mitglieder insbeſondere: Zwei Brüder Zentgraf(Ob.⸗A.⸗Ger. Präſident u. Forſtmeiſter), Hallwachs(Ob.⸗App.⸗Ger.⸗R.), Freund(Advokat in Offenbach) 2) eine Palatia, mit den, ſchwarz⸗roth gold am nächſten kommenden, Farben: dunkelgrün-roth⸗gold, deren Conſtitution aus 1832 ſich bei unſeren Corpsakten befindet, ein zahlreiches, ſtattliches Corps. (Mitglieder insbeſondere: Hepp(flüchtig nach Frankfurter Atteutat); Stau dinger(Oeconom, Gladenbach, Appenrod); Fritz Bapſt(Dr. jur., Amerika); Müller⸗Melchiors(Adv.⸗Anwalt, ſpäter in Wien); die beiden Nievergelder von Darmtadt; Niebergall(„Streff“); Karl Vogt aus Gießen, in Genf; Heinrich Ferber und Fillmann(ſpäter auf der Haardt) von Gießen; Heinrich Küchler von Darmſtadt(Arzt); Wagner(Pfarrer,L Laubach); Appiano (Arzt); Lang(Oberförſter, Gießen); zwei Brüder Koch(Darmſtadt) ꝛc.) 3) eine Teutonia, roth⸗weiß⸗gold, geſtiftet am 18. Juli 1832.„Treue und Bruderliebe.“ Mitglieder: Fritz v. Zangen(X³)(Forſtmeiſter); Allgeier (Pfarrer); Bogen II.; v. Diepenbrock; Friedrich 00: Hill(Oberförſter); Kammer(Pfarrer); Keiber; Klein(Gießen); Köſter(jetzt Steuer⸗Rath in Darmſtadt); zwei Brüder Lichtenberg(Aſſeſſor und Arzt): Schwarz(Ober Einnehmer, Romrod); Ulrich(o(Landrichter); Otto; Blum; Sabarli (Kreisarzt); Rübſamen, Sohn von Forſimeiſter Rübſamen, gefallen 1833 im Säbelduell gegen v. Schwarzenau(Rhenane, ſpäter öſterreichiſcher Officier); Guſtav v. Zangen(Kreisrath); Thurn(M⁴), Arzt; Ad. Pilger: Wein berger; Ducaſſé) Dieſe Teutonia wurde gezwungen ihren Namen abzulegen; der Rektor eröffnete den Chargirten, daß ihr all gemeiner Name Teutonia ebenſo wie der burſchenſchaftliche Name Ger⸗ mania als„verdächtig“ gelte und wurde deßhalb der Name Starken⸗ burgia, mit Beibehaltung von roth⸗weiß⸗gold, angenommen;(auf dem 10 Bande von Fritz von Zangen iſt auch Teutonia, dann Starkenburgia verzeichnet). 4) eine Naſſovia, orange⸗weiß⸗gold, in den 30er Jahren, meiſt Naſſauer, beſtand nicht längere Zeit. Nach dem Einſchreiten gegen die Verbindungen 1833 beſtanden in Gießen einige Zeit überhaupt keine Verbindungen mehr; auch die Haſſia, deren Senior Roſenſtiel bei dem Frankfurter Attentat thätig war und flüchtig wurde, war aufgelöſt. Erſt am 25. October 1834 wurde wieder eine neue(die dritte) Haſſia gegründet, welche die(alten 1832er Star⸗ kenburger) Farben: hellgrün⸗weiß⸗roth annahm; zu ihr gehörten frühere Mitglieder der ſchwarz⸗grün⸗rothen Heſſen, theils aktiv, theils als Chren⸗ mitglieder, darunter Karl Eckſtein(Sen. ⸗Präſident, Darmſtadt), früher Fuchs bei Teutonia, aktiv, ſpäter Ehrenmitglied der Haſſia, in deſſen Wohnung 1835 in ſeiner Abweſenheit die Statuten, alle Waffen und Litteralien in Folge Verbindungsunterſuchung in Beſchlag genommen wurden. Die in den Jahren 32 und 33 in Deutſchland begonnenen„Hoch⸗ verraths⸗-Unterſuchungen“ hatten ſich in Gießen auch gegen die alte Burſchenſchaft gerichtet und dabei auch auf die Mitglieder derſelben, welche die Corpsverbindungen Palatia und Teutonia(ſpätere Starken⸗ burgia) gegründet hatten, ausgedehnt, ſodaß dieſelben unter Andrem mehrere Jahre vom Fakultäts⸗Examen zurückgewieſen wurden. Durch den hierdurch amtlich dieſen beiden Verbindungen aufgedrückten Stempel einer „hochverrätheriſchen Anrüchigkeit“, fanden ſich die beiden Corps Haſſia und Rhenania veranlaßt, die Kartellverbindung mit den Pfälzern und Starkenburgern zu löſen und ſie für„ſatisfaktionsunfähig“ zu erklären! In Folge hiervon ergab ſich öfters ein wüſter Holzcomment, der nament⸗ lich eines Abends zwiſchen Mitgliedern der Haſſia und Rhenania einerſeits und der Palatia und Starkenburgia andererſeits im Café Ebel und bei Loos(„im Höfchen“) und in benachbarten Straßen einen ſehr heftigen Charakter annahm. Die Palatia und Starkenburgia löſte ſich auf; ſämmtliche Pfälzer traten in das Philiſterium, von den Starkenburgern ein Theil desgleichen, ein Theil trat zu den Heſſen, ein anderer zu den Rhenanen über. 5 1833 löſte ſich die Haſſia auf, nachdem wieder eine Anzahl Mit⸗ glieder„wegen Verbindung“ relegirt worden waren.(Bezeichnend für den Unterſuchungs⸗Modus damaliger Zeiten: der Angeſchuldigte, welcher nicht ſelbſt gegen ſich ausgeſagt hatte, wurde extra beſtraft, z. B. 1833 stud. Karl Staudinger aus Thalitter„wegen Läugnens“ mit 4 Tagen Carcer; 1834 im Auguſt: stud. Adolph Dörr„wegen abſichtlicher Vor⸗ enthaltung der Wahrheit“ ꝛc.) Hier und da findet ſich die bemerkens⸗ walthe Thatſache wegen Verbind Arzeige über d dolge“ gegeben, dätige Unterſue Zangen, stud Die beſonderen nicht zu ermitt falls möglichſte ein Reſcript d naſtal⸗Verbinde mittelungen: Farben der H. auf dem Gy hellgrün⸗weiſ ſilber; Anfan eine Frankonig Reitz aus T in Chartum i Stiftungsfeſt⸗ verboten und ſtatuung(daru A. Knoth,( mit Verfügun Anordnung, Vorlicbe fürd lrtheil wegen letung mit t 1833) auf d Inſtanz und Siebert, alte Guſt. Prinz, Kratz, alter He Horn, Rhenan In Febr und eine Haſf 1836 erlig Studiren t ſchwebende ſorderung geg — 8 arkenburgia 0er ſer Jahren, beſtanden in die Haſſia, ig war und wurde wieder 18 Her Star rten frühere 1s als Chren ſtadt), früher a, in deſſen Waffen und 1 genommen. gen die alte der derſelben, e Starken Andrem Durch den Stempel einer Corps Haſſia Pfälzern und zu erklären! der nament auia einerſeits Ebel und bei jſehr heftigen öſte ſich auf; Starkenburgern nderer zu den digte welchet 4 183 3 Tagen die bemerkens⸗ 11 D werthe Thatſache, daß auf Antrag des Disciplinar⸗Gerichts Unterſuchungen „wegen Verbindung“ niedergeſchlagen wurden, z. B. wurde 1832 der Anzeige über das Beſtehen einer burſchenſchaftlichen Verbindung„keine Folge“ gegeben, ferner am 19. Mai 1835 ein Tumult beſtraft, die gleich— zeitige Unterſuchung„wegen Verbindung“(Alb. Oſterfeld, G. von Zangen, stud. Frank v. Ulfa, Georg Thurn c.) niedergeſchlagen. Die beſonderen Gründe für dieſe exceptionellen Einſtellungen waren leider nicht zu ermitteln. Gegen die Verbindungen auf Gymnaſien war eben falls möglichſt eingeſchritten worden; bemerkenswerth iſt in dieſer Beziehung ein Reſcript des Kanzlers Dr. Arens vom 13. Juni 1824 über Gym naſial⸗Verbindungen in Gießen, Darmſtadt und Mainz und über Er mittelungen: wer in Gießen bei den Germanen geweſen und wer die Farben der Haſſia getragen.(Anfangs der dreißiger Jahre in Gießen auf dem Gymnaſium: eine Haſſia grün⸗ſchwarz⸗roth, eine Starkenburgia hellgrün⸗weiß⸗roth ꝛc.; Sommer 1839: eine Teutonia dunkelgrün⸗roth ſilber; Anfangs der vierziger Jahre eine Haſſia hellgrün⸗weiß⸗roth und eine Frankonia dunkelgrün⸗weiß⸗orange.) Im Jahre 1835 hatte Conſtantin Reitz aus Dieburg(ſpäter Kanzler des k. k. öſterr. General⸗Conſulats in Chartum in Afrika, welcher am 1. Juni 1850 in Bingen an unſerm Stiftungsfeſt⸗Commers Theil genommen) eine Haſſia gegründet, welche verboten und aufgelöſt wurde. Ein Geſuch von 34 Petenten um Ge⸗ ſtattung(darunter Herm. Stockhauſen, Ad. Dörr, Ph. Kleeberger, A. Knoth, G. Bonhard, C. Haberkorn, H. v. Riffel) wurde mit Verfügung vom 17. Mai 1835 abgeſchlagen mit der gleichzeitigen Anordnung„zur Ueberwachung der Petenten“,„weil ſie eine beſondere Vorliebe für dergleichen Verbindungen bethätigt“. 1835 erfolgte auch das Urtheil wegen der am 3. Mai 1833 ſtattgehabten, bekannten Körperver letzung mit tödtlichem Erfolg des Wirths Joh. Muth(geſt. 11. Mai 1833) auf dem Weſtphäliſchen Hof bei Gießen: Abſolvirung von der Inſtanz und wegen Gewaltthätigkeit drei Monate Correktionshaus.(Ph. Siebert, alter Heſſe; A. Metternich, Rhenane; Ed. Klipſtein, alter Heſſe; Guſt. Prinz, desgl.; Ferd. Menges, desgl.; Fr. Simon, Rhenane; Dietr. Kratz, alter Heſſe; Martin Hofmann, alter Heſſe; Jak. Hungari, Wilh. Horn, Rhenanen.) Im Februar 1836 waren wieder zwei Verbindungen, eine Rhenania und eine Haſſia, neu geſtiftet worden. Eine Verfügung vom 27. Juni 1836 erließ an das Disciplinar Gericht in Gießen die Weiſung:„ſofort alle Studirenden zur Ablegung der Vereinszeichen aufzufordern und bei der ſchwebenden Unterſuchung darauf Rückſicht zu nehmen, ob dieſer Auf forderung gegenüber der ſchuldige Gehorſam verweigert worden iſt“. 12 Dieſe Verbindungen beſtanden aber weiter und erfolgte deßhalb am 16. Auguſt 1836 die Unterſuchung„wegen Theilnahme an Verbindungen und in ungehöriger Weiſe an der Beerdigung des Studenten Fuchs“, mit dem Reſultate, daß 35 Theilnehmer auf 1—1 ½ Jahre relegirt, 18 conſilirt reſp. mit Carcer beſtraft wurden.(Rhenanen: Lind(¾); Aug. Hänlein, Mainz(¼X); Nic. Lechner(α; Frd. Schweickard, Rüſſels⸗ heim; A. Schenck, Kelſterbach; Fried. Vogel, Ferd. Vogel, Mainz; Ad. Bandel, Worms; Ph. Meyer(*), Mainz; Remy aus Langebach; Darapsky, Mainz; Karl Metternich, Mainz; stud. forest. Bindewald ꝛc. Heſſen: Conſt. Reitz; L. Dauth, stud. theol.; Julius Königer, Gießen; Chriſt. Hofmann, Grüningen; Heinrich Kattmann, Gießen; stud. forest. W. Cellarius, Lich(; W. Willenbücher; stud. jur. K. Bindewald; Ferd. Orth, Griesheim; Ed. Heyer ꝛc. Abermals folgte im September 1836 Unterſuchung gegen Theilnehmer an der, trotz Relegationen und Strafen fortgeſetzten Rhenania und Haſſia(K. Metternich, K. Eckſtein ac.) mit Relegationen und waren hierauf die Verbindungen für längere Zeit vollſtändig unterdrückt. Im Jahre 1838 erging in der Unterſuchungs⸗Sache gegen dreißig Angeklagte„wegen der in den Jahren 1832— 35 ſtattgehabten hoch⸗ verrätheriſchen und ſonſtigen damit in Verbindung ſtehenden Unter⸗ ſuchungen“ das Urtheil(Hofgericht Gießen 5. XI. 1838) und wurden hierbei auch einige Studenten(G. Gladbach, A. Becker, W. Schmidt, G. Klemm, J. Gottſchalk, Th. Sartorius) in Zuchthaus und andere Strafen condemnirt. Nur Einer von dieſen Studenten gehörte einer landsmannſchaftlichen Verbindung an. Als einzige landsmannſchaftliche Verbindung hatte ſich bei Beginn des Sommerſemeſters 1839 in Gießen eine neue Starkenburgia, mit den Farben roth-weiß-⸗gold, conſtituirt(A. Metz; C. Trautwein; L. Matthes XXX; O. Hegar; F. Heß; K. G. Anthes; K. Klipſtein; H. Th. Kornmeſſer; Ph. Löwer; Ph. Heinrich Orth; H. Hüffel; F. Kramer; K. Frank ac.) und trat von derſelben, um eine zweite Ver⸗ bindung, einen S. C., zu ſchaffen, stud. med. Wolrad Kreusler aus Arolſen(immatr. in Gießen 22. X. 38) aus und ſtiftete nach Beginn des Sommerſemeſters 1839 eine Haſſia, wie früher mit den Farben hellgrün⸗ weiß⸗roth.(Kreusler X; Julius Königer von Gießen Hans Meyer von Hermannſtein; Guſtav Lynker, Gießen; Friedr. Fuchs, Homburg; Heinrich Freund, med., Offenbach; Otto Hinkel, Vilbel; Carl Müller, Gießen; Chriſtian Hoffmann; B. Goldmann, forest.; F. Vogel ꝛc.) Stiftung unſeres Corps Ceutonia. Vor der im Frühjahr 1839 entſtandenen Starkenburgia ſonderte ſich eine Gruppe: Heinrich Stüber(immatr. 30. X. 37), Oscar Verdier (u. X 30,K berg C. XI.: (3X.39), L:1 enzen mit stud Duellen zwiſche ah und ſtifteten (d. XI. 30, (. I. 39) und Fuchs—, nacht dn Adler, bei hatten, ein neu⸗ am 1. Juni! Früheren Palatie a Lichtenber anſeres damal Diffenbach förmlich einzut KCorps betracht Maßregeln geg Nelegation, drat, nöthigte d Aerfolgungen,; keine beſtimmte norerſt die Bän Inſt ällgemein an ihren Pfei Sommer 1839 ſin der Gabel eiiner Gießener notheſilber, und Korps geworde Plilhelm Web dgid v. Löhr Ku Umann, 5. Wie ſehr vectigt war 3 ygophorus de Eröffnun Vonſi lirungen dte deßhalb am Verbi T erbindungen 1 1 ten Fuchs“, relegirt, 18 ind 00; Aug. „ 5 kard, Rüſſels „Mainz; Ad. Darapsky, c. Heſſen: n; Chriſt. ad. forest. W. Bindewald; n September Legationen und 9, K. Eckſtein en für längere gegen dreißig rgehabten hoch⸗ enden Unter⸗ h h und wurden W. Schmidt, zuchthaus und denten gehörte h bei Beginn urgia, mit den twein L. Klipſtein; H. 5. Hüffel; F ne zweite Ver⸗ Kreusler aus ich Beginn des arben hellgrün⸗ Zanus Meyer s, Homburg; Carl Müller, 0 ꝛc.) .Vogel d) ſonderte ſich zrar Verdier TT 124. X. 37), Karl von Müller(17. V. 38), Ernſt von Lichten⸗ herg(8. XI. 38), Ludwig Bauer(4. X. 38), Edwin Verdier [30. X. 38), Ludwig Knapp(24. X. 38), wegen verſchiedener Diffe nenzen mit stud. jur. A. Metz(die auch im Sommer 1839 zu mehreren Duellen zwiſchen v. Lichtenberg⸗Metz und Stüber⸗Metz führten) ub und ſtifteten zugleich mit den ihnen befreundeten Guſtav Erdmann 16. XI. 37), Karl Weber(16. v. 39), Wilhelm Eberhard [4. I. 39) und Hermann Erdmann II.(3. V. 39) der einzige Fuchs—, nachdem ſie einige Zeit bei Balthaſar Loos, im Schwanen, im Adler, bei Daniel Ebel und auf Privatſtuben mit einander gekneipt jatten, ein neues Corps mit dem verpönten Namen Teutonia, und zwar am 1. Juni 1839 unſer Corps„Teutonia“, mit den Farben der ſrüheren Palatia: dunkelgrün⸗roth⸗gold. Stüber X, Erdmann I. ¼%, h. Lichtenberg. Im Sommer 1839 hatte unſer Corps, ausweislich unſeres damals angelegten Paukbuches, 13 Paukereien. Auch Ludwig Diffenbach von Friedberg(25. IV. 37), welcher, bereits 2mal relegirt, ſörmlich einzutreten Anſtand nahm, wurde allgemein als Mitglied unſeres Corps betrachtet und paukte auf unſere Waffen. Die überaus ſtrengen Maßregeln gegen alle Verbindungen und die ſichere Perſpektive der Kelegation, ſobald die Verbindung in eine öffentliche Erſcheinung trat, nöthigte die Stifter, in Erwartung eines endlichen Nachlaſſens dieſer Verfolgungen, zur Vorſicht und beziehungsweiſe zu dem Beſchluſſe: vorerſt ſeine beſtimmte Kneipe in einem beſtimmten Wirthshaus zu halten und porerſt die Bänder und Farben an den Kappen nicht öffentlich zu tragen, faſt allgemein trugen aber damals ſchon die Mitglieder unſeres Corps in ihren Pfeifen öffentlich grün⸗roth⸗goldene Eicheln. Oefters waren im Sommer 1839 mit den Teutonen auch Gießener Primaner, namentlich in der Gabel“ bei Balthaſar Loos, zuſammen, welche Mitglieder äner Gießener Gymnaſial⸗Teutonia waren, mit den Farben dunkelgrün loth⸗ſilber, und welche ſpäterhin zumeiſt Mitglieder reſp. Renoncen unſeres Corps geworden ſind.(Otto v. Zangen, Hein rich v. Weitershauſen, Wilhelm Weber, Emil Königer, Wilhelm Bott, Ludwig Helmolt, Egid v. Löhr, Wilhelm Markel, Julius Fabricius, K. Bingmann, Kullmann, F. Moſebach ec.) Wie ſehr das anfänglich vorſichtige Auftreten unſerer Stifter be jechtigt war, ergab ſich ſehr bald ceffektiv. Der Univerſitätsrichter Trygophorus ſchritt gegen Mitte Juli 1839 gegen die Corpsverbind ungen Starkenburgia und Haſſia mit Disciplinar⸗Unterſuchungen ein und der Eröffnung derſelben folgten raſch eine Anzahl von Nelegationen, Conſilirungen und Carcerſtrafen. 3 14 Die größte Erbitterung erregte die Art und Weiſe der Disciplinar⸗ Unterſuchungen und die zur Anwendung gebrachte Maßregel, von vorn herein mehrere Chargirte der Starkenburgia und Haſſia zu verhaften. Es fand deshalb im Saale der Wirthſchaft zum Adler eine Studenten— Verſammlung ſtatt, in welcher verſchiedene Vorſchläge über Auftreten der Studenten gegen die Vornahme dieſer Verhaftungen zum Erzwingen eines Geſtändniſſes ꝛc. berathen und ſchließlich dahin Einigung erzielt wurde, unter Verpflichtung auf Ehrenwort: dem Univerſitätsrichter die abverlangten „Aufſchlüſſe über die Exiſtenz und das Weſen der Verbin⸗ dungen“— welche„Aufſchlüſſe“ ſofort die Relegationen nach ſich ge⸗ zogen hätten— zu verweigern. Dieſe bereits vorhandene Aufregung war durch ein entſtandenes Gerücht über Erkrankung, ja Wahnſinn, des auf dem Carcer inhaftirten Starkenburgers Ludwig Matthes, stud. th. ev. aus Offenbach, immat. 1. 37, ſehr vermehrt worden. Es fand deshalb am Nach⸗ mittag des 24 Juli 1839 in dem Ebel'ſchen Kaffeehaus eine weitere Suntennerſnenung ſtatt, welche zu dem Beſchluſſe der gewaltſamen Befreiung des erkrankten Matthes führte. Es ſei dahin geſtellt, ob — wie dieſes der ſtellvertretende Univerſitätsrichter Georgi in ſeiner Relation an das Großherzogliche Disciplinar⸗Gericht meinte— das Ge⸗ rücht der Erkrankung von Matthes nur„als Vehikel gedient, nicht bloß den Zweck der Unterſuchung durch eine allgemeine Schildererhebung zu vereiteln, ſondern auch den Gefangenen die Freiheit zu verſchaffen.“ Thatſache iſt, daß der Zuſtand und die Einrichtung der Carcer ein ſehr übler war: niedere, meiſt kleine, düſtere Räume mit einem gewiſſen Ort in denſelben, mit(grünen) Läden(Gießen im Heſſenland, Grüne Läden ſind uns da bekannt ꝛc. hieß es in einem damaligen Spottliede), welche aus dicht an einander gereihten, nach oben gerichteten Brettchen beſtanden; Pritſche nicht vorhanden, die Stroh⸗Matratze wurde Tags über an die Wand geſchloſſen; dazu eine ſehr ſtrenge Carcerordnung(im Gegen⸗ ſatze zum Beiſpiel gegen Heidelberg), ſo daß der Gedanke, einen kranken Commilitionen zur damaligen heißen Julizeit in dieſen Dach⸗Carcerräumen zu wiſſen, an ſich Aufregung verurſachen mußte. Thatſache iſt ferner, daß die Studenten an irgend welchen Erfolg von vorgängigen Schritten bei dem Univerſitäts-Richter— Freilaſſung oder Verſetzung in einen angemeſſenen Gefängnißraum oder Beſichtigung von Matthes— nicht glauben konnten und daß die wenigen dahin gehenden Aeußerungen keine Beachtung fanden. Nach dieſer Kaffeehaus-Verſammlung war ein leb⸗ haftes Treiben von Studenten auf den Straßen bemerkbar. zur verab 95. Jali 1839 Philipp Löm aus dem Kaffee den Marktplatz Febände(Schle des Univerſität gahlreiche Stu Vurſchen here Neuen⸗Bäue,“ nd gelangte! Kanzleihof. 4 ſein Vefragen als Veranlaſſ daß der auf veil er krank die Rervenkra Student Aſeſor H., d der Matthes geworden.“ Der Uni Carcerarzt) weckmäßiger? auf den Carcs von dem Univ — und deſſen die Studenten Matthes her⸗ daß jetzt Gei dem Nufe.„ (Schuſ⸗ Hof, Fußtritte und dahinter beſind ſnd Polig zeidien henner, Herm Ednin Verdi Fearl Mil ller, r Diseiplinar⸗ ggel, von vorn zu verhaften. ie Studenten Auftreten der twingen eines erzielt wurde, te abverlangten der Verbin nach ſich ge— entſtandenes r inhaftirten us Oſſenbach, alb am Nach eine weitere gewaltſamen hin geſtellt, ob orgi in ſeiner te— das Ge⸗ t, nicht bloß er Carcer ein einem gewiſſen land, Grüne en Spottliede), teten Brettchen de Tags über na(im Gegen⸗ einen kranken Carcerräumen ache iſt ferner, en Schritten gen Sch in einen thes nicht ußerungen keine g war ein leb⸗ ll. Der Carcerſturm am 25. Juli 1839. Zur verabredeten Stunde, um 9 Uhr Abends, zogen an dieſem 25. Juli 1839 ungefähr 50 bis 60 Studenten, den Metzgerhund von Philipp Löwer und die Dogge von E. Verdier mit Gebell voraus, nus dem Kaffeehauſe unter fortwährenden Rufen„Burſch heraus“ über den Marktplatz und durch die Brandgaſſe vor das Univerſitäts⸗Kanzlei⸗ Gebäude(Schloß) und riefen dort einige Zeit„Matthes heraus“. Seitens des Univerſitäts⸗Richters erfolgte Nichts. Der Zug, inzwiſchen durch zahlreiche Studenten verſtärkt, nahm ſeinen Weg mit fortwährendem „Burſchen heraus“ am Univerſitäts⸗Gebäude vorüber durch die Sonne, Neuen⸗Bäue, Neuenweg, Seltersweg bis gegen das Seltersthor, wendete ind gelangte durch die Sonne auf den Brand vor den Eingang in den Kanzleihof. Dort erhielt der Univerſitäts⸗Richter Trygophorus auf ein Befragen von dem Studenten Friedrich Heß aus Zwingenberg uls Veranlaſſung ihres Auftretens, die Antwort:„die Studenten verlangten, daß der auf dem Carcer inhaftirte Student Matthes entlaſſen werde, veil er krank wäre und ſich bei einer früheren Verhaftung auf dem Carcer die Nervenkrankheit zugezogen habe.“ Student Philipp Löwer entgegnete kurz nachher dem Stadtgerichts Aſſeſſor H., der ihn von dem Betreten des Kanzlei⸗Gebäudes abmahnte: ‚der Matthes muß heraus, der iſt in dem Schweinſtall da oben krank geworden.“ Der Univerſitäts⸗Richter und der bei ihm befindliche„Legalarzt“ Carcerarzt) Dr. Wehn beſtritten eine Erkrankung von Matthes. Ein weckmäßiger Vorſchlag des Univerfitäts⸗Sekretärs Prinz: drei Studenten auf den Carcer zu Matthes zu ſchicken, um ſich zu überzeugen, wurde von dem Univerſitäts⸗Richter nicht genehmigt— stat pro ratione voluntas — und deſſen(und des Geh. Reg.⸗R. Prof. Schmitthenner) Verſuche, die Studenten zum Auseinandergehen zu veranlaſſen, mit den Rufen „Matthes heraus“ erwidert. Nach kurzer Berathung, ſeitwärts, darüber, daß jetzt Gewalt anzuwenden ſei, zogen die Studenten in Maſſe mit dem Rufe:„der Matthes muß heraus“ in den Univerſitäts⸗Kanzlei (Schloß⸗)Hof, erbrachen durch Schläge mit Prügeln und Anderem, durch Fußtritte und Drücken die Thüre an dem Schloßhof und drangen, den pahinter befindlich geweſenen Pedellen K. F. Schwarz, A. Gerbode end Polizeidiener Keßler entgegen, einige Studenten: Karl Schmitt⸗ henner, Hermann Spieß, Friedrich Heß, Philipp Orth, Oskar und Edwin Verdier, Johannes Mayer, K. G. Anthes, Otto Hinkel, Karl Müller(„rother M.“) aus Gießen, Otto Hegar uud Moritz Garthe Sie wurden aber von den Pedellen den Polizeidienern Bärrn und Keßler, dem Carcerdiener Schmitt und dem Univerſitäts⸗Sekretär die ſteinerne Wendeltreppe hinauf. Schwarz, Gerbode, Krämer, Prinz zurückgedrängt. Den Verſuch die Hausthüre wieder zu ſchließen, verhinderten die Studenten und während außen der Polizeidiener Bierau, welcher von hinten dem Studenten Friedrich Heß mit einem Stock über den Kopf geſchlagen hatte, zu Boden geriſſen und geſchlagen wurde, drangen insbeſondere die Studenten: Philipp Löwer, K. Klippſtein L. Freund, K. Schmitthenner, O. und E. Verdier, H. Spieß, W. Eberhard, L. Berg, F. Kramer, H. Mayer, K. Müller, M. Garthe, K. Sames, M. Neuberger, K. Daubert ac. mit dem Rufe„der Matthes muß heraus, vorwärts“ ein und befreiten durch gewaltſames Eröffnen der Bodenthüre(zum Carcergang) und der Carcerthüren den Studenten Matthes und gleichzeitig die auch auf dem Carcer wegen Verbindungen Inhaftirten: Julius Königer(forest., Gießen, 7. V. 36, Major Königer), Guſtav Lyncker(cam., Gießen, 4. XI. 34, Schuhmacher Friebel), und Auguſt Metz(jur., Darmſtadt, 24. XII. 36, Schuh⸗ macher Friebel), worauf ſie mit den befreiten Studenten ab nach dem Wallthor und dann in das Ebel'ſche Kaffeehaus zogen. Die dorthin Gekommenen: Rektor Prof. Dr. Credner, Prof. Dr. v. Löhr und Prof. Dr. Ritgen verſuchten beruhigend einzuwirken. Andern Morgens 8 Uhr fand eine Studenten-Verſammlung„auf dem Trieb“ ſtatt, mit Wahl einer Studenten-Deputation an das Miniſterium und fuhren einige Studenten, darunter Ernſt von Lichtenberg, Extra⸗ poſt 4ſpännig vom Kaffeehaus nach Darmſtadt ab.„Hilft es nichts, ſo ſchadet es nichts,“ hieß es damals. Das Hofgericht der Provinz Oberheſſen erachtete ein criminelles Einſchreiten für geboten und entwickelte ſich, mit Verhaftungen eine neun Monate andauernde Criminal⸗Unterſuchung. Auf Weiſung vom 23. III. 40 wurden die Akten an die Disciplinarbehörde abgegeben und dieſe dahin ſchlüſſig, daß kein Student an die allgemeine Gerichtsbehörde zurück⸗ und der Unterſuchung keine disciplinäre Ausdehnung zu geben ſei. Die Tragweite dieſer milderen Auffaſſung ſeitens des Miniſteriums und des Disciplinargerichts liegt auf der Hand. Demgemäß wurden nur 24 Studenten als in der Unterſuchung befangen erachtet und beſtraft. Ebenſo wie es im allgemeinen kulturhiſtoriſchen Intereſſe gelegen haben dürfte, die mit der Geſchichte der ſtudentiſchen Verhältniſſe auf der Uni⸗ verſität Gießen eng verknüpfte Entſtehung, den Verlauf und die Folgen des Carcerſturmes vom 25. VII. 39 der Vergeſſenheit möglichſt zu ent⸗ ziehen, dürfte es auch verſchiedentlich intereſſiren, die ſpeciellen Beſtrafungen au iennen. Nac nnd Jit der, Kohnungen der dSisciglinargerichts korest., aus Darn Stankenburger, ale msilinm abeun u Jahre. †. Flanz; Starkenb 13. Heinrich anann; Heſſe; 1 9. VI. 38; Wittn 5 Johanne Kaufmann Wal fried Anthes won Ende des S Fürth; 24. X. Kramer(Spitz hurger: desgl. 33. XI. 37; S l Jahr. †¾ Schuihmacher Se ſember 1839 ab II Karl M nieiſer Müller; rest.; Darmſt (nde Sommeiſen 8. N. 38; 6 Heinrich Ort. Saarkenburger, 30. X. 38; Sg Garthe, med. dem Namen„1 ſin ſcch zu den Hungen; 30. Iy herger, jar.; 4 7 dun Fuech; lnia des an dwig, jur. 1II.⸗”“ JMl.; hanu delgit eben, 17 v 1e Jahr 1. S ſad 2- vün 4*. A. 37; klein, Stu den Pedellen Bar Bärrn und ats⸗Sekretär zu ſchließen, ener Bierau, n Stock über lagen wurde, Klippſtein Spieß, W. M. Garthe, der Matthes 3 Eröffnen der Studenten Verbindungen 96, Major Schuhmacher I. 36, Schuh⸗ ab nach dem Die dorthin v. Löhr und ung„auf dem Miniſterium berg, Extra⸗ rg, nichts, ſo criminelles ngen eine neun m B3. III. 0 id dieſe dahin de zurück⸗ und en fi. Dr 1s und des urden nur und beſtraft. gelegen haben auf der Uni⸗ id die Folgen zu ent⸗ glichſt „ Beſtrafungen 17 zu kennen. Nachſtehend folgen dieſelben, wobei außer Studium, Domizil lind Zeit der Immatrikulation auch zu Reminiscenzen die damaligen Wohnungen der Betheiligten berückſichtigt worden ſind. Laut Erkenntniß des Oisciplinargerichts vom 17. April 1840 wurden beſtraft: † 1. Philipp Löwer, korest., aus Darmſtadt, immatrikulirt 24. X. 38, wohnhaft bei Küfer Schneider, Starkenburger, als Hauptbetheiligter und bereits„wegen anderer Exceſſe“ mit dem vonsilium abeundi bis Oſtern 1841 beſtraft, von da ab mit einfacher Relegation nuf 2 Jahre. † 2. Friedrich Heß, cam., Zwingenberg, 24. IV. 37, Schneider Franz; Starkenburger; vom 25. September 1830 ab relegirt, 1 ½ Jahr. 3. Heinrich Freund, med.; Offenbach; 8. XI. 38; Kappenmacher Lipp⸗ niann; Heſſe; 1 ½ Jahr. † 4. Hermann Spieß, forest., Sprendlingen; h. VI. 38; Wittwe Heichelheim; Starkenburger; 11 ½ Jahr von Ende 1839/40 ab. 5. Johannes Mayer(„Hans Mayer“), chir.; Hermannſtein; 16. V. 34; daufmann Wallenfels; Heſſe; desgleichen ab auf 1 ½ Jahr. 6. Karl Gott gried Anthes, ev. th.; Lich; 25. X. 38; Wittwe Stohr; Starkenburger; von Ende des Sommerſemeſters 1838 ab: 1 ½ Jahr. 7. Ludwig Berg, phil.; Fürth; 24. X. 38; Bäcker Magnus; desgl. ab: 1 ½ Jahr. † 8. Friedrich dramer(Spitz⸗Kramer), med.; Butzbach; 29. IV. 39; Schneider Bach; Starken⸗ urger: desgl. ab: 1 ½ Jahr. 9. Karl Klippſtein, forest.; Bingenheim; 23. XI. 37; Schuhmacher Schminke; Starkenburger; von Ende 1839/40 ab: 1½ Jahr. † 10. Otto Hinkel(„Huhn“), ev. theol.; Vilbel; 17. V. 38; Schuhmacher Schminke; Heſſe;„wegen anderer Exceſſe bereits vom 26. Sep⸗ ember 1839 ab auf 1 Jahr conſilirt“, von September 1840 ab: 1 Jahr. 11. Karl Müller(„rother M.“), cam.; Gießen; 24. IV. 37; Kreisbau⸗ eiſter Müller; Heſſe; von Ende 1839/40 ab: 1 Jahr. † 12. Otto Hegar, ſorest.; Darmſtadt; 4. V. 36; Schreiner Henkelmann; Starkenburger; von Ende Sommerſemeſter 1839 ab: 1 Jahr. † 13. Adolph Reitz, med.; Dieburg; 6. XI. 38; Schreiner Henkelmann; desgl. ab: 1 Jahr. 14. Philipp Heinrich Orth, med.; Griesheim; 27. X. 38; Schreiner Henkelmann; Starkenburger; desgl. ab: 1 Jahr. 15. Edwin Verdier, jur.; Darmſtadt; 60. X. 38; Schreiner Henkelmann; Teutone; desgl. ab: 1 Jahr. 16. Moritz Garthe, med.; Köln; Immat. noch nicht feſtgeſetzt; Schuhmacher Berg(unter ſem Namen„Ulk“ wegen koloſſaler Körperkraft bekannt); desgl. ab: 1 Jahr; gielt ſich zu den Rheinländern, ſpätere Rhenauia. † 17. Karl Sames, pharm.; Hungen; 30. IV. 49; Jungfer Loos; desgl. ab: 1 Jahr. † 18. Moritz Neu⸗ herger, jur.; Alz⸗y; 17. V. 38; Aron Heichelheim; ſpäterer Rhenane; desgl. ab: 1 Jahr. 19. Karl Dauber, ev. th.; Waldmichelbach; 27. IV. 37; daufmann Frech; auf ½ Jahr relegirt, welche Snafe durch die ſeitherige Dis zenſation des akademiſchen Bürgerrechts als verbüßt anzuſehen. 20. Karl Ludwig, jur.; Darmſtadt; 24. IV. 37; Wittwe Heichelheim; Starkenburger; 12 Jahr relegirt, verbüßt wie vorher. † 21. Karl Schmitthenner, jur.; Gzießen; 17. V. 38; Geh. R.⸗R. Prof. Schmitthenner; ſpäterer Rhenane; 12 Jahr relegirt, verbüßt wie vorher. † 22. Oskar Verdier, med.; Darm⸗ ſaadt; 24. X. 37; Väcker Schäfer; Teutone;„wegen erwieſener Anſchließung an 2 Klein, Studenten⸗Verbindungen. 2 18 den Tumult die bisherige Suspenſion des akademiſchen Bürgerrechts als Strafe“. 23. Wilhelm Eberhard, jur.; Diez; 6. I. 39; Schuhmacher Bach; Teutone; beſtraft wie vorher. † 24. Ludwig Knapp, jur.; Darmſtadt; 24 X. 38; Kaufmann Seipp; Teutone; beſtraft wie vorher. Die Urheber der dem Polizeidiener Bierau zugefügten Verwundungen, wobei Bierau„erhebliche Veranlaſſung dazu gegeben, daß er vorher einen Studenten mit einem Stock ſchlug“, hatten ebenſowenig ermittelt werden können, als diejenigen Studenten, welche die Thüren gewaltſam erbrochen hatten; verſchiedene Studenten hatten ſich bei dem Zuge und bei den Vor— fällen durch„Vermummen“ unkenntlich gemacht. Wohlwollend war die humane Auffaſſung des Corref. v. Löhr, der insbeſondere auch geltend machte, daß es in Folge der Maßnahmen des Univerſitäts⸗Richters T. (häufige Verhaftungen bis zum Geſtändniß, viele Abnahmen von Ehren⸗ wort bei Angeſchuldigten ꝛc.) nur eines kleinen„Anſtoßes“(Gerüchte über Erkrankung von Matthes) bedurft hätte, um eine„Exploſion“ zu erzeugen. In Criminal⸗Unterſuchung waren noch weiter 29 Studenten, darunter von unſerem Corps: H. Stüber; G. Erdmann I.; C. v. Lichtenberg; L. Bauer; Th. Breidenbach; H. Erdmann II.; mangels ausreichenden Beweiſes erfolgte keine Beſtrafung. Als eine er⸗ freuliche Thatſache iſt zu conſtatiren, daß der Carcerſturm und ſeine Folgen endlich eine Wandlung in den ſtrengen und rigoroſen Maßnahmen brachte. Gegen dieſe hatten ſich einflußreiche Männer, welche Söhne auf der Hochſchule hatten, insbeſondere der Großherzogliche Finanzminiſter v. Kopp (deſſen Sohn früher auch relegirt worden war) bei dem humanen Groß⸗ herzog Ludwig II. lebhaft ausgeſprochen— wie bekannt wurde— und muß der Umſtand, daß trotz und trotz aller Verbote und Verfolgungen immer wieder und wieder an Statt der aufgelöſten Verbindungen neue entſtanden, ſowie die reſultirten Schädigungen der Univerſität und ihrer Profeſſoren, ferner die angewendeten Gewaltmaßregeln der Studenten, zu denken gegeben haben. Es war leider nicht thunlich, einen Einblick auch in dieſe betreffenden Verhandlungen zu gewinnen; mit Grund darf aber wohl angenommen werden, daß Vorſtellungen ꝛc. bei dem Bundestag endlich andere Geſichtspunkte über„hochverrätheriſche“,„ſtaatsgefährliche“ Beſtrebungen von landsmannſchaftlichen Verbindungen bewirkten. Dem unbefangenen Beurtheiler wird es ohnehin ſchwer, zu verſtehen, weßhalb, um einen vulgären Ausdruck zu gebrauchen, das Kind mit dem Bade ausgeſchüttet wurde. Reichten doch die landsmannſchaftlichen Verbindungen in ihrer Entſtehung zum gegenſeitigen und zum kaiſerlichen Schutze auf Kaiſer Friedrich Barbaroſſa zurück(Bologna) und war es doch ſo ngtürlich und! den Jahren, in winnen pflegt, eingungen dur gben. Die be wegen landsma ſuchung wegen s ſich um ein führten endlich Seitens der R ännr gewiſſen auf welchem d mit deſſen Me weſentlich her Teutonen kon und kamen Loos, dann Vinterſemeſte Corpsbe berg; L. Ihrig P. I Erdmann! K. Wehſar von Forke v. Jangen L Helmol Einen unſer, unter » Müller, 10 ſtarb.( lleicheitig 1 Siegfriede bine An eenburger und faten ſich, na Kautonen beſte kein 8. 0 dis als Straſe“. Bach; Teutone; 24 X. 38. ) verwundungen, r vorher einen telt werden ſam erbrochen ei den Vor⸗ llend war die auch geltend Richters T. n von Ehren⸗ es“(Gerüchte ploſion“ zu 29 Studenten, nann I.; C. rdmann II.; Als eine er⸗ und ſeine n Maßnahmen ne auf der ſter v. Kopp manen Groß⸗ vurde— und Verfolgungen ndungen neue ät und ihrer tudenten, zu Finblick auch und darf aber — G m Bundestag ts nefährliche“ rkten. Dem n, weßhalb, dem VBade Verbindungen Schutze auf 4 41 es doch ſo 19 natürlich und begreiflich, daß ſich junge Männer auf der Hochſchule in den Jahren, in welchen man ſich treue Freunde für das Leben zu ge⸗ winnen pflegt, näher aneinander anſchloſſen und ihren geſelligen Ver⸗ einigungen durch Namen und Abzeichen und Conſtitution feſten Beſtand gaben. Die bei den früheren und neueren Disciplinar⸗Unterſuchungen wegen landsmannſchaftlicher Verbindungen, ſowie bei der Criminal⸗Unter⸗ ſuchung wegen des Carcerſturms zu Tag getretene Wahrnehmung, daß es ſich um einen„ſtattsgefährlichen Bund“ überhaupt nicht gehandelt hatte, führten endlich zur wenigſtens officiellen Duldung der Verbindungen Seitens der Regierung reſp. des deutſchen Bundes, allerdings noch unter einer gewiſſen Controle des Disciplinargerichts. Das Verbots⸗Ventil, auf welchem der Univerſitäts⸗Richter in Gießen feſt geſeſſen und welches mit deſſen Maßnahmen, um mit Prof. v. Löhr zu reden:„die Exploſion“ weſentlich herbeigeführt hatte, war wenigſtens thatſächlich beſeitigt. Die Teutonen konnten im Sommer 1840 ihre Farben ſchon offener tragen und kamen als Corps regelmäßig auf einer beſtimmten Kneipe(bei B. Loos, dann im Adler, ſpäter auf dem Ruſſiſchen Hof) zuſammen; im Winterſemeſter 1839/40 hatten wir laut Paukbuch: 23 Paukereien. Sommerſemeſter 40. Corpsbeſtand:* H. Stüber;* G. Erdmann I.; E. v. Lichten⸗ berg X; L. Bauer ⁴, ſpäter F. Ihrig X; L. Knapp XXX; F. Ihrig F. M., ſpäter M. v. Forkenbeck F. M.; K. v. Müller; H. Erdmann II.; E. Stammler I.; A. Lichthammer; J. Welcker I.; K. Wehſarg; V. Stumpf; Th. Breidenbach; Fr. Alefeld; M. von Forkenbeck; A. Hahn; H. Schaum; K. Stammler II.; O. v. Zangen; R. Dieffenbach II.; Frd. Klein I.; F. Engelbach I.; L. Helmolt und 22 Renoncen. Einen ſchweren Verluſt erlitt unſer Corps im Frühjahr 40, indem unſer, unter dem Namen„Baron“ bekannter, Mitſtifter des Corps Karl v. Müller, jur., aus Gladenbach, am Typhus erkrankte und am 10. III. 40 ſtarb. Er wurde(vom Habenicht'ſchen Hauſe am Kirchenplatz aus) gleichzeitig mit dem ebenfalls am Typhus geſtorbenen st. jur. Karl Siegfrieden aus Darmſtadt, mit feierlichem Fackelzug beſtattet. Eine Anzeige unſeres Corps konnte faktiſch nicht erfolgen, die Star⸗ kenburger und Heſſen, deren Mitglieder meiſt relegirt worden waren, hatten ſich, nach dem Carcerſturm, im Herbſt 1839 aufgelöſt. Außer den Teutonen beſtand kein anderes Corps in Gießen und ſomit auch daſelbſt kein S. C. Anfangs Auguſt 40 war E. v. Lichtenberg vor den Univ. ⸗Richter T. geladen worden, der ihm eröffnete:„es ſollten Verbindungen geſtattet ſein wie in Bayern und er wolle deßhalb eine Commiſſion von Studenten zuſammenberufen, um die Statuten feſtzuſetzen“. Etwas Weiteres ſcheint aber nicht erfolgt zu ſein. Erſt gegen Ende des Sommerſemeſters 40 wurde in Gießen ein S. C. gebildet, indem am 3. VIII. 40 eine Rhenania, am 7. VIII. 40 eine Starkenburgia und am 9. Auguſt 40 eine Haſſia geſtiftet wurde. 1) Mitglieder der Rhenania(blau⸗weiß⸗roth: kneipten in Wein, im Ebel'ſchen Kaffeehaus);* Jul. v. Kopp, jur., Volprecht v. Riedeſel, jur., Altenburg; Wilh. Schuchard, jur., Sickenhofen(im Dec. 42 Chren⸗ mitglied); G. Schmitz, jur., Mainz XNX; Karl Kolb, jur., Dieburg; T h. Schulten, med., Pfungſtadt; A. Par kus, jur., Mainz: aus 1837: Chriſtian Cauſé, med., Mainz; Joſ. Moyat, arch., Mainz; K. Bru ch, med., Mainz; aus 1838: Peter Werner, jur., Steinheim; K. Eckſtein, forest., Gießen; Anton Louis, arch., Eulbach; Georg Louis, jur., Darmſtadt; Aug. Le Roux, med., Mainz; Aug. v. Boltog, jur., Frankfurt a. M.; Jakob Dommerque, k. th., Steinheim; Moritz Neuberger, jur., Alzey; Karl Weber, cam., Friedberg; K. Kaibel, ev. th.; F. Jonas, jur.; A. Gaßner, med., Mainz; aus 1839: H. Schalk, jur., Mainz(im Dec. 42 zum*H gewählt); J. Schalk, jur., Karl Wenzel, mecl., Mainz; Ph. Petri; Joſeph Röder, jur., Mainz; Bernhard Limberger, jur., Mainz; Wilh. Geyger, jur., Aſſenheim; Hermann Moter, med., Gießen; Karl Hoffmann, jur., Aſſen⸗ heim; Wilhelm Thylemann, ev. th., Eberſtadt; Fried. Staudinger, ev. th., Thalitter, Karl Staudinger, ev. th., Thalitter; Karl Klipſtein, ev. th., Thalitter; Kauk Stamm, ev. th., Lauterbach; Jakob Jung, ev. th., Rüſſelsheim; Ph. Seyler, jur., Mainz; Heinrich Sintenis, jur., Zerbſt; Meyer, med., Mainz; Rodemer, ev. th., Lauterbach ꝛc. Mit der Rhenania kneipten: Heinrich Köhler, med., Altenſtadt und Joſ. Pies, med., Mainz. Eine berühmt gewordene Lithographie des Malers Trautſchold, damals in Gießen,— das Vorbild aller derartigen ſpäteren Kneipbilder— gibt die Mit⸗ glieder der Rhenania in charakteriſtiſch gelungenſter Weiſe wieder. 2) Mitglieder der Starkenburgia, roth⸗weiß⸗gold;„Treue und Bruder⸗ liebe“, geſtiftet am 7. VIII. 40 von den ſieben Studenten: Karl Dieffenbach, arch., Friedberg X(*); † Karl Franck, jur., Reddighauſen XX(*); Her⸗ mann Gombel ev. th., Alsfeld, XXNX; † Ludwig Schmidt, forest., Stein⸗ brückerteich; Adolph Muſſet, chem., Wiesbaden; † Wilhelm Stahl, forest., Darmſtadt; Theodor Korn meſſer, jur., Höchſt(*) nebſt 11 Füchſen, in 41 C.⸗Burſche: L. udwig Hüffel, med., Gießen; Neſtor Kindermann, Arnsberg; Ernſt Schleuning, forest., Darmſtadt; A. Wilh. Vogt, cam,, Babenhauſen; Ludwig Neunhagen, med., Gr Umſtadt; Wilh. Salzer, ev. th.; Ludwig von Röder, jur., Darmſtadt ꝛc. 3) Mig †A; 4. ſ.E At s Pf berg N; Re Amerita); Fr Heinrich Wü Georg Rödgen); Ka hard, Wil- „Lerg“); Se Buſch 0R, und II(Oben Vet⸗Arzt); L. Olfenius Walther;( Chrenm Louis Cel Im Le weihung der Balthaſar Ablagern, Waſſer— geſtellt, er dazu eine wenigſtens, lebhafter B Corps, mit hergeht, eiſ ditte W. dichtniß de Bauer. U has die ge jugendlicher mit erhoben bricht Eiſen, allen iddiſch ſelben— u Schuldbuch von dem„Le über die Un anderen„B. lungene ger Univ.Richter gen geſtattet Studenten eiteres ſcheint Gießen ein am 7. VIII. ſſia geſtiftet n Wein, im edeſel, jur., 42 Chren Dieb 7: Chriſtian ed. „Gießen; dt; Aug. Le M.; Jakob — Karl A. Gaßner, Mainz. * gewählt); ph Röder, eyger, jur., rr., Aſſen⸗ g, ev. th., gr., Zerbſt; der Rhenania ned., Mainz. damals in die Mit⸗ und Vruder⸗ und Biu j ffenbach, lu Stahl, 11 Jüchſen, dermann, oat, All., Zalzer, eyr. . 21 3) Mitglieder der Haſſia, hellgrün⸗weiß⸗roth;„v'rtus firmat fortes; E. f. A.; A. f. E.“, geſtiftet 9. VIII. 40: Hermann Hüffel, ev. th., Oppenheim X(† als Pfarrer); Louis Cellarius, ev. th., aus Lich, Dekan in Batten⸗ berg; Moritz Moter, Rendant in Beſſungen XNX; Franz Röder( in Amerika); Friedrich Storch aus Dorheim(T als Bergmeiſter in Weckesheim); Heinrich Wüſt( l. Georg Kattmann, ev. th., Gießen(am 6. XI. 40: X, † als Pfarrer in Rödgen); Karl Schäffer, ev. th.(Xxα,(GPfarrer in Amerika); Karl Rein hard, phil.(Reallehrer i. P. in Darmſtadt); Wagner(Arzt in Rheinheſſen „Berg“); Seriba, arch.(†); F. Diehl, ev. th., Gießen; 1841: Karl Buſch 006), arch., Gießen(Geh. Bau⸗R. i. P. in Darmſtadt); Schwabl. und II(Oberförſter in Königſtein); Freund, medl., Offenbech; Zimmer(c als Vet.⸗Arzt); Loew,(Apotheker, aus Bayern); Aug. Kattmann(in Amerika); Olfenius(in Wiesbaden); Horſtmann(Naſſauer); v. Hadeln(desgl.); Walther; Cäſar(desgl.); Aug. Haſt, Gießen(p) ꝛc. Chrenmitglieder aus damaliger Zeit: W. Kreusler, F. Vogel, Lüdeking, Louis Cellarius. Im Laufe des Sommerſemeſters 40, am 6. Juli, war die Ein⸗ weihung des Felſenkellers gefeiert worden. Der Bierbrauer und Wirth Balthaſar Loos hatte durch Erbauen eines Felſenkellers zum gehörigen Ablagern, nach bewährtem bayriſchen Muſter aus Hopfen, Malz und Waſſer— ohne Surrogat-Gepantſch— ein gutes, geſundes Bier her— geſtellt; er errichtete am Felſenkeller einen Maſt, die Studenten ſtifteten dazu eine(roth⸗weiße) Fahne, welche aufgezogen wurde, ſobald ſich wenigſtens zwei Studenten dort befanden. Die Einweihung verlief unter lebhafter Betheiligung des beſtehenden und der in Bildung begriffenen Corps, mit einem humoriſtiſchen, öffentlichen Aufzuge. Wo es feucht hergeht, erſcheint der Salamander, und einen Rieſen⸗Salamander komman⸗ dirte W. Schuchard(jetzt Oberamtsrichter in Gernsheim) zum Ge⸗ dächtniß der Einweihung durch das große Sprachrohr des„Thurmmanns“ Bauer. Unſer Corpsbruder„Lutz“ Knapp hielt in Kniehoſe und chapeau- bas die Feſt⸗ und Bierrede, voll Witz und Humor. Der Referent, damals jugendlicher Zuhörer, hat davon noch im Gedächtniß behalten, wie Knapp mit erhobener, feierlicher Stimme begann:„Groß iſt die Noth, denn ſie bricht Eiſen, größer iſt der Durſt, denn er hat Felſen geſprengt“ ꝛc.,„von allen irdiſchen Looſen preiſen wir dich, Balthaſar⸗Loos“ ꝛc., ſodann den ſelben— mit welchem Erfolg, ſei dahin geſtellt— apoſtrophirte:„Dein Schuldbuch ſei vernichtet“ und ſchließlich den koſtbaren Bierſtoff aus einer von dem„Leibknappen“ von Conſtantin Reitz überreichten großen Spritze über die Umgebung ausgoß. Dieſe Einweihung des jetzt im Beſitze eines anderen„Balthaſar“(Lenz) befindlichen Felſenkellers war eine ſehr ge⸗ lungene, gemeinſame, ſtudentiſche Feier. 22 Im Juli 1840 erhielt bedauerlicher Weiſe Wilhelm Vogt bei einer Paukerei mit G. v. Weitershauſen einen Hieb in das linke Auge(damals gab es noch keine Schutzbrillen, wie in neuerer Zeit), welcher die Sehkraft deſſelben vernichtete. Zur Erinnerung an den denkwürdigen Carcerſturm von 1839 wurde am Jahrestage— 25. Juli— bei Fillmann auf der Haardt eine allgemeine Kneipe, ſowie von unſerm Corps am 26. Auguſt 40 ein großer Commers in Butzbach(22 Chaiſen) gefeiert. Die Abfahrt er⸗ folgte in Farben und mit Fahnen vom Pfau aus durch die Stadt. Im Winter-Semeſter 40/41( Stüber;* Erdmann I; C. v. Lichtenberg X; † Ihrig X; A. Leichthammer XXX; O. v. Zangen F. M.; 33 Corpsburſchen und 28 Renoncen) wurde unſere alte Conſtitution von 1839 revidirt mit Zuſätzen und am 10. Novbr. 1840 vorgelegt und am 21. Novbr. 40 durch die übrigen Corps garantirt. Auf Antrag von Lichtenbergs Beſchluß: daß eine Aenderung der Conſtitution nur mit Stimmeneinhelligkeit erfolgen dürfe. Bei einer Paukerei wurden am 11. XII. 40 die Waffen abgefaßt und ergaben ſich aus begleitenden Umſtänden Befürchtungen eines Rückfalls in die berüchtigten Verbindungs-Unterſuchungen, was am 12. XII. 40 zum einſtweiligen C. C. Beſchluſſe führte: daß die beſchriebenen Bänder abzuliefern und bei Tage keine Corpskappen zu tragen ſeien. Am 9. März 41 wurde von dem C. C. beſchloſſen, daß zur Erinnerung an den Stiftungs⸗ tag unſeres Corps, l. Juni 1839: 1. Juni 1850 in Bingen ein ſolenner Commerrs ſtattfinden ſolle. Im Sommer-Semeſter 41( Stüber,*Erdmann I, v. Lichten⸗ berg X, v. Zangen XX, weſentlich derſelbe Corpsbeſtand und 24 Renoncen) nahm das Corps zu unſerem Wappen noch den Wahlſpruch an:„in virtute honos“; beſchloß am 16. VII. 41, daß bei der Wahl eines Chrenmitglieds Stimmengleichheit gelten ſolle. Auf Antrag v. Lichten⸗ bergs wurde am 23. VIII. 41 Ludwig Bauer zum Ehrenmitglied gewählt. Leider verlor unſer Corps durch den unglücklichen Ausgang einer Paukerei ſein Mitglied Julius Welcker I, welcher am Ludwigs— brunnen den 22. VI. 41 von stud. med. Karl Wenzel aus Mainz (Rhenane) einen Hieb in die Lunge erhielt, in einer Krankenſänfte von Corpsbrüdern und ſeinem alten Vater, Landrath Welcker, nach Gießen verbracht wurde, am 9. Juli 41 ſtarb und unter größter Theilnahme mit Fackelzug feierlich beſtattet wurde. Der übliche Commers gegen Ende des Semeſters ſollte wieder, wie im Jahre zuvor, in Butzbach gefeiert werden und fand auch daſelbſt am 26. VIII. 41(27 Chaiſen) ſtatt und zwar einem Wunſche v. Lichten⸗ bergs entſyrechen gettend gemacht Qunntum von Poſtilione und und die Reſerve ſehr bekannt ger der im Allgemem ſicht, hatte einen ditten Chargir großartig und Guſtav tung das Fat Vutzbach mit berg von D einen Schmiß Aus dei *E. v. Licht K. Bingman Dingeldei F. merken, daß a berg einſtim Gießer§. C. Creludirte nich ein unglücklich torest. Ludn unter Anderen welche Wunde führte. Unter mit Jacktlzug Einen ſe maliger Senic K. Vingmann u. Zangen d Aus dem benerienswert Duer oßbach weſentich behu N I.; Vogt bei 1 das linke rer rer Zeit), 1839 wurde Han 4 Conſtitution gelegt und ) Antrag von on nur mit bgefaßt und Rückfalls 2. XII. 40 en Bänder „ März 41 Stiftungs⸗ ſolenner v. Lichten⸗ 24 Renoncen) an: vin Wahl eines eichten⸗ hrenmitglied n Ausgang n Ludwigs⸗ 1s Mainz ſänfte von 5 Gießen 23 bergs entſprechend(wogegen v. Zangen und einige Andere Bedenken geltend gemacht hatten) in Champagner, der en gros in erheblichem Quantum von Auswärts bezogen wurde. Er reichte nicht(die ca. 30 Poſtillione und Kutſcher waren auch geduldete fleißige, ſtille Theilnehmer) und die Reſerven des Wirths(Jutz im Heſſ. Hof) mußten heran. Dieſer ſehr bekannt gewordene Commers bildete ein Unicum, ein Abweichen von der im Allgemeinen ſonſt gewohnten Einfachheit; der Champagner, obwohl ächt, hatte einen metalliſchen Nachgeſchmack und lag noch einige Zeit unſeren dritten Chargirten etwas im Magen! Aber überaus fidel war die Sache, großartig und darum über die großartigen Geſammtkoſten— Schwamm. Guſtav Erdmann J,*, der erſte Teutone, welcher ſeit der Stif tung das Fak.⸗Examen abſolvirt hatte, fuhr zu dem Commerſe nach Butzbach mit E. v. Lichtenberg ſechsſpännig. Dort erhielt v. Lichten berg von Dingeldei aus Unvorſichtigkeit mit einem Commersſchläger einen Schmiß in das Geſicht, weshalb v. Zangen das Präſidium übernahm. Aus dem Winterſemeſter 41/42( H. Stüber;* L. Bauer; *»E. v. Lichtenberg; O. v. Zangen X; H. v. Weitershauſen XxX; K. Bingmann xXxA, ſpäter vom 19. II. 42 ab: Dingeldei XXX; E. Dingeldei P. M., 30 Corpsburſchen und 19 Renoncen) iſt zunächſt zu be⸗ merken, daß auf Antrag v. Zangens am 9. XI. 41 E. v. Lichten berg einſtimmig zum Chrenmitglied gewählt wurde; ferner: daß der Gießer S. C. den Beſchluß faßte, daß ein neues Corps von einem Corps Exeludirte nicht aufnehmen dürfe. Am 18. I. 42 ergab ſich leider wieder ein unglücklicher Ausgang einer Paukerei, indem der Starkenburger stud. korest. Ludwig Schmidt von Steinbrückerteich von A. Müller l unter Anderem einen Hieb in den kleinen Finger der rechten Hand erhielt, welche Wunde in Folge Starrkrampfs am 10. II. 42 den Tod herbei führte. Unter allſeitig großer Theilnahme erfolgte die feierliche Beſtattung mit Fackelzug. Einen ſehr bedauerlichen Unglücksfall erlitt am 3. II. 42 unſer da⸗ maliger Senior Otto v. Zangen auf der Fechtſcheuer. Ein Hieb von K. Bingmann drang durch die Drahtmaske in das linke Auge, wodurch v. Zangen die Sehkraft an dieſem Auge einbüßte. Umtriebe im Corps. Aus dem Jahre 1842 iſt für die Geſchichte unſres Corps insbeſondere bemerkenswerth: daß Anfangs Februar 42 stud. Karl Bingmann von Ober⸗Roßbach(längſt verſtorben) mit einigen Corpsburſchen und Renoncen, weſentlich behufs Bildung eines neuen Corps, Umtriebe angezettelt hatte, 24 welche indeſſen für unſer Corps bei deſſen zahlreichem und zuverläſſigen Beſtand effektiv nicht gefährlich waren. Der C. C. ſchritt am 12. II. 42 ein, v. Lichtenberg wurde mit der Unterſuchung beauftragt und am 19. II. 42: K. Bingmann und K. Koch excludirt und am 25. II. 42: A. Müller I, L. Helmolt und K. Rou ge dimittirt, dem W. Weber das Band genommen und einige Nenoncen„ausgetreten.“ Die Excluſion von K. Koch wurde am 5. März 42„mit Rückſicht auf das bisherige Betragen von Koch gegen unſer Corps“ in Dimiſſion verwandelt und ſpäterhin, da Koch(geſt. als Oberförſter auf dem Wolfsgarten) fort— geſetzt in ſehr freundlichen Bezichungen zu uns geblieben war, auf ſeine Bitte die Dimiſſion am 28. IV. 60 aufgehoben. Auch die Dimiſſion von A. Müller I, der ſeine Brüder E. und K. M. dem Corps brachte, wurde ſpäterhin aus gleichen Gründen auf ſeine Bitte aufgehoben. Beide haben verſchiedentlich an unſeren Stiftungs⸗Commerſen Theil genommen. Am 28. Feb. 42 ergab eine Chargirtenwahl: Schulz ₰; Klin gel⸗ höffer XX; Dingeldei Xxx. Am 5. März 42 wurde angezeigt:„daß ſich ein neues Corps Markomannia mit den Farben ſchwarz⸗weiß⸗roth(weiße Kappen) conſtituirt habe, daß ſeine Couſtitution von dem S. C. genehmigt worden ſei und daß folgende Mitglieder des Corps aufgethan hätten: Thyl— mann, Müller, K. Weber I X́X, Werner, Staudinger, Stamm, Helmolt, W. Weber II, Habicht, Rouge, Bing⸗ mann, Jung. Darauf ſeien bei den Markomannen als Corpsburſchen recipirt worden: Koch, Rodemer, Noll, Moſeba ch, Langsdorff, Gilmer.“ Sommerſemeſter 1842.( Stüber;* Bauer;„v. Lichtenberg; Dingeldeix; Doſch XNX; Bingmann X; 31 Corpsburſchen u. 10 Renoncen.) Der Mitſtifter und erſte Senior unſeres Corps, unſer Ehrenmitglied Stüber, abſolvirte am 23. V. 42 ſein Fakultäts-Examen mit Doktor und fand ihm zu Ehren am 30. Mai 42 ein Comitat bis Butzbach ſtatt (an welchem ſich auch in 2 Vierſpännern W. Weber, A. Müller 1 K. Koch und Bingmann betheiligten, deſſ en Excluſion von dem Senioren⸗Convent in Dimiſ ſion verwandelt worden war). In Folge Vorſtellungen und Drohungen Seitens des ſah ſich im Juli 42 Duelle veranlaßt. Univ.⸗Gerichts der S. C. zum Beſchluſſe einer Verminderung der Aus dem Winterſemeſter 42/43 hauſen X(wurde conſilirt und Doſch); Heumann F. M.; 23 Corpsburſchen und 14 (* v. Lichtenberg; v. Weiters⸗ Königer X✕; Siebert XXMN Renoncen) iſt zu bemerken, daß am 19. Febr.. hauſen zu Ehre Sommerſ Keitershauſen Heilmann 7) Aus dem S.. uͤfgelöſt und n behaltung ihrer⸗ von der Haſſia getreten von den Kattmnann u Schüler N; In Juli geſtiftete Corpe 1843 aufgelöſ arzt in Veer Rhenane Wil Aſſenheim) hi A. Auguſt! Butbach ſtatt. Winter NM, nachher Strecker II) Jwiſchen Streitigkeiten Gießern u beſchloſſen: da beiden Hochſch zu Velnhauſe N. Januar gericht am l. Gleiche der ga in ihren Gew ſchidenen, Gie wobei die Niva haben mag. nhan 1 Diſiidien geffü Weiſe niune ( VIII. 46) zuverläſſigen im 12. II. 42 gt und am 1 B. II.. V. Weber die Ercluſion as bisherige 3 Corps Kappen) gt worden Thyl⸗ dinger, Bing⸗ psburſchen sdorff, enberg; Renoncen. nmitglied it Doktor utzbach ſtatt Müller I; a von dem Gerichts derung der 25 am 19. Febr. 43 O. v. Zangen und am 24. Febr. 43 H. v. Weiters⸗ hauſen zu Ehrenmitgliedern gewählt wurden. Sommerſemeſter 43:[*v. Lichtenberg;*v. Zangen;*v. Weitershauſen; Doſch X; Königer Xα; A. Schulz II XXX, nachher Heilmann; C. Müller II F. M.; 26 Corpsburſchen und 17 Renoncen]. Aus dem S. C. wurde am 10. Mai 1843 angezeigt:„die Haſſia hat ſich aufgelöſt und mit der Markomannia vereinigt; die Letztere hat mit Bei behaltung ihrer Farben(ſchwarz⸗weiß⸗roth) den Namen: Haſſia angenommen; von der Haſſia iſt bei der Vereinigung mit den Markomannen über getreten von den Corpsburſchen der bisherigen Haſſia: Schüler, Wagner, Kattmann und Dreßler; bei der neuen Haſſia iſt: Jung X; Schüler XX; Sunkel XXX; Helmolt F. M. Im Juli 1843 löſte ſich die Rhenania auf(ſpäterhin mehrmals neu geſtiftete Corps Rhenania haben ſich ebenfalls wieder aufgelöſt); von den 1843 aufgelöſten Rhenanen kneipte ſpäter Hermann Moter(ſetzt Kreis arzt in Beerfelden) mit uns und erhielt 1846 unſer Band; auch der Rhenane Wilhelm Geyger(„Tromsdorf“)(jetzt Kammerdirektor in Aſſenheim) hielt ſich zu uns und beſuchte unſere Commerſe. Am 26. Auguſt 1843 fand der übliche Commers und zwar wieder in Butzbach ſtatt. Winter 43/44:* v. Lichtenberg;*v. Zangen; Doſch N; Siebert ;A, nachher 13. November Heumann x; Heumann XXX, nachher Strecker I Xααα; K. Müller II P. M.; 21 C.⸗B. 16 Ren. Zwiſchen Gießer und Marburger Corpsſtudenten hatten mehrfach Streitigkeiten verſirt; nachdem am 19. XI. 43 eine Deputation von je 4 Gießern und 4 Marburgern auf dem Staufenberg conferirt, wurde beſchloſſen: daß ein Ehrengericht zur Beilegung von Streitigkeiten zwiſchen beiden Hochſchulen, jedes Semeſter zweimal, das erſte am 1. Febr. 44 zu Belnhauſen, abgehalten werden ſolle. Erfreulicher Weiſe zeigte am 227. Januar 1844 eine Schrift von Marburg an,„daß zu einem Ehren gericht am 1. Febr. 44 keine Veranlaſſung da ſei“; in Gießen war das Gleiche der Fall. Als Thatſache ſteht feſt, daß von längerer Zeit her die, iin ihren Gewohnheiten und Weſen(Süd⸗Nord⸗Deutſch) mehrfach ver⸗ ſſchiedenen, Gießer und Marburger Corps nicht beſonders harmonirt hatten, wobei die Rivalität der nahe benachbarten Univerſitäten eine Rolle geſpielt haben mag. Zuweilen waren bei Gelegenheit beiderſeits die Geiſter Ein⸗ zelner etwas über die Schnur auf einander geplatzt, was beiderſeits zu Diſſidien geführt und die benachbarten Corpsverhältniſſe bedauerlicher Weiſe mitunter trübte. Gelegentlich des Auszugs nach Staufenberg (7. VIII. 46) erſchienen dort die Marburger Studenten, bezeugten ihre 26 Sympathien für die gemeinſame Studentenangelegenheit und kneipten wir ſehr harmoniſch zuſammen. Eine Veränderung trat am 16. Januar 44 bezüglich unſerer Kneipe ein, indem dieſelbe aus dem Ruſſiſchen Hof in die Wirthſchaft„zum Adler“ (Wittwe Büßer) verlegt wurde. Der S. C. nahm zu den damaligen Beſtrebungen: durch allgemeine Studenten-Verſammlungen gemeinſame Studenten-Angelegenheiten zu verhandeln und zu leiten, dadurch Stellung, daß er per majora am 6. Febr. 44 beſchloß: daß kein Corpsſtudent in die allgemeine Studenten⸗ Verſammlungen gehen ſolle. Dieſer Beſchluß erſcheint wohl einſeitig, da wirklich gemeinſame Studenten-Angelegenheiten auch»eine gemeinſame Behandlung der geſammten Studentenſchaft bedürfen, wobei der Einfluß und die Bedeutung der vereinigten Corps und deren zahlreichen Auhänger von ſelbſt zur Geltung kommen mußte; die ablehnende Haltung des S. C. richtete ſich hier weſentlich gegen die Form und Art und Weiſe dieſer Beſtrebungen. Aus dem Sommerſemeſter 44—*v. Zangen; Gottwerth ₰; Küchler XX; Strecker I XX; W. v. Schenck F. M.; 17 G⸗Mitglieder und 13 Ren.— ſind beſondere Corps⸗ reſp. Univ.⸗Ereigniſſe nicht zu bemerken. Im Winterſemeſter 44/45—* v. Zangen;(Hirſch;) K. Müller III X; Buß xXxx; Horn F. M. wurden Emil Königer (24. XI. 44) und Karl Gottwerth G. T II. 45) zu Ehrenmitgliedern gewählt. Im Sommerſemeſter 45—* v. Zangen;* Königer; * Gotiworth; Hirſch X; Buß x; Pfannmüller α W. Becker F. M.; 21 C⸗Mitgl. und 12 Ren.— erhielt unſer Ehrenmitglied Otto v. Zangen, welcher ſein Fakultätsexamen abſolvirt hatte, am 24. Mai 1845 ein feier⸗ liches Comitat nach Butzbach(23 Chaiſen). Im Winterſemeſter 45/46—»Emil Königer;(Wilhelm Hirſch x%); Wilhelm Becker I XN; Guſtav Dieffenbach XX; Ernſt Klein F. M.; 17 C.Mitgl, und 4 Ren.— wurde die Kneipe wieder auf den Ruſſiſchen Hof verlegt. Zu unſrer Corpsgeſchichte von Sommer 39 bis Ende der 40er Jahre darf es kulturgeſchichtlich nicht unterlaſſen werden, die damaligen Studenten⸗ und Corpsverhältniſſe, in specie unſrer Teutonia, einer kurzen Betrach⸗ tung zu unterziehen: Im Allgemeinen herrſchte Einfachheit, kein Luxus, Glacéhandſchuhe nur vereinzelt und reſp. nur auf Bällen; Beſuch von Auswärts regulariter bei Corpsmitgliedern zum Uebernachten; ausnahms⸗ weiſe, z. B. 1842 Göttinger und Heidelberger Studenten, im Rappen; durchkommender Beſuch öfters, auch von Marburg öfters Beſuch. Feine Wim oder Champa iemüi primitiven, Inng zur Hochſchule in vergnügter Geſcl ſgeiel(Beiträge dc. uns auch minder n Corps wohl geſtattet Algemeinen ein Gi recht freundlich und 0⸗Intereſſe, unbeſch näthig gegen Bürger Richter Trygopho Ausführung— nach Daardthofs(Fillm gemacht worden— Walde(hinter dem Culenburg, Hungen Vald, im Heßler: ſchwere Ranzen, ſog. an den Beſtimmun („Schnurren“) dam Krämer, war der Fü dicker Gerbode. B Sekundanten„im W Einlätung von Par und Commerſen, w minder zur Geltung ich herzugehen, tro und einfacher Ausſ bath Schild, je denkmal l von uin ded Transparent„ Silhouetten und d urſchen von Ad. J gehuldie igt(G unmtih,2 Seite 9 uf noch getrunken n G 1 inurhs nin„Kne nd S ommer Weine oder Champagner ganz ausnahmsweiſe. Wohnungen in den, oft ziemlich primitiven, aber billigen Stuben des alten Gießen. Ab- und Zu— gang zur Hochſchule meiſt mit dem„Familienwagen“(Omnibus), öfters in vergnügter Geſellſchaft auch per pedes. Ausgaben für das Corps ſpeciell(Beiträge ꝛc.) mäßig, ca. 36 fl. 61 M. 71 pro Semeſter, was auch minder mit„Wechſel“ Verſehenen die Zugehörigkeit zu einem Corps wohl geſtattete. Das Verhältniß zu den Bürgern(Philiſtern) im Allgemeinen ein Gutes; die Beziehungen zum„Hausphiliſter“ zumeiſt recht freundlich und anhänglich. Die Corps hielten in gemeinſamem S. 0.-Intereſſe, unbeſchadet der Rivalitäten im Einzelnen, zuſammen, wo nöthig gegen Bürger, Nichtcorpsſtudenten und namentlich gegen den Univ. Richter Trygophorus. Eifriges Paukverhältniß zwiſchen den Corps, Ausführung— nachdem kreisamtlich die Pauklokale in den Räumen des Haardthofs(Fillmann) und bei H. Schiffer in Wieſeck unmöglich gemacht worden— mit Schwierigkeiten außerhalb Gießens, meiſt im Walde(hinter dem Schiffenberg, hinter der Haardt, Ludwigsbrunnen, Eulenburg, Hungerhof bei Steinberg, Kinzebacher Mühle, Krofdorfer Wald, im Heßler ꝛc.). Zwei Füchſe„ſchleppten“ das Paukzeug(zwei chwere Ranzen, ſog.„Affen“) und Klingenvorrath, oft ſchon in der Nacht, an den Beſtimmungsort. Stete Nachſtellungen Seitens der Pedellen „Schnurren“) damals(wie es im bekannten Liede hieß): es war der Krämer, war der Fleiſcher, war der Gerbode, o weh, o weh, o weh, o du dicker Gerbode. Beim Abfaſſen öfters Springen der Paukanten und Sekundanten„im Wichs“ und ſchleuniges Salviren des Paukzeugs. Zur Einleitung von Paukereien dienten„Contrahagen“ auf Contrahir⸗Kneipen und Commerſen, wobei ſchlagfertige Aeußerungen und Witz mehr oder ninder zur Geltung kamen. Auf den Corpskneipen pflegte es„urgemüth⸗ ſich“ herzugehen, trotz anti⸗elektriſcher Beleuchtung bei„Gutlichtern“(Talg) zlund einfacher Ausſtattung(bei uns die 2 Fahnen von 1839, Wappen, 1egeth. Schild, je Farben, Wahlſpruch G. U. N.(gladius ultor noster), Denkmal von Armin, zwei verſchlungene Hände, Stiftungstag 1. VI. 39, das Transparent„Teut“(Bild E. v. Lichtenbergs, von Tr autſchold), Silhouetten und die vortrefflichen Bleiſtift-Zeichnungen älterer Corps⸗ burſchen von Ad. Müller I. Dem Geſang wurde auf der Kneipe gern gehuldigt(Commersbuch: Auswahl d. Lieder, Leipzig 1840, 44), beliebt namentlich„Seite 9“„ſtimmt an“,„auf ſchwärmt“,„auf ſinget“,„wohl ruf noch getrunken“,„aus Feuer ward“ ꝛc. und Anderes aus dem humo riſtiſchen Gebiet. Feierabendſtunde von den Pedellen ſcharf überwacht, um 11 Uhr„Kneipe ex“; früher noch„Farben ab“. Nur zweimal, Mittwochs und Samſtags, Kneipe, welche Beſchränkung einem Zuviel — 28— vorbeugte. Die damaligen Verhältniſſe der Corpsſtudenten und deren Anhänger zu den anderen Studenten(inſoweit nicht harmloſe„Kameele“) vielfach recht unerquicklich. Mit den Frankonen(ſchwarz⸗blau⸗gold) von 15— 46, welche betreffend Satisfaktion gaben, in anſtändigem Verhältniß, mit den Katten und Alemannen thatſächlich auf üblem Fuß; dieſelben pflegten alle äußeren Zeichen und Gebräuche der Corps, gaben aber keine Satisfaktion(ein Katte hielt damals öffentlich eine große Pauke über die Feigheit des Duells). Die Folgen konnten ſomit nicht ausbleiben, zahl⸗ reiche Skandale waren an der Nachtordnung und Holzereien diverſer Art gaben von der gegenſeitigen Stellung intenſives, fatales Zeugniß, die Career wurden frequentirter, Conſilien und Relegationen ſetzte es ab. Deſtomehr paukten die Corps unter einander(z. B. S.⸗S. 39: 13 Pauke⸗ reien; W.⸗S. 39/40: 23 P.; S.⸗S. 40: 66 P.; W.⸗S. 40/41: 70 P.; W.⸗S. 41/42: 45 P.; S.⸗S. 42: 56 P.; W.⸗ 8 43: 41 P.; W.⸗ 13/44: 24 P.; S.⸗S. 44: 45 P.; W.⸗S. 44/45: 31 P.; S.⸗S. 45: 87 P. ec.). In einer Geſchichte des Corps darf ſelbſtverſtändlich eine Darlegung der Art und Weiſe des Fechtens und des Paukens der früheren Perioden nicht fehlen: Die geübten Schläger lehrten an und die Kunſt durch ge⸗ ſchicktes Pariren und elegantes Schlagen die gegneriſchen Hiebe abzuhalten und einen Schmiß, wo möglich eine— im Ganzen ſeltene—„Abfuhr“ „herauszubeißen“(ſo lange es irgend noch thunlich, wurde auch bei be— deutenden Schmiſſen weiter geſchlagen, der Wille des Paukanten war weſentlich maßgebend); dieſe Kunſt wurde allgemein erſtrebt und ſtand in Blüthe. Für corpsſtudentiſche Augen erſchienen ſolche Kunſtleiſtungen zweier geübter Paukanten als Hochgenuß. Seit neuerer Zeit herrſchen darüber andere Anſchauungen: die Paukanten ſchlagen ſofort gleichzeitig auf einander los, das Pariren iſt verpönt und wird als Feigheit beſtraft, die eigentliche Kunſt des Fechtens iſt verſchwunden. Mit Unwillen be— urtheilen die alten Herren von unſerem und anderen Corps überein— ſtimmend eine derartige Auffaſſung und die modernen Paukereien. An dieſer Stelle haben die alten Herren jetzt das Wort über die und Bethätigung ihrer Zeit: 45/42 927 N.— O. 42/43: 37 P. S.⸗S. Auffaſſuug Das Fechten— in Gießen mit verhängter Auslage und mit Schlägern war und iſt eine freie Kunſt(es gab in Gießen akademiſche Fecht⸗ lehrer, früherhin Jean Brutinelle, ſpäter Paul Bruno Bartho⸗ lomay, welchem aber im Hiebfechten einige Studenten„über“ waren, weßhalb er nicht mehr auf der Fechtſcheuer, im Zeughauſe, erſchien). Als Kunſt wurde es allgemein aufgefaßt. Der Begriff des Fechtens, der Studenten⸗Menſur, ſchließt ein„K „Holzen“, ein gleichzeitiges Dreinſchlagen ujeinander wie glülig oder bei üct aus Angr alSiich oder a duſche, beſonder dledo um freußler— u ſc auf deutſchen cher⸗Angriffs danſt des Angr duſſcen Fechter, knchte, welche ra dod ausmachten Maſchen nachſta hunderten, ſch nöchte ſich zu un Angrifs durch: capitis deminut ganz gleich. Se Elangen an, au ip. 43 in Hie Pnrirens hätte Paukerei zwe dämn. Der Ern dahtens wieder Igreiflich du ſchäten, zun Wunt und ſtets dedeinigte. Von Bedeu danten(„ein Fu und Studium d langen“ bezie ngten, bei, m ridende Schre dautarz f iten und deren Kameele“) blau⸗gold) von n Verhältniß, Fuß; dieſelben gaben aber keine Pauke über die ausbleiben, zahl⸗ ien diverſer Art Zeugniß, die ſetzte es ab. 13 Pauke M1: 70 P.; . S d 1 — . 4445. e Darlegung ren Perioden ſt durch ge abzuhalten „Abfuhr“ auch bei be aukanten war t und ſtand in unſtleiſtungen Zeit herrſchen eichzeitig jaheit beſtraft Unwillen be überein An die Auffaſſuu tens, Dreinſchlagen 29 auf einander wie mit Prügeln, aus; à tempo erfolgte regulariter nur zufällig oder bei ungeſchickten Füchſen. Das Gefecht, wie die Paukerei, beſteht aus Angriff und Vertheidigung und ganz einerlei ob auf Hieb, auf Stich oder auf beides zugleich, von Alters her(römiſche Fechterſchulen, deutſche, beſonders in Frankfurt a. M. gegen Ende des 15. Jahrhunderts, in Toledo um 1500; in Jena Anfangs des 17. Jahrhunderts W. Kreußler— und Anfangs unſeres Jahrhunderts— W. Rour) hatte ſich auf deutſchen Hochſchulen die Tradition der Kunſt des Abweiſens eines Fechter⸗Angriffs durch geſchicktes Pariren in gleicher Bedeutung mit der Kunſt des Angriffs erhalten. Selbſtverſtändlich. D deutſchen Fechter, die Hidalgos und Conquiſtratoren, die„frumben“ Lands⸗ knechte, welche raſch mit dem Hieber jederzeit einen Gang auf Leben und Tod ausmachten, welche Alle an Muth und Unerſchrockenheit keinem Menſchen nachſtanden, ſie, ebenſo wie unſere Studenten ſeit Jahr hunderten, ſchlugen, ſtachen und parirten nach Möglichkeit. Wer möchte ſich zu unterfangen wagen aus der Thatſache des Abweiſens eines Angriffs durch Pariren einen Schluß auf geringeren Muth, auf eine capitis deminutio, riskiren zu wollen? Hieb wie Stich iſt im Principe ganz gleich. Sehen wir uns die drei Univerſitäten Jena, Würzburg und Erlangen an, auf welchen(ſeit Kreußler) der Stoßcomment galt( 1842 reſp. 43 in Hiebcomment umgewandelt). Ohne die geübte Kunſt des Parirens hätte es unzählige Unglücksfälle, wahrſcheinlich bei jeder Paukerei zwei Leichen oder ſür den Reſt des Lebens Sieche, ge— geben. Der Erwartung getröſten ſich die alten Herrn, daß die Kunſt des Fechtens wieder einmal zu Ehren kommen wird. Begreiflich wußten die Corps den Werth eines tüchtigen Schlägers zu ſchätzen, zumal wenn ſich Intelligenz und Schlagfertigkeit auch im Wort und ſtets reger Eifer in Vertretung der Corpsintereſſen damit vereinigte. Von Bedeutung und geſchätzt waren auch tüchtige, geübte Sekun⸗ danten(„ein Freund wird Dir zur Seite ſtehen“), welche mit Geſchick und Studium des Gegenpaukanten, gefährliche Hiebe thunlichſt„heraus Zufangen“, beziehungsweiſe gegebene Blößen ihrer Paukanten zu decken wußten, bei, mitunter naturgemäß, ſehr ungleichen Beſtimmungen eine mmildernde Schranke. Es geſchah beiderſeits, deshalb kein Unrecht. Als Paukarzt fungirte ein älterer Mediciner— bei uns damals stud. med. Dick, ſpäter unſer ſehr geſchickter Corpsbruder Hermann Welcker(ſetzt ie römiſchen und Prof. in Halle), alsdann der frühere tüchtige Chirurg Deginder, an deſſen Datterich und roſtige Nadeln aber noch Mancher aus Erfahrung denken wird(bei einem ſolchen Anlaſſe richtete bekanntlich einmal eine? 30 unſerer Corpsbrüder an ihn die ſcherzhafte Frage: ob ſein Name Deginder nicht eigentlich Mr. de Schinder ausgeſprochen werde). Bei lebensgefähr⸗ lichen Verletzungen— wie ſie z. B. im Auguſt 1845 unſer Corpsbruder stud. med. Philipp Frank dem stud. cam. A. Fabricius durch einen Säbelhieb beibrachte— freilich ein fataler Nothbehelf. Da mußte der alte„Kalif“(Pf. Dr. W.) ex post einſpringen. Das gegenſeitige Verhältniß der Corpsbrüder war gänzlich ohne Anſehen der Perſon: nach Stand(bürgerlich, adlig,„höherer Eltern⸗ ſohn“): nach Religion, nach äußeren ſocialen Umſtänden. Nach unſerer, von Mund zu Mund ausgeſprochenen und über⸗ gegangenen Tradition der Corpsprincipien erachteten wir als Ziel des Corps: bei ehrenhafter Ausbildung des Charakters mit körperlicher Rüſtigkeit und Bethätigung von Waffen⸗ gewandtheit und Unterordnung des Einzelnen für das Ganze, die Pflege treuer Freundſchaft— Alle für Einen, Einer für Alle—, die Erwerbung tüchtiger Allgemein- und Spezialbildung, um ſpäterhin dem Vaterland nützlich zu ſein und den Freundſchaftsbund der Univerſitätsjahre auch in den ferneren Zeiten zu erhalten! Mit dieſen Corpsprincipien konnte jede private politiſche Anſchauung Einzelner im Einklang ſtehen und Schweizer, Angehörige der freien Städte und nicht deutſchen Staaten Angehörige waren uns liebe Freunde und treue Corpsbrüder. Bei dieſen, ſicherlich allein richtigen Maximen ſind die Corps wohl gefahren; dieſelben enthielten ſich in Gießen, bei allem Stolze auf ihr Corps, einer verletzenden Ueberhebung, vermieden Vornehmthun, verkehrten freundlich in Wirthshäuſern gelegentlich mit Bürgern und anderen Kreiſen und waren dafür im Publikum thatſächlich ganz entſchieden beliebt und von Einflußz die Angehörigkeit zu einem Corps gab eo ipso eine geachtete Stellung, auf der Univerſität und anderwärts, auch vielfach im ſpäteren Leben. Viele Eltern vertrauten ihre Söhne gern den Corps an und brauchten auch quoad pecuniam keine beſonderen Bedenken zu tragen. Stets erhielten die Corps reichlich Nachwuchs an Füchſen und Con— kneipanten. Von Corpswegen wurde ſehr darauf geſehen, daß die Mit⸗ glieder durch Einführung in Familien und eifrige Bethätigung auf Bällen und in Geſellſchaften zu repräſentiren ſuchten. In Gießen ſtanden die Corps mit den Profeſſoren im Allgemeinen recht gut; die Collegien wurden, inſofern nicht beſondere Abhaltungen in Corpsintereſſen entgegen im Gan; waren, iiger Kenntniſſe daß privatim un au Ertravaganze ſcoppen waren tguch nicht, wen dunz oder ſon Mdͤiciner und Feſenkeller ihre agelſpiele waren binigen Bier⸗ (unſer witziger Y „Dibſtahl, Rau Was die, genoſſen überein auszeichnete. Ein Umſta täten, dem inten Verweilen der dem nach Sitten geſärte, welcher of zum Einhorn berg, Knapp dauſhen Städt Vethältniſſe(z. anlaßt wurde, Gießen, wodurcd Kommen und T unter aus Grün vottommt, iſt f §. 0. Verb dezichangsweſſe wtden§. O. allswärtigen G den zhun lten Daß die Ungägenheit zu hndeln der dages wurde d n ſolenues I 1 ie Deginder efä hr⸗ Corpsbruder 5 durch D 8 Da mußte zzlich ohne r Eltern⸗ und über⸗ Ziel akters mit Waffen⸗ nfür das Alle für tüchtiger in dem aftsbund Zeiten zu nſchauung Corps wohl ze auf ihr verkehrten ren Kreiſen beliebt ipso eine jelfach im Corps an zu tragen. und Con⸗ 5 die Mit⸗ ſtanden die Collegien en entgegen waren, im Ganzen fleißig beſucht und von Corpswegen Erwerbung tüch⸗ tiger Kenntniſſe den jüngeren Leuten ans Herz gelegt und iſt es bekannt, daß privatim und nöthigenfalls vor dem Convent bei bethätigter Neigung zu Extravaganzen ein ernſtes Wort geſprochen wurde. Regelmäßige Früh⸗ ſchoppen waren nicht üblich und hinderten im Allgemeinen den Colleg beſuch nicht, wenn auch mancher„Kater“ bei B. Loos, ſpäter bei Juſtus Kunz oder ſonſt, ſeltner auf der Kneipe,„ausgebrütet“ wurde und die Mediciner und Chemiker bei Balthaſar Lenz(Vater Lenz) auf dem Felſenkeller ihre Zwiſchenpauſen ausfüllten und dort„hocken“ blieben. Kegelſpiele waren ſehr beliebt; von Kartenſpielen: quodlibet, Cerevis, bei Einigen Bier⸗Schlauch, und das intereſſante(Zank) Spiel:„Rams“ (unſer witziger Wilhelm Bechthold verſtieg ſich einmal zu der Gradation: „Diebſtahl, Raub, Rams“). Was die„Solidität“ anlangt, ſo werden alle ſtudentiſchen Zeit genoſſen übereinſtimmen, daß ſich Gießen in dieſer Beziehung günſtig auszeichnete. Ein Umſtand iſt in Gießen, wie auf verſchiedenen anderen Univerſi täten, dem internen Corpsleben ſehr zu Statten gekommen: das längere Verweilen der meiſten Corpsmitglieder in Gießen. Es herrſchte dort in dem nach Sitten, Gebräuchen, Dialekt, Gewohnheiten(wozu der Wein gehörte, welcher von allen Corps, insbeſondere gern im„Hörnchen“(Gaſt⸗ hof zum Einhorn) bei Chriſtian Müller vertilgt wurde; von Lichten berg, Knapp und Gen. ſ. Z. meiſt im„Rappen“) ganz entſchieden ſüd deutſchen Städtchen ein gemüthlicher Ton und wer nicht durch beſondere Verhältniſſe(z. B. von Vangerow in Heidelberg) anderweit zeitweiſe ver anlaßt wurde, blieb ſeine 7 bis 8 Semeſter(auch länger!) gern in Gießen, wodurch ſich ein feſter Beſtand näher Befreundeter bildete. Das Kommen und Verſchwinden nach ein, zwei Semeſtern, wie es häufig, mit unter aus Gründen des„Wechſels“, auf anderen Hochſchulen vorkam reſp. vorkommt, iſt für das Corpsleben nicht günſtig. S. C.-Verbände exiſtirten nicht, jede Univerſität war ſelbſtſtändig und beziehungsweiſe der S. C. in Gießen ganz unabhängig; bei Streitigkeiten wurden S. O.'s anderer Hochſchulen angerufen. Cartell⸗Verhältniſſe mit auswärtigen Corps beſtanden nicht; mit Auswärts war überhaupt bei den beſchränkten Verkehrsverhältniſſen damaliger Zeit wenig Verbindung. Daß die Studentenſchaft, wenn es galt eine gemeinſam berührende Angelegenheit zu vertreten, ungeachtet aller Streitigkeiten, gemeinſam zu handeln vermochte, bewies der 14. November 1845. Am Abend dieſes Tages wurde dem Prof. Dr. th. ev. A. Credner von allen Studenten ein ſolennes Muſitſtändchen dargebracht, weil er wiederholt für die be⸗ drängte akademiſche Freiheit, für Lehr⸗ und Lernfreiheit in Wort und Schrift eingetreten war. Außer Credner waren die Profeſſoren v. Löhr, Juſtus Liebig; Joſeph Hillebrand und der namentlich von ſeinen Schülern hochverehrte Wilhelm Sell beſonders hochgeſchätzt. Inmitten unſeres fidelen Corpslebens verſäumten wir nicht die 25jährige Verfaſſungs⸗ b Verleihung mit einem Commerſe(16. XII. 45 auf dem Ruſſ. Hof) zu feiern; der damalige Fuchsmajor entwickelte die Bedeutung der Conſtitution — zum Schutze von Rechten. Tags nachher Fackelzug der Studenten und Bürger und ſogenanntes Conſtitutionseſſen im Buſch'ſchen Garten. Nach Beendigung deſſelben ereigneten ſich leider grave Streitigkeiten, aus Anlaß perſönlicher Feindſchaft zwiſchen dem Starkenburger stud. cam. B. und dem Teutonen stud. med. Ph. F.(beide 1876 reſp. 1870 geſtorben), welcher Streit ſpäter andere Dimenſionen annahm und zu einer, die S.-C.⸗Intereſſen ſchädigenden, zeitweiſen Trennung, einerſeits Teutonen und Heſſen, andererſeits Starkenburger, führte. Erſt im November 1846 erfolgte auf ehrenhafte Ausgleichung eine Wiedervereinigung der drei Corps und des inzwiſchen erſtandenen Corps Rhenania. Am 4. April 1846 hatte unſer Corps die Freude, ſein, mit der Entſtehung und der Geſchichte unſeres Corps innig verwachſenes, Ehren⸗ mitglied Ernſt von Lichtenberg nebſt ſeinen Brüdern Ludwig, welche damals ihre Auswanderung nach Texas(1848) vorbereiteten, und Friedrich von Lichtenberg(öſterr. Lieutenant) auf unſerer Kneipe zu ſehen. Von Letzterem lernte unſer(Sch.) Königer ſchöne Lieder, mit welchen und anderen er ſpäter oft das Corps erfreute, namentlich auf den Fuchsfrühſtücken mit dem„bayriſchen Himmel“, welchen beliebten Sang er bei ſeinem Abgang von Gießen zur Erhaltung des Brauchs auf einen Anderen übertrug. An einem der nächſt dem Carcerſturm am meiſten bekannt gewordenen ſtudentiſchen Ereigniſſe: dem Anszuge der Gießer Studentenſchaft auf den Stauffenberg, betheiligten ſich alle damaligen Corpsburſchen, Renoncen und Conkneipanten; nur unſer Renonce Friedrich Schenck aus Wiesbaden, jetzt Genoſſen⸗ ſchafts⸗Anwalt und Mitglied des Reichstags, mußte als Reconvalescent von ſchwerem Typhus zurückbleiben. Aktiver Corpsbeſtand damals Sommer⸗ ſemeſter 46:* E. Königer; F. Küchler X; G. Dieffenbach XX; F. Crößmann XXX; C. Klein F. M.; O. Großmann; J. Ploch; W. Walther; K. Muhl; H. Gombart; W. Becker I.; F. v. Brandenſtein; W. Schweißgut; F. Kraus; F. Micol; Chriſt. Becker II.; Brandfüchſe: H. Bender; Ferd. Heß I.; F. Eimicke; züchſe: Frdr. Pagenſtecher leden; Edm. diehl; A. At hard; L. St C. Seebold. Gießer Rhenane (Vonner Pfälze Die nachfe unſeres Corpst „olim memini- Bild und Veun gelegentlich ein Garten am 3 Polizeirath Zu wickelte ſich, n nehmen des kei (cand med. G. Tanzſaal zu ve it auch von de worden. Daß atzuhalten ode⸗ lutige Maßre⸗ gewalt über di enthielt, das u denten, aller e bii Lenz auf d e dielfach heterog ſelts die Verbin Cheniter, Alle Suudenten⸗( ſtwedeſchrif dus Maing) welche im B Lauthungen d ällgenei Süüdenten n an Verchtig von Juſtus Senate unte Klein, Wort und 1v. Löhr, von ſeinen Inmitten rfaſſungs⸗ ſ. Hof) zu Conſtitution denten und Garten. 4 iten, aus Teutonen mber 1846 5 drei Corps g, welche eten, und jeder, mit ntlich auf ten Sang auf einen gewordenen ffeuberg, kneipanten; Genoſſen⸗ anvalescent 6 Sommel bach MM; „ Ploch; IL;, U. v. Chriſt⸗ — 33 Füchſe: Frdr. Schenck I.; A. Schenck II.; A. Oppermann; A. Pagenſtecher;(E. Leidner;) C. Noiré; K. Gölz; A. v. Hanx leden; Edm. Schultheß; Conkneipanten: G. Biſchoff; Chriſt. Diehl; A. Amelung; A. Wirths; J. Hein; A. Mayer; Eber⸗ hard, L. Straton; C. Ahn; Fr. Oppermann; H. Brachel; C. Seebold. Mit unſerem Corps kneipten damals: H. Moter l(alter Gießer Rhenane); C. Merkle(Tharand); die Chemiker H. Nourney (Bonner Pfälzer); H. Vohl(Cöln); Plöger und st. Rech(Bonn). Die nachfolgende, damals niedergeſchriebene ſummariſche Aufzeichnung unſeres Corpsbruders E. Klein aus ſeinem vorgelegten Büchelchen: „olim meminisse juvabit“ giebt über die Vorfälle ein entſprechendes Bild und Beurtheilung:„Aus Anlaß eines ſcharfen Säbelhiebs, welchen gelegentlich eines Bällchens des Tanzlehrers Hummel im Buſch'ſchen Garten am 31. Juli 1846 der Polizeiſergeant Keßler auf Befehl des Polizeirath Zulohner einem Studenten über das Geſicht verſetzte d1e, ent⸗ wickelte ſich, mit einer Reihe von Vorgängen, der Auszug. Das Be⸗ nehmen des keinem Corps und keiner Verbindung angehörenden, Studenten (cand med. C.), welcher ſich betrunken, unberechtigt Eingang in den Tanzſaal zu verſchaffen ſuchte, war in keiner Weiſe zu rechtfertigen und iſt auch von den Corps und den übrigen Studenten entſchieden mißbilligt worden. Daß es aber andere Mittel gab, den Betrunkenen vom Eintritt abzuhalten oder ihn zu entfernen und daß die in Anwendung gebrachte blutige Maßregel nicht die gehörige war und ein Ausſchreiten der Polizei⸗ gewalt über die ihr— zumal in der Univerſitätsſtadt— gezogene Grenzen enthielt, das war die allgemeinſte, ausgeſprochene Ueberzeugung aller Stu⸗ denten, aller Stände. Am 1. Auguſt 46 Morgens Studentenverſammlung bei Lenz auf dem Felſenkeller; das gemeinſame Intereſſe vereinigte alle, ſonſt „ vielfach heterogene, Elemente: unſer Corps, Heſſen, Starkenburger, anderer ſeits die Verbindungs⸗Studenten(Frankonen, Alemannen, Katten), Kameele, Chemiker, Alle in einer während des ganzen Auszugs ungetrübten Eintracht. Studenten⸗Comité, dabei von uns F. Küchler und W. Becker, Be⸗ ſchwerdeſchrift an den Senat, Zug in die Stadt, Hochs(durch stud. Götz aus Mainz) vor den Wohnungen der Advokaten Welcker und Diehm (welche im Buſch'ſchen Garten dem Polizeirath entgegen traten), Abends Berathungen im Adler. Weitere Verſammlungen im Prinz Karl ec. Die allgemein ſich dokumentirende Entrüſtung und das Verlangen der Studenten nach einer angemeſſenen Satisfaktion zum Schutze erſchien als ein Berechtigtes und wurde auch von verſchiedenen Profeſſoren, namentlich von Juſtus Liebig und J. Hillebrand uns gegenüber und bei dem Senate unterſtützt. Die Sache ſchien, da der Senat eine alsbaldige und 3 Klein, Studenten⸗Verbindungen. 9 34 gerichtliche Unterſuchung in Ausſicht ſtellte, einer ausgleichenden Er⸗ ledigung entgegen zu gehen. Die aufgeregten Wogen und das— wie ſich nachher zeigte, begründete— Mißtrauen gingen aber hoch. Es er⸗ eigneten ſich Straßenſkandale, ein Tumult auf dem Kreuz(in der Nacht des 2./3. Auguſt) von Studenten(nicht den Corps angehörig) veran⸗ laßten Unterſuchung und Relegation von drei Studenten. Irrige Gerüchte: die Relegirten befänden ſich im Carcer, zogen große Menſchenmaſſen in den„Discipelhof“(Schloßhof), Erſcheinen des Rektors, Prof. Dr. th. ev. Knobel mit Univerſitäts⸗Richtet Trygophorus, Anſprache des Rektors. Der ſonſt beliebte Prof. Knobel, nicht gut berathen, fand den Studenten gegenüber nicht den taktvollen, verſöhnlichen Ton; eine offene, unzweideutige Mißbilligung des blutigen Säbelhiebs in das Geſicht des Studenten und eine entſchiedene, unzweideutige Zuſage einer Satis⸗ faktion ließ ſich vermiſſen. Unterbrechungen, Zurufe, Lärm. Am 7. Auguſt, Morgens 4 Uhr, reiten Butzbacher Chevauxlegers in Gießen ein, deren Commandeur(Rittmeiſter v. J.) in eine ſolch' fatale Situation verſetzt, eine ſehr anerkennenswerthe Beſonnenheit zeigte. Die Maßnahme der Requiſition von Chevauxlegers iſt ziemlich allgemein als eine übereilte, nutzloſe und nur Oel in das Feuer gießende bezeichnet und verurtheilt worden. Man frug, was ſich dabei wohl die bekannten Gießer Hintermänner des Rektors dachten? Mußte nicht ſchwerſtes Unglück entſtehen, wenn es Seitens der relatiw wenigen Chevauxlegers gegenüber der geſammten, von der Gießer Bürgerſchaft im Allgemeinen ganz offen auf das ſympathiſchſte unterſtützten, ſehr erregten Studentenſchaft zur Gewaltanwendung gekommen wäre? Die drei Relegirten fahren am 7. Morgens weg; auf dem Selters⸗ berg, gegenüber der Bibliothek, allgemeine Verſammlung der Studenten, Beſchluß mit ſofortiger Ausführung: unter dieſen Umſtänden von Gießen weg(auf den Staufen— berg) zu ziehen und nicht eher als nach Entfernung der Chevaux⸗ legers zurückzukehren. — Die Starkenburger, welche am 7. Abends Stiftungscommers feiern, kommen anderen Tags auf den Staufenberg.— Dieſer ſofort ausgeführte Beſchluß— ein von dem Senate wohl am wenigſten erwartetes Procedere— E rechtfertigt ſich als eine ſchwere Conflikte und größtes Unglück verhindernde Thathandlung. Ankunft in Staufenberg, Comité, Verpflichtung aller auf Ehren⸗ wort den Beſchlüſſen des Comité's Folge zu leiſten. Gegen Abend Ende der, wenn ſchon ziemlich reichlichen, Vorräthe des Wirths Stingelz; fort⸗ gſett von Gie wiche und mal Sorgen“, wird heiterkeit Har auch nicht auf moraliſche“ dermocht, in u leben! Am d Studenten in pathie zu bezer kunft der„Au im Freien. 2 Stadtvorſtand zwei Studente nach Gießen; zwiſchen aus gioßartiger( Kaffern“ fül äinige hunder riſen. Son des Stadtvor Die Vo Aufſehen erre den Orts ei den Abgeord. ſegers ſind, Einzug von bruch von in Gießen. Liider den Erwar nut mit de Von„Ma Staufenber nich ſichtb und Tetai dheinehm angten, *) ze 6047 0 3 & geſetzt von Gießer Bürgern freigebig Vorräthe aus Gießen; überall zahl⸗ reiche und maleriſche Gruppen; das Lied:„Weg mit den Grillen und Sorgen“, wird gemeinſam mit Beherzigung geſungen. Ueberall größte Heiterkeit, Harmonie mit grandioſen Ausflüſſen von Humor. Wer hätte auch nicht auf der ſchönen Burgruine, vom herrlichſten Wetter begünſtigt, „moraliſche“ oder andere größere und kleinere Sorgen zu verſcheuchen vermocht, in unſerem ſtudentiſchen Alter, ſtets geneigt der Gegenwart zu leben! Am 8. Auguſt gegen 3 Uhr Morgens Ankunft der Marburger Studenten in einer Reihe von Chaiſen mit Fackeln, um uns ihre Sym pathie zu bezeugen; Fortſetzung des Kneipens. Vorher und nachher Unter kunft der„Auszügler“ wo und wie es ging, in Scheunen, Ställen und im Freien. Verſchiedene Reden, Verhandlungen am Tag mit dem Gießer Stadtvorſtand, welcher mit dem Senat für uns zu vermitteln ſucht; zwei Studenten(Wilhelm Liebknecht*) und Götz) als Deputation nach Gießen zur Verhandlung mit dem Senat. Zahlreichſter Zuzug in⸗ zwiſchen aus Gießen und anderen Städten und Dörfern. Nachmittags großartiger Commers auf der oberen Ruine mit Bürgern. Auch die „Kaffern“ fühlen ſich bei dem mitgenießenden Freibier und Eſſen, welches einige hundert Gießer Bürger herbeigeſchafft, zu größtem Jubel hinge— riſſen. Sonntag 9. Auguſt Morgens 4 Uhr Ankunft von Abgeordneten des Stadtvorſtandes. Die Vorgänge in Gießen hatten, auch in vielen Zeitungen, größtes Aufſehen erregt und jedenfalls die Citirung der Chevaurlegers maßgeben den Orts eine entſprechende Würdigung gefunden. Verhandlungen mit den Abgeordneten der Stadt über Aufrechthaltung von Ruhe; die Chevaux⸗ legers ſind abgerückt, Zuſicherung des Senats über Amneſtie⸗Verwendung; Einzug von uns ſoll ohne Demonſtrationen erfolgen. Allgemeiner Auf⸗ bruch von Staufenberg und gegen 9 Uhr Morgens ruhiger Wiedereinzug in Gießen. Leider entſprach der Erfolg unſeres entſchiedenen Auftretens nicht den Erwartungen, die wir Urſache hatten zu hegen und wir mußten uns nur mit der Satisfaktion begnügen, welche wir uns ſelbſt verſchafften. Von„Maler“ Gaſtauer aus Krofdorf exiſtirt ein, ſelten gewordenes, Staufenberger⸗Auszug⸗Bild; ſchade, daß Mangels eines tüchtigen Künſtlers nicht ſichtbare, künſtleriſche Erinnerungen an die prächtigen Situationen und Detail⸗Scenen geboten ſind; aber auch ohne dieſes werden wenige Theilnehmer gefunden werden können, welche nicht dieſe zwei, wie wir ſie nannten„urfidelen“ Tage auf dem Staufenberg als mit zu den ſchönſten *) jetzt Reichstagsmitglied. Erinnerungen ihres Lebens rechnen möchten.“ Soweit dieſe Aufzeichnung über den Staufenberger Auszug, an welche ſich aus demſelben Büchelchen eine bezeichnende Betrachtung über einen zweiten Auszug, der Heidelberger Studentenſchaft(dabei die Corps: Naſſovia, Suevia, Vandalia) vom 17.—25. Juli 48 nach Neuſtadt a. d. Haardt, anſchließen mag. Nach Schilderung der unübertrefflichen Gaſtfreundſchaft und Liebenswürdigkeit der Bewohner Neuſtadts, heißt es im Hinblick auf das Reſultat dieſer beiden Auszüge:„und die Moral von der Geſchicht? halt niemals keinen Auszug nicht das heißt wenn du glaubſt außer vielem Vergnügen etwas damit zu erreichen; Recht hat, wer Recht behalten will und wer die Gewalt hat und ſchließlich muß nöthigenfalls das Karnickelchen ange⸗ fangen haben.“ An den Staufenberger Auszug knüpften ſich auch für einige unſerer Corpsbrüder akademiſche Folgen: für F. Küchler und W. Becker je 3 Wochen Carcer und Unterſchrift des Conſils, für einen Anderen zwei⸗ malige Verweigerung eines Abgangszeugniſſes(Herbſt 46, Oſtern 47) nach Heidelberg. Bei Beginn des Winterſemeſters 46/47:(& Königer;* Küchler; F. Crößmann; F. v. Brandenſtein △; C. Klein XXN; F. Krausl. V. M.) erfolgte nach vorgängiger ehrenvoller Beſeitigung der früher erwähnten Streitigkeiten, die Wiedervereinigung der Corps. Am 10. XI. 1846 unterzeichneten die hierzu gewählten Comitémit⸗ glieder einfach einen Abſchluß:„nach Ausgleichung aller Differenzen ver⸗ einigten ſich die vier hier beſtehenden Corps und bilden den 8. C.“(„Der Weg nach dem Schiffenberg(Paukplatz) wurde wieder glätter.“) Zu Ehren unſeres von der Hochſchule nach abſolvirtem Fak.⸗Examen abgehenden z Königer feierten wir am 9. XII. 46 auf unſerer Kneipe(„Ruß“) einen Commers. Am 29. I. 47 fand ein ſehr beſuchter Studentenball(Teutonen, Starkenburger, Rhenanen) im Buſch'ſchen Garten ſtatt. Durch Heran⸗ ziehen auswärtiger Kräfte und Reſerviren einer ausreichenden Anzahl Corpsſtudenten(ſogen. Schimmelgarde) war ganz in silentiis dafür ge⸗ ſorgt worden, daß zu jedem Tanze alle Damen ihre Tänzer hatten. Im Sommerſemeſter 1847(* F. Küchler; H. Buß X; E. Klein X F. Krauß 1 XXNX; F. Heß I F. M.) fand viel Menſurtreiben gegen die 3 übrigen Corps ſtatt(88 Paukereien); dabei wurde Anderes nicht ver⸗ ſäumt.„Naturkneipen“ waren ſehr beliebt und die ſchönen Abende auf dem Schiffenberg, dem Gleiberg, Staufenberg ꝛc. werden unſeren Corps⸗ brüdern damaliger Zeit lebhaft in Erinnerung ſein. Winterſen bach III. Ehren unſres 10. I. 48 auf Am 20. ihre Auflöſung blau⸗weiß⸗ore F. M.; Egliz Ren.: Arzber Die beke in Gießen in nänder gelten teit zeitgemäß gegen die„ geweſen und und wurden für Vertretun Studenten⸗T veknüpften,( §. C. die Fu ſchuſſes— d und mehr d eingegender; Im So ſpäter Ph. F.., O. Noiré; E deß II; T Renoncen: Daab; kiſenmer ſchtigten J Anderem: unſeres V Schrift’ b Am won denſe Aundenten deſannaae Wor Nethaͤtni 37 bach III XX; F. Heß I XXX; A. Bramm, dann F. Alefeld F. M.) Zu Ehren unſres von der Hochſchule abgehenden* F. Küchler wurde am 10. 1. 48 auf der Kneipe ein Commers abgehalten. Am 20. I. 48 zeigte im S. C. die ſeit 1846 beſtehende Rhenania ihre Auflöſung und die Rhenania⸗Naſſovia ihre Gründung an; Farben: blau⸗weiß⸗orange.(Swaving X; Simon Xx; Speck XXX; Diem er F. M.; Egli; Groos; d'Avis; Thewalt; Birkenbühl; Diefenbach; Ren.: Arzberger, Meiſter.) Winterſemeſter 47/48.(æ F. Küchler; H. Buß X; G. Dieffen⸗ Die bekannten welterſchütternden Ereigniſſe von 1848 griffen auch in Gießen in ſtudentiſche Verhältniſſe ein und machten ſich mehr oder minder geltend. Verſchiedentlich wurden Anſchauungen über Nothwendig keit zeitgemäßer Reformen laut. Angriffe richteten ſich damals zunächſt gegen die„Contrahirkneipen“(bereits früher von dem S. C. abgeſchafft geweſen und ſpäter wieder eingeführt) und den allgemeinen Comment und wurden Wünſche laut nach einem von der Geſammt⸗Studentenſchaft für Vertretung allgemeiner Studenten⸗Angelegenheiten zu wählenden Studenten⸗Ausſchuß. Die, allerdings mit mancherlei Unzuträglichkeiten veknüpften, Contrahirkneipen wurden von dem S. C. abgeſchafft und im S. C. die Frage der Zweckmäßigkeit eines allgemeinen Studenten⸗Aus ſchuſſes— der im Sommer 48 eingeführt wurde— erwogen. Mehr und mehr trat bei einer Anzahl Mitglieder unſeres Corps die Abſicht eingehender Reformen zu Tag. Im Sommerſemeſter 1848— Corpsbeſtand: G. Dieffenbach III*., ſpäter Ph. Franck X; F. Heß 1I XX; A. Bramm XxXx; K. Spieß F. M.; O. Großmann; J. Ploch; F. Micol; W. Becker II; K. Noiré; E. Alefeld; J. Papon; Th. Krauß II; K. Plitt; F. Heß II; W. Stammler III; A. Dieffenbach IV; F. Denecke; Renoncen: K. v. Schenck; Wuſetzty; Münch; Bindewald; Weber; Daab; Fritz; Steinmetz; Kiſtner; Kleinhanß; Antony; Eiſenmenger— reichte unſer C. C. dem S. C. bezüglich der beab ſichtigten Reformen unſrer Conſtitution eine Schrift ein, worin unter Anderem:„ein zeitgemäßes Fortſchreiten mit der politiſchen Entwicklung unſeres Vaterlandes durch Austauſch der Ideen vermittelſt Wort und Schrift“ betont wurde. Am 25. VI. 48 wurde die Conſtitution dem S. C. vorgelegt und von demſelben garantirt. Verhandlungen über die Verhältniſſe der Gießer Studenten zur dortigen Bürgergarde und über eine allgemeine Studenten⸗ verſammlung fanden ſtatt, desgleichen Berathungen des C. C. s„über das Verhältniß, wie die Funktionen der allgemeinen Studentenſchaft, welche 38 nach dem Beſchluß der Wartburger Verſammlung auf jeder Hochſchule ſtattfinden ſolle, auszuüben ſeien.“ Ferner Verhandlungen über den An⸗ trag des Heidelberger S. C.:„eine Verſammlung von Deputirten der S. C.s der deutſchen Hochſchulen nach Jena zu berufen“; unſer C. C. zeigte am 12. VIII. 48 dem S. C. an: daß er an dem Heidelberger Projekte keinen Antheil nehme. In Verkennung unſerer Tradition, daß abweichende politiſche An⸗ ſichten die gemeinſamen Principien des Corps nicht alteriren können und dürfen, waren, bedauerlicher Weiſe, eine Anzahl unſrer Corpsmitglieder unter den Eindrücken der 1848er Ereigniſſe, von Idealen der Neu⸗ Conſtituirung einer, gegen ſeither völlig zu reformirenden, Verbindung ausgehend— aber, wie anerkannt werden muß, ohne jegliche Abſicht einer Intrigue gegen das Corps, vielmehr von ihrem verfehlten Standpunkte aus das Beſte wollend— ſchließlich der Ueberzeugung geworden: daß eine Auflöſung unſeres Corps zeitgemäß und nothwendig ſei. Es war für die fernere Exiſtenz unſeres Corps eine höchſt gefährliche Situation geſchaffen worden, würde es auch ſpäterhin zweifellos wieder erſtanden ſein; eine Auflöſung vernichtet die Continuität, es wäre ein neues Corps geweſen. Auf briefliche Mittheilung und dringendes Erſuchen eines andern Theils, unter der Notiz, daß von dem zeitigen Senior stud. med. Philipp Franck bereits ein bevorſtehender Tag zur Abſtimmung über die Auf⸗ löſung anberaumt ſei und daß die Majorität zweifellos eine ſolche be⸗ ſchließen werde, verließ E. Klein, mit Aufgeben ſeiner genommenen Ferien⸗Repetitorien, unverzüglich Heidelberg, nöthigte in Gießen den Senior zum ſofortigen Niederlegen ſeiner Charge und zum Austritt, welcher einige Tage nachher, am 3. Sept. 48, dem nächſten und letzten S. C. des Curſes, angezeigt wurde, bewog Einige, ſich von der erwähnten Abſicht vollſtändig los zu ſagen, Einige zum Austreten. Mit reducirter Anzahl, aber unter unſeren Principien geeinigt, hatten wir raſch wieder gemüthliche Kneipen und gelangte das Corps bald wieder zur früheren Blüthe. Dieſe wichtige, ohne weſentliche Nachtheile vorübergegangene Epiſode konnte in der Ge⸗ ſchichte unſres Corps nicht mit Stillſchweigen übergangen werden, weil die Entſtehung, der Verlauf und Abſchluß in Gießen bei den übrigen Corps, insbeſonnere in S. C.-Verhandlungen ec. ſehr bekannt war, auch die Beſtrebungen einer Anzahl jugendlicher Idealiſten in den damaligen Zeitereigniſſen und ihren Wirkungen eine entſprechende Erklärung findet. Im Sommer 48 waren auch, namentlich von Seiten der Privat⸗ docenten und jüngeren Profeſſoren, Wünſche über Reform der Univerſitäts⸗ Einrichtungen erhoben worden, worin, unläugbar, einiger alter Zopf herrſchte. Zum Verſuche einer Aenderung fand in Jena(21.—24. IX. 48) der bekannte Un Univerſitäten Wächt von Mit der We — und es! Aus de dieffenbach K. Spieß) ſemeſter 49 —; F. H nicht zu ber Der he dürfte im Verhältniſſe und eine F von welcher leicht iſt m ſtadt“, in und Corps uns„geſch lichen Stu wird. Vie der alten goldne Zei Jägendzeit frühere 3 freundlich huldigen, Irrunde Anhängi‚ un das wir die halten. Eintrit Jeiten ſ hinglic Hochſchule den An⸗ er§. C. zeigte am kte keinen tiſche An⸗ nnen und nitglieder der Neu⸗ bindung ſicht einer andpunkte den: daß Es war Situation erſtanden s Corps s andern Philipp die Auf ſolche be⸗ ommenen Senior her einige Curſes, ollſtändig ber unter Kneipen ichtige, der Ge⸗ den, weil mübrigen auch d amaligen findet. 1c r Privat⸗ verſitäts⸗ herrſchte. bekannte Univerſitäts⸗Reform⸗Congreß ſtatt, zu welchem, wie faſt alle Univerſitäten, auch Gießen Abgeordnete geſendet hatte.(Präſes: Kanzler von Wächter, Thierſch, von Hye⸗Glunnek, von Vangerow ac.) Mit der Wahl eines Ausſchuſſes endete die Bewegung in der Hauptſache — und es blieb weſentlich beim Alten. Aus dem Winterſemeſter 48/49(E. Klein X; F. Heß I XX; Alb. Dieffenbach NX; K. Spieß F. M.) und Sommerſemeſter 49(K. Siebert N8 K. Spieß X; W. Kleinhanß XXX; v. Schenck F. M.) und Winter⸗ ſemeſter 49/50(W. Stammler III X; A. Dieffenbach IV XX; K. Vogel XMXX; F. Horn F.M.) ſind beſondere Ereigniſſe für die Corpsgeſchichte nicht zu berichten.— Der hiermit zum Abſchluß gelangte erſte Theil unſerer Corpsgeſchichte dürfte im Weſentlichen ein Bild der damaligen Corps⸗ und Univerſitäts Verhältniſſe bieten und dem Gedächtniß vielleicht Entſchwundenes beleben und eine Fülle von Erinnerungen hervorrufen an die unvergeßliche Zeit, von welcher ſo Mancher mit dem Sange: ꝛc.„weiter geht mein Lauf, leicht iſt mein Sinn und froh mein Pfad, gehab' dich wohl du Muſen ſtadt“, in den Ernſt des Lebens eintreten mußte. Bereits 71 liebe Freunde und Corpsbrüder aus dieſen Zeiten von 39 bis Ende 49 ſind leider von uns„geſchieden, vom blaſſen Tod gefordert ab“, welchen die corpsbrüder lichen Studiengenoſſen und das Corps ein treues Gedächtniß bewahren wird. Vielen von damals iſt es aber noch vergönnt zeitweiſe gemeinſam der alten Burſchenherrlichkeit gedenkend, in dem„nie kehrſt du wieder, goldne Zeit, ſo frei, ſo ungebunden“ die Reminiscenzen unſerer ſtudentiſchen Jugendzeit zu feiern. Wer es mit anſchauen kann, wie dabei der auf frühere Zeiten gerichtete, feuchte Blick der alten Herren, wohlwollend und freundlich auch gegen Mitglieder anderer Corps, die ja gleichen Principien huldigen, bei den Klängen der„alten Burſchenherrlichkeit“, ſeiner treuen Freunde und Genoſſen, des gemeinſam Verlebten, gedenkt, der wird die Anhänglichkeit und Liebe an das Symbol unſeres Freundſchaftsbundes, an das grün⸗roth⸗goldene Band, begreifen, aber auch verſtehen: warum wir die Corpsprincipien, die uns vereinigt, ſo hoch gehalten und halten. Möge unſer Corps, ſeit ſeinem Beſtehen vom 1. Juni 1889 den Eintritt in die zweite Hälfte eines Jahrhunderts fröhlich feiernd, für ſpäte Zeiten fortdauern und gedeihen und in getreuer Freundſchaft und An⸗ hänglichkeit der alten und jungen Teutonen geeinigt bleiben. E. K. Der Jubiläums⸗Commers fand am Abend des 1. Juni 89 in Gießen ſtatt; unter den Klängen des von unſerem Corpsbruder Eugen von Buri(Steuerrath in Mainz) componirten Teutonen⸗Marſches, mit Abſingen des melodiöſen Trios nach einem von unſerem Ehrenmitglied Guſtav Erdmann(Landrichter i. p. in Jugenheim a. B.) verfaßten Gedichts, zogen in großen Zahl die Teutonen ein. Die Hauptfeſtrede hat ſelbſtverſtändlich auf dem Jubiläums⸗Commerſe(dem Stiftungstage) zu erfolgen und wurde programmgemäß gehalten. Auf Wunſch folgt dieſelbe nachſtehend; daraus iſt zu erſehen, was geſagt und was nicht geſagt wurde: Teutonen, liebe Corpsbrüder, Freunde! Wie ſehr fern lag doch unſeren Stiftern und denen nach ihnen der heutige Tag, wenn ſie erwartungsvoll und hoffnungsvoll in die Zukunft blickten. Das ſtattliche Haus, das ſie hier in Gießen am 1. Juni 1839 erbauten, es hatte gutes Fundament und hat alle, mitunter ſchwierige Zeiten bis jetzt überdauert und freudig dürfen wir die Frage: ob erfüllt worden, was die Stifter was wir von unſerer Teutonia gewollt? bejahen und erhobenen, freudigen Herzens dürfen wir an dem heutigen Jubeltage unſerer Teutonia zurückblicken auf ein halbes Jahrhundert eines ununterbrochenen, würdigen, ſchönen Beſtehens, ſo reich an uns theuren, lieben und vielfach ſo hoch— intereſſanten Erinnerungen. Wie in Familien eines ſolchen Zeitabſchnittes pietätvoll gedacht zu werden pflegt, ſo feiern wir heute im Bewußtſein unſerer Zugehörigkeit, gewiſſermaßen eine große Familie der Teutonen, den Schluß der 50. Wiederkehr dieſes uns ſo denkwürdigen Tages. Geben wir uns den Feſtfreuden frohen, heiteren Sinnes hin, und laßt uns Alte, die wir hier erſchienen, hierbei mit der Jugend wetteifern, nach Kräften. Der günſtige Boden, auf welchem unſer Bund erſtand und gedieh, war die goldne, die unvergeßliche Zeit der akademiſchen Jugend, der günſtige Boden auf deutſcher Univerſität, dieſer ſegensreichen Bildungsſtätten, der arena wiſſenſchaftlicher Forſchungen, und das Band, welches uns einte und zuſammenhielt: das ſind unſere Corpsprincipien. Von Mund zu Mund, von Anfang her, erging unſere bekannte Tradition, erachteten wir als feſtes Princip unſeres Corps: eine ehrenhafte Ausbildung des Charakters, bei Bethätigung von Waſſengewandtheit, bei Erwerbung tüchtiger allgemeiner und Spezial⸗ bildung, damit wir dem Vaterlande nützlich ſein würden, die Pflege und Wahrung einer treuen akademiſchen Freundſchaft auch in dem ſpäteren Leben. Mit dieſen feſten Principien, die uns geeinigt und die wir hochge⸗ halten, iſt unſer Corps wohl gediehen. Ueber deſſen Entſtehen in damaligen Zeiten, ſeine Stifter, über ſein Werden, bedarf es hier keiner Schilderungen, keiner weiteren Betrachtungen, da die Geſchichte unſrer Teutonia vorliegt und über das Weſentliche Aufſchlüſſe bietet. Von anderer Seite wird der, leider ſo zahlreich ſchon, Hingeſchiedenen gedacht werden; wir Lebenden —— wollen Bundes älteſtes Anſtan den GC Eberk heutige theil a Bander iſt ül erſchie klären dürfte meine Louis die ve in der aus ergrei Verſo Stur der velch 1 1 41 wollen— indem wir liebevoll auch der Männer gedenken, die unſeres Bundes Mitſtifter waren und die noch leben: Guſtav Erdmann, unſer älteſtes noch lebendes Ehrenmitglied, der wegen körperlichen Befindens Anſtand nehmen mußte hier zu erſcheinen und der ſeine herzlichen Grüße den Corpsbrüdern ausſprechen läßt, Edwin Verdier, Wilhelm Eberhard,— wir wollen unſere Freude, daß es uns vergönnt iſt den heutigen Jubeltag mitfeiern zu können, wir wollen unſeren innigſten An theil an unſerer Teutonia, an dem Symbole unſeres grün⸗roth⸗goldenen Bandes, zum Ausdruck bringen in dem gemeinſamen Wunſche: „Möge unſer Corps, ſeit ſeinem Beſtehen vom 1. Juni 1839 den Eintritt in die zweite Hälfte eines Jahrhunderts feiernd, für ſpäte Zeiten fortdauern und gedeihen und in getreuer Freundſchaft und Anhänglichkeit der alten und jungen Teutonen geeinigt bleiben. Reiben wir darauf nach altem akademiſchen Brauche den Salamander und laßt uns dann mit dreifachem, brauſenden Hoch auf unſere Teutonia gemeinſam unſere Geſinnung, unſere Wünſche zum Aus— druck bringen.“— So geſchah es.— Auszug der Heidelberger Studentenſchaft nach Neuſtadt a. d. Hardt, 17.— 25. Juli 1848. Nach mir von Heidelberg gewordener buchhändleriſcher Mittheilung iſt über dieſe denkwürdige ſtudentiſche Epiſode niemals ein Schriftchen erſchienen, was ſich aus den damaligen ernſten Zeitereigniſſen wohl er⸗ klären läßt, in kulturgeſchichtlicher Hinſicht aber zu bedauern iſt. Es dürfte deßhalb betreffend nicht unwillkommen ſein, wenn ich auf Grund meiner damaligen Aufzeichnungen und perſönlichen Erinnerungen für die Theilnehmer am Auszug und für weitere Kreiſe eine Darſtellung, im Weſentlichen, auch dieſes Studenten-Auszugs nachſtehend folgen laſſe: Am 25. Februar 1848 erblickten wir beim Verlaſſen des Pandekten⸗Saals (v. Vangerow) im Gange ein Plakat: 24. Febr. in Paris Revolution, Louis Philipp verjagt; darunter eine Aufforderung jetzt in Deutſchland die vorenthaltenen Rechte zu erringen. Größte Aufregung in Heidelberg; in der Providenz⸗Kirche Volksverſammlung; stud. jur. Emil Preetorius aus Alzey(jetzt Redakteur und Zeitungsbeſitzer in St. Louis) hielt eine ergreifende Rede. In der Harmonie Anſprache des Bürgermeiſters Winter; Verſammlung in der Aula, Rede des Prof. Dr. Mittermaier. 1. März Sturmpetition in Karlsruhe und 2. März daſelbſt die denkwürdige Sitzung der Landſtände; 19. März große Volksverſammlung in Offenburg, an welcher ſich viele Heidelberger Studenten betheiligten. 23. März Rede 42 von stud. philos. G. A. Schlöffel aus Landeshut in Schleſien, deſſen Verhaftung und nachherige Freilaſſung. Es hatten ſich demokratiſche Vereine, dabei ein akademiſcher Demokratenverein gebildet. Bekannte April⸗Ereigniſſe im Oberland. Bewegungen in Heidelberg wie in anderen Städten. Im Juli verkündet plötzlich Univerſ.⸗Amtmann v. Hillern, daß der demokratiſche Studenten⸗Verein verboten und aufgelöſt ſei. Aufregung, vergebliche Proteſte. Am Sonntag 16. Juli 48 allgemeine Studenten-Verſammlung im„Bremeneck“; Reden von stud. A. Hirſch; stud. v. Herder und Anderer. Die Studenten erklären insbeſondere, in Baden ſei Vereinsrecht ꝛc. allgemein geſetzlich eingeführt, der unſelige Bundestag mit ſeinen Karlsbader Beſchlüſſen ſei über Bord, die Studenten könnten und würden ſich Ausnahme⸗Maßregeln gegen ſie nicht gefallen laſſen. Beſchluß: daß in dieſer gemeinſamen Angelegenheit alle Stu— denten feſt zuſammen ſtehen müßten und daß alle Studenten ſich von Heidelberg bis zur Aufhebung der Ausnahme-Maßregel weg zu begeben hätten. Bei Diskuſſion des, zunächſt, wohin? ſchlägt ein Pfälzer: Neu⸗ ſtadt aH. vor, in welcher von jeher ſehr freiſinnigen Stadt die Studenten ſympathiſch würden aufgenommen werden. Jubelnde Zuſtimmung. Am Montag den 17. Juli 48 erfolgte der denkwürdige Auszug. Die Corps Naſſovia, Suevia, Vandalia, die nicht corpsſtudentiſchen Ver⸗ bindungen, insbeſondere die Neckariner, Zofinger ec., zahlreiche keiner Ver⸗ bindung in Heidelberg angehörende Studenten, Alle zogen von da weg. Die Corps Saxo⸗Boruſſen und Weſtphalen ſchloſſen fich von der gemein⸗ ſamen Angelegenheit aus. In Mannheim feierlicher Empfang durch die Turner, mit denſelben in Ludwigshafen in der bayr. Brauerei. An⸗ ſprachen und Erwiederungen, Ovationen für den mit den Studenten aus⸗ gezogenen berühmten Staats⸗ ꝛc. Rechtslehrer Prof. Dr. Morſtadt. In Neuſtadt a/H. herzlichſte Begrüßungen der Studenten am Bahnhof. Es war eine eigenthümliche Situation für die Bewohner Neuſtadts und für uns; eine plötzliche Invaſion von vielen hundert Studenten, die mit jugend⸗ lichem Sinn das wie? und wo? in Neuſtadt nicht weiter bedacht hatten. Dafür ſorgten die wackeren Neuſtädter mit ihrem wohlwollenden Bürger⸗ meiſter Franz Kölſch in reichem Maße; was ſie an wahrhaft freund⸗ ſchaftlicher Aufnahme, an wohlwollendſter, reichſter Gaſtfreundſchaft in den Tagen des 17.— 25. Juli 48 gegen uns geleiſtet haben, das ſtand und ſteht allen Theilnehmern ſicherlich noch heute in der dankbarſten Erinnerung. Es dürfte aber auch kaum ein anderer Ort in Deutſchland ſo ganz ge— eignet geweſen ſein, als gerade Neuſtadt a/H., dieſe gewerbthätige Stadt mit ihrem Wein- und Holzhandel, ihren Induſtrien aller Art, ihren ge⸗ müthlichen Bewohnern, ihrer prächtigen Lage am Gebirg, an dem Hoch⸗ ſpeyerb ihrem A es gin Horn weiter des st zur L (Necka Alleb ſchaftl Benu wendi lunge (Sche Ausfl 1832 Nicol der 2 hauſee zu le fande Ein zu re Verle ſehr! furt Naſſ mütt Tooe Stro ſage und Ang ande kehr Huu ſchil 43 ſpeyerbach, im Grünen, unter Reben, mit ihrer herrlichen Umgebung, mit ihrem vortrefflichen Wein. Wer es noch nicht kennt, ſollte es aufſuchen. Am Abend nach der Ankunft noch großes Chaos. Unterkunft wie es ging in der Krone(Poſt, Jakob Kölſch,) im Schiff bei Gaſtwirth Hornig und anderwärts und wer nicht unterkam, der kneipte fröhlich weiter, ſo lange es ging. Am 18. Juli allgemeine Verſammlung im Café Helfenſtein; Wahl des stud. Adolph Hirſch aus Halberſtadt zum Präſidenten; das Talent zur Leitung, die große Redebegabung dieſes beſcheidenen jungen Mannes (Neckariner), der mit ſeinen Reden, in tiefer, weitſchallender Stimme, Alle befriedigte, bewährte ſich während der ganzen Auszugszeit. Die Studenten werden von den Bürgern aufgeſucht und gaſtfreund ſchaftlich mitgenommen, mitunter nach vorgängiger Capitulation über freie Benutzung des Hausſchlüſſels, und es kehrte allmählich eine gewiſſe noth wendige Ordnung in das Treiben ein. Zeitweiſe allgemeine Verſamm lungen, namentlich auf dem Schießhaus; Kneipereien auf dem Felſenkeller (Schaaf, Geiſel); ſonſt amuſirte ſich Jeder nach Belieben, vielfach mit Ausflügen in die Umgegend, nach Winzingen, Musbach, nach dem von 1832 her denkwürdigen Hambach, namentlich in die Wirthſchaft von Nicolaus„zum Engel“, auf die Marburg, nach Trifels ꝛc. Ein von der Bürgerſchaft uns gegebener großer Feſt⸗Commers im Hofe des Stadt⸗ hauſes gab namentlich Gelegenheit, weitere Kreiſe der Neuſtädter kennen zu lernen, unter welchen ſich viele bildſchöne, liebenswürdige Damen be fanden. Es iſt dieſes kein Compliment, vielmehr die volle Wahrheit. Ein heiteres„feucht⸗fröhliches“ Treiben, um mit„Seppel“(Joſeph Scheffel) zu reden, machte ſich als charakteriſtiſches Symbol während des ganzen Verlaufs des Auszugs überall geltend, unterſtützt durch reinen, guten und ſehr billigen Wein. Wilhelm Wetzel(„Calcagnio“¹), Naſſove aus Frank furt a. M., und Adolf Horſt(Gießer Starkenburger, kneipte mit den Naſſoven) aus Darmſtadt„entdeckten“ den„blauen Lumpen“. Der ge müthliche Färber Knauper, von deſſen Dach große blaue Tücher zum Trocknen herabhingen, hatte bei unſerer Ankunft, mit Ausſtecken eines Straußes, ſeine Wein⸗Crescenz in Zapf genommen, per Schoppen 4— ſage vier— Kreuzer und von früh bis ſpät ging es da überaus luſtig und gemüthlich zu und war es eine Freude zu ſehen, wie die gemeinſame Angelegenheit die anweſenden Studenten der Heidelberger Corps⸗ und anderer Verbindungen, Nord und Süd, in freundlichſten geſelligen Ver kehr brachte. Wo jugendlicher akademiſcher Sinn und Uebermuth ſeinen Humor entwickelt, da treibt es köſtliche Bilder. Wer könnte ſie alle ſchildern? Wir frühere Gießer Studenten, welche auch den Staufenberger 44 Auszug 1846 mitgemacht, hatten dabei Gelegenheit zu intereſſanten Ver⸗ gleichungen. Ein den Theilnehmern und ſtudentiſchen und bürgerlichen Zuſchauern ſicherlich unvergeßliches Beiſpiel dürfte der Erwähnung nicht unwerth ſein: Am 18. Juli früh, am Morgen nach unſerer Ankunft, zeigten ſich auf dem Markt, namentlich aus dem Schiff, baarhäuptige „Erſcheinungen“ in(mitunter etwas bedenklichen) ſeltſamen Coſtümen, übergehängte Bett-Tücher, Colter, Decken. Eine gewiße Aehnlichkeit mit römiſchen Senatoren veranlaßte einen feierlichen Umzug unter dem ernſten Sang„zum Zippel, zum Zappel, zum Kellerloch hinein, Alles muß ver⸗ trunken ſein.“ Dann wurde der Fall Cäſars aufgeführt und, um hiſtoriſch zu ſein, von einem Thorbogen ein Faß geholt, welches der dicke stud. med. Vetter aus Mannheim als„Bildſäule des Pompejus“ be⸗ ſteigt. Humorvolle Anklagen der„Verſchwörten“ und Vertheidigung Cäſars. Von den Kochlöffeln und anderen Küchengeräthen(Brutus hatte einen Fiſchwender) arg gekitzelt, fällt Cäſar und mit ihm, durch den Tritt eines Uebermuths gegen das Faß, Pompejus. Ein gemeinſamer Verſöhnungstrunk aus einem Rieſen⸗Suppen⸗Kumpen, der bis zur Nagel⸗ probe geleert wurde und zu dem auch Pompejus herbei hinkte, gab den Abſchluß und Rückzug, da der Markt belebter wurde. Dieſe improviſirte Darſtellung war ſo überaus draſtiſch und urkomiſch, daß der ſchwärzeſte Hypochonder nicht hätte widerſtehen können. Derer gabs aber nicht(und gibts wohl noch nicht) in Neuſtadt. Bald nach dieſer Scene: Topfmarkt, Ankauf aller denkbaren Gefäße, Füllung mit Wein und Umzug in den Straßen, in welchen jeder Begegnende Beſcheid trinken mußte. Sehr humoriſtiſch und komiſch waren auch die hydrophilen Künſte des genannten Vetter und des stud. jur. Eugen Huberwald aus Alſenz im Hoch⸗ ſpeyerbach, ihre Kämpfe als„Seeſchlangen“(die Beine mit Bett⸗Tüchern umwickelt). Diverſe Väter, dabei auch einige Miniſter von Karlsruhe, erſchienen, um ihre Herren Söhne zu holen. Keinem gelang es. Ver⸗ ſuchte Vermittlungen(z. B. Dr. Lamei; Dr. Freudentheil aus Frankfurt; Dr. Friedländer, Dr. Levita von Heidelberg ꝛc.) hatten keinen Erfolg. Die Studenten beſtanden auf ihrem Recht, nicht auf ihrem Schein. Da wurde am 24. Juli zur allgemeinen Verſammlung gerufen und verkündet: daß das badiſche Miniſterium alle demokratiſchen Ver⸗ eine aufgelöſt habe; die Studenten waren nicht mehr in einer Ausnahme⸗ ſtellung. Beſchluß der Rückkehr. Am Dienſtag, 25. Juli 48, erfolgte dieſelbe zum Troſte der ängſtlich gewordenen Heidelberger Bürger. Kein ernſtlicher Unfall hatte unſern Auszug getrübt und die Exploſion eines Pulverhorns auf dem Schießhaus, wodurch in der Nähe stud. med. Vetter im Geſicht verletzt wurde, ging glücklicher Weiſe ohne Folgen vorüber. — N 2 gefallen politiſch uns de Erinne damali A große welcher unſrer ohne A Dr. me furt a. in pol⸗ aus D ſoviale Phili viele p aus G händle Stadtf abgeru Angab unſere zeichne und l näher zufüh Corps in den (geſt. Frantf furt a diele; in der fieber, Wed, Jahre Nrank — n 45 Wir hatten mit dem Auszug eine zugemuthete deminutio uns nicht gefallen laſſen, auch wohl etwas durchgeſetzt, erreicht hatten wir aber politiſch nur eine allgemeine Schädigung. Den Hauptgewinn mußten uns die gemeinſam verlebten, wunderſchönen Tage mit ihren koſtbaren Erinnerungen abgeben. An den Neuſtadter Auszug knüpften ſich, bei den damaligen Zeitverhältniſſen, keinerlei Unterfuchungen, Relegationen, Carcer ꝛc. Am 30. Juli 48 fand auf dem Schloſſe in Heidelberg die bekannte große Volksverſammlung ſtatt(Rob. Blum, v. Trütſchler ꝛc.), bei welcher Gelegenheit wir(verabredeter—maßen) die Freude hatten, viele unſrer Neuſtadter Gaſtfreunde bei uns zu ſehen. Von dieſen können— ohne Anderen zu nahe zu treten— insbeſondere noch genannt werden: Dr. med. Hepp, Arzt, in polit. Unterſuchungen geweſen, 1867 in Frank⸗ furt a. M. geſtorben; Heinrich Klein, Holzhändler, früher Student, in politiſcher Unterſuchung und bei der Befreiung von Wilhelm Schulz aus Darmſtadt(Verfaſſer des deutſchen Michels) betheiligt geweſen; dieſer joviale, prächtige Mann lebt noch hochbetagt in Neuſtadt; der„rothe“ Philipp Abreſch, Bau⸗Ingenieur, ein aufopferungsvoller Helfer für viele politiſche Flüchtlinge, geſtorben in Neuſtadt 1846; Karl Mergot aus Gießen, früher Apotheker in München, Droguiſt und Col.⸗Waaren⸗ händler, 1849 nach Amerika ausgewandert; Ludwig Wangmann, Stadtſekretär ec. Von den fröhlichen Theilnehmern ſind ſchon Viele in die Ewigkeit abgerufen; für noch Lebende wird es von Intereſſe ſein, eine überſichtliche Angabe zu finden, welche ihm manchen lieben Freund und Bekannten aus unſeren Auszugstagen in Erinnerung bringen dürfte. Nach meinen Auf⸗ zeichnungen und perſönlichen Erinnerungen ſind die Namen angegeben und bedauere ich lebhaft, daß ich ſo viele, zum Theil nicht oder mir nicht näher bekannte oder dem Gedächtniß entſchwundene Theilnehmer nicht an⸗ zuführen vermochte: Corps Naſſovia: ¾ Karl Berg, jur., Frankfurt a. M., Senior des Corps(ſpäterhin Senator und zweiter Bürgermeiſter von Frankfurt, geſt. daſelbſt in den 80 er Jahren als Rechtsanwalt). † Joſeph Flügel, jur., Montabauer (geſt. als Amtsrichter in Naſtätten) Conſenior. † Eduard Gravelius, jur., Frankfurt a. M.(geſt. daſ.) Xœ. †* Chriſtian Frech, cand. med., Frank⸗ furt a M.(bei Waghäuſel 21. VI. 49 als Arzt auf dem Verbandplatz thätig, viele Wochen in den Kaſematten des Forts A in Raſtatt gefangen, ſpäter Arzt in der Schleswig⸗Holſtein'ſchen Armee, geſt. 1852 in Frankfurkt a. M. am Wechſel⸗ fieber, welches ihn in den Raſtatter Kaſematten befallen). † Karl Rügemer, med, Frankfurt a. M.(wanderte 1852 nach Amerika aus, daſelbſt nach einigen Jahren geſtorben als Dr. med. und prakt. Arzt). † Wilhelm Wetzel, jur., Frankfurt a. M.(Advokat, daſelbſt geſtorben gegen Ende der 60 er Jahre). 46 † Chriſtoph Schmidt, med., Frankfurt a. M.(geſt. 1888 daſelbſt als Dr. med., Sanitätsrath). † Karl Ortenberger, jur., Frankfurt a. M.(geſt. daſ. in den 70er Jahren als Advokat). Theodor Vonhauſen, jur., Welſchneudorf (Naſſau). Julius Lautz, jur., Trier(ſetzt Landgerichts⸗Präſident in Metz). † Hermann Euler, jur., Trier(geſt. daſelbſt). Rudolph von Klocke, jur., Berghauſen. † Wilhelm Lanz, jur., Rüdesheim(geſt., verunglückt bei Hülfeleiſtung, Anfangs der 80er Jahre in Wiesbaden als dortiger Ober⸗Bürger⸗ meiſter). † Chriſtian Schlichter, jur., Wiesbaden(Nachfolger von W. Lanz als Ober⸗Bürgermeiſter in Wiesbaden und bald darauf geſtorben) † Auguſt Schülein, jur., Frankfurt a. M.(geſt. daſelbſt in den 70 er Jahren als Advokat). Lorenz Biringer, jur., Höchſt a. M.(lebt als Amtsrichter in Hadamar). Auguſt Holle, jur., Soeſt. Guſt. Meier, jur., Mertzig. A. von Gau⸗ greben, jur., Gut Ewig. Alexander Peet, jur., Wiesbaden(lebt in Wien als Dr. jur. und Mitglied div. Verwaltungsräthe). Conkneipanten: J. H. Steinthal, jur., Hamburg. Otto Kern, jur., Achern. Anton Baumann, pharm., Tauberbiſchoffsheim. Georg Hetterich, jur., Bruchſal. Philipp Schmitt, ev. theol., Heidelberg. † Ernſt Stahl, jur., Hachenburg. Mit der Naſſovia kneipten damals von auswärtigen Corpsmitgliedern: † Adolph Horſt, jur., Darmſtadt, Gießer Starkenburger(ging im April 1850 nach Amerika, daſelbſt nach einigen Jahren geſtorben). † Thomas Scholl, med., Rüdes⸗ heim, Gießer Starkenburger(als Dr. med. und prakt. Arzt daſelbſt geſtorben). Georg Weicht, jur., Speyer, Erlanger Baruther. L. Fikentſcher, med., Bayreuth, Erlanger Baruther. Ernſt Klein, jur., Gießen, Gießer Teutone. Corps Suevia: A. Rüttinger, jur., Wiesloch. Alexander Spengler, jur., Mannheim XX(bei der 49 er Erhebung in Baden hervorragend betheiligt, bei Waghäuſel, 21. VI. 49, Anführer Mannheimer Turner, in con- tumaciam verurtheelt, ſtudirte in Zürich Medizin, jetzt Dr. med. und Arzt in Davos, Graubünden). Georg Heres, jur. Otto Heres, cam., Amorbach. Friedrich Leutz, jur., Eberbach. von Freidorf, jur., Karlsruhe. Oskar Regenauer, jur., Karlsruhe. † Friedrich Weber(Creuzer), jur., Heidel⸗ berg(daſelbſt vor längeren Jahren geſtorben). † Karl Hendrich, jur., Mann⸗ heim. Herm. Strauß, jur., Wertheim. Hugo Kleinpell, cam., Buchen in Baden. Ludwig Benzino, jur., Kuſel(jetzt Gutsbeſitzer daſelbſt). Karl Eichrodt, jur., Durlach. Friedrich Höcker, jur., Witzenhauſen. Otto Kleinpell, jur., Buchen. Herm. Leo, jur., Buhl. Ad. Mahler, jur., Baden. Jul. Dingelſtedt, jur., Rinteln. Karl Eberſtein, jur., Mosbach. Corps Vandalia: Fr. von Klinggräff, jur., Schellendorf. J. G. Iken, jur., Bremen. C. Diehl, jur., Saarbrücken. Wilh. Hahn, jur., Neubrandenburg(Mecklenburg). Fr. W. Lippold, jur., Altenburg. Emil Satorius, jur., Barmen. Alex. von Bülom, jur., Ludwigsluſt(Mecklen⸗ burg). Frd. Stünkel, jur., Braunſchweig ꝛc. Von auswärtigen, damals in Heidelberg ſtudirenden Corpsmitgliedern haben meines Wiſſens insbeſondere noch am Auszug Theil genommen: † Joh. Kuhn, jur., Billigheim, Würzburger Rhenane; † Auguſt Schul Deides Haas, Kaſtn Guſt. jur, Schwa frühere Franko Emil appel; Darmſ Darmf jur., Gilm Kleer Fran Montc † G. More Roth Ferd. jur., jur., In de mit iſ aber meine Due Geſich und, ob in Engl Denn gibt, oder oder Einſe Reche — Schuler, jur., Landſtuhl, Würzbürger Rhenane; C. F. Kößler, jur., Deidesheim(jetzt Notar in Landau), Würzburger Rhenane; Eduard Haas, jur., Landau(Profeſſor in Dijon), Würzburger Rhenane; Wilh. Kaſtner, jur., Spalt, Münchener Bavare; Wilh. Geil, med., Speyer; Guſt. Bail, jur., Kempten; die Gießener Starkenburger: Karl Deubel, jur., Dillenburg; Wilh. Keim, jur., Kirburg; Karl Otto, jur., Schwalbach; Wilhelm Preßber, jur., Rüdesheim; ferner eine Anzahl früherer Gießer Studenten: Rudolph Cäſar, jur., Merxheim, Gießer Frankone; † Alb. v. Stainmetz, jur., Monsheim, Gießer Frankone; Emil Preetorius, jur., Alzey; Ed. Zachariä, ev. theol., Holz⸗ appel; Guſtav Heumann, med., Darmſtadt; H. Momberger, jur., Darmſtadt; † Auguſt Schulz, med., König; Guſtav Jäger, jur., Darmſtadt; Emil Kekulé, jur., Darmſtadt; Edmund Achenbach, jur., Heppenheim; Wilhelm Berlin, med., Amſterdam; Guſtav Gilmer, jur., Wimpfen; F. Sommer, med., Gauböckelheim; Ernſt Kleemann, jur., Schweinfurt; † Guſtav Pollitz, jur., Mainz; Franz Wagner, jur.,; Niederolm. Ferner: Auguſt Bell, jur., Montabaur; von Neckarinern, Zofingern und anderen Verbindungen: † G. A. Schlöffel, phil., Landshut(gefallen bei Waghäuſel); Karl Morel, jur., St. Gallen; Adolph Hirſch, phil., Halberſtadt; Th. Rothermel, cam., Freiburg; Eugen Huberwald, jur., Alſenz; Ferd. v. Herder, jur., Bayreuth; stud. Hexamer; Jakob Rehfuß, jur., Heidelberg; Alex. Bacher, jur., Stuttgart; A. v. Waldkirch, jur., Schaffhauſen ꝛc. Wenden wir uns von dieſer ſtudentiſchen Epiſode zur jetzigen Zeit. In den Corpsverhältniſſen iſt Manches ganz anders geworden; die Zeiten mit ihren Gebräuchen und Gewohnheiten ändern ſich. Bewährtes ſollte aber erhalten bleiben und Schädliches vermieden werden! Einige wohl⸗ meinende Betrachtungen in dieſer Beziehung mögen hier folgen: Die Duelle; wie Vieles iſt ſchon gegen die Duelle, namentlich aus dem Geſichtspunkte der Moral, des 5ten Gebots, mit allem Grund geſagt und geſchrieben worden. Sie beſtanden und beſtehen noch und die Frage: ob und wie eine gänzliche Beſeitigung(wie bekannlich im Weſentlichen in England) zu ermöglichen wäre? wird noch lange eine offene bleiben. Denn es läßt ſich nicht verkennen, daß es hie und da beſondere Anläſſe gibt, daß auch Verhältniſſe vorkommen, in welchen für ſchwerſte eigene oder der Familie Kränkungen und Schädigungen die Strafgeſetze keinen oder keinen ausreichenden Schutz und Sühne bieten und in welchen, unter Einſetzen des eigenen Lebens, mit perſönlicher Forderung der Verſuch zur Rechenſchaft zu ziehen, meines Erachtens nicht auszuſchließen ſein wird. (Jedenfalls doch beſſer, als wie in manchen Ländern offner oder heimlicher Mord oder Todſchlag.) Thatſächlich hält immerhin die Ausſicht, im Duell büßen zu müſſen, eine gewiſſe Schranke im allgemeinen Verkehr Betreffender und trägt auch zur Aufrechterhaltung anſtändiger Formen, zur Vermeid⸗ ung von ſchlimmen öffentlichen Scenen und Verletzungen bei. Für ernſte Fälle hat ſich auch Mancher in vorgerückteren Jahren durch Gymnaſtik die Muskelkraft und durch fortgeſetzte Uebungen im Piſtolenſchießen Treff⸗ ſicherheit zu bewahren gewußt. Wenn ſchon eine nicht durch beſondere ernſte Fälle bedingte Anwendung des Duells auf tödtliche Waffe als ein bedauerlicher Mißbrauch erſcheint, ſo kann es nicht ſtreng genug verurtheilt werden, wenn die Studenten zu einer Duellwaffe greifen und die Piſtole oder den krummen Säbel ohne Binden da eintreten laſſen, wo der Schläger, eventuell eine einfache Säbel⸗ oder geſchärfte Schläger⸗ menſur ausreichend erſcheinen mußte. Anfangs der 40er Jahre verbot, wie auch auf anderen Hochſchulen, in Gießen der allgemeine Comment den Corpsmitgliedern ausdrücklich und ſtreng die Annahme jeglicher Piſtolen⸗ forderung(hinter welcher ſich erfahrungsmäßig öfters nicht der Muth geltend machte), ſofern nicht ein körperliches Gebrechen die blanke Waffe ausſchloß. In der modernen Zeit haben ſich bekanntlich Piſtolen⸗ duelle von Studenten leider erheblich vermehrt. Nur zu häufig iſt die Taagespreſſe, ſind Gerichtsverhandlungen in der Lage, äußerſt betrübende Fälle zu berichten, in welchen Leben reſp. Geſundheit mißbräuchlich, mitunter aus ganz nichtigen Anläſſen, verloren wurden. Das ſind höchſt verwerfliche Erſcheinungen auf den Hochſchulen und wer zur Beſeitigung dieſer Schädlichkeit beitragen kann, ſollte es thun. Der K. S. C. hätte ſchon längſt hierin ſeinerſeits nach Kräften zur Abhülfe wirken ſollen und wird nicht umhin können, dieſes zu thun.) Aus völlig anderem Geſichtspunkte ſind die einfachen Studenten⸗ Schläger⸗Menſuren zu betrachten, welche als eine Bethätigung von Waffengewandtheit, früherhin, die von vielen Seiten gegen ſie gerichteten Verurtheilungen im großen Ganzen nicht verdiene. So lange es Studenten *) Sehr ſkeptiſch wird man den zuweilen von Selbſtmördern hinterlaſſenen Angaben gegenüber ſtehen müſſen, daß die eigene Tötung Folge einer, einem Gegner gegenübe ehrenwortlich eingegangenen Verpflichtung geyweſen ſei. Es iſt bekannt, wie man ſolche Angaben längſt als„Humbug“ oder kurzer Hand, in Hinblick auf Barnum und Conſ., als„amerikaniſch“ bezeichnet hat. Den Amerikanern fiel und fällt es nicht ein: betreffend eventuelle eigne Tötung von dem Reſultate eines Würfelns oder Loosziehens oder dergleichen abhängig zu machen. Meines Wiſſens iſt ein juriſtiſch vollgiltiger Beweis für fragliche Angaben auch noch nicht conſtatirt worden. —— auf den Vorſchlä unſeren von Dr. von Nie und Eif ſich verg von Ver in Fark JungeL oder der ſoll wüſ und S Prof. I in den Körperr Einführ Uebel un im mod wielmehn Ue früheren ſchlag, Es iſt billigen Verban Herren beleid Verteid ſeit Ja auch ni alten H finden grobe l. ob ihne in Jei zu unf anlaßt. mit Po und he 49 auf den Hochſchulen giebt, wird es auch Schlägermenſuren geben und alle Vorſchläge(z. B.„wie die Duelle, dieſe Schande unſeres Zeitalters, auf unſeren Univerſitäten ſo leicht abgeſchafft werden könnten, nachgewieſen von Dr. H. Stephani, Leipzig 1828*), namentlich aus einigen Kreiſen von Nicht⸗Corpsſtudenten: auf völlige Abſchaffung der Schlägermenſuren und Erſatz durch Ehrengerichte, haben keinen praktiſchen Werth; ſie mühen ſich vergeblich ab. Auffällig iſt auf deutſchen Hochſchulen die Erſcheinung von Verbindungen, welche überhaupt keine Satisfaktion geben und dennoch in Farben die Formen und Gebräuche der Corpsſtudenten nachahmen. Junge Leute auf den Hochſchulen werden immer bei Gelegenheit in einer oder der anderen Weiſe auf einander platzen. Soll der Prügel ſchlichten, ſoll wüſte Rauferei mit gefährlichen Verletzungen an Stelle der in Formen und Schranken vor ſich gehenden Paukereien treten? Der erwähnte Prof. Dr. theol. Karl Hundeshagen, früher in Bern, fand daſelbſt in den 30 er Jahren gewohnheitsmäßige, blutige Prügeleien mit ſchweren Körperverletzungen unter den Studenten vor und ſchaffte bekanntlich durch Einführung der deutſchen Menſuren Abhülfe. Jedes Uebermaß iſt vom Uebel und kann und ſoll einer Uebertreibung dieſer Menſuren, wie ſie im modernen Studententhum ſich zeigen, in keiner Weiſe das Wort geredet vielmehr ernſtlich davor gewarnt werden. Ueber die Art und Weiſe wie das elegante, kunſtfertige Schlagen der früheren Zeit modern in ein vorgeſchriebenes gleichzeitiges Drein⸗ ſchlagen verwandelt iſt, enthält die Corpsgeſchichte oben Seite 28 Näheres. Es iſt eine weithin bekannte Thatſache, wie ſehr gerade das, aus nicht zu billigenden Gründen, eingeführte, durch den Liſter'ſchen antiſeptiſchen Verband geförderte, moderne Menſurſchlagen die Sympathien der alten Herren beeinträchtigt hat, die auch mit vollem Grund verletzt und beleidigt ſein müßten, daß das Parieren— ihre mit Angriff, zur Verteidigung geübte Fechtweiſe, die Fechtweiſe der deutſchen Studenten ſeit Jahrhunderten,— als Feigheit beſtraft wird. Welche, wenn auch nicht beabſichtigte, immerhin thatſächliche Rückſichtsloſigkeit gegen die alten Herren, die man, wenn es gilt Beiträge von ihnen zu erheben, zu finden weiß. Eine Zeit lang beſtand ſogar bei den modernen Corps der grobe Unfug, daß nach einer Menſur bei den Gegnern angefragt wurde: ob ihnen die Menſur genüge? und daß bei Verneinung der eigene Paukant in Feigheitsverrufe kam. Die Abgabe einer derartigen Verneinung hätte zu unſeren Zeiten zweifellos ſofortige Corpshatze Mann für Mann ver⸗ anlaßt. Das kunſtgerechte Fechten, Angriff und Vertheidigung mit Pariren, iſt von den deutſchen Hochſchulen verſchwunden und hat in den bürgerlichen Kreiſen der Städte ein Aſyl gefunden; Klein, Studenten⸗Verbindungen. 4 50 man betrachte die wirklich ſchönen Uebungen und Aſſauts in Fleuret, Säbel und Rappier, wie ſie in den Fechtklubs junger Bürger, Kauf leute ꝛc. in den Städten, z. B. Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Offenbach u. ſ. w. ſtattfinden, und man wird begreifen, weshalb dieſe jungen und älteren, nichtſtudentiſchen Elemente mit Lächeln auf die ſogen.„à tempo-Holzer“ der Univerſitäten blicken. Ueberhaupt ſind nach dem Urtheil der alten Herren und des competenten Publikums die zerhackten à tempo-Geſichter der Jetztzeit(als„Indianerviſagen“ bezeichnete ſie ſcherzhaft ein alter Herr in einer veröffentlichten Feſtrede) für die Corpsprincipien weder nothwendig noch anziehend und geben, wie ſattſam bekannt, ſehr vielen Eltern ein beſonderes Motiv ab, ihre Söhne von den Corps fern zu halten. 4 Ein wirklich zutreffender, durchſchlagender Grund für das Abgehen vom früheren kunſtvollen, eleganten Fechten und Pauken iſt abſolut nicht vorhanden. Die Thatſache, daß früherhin geſchickte Fechter einerlei aus welchem geſellſchaftlichen Her⸗ kommen öfters zu beſonderem Einfluß und zu Chargen gelangen konnten, ergab keine Nachtheile und konnte erforderlichenfalls beſeitigt werden und die bekannt gewordene Aeußerung: da könnte ja der fecht⸗ gewandte Sohn eines„Schuuunſters“ eine Rolle im Corps ſpielen wollen, 8 iſt bezeichnend. In manchen Corps waren Söhne von wohlhabenden Handwerkern, die auf ihre Herkunft nie angeſehen wurden und tüchtige, liebe Corpsbrüder waren. Bequem iſt das kunſtvolle Fechtenlernen nicht, es koſtet körperliche Anſtrengung, namentlich mit der Vorbildung durch Fleuretſtoßen. Nicht minder vollſtändig hinfällig iſt für das Aufgeben des kunſt vollen Fechtens der geäußerte Gedanken: das à tempo-Schlagen mit hierbei ziemlich regelmäßigen Schmißen bewirke, daß ſofort der Corpsſtudent am Geſicht, an den Narben in demſelben erkannt werde. Aber die Mitglieder zahlreicher nicht⸗corpsſtudentiſcher Ver⸗ bindungen, ſowie die Studenten der techniſchen Hochſchulen, welche ſich alle auch zur modernen Fechtweiſe bekehrt, ſie erſcheinen zahlreichſt mit gleich zerhackten Geſichtern. Zu früheren Zeiten galt es mit Grund als ein Vorzug, von den Gegnern möglichſt wenig berührt zu werden, und beſonders vorzügliche Fechter verließen nach allen Menſuren die Hochſchule mit glattem Geſicht(wie z. B. Friedrich Ihrig von Erbach, Guſtav Dieffenbach von Friedberg). Es kann nicht fehlen, daß einſichtsvolle Corpsſtudenten, in Ver⸗ gleichung der früheren und jetzigen Fechtweiſe, das Verfehlte und den Corps Nachtheilige der Letzteren mehr und mehr erkennen. —— 51 Als eine weitere Schädigung erſcheint unleugbar die Thatſache, daß die modernen Corpsſtudenten die Einfachheit der früheren Ge wohnheiten und Corpsgebräuche verlaſſen haben und ihrerſeits Gewohnheiten und Anſchauungen huldigen, die vor dem prüfenden Urtheil nicht beſtehen können. Die Studenten pflegen auf den Hochſchulen, in ſofern ſie nicht ſich überhaupt betreffend ferne halten, der einen oder anderen Corps⸗ oder nicht Corpsverbindung öfters ganz nach Zufällig keit anzugehören. Die Unterſtellung würde Niemand logiſch conſtruiren können: daß ausſchließlich nur den Mitgliedern der Corps innere Tüchtig⸗ keit und Ehrenhaftigkeit beiwohnen könnte und müßte dieſe einfache Be⸗ trachtung nothwendig von Ueberhebung und Eigendünkel abhalten. Mit berechtigtem Stolz mag der Corpsſtudent wie dieſes auch von den Corpsmitgliedern der früheren Zeit geſchah— die freudige Empfindung hegen, daß ſein Corps ehrenhafte, tüchtige, in Freundſchaft und Anhäng lichkeit, Einer für Alle, Alle für Einen, zuverläſſig verbundene, in Gehorſam geſchulte Mitglieder zählt. Eine zur Geltung gebrachte Ueberhebung iſt aber entſchieden vom Uebel, ſie iſt nicht gerecht und auch unpraktiſch; ſie kann nur dahin führen, daß eine ſich noch mehr ſteigernde Un beliebtheit in den Maſſen des deutſchen Volks, ſowie Haß und Feind ſchaft anderer Verbindungen den Corpsbeſtand und Corpsintereſſen ſchwer ſchädigt. Die arena iſt frei, mögen die jungen Leute auf den Hochſchulen im Guten, im wiſſenſchaftlichen Sinne, in idealen Anſchauungen wetteifern und ſich der akademiſchen Freiheit, der ſchönen Zeit ihrer ſtudentiſchen Jugend freuen. Es war früherhin nicht Gepflogenheit eines Corps, als Solches praktiſche Politik zu treiben oder beſtimmten politiſchen Richtungen zu huldigen und zumeiſt ſchloſſen die Statuten ſolches aus. Der Freund ſchaftsbund umfaßte Alle: gleichviel, welche politiſche Anſchau ung der Einzelne für ſich hatte. Das vertrug ſich wohl mit den Corpsprincipien, kein Anſehen, nach Stand, Geburt, Religion, Geld, individuellen Anſchauungen. Der weitaus größten Mehrzahl nach ſtammen die Corpsmitglieder aus dem Volke und gehen wieder in dem einen oder anderen Lebensberuf in das Volk, zum Nutzen für das Vaterland. Iſt es aber der Wille gewiſſer hochariſtokratiſcher, excluſiver Kreiſe — nicht Wenige unter dieſen halten ſich davon fern auf den Hoch— ſchulen für ſich hochconſervative Corpsverbindungen einzugehen zund dieſes auch äußerlich mit ſehr viel Geld und Aufwand, ſehr koſtſpieligen Gewohnheiten und Gebräuchen, Kleidung und Ausſchließlichkeiten ꝛc. ſichtbar zu machen, ſo iſt das ihre Sache 52 und ob es da beſonders ungezwungen, fröhlich und ſtudentiſch⸗gemüthlich hergeht oder nicht, das kümmert Dritte nicht. Eine ganz andere Sache und Frage iſt es aber: ob andere Corps⸗ verbindungen, zumal nur oder faſt nur aus bürgerlichen Kreiſen, dieſes nachthun, ebenfalls derartiges zur Schau tragen, ob ſie ihnen Heeresfolge leiſten, ob ſie wie Jene räuspern und ſpucken, nach- und mitthun ſollen? Mancher unbefangen prüfende und denkende Corpsſtudent und mancher die Hochſchule beziehende junge Mann wird nicht umhin können, dieſe Frage ebenſo zu verneinen, wie ſie thatſächlich in den weitaus über⸗ wiegenden Kreiſen der alten Herrn und in den weiteſten Kreiſen des deutſchen Volks auf das Entſchiedenſte verneint wird.(Eines ſchickt ſich nicht für Alle, ſehe Jeder, wie er's treibe.) Hier iſt nebſt dem mo⸗ dernen fechten die wirklich ſchwache Seite des modernen Corpsſtudententhums, hier kann der Hebel zur Beſſerung angeſetzt werden. In zahlreichen Schriften, periodiſch und gelegentlich, in der öffentlichen Preſſe, begegnet man fortgeſetzt mehr oder minder intenſiven Angriffen gegen die modernen Corps im Allgemeinen: Vorwürfe der „Einſeitigkeit“, der„Ueberhebung“, des„Dünkels“, der„Schnipelei“, der „gegenſeitigen Steigerung der Selbſtſchätzung“, des„Streberthums“, „feudaler Allüren“ ꝛc. und wird ein„Losſagen von Vorurtheilen, eine Unabhängigkeit und Selbſtſtändigkeit des Denkens, eine Energie und Frei⸗ heit des Handelns, Einfachheit“ verlangt. Es ſollen dieſe Angriffe, neuer⸗ dings Grenzboten Nr. 50 vom 42. XII. 98, Nr. 51 vom 19. XII. 89, worin auch die Frage des„Reſerveoffizier und Student“ behandelt wird (beiläufig: die Stellung des im Bürgerthum befindlichen Reſerveoffiziers, nicht Berufsoffiziers, iſt etwas ganz für ſich und gehört nicht zum Corps, eine Verquickung kann nur zu empfindlichen Nachtheilen führen), es ſoll der Inhalt dieſer Angriffe hier nicht näher mitgetheilt werden, weil ich nur meine und andrer alten Herrn ehrliche Ueberzeugung und wohlgemeinte Anſicht zum Beſten der Corps zum Ausdruck bringen und alles Verletzende vermeiden will. Deshalb nur einige Bemerkungen; muß dabei, wie ärztlich mit dem Glüheiſen, Empfindliches berührt worden, ſo gebietet dieſes die Macht der Wahrheit, für welche viele Tauſende von Zeugen zur Seite ſtehen: Es kann mit Grund gar nicht geläugnet werden, daß die Corps von der früheren, für den Mitgliederbeſtand überaus günſtigen Einfachheit abgegangen ſind; es wird für nicht Noth⸗ wendiges, für recht Ueberflüſſiges und Nebenſächliches, für Luxus— ich vermeide auf das Nähere einzugehen;„O alte Burſchen⸗ herrlichkeit, wohin biſt Du geſchwunden“, möchte man dabei in anderem als dem Sinne des Liedes rufen— viel zu viel verausgabt und die Eltern, denen die Ausgaben für die Herren Söhne auf den Hochſchulen bekanntlich oft recht ſchwer fallen, verſagen thatſächlich immer mehr auch dieſerhalb die Zuſtimmung zum Eintritt. Sie müſſen es, wenn ſie mehrere Kinder und nicht reichlich Vermögen haben, wollen ſie nicht gewiſſenlos handeln. Ein Ueberſchreiten des Nothwendigen, jeder Luxus, im Zuſammenhang damit: Schulden, vermindert naturgemäß die Zahl der Mitglieder, wie eine Vergleichung der Beſtände von Corps aus früherer und moderner Zeit evident beweiſt. Hier könnte von den Corps mit gutem Willen ſehr vieles, aber gründlich zum Beſſeren geſchehen; ſie vergeben ſich dabei Nichts, im Gegentheil die Anerkennung und Achtung wird nicht ausbleiben und gute Früchte tragen. Der deutſche Corpsſtudent hat überhaupt nicht nöthig, dem„Kleider machen Leute“ zu huldigen und in das Gebiet im Publikum als„Geckenhaftigkeit“ be zeichneter Abſonderlichkeiten zu greifen und gewiſſe, ſogenannte„feudale Allüren“ zu zeigen. So wenig überhaupt ein Leichnam elektriſirt reſp. zum Leben gebracht werden kann, ſo wenig werden mittelalterliche Zu⸗ ſtände und Formen, dem ſtetig fortſchreitenden, allmächtigen Geiſte der Zeit gegenüber, jemals wieder lebensfähig zur allgemeinen Geltung und Herrſchaft gelangen können. Auch die geſuchte, abſonderliche Sprechweiſe iſt ſchädlich; gelegent— lich eines Feſtcommerſes in München geiſelte dieſelbe neuerdings ein alter Herr: die Verfeinerung manches modernen Corpsſtudenten gehe ſoweit, daß er glaube nicht mehr„Deutſch“ reden zu dürfen, ſondern ſich mit viel Behagen, aber wenig Geſchick im Berliner Dialekt verſuche; es fordere die Satyre heraus ꝛc. In dem deutſchen Reiche iſt der Bundesſtaat Preußen der größte und bedeutendſte; wer könnte aber mit vernünftigem Grund das Anſinnen wagen: daß die Angehörigen der übrigen, gleich berechtigten Bundesſtaaten ihre heimathliche Sprache aufgeben und den preußiſchen Dialekt reden ſollen? Wie das Kind nimmer ſeine Mutter verleugnen darf, ſo muß ſchon die naturgemäße Anhänglichkeit an den heimiſchen Stamm von ſolcher Verirrung abhalten. Das ſchnarrende „Berlinern“ wird im Volke niemals als Dokument von Vornehmheit an⸗ erkannt, es hat, wo es nicht heimathlich iſt, keine Berechtigung, es imponirt auch ganz und gar nicht und muß, wo es künſtlich iſt, wieder abgelegt werden. Zur Rückkehr in frühere Einfachheit, werden die ſchönen Worte Sr. Majeſtät des Kaiſers— Ende Janur 1890 im weißen Saale in Berlin an die Offiziersaſpiranten— über Einfachheit und Mä ßigkeit und die Warnung vor Aufwand und Luxus, nicht verfehlen, auch 54 in den betreffenden ſtudentiſchen Kreiſen entſchieden Ein⸗ druck zu machen und Wandlung ſchaffen zu helfen. Wie ein Keulenſchlag gegen unberechtigte feudale Beſtrebungen und gegen den Luxus muß auch die, von der Preſſe von Deutſchland ſympathiſchſt begrüßte, kaiſerliche Cabinetsordre von Anfang April 1890 wirken, welche ſich insbeſondere gegen den Kaſtengeiſt wendet: die höhere militäriſche Lauf⸗ bahn ſoll nicht mehr wie vordem ein Vorrecht des Adels ſein(ein Bürger licher wurde neuerdings Armeccorps-⸗Commandant); mit adligen⸗, Offiziers⸗, Beamten⸗Familien auch das Bürgerthum; ſodann: gegen den Luxus und Repräſentationen; der Kaiſer ſchätzt diejenigen Regimenter, deren Offiziere ſich mit geringen Mitteln einzurichten wiſſen, beſonders hoch; nur die Armeeccorps⸗Commandanten ſind berechtigt zu repräſentiren, ſonſt Niemand; die von den Offizieren zu leiſtenden Zulagen ſind einfach normirt und den Regiments⸗Commandeuren verboten, das Offiziercorps durch höhere Zulagen⸗Anforderungen thunlichſt excluſiv zu machen. Das wird für unſer Vaterland gute Früchte tragen und zweifellos auch in den Miß⸗ bräuchen des modernen Studententhums tief und zum Vor theil empfunden und beachtet werden. Zu dem Bewußtſein wohl einer größeren Anzahl von Corps: daß es ſo wie ſeither unmöglich weiter gehen kann, treten dieſe Allerhöchſten Erlaſſe mit ethiſch zwingender Gewalt. Es iſt alſo beſtimmt vorauszuſehen, daß der K. S. C. bereits demnächſt reformiren muß und wird. Geſchieht dieſes aber nur mit Stückwerk, unzulänglich und obenhin, nach einzelnen Richtungen und wird nicht gründlich und vollſtändig mit dem modernen à tempo-Dreinſchlagen und mit allen Mißbräuchen, Luxus und Vornehmthun unerbittlich aufgeräumt, dann können und werden die ſchlimmen Folgen einer ſolchen Unterlaſſung nicht ausbleiben. Auch die Worte des kgl. preußiſchen Landraths Prinz zu Carolath Schönaich im deutſchen Reichstag(Januar 1890) dc.:„wir ſind in Deutſchland im Begriff die Ideale zu verlieren, wir leben in einer Zeit des Materialismus und des Streberthums; geben Sie dem Volk ſeine Ideale“ ꝛc. ſind von zutreffender Bedeutung und ſehr beachtenswerth. Gerade hiermit ſtand im Zuſammenhang ein⸗ ſtudentiſcher Auswuchs bei Corps und Nicht⸗Corps ein zur Schau getragener, mit dem Bewußtſein des freien akademiſchen Bürgers nicht im Einklang ſtehender Kultus mit der Perſon des geweſenen Reichs⸗ kanzlers. Das hört jetzt(wahrſcheinlich vorerſt hie und da noch etwas frondirend) von ſelbſt auf; durch die Entſchließung unſeres Kaiſers vom 20. III. 90 iſt auch dem betreffend der Boden entzogen worden, was nicht verfehlen wird, für den freien akademiſchen Geiſt und gegen das Streber thun deut verb aber verſt Tam verkün Hand zur Flaſch ſcho Uebel mal: Nachl Coll dam Klag ſiden Ver ——— —õõx 55 thum von weſentlich beſſerndem Einfluß zu ſein. Die Loyalität des deutſchen Volkes, der deutſchen Studenten gegen unſeren Kaiſer und die verbündeten Fürſten wird ſich bei paſſenden Gelegenheiten erfreulich äußern, aber keine Partei, keine Corps⸗ oder andere Verbindung hat die ſelbſt⸗ verſtändliche Treue für Kaiſer und Reich in Pacht. ad vocem:„Trinken“. Ueberlaſſe man der Heilsarmee, den Temperenzlern, Muckern und Stöckern: dem Bruder Studio ſeine Schoppen verkümmern zu wollen. Die gehören vor wie nach zu ihm. Aber— Hand aufs Herz— wird da nicht des Guten viel zu viel gethan, nicht zur unrechten Zeit, nicht zu oft und zu lang beim Schoppen reſp. der Flaſche geſeſſen? Der ominöſe„ofſizielle, regelmäßige Früh⸗ ſchoppen“— den die alten Herren nicht kannten— iſt ebenſo vom Uebel, wie täglich(von 8—41 Uhr) Kneipe(früherhin genügend zwei mal in der Woche). Die Luſt und das Vermögen nach den Frühſchoppen Nachmittags reſp. Morgens zu arbeiten, wird doch zweifellos beeinträchtigt. Colleg hören und arbeiten ſoll und muß der Student, damit er ſpäter etwas tüchtiges leiſten kann. Die häufigen Klagen von Profeſſoren, von Staats⸗Examinatoren, von Gerichts⸗Prä⸗ ſidenten ꝛc. über mangelhafte Leiſtungen ſind bekannt und haben volle Berechtigung und dem In- und Ausland mußte es geradezu als eine Ungeheuerlichkeit erſcheinen, im Reichstage vom Miniſtertiſche aus be⸗ treffende, freilich höchſt mißlungene, Vertheidigungen zu hören. Fertigt ein Juriſt demnächſt ſchlechte Verträge, Urtheile, deckt der grüne Raſen allzu reichlich die Werke des jungen Mediziners, erfüllen die übrigen Disciplinen ihre Obliegenheiten nicht wie es ſein ſollte, hat hierzu nicht in vielen Fällen die Zeit, die in den beſten Arbeitsſtunden des Vormittags mit nachfolgender Unluſt zur Arbeit, verfrühſchöppelt wurde, reichlichen Antheil? reſp.: muß dann nicht, wenn auch Ausnahmen noch ſo gute Examina gemacht haben, öfters die Studienzeit auf Koſten der Eltern verlängert werden? Deshalb— wenn auch kein pedantiſches Verbot—: weg mit dem ſchädlichen Zwang zum regelmäßigen Früh⸗ ſchoppen; keine regelmäßige Gewohnheit und auch kein Zwang für tägliche Kneipe, welcher ohnehin die Freude an einer gemüthlichen Kneipe beeinträchtigt. Die Anzahl der Mitglieder in den einzelnen Corps iſt gegen den früheren ſehr zahlreichen Corpsbeſtand beträchtlich zurückgegangen. Ein nur relativ wenige(10— 15) Mitglieder in Allem umfaſſendes Corps lebt gewißermaßen von Hand zu Mund und in der oft durch Zufällig— keiten bedingten Gefahr der Auflöſung Mangels Mitglieder. So genanntes „Suspendiren“ des Corps Mangels Mitglieder iſt Auflöſung des 56 Corps, kein Fortbeſtehen und ein vacuum kann für den Fall eines Jubiläums nicht giltig mitgerechnet werden. Einer Kneipe von nur wenigen Leuten haftet naturgemäß auch etwas Unbehagliches, ja Drückendes an. Ohne energiſches, gründliches Aufräumen mit dem jetzigen Fechten und Pauken und den ſonſtigen Mißbräuchen und dem Luxus der Corps wird es noch mehr bergab gehen. Es mag nicht angenehm ſein: ſeither Geübtes und zur Schau Ge⸗ tragenes abzulegen und energiſch und gründlich zu reformiren; es wird aber ſein müſſen! In der Macht der Corps liegt es nicht, ein„sint ut sunt“ noch weiter durchzuführen. Dringt, wie nicht unwahrſcheinlich, in einzelne Corps mehr und mehr die Ueberzeugung durch: daß das eigne Beſte des Corps noth⸗ wendig gründliche Reformen betreffend erfordert, dann wird ſich auch der Entſchluß dazu finden, ſei es vorerſt bei dem 8. C. einer Univerſität, ja einigen Corps, andere werden folgen, der Bann wird gebrochen werden. Was„hats denn für Noth“, wenn die jetzt domi⸗ nirenden Gebote und Gewohnheiten des K. S. C., die nicht für die Ewigkeit geſchaffen, geläutert und andere Gebote und Gewohnheiten an deren Stelle geſetzt werden? Wollen einzelne Corps ſich dem, was ſein muß, verſchließen und ſo wie ſeither fortbeſtehen— ſei es darum auf ihre Gefahr. Andere Corps werden ſchließlich nicht umhin können, in Würdigung ihres wahren Intereſſes ſich los zu ſagen und zu ihrem Beſten ihre Wege gehen. Aber wäre einſtweilen alles Obige nur der bekannte Tropfen auf den Stein, dann würde die Feder nicht vergeblich angeſetzt ſein. Möchten doch die aufrichtigen, beſten Wünſche der weitaus überwiegenden Anzahl von alten Herrn, der wahren Freunde der Corps, nach Wiederkehr des kunſtvollen Fechtens und Paukens, der Einfachheit in Sitten, Gebräuchen und Gewohnheiten, Vermeidung von Luxus, Vornehmthun und Ueber⸗ hebung, bald Beachtung finden. Dann werden auch wieder zahlreiche Corps mit je zahlreichen Beſtänden auf den deutſchen Hochſchulen beliebt und angeſehen bei dem Volke und auf den Hochſchulen be⸗ ſtehen. Vielleicht wäre es auch keine zu ideale Anſchauung, daß mit der Zeit alle rivaliſirenden Corps- und andere Verbindungen auf den deutſchen Hochſchulen in ein durchweg anſtändiges Verhältniß zu einander gelangen und das ſchädliche Inſtitut des gegenſeitigen Verrufs beſeitigt werden könnte. III oins ull eines von nun Fechten r Corps chau Ge⸗ es wird ein„sint ann wird Möchten n Anzahl hr des ebräuchen nd Ueber⸗ ahlreiche beliebt ulen be 1 hrhardt, Marburg. 8 6 8 2 ₰ 5 5 57 2 8 ; 5S —= 4 25 ₰ 2 9ℳ/ f/ 4 1 1 3 4 A 5 „ Colour& Grey Control Chart Sees Blue CQyan Green Vellow Hed Magenta Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Kulturgelchichtliche Heiträge und Crorterungen 9 von Dr. jur. Ernſt Klein. 6 4 Or Bibliothek L MNarburg 1890. Druck und Verlag von Oscar Ehrhardt, Univerſitäts⸗Buchhändlen Black