—.——— Programm Sr. Königl. Hoheit dem Grossherzoge von Hessen und bei Rhein LUDhWIG IV zum 25. August gewidmet Von Rektor und Senat der Landesuniversität. Die ältesten Privilegien und Statuten der Ludoviciana, herausgegeben Von Dr. H. Wasserschleben, Prof. der Rechte und Kanzler der Landesuniversität. 4 242 2— 4 2. —— Giessen. Louis Wenzel, Buch- und Steindruckerei. 1881. Die unten abgedruckten Urkunden sind zum grössten Theil aus einer Sammlung von bis in das 15. Jahrhundert hinaufreichenden Dokumenten ausge- wählt, welche sich in einer von meinem Vorgänger im Kanzleramte, Geh. Rath Professor Dr. Birnbaum, mir zur Obhut übergebenen Kiste befindet. Eine zum Zwecke der Inventarisirung von mir vorgenommene genauere Durchsicht hat er- geben, dass die Mehrzahl dieser Urkunden sich auf Verhältnisse der Universitäten Marburg und Giessen bezieht und unter diesen einige in hohem Grade geeignet sind, über die ältesten Statuten und die Geschichte unserer Landesuniversität Auf- klärung zu geben. Indem ich diese hier zum ersten Male vollständig veröffentliche, bemerke ich noch Folgendes: Landgraf Ludwig V. gründete im Jahre 1605 ein Gymnasium illustre zu Giessen und erhob dasselbe, nach dem Eintreffen des kaiserlichen Privilegiums Rudolph's II., zur Universität. Die Privilegien, welche der Landgraf am 14. Ok- tober 1605 dem Gymnasium und am 12. Oktober 1607 der Universität verlieh, sind im Wesentlichen gleichlautend, die Statuten der letzteren aber ausführlicher, wenngleich auf der Grundlage der Gymnasialstatuten zusammengestellt. Die alten Statuten der Marburger Universität, welche Landgraf Philipp der Grossmüthige dieser unter d. 31. August 1529 verliehen hat,¹) sind bei Abfassung der Giessener Statuten nicht benutzt. ¹1) Dieselben sind ebenfalls in der oben erwähnten Kiste enthalten, und zum ersten Male von Hilde- brand in der Urkundensammlung der Universität Marburg(Marburg 1848) S. 19 u. ff. abgedruckt worden. Ich habe unten sub I. diese ältesten Privilegien und Gesetze unserer Uni- versität, von welcher sich in unserer Sammlung zwei Originalexemplare mit wohl erhaltenem in rothem Wachs ausgedrücktem grossem Siegel befinden, vollständig abdrucken lassen. Die Privilegien und Statuten des Gymnasiums sind nur in einem Originale vorhanden. In einem Programm des Rektors der Landesuniversität Prof. Dr. Valentini v. J. 1720: Privilegia studiosorum Gissensium, sind zum ersten Male die alten Privilegien der Hochschule v. J. 1607 gedruckt worden; die bisher nicht gedruckten Statuten blieben in Geltung bis zur Ueber- führung der Giessener Universität nach Marburg i. J. 1625, sind aber vielfach in die neueren, übrigens weit ausführlicheren, Marburger Statuten v. J. 1629, z. Th. wörtlich, übergegangen, welche letzteren nach der Restauration der Ludo- viciana in Giessen i. J. 1650 auch für diese massgebend geworden sind. Auf die alten Statuten v. J. 1607 hat meines Wissens zuerst aufmerksam ge- macht der Rektor der Ludoviciana im J. 1763, Ludwig Gottfried Mogen in einem Programm: De statutis antiquis academiae Gissenae(Gissae 1763). Es heisst hier p. 5.:„Illa(die alten Statuten) data sunt Darmstadii die Octobris duodecimo, anno supra millesimum et sexcentesimum septimo. Exstant in Archivo Academiae Gissenae duo exempla authentica. Utrumque una cum antepositis privilegiis in charta pergamena forma regali eleganter scriptum est. Unum, et praestantius quidem, decem, alterum octo folia continet. Illud semper in Academiae, hoc in Principis archivo servatum est, usque dum, latis statutis novis, et hoc quoque Academiae ad servandum transmissum fuit. Utrumque ipsa Serenissimi fundatoris Ludovici V. manu propria corroboratum et utrique appensum est sigillum cerae rubrae impressum, cujus magnitudo pollicarem latitudinem fere quadruplicat.“ Es sind diess unzweifelhaft die beiden in unserer Sammlung befindlichen Exemplare. Zur Charakteristik der„Privilegia et leges“ bemerke ich, dass Landgraf Ludwig V. sich namentlich in dem Fundationsbrief für das Gymnasium näher über die Veranlassung zu der neuen Stiftung ausspricht:„Vnd hat vns hierzu vornemlich anlas vnd vrsach gegeben, dieweil der hochgeborne Fürst, vnser freund- licher liber Vetter, Bruder und Gevatter, Landgrafe Moritz zu Hessen etc. kurz- verrückter Zeit in vnser der Fürsten zu Hessen gemainer Universitet zu Marpurg ohne vnsern Vorwissen vnd Willen, newe enderung sowohl in der Religion als ——.——⸗— ◻ den Kirchengebräuchen vnd Ceremonien fürgenommen, auch diselbige Universitet allein zu sich zu ziehen vnd vns vnd vnsere beliebte Gebrüdere darvon auszu- schliszen vnderstehet, vns aber, wie nicht wenigers vnsere Landschaft vnverant- wortlichen fallen wollen, vnsere Stipendiaten vnd Landkinder bei solcher einge- führten newerung zu Marpurg zu lassen oder dahin zu schicken.“ In der unten (ID) abgedruckten Schenkungsurkunde des Bürgermeisters und Raths der Stadt Giessen v. J. 1606 ist ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Landgraf Ludwig„vf ihrer fürstlichen gnaden vndterthanen vleissige vnd vndterthenige Bidt zuvorderst Gott dem Almechtigen zue ehren vnd Beförderung der christlichen reinen Religion vnuerenderter Augspurgischer Confession in ihrer fürstlichen gnaden Stadt und Vestung Giessen eine ansehnliche Schulle angericht.“ Der Landgraf bestimmt ferner, dass an der unveränderten Augsburgischen Konfession, der Apologie und dem Luther'schen Katechismus allezeit festgehalten,„auch von den Theologis oder Professoribus, so wir oder unsere Erbenn vnnd Nachkommen yederzeit zur selbigen hohen schuell gnädig gebrauchen werden, weder offentlich noch heimblich, bey zeitlicher vnnd ewiger Vngnade Gottes darwidder nichts in lectionibus, disputationibus vnnd dergleichen gelehret, geschrieben oder eingeschobenn werden soll.“ Alle Renten und Gefälle, welche der Universität überwiesen sind, sollen derselben verbleiben„zu ewigen tagen(es wehre dann sach, dasz die Universitet zue Marpurg wiederumb in vorigen stand gebracht vnnd vns die Ad- ministration derselbigenn ebensowohll als Landgrave Moriczen gelässen)“. Nach- dem der Landgraf im Allgemeinen angeordnet hat, dass die neue Hochschule dieselben Privilegien und Immunitäten geniessen soll, mit welchen sein Gross- vater Philipp der Grossmüthige die Universität Marburg begnadiget habe, enthält die Urkunde noch einige besondere Bestimmungen: Das ganze Corpus academicum, Lehrer und Lernende, Weiber, Wittwen, Kinder, Gesinde und alle der Universität Angehörige sollen den Rektor als ihre Obrigkeit anerkennen vnd ihm Gehorsam leisten,„vnnd thun vnsz weitter nichtsz, alsz wasz bekandtlich criminal ist, vor- behalten“. Eigenthümlich ist die für die Studenten und Angehörigen der Univer- sität geltende Anordnung, dass sie„in der ganzen Gieszer gemarkung, esz sey im waldt oder feldt, naher hohem vnnd niderigem wildtpreth, wüldten Ant vnnd andern Waldtvögellen, wasz dessen sein mag, nichtsz auszgenommen, pirschen vnnd heczen, vnnd wasz sie schieszen oder fangen zu sich nehmenn vnnd behaltten mögen“. ¹) Alle Professoren und Universitäts-Angehörigen sollen von jeglichen „bürgerlichen Beschwerungen, Vngeldt vnnd acciss“ frei sein. Das Verhältniss der alten Giessener Statuten zu den Marburger Statuten v. J. 1629 ergiebt sich aus den unten bei den einzelnen Abschnitten angegebenen Parallelstellen. Die unten sub Nr. II und III abgedruckten Urkunden enthalten Schen- kungen der Stadt Giessen, die erstere v. 1. Oktober 1606 befindet sich im Original in der erwähnten Kiste, die zweite v. 14. Maerz 1651 ist aus der in der Uni- versitäts-Registratur aufbewahrten Sammlung von Rescripten und andern Dokumenten (Vol. I. pag. 622) entnommen. Die Kaiserliche Konfirmationsurkunde der Giessener Universitätsprivilegien v. Rudolph II. v. 19. Mai 1607 ist zwar bereits mehrfach gedruckt, z. B. in Winkelmann's gründlicher Beschreibung der Fürstenthümer Hessen und Hersfeld (Bremen 1697) S. 446. 447, aber unvollständig, dieselbe ist unten sub Nr. IV aus dem Originale in extenso abgedruckt. Valentini berichtet in seinem Programm: Privilegia studiosorum Gissensium, Giessae et Francofurti 1720 p. 8 aus den„annalibus Academiae Marburgensis in perpetuam rei memoriam pergameno inscriptis“ von der Comitiva, welche die Universität Marburg oder vielmehr der jedesmalige Dekan der juristischen Fakul- tät derselben vom Kaiser Ferdinand II. i. J. 1630 erhalten habe und welche j. J. 1632 nebst den akademischen Gesetzen„in ipso publicationis legum Acade- micarum actu anniversario, jussu Principali, in majori ad Lanum Collegio et cathedra Civibus et in universum omnibus Auditoribus“ vorgelesen worden sei. Hierauf heisst es:„An cum altera Comitiva, quae anno supra mille- simum sexcentesimo quinquagesimo Amplissimo Facultati Juri- dicae Gissenae a Sacratissimo Imperatore gratiosissime con- cessa fuit, simile quid contigerit, in annalibus non legitur. Do- lendum autem est Privilegium hoc nobilissimum ab avara manu, ¹) Diese Jagdgerechtigkeit wurde bis zum Jahre 1809 ausgeübt, seitdem aber ist sie stets ver- pachtet, im J. 1866 aber zum grössten Theile abgelöst worden. n nescio quo pignoris titulo et retentionis jure surreptum esse, cujus repetitionem aut si mavis renovationem duodecim abhinc annis post festum seculare Academicum a Sacra Caesarea Maje- state quidem humillime petiimus, sed nondum obtinuimus.“ Da in den Universitätsakten weder das Original noch eine Abschrift jenes Privilegiums vorhanden war, wandte ich mich nach Wien, um von dort eine Abschrift desselben zu erhalten. Die durch gütige Vermittlung meines ver- ehrten dortigen Kollegen, Herrn Hofraths und Professors Dr. Siegel in den Wiener Archiven angestellten Nachforschungen waren völlig erfolglos, indem daselbst keinerlei Anhalt für eine jemals der Giessener Juristenfakultät ertheilte Komitive aufgefunden wurde. Dagegen gewährte das Grossh. Haus- und Staatsarchiv zu Darmstadt ausreichende Aufklärung. In demselben befindet sich ein Heft„Die Juristen Facultät zu Giessen und von Keys. Reichshoffcantzley annoch praeten- dirte vnausgelöste Palatinat betreff.“ Aus demselben, dessen Benutzung ich der Grossh. Archivdirektion verdanke, geht hervor, dass die vom Landgrafen Georg zu Hessen erbetene Ausdehnung der vom Kaiser Ferdinand II. i. J. 1630 der Juristenfakultät zu Marburg ertheilten Komitive auf die Juristenfakultät zu Giessen von Kaiser Ferdinand III. unter d. 10. Octob. 1650 erfolgt, das vollzogene Do- kument aber durch Zahlung der betreffenden Taxen und Gebühren nie ausgelöst worden ist. Unter dem 20/30 Mai 1675 wurde von dem Landgräfl. Agenten in Wien eine Kopie des Privilegiums nach Darmstadt eingesandt, um„sich darinnen zu ersehen und des auslösens halber zu entschliessen; pro taxa werden 100 Ducaten gefordert“. Im J. 1705 wurde die Angelegenheit, wie aus den alten Universitätsakten hervorgeht, wiederum in Wien angeregt durch Vermittlung des Reichskammerge- richts-Präsidenten Grafen Friedrich Ernst zu Solms-Laubach, aber auch hier in soweit ohne Erfolg, als eine Auslösung weder einer neuen Ausfertigung, noch einer vidimirten Kopie nicht stattgefunden hat. Die für die hiesige Juristen- fakultät i. J. 1650 in Wien ausgestellte Komitive ist wegen nicht erfolgter Aus- lösung offenbar später kassirt worden, wesshalb in den dortigen Archiven kein Konzept derselben vorhanden ist. Das bereits in einem in den archivalischen Akten befindlichen Schreiben der Giessener Juristenfacultät v. J. 1675 erwähnte Gerücht, dass das Original der Komitive sich in den Händen der Erben des verstorbenen Kanzlers Schütz befinde, welche dasselbe jure retentionis bis zur Bezahlung des noch ausstehenden Restes der Kanzler-Besoldung an sich genommen, und worauf die oben mitgetheilte Stelle aus dem Programm des Rektors Valentini anspielt, er- giebt sich hiernach als gänzlich unbegründet. Die freilich nie wirksam gewordene Komitive lasse ich unten(Nr. V.) aus der im Archiv befindlichen Kopie ab- drucken. Dieselbe stimmt im Wesentlichen mit der von Kaiser Ferdinand II. d. 4. Dezemb. 1630 dem Dekane der Marburger Juristenfakultät ertheilten in dem oben erwähnten Programm von Valentini abgedruckten Komitive überein; nur darin besteht eine Differenz, dass die Marburger Komitive dem jedesmaligen Dekane der Juristenfakultät, die Giessener dagegen der Juristenfakultät verliehen ist, mit der Bestimmung, dass den Titel und Namen eines Comes Palatinus der jedesmalige Dekan dieser Fakultät führen und dass über alle aufgeführten Privi- legien„von der gantzen Juristen-Facultät bey der Universität zu Giessen jedes- mahls collegialiter exercirt und conferirt und die darüber ertheilende instrumenta in Nahmen und sub sigillo gesambder Facultät ausgeführt werden“ sollen. 1¹) Privilegia et leges, ab illustrissimo principe ac Domino, Domino Ludovico Hassiae Landgravio, Comite in C(atzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain et Nidda etc. Domino nostro clementissimo, Academiae Giessenae clementer concessa d. 12. Octobr. ann. 1607.²) Von Gottes gnaden Wir Ludwig Landtgraff zu Hessen Graff zue Katzenelln- bogenn Dietz Ziegenhainn vnndt Niedda etc. Thun kunth hiermitt offentlich be- kennende, Demnach wir vnnsz ausz Christlichem eyffer vnnd sorgfältigkeit bedächt- lichen zu gemüth gezogenn, welcher gestaldt der Allmächtige güthige Gott vnnsz in den fürstlichenn standt vnnd Ambt der obrigkeit geseczt, auch mit Landt vnnd Leuthen, zuuorderst aber mit der reinen wahren vnnd alleinsehligmachenden Lehr vnnd dem heilligenn wortt Gottesz, inn allermaszen solches inn den Prophetischen vnnd Aposto- lischen schrieften den bewehrten Symbolis, vnnd der ohnueränderten Augspurgischen Confession so in Anno 30 Kayszer Carolo quinto von den protestirenden ständten zu Augspurg übergeben worden zu sambt deroselbigen Apologi vnnd Catechismo Lutheri gnädiglichen begabet, darfür wir seiner Göttlichen Allmacht billich dankbar seyn, welche Lehr vonn Vnsern löblichen VorEltern Fürsten zue Hessen etc. nicht allein mitt gefahr vnnd zuseczung Landt vnnd Leuthe mit sonderem Christlichen eyfer bisz ahn vnnsz lobpreyszlich vnnd mit mercklichem segen Gottes vnnd gedeylichem vfkommen ruhe vnnd wohlfahrt dero Landt vnnd Leuthe bestendiglichen geführet, defendiret vnnd er- halttenn, sondern auch darinnen wir von vnsern kindtlichen tagen bisz anhero vffer- zogen vnnd vnderrichtet worden, darbey wir dann auch vermittelst Göttlicher verleyhung ¹) In den Anmerkungen sind die Abweichungen der Privilegia et Statuta Gymnasii Gisseni v. 14. Oktober 1605 angegeben. 2) Die Statuten des Gymnasiums haben die Ueberschrift: Privilegia et statuta Gymnasio Giesseno concessa. 10. die Zeit vnnsersz lebensz bestenndiglichen zu verharren entschlossen, vnnd vnnsz dar- neben nichtsz höhersz angelegen, dann dasz wir solche Christliche Lehr sowohll bey vnsern Landten vnnd Leuthen erhaltten vnnd forttpflanzen, alsz auch vff vnsere Poste- ritet vnnd Nachkommenn transmittiren vnnd bringen mögen, vndt aber zu erhalttung vnnd forttpflanzung reiner vnnd gesundter Göttlichen Lehr, der heillsamen Justitien vnnd gottsehligen weszen vnnd wandelsz negst Göttlicher begnadigung nichts nütz- lichers, fürträglichersz vnnd nothwendigers, alsz wolbesteltte schuellen anzuordtnen vnnd zu fundiren, inn welchen alsz desz heilligen Geistesz officinen so wohl zu kirchen vnnd schuellen, alsz auch dem welttlichen Regiment vnnd guter Policey tügliche Personen auferzogen vnnd vnderrichttet werdenn. Dass wir derohalben Gott dem Allmächtigenn zue ehren lob vnnd Preysz auch ausz trewherziger landtvätterlicher vnnd Christlicher Affection vnnd Liebe gegen vnsere Landten vnnd Leuthen, auch der lieben Posteritet vnnd Nachkommen zeitlichem vnnd ewigem gedeyen vndt wohlfarth ein Universitet vnnd hohe schuell ¹) mit nicht geringem kosten vnd nohtdürfttigem vnderhaldt der Professorn vnnd praeceptorn vnnd andern dartzue gehörigen Personen nicht allein zue Giessen angeordtnet, sondern auch die- selbige mit sonderbaren privilegien vnnd freyheiten, auch nützlichen vnnd heillsammen legibus, satzungen vnnd ordtnungen, in allermaszen dieselbige in dieszem brieffe von Puncten zu Puncten gesetzt vnnd hierunden beschriebenn seyndt, wissentlich vnnd wohll- bedächtlich begnadiget, bewiddumbt vnnd versehen haben. Unndt ²) haben vnnsz hierzu anlasz gegeben bedenckliche vnndt wüchtige Ur- sachenn, deren in denen dabeuor vnserm Gymnasio ertheiltten privilegien mitt mehrerm melldung geschieht. Neben dem vnsere getrewe vnnd gehorsame Ritter vnnd Landt- schafft sich solchesz vnnsers Christlichen Vorhabensz nicht allein höchlichen vnnd hertz- lichen erfräwet, sondern vnsz auch rath vnndt that vnnd alle getrewe hülff vnnd vnter- thenige handtbiethung zugesagt. Damitt nun bey dieszem Christlichen vnnd hochnöthigen werck vmb so viell 1) Gymnasium vnd Schule: das. ²) In den Statuten des Gymnas. steht statt dieses Satzes bis„geschieh t“ Folgendes: Vnd hatt vns hirzu vornemlich anlas vnd Ursach gegeben, dieweil der hochgeborne Fürst, vnser freund- licher liber Vetter, Bruder vnd Gevatter, Landgrafe Moritz zu Hessen kurzverrückter Zeit in vnser der Fürsten zu Hessen gemainer Universitet zu Marpurg ohne vnsern Vorwissen vnd willen, newe enderung, sowohl in der Religion als den Kirchengebräuchen vnd Ceremonien fürgenommen, auch diselbige Universitet allein zu sich zu zihen, vnd uns vnd vnsere beliebte Gebrüdere darvon auszuschliszen vnderstehet, vns aber, wie nicht wenigers vnsere Landschaft vnverantwortlichen fallen wollen, vnsere Stipendiaten vnd Landkinder bei solcher eingeführten newerung zu Mar- purg zu lassen oder dahin zu schicken. 11 mehr ein glücklicher beharrlicher forttgangk ¹) von Gott dem Allmächtigen, welcher der anfangk, Mittel vnnd Ende allesz guthen ist, zu hoffen vnndt zu gewartten seyen möge, so wöllenn, beuehllen vnnd verordtnen wir, dass über dieszer vnserer verordtnung vnnd fundation steiff vnnd fest, allermeinst aber über der reinen, ohnverfälschten religion vnnd dem wahren sehlligmachenden wortt Gottesz, so in den Prophetischen vnnd Aposto- lischen schrieften gegrünndet vnnd in den Hauptsymbolis, deszgleichen ohngeändertter Augszburgischer Confession, so Anno 30 vnser in Gott ruhender herr GrossVatter Landgraf Philippsz christmilter gedächtnusz neben andern Reichszständen Kayszer Carlen dem fünftten zue Augspurgk übergeben, deroselben Apologi vnnd Catechismo Lutheri erclähret ist, vonn vnsern Erben vnnd Nachkommen Fürsten zu Hessen etc. mit rechttem Gottsehlligen eyffer vnuerrücktt gehaltten, auch vonn den Theologis oder Professoribus, so wir oder vnsere Erbenn vnnd Nachkommen yederzeit zur selbigen hohen²) schuell gnädig gebrauchen werden, weder offentlich noch heimblich, bey zeit- licher vnnd ewiger Vngnade Gottes darwidder nichts in lectionibus, disputationibus vnnd dergleichen gelehret, geschrieben oder eingeschobenn werden soll. ³) Wir wöllenn auch, dasz allesz daszjenige, so wir an gebäwen jährlichen ein- kommenn Renthen vnnd gefällen oder wie dasz nahmen haben moge, zu solcher funda- tion übergeben, verordtnet vnnd verwiddumbt oder insz künfttigk von vnnsz oder andern noch mehr hierczu gestiefttet werden wirdt, bey solcher hohen ⁴) schuelln gelaszen vnnd vonn Vnsern Erben oder Nachkommen Fürsten zu Hessen etc. oder sonsten niemanden darvon genommen, noch zue ewigen tagen, allermaszen wir unsz in vnserm dabevor dem Gymnasio ertheillten privilegio erclähret5) inn andere usus oder zu andern sachenn verwendet werde. Wir privilegiren vnnd befreyen auch hier- neben solche vnsere hohe schuel vnnd Universitet 6) vnnd thun solchesz mit wohll- bedachtem muth, rechttem wissenn vnnd zeitlich gehabttem Rath für vnnsz, alle vnsere Erben vnnd Nachkommen jegenwärttigk vnnd craftt dieszer vnserer fundation vnnd pewiddumung inn der allerbesten form maasz vnnd gestaldt, wie daszelbige nach geist- lichen vnd welttlichenn rechtenn herkommen vnnd gewohnheiten am bestendigsten vnnd ¹) ein erwünschter vnnd bestendiger anfang gemacht, auch aller glücklicher beharlicher Forttgang: das. 2) fehlt das. 3) eingeschoben vnnd darauf mit Gottes gnadt zum fürderlichsten mit den Lectionibus fortgeschritten werde solle: das. 4) hohen fehlt das. 5) ew. tagen(es wehre dann sach, dasz die Universitet zue Marpurg wiederumb in vorigen stand gebracht vnnd vns die Administration derselbigenn eben- sowohll als Landgrave Moriczen gelässen): das. 6) solche vnsere Schule vnd Gymnasium: das. 12 cräffttigsten beschehenn soll, kann oder mag, mit nachgesetzten freyheiten vnnd privi- legien, vnd wöllen, dasz über solchen Freyheiten steiff vnnd fest gehaltten vnnd dar- widder vonn unsern Erben vnnd Nachkommen keineswegsz gethan werde inn keinerley weisze noch wege, wie solchesz Menschensinne immer erdenckenn möge, Allesz getreu- lich vnnd sonnder gefehrde. Vnnd seindt diesz die privilegia mehr besagter vnserer Universitet. ¹) Erstlichen wöllenn wir diesze vnsere Universitet²) mit allen denen privilegien vnnd immuniteten begnadiget vnnd in allem gleichmäszige Freyheiten gegeben habenn, mit welchen weillandt der Hochgeborne Fürst vnser geliebtter Herr Grossvater Land- graue Philippsz der eltter etc. lobsehlliger gedächtnusz die Universitet zue Marpurgk begnadiget vnd begabet hatt, inn allermaaszen gemeltte Universitet Marpurgk dieselbige biszdahero inn brauch vnnd übung gehabtt. Vnder denselbigen soll nun diesz das fürnehmbste sein, dasz das ganze Corpus Academicum,³) dasz ist, alle, so darinn lehren vnd studirenn tam docentes quam dis- centes, deren Weiber, Wittiben, Kinder vnd gesindte, vnd alle der Universität 4) ange- hörige glieder, den Rectorem für ihre Obrigkeit erkennen, ehren vnnd haltten vnnd ihme allen gehorsamb laisten, darinnen dann ihme vonn vnsern Räthen vnd Beambtten, wer die auch seyenn(auszgescheiden der bekandtlichen Criminalsachen) kein eintragk geschehen soll. Allso soll der Rector macht haben, diejenige so vnder ihme vnd der Universitet4) angehörigk seindt, wenn sie den Statutis vnnd legibus zue widder handelln oder leben, nach einesz yeden verwürckunge zu strafen, zu welchem behuef wir denn unserer Universitet 4) ein Carcerem verstattet habenn, vnnd thun vnnsz weitter nichtsz, alsz wasz bekandtlich criminal ist, vorbehalten. Damit auch die Studenten vnnd andere der Universitet 4) angehörige Personen ye biszweillenn ihre recreationem vnnd erlustigung haben mögen, so wöllen wir ihnen hiernebensz die begnadigung gethann vnnd verwilliget habenn, thun dasz auch in Craftt dieszesz brieffsz, dasz sie in der ganzen Giesser gemarckung esz sey im waldt oder feldt, naher hohem unnd niderigem wiltperth, wüldten Ant vnnd andern Waldtvögellnn, wasz dessen sein mag, nichtsz auszgenommen, pirschenn vnnd heczen, vnnd wasz sie schiessen oder fangen zu sich nehmenn vnnd behaltten mögen. Wir wöllen auch, dass die Professores vnnd alle der Universitet 4) angehörige, vonn allen bürgerlichen beschwerungen frey seinn sollen, vnnd ihnen ihr wein vnnd 1) vnsers Gymnasii: das. 2) vnser angehendt Gymnasium: das. 3) dass diss gancze Gymnasium: das. 4) dem Gymnasio:; das. 13 getränck wasz dessen zu ihrer hauszhalttung von nöthen, ohne allesz Vngeldt vnnd acciss frey passiret werde, also auch da deren einer oder mehr Studenten am tisch hielte, soll daszjenige, wasz an bier über der Mahllzeit aufgehet, denselbigen frey passiren, vnnd sie desz Vngeldtsz vnnd acciss von solchem bier befreyet sein, doch dasz keine parthierung hierunter gebraucht werde. ¹) Inngleichen sollen sowohll den studenten, alsz andern der Universität²) ange- hörigenn ihre bücher, mehll vnnd geträncke, dasz sie zu ihrer Notturfft haben müssen, inn vnserm Landt zollfrey passiren, doch dasz hierunter keine gefahr gesucht oder gebraucht werde. Esz soll auch die verordtnung geschehen, dasz ye zu zeitten durch Rectorem, Decanum, vnnd wehn wir mehr darczu verordtnen werden, die habitationes so die Studenten bey den Bürgern diengen. besehen vnd geschäczet, damitt sie nicht über- nommen, wie in gleichem, dasz die tische nicht überseczet werdenn. Vnndt dieweill zue einer Universität ³) ein Notarius, Apothecker, Buchtrücker vnnd Buchbiender von nöthen, so wöllen wir dieselbige der bürgerlichenn beschwerden auch befreyet habenn. Esz ist auch vnser gnädiger will vnnd mainung, wenn in sachen etwann a sen- tentia rectoris et professorum appellirt würde, dass keine appellation anderszwohinn gehenn oder verstattet werden soll, dann ahn vnnsz selbstenn. Damitt auch sowohll der Rector alsz ein yede facultet in commendationibus, testimoniis vnnd andern fürfallenden sachen, sich einesz eigenen Sigilli zu gebrauchen, so haben wir gemeltte facultates vnnd eine yede in sonderheit mit einem besonndern Sigillo versehen. Wasz dann sonsten andere sachen betriefft, so bey dieszer vnserer angerichtten hohen ⁴) schuell vorfallenn möchten, darüber hierinnen oder auch in obangezogenen der Universitet Marpurgk gegebenen privilegien vnnd Statuten(So wir hiehero zu- gleich erholen) kein decision oder ordtnung befindtlich, dieselbige wöllen wir vnnsz jederczeit nach beschaffenheit zu erörttern vnnd aller billichkeit inn einem vnnd anderm vnnsz darauf zu erclehren hiermit in gnadenn erbottenn vnnd vorbehaltenn habenn. Solcher vnser künfftiger verurkundteter verordtnung sollen vnser Rector, Pro- fessores, Studiosi vnd inszgemeinn alle vnserer universitet5) angehörige Mitglieder vnnd verwantthen sich nicht wenigersz alsz diszer jegenwerttiger vnnd viellbesagtter 1) was aber den Professoribus solcher gestaldt ann weinn vfgehet, darüber sollen sie vnser schriftlichenn erclerung gewärttig seinn: das. 2) dem Gymnasio: das. 3) einem Gymnasio: das. 4) hohen fehlt das. 5) vnserm Gymnasium: das. 14 universitet Marpurgk privilegien vnnd saczungen, wie oblauttet, habenn zu erfräwenn, zu genieszenn vnnd gemeesz zu lebenn. Wir wöllenn auch über dasz allesz jegenn ihrenn schuldigenn gehorsamb, trew vnnd fleiss, so wir ohngezweiffelt vonn ihnen hoffenn vnnd im werck führenn werdenn, darauff gancz gnädiglichenn bedacht seyen, solche vnsere auffgerichttete hohe ¹) schuell ye lenger ye mehr mit besserenn begnadigungen zu erhöhen. Sequuntur leges et statuta Academiae Giessenae*) J. De Rectore eligendo ejusque officio. 1.(XIII. 2. 4. 5) Magistratus Rectoris annuus erit et eligetur Calendis Januarii omnium vel plurium professorum ordinariorum votis³) et suffragiis: ita ut, initium fiat a Theologis, hos sequantur Jureconsulti, Jureconsultos Medici, Medicos Philosophi. 2.(XIII. 7) Vota Rector et Decanus facultatis philosophicae sub fide silentii ⁴) colligent. 3.(XIII. 11.) Rector electus sistetur et commendabitur corpori scholastico ab Antecessore, qui studiosos sedulo ad praestandam obedientiam novo magi- stratui adhortabitur. 4. Rector inspectionem totius Academiae?) sustinebit et una cum Cancellario⁶) providebit, ut omnes professores et praeceptores classici?) quam diligentissime suum faciant officium, dabitque operam, ut inter eos concordia servetur. ⁸) 5.(XIV. 34) Rector singulis mensibus Cancellarium Academiae et singularum facultatum Decanos convocabit, cum iisdemque de negotiis Academicis com- municabit. 6.(XIV. 38. 39.) Rector acta sub Rectoratu suo diligenter annotabit ex iisdem- que praecipua consilio tamen atque approbatione Academiae Cancellarii et facultatum Decanorum sub finem Rectoratus in librum Academiae referet et ¹) fehlt das. 5) Gymnasil: das. 2) et st. A. Giess. fehlt das. 6) una c. Canc. fehlt das. 3) Jan. communibus omnium profes- 7) class. fehlt das. sorum publicorum votis: das. 8) Die§§. 5— 10 fehlen das. 4) Ssub f. sil. fehlt das. 15 enn, officium depositurus novo Rectori tradet: reliqua vero Academiam concer- nentia in Archivis fideliter reponet. TeW 7.(XIV. 30) Literae ad Academiam missae primo quoque die in pleno senatus enn. Academici consessu a Rectore praelegantur et de iisdem pro rei qualitate puell deliberationes habeantur. 8.(XIV. 31) Quaecunque literae publico Academiae nomine ad alios scribuntur, a Cancellario prius revideantur et vel Decanis legendae exhibeantur, vel si rei gravitas efflagitet, coram toto etiam senatu praelegantur. 9.(XIV. 33) Exemplar vero literarum aliorumque actorum Academicorum asser- vetur, ita tamen, ut a Cancellario Academiae et singularum facultatum De- canis approbatum et subscriptum fuerit. 10.(XIV. 40) Rector absens propter causas graves vices suas demandabit An- tecessori. aalll 11.(XIV. 41) Rector sigillo Academiae in intimationibus publicis, itemque in 4 1 commendationibus et testimoniis utetur. ¹) üüe 12.(XIV. 4) In inscriptione Studiosorum illos ad pietatem, sanam doctrinam, tü) modestiam studiosis dignam et legum observationem adhortabitur et singulis data fidei dextera ad diligentem legum observationem astringet nominaque A ipsorum in matriculam sive album Academicum referat. ²) nagi- 13.(XIV. 3. 6) Studiosos examinatos vel tentatos saltem pro captu vel ad 4 classes vel ad lectiones publicas audiendas remittet, studiosis singulis testi- rios) monium inscriptionis dabit et pro inscriptione 100 praemii dimidium thalerum Sill imperialem accipiet, ubi tamen pauperum rationem habebit. ur. 5) aruIn II. com- De consisbori. ³) sdem- r et 1.(XIV. 36 XV. 4) Quoties causae difficiliores in deliberationem venient, Con- gi et sistorium Rector instituet inque consilium adhibebit vel Cancellarium Aca- 1¹) R. utetur sigillo Gymnasii in commendationibus, testimoniis et ubicundue ex commodo Gymnasii opus fuerit, illudque reliquarum facultatum Decanis, si illae sub initium proprio careant, utendum concedet: das. 2) nomin. bis referat fehlt das. 3) Diese Ueberschrift fehlt das. 2. 16 demiae et facultatum Decanos ¹) vel pro rei gravitate omnes professores ordinarios. ²) Consistorium ordinarie instituetur diebus Mercurii horis pomeridianis, ne lectiones et disputationes impediantur; si vero gravis alicubi necessitas urgeat, diebus etiam aliis. .(XV. 6) Ad Consistorium vocati professores intra quadrantis horae spatium se sistant, quo elapso deliberationes instituantur, nec absentium in votando rationes habeantur. (XV. 7) Si vero de negotiis gravioribus deliberandum, vocati sub fide juramenti omnes ac singuli dicto tempore compareant vel, nisi justam absentiae causam reddant, pro arbitrio Rectoris et consistorialium mulctam solvant. (XV. 9) Causas decidendas Rector proponet deque iisdem reliquorum vota justo ordine, initio a Cancellario facto, colligat, et vel communi omnium vel plurium decreto stabit. .(XV. 13. 14) Vota singulis professoribus sint libera nec intempestiva aliorum interpellatione aut collocutionibus turbentur, multo vero minus perstringantur, sed in omnibus ultimi aeque ac primi audiantur. (XV. 20) Decretum publica Consistorii auctoritate Rector fideliter et in- cunctanter exequatur, neque ad unius vel alterius arbitrium suspendat, multo vero minus plane intermittat. (XV. 25) Denique acta in Consistorio sub silentii fide a nemine temere evulgentur. 111.³) De officio Professorum. Omnes omnium facultatum Professores Augustanae confessioni invariatae, uti anno 30 Carolo V Rom. Imp. exhibita est et Catechisi Lutheri subscribent,4) nullusque de cujus sincera confessione justis de causis dubitetur, ullo tempore ad professionem aut aliud officium admittetur aut eligetur. .(X x. 5) Controversiae Theologicae a cujusvis facultatis professoribus ex privato odio meraque convitiandi calumniandique libidine, aliterve quam pacificatio religionis ferat, ordinationesque et recessus Imperii juxta notorium 1) venient, Rector in consilium adhibebit Decanos facult.: das. 2) publicos etcommuniomnium vel plurium decreto stabit: das. Die§§. 2— 5 fehlen das. 3) Die Zahl fehlt das. 4) Das Folgende und§. 2 fehlt das. 17 Soles exercitium in protestantium ecclesiis permittant, ne moventor, sed sobrie singulae atque modeste tam in concionando quam scribendo docendove tra- „ Ne ctantor, ne tam animorum divulsio et exacerbatio, quam veritatis in scriptis geat. formulae jurisjurandi insertis expressae investigandae studium quaesita videri queant. atium 3. Professores diligenter suum faciant officium, concordiae studebunt, ¹) neque dando nisi gravi causa impediti lectiones negligent. 4.²)(XVII. 4) Decani singularum facultatum una cum collegis suis quotannis menti providebunt, ut lectiones recte ad captum auditorum distribuantur. uSam 5.(XXI. 1. 2) Quatuor ³) diebus per hebdomadas singulas docebunt, diebus vero Mercurii, Saturni et Dominicis ⁴) a lectionibus feriabuntur, interim tamen vota easdem ⁵) disputationibus eté6) declamationibus tam publicis quam privatis mvel aliisque exercitiis utilibus consecrabunt.*) 6.(XXI. 4) Circa nundinas Francofurtenses tum vernales tum autumnales rrum hebdomadas tres lectiones cessabunt, item duas circa festum Nativitatis ntur. Christi, unam circa festum Pentecostes, aliquot similiter dies pro ratione temporis et arbitrio Professorum circa Caniculares. ³) 7.(XXI. 5) Dies feriati Apostolorum et precum publicarum mane sacrae con- t in-— S 1„..:4. lulto cioni audiendae, a meridie sacris meditationibus et exercitiis, praecipue dis- mli 2.. putationum Theologicarum ⁹) destinabuntur. 8.(XXI. 6) Publica etiam oratio annuatim die Octobris 7 in solemnem intro- ere.. ductionis Academiae et publicationis privilegiorum Caesareorum memoriam a Professore aliquo ordinario secundum ordinem facultatum habebitur, in qua devota gratiarum actio et preces pro Academiae erectione atque salute instituentur. t TV. ¹⁰) , U. dent,¹) De Theologorum officio. ore 3.. ml 1. Theologi in omnibus lectionibus, interpretationibus et disputationibus pro norma habebunt doctrinam Prophetarum et Apostolorum libris Canonicis us exX quam. driun ¹) concor d. studeb. fehlt das. 7) declam. tribuent: das. 2) Dieser§. fehlt das. 8) Christi, unam a Dominica: Esto 3) Quinque: das. mihi usque ad Dom.: Invocavit, 4) die Saturni: das. unam item circa fest. Pent.: das. len das 5) horas aliquot: das. 9) praecipue disput. Theol. fehlt das. 6) et unam: das. 1⁰) Die Zahl fehlt das. 18 comprehensam et cum Augustana confessione invariata, sicut illa Anno 30 Carolo Quinto Rom. Imp. exhibita est, ejusdem Apologia itemque Catechesis Lutheri cum illa norma consentiat et in nostris ecclesiis recepta sit nulli dogmati cum hisce scriptis pugnanti locum concedent. 2. Unus ex illis librum aliquem V. T. Propheticum, secundus Historicum vel Psalterium, tertius librum N. T. clare et perspicue enarrabit cum locorum communium assignatione, quartus vel Augustanam confessionem explicabit vel methodum proponet capitum Christianae religionis ex divinis scripturis, vel librum aliquem Biblicum interpretabitur. ¹) 3)(XXxV. 4) Disputationes habebunt menstruas, illae vero non debent esse prophanae vocum inanitates aut oppositiones falso nominatae scientiae, neque etiam odiosae et calumniosae dissentientium, quicunque etiam illi sint, exagi- tationes, sed modestae, graves et ad veritatem demonstrandam ac falsitatem convincendam rerum et verborum pondere comparatae ²) 4) In examinationibus ordinandorum providebunt, ne quem testimonio ornent, aut ulli manus imponi permittant, qui a supra dicta doctrina in ullo capite Religionis Christianae dissentiat.(XXIX. 13) Pro examinis labore singulis examinatoribus dimidius thalerus, et praetera Decano pro testimonio et Superintendenti pro ordinatione dimidius superaddetur. ³) V. 4) De officio Turisconsultorum. 1) Primarius Juris professor Codicem aut4) libros Feudorum, secundus Jus canonicum, tertius praecipuos Pandectarum titulos, quartus pro tyronibus juris ¹) do — 4) Unus ex ill. li b. al. veteris vel novi Testamenti enarrabit clare et perspicue cum locorum communium assignatione, alter autem Au- gustanam confessionem vel locos communes, et si tertius ipsis tem- poris progressu adjungeretur, quodoptandum esset, tum ex utroque testamento veteri et novo libri explicandi essent: das. Disputationes quoad fieri potest menstruas habebunt: das. Decanus sigillum, si facultas proprio careat, in testimoniorum confirmatione a Rectore mutuabitur. Decanus providebit, ne quid a Typographo, quod dictae fidei et confessioni adversetur pPraelo subjiciatur et in lucem edatur: add. das. Anstatt der beiden folgenden Titel steht das.: Pro Jureconsultis et medicis, duibus hactenus pro instituto hujus scholae potiri nondum licuit, com modae leges conscribentur et brevi quoque hisceadjicientux. d 30 institutiones Justinianeas explicabit, additis subinde Declamationum et Dis- chesis putationum exercitiis. null 2. Non detinebunt auditores supervacaneis allegationibus aut odiosis et inutili- bus subtilitatibus; collegas etiam aut quosvis alios interpretando vel dispu- m vel tando minime criminabuntur. Lerun 3. De jure ab aliis consulti ea fide et diligentia respondebunt, ut et hujus cabit Academiae dignitas nomenque augeatur et partibus consulentibus recte turis, prospiciatur. VI. esse neque De officio Medicorum. Aa2 1.(XXXVIII. 2) Professores Medicinae spartam, quam nacti sunt, fideliter kaien exornent, et in docendo Principes Medicorum imitentur tam Graecos quam Latinos et Arabes, ut sunt Hippocrates, Galenus, Aegineta, Aetius, Ori- Den basius, Avicenna, Celsus, Rhases etc., ita tamen, ut in nullius verba vel plie auctoritatem jurare videantur. agulis 2.(XXXIX. 2) Primarius Medicinae Professor doctrinam de sanitate praesenti i el tuenda et absenti restituenda auditoribus explicabit, non generaliter saltem, verum etiam in specie, tam internorum quam externorum morborum cura- tionem proponet. 3.(XXXIX. 3) Alter in medicina Theoterica declaranda versabitur, res videlicet secundum naturam et praeter naturam cum doctrina signorum juventuti proponens. Jus 4.(XXXIX. 4) Tertius doctrinam de materia circa quam versatur Medicina jüris declarabit, inprimis illa, quae Diaetam, Pharmaciam et Chirurgiam illustrant, respiciens et diligentem horti Medici curam habebit. 5. Ut disputationes tam publice quam privatim a singulis vel saltem a plerisque re et Anatomiae ab Anatomico, et herbationes a Botanico frequenter instituantur, A9 Decanus facultatis quotannis prospiciat et cum Collegis de crebris officinarum u visitationibus et aliis ad tuendam sanitatem necessariis sollicitus sit. VII 1) De philosophorum officio. 1.(LIII. 1. 8) Philosophi singulis semestribus censuras instituent, in quibus in j18—— 1) Die Zahl fehlt das. &◻☛ 10. 11. 20 studia, mores et conversationem studiosorum Philosophiae ¹) inquirent dili- genter, ubi et cum quibus habitent, quorum convictu utantur, quos habeant privatos praeceptores, quas audiant lectiones.2) Censuram qui contumaciter neglexerint, vel poena carceris vel pecuniaria pro rei qualitate et arbitrio Decani mulctabuntur. (LIII. 9) Poenam a Decano irrogatam solvere ubi renuerint, Rector eos in ordinem coget, mulcta vero Decano cedet. . Omnes omnino ac singuli Professores Philosophiae in hoc elaborabunt, ut ea qua poterunt fide et virtute professiones suas tam praelegendo, quam dispu- tando et declamando exornent et amplificent. . Ethicus enarrabit Moralia Aristotelis ita, ut propositis et explicatis e textu Aristotelis brevibus quibusdam theorematibus quaestiones controversae sub- jiciantur; his absolutis adjunget vel Politicam vel Oeconomicam. . Logicus Organum Aristotelis profitebitur, aut praecepta ex Aristotele de- sumpta, accommodata ad methodum Rami: addet etiam canones cujuslibet argumenti eorumque explicationem cum adjuncta doctrina de Elenchis. Idem etiam horis successivis docebit Metaphysicam. . Graecus enarrabit alternatim vel libros Graecos Aristotelis vel Patres Grae- cos vel Poëtas et Oratores Graecos, Hesiodum, Homerum et probatos alios. . Historicus proponet vel Chronicon Carionis, vel Sleidanum de Monarchiis vel Livium, Iustinum et probatos Historicos alios. Physicus enarrabit vel libros Aristotelis Physicos vel Compendia Physica, praecipue vero Magiri, Hafenreuteri, Velcurionis et aliorum optimae notae autorum. Rhetor proponet e Philippo doctrinam de generibus causarum, e Ramo Tro- pologiam et Schemata: ex libro aliquo Ciceronis vel orationibus Historicorum proponet Analysin et praxin Rhetoricam, materias declamationum praeleget et exercitiis declamationum oratoriis studiosos informabit publico collegio- Declamationum instituto. Mathematicus praeleget alternatim Sphaeram et Geometriam, singulis vero septimanis horas aliquot dicabit Arithmeticis, operam autem dabit, ut breviter praecepta proponat et annuatim, si fieri possit, absolvat. ¹) Ph il. fehlt das. 2²) Das Folgende fehlt das. Statt dessen steht hier: Lectionibus disputationes publi- sas adjungent. Decanus una cum Rectore providebit, ut omnia in classibus ordine et diligenter peragantur. 21 t dili 12. Hebraeus enarrabit Grammaticam aliquam, vel ipse praecepta quaepiam abeant dictabit; loca V. T. controversa explicabit, exercitia etiam publica praeleget; naciter collegium Hebraeum pro captu auditorum sua etiam occasione instituet. rbitrio VIII. 0) eos In De paedagogiarcha. ut ea 1. Paedagogiarcha non solum ipse diligenter suum officium faciet, sed etiam dispu- providebit, ut caeteri Collegae in officio faciendo sint seduli. 2.(LXXXII. 1) Singulis semestribus examina instituet, ad quae adhibebuntur textu Decanus facultatis Theologicae propter doctrinam Catecheticam, et praeter e sub- hunc Philosophi, quorum judicio in eximendis idoneis utetur. 3.(LXXXII. 4) In collocatione adolescentum post examina judicia collegarum etiam attendet. brie 4.(LXXIX. 10) Cum adolescentes in disciplinam recepit, pro inscriptione quadrantem thaleri pro Rectore et tantundem pro se recipiet. 5.(LXXIX. 11) In disciplinam receptos Rectori sub finem Rectoratus sistet, ut et ille eos albo Academiae ²) inferat. Grae- 6.(LXXIX. 4) Nihil suo privato consilio mutabit ipse, sed Rectorem et De- alios. canum, cum quid immutandum videbitur, adhibebit. arcliis 7.(LXXIX. 9) Delicta graviora Classicorum cum consilio et judicio Rectoris puniet. ysica, 8.(LXXIX. 8) Providebit ut castigationes sint moderatae. notae IX. 9) Tro- corun De officio studiosorum. eleget 1. Singuli studiosi intra novendium nomen suum apud Rectorem profitebuntur legio et pro inscriptione, honorarii loco, Rectori dimidium thalerum numerabunt, pauperum tamen ratio habebitur. Qui autem nomen suum intra dictum 3 VeIO tempus profiteri neglexerint, pro mulcta aureum Rhenanum solvent vel prorsus reviter obstinati e schola ⁴4) et urbe excludentur. 1¹) Die Zahl fehlt das. 2) Gymnasii: das. abli- ³) Die Zahl fehlt das. 4) Gymnasio: das. 1) ²) ⅓t 6. 10. 11. 12. §. 22 .(LXXV.) Studiosi Rectori in omnibus licitis et ordinem studiosorum decen- tibus obtemperabunt, neglecti pervivaciter officii pro ratione delicti arbitrio magistratus sui mulctabuntur. .(LXXV. 8) Rectori, professoribus et omnibus utriusque sexus honoratis per- sonis honorem exhibebunt, caput nudabunt, de via decedent et tales sese praestabunt, ne proficientes in literis et deficientes in moribus plus defecerint quam profecerint. .(LEXXV. 9) In Rectorem magistratum suum vel quemvis alium professorem contumeliosus vel vi grassatus studiosus de concilii sententia relegator vel ut infamis prorsus excluditor. .(LXXV. 12. 13) Nemo studiosorum fidem datam frangat arrestove impeditus aut constrictus sine venia, satisfactione, debitive solutione pedem hinc moveat, secus qui fecerit, ad valvas templi citabitur et in eum secundum leges gra- viter animadvertetur. ¹) (LXXV. 17) Studiosi lectiones et exercitia disputationum ac declamationum diligenter frequentabunt, in negligentes Rectori animadvertendi jus erit. .(LXXV. 21) Studiosus cum studioso alea pro pecunia ne ludito, secus qui fecerit, arbitrio Rectoris mulctabitur et victus victori nihil solvere tenebitur. .(LXXV. 22) Nemo studiosorum scortum ductato, aut in popinis aut laura- victitato, secus qui fecerit, carceri mancipabitur et duorum aureorum Rhena- norum mulctam exsolvet. .(LXXV. 27) Si²) quis etiam studiosus non vocatus neque invitatus alienis sese nuptiis vel choreis intruserit, arbitraria, si per id tumultus vel rixae subsequantur, carceris poena mulctabitur. Hortos et vineas alienas non ingrediantur, multo minus iisdem damnum inferant studiosi, a captura etiam piscium illicita, maxime inescationibus eorundem venenatis abstineant, in transgressores severae animadversionis jus esto. (LXXV. 37) Si quis studiosus studiosum vel alium quemcunque telo, gladio aut quovis armorum genere provocaverit vel provocatus etiam extra casum necessariae defensionis comparuerit et alter alterum vulneraverit laeseritve, telum aut arma Rectori cedito, laeso satisfacito et praeterea vel carceris poenam luito vel mulctam pro Rectoris arbitrio solvito. (LXXV. 42) Inprimis cum in propugnaculis providendum, ne rixae aut alii 5 fehlt das. 9 u. 10 fehlt das. num ibus 13. 14. 15. 1. 23 motus oriantur, caveant sibi studiosi, ne milites praesidiarios, quos soldatos vocant, vel custodes et vigiles nocturnos armis ad pugnam provocent vel verbis irritent, ante aedes etiam pincernarum turbas nocturnas non excitent, eosve verbis ignominiosis provocent,¹) secus qui fecerit, et carcere et pe- cunia mulctator vel pro ratione delicti relegator. (LXXV. 34) Si ²) quis studiosorum turbas maxime nocturnas quoquo modo excitaverit, venabulis bipennibus, hastis perticis, bombardis aliisque militaribus armis munitus per plateas incesserit, alios invaserit, factiones aluerit, aut, renovaverit, domos oppugnaverit, fenestras excusserit aliisve famosis acti- onibus insanisque clamoribus civitatem impleverit aut hujusmodi etiam illi- citis actibus sese immiscuerit, causa cognita gravissimam poenam experietur et pro delicti ratione etiam tanquam tranquillitatis publicae turbator e cor- pore Academico excluditor. (LXXV. 31) Studiosi per plateas noctu non cursitabunt nec vociferabuntur, aut etiam petulantiam exercebunt, sed domi se quiete continebunt, in trans- gressores Rectori severae animadversionis jus esto. (LXXV. 35) Nullus ex studiosis noctu, etiam quovis praetextu bombardam gestabit, aut quovis etiam tempore intra propugnaculi hujus pomeria displodet, secus qui fecerit, gravissime punietur. ³) Iuniores studiosi sibi privatum praeceptorem eligent, quo directore studiorum suorum utantur. .(LXXV. 46) Si quis studiosus puellam virginem defloraverit vel foeminam aliam compresserit, ¹) 30 flor. pro mulcta numerabit, quae pecunia in publi- cum Academiae ⁵) commodum conferetur, aut totidem dies carceris poenam sustinebit. X. De officio Pedellorum. (Cl. 5. 6) Pedellorum publicorum ⁶) officium erit, quotidie accedere Rectorem et ab illo mandata accipere fideliterque exequi, tum etiam si vel Ephorus ¹) ante aedes bis provocent fehlt das. 2)§. 13 fehlt das. 3) aut quovis bis punietur fehlt das. 4) vel foem. aliam compl.. fehlt das. 5) Gymnasii: das. 6) Pedelli publici: das. 24 in re Stipendiaria vel facultatum Decani in publicis negotiis opera eorum ¹) uti velint, ipsis ad manum adesse. 2.(CI. 9) Pulsu campanae signum lectionum dare. 3.(CI. 9) Pedelli?) in Collegio habitabunt et providebunt, ut auditoria justo tempore aperiantur et claudantur. 4.(Cl. 9) Omnium item diligentissimam inspectionem et custodiam habebunt. .(Cl. 13) Pedelli classici Paedagogiarcham observabunt, et re ita postulante, etiam Rectorem. .(Cl. 14) Iidem ignem in classibus instruent, diligenter custodient et alia in classibus necessaria munia obibunt. r = XI³) De Typographi officio. (CII. 2. 3) Nihil nisi quod singularum facultatum Decani ratione suarum pro- fessionum approbaverint, praelo subjiciet et in lucem emittet;¹) Decani vero studiose provideant, ne libelli famosi et picturae publice vel privatim impri- mantur distrahanturve, sed singulis scriptis et libris autoris et Typographi nomina et cognomina cum designatione loci praefigantur. Et si quid in jis, quod ordinationibus Imperii adversetur, offendatur, neque imprimi neque di- strahi permittant. Das nun alles wie obgesetzt, vnser endtlicher will vnndt mainung, auch ern- ster bevehl vnnd verordtnung sey, dessen zu vrkundt haben wir dieszen brieff mit, aigenen handen vnderschrieben, vnnd vnser fürstlich Secret Insiegel hieran hängen, vnnd dieszer befreyungszbrieffe zwen gleichlauttendt originaliter aufrichtenn, vnnd einen dem Rectori vnndt Professoribus berürtter vnserer Universitet, 5) verwahrlichenn zu- stellen, vnnd den andern in Vnser Repositur behaltten lassen. Geschehenn zue Darmbstadt den zwölfften ⁰) Monatstagk Octobris, Anno Domini Sechsszehn hundertt vnndt Sieben.) Ludtwig L. 2 1) ejus: das. 2)§. 3 und 4 fehlt das. 3) die Zahl fehlt das. 4) das Folgende bis permittant fehlt das. . Hessen. 5) vnsers Gymnasii: das. 6) vierzehenden: das. 7) fünfe: das. rum ¹) justo bunt. lante, lia in II. Wir Burgermeister vnd Rahtt der Stadt Giessen vrkunden vnd bekennen öffentlich für vns vnd vnsere Nachkommen, demnach der durchleuchtige vnd hochgeborne Fürst vnd Herr, Herr Ludtwig Landtgrave zu Hessen, Grave zu Catzenelenbogen, Dietz, Ziegenhain vnd Nidda u. s. w. vf ihrer fürstlichen gnaden vndterthanen vleissige vnd vndterthenige Bidt zuvorderst Gott dem Almechtigen zue ehren vnd Beförderung der christlichen reinen Religion vnuerenderter Augspurgischer Confession in ihrer fürst- lichen genaden Stadt vnd Vestung Giessen eine ansehnliche Schulle angericht, in deren alle Faculteten gelehret vnd exerciret werden, auch zugleich ein Paedagogium gehalten wirdt, zu welchem Gotseligen vnd gemeinnutzigen werck wir Burgermeister vnnd Rath obgemelt aus guedtem freyem willen versprochen vnnd zugesagt haben, zusagen vnnd versprechen auch für Vnns vnnd alle Vnsere nachkommen, crafft dieser recognition, so lang angeregte Schule zue Giessen bleiben wirdt, das wir ihärlichs vnd iedes Jhars besonders zu deroselben besserer erhaltung, aus dem einkommen vnsers gemeinen Weinzapfens wöllen contribuiren Anderthalb hundert Gulden, den guldten in zwanzig sieben alb. gerechnet, doch mit dem austrucklichen Vorbehalt, wan vnnd zue welcher zeit, es sey vber kurcz oder lang, vorberurdte Schule wiederumb von vnd aus bemelter Stadt Giessen abkommen wurde, das alsdan auch zugleich diese vorbe- melte iharliche Zusteuer der anderthalb hundert guldten mitgefallen vnnd absein, von selbiger Zeit vnd fortan zu solcher ihärlichen Contribution oder Zueschosz wir vnnd alle Vnsere nachkommen nimmermehr verbunden, noch die schuldig sein söllen, allermaszen hochermelte ihre fürstliche gnaden vndter deroselben Handt vnnd siegell vns dessen in gnaden einen Reuersz zugestellt Alles sonder gefhärdte. Vrkuntlichen haben wir dieser Vnserer recognition der Stadt Insiegell wissentlich angehengt. Geben vnnd beschehen zue Giessen den ersten tag Octobris Anno Christi Eintausend sechshundert vnnd sechs. Das Siegel in hölzerner Kapsel hängt an. III. Wir Bürgermeister vnd Raht, auch Gemeinde vnd Sechszehnner der Statt vnd Vestung Giessen bekennen hiermit für Vns vnd Vnsere Nachkommende, dass Wir zu endsbemeldtem dato in pleno senatu et consessione decretirt vnd vereinbart, auch in eventum promittirt, wan U. G. Fürst vnd Herr die hohe Schuhl vnd Universität, wie vor dieszem anhero in diesse Statt verlegen vnd Vns vnd gemeiner Statt den Weinschank allein, auch die itzige Braugeld in den 2 adelichen Neben-Brauhäusern forderst über- lassen würde, dass Wir alsdan alle jahr, so lang solches beide in unverändertem Stand verbleibt, aus deme Wein Amt zu Behuf der Univ. zalen wollen 200 fl. in 27 alb. oder 120 rt., darzu Selbiger noch zehn morgen Lands, gegen den Totts-Acker alhier, bei den newen Eichen, ausstecken vnd eingeben, solche das erste mahl auf gemeiner Statt kosten umreissen und ackern, auch mitt einem Auffwurf vnd Graben versehen vnd umgeben lassen, darmitt es beides von Menschen vnd Viehe do mehr gesichert sein möge, wie auch 10 Wagen Holtz auf der Statt kosten zuführen, zu aufrichtung des Paedagogii, deren schon 5 würklich geliefert worden. Es soll auch dieszes uneracht, was die Zünfte vor kurtzem zu der hieszigen neuen Univ. beyzutragen gewilligt und ander gute Leut versprochen, an seinem Ort und würkung verbleiben. Erstlich(?) wollen wir über dieses alles, zum zweiten, wen Gott der Allmächtige dabeneben gebetten hatt, dasselbig für insinuirt v günstigen Principaln vber diese Praesentation, Insinuation vnd Certification 91 in hiesiger Statt gemeinen Wäldern Mastung bescheert, einem jeden Professori und Praeceptori classico, so ferne selbiger seine eigene Haushaltung hat, auf vorher beschehene Zusprach vnd bittliches ersuchen, eben so viel Schweine, als einem gemeinen Bürger passiren werden, einzutreiben verstatten; ingleichen, da Holtz unter die Bürger ausgeteilt vnd verloset würde, so doch langsam geschieht, soll Ihnen uff ge- bürliches Werben und Begehren, auch ein einzelos oder bürgerlos, gegen das gewöhnliche Los-Geld, ab- gefolgt werden. Nicht weniger wollen wir Ihnen, den Herrn Professorn und Praeceptorn, auch in ge- meinen Statt Wäldern, Wegen vnd Wayd, vergünstigen vnd zulassen, dass dero Gesind, auf die gewöhn- liche Holtztäge, neben den Bürgern in die Stattwälde, aber ohne Instrument vnd Wafen, gehen, Urgehöltz aufflesen vnd nach Haus tragen mögen, doch dasz hierdurch Uns und unsern Nachkommenden an unserm Eigentum und wohlhergebrachten Rechten nichts zumahl praejudicirt vnd nachteilig eingegriffen werden soll. Erbieten Uns auch, was wir sonst über diesses an guter Ordnung zu der Univ. bestem Aufkommen vnd dero Bequemlichkeit gereichend, möglich ding nach, werden übernehmen können, dass Wir solches zu effectuiren Uns bestes fleiszes wollen anliegen lassen. Zu urkund haben wir diesen Schein vnd resp. freywillige versprechung mitt gemeiner Statt auffgedrücktem grossen Insigell bekräftiget. Signatum Giessen am 14. Martii 0. 1651. E. S8. IV. Wir ¹) Rudolph der Ander von Gottes gnaden erwöllter Römischer Kaiser zu allen zeitten Mehrer des Reichs in Germanien, zu Hungern, Böheim, Dalmatien, Croatien vnd Sclavonien König, Ertz- herzog zu ésterreich, Hertzog zu Burgund, Steyer, Kärndten, Crain vnd Württemberg, Graue zu Tyrol Bekennen vnnd thuen kunnt Jedermenniglichen mit diesem Vnserm offenen Kays. Brieff, Alsz der Ersam gelert Vnser vnd des Reichs lieber getrewer Georg Amandus Wolff der Rechten Doctor, Vnsers Kays. Cammergerichts Advocat vnnd Procurator, Anwaldt desz Hochgebornen Vnsers lieben Oheims vnd Fürstens Ludwigen, Landgrauens zu Hessen, Grauens zu Catzenelnbogen, Dietz, Ziegenheim vnd Nidda, sodann der Ersamen gelerten Vnserer vnd des Reichs lieben getrewen N. N. Rectors vnd P versität Giessen, ermeltem Vnserem Kays. Cammergericht beneben Vbergebung zweier Original Gewäldten vnd Vollmächten in schrifften gerichtlich anbracht, wie dasz gedachts Vnsers Fürsten Landgravens Lud- wigs L. vor vngefehrlich zweien Jahren vff vnterthänigs Ansuchen, auch mit Rath vnd hülfflicher Zu- thuung Sr. L. getrewen lieben Landtsständen vnd Vnterthanen in dero Vestung vnd Statt Giessen ein fürstliche Schul mit nit geringem Costen vnnd nottürfftigen Vnterhalt der Professorn, Praeceptorn vnnd anderer darzu gehöriger Persohnen angeordnet, welche volgents von Vns confirmirt, bestettigt vnnd mit Vnseren Kays. Privilegiis zu einer hohen Schul vnd Academi erhöhet vnd gezieret worden, allermaszen wie aus dem Original(solches damit sampt einer Copey übergebent) mit mehrerm zu uernemen wehre, nd notificirt vff vnd anzunemen, dass richterlich Decret zu interponiren, seinem obanfangs benannten respectiue gnedigen Herrn vnnd rofessorn der Uni- vnd Auctoritet darüber aubwürdige Vrkundt zu ¹) Der erste Theil dieser Urkunde bis„also verlautendt“ ist meines W worden. issens noch nicht gedruckt 1. lassico, suchen, leichen, uft ge- ald, ab- In ge- wöhn- gehöltz unserm werden mmen hecret vnd dt Z9 ruekt erkennen vnd mitzutheilen, die Abschrifft gegen dem Original conferiren vnnd alszdann Ime dasz Original wiederumb zuzustellen vnnd volgen zu lassen. Dasz demnach vff heut im Dato hernegst bestimpt ahn mehrgemeltem Vnserm Kays. Cammergericht, welches damals der Edel vnser vnd des Reichs lieber ge- trewer Carl Fugger Freyherr zu Kirchberg vnd Weissenhorn, vnnsers Kays. Cammerrichters Amts Ver- weser, sampt andern ime von Vns vnnd des heyligen Reichs Stände wegen zugeordneten Vrtheilern vnd Assessorn in vnserm Nahmen vnd an vnser statt in vnser vnd des heyligen Reichs Statt Speyer besessen hatt. Hieruff Decret vnd Bescheidt ervolgt, also gerichtlich verlesen vnd publicirt worden: In sachen begerter Insinuation Privilegii et Confirmationis vffgerichter Universitet zu Giessen, Herrn Ludwigen Landtgrauen zu Hessen, auch Rectorn vnd Professorn der Vniversitet daselbsten am zehendten Novembris jüngst gerichtlich einkommen, ist dasselb doch vorbeheltlich des heyligen Reichs Ober- vnd Gerechtig- keit auch menniglichs Einreden dargegen iedertzeitt vorzubringen, soviel recht, hiemit angenommen, darüber dergestaltt Vrkundt erkandt vnd D. Amando Wolffen sein der Restitution Originalis halben be- schehen begeren zugelassen. Vrkundt diesz briefs mit anhangendem Vnserm Kays. Insiegell becrefftigt, der geben ist in vorbenanter vnser vnd des heiligen Reichs Statt Speyer, den ersten Tag Monats De- cembris, nach Christi vnsers lieben herrn geburth Im Sechtzehnhundert vnd Siebenten, Vnserer Reiche des Röm. vnd Böheimischen im Drey vnd dreissigsten vnnd des Hungarischen im Sechs vnd dreissigsten Jahre. Nun folget der Inhalt angeregts Privilegii also verlautendt: Wir Rudolff der Ander von Gottes gnaden Erwöltter Römischer Kaiser, zu allen zeitten Mehrer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Böheim, Dalmatien, Croatien vnnd Sclavonien König, Ertzhertzog zu Oesterreich, Hertzog zu Burgundt, zu Brabandt, zu Steyer, zu Kärntten, zu Crain, zu Lutzemburg, zu Württemberg, Obern vnd Niedern Schlesien, Fürst zu Schwaben, Marggraue des heyligen Röm. Reichs zu Burgaw, zu Mähren, Ober vnd Nieder Lausznitz, gefürster Graue zu Habspurg, zu Tyrol, zu Pfirdt, zu Kyburgk vnd zu Görtz, Landtgraue zu Elsäsz, Herr auff der Windischen Marckh, zu Portender vnd zu Solms. Bekennen öffentlich mit diessem Brieff, vnnd thuen kundt allermeniglichen: Alsz vns der Hoch- geborne Ludwig Landtgraue zu Hessen, Graue zu Catzenelenbogen, Dietz, Ziegenhain vnd Nidda unser lieber Oheimb vnnd Fürst vntertheniglich vorbringen lassen, wie S. L. verschiener Jahren gemeinem Nutz der Jugent, auch dem Studio zu guetem, in seiner Statt Giessen ein Universitet vnd hohe Schul auffrichten lassen, mit unterthenigster Bitt, dass wir alsz Römischer Kayser ime dieselbige gnedigst zu confirmiren vnd zu bestettigen, auch sie mit den Privilegien, Begnadungen vnd Freyheiten, damit andere Vniversiteten im heyligen Reich versehen weren, zu begaben gnedigst geruheten; darauf haben wir an- gesehen solches Sr. L. vnterthenig zimblich pitten vnnd erpiethen, auch die ansehenlichen Intercessionen, so von vnderschiedtlichen Chur- vnd Fürsten, sowohl der catholischen Religion, alsz auch Augspurgischen Confession für S. L. beschehen, vnnd darumb mit wolbedachtem muth, gutem Rath vnnd rechtem wissen, die obgedachte Sr. L. auffgerichte Vniversitet vnnd hohe Schul zu Giessen gnedigst confirmirt vnnd be- stätt, sie auch mit den Freyheiten, Privilegien vnnd Gnaden, so, wie obgemelt, andere Universiteten vnnd hohe Schulen im heyligen Reich haben, am fürstendigsten begnadet vnnd befreyet, thun dass auch hiemit aus Römischer Kays. Machtt wissentlich in Crafft dieses Briefs also, dass sie allenthalben für ein Uni- versitet vnnd hohe Schul gehaltten vnnd geehrt werden, vnnd sy alle Ehr, Würde, Vortheil, Recht vnnd Gerechtigkeit vnnd Gewohnheit, wie andere haben vnnd sich deren frewen, gebrauchen unnd geniessen solle vnnd möge, von allermenniglich vnuerhindert, doch Vnsz vnnd dem heyligen Reich an vnser Obrig- keit vnnd sonst andern an iren Rechten vnnd Gerechtigkeiten vnvergreifflich vnnd vnschädtlich. Vnnd gebieten darauff allen vnnd jeglichen Churfürsten, Fürsten, geistlichen vnnd weldtlichen, Prälaten, Grauen, Freyen Herrn, Rittern, Knechten, Hauptleuthen, Landtvogten, Vitzdomben, Vogten, Pflegern, Verwesern, Amptleuthen, Schultheiszen, Bürgermeistern, Richtern, Räthen, Burgern, Gemeinden vnnd sonst allen andern vnsern vnnd des Reichs Vnterthanen vnnd getrewen vnnd vornemblich allen andern Universiteten 28 im heyligen Reich, auch unsern erblichen Fürstenthumben vnnd Landen, dasz sie die obgedachte Vniver- gel sitet zu Giessen bey dieser vnserer Kayserlichen Confirmation, Begnadigung vnnd Freyheit gentzlich fah bleiben, sie deren geruhwiglichen gebrauchen vnnd geniessen lassen, vnnd darwider nit bekümmern noch beschweren, noch dasz andere zu thun gestatten, in kein weisz, alsz lieb einem Jeden sey vnser vnnd Die des Reichs schwere Vngnad vnnd straff, vnnd darzu eine Poen, nemblich Zwantzig Markh Löttigs Goltts ker zu uermeiden, die ein Jeder so offt er freuendtlich hiewider thette, Vns halb in Vnser vnnd des Reichs erf Cammer, vnnd den andern halben Theil gedachter Vniversitet zue Giessen vnablöszlich zu bezahlen ver- fallen sein solle. Mit Vrkundt diesz briefs besiegelt mit vnserm Kayserlichen anhangenden Insiegell. Geben auff 4. Vnserm Königlichen Schlosz zu Praag den Neunzehenten Tag des Monats May, nach Christi vnsers lieben nu Herren Erlösers vnd Seeligmachers gnadenreichen geburt Sechtzehnhundert vnd Siebenten, Vnserer Reiche mi des Römischen im zwey vnd dreissigsten, des Hungarischen im Fünf vnd dreissigsten vnd des Böheimischen 80 auch im Zwei vnd dreissigsten Jahre. Rudolff. Ad mandatum sacrae caes. Majestatis proprium. de L. von Stralendorff. G. Hertel. i 2 Ad mandatum dom. Electi Schweickhardt Kegele L. Imperatoris proprium s. Verwalter. subscr. u 8! Auf der Aussenseite der Vrkunde: Vrkundt Insinua- 1 Taxa Sechtzehen gulden tionis Privilegii vffgerichter L viertzig acht Creutzer. Vniversitet zu Giessen. K de Das Kais. Siegel i. rothem Wachs hängt a. d. Urkunde. g un 8 N 3 N V. G 1 Extensio weyl. Keyszer Ferdinands des andern der Juristen-Facultät zu Marpurg den 4. December ann. 1630 ertheylten Palatinatz auff Landgraff Georgens zu Hessen jetzige Facultät zu Giessen. Wir Ferdinand der Dritte von Gottes Gnaden Erwählter Röm. Keyszer zu allen Zeiten Mehrer des Reichs in Germanien, zu Hungarn, Böheimb, Dalmatien, Croatien und Schlavonien König. .. bekennen offentlich mit diessem Brief und thun kund allermänniglich, wie wohl wir aus I Röm. Keyszerl. Höhe und Würdigkeit, darein unsz der Allmächtige nach seinem göttlichen willen gesetzet hat, auch angeborner güthe und mildigkeit allezeit geneigt seind, nicht allein eines jeden unsers und des heyl. Röm. Reichs underthanen und getrewen, sondern auch gantzer Communen und corporum ehr, nutz, auffnehmen und bestes zu betrachten und zu befördern, so würdet doch unser Keyserl. gemüth mehrers bewegt, denen Communen und universitäten unser gnad und sanfftmüthigkeit mit zu theilen, auch ihren Nahmen in höhere ehr und würde zu setzen, darin sich verschiedene wohl qualificirte, und sonderlich unserer Keyserl. beschriebenen Rechten trefflichen erfahrene Subjecta, Doctores et Professores befinden, welche zu unszerer und des heyl. Röm. Reichs Zierde, Nutzen und Frommen mit ersprieslicher information der Jugend rühm- lichen scriptis und in offenen truck gegebenen operibus in und auszerhalb Reichs gute nutzliche officia praestirt, und sich darmit alsz tugendhaffte Leuthe umb den gemeinen Nutzen und Bestes wohl verdient Vniver- Fentzlich ai noch der vnnd s Goltts 3 Reichs len ver- den auff leben Reiche mischen prium. rühm⸗ ffieia rdient 29 gemacht, auch durch solche ihre getrewe und nutzliche dienste unser und des Heyl. Röm. Reichs wohl- fahrt und auffnehmen gemehrt, geziehrt, befördert und erhalten wird. Nachdem unsz dann der hochgeborne Georg Landgraff zu Hessen, Graf zu Catzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain, Nidda, Isenburg und Büdingen, unser lieber Oheimb und Fürst underthänig zu er- kennen gegeben, was gestalt Sr. Ld. dero universität bey jetzo im heyl. Röm. Reich vorgegangenen und erfolgter Veränderungen nacher Giessen transferirt und unsz gehorsamlich ersuchen lassen, wir wolten gnädigl. geruhen, dasjenige privilegium Comitivae et Palatinatus, so weiland unser in Gott ruhender Herr Vatter, Keyszer Ferdinand der ander glorwürdigen angedenckens der Juristen-Facultät zu Marpurg den 4. Dec. ann. 1630 ertheylt, auff Sr. Lb. jetzige Juristen-Facultät zu Giessen zu extendiren. Vndt wir nun gnädigl. angesehen, wahrgenommen und betrachtet, dasz Sr. Lb. dero Juristen-Facultät zu Giessen mit solchen wohl qualificirten Subjectis Doctoribus et Professoribus besetzet, welche unszerer Keys. be- schriebenen rechte und satzungen mit sonderbahrem fleisz und dexterität zu information der studiren- den Jugend, und zu ihrem selbst eigenen unsterblichen ruhm illustriret und geziehret, auch noch täglich in solchem fleisz und geschicklichkeit fortsetzen, und dann hinführo nicht weniger zu thun und zu er- zeigen gehorsambst ehrbiethig seind, auch wohl thun sollen und mögen. Wenn auch über diesses alles wir gnädigl. erwogen die gemeinnutzige sehr angenehme redliche und trewe Dienste, welche unsz und dem heyl. Reich vorgesagter Landgraff Georgens zu Hessen Ld. erzeiget hat und noch erweissen thuet, darumb auch wir Sr. Ld. mit sonderbahren Keys. Gnaden und allem Gutem beharrlich gewogen, geneigt und beygethan seind und bleiben und Sr. Ld. alsz eines rechten Liebhabers aller ehrlichen studien, teutsches löbl. und Fürstliches gemüth so weit erkand haben, dasz Sr. Ld. alle Ihrer universität zu Giessen wiederfahrende guthathen sehr werth achten und Ihro selbst- dardurch gratificieren lassen... So haben wir demnach in ansehung dessen allen, mit wohlbedachtem muth, gutem rath und rechtem wissen aus sonderbahren Keys. Gnaden und selbst eigener bewegnusz oberwähntes unsers in Gott ruhenden herrn Vatters weyl. Keysers Ferdinand des Andern Christmildesten angedenckens Sr. Lb. Juristen-Facultät zu Marburg den 4. Dec. ann. 1630 ertheyltes Keys. Palatinat auff ermelte Juristen-Facultät bey der Universität zu Giessen extendirt und dieselbe in die Ehr und würde unserer Keys. Pfaltz- und Hoffgraffen erhöhet, gewürdiget und gesetzet, auch zu der Gesellschaft, Schaar und Gemeinschafft anderer unserer Comitum Palatinorum zugeeignet, gegleichet, gesellet und zugefügt, er- heben, würdigen und setzen jetztbenannte dieselbe Juristen-Facultät zu Giessen in die Ehre und würde, zueignen, gleichen, gesellen und fügen dieselbe zu der Schaar, Gesellschafft und Gemeinschafft anderer Comitum Palatinorum von Röm. Keysz. Machtvollkommenheit wissentlich und wohlbedächtlich in Crafft diesses Briefs, und meinen, setzen und wollen, dasz nun hinführo die Juristen-Facultät zu Giessen, wie andere Comites Palatini alle und jegliche Privilegia, Gnad, Freyheit, Ehr, Würde, Vortheil, Recht und Gerechtigkeit haben, sich derselben frewen, gebrauchen und geniesen, von recht und gewohnheit, von allermänniglich unverhindert. Wir geben auch hiermit ermelter Juristen-Facultät zu Giessen unszere vollkommene Macht und Gewalt, dass Sie an unserer Statt und in unserem Nahmen, die Persohnen, so sie darzu tauglich und geschickt achten wird(welches wir ihrem gewissen und Bescheidenheit heimbgestelt haben wollen) zu Notarien, öffentlichen Schreibern und Richtern creiren und machen solle, also dasz dieselben offene gemeine Schreiber, Notarien und Richter, durch das heyl. Röm. Reich, auch unser Erbkönigreich, Fürstenthumb und Lande, für solche gehalten, und aller undt jeglicher privilegien, Freyheiten, Gnaden, Ehren, Würden und Vortheylen, auch ihres Ambts allenthalben und in allen gerichtlichen und in andern Handlungen, Contracten, Testamenten, letzten willen und allen andern sachen und Geschäfften Ihr ambt berührend, gebrauchen, treiben, üben und nieszen sollen und mögen, alsz andere gemeine offentliche Schreiber, Publici Notarii genannt, und richter von unsern Vorfahren am heyl. Röm. Reiche oder unserer Keysz. Gewald 30 gemacht und creiret, solches alles haben, gebrauchen, genieszen und üben von recht und gewohnheit un- gehindert allermänniglich. Doch solle gedachte Juristen-Facultät zu Giessen solche Notarien, so Sie jederzeit wegen diesser Begnadigung creiren und machen wird, an unser auch unserer Nachkommen am heyl. Röm. Reiche statt und in derselben und unserm, auch des heyl. Reichs Nahmen in gebührlich gelübd und ayd nehmen, Inmassen ihnen solch gelübd und ayd von solcher ämbder wegen zu thun gebühret, getrewlich und ohne gefährde. Die vorgenante Juristen-Facultät zu Giessen soll und mag auch Mansz- und weibspersohnen, Edel und unedel(allein Fürsten, Graffen und Freyherrngeschlecht ausgenommen) jung und alt, die auszerhalb der heyl. Ehe geboren seind, wie die Nahmen haben, legitimiren und ehelich machen und mit denselben ihrer Macul und Vermailigung der uhnehelichen geburth halben dispensiren, solche unschuldige Macul und Vermailigung von ihnen gäntzlich aufheben, abthuen und vernichten und Sie in die ehr und würde des ehelichen Stands setzen und erheben, also dasz denen sowie obstehet von ihr der Juristen- Facultät zu Giessen geehelichet und legitimiret, solch ihr uneheliche geburth weder inner noch ausser- halb Gerichts noch sonsten in keine andere weisze zu keiner Schmach, Schand, Veracht- oder Verkleinerung fürgehalten, noch Sie alsz wie obgehöhret unschuldige, deren in einigen Händeln oder sachen, geistlich oder weltlichen, entgelten, sondern für Ehelich gehalten und zu allen ehren, würden, bürgerlich- und andern ämbdern, Zunfften, Handwerken und Gesellschaften, wie andere, so von Vatter und mutter recht ehelich geboren seind, angenommen und zugelassen werden und derselben, auch aller und jeglichen Gnaden, Freyheiten, Vortheilen, Rechten, Gerechtigkeiten und guten Gewohnheiten, mit geistlichen und weltlichen, bürgerlichen und andern Lehen und ämbdern zu haben, zu empfahen, anzunehmen und zu tragen, Lehen und all andere gericht und recht zu besitzen. urtheil zu schöpfen und recht zu sprechen, in allen und jeglichen ehrlichen und redlichen Handlungen, Ständten und sachen, und des alles empfänglich, darzu tauglich, passirlich und guth, auch aller erbschafften, es seye durch testament, letzten willen, Do- nation oder ab intestato und in alle andere weege theilhafftig und fähig sein, auch sich dessen alles und jedes sambt und sonderlich frewen, gebrauchen und geniessen sollen und mögen. Doch denen andern ehelichen natürlichen Erben in ab- und aufsteigenden Linien derselben Geschlechte an ihren gebührenden Erbschafften und legitima unvergriffen und unschädlich. Gleichergestalt geben wir auch obbenannter Juristen-Facultät bey der Universität zu Giessen noch ferner unszere vollkommene Macht und Gewalt, Vormündere, Curatores, Vögte und pfleger, so von andern gegeben und gesetzt worden, zu confirmiren, auch selbst zu setzen und zu verordnen, und wiederumb aus redlichen, rechtmässigen ursachen zu entsetzen, auch Söhn und Töchter zu adoptiren und zu arrogiren, und solche adoptirte und arrogirte, auch andere Ehelich und unehelich geborne und legiti- mirte Persohnen zu emancipiren und Sie vätterlichen Gewalts, desgleichen leibeigne Leuthe undt Knechte Ihrer Leibeigenschafft und Dienstbarkeit zu erlassen und zu erledigen, mit den minderjährigen und un- vogtbahren, ihres unvollkommenen alters und Mangel halben, zu dispensiren, Decret und authorität zu interponiren. Weiter die Verleumbder und infamirte Persohnen tam juris quam f wiederumb nach aufgehebder Schmach die ihnen zugefuegt werden mögte, zu übung aller handlung in- und auszerhalb gerichts fähig, tauglich und geschickt machen, alles nach ordnung unszerer Keyszerl. ge- schriebenen Rechten und des Heyl. Röm. Reichs Satzungen und herkommen. Ferner geben wir auch gedachter Juristen-Facultät in der Universität zu Giessen noch weiter unsere vollkommene macht und gewald, dass Sie Poetas Laureatos nach befundener Qualific darzu gehöhriger Geschicklichkeit creiren, machen und denselben lauream concedire acti zu restituiren, Sie auch ation und in könne, solle und möge. Desgleichen thun und geben wir auch offternannter Juristen-Facultät zu Giessen diesse besondere Gnad und Freyheit, dasz Sie ehelichen redlichen Leuthen, die Sie dessen würdig erachten würden(welches ehr und furisten- ausser- — wir dann ihrem gefallen und Bescheidenheit heimbgestellt haben wollen) einem jeden nach seinem Stand und Weesen, Zeichen, wappen undt Kleinoth mit, schild und helmb geben und verleihen, dieselben wappen und lehen-genosz machen, schöpffen und erheben solle, kann undt mag, also dasz alle dieselbe Persohnen, so obgedachte Juristen-Facultät in der Universität zu Giessen, mit wappen, Cleinothen, Schild und Helmb, wie obstehet, begaben und fürsehen würde, auch ihre eheliche Leibserben und derselben Erbens Erben, Mansz- und weibspersohnen, solche Zeichen, Wappen und Cleinoth mit Schild und Helmb für und für in ewigkeit haben, führen und sich deren in allen und jeden ehrlichen und redlichen sachen, Handlungen und geschäfften, zu schimpff und ernst, in stürmen, streitten, Kempffen, gestechen, gefechten, Gemählden, Panieren, Insiegeln, Pettschafften, Cleinodien, Begräbnussen und sonst an allen orthen und enden, nach ihren ehrn nothurfften willen und wohlgefallen gebrauchen, auch darzu alle und jede Gnaden, Freyheiten, Ehr, Würde, Vortheil, recht und Gerechtigkeiten mit Aembdern und Lehen, geistlichen und weltlichen anzunehmen, zu haben, zu empfahen und zu tragen, mit andern unsern und des heyl. Röm. Reichs wappen. Lehen und all andere gericht und recht zu besitzen, urtheil zu schöpffen und Lehens genossen Leuthen, hafftig, würdig, empfänglich und darzu tauglich, schicklich und und recht zu sprechen, auch des alles theil guth sein, in Geist- und weltlichen Ständen und sachen, sich dessen alles freyen, gebrauchen und ge- niesen sollen und mögen, alsz andere unsere und des heyl. Reichs, auch unsere Erbkönigreich, Fürsten- thumb und Lande, Lehens und Wappens genossene Leuthe solches alles haben, von recht oder gewohnheit ungehindert allermänniglichs. Doch solle gedachte Juristen-Facultät ihr fleiszig Aufmerken haben, dasz sie in Crafft diesser unserer Keyszerl. Freyheit und Gnade, unsern Röm. Keys. oder Königl. Adler, auch Fürstenthumb und Lande, wie nicht weniger anderer Fürsten, Graffen oder Freyherrn alt erblich wappen und Oleinoth, auch insonderheit Jemanden, wer der oder die wehren, nicht allein keinen offenen helmb, weder auch eine noch mehr Königl. Cronen auff dem Helmb, im Schild oder ir unsz denn hiermit austrucklich und ernstlich vorbehalten haben andrer unserer Erbkönigreich, sonsten in andere weege(welches W wollen) nicht verleyhe oder gebe. Darzu geben wir der Juristen-Facultät bey der universität zu Giessen noch ferner unse Vollmacht und Gewalt, also und dergestalt, das⸗z Sie von allerhand Privilegien, instrumenten, urkundten, Brieffen und schrifften, wie die Nahmen haben mögten, da Sie von Jemanden derenthalben ersucht werde, ein oder mehr transumpt machen, dieselbe vidimiren, und unter Ihrem auffgetruckten und an- hangenden Siegel authentisiren solle und mögte, welchen transumpten undt vidimusen dann allenthalben inner-ausserhalb gerichts vollkommener Glauben zugestelt werden solle, in allermassen alsz ob Sie von einem Fürsten, Prelaten, Graffen, Freyherrn, Herren, Stattgemeinde Land oder anderm Gerichte vidimirt und authentisirt weren. Den Titul und Nahmen eines Comitis Palatini soll jedesmahl derjenige Professor Juris, welcher Decanus Facultatis Juridicae Gissensis ist, tragen und haben, so lang er Decanus Facultatis sein wird, und also jederzeit der Titul und Nahmen Comitivae dem Decanatui anhangen. Ueber alle vor specificirte previlegia, concessiones et actus sollen von Facultät bey der universität zu Giessen jedesmahls collegialiter exercirt und con ertheilende instrumenta in Nahmen und sub sigillo gesambder Facultät ausgefertiget werden. Wir und unsere Nachkommen am Heyl. Röm. Reich sollen und wollen mehrgedachte Juristen- Facultät zu Giessen, so lang die universität daselbst in weesen und Verfassung verbleibt, bey diessen unsern hievorbeschriebenen Kaiserl. Gnaden, Gaben, Freyheiten und Privilegien steth und festiglich hand- haben, schützen und schirmen, auch darwieder weder wenig noch viel über kurtz oder lang ausgehen laszen, und ob das hiebevor von unszern Vorfahren oder unsz selbst beschehen wehre oder noch inskünfftig aus Vergesz und Unwissenheit beschehe, so soll doch solches alles kein Krafft, Macht und Würkung haben, welches wir auch jetz alsz dann und dann alsz jetz aus Röm. Keyserl. Machtvollkommenheit in Crafft diesses r sondere der gantzen Juristen- ferirt und die darüber Briefs hiermit wohlbedächtlich auffgehebt, cassirt, vernichtet, abgethan und demselben gantz und gar derogirt haben wollen. Und gebiethen darauff allen und jeden Churfürsten, Fürsten, Geistlichen und weltlichen, Prelaten, Grafen, Freyen Herrn, Rittern, Knechten, Landmarschallen, Landshauptleuthen, Land- vögten, Hauptleuthen, Vitzdomben, Vögden, Pflegern, Verweesern, Ambleuthen, Landrichtern, Schultheiszen, Bürgermeistern, Richtern, Räthen, Kündigern der Wappen, Ehrnsolden, Persekanten, Bürgern, Gemeinden und sonst allen andern unsern und des Reichs, auch unserer Erbkönigreich, Fürstenthumb und Lande underthanen und getrewen, in was würden, Stand oder weesen die seind, ernstlich und festiglich mit diessem Brieff und wollen, dass Sie die offternante Juristen-Facultät zu Giessen bey allen obbeschriebenen unsern underschiedlichen Keyserl. Gaben, Gnaden, Privilegien und Freyheiten gäntzlich und in alle weege handhaben, schützen, schirmen, und in solchem allen nicht hindern noch irren, sondern Sie in denen aller und jeder insonderheit obberührter massen ohne einigen eintrag, irrung oder Verhindernusz geruhig undt würklich frewen, gebrauchen, geniessen und gäntzlich darbey bleiben laszen, auch hierwieder nicht an- fechten, betrüben, beleidigen oder beschwehren, noch das andern zu thun gestatten, in kein weisz noch weege, alsz lieb einem jeden sey unser und des Reichs schwehre Ungnad und Straff und darzu ein poen, nemblich Sechzig Marck löttiges Golds zu vermeiden, die ein jeder, so offt er freventlich hierwieder thäte, unsz halb in unser und des Reichs Cammer und den andern halben Theil viel gedachter Juristen-Facultät bey der universität zu Giessen unnachläszlich zu bezahlen verfallen sein solle. Mit urkund dieszes Brieffs besiegelt mit unserm Keyserl. anhangenden insiegl, der geben ist auff unserm Schlosz zu Ebersdorff den 10. Octob. a. 1650. Ferdinand vt. Ferdinant Graff Curtz. ad mandatum etc. Wilhelm Schröder. G. Dietterlin. — 9— N 83 4 2..„—. 3 1 4— — 4 7 4 A— I *.— 2—— 8 G. 4 2——. —— 8 1 —* 8 * 4 — 3 4 1 à—. . 2 8 1„ *. 4— 2.. — 53 3 5 8 4 4*. Ab 4* 7.— 7 7 1 7 3 8 8— 8 8. —* A8.— 5 2. 8—.— 8 8 8-— N 4 8 1— 2 5,. 8 4. 1. 4 1 d. 1.* ⸗ 8 K 5 2 1 . 1.. 3 2 2—- K 2 8— 3 2 1—— 4* 5 — 3 2“ N. — 3 4 1 3 4 8 4 .— 1. 4„— 2 6 1*1. 1 2 1— . 1—— — — /; — y—-—y——— —jjjy— S—* —— Colour& Grey Control Chart ause Blue Cyan Green vellow Hed Magenta Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black a Hessen E 8 L U DEI IU I11 b zum 25. August gewidmet Von Rektor und Senat der Landesuniversität. Dia Altaatan Dninilamian aund Statutan dar Landaviaiana TTTTTTITITIIIIIIIANNWINWNNN heransqoedeahan— Giessen. Louis Wenzel, Buch- und Steindruckerei. 1881.