enontera 4 Unk hek . 20. 2. 31 Konſtitutionelle Jahrbücher. DSo⸗ Herausgegeben von Dr. Karl Weil. 1345. Dritter Vund/ 7./ Stuttgart, be i Adolph Krabbe. 1843. Ueber die roye Ur⸗ En ie Jude 6 A Der fiebe eine Ueber die v. Licht⸗ un 3 Vo Ueber die Dr Krüiiſche erf un Die that Re fül Miszelle Blicke au 9 deutſche x geber. Badiſche 3 Die fürſtli Von eine Ueber die Chishr Belehnung Ueber den Strafpre die Zolke Ruſland: Vneef des Herausg Utber die⸗ tmem N Inhalt dieſes dritten Bandes. Ueber die Folgen der neueſten Ereigniſſe in Serbien für Eu⸗ ropa und für Oeſtreich in's (ehemaligem er Englands in Konſtantinopel). Gegen Bruno Bauer. Urquhart Die Judenfrage. Rieſſer(in Hamburg). Der ſiebente rheiniſche Landtag und die Preßdebatte. Von einem Rheinländer. Ueber Licht⸗ Von Dr. jur. Heinr. Ueber Kritiſche Beleuchtung Studienplans, die politiſchen Strebungen unſerer Zeit. v. Struve, Obergerichts⸗Advokaten in Mannheim. die letzte Seſſion der franzöſiſchen Kammern. Dr. Jakob Weil(in Frankfurt a. M.)... der Prinzipien des neuen Gießener mit beſonderer Seite Beſondere. Von David ſten Botſchafts⸗Sekretär 4—.—. 1 Von Dr. Gabriel Zweiter Artikel. 14 3 1—.. 58 Von Guſtav — 95⁵ und Schattenſeiten des ſchweizeriſchen Staatsrechts. inr. B. Oppenheim in Heidelberg 134 Von 4 165 Rückſicht auf die darüber erſchienenen Schriften der(Herren ⸗Schleiermacher (Aor. und v. Linde. 92 Woae.,)183 Die thatſächlichen Ergebniſſe der in Folge der franzöfiſchen 4ℳ Revolution in der dermaligen Baieriſchen Pfalz einge⸗ führten Inſtitutionen. Von G. Fr. Kolb in Speyer.. 228 Miszellen vom Harz über Hannover..... 251 Blicke auf die gegenwärtige Lage von Europa. Von dem Herausgeber........ 268 Inhalt des erſten Pandes. Deutſche Verhältniſſe. Bon dem Heraus⸗ geber. Badiſche Zuſtände. Von Karl Mathy. Die fürſtlich Thurn und Taxlsſchen Poſten. Von einem unpoſtaliſchen. Ueber die britiſche Konſtitution. Von Th. Chisholme Anſtey. Belehnungen. Von Karl Buchner. Ueber den Entwurf der württembergiſchen Strafprozeß⸗Ordnung. Von S. Schott. Die Zollkongreſſe. Von K. Steinacker. Nußland und die europäiſche Diplomatie. Brief des Herrn D. Urguhart an den Herausgeber. Ueber die Idee des chriſtlichen Staats. Von einem Nicht⸗Hegelianer⸗ des zweiten Zandes. Die Judenfrage. Gegen Bruno Bauer. Von Dr. Gabriel Rieſſer. Der deutſche Strafprozeß. Von Prof. Dr. jur. Reinhold Koſtlin. Die Nitterſchaft und die Neaktions⸗Tenden⸗ zen im Herzogthum Braunſchweig. Bon K. Jürgens. Sächſiſche Zuſtände. Von Dr. Karl Krauſe. Spaniſche Verhältniſſe. Von dem Grafen Campuzano de Rechen. Staatsrechtl. Betrachtungen uüber die Thron⸗ folge in Hannover. Von Dr. jur. H. B. Oppenheim. Georg Hallwachs. Eine Charakteriſtik. Von Berthold Auerbach. Politiſche Miszellen. Von dem Heraus⸗ geber. des ner Her der nnacher ſchen wlederung Dietuſſonen Acbensfrage Klätter, w Vournal Hheitu ng Spalten gei plan durch Knag de Kritiſche Veleuchtung der Prinzipien des neuen Gießener Studienplans, mit beſonderer Rückſicht auf die darüber erſchienenen Schriftchen der Herren Schleiermacher und v. Linde. „— Ihr Guͤter des Vergangnen, Wer ſoll denn die Zukunft bauen? Herwegh. Vorwort. Der großh. heſſiſche Studienplan iſt, ſeitdem die Schleier— macher'ſchen Bemerkungen darüber und die v. Linde'ſche Er⸗ wiederung auf dieſe Bemerkungen die Schranken zu kritiſchen Diskuſſionen über den Gegenſtand eröffnet haben, zur förmlichen Lebensfrage geworden, ſo daß derſelben auch bereits öffentliche Plätter, wie die Kölner Zeitung, das Frankfurter Zournal und die Didaskalia, die Oberrheiniſche geitung und die Mannheimer Abendzeitung, ihre Spalten geöffnet haben. Daß die Diskuſſion über den Studien⸗ plan durch die Schleiermacher'ſche Broſchüre hervorgerufen wurde, nag die Staatsbehörde, von welcher dieſe Maßregel ausging, nicht wenig überraſcht und unangenehm berührt haben. Auch 184 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien Hrn. v. Linde kam es unerwartet, und eine ſolche öffentliche Be⸗ urtheilung iſt ihm, wie aus dem Ton und der Haltung ſeines Schriftchens deutlich genug hervorgeht, ein Dorn im Auge. Der Kampf wird aber vorausſichtlich um ſo nachdrücklicher ge⸗ führt werden, als er ſich hauptſächlich um Prinzipien dreht, die freilich für Gegenwart und Zukunft folgreich genug ſind. Manche Regierungen lieben freilich ſolche Oeffentlichkeit nicht ſehr und wünſchen dergleichen Dinge lieber als dem Gremium ihrer„adminiſtrativen Geſetzgebung“ angehörig betrachtet. Unſere Zeit aber kann dieſe ſo nachdrücklich und ſo vielſeitig hervortre⸗ tende Forderung kaum mehr zurückweiſen; und gar einer Uni⸗ verſität kann die Oeffentlichkeit nur zum Nutzen gereichen, damit dergleichen Anſtalten nicht ihre lebendige Haltung und Friſche verlieren. So mag denn das Wagſtück eines neuen Verſuchs zur Kritik des Studienplans, der ſicher nicht der letzte auf der wiſſenſchaftlichen Arena bleiben wird, hiermit ſich bevorwortet haben.— Was die Linde'ſche Schrift angeht, ſo bietet ſie durchweg gegründete Veranlaſſung zu Ausſtellungen dar, durch den Dualismus, welcher zwiſchen der ausgeſprochenen und der thatſächlich hervortretenden Tendenz derſelben herrſcht. Der Verfaſſer will, nach ſeiner Verſicherung, auf den Boden wiſſenſchaftlicher Kritik treten; ſo hätte er ſich vor allen Dingen von der Zweideutigkeit und Doppelſeitigkeit eman⸗ zipiren müſſen, bei ſeiner Rechtfertigung des Studienplans im⸗ mer wieder auf die miniſterielle Seite deſſelben zu rekurriren, als ob dieſer Punkt nur im Mindeſten ein ſolides Gewicht in der Wagſchale der Beurtheilung abgeben könnte. Handelt es ſich begreiflicher Weiſe bei einem Studienplan um eine reine wiſſenſchaftliche und pädagogiſche Angelegenheit, ſo iſt's dabei ganz gleichgültig, ob und wie weit die Regierung bei der Aus⸗ arbeitung und Veröffentlichung betheiligt war. Zeigt es ſich, daß das zum Grunde gelegte Prinzip und die einzelnen darnach ab— gemeſſenen Beſtimmungen gegen die Kritik nicht Stand halten, ſo kann die Achtung vor demſelben, als vor einer Regierungs⸗ maßregel, die Arbeit vom verdienten Verdammungsurtheil nicht retten. Ja, der Beurtheiler muß ſich ſogar von vorn herein alles Gedankens daran und jeder beſtehenden Rückſicht auf die— ſen Punkt ganz entſchlagen, um ſo viel gerechter und vorur⸗ theilsfreie Regierung widerlich, ſich ſelber trübt hat, lichen Fre der Sache den. Abe und zu w griffe des werden. der Linder matiſchen I. Allg Von keit des Orn. v. den Bew nach ſein dädagogi führung Ue Studie gebotener 6. 1— die Ford Stellung derum Her Reg j er dieſe alle allein be din für den öffentliche Be Haltung ſeines orn im Auge drücklicher ge⸗ einzipien drehl ich genug ſind entlichkeit nich dem Gremiun rachtet. Unſen eitig hervontn gar einer Uni gereichen, dami ng und Fiiſte neuen Verſuch er letzte auf d ſich bevorwortt „ſo bietet ſ gen dar, dund rochenen un ndenz derſelbe rſicherung, Al gFätte er ſ ſich de T elſe tigei emnan tudienplans im in zu rekurrinn lides Gewicht! nte. Handeltt n um eine rei ſo iſts d g bei d der Au 1 g es ſich lnen darnach 1 bt Stand halin ier Arina von hicſi t auf d 6 5 ter 1 ad vorll⸗ z henn des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 185 theilsfreier prüfen zu können. Dieſe ſtete Beziehung auf die Regierungsmaßregel tritt aber in der Schrift äußerſt ſtörend, oft widerlich auf jeder Seite faſt hervor, und wie der Verfaſſer ſich ſelber die Quelle unbefangener Beſprechung dadurch ge⸗ trübt hat, ſo verſchiebt er auch ſeinen Leſern ganz den eigent⸗ lichen Fragpunkt und verpflanzt ſein Raiſonnement auf einen der Sache fremden, wenn auch ihm ſelber ſehr geläufigen Bo⸗ den. Aber eben damit hat der Verfaſſer, ohne es zu wiſſen und zu wollen, ein neues und vollwichtiges Moment zum An— griffe des ganzen Plans dargeboten, worauf wir unten kommen werden. Wenden wir uns jetzt von dieſer mehr formellen Seite der Linde'ſchen Schrift, die zugleich von dem muſterhaften diplo⸗ matiſchen Styl des Herrn Kanzlers Zeugniß gibt, zur Sache ſelbſt. I. Allgemeine und prinzipielle Kritik des Studienplans. Von der Frage über die Zweckmäßigkeit und Nothwendig⸗ keit des Studienplans ausgehend, kommen wir auf den von Hrn. v. Linde verſuchten Beweis derſelben und knüpfen daran den Beweis des Gegentheils, indem wir darthun, daß derſelbe nach ſeiner Entſtehung, nach ſeiner Tendenz und aus praktiſch⸗ pädagogiſcher Rückſicht unfrei und unzeitgemäß, in ſeiner Aus⸗ führung unzweckmäßig iſt. Ueber die Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit des Studienplans, als einer durch die Forderungen der Zeit gebotenen Maßregel der Regierung verbreitet ſich Hr. v. Linde S. 1— 16 ſeiner Schrift weitläufig. Wir haben ſofort auf die Forderungen der Zeit an deutſche Univerſitäten, über die Stellung der Univerſitäten zur Wiſſenſchaft und dieſer hinwie— derum zum Staate und zum Leben näher einzugehen. Herr v. Linde ſpricht von der höhern Intelligenz der Regierung in der betreffenden Angelegenheit. Worin kann dieſe allein, der Natur der Sache und der Vernunft gemäß, allein beſtehen? ſo fragen wir. Der Verfaſſer gibt den Studien⸗ plan für eine wohlerwogene Maßregel der Regierung aus; wir 186 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien fragen: in welchem Falle kann die Maßregel einer konſtitutio⸗ nellen Regierung eine wohlerwogene genannt werden? Der Verfaſſer verſichert, die oberſte Behörde habe damit auch den Forderungen der Zeit gebührend entſprochen; wir fragen: was gehört dazu, um Seitens einer konſtitutionellen Regierung den Forderungen der Zeit heutzutage gebührend zu entſprechen? Die höhere Intelligenz einer Staatsbehörde iſt nicht etwa ſo zu verſtehen, daß dieſelbe von den übrigen Intelligenzen des Staa⸗ tes getrennt, iſolirt für ſich und abſolut erhaben über der all⸗ gemeinen Intelligenz beſtehe, gleich als ob in ihr vorzugsweiſe wie einem Brennpunkte alle Bildungsſtrahlen ſich konzentrirten, oder als ob der gewöhnliche büreaukratiſche Geſchäftsgang der offiziellen Berichte auch nur vorzugsweiſe und ausſchließlich ge— eignet ſey, der Regierung ſofort über Alles das rechte Licht zu geben. Dies anzunehmen, widerſpricht ſo der geſunden Vernunft, wie der Erfahrung; darum hat die konſtitutionelle Staatslehre die behaupete höhere Intelligenz der Regierungen vielmehr in Folgendem beſtimmt. Hat ſich eine Regierung auf dem Grunde der möglichſt innigſten und ſpeziellſten Vertrautheit mit der Sach⸗ lage der beſtehenden Verhältniſſe, Einrichtungen und Zuſtände und mit den Beduͤrfniſſen des Staats im Einzelnen und Gan⸗ zen, auch mit den Zeitbeſtrebungen und Intereſſen, mit den Reſultaten der neueſten Wiſſenſchaft und Philoſophie, mit dem Geſammtwillen derer, die als Repräſentanten der im Staate herrſchenden Bildung angeſehen werden müſſen, bekannt gemacht und Alles dies in ſich aufgenommen, dann— aber auch nur dann— iſt ſie im Beſitze dieſer höhern Intelligenz. Die Weis⸗ heit der konſtitutionellen Regierung ruht auf der Geſammtbildung des ganzen Staats; ſie iſt keine blos ſubjektive, ſondern weiter nichts, als der objektive Spiegel der allgemeinen Intelligenz. Alle Regierungsmaßregeln alſo, welche ſich als auf dem Grunde dieſer höhern Intelligenz der Regierung entſtanden kund geben, können dies nur unter der Vorausſetzung, daß ſie wirklich mit der Geſammtintelligenz des Staates übereinſtimmend erfunden worden. Und was demgemäß eine Regierung, als den Aus⸗ druck und Abdruck des Ganzen, in ſich aufgenommen und zu ihrem Eigenthum gemacht hat, dies— und nur dies— kann ſofort als Regierungsmaßregel zur Ausführung gebracht werden. de Nach d der Faklltäte noch auch di auch nicht d dis ein ähn dieſe der öff den Druck, einer Prom benderſelben ich kein Gr eeyn ſollte, (S. IV.), d ahrung, ol bereit ſeyn. der Bemerk färde gefall feſſezte, liet die ſie wo Jlaubt) in d daß ſie vore and zu deſſe Bruf fühlt einſeitigkeit windige Fo ſips, derer end reife, Fs iſt ein die häͤtte pe Perungsma len Staats Sudienplan fie, inkon rbiſt ſelbſt konſtitutio⸗ erden? Der it auch den ragen: was gierung den entſprechen? etwa ſo zu n des Staa⸗ ber der al⸗ vorzugsweiſe onzentrirten, ftsgang der hließlich ge⸗ chte Licht zu en Vernunſt, Staatslehre vielmehr in dem Grunde nit der Sach⸗ ind Zuſtände en und Gan⸗ n, mit den e, mit dem im Staate unnt gemacht bet auch nur Die Weis⸗ ſanmtbidung ondern weitet n Intelligent ſdem Grunde des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 187 Nach dieſem Prinzip und Maßſtab können die Gutachten zer Fakultäten, da dieſe nicht allein die Intelligenz des Landes, ſoch auch die einzigen kompetenten wiſſenſchaftlichen Richter ſind, guch nicht allein maßgebend für die Regierung ſeyn. Es iſt dies ein ähnlicher Fall, wie bei den Geſetzentwürfen. Werden dieſe der öffentlichen Beurtheilung und kritiſchen Prüfung durch den Druck anheim gegeben, warum ſoll ein Studiengeſetz vor ſtiner Promulgation in Form einer Regierungsmaßregel nicht benderſelben öffentlichen Prüfung unterworfen werden? Es läßt ſich kein Grund finden, warum das Verhältniß ein anderes ſeyn ſollte, ja auch nur könnte. Herr v. Linde verſichert uns (S. IV.), die Regierung werde den Forderungen bewährter Er— fahrung, obgleich ohne Uebereilung, ſtets willig zu begegnen bereit ſeyn. Iſt dies wirklich der Fall, ſo kann man ſich kaum der Bemerkung erwehren, es möge denn doch der oberſten Be⸗ hörde gefallen haben, ehe ſie den Plan beſchloß und als gültig feſtſetzte, lieber vorher dieſen Forderungen bewährter Erfahrung (die ſie wohl nicht nothwendig an's Schwabenalter geknüpft glaubt) in der Weiſe den Weg der Berückſichtigung zu eröffnen, daß ſie vorerſt nur den Entwurf eines Studienplans hätte drucken und zu deſſen Begutachtung alle einladen laſſen, die dazu innern Beruf fühlten. Dadurch würde die Möglichkeit jeder Fakultäten⸗ anſeitigkeit vermieden worden ſeyn. Es war dieß eine noth— wendige Forderung der Vernunft und des konſtitutionellen Prin⸗ gips, deren Verſäumniß ſich in einem Staate, der lebendige und reife, mündige Glieder hat, unausbleiblich rächen mußte. Es iſt ein bedeutender Uebelſtand, daß die öffentliche Kriktik, die hätte vorausgehen ſollen, jetzo nach der Publikation der Re⸗ gierungsmaßregel nachträglich eintritt. Wohl mag es einer höch⸗ ſien Staatsbehörde unerwartet gekommen ſeyn; es darf und kann ſie aber nicht befremden und ungehalten machen, wenn ſie an⸗ ders ihre Stellung im Staale und deſſen Gliedern gegenüber richtig begreift. Auch inſofern gibt ſich die Art der Veröffentlichung des Studienplans durch die Regierung als eine unfreie und über— ſtilte, inkonſtitutionelle Maßregel kund, als es nur der Wiſſen⸗ haft ſelbſt zukommen kann, aber außer aller Kompetenz der Negierungsbehörde liegt, wiſſenſchaftliche Maßregeln zu treffen, 188 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien weil die Regierung keine Akademie, auch keine Geſetzgebungs⸗ behörde, ſondern Adminiſtrativbehörde iſt. Darum muß denn auch, von dem obigen Geſichtspunkte aus, verneint werden, daß die Veröffentlichung dieſes Studienplans in der vorliegenden Weiſe eine wohlerwogene Maßregel zu nennen ſey, denn um auf dieß Prädikat Anſpruch machen zu können, fehlt die Bedingung und Grundlage einer vorausgegangenen öffentlichen und allſeitigen Prüfung des Entwurfs durch wiſſenſchaftlich⸗ kompetente Männer. Und weil eben dieß Letztere von einer kon⸗ ſtitutionellen Regierung nicht vernachläſſigt werden durfte, wenn ſie den Forderungen der Zeit auch in formeller Hinſicht genügen wollte, ſo kann der Studienplan in ſeinem ganzen Erſcheinen auch nicht zeitgemäß genannt werden. Hr. v. Linde freilich hat über das Zeitgemäße des Stu⸗ dienplans weitläufig gehandelt, und ſeine Zweckmäßigkeit durch Gründe und Auktoritäten pädagogiſcher Schriftſteller zu beweiſen geſucht. Es iſt ihm jedoch nicht gelungen. Auktoritäten beweiſen überhaupt nichts, weil im Reiche der Wiſſenſchaft dergleichen nur eine ſubordinirte Bedeutung haben können; ebenſo wenig beweist die Erfahrung, daß an verſchiedenen andern Univerſi⸗ täten ähnliche Regulative beſtänden, Etwas, weil dieß den Irrthum oder Mißgriffe nicht ausſchließt. Der Beweis kann lediglich aus Vernunftgründen geführt werden, und zwar mit Gründen der praktiſchen Vernunft, weil der Gegenſtand ein pädagogiſcher iſt. Was übrigens die von Hrn. v. Linde angeführten Auktoritäten betrifft, ſo ſind's Stimmen von Männern aus den Jahren 1802— 1808. Aber bei dem eminenten Fortſchritte, den die Wiſſenſchaft ſeit dieſer Zeit in allen Disziplinen gemacht hat, und bei der zum Theil prinzipiell veränderten Bedeutung der Wiſ⸗ ſenſchaft in unſerer Zeit, können die Meinungen eines Tittmann, Villers, Wachler von gar keinem maßgebenden Belang ſeyn. Die S. S angezogenen Worte Fr. Schleiermachers aber ent⸗ halten keineswegs das Prinzip eines ſolchen Studiensplanes, ſondern— mit Feſtſtellung der vollſtändigſten akademiſchen Stu— dienfreiheit— ſpricht er nur von einer anfangs zu verſchaffenden Ueberſicht über die betreffenden Disziplinen, alſo von der Ency⸗ klopädie und Methodologie der Wiſſenſchaft, womit der Stu⸗ dienplan nicht identifizirt oder verwechſelt werden kann. Dieſe de aber ſind u ſeiner Fach winrichtung dienplans, Pedantismue Ziele. Betrach Hrn. v. Lin Studienp welche zur; Die erſte A nämlich im ſation der⸗ Auf die im gene Auffe zuſetzenden im Jahre ſey, weil d Einrichtung Verfaſung dieſen Gru unn, daß ſtufrn ha iſt, dieſe halten; je geden, da gefühlt ha ihr lebendi die tiefſte eben nur! mag er nl und wenn unfreiheit dunden h hünge nich dorläufg deiſtäten, de punſ en heſetzgebungs⸗ mn muß denn neint werden, rvorliegenden en ſey, denn en, fehlt die en öffentlichen viſſenſchaftlich⸗ von einer kon— durfte, wenn iſicht genügen zen Erſcheinen aäße des Stu⸗ näßigkeit durc ter zu beweiſtt itäten beweiſe haft dergleichen ebenſo weniz ndern Univerſ— eß den Irtthun mn lediglich aud t Gründen del ndagogiſcher iſt en Auktoritäten ¹s den Jahfen hritte, den die en gemacht han zutung der Wiſ ines Tittmamn en Belang ſehl achers aber ent ztudiensplaleb⸗ gdemiſchen Eu des neuen Gießener Studienplans ꝛe. 189 aber ſind unbeſtreitbar zur Orientirung des Studierenden in ſeiner Fachwiſſenſchaft und zur Anleitung Behufs ſeiner Studien⸗ ſinrichtung weit zweckdienlicher, als das Schema dieſes Stu⸗ jienplans, und ſie führen weit freier von Zufälligkeiten und Pedantismus auf einer lebendigern und ſicherern Bahn zum ziele. Betrachtet man die betreffenden Auseinanderſetzungen des Hrn. v. Linde und ſeine Nachweiſe über die Entſtehung des Studienplans genauer, ſo ſtößt man auf mehrere Punkte, welche zur prinzipiellen Kritik deſſelben Hauptmomente abgeben. Die erſte Anregung zur Aufſtellung eines Studienplans fand nämlich im Jahre 1803 in Folge der damals erfolgten Organi⸗ ſation der Julius⸗Maximilians„Univerſität zu Würzburg Statt. Auf die im Jahre 1805 an die Gießener Landesuniverſität ergan⸗ gene Aufforderung zu gutachtlichen Vorſchlägen über einen feſt⸗ zuſetzenden Lehrplan, berichtete die dafür angeordnete Kommiſſion im Jahre 1807, daß ſie Vorſchläge zu machen außer Stand ſey, weil dieſe ſeither auf katholiſchen Univerſitäten beſtandene Einrichtung für die proteſtantiſchen Univerſitäten bei deren freierer Verfaſſung nicht paſſe. Vergebens zieht Herr v. Linde gegen dieſen Grund zu Felde, und verſucht die Behauptung abzuweh⸗ ren, daß der Studienplan Etwas mit dem Katholizismus zu ſchaffen habe. Man mag Hrn. v. Linde, der ſelber ein Katholik ſt, dieſe Befangenheit im eigenen kirchlichen Prinzip zu gut halten; jenen Kommiſſionsmitgliedern muß man das Zeugniß geben, daß ſie mit feinem Takte den Nerv der Sache heraus⸗ gefühlt haben. Denn daß der freie Geiſt der Wiſſenſchaften und ihr lebendiger Umſchwung durch die Philoſophie weiter nichts als die tiefſte und letzte Konſequenz des Proteſtantismus iſt, kann eben nur der verkennen, welcher außerhalb dieſes Prinzips ſteht, mag er nun wirklich Katholik ſeyn, oder, ohne daß er es weiß, und wenn auch dem Namen nach vielleicht Proteſtant, doch die Unfreiheit des katholiſchen Prinzips re Vera noch nicht über⸗ wunden haben. Wenn Hr. v. Linde meint, der Studienplan hänge nicht mit dem Katholizismus zuſammen, ſo ſey er nur vorlaͤufig daran erinnert, daß die Blüthe unſerer deutſchen Uni⸗ verſitäten, ihre Größe und Bedeutung eben in der Entwicklung des proteſtantiſchen Prinzips, in dem freien proteſtantiſchen Geiſt 190 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien beruht; daß Aufklärung, Denk⸗ und Geiſtesfreiheit, Lehrfreiheit und jegliches Freiheitsſtreben proteſtantiſch iſt, katholiſch und mittelalterlich dagegen die hohe und höchſte Bevormundung der Wiſſenſchaft und die offizielle Studienpolizei; daß es katholiſch⸗ mittelalterlich iſt, zu glauben, daß man die Wiſſeenſchaft wie einen Amanuenſis kontroliren und reguliren könne; daß es katho⸗ liſch⸗mittelalterlich iſt, die Wiſſenſchaft vom Staats- und Kir⸗ chendienſt, und die Zwecke jener von den Zwecken dieſer zu tren⸗ nen, ja nur von der Möglichkeit zu ſprechen, daß durch den proteſtantiſchen Zweck der Univerſitäten die rein wiſſenſchaftliche Tendenz etwas beeinträchtigt werden könnte. Der Rationalismus mit ſeinen Konſequenzen und ſeiner Fortbildung in der Wiſſen⸗ ſchaft— alſo freilich nicht die Röhr'ſche und Bretſchneider'ſche, ſeligen Andenkens in spe— iſt lediglich die Frucht der Refor⸗ mation und die Inkarnation des Proteſtantismus. Nur der pro⸗ teſtantiſche Geiſt ſteht und lebt im Zentrum der Zeitideen; wo ein deutſcher Staat der wahren Viſſenſchaft eine Stätte berei⸗ tet, da geſchieht es aus ächt proteſtantiſchem Sinn. Denn was heißt auch Wiſſenſchaft anders, als Befreiung von jedweder äußern Auktorität und jeder blos herkömmlichen Tradition, die das Licht der Prüfung nicht verträgt?! Ueberall wo die Wiſſen⸗ ſchaft mehr iſt als eine bloße Phraſe, ſondern Wahrheit gewor⸗ den, geſchah es aus dieſer Quelle. Der proteſtantiſche Geiſt, die Philoſophie iſt jetzt das Herzblut und der Lebensodem der lebenden Menſchen, ihrer Wiſſenſchaft und ihres Lebens; die proteſtantiſche Welt⸗ und Lebensanſicht iſt die herrſchende gewor⸗ den, ihr Gegentheil kann nur mit Mühe ihr verſchwindendes Daſeyn noch eine Zeit lang friſten, bis der neue Gott auch end⸗ lich dieſen alten zerſchlägt. Dem Begriffe nach kann überhaupt der Katholizismus, mit ſeinen Konſequenzen, gar nicht mehr wiſſenſchaftlich gerechtfertigt werden, denn ſein Prinzip iſt längſt überwunden und zur puren Inkonſequenz geworden im praktiſchen Leben. Kurz: der Studienplan iſt katholiſch⸗mittel⸗ alterlich, unproteſtantiſch, unfrei. Hr. v. Linde kann dieſe Aufrichtigkeit nicht übel nehmen, da das Geſagte unſere Ueberzeugung iſt, und da die Kritik nicht Perſonen, ſondern nur die Sache und die Grundſätze ächtet. Daß der Herr Verfaſſer vom wahren Proteſtantismus keinen Begriff und keine Vorſtel⸗ d lung hat, täten der, geologiſche ſantiömus, wede äußer Geiſtes. ganz konſe ſich in de obligatoriſch ſih die Re es ſogleich ſeinen Leſe gierung in vorgenomn Statuten direkt dieſ zwiſchen als der ſ überſehen täten und rativen P gehung ſe ſimmen, gierung f in ein it geeift. augenfäll mit, daß tung() anders je hen, da unter der gedeihen don obenl inngezwän ſcherung, Negierun weiß 68 en Lehrfreiheit atholiſch und mundung der es katholiſch⸗ ſſenſchaft wie daß es katho⸗ ts⸗ und Kir⸗ ieſer zu tren⸗ aaß durch den iſſenſchaftliche Kationalismus N der Wiſſen⸗ lſchneider'ſche, ht der Refor⸗ Nur der pro⸗ Zeitideen; wo Stätte berti⸗ . Denn was von jedweder Tradition, die o die Wiſſen⸗ rheit gewor⸗ ntiſche Geiſt hensodem der Lebens; die ſchende gewor⸗ aicwinand Gott tauch end⸗ unn überhaut ar nicht t meht inzip iſt lngſ in prati ttichen mittel⸗ 19 limde Geſagte unſeit , ute nur Herr Vetfaſſe keine Vuſi des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 191 lung hat, geht auch aus der Stelle hervor, wo er von Auktori⸗ täten der evangeliſchen Geiſtlichkeit ſpricht, die beim proteſtantiſch⸗ theologiſchen Studienplan noch mitgewirkt hätten. Denn der Prote⸗ ſtantismus, ſeinem Weſen und innerſten Prinzip nach, negirt jed⸗ wede äußere Auktorität, und iſt die autonomiſche Stellung des Geiſtes. Auf des Hrn. v. Linde Standpunkte iſt jenes freilich ganz konſequent; denn daſſelbe äußerliche Auktoritätsrecht macht ſich in dem ganzen offiziellen Plane, mit ſeinen normativen, obligatoriſchen und regulativen Studienvorſchriften, zu denen ſich die Regierung entſchloſſen, geltend. Und ſo erkennt man es ſogleich für das, was es wirklich iſt, wenn Hr. v. Linde ſeinen Leſern deduzirt, mit dem Studienplan habe die Re⸗ gierung im Gebiete der akademiſchen Studien nichts Neues vorgenommen, indem überall die Univerſitäts⸗ und Fakultäts⸗ Statuten mit der Beſtimmung des Zyklus der Vorleſungen in⸗ direkt dieſelbe Maßregel in Anwendung brächte. Freilich beſteht zwiſchen beiden Verhältniſſen durchaus weiter kein Unterſchied, als der ſehr weſentliche und eminente, welchen Hr. v. Linde überſehen hat, daß nämlich in dieſem letzten Falle die Univerſi⸗ täten und Fakultäten in der Sphäre ihrer eignen, freien, korpo⸗ rativen Verfaſſungsrechte und ihrer eignen ſelbſtändigen Geſetz⸗ gebung ſich bewegen, wenn ſie den Zyklus der Vorleſungen be⸗ ſtimmen, während in jenem erſten Falle, wo Aehnliches die Re⸗ gierung feſtſetzt, dieſe als äußere höhere Macht und Auktorität in ein ihrem Kompetenzkreiſe fremdes Gebiet willkürlich über⸗ greift. Und mehr braucht's nicht, um dem geſunden Sinne augenfällig zu machen, daß dies res novae genug ſind. Da⸗ mit, daß der Studienplan als eine der adminiſtrativen Geſetzge⸗ bung(!) angehörende Maßregel bezeichnet wird, iſt— wenn anders jene Worte nicht bloße Floskeln ſeyn ſollen— ausgeſpro⸗ chen, daß die Wiſſenſchaft und ihr Studium, Dinge, die nur unter dem reinen Aether geiſtiger Freiheit freudig blühen und gedeihen können, in die enge Abgeſchloſſenheit und Begränzung von obenher gezogener Schranken, einer geiſtigen Bevormundung eingezwängt worden ſind! Das iſt für Tertianer, trotz der Ver⸗ ſicherung, daß ſchulmäßiger Zwang nicht in der Intention der Regierung liege. Wen rührt nicht ſolche Gnade? Aber man weiß es zur Genüge; in geiſtlichen Stiftern, Seminarien, wie 19² Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien in den Kollegien der Jeſuiten wird die wiſſenſchaftliche Bildung in ganz ähnlicher Weiſe getrieben, nach beſtimmter Vorſchrift geleitet und militäriſch beaufſichtigt. Man könnte aus den Wor⸗ ten„adminiſtrative Geſetzgebung“ eine harte Anklage gegen eine Staatsregierung, als deren Patron Herr v. Linde aufgetreten iſt, deduziren. Der Studienplan ſoll ein Geſetz ſeyn. Seit wann darf eine verwaltende Behörde ſo ex improviso Geſetze geben? Und was für ein Geſetz iſt es? Eine Maßregel geiſtiger Polizei, eine geiſtige Sanitätsverfügung. Und es fehlt nun nur noch, daß ſofort auch ein Studienpolizeidiener fungirt. Nach der An⸗ ſicht des Hrn. v. Linde beſteht zwar das eigenthümliche Sachver⸗ hältniß bei der Stellung der Regierung zur Wiſſenſchaft eben darin, daß jene dieſer offizielle Vorſchriften geben könne, ja müſſe(S. 20. 21). Aber das ändert die obige Anklage nicht; denn dieſe Anſicht von der Wiſſeenſchaft iſt die katholiſch⸗mittel⸗ alterliche, wonach ſich der Staat zur Wiſſenſchaft gerade ſo ver⸗ hält, wie die Hierarchie zur Scholaſtik. Wir werden ſpäter ſehen, daß es dermalen in der Welt nachgerade etwas anders geworden iſt. Der Sachwalter des Studienplans ſagt S. 17:„der vor⸗ liegende Studienplan ſollte keineswegs aus dem Geſichtspunkte abſoluter Idealität entworfen werden, ſondern für's Erſte nur als das Reſultat eines analitiſchen Aufbau's gelten, um in der Folge auf dem Grunde angemeſſener poſitiver Erfahrungen einen mehr ideell und ſynthetiſch entworfenen Umbau vorzunehmen.“ Abgeſehen davon, daß das Prinzip einer ſolchen Experimen⸗ talpädagogik ebenfalls mehr dem geiſtlichen Rekrutenſyſtem in den Probehäuſern der Geſellſchaft Jeſu, als dem Studien⸗ ideal einer freien proteſtantiſchen universitas literarum ange⸗ meſſen erſcheint: abgeſehen hiervon iſt auch mit einem ſolchen Wiedereinlenken, nachdem einmal der Studienplan als pädago⸗ giſche Regierungsmaßregel in die Welt geſchickt worden, der Fehler der Uebereilung keineswegs wieder gut gemacht. Eben ſo wenig iſt damit irgend etwas Solides erreicht. Soll doch das Ideal immer mehr erreicht werden, ſo wird ein ſolcher Umbau bei dem nie aufhörenden Fortſchritte der Wiſſenſchaft auf dem Grunde eben darum auch niemals beſchloſſener Erfahrungen in Einem fort von Neuem vorgenommen werden müſſen. So d wvird's in i ſchaft unbe, tgegenvärtg Luſttum nic Fkanden wer diſche und n einen weit! Müöge zur tiemalé die eintreffen,! chere Studi In den nung der piicht, wir ſeſtehenden ben das F⸗ unmer vom viſenſchft! huer urſpri Wiſenſcheft Staates, po und verſce! uter Beſchr ſefihden i jerſchert, ſewährt un eiſt der? ücken: ſo Sgrifſtele zudaunt iſt ds 5 uilcher ge 3 hu Butt, ſes Staat daſ Jaht. 1 ſche Bildung er Vorſchrift is den Wor⸗ e gegen eine nfgetreten iſt Seit wann ſeſſeze geben? diger Polizei, un nur noch, Nach der An⸗ iche Sachver⸗ ſenſchaft eben n könne, ja inklage nicht; oliſch⸗mittel herade ſo ver⸗ verden ſpätet etwas anders 7:„der vol⸗ Geſcchtpunkte vs Erſte nur , um in der rungen einen orzunchmen.“ Eryerinen⸗ Rekruteniöſtem dem Studien⸗ des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 193 wird's in infinitum gehen müſſen, weil Erfahrung und Wiſſen⸗ ſchaft unbegränzt ſind, und ein Studienplan, der für dieſes zegenwärtige Dezennium beſtimmt wäre, vielleicht dem nächſten luſtrum nicht mehr genügen könnte. Aber wenn dies zuge⸗ fanden werden muß, ſorgt dann nicht die jezeitige enzyklopä⸗ ziſche und methodologiſche Vorleſung einer jeden Wiſſenſchaft für enen weit beſſern, weil zeitgemäßern, lebendigen Studienplan? Möge zur Ehre der Univerſität Gießen und der Viſſenſchaft niemals die von dem Hrn. v. Linde(S. 17) geſtellte Prognoſe eintreffen, daß nämlich ſpäter noch entſchiedenere, noch ſklavi⸗ ſchere Studiennormen eintreten ſollten! In den Stellen, wo Hr. v. Linde von der heutigen Beſtim⸗ mung der Univerſitäten und deren Stellung zum Staate ſpricht, wird die Univerſität zur Handlangerin und Magd des beſtehenden Staates herabgewürdigt, und doch dabei— das iſt eben das Feine und Eigenthümliche der Linde'ſchen Broſchüre— immer vom ſelbſtſtändigen Werthe der Wiſſenſchaft, von voller wiſſenſchaftlicher Bedeutung, von Fortentwicklung der Univerſitäten ihrer urſprünglichen Beſtimmung gemäß, vom Verhältniß der Viſſenſchaft zum Leben, der Philoſophie zu den Intereſſen des Staates, vom Standpunkt wahrhaft freier Betrachtung geſprochen und verſichert, daß die Regierung weit entſernt ſey, die Philoſophie unter Beſchränkungen zu ſetzen, welche die Viſſenſchaft ſelbſt gefährden könnten. Aber das Alles iſt blos in abstracto werſichert, daß man es auf Treu' und Glauben hinnehme; bewährt und bewieſen iſt's gar nicht. Man ſpekulirt auf den Geiſt der Wiſſenſchaft, um dieſelbe zu bekämpfen und zu unter⸗ drücken: ſo iſt unſere Zeit und ihr unfreier Standpunkt, daß ſo viele Schriftſteller ſich in einer Sache unwillkürlich hineinreden, und am Ende ſelber glauben, was ſie geſagt haben. Der Begriff der Wiſſenſchaft iſt hier als ein ſehr niedriger und beſchränkter, und von einem durchaus unfreien befangenen Standpunkte aufgefaßt. Der Staat verlangt, nach dem Bekennt⸗ uſſe des Hrn. v. Linde, blos eine Menge nothwendiger und nitzlicher Kenntniſſe; darin beſtehen die Forderungen des Examens an die Butter⸗ und Brodſtudenten, darin die Befähigung derſelben fr's Staats⸗ oder Kirchenamt. Die wahre Viſeenſchaft wird Konſt. Jahrb. I. 3. 13 194 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien von der Befähigung für die Aemter getrennt, und doch wieder von ächt wiſſenſchaftlichem Geiſt der Kirchen- und Staatsdiener geſprochen. Werde Jemand aus ſolchem Chaos ſich widerſpre⸗ chender und gegenſeitig aufhebender Behauptungen und Meinungen klar, ſo wollen wir gern bei ihm in die Schule gehen. Bis dahin aber ſey uns vergönnt, der beſcheidenen Ueberzeugung zu leben, daß die Menge von Kenntniſſen noch nicht die Wiſſen⸗ ſchaft macht, die eine viel höhere Göttin iſt. Nach der Meinung und dem Geſichtspunkte des Hrn. v. Linde ſteht die Staatsbe⸗ hörde oben an, und ſchaut von ihrem Thronhimmel herab in das Weltgetümmel der Wiſſenſchaft und des Lebens, welches letztere die Staatsbehörde durch ihre Staats⸗ und Kirchendiener, die auf der Univerſität nach dem Lehrplan in der Schule waren, am Seile gehen, ſich bewegen und agiren läßt, je nach ihrer Anſicht und ihrem ſubjektiven Belieben. Der Staat kontrollirt die Wiſſen⸗ ſchaft, die den künftigen Staats- und Kirchendienern bei Leibe nichts lehren darf, was dem Staate nicht in ſein Syſtem taugt. (In Gießen iſt das ohnedem nicht zu befürchten!) Aber von dieſem unwürdigen Standpunkte aus vergißt man ganz, daß die Wiſſenſchaft uichts Stereotypes, Fixes, Fertiges und Stabiles iſt, ſondern in einem beſtändigen, nothwendigen und weſentlichen Fortſchritte begriffen. Unter dem Einfluſſe der fortſchreitenden Wiſſenſchaft muß auch die Staatsbehörde ſtehen, darf ſich von den jezeitigen Reſultaten der Wiſſenſchaft nicht emanzipiren wollen, ſondern muß derſelben recht Gelegenheit geben, auch auf ſie mit der neuen Bildung zu influiren. Der Staat kann der Wiſſen⸗ ſchaft inicht vorſchreiben, wie dieſelbe die Staatsidee zu bilden und zu entwickeln habe, da ja die Staatsbehörde ſelbſt der Wiſſenſchaft unterthan iſt. Jene von Hrn. v. Linde vertheidigte Anſicht iſt alſo eine gänzliche Umkehrung des einzig natürlichen und vernünftigen Verhältniſſes zwiſchen Wiſſenſchaft und Staat. Die wahre Wiſſenſchaft iſt von der Auktorität des Staats und von deſſen ſubjektiven Zwecken, von den Rückſichten der Praxis frei; denn ſie iſt es vielmehr, welche die Aufgabe des Staates ſelber erſt rationell entwickelt, und die gewonnenen Reſultate dem Staate!! ſofort überliefert, damit dieſer ſie dann in die Praxis einführe. Vom Leben und deſſen praktiſchen Beſtrebungen kann die Wiſ⸗ des snſchaft eben Handwerk de erwerbs herc Wiſenſchft durchdringen deig; ſie ſo ſährend von inglichkeit umbilden un Viſſenſchaft, ißt ſcch nichts luttoritätsgl fücher zum ſei Munde ſingt, als haft(heiße kaltorität, ſe als Wer heiſt und und des ger ekehtt das Uegeſproche und der Wal henn auch Diſenſchaft erfaſſung edrungen. Tiſenſchaft dlichen 39 itiem eigen eeicn eines duußſtab leier der a teſſ, die e geword ſſen muß. genſo jen des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 195 d dec wieder ſenſchaft eben ſo wenig abhängig ſeyn, ohne zum Werkzeug und Staatsdiener Handwerk derſelben, zum leidigen Dienſte des Nutzens und Brod⸗ ſch widerſpie awerbs herabzuſinken; im Gegentheil ſollen die Reſultate der nd Meinungen Piſſenſchaft alle Poren und Verhältniſſe des Lebens ſofort e gehen. Jis dorchdringen, wie ein Sauerteig mit ſeiner Kraft den übrigen berzeugung zu Teig; ſie ſoll das Leben erſt geſtalten, gründen, und es fort⸗ ci die Wiſſer, während von Stufe zu Stufe über die Beſchränktheit und Unzu— der Meinung länglichkeit erheben, ſoll Staat und Volk von Innen heraus die Staatsbe umbilden und regeneriren. Dies iſt die würdige Aufgabe der el herab in das Wiſſenſchaft, ſoll dieſelbe anders keine Phraſe ſeyn, und hiegegen welches letzter lißt ſich nichts Begründetes und nichts Geoffenbartes einwenden. Für ddiener, die auf Auktoritätsgläubige ſtehe hier eine Stelle der deutſchen Jahr⸗ le waren, an hücher zum Zeugniß, wie die Stimme freier Wiſſenſchaft aus ch ihrer Anſich dem Munde eines philoſophiſch gebildeten Mannes ganz anders Uirt die Wiſſen kingt, als die Auktoritäten des Hrn. von Linde.„Die Wiſſen⸗ enern bei Leihe ſchaft(heißen dte Worte) iſt überall zu befreien von der fremden Syſtem taugt Auktorität, welchen Namen ſie auch führt, von der Praxis, der en!) Aber von ſie als Werkzeug dienen ſoll, und von der Vorausſetzung, daß nan ganz, daß Geiſt und Kenntniß nur für den Dienſt des gemeinen Lebens es und Stabiles und des gemeinen Bedürfniſſes zuzurichten ſeyen, während um⸗ und weſentlichen gkkehrt das Leben nicht nur dem Erfolge, ſondern auch dem fortſchreitenda ausgeſprochenen Prinzipe nach unter die Herrſchaft des Geiſtes darf ſich vof und der Wahrheit geſtellt werden muß. In der Literatur exiſtirt, nipiren wollen wenn auch verfolgt und verketzert, dieſe freie autonomiſtiſche uch auf ſie mü Wiſſenſchaft; die Literatur ſelbſt aber iſt noch nicht der Polizei⸗ un der Wiſſen verfaſſung entwachſen, und zur ethiſchen Autonomie hindurch tsidee zu bilden gedrungen..... Allerdings fehlt es aber auch bis jetzt der ärde ſelbſt de Wiſſenſchaft, die frei von allen Rückſichten der Praxis und den 1 endlichen Zwecken des Staats iſt, an aller Konzentration, an iß alſo ein einem eigenen Wohnſitz und an der freien Anerkennung von ad vernünftigel Seiten eines freien Staats.“ An dieſen wahrhaft großartigen 1d Die wahr Maaßſtab gehalten, ſind die Linde'ſchen Reflexionen nur der d von deſſn Refler der ganz gewöhnlichen, unwiſſenſchaftlichen Betrachtungs⸗ 1) freiz denn wriſe, die über dieſes Verhältniß unter der Menge gang und ari beber ert gebe geworden, die aber eine höhere Anſchauung ganz hinter ſich ates ſe i den Staate liſen muß... 1 ie z einführt Ebenſo entbehrt das, was er über das Verhältniß der Philo⸗ Pra„. 7 di 1 13 3⁵ kann die Vff. 196 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien ſophie zum Poſitiven ſagt, der wahren rationalen, philo⸗ ſophiſchen Begründung. Hr. v. Linde ſetzt das ganze Verdienſt der Philoſophie für die poſitiven Wiſſenſchaften in die Methode, das ſ. g. philoſophiſche Verfahren, was aber weiter nichts iſt, als der alte, längſt überwundene, abſtrakte Standpunkt der bloßen Reflexion. Inſofern ſteht der Verf. auch vollſtändig im Einklang mit der dem ganzen Studienplan zu Grunde liegenden Anſicht über die Philoſophie und ihre Berührung mit den einzelnen Studiendisziplinen, wo ebenfalls— wie ſich ſpäter zeigen wird— nur die formelle, nicht aber die weit wichtigere innere und mate⸗ rielle Bedeutung der Philoſophie anerkannt iſt. Und doch iſts die Philoſophie, welche den Begriff und die Aufgabe der einzel⸗ nen wiſſenſchaftlichen Disziplinen erſt bildet, die Idee des Staats, des Rechts u. ſ. w. entwickelt, den Wiſſenſchaften ihr Leben und Beſtehen ſichert, jeden wahren Fortſchritt bedingt und möglich macht; ſie iſt's, welche dieſelben erneuert und umgeſtaltet, den verbrauchten Ballaſt und unnützes todtes Material ausſcheidet, und unter die Antiquitäten und Alterthümer, als in ſeine eigent⸗ liche Heimat, verweist. Darum kann keine Wiſſenſchaft heutzutage mehr als ſolche gelten, welche nicht die Philoſophie in ſich aufge⸗ nommen, und auf dem eigenen Grund und Boden das Feld zur Herrſchaft eingeräumt hat. Welche Veränderungen und Um⸗ geſtaltungen ſtehen— um von den theologiſchen Wiſſenſchaften ganz zu ſchweigen— z. B. der Rechtswiſſenſchaft, durch die Aufnahme der Philoſophie in ihre Kreiſe, bevor; Veränderungen, von denen ſich freilich manche Juriſtenfakultät, die in eitlem banauſiſchen Treiben und in vergeblichem Verſuche zur Bewäl⸗ tigung des gelehrten Augiaswuſtes ihr vegetatives Deſeyn hinzieht, keine Vorſtellung machen kann. Aber der Zukunft liegt hier ein weites, unbegränztes Gebiet offen. Aehnlich verhält es ſich mit der politiſchen Oekonomie und Staatswirthſchaft, Materien und Disziplinen, in welche der freie Geiſt der Gegenwart noch lange nicht mit ſiegreichem Erfolge eingedrungen iſt. Vielmehr ſind hier Werke, die auf dieſem Felde Epoche machten, und dem Fortſchritte die Bahn zu öffnen ſuchten, außerhalb der Fakul⸗ täten entſtanden, weil den neuen ſozialen Theorien der Staal vor der Hand noch, gleichwie den Ketzereien die alte Mutter Kirche, das Heimaths⸗ und Anſiedlungsrecht verweigert hat. Ich rede de nicht von der der ſozialiſt ſondern von wenige gefu Bukunft(ſch ſazu berufer Wir k ſienfreih⸗ ſer Schleier dlan beeintr Beſtimmung ſas punctu nan unter her Folge Zeit in Al Studirender Plan in all ftung enthi Andere iſt das dort( and ganzen kann, was die angefüt daß in der den Vorle⸗ dienplan! die Aſpira Zwang S Studienfre daß die fü nachläſſig Hr. v. Li dm offenſt wie ein. Wſſenſchaf nan doch timm jin haben ſak ien iionalen, phib ganze Verdienſ die Methode eiter nichts iſ unkt der bloßen ig im Einklang egenden Anſcch den einzelnn zeigen wird- nere und mate Und doch iſt gabe der einze dee des Staate n ihr Leben un att und mögli umgeſtaltet, d rial ausſcheide in ſeine eigen ſchaft heutzutgn iie in ſich aufge Boden das E ungen und Um Wiſeenſchaffe haft, durch d' Veränderungel „di in eitlen Bewi des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 197 nicht von den geilen Auswüchſen und einſeitigen Ueberſchreitungen der ſozialiſtiſchen und kommuniſtiſchen Ideen und Theorien, undern von der Wahrheit des Prinzips, welches der Pfleger erſt wenige gefunden hat. Doch manum de tabula! Das Heil der zukunft(ſcheint es) kommt hier nicht von denen, die zunächſt dazu berufen waren. Wir kommen nun zu dem, was Hr. v. Linde über Stu⸗ dienfreiheit ſagt, in Erwiederung auf die Schlußbemerkung der Schleiermacher'ſchen Schrift, wornach jene durch den Studien⸗ Man beeinträchtigt gehalten wird. Hr. v. Linde geht bei ſeiner Beſtimmung deſſen, was er unter Studienfreiheit verſteht, um das punctum saliens herum, indem er ſagt(S. 27):»Will man unter Anderm darunter verſtehen, daß Methode, Wahl der Folge der Vorleſungen und der Lehrer, Anwendung der zeit in Abſicht auf Privatſtudien, dem freien Ermeſſen der Studirenden überlaſſen bleibt; ſo wüßten wir nicht, daß unſer Plan in allen dieſen Hinſichten irgend eine weſentliche(!) Beſchrän⸗ kung enthielte.“ Eben dies von Hrn. v. Linde übergangene Andere iſt hier gerade Hauptſache, die nicht zu verſtecken war; das dort Genannte dagegen nur die Folge der wahren, vollen und ganzen Studienfreiheit, gemäß welcher der Studirende hören knn, was und wo und wie er will. In den unmittelbar auf die angeführte Stelle folgenden Worten wird ausdrücklich erklärt, daß in der Angabe der für's Examen unerläßlich zu beſuchen⸗ den Vorleſungen— ſie ſind bei jedem einzelnen Fakultätsſtu⸗ dienplan unter der III. Abth. aufgeführt— für die Inländer, die Aſpiranten zum Kirchen⸗ und Staatsdienſt ſind, allerdings zwang Statt finden ſolle, weil für dieſe eine Beſchränkung der Studienfreiheit nothwendig ſey, wenn man nicht fuͤrchten wolle, daß die künftigen Staatsdiener in ihren Fächern ſich unklug und nachläſſig vorbereiteten, und in Dünkel und Vielwiſſerei verfielen. Hr. v. Linde hätte das breit drucken laſſen ſollen, weil er hier am offenſten ſeine Geſinnung ausſpricht; aber unbegreiflich iſt, wie ein Mann, wie Herr v. Linde, der doch Anſprüche auf Wiſſenſchaft macht, ſich ſolche Blößen geben kann. Aber habe man doch nur den Muth, konſequent zu ſeyn. Die Prüfungen bieten hinlängliche Gewähr für tüchtige Staatsdiener; denn ſie haben ja keinen andern Zweck, als eben den, daß der Staat 198 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien bei den Aſpiranten zum Staats-⸗ und Kirchendienſt ſich der erlangten Berufskenntniſſe verſichert. Ja, wir können noch weiter gehen! Konſequenter Weiſe hat dieſen Zweck nur das Staats⸗ examen oder die Definitorialprüfung, die vor'm Eintritt in den Staats⸗ und Kirchendienſt, unter den Augen der Behörden gemacht wird. Dagegen die Fakultätsprüfung hat eben nur den Zweck, im Intereſſe der Wiſſenſchaft ſich von den Früchten der Fakultätsſtudien zu überzeugen, auf das Praktiſche, auf die Beziehung zum Leben hat ſie ſich ſtreng genommen, nicht einzulaſſen, denn dies greift in die Späre der Staatsprüfung über. Zudem fällt ja, eben aus dieſer Rückſicht, zwiſchen beide Prüfungen der praktiſche Kurſus, der in den Akzeßanſtalten, philologiſchen und theologiſchen Seminarien gemacht wird, und der den ausſchließlichen Zweck hat, die Vermittelung der Theorie mit der Praxis anzubahnen. So bleibt dann, nach vernünftiger Konſequenz, für die Univerſitätsſtudien nur der rein wiſſenſchaft⸗ liche Zweck übrig, bei welchem es unberückſichtigt bleiben muß und bleibt, ob der Studirende in den Staats- und Kirchendienſt treten will oder nicht. Iſt eine tüchtige wiſſenſchaftliche Bildung, auch ohne alle Berufsrückſicht, erſtrebt worden, ſo iſt dies in jedem Falle auch ſpäter die beſte, ja allein wahre Vorbereitung für den Staatsdienſt. Die Rückſicht auf den letztern darf aber von vorn herein keinen beſtimmenden Einfluß auf das Studium der Wiſſenſchaft haben, wenn anders dadurch nicht der Verdacht einer Bevormundung derſelben von Seiten des Staates entſtehen ſoll. Denn die Viſeenſchaft iſt die lebendige Mutter, welche Männer bildet, die dem Staate dienen werden, keineswegs aber dieſelben im Sinne und nach Vorſchrift einer vielleicht einſeitigen, willkürlichen Theorie oder nach einſeitigen Wünſchen irgend einer Staatsregierung abzurichten oder zuzuſtutzen hat. Die II. Hauptüberſicht in einem jeden Fakultätsſtudienplan gibt die zweckmäßigſte Reihenfolge der zu hörenden Vor⸗ leſungen an. Hier müſſen ſich aber in der Anwendung man— cherlei Inkonvenienzen und Schwierigkeiten ergeben, weil nicht jede Disziplin in jedem Semeſter geleſen wird, und doch in jedem eine Anzahl Studierender in jede Fakultät eintritt, alſo die wenigſten derſelben die angegebene Reihenfolge einhalten können und alsdann ſich doch einen andern Studienplan ſetzen d müfen. J eiwaigen, Abweichun trefeenden methodolog yerde. C diftkationen Beſtimmun erachtet wi häufiger w es müßten geleſen we höchſtens Hälfte der Warum al Reihenfol Vorträͤgel trägen vo ſclägen machen, benen en werden ka nicht die! der ihm wegen ke auf die daß der trauen ſe den aiade aber leid nöthig ge die kein Ennſte ein uügliche dr Studit lann und Dnten ſſt aber g dien dienſt ſich der nen noch weiter ar das Staats⸗ Eintritt in den der Behörden hat eben nun n den Früchten ktiſche, auf die nommen, nich Staatsprüfung zwiſchen beide Akzeßanſtalten icht wird, und ing der Theorit ih vernünftiget tein wiſfenſchaft gt bleiben muß nd Kirchendien ftliche Bildung, ſo iſt dies in e Vorbereitung tern darf aben das Studium tt der Verdach laates entſtehen Mutter, welch feineswegs abe eicht einſeiigen hen irgend eins . dlätsſtudienpla zrenden Vor⸗ nwendung man des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 199 müſſen. Der Studienplan beſtimmt nun zwar, daß über dieſe etwaigen, unter beſonderen Verhältniſſen angemeſſen erſcheinenden Abweichungen von der angegebenen Reihenfolge, von den be⸗ treffenden Dozenten jedes Fachs in den enzyklopädiſchen und methodologiſchen Vorträgen, Anleitung und Belehrung ertheilt werde. Es iſt aber kein Grund abzuſehen, warum dieſe Mo⸗ difikationen den Dozenten überlaſſen bleibe ſollen und doch die Beſtimmung der Reihenfolge im Allgemeinen für nothwendig erachtet wird, zumal da eben dieſe Abweichungen vorausſichtlich häufiger werden eintreten müſſen, als die Befolgung der Regel; es müßten in jedem Triennium jede Disziplin auch ſechsmal geleſen werden, während dieß doch im Durchſchnitt nur zwei, höchſtens drei Mal Statt findet in drei Jahren. So wird die Hälfte der Studierenden ſich an die Abweichungen halten müſſen. Warum alſo nicht lieber Alles frei geben und die ganze Wahl der Reihenfolge der Studien der eignen, aus den methodologiſchen Vorträgen zu gewinnenden Einſicht und den in eben dieſen Vor⸗ trägen von den Dozenten zu ertheilenden, lebendigen Rath⸗ ſchlägen und Winken überlaſſen! Wollte man dagegen geltend machen, daß ein ſolcher Leitfaden, welcher in den vorgeſchrie— benen enzyklopädiſch⸗ methodologiſchen Vorleſungen dargeboten werden kann, doch immer nur die individuelle Anſicht des Lehrers, nicht die des Staats ſey, ſo verdiente ein ſolcher Einwand wegen der ihm anklebenden Unfreiheit und Engherzigkeit von Rechts⸗ wegen keine Berückſichtigung. Aber es darf nur geradewegs auf die Bemerkung des Herrn v. Linde hingewieſen werden, daß der Staat den von ihm berufenen Dozenten ſo viel Ver⸗ trauen ſchuldig iſt, wenn überhaupt etwas Erſprießliches von den akademiſchen Studien erwartet und erzielt werden ſoll. Daß aber leider jene Vorleſungen von den Studierenden oft für un— nöthig gehalten werden, oder daß ſte in einer Weiſe ſtatt finden, die kein allgemeines Zutrauen erwecken könne, kann kaum im Ernſte eingewendet werden, da Mittelmäßigkeit oder ſonſt Un⸗ tauglichkeit weder von Seiten der Dozenten, noch von Seiten der Studirenden als Norm und Vorausſetzung angenommen werden kann und der Studienplan kein Gemälde und Spiegelbild ſchlechter Dozenten und ſchlechter Studenten ſeyn will und ſoll. Uns iſt aber aus eigener Erfahrung bekannt, daß ſolche Vorträge 200 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien deßhalb nicht beſucht werden, weil die Maſſe der andern als unerläßlich ausgegebenen Kollegien Zeit- und Geldmittel der Studirenden ſchon übermäßig in Anſpruch nahmen. In der, unter dem III. Hauptabſchnitte enthaltenen Haupt⸗ beſtimmung betreffs derjenigen Vorleſungen, deren fleißiger Beſuch Vorausſetzung der Zulaſſung zur Prüfung iſt, tritt das unfreie Prinzip des Ganzen, in Geſtalt des abſoluten Hörzwangs, am offenſten zu Tage. Zugleich können ſich hier auch die Blößen der Inkonſequenz und bloßer Aeußerlichkeit ſchlecht verbergen. Der fleißige Beſuch beſtimmter Vorleſungen iſt nach dieſem Geſetze Bedingung der Zulaſſung zur Prüfung. Der Zweck einer Prüfung kann doch offenbar nur der ſeyn, ſich der er⸗ langten Kenntniſſe zu verſichern, und nur die Ueberzeugung von dem Mangel dieſer Kenntniſſe kann ein gültiges Motiv zur Aus⸗ ſchließung von der Prüfung ſeyn. Der Staatsregierung, wie den Prüfenden kann und muß es aber einerlei ſeyn, wo und wie und wann dieſe Kenntniſſe erworben worden; genug, wenn ſie nur da ſind. Die Prüfenden mögen um ſo ſchärfer prüfen, wenn irgend eine Vorleſung nicht gehört worden; keineswegs aber können ſie und die Regierung ſich berechtigt halten, auf den Nichtbeſuch oder das Nichthören derſelben die Zulaſſung zur Prüfung zu verweigern, da dieß keinen vernünftigen Zweck haben kann, als höchſtens den einer unnöthigen Quälerei und Erſchwerung des Examens. Aber(ſagt der Studienplan) ſie thut's auch nicht: denn ſie geſtattet ja Dispenſation durch das Großherzogl. Miniſterium und eine der Fakultätsprüfung voraus⸗ gehende beſondere Prüfung in derjenigen Disziplin, deren Vortrag nicht gehört worden iſt. Wozu(fragt man hier billig) dieſe Vorprüfung? Iſt ſie nicht ein blos Schreckmittel für die Stu⸗ dierenden? In eben derſelben Disziplin, in welcher er die Vor⸗ prüfung beſtehen ſoll, wird der Studierende ja nachher auch in der eigentlichen Fakultätsprüfung, und dieß recht gründlich examinirt: wozu denn zweimal? Hat z. B. ein Theolog keine Dogmatik gehört oder dieſe Vorleſung(wie es z. B. beim Verf. dieſes Aufſatzes der Fall war) nur ſehr unfleißig beſucht, weil er ein Kompendium hatte und ein altes Heft von demſelben Dozenten aus früheren Jahren, was wenig verſchieden von dem neuen Vortrag war; ſo müßte er, wenn ſein Zeugniß ſchlecht d ausfällt, w vernachläſſ laſen und die Vorprt Zweck, ſo ſage Eine ſichtbaren ſolches un In einem mittheilt, Vorleſung haben mü kultäten au danke lieg in ihrem keiner Wo leſung bem der nothn ihres red Sporn fü Auf kollegie denn dieſ der betref Thatſache der da a beſucht w drießlich tüchtigſten Einwirfe gemäßen kommen 6 Len ge 1 lsſet Rüſer Vo di bejüg der andern als Geldmittel der ltenen Haupt⸗ en fleißiger ur Prüfung des abſoluten innen ſich hier rlichkeit ſchlecht ungen iſt nach rüfung. Der n, ſich der er⸗ eerzeugung von dotiv zur Aus⸗ egierung, wie ſeyn, wo und genug, wenn ſchärfer prüfen, n; keineswege zt halten, auf Zulaffung zur nftigen Zwec Qualerei und tudienplan) ſie tion durch das rüfung voraus⸗ deren Vortrag er billig) dieſ für die Stu⸗ z er die Vor⸗ achher auch in ncht grundlich Theolog kein des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 201 ausfällt, ſich einer Vorprüfung über die Dogmatik bei dieſem vernachläſſigten Dozenten unterziehen, dann erſt wird er zuge⸗ laſſen und nun von ebendemſelben noch einmal geprüft. War die Vorprüfung gründlich und hatte dieſelbe einen vernünftigen Zweck, ſo iſt die andere darauf folgende ganz überflüſſig. Nun ſage Einer, ob das nicht alſo eine reine, leere Formalität ohne ſichtbaren Nutzen, ein bloßes hohles Schreckmittel iſt, und als ſolches unlauter und im Studienplan ſelber eine Inkonſequenz! In einem Miniſterialreſkripte vom Jahre 1836, das Hr. v. Linde mittheilt, wurde die Entſcheidung über die Frage: ob und welche Vorleſung die Aſpiranten zum Staats⸗ und Kirchendienſte gehört haben müſſen, der Landesuniverſität und den betreffenden Fa⸗ kultäten anheimgeſtellt, ſo nahe auch unſers Bedünkens der Ge⸗ danke liegen mußte, daß dieſe dann, in ihrer eignen Sache und in ihrem pekuniären Intereſſe ſelbſt entſchieden, was doch in keiner Weiſe ſtatthaft war. Der Zwang, dieſe oder jene Vor⸗ leſung bei dieſem oder jenem beſtimmten Dozenten zu hören, iſt der nothwendige Ruin der wiſſenſchaftlichen Dozententüchtigkeit und ihres redlichen Fortſtrebens, während die Hörfreiheit der beſte Sporn für die Dozenten iſt. Auf die im engern Sinne und vorzugsweiſe ſ. g. Zwangs⸗ kollegien paßt der Schluß der bekannten Schillerſchen Penie; denn dieſelben nehmen für die betreffenden Dozenten die Stelle der betreffenden Kuh ein, die ihn mit Butter verſorgt. Dieſe Thatſache bezeugt Jeder, der z. B. in Gießen ſtudiert hat und der da aus eigner Erfahrung weiß, wie wenig dieſe Kollegien beſucht werden, nämlich nur um des testimonii willen, ver⸗ drießlich und ſehr unregelmäßig, ſelbſt von den ſolideſten und tüchtigſten Studenten. Wie geſagt, das iſt ein Faktum! Die Einwürfe, die der geh. Rath Schleiermacher gegen dieſe unzeit— gemäßen und unzweckmäßigen Kollegien erhoben hat, ſind voll⸗ kommen begründet und laſſen ſich durch alle Demonſtrationen des Gegentheils nicht wegbeweiſen. Schon um deßwillen muß dieſe ganze Einrichtung der Zwangskollegien für eine leere Förm⸗ lichkeit gelten, weil dabei die ganz unbegründete und unwahre Vorausſetzung unterliegt, daß durch das Hören oder den Beſuch dieſer Vorleſungen auch die Garantie geboten ſey, daß wirklich die bezüglichen Kenntniſſe erworben ſind. Gäbe das Hören dieſe 202 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien Bürgſchaft, wozu dann überhaupt Prüfungen? Aber auch hiervon ganz abgeſehen kann z. B. von der Univerſalgeſchichte und der reinen Mathematik nicht im Geringſten ein reeller Nutzen in die Augen fallen. Mehr, als bei dem Abgang von den Gymnaſien in den Maturitätsprüfungen verlangt wird und ver⸗ langt werden muß, etwa eine Erweiterung oder auch nur eine beſſere Orientirung des erlangten Wiſſens, wird th atſächlich darin nicht geboten und kann, bei der Kürze eines halbjähr⸗ lichen Kurſes, nicht geboten werden. Ein neuer Widerſpruch im Prinzip des Studienplans tritt in Betreff dieſer Zwangskollegien noch beim juriſtiſchen Studien— plan hervor, wo folgende Beſtimmung vorkommt:„Diejenigen, welche ſich in der reinen Mathematik für hinreichend unterrich— tet halten, können ſtatt dieſer eine andere mathematiſche oder naturwiſſenſchaftliche Vorleſung beſuchen.“ Wie nun? wenn auch Studirende anderer Fakultäten ſich in der Mathematik, oder in der Univerſalgeſchichte ebenfalls für hinreichend unterrich⸗ tet halten? So dürfen ſie, für ihr Theil, dennoch nichts An— deres hören! Wird bei dem Einen dieſer beiden Zwangskolle⸗ gien(bei den philoſophiſchen Zwangskollegien iſt's ſchon ein anderer Fall) und in der Einen Fakultät die Beurtheilung des Beſitzes hinreichender Kenntniſſe der eigenen Selbſtkenntniß der Studirenden überlaſſen, warum nicht auch bei den andern? Oder welcher Unterſchied ſollte darin obwalten?— Was du hörſt, iſt uns einerlei; wenn du nur hörſt, damit uns die Zu⸗ hörer und die neun Gulden nicht ausgehen! Ueberſetze, wer es kann, anders! Was vom Herrn v. Linde über Selbſtſtudium im Ver⸗ hältniß zum Kollegienhören, zur Rechtfertigung des Studien— plans, vorgebracht wird, iſt ebenfalls unhaltbar. Vom ängſt⸗ lichen Einlernen der Kollegienhefte ſollte nun vor allen Dingen, bei wiſſenſchaftlichen Studien auf der Univerſität, gar keine Rede ſeyn. Findet ein ſolches ſtatt, ſo iſt's unwürdig genug; es kann aber ein ſolches Palliativmittel des Pedantismus und der Bornirtheit, weil es eben nur der Mittelmäßigkeit angehört, auf die Studirenden im Allgemeinen um ſo weniger eine An⸗ wendung erleiden, da ja doch nur das Bedürfniß der zur Wiſ⸗ ſenſchaft Befähigtern einem Studienplan zur Norm dienen, an den Schlec etwas gel lloßen Br ſaupt die Hervorheb ſtudien de geht, ſo i unbedingt ſtens einſ bei guten, Mehrzahl Ebendaher mehr, we ſchließlich ja ſogar geeigneten vielmehr die Stille ſerer neu wiffenſcha der Mutt der Univen freilih den hiſtoriſchen nicht gilt und jerfli Viſenſch haſchen Linde Be ſophiſchen phiſchen Etas lite kunkntere, di ganze Nennen. And mit, Rerum ſc en 2 Aber auch verſalgeſchichte reeller Nutzen ang von den wird und ver⸗ auch nur eine thatſäͤchlich nes halbjähr⸗ dienplans tritt ſchen Studien⸗ „Diejenigen, gend unterrich— eematiſche odet e nun? wenn r Mathematik, hend unterrich⸗ occh nichts An⸗ Zwangskolle⸗ ſſt's ſchon eln urtheilung des öſtkenntniß der den andern? — Was du it uns die Zu⸗ berſetze, wel 7 dium im Ver des Studiel⸗ „Vam ängſt rallen Dingen gar kiine Ra dig genug; 8 ismus und di gket angehä iger eine— der zut Wij enen/ al um die des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 203 den Schlechten und Unfähigen aber auch nicht einmal dem Staate etwas gelegen ſeyn kann. Für den ordinären Mühlengang des bloßen Brodſtudiums und den Kuhweg der Ochsgenies iſt über— haupt die Wiſſenſchaft und die Univerſität nicht da. Was die Hervorhebung des lebendigen Wortes, gegenüber den Bücher⸗ ſtudien der ſ. g. Autodidakten, in der Linde'ſchen Schrift, an— geht, ſo iſt die Behauptung, daß jenes— das lebendige Wort— unbedingt den Vorzug verdiene, in dieſer Allgemeinheit minde⸗ ſtens einſeitig und nur halbwahr. Unbedingt iſt Solches nur bei guten, bei ausgezeichneten Dozenten der Fall; von der großen Mehrzahl gewöhnlicher akademiſcher Lehrer gilt es keineswegs. Ebendaher kommt's auch, daß die Univerſitäten überhaupt nicht mehr, wenigſtens nicht alle darunter, ſo nothwendig und aus⸗ ſchließlich wie früher, die Vertreter der Wiſſenſchaftlichkeit ſind, ja ſogar daß ſie nicht einmal kimmer und alle die vorzugsweiſe geeigneten Mittel des wiſſenſchaftlichen Studiums bieten, daß vielmehr die wahrhaft freie Wiſſenſchaft unſerer Zeit ſich oft in die Stille des Privatlebens flüchten mußte. Die meiſten un⸗ ſerer neueſten, epochemachenden Werke, welche irgend einem wiſſenſchaftlichen Fortſchritte die Bahn brechen wollten, hat nicht der Mutterſchooß der Fakultäten gezeugt und nicht der Herd der Univerſitäten gepflegt. Die Wahrheit dieſer Erfahrung mußte freilich dem Hrn. v. Linde verborgen bleiben, weil er ſelbſt der hiſtoriſchen Schule angehört, von welcher die obige Bemerkung nicht gilt, und weil er überhaupt einen viel zu unbeſtimmten und zerfließenden Begriff von der Bedeutung der philoſophiſchen Wiſſenſchaften hat, als daß er dieſelben in ihrer Tiefe zu er⸗ haſchen im Stande wäre. Daſſelbe tritt auch in des Hrn. v. Linde Bemerkungen, bei Gelegenheit der ſ. g. allgemein⸗philo⸗ ſophiſchen Zwangskollegien hervor. Die Stellung der philoſo⸗ phiſchen Wiſſenſchaft im Reiche der Bildung und in der univer- sitas literarum iſt eine viel beſtimmter begriffene und eine viel konkretere, als wie ſie Hr. v. Linde hinſtellt. Zudem iſt auch die ganze Beweisführung(S. 29 u. ff.) eine verunglückte zu nennen. Mit der Auktorität und dem Vorgang anderer Länder und mit Phraſen, wie:„kaum möchte geläugnet werden“, oder: „darum ſcheint es“, oder:„dürfte daher“ u. dgl., iſt es nicht 204 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien möglich, Sachen und Fragen befriedigend zu erörtern, welche eine weit ſichere und gründlichere Behandlung heiſchen. Nach dieſer allgemeinen Kritik des Studienplans und der Linde'ſchen Vertheidigung deſſelben, gehen wir auf die einzelnen Theile deſſelben über. II. Kritik der beſonderen Theile des Studienplans. Wir halten uns zunächſt und zumeiſt an den Studienplan für proteſtantiſche Theologen und an den für künftige Gym⸗ naſiallehrer, gehen dann auf die Philoſophie im engern Sinne über; bei dem Studienplan für die Rechtsbefliſſenen und die Mediziner beſchränken wir uns begreiflicherweiſe bloß auf eine allgemeine Beurtheilung der in den betreffenden Studienplänen hervortretenden Verhältniſſe, vom philoſophiſchen Standpunkte aus. Die ganze Anlage des Studienplans für prote⸗ ſtantiſche Theologen, über den zuvnächſt unſere Bemer⸗ kungen ſich erſtrecken ſollen, iſt den dringenſten Beduͤrfniſſe der Gegenwart fremd geblieben und die Anforderungen der Zeit ſind hier am wenigſtenz berückſichtigt worden. Das war auch bei dem allgemeinen Stand und der Richtung der theologiſchen Fakultät in Gießen nicht anders zu erwarten, die eben dadurch, daß ſie ſich rühmt, die reine Jungfrau des Rationalismus zu ſeyn, hinter dem jetzigen Stand und Fortſchritte der theologiſchen Wiſſenſchaft weit zurück geblieben iſt. Wer heutzutage irgend noch als wiſſenſchaftlicher Theolog zu den Lebendigen gezählt werden will und auf dieſe Ehre gegründete Anſprüche machen kann, der iſt der ſpekulativen Theologie zugewandt, zu welcher freilich die gewöhnlich ſ. g. Rationaliſten und auch die Gießner Fakultät nans Fiduz haden, ſich gegen dieſelbe vielmehr wie der Fuchs zu den Trauben verhalten. Die ſpekulative oder phi⸗ loſophiſche T Lheolugi gilt ihnen für eine neutrale Marketenderin, welche zwiſchen den beiden feindlichen Extremen, der Orthodorie und dem Rationalismus, hindurchgehe,— eine Annahme, die jedoch aller begründeten Vorausſetzung entbehrt, denn die Tendenz der wahren, wiſſenſchaftlichen oder philoſophiſchen Vermittelung der Gegenſätze, welche die ſpekulative Theologie für ſich in An⸗ ſpruch nimmt, iſt nicht die gemeinte zwitterhafte Halt⸗ und Gharakterle (ein ſolchen und den! laüe Theo ſie, was b war, ſich ſich die In und unklar dagegen g. 39 8 noch jetzt Gaſtrechts logiſche F deſſelben verſtand n en tern, welche hen. ans und der die einzelnen dienplans. Studienplan ünftige Gym⸗ engern Sinne ſenen und die bloß auf eine Studienpläͤnen ndpunkte aus. für prote⸗ unſere Bemer⸗ n a t gen der Zeit Das war auch theologiſchen he dadurch, mnuine zu theologiſchen npuah itgend endigen gezählt weüch machen 65 5 welcher ie Gießnel 6— wie lative oder phi b Marketenderin der Dutſodort — die enn die Tenden 1g ermittelung für ſich in An t hil⸗ und des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 2⁰⁵ Charakterloſigkeit, die es mit keiner Partei verderben wolle, (ein ſolcher Vorwurf verräth weiter nichts, als die Unkenntniß und den Unverſtand deſſen, der ihn erhebt); ſondern die ſpeku⸗ lative Theologie vermittelt und vertilgt die Extreme dadurch, daß ſie, was beide Wahres haben, als den eigenthümlich chriſtlichen Glaubenskern anerkennt und in ſich zur höhern Einheit vereinigt. Als vor nicht langer Zeit dieſe Richtung, die durch einen we— ſentlichen Fortſchritt der theologiſchen Zeitbildung hervorgerufen war, ſich auch in Gießen einen Katheder gründen wollte, hat ſich die Inkonſequenz und das Vorurtheil des alten, banauſiſchen und unklaren Rationalismus mit Händen und Füßen und Zungen dagegen gewehrt, ſo daß die Mahnen des ſel. Profeſſors Meier noch jetzt wegen des, bei Lebzeiten des Biedermannes verletzten Gaſtrechts gerechte Beſchwerden führen dürfen. Daß die theo⸗ logiſche Fakultät, nach Meier's Tode, die ſpekulative Richtung deſſelben nicht wieder vertreten und erſetzt wiſſen wollte, verſtand ſich von ſelbſt. Das Gerücht von einer Berufung des Dr. David Friedrich Strauß war natürlich bloße Ironie. Aber daß die Staatsregierung nicht auf die Vertretung dieſer Richtung bei der Wiederbeſetzung der erledigten Profeſſur bedacht war,— ein Umſtand, der ſich mit den ſehr bedeutenden Verdienſten, die ſich die Gr. heſſ. Regierung ſonſt um die Univerſität erworben hat, nicht recht verträgt,— beweiſt eben, daß ſie ſelber der Erkenntniß des wahren theologiſchen Bedürfniſſes fremd geblieben iſt, und alſo die Einſeitigkeit einer Fakultät, die bis auf Weiteres das Heil der Zukunft von ſich ausſchließen zu wollen ſcheint, nicht auszugleichen im Stande war. In dieſem Mangel einer ſpekulativen Theologie liegt eine Haupturſache, daß viele heſſiſche Theologen und Geiſtlichen auf einem ſo niedrigen Bildungsſtande ſich befinden; weil ſie nämlich keine Ahnung bekommen, daß es etwas Höheres gebe, als die ordinaire Oberflächlichkeit der rationaliſtiſchen Richtung, mit ihrem ſeichten Moralismus. Das ſieht man auch an dem Spiegel der heſſiſchen Theologen, der Darmſtädter Allg. Kirchen⸗ zeitung, die mehr als einmal hat hören müſſen, daß ſie den leibhaftigen Nitter von der traurigen Geſtalt vorſtelle. Will Jemand mit dem verbrauchten Einwand kommen, die deſtruktive Seite der modernen Religionsphiliſophie ſey Grundes genug, ſie 206 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien aus der Theologie zu verbannen, der würde dadurch nur be⸗ weiſen, daß er die Sache blos vom Hörenſagen oder aus den Tiraden des Menzel'ſchen Literaturblattes kennt oder vielmehr— nicht kennt. Mit dem Vorwurfe des Pantheismus und des deſtruktiven Elements kann ſich heutzutage Jemand nur noch lä⸗ cherlich machen. Schon der Anſtand müßte dieſe theologiſchen Gegner der modernen Philoſophie, wenn ſie ehrlich wären, ſtutzig machen, daß noch Niemand gründlich und unbefangen die Entwicklungsgeſchichte derſelben ſtudiert hat, ohne für dieſelbe gewonnen worden zu ſeyn. Hier gilt's vor Allem: komm und ſtehe! und überzeuge dich ſelber; sapere aude! Man komme uns nicht mit dem Vorwurf des Hochmuths und der Anmaßung; ſonſt würde derſelbe in anderer Weiſe zurückgegeben werden, daß man ſich nämlich nicht entblödet, über Philoſophie auch nur ein Wort mitſprechen zu wollen, ohne ſich durch eignes, ſelbſtver⸗ leugnendes Studium das Recht dazu erworben und ein Urtheil begründet zu haben. Man hört dieſe Art Theologen beſtändig gegen Strauß, Feuerbach und Bruno Bauer ſchreien; aber wi⸗ derlegt, ja nur mit philoſophiſchen Gründen hat dieſe Männer noch Keiner dieſer Theologen angegriffen. Oder glaubt man dadurch, daß man die Werke Jener wiſſenſchaftlich ignorirt, ihre Grundſätze widerlegen, die Gegner beſiegen zu können. Der erſte philoſophiſch und dialektiſch gebildete, ebenbürtige theo⸗ logiſche Gegner hat noch aufzuſtehen, der den modernen David mit gleichen Waffen, auf ſeinem eigneu Terrain und in ſeinem innerſten Prinzip angreift. Aber prahlende Goliath's gibt's die Fülle. Der eingetretene Zwieſpalt zwiſchen Glauben und Wiſſen, die ſteigende Spannung zwiſchen der Theologie und der modernen Wiſſenſchaft, rückt einer bedeutenden Kriſis immer näher und ſcheint faſt nahe dran zu ſeyn, zu einem unheilbaren Bruche umzuſchlagen. Die Theologen haben kaprizirte Verſuche genug gemacht, den Volksglauben und die Orthodoxrie auch im Be⸗ wußtſeyn der Gebildeten zu retten; aber den Zwieſpalt auf wiſ— ſenſchaftlichem, philoſophiſchem Wege zu löſen, iſt auch noch nicht im Entfernteſten gelungen. Die Gießener theologiſche Fakultät erkennt ihn gar nicht in ſeiner Bedeutung an, denn ſie verſucht gar nicht einmal die Löſung, ſie verhält ſich indifferent dagegen. Die praktiſchen Inſtitute, auf welche Hr. v. Linde ſo großes d Gewicht les ſes Wider der geiſtlich u beſeitigel ils dergleie chaftlich⸗p ation verl jem Leben Sie verſtel pphie und eugung, j Leiſe, den und unbeſ der einmal ſt. Die; ommen m ſeoffenbart die Philof u wiſſenſch ſie von i Als Glaub nacht. Se ichen, wie dahre Verk ſenswahrhe ndezu Un Selbſtſucht Jhiloſophi utage noch ſoch eine, dauer gau ern auf d Siudienpla lineswegs die ſogiſchen kanz äußer eiſt greif n irch nur be⸗ dder aus den vielmehr— us und des nur noch läͤ⸗ theologiſchen zrlich wären, nbefangen die für dieſelbe komm und Man komme rAnmaßung; werden, daß auch nur ein tes, ſelbſtver⸗ d ein Urtheil gen beſtändig ien; aber wi⸗ dieſe Männet glaubt man niich ignorirt, zu können. bürtige theo⸗ dernen David ind in ſeinem 's gibts die und Wiſen, der modernen er näher und baren Bruche erſuche genug auch im Be⸗ ppalt auf wiſ zuch noch nicht iſche gakultu R ſie verſucht den dagegen. e ſo großes des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 207 Gewicht legt, die theologiſchen Seminarien, machen die Kluft des Widerſpruchs zwiſchen der theologiſchen Wiſſenſchaft und der geiſtlichen Praxis nur noch weiter und ſchroffer, ſtatt ſie zu beſeitigen. Denn ſelten finden ſich überhaupt Männer, die als dergleichen Seminarprofeſſoren den Geiſt und die wiſſen⸗ ſchaftlich-philoſophiſche Durchbildung mit der Gabe der Appli— kation verbinden, um die Wiſſenſchaft und ihre Reſultate mit dem Leben und der Behufspraxis zu vermitteln und zu verſöhnen. Sie verſtehen gemeiniglich wenig oder nichts von der Philo— ſophie und wollen, obwohl in redlichem Eifer und beſter Ueber⸗ zeugung, je nach ihren individuellen Anſichten auf verſchiedene Weiſe, den angehenden praktiſchen Geiſtlichen den reinen, nackten und unbeſchränkten Glauben wieder einimpfen, was— nach der einmal eingetretenen Skepſis— eine baare Unmöglichkeit iſt. Die Zeit iſt gekommen, wo man endlich zu der Erkenntniß kommen muß, daß es keine zwei verſchiedene Wahrheiten, eine geoffenbarte und eine natürliche oder philoſophiſche geben kann. Die Philoſophie iſt vielmehr die Göttin, welche denen die ſich zu wiſſenſchaftlichem, ſelbſtthätigem Denken nicht erheben können, die von ihr erforſchte(philoſophiſche oder Vernuft) Wahrheit, als Glauben, in der Form des Poſitiven hingibt und über— macht. So und nicht anders iſt auch der Urſprung der chriſt⸗ lichen, wie überhaupt einer jeden Religion zu faſſen; ſo iſt das wahre Verhältniß der Vernunftwahrheit zur poſitiven oder Glau⸗ benswahrheit zu denken. Was drüber iſt, das iſt entweder ge⸗ radezu Unſinn und Selbſttäuſchung. Drum iſt es Feigheit und Selbſtſucht oder träge Bequemlichkeit oder Geiſtloſigkeit, ſich der Philoſophie auf dem verwickelten Gebiete der Theologie heut⸗ zutage noch begeben zu wollen. Die Gießener Fakultät hat darum noch eine große Aufgabe nachzuholen, wenn ſie nicht auf die Dauer ganz hinter den Forderungen der Zeit zurückbleiben, ſon— dern auf die Höhe theologiſcher Wiſſenſchaft gelangen will. Der Studienplan hat ihr für dieſes, von ihr noch unerkannte Ziel keineswegs vorgearbeitet. Die Verbindung der Phlloſophie mit dentheo⸗ logiſchen Studien iſt nach dem Lehrplan eine erſt noch ganz äußerliche; die Philoſophie, der philoſophiſche, ſpekulative Geiſt greift nicht ſelber geſtaltend und bildend in die theologi⸗ 208 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien ſchen Disziplinen ein. Vielmehr iſt die Studienvorſchrift die: der Theolog ſoll auch Logik und Pſychologie und kann noch andere philoſophiſche Kollegien hören, wenn er nicht vorzieht, ſtatt deſſen lieber philologiſche und geſchichtliche zu hören, welche— nach der ausdrücklichen Angabe des Studienplans— in einem engern Zuſammenhange mit der Theologie ſtehen. Von der Philoſophie iſt dieß nicht geſagt; der Studienplan für die Theologen ſcheint es demnach gar nicht einmal zu wünſchen, daß ſich der Theolog viel mit der Philoſophie abgebe. Auch erſchrecken die theologiſchen Profeſſoren vor einem Kandidaten, der philoſophiſche Bildung und philoſophiſche Studien verräth; da wittern ſie ſogleich Pantheismus oder, bei der größten Schärfe des Gedankens, Unklarheit und Unſinn.(Ich ſpreche aus Er⸗ fahrung.) Der Philoſophie wird von einem Knobel, Credner u. ſ. w., wie jüngſt ein Mitarbeiter der Mannh. Abend⸗ Zeitung in Nr. 213 durch Belege gezeigt hat, immer und allenthalben pereat gebracht. Schleiermacher freilich in ſeinen Bemerkungen zum Studien⸗ plan erwartet von den philoſophiſchen Studien für den Theo⸗ logen ebenfalls wenig Vortheil; er will vielmehr das(wie er meint) ohnehin für Spekulationen leicht erregbare jugendliche Gemüth davon möglichſt fern gehalten haben: lieber ſeyen dafür die poſitiven Unterrichtsgegenſtände kultivirt. Der Herr geh. Rath theilt eben jenes längſt entkräftete Vorurtheil,. von der Philo— ſophie, als ſey dieſelbe nur ein Irrſaal von Thorheiten und hohlen, nichtigen Spekulationen, Erzeugniſſen einer müſſigen und träumeriſchen Phantaſie, die jedes folgende Dezennium wieder in hohle Luftgebilde auflöſe. Dieſen alten Haß und die ſünd⸗ hafte Gleichgültigkeit gegen die Philoſophie abzuwerfen, wie Reifröcke und Haarzopf des vorigen Säkulums, gehört nunmehr aber zu den erſten Elementen der Weisheit und Wiſeenſchaft. Was die Theologie, ich will nicht ſagen auf der Höhe der Zeit, aber doch wenigſtens mit der Zeit einigermaßen in gleichem Schritt erhalten kann, das iſt lediglich der Einfluß der Philo⸗ ſophie, der ſich ja ohnedieß auch, ſeit der Mitte des 18. Jahr⸗ hunderts bis auf die Gegenwart, in lebendiger und durchdringender Weiſe bereits auf die kritiſche Behandlung und Läuterung der wiſſenſchaftlichen Theologie geäußert hat. Seit der Periode der d kritiſchn ſtantiſcher die Philoſt ihrer Reſul eigentlicher Schwarz, macher, T nennen, de Staudenma Gerade al ſt es auch tändige th hre würdi fei dieſer erſt möglie Als zei dieſer Pſycholo uur Moral llos äußen ſältniß der ſei Weiten iberall das venn es a blhit noch Kenntniß ledeihen, unthropolo, ine iſt al faniſches ußer der ¹ von eziell und nne geſchi Natur des duch auf d üben muß. Kong Vonſ. Jahrb ien nvorſchrift die: nn noch andere vorzieht, ſtatt ten, welche— 3— in einem Von der nplan für die zu wünſchen, abgebe. Auch m Kandidaten, udien verräth; rößten Schärfe dreche aus Er⸗ obel, Credner unh. Abend⸗ t, immer und zum Studien⸗ für den Theo⸗ hr das(wie et are jugendliche er ſeyen dafür Herr geh. Rath on der Philo⸗ Thorheiten und einer müſſigen zennium wieden Jund die ſünd uwerfen, wi gehört nunmelt id Wiſenſchft Höhe der Zeil des durchdringende Läͤuterung del der Periode der des neuen Gießener Studienplans ec. 209 kritiſchen Philoſophie ſtand eine ganze Reihe mannhafter prote⸗ ſtantiſcher Dogmatiker auf, welche angeregt und gebildet durch die Philoſophie, theils mit Anneigung, theils mit Ablehnung ihrer Reſultate, auf die höhere Ausbildung der Dogmatik als eigentlicher Wiſſenſchaft folgenreich eingewirkt haben. Daub, Schwarz, de Wette, Baumgarten⸗Cruſius, Marheineke, Schleier⸗ macher, Tweſten, Nitzſch u. a. ſind hier proteſtantiſcher Seits zu nennen, denen ſich Kuhn, Hermes, Möhler, Baader, Sengler, Staudenmaier u. A. auch von der katholiſchen Seite anſchloſſen. Gerade allein der Entſchluß der Philoſophie auf die Theologie iſt es auch geweſen, welcher die Dogmengeſchichte als eine ſelbſt⸗ ſtändige theologiſche Disziplin unter die übrigen einführte und ihre würdige, methodiſche Behandlung vorbereitete, ja— was bei dieſer Disziplin ganz beſonders weſentlich iſt— eigentlich erſt möglich machte. Als eine Einſeitigkeit der Schleiermacher'ſchen Anſichten iſt bei dieſer Gelegenheit die Meinung zu bezeichnen, als ob die Pſychologie für den Theologen blos als Ergänzung zur Moral zu betrachten ſey und zur Dogmatik höchſtens in einer blos äußerlichen und zufälligen Beziehung ſtehe. Das Ver⸗ hältniß der pſychologoloiſchen Wiſſenſchaft zur Theologie iſt ein bei Weitem engeres und weſentlicheres. Das Theologiſche hat überall das der Pſychologie zur Bedingung und Vorausſetzung, wenn es anders ein lebendiges und bewußtes ſeyn ſoll. Weder Ethik noch Dogmatik, noch praktiſche Theologie können ohne Kenntniß des Menſchengeiſtes und der geiſtigen Entwicklung gedeihen, wie bekanntlich Karl Daub in ſeinen meiſterhaften anthropologiſchen Vorleſungen zur Genüge dargethan hat. Ohne jene iſt alles theologiſche Studium nur ein unfreies, blos me⸗ haniſches Auktoritätsſtudium. Zudem berühren in der Dogmatik außer der Unſterblichkeitslehre auch noch andere Dogmen, wie „ B. von der Sünde, Rechtfertigung, Prädeſtination, ganz ſpeziell und unausweichbar dieſe philoſophiſche Disziplin, da ſich jene geſchichtlich und aprioriſch auf Unterſuchungen über die Natur des Menſchen gründen, deren verſchiedene Auffaſſung auch auf die Geſtaltung jener Dogmen einen weſentlichen Einfluß üben muß. Noch bedeutender iſt dieſer durch die Schriften von Konſt. Jahrb. I. 3. 14 210 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien Ludwig Feuerbach geworden, welcher alle Theologie zur An⸗ thropologie zu degradiren den kühnen und konſequenzreichen Verſuch gemacht hat. Auch über die Stellung, welche die bibliſche Kritik und das Leben Jeſu in der Reihenfolge der zu hörenden evangeliſch⸗ theologiſchen Vorleſungen einnehmen, haben wir eine Bemerkung zu machen. Eine Vorleſung über das Leben Jeſu iſt bei dem neuern und gegen früher weſentlich alterirten Stand dieſer Dis⸗ ziplin, keineswegs(wie die Schleiermacher'ſchen Bemerkungen behaupten) für den Theologen, der eregetiſche und kirchenhiſto⸗ riſche Vorleſungen gehört hat, als überflüſſig zu betrachten. Es gehört dieſe Vorleſung jedoch aus doppeltem Grunde nicht an die Stelle, welche dieſelbe im Studienplan einnimmt, nämlich in's 4te Semeſter zur Dogmatik und Symbolik, ſondern vor alle ſyſtematiſch⸗theologiſchen Disziplinen, deren Vorausſetzung, Grundlage und Wurzel die kritiſchen Reſultate des Lebens Jeſu ſind, ja ſogar noch vor die hiſtoriſche Theologie, deren An⸗ fang- und Ausgangspunkt das Leben Jeſu bildet. Und je nachdem das letztere von einem mehr kirchlich-⸗orthodoxen oder freiern ra⸗ tionaliſtiſchen oder ſpekulativen Standpunkt aus aufgefaßt oder dargeſtellt wird, in dem Grade wird dadurch auch die ganze Behandlung der Kirchengeſchichte ſowohl, wie in noch höherm Maße der Dogmengeſchichte ſich verſchieden geſtalten. Die neuern kritiſchen Reſultate über die Evangelien und das Leben Jeſu können nicht mehr, ohne den weſentlichſten Nachtheil für Wiſſen⸗ ſchaft und Leben, von den theologiſchen Fakultäten ignorirt werden. Nach dieſen Andeutungen wird auch Jeder, der den wahren Stand der Theologie in unſerer Zeit begreift und ihre Aufgabe erfaßt, nicht umhin können, damit einzuſtimmen, daß das Leben Jeſu ſich am geeignetſten an die Vorleſung über Kritik anſchließt; denn anders als kritiſch, etwa apologetiſch oder asketiſch, kann ſeit Strauß für den Theologen keine Darſtellung des Lebens Jeſu ſeyn. Der Studienplan ſcheint auch hierin in einer Ein⸗ ſeitigkeit befangen zu ſeyn, indem aus der Zuſammenſtellung der Kritik mit der Hermeneutik zu einer einzigen Vorleſung die Ver⸗ muthung entſtehen könnte, als ob ſich's bei dieſer Disziplin blos von der Terxtkritik, nicht aber zugleich auch von der hiſtoriſchen und Dogmenkritik handelte, die ungleich wichtiger iſt. Ein nam⸗ hafter ſp zu Derhe Dogmati einer Kri Zyklus d weſentlich dieſe und ſey. Die lichen G Dogmen Daher g auf den zurückgeh an die 4 ſelbſt in daraus nicht en feſtgehalt von Sch gener K. haben, worden alſo näh dieſer K lichen D Geſchich kultät de hat uns plan mi allem d leichgiů ien logie zur An⸗ reichen Verſuch Kritik und en exangelſt⸗ ine Bemerkung eſu iſt bei dem nd dieſer Dis⸗ Bemerkungen nd kirchenhiſto⸗ betrachten. Es runde nicht an mmt, nämlich „ſondern vor Vorausſetzung, des Lebens Jeſu ie, deren An⸗ Und je nachden dder freiern ra⸗ aufgefaßt oda auch die gan m noch höhern en. Die neuetl as Leben Jeſt dl für Wiſſen⸗ ignorirt werden. er den wahten d ihre Aufgabe daß das Lebe Kritik anſchließte asketiſch, kan ung des Lebem in einer Ein⸗ lſammenſtellum tlejung die Vel Diszipli blu der hiͤtriſhe wiſt. Ein nam⸗ des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 211 hafter ſpekulativer Theolog, der evangeliſche Pfarrer Konradi zu Derxheim in Rheinheſſan, hat in ſeiner Kritik der chriſtlichen Dogmatik S. X. die Worte:„Ich wage zu behaupten, daß einer Kritik der Dogmen ſogar eine nothwendige Stelle in dem Zyklus der theologiſchen Wiſſenſchaften zukomme, und daß ſie als weſentliche Bedingung zu einer wiſſenſchaftlichen Dogmatik zwiſchen dieſe und eine Entwicklung des chriſtlichen Bewußtſeyns zu ſtellen ſey. Die Dogmatik ſoll eine ſyſtematiſche Entwicklung der chriſt⸗ lichen Glaubenslehren ſeyn. Sie ſetzt alſo die Wahrheit der Dogmen voraus und darf ſie nicht erſt einer Kriktik unterwerfen. Daher geſchieht es, daß ſie in Ermangelung dieſer entweder auf den urſprünglichen Inhalt der chriſtlichen Lehre in der Schrift zurückgeht und die Dogmen nur als äußere Anknüpfungspunkte an die Kirchenlehre beiſpielen läßt, oder daß ſie die Dogmen ſelbſt in ihrer rohen und unvermittelten Geſtalt aufnimmt und daraus Reſultate zieht, die dem weſentlichen Gehalt derſelben nicht entſprechen. Es wird dann Vieles als chriſtliche Wahrheit feſtgehalten, in's Syſtem verflochten und mit großem Aufwand von Scharfſinn zu rechtfertigen geſucht, was bei vorausgegan⸗ gener Kritik als nicht weſentlich chriſtlich ſich würde erwieſen haben, und ſo der Dogmatik eine vergebliche Mühe erſpart worden ſeyn. Soll ich(ſo ſchließt die Stelle bei Konradi) es alſo näher beſtimmen, wie ich es meine, und das Verhältniß dieſer Kritik kurz angeben, ſo verhält ſich die Kritik der chriſt⸗ lichen Dogmen zur Dogmatik, wie die Kritik der evangeliſchen Geſchichte zu den Dogmen.“ Daß die Gießener theologiſche Fa⸗ kultät von allen dieſen ſehr weſentlichen Beziehungen Nichts ahnt, hat uns eigene frühere Erfahrung und jetzo wieder der Studien⸗ plan mit ſeinem veralteten Prinzip hinlänglich gelehrt. Nach allem dieſem iſt's übrigens auch begreiflicher Weiſe keineswegs gleichgültig, in welchem Semeſter dieſe Kritik gehört werde. Sie gehört, wenn irgend eine Vorleſung, in's erſte Semeſter: ohne Kritik kann kein Theologie Studirender Etwas anfangen, wenn er nicht ſpäterhin ſich gefallen laſſen will, bei Gelegenheit mit dem Rathe heimgeſandt zu werden, ſich den Bart erſt wachſen zu laſſen und dann wieder zu kommen. Was Schleiermacher über die Dogmengeſchichte ſagt, 14° 212 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien als ob beſondere Vorleſungen darüber aus dem Grunde entbehrlich ſeyen, weil in den dogmatiſchen Vorleſungen der Entwicklung der einzelnen Lehren jedesmal eine beſondere Dogmengeſchichte voraus⸗ geſchickt werde, verräth ebenfalls eine offenbare Unkenntniß der Sache und des dermaligen Standes dieſer Disziplinen im ganzen theologiſchen Studienkreis. Man kann ſogar zugeben, daß die dogmatiſchen Vorleſungen ebenfalls eine Geſchichte der einzelnen Dogmen geben, obgleich eine ſolche in dieſem Falle eine weſentlich verſchiedene Haltung hat, als die ſtreng methodiſch und nach dem eigenen Prinzip ſtch fortbewegende Darſtellung der Dogmen⸗ geſchichte, als beſonderer Disziplin; ich ſage, man kann dies auf ſich beruhen laſſen, ohne daß dadurch die Nothwendigkeit und das Bedürfniß der Dogmengeſchichte, als beſonderer Disziplin, wegfiele. Iſt dieſelbe, ihrem Weſen und Begriffe nach, die Geſchichte der Fortbildung und Vollendung der chriſtlichen Idee, die Darlegung ihrer Entfaltung aus der urſprünglichen Einfachheit des bibliſchen Lehrbegriffs, ſo iſt ihre Aufgabe von dem Zwecke der Dogmatik, als der ſyſtematiſchen Darſtellung der gegen⸗ wärtig als chriſtlich geltenden Lehre, weſentlich verſchieden; denn in der Dogmengeſchichte, als einer theologiſchen Wiſſenſchaft, ſoll der Fortſchritt des Glaubens und der Zuſammenhang dogmatiſcher Vorſtellungen, wie ſich derſelbe im Fortgange der Jahrhunderte geſtaltet hat, dargeſtellt werden. Eben darum iſt die Dogmen— geſchichte zugleich nothwendig Kritik der Dogmen, diejenige Kritik, die(wie der Jupiter tonans der modernen Theologie, Strauß, im 1. Band ſeiner Glaubenslehre S. X. ſagt) im Laufe der Jahrhunderte ſich objektiv vollzieht; denn eben die wahre Kritik des Dogma iſt ſeine Geſchichte.— Die Dogmengeſchichte muß aber, wie ſich aus dieſen kurzen Erörterungen nothwendig ergibt, im theologiſchen Lehrzyklus der Dogmatik vorausgehen, als hiſtoriſch⸗kritiſche Disziplin, ſtatt im Lehrplan in's vierte Semeſter zur zweiten Hälfte der Dogmatik geſetzt zu werden. Das aber ſteht feſt, daß Dogmengeſchichte in einer Form, wie es der Wiſſenſchaft überhaupt und der Stellung dieſer Disziplin unter den übrigen insbeſondere würdig und angemeſſen iſt, nur von einem philoſophiſchen Theologen geleſen werden kann. In Gießen iſt dies nicht der Fall: darum mag das eine ſchöne Vorleſung geben! Da Brauche, wird, ka fertigt w beruhen, mit prak das Hon eine einz Es iſt d Wo ſagt, ha Standpu (und mu ſchen B blos inſofern ſchiede, urſprün, und we dieſelben aufhebt. doch in Gegenſä den ſind Gegenſe modern ſtreitigk die alt täten u Was auch i nur der der Vertrau fortarb S lheolog hier d n de entbehrlich wicklung der ichte voraus⸗ kenntniß der en im ganzen den, daß die der einzelnen ine weſentlich ſch und nach der Dogmen⸗ ann dies auf endigkeit und er Disziplin, ſe nach, die ſtlichen Idee, en Einfachheit dem Zwecke g der gegen⸗ chieden; denn ſenſchaft, ſoll dogmatiſcher Jahrhunderte die Dogmen⸗ ſenige Kritik, gie, Strauß, m Laufe der wahre Kritik ſſchichte muß vendig ergit, usgeben, als ere Semeſter Das aber wie es der ezipli unte⸗ iſt, nut 95 kann. 3 eine ſchöne des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 213 Daß aber die Dogmatik noch, nach altem traditionellem Brauche, in zwei Semeſtern, und dazu noch fünfſtündig, geleſen wird, kann aus einer wiſſenſchaftlichen Nöthigung nicht gerecht⸗ fertigt werden, ſondern mag auf einem— pekuniären Intereſſe beruhen, auf eben derſelben Rückſicht, die aus der Homiletik ein mit praktiſchen Uebungen verbundenes Kollegium macht, wodurch das Honorar verdoppelt wird, ohne daß jedoch hierbei mehr als eine einzige Predigteinleitung ausgearbeitet und vorgetragen würde! Es iſt dies faktiſch. Was Schleiermacher über Symbolik im Studienplan ſagt, hat nur auf einem, bereits wiſſenſchaftlich überwundenen Standpunkte ſeine Richtigkeit. Für die ſpekulative Theologie (und nur dieſe kann in der neuern Wiſſenſchaft gegen die kriti— ſchen Beſtrebungen der Zeit ſich noch erhalten) gibt es keine blos vergleichende Symbbolik mehr, die nicht zugleich inſofern eine verſöhnende wäre, als ſie die konfeſſionellen Unter⸗ ſchiede als jezeitige und darum vorübergehende Auffaſſungen der urſprünglich chriſtlichen Ideen nachweist, auf ihren urſprünglichen und weſentlichen, idealen, ewigen Gehalt reduzirt, und ſomit dieſelben als Unterſchiede für das höhere religiöſe Bewußtſetzn aufhebt. Denn wenn auch nicht überall im Leben, ſo iſt es doch in der Wiſſenſchaft dahin gekommen, daß die konfeſſionellen Gegenſätze zur gänzlichen Bedeutungsloſigkeit zuſammen geſchwun⸗ den ſind, weil es ſich nunmehr um ganz andere und wichtigere Gegenſätze und Kämpfe zwiſchen der ganzen Theologie und der modernen Wiſſenſchaft und Bildung handelt, als dieſe Gränz⸗ ſtreitigkeiten. Es wäre eine eitle Furcht, zu wähnen, es werde die alte ſymboliſche Starrheit je wieder— einzelne Abnormi⸗ täten und geile Schößlinge abgerechnet— allgemein hervortreten. Was einmal durch die Wiſſenſchaft überwunden iſt, das muß auch über kurz oder lang aus der Praxis weichen. Man darf nur den Muth nicht verlieren, noch ſich durch die Verfluchungen der Zeloten irre machen laſſen, ſondern muß mit muthigem Vertrauen auf die ſiegende Gewalt der wahren Wiſſenſchaft fortarbeiten. So viel von dem Verhältniſſe und den Bedürfniſſen der theologiſchen Wiſſenſchaften zum Studienplan. Leicht könnte man hier das bekannte Votum des Mephiſtopheles anwenden; doch 214 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien wir überlaſſen das der Einſicht und dem Urtheil des ſachkundigen Leſers, und gehen auf die eigentliche Philoſophie, im engern Sinne des Wortes, als einer beſondern Disziplin der philoſophiſchen Fakultätswiſſenſchaften, über. In dieſer Eigen⸗ ſchaft aber, nämlich als beſonderer Wiſſenſchaft, iſt derſelben keine eigene und ſelbſtſtändige Stellung im Studienplan einge⸗ räumt worden. Warum? kann man rathen. Vermuthlich, weil es im Staate keinen beſondern Stand der Philoſophen, oder auch nur ſonſt irgend einen Stand und Amt gibt, zu deſſen wiſſenſchaftlicher Befähigung die Regierung eine beſondere, vorzugs⸗ weis philoſophiſche Bildung nöthig erachtete. Von einer Seite betrachtet, könnte es ſcheinen, als ob man dabei von dem ohne Zweifel richtigen Prinzip ausgegangen wäre, daß eben die Philoſophie die Wiſſenſchaft der Wiſſenſchaften, d. h. diejenige Wiſſenſchaft iſt, welche alle übrigen durchdringen, beſeelen, beleben und geſtalten, wie eine nährende und ſchützende Mutter unter ihre Flügel nehmen ſoll. Und man muß annehmen, daß aus dieſer Rückſicht, mag ſie nun deutlich oder unbewußt denen, welche den Plan entwarfen, vorgeſchwebt haben, auch in der That die Vertheilung philoſophiſcher Vorleſungen in die einzelnen Fakul⸗ tätsſtudienpläne und deren Verlegung in den Anfang der Stu⸗ dienzeit hervorgegangen ſey. Daß ſich jedoch auch bei dem Studienplan für die Philologen, als die künftigen Gymnaſial⸗ lehrer, die angeführte Rückſicht nicht zu einer ſelbſtſtändigern und freiern Auffaſſung philoſophiſcher Studien erweiterte, daß vielmehr auch hier dieſelben nur unter der Kategorie der Neben⸗ und Hülfswiſſenſchaften aufgeführt ſind, und daß unter allen engern philoſophiſchen Disziplinen auch nur die Geſchichte der Philoſophie, und dieſe offenbar nur um der griechiſchen Philo⸗ ſophie willen— als ein Gegenſtand der Prüfung genannt wird, muß gerechten Tadel erregen. Daß die eigentliche und engere Philoſophie als ein beſonderer, integrirender Theil im Ganzen des Studienplans vertreten iſt, läßt noch ein anderes Bedenken zu. Es hätte von Rechtswegen eine, den übrigen fakultativen Studienplänen analoge Angabe des geſammmten engern philo⸗ ſophiſchen Studienkreiſes und der zweckmäßigſten Reihenfolge der zu hörenden Vorleſungen eine Stelle finden müſſen. Betrachtet man nämlich die Stellung der modernen Wiſſenſchaft zu den verſchieden ihr Verhe genden E Philoſoph der ander demgemä räumt, ſe an manch Bedeutun rum*). Springgn Baume ſoll er Wirklicht ſtatt frei Egoism Ruinen Buße th Wo Grundſe überhau in die n ſachkundigen ſophie, im Disziplin der ieſer Eigen⸗ iſ derſelben plan einge⸗ Vermuthlich, ſopben, oder t, zu deſſen re, vorzugs⸗ einer Seite ohne Zweifel Philoſophie Wiſfenſchaft beleben und runter ihre aus dieſer ennen, welche der That die enen Fakul⸗ ig der Stu⸗ h bei dem Gymnaſial⸗ ſtſtändigern eiterte, daß der Reben⸗ unter allen eſchichte der ſhen Philo⸗ nannt wird, und engere im Ganzen 9 Bedenken fakultativen gern philo⸗ henfölze der Betrachtet gft zu den des neuen Gießener Studienplans ec. 215 verſchiedenen Zeitrichtungen genauer, und vergleicht man damit ihr Verhältniß zur Philoſophie, ſo ergibt ſich nach dem vorlie⸗ genden Studienplan nicht das günſtigſte Reſultat. Wird die Philoſophie in dieſer beſchränkten Weiſe blos als dienendes Glied der andern eigentlichen Fachwiſſenſchaften betrachtet, und derſelben demgemäß auch keine für ſich ſelbſt berechtigte Stellung einge⸗ räumt, ſo verliert dieſelbe nothwendig über kurz oder lang, wozu an manchen Orten bereits Ausſichten genug da ſind, ihre ganze Bedeutung in den Fakultäten und in der universitas litera- rum*). Von wo ſoll dann nachher der ewig junge, friſche Springquell, der die Fluren der Wiſſenſchaften tränkt, und am Baume der Wiſſenſchaften immer neue Blüthen treibt, woher ſoll er dann kommen, wenn die Philoſophie der materiellen Wirklichkeit, dem Leben, dem Staate Knechtsdienſte leiſten muß, ſtatt frei zu herrſchen als heitere, himmliſche Göttin! Aber der Egoismus der Zeit ſieht die Trauernde einſam ſitzen auf den Ruinen, ſtatt daß die Undankbaren ſelber in Sack und Aſche Buße thäten für ihren Frevel. Was übrigens den in allen einzelnen Studienplänen befolgten Grundſatz anlangt, nach welchem die philoſophiſchen Vorleſungen überhaupt und insbeſondere Logik und Pſychologie vorwaltend in die erſten Semeſter verlegt werden; ſo läßt ſich gegen dieſe Rückſicht der gewichtige Einwurf erheben, daß nach dem Zeug⸗ niſſe der Erfahrung die meiſten Studirenden dieſe Vorleſungen *) In dieſer Beziehung darf man ſich nur an die Worte Arnold Ruge's erinnern in der 1ſten Nummer des 41ger Jahrgangs der„deutſchen Jahrbücher“ S. 4:„Die philoſophiſchen Fakultäten haben allerdings noch die reinwiſſenſchaftliche Aufgabe, aber dennoch iſt ihre Stel⸗ lung eine ganz ſchiefe. Man ſchiebt ſie in die Vorbereitungszeit zu den eigentlichen Studien; man macht ſie überall zum Beiwerk und zur Magd der übrigen, der praktiſchen Diſziplinen;——— der leidige Nutzen iſt, als eine wahre Tollheit, durch die Examen⸗ angſt deſto feſter in die Gemüther der Studenten gefahren, und nichts iſt ausgemachter, als daß die Brodſtudien und der zukünf⸗ tige Erwerb, das elende nackte Leben, nicht die Wahrheit und der ewige Geiſt das Prinzip unſerer Univerſitäten ſind. Die Philo⸗ ſophie und die reine Wiſſenſchaft wird unterdrückt; der Gemein⸗ heit, dem Handel, dem Werbe⸗ und Protektionsſyſtem iſt hiermit Thür⸗ und Thor geöffnet.“ 216 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien gerade in den erſten Semeſtern mit dem allerwenigſten Nutzen zu hören pflegen. Denn eben erſt der Schule entwachſen, ſind ſie der, gerade in dieſen Vorleſungen ſich vorzugsweiſe kund gebenden höhern Wiſſenſchaftlichkeit und tiefern Auffaſſung philo⸗ ſophiſcher Gegenſtände meiſtens noch allzu fremd; die höhere Reife zu deren tüchtigem Verſtändniß pflegen ſie vielmehr erſt im ſpätern Verlaufe ihrer übrigen Studien zu erhalten. Mancher erkennt ſpäter mit Bedauern, wie wenig er von der im erſten Semeſter gehörten Logik und Pſychologie profitirt hat, und würde ſie gern nochmals hören, wenn nicht entweder die Examenrück⸗ ſicht die Schultern drückte oder pekuniäre Beſchränkung davon abhielte. Denn die theuern Kollegien haben ſchon Manchen gedrückt. Als eine Beeinträchtigung der Wiſſenſchaft— obgleich ſich der Patron des Studienplanes gegen einen ſolchen Vorwurf ſträubt— muß es jedenfalls angeſehen werden, daß die philo⸗ ſophiſchen Vorleſungen durchweg in die Vorbereitungszeit für's eigentliche Fach- und Examenſtudium geſchoben, und zum bloßen Beiwerk, gleichſam(wie es bei der alten orthodoxen Theologie die Vernunft war) als die Magd der poſitiven Wiſſenſchaften betrachtet wird, während doch dieſelbe jeder Doktrin recht eigent⸗ lich erſt die Krone der Weihe ertheilt, und erſt in's linnerſte Heiligthum des wiſſenſchaftlichen Geiſtes und Studiums einer Wiſſenſchaft einführt. Nur eine gänzliche Verkennung der wahren Bedeutung der Philoſophie und ihrer Stellung zum Leben, wie zur wahren Wiſſeenſchaft, konnte zu dieſem Mißgriffe führen, in welchen alle Fakultäten verfielen. In Gießen iſt alſo Niemand, welcher die Ehre der Philoſophie zu retten ſich berufen fühlte und im Stande geweſen wäre! Und doch iſt ſie es, welcher die Ehre beigelegt wird, das Gehirn und Rückenmark aller akade⸗ miſchen Studien zu ſeyn; ſie iſt's auch, welcher noch eine große Zukunft voll reicher, für's Leben fruchtbarer Bildungs⸗ und Reformationskeime, bevorſteht. Aber die Kinder, die am Markt ſitzen und ſingen und pfeifen und tanzen, hören nicht auf die Prophetenſtimmen der Gegenwart, die vorerſt noch aus Einſam⸗ keit und Wüſten ertönen, und deren Evangelium im lebendigen Garten der Gegenwart noch keine Stätte der Aufnahme gefunden hat. Ein au ſige und 1 iimmt, wel disziplin er vir geſehen ur Magd rrödel, err varum läß heſchichte hrundbedin, olitiſchen, eſtimmte, ſchen ſtreng 3 der Stud⸗ Varum nic lanes feſt lum in ein ur, um ſcch u machen, 6. 347): 3 Velt umſpc frſch, ſede nas die Re ſe Jjycholo Nanſhheit, fei von 8 ing; ihren ſengen, ke iberrſchen. dandpunft nunantich b uich haben dußer der len nigſten Nuhen twachſen, ſind ugsweiſe kund ffaſung phild⸗ 3 die höhere vielmehr erſt lten. Mancher der im erſten at, und würde Exramenrück⸗ inkung davon hon Manchen obgleich ſich hen Vorwurf daß die philo⸗ ungszeit für's nd zum bloßen ren Theologie Wiſſenſchaften recht eigent⸗ in's linnerſte ddiums einer der wahren Leben, wie ffe führen, in alſo Niemand, Berufen fühlte 3, welcher die faller gkade⸗ ch eine große ldungs⸗ und die am Markt nicht auf die aus Einſam⸗ im lebendigen . Aufnahme des neuen Gießener Studienplans ec. 217 Ein anderer Mangel des Studienplans iſt die unſelbſtän⸗ zige und unfreie Stelluug, welche darin die Geſchichte ein⸗ nimmt, welche ‚gar nicht als eine ſelbſtändige, wiſſenſchaftliche Disziplin erſcheint und vertreten iſt, ſondern ebenfalls nur, wie wir geſehen haben, daß es bei der Philoſophie der Fall war, zur Magd der ſtrengen Fachwiſſenſchaften, als deren Aſchen⸗ brödel, erniedrigt wird. Freilich! die oder den es angeht,— warum läßt er ſo mit ſich umſpringen?! Und doch iſt die Geſchichte und das lebendige Intereſſe an ihr eine der erſten Grundbedingungen zum Gedeihen des öffentlichen Lebens und politiſchen, wie ſozialen Fortſchrittes. Warum ſollte nicht eine beſtimmte, ſelbſtändige Geſtaltung und Gliederung des eigent⸗ lihen ſtrengen Geſchichtsſtudiums eben ſo gut möglich ſeyn, wie s der Studienplan bei andern kleinern Disziplinen verſucht hat? Warum nicht— wenn denn einmal das Prinzip eines Studien⸗ planes feſtgehalten werden ſollte— ebenſo dem Geſchichtsſtu⸗ dium in einer ſpeziellen Anleitung bahnen? Man gedenke doch nur, um ſich von der Würde der Geſchichte den rechten Begriff zu machen, der Worte von Gervinus(kleine hiſt. Schriften, S 347):„die Geſchichte, die die Geſammtheit der moraliſchen Velt umſpannt, die jede Falte des menſchlichen Geiſtes durch⸗ forſcht, jeden Winkel des menſchlichen Herzens durchſpäht, die, was die Religion nicht offenbart, die Philoſophie nicht träumt, die Pſychologie nicht ergrübelt, an dem großen Lebenslaufe der Menſchheit erforſcht; die Geſchichte hält ſich frei von Dogmen, frei von Fächern, frei von jeder handwerksmäßigen Beſchrän⸗ kung; ihren ächten Schüler kann keine Scholle feſſeln, kein Glaube beengen, keine Partei beſitzen, keine Laune, kein Steckenpferd beherrſchen.“ Wie armſelig und betrübt ſich nun hiegegen ein Standpunkt ausnimmt, der weder der Schule derjenigen, die in der Geſchichte den ſteten Fortſchritt des Menſchengeſchlechts ſhauen, noch derjenigen, die alles im Rückſchritt begriffen wähnen, angehören will, ſondern die Sachen nur ſo nehmen zu wollen vorgibt, wie ſie ſind, dies braucht nicht erſt explizirt zu werden. In Gießen nun machen die hiſtoriſchen Vorleſungen, namentlich bei dem dermaligen trocknen Dozenten keine Epoche, noch haben ſich dieſelben eines zahlreichen Zuſpruches zu erfreuen. Außer der halbjährlichen Univerſalgeſchichte, weil ſie ein Zwangs⸗ 218 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien kollegium iſt, ſind kaum ein halbes Dutzend Studenten, die ſonſt ein hiſtoriſches Kollegium beſuchen. Woher dieſer Mangel am hiſtoriſchen Intereſſe? fragt man. Offenbar zum Theil eben daher, weil nach dieſer ordinären Examentheorie und dem ganzen Brodſtudienweſen der Geſchichte nichts übrig bleibt; zum Theil — und ganz beſonders— aber daher, weil ſolchen gewöhnlichen Dozenten aus der ſogenannten hiſtoriſchen Schule die Bedingun⸗ gen fehlen, um durch die Auffaſſung und Darſtellung das hiſto⸗ riſche Intereſſe der Studirenden zu wecken, und daſſelbe zu befriedigen. Sie ſtehen meiſt, die hiſtoriſchen Dozenten, noch auf dem blos ſubjektiv verſtändigen Reflexionsſtandpunkt der ſ. g. pragmatiſchen Richtung, welcher doch durch die ganze neue Entwicklung des Geiſtes vollſtändig wiſſenſchaftlich über⸗ wunden iſt; von dem philoſophiſchen Standpunkte, von wahrhaft freier und geiſtdurchdrungener Auffaſſung der Geſchichte haben ſie keine Ahnung. So können auch die hiſtoriſchen Vorleſungen auf der Univerſität wenig oder gar keinen Einfluß auf's Leben haben, ſo müſſen ſie verkümmern und zu Zwangskollegien erhoben werden, damit die Profeſſoren doch etwas zu thun haben. Wie wenig die Gießener Univerſität hier leiſtet, wie wenig ſie den Forderungen ächter Wiſſenſchaftlichkeit und dem Fortſchritte der Zeit zu genügen verſteht, was das Feld der Geſchichte angeht, dies geht auch ſchon aus dem Studienplan hervor, wo von Philoſophie der Geſchichte, von Literärgeſchichte, Kulturgeſchichte, hiſtoriſcher Kritik u. A. keine Rede iſt. Ein guter Dozent in der Geſchichte muß heutzutage Philoſoph ſeyn; einen ſolchen hat Gießen nicht. Wir haben bei Beurtheilnng des Studienplans für die Gymnaſiallehramts⸗Kandidaten noch einmal Veranlaſſung, den hiſtoriſchen Geſichtspunkt aufzugreifen. Für jetzt ſcheiden wir von dieſer Verhandlung, um unſere Aufmerkſamkeit und Kritik dem Studienplan für die künftigen Gymnaſiallehrer zu richten. Freilich wird ſich uns auch hier, auf unſerm Stand⸗ punkte und bei den Anforderungen der Zeit, die wir geltend machen zu müſſen glauben, wenig Erfreuliches darbieten; denn ſchon Schleiermacher hat in ſeinen Bemerkungen ſein Haupt⸗ augenmerk auf dieſen Theil des Studienplans gerichtet, und ihn als einen durchaus verunglückten bezeichnet. Wir ſtimmen dieſem Urtheil, ſo ſtreng es iſt, bei, und gedenken den Vorwurf im de ünzelnen zu nacher dag nigleich blei un Gymna hiſſen beſte lwiederung uf dieſen ſgziſchen untd ales ſcharfe wnft des G Die Fre das Gymt ſt neuerlich Mancher erſ nejährte Ein s Philolog nieder zur Nilologendes unſerer heuti dult ſich ber dj alten Ge⸗ ſgſen dieſe! Shulen zuge olten, und u ihrem An ſecht und N ütige Vollu ſengeit, ſäben für!; lüſtes vol m des Hon arenſcife ktlt, und maliſchen 1 it nöglihe dut oder e hen, und n den, die n den des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 219 denten, die ſonſt Enzelnen zu rechtfertigen, ohne jedoch das bereits von Schleier⸗ er Mangel am macher dagegen Aufgeſtellte hier nochmals zu wiederholen. m Theil eben Zugleich bleibt die Frage, ob eine Ausſchließung der Theologen nd dem ganzen von Gymnaſiallehrſtellen theoretiſch oder praktiſch im Großh. di; zum Theil Heſſen beſtehe, oder nicht, hier ganz aus dem Spiel. Die n zewähnlichen Erwiederung des Hrn. v. Linde übrigens, ſo weit ſich derſelbe die Bedingun auf dieſen Punkt einläßt, leidet hier an denſelben mehr erwähnten lung das hiſts⸗logiſchen und formellen Mängeln, und umgeht fein diplomatiſch ad daſelbe zu alles ſcharfe und prinzipielle Eingehen auf den eigentlichen Frag⸗ Dozenten, noch punkt des Gegenſtandes. ſſtandpunkt du. Die Frage über die humaniſtiſchen Studien und urch die ganze das Gymnaſialprinzip, um das es ſich hier handelt, nſchaſtlich über ſt neuerlich zu verſchiedenen Malen angeregt und erörtert worden. von wahrhaf Mancher erſchrack über drohende Schläge, die gegen eine alte, Geſchichee haben verjährte Einſeitigkeit gerichtet waren, und trat eiligſt als Patron Vorleſungen auf des Philologenthums auf. Aber wir können nicht umhin, in den ps Leben haben wieder zur Sprache gekommenen Zweifeln an dem Rechte der legien eihoben Philologendespotie den Keim eines weſentlichen Fortſchrittes in un haben. Wi unſerer heutigen Gymnaſialbildung verborgen liegen zu ſehen. Es wenig ſie dei hreht ſich bei dieſer Frage längſt nicht mehr um die extreme Seite Forſſchrite da ſes alten Gegenſatzes von humaniſtiſchen und realiſtiſchen Studien, iſchiche angeht ofern dieſe letzteren nunmehr den Gewerb⸗ und polytechniſchen ervor, wo*o Schulen zugewieſen ſind, jene dagegen den Gymnaſien verbleiben Kulturgeſchicht olten, und die griechiſche und lateiniſche Sprache und Literatur auter Dozent näu ihrem Angelpunkte hätten. Es ſoll dieſen keineswegs ihr aen ſolchen hiecht und Nutzen geſchmälert werden; vielmehr wird ihre muſter⸗ 9 Studienplan thültige Vollkommenheit, ihre Originalität und plaſtiſche Abge⸗ Teranlaſſunſchlſſenheit, ſo wie ihr rationeller, äſthetiſcher und materieller feh ſcheiden w Kutzen für die Kenntniß des griechiſchen Volkes, Lebens und 4½ und Krit tGeiſtes vollkommen anerkannt. Wir möchten durchaus nicht, mief hrs ßat des Homer und Sophokles das Niebelungenlied und Brandt's Madhan Stan Karrenſchiff aus der alten deutſchen Antiquitätenſammlung hervor⸗ f un 5 geltel geholt, und der Jugend zur Verſtandes⸗, Geſchmacks⸗ und bieten: delmoraliſchen Bildung vorgehalten wiſſen. Eben ſo wenig ſollen darh in Hauballe mögliche neuere Sprachen gelernt werden, als ob nur Kauf⸗ ſen 8 und üliute oder geſchwätzige Sprachmeiſter und Fechtkünſtler zu bilden erihle* dieſeſühen, und noch weniger wollen wir derjenigen Partei das Wort r ſigoruf ürzden, die nur belles lettres getrieben wiſſen will, und die den le 220 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien jenen kenntnißloſen ſeichten Troß vag hin und her phantaſie⸗ render Schöngeiſter hervorbringen, der in abſprechender Suffr⸗ ſance aller ſoliden Bildung Hohn ſpricht. Dies Alles ſey ferne! Aber daß Griechiſch und Latein immer noch die Hauptſache in den deutſchen Gymnaſien iſt, dieſe Einſeitigkeit ſollte denn doch vernünftigerweiſe als beſeitigt betrachtet werden können. Der Geiſt des klaſſiſchen Alterthums hat ſeit dem Wiedererwachen der humaniſtiſchen Studien, durch die ſ. g. Wiederherſteller der Wiſſenſchaften, die Völker der Gegenwart gebildet, ihnen aus dem Traume der Kindheit und geiſtigen Unmündigkeit hervorge⸗ holfen; alle Poren ihres Lebens und die Adern der Literatur ſind von dieſem Geiſte durchtränkt; wir haben das Alterthum in unſer eignes Leben aufgenommen und verarbeitet, und ſind weiter gekommen. Das Studium der Griechen iſt Mittel geweſen zur Entwicklung der gegenwärtigen Stufe, und wird auch fortwährend in der Erziehung der Einzelnen, wie der Völker, einer der Durchgangspunkte ſeyn müſſen, ein in dem fortſchrei— tenden Bildungsgange aufgehendes Bildungsmittel und Entwic⸗ lungselement, aber nicht das Einzige, nicht Zweck, Ziel, abſo— lutes Muſter und Ideal. Denn das aniike Leben hat auch ſeine Schattenſeite, und in des Lebens aufſteigender Bahn führt kein Schritt zurück! Nicht Humaniſten ſind zu bilden; nein, Huma— nität iſt das Ziel, und das iſt mehr als Humanismus und auch mehr als bloße antike Bildung; jene iſt der Adel und die wahre Würde der zur Reife erzogenen Menſchheit. Wo bleibt aba in jener einſeitigen ſ. g. humaniſtiſchen Bildung das gleichberech⸗ tigte Ausbeuten der lehendigen neuen europäiſchen Literaturt Wo bleibt die Einführung der Jugend in das Verſtändniß deh Völker⸗ und Staatslebens und der öffentlichen Intereſſen der vaterländiſchen Vergangenheit und Gegenwart? Wo bleibt das lebendige Vorführen der Geſchichte mit ihren Fortſchritten, Reſub⸗ taten und ihrer Errungenſchaft? Was doch Alles eben ſo wie Griechiſch und Latein, und vielleicht mit noch begründeteren Rechte in das Bewußtſeyn der zur Reife heranzubildenden Jugerd übergehen ſoll, und was dieſelbe erſt in ihrem Streben wahr⸗ haft geiſtig auffriſcht, ſtatt ſie zu todten Maſchinen, Wortklal⸗ bern und Alterthümermagazinen zu machen, das wird gam unverhältnißmäßig wenig berückſichtigt, faſt ganz vernachläſſigt⸗ de die Abituri zpanien, zie gar nich ſblerfreies ſſabel, ſo ti dieſen h. ſeiſe Bildu Nenſchen ü ſhlummernd Al⸗Eine, w ihter Menſ in Geſinnun Nancher, d gat ſich in bääter ſelber üldung dure Denn orgeſchritten innte, will ſomit im of bymnaſialle niht daſſelb ttudien deſ ſaliſche? S tewandert ettere bilde gſchloſſen. Kchts, der ten ſo unen negeſe? O. ils die aus (telkeit der unt, und und ungrün Vort glaub des Recht! nit alter di u Griecen ivie 5. ſpien des neuen Gießener Studienplans ec. 221 d her phantaſi rechender Suf Alles ſey fer * Die Abiturienten wiſſen wohl alte Geſchichte, aber neuere von 7 Spanien, Frankreich, England, Deutſchland u. ſ. w. ſo gut . Aic nn wie gar nicht. Aber ſie ſchreiben, wenn's gut geht, ein leidlich ie Hauptſache i fehlerfreies Latein, und erpliziren die griechiſchen Chöre ganz ſilte denn dat paſſabel, ſo ſind's reife Studenten! Wo bleibt aber im Weiteren em können Di bei dieſen hoffnungsvollen Jünglingen die gründliche und ſtufen⸗ Widererwachn weiſe Bildung zur ernſten Selbſtkenntniß, zur Kenntniß des iederherſteler d Menſchen überhaupt und die genetiſche Entwicklung der innen didet, ihnen au ſhlummernden Kräfte und deren allſeitiger Beziehung auf das digkeit hervorg Al⸗Eine, was Noth thut, vernünftig zu werden und frei, ein in der Lüerau ächter Menſchen⸗ und Gottesſohn, mündig an Geiſt und ſtark n das Alterthu an Geſinnung? Ja, ihr Herren Philologen, wo bleibt das? Wie rbeitet, und ſn Mancher, der höher ſtrebte, und das Bedürfniß ſpäter erkannte, riechn iſt Nin hat ſich in dieſer Rückſicht das Meiſte erſt mit eigner Kraft Stufe, und wi ſpäter ſelber erringen, und ſo die Fehler der einſeitigen Schul⸗ , wie der Völt bildung durch verdoppelte Anſtrengung wieder gut machen müſſen! in dem foriſch Denn auch die Univerſitätsbildung, in einer ſo eminent ttel und Entwi vorgeſchrittenen Zeit, die einen ſolchen Studienplan erzeugen weck, Ziel, alſ konnte, will ja von dem Allem nichts wiſſen. Das Alles, wird ten hat auch ſii ſomit im offiziellen Regulativ erklärt, ſoll nicht für die künftigen Bahn führt k. Gymnaſiallehrer ſeyn! Aber wie? Sollte allgemeine Literatur n; nein, Hum nicht daſſelbe Recht haben, zu den nothwendige und unerläßliche nismus und al Studien deſſelben zugehören, wie römiſche, griechiſche und orien⸗ eel und die wah taliſche? Sollte er in den äſthetiſchen Wiſſenſchaften weniger Wo bleibt at bewandert ſeyn dürfen, als in der griechiſchen Metrik? Und dieſe das gleichbern letztere bildet einen Gegenſtand der Prüfung, jene iſt davon aus⸗ iiſchen Literatl geſchloſſen. Sollten Kulturgeſchichte, Philoſophie der Geſchichte, des Verſtändnißd Rechts, der Religion für den künftigen Bildner der Jugend nicht 2 Intereſſen eeben ſo unentbehrlich ſeyn, als griechiſche, lateiniſche und Sanskrit⸗ Wo bleibt d eregeſe? Oder bilden blos die Sprachen den Geiſt, den Geſchmack, riſchritten, Reſ als die ausſchließlichen Urbilder des Schönen und Wahren? die Ales eben ſo! Citelkeit der einſeitigen Philologen behauptet das kühn immer 5 begründeten fort, und nennen ihre Gegner ſogleich„unwiſſenſchaftlich bilvenden Juht und ungründlich,« wo man ihnen das nicht ohne Weiteres auf's „ Streben w Vort glaubt; aber ſie identifiziren dabei, wozu ſie kein begrün⸗ — Wort detes Recht haben, Bildung und Wiſſenſchaft geradezu ausſchließlich das wird 4 mit alter Literatur und linguiſtiſcher Gelehrſamkeit, als ob's nur dn⸗ dernachliſt in Griechenland und Rom Menſchen gegeben, als ob dort das 222 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien verlorne Paradies ſey, aus welchem die Menſchenkinder nun ein⸗ für allemal durch die Erbſünde der ſpätern Bildung vertrieben ſeyen! Doch nein, ihr Herren, laßt dieſer neuern, modernen Kultur auch etwas Raum, und ſchüttelt nicht die Früchte von Jahrhunderten, die ſeitdem am Baume der Menſchheit gereift ſind, ohne alles Weitere herunter! Denkt nur an Hölderlins un— glückliches Schickſal, der ſich bekanntlich ebenfalls mit ſo kapri⸗ zirter Einſeitigkeit und Verachtung alles Andern in's Griechen⸗ thum feſtgerannt hatte, und an dieſer ſo großen, glühenden Leidenſchaft, die bei ihm die Geſtalt der ſchönſten und heiligſten Begeiſterung angenommen hatte, zu Grunde ging. Es hätte die Einſeitigkeit des Studienplans für die Gym⸗ naſiallehrer— die durch die Berückſichtigung des mathematiſchen Geſichtspunktes nicht entfernt wird— einigermaßen dadurch vermieden werden können, daß in dieſen Studienplan, neben dem philologiſchen und mathematiſchen Geſichtspunkte, auch der hiſtoriſche und philoſophiſche zuſammengefaßt eine beſon⸗ dere Vertretung gefunden, und ein Spezialplan aus dieſem Geſichtspunkte, mit der Angabe der dahin gehörigen Diszipli⸗ nen, eine Stelle erhalten hätte, worin alle jene obenangeführten Deſiderien befriedigt werden konnten. Dann mußten aber auch Logik und Pſychologie und andere Vorleſungen mit unter die Prüfungsgegenſtände aufgenommen werden. So wäre man dem Ideale des Gymnaſialunterrichts, durch die allſeitigere Ausbil⸗ dung der künftigen Lehrer ohne Zweifel um etwas Bedeu⸗ tendes näher gerückt, während bei dem dermaligen Stande der Verhältniſſe bis zur Annäherung an dieſes Ideal noch ein Sieben⸗ meilenſchritt gehört. Was das Verhältniß der Philoſophie zur Rechtswiſ⸗ ſenſchafi angeht, ſo legt der Studienplan ebenfalls nicht das günſtigſte Zeugniß ab, daß er mit ſeinen Forderungen, Maß⸗ regeln, Rathſchlägen und Vorſchriften ſich wirklich auf der Höhe der Zeit halte, und überhaupt ihren Geiſt und Puksſchlag begriffen habe. Die in der erſten Ueberſicht enthaltene Angabe der Disziplinen, über welche ſich der geſammte Studienkreis der Rechtswiſſenſchaft erſtrecken ſoll, weist der Fakultät in unſern Augen ihre Stellung und Bedeutung ausſchließlich in der hiſto⸗ riſchen Schule an, die höchſtens von einer gewiſſen rationellen d Richtung u ophie des lche ſpekul zeit iſt, u im Studier lrgibt ſich abweisbare erhoben ha zung der zmpiriſchen zanze(neu⸗ und wer il rrklärt, der hhiloſophiſe Sachen, G den Anhär hhiſche A ſegonnen ugleich P. und ihre z ſie die Jde dphiſch zu nung zu b dem wird inß von Jeugniſes ſewacht ſ nicht einm einer philo durch eine iſch angel gründliche pien iſchenkinder nun ildung vertriebe euern, moderne die Früchte von genſchheit gerei n Hölderlins un lis mit ſo kapr in's Griechen ßen, glühende —n und heiligſte ng. für die Gyn mathematiſche rmaßen dadurt dienplan, nebe punkte, auch de gefaßt eine beſot tan aus dieſer hörigen Diszipl obenangefübrtt ußten aber aut mit unter d wäre man der ſeitigere Ausbi etwas Bedel igen Stande d noch ein Sieben 1r Recht swi enfalls nicht do erungen, Mi ich auf der H und Pulsſchl ſthaltene Angat etudienkreid d taltät in unfa in der hiſt tſen rationele des neuen Gießener Studienplans ꝛe. 223 Richtung und verſtändigen Reflexion(wie ſie etwa in der Philo⸗ ſophie des poſitiven Rechts ſich zeigt) infizirt wird. Die eigent⸗ liche ſpekulative Rechtswiſſenſchaft, die ein Produkt der modernen Zeit iſt, und zu welcher Hegel den Grund legte, iſt gar nicht im Studienplan vertreten. Welcher bedeutende Mangel dies iſt, ergibt ſich aus der allgemeinen Wahrnehmung, zu welcher un⸗ abweisbaren Macht und Konſequenz ſich die Forderung der Zeit erhoben hat, daß gerade durch die Philoſophie eine totale Aende⸗ rung der bisher in der Jurisprudenz herrſchenden hiſtoriſch⸗ empiriſchen Methode nothwendig geworden iſt. Wer freilich die ganze(neuere) Philoſophie perhorreszirt, weil er ſie nicht verſteht, und wer ihre Sprache für unſinnigen und unklaren Wortkram erklärt, der wird allerdings nicht begreifen können, wie die ächt philoſophiſche, ſpekulative Einſicht in den wahren Begriff der Sachen, auch auf dieſem Gebiete einen tödtlichen Kampf mit den Anhängern des Alten einzugehen, und eine neue philoſo⸗ phiſche Auffaſſung und Behandlung der ganzen Jurisprudenz begonnen hat; wer der Forderung lacht, daß der ächte Juriſt zugleich Philoſoph ſeyn müſſe, der den Beruf ſeiner Wiſſenſchaft und ihre zeitgemäße Aufgabe darin begreift und durchführt, daß ſie die Idee und das Weſen des konſtitutionellen Staates philo⸗ ſophiſch zu ergründen, und in ſeiner erfahrungsmäßigen Erſchei⸗ nung zu bearbeiten beſtimmt ſey, ich ſage: wer dies nicht begreift, dem wird freilich auch der Vorwurf nicht begründet erſcheinen, daß von allem dieſem der Gießener Juriſtenfakultät(laut des Zeugniſſes im vorliegenden Studienplane) noch kein Bewußtſeyn erwacht iſt. Aber es werden in dem juriſtiſchen Studienplane nicht einmal die nöthigen Vorkenntniſſe und Geſichtspunkte zu einer philoſophiſchen Behandlung der einzelnen Theile des Rechts, durch eine Vorleſung über Rechtsphiloſophie, gege⸗ ben. Denn dieſe iſt natürlich etwas ganz anderes, als die im Studienplan aufgeführte Vorleſung über Philoſophie des poſitiven Rechts. Es iſt kaum abzuſehen, wie bei dem unendlichen, chao⸗ iiſch angehäuften Material empiriſch⸗juriſtiſcher Kenntniſſe eine gründliche Orientirung und eine ſelbſtändige, wiſſenſchaftliche Verarbeitung im eignen Geiſte des Studirenden bewirkt werden könnte, und wie eine Verſöhnung der hier mannigfaltig obwal⸗ jenden Gegenſätze möglich wäre, ohne die ſpekulative Rechts⸗ 224 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien wiſſenſchaft. Der, trotz aller Verſuche Seitens der bedeutend⸗ ſten Juriſten unſerer Zeit, doch noch nicht ausgeglichene Gegen⸗ ſatz und Widerſpruch zwiſchen Theorie und Praxis in unſerer heutigen Jurisprudenz, welcher auch, weit entfernt abzunehmen, vielmehr noch immer im Steigen und Wachſen begriffen iſt, kann nur durch die gründliche, prinzipielle Richtung der philo⸗ ſophiſchen Schule nach und nach gehoben werden; denn dieſe letztere iſt es, welche von dem unläugbaren Bedürfniſſe nach einem volksthümlichen, wirklich deutſchen Recht, und nach einem wiſſenſchaftlich zu erringenden Rechtsbewußtſeyn des Volkes kräftig und ernſtlich ſtrebt, um endlich in die Augen fallen zu laſſen, was Alles blos der Geſchichte und was der lebendigen Gegen⸗ wart angehört, was wir feſtzuhalten und was wir aufzugeben haben. Die Kritik iſt auch hier der Ausgangspunkt der gegen⸗ wärtigen juriſtiſchen Leiſtungen; ſie iſt die nothwendige Bilanz der heutigen Rechtswiſſenſchaft. Aber auch von dieſer iſt im Studienplane, der doch den Anforderungen der Zeit entſprechen will, Nichts wahrzunehmen, obgleich derſelbe neben der Herme⸗ neutik, als der rationellen Auslegung der Rechtsquellen, füglich eine beſondere Stelle hätte erhalten müſſen, und dies um ſo mehr, da einerſeits ohne kritiſche Betrachtung des Poſitiven und ohne ein Zurückführen des Poſitiven auf die Natur der Sache in dem Chaos juriſtiſchen Materials am wenigſten etwas auszurichten iſt, und andererſeits ein ſicherer, begründeter Stand⸗ punkt über dem Beſtehen und Poſitiven für die wahre Wiſſen⸗ ſchaft unumgänglich nothwendig iſt. Da übrigens der Kanzler der Univerſität, ein Jünger der hiſtoriſchen Schule, ſelbſt im Staatsrathe ſitzt, ſo iſt wohl an eine Beſeitigung dieſer Mängel, wenigſtens zunächſt, nicht zu denken. Und da die Philoſophie im engern Sinne keinen beſonderen Studienplan erhalten hat, worin die Philoſophie des Rechts und die ſpekulative Entwick⸗ lung des Rechtsſtaats etwa eine Stelle hätte finden können, ſo ſieht es damit eben ſchlimm aus. Und es mag die Jurisprudenz Studirenden der Spruch tröſten: Was ich nicht weiß, macht mir nicht heiß! Wie ſich die Philoſophie der Naturwiſſenſchaften oder(wenn man lieber will) die Naturwiſſenſchaft der Philo⸗ ſophie bemächtigt habe, dies iſt durch die wiſſenſchaftlichen Beſtre⸗ d hungen der vorden. 2 irte Natur junte Gew nannigfalti Werden, di dazu der W phiſche N licht mehr Alten, geg onnte; viel ſephiſcher— jetzund nur loße Empi ſe die wah In äl ſhen Med ſſche und f noch, dener A machen neuen Wei deſtrbunge tii jedem iſſen Anfi rufgeſtellt, Veſen zur ane Bahn dm Auolar retten, de unphibo nüglich wa⸗ Das m in Einlerne Valſaenf der die wo unn geiſtloſe ichen Hypo vonſt Jahr ien der bedeutend⸗ glichene Gegen⸗ ris in unſerer nt abzunehmen, begriffen iſt tung der philo⸗ en; denn dieſe hedürfniſſe nach echt, und nach ſeyn des Volkes lugen fallen zu endigen Gegen⸗ vir aufzugeben unkt der gegen⸗ wendige Bilanz dieſer iſt im Zeit entſprechen den der Herme⸗ auellen, füglich nd dies um ſo des Poſitiven die Natur der venigſten etwas ndeter Stand⸗ wahre Wiſſen⸗ ens der Kanzle⸗ ule, ſelbſt im dieſer Mängel die Philoſophi n erhalten ha llative Entwic⸗ den können, ie Jurispruden t weiß/ mach ſſenſchaften gaft der Philo Iftlchen Beſtl des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 225 hungen der Neuzeit auf dieſem Gebiete zur Genüge dargethan worden. Die in tauſendfachen Zügen und Erfahrungen analy⸗ ſirte Natur, die vielen ſchätzbaren einzelnen Entdeckungen, das bunte Gewebe und Gefüge des Lebens war in einem unendlich mannigfaltigen Material aufgehäuft; aber das Leben ſelbſt, das Werden, die Geneſis der Natur ſah man nicht, bis endlich auch dazu der Weg gebahnt, und an eine genetiſche, d. h. ächt philo⸗ ſophiſche Naturwiſſenſchaft Hand angelegt wurde. Und dieſe iſt nicht mehr die phantaſtiſche und willkürliche Naturphiſoſophie der Alten, gegen die der Empiriker ſich mit Achſelzucken verhalten konnte; vielmehr iſt ein derartiges vornehmes Ignoriren philo⸗ ſophiſcher Beſtrebungen, wie überall, ſo auch in dieſem Gebiete, jetzund nur noch lächerlich. Es iſt immer ein Zeichen, daß die bloße Empirie nicht mehr ihre Blößen zu decken vermag, wann ſie die wahre, tüchtige Philoſophie verachtet. In ähnlicher Weiſe liegen die Mängel der heutigen deut⸗ ſchen Medizin, als Wiſſenſchaft, zu Tage. Wie viel roman⸗ tiſche und fremdartige Vorſtellungen graſſiren auf dieſem Gebiete noch, denen der neuerwachte philoſophiſche Geiſt den Garaus zu machen hat. Die Ernte iſt groß, doch auch hier ſind im neuen Weinberge wenig Arbeiter. Dieſe neuen mediziniſchen Beſtrebungen, ob ſie auch noch ziemlich iſolirt ſtehen, wie es bei jedem Fortſchritte der Fall iſt, ſo lange er noch in den erſten Anfängen ſteht, haben eine wiſſenſchaftliche Anthropologie aufgeſtellt, ſie haben den Menſchen ſelbſt und ſein dieſſeitiges Weſen zur Grundlage und Vorausſetzung genommen, und damit eine Bahn betreten, welche es allein möglich macht, auch hier dem Auslande gegenüber die Ehre der deutſchen Wiſſenſchaft zu retten, was bis jetzt durch die mediziniſchen Fakultäten, bei der unphiloſophiſchen Richtung ihrer meiſten Dozenten, noch nicht möglich war. Das mediziniſche Studium beſteht faſt aller Orten nur ſ im Einlernen der vorliegenden, mitgetheilten Erfahrungen und Thatſachen für's Examen und für den künftigen praktiſchen Beruf. Aber die wahre mediziniſche Wiſſenſchaft iſt eben ſo weit entfernt von geiſtloſer, chaotiſcher Empirie, wie von bodenloſen, willkür⸗ lichen Hypotheſen; denn beides reicht im Leben nicht aus. Nur Konſt. Jahrb. I. 3. 15 226 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien W die innige Verbindung beider, des wahrhaft freien und philo⸗ ſophiſchen Geiſtes und ächter genetiſcher Methode mit den empi⸗ riſchen Thatſachen und Erfahrungen, vermag die Krone der Wiſſenſchaft zu gewinnen, und ſo begeiſterte, wie tüchtige Jünger zu bilden. Fragen wir nun nach dieſen allgemeinen Bemerkungen über den gegenwärtigen status quo der Medizin, in welchem Verhält⸗ niſſe dazu das Syſtem des Studienplanes ſteht, ſo erweckt der ganze Schematismus, der für Aerzte und noch mehr für Chirurgen und Thierärzte eingeſetzt iſt, gerechtes Bedenken, weil daraus mehr die Abſicht eines praktiſchen Abrichtens, als wirklich wiſſen⸗ ſchaftlicher Tüchtigkeit, die doch die einzig ſolide Bedingung der Praxis iſt, hervorleuchtet. Muß freilich für den nahe liegenden praktiſchen Zweck hier vor allen Dingen auf dem Boden der Empirie und feſter Erfahrung ein ſicherer Fuß gefaßt werden, ſo iſt doch auf der andern Seite, im Intereſſe der wahren, freien und ſelbſtändigen Wiſſenſchaft, der Philoſophie die Bahn des Einfluſſes zu eröffnen, damit der alte herrſchende Empiris⸗ mus, der die Philoſophie weder kennt, noch goutirt, mit den geiſtigen Fortſchritten und den Forderungen der Zeit verſöhnt werde. Und dies iſt's, was der Studienplan, gleichwie in andern Disziplinen, ſo auch hier vermiſſen läßt. Und ſo ſeyen denn dieſe Bemerkungen mit einem freien Worte eines ächt philoſophiſchen Mannes geſchloſſen, das mit uns ſchon mancher Andere zu dem ſeinigen gemacht hat, oder von Herzen ihm beiſtimmen wird:„Es iſt dringer als je nöthig, daß ein freier deutſcher Staat der freien Wiſſenſchaft eine Stätte bereite, daß die neue Form der Viſſeenſchaft, die alles Material der alten Fakultäten in philoſophiſche Hiſtorie und Philoſophie auflöst, in einer neuen Wohnung einen neuen Haushalt beginne, und den edleren Jünglingen, die nach dem Eramen und nach der banauſiſchen Mühe dafür nun erſt den Blick zu der reinen Sonne der Wahrheit erheben, eine Akademie der freien Wiſſenſchaft eröffnet werde.“ ien rreien und philo⸗ de mit den empi⸗ die Krone der tüchtige Jünger zemerkungen über welchem Verhält⸗ t, ſo erweckt der ehr für Chirurgen en, weil daraus 8 wirklich wiſſen⸗ de Bedingung den nahe liegenden dem Boden der z3 gefaßt werden, teſſe der wahren oſophie die Baht nſchende Empiri goutirt, mit de der Zeit verſöht an, gleichwiei k. nem freien Won as mit uns ſcho oder von Herze nöthig, daß ei Wiſſenſchal der Wiſenſcha gſophiſche Hiſt rung einen neun en, die nach de är nun erſt d z eine Aladen n/ Die konſtitutionellen Jahrbücher ſollen derkonſtitutionell⸗monarchiſchen Anſichtin Deutſchland zum Zentral⸗ organ dienen. Durch ihre Erſcheinungsart(in Bänden über 20 Bogen) der Zenſur enthoben, werden ſie mit Freimuth die Zuſtände der europäiſchen Länder, vorzugsweiſe aber die des deutſchen Geſammt⸗ vaterlandes und ſeiner einzelnen Staaten, beſprechen. Eine Zahl ehrenwerther, verfaſſungstreuer Männer, ausgezeichnete parlamen⸗ tariſche und publiziſtiſche Talente Deutſchlands und des Auslands haben für dieſen Zweck ihre Mitwirkung und ihre Unterſtützung zu⸗ geſagt. Sie wollen beweiſen, ob die Anhänger der repräſentativen, konſtitutionellen Monarchie— welche geſetzliche Freiheit wollen, Rechtsgleichheit und rechtliche Ordnung, Oeffentlich⸗ keit, Fortſchritt im ganzen Staatsweſen, den Einfluß der öffentlichen Meinung durch Volksrepräſentation und freie Preſſe auf die Leitung des Staates, friedliche, freie Eini⸗ gung der in Kultur und Wiſſenſchaften höchſtſtehenden Natio⸗ nen Europas—, unwürdig ſind des freien, unbevormunde⸗ ten Ausdrucks ihrer Anſichten, ihrer Ueberzeugung. Von den„konſtitutionellen Jahrbüchern“, welche nur Original⸗Aufſätze aufnehmen, erſcheinen jährlich drei Bände, je über 20 Druckbogen. Der Preis eines Bandes iſt auf 1 Thlr. 20 ggr. oder 3 fl. Vereinsmünze feſtgeſtellt, für welchen alle Buchhandlungen Deutſchlands Beſtellungen annehmen. icher zum Zentral er 20 Bogen) Zuſtände der en Geſam Eine Zahl te parlamen⸗ des Auslands terſtützung zu⸗ epräſentativen hheit wollen, deffentlich⸗ Einfluß det nd freie Yrſſe freie Ei den Natih⸗ vormund“ 4, welche ut drei Bände Thlr. 20 93 zuhhuudlurge Konſtitutionelle Colour& Grey Control Chart Blue Cyan Green vellow Bed Magenta White Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey Black Stuttgart, hei Adolph Krabbe. 1843.