8 4 r. 2 „ uũũümn 141 522 247 kch V 0 ½ hu es 03R 38 eefa⸗ 11. NOV. 931 V. 1981 25. Dez. 198 10. 11 05 11.12.95 An den Herrn Biſchof von Mainz, Wilhelm Emmannel von Ketteler. Erklärung des Prof. Dr. Lufterbech an der Univerſität zu Gießen. Wm Gießen, 1860. 3. Ricker'ſche Buchhandlung. von 21 8 Hochwürdigſter Herr Biſchof! Mir wurde vorgeſtern durch die Poſt folgendes Schreiben von Ihnen eingehändigt: „Wilhelm mmanuel, Biſchot von Mlainz, an den Herrn Profeſſor und Prieſter Dr. Lutterbeck zu Gießen. Sie haben kürzlich eine Schrift„Geſchichte der katholiſchen Facultät in Gießen“ herausgegeben, welche Aeußerungen enthält, die mir die Pflicht auflegen, Sie hierdurch amtlich zu einer Erklärung zu veranlaſſen. Sie geben zu und es iſt überdieß eine notoriſche Thatſache, daß die Erziehung des Clerus in Seminarien in Ge⸗ mäßheit der Vorſchrift des Concils von Trient von der Kirche gebilligt, empfohlen und als Regel vorgeſchrieben iſt. Dagegen bezeichnen Sie dieſe Erziehung in einer Reihe von Stellen, namentlich S. 18— 24 Ihrer Schrift als eine verwerf⸗ liche, wodurch das Recht Unmündiger ſyſtematiſch gekränkt, die freie Selbſtbeſtimmung in Erwählung des Berufes beeinträchtigt, die richtigen Prinzipien der chriſtlichen Erziehung verletzt, viel⸗ leicht gar ſtaatsgefährliche Grundſätze gelehrt, der niedere Clerus zu einer knechtiſchen Abhängigkeit gegen den Biſchof erzogen und dadurch entwürdigt und demoraliſirt werde. Es mochte Ihnen unbenommen ſein, Ihre Anſichten über die Vorzüge der Univerſitätsbildung auseinanderzuſetzen, dagegen die beſtehende kirchliche Disciplin und die von der Kirche ſo ſehr empfohlenen Seminarien in der angegebenen Weiſe als verwerf⸗ lich zu bezeichnen, war Ihnen als katholiſchem Chriſten, geſchweige als Prieſter nicht erlaubt; denn es iſt darin die Anſicht ausge⸗ ſprochen, daß die katholiſche Kirche eine mit der chriſtlichen Moral und der chriſtlichen Freiheit unverträgliche Disciplin eingeführt habe oder einführen könne, eine Meinung, die ſelbſtverſtändlich mit dem, was uns der Glaube von der Kirche lehrt, unverträg⸗ lich und überdieß ausdrücklich durch die Bulle Auctorem fidei, prop. 78 verworfen iſt. Sie ſtellen ferner S. 13 ff. die Behauptung auf, daß die Freiheit, ohne welche eine Wiſſenſchaft unmöglich, in der katho⸗ liſchen Theologie der Art durch die Hierarchie beſchränkt ſei, daß die akademiſche Freiheit der einzige Schutz jener Freiheit und ſo⸗ mit die unerläßliche Bedingung der theologiſchen Wiſſenſchaft ſei; unter dieſer akademiſchen Freiheit aber verſtehen Sie eine unter dem Schutze des Staates ſtehende Unabhängigkeit von der Auto⸗ rität der Biſchöfe und des Papſtes, dergeſtalt, daß Sie ſelbſt katholiſche Univerſitäten, in ſofern ſie unter dem unmittelbaren Einfluß der Hierarchie ſtehen, verwerflich finden. Dieſe Behauptung ſteht mit der Wahrheit, daß kraft gött⸗ licher Inſtitution die oberſte Aufſicht in Glaubensſachen der lehrenden Kirche zuſteht und daß die kirchliche Lehrgewalt unmög⸗ lich die wahre Wiſſenſchaft und rechtmäßige wiſſenſchaftliche Frei⸗ heit beſchränken kann, und überdieß mit der Thatſache, daß alle theologiſchen Lehranſtalten und namentlich die Univerſitäten und theologiſchen Facultäten in allen verfloſſenen Jahrhunderten und bis in die neueſte Zeit unter der Autorität der kirchlichen Hie⸗ rarchie geſtanden haben, im Widerſpruch. Ebenſo erſcheint die Anſicht, daß der Staat die theologiſche Wiſſenſchaft gegen die Hierarchie zu ſchützen habe, als durchaus unwahr und un⸗ katholiſch. Ihre Behauptung, daß das Chriſtenthum mit aller Dienſt⸗ barkeit unter irgend einem Geſchöpf unverträglich ſei, S. 21, iſt in ſofern höchſt anſtößig, als der Zuſammenhang es unmittelbar nahe legt, den kirchlichen Gehorſam gegen die Nachfolger der Apoſtel unter dieſe Dienſtbarkeit zu ſubſumiren oder gar die chriſtliche Freiheit als Unabhängigkeit von der kirchlichen Autorität anzuſehen. Auch die Weiſe, wie eben daſelbſt die Hierarchie der Gemeinde entgegengeſetzt und der Staat als Vertreter der Ge⸗ meinde dargeſtellt wird, iſt ſehr verfänglich. Deßgleichen iſt Ihre Bemerkung:„Man glaubt nicht beſſer für das Heil der Menſch⸗ heit ſorgen zu können, als wenn man ſie ſtets in der Unſchuld bewahrt, wogegen es gewiß iſt, daß das wirkliche Heil nur in der durch die Verſuchung bewährten Tugend gefunden werden kann,“ mindeſtens höchſt mißverſtändlich, indem dadurch die b V V 6 Pflicht jede Verſuchung möglichſt zu fliehen und insbeſondere die Jugend vor jeder Verſuchung möglichſt zu bewahren, in Abrede di geſtellt zu ſein ſcheint. be Judem ich andere ſehr beklagenswerthe Stellen Ihrer Schrift, namentlich die große Irreverenz, welche Sie darin viel⸗ 76 fach gegen die kirchlichen Vorgeſetzten, insbeſondere auch gegen und den apoſtoliſchen Stuhl an den Tag legen, die völlig unbegrün⸗ Be deten Verdächtigungen gegen hochſtehende kirchliche Perſönlich⸗ un keiten, wie gegen S. Eminenz den Herrn Cardinal⸗Erzbiſchof ho von Cöln und die HH. Biſchöfe von Speyer und Straßburg, die ſittliche Verdächtigung längſt Verſtorbener übergehe, fordere w ich Sie auf, über die oben präciſirten Punkte ſich auszuſprechen, ſch namentlich zu erklären, ob Sie bereit ſind, folgende Sätze zu in unterſchreiben. h 1) Ich bekenne, daß die Erziehung des Clerus in Semina⸗ E rien nach Vorſchrift des Concils von Trient weder mit der 3 Moral, noch der„chriſtlichen Freiheit, noch dem Wohle der kirch⸗ A lichen und bürgerlichen Geſellſchaft, noch mit der Würde und t der Beſtimmung des Prieſterſtandes im Widerſpruch ſteht, viel⸗ a mehr eine chriſtliche und heilſame iſt. n 2) Ich bekenne, daß das höchſte Aufſichtsrecht über alle katholiſchen theologiſchen Lehr- und geiſtlichen Erziehungsanſtalten als ſolche bezüglich der Reinheit der Lehre, der religiöſen Dis⸗ V ciplin und des kirchlichen Lebens der lehrenden Kirche, insbeſon⸗. dere den Biſchöfen und in höchſter Inſtanz dem Papſte zuſteht, und daß zwiſchen der kirchlichen Autorität und der wahren Wiſ⸗ ſenſchaft und wiſſenſchaftlichen Freiheit ein Widerſpruch nicht V beſteht. tten 3) Ich bekenne, daß das Recht den Clerus zu erziehen, divina institutione in der ordentlichen Amtsgewalt der Biſchöfe beziehungsweiſe des Papſtes liegt. 4) Ich erkläre endlich, daß ich Alles, was in meiner Schrift: „Geſchichte der theologiſchen Facultät in Gießen“ gegen die Lehre und die Geſetze der katholiſchen Kirche enthalten iſt oder in dieſer Beziehung gerechten Anſtoß erregen könnte, als nicht geſchrieben und nicht in meinem Sinne und meiner Abſicht gelegen angeſehen haben will. Wenn Sie ruhig und ernſtlich über die Sache nachdenken, werden Sie erkennen, daß das von mir Ihnen gegenüber einge⸗ ſchlagene Verfahren für mich eine unabweisliche Pflicht iſt, mein innigſter Wunſch aber geht dahin, daß Sie durch eine Ihre katholiſche und prieſterliche Geſinnung außer Zweifel ſetzende Erklärung dieſe in gegenwärtigen für die Kirche ſo leidensvollen Zeiten doppelt beklagenswerthe Sache erledigen und mir die Möglichkeit geben, Ihnen nicht blos die fernere Ausübung prie⸗ ſterlicher Functionen in meiner Diöceſe zu geſtatten, ſondern auch Ihnen als einem treuen Sohne und Prieſter der Kirche meine aufrichtige Achtung fortwährend ſchenken zu können. Mainz, den 12. October 1860. 3 † Wilhelm Emmanuel.“ Ew. Biſchöflichen Gnaden beehre ich mich hierauf Folgendes zu erwiedern. Die gewünſchte weitere Aufklärung über den eigentlichen Sinn meiner Schrift und der von Ihnen daraus angeführten Stellen ſehe ich mich leider außer Stand Ihnen geben zu können. Denn dieſelbe zeichnet, wie ich meine— und das iſt allerdings, wie ich auch in ihr ſelbſt ſchon verſchiedentlich bemerkt habe, die Haupttendenz der ganzen Schrift— die Unbilde, welche Ihr, an frühere beklagenswerthe Vorgänge nur zu nahe ſich anſchließendes, Verfahren unſerer eben hierdurch zu Fall gebrachten katholiſch⸗ theologiſchen Facultät, den einzelnen Mitgliedern derſelben und mit⸗ telbar der geſammten katholiſch⸗theologiſchen Wiſſenſchaft Deutſch⸗ lands unzweifelhaft zugefügt hat, in allen ihren Einzelheiten ſo deutlich und beſtimmt, daß mir jegliches Mittel fehlt, mich noch deutlicher darüber auszudrücken, und ich es daher nur ſehr bedauern kann, wenn Sie dieſes, was doch zunächſt Sie ſelbſt angeht, auch jetzt noch nicht einzuſehen oder vielmehr bei dem, was Sie in Ihrer Zuſchrift gegen mich äußern, völlig zu überſehen ſcheinen. Um ſo weniger darf ich mich dann freilich wundern, wenn Sie in eben dieſer Ihrer Zuſchrift z. B. meine Anſicht über akademiſche Freiheit in dem Sinne glauben auffaſſen zu dürfen, als ob ich damit irgendwie das Verlangen nach abſoluter Frei⸗ heit unter Beiſeitewerfung aller geſetzlichen Auctorität hätte aus⸗ drücken wollen. Mir iſt dieſes nicht entfernt eingefallen, wie ich mich denn auch ſonſt gegen Ihre oft künſtlich herbeigezogene Erklärung oder vielmehr Mißdeutung einzelner Worte und Sätze meiner Schrift ſowie die Art ihrer Widerlegung in jeder Weiſe verwahren muß. Uebri ſeine des E müſſe wie d Sache Wer, Uebrigens hat bekanntlich Galilei zu Rom unter Pabſt Urban VIII. ſeine im Sinn des Kopernikaniſchen Weltſyſtems gemeinte Leugnung des Satzes„Stat terra in aeternum“ auf den Knieen abſchwören müſſen: ich habe, ohne mich mit jenem großen Manne irgend⸗ wie vergleichen zu wollen, nicht Luſt, in einer gleich ſonnenklaren Sache ein Pater peccavi auszuſprechen, deſſen ich mich nicht ſchuldig weiß. Da ich durchweg nur Thatſachen berichtet habe, ſo weiſe ich auch den Vorwurf mit Unwillen zurück, als ob ich irgend einen Lebenden oder Todten habe verdächtigen wollen. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß mit dem Geſagten für mich alle Veranlaſſung fortfällt, den von Ihnen in vier Punkten aufge⸗ ſtellten Widerruf zu unterzeichnen, der ſo wie er daſteht für mich ſchmählich ſein würde. Hiermit verbinde ich zugleich die gehor⸗ ſamſte Anzeige, daß ich mich fortan aller prieſterlichen Functionen in Ihrer Diöceſe enthalten werde, die ich auch nach meiner Ent⸗ bindung von der theologiſchen Profeſſur hauptſächlich nur deß⸗ halb noch fortgeſetzt habe, um ſo den Bedürfniſſen der hieſigen katholiſchen Gemeinde und den Wünſchen ihres Pfarrers meiner⸗ ſeits ganz freiwillig zu entſprechen, zu denen ich aber amtlich, wie Sie wiſſen, niemals verpflichtet war. Was endlich Ihre am Schluß verſicherten väterlichen Geſinnungen gegen mich be— trifft, ſo lauten zwar die Worte recht ſchön und ich würde ihnen gewiß auch gern entgegenkommen; nur aber habe ich leider bis dahin weder in meiner Stellung als Profeſſor der Theologie, noch jetzt, wo ich dies nicht mehr bin, irgend einen thatſächlichen Beweis von ihnen geſehen, und ich muß mich in dieſer Beziehung ſogar noch freuen, daß ich nicht dem Kreiſe Ihres Diöceſanklerus angehöre, indem ich ja auch das nähere Verhältniß, in welchem ich ——ͤ——— früher zu Ihnen ſtand, durch die Uebernahme eines rein weltlichen Amtes an unſerer Landesuniverſität wieder aufzulöſen vermochte. Mir muß es allerdings unter Umſtänden vollkommen genü⸗ gen, mein Prieſterthum nur ganz ſtill bei mir, gewiſſer Maaßen in der Verborgenheit, zu tragen. Stände aber ein Mann von der Einſicht, Liebe und ächtchriſtlichen Milde eines Sailer an der Spitze unſerer kirchlichen Angelegenheiten, ſo hätten wir ſicher der⸗ gleichen nimmermehr erleben müſſen! Auch glaube ich immerhin wohl noch auf eine Wendung der Dinge zum Guten hoffen zu dürfen. Sollten Sie nach dieſer meiner Erklärung zu dem früher uns zugefügten und, wie meine Schrift zeigt, uns tief ſ merzen⸗ den Leid noch neues für mich, etwa durch Verhängung irgend welcher kirchlichen Cenſuren oder ſonſtige Verfolgungen, hinzufügen wollen: ſo kann ich dieſes freilich nicht hindern, werde es aber in aller Geduld und Seelenruhe ertragen, da ich das Bewußt⸗ ſein hege, daß ich in meiner Schrift gegen die katholiſche Lehre und die geſchichtliche Wahrheit nichts habe vorbringen wollen noch wirklich vorgebracht habe. Auch über das Weitere wird, wenn es ſein muß, die Oeffentlichkeit richten. Möge das unter Ihrer Pflege beſtehende Seminar mit Gottes Beiſtand gedeihen und insbeſondere alle die Fehler vermeiden, welche ich bei einem ſolchen Inſtitut wohl als möglich, aber nicht als nothwendig namhaft gemacht habe! Ich zeichne mit aller ſchuldigen Hochachtung Ew. Biſchöflichen Gnaden Gehorſamſter Dr. Lutterbeck, Profeſſor der claſſiſchen Philologie an der Univerſität zu Gießen. Gießen, den 18. October 1860. 4*„ — 1 —————— —————— — 4 .— 1. 2— — — . 8 2 * . 1 . 1 6— . 4 1 8 4.* 3—— 8 . 4 2 1 —. . 8—, .*. — 4 4 . Geſchichte Colour& Grey Control Chart Ocm 1 Blue Cyan Green vellow Hed Magenta Wnite Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black Eine allen Theologen Deutſchlands gewidmete Denkſchriſt von Anton Lutterbeck, Doctor der Philoſophie und der kath. Theologie, öffentl. ord. Profeſſor der claſſ. Philologie an der Univerſität zu Gießen. 6 8 4 9 Gießen, 1860. S. Ricker'ſche Buchhandlung,