Neechtliche Wedancken von der Gerichtsbarkeit der Univerſitaͤten, beſonders der Sniverſikat Wieſſen, in realibus; wie auch: Von der Unſtatthaftigkeit der reconvention eines agademici vor einem andern Richter;— entworfen von D. Johann Chriſtoph Koch zweyten Lehrer der Rechte, Hofrath und Com. palat. caefar. Gie ſſen, 1764. bey Johann Philipp Krieger. 8 Von der Gerichtsbarkeit der Univerſttaͤten in realibus. §. 1. , Aie uͤͤberhaupt in Entſcheidung einer ſtreitigen Frage, ehe man r die gemeine Rechte zu Rathe ziehen darf, vorzuͤglich darauf /p geſehen werden muß: ob nicht die Landes Geſetze, Statuten Ne* und die beſondere Obſervanz ſelbige entſcheiden; Alſo iſt es 3 auch wohl keinem Zweifel unterworfen, daß in Entſcheidung der Frage: Ob einer Univerſitat die Gerichtsbarkeit in realibus zuſtehe? jene Regel ihre Anwendung finden muͤſſe. Daß demnach, wenn die akade⸗ miſchen Statuten einer Univerſitaͤt die Gerichsbarkeit in realibus zuſprechen, oder doch die Univerſitaͤt ſelbige in vorkommenden Faͤllen jederzeit ausgeu⸗ bet, und mithin die rechtliche Obſervanz vor ſich hat, hiebey ſtehen ge⸗ biebin 7und die Frage aus den gemeinen Rechten nicht entſchieden wer⸗ en muß. A 2§. 2. 4= §. z. Falls aber die Statuten nichts gewiſſes beſagen, auch keine Obſer⸗ vanz vorhanden iſt, ſo entſtehet die ſehr ſtreitige Frage: ob nach denen ge⸗ meinen Rechten, denen Univerſitaͤren die Gerichtsbarkeit in reaſibus zu⸗ ſtehe? 8. 8—. . 3. 4 Die Meinungen derer Rechtsgelehrten ſind bey dieſer Ftage nicht ei⸗ nerley, und ſie theilen ſich in drey Claſſen. §. 4. Die erſte Meinung gehet dahin: daß denen Univerſitaͤten die Gerichts⸗ barkeit in allen Klagen, ſo wohl perſoͤnlichen als dinglichen, welche gegen akademiſche Buͤrger und Univerſitatsverwandte, es ſey in poſſeſſorio oder etitorio, erhoben werden, privative, d. i. ſolchergeſtalt zuſtehe, daß der judex ordinarius loci, in quo res ſita elt, ſich der Gerichtsbarkeit auzu⸗ maſſen gar nicht befugt, ſondern incompetens iudex ſey. Den Grund dieſer Meinung ſetzet man hauptſaͤchlich in folgenden Worten der bekannten auth habita C. ne filius pro patre- Veruntamen(i litem eis quispiam fuper aliquo negotio movere voluerit,—- conveniat. Qui vero ad alum iudicem eos trahere tentaverit, etiamſi cauſſa iuſtiſſima fuerit, a tali conamine cadat. Sintemal die Worte ſuper aliquo negotio ſo viel bedeuten als ſuper quolibet negotio. Es hat auch dieſe erſte Meinung Dr. Andreas Sartorius, vormaliger Profeſſor iuris zu Franckfurt an der Oder in einem, von der daſigen Juriſten Facultaͤt approbirten Oonſilio, welches ſich bey denen Conſillis& reſponlis lo. Brunnemanni in ap- pendice befindet, ſehr weitlaͤuftig und heſtig vertheidigt, weniger nicht hat der beruͤhmte Erfurtiſche und nachmaliger Goͤttingiſcher RechtsLehrer To⸗ bias Jacob Reinharth in der zu Erfurt im Jahr 1732. gehaltenen diſfertation de duarum vel plurium iurisdictionum in vna eademque cauſſa conflictu§. 23. 29. derſelben, unter Anfuͤhrung vieler Grunden, beygepflichtet. Uebrigens iſt es offenbahr, daß die obenangefuͤhrte auth. habita in denen ſtatutis academiarum namentlich pflegt beſtaͤtigt zu ſeyn, und man ſich alſo auf dieſe auth. mit rechtlichem Grunde be⸗ ziehen kan. §. 5. —— Obſet⸗ en ge⸗ us zu⸗ ſicht e“ erichts⸗ egegen o oder daß der t anzu⸗ Grund kannten ispiam ero ad eerit, a ſo viel xeinung furt an onſilio, in ap⸗ icht hat er To⸗ Hhaltenen gemque ründen gefuhrte deſtaͤtigt nnde be⸗ 9. 5. & 4ϑ% · §. f. Die zweyte Meinung iſt dieſe: daß die Univerſitaten in realibus gar keine Gerichtsbarkeit haͤtten, und mithin, wie man zu ſagen pflegt, ihnen die ſpecies iurisdictionis in realibus nicht zuſtehe, ſondern in dergleichen Sachen die urisdictio iudieis ordinari loci, in quo res ſita eſt, einzig und allein fundirt ſey. Es iſt dieſer Meinung unter andern Schaumburg in Compend. Digeſtor. lib. 1. 5. dt.§. 38. zugethan, und fuͤhret derſelbe zum Grunde an, daß denen Akademien nach dem Exempel der Ceeriſey die Gerichtsbarkeit geſtattet worden, gleichwohl aber das forum ecsleſtalticum in realbus nicht fundirt ſey. Nun iſt zwar nicht zu leugnen, daß in vielen Landen die Conſiſtoria in realibus clericorum cauffis keine Gerichtsbarkeit haben, wie davon Beyſpiele bey Pufendorff in Introd. ad Proc. P. I. c. 3.§. 10. Bœh- mer in lur. eccleſ. Prot. T. I. lib. 2. tit. 3.§. 18. ſich vorfinden, allein damit ſcheinet die Sache nicht ausgemacht zu ſeyn. Denn, geſetzten Fall⸗ daß die iurisdictio académica ad exemplum iurisdictionis eccleſiaſticae entſtanden waͤre, ſo muͤßte doch die auth. habita und beſonders die darin vorkommende Worte: ſuper zliquo negorio, aus dem iure canoni- co und deſſen Saͤtzen ihre Eikläͤrung erhalten. Nun iſt aber nichts gewiſſer, als daß nach dem lure canonico auch in cauſſis clericorum realibus die iurisdictio eccleſiaſtica, und zwar privative, fundirt iſt, und dem Klaͤger, welcher einen clericum actione reali belangen will, nur dies freyſtehet, ob er die Klage coram epiſeopo domicilii, oder coram loci, vbi res ſita eſt, ordinario i. e. epiſcopo anſtellen will, c. vIt. X. de foro compet. c. 1. de privil. in 6.; wie ſolches auch Bcœehmer cit. loc. nachgegeben hat. Mithin koͤnten die Vertheidiger der erſten Meinung ſelbſt dieſe Gruͤnde, worauf man die zweyte Mei⸗ nung bauen will, zu Unterſtuͤtzung ihres Satzes anwenden. §. 6. Die dritte Meinung, welche Schilter in Prax. iur. rom. Exercit. 13. in fin. Exercit. 30. ch. 133. vorgetragen, gehet dahin: daß das fo⸗- rum privilegiatum an die Stelle des fori domicilii ordinarii trete, und ein forum domicili ſingulare ſ. privilegiatum ſey. Mithin ein ſolcher⸗ 1 A 3 welcher 4 welcher ein forum privilegiatum haͤtte, in foro domicilii ordinario nicht weiter belangt werden koͤnte, indem dieſes per forum domicilii privilegia- rum vertreten wuͤrde. Hiernaͤchſt könten in einem ſolchen foco privilegiato domicilii alle actiones, gleichwie in dem foro domicilii ordinario Rech⸗ tens, angeſtellet werden. Inzwiſchen aber wuͤrden durch dies korum do- micilii privilegiatum die uͤbrigen fora ſpecialia e. g. rei ſiras, nicht aufge⸗ hoben, ſondern es ſtuͤnde in dergleichen beſondern Faͤllen dem Klaͤger die Wahl zu, ob er ſolchen Beklagten, welcher ein forum privilegiatum hat, vor dem foro domicili privilegiato oder dem foro rei fitae belangen wol⸗ te Und waͤre alſo in dieſem Fall ein concurſus iurisdictionum. Dieſer Meinung zu folge, hatte alſo ein Klaͤger, welcher einen Profeſſor oder andern Univerſitaͤts Verwandten actione reali belangen will, die Wahl, ob er die Klage vor der Univerſitaͤt oder dem iuclice rei ſitas anſtel⸗ len wolte. §. 7. Hieraus kan man beurtheilen, was von dem Vorgeben zu halten ſey, wenn man ex capite prorogarionis einer Univerſitaͤt die Gerichts⸗ barkeit in realibus in einzelnen Faͤllen zwar zugeſtehen, uͤberhaupt aber ableugnen will. Denn nach der vorgetragenen erſten Meinung iſt die Univerfitaͤt alleiniger ludex competens, ſo wie ſie nach der dritten Mei⸗ nung cum foro rei ſitae concurrentem iurisdictionem hat, folglich fallt in beyden Faͤllen der Gedanke einer prorogation weg, indem in caſu concurrentis iurisdictionis zwar praeventio, nicht aber prorogatio, gedacht werden kan. Will man endlich die zweyte Meinung anneh⸗ men, ſo kan um deswillen keine prorogatio ſtatuirt werden, weil der⸗ jenige Richter, auf welchen man die Gerichtsbarkeit prorogiren will, die ſpeciem iurisdictionis, ad quam praeſens cauſſa pertinet, haben muß, indem die prorogatio de cauſſa ad cauſſam unguͤltig iſt. Folglich i der Wahn einer prorogation irrig und wider die erſten Anfangsgruͤnde anſtoſſend. §. 3. „Fragt man, welche von denen vorgetragenen Meinungen vor die ge⸗ gruͤndete zu halten ſey? ſo trage ich, kraft der bereits kuͤrzlich angefuͤhr⸗ ten Grunde, kein Bedenken, die erſte nach dem jure canonico, wie mende lo nicht vilegaa. llegiato Rech⸗ um do- t aufge⸗ ſager die um hat, en wol⸗ Dieſet or oder Wahl, anſtel⸗ halten erichts⸗ pt abet ſſt die Mei⸗ ch fallt un caſu ogatio, anneh⸗ eil der⸗ ill„ die muß, lich iſ grunde die ge⸗ gefüͤhr⸗ Onlco, wie & 9 7 wie auch der auth. habita; und die dritte nach dem iure romano, vor gegruͤndet; die zweyte Meinung aben nach denen gemeinen Rechten vor unrichtig zu erklaͤren. §. 9. Laſſet uns die bishero angefuͤhrten Saͤtze auf hieſige loͤbl. Univerſitaͤt anwenden, und nach Anleitung derſelben die Frage unterſuchen: Ob ihr du, Ghen iba hai in realibus, und zwar in welcher Maaſſe⸗ zuſtehe:. §. 10. Die Statuta acad. ſprechen ihr die Gerichtsbarkeit in realibus, na⸗ mentlich weder zu noch ab. Indeſſen ſind doch folgende, darinn vorkom⸗ mende, Stellen zu beherzigen. Tit. XII. Principio repetimus ac corrobo- vamus, ex certa ſcientia& deliberato animo, omnia ac ſingula privi- legia ac iura, non ſecus ac ſi verbotenus hic inſerta eſſent, quaecun- que non tantum ab Imperatore Friderico in Autbentica babita C. ne filius pro patre, docentibusr ac diſcentibas inqulta-— Corporis academici Lmwun ordinamus caput, Rectorem academiae, qui habeat in omnia Vniverſitatis membra eorumque coniuges, viduas, liberos, famulos & famulas iurisdictionem in cauſſis civilibus-- Noch deutlicher druk⸗ ken die privilegia& ſtatuta Gymnaſii Giſſeni de an. 160. die Sache aus:„Wnnder denſelbigenn(nemlich privilegien) ſoll nun diß das fuͤrnehm⸗ ſte ſeinn, das diß ganze Gymnaſium, das iſt, alle ſo darinnen lehren vnnd ſtudiren/ tam docentes quam diſcentes, derenn Weiber Wittibenn Kin⸗ der vnnd Geſindte, onnd alle dem Gymnaſio angehoͤrige Glider, den Rectorem fuͤr ihre Obrigkeit erkennen ehrenn vnnd haltenn, vnnd ihme Gehorſamb leiſten, darinnen dann ihme von onnſern Rethen vnnd beambten, wer die auch ſeyen(außgeſcheyden der bekanntlichen Criminal⸗Sachen) keinn Eintrag beſchehen ſoll.„„ Da nun nicht zu leugnen iſt, daß die cauflæ reales zu denen eivilibus gehoͤren, ſo iſt ebenwohl unleugbar, daß die loͤbl. Univerſitaͤt vermoͤge ihrer Statuten die Gerichtsbarkeit in realibus hat. §. I1. §. I. zu e noch mehr auſſer e beſtaͤndige Obſerbanz die Sache no⸗ egse Bett entiedas ne deeenthe Univerſitaͤt die Gerichtsbarkeit in realibus nicht 1 uber, ſo un'werſii 5 Seric einigen Faͤllen, da ihr die Gerichtsbarkeit Auindger, lie ha Kedyn wollen, in contradictorio obgeſieget. 8 wird a an ufuͤh⸗ neint wer r einige von dieſen vielen Faͤllen nach ihren Ru ri 955 5 nref lich ſeyn⸗ m e D. Horſt c. Hampelmm. Lins edengke daehi berri⸗ ren. 9. L= 8 8&n mann C den Vogt Bonacker. 4„ An. 1 6 T.Tetürde Lühm Hampelius contr. D. Fincken WMiig, Re en inche Ervſchaft erie.en, 143. Sh id enichs Strohe 8.. au. 6. 3 Gießwein. En de Daͤug f572. Struſſelin c. Gaupp. Enen Otten 5n19 nonnl 1575 D. Strauß c. des von Piſtoris Frau. Den Aechane eneff tr. An. 1622. Advocat Lapin c. D. Thilenlin. Ein Sun dan ſtand 4 n. 1607. Buͤrger Stohrin c. N. Junghanß. Duncpung dundh betr. Garten betreff A. 1725. Herr Prof. Maſſon e. verw Fnan S. Henſingin, die DurchgangsGerechtigkeit Hetreff. erohlne In des Zlucioß Stuikrads bieaſene hete e ama aten Oct. 1758 iſt die Univerſitaͤts⸗lurisdi on d aſſ. deſe Heaheeen erip alrnans Gericht zu Duunſſadtausgeſuroche vom ſrch pro praeterito ſo wohl als futuro, vor fundirt er an Und de Fürſtl. Ober Amt Siſen brfhen werdenſade Annder Suche, noan⸗ werſſtaͤtsUrtheile, nach ihrem uchſtäbl 7,— Lenen 1 auiderheatadrthelle, Mißdeutung ſich weiter anzumaſſen, Lenedith herin e woh⸗ als adhue decidendis, ohne 4Scned henitluſ Ruͤckfrage, zu exequiren. An. 1761. neer Dn. uddeen args Comnnn ſantus Alda, 3 den aulniber ſtat uchdueeer Eige des zwiſchen bey 1u Braun. Das Eigenthum d eiwet betrefend. Wer wird alſo, ohne 2 eingehaͤngte Privet betreffend. 2— 23,† n achenge d feen; deh löͤbl. Univerſitaͤt Gieſſen die Gexichtsbarkrit in reaie bezweiflen zu wollen, ſich einfallen laſſen koͤnnen⸗ bus ü aber d b) de 110. bn ehe; i ſerirte bus pt Otto & pal libus chtsbe njemal auf ka Uneh cauſſig Univer Amt tem i Gener dender ſeht auſſer tdie lobl. ſondern darin ber⸗ öt undien⸗ anzufüh⸗ rin betref. kelgerech⸗ ſttib. Die Apothecker Strohe en Garten Kicchen⸗ Suck Land ng durch dete Frau . Färber is. In Mtt. 175⁸ geprroche⸗ klart und he ergon⸗ ne darü⸗ punctis lern Auf⸗ r Goͤring ichdrucker Winkels lſo, ohne arkeit in G 4ꝗo 9 §6. 12. Weil nun a) in denen Statutis acad. die iurisdictio in cauſſis civili- bus uͤberhaupt der Univerſitaͤt Gieſſen beygelegt war;(§. 10.) gleichwohl aber die cauſſae reales unter denen cauſſis civilibus begriffen ſind; ſo dann b) die auth. habita namentlich in gedachten Statuten beſtaͤtigt worden; (§. 10.) weniger nicht c) die gemeine Lehre dahin ging, daß vermoͤge dieſer auth. denen Univerſitaͤten auch in realibus die Gerichtsbarkeit privative zu⸗ ſtehe;(§. 4.) endlich d) die hieſige Univerſitaͤt in vorkommenden cauſſis academicorum realibus die Gerichtsbarkeit ausgeuͤbet hatte;(§. 11.) ſo aſ- ſerirte ſich loͤbl. Univerſitaͤt aus dieſen Gruͤnden die Gerichtsbarkeit in reali- bus privative, und zwar um ſo mehr, da der Marburgiſche Rechtslehrer, Otto Philipp Zaunſchliffer in tract. ad auth. habita S. 4.§. 3. lit, b, & paſſim, ausgruͤcklich behauptet hat, daß der Univerſitaͤt Marburg in rea- libus die Gerichtsbarkeit ebenfals privative zuſtehe. Denn daß die Ge⸗ richtsbarkeit der loͤbl. Univerſitat Gieſſen auch in realibus fundirt ſey, iſt niemals von einem der Sache Verſtaͤndigen bezweifelt worden. Nur dar⸗ auf kam es an, ob ſie ſolche privative oder concurrenter cum iudice rei ſitae habe? §. 13. Der Status controverſiae war alſo dieſer: Ob loͤbl. Univerſitaͤt in cauſſis academicorum realibus die Gerichtsbarkeit privative zuſtehe? Die Univerſitaͤt bejahete ſolches, ſo wie es die loͤbl. Regierung nebſt dem Ober⸗ Anmt Gieſſen verneinten, und ſich, als denen foris rei ſitae, concurren- tem iurisdictionem vindicirten. Dieſer Streit wurde in der Hochfuͤrſtl. General⸗ und Haupt Verordnung vom Jahr 1710.§. 18. n. 4. folgen⸗ gendermaſſen gnaͤdigſt entſchieden: Ratione actionum realium, als worin nicht ſo wohl die Perſon, als res ipſa in iudicium gezogen wird, laſſen ſo viel uaſerer Profeſ- ſorum und anderer civium academicorum Guͤther anbelangt, zu⸗ mahl quoad onera& tributa, Wir es forderiſt bey dem erweißli⸗ chen Herkommen, ſodann in hllähum bey denen principiis uu — ordi- 10 E„2lᷣ ordinarii, nach welchen auch Geiſtliche und andere dergleichen Per⸗ ſonen, ob ſie ſchon ſonſt ihre iudicia privilegiata haben, in foro rei ſitae ſich dannoch einzulaſſen ſchuldig ſeyn, ſo mehr bewenden, als die ſtatuta academica ſelbige dißfalls a iure communi nirgend eximi⸗ ren. Wann jedoch unſere Univerſitaͤt ſpecialiter beybringen und dar⸗ thun wird, worin die Profeſſores auf der auch Heſſiſchen benach⸗ barten Univerſitaͤt Marburg quoad immobilia& forum actionum rsalium, mehrere diſtinction und Freyheit genieſſen; Wollen Wir „nach Befinden darauf gnaͤdigſte reflexion machen und ſie hierin kei⸗ neswegs deterioris conditionis als jene ſeyn laſſen. §. 146. Wer den ſtatum controverſiae(§. 13.) nicht weiß, anbey nur oben⸗ hin, und ohne gruͤndliche Principia in der Sache zu haben, die angefuͤhrte Stelle lieſet, der moͤgte wohl auf die irrige Gedanken gerathen, als wenn loͤbl. Univerſitaͤt die Gerichtsbarkeit in realibus vor der Hand ganz abge⸗ ſprochen worden ſey. Allein weiß man den ſtatum controverſiae und iſt dabey im Stande nach gruͤndlichen Einſichten zu urtheilen, ſo wird dieſes Vorgeben wie Spreu zerfliegen. §. 1. Wohlan, wir wollen die vorangefuͤhrte Stelle naͤher erwaͤgen. Daß 1) der ſtatus controverſiae darin beſtanden habe: ob der Univerſitaͤt Gieſſen in caufſis academicorum realibus die Gerichtsbarkeit privative zuſtehe? erhellet nicht allein aus der gnaͤdigſten deciſion uͤberhaupt, ſondern auch insbeſondere aus denen Worten: Wann jedoch unſere Univerſitaͤt ſpecialiter beybringen und darthun wird, worin die Profeſſores auf der auch Heſſiſchen benachbarten Univerſitaͤt Marburg quoad immobilia& forum actionum reali- um, mehrere diſtinction und Freyheit genieſen ꝛc. ꝛc. Denn den Per⸗ foro rei den, als nd eximi⸗ und dar⸗ benach⸗ Gionum Uen Wir diern kei⸗ nur obin⸗ ggeführte als wenn in, abge⸗ e und iſt nd dieſes n. Daß it heſe zuſte l2 dem auch darthun achbarten am reali- De E☛ 9 11 Pinn man hatte, nach dem Zeugniß des Zaunſchliffers, ſich darauf beru⸗ n, daß die Univerſikaͤt Marburg in realibus die Gerichtsbarkeit privative habe.(§. 12.) §. 16. Biernaͤchſt kommt es 2) darauf an, wie dann Sereniſſimus Legisla- tor dieſen Streit zu entſcheiden gnadigſt geruhet haben? Und wir wollen erweiſen, daß die gnaͤdigſte Entſcheidung dieſe ſey: Die Univerſitaͤt Gieſſen hat in cauſſis academicorum realibus con- currentem iurisdiétionem cum foro rei ſitae, nicht aber privati- ve; ſie koͤnte dann das letztere ſpecialiter von der Univerſitaͤt Mar⸗ burg beybringen und darthun. Um die Sache am deutlichſten vorzuſtellen, will jch die Worte der gnaͤ⸗ digſten deciſion nochmals wiederholen, und meine Erlaͤuterung einſchalten. Ratione actionum realium,(nemlich, ob darin die Univerſitaͤt alleiniger iudex competens ſey? Denn hierin beſtand der ſtatus comreverſiae.) (§. 13. 1.) als worin nicht ſo wohl die Perſon, als res ipſa in iu- dieium gezogen wird,(dies ſind die principia des iuris romani, oder, wie es in der Folge genannt wird, ordinarii) laſſen ſo viel Unſerer Profeſorun und anderer civium academicorunn elgene ohnbewegliche Guͤther anbelangt, zumahl quoad onera& tributa, Wir es forderiſt bey dem erweislichen Herkommen(daß die Univerſitaͤt in cauſſis rea- libus die Gerichtsbarkeit ausgeubet habe, und in ſo fern ein Herkommen vorhanden ſey, wurde gar nicht disputiret,(§. 13. 15.) und der vorhandenen Faͤlle waren gar zu viel.(§. 11.) Nur kam es auf ein Herkommen we⸗ gen der aſſerirten privativen Gerichtsbarkeit in realibus an) ſo dann in ſub⸗ fidium bey denen principus iuris ordinarui, nach welchen auch Geiſt⸗ liche und andere derg eichen Perſonen, ob ſie ſchon ſonſt ihre 2u⸗ dicia privilegiata haben, in foro rei ſitae ſich dannoch einzulaſſen ſchuldig ſeyn, ſo mehr bewenden.(Unter denen principiis iuris or- dinari kan nicht das ius canonieum verſtanden werden, weil ſolches auch 2 in 12& ϑ% in cauſſis clericorum realibus die iurisdictionem iudicis ſecularis aus ſchlieſſet;(§. f.) ſondern es iſt das ius romanum unleugbar darunter zu verſtehen. Was verordnet aber dieſes? Ich antworte, das, was Schil⸗ ter behauptet hat(§ 6.), nemlich daß, weil in actionibus realibus nicht ſo wohl die Perſon, als res ipſa iñ iudicium gezogen wird, ein Klaͤger die Wahl habe, ob er actionem realem in foro domicilii, deſſen Stelle das forum privilegiatum e. g. academieum vertritt, oder in foro rei ſitae anſtellen will. Coccei in diſſ. de fundata in territorio& plurium lo- corum concurrente iurisdictione, tit. 4.§. 5. Ueberdies heiſſet es nur: in foro rei ſitae ſich dannoch einzulaſſen ſchuldig ſeyn; nicht aber: in foro rei ſitae einzig und allein nur koͤnnen belangt werden. Ge⸗ wiß, wenn der Univerſitaͤt die Gerichtsbarkeit in realibus hatte abgeſprochen ſeyn ſollen, wuͤrde die gnaͤdigſte deciſion gantz anders gelautet haben. Daß uͤbrigens das forum academicum die Natur des fori domicilii ha- be, ergiebt ſich daher um ſo mehr, je bekannter es iſt, daß eine Univerſitaͤt formam civitatis in republica ſubordinatae hat, ihren Mitgliedern ius civitatis mittheilet, und ſolche, wegen dieſes akademiſchen Buͤrger Rechts, auch akademiſche Buͤrger genennet werden) als die Staruta academica ſel⸗ bige dißfals NB. a iure communi nirgend eximiren.(Dies heißt: in ſtarutis acad iſt der Univerſitat die iuriscictio in realibus nirgends pri- vative gegeben, und uͤberdem wurde angenemmen, daß in der auth. habi-⸗ ta nach denen principis iuris romani in realibus das forum rei ſitae nicht ausgeſchloſſen ſey; folglich bleibet es bey dem iure communi, welches in dieſer Stelle das ius romanum iſt, nach welchem forum domieilii und rei fitae, in realibus, concurrentem iurisdietionem haben.) Wann iedoch unſere UIniverſitaͤt pecialiter beybringen und darthun wird, worin die Profeſſores auf der auch Heſſiſchen benachbarten Uni⸗ verſitaͤt Marburg quoad immolbilia& forum aclionum realium, meh⸗ rere aiſtinction und Freyheit genieſen; Wollen Wir nach Befin⸗ den darauf gnädigſte reflexion machen, und ſie hierin keines⸗ wegs Hdeterioris conditionis als jene ſeyn laſſen.(d. i: Wenn die Uni⸗ verſſtaͤt Gieſſen ſpecialiter beybringen wird, daß die Univerſitaͤt Marburg die iorisdictionem in realibus privative hat, ſo ſoll ihr ſolche ebenfalls privative gnaͤdigſt verliehen werden. Denn dies war der ſtatus controverſiae, (§. 13. 15.) und eine jede decilio muß pro ſubtſtratae controverſiae ſtatu ver⸗ vetſta pecia denn ſſt) c bueg Hert noch; der e das i ſe H ches 1m co trrag zeig mit laſſe um mal len, richt Unii real Aus Ddü dich Jo is aud inker zu Schil⸗ as nicht ager die Stelle foro rei lum lo- es nur: bt aber: „Ge⸗ ſprochen haben. eihi ha⸗ givetſitaͤt dern ius Rechts, nica ſel⸗ s heißt: nds pri- h. habi- nae nicht elches in und rei iedoch wird/ n Uni⸗ „meh⸗ Befin⸗ keines⸗ die Uni⸗ Marburg benfolls verſuè, jae ſtalu bet⸗ & ϑ% 13 verſtanden und erklaͤrt werden. Auf dieſe Art erhalten auch die Worte: ſpecialiter beybringen und darthun ꝛc. ihre natuͤrliche Erlaͤuterung; denn die Univerſitaͤt ſoll, wie beym Beweis eines Herkommens Rechtens iſt, caſus ſpeeiales beybringen, indem man das generelle Zeugniß des Mar⸗ burgiſchen Profeſſoris Zaunſchliffers zum Beweis des angeruͤhmten Herkommens nicht hinlaͤnglich hielt. §. 17. Immittelſt hat loͤbliche Univerſitaͤt dieſen ihr nachgelaſſenen Beweis noch zur Zeit nicht angetreten, ſondern ſie hat ſich bisher in realibus mit der concurrente iurisdiétione cum foro rei ſitae begnuͤgt, als welche ihr das ius commune,(§. 4. 6.)) die ſtatura academica,(S. 10.) die gnaͤdig⸗ ſte Hauptverordnung de 1720,(§. 16.) das beſtaͤndige Herkommen, wel⸗ ches durch noch andaurende Proceſſe unterſtützet wird,(§. 11.) ja ſelbſt in contradictorio ergangene Erkantniſſe(§. 11.) vindiciren, und allen zu erregenden Zweifeln ihre voͤllige abhelfliche Maaße geben. §. 18. Vorſtehende Abhandlung hatte ich in hieſige woͤchentliche An⸗ zeigen eingeruckt, und der Herr Verleger zeigke ein Verlangen, ſolche mik meiner Einwilligung, und unter meinem Namen, beſonders drucken laſſen zu duͤrfen. So wenig ich nun Urſach hatte, dies abzuſchlagen, um ſo mehr finde ich noͤthig, zweyerley gegenwaͤrtig zu erinnern. Ein⸗ mal muß man die vorſtehende Abhandlung nach ihrer Abſicht beurthei⸗ len, und alſo keine vollſtaͤndige Abhandlung von der Akademiſchen Ge⸗ richtsbarkeit erwarten Zweitens haͤtte ich die Beyſpiele von andern Univerſitaͤten in Teutſchland, welche ebenfalls die Gerichtsbarkeit in realibus haben, anfuͤhren koͤnnen. Allein Zeit und Abſicht litten dieſe Ausſchweifung nicht. Inzwiſchen verweiſe ich meine Leſer auf die in der Bibliotheca Lipenio jenichiana, ſub voc. acadennia, academici, iuris- dictio academica, angefuͤhrte Schrifften, und des ſeel. geheimen Rath b orcke Foͤrterung der RechtsFrage: Ob iemand, Johann Ernſt Floͤrckens E 34 3 hts Frag mande 14%„ beſonders, ein Geiſtlicher, wie auch ein Academicus, desgleichen ein Soldat, ſeines befreyten Gerichts Standes ſich begeben koͤnne? Halle 1778.§. 11. Den zu Franecker zwiſchen dem von Eck und Huber entſtandenen Streit erzaͤhlt Herr Hofrath Mettelbladt in den Hall⸗ ſchen Beytraͤgen zu der juriſtiſchen gelehrten Hiſtorie 1. B. 2. St. S. 37. u. f. 5. 19. So dann kan ich mich nicht entbrechen, noch ein paar Worte von der Frage: Ob ein academicus, wenn er iemanden vor der Ke⸗ gierung, Ober Amt oder Stadt Gerichten belangt, daſelbſt von dem Beklagten reconvenirt werden koͤnne? anzuhaͤngen. Es iſt be⸗ kannt, daß dieſe Frage unter denen RechtsLehrern pro& contra ver⸗ fochten wird, und beſonders iſt dieſelbe auf hieſiger Univerſitaͤt vor dem Bh 1720. hefftig beſtritten worden. Auſſer dem ſeel. Michael Bernhard Valentini in privilegiis ftudioſorum Giſſenſium, hat ein Anonymus (der ſeel. Canzler Immanuel Weber) in reſponſo epiſtolari Amici ad Amicum, ſuper caſu& quaeſtionibus quibusdam intus reperiun- dis, 1719. die obgedachte Frage verneinet. Auguſtin von Leyſer thut dieſes auf unſerer Univerſitaͤt vormals gefuͤhrken Streits in ſeinen Meditationibus ad Pandectas ſpec. 123. m. 7. namentlich Erwaͤh⸗ nung, und es iſt derſelbe nicht allein derer Rechtsgelehrten Meinung, welche die Wiederklage geſtatten, beygethan, ſondern er ſetzt auch fol⸗ gende, loͤblicher Univerſitaͤt Gieſſen verfaͤngliche, Worte hinzu: Quo- modo hanc litem deciderit princeps, non addit Valentini, manifeſto indicio, vel indeciſam eam reliétam, vel contra academiam iudicatum fuiſſe. Der ſeel. Leyſer hat ſich hierin gar ſehr geirret, und in ſeinem Schluß betrogen. Valentini konte der nachhero erſt erfolgten gnaͤdigſten deciſion zu der Zeit, wie er die vom Leyſer angefuͤhrte Abhandlung ſchrieb, unmoͤglich Erwaͤhnung thun. Da indeſſen die offt angefuͤhrte Gene⸗ neral und Hauptverordnung vom Jahr 1720. die Sache deuklich entſchieden, und die Leyſeriſche Mukhmaſſung gaͤnzlich vereikelt hat, ſo will ich, um das publieum gegen den Leyſeriſchen Irrthum ſicher iu echen ein ? Hale 8 Huber en Halii⸗ .2. St. Worte der Re⸗ lbſt von Es iſt be⸗ mra ver⸗ vor dem dernhard Jonymus ri Amici eperiun- Leyſer in ſeinen Erwaͤh⸗ Meinung, auch fol⸗ Quo- nanifeſto udicatum Schluß decſſion g ſchrleb/ e Gene⸗ 1 deutlich eitelt hat, um ſchet zu E 9lQAh 19 zu ſtellen, die hieher gehorige gnadigſte deciſion aus gedachter Gene⸗ ral und Hauptverordnung p. 29. einrucken: „Ad z4dum(nemlich: puncto prorogatae iurisdictionis magiſtra- ſtus oppidani per ſtudioſum, in materia reconventionis in foro hoc conventionis, als welche, oder daß ein academicus in foro hoe con- ventionis, tanquam reconventus wider Recht nehmen muͤſſe, die Uni⸗ verſitaͤt bisher nicht gern zugeben wollen.) ſind Uns zwar die princi: cipia- Juris communis, und daß in Reconventions⸗Fallen die privile- gia fori regulariter nicht Platz finden, wohl bekannt: Nachdem es aber hierin nicht ſo wohl auf das bloſſe Factum perſonæ privilegiatæ, oder Studioſi Jurisdictionem iu proprium præiudicium prorogare vo- lentis allein, ſondern auf die qualitatem cauffæ Academicæ privile- giatum ſuum forum inſtar Eccleſiaſticæ habentis,& commune tam Academiæ, quam ordinis Studioſorum præiudicium(cui& Jurisdictio& privilegium reſpective in corpore datum) hauptſaͤch⸗ lich aber und endlich darauf lediglich ankommt, wie Wir, als Legislator, dieſe in Rechten zerſchiedentlich ventilirte quæſtion zu decidiren gut finden, ſo wollen wir ſolchem nach dasjenige, was§. II. Tir. XII. Statuto- rum, inter privilegia Studioſis conceſſa,& ob favorem ſtudio- rum omnimode amplianda, von dieſem caſu, und daß ein Studio- ſus, wann er von einem Burger vor dem Rectore belangt wird, denſelben allda wieder belangen koͤnne, allſchon enthalten, an ſich aber in ſo weit denen Studioſis ultra diſpoſitionem Juris communis nichts beſonders zulegte, folglich ohne Operation ſeyn wuͤrde, da⸗ hin gnaͤdigſt erlaͤutert⸗ und erweitert haben, daß hingegen in caſu converſo, und wann gleich ein Studioſus einen Burger vor dem Stadt Magiſtrat verklagt hatte, derſelbe deswegen dem eivi daſelbſt in reconventione zu antworten nicht ſchuldig ſeyn, ſondern ſein forum privilegiatum in cauſſa conventionis, uti reconventionis, dennoch nach wie vor behalten ſolle, jedoch mit dem expreſſen Anhang, wann der Redor, oder Senatus Academicus dem Burger die gerade und geſchwinde Juſtitz, als zu deren Hemmung die privilegia keines wegs zu misbrauchen, nicht angedeyhen laſſen wuͤrde, er freyen 5ed und ac 26& 94ϑ— Macht haben ſolle, an Uns oder Unſer nachgeſetztes geheimde Raths⸗ Collegium den immediaten Recurs zu nehmen.„ Man kan hierbey, auſſer denen in Bibliotheca Lipenio Jenichia- na ſub voc. academia, iurisditt. prorogatio angefuhrten Schrifften, nachſehen die vorbemeldete Floͤrckiſche Eroͤrterung§. 17, und vorzuͤg⸗ lich Henrich Balemanns Gdiſſ. epiſtolar. gratulat, de iurisdictione academica non proroganda. Giſſae 1777. Lulalddenu ( b ——— „agaice Seeuden Colour& Grey Control Chart 2393 8 1 Blue CQyan Green vellow Hed Magenta 8 Wnite Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black ——— A 1——— n in realibus; V wie auch: Von der Unſtatthaftigkeit der 3 oen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 O. Joyann Kyrinopy dow * zweyten Lehrer der Rechte, Hofrath und Com. palat. caefar. ' Gie ſſen, 1764. bey Johann Philipp Krieger.