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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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Zur Sicherung des kleinen Urkundenbestandes, der älteren Archivalien des 16. und 17. Jahrhunderts, wertvoller Amtsbücher und sonstiger einmaliger Stücke wurden zusätzlich zu den normalen Stahlschränken vier feuer- und wassersichere Panzerschränke angeschafft, von denen einer noch in der Ludwigstraße steht. Es sind jedoch alle oben ge nannten wertvollen Archivalien inzwischen ins Behördenhaus gebracht worden.

Eine wesentliche Bereicherung des Archivbestandes brachte die Rück- gabe der Zeitungsbände im Jahre 1970, die bis dahin von der Stadtbi- bliothek betreut und vor Verlust bewahrt worden waren. Mit ihnen sind allein 12 Stahlschränke gefüllt, und sie gehören zu den am mei- sten gebrauchten Beständen, vor allem auch durch die Stadtverwaltung selbst. Schon ein Jahr zuvor konnte der Buchbestand erweitert werden, als die Stadtbücherei von der Wilhelmstraße in die Kongreßhalle um- z0g. Unter den zurückgelassenen Büchern, die in vielen, von bitterer Kälte begleiteten Stunden durchgesehen werden mußten, fanden sich zahlreiche ältere und selten gewordene Stücke, darunter auch solche, die den Krieg überdauert hatten und aus der alten Stadtbücherei(vor 1933) stammten.

In der Ludwigstraße konnte in der Zwischenzeit der Gießener Orts- gruppe der Hessischen Familiengeschichtlichen Vereinigung ein Domizil eingerichtet werden, in das dieser Verein einen Schrank mit wertvol- lem genealogischen Quellenmaterial und verschiedenen Nachlässen von heimischen Familienforschern einbrachte. Damit war der Startschuß für eine überaus fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Stadtar- chiv, der Ev. Gesamtgemeinde und den Genealogen gefallen, die zu Beginn des Jahres 1974 ihre Krönung fand mit der Publikation des er- sten von insgesamt 3 Bänden des Gießener Familienbuches, das rd. 5 100 Familien in Gießen bis etwa zum Jahre 1730 umfaßt. Dem Au- tor dieses Werkes, Otto Stumpf aus Garbenteich, der jederzeit Zugang zu diesem Zimmer und zu den für seine Arbeit notwendigen Archiva- lien hatte, wurde die Fertigstellung des Werkes dadurch wesentlich erleichtert.

In diesem Zusammenhang muß von der Arbeit eines Mannes gespro chen werden: Ohne seine rastlose Tätigkeit hätte weder das erwähnte Familienbuch so zeitig erscheinen können noch wäre das Stadtarchiv ohne seine Mitarbeit auf seinen derzeitigen Stand gebracht worden. Ein in diesem Bereich selten gewordenes Zusammentreffen von Ide alismus, Engagement, Liebe zum Detail, Intelligenz und Interesse an Ortsgeschichte und Genealogie fügte es, daß der wegen Krankheit vorzeitig pensionierte Obermedizinalrat i. R. Dr. Günther Rath zu dem wünschenswerten Mitarbeiter am Auf- und Ausbau des Stadtarchivs wurde. Um die Jahreswende 1965/66 erschien er erstmals im Archiv, um seine persönliche Familienforschung Lindenstruth fortzusetzen.

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