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Die Stellung der Corps im heutigen Studentenleben : Entgegnung auf die Schrift: "Was sind und wollen die Corps"
Entstehung
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Schranken gehalten werden müſſe. Hier verfällt unſer Gegner wieder in denſelben Fehler, den er vorhin bei ſeiner Bemerkung über den ſchwärmeriſchen Idealismus der Burſchenſchaft gemacht hat; ſeine Behauptung an dieſer Stelle ſteht mit dem Folgen⸗ den in Widerſpruch. So ſagt er, daß das ſtudentiſche Duell von der Höhe des abſtracten Gedankens nicht zu rechtfertigen, daß es mit anderen Worten eine Verirrung der Iugend ſei, und dennoch bildet der Cultus dieſes Duells das Lebenselement der Corps. Hätte er hier auf den Werth der geſelligen Aus⸗ bildung aufmerkſam gemacht, die durch das enge Freundſchafts⸗ verhältniß geſchieht, ſo hätte er eine gute Eigenſchaft der Corps und man möchte ſagen die einzige hervorgehoben. Es iſt wahr, dem jugendlichen Alter ſtehen bei ſeiner unbeſchränkten Frei⸗ heit viele Verirrungen bevor, aber dieſe werden doch nicht vermieden durch das Princip, welches die Corps an die Spite ſtellen, nämlich das Streben nach ungetrübtem Vergnügen, das im Gegentheil viele ſchlimme Nachwirkungen zur Folge hat. Das iſt beim beſten Willen nicht zu begreifen. Wollen aber die Corps nichts weiter, als dem jungen Studenten eineungetrübte Quelle des Ver⸗ gnügen ſein, ſo machen ſie wahrlich ſehr beſcheidene Anſprüche; denn jede andere Studentenverbindung will daſſelbe, mag ſie einen Namen haben, welchen ſie wolle, und der Haß, die Er⸗ bitterung der Corps und Burſchenſchaften gegen einander wäre eine der größten Abſurditäten, welche man ſich denken könnte. Aber dieſe Aufgabe hat das Corps nicht allein, die anderen, welche nach der Anſicht meines Gegners nur ſecundärer Natur ſind, nach meiner das eigentliche Element deſſelben bilden, gehen darauf hinaus, den Corps dieſelbe Stellung wieder zu gewinnen, welche die alten Landsmannſchaften inne gehabt haben. Auf dieſen Punkt will ich jedoch ſpäter zurückkommen und vorher noch Einiges über den edlen Wettſtreit, der in den Kreiſen der Corps herrſchen ſoll, bemerken. Unſer Gegner ſagt S. 8:Das Bewußtſein, einem ſolchen eng geſchloſſenen Kreiſe anzugehören, der nach Außen hin ſich einer ſtolzen und unabhängigen Stellung erfreut, das Gefühl, einem größeren Ganzen zu dienen und