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Die Stellung der Corps im heutigen Studentenleben : Entgegnung auf die Schrift: "Was sind und wollen die Corps"
Entstehung
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direnden zu einer Burſchenſchaft zu vereinigen, den ſchönſten Ausdruck; die ſtreng pietiſtiſche Richtung unſerer Zeit hat den Wingolf geſchaffen, die ultramontane in der letzten Zeit die ka⸗ tholiſchen Vereine. Allen dieſen Vereinigungen liegt ein beſtimmter

und bewußter Zweck zu Grunde, und dieſen will der Verfaſſer den Corps abſprechen? Den Grund davon wiſſen wir nur zu gut; er will nicht, daß die Corps als eine Partei angeſehen werden(Seite 21), während ſie doch nichts mehr als dies ſind. Und erſt in neuerer Zeit, meint er, nachdem ſie ſchon länger als ein halbes Jahrhundert beſtanden haben, iſt hier und da, alſo nicht überall, Bewußtſein ihres Weſens, ihrer Ziele und Aufgaben in ihre Führer gekommen, und nicht einmal in die Maſſe ihrer Anhänger? Gewiß ein ſchlimmes Zeichen des Corps⸗ weſens.

Mein Gegner findet es daher beſſer, von den Thatſachen, von den Ergebniſſen, als von den Zwecken der Corps zu reden. Er ſagt:Gleichgeſinnte Landsleute ſchloßen einen innigen Freundſchaftsbund und gaben demſelben eigenthümliche ſtudentiſche Formen, und ſo entſtand das Corpsweſen, als der edelſte Ausdruck des in verſchiedenartigſter Weiſe nach Ausge⸗ ſtaltung ringenden academiſchen Lebens, indem es ſich gleichweit entfernt hält von dem überſpannten und ſchwärmeriſchen Idealismus der alten, ſonſt ſehr reſpec⸗ tablen Burſchenſchaft, wie von dem rohen Unweſen der einſtigen Landsmannſchaft.

So?! Gehört etwa die geiſtige Ausbildung nicht zu dem in verſchiedenartigſter Weiſe nach Ausgeſtaltung ringenden aca⸗ demiſchen Leben? Was geſchieht aber von Seiten der Corps für dieſe Art der Ausbildung? Ferner rechnet es der Ver⸗ faſſer den Corps zur Ehre an, daß ſie ſich vom Idealismus ferne hielten. Aber im Folgenden hält er für die characteriſtiſche Eigenthümlichkeit des Studentendie freudige Hingabe an die Forderungen himmelſtürmender Jugendluſt, und an einer anderen Stelle tadelt er die, welche nicht begreifen wollen, daß die Jugend von anderen Anſchauungen und Ideen erfüllt