—
horchten wir alle auf. Männerſtimmen ſummten mit und einer nach dem anderen fielen ſie mit ihrem Baſſe ein. Das Chriſtbäumchen glänzte und ſtrahlte bis in die letzte Ecke und zog alle zum Kreiſe, die einſam ins Unglück Ver— bannten. Der bärtige Landwehrmann, der mit Gott und der Welt feind, gerade noch ſo böſe und verbiſſen drein ſah, als er an ſein Weib und ſeine 4 Kinder dachte, die nun zum 3. Mal ein trauriges Weihnachten ohne ihn ver⸗ brachten, mußte ſich doch die Augen wiſchen. Er ſang alles tapfer mit und ſchämte ſich nicht der Tränen, die langſam über ſeinen Bart kollerten; mitten unter den Sängern ſtand der Violinſpieler und ſpielte uns liebe Heimat⸗ lieder vor. Aus dem knabenhaft zarten weichen Geſicht ſchauten feuchte, leuchtende Augen auf den brennenden Chriſtbaum. Für mich war es auch ſchon das dritte Weih⸗ nachtsfeſt, welches ich in Feindesland feiern mußte. Die Kerzen verloſchen allmählich. Man begab ſich zur Ruhe und ſüße Träume trugen uns der lieben Heimat zu. Weinachten ging vorüber und das„Neue 8„¹ zog ein.
Es wurde uns geſtattet, bis 2 Uhr Nachts Licht zu brennen. Punkt 12 Uhr kündete die heunneide le durch das Lied:„Großer Gott wir loben Dich“ das neue Jahr an. Wir beglückwünſchten uns gegenſeitig; um 12 ½ Uhr war Gottesdienſt und Lagerpfarrer Neitz hielt eine ergrei⸗ fende Predigt, in der er die Hoffnung ausſprach, daß das neue Jahr uns den erſehnten Frieden bringen werde. So vergingen auch dieſe ſchönen Tage und das eintönige Lager⸗ leben nahm wieder ſeinen Anfang. Der Winter hatte neben ſeinen Schattenſeiten auch ſeine guten Seiten. Durch den andauernden Schneefall war vbe halb des Lagers, an dem ſich ein Abhang befand, eine ſchöne Rodelbahn ent⸗
21


