Jahrgang 
1862
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der bürgerlichen Zwietracht erhält ſie den Namen Concordia,zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine, verſammle ſie die liebende Gemeine. Und was bei dieſer Gelegenheit als Beſtim⸗ mung der Glocke ausgeſprochen iſt, giebt Veranlaſſung, den religiöſen Zweck der Glocke ſelbſt näher zu bezeichnen. Siewird ſtimmen zu der Andacht Chor hatte der Dichter in der II. Be⸗ trachtung ganz allgemein als den Zweck der Glocke hingeſtellt; dies wird in der letzten Be⸗ trachtung ausführlich dargelegt.Nur ewigen und ernſten Dingen, ſei ihr metallner Mund geweiht. Sowie die Glocke ſelbſt durch die Taufe geweiht wurde, ſo iſt das Hervorheben des religiöſen Moments hier am Schluſſe gleichſam die himmliſche Weihe der verſchiedenen Lebensbetrachtungen. Der Dichter verleiht dem Ganzen einen würdigen Schluß, indem er uns in der letzten Betrachtung in erhabener Darſtellung die hohe und heilige Beſtimmung der Glocke vorführt, um der Glocke und ſeinem Werke die Krone aufzuſetzen.

So ſtehen alle Theile in einer genauen, innigen Beziehung zu einander, und bilden jedes ein kleines Ganze für ſich, alle zuſammen ein großes Ganze, das ſich in zwei Abthei⸗ lungen, gleichſam Akte, wenn wir den Guß mit einem Drama vergleichen wollen, zerlegen läßt. Die Verrichtungen, die die ganze Arbeit umfaſſen, theilen ſich in die Arbeit beim Guß ſelbſt und in das Herausnehmen und gleichſam Oeffentlichmachen der Glocke; demgemäß theilen ſich auch die daran ſich ſchließenden Betrachtungen in ſolche über das häusliche Leben und in ſolche über das öffentliche. So lange das Werk noch im Werden begriffen iſt und unter der weiſen Leitung des Meiſters ſeiner Vollendung entgegenreift, zeigt uns der Dichter den Menſchen im engeren häuslichen Leben; zuerſt das Kind in ſeinen fröhlichen Spielen, dann den munteren nach Thätigkeit ſich ſehnenden Jüngling, neben ihm die ſittſame Jungfrau, den raſtloſen Hausvater, die liebende, ſorgſame Mutter. Wie aber das glühende Metall in die Form ſich ergießt, da treten furchtbare Bilder, beſonders die Beſchreibung eines verheerenden Brandes, an die Stelle der heitren. Am Schluſſe deſſelben wird die aufgeregte Einbildungs⸗ kraft durch einen Zug von häuslichem Glück mitten unter Schreckniſſen beruhigt. Endlich iſt die Form gefüllt, aber den Meiſter ergreift die Beſorgniß, ob der Guß auch gelungen ſei. So wird auch der Menſch von Hoffnung und Beſorgniß erfüllt, wenn er ſeine Lieben dem Schoße der Erde anvertraut. Hiermit ſind die Betrachtungen über das innere häusliche Le⸗ ben geſchloſſen und es beginnen die über das öffentliche Leben. Der Meiſter entläßt ſeine Geſellen, bis die Glocke ſich verkühlet, und der Dichter knüpft daran die Darſtellung des mannigfaltigſten Lebens, welches unter dem Schutze der Ordnung und des Geſetzes nach allen Seiten hin ſich verbreitet. Aber wie das glühende Metall, das die Form durchbricht, Ver⸗ derben zündend ausſpeit, ſo verbreitet ſich das entſetzlichſte Unglück über die Völker, wenn ſie die Bande der Ordnung und des Geſetzes zerreißen und zur Eigenhülfe ſchreiten. Unter dieſen Betrachtungen iſt die Glocke von der Form befreit worden; der Meiſter verſammelt die Arbeiter, um nach alter Sitte die Glocke durch die Taufe zu weihen; er giebt ihr den Namen Concordia, Eintracht, und mit dem Segen, den er über ſie ausſpricht, ſie möge nur heiligen Dingen geweiht ſein, ſchließt das in jeder Beziehung ſo vortreffliche Gedicht.

Wir ſehen jetzt von dem Inhalte und deſſen vortrefflicher Durchführung ab und müſſen noch auf die vollendete Darſtellung aufmerkſam machen, in welcher alle metriſchen und rhythmiſchen Künſte der Sprache vereinigt ſind. Ueber das Polyſyndeton in den Verſen 116132 ſiehe Programm des vorigen Jahres S. 7. Ueber die Onomatopöie und Allite⸗ ration V. 174210 vergl. Programm des vor. Jahres S. 12. Namentlich aber verdient das