Jahrgang 
1897
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Um zu erfahren, ob die Mehrheit der Eltern den Wunsch hat, den regelmäfsigen Vormittags- unterricht auf 5 Stunden ausgedehnt zu sehen, verfügte das Königl. Provinzial-Schulkollegium, daſs bei den Eltern Umfrage gehalten werde. Die Frage:Wünschen Sie, dals an der von Ihrem Sohn (bezw. Mündel) besuchten Schule ebenso, wie das in dem letzten Winter-Vierteljahre geschehen ist, auch in Zukunft bis auf weiteres in den Winterhalbjahren der regelmäfsige Vormittags- unterricht, soweit sich das mit Rücksicht auf den Konfirmandenunterricht ausführen läfst, auf 5 Stunden ausgedehnt werde? beantworteten von 655 Eltern 629 mit ja, 26 mit nein, d. h. 96% mit ja, 4% mit nein; die zweite Frage:Wünschen Sie, dals an der von Ihrem Sohn (bezw. Mündel) besuchten Schule ebenso, wie es jetzt geschieht, auch in Zukunft bis auf weiteres in den Sommerhalbjahren der regelmälsige Vormittagsunterricht auf 5 Stunden ausgedehnt werde? beantworteten von 655 Eltern 628 mit ja, 27 mit nein, d. h. 95,9% mit ja, 4,1% mit nein. Es erklärte sich also eine schr bedeutende Mehrheit für den fünfstündigen Vormittagsunterricht.

Die gleichzeitig gestellte Frage:Wünschen Sie, dals der Unterricht im Sommerhalbjahre wie an den anderen höheren Schulen Kassels um 7 Uhr beginne? wurde, bei einer Stimmenenthaltung, von 519 Stimmen mit ja, von 135 Stimmen mit nein beantwortet.

Die Lage der Ferien hat sich gegen die vorhergehenden Jahre nicht verändert. Vom 19. No- vember 1896 bis zum 13. Februar 1897 begann der Unterricht der Dunkelheit wegen erst um ½ 9 Uhr.

Zum Gedächtnis an den Geburtstag Kaiser Friedrichs und an die Todestage der beiden ersten deutschen Kaiser wurden vor Beginn des Unterrichts Andachten abgehalten, in welchen die Herren Oberlehrer Adam, Oberlehrer Dr. Wetzell, Zeichenlehrer Müller Ansprachen hielten. Der hundertjährige Geburtstag des Kaisers Wilhelm I wurde entsprechend dem Ministerial- Frlals vom 30. 1. d. Js. in feierlicher Weise begangen. Bei der Feier am 22. März hielt Herr Oberlehrer Dr. Völker die Festrede.

Am Reformationstage hielt Herr Oberlehrer Dr. Meinhoff, bei der Melanchthonfeier Herr Bröcking die Ansprache.

Am Nachmittage des 1. September machten die Schulen einen gemeinschaftlichen Ausflug mit Musik und Fahnen nach dem Saurasen, wohin eine grofse Anzahl von Angehörigen der Lehrer und Schüler uns begleiteten. Dort fanden Turnspiele und turnerische Vorführungen statt, es wurde ein Wettturnen abgehalten und ein Festspiel aufgeführt.

Als Sieger im Wettlaufen der unteren und mittleren Klassen gingen hervor:

Wilhelm Seidel(VIc), Heinrich Kohlhase(VI b), Albert Harnischfeger(VI a); Paul Nölke(Vc), Emil Stantke(V b), Heinrich Prager(V a); Heinrich Rudelmann(IV c), Hans Heistermann(IV b), Wilhelm Butte(IV a); Karl Prüssing(UIIIc), Paul Stäge(U IIIb), Otto Partenheimer(UIIIa); Heinrich Philippi(O III c), August Schmoll(OIII b), Reginald Hunt(O IIIa).

Beim Wettturnen(Fünfkampf) der oberen Klassen erzielten Preise: Karl Köster(O1) und Ludwig Le Noir(UI); Wilhelm Rüppel(OII) und Ernst Köster(O II); Martin Peter(UIIb) und August Vogt(UIIc). Den Sedantag beging die Schule vormittags von 9 Uhr an durch eine Feier im Saale, deren Ordnung die folgende war:

1. Choral: Lobet den Herren, vierstimmig, gesetzt von Herzog. 2. Vorträge: a) Das Herz Europas von Prölfs(Otto Weinreich UIIc); b) Ein Volk, ein Herz, ein Vaterland v. Alb. Träger(Wilh. Kleinschmidt (O IIl a). 3. Chorgesang: Auf, ihr Turner, lafst uns wallen, v. J. G. Stunz. 4. Vorträge: a) Deutsche Siege v. Em. Geibel(Erich Kolditz IVc); b) Der deutsche Rhein v. Nik. Becker(Wilh. Burmeister V a). 5. Chorgesang: Sehnsucht nach dem Rheine v. G. Schmidt. 6. Vorträge: a) Schlacht bei Leipzig

v. Hornstein(Wilhelm Stern U IIa); b) Der Sieg von Sedan v. Friedrich Bodenstedt(Alb. larnichleger VI a);