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Auch auf anderen Gebieten finden wir in jener Zeit Deutſche als Begründer induſtrieller Unternehmen in England. Im Juni 1567 wandten ſich gewiſſe fremde Kunſtverſtändige in verſchiedenen Zweigen der Weberei an Cecil mit der Bitte, ihnen in Stamford in Lincolnſhire ſein Haus und 2—300 Acker Landes zu überlaſſen, ¹) und ein Peter Back bewarb ſich um dieſelbe Zeit bei Eliſabeth um die Erlaubnis, gewiſſe Verſuche zur Herſtellung von Salz und ein Präparat von Krapp als Färbemittel weiter führen zu dürfen. ²) Der Name kann deutſch ſein, und auf den Ausländer deutet ſein lateiniſcher Brief. Als zweifellos darf man annehmen, daß mit der Einwanderung der erwähnten Fremden die Ent⸗ wicklung der Werke in Stamford und Burghley im Zuſammenhang ſteht, über welche Thomas Cecil im Mai 1569 ſeinem Vater berichtet.*) An Stelle von Thomas Cecil tritt aber ſpäter als Berichterſtatter der Deutſche Kaſpar Vosberg, der dem Lord Burghley nicht allein von dem Fortſchritt der Werke in Stamford, ſondern auch von dem Gebrauch des Waids in der Färberei erzählt. ¹) Offenbar handelt es ſich hier um ein Unternehmen, das Cecil mit deutſcher Hilfe ins Leben rief, denn derſelbe Kaſpar Vosberg drängte ſpäter ſeinen hohen Gönner, die Königin doch zu veranlaſſen der Kirche in Stamford gewiſſe Privilegien zu erteilen, ⁰) und am 10. April 1572 ſchickte er Burghley die Beſtimmungen zur Einrichtung und Ausſtattung der deutſchen Kirche in Stamford, ⁶) gewiß Beweis genug, daß die Zahl der zugezogenen Deutſchen keine geringe geweſen ſein kann.
In dem Jahr 1560/61 unternahm Eliſabeth eine für England äußerſt ſegensreiche That, indem ſie das minder— wertige Geld aus den Zeiten Eduards und Marias einziehen und umprägen ließ.*) Dies geſchah vorwiegend, jedoch nicht ausſchließlich mit deutſcher Hilfe.*)
Zu denen, die am früheſten mit dieſer Abſicht der Königin bekannt gemacht wurden, gehörte Thomas Greſham, der wahrſcheinlich den Auftrag erhielt, ſich nach geeigneten Münzverfeinerern umzuſehen. Wenigſtens läßt die Meldung, die er in den erſten Tagen des Juli 1560 dem Schatzmeiſter Parry ſandte, dieſe Deutung zu, er habe Daniel Wolſtat überredet, in 2 oder 3 Tagen nach England zu gehen, um mit der Königin wegen der Münzreform abzuſchließen. 9) Am 8. Juli begab ſich Wolſtat mit einem Brief Greſhams an den engliſchen Schatzmeiſter nach London. Hier ſowohl als in einem Schreiben vom 7. Juli empfahl Greſham den Deutſchen auf das wärmſte als einen Ehrenmann, dem er ſehr verbunden war, ¹⁰) der wohlhabend genug ſei, das Unternehmen durchzuführen, und ſich trotzdem erbiete, in Ant— werpen oder London Bürgſchaften niederzulegen. Eine möglichſte Beſchleunigung der Sache konnte nach Greſhams An⸗ ſicht der Königin nur zum Vorteil und zur Ehre gereichen, da zweifellos der Kurs zum mindeſten auf 26 s 8 d ſteigen würde, ¹¹) ſo daß man zum wenigſten für je 20 s Sterling 26 s 8 d flämiſch von den Kaufleuten fordern konnte. ¹²)
Daniel Wolſtat& Comp. hatten vorher Greſham die Bedingungen unterbreitet, unter welchen ſie die Münz⸗ verfeinerung durchführen wollten. Es iſt alſo anzunehmen, daß dieſer die Vorſchläge billigte. Darnach waren die Deutſchen imſtande, jeden Monat 60 000 Pfund, das Pf. zu 12 Unzen, des in England umlaufenden ſchlechten Geldes, mit 3—6 Unzen Feingehalt, in ſolches mit 12 Unzen umzuwandeln. Sollte die Königin einen Feingehalt von 11 Unzen wünſchen, ſo machten ſie ſich auch hierzu verbindlich. Jede Woche wollten ſie die Summe des Silbers abliefern, die ihnen von den Bevollmächtigten Eliſabeths eingehändigt wurde. Als Lohn für ihre Unkoſten forderten ſie für je 12 Unzen fein ¾ Unzen und das überſchießende Kupfer. Die zur Verfeinerung nötigen„Stoffe“ ſollten ihnen ohne Nachteil für das Land geliefert werden; für ſie ſelbſt wäre dies eine zu große Laſt. Ehe ſie ſich aber auf das Geſchäft einließen, verlangten ſie eine genaue Angabe der Geldſumme, die ſie in London verfeinern ſollten. Da aber hierbei ſtets etwas
1) 293, 11.
²) 293, 3. 7. Juni 1567. Peter Buck to the Queen. Sollicits to be allowed to carry on certain experiments in the manufacture of salt, and preparation of madder as a dye. Lat.
³) 332, 81. 4) 409, 43; 411, 65. 5) 439, 76.
⁶) 440, 5. Kaspar Vosbergh an Burghley 10. April 1572. Articles for the regulation and endowment of the German church at Stamford. Lat.
7) Dom. Papers 1547— 80, 165, 6
8) Vergl. Burgon, Life of Thomas Gresham, I, 354— 60; Froude, Hist. of Engl. VII, Cap. I.
²) Cal. of St. P. 1560 /61, 165, 6. Gresham a. Parry 2. Juli 1560.
1⁰) Burgon I. 354. Gresh. a. Parry 7. Juli. He is an honest man to whom J am much beholden.
11) Das. 355— 56.
¹1²) St. P. 1560/61, 210. Gresh. a. Parry 2. Aug. 1560.


