Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 2
Entstehung
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lungen iſt, unſer Schifflein durch alle Stürme und Strudel des verfloſſenen Jahres ohne Anſtoß und Unfall hindurch zu leiten.

Alles, was in dem gegenwärtigen Programme ausgeſprochen iſt, ſoll nicht Ver⸗ theidigung und Bekämpfung, nicht Lobpreiſung und Beſchwerde ſein, ſoll Niemand des Irrthums überführen, Niemand herausfordern, ſondern zunächſt einen aus der Praxis hervorgegangenen ſachkundigen Beitrag liefern zur Erkenntniß des wahren und wirklichen Standes der Dinge, nicht grau in grau gemalt, nicht ſchwarz geſehen, aber auch nicht mit Firniß und Schminke übertüncht, und zu dem Endzweck mitgetheilt, damit man ergreife und beſchließe, was dem Wohle der Schule gemäß iſt und durch dieſes zum Wohle der bürgerlichen Geſellſchaft und des Staates gereicht. Der Verf. hofft, daß man ihn mit dem Lobe der Gelehrſamkeit wie mit dem Tadel der Formloſigkeit verſchonen werde, denn jene darf hier höchſtens auf Nachſicht Anſpruch machen, dieſe aber iſt nothwendig für rhapſodiſch zerfallende Bruchſtücke, die weit entfernt von ſyſtematiſcher Geſchloſſenheit nur durch die Zufälligkeit des augenblicklichen Be⸗ dürfniſſes zuſammengehalten werden. Das Einzige, warum es ſich hier handelt, iſt die Wahrheit der Thatſachen, für die ich mit meinem Namen bürge, und die Rich⸗ tigkeit der Ideen, welche der Prüfung der Sachkenner anheimfällt und, wenn ſie bewährt gefunden wird, einer Vertretung und Unterſtützung in weiteren Kreiſen ſich erfreuen möge.

Da amtliche Schulſchriften in geregelter Folge von unſern inländiſchen G. nur zu Gießen und Worms in neuerer Zeit ausgegeben wurden, ſo iſt uns der Nach⸗ theil daraus erwachſen, daß wir mehrere von verſchiedenen Staaten ausgegangene Vorſchläge zu Programmentauſchen unberückſichtigt laſſen muſſten. Doch iſt mit dem Königreich Sachſen auf den Antrag des dortigen Cultusminiſteriums ein ſolcher zu Stande gekommen, welchem wir den Beſitz und Gebrauch der eben ſo intereſſanten als lehrreichen Programme der gelehrten Schulen zu Budiſſin, Chemnitz, Dresden, Freiberg, Grimma, Leipzig, Meißen, Plauen, Zittau und Zwickau verdanken. Möchte der die Gemeinſamkeit des deutſchen Fortſchritts auf dieſem Gebiete ſo ſehr fördernde Verkehr des Programmentauſches recht bald nicht bloß auf andere Staaten, ſondern auch auf andere Arten der Schulen, auf Univerſitäten, Fach⸗, Real⸗, Gewerb⸗ und Volksſchulen und auf alle Arten ihrer amtlichen Schriften erſtreckt werden! Für unſere Verhältniſſe kann ich aus voller Ueberzeugung nur beſtätigen, was überein⸗ ſtimmend mit den in dieſer Schrift dargelegten Anſichten in Dresden Herr geh. Schulrath Dir. Blochmann ſagt:Dagegen iſt mit Fug und Recht zu proteſtiren, daß in Allem Gleiches von Allen gefordert wird. Dadurch wird der Kraft, der Eigenthümlichkeit und Tiefe geiſtiger Entwickelung ein bedauernswerther, oft nie auszugleichender Eintrag gethan. Ich habe es nicht vergeſſen, wie ſchon vor acht Jahren einer der erſten Räthe im Cultusminiſterio zu Berlin mir auf mein Befragen nach den erfahrungsmäßigen Ergebniſſen der ſtrengen gleichmäßigen Anfor⸗ derungen die vielen Prüfungsſtadien im büreaukratiſch überwachten Studienweſen