Aufsatz 
Nachricht über den Verlauf der 50jährigen Jubiläumsfeier der Realschule zu Michelstadt am 30. und 31. März und am 1. April 1884
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

die officielle Schulfeier, die am Vormittag, den 31. März abgehalten werden ſollte, wobei nur noch ein am Nachmittag desſelben Tages abzuhaltendes Feſteſſen vorgeſehen worden war. An dieſe officielle Schulfeier ſchloſſen ſich indeſſen weitere Feierlichkeiten, die von ehemaligen Schülern der Anſtalt aus⸗ gehend, die Schulfeier ergänzten und vervollſtändigten, ſo daß die ganze Feier erſt dadurch den Cha⸗ rakter einer Familienfeier annahm, von der Mutter, der Schule, mit ihren Söhnen, den ehemaligen Schülern, begangen. Auf Anregung ehemaliger Schüler erließ Herr Oberamtsrichter Bogen, auch ein früherer Schüler der Anſtalt, einen Aufruf, worin er alle hieſigen ehemaligen Schüler aufforderte, in einer Verſammlung wegen einer an die officielle Schulfeier ſich anlehnenden würdigen Feier des 50jährigen Jubiläums zu beraten. In dieſer Verſammlung wurde ein Comité, beſtehend aus den Herren:

Bogen, Oberamtsrichter,

Kredel, Bürgermeiſter,

Ph. Jacob Gottwald, Spengler,

J. d'Orville, Fabrikant,

Ferd. Scheuermann, Metzer,

Dr. Scharfenberg, prakt. Arzt, Beſitzer der Kuranſtalt,

Jean Gottwald, Gerber,

Wilh. Becker, Kaufmann,

erwählt, das unter Mitwirkung des Unterzeichneten, der zu den Beratungen zugezogen wurde, folgendes Programm der Feier ausarbeitete:

Begrüßungsfeier, Sonntag den 30. März, abends 8 Uhr, im Gaſthauszum Löwen. Officielle Schulfeier, Montag den 31. März, morgens 9 ½ Uhr in der Turnhalle der Real⸗ ſchule(Schluß⸗ und Jubiläumsfeier).

Feſteſſen, Montag den 31. März, nachmittags 2 Uhr, imHötel Friedrich.

Frühſchoppen, Dienstag den 1. April, vormittaas 10 Uhr, im Gaſthaus zu dendrei Haſen. Muſikaliſche Abendunterhaltung mit Tanz, Dienstag den 1. April, abends 8 Uhr, im Hôtel Friedrich.

Ferner wurde beſchloſſen, daß alle an die officielle Schulfeier ſich anlehnenden Feierlichkeiten unter Muſikbegleitung ſtattfinden ſollen, wozu für 1, 4 und 5 die hieſige Hartmann'ſche Kapelle vorgeſehen wurde; Herr Fabrikant J. d'Orville hatte in höchſt dankenswerter Weiſe die Koſten der Muſik am Hauptfeſttag zu tragaen übernommen und die Beſtellung einer auswärtigen Kapelle in Ausſicht geſtellt. Die übrigen Koſten ſollten, inſoweit ſie nicht von der Stadt übernommen würden, von den Einnahmen bei dem Tanzvergnügen und durch freiwillige Gaben gedeckt werden. In einer der folgenden Sitzungen des Feſtcomités wurde bereits der von der Stadt bewilligte Beitrag von 50 Mark angekündigt. Die Aus⸗

89 15=

gaben und Einnahmen ſind am Ende zuſammengeſtellt. Zu der unter 5 vorgeſehenen muſikaliſchen Abendunterhaltung nebſt Tanzvergnügen war durch Großherzogliches Kreisamt die miniſterielle Erlaubnis eingeholt worden, da das Feſt in die Faſtenzeit fiel. In einigen Comitéſitzungen wurden hierauf

die Adreſſen ehemaliger Schüler der Anſtalt unter Benutzung der amtlichen Schülerverzeichniſſe zu er⸗ mitteln geſucht, wobei die älteren Lehrer ſehr wertvolle Notizen zu geben vermochten. Es waren für manchen der anweſenden Herren ergreifende Momente, freudiger und trauriger Art, als hierbei Erinne⸗ rungen an ältere Schüler und ehemalige Freunde und Jugendgenoſſen auftauchten, Bilder aus ferner Zeit, aus ganz veränderten Verhältniſſen wachgerufen wurden und dem Gemüte die Vergänglichkeit alles Irdiſchen, die Hinfälligkeit des menſchlichen Lebens, Wirkens und Daſeins ſo recht überzeugend vorge⸗ führt wurde. Um ſo inniger klammerte ſich aber hierdurch das Herz an das im Wechſel der Zeit und der Verhältniſſe unwandelbar und unverrückt gebliebene Gefühl der Anhänglichkeit und Liebe zu der Schule und allen Freunden und Jugendgenoſſen, und nur langſam rückte das Geſchäft vor, ſo daß mehrere dieſer Sitzungen bis in die ſpäte Nachtſtunde fortgeſetzt werden mußten. An alle auf dieſe Weiſe ermittelten Adreſſen wurden nunmehr von Seiten des Comités Einladungen durch Überſendung des Feſtprogramms geſchickt und hierdurch die Mitteilung von der beabſichtigten Feier in weite Kreiſe gebracht.

Der Unterzeichnete hatte durch amtliche Schreiben und unter Beilegung des Programms und der oben erwähnten Abhandlung Großherzogliches Miniſterium des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schul⸗ angelegenheiten, Großherzogliche Superintendentur der Provinz Starkenburg, Großherzogliches Decanat und