Aufsatz 
Über die politischen Beziehungen zwischen Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Augsburger Religionsfrieden / vom a.o. Pfarrer und o. Lehrer Dr. Gustav Adolf Wachenfeld
Entstehung
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bleibt jedoch dieselbe, ob der Kaiser sie bestäligt hat oder nicht, wenigstens für unsere Frage nach den politischen Beziehungen zwischen Brandenburg und Hessen. Thatsache ist eben, dass die Staaten Sachsen, Brandenburg und Hlessen einen Erbvertrag geschlossen und wiederholt erneuert haben. Damit haben sie ein Zeugniss über ihr gegenseitiges Ver- hältniss abgelegt, welches, wenn auch manchmal wieder getrüht, doch nie ganz zerstört werden konnte. Wiederholt findet man in der späteren Geschichte die Erbverbrüderung als Motiv ihres gemeinsamen Handelns erwäühnt, wiederholt in den Correspondenzen ge- nannt, und die Unterthanen huldigten den erbverbrüderten Fürsten, mochte die Erbver- brüderung vom Kaiser beslätigt sein oder nicht.

Uebrigens war diese Tripelallianz trotz der erbitterten Kämpfe zwischen Brandenburg und Sachsch und trotz der geographischen Entfernung Brandenburgs und Hessens längst vorbereitet und lief in den Verhältnissen der Staaten zu einander begründet. Brandenburg war selbst ein sächsischer Staat; denn er wurde von den sächsischen Kaisern Heinrich I. und Oito dem Grossen gegründet und von dem Kaiser Lothar von Sachsen regenerirt. Es war die Tochter des alten und nach lleinrichs des Löwen Sturze die Mutter des neueren Herzog- thums Sachsen, indem Albrecht des Bären Sohn Bernhard der Stifter der erst 1422 aus- gestorbenen Linie Wiltenberg wurde. Sächsisch war der brandenburgische Adel, säch- sisch die Sprache, sächsisch die kirchliche Einrichtung und die Sitte des Volkes. Nur der Dynaslienwechsel in Kursachsen brachte, zumal sich Brandenburg selbst Rechnung auf das Kurfürstenthum gemacht hatte, eine Verstimmung zwischen beide Staaten; und es war ver- zeihlich, dass die Hohenzollernschen Markgrafen mit Eifersucht auf das Haus Wettin blick- ten, welches zu Meissen, Thüringen und dem Osterlande von demselben Kaiser Sigis- mund, der dem Kurfürsten Friedrich I so sehr zu Dank verpflichtet war, auch noch die sächsische Kurwürde erhielt. Was aber so tief in den Herzen zweier völker eingegraben ist wie die Blutsverwandtschaſt, das lässt sich auf die Dauer nicht verdrängen, und so mussten sich Brandenhurg und Sachsen wieder versöhnen. Hessen, nach der Chattenzeit frän- kische Provinz, musste in seinen nördlichen Gauen zwischen Diemel und Weser viele Sachsen aulnehmen. Der erste sächsische Kaiser Heinrich I. wurde zu Pritzlar mitten zwischen hessischem Gebiete gewählt. Mehr als 100 Jahre war Hessen mit dem unter kleinrich J. und Olio dem Grossen sächsisch gewordenen Thüringen verbunden und seit 1373 durch eine Erbverbrüderung vereinigt. Als nun das Haus Wettin zu Meissen und Thüringen auch Kursachsen erhielt, wurde die Erbverbrüderung mit Hessen auch auf Kursachsen ausgedehnt. Mit Brandenburg wurde Hessen qurch seine Familienverbindungen mit dem Hohenzollernschen Hause und durch seine Vermittlungen zwischen Brandenburg und Sachsen näher verbunden. So musslen denn bei der Freundschaft zwischen Sachsen und Hessen, sowie zwischen Hessen und Brandenhurg und pei der Blutsverwandtschaft zwischen Sachsen und Brandenburg trotz der Rivalität der Letzteren alle drei Staaten mit einander in einen Bund zusammen treten,

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