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Stoffe anzueignen ſind, ſo dürfen dieſelben nur muſtergültige Stoffe, Üübungsſätze der Grammatik, Regeln, die aus Beiſpielen abſtrahiert ſind, oder Teile der fremdſprachlichen Lektüre ſein. Nach deutſchem Texte dürfen nur ſolche Extemporalien geſchrieben werden, die von dem Schüler nicht vorbereitet werden und die dazu dienen, dem Lehrer zu zeigen, wie ein Schüler ohne Beihülfe und ohne Vorbereitung die erworbenen Kenntniſſe zu einer Kompoſition zu verwenden vermag. Extemporalien dürfen auch nicht angewandt werden, um eine Privat⸗ lektüre dadurch, daß man ſpäter darüber ſchreiben laſſen will, zu er⸗ zwingen, oder zu umfaſſenden Repetitionen der Grammatiken, der Geſchichte, Geographie, Naturkunde, welche die Kraft des Schülers überſteigen, die Klaſſen anzutreiben. Wenn irgend einer der gedachten Fehler, die bei einer ungeeigneten Inſzenierung der Extemporalien vorkommen können, aber nicht vorfallen ſollen, eintritt, ſo erweiſt ſich die Richtigkeit des Urteils des Großh. Oberſchulrats Dr. Wendt in Karlsruhe, welcher bei der im Herbſt 1877 in Wiesbaden abgehal⸗ tenen Philologenverſammlung in der pädagogiſchen Abteilung gelegent⸗ lich der Beſprechung der ſchriftlichen Schülerarbeiten die Worte aus⸗ ſprach:»Das Extemporale iſt eine Gottesgeißel!« Wann iſt aber das Extemporale dies nicht? Wenn durch dasſelbe ohne allzu ſchwie⸗ rige Vorbereitung dem Schüler die Laſt der häuslichen ſchriftlichen Arbeit und die Verſuchung, dabei fremder, unerlaubter Hülfe ſich zu bedienen, ferngehalten wird, und wenn der Lehrer durch das Extem⸗ porale ſeiner Klaſſe und ſich ſelbſt gleichſam den Puls fühlt, damit er nach dem Ergebnis desſelben ſieht, welche Richtung ſein mündlicher Unterricht nehmen muß, um die Klaſſe einheitlich weiter zu führen. Das Extemporale wird demnach zum Kompaß, Schwankungen werden dabei immer vorkommen. Die vernünftige Schule wird aber bei allem Ernſte, womit von ihr die ſorgfältige Anfertigung der ſchriftlichen Arbeiten verlangt und auch durchgeſetzt wird, es dennoch verſchmähen, auf Koſten der Lektüre und der daraus zu ſchöpfenden Bildung Muſterhefte für irgend einen äußerlichen Zweck herzuſtellen; ſondern die ſchriftliche Arbeit ſoll den Lehrer immer und immer wieder an die Lücken erinnern, die er durch ſeinen eigenen Unterricht ausfüllen muß. Wenn für das zu Hauſe vorzubereitende Extemporale der an⸗ zueignende Stoff ſo beſtimmt bezeichnet iſt, daß faſt alle Schüler


