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zum großen Aerger des neidiſchen Mainzers zurückgekehrt; Kaiſer und Papſt und die Könige von Frankreich und Burgund ſchienen der Erreichung des Zieles nahe, trotz der erhöhten Anſtrengungen der deutſchen Biſchöfe, die auf den Ruf des vom Papſte be⸗ drohten Aribo faſt alle zu dem Nationalconeil nach Höchſt kamen(14. Mai, Himmelfahrt 1024): da zerriß der Tod des Kaiſers und faſt gleichzeitig des Papſtes die groß angelegten Pläne für einen allgemeinen Frieden im Abendlande und eine durchgreifende Kirchenreformation.
Wie ſich der Meeresſpiegel zitternd regt, wenn ein Sturm loszubrechen droht, ſo lief ein Schauer des Entſetzens durch das Reich, als ſich die Nachricht von dem Tode des Kaiſers ver⸗ breitete. Schien er es doch allein geweſen zu ſein, der die Stürme gebändigt hatte, die nach dem Ausſterben der Ottonen das Reich durchtobten; er allein, der die Herrſchaft der Deut⸗ ſchen bei der erſtarkten Kraft der umwohnenden Völker behauptet hatte. Allgemein war die Beſorgniß, daß die alten Kämpfe von Neuem ausbrechen würden. Und um ſo größer war die Gefahr, da keine Vorſorge für die Nacchfolge im Reiche getroffen und der Kaiſer ohne Erben geſtorben war. Die Wahl ſchien frei, wie ſie nie geweſen war. Und wie hätte da nicht, in die⸗ ſem ruhmliebenden Geſchlecht, jeder Fürſt, der zu ſeiner Macht, ſeinem Reichthum, ſeiner Mannhaftigkeit Ver⸗ trauen hegte(Uhl. II. V. 786 ff.),*) nach der deutſchen Krone, der glänzendſten der Chriſtenheit, den Blick erheben ſollen? Welche Kämpfe konnten um dieſen verlockenden Preis ſich er⸗ heben! Aber ſo groß die Befürchtungen waren, ſie zeigten ſich doch bald als völlig eitel. Das Interregnum verlief in der
*) Wir wollen die Stellen der Chronikenſchreiber, die in der Tragö⸗ die beſonders anklingen, durch geſperrte Schrift hervorheben, und in der Klammer die Verszahl angeben. Bei den oft ſehr langen Scenen und der verſchiedenen Seitenzahl der einzelnen Ausgaben wäre es wünſchenswerth, wenn in dem neuen Abdruck die Verszahlen, wie bei epiſchen Dichtungen, hinzugefügt würden.


