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ſtruktion, die ſchlichte Aneinanderreihung der Sätze(eig E1O0¼0⁸ν) entſchieden vor. Im Allgemeinen zwar finden wir dieſen Satzbau als den urſprünglicheren, einfachern, in den älteſten Schriftwerken aller Völker wieder; allein wenn er bei den griechiſchen Schrift⸗ ſtellern länger vorhält, als bei andern, ſo müſſen wir den Grund hiervon darin ſuchen, daß die griechiſche Schriftſprache, wie ſie aus dem Geſpräche des gewöhnlichen Lebens hervorgegangen, auch die lockere Verknüpfung der Sätze, wie ſie im gemeinen Leben vorherrſcht, beibehalten hat. Erſt mit den Sophiſten ſehen wir die künſtliche, von der gewöhnlichen Sprache des Lebens abweichende periodologiſche Schriftſprache auffommen. Wenn Herodot's Styl als die Vollendung der blos anknüpfenden Redeweiſe anzuſehen; ſo iſt der Styl des attiſchen Redners Antiphon und des Geſchichtſchreibers Thucydides als die Mitte zwiſchen der anreihenden, locker zuſammenhängenden Schreibart des Herodot und dem periodiſchen Style des Iſocrates zu betrachten. Bei dieſem erreicht die Schönheit der griechiſchen Sprache ihren Höhepunkt; denn wenn auch Lyſias und Demosthenes, welche mit ihren Reden mehr praktiſche Zwecke verfolgen, der erſtere mit klarer Nüchternheit und Planmäßigkeit in dem ſchlichten, einfachen Style, der andere durch gewaltige, hinreißende Kraft(deινοστ*) ſich in ihrer Art ebenſoſehr auszeichnen; ſo offenbart ſich doch der Grund⸗ zug des griechiſchen Geiſtes, der Schönheitsſinn, bei keinem mehr, als bei ihm. Die Rede des Iſokrates wirkt geiſtig und ſinnlich ange⸗ nehm, ſinnlich durch Wohllaut und Sylbenfall, geiſtig durch Klarheit und Ebenmaß. In den Perioden halten ſich Vorderſatz und Nach⸗ ſatz genau die Wage 1¹). Eingeſchobene Zwiſchenſätze halten den Lauf
ſchwunden.“ Hinſichtlich des Styls iſt er nichts weniger als klaſſiſch zu nen⸗ nen, wenigſtens in vielen ſeiner Schriften.
¹) Wir Deutſchen, bei denen die Innerlichkeit vorherrſcht, können uns kaum einen Begriff machen von dem Fleiße und der Sorgfalt, welche die Alten auf die Feinheiten des Numerus, die kunſtvollen Redefiguren und die Aeußerlichkeiten des Periodenbaues verwandten. In Folge hiervon bildet in dem künſtlichen griechiſchen Periodenbau, die Stellung der grammatiſchen Formen gegeneinander ein eignes Ganzes, das die Wirkung der Ideen ver⸗ ſtärkt und in ſich durch Symmetrie und Eurythmie erfreut. Es entſpringt daraus, ſagt W. v. Humboldt, ein eigener, die Gedanken begleitender, und


