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vielen andern Beziehungen, die ſchöne Mitte zwiſchen ihrer älteren formenreichen und mitunter zu üppigen Schweſter, dem Sanskrit und unſerer Mutterſprache, die in der Abwerfung und Abſchleifung bedeutſamer Laute ſehr weit gegangen iſt.
Mit dem Reichthum und der Fülle der Formen hängt auch die Wortſtellung im griechiſchen Satze auf das engſte zuſammen. Wenn nänlich in den neueren Sprachen, wie den romaniſchen, ab⸗ geſehen von andern Gründen, die Wortſtellung wegen der mangel⸗ haften Flexion eine ſehr beſchränkte iſt, ſo beſitzen dagegen die alten Sprachen eine um ſo größere Freiheit in dieſer Beziehung, je voll⸗ kommener ſich in ihnen die Flexion erhalten hat. Die alten Sprachen können daher, ohne dadurch dunkel zu werden, von der invertirten Wortfolge— und ſie thun es insbeſondere in der Poeſie bis zum Uebermaß— ſei es des Wohllauts wegen, oder um einen Begriff vor dem andern hervorzuheben, den weiteſten Gebrauch machen; während die neueren Sprachen, wie die engliſche und die franzöſiſche auf eine beſtimmte, die ſogenannte grammatiſche Wortfolge beſchränkt ſind. Inſofern jedoch Wohllaut und Rhythmus in den beiden alten Sprachen überhaupt und im Griechiſchen insbeſondere vorherrſchen; iſt die Wortfolge hierdurch vorzugsweiſe bedingt.
Gehen wir von dem einfachen Satze zu dem zuſammengeſetzten über; ſo läßt ſich eine große Hinneigung zu der beiordnenden oder parataktiſchen Satzordnung bei den griechiſchen Schriftſtellern nicht leugnen. Nicht nur bei Homer ¹) und ſämmtlichen zunächſt auf ihn folgenden Dichtern und älteren Proſaiſten, welche die Sätze meiſtens nur loſe durch kopulative und adverſative Konjunktionen mit einan⸗ der verbinden, ſondern ſogar bei ſpäteren griechiſchen Schriftſtellern, wie Xenophon ²) und Lyſias, herrſcht dieſe loſere, beiordnende Kon⸗
¹) S. Claſſen, Programm des Frankfurter Gymnaſiums. 1854.
²) Hinſichtlich des Xenophontiſchen Styls ſtimmen wir ganz mit Bernhardy, Wiſſenſchaftliche Syntax der griechiſchen Sprache, S. 25, überein, wenn er ſagt:„Die Verknüpfung der Xenophontiſchen Rede iſt neben einer gemüth⸗ lichen Leichtigkeit des Erzählungstones zum größeren Theile hart, zerriſſen und unbehülflich, der Gedanke oft roh und in Grundzügen gewöhnlicher Proſa hingeworfen, die Rückſicht auf Numerus und Satzbildung faſt ver⸗
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