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ſo haben Ehrngedachte Herrn Contribuenten gegen Ratichio ſich auch erkläret, Ihne vber das Jahr, welchs ſich eben heut Dato enden thut, nicht aufzuhalten“*).
Die Differenz zwiſchen R. und ſeinen Collaboranten führte diesmal wie geſagt zu einer gänzlichen Trennung zuerſt des Helvicus von R. Dieſe Trennung wurde eine vollſtändige und bleibende, als Helvicus, wahrſcheinlich im April 1615, von Augsburg abzog und ſich zunächſt nach Ulm wandte. R. richtete ſich trotzdem für eine umfaſſendere Anwendung ſeiner Lehrart in Augsburg ein, ließ ſeine Bücher von Frankfurt kommen und Formulas declinandi et conjugandi zum Gebrauche für ſeine Augsburger Schüler drucken**). Denn er durfte auf fernere Unterſtützung in Augsburg rechnen***) und gab die Hoffnung, daß Helvicus ſich bedenken und wieder umkehren werde, nicht auf.
Um eine Verſöhnung wieder herbeizuführen, eilte Philibert Vernat in den erſten Tagen des Mai 1615 von Frankfurt nach Augsburg. Helvicus aber war zu einer Umkehr nicht geneigt. Er hielt ſich in der Nähe, in Ulm, auf, wahrſcheinlich mit der Abſicht, nur die Rückgabe von Briefen, die er dem R. an⸗ vertraut habe(beſonders Briefe vom Landgrafen Ludwig) und ſeiner Obligation(Revers) abzuwarten und dann ganz in ſeine Heimath zurückzukehren. Aber ſelbſt ſeine Drohungen †) vermochten R. nicht, ſeinem Anſinnen zu willfahren. Der vielgeprüfte Mann ließ ſich nicht beugen und fand ſelbſt in ſo ſchwerer Zeit die gehobene Stimmung beſten Vertrauens in den endlichen Sieg ſeiner guten Sache. Rührend iſt es, was er am 30. Mai an die Gräfin Anna Sophia zu Schwarzburg ſchreibt:„Nachdeme mein vielgeliebte Braut, die hochgewünſchte Didactica, Vieler hertzen gedancken vnd booßheit vnder den Menſchen Kindern faſt wunder⸗ bahrlicher Weiſe entdecket, vnd entlich auch, durch ſonderlicher ſchickung Gottes, den ſchendlichen Ehrgeitz, Vndanck vnd loſe Pußen meiner vermeinten Mithelffer In dieſer Statt öffentlich zu erkennen geben, So thut ſie Itziger Zeit Ihren lieben Ratichium, welchem ſie einig vnd allein von Gott dem Almechtigen hoch ver⸗ trawet vnd anbefohlen, dermahleins In Ihre holdſelige Arm ſchließen, Mit demſelbigen gedencket ſie ferner, der lieben Jugent zu gute, Ihr leben nach dem Willen Gottes In aller Friede vnd Einigkeit zu volendigen. Wan aber die Hochzeit ſoll gehalten werden, vnd was für angenehme Geſte Ich darzu beruffen vnd laden werde, haben E. F. G. nach Ihrem gnedigen gefallen von gegenwertigen mehrentheils zu vernehmen“.
Am 31. Mai 1615 nimmt Helxvicus brieflich von Ulm aus Abſchied von ſeinem in Augsburg ge⸗ bliebenen Freunde Jungius. Eine Verſöhnung zu Stande zu bringen, war ſelbſt dem gewandten und überall
*) Meyderlin an Verbezius d. d. 26. Juni 1615. Das oben bezeichnete Datum iſt dasjenige dieſes Briefes. **) Er verſandte von denſelben auch eine ziemliche Anzahl Exemplare an die Herzogin Dorothea Maria zu Weimar. ***) Meyderlin an Verbezius 26. Juni 1615:„Vnd iſt wol nicht ohne, daß, alß Ich vermerckt, die Herrn Contri- buenten zwar Ihnen Anfangs Hoffnung geſchöpfft, dieſes hochnützlichen Werckes(zu Vberwindung derer, ſo nichts dauon halten) ein ſolches Specimen an das Taglicht zu bringen, daß dadürch eine löbliche Oberkeit alhie nicht vmbgehen ſolte haben könden, ſich deßen ſelbſt ernſtlich zu vnderfahen, vnd zu allgemeinem Nützen publice einzuführen. Weil aber R., wegen widerwertiger Religion, bedenckens getragen(eh vnd dann er vergewißet, ob er fixam sedem alhie erlangen möchte oder nicht), mit entdeckung ſeiner Methode vnd Wercks ſich völlig herauß zu laßen: ſo ſein ſie zwar zu ſolchem Ihren intent nicht völlig gereichet, haben aber ſo viel erfahren, das dürch die newe Arth bey der lieben Jugend ein merklicher nütz zu ſchaffen iſt, vnd deßwegen der auffgelauffne zimliche Vnköſten ſie nicht rewen thut, Sonderlich aber, weil ſie von etlichen fürnehmen gelerten(denen Herr R. ſich zimlicher Maßen entdecket hat) diß Werck commendirn hören. Was dan anlangt den letſten Puncten, ob die Contribuenten ferner hülffe bey dem Werck thuen? Verſpür Ich ſo vil, daß ſie dafür halten, ſolchs Werck fürter zu treiben ſtehe fürnehmlich Oberkaiten zue, vnd ſie haben Ihrem Ort das Ihrige gethan. Trage aber keinen Zweiffel, ſie ſein demſelben noch ferner befür⸗ derung zu leiſten nicht vbel geneigt. Betreffend aber das Principalſtück, ſo iſt fürwahr das Werck gut, vnd weis Ich meins gedenckens Keinen, der demſelben auff den boden geſehen hette, der es nicht commendirte“. †) Am 17. Mai 1615 ſchreibt er an Meyderlin:„Quod si haut gravatim reddiderit, ostendet se tranquillitatis cupidum et aequitatis amantem. Qualem animum ego sane ei precor, ne sibimet porro mala asciscat vel potius accumulet; quae ei non imprecor.“


