Aufsatz 
Herrn Prof. Herling wichtigste Lehren der sphärischen Astronomie nach einer neuen Darstellungsweise / Johann Theodor Vömel
Entstehung
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Ammerkung. In dem auf dem Himmelsglobus wie in§. 16 Anmerkung con- struirten Dreiecke ist BC(Fig. 4) Complement der Morgenweite, und es er- giebt sich dieselbe Formel.

§. 17. b)

Den vorangehenden Erörterungen gemäſs, läſst sich auch ein Erdglobus auf eine recht anschauliche Weise zur mechanischen Auflösung, wie zur Erläuterung der Berechnungen, der vorigen und anderer Fragen gebrauchen.

I. Wenn man den Pol um die Declination der Sonne oder des Sterns über den Horizont erhebt; so wird letzterer die Lichtscheide der Sonne oder des Sterns. Diese schneidet alsdann für jeden Ort I(Fig. 3) die Orte, die zu gleicher Zeit, in der er aus der Lichtscheide in die Schattenseite tritt, Untergang oder Aufgang der Sonne oder des Sterns; und in der Zeit, in welcher er aus der Lichtscheide in die Lichtseite tritt, mit ihm zugleich Auf- oder Untergang haben. Der Stundenwinkel LPM giebt uns den Meridian, der zur Zeit des Untergangs des Orts Mitternacht hat; und für jeden Längenunterschied LPM lassen sich dann die Polabstände oder die Polhöhen jener Oerter berechnen, da uns im Dreiecke PML auch PM die Declination der Sonne oder des Sterns gegeben ist.

II. Da nun, wenn PI= 900 wäre, L im Aequator läge und MPIL= 90⁰ seyn müfste; so wird immer 90 MPI., oder das Complement des Stunden- winkels, den Ort des Erdäquators angeben, welcher mit L zugleich Sonnen-oder des Sterns Untergang hätte.

III. Nimmt man statt des Sonnenunterganges eine andere Erscheinung, z. B. den Eintritt des Mondes in den Erdschatten, oder die Verfinsterung eines Jupiters- trabanten; so bedeutet LPM den Stundenwinkel der Zeit zwischen dieser Erschei- nung und der wahren Mitternacht, wo PM einen Bogen der Meridianebene der Sonne bedeutet. Man sieht, daſs für einen andern Meridian PL ein anderes LPM statt finden müsse. Der Unterschied beider Stundenwinkel giebt die Entfernung beider Meridiane und also die Länge des einen Ortes an, wenn die des anderen bekannt ist. Demnach läſst sich aus der Vergleichung der Uhren zweier Oerter zu derselben Zeit, die Länge des einen Ortes bestimmen, wenn die des anderen bekannt ist. Von andern Mitteln, die Länge eines Ortes zu finden.

IV. Hieran schliefst sich die Erklärung der Erdzonen. 1) Die heifsen Zonen umfassen auf beiden Seiten des Aequators solche Oerter, welchen die Sonne durch das Zenith gehen kann, oder welche durch den Pol der Lichtscheide gehen kön- nen. Ihre Polhöhe kann das Complement der Neigung der Erdachse oder die Schiefe der Ekliptik nicht übersteigen. 2) Die kalten Zonen umfassen solche Oerter,