Aufsatz 
Naturgeschichte der Ameisen und Anleitung zur Bestimmung der nassauischen Arten : 1. Theil / Schenck
Entstehung
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Inſekten alle übrigen foſſilen Thiere; am zahlreichſten ſind die Hymenopteren(80 Arten) und unter dieſen wieder die Ameiſen. Nach K. Vogt läßt ſich hieraus, wie aus der großen Zahl der Termiten, ein Schluß auf die tropiſche Vegetation der tertiären Periode machen, welche ſolche unzählige Maſſen zerſtörender Inſekten ernährte. Auch jetzt gehört noch in den Tropengegenden die Bodenfläche weſentlich den Ameiſen und Termiten an, wie dies damals in unſeren Gegenden der Fall war. Auch im Bernſtein der Oſtſee kommen Ameiſen vor. Aber im foſſilen Zuſtande findet man faſt nur die geflügelten Geſchlechter, weil nur dieſe bei ihren Flügen ins Waſſer gerathen und darin umkommen konnten, die Weibchen aber dreimal ſo zahlreich, als die Männchen, da jene bei ihrem ſchwereren und unbeholfeneren Körper leichter verunglücken konnten ¹).

§. 16. Syſtematik, Litteratur. Linné( 1778) kannte nur 18 Ameiſenarten, welche er alle in ein einziges Genus(Formica) zuſammenſtellte. Der berühmte Entomolog Fabricius ( 1808) beſchreibt in ſeinem Syst. Piezatorum(= Hymenopterorum) 110 Arteu, in 6 Gattungen vertheilt, aber faſt nur nach den Arbeitern, von manchen nur eines der geflügelten Geſchlechter ohne Arbeiter. Latreille( 1833), einer der berühmteſten Entomologen dieſes Jahrhunderts, gab eine ausführliche Naturgeſchichte der Ameiſen heraushistoire naturelle des fourmis, Paris 1802. Hierin beſchreibt er 99 Arten, welche er durch Autopſie kannte, von vielen die drei Geſchlechter, nebſt 25, die ihm nur aus Schriften bekannt waren; er vertheilte ſie in 9 Gruppen, von ihm Familien genannt, aber eigentlich nur Gattungen, wie er denn auch in ſeinen ſpäteren Werken über Entomologie acht Gattnngen daraus machte, Formica, Polyergus, Ponera, Myrmica, Atta, wozu unſere inländiſchen Arten gehören, und dazu die tropiſchen Odontomachús, Eciton, Cryp- tocerus, ferner Dorylus und Labidus, welche beide er aber zu den Mutillen zählt, einer Gruppe der Grabwespen. Für die europäiſchen Ameiſen iſt die Eintheilung Latreille's bis in die neuere Zeit beibehalten worden. Um die genaue Unterſcheidung der Arten der europäiſchen, beſonders nordeuropäiſchen Ameiſen⸗Fauna hat ſich Dr. Nylander zu Helſingfors in Finnland ein großes Verdienſt erworben. Derſelbe hat ſeit 1846 eine Reihe ſehr werthvoller Arbeiten über euro⸗ päiſche, beſonders nordiſche Ameiſen, in lateiniſcher Sprache herausgegeben, ſpäter auch die Ameiſen Frankreichs und Algeriens in franzöſiſcher Sprache behandelt. Durch ihn iſt die Zahl der europäiſchen Ameiſenarten bedeutend vermehrt worden; zugleich hat er charakteriſtiſche Merkmale hervorgehoben, wodurch ſich ähnliche Arten leicht unterſcheiden laſſen. Nach Nylander hat ſich beſonders Dr. G. Mayr zu Wien durch vortreffliche Beſchreibung der bereits bekannten Arten, durch Entdeckung und Beſchreibung vieler neuen Arten und eine neue ſyſtematiſche Eintheilung der europäiſchen Ameiſen ſehr verdient gemacht. Auch Dr. Roger zu Rauden in Oberſchleſien hat durch ſehr werthvolle Abhandlungen in derBerliner entomologiſchen Zeitſchrift die Kenntniß der europäiſchen Ameiſen ſehr gefördert. Zugleich hat derſelbe in dieſer Zeitſchrift ſehr wichtige Beiträge zur Kenntniß der exotiſchen Ameiſen geliefert(Jahrg. 1857, 1859, 1860, 1861 und 1862). Auch Mayr'smyrmekologiſche Studien in denVerhandlungen der zoologiſch⸗bota⸗ niſchen Geſellſchaft zu Wien, Jahrg. 1862 ſind für das Studium der exotiſchen Ameiſen von großem Werthe. Fr. Smith in London hat in ſeinemcatalogue of Hymenopterous Insects

1] Heer, über die Geſchichte der Inſekten, in den Verhandlungen der Schweizeriſchen naturforſchenden Ge⸗ ſellſchaft in Frauenfeld. Unger, Verhandlungen der Leopoldiniſchen Akademie der Naturforſcher, XIX, 4. Heer, die Inſekten⸗Fauna der Tertiärgebilde von Oeningen und Radoboj, Leipzig 1849. Giebel, Fauna der Vorwelt, Leipzig 1856. Bd. 2, Abth. 1 enthält die Inſekten(die Zahl der verſteinerten beträgt über 2000). Ein Auszug daraus in der Zeitſchrift für die geſammte Naturwiſſenſchaft, VIII, S. 174 ff.(geologiſche Ueberſicht der vorwelt⸗ lichen Inſekten). Burmeiſter, Handbuch der Entomologie. I, S. 632.