Gegenwart und Zukunft als in die Vergangenheit gewiesen het. Erziehen bedeufefe für uns, Kräſte ſormen für die Zukunft. Gern feilen wir dieses Hochziel mit anderen Schulen, aber es bleibt unser Ruhmestitel, daß die Musterschule immer besonders unermüdlich danach gestrebt hat. Alles, was ich eingangs, historisch rückblickend, angeführt habe, ist Beweis dafür.
Nie selbstzufrieden beim Alten zu beharren, sondern immer wieder„zu probieren und zu experi- mentieren“, Neues an Stelle des Gewohnten, Besseres an Stelle des Gufen zu setzen, das war der Leitspruch aller Männer, die hier wirkten von Klitscher bis Walter. Manche Enttäuschung blieb nicht aus; mancher Weg, mit großen Hofſnungen beschriften, erwies sich nachher als un- gangbar. Aber nie hat die Entfäuschung verbiftert, nie hat sie den Mut genommen, immer wieder Neuland aufzusuchen, wo redliche Mühe dauernde Werte erntete, uns und andern zum Nutzen. Das vornehmste Vermächtnis der Geister unserer Vergangenheit ist die Mahnung: schreitet über
uns hinaus! Das ist der Wesenskern unserer Tradition.
Und weil wir diese Tradition immer befolgt haben, deshalb ist der heufige Tag für uns ein Ruhmes- und Ehrentag. Wie ein wohlverdienter, gern gereichter Lorbeerkranz schmückt der stolze Name„Musterschule“ alle, die sich im Laufe der Zeit hier um die Jugend gemüht haben. Uns Lebenden und noch Schaffenden aber ist er ein Ansporn, eine Verpllichtung, ein hochge- hängter, noch unverdienter Siegespreis, von dem wir vielleicht nur ein köstliches Blatt pflũcken werden.
Auch lhr Schüler sollt nach diesem Preise streben. Ihr werdet Euch des Nemens der Schule würdig erweisen, wenn man künftig von Euch sagen kann, daß Ihr an den großen Aufgaben unseres Volkes, die Euer warten, nach besten Kräften mitgearbeitet habt. Denn in Euch soll sich in diesem ungeheuren Bruch der Zeit die Wandlung vollziehen. Noch seid lhr Keim und Saat, gehegt und gepflegt von Schule und Elternhaus. Mit vielen andern sollt Ihr, einst herangereift, die Träger einer umgestalteten Lebensordnung werden. Deshalb sollt Ihr mit uns stark und freudig Gegenwart und Lukunft bejahen, denn nur wer glaubt, kann bauen.
Und wenn ich als derzeifiger Leiter der Schule zum Schlusse einen Wunsch aussprechen dart, dann kommt er mir aus bewegtem Herzen, aus dem Gelfühl heufe besonders fief empſundener Verantwortung: ich möchte der Schule wünschen, daß man in ihren Räumen das geheimnisvolle Wort von dem„Stirb und werde“ nicht nur gelegentlich zitiert, sondern daß es Lehrer und Schüler immer wieder, wie schon so oft und wenn auch unter Schmerzen, erleben. Dann, und nur dann, wird unsere Schule ihre stolze Tradition wahren, und es werden von ihr aus, die ja nur ein winziger Teil des Ganzen ist, wie von einem kleinen Quellbezirk her lebendige Kröfte Hließen und in den großen Strom einmünden, der unser Volk und Vaterland durch die Wirrnis dieser Jahre zu den Gestaden einer freieren und schöneren Zukunft tragen soll.
41


