Aufsatz 
Über den Elementar-Unterricht in der lateinischen Sprache / Wilhelm Münscher
Entstehung
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gere Zeit hindurch fortgesetzt ist, so daß die Schüler schon ein grösseres Ganze in der fpemden Sprache sich angeeignet haben, und dadurch sowie durch im weiteren Verlauf eingemischte Fragen sich des Gemeinsamen und Allgemeinen aus den oft wieder- kehrenden Einzelnheiten einiger Maaßen bewußt geworden sind, soll dann die Ent- wickelung der Regeln und zwar der Flexion sowie der Syntax nicht in dem wissenschaft- lichen Zusammenhang einer Grammatik, sondern unter stetem Anschluss an das Gelesene, Uebersetzte und Memorirte folgen, indem der Lehrer durch Hinweisung auf das dem Schüler schon Bekannte und durch Fragen, die seine Aufmerksamkeit spannen, von dem Besonderen zum Allgemeinen, von dem Concreten zu dem Abstracten hinführt. Ausserdem weist Jacotot, der seine Methode weit ausführlicher als der Andere, freilich in mitunter paradoxer und prahlerischer Weise entwickelt hat, stets darauf hin, daß die Selbstthätigkeit der Schüler geweckt werden, daß Liebe zu der Sache und zu den Schülern den Lehrer vor Allem beseelen müsse. Ferner behauptet er, daß alle Schüler von Natur gleiche Intelligenz haben, und daß es nur darauf ankomme, die Seelenkräfte eines Jeden. auch des Trägen oder Beschränkten zu wecken, endlich daß in Allem Alles sei, d. h. daß man bei jedem Unterricht an einem Gegenstand festzuhalten und von dem aus zu allem Andern hinzuführen habe. Bei der Erlernung fremder Sprachen dringt er insbesondere darauf, daß man stets von der Muttersprache ausgehen und auf diese Alles in der fremden Sprache beziehen müsse. Mögen nun schon in dem bisher Angeführten Ueber- treibungen hervortreten, die durch die Wirklichkeit oft widerlegt werden, mag überhaupt in der Behandlung nach den Grundsätzen des Universalunterrichts so nennt Jacotot seine Methode, ein Extrem vorliegen, das in dieser Weise durchaus nielit haltbar ist, muss überhaupt jenen beide Methodikern eine tiefere Auffassung der Sprache und der alten Sprachen insbesondere völlig abgesprochen werden, sie werden doch, da beide nicht ohne in ihrem Sinne günstigen Erfolg ihre Sprachkunst ausgeübt haben, dem Auf- merksamen gar manche Winke an die Hand geben, die er zur methodischen Ertheilung des Sprachunterrichts zu benutzen vermag. Daß man vom Concreten und Bekannten ausgehen und dadurch zum Abstracten und Unbekannten hinführen, daß man stets wie- derholen und einüben und anwenden muß, daß das Hauptbestreben des Lehrers dahin gehen soll, sich zur Fassungskraft des Schülers herabzulassen und soviel nur irgend möglich ein stetiges, alle Schüler sleichmässig beschäftigendes Fortschreiten zu erzie- len, dafz Anfangs der Lehrer vorsprechen und vormachen, die Schüler dagegen nach- sprechen und nachahmen sollen, daß auf rechte Benutzung und Verarbeitung des