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hingewiesen, daß man sich in dem lateinischen und deutschen Unterricht gleicher Bezeichnung der Casus, Tempora u. s. w. bediene. Wie sich der Lehrer des Deutschen unseren umschriebenen Conjugationsformen gegenüber zu verhalten hat, darüber weiter unten. Schmid fährt fort: Einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen die Präpositionen, die neben dem Lateinischen gelernt werden müssen. Auch im Lehrplan wird die Rektion der deutschen Präpositionen der Sexta zu- geteilt. Wohl weiß ich, daß es Verschen giebt, die in der Volksschule eingeübt werden und wodurch die Schüler zu der richtigen Rektion der Präpositionen gebracht werden sollen. Auch diese Übung habe ich im Deutschen nie angestellt, deshalb aber doch nicht gefunden, daß meine Schüler auffallende Verstöße gegen den Gebrauch des richtigen Casus machten. Wäre dazu wirklich eine Ubung nötig, müßte es schlecht um unser natürliches Sprachgefühl stehen. Wohl giebt es in verschiedenen Gegenden unseres Vaterlandes einen vom schriftgemäßen Neuhoch- deutsch abweichenden Gebrauch einiger Präpositionen namentlich in Bezug auf den Casus. So wird z. B. wegen in manchen Gegenden mit dem Dativus construiert. Das ist ja gewiß nicht richtig, wegen, das als ein Dativus Pluralis von Weg anzusehen ist(von wegen) ist mit dem Genetiv zu verbinden. Der Lehrer wird, fehlt ein Schüler gegen den Casus, einfach das übliche, sei es mündlich oder schriftlich, einsetzen, aber er soll sich nur hüten viel Aufhebens davon zu machen, denn der Schüler kann sich auf Göthe berufen, der(XXXV, 39)„wegen mehr als einem Verbrechen“ und ebenda S. 146„wegen den verschiedenen Vorfällen“ sagt und S. 249 »wegen diesem und so manchem andern wunderbaren Beistand.“
Allzu arges Wüten des Lehrers gegen dergleichen Provinzialismen läßt auf geringe Kenntniß sprachlichen Lebens mit seinen Launen schließen. An dieser Stelle möchte ich noch beispielshalber auf den Gebrauch der Präposition„bei“ aufmerksam machen. In unserer Gegend wird man häufig bei mit dem Akkusativ verbunden hören.„Komm bei mich“ und dergl. Der Lehrer wird gelegentlich auch diesen Gebrauch korrigieren, aber so erschrecklich ist er nicht, wie er oft hingestellt wird, denn hierbei kann sich der Schüler auf keine geringeren Auktoritäten berufen als Luther, Klopstock, Justus Möser, Göthe, und die waren doch alle Sprachschöpfer. Das so höchst lehrreiche Wörterbuch der deutschen Sprache von Weigand giebt unter diesem Worte Beispiele an. So schrieb Göthe an Frau von Stein: Ich bitte mich bei sie zu Gast. (Goethe an Prau von Stein I, 249). Darum nur nicht zu schulmeisterlich. Die Schwierigkeit im Gebrauch der Präpositionen liegt anderswo. Die Schüler wählen häufig nicht immer die passende Präposition, namentlich in höheren Klassen bei freien Arbeiten.
Die Ursache hiervon ist sowohl in noch nicht vollständiger Reife zu suchen, als auch in einem durch den Einfluß der anderen Sprachen getrübten Sprachgefühl. Durch Regeln wird man hier aber gar nicht helfen können; mit größerer geistiger Gewandtheit wird eine solche Ungelenkheit von selbst wegfallen. Darum glaube ich, daß wir ohne Bedenken auch diese empfohlene UÜbung aus unserer deutschen Stunde entfernen können, es giebt noch genug zu thun und auch unsere Schüler können noch genug beschäftigt werden, auch wenn sie nicht mehr zu Hause am Federhalter kauend einen Satz suchen, in dem die Präposition„gemäß“ oder sonst eine vorkommt, wenn sie vielleicht gewissenhaft genug sind, das lateinische Ubungs- buch nicht zu benutzen.
Dann heißt es weiter bei Schmid: Die Konjunctionen an leichten Sätzen des latei- nischen Lehrbuchs geübt führen auf ganz praktischem Wege in die Satzlehre ein, ohne daß der Schüler irgend etwas über ihre Theorie zu erfahren braucht. Haupt- und Nebensätze, Vorder-
und Nachsätze, direkte und indirekte Fragsätze lernt der Schüler am lateinischen Beispiel 2


