Aufsatz 
Antigone. Tragödie von Sophokles. Zur Einweihungsfeier des neuen Gymnasiums in Limburg an der Lahn übersetzt und für die Aufführung bearbeitet
Entstehung
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Die Stimme meines Sohns! Vorwärts! eilt

Zur Gruft ihr Diener; durch den offnen Spalt 1215 Der ausgebrochnen Steine dringet bis

Ins Innere vor und schaut, ob ich vernahm

Des Haimon Stimme, oder ob ein Gott

Mich täuscht. So taten wir nach dem Befehl

Des schwer verzagten Herrn. Da sahen wir 1220 Im Hintergrund das Mädchen aufgeknüpft,

Den Hals in ihres Schleiers zartem Strick.

Und ihren Leib umschlang, fest angeschmiegt,

Der Jüngling und beklagte den Verlust

Der früh dahingesunknen Braut, die Tat

Des Vaters und die eigne traur'ge Hochzeit. 1225 Bei seinem Anblick seufzte Kreon schwer, Schritt näher auf ihn zu und sprach ihn an

Mit lautem Jammerruf:Unseliger,

Was tatest du? Was plant dein Sinn? Was ist

Das für ein Unglück, dem du da verfielst? Komm her, mein Sohn, ich ruf' dich flehentlich. 1230 Doch wilden Blickes sah ihn an der Sohn

Und spie ihm in's Gesicht und sprach kein Wort.

Des Schwertes Griff erfaßte seine Hand

Und fehlte zwar den eiligst Fliehenden;

Doch selber dann, der eig'nen Raserei

Ein unglücksel'ges Opfer, stieß er sich 1235 Mit Wucht die Spitze mitten in die Brust.

Noch bei Besinnung preßt die Jungfrau er

In seinen matten Arm. Sein letzter Hauch Spritzt roten Blutes einen starken Strahl

Auf ihre weißen Wangen. Also liegt

Er tot dort bei der Toten, der Unsel'ge 1240 Der, erst in Hades' Haus die Braut umarmend, Erfüllte seiner Sehnsucht spätes Ziel,

Und der uns Menschen hier ein Beispiel beut

Daß größtes Unglück die Verblendung bringt.

(Eurydike schnell ab.)