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man aber bei diesem Einschube zu Werke ging, erhellt daraus, dass Athene in Vers 60 ausdrücklich Telemach mit Namen nennt, während Menelaus gleich darauf nach dem Namen der Fremden fragt. Es kann ja auch von einer Ausführung der Absicht Athenes, die in 60 f. ausgesprochen ist, gar keine Rede sein, da sie sich ja bald entfernt; ebenso wenig richtig ist, was der Dichter in Vers 62 sagt, dass sie selbst alles vollendet hätte. Es gewinnt das Ganze nur, wenn 65 sich an 35 anschliesst, um so mehr, da Nestor im Folgenden so spricht, als ob alle Gefährten Telemachs zugegen gewesen wären. ¹) Ebenso folgte mit Ausfall von 76—78, worin der Erfolg der ermuthigenden Worte Athenes ausgedrückt ist, und deren letzter Vers in einer Reihe von Handschriften vollständig fehlte ²), auf 75 sofort 79, während die übrige Erzählung bis 209 ohne jeglichen Anstoss ist. Dieser Vers jedoch, der nach den Scholien als rrsourris bezeichnet wird, ist unächt, weil Telemach an den Tod seines Vaters glaubt und nach dem Vorhergehenden Nestor den Jüngling allein als Rächer ansieht. Dasselbe erhellt auch aus dem Folgenden, worin 212 f. wegen der grossen Anzahl der Freier ausfallen müssen. Wenn Düntzer bemerkt, es fällt auf,„dass Nestor jetzt von der Gunst Athenes für Telemach statt für Odysseus spricht“, so ist das allerdings sehr richtig, weil ein Widerspruch zwischen 205 ff. und 227 f. einer- und 216 f. andererseits besteht. Dort wird Telemach als der Rächer, hier Odysseus als solcher bezeichnet; nach der ganzen Anlage kann aber nur Telemach gemeint sein, wie schon aus dem Vergleiche Nestors zwischen dem, Sohne des Odysseus und Orestes hervorgeht. Zenodot hatte noch die richtige Leseart, die sich nur auf Telemach be- zog. Er las statt dartgeratw und d„e, die sich auf Odysseus beziehen, mortosai und ꝗ³‿ ε ³). Dieses lässt uns einen Einbliek in die Absicht des Verfassers der Telemachie thun. Denn vergleicht man mit dieser ganzen Stelle jene wunderlichen und dem Vorhergehenden widersprechenden Verse 1 293— 302 und die drohenden Worteée, die Telemach II 143— 145 und 314— 317 gegen die Freier ausstösst und hält den schein- baren Zweck seiner Reise(II 214— 223= 1 284— 292) damit zusammen, so liegt, da der Tod des Odysseus allgemein geglaubt wurde, die Vermuthung nahe, dass letztere unächt sind und I 293— 302 den Endzweck seiner Reise bezeichnen, wenn seine Forschungen nach seinem Vater vergeblich sein sollten. So viel aber ist sicher, dass durch Einführung der Zenodotischen Leseart und Entfernung von 212 f. der Text und Sinn ein vortrefflicher wird und die Antworten vorzüglich passen. Sie konnte natür- lich nicht mehr bestehen bleiben„als die Telemachie mit der Odyssee verbunden und wie sonst, so auch hier wieder Athene eingeschoben wurde, die 229— 242 nur von Odysseus spricht. Wie schwach aber auch dieser Einschub ist, geht schon aus den alten Kritikern hervor. Abgesehen davon, dass Zenodot nach dem Scholiasten den
¹) II 70 ff.,, 81 ff. So wird 313 f. Telemach allein, 323 nebst seinen Genossen angeredet, Athenes aber gar nicht erwähnt. ²) La Roche V. 1. III 78. ³) Schol. III 216 f.


