Aufsatz 
Über die Macht der Gewohnheit auf die Gestaltung des menschlichen Lebens
Entstehung
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Schoͤnen zu entſprechen; ¹) 4. aus Haß gegen den Vorſchreibenden, wenn derſelbe als ein unverſtaͤndiger, unbeſonnener, eigennuͤtziger, parteiiſcher, lau⸗ niſcher, uͤbelwollender, ſchlechter Menſch bekannt iſtz 5. aus Verachtung der Vorſchriften, wenn dieſe unbeſonnen, unzweckmaͤßig, launiſch, eigennuͤtzig, parteiiſch, veraͤnderlich, unwuͤrdig und ſchlecht ſind; 6. aus Mangel an der noͤthigen Aufſicht auf die Befolgung der Vorſchriften und aus Mangel an der erfoderlichen Strenge bei Uebertretung derſelben; denn die Gewißheit, daß jede Uebertretung erkannt, und jede erkannte angemeſſen beſtraft werde, vermag rohe oder leichtſinnige Menſchen leider! meiſtens nur allein von der Uebertretung der Geſetze abzuhalten; 7. aus Irreligioſitaͤt derer, die gehor⸗ chen ſollen; denn der Irreligioͤſe hat außer irdiſcher Hoffnung und Furcht nichts weiter, das ihn noch zur Erfuͤllung eines Geſetzes antreiben koͤnnte; 8. aus dem boͤſen Beifpiele derjenigen, deren beſondere Pflicht es iſt, uͤber die Befolgung der Geſetze zu wachen.

Werden Schuͤler einer Lehranſtalt ungehorſam, ſo faͤllt unſtreitig die Schuld zunaͤchſt auf die Lehrer; weil ſie die Gruͤnde zum Ungehorſam nicht ſorgfaͤltig und ſtreng genug entfernt haben. Doch tragen nicht ſelten die Eltern der ſtaͤdtiſchen und die Koſtherren der fremden Schuͤler viel zum Ungehorſam der Schuͤler bei; entweder weil ſie aus ſtraͤflicher Sorgloſigkeit ihre Kinder oder Koſtgaͤnger nicht gehoͤrig beobachten; oder weil ſie aus tadelhafter Nachſicht denſelben alle Verkehrtheiten ungeruͤgt hingehen laſſen; oder weil ſie aus kleinlicher Furcht vor groͤßern Unarten, oder aus ſchmutzi gem Eigennutze das ſchlechte Betragen derſelben verſchweigen; oder weil ſie aus haͤßlicher Rohheit durch ſchlechte Reden und Handlungen dieſelben zur

¹) Appetitus, qui finem et modum transeunt, relinquunt et abjiciunt obe- dientiam, nec rationi parent. Cic. de off. I. 29. 4