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haben. Er heißt bald ein 49 toc, bald ein Xa*x⁴ενςμ⁵). Beide Ueberlieferungen laſſen ſich jedoch in der Annahme vereinigen, daß der Vater des Redners, Diagoras genannt, zu jenen Kleruchen gehört habe, die bis Ol. 92,2(411) noch in Euböa lebten, und deren Vorfahren kurz nach dem 1. Perſerkriege dorthin gewandert waren.¹⁰*) Möglich iſt es ſodann und nicht unwahrſcheinlich, daß unmittelbar oder doch ſehr bald nach Euböas Abfall der Knabe mit ſeinem Vater nach Athen überſiedelte; ſicher, daß er hier in der Schule des Sophiſten Gorgias und der Redner Antiphon, Lyſias, Jſokrates ſich zum rechtskundigen Rhetoriker aus⸗ bildete. ¹¹) Nachdem er ſich ziemlich einſeitig auf die gerichtliche Beredſamkeit, ysros dαœνννν, geworfen, kam er bald zu großem Anſehen durch ſeine geſchriebenen Advokatenreden(6y ¹, —lwꝛν), die er den betreffenden Parteien verfertigte, ohne ſie ſelbſt, vielleicht mit Aus— nahme der Rede über die Erbſchaft des Nikoſtratos, zu halten. Auch ſeine Redeſchule ſtand bald in Blüthe, und ſein Zuhörer Demoſthenes ²³) ſollte bald den Meiſter ver⸗ dunkeln. Was die Alten uns von 10,000 Drachmen Lehrgeld und von der Autorſchaft der erſten Reden des Demoſthenes gegen die Vormünder berichten, iſt wohl kaum glaub⸗ lich;*³) nur läßt ſich nicht leugnen, daß mehrere Reden des großen Schülers das Gepräge des Iſäiſchen Stils tragen.
Von einer ſtaatsmänniſchen oder ſtaatsredneriſchen Thätigkeit des Iſaios erfahren wir ſoviel wie nichts,“*) und das iſt allerdings der Punkt, indem ſich unſer Redner von den meiſten übrigen Heroen der Dekade nicht zu ſeinem Vortheile unterſcheidet. Er iſt kein Antiphon, jener Neſtor der attiſchen Redner, der mit Rath und That in das Leben ſeines Vaterlandes eingreift und als Parteimann untergeht; kein Lyſias, der Ty⸗ rannen vertreiben hilft; kein Iſokrates, der, obgleich kein weitblickender Staatsmann, doch Patriot genug iſt, um mit der Freiheit Griechenlands zugleich ins Grab zu ſinken. Am allerwenigſten iſt er ein Demoſthenes, der ſeinen Mitbürgern die Begeiſterung und Opfer— freudigkeit einhauchen will, von welcher jene Marathon- und Salamisſieger beſeelt waren und er ſelbſt durchglüht iſt; aber doch auch kein Aeſchines, der ſeine Geſinnung und Be⸗ redſamkeit dem Feinde verkauft. Wir haben es, wie ſchon bemerkt worden iſt, hier mit einem diεναꝙναςo oder 70„y y α—os zu thun, auf den, wenn er weiter nichts iſt und dem öffentlichen Leben gegenüber ſich unthätig und theilnamslos verhält, ein atheniſcher Staats⸗ mann und Staatsredner etwas verächtlich herabblickt; deſſen uns überlieferte Reden zu jenem Literaturzweig gehören, den Mommſen ¹³) in ſtarken Ausdrücken als eine Unnatur
²) Vgl. Pſeudo⸗Plutarch im Leben des Iſaios. Dionys Hal. 1. Hermippus lib. II. über die Schüler des Iſokrates. Truos Toαtou. Demetrius in ſeinem comment. über die Beinamen der Dichter.
¹⁰) Schömann a. a. O. Liebmann meint, Iſaios heiße blos wegen ſeines Wohnortes Athener.
¹1¹) Bgl. Hermippus bei Dionys.(Reiske p. 303.§. 1) dυνκηοναεν μνμ2αοωναdou— ‿eyerero de ros dοεασιοισν τιινν‿νυά⁴οοσρν. Pſeudo⸗Plut. und Photios.
¹²) Dion. p. 300(§. 1) 6 uosέτοωννα ντπαηνννοduevos zar dd oντo ddre perdue’os xreερασνm— §. 3.(p. 305) vær rπτνꝙGν is dvroς dot i¹js Smuoodενuν duvdusc.
¹³b) Plut. d. glor. Athen. p. 350. Pſeudo⸗Plut. p. 837, 839. Photios Vibl. Plut. Demoſth. 5. Suidas Libanios Vit. Demosth. p. 3. Weſtermann p. 89.
¹4¹) Dion. p. 303(§. 1) o⁴*εᷣ Qνκρι τνs 11ο a⸗1sςᷣ τυν QπQQłꝑꝓ˙ννμ⁴ἀντιυν νdε doά d nostderò uνα oAεelx ff.
¹⁵) Mommſen, Römiſche Geſchichte. III. S. 602 u. 603.


